Author Topic: Stadtgeschichte - Berlin  (Read 1221 times)

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Stadtgeschichte - Berlin
« on: December 27, 2015, 03:47:14 PM »
"Berlin zur Kaiserzeit Glanz und Schatten einer Epoche - Doku über Berlin" (Datum ?)
Glanz, das galt für die Bewohner der feinen Gegenden, in der Stadtmitte, bedeutete Gesellschaft, Tiergarten, "Unter den Linden" mit Paraden, Theatern, eleganten Geschäften. Schatten lag über den Mietskasernen in den Arbeiterbezirken im Norden und Osten der Stadt, bedeutete harte Arbeit, schlechte Wohnverhältnisse, Hunger, aber auch bescheidene Vergnügungen am Sonntag: Biergarten, Wannsee, Rummel. Dieser Film zeigt die Auswirkungen des 1.Weltkrieges auf die Bevölkerung und endet mit der Ausrufung der Republik.
https://www.youtube.com/watch?v=oOFKfnoQc38


"Die Stunde Null - Berlin im Sommer 1945 " (Phoenix, Datum ?)
Der 8. Mai 1945: das Ende des "totalen Krieges". Die Gefühle der Besiegten schwankten - Niederlage oder Befreiung? Wenige Minuten nach Mitternacht unterzeichnet Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel in Berlin-Karlshorst die deutsche Kapitulationserklärung. Nach den dunklen Jahren des Krieges zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Leben und Tod markiert das Ende des "Dritten Reiches" zugleich einen Neuanfang.
Die "Stunde Null" ließ Sieger und Besiegte, Soldaten und Gefangene, die Überlebenden in den Konzentrationslagern, die Flüchtlinge und Vertriebenen sowie die Bewohner der zerbombten Städte aufatmen. Für einen Moment schien die Geschichte stillzustehen. Doch der Schein trog. Nicht nur Trauer und Verzweiflung über den Tod von Verwandten und Freunden, auch den Verlust von Idealen, die pervertiert worden waren, galt es zu verkraften. Der Erkenntnis vieler Deutschen, schamlos betrogen worden zu sein, folgte die deprimierende Aussicht, daß Jahre des Hungers, der Not und der Entbehrung bevorstanden. Im Film prallen Erinnerungen an den 8. Mai 1945 aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Kindersoldaten, die noch in den Trümmern für den "Endsieg" kämpften. Der Elendszug der Flüchtlinge. Der Kampf ums nackte Überleben. Das "Frau komm" der Sowjets und die Lucky Strikes der Amerikaner. Die Konfrontation mit der Wahrheit über die Konzentrationslager und die Hoffnung, daß es irgendwie weitergeht. Erinnerungen, die schmerzen - auch heute noch. Im "ZDF-Jahrhundertbus" äußerten sich viele Zeitzeugen zum ersten Mal, wie sie die schwerste Stunde der deutschen Geschichte erlebten: Menschen, die auf der Flucht waren, Frauen, die noch in den letzten Tagen des Krieges ihre Männer verloren, Männer, die den Tag der Kapitulation in der Kriegsgefangenschaft erlebten, und solche, die froh waren, zum ersten Mal Glen Miller zu hören. Der Film zeigt, daß "Die Stunde Null" nicht nur Ende, sondern auch Anfang war. Der Film "Die Stunde Null" von Peter Adler zeigt, wie zwiespältig bei vielen Deutschen die Empfindungen bis heute sind.
https://www.youtube.com/watch?v=QZ9Pil_kgOI

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Stadtgeschichte - Berlin
« Reply #1 on: January 19, 2016, 10:51:24 AM »
"Berlin vor 100 Jahren: Die Hauptstadt der Häutungen" Christian Schröder (01/2015)
Abreißen, neu bauen – und Berlin boomt: Ein Bildband zeigt, wie aus der Residenz eine Millionenmetropole wurde. Mittelalterliche Altbauten verschwanden genauso wie viele historistische Neubauten. [Miriam Paeslack: Berlin im 19. Jahrhundert. Frühe Photographien 1850–1914. Schirmer/Mosel, München 2015. 232 S.] ...
http://www.tagesspiegel.de/kultur/berlin-vor-100-jahren-die-hauptstadt-der-haeutungen/12847294.html


"Weltbühne Berlin - Die Zwanziger Jahre" Irmgard von zur Mühlen
Doku, BRD, 1986
https://www.youtube.com/watch?v=KNw2OqOzyQ4

Tauchen Sie ein in die Vergangenheit Berlins
http://alt-berlin.info/

http://alt-berlin.info/seiten/buecher.shtml

Historische Berliner Urinale
http://www.surveyor.in-berlin.de/berlin/real/index.html


Prenzlauer Berg
Geschichten und Geschichte eines verschwundenen Stadtbezirks
http://reifenwechsler.blogspot.de/

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"Kreuzberg in den Siebzigern: Die Bronx Berlins" Katja Iken (05.06.2016)
Kinder toben durch Bruchbuden, Freaks proben den Aufstand: Kreuzberg war einst Aussteiger-Mekka, Armenviertel und Abenteuerspielplatz in einem. Amateurfotograf Steffen Osterkamp fing den morbiden Charme ein. ... Osterkamp scannte 1200 Negative ein und begab sich mit den Aufnahmen in der Hand auf Spurensuche durch den "Hinterhof West-Berlins", wie die "Berliner Zeitung" den Bezirk Kreuzberg einmal titulierte: Wo lief der Onkel damals genau entlang? In welchem Jahr könnten die Fotos entstanden sein? Es begann eine minutiöse Detektivarbeit, die noch immer nicht abgeschlossen ist. ...
http://www.spiegel.de/einestages/kreuzberg-in-den-siebzigern-die-bronx-berlins-a-1095202.html

http://www.spiegel.de/fotostrecke/kreuzberg-fotograf-steffen-osterkamp-fotostrecke-137780.html



« Last Edit: June 06, 2016, 02:35:12 PM by Link »

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Stadtgeschichte - Berlin
« Reply #2 on: June 30, 2016, 01:40:14 PM »
"Fotovergleich Ost-Berlin 1980 und heute" (06/2016)
http://interaktiv.morgenpost.de/ost-berlin-1980-2016/

http://interaktiv.morgenpost.de/ostberlin-1960er-2016/

http://interaktiv.morgenpost.de/prenzlauer-berg-1980-2016/

http://interaktiv.morgenpost.de/kreuzberg-1970-2015/

http://interaktiv.morgenpost.de/berlin-1945-2015/


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Im Frühjahr 2005 ging Berlin Street wieder als selbstständiges Weblog online. Inhaltliche Schwerpunkte sind Kommentare zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen sowie die Berliner Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts, auch in Form von persönlichen Erinnerungen. Regelmäßig werden Texte anderer Autoren veröffentlicht, wie der Taxiroman von Sabine Faber (mittlerweile nur noch beim Würfelfunk) oder die Spaziergänge von Diether Huhn. ...
http://www.berlinstreet.de/
« Last Edit: November 27, 2018, 12:23:01 PM by Link »

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Stadtgeschichte - Berlin
« Reply #3 on: July 21, 2016, 10:33:07 AM »
"Bevölkerung und Wohnungsnot Berlin hat so viele Bewohner wie seit Jahrzehnten nicht mehr" Ralf Schönball (20.07.2016)
Erstmals seit Jahrzehnten leben mehr als 3,5 Millionen Menschen in Berlin. Aber der Wohnungsbestand wächst zu langsam. ... Erstmals seit Jahrzehnten ist die Bevölkerung von Berlin auf mehr als 3,5 Millionen Einwohner gestiegen. Dies geht aus einem aktuellen Bericht des Statistischen Amtes Berlin-Brandenburg hervor, der an diesem Donnerstag erscheint. Demnach wuchs die Bevölkerung allein innerhalb der letzten zwölf Monaten um mehr als 50.000 Einwohner auf 3.520.031. Damit verschärft sich die Wohnungsnot in der Stadt drastisch, denn der Bestand an Wohnungen wächst gemessen am Einwohnerzuwachs nur schleppend – längst gibt es viel weniger Wohnungen als Haushalte in Berlin.
Denn nach aktuellen Zahlen des Statistikamtes nahm der Bestand an Wohnungen im vergangenen Jahr um gerade mal 0,6 Prozent zu: 10.877 Wohnungen wurden Ende 2015 mehr gezählt als ein Jahr zuvor. Theoretisch müssten sich also fünf Neuberliner jede der neu entstandenen Wohnungen teilen, damit sich die Wohnungskrise in der Stadt nicht noch zusätzlich verschärft. Die Realität sieht aber anders aus: In der deutschen Hauptstadt der Singles besteht ein Haushalt im Durchschnitt aus nicht mal zwei Personen (statistisch: 1,8). Gemessen daran fehlten also allein im vergangenen Jahr mehr als 15.000 Wohnungen, um allein jenen Teil der Nachfrage zu decken, der durch das Bevölkerungswachstum zusätzlich entstanden ist. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/bevoelkerung-und-wohnungsnot-berlin-hat-so-viele-bewohner-wie-seit-jahrzehnten-nicht-mehr/13903866.html

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"„Vanishing Berlin“: Diese Fotos zeigen, wie eine Stadt langsam ihre Seele verliert" Tessa Högele (2016)
http://ze.tt/vanishing-berlin-wie-eine-stadt-langsam-ihre-seele-verliert/

https://berlinvanishing.wordpress.com/

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"So sah das Berlin der 80er Jahre aus" (2016)
http://www.tagesspiegel.de/mediacenter/fotostrecken/berlin/bildergalerie-so-sah-das-berlin-der-80er-jahre-aus/14663834.html

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"Berlin, deine 50er Jahre" (2016)
http://www.tagesspiegel.de/mediacenter/fotostrecken/berlin/historische-fotos-berlin-deine-50er-jahre/10769390.html

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"Westberlin in den Achtzigern - Im Wilden Westen" Michael Sontheimer (01.11.2016)
Graue Stadt, prima Stimmung: Westberlin war in den Achtzigerjahren ein surreales Soziotop mit Spießern und Spinnern, Punks und Hausbesetzern. Fotograf Christian Schulz zeigt die Stadt zwischen Party und Randale.
http://www.spiegel.de/einestages/fotograf-christian-schulz-west-berlin-der-80er-freaks-und-spiesser-a-1118310.html

http://cs-christianschulz.de/

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"Berlin: Das wahre Sozialistenparadies lag im Westen"  (10.11.2014)
Für Eva C. Schweitzer hieß das sozialistische Paradies West-Berlin. Vor dem Fall der Mauer war das Bier dort billig, die Mieten günstig und es musste niemand arbeiten, der nicht wollte. ... Ich lebte damals in einem städtischen Sanierungsgebiet, am Chamissoplatz (die Wohnungen in West-Berlin wurden, anders als im Osten, mit viel, viel Staatsknete saniert). Mit dem "Mieterladen Chamissoplatz", einer Bürgerinitiative, untersuchten wir einmal im Auftrag des Senats einen sanierten Block. Dort wohnten ein Drittel Studenten, ein Drittel Rentner und ein Drittel Arbeiter. Die Arbeiter stammten ausnahmslos aus der Türkei und verdienten doppelt so viel wie die Studenten oder die Rentner. Dem Senat gehörten auch Gewerbeetagen, in denen linksalternative Projekte vor sich hin bastelten, von der Berlin-Zulage über Wasser gehalten. Ich arbeitete damals bei einer kleinen, linken Tageszeitung, die vornehmlich dank des Talents des Geschäftsführers, Steuerabschreibungen auszunutzen, überlebte. Es handelte sich natürlich um die "taz". ...
http://www.spiegel.de/einestages/west-berlin-paradies-der-sozialisten-a-1001572.html

Berlin Chamissoplatz ist ein Film von Rudolf Thome aus dem Jahr 1980. Die Uraufführung fand am 1. November 1980 bei den Hofer Filmtagen statt.  ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin_Chamissoplatz

« Last Edit: January 12, 2017, 09:22:59 AM by Link »

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Stadtgeschichte - Berlin
« Reply #4 on: November 03, 2016, 09:18:32 AM »
"Nahverkehr in Berlin BVG setzt auf Oldtimer" Klaus Kurpjuweit (03.11.2016)
Auf der U 55 fahren bald nur noch Züge aus den 1950er-Jahren. Die BVG steckte hierfür 1,9 Millionen Euro in die alten Wagen. ... Sie will damit aber nicht Nostalgiker erfreuen, sondern reagiert nur auf den Fahrzeugmangel bei der U-Bahn. Durch das Auferstehen der alten Züge kann die BVG modernere Fahrzeuge von der U 55 abziehen und damit den Betrieb auf der nachfragestarken U 6 (Alt-Tegel–Alt-Mariendorf) durch den Einsatz eines zusätzlichen Zuges verstärken.
Die Alt-Fahrzeuge halten den Einsatz auf der U 55 aus, ist der Abteilungsleiter U-Bahn-Fahrzeuge, Martin Süß, überzeugt. Auf der nur 1,8 Kilometer langen Stummellinie, die derzeit bis zum Alexanderplatz verlängert und dann U 5 heißen wird, legten die drei dort vorhandenen Zwei-Wagen-Züge, Doppeltriebwagen genannt, zusammen jährlich rund 120 000 Kilometer zurück; etwa so viel, wie ein einzelner Doppeltriebwagen im übrigen Netz schafft. Die täglich etwa 6500 Fahrgäste strapazierten die Züge auch nicht so sehr wie auf den anderen Linien, sagte Süß am Mittwoch, als die BVG den ersten reaktivierten Doppeltriebwagen vorstellte. Die Vorführfahrt absolvierte er jedenfalls ohne sichtbare Probleme. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/nahverkehr-in-berlin-bvg-setzt-auf-oldtimer/14784490.html

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"Neues Buch zeigt Berlin in 1000 Bildern" Andreas Conrad (12.01.2016)
Ein opulenter Fotoband zeichnet die Berliner Alltagsgeschichte im 20. Jahrhundert nach - Alltag in Berlin. Das 20. Jahrhundert (Elsengold Verlag)
http://www.tagesspiegel.de/berlin/alltag-in-berlin-neues-buch-zeigt-berlin-in-1000-bildern/19240530.html

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"Historischer Wedding"
Leben "Uff'm Wedding" und rund um die "Plumpe" - das ehemalige Hertha-Stadion - am Gesundbrunnen. Ralf Schmiedecke hat in seinem Buch "Wedding -Mitten in Berlin" mehr als 200 historische Bilder gesammelt. Ein Auszug. Hier: Der Nettelbeckplatz von der Pankstraße aus gesehen im Jahr im ersten Kriegsjahr 1939.
Die Bezeichnung "Auf dem Wedding" wurde am 22. Mai 1251 erstmals in den Urkunden der Marktgrafen Johann I. und Otto III. des Berliner Stadtbuches erwähnt. Der Stadtteil entstand nämlich ausgehend vom herrschaftlichen Gut des Ritters Rudolphe von Wedding nebst dem früh verlassenen Dorf Wedding an der Panke auf der Höhe der heutigen Weddingstraße Ecke Reinickendorfer Straße.
Foto: Ralf Schmiedecke ...

http://www.tagesspiegel.de/mediacenter/fotostrecken/berlin/mitten-in-berlin-historischer-wedding/19432418.html

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"Berlin nach dem Krieg: Zwischen Zerstörung und Zuversicht"
Familien flanieren über Trümmerberge, Kinder spielen in Ruinen: Ernst Hahn fotografierte den Berliner Alltag 1950/51. Lange schlummerten die Negative in einer Blechbüchse ...
http://www.spiegel.de/fotostrecke/berlin-nach-dem-krieg-da-ueberlaeuft-es-einen-kalt-fotostrecke-146430.html

Die hier gezeigten Fotografien wurden im Bildband  BERLIN um 1950 erstmalig veröffentlicht.
Sie entanden 1950 und 1951 während zweier Ferienaufenthalte in Berlin.

http://www.ernsthahn-fotografie.de/ERNST_HAHN/Fotografisches_Werk/Seiten/BERLIN_um_1950.html

« Last Edit: April 11, 2017, 12:34:46 PM by Link »

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Stadtgeschichte - Berlin
« Reply #5 on: August 16, 2017, 09:45:16 AM »
"Schöneberger Schüsseln – Der Sozialpalast" Sasch (21. April 2015)
Der Sozialpalast – oder wie das Gebäude heute offiziell genannt wird: Pallasseum – gehört zu einer der städtebaulichen und sozialpolitischen Erfolgsgeschichten, die es in Berlin leider viel zu selten gibt. ...
https://berlinonbike.de/blog/schoeneberger-schuesseln-vom-sportpalast-zum-pallasseum/

"Schöneberger Pallasseum Denkmalschutz statt Sprengung: Der Aufstieg des Sozialpalasts" Andreas Austilat (15.08.2017)
Zwei Toiletten, riesige Fenster, Balkon – für Meleh Ördüz war das der reinste Luxus, als sie 1987 in den Berliner Sozialpalast zog. Zehn Jahre später war der Klotz am Ende, kam am Abriss knapp vorbei. Heute steht er besser da denn je.
http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/schoeneberger-pallasseum-denkmalschutz-statt-sprengung-der-aufstieg-des-sozialpalasts/20187228.html

Lokaljournalismus aus und über Berlin-Neukölln
http://www.neukoellner.net/
« Last Edit: November 27, 2018, 12:21:39 PM by Link »

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Stadtgeschichte - Berlin
« Reply #6 on: August 07, 2019, 05:37:53 PM »
Quote
[...] „Ich glaube, es gibt keinen Ort, keine Straße in Berlin, wo Betteln nicht irgendeine Relevanz hat“, sagt die Sozialarbeiterin Anna-Sofie Gerth, die in Berlin-Wilmersdorf eine Tagesstätte für Wohnungslose leitet. „In jeder S-Bahn, in jeder U-Bahn, an den großen Plätzen in Berlin, ich würde sagen, an jedem zweiten Supermarkt. Auch in Banken, wo Menschen einem die Tür aufmachen, in der Hoffnung, dass man ihnen etwas in ihren Becher wirft.“

Doch auch wenn man die Bettler in der Hauptstadt an jeder Ecke sieht, bleiben sie für den Rest der Gesellschaft in gewisser Weise unsichtbar. Man steckt ihnen Geld zu oder Essen, man ignoriert sie oder ist genervt, wenn man auf einer S-Bahn-Fahrt zum gefühlt hundertsten Mal mit einer vermutlich ausgedachten Elendsgeschichte konfrontiert wird. Was weiß man schon über ihr Leben, wie sie ihren Alltag organisieren und wie sie es schaffen, in Berlin auf der Straße zu überleben?

Es sind Menschen wie Ronny, Straßenpunk und 33 Jahre alt. Ein kleiner, kräftiger Mann mit hellen Augen und vielen Zahnlücken. Ein freundliches, offenes Gesicht, schwer gezeichnet durch Alkohol, Drogen und neun Jahre auf der Straße. Eigentlich sei er Gärtner, sagt Ronny. „Schule beendet und die Ausbildung beendet. Und dann sollen sie mir mal Obdachlose zeigen, die Schule und Ausbildung beendet haben. Das sind nicht viele.“

Ronny lebt in der Nähe des Bahnhofs Zoologischer Garten, seit Jahrzehnten ein Hotspot für Obdachlose, Stricher und Drogenabhängige. Sein Geld verdient er als Bettler:

„Ich setze mich irgendwo hin, wo Leute vorbeikommen, stell den Becher hin, die Leute kommen direkt zu mir und schmeißen es rein.“ Manche würden sich auch mit ihm unterhalten. Er selbst spreche die Leute allerdings nie an. „Weil ich einen Respekt habe vor die Leute“, so Ronny. „Weil ich obdachlos bin, habe ich Respekt.“

Über die Jahre hat sich Ronny einen Stammplatz zum Betteln erkämpft, vor einem großen Supermarkt. Ein Premiumplatz, denn das Geschäft ist jeden Tag geöffnet und hat viel Laufkundschaft. Zwischen 10 und 30 Euro bekomme er täglich in seinen Becher, sagt er. Und dann sind da noch die Leute, die ihm kein Geld geben, aber ihm etwas kaufen wollen.

„Einige fragen mich, bevor sie in den Laden reingehen: Brauchst du irgendwas?“, erzählt Ronny. „Nee, ick hab alles“, sage er dann. Aber wenn sie dann fragen: Brauchst du noch ein Bier? – „Ja, gern.“

Nur von Kindern will er kein Geld haben: „Es gibt auch Familien, die geben den Kinder das Geld in die Hand und die Kinder schmeißen das Geld in den Becher rein.“ Für Ronny ein „No-Go“: Warum machen die Eltern es nicht selbst, sondern schicken die Kinder vor?

Die Jahre auf der Straße und der Alkohol haben Ronnys Gesundheit angegriffen. Er leidet unter Krampfanfällen – und hat inzwischen auch keine Lust mehr, auf der Straße zu leben. Schon gar nicht in Berlin: „Die Osteuropäer, Südländer, also die ganzen, die vom Ausland kommen, es wird mir zu viel“, erklärt er. Ronny träumt davon, nach Hamburg zu gehen und dort sesshaft zu werden.

Nicht nur, weil dort weniger Ausländer seien. Auch wegen des FC St. Pauli, dessen Fan er ist. Und wegen des frischen Fischs: „Kann sein, dass ich dann auch mit auf einen Kutter gehe, zum Arbeiten, zum Fischfang.“

Straßenpunks wie Ronny, die vom Schnorren leben, gehören in Berlin gewissermaßen zum Lokalkolorit, genauso wie die Musiker in den S- und U-Bahnen. Doch in den letzten Jahren sind neue Formen des Bettelns hinzugekommen: Straßenzeitungsverkäufer oder Flaschensammler etwa, die zwar etwas tun, aber ebenfalls auf guten Willen ihrer Umgebung angewiesen sind, ihnen etwas zukommen zu lassen.

So hat sich am unteren Rand der Gesellschaft in den letzten Jahren eine Art Schattenökonomie des Bettelns entwickelt, von der niemand so genau weiß, wie viele Menschen sie ernährt:

„Es gibt keinerlei Statistik“, sagt die Sozialarbeiterin Anna-Sofie Gerth. Die Zahl der Bettler in der Stadt sei aber auf jeden Fall vierstellig. Denn es gebe etwa 6000 Obdachlose in Berlin. Von denen betteln zwar nicht alle. Aber umgekehrt ist auch nicht jeder Bettler obdachlos.

„Pfandsammeln und Zeitungverkaufen – das machen schon eher Leute, die noch Wohnraum haben, die mit ihrem Geld nicht klarkommen oder die sanktioniert sind vom Jobcenter, weil sie irgendwelchen Mitwirkungspflichten nicht nachgekommen sind,“ erklärt Wilhelm Nadolny, Leiter der Bahnhofsmission am Zoologischen Garten in Berlin.

Das Aufkommen dieser „Nebenerwerbsbettler“ liegt zum einen daran, dass sich die soziale Lage für viele Menschen in Berlin in den letzten Jahren verschlechtert hat.

Zum anderen könnte es aber auch Ausdruck eines Kulturwandels sein: Denn seit der Hartz-IV-Debatte ist der Umgang mit Armut offener und offensiver geworden.

Armut wird nicht mehr so versteckt wie früher, sondern viele Menschen haben weniger Scheu, Hilfe in Anspruch zu nehmen: Zum Beispiel zu den Tafeln zu gehen, um günstig Lebensmittel zu kaufen.

Inzwischen scheinen auch manche Formen des Bettelns nicht mehr tabuisiert zu sein: „Ich würde sagen, Flaschensammeln ist nicht mehr so schambehaftet“, sagt Anna-Sofie Gerth.

„Wenn ich sehe, es gibt Leute, die haben Einkaufswagen, die besonders präpariert sind, damit man besonders viele Flaschen sammeln und es ganz toll stapeln kann, dann zeigt das ja auch: Ich kann was. Ich kann nicht nur Flaschen sammeln, sondern auch noch ein Konzept entwickeln, wie ich besonders viele sammele. Und das wird schon anerkannt. Dass da so eine Hemmschwelle gesunken ist, das würde ich schon sagen.“

Für Anna-Sofie Gerth von der Berliner „City-Station“ steht dahinter auch eine Generationenfrage: „Die Älteren, die hier zu Gast sind, die Nachkriegsgeneration, die wissen, wie die mit zwei Scheiben Brot und Butter die Woche überleben, die kriegen das irgendwie hin“, sagt sie. „Ich glaube, dass das Menschen, die ein bisschen jünger sind, die solche Zeiten nicht durchmachen mussten, dass da auch Kompetenzen fehlen, wie überlebe ich mit zwei Scheiben Brot die Woche.“

Für die sei es dann einfacher, rauszugehen und Flaschen zu sammeln. „Weil sie eben nicht mehr dumm angemacht werden, weil es gesellschaftlich minimal akzeptierter ist oder da so eine Toleranz entsteht.“

Klaus ist 63, ein großer, schwer übergewichtiger Mann, der sich nur noch mit Mühe ohne Rollstuhl fortbewegen kann. Früher hat er Getränke ausgefahren und sich erfolglos als Selbständiger versucht. Jetzt sind die Knie kaputt und das Geld vom Amt reicht hinten und vorne nicht:

„Von Hartz IV ist schwer zu leben, jedenfalls für einen Menschen, der früher normal gelebt hat“, sagt er. „Dann musste ich eben sehen, was ich mache. Und in der S-Bahn hat mir eines Tages einer mal ein paar ‚Straßenfeger‘ (Berliner Straßenzeitung, die 2018 eingestellt wurde) in die Hand gedrückt. Verkauf doch mal so was, sagt er zu mir. Hab ich gesagt, na warum nicht?“

Inzwischen bessert Klaus sein Hartz IV auf, indem er in einer vornehmen Villengegend Berlins die Straßenzeitung „Motz“ verkauft. So drei, vier Stunden am Tag müsse man das schon machen, sagt er. „Wenn man Glück hat, verdient man gut, und manchmal sitzt man auch eine Stunde, wo gar nichts läuft.“

Insgesamt kämen so etwa 250 Euro im Monat zusammen, sagt Klaus.

Vorausgesetzt er halte sich an bestimmte Regeln. „Man muss gut angezogen sein, das heißt normal, man darf nicht Zigaretten rauchen, man darf nicht Alkohol trinken, so was wollen die Leute nicht haben“, erklärt er. „Selbst wenn mir mal die Augen zufallen, die Leute sehen alles, wenn ich mal ein Loch im Strumpf habe oder wenn ich mal eine Tüte da zu liegen habe, das wollen die Leute nicht. Der Platz muss ordentlich aussehen! Desto mehr Trinkgeld gibt's.“

Allerdings wollen die meisten Leute gar keine Zeitung. Sondern sie geben ihm lieber so Geld. Ist Klaus damit dann nicht eigentlich ein herkömmlicher Bettler? Er widerspricht heftig:

„Eben nicht! Weil ja manchmal auch Leute kommen und mir eine Zeitung abkaufen, das ist ja nicht, dass nun gar keiner kommt. Eine Zeitung muss dabei sein, das ist das mindeste, dass man wenigstens vor sich selber sagen kann, ich bin ein Verkäufer und kein Bettler.“

Aber das Motiv der Leute, ihm Geld zu geben oder eine Zeitung abzukaufen, ist doch Mitleid? „Ja, so ungefähr“, räumt Klaus ein. Findet er das nicht ein bisschen komisch? „Ja, es ist nicht gut. Ich meine nur, im Moment lässt sich da nichts machen. Es ist ja so schon deprimierend, aber wenn da wenigstens eine Zeitung dabei ist, kann man ja den Schein noch wahren. Vor sich selber.“

Deprimierend findet Klaus auch, dass man immer mehr weniger Geld auf der Straße verdient, weil inzwischen so viele dort unterwegs sind: „An jeder Ecke stehen die“, sagt er. „Und die Leute sagen, wenn wir schon fünf Leuten vorher was gegeben haben, dann können wir Ihnen nicht auch noch was geben.“

Doch immer wieder kursieren wilde Geschichten in der Regenbogenpresse über Bettler, deren Tageseinnahme das übersteigt, was ein mittlerer Angestellter im gleichen Zeitraum verdient – und dann auch noch steuerfrei. Ganz unschuldig sind Bettler daran nicht, denn viele neigen dazu, ihre Situation positiver darzustellen, als sie ist.

„Ich glaube, da spielen Scham und Selbstbild eine Rolle“, erklärt der Sozialarbeiter Wilhelm Nadolny. „Menschen bauen sich ja ihre eigene Realität zusammen, dass sie selber gut dastehen.“ Er hält die Verdienstmöglichkeiten von Bettlern dagegen für äußerst beschränkt.

„Ich glaube, es reicht gerade so zur Überlebenssicherung“, sagt Nadolny. Und das sei meistens Suchtmittel einkaufen. „Als Alkoholabhängiger ist man so mit 10, 20 Euro am Tag dabei. Die Leute, die Heroin konsumieren, müssen teilweise am Tag 170 Euro erbetteln. Das schaffen Menschen wohl, aber die haben dann einen 20-Stunden-Arbeitstag.“

„In Nürnberg hatte ich innerhalb von einer halben Stunde 40 Euro zusammengeschnorrt“, sagt Vivi, 28. Eine hübsche, blonde Frau in Jogginghose und grauem T-Shirt, der man nicht ansieht, dass sie zurzeit auf der Straße lebt.

Anders sei es, in Berlin zu betteln: „Wenn du dich hier mal hinhockst und nach ein bisschen Kleingeld fragst, ein paar Cent oder was weiß ich, dann werden die gleich beleidigend.“

Vivi lümmelt sich in der Berliner Bahnhofsmission auf einem Sessel herum und erklärt, wie man am erfolgreichsten schnorrt: „Erstmal hat man als Frau ja grundsätzlich einen Tittenbonus“, sagt sie. „Dann noch eine Trauermiene aufsetzen, das macht es dann auch noch. Und wie du die Leute nach Geld fragst, das ist auch noch so ein Punkt.“

Vivi ist voller Wut: Auf ihre Mutter, die sie nicht wollte, auf den Vater, der die Mutter früh verließ – und auf die Behörden, die ihr ihren Sohn weggenommen haben, weil sie sich nicht adäquat um ihn kümmern konnte.

Vor Kurzem hat sie ihren Freund Danny kennengelernt. Auch er lebt auf der Straße. Nicht zum ersten Mal: „Es gab Zeiten, da habe ich geraubt, räuberische Erpressung gemacht, hab Leute kaputtgeprügelt, hab damals alles gemacht, um an Geld zu kommen. Aber das war eine andere Zeit.“

Dannys Leben, so wie er es erzählt, ist ein permanenter Wechsel zwischen drinnen und draußen, nicht nur, was das Leben in Wohnungen oder auf der Straße angeht. Mit seinen 26 Jahren war er schon dreimal im Gefängnis. Aber er hat auch eine Berufsausbildung als Maler und Lackierer. Und zwei Kinder, von denen eines bereits tot ist. Vor drei Jahren hat Danny zum ersten Mal gebettelt:

„Es war erniedrigend“, erinnert er sich. „Ich hab eigentlich diesen Malerbrief in der Hose, kann was, habe eigentlich eine Familie. Ich stehe jetzt hier so. Toll. Was mach ich da jetzt? Dann hab ich eine Oma gefragt wegen Geld und habe Tränen in den Augen gehabt, weil es mir so peinlich war. Extrem.“

Die angesprochen Frau reagierte aber offenbar recht positiv und lud Danny erst zum Kuchen in eine Bäckerei ein, drückte ihm danach noch 10 Euro in die Hand. „So, hier, kauf dir was, und wenn du willst, auch ein Bier“, sagt Danny. „Dann hab ich mir Essen und Tabak geholt, und da stand sie noch am Bus, und dann hab ich ihr das gezeigt. Und dann geht die in diesen Döner-Laden und hat mir ein Bier gekauft.“

Inzwischen bevorzugen Danny und Vivi eine andere Form des Bettelns: Sie sammeln Pfandflaschen. Danny hat das auch früher schon gemacht, am Bahnhof Südkreuz in Berlin. „Da habe ich, wenn ich Glück hatte, am Tag knapp 50 Euro gehabt“, sagt er. Weil man da auch in den Zügen sammeln konnte und da offenbar einiges findet. Nicht nur Pfandflaschen: „Manchmal findest du auch ein bisschen Tabak, manchmal hast du auch ein Handy gefunden.“

Allein mit Pfandflaschen 50 Euro zu verdienen, ist viel Arbeit. Selbst wenn man nur die wertvollen findet, die 25 Cent bringen, brauchte man davon 200 Stück. Zwei Müllsäcke voll, erklärt Danny. Doch das ist inzwischen nur noch mit Fleiß, Disziplin und bei größeren Events möglich wie Konzerten, Fußballspielen oder größeren Festen.

„Da musst du schon wirklich Glück haben und auch die richtigen Ecken kennen, wo du weißt, da rennt keiner so wirklich hin“, erklärt Vivi. „Und dann halt auch mal in die Büsche reinkriechen, scheiß drauf, ob du dir Zecken einfängst. Hauptsache, du hast erstmal ein bisschen Geld.“

Ein bisschen Geld – das heißt? „An einem normalen Tag vielleicht einen Tabakbeutel und ein bisschen Essen“, sagt Danny. „Ein Tabakbeutel kostet jetzt 4,30, okay, und dann noch ein Toastbrot, das reicht zum Essen. Hat man mehr, kann man noch eine Wurst holen.“

Weil inzwischen so viele Flaschensammler in Berlin unterwegs sind, kommt es immer wieder zu Konflikten um Pfandflaschen. Bei denen auch Danny mitmischt: „Ist es eine alte Dame, die vielleicht ihre Rente aufbessern will, dann okay, komm, lass sie“, sagt er. „Aber kommt da so ein Besoffener oder einer, der sich was spritzen will, dann kann es schon mal dazu kommen, dass ich dem eine Schelle gebe, weil, ich tu keinem von so was Drogen finanzieren.“

Er selber habe schon mal ein Messer an der Kehle gehabt, weil er offenbar an einen Abfalleimer geraten war, den ein anderer als sein Revier betrachtete, erzählt Danny.

„Zum Glück war aber die Bundespolizei gleich da.“ Wenn man schon auf der Straße lebt, sollte man sich eigentlich gegenseitig unterstützen, meint Vivi. Und sich wegen Pfandflaschen abstechen oder sich gegenseitig beklauen. „Was ich jetzt leider in den letzten Tagen auch schon paar mal hatte. Wurde mir erstmal das Portemonnaie geklaut und dann noch der frisch gekaufte Tabak. Sechs Euro oder was kam der?“ – „6,50“, sagt Danny und schüttelt den Kopf:

„Allgemein ist alles so krass und krank geworden, auch jetzt abgesehen vom Flaschensammeln. Ich hab mich jetzt in den letzten zwei Wochen mit Kumpel fast boxen müssen, weil die auf eine Frau raufwollten“, sagt Danny.

„Das war mein Ziehpapa, der auf mich draufwollte im Suff“, erklärt Vivi. „Aber er hat sich dann entschuldigt und okay ... Er hat so oft auf mich aufgepasst, da war Danny noch nicht dagewesen.“ „Man kann so besoffen sein, wie man will, man geht nicht auf eine Frau“, sagt Danny.

Es ist voll geworden auf dem „fünften Arbeitsmarkt“ – und ungemütlich. Die Stimmung auf der Straße ist schlecht:

„Ist egal, was Sie denken, ich hab eine Meinung und einen Standpunkt: Ich kann eine Sorte Leute nicht leiden – nicht alle, kommt immer drauf an, wie sie zu mir sind –, und das sind Ausländer“. Sagt Helga, 70, und ist damit beileibe nicht die Einzige. Sondern Sätze wie diesen hört man häufig von denen, die ganz unten sind. Denn der harte Verteilungskampf auf Berlins Straßen wird von vielen Betroffenen als ethnischer Konflikt wahrgenommen.

„Rassismus ist ein großes Thema“, bestätigt die Sozialarbeiterin Anna-Sofie Gerth. „Sowohl dass sich Menschen zusammentun aus ihrem Land und dann gegen andere wettern, als auch dass deutsche Obdachlose oder deutsche Bettler sagen, die nehmen uns jetzt unser Geld weg, das uns zustehen würde.“ Dass das nicht richtig so sei, sei schwer zu formulieren. „Da gibt es sehr viel Unruhe und Neid und auch Verständnislosigkeit.“

Das beobachtet Anna-Sofie Gerth auch in der Tagesstätte für wohnungslose Menschen, die sie leitet: „Es gibt richtig Lager. Man sieht es auch bei uns im Gastraum, an einem Tisch sitzen nur die Rumänen und am anderen nur die Polen, und beide werfen sich feindselige Blicke zu.“

Hintergrund des Konflikts ist die Konkurrenzsituation. Da gilt es gegenzusteuern. „Das ist auch eines unserer Themen, dass wir sagen, ihr sitzt alle im gleichen Boot, und dass wir versuchen, eine Gemeinsamkeit zu schaffen, und wir sichern euch zu, heute darf jeder duschen und nicht erst die Rumänen und dann die Russen, sondern wer zuerst kommt, darf zuerst duschen“, sagt sie.

Viele, die hier stranden, sind aus Ost- und Südosteuropa. Sie sind nach Berlin gekommen, weil sie glaubten, hier ihr Glück machen zu können. „Berlin ist einfach toll“, sagt Anna-Sofie Gerth. „Das ist auch der Grund, warum andere Bürger nach Berlin kommen. Das ist eine große Stadt, wo man die Hoffnung hat, im Niedriglohnsektor, irgendein Hotel saubermachen oder in der Gastronomie, auch mit wenig Sprachkenntnissen etwas zu finden.“

Viel zu oft klappt es nicht, weil Berlin vielleicht noch einen schlecht bezahlten Job zu bieten hat, aber keinen Wohnraum. Und dann geht es vielen schnell wie Igor, Anfang 50 und seit sechs Monaten in Berlin. Vor der Bahnhofsmission am Zoologischen Garten trinkt er mit anderen Polen Bier.

„Guck mal. Meine Handy – weg. Meine Ausweis – weg“, sagt Igor in gebrochenem deutsch. Er hat einen Rucksack dabei und eine große Plastiktüte, in der ein paar leere Pfandflaschen liegen. Davon lebt er derzeit. „Das ist crazy“, meint er und kündigt an, sich morgen endlich um neue Ausweispapiere zu kümmern.

Bevor er nach Berlin kam, hat Igor für eine Zeitarbeitsfirma im bayerischen Kulmbach gearbeitet. Er kramt in seinem Rucksack herum: ein bisschen Kleidung, ein Kulturbeutel, ein paar lose Einwegrasierer und zwei DIN-A4-Mappen. „Guck mal“, sagt er und breitet den Inhalt der Mappen auf dem Tisch aus: Eine Meldebestätigung aus Kulmbach, ein Schreiben der Krankenversicherung, das ihn für arbeitsunfähig erklärt, und Bankunterlagen.

Keine Wohnung und keine Arbeit zu haben sei eine Katastrophe, sagt Igor. Er scheint es immer noch nicht fassen zu können, dass alles so gekommen ist.

„Mein deutscher Kollege in Bayern hat gefragt: Wo gehst du hin?“ Nach Berlin, habe er gesagt. „Hauptstadt. Das ist Deutschland.“ Berlin sei nicht Deutschland, fand der Kollege. Berlin sei Multikulti. Auch Igor findet, dass es zu viele arabische, türkische, russische, polnische Menschen, gibt, die in Berlin auf der Straße leben. In Bayern hingegen schlafe keiner auf der Straße. „Das ist Deutschland.“

Mitleid als Geschäftsmodell? Der Sozialarbeiter Willy Nadolny hält nichts davon, das Phänomen Betteln unter diesem Aspekt zu betrachten: „Ich finde es ausdrücklich richtig, Leuten Geld zu geben auf der Straße, weil Mitleid ja so eine Konnotation hat, dass jemand auf Mitleid macht, mit Absicht seine Situation dramatisiert, damit ich ihm Geld gebe.“

Dennoch kann Betteln nicht ohne die Geberseite betrachtet werden, denn der Bettelnde muss den potenziellen Geber anrühren, überzeugen oder sonst wie dazu bringen, ihm etwas zu geben. Und dabei haben nicht alle die gleichen Chancen, denn auch die Geberökonomie folgt ihren Gesetzen.

Und nach diesen Gesetzen, vermutet Anna-Sofie Gerth, verdienen deutsche Menschen am besten, „denen man abnimmt, dass sie einen schweren Schicksalsschlag hatten und die was verkaufen oder Hunde vorm Supermarkt festhalten“. Also die, die eine Leistung erbringen, die ansprechbar sind und zu denen man irgendeine Art von Kontakt aufbauen kann.

Also meist der Typ Bettler, der am wenigsten unangenehm für den Gebenden ist, weil allzu viel Elend verstört:

„Es gibt Leute, die kommen in die Bahn rein und man will sofort fliehen, weil das einfach so stinkt, weil die Menschen halt Beine teilweise haben, die am Verwesen sind, und weil das nicht auszuhalten ist, selbst für Fachleute“, sagt Wilhelm Nadolny von der Bahnhofsmission. „Ich bin einiges gewohnt von Arbeit, aber das sind dann auch Sachen, wo einem dann die Tränen kommen, allein schon durch den Geruch. Und wenn man dann drüber nachdenkt, dann kommen einem noch mal die Tränen.“

Die, die stinken und völlig verwahrlost und kaputt sind, bekämen am wenigsten, sagt Anna-Sofie Gerth. Auch, weil man sich schon als Bürger da gar nicht mehr hintraue: „Weil man denkt, oh, der wirkt so psychisch instabil oder nachher fange ich mir noch eine Krankheit ein, wenn ich dem einen Euro in die Hand drücke.“

Sodass auch auf dem „fünften Arbeitsmarkt“ die Schwächsten durchs Raster fallen, die über keinerlei Ressourcen mehr verfügen, sich selbst zu helfen.

„Ich gebe kaum in Berlin, weil das meine Stadt ist und ich ja mit den Menschen zusammenarbeite und es irgendwie komisch für mich wäre, wenn ich jemandem erst in der S-Bahn was gebe und eine halbe Stunde später ist der hier, steht er auf der Arbeit in der Tür“, sagt Anna-Sofie Gerth. „Deswegen gebe ich oft in anderen Städten, und ich gebe tatsächlich den Menschen, die kaltschweißig, zitternd, stinkend irgendwo rumliegen und nichts mehr mitkriegen, weil ich weiß, die brauchen das, um irgendwie noch die Nacht zu überleben, um irgendwie an was ranzukommen, was noch eine kurzfristige Lösung ist.“


Aus: "Betteln und FlaschensammelnÜberleben auf dem „fünften Arbeitsmarkt“" Ulrike Köppchen (06.08.2019)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/betteln-und-flaschensammeln-ueberleben-auf-dem-fuenften.976.de.html?dram:article_id=455623