Author Topic: Alain Badiou...  (Read 7184 times)

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Alain Badiou...
« on: March 22, 2016, 10:41:31 AM »
Alain Badiou (* 17. Januar 1937 in Rabat) ist ein französischsprachiger, marxistisch bzw. kommunistisch orientierter Philosoph, Mathematiker und Autor von Dramen und Romanen. ... Badiou will mit Arthur Rimbaud in der Liebe das Risiko und das Abenteuer wiedererfinden, gegen Sicherheitsdenken und Komfortbedürfnisse. Ohne Liebe sei auch die Philosophie nicht zu verstehen. Gelehrter, Künstler, Aktivist und Liebender zu sein, das sind die vier Bedingungen der Philosophie. Die Liebe sieht er bedroht durch die Suche nach dem idealen Partner aufgrund besonderer uns ähnlichen oder ergänzenden Eigenschaften seines Persönlichkeitsprofils: Man möchte Leid vermeiden, das Risiko des Scheiterns verringern und das Glück durch Berechnung erzwingen. So verliere das Leben seine zufälligen Begegnungen, seine Möglichkeiten und damit seine Poesie. Es bleibe immer ein Risiko, sich zu verlieben, aber gerade das Risiko, Fehler zu machen, zu leiden, zu enttäuschen, gibt dem Leben einen Sinn und Intensität. Man müsse die Welt vom Unterschied aus erfahren, nicht nur von der Identität aus. Der Austausch der Partner gehe über das wechselseitige Genießen hinaus, er entwickele sich zu einer "Bühne der Zwei", in der ein unendlich anderer "mit seinem Sein bewaffnet in mein Leben getreten ist und es damit zerbrochen und neu zusammengesetzt hat". ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Alain_Badiou

https://de.wikipedia.org/wiki/Alain_Badiou#Schriften

Badiou Studies is a multi-lingual, peer-reviewed journal dedicated to the philosophy and thought of and surrounding the philosopher, playwright, novelist and poet Alain Badiou.
http://badioustudies.org/

Gernot Kamecke: Alain Badiou (05 2012)
http://www.information-philosophie.de/?a=1&t=7055&n=2&y=4&c=103


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Alain Badiou...
« Reply #1 on: March 22, 2016, 10:51:34 AM »
"Philosoph Badiou über Paris-Massaker - Der Gefühlskultur widerstehen" Christof Forderer (25. 11. 2015)
Die Anschläge von Paris bewegen Alain Badiou zum Innehalten. Doch er bleibt dabei, dass der IS vom kapitalistischen Weltsystem generiert sei. ... Um einer bloßen Gefühlskultur zu widerstehen, erinnert Badiou an ein Grundaxiom seines politischen Denkens: Nichts, was von Menschen gemacht ist, ist unverstehbar. Der Verstehensversuch, den er anbietet, bestätigt, dass er ein Denker, nicht aber feinmaschig nachdenklich ist. Festen Schrittes in den Stiefeln, die er seit Jahrzehnten trägt, voranschreitend, lässt er mehrere Jahrzehnte Kapitalismusgeschichte Revue passieren, um zu zeigen, dass das Übel „von weiter herkommt“. ... Der 13. November 2015 hat seine Ursachen in der neoliberalen Entfesselung des Kapitalismus, die den Kapitalismus wieder das hat werden lassen, was er seinem innersten Wesen nach ist: eine Potenz der verheerenden totalen Destrukturierung von Gesellschaften und Menschen. Badious kapitalismuskritische Beschreibung der „Logik der Massaker“ enthält viel Richtiges. Wenn er allerdings die Ursache der Attentate darin sieht, dass in den 70er Jahren die Idee des Kommunismus nicht gesiegt hat, ist seine Analyse in ihrer Allgemeinheit das Symptom einer Unfähigkeit zu trauern. ...
https://www.taz.de/!5254955/


„Westlicher Todestrieb“
Nils Markwardt, Ausgabe 1116 | 21.03.2016
Interview Wir Europäer müssen uns an Flüchtlingsströme gewöhnen, sagt der Philosoph Alain Badiou. Weil wir eine große Mitverantwortung tragen. Von Integration hält er gar nichts. ...
https://www.freitag.de/autoren/nils-markwardt/westlicher-todestrieb


"Die visionäre Lücke: Analyse Alain Badious Thesen zu Terroranschlägen und Faschisierung bieten Stoff zum Weiterdenken" Michael Jäger (11.05.2016)
Alain Badious Analyse ist sehr klar. Die global agierenden Großkonzerne setzen sich über die mächtigsten Staaten hinweg – das wurde schon häufiger festgestellt. Diese Staaten sind dazu übergegangen, dem Staatszerfall in Gebieten ihrer früheren Kolonialherrschaft tatenlos zuzusehen, wenn sie ihn nicht sogar aktiv betreiben – das konnte man ähnlich bei Herfried Münkler lesen. Badiou aber verknüpft beide Befunde: Kapitalistische Unternehmen können desto besser expandieren, je weniger ein Staat sie reguliert, am besten aber ist es, wenn gar nichts sie behindert. Seit 30 Jahren, seit der Niederlage des Kommunismus, setzen sie sich über alles hinweg.
Was kann man dagegen tun? Badiou weiß, worin das Rezept bestünde: Man müsste von einer Alternative zum Kapitalismus wissen. Aber auch er hat keine griffbereit. Gerade dieser Mangel führt Badiou zum wichtigsten Teil seiner Analyse. Viele Menschen, die im Staatszerfall lebten, flüchteten zu uns, weil sie in den Westen falsche Hoffnungen setzten, sagt Badiou. Gemeinsam mit diesen Menschen sollten wir eine „strategische Vision“ entwickeln.
Tun wir das nicht, würden sie, so Badiou, nihilistisch, und es bestünde die Gefahr, dass manche von ihnen auch „faschistisch“ werden. ...
https://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/die-visionaere-luecke

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Sikkimoto 17.05.2016 | 11:29
@Moorleiche

>Wir haben zugunsten einer immer unreflektierteren Nützlichkeitsideologie verlernt andere Werte groß zu schreiben, als den Geldwert.<

Würde mir schon reichen wenn die Mehrzahl der Bevölkerung in der Lage wäre ihre eigenen monetären Interessen zu erkennen.

Ansonsten, ja, der Kapitalismus ist so neu nicht. Ich denke die Kunst der Meinungssteuerung hat in den letzten 50 Jahren einfach enorme Fortschritte gemacht. Insbesondere was das Einlullen der Geister mit allem möglichen Schnickschnack angeht.


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Moorleiche 17.05.2016 | 11:53
@Sikkimoto

„Ich denke die Kunst der Meinungssteuerung hat in den letzten 50 Jahren einfach enorme Fortschritte gemacht. Insbesondere was das Einlullen der Geister mit allem möglichen Schnickschnack angeht.“

Und doch geschieht das ja zu einem gewissen, und ich glaube gar nicht mal so geringen, Teil auch freiwillig. Es ist immer so leicht gesagt, dass wir alle ferngesteuert, manipuliert, unfrei usw. seien, nur vergisst man dann oftmals die Leute selbst zu fragen, sondern entscheidet über ihre Köpfe hinweg. Natürlich nur in bester Absicht und um sie zu befreien. Nur, sie das selbst entscheiden zu lassen, das traut man ihnen dann doch nicht zu. Auch so wird Freiheit kassiert und der Einzelne entmündigt, das kommt aber so wohlmeinend daher, nur zu seinem Besten.


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Sikkimoto 17.05.2016 | 13:23
@Moorleiche

Worauf wollen sie hinaus? Eine Aufzählung mit welchen Narrativen die Massen aktuell dazu gebracht werden gegen ihre Interessen zu agieren? Oder warum diese gerade heute verfangen? Da würde es schon schwieriger.

Oder wollen sie gar unterstellen, jedes Individuum handle aus rationaler Erwägung heraus? Da hat die Verhaltensforschung sie lange überholt.

...  @Moorleiche
> Geben Sie mir einfach mal ein konkretes Beispiel dafür, wann ich, Ihrer Meinung nach, nicht mehr freiwillig agiere.

... Manipulation beruht immer ein Stück weit auf dem Einvernehmen des zu Manipulierenden. Auf ein binäres "frei" oder "nicht frei" würde ich mich aber nicht einlassen. Das sind theoretische Erwägungen, die Realität malt in Gratönen.



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Moorleiche 17.05.2016 | 14:44
@Sikkimoto

... M.E. ist das ein fließendes Kontinuum, dass von äußeren und inneren Zwängen (bspw. Erpressung und Sucht) begrenzt ist und es ist Geschmackssache wie weit man auch in diesen Fällen den Menschen noch als „zur Freiheit verdammt“ (Sartre) bezeichnen möchte.

Das Gegenargument ist dann eben, dass uns Werbung, Erziehung, das kapitalistische System usw. manipulieren und wir eben nicht die Wahl haben und/oder sie auch dann nicht haben, wenn wir meinen, dass wir sie hätten, weil die Manipulationstechniken heute so effektiv und subtil sind.

Irgendwo dazwischen befindet man sich mit seiner Position und ich bin ein starker Befürworter der Position, dass die Menschen weitgehend frei (wenn auch nicht immer klug) agieren. Und warum das ggf. anders sein sollte, würde ich dann gerne wissen.



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« Last Edit: May 18, 2016, 11:21:44 AM by Link »

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Alain Badiou...
« Reply #2 on: November 16, 2016, 11:03:50 AM »
"Der rote Sokrates" Florian Schmid (16.11.2016)
Diesen Sommer, als es wochenlang zu Streiks, Blockaden, Demonstrationen und Straßenschlachten kam, schien das sonst so massive französische Herrschaftsgefüge ins Wanken zu geraten. Frankreichs Version der Agenda 2010 wurde nicht einfach geschluckt. Schlummerte in unserem Nachbarland das Potenzial für den kommenden großen Aufstand?
Jedenfalls scheint Frankreich auch 50 Jahre nach dem Pariser Mai der westeuropäische Hort widerständiger politischer Praktiken zu sein, bei der die Jugend eine zentrale Rolle spielt – dem dauerhaften Ausnahmezustand zum Trotz. Da passt es, dass der bekannte Philosoph Alain Badiou ein Manifest vorlegt, in dem er sich an diese gerade wieder revoltierende Jugend richtet. Der gut 100-seitige Essay mit dem gewitzten Titel Versuch, die Jugend zu verderben analysiert die Situation von jungen Menschen, die durch die Globalisierung und ihre Folgen eine neue und radikale Form der Desorientierung erleben. ... Der Versuch, die Jugend zu verderben ist kein platter Aufruf zum Aufstand, sondern ein an den sozialen, kulturellen und politischen Gegebenheiten orientierter Appell gegen die Vereinzelung und für die Herausbildung kollektiver Handlungsmacht. Man kann das eine Streitschrift für den Kommunismus nennen. ...
https://www.freitag.de/autoren/florian-schmid/der-rote-sokrates