Author Topic: Klaus Theweleit  (Read 678 times)

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Klaus Theweleit
« on: November 18, 2015, 10:11:11 AM »
Klaus Theweleit (* 7. Februar 1942 in Ebenrode, Ostpreußen – heute Nesterow, Russland) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler, Kulturtheoretiker und Schriftsteller.
http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Theweleit

Studium der Germanistik, Anglistik und Musikwissenschaft in Kiel und Freiburg.
Dissertation: „Freikorpsliteratur; Vom deutschen Nachkrieg 1918−1923“ von 1977 war die
Grundlage für das zweibändige, extensiv und ungewöhnlich bebilderte Buch Männer-
phantasien, eine stark an Konzepten der Psychoanalyse und von Gilles Deleuze und Félix Guattari orientierte Untersuchung des faschistischen Bewusstseins und der soldatischen Prägung des Ich. Das Buch untersucht soldatische und faschistische Literatur und stellt die – immer wieder aktuelle – Frage, wie ein Mensch zu einem Nazi oder einem tötungsbereiten Soldaten werden kann.
http://www.klaus-theweleit.de/


Linkliste Klaus Theweleit
Universitätsbibliothek | Freie Universität Berlin : Service - Internetquellen
http://www.ub.fu-berlin.de/service_neu/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/autort/thewel.html


Theweleit: „Rock'n'Roll hat uns befreit!“
21.10.2010 | 18:32 |  CHRISTOPH WEINBERGER (Die Presse)
http://diepresse.com/home/kultur/literatur/604161/index.do?from=suche.intern.portal


Sven Reichardt: Klaus Theweleits „Männerphantasien“ – ein Erfolgsbuch der 1970er-Jahre
http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208708/default.aspx

alpha Forum - Klaus Theweleit
Hochgeladen von vonundzuMierendorff am 13.02.2012
http://www.youtube.com/watch?v=EHx995PEBRc

Klaus Theweleit über Pasolini, Godard und andere...
Das Interview entstand im Rahmen von "SCHAU-TV" - Ein Projekt der Schaubühne Lindenfels Leipzig - www.schaubuehne.com
Interview, Kamera1, Schnitt: Alexander Biedermann
Licht, Kamera2: Daniel Laudowicz
http://www.youtube.com/watch?v=vDXWKgcAXuc


"Warum Männer morden – und dabei auch noch lachen" Jan Ole Arps (November 17, 2015)
Die Anschläge in Paris haben uns grausam in Erinnerung gerufen, wie wenig auch ein hochgerüsteter westeuropäischer Polizeiapparat tun kann, wenn jemand entschlossen ist, mit möglichst kruden Mitteln möglichst viel Zerstörung anzurichten. Die Anschläge waren von langer Hand geplant und haben sicher einiges an Vorbereitung erfordert. Trotzdem waren sie (zum Beispiel im Vergleich zum 11. September 2001) relativ simpel. Um ein solches Blutbad anzurichten, braucht man keine komplizierten Bomben oder High-Tech-Waffen—das Wichtigste sind Menschen, die bereit sind, andere Menschen mit absoluter Brutalität hinzurichten.
Diese Brutalität hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat von Anfang an praktisch auf die Fahnen geschrieben. Die Exekutions-Videos gehörten genau so zum öffentlichen Bild der Gruppe wie ihre Flagge.
Aber an den Bildern, die der „Islamische Staat" um die Welt schickt, verstört nicht allein die brutale Gewalt gegen andere Menschen. Fast noch unverständlicher ist der Stolz, den die Mörder offensichtlich empfinden, wenn sie zum Beispiel einen abgeschlagenen Kopf in die Höhe halten. Es geht ihnen nicht nur um die reine Beseitigung eines Feindes—das Töten bereitet ihnen offensichtlich Freude.
Auch von Anders Behring Breivik, dem selbsternannten „Tempelritter", der 2011 auf der norwegischen Insel Utøya 77 Jugendliche und junge Erwachsene erschoss, berichten Überlebende, er habe beim Töten gelacht und laut gejubelt.
Warum lachen die Täter? Macht das Morden Spaß? Mit dieser Frage hat sich der Literaturwissenschaftler und Autor Klaus Theweleit in seinem Buch Das Lachen der Täter beschäftigt. ...

https://www.vice.com/de/read/warum-maenner-morden-und-dabei-lachen-102

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Klaus Theweleit
« Reply #1 on: March 17, 2017, 02:13:57 PM »
"Klaus Theweleit - Das Verschwinden der Realität"
Kurzinterview mit und Buchvorstellung von Klaus Theweleit, "Der Knall - Der 11. September und das Verschwinden der Realität"
https://www.youtube.com/watch?v=xAIezNWqSDA


"Klaus Theweleit: Männlichkeit im Wandel" (Published on Dec 1, 2014)
Patrick Catuz spricht Klaus Theweleit über die vermeintliche Krise der Männlichkeit, die Sinnhaftigkeit den Krisenbegriff zu bemühen, Männlichkeit im Wandel und die Rolle der Schulen.
https://www.youtube.com/watch?v=aPYCv2qTvmE


Klaus Theweleit (talk) - Second Order Television (german) [Published on Oct 4, 2013]
Vortrag von Klaus Theweleit über Musik, Hirnforschung  und Psychoanalyse.
https://www.youtube.com/watch?v=xAIezNWqSDA

absolute-Reihe
Die von Klaus Theweleit herausgegebene absolute-Reihe stellt Schlüsseldiskurse der Gegenwart
Ausgewählte Originaltexte von Denkerinnen
und Denkern wie de Beauvoir, Bourdieu, Flusser und McLuhan sind in eine vom jeweiligen Herausgeber exklusiv für diese Reihe verfasste Biografie eingebettet, welche Kontexte zu den Werkfragmenten liefert, ohne sie bevormundend zu interpretieren.
http://www.orange-press.com/programm/absolute.html

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"Was mir heilig ist„Die Haut des anderen ist unantastbar“" Klaus Theweleit (22.12.2017)
„Was mir heilig ist: Erst mal, ich würde diesen Begriff nicht benutzen, obwohl ich schon weiß, was damit gemeint ist. Also: heilig. Das ganze Leben hat sich ja theoretisch gedreht um die Erforschung von Gewalt, von Gewaltausübung, politische, persönliche Gewalt, faschistische Gewalt, dann untereinander. Und daraus hat sich so ein Satz gebildet, so wie es im Grundgesetz heißt oder bei den Menschenrechten: Die Würde des Menschen ist unantastbar, dass ich das übersetzen würde in, abstrakt, die Haut. Die Haut ist unantastbar, die Haut des anderen, der anderen ist zu respektieren. Der Nicht-Eingriff in den anderen Körper.
Und das gilt zuerst einmal für die Leute, mit denen man lebt, mit denen man liebt, die eigene Familie, die Freunde drumrum, dann aber auch eigentlich in allen Gruppen, in denen ich mich bewege. Ich könnte mich in keiner Gruppe bewegen, in der das nicht akzeptiert ist.“
„Und das sind dann, wie soll man sagen, die Beziehungen, die unantastbar sind, die auch nicht brechen sollen. Also ich habe in meinem Leben nicht sehr viele solcher großer Brüche, sei es in Liebschaften, sei es in Freundschaften, sei es mit Gruppen hinter mir, sondern was sich einmal herausgestellt hat als lebbar, liebbar, akzeptabel, das gilt. Davon abzuweichen auch selber im Verhalten, das wäre nicht nur ein Widerspruch, das wäre sträflich, das wäre eine Übertretung, die möglichst nicht passieren soll. Und das in den Zusammenhängen, was man macht mit Leuten.
Ich spiele zum Beispiel seit 1970/71 in einer Musikgruppe, die improvisiert, nach wie vor mit wechselnden und gleichbleibenden Personen, über Jahre sich trifft, und wir machen unsere Free Jazz-artigen Improvisationen, hören auch solche Musik. Also ein bestimmter Umgang mit Kunst, Film, Musik gehört dazu, die auch unverletzlich sind. Wenn jemand ankäme und sagen würde, Albert Ayler oder Sun Ra oder Hendrix sind musikalische Arschlöcher, dann war das das letzte Wort, das ich mit ihm gewechselt hätte.“ ...
https://www.deutschlandfunkkultur.de/was-mir-heilig-ist-die-haut-des-anderen-ist-unantastbar.1013.de.html?dram:article_id=406609

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"Deutsche Soldaten und ihr Hass auf Frauen" Matthias Heine (12.11.2017)
„Männerphantasien“ war als literaturwissenschaftliche Dissertation verfasst und an der Universität Freiburg mit „summa cum laude“ bewertet worden. Literaturwissenschaftlich daran war, dass sein Autor Klaus Theweleit tatsächlich etwa 250 Romane der Zwanzigerjahre analysierte, die vor dem Hintergrund des 1. Weltkriegs und des „weißen“ gegenrevolutionären Terrors spielten.
Was Theweleit dabei fand, waren – kurz gesagt – Männer, die eine abgrundtiefe Angst vor Frauen hatten, und die sich gegen diese Furcht körperlich und seelisch panzerten. Der Faschismus bot ihnen passende geistige und organisatorische Lösungen. Und er schuf die Möglichkeit, Ängste mit Gewalt abzureagieren.
... Heutzutage legen sich prekarisierte und von Prekarisierung bedrohte Männer einen praktisch völlig überflüssigen Fleischpanzer im Fitnessstudio zu. Und in der Welt des Militärs träumt man von metallischen Exoskeletten, die den Soldaten unverwundbar machen und ihm zugleich Superkräfte verleihen sollen. Ein Wiederlesen der „Männerphantasien“ könnte da den ein oder anderen Erkenntnisgewinn bescheren – wenn das Buch verfügbar wäre.
https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article170548442/Deutsche-Soldaten-und-ihr-Hass-auf-Frauen.html

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Interview mit Klaus Theweleit über aktuelle Gewalt in Deutschland: "Diese Körper sind von Angst erfüllt" Georgios Chatzoudis (18.09.2018)
Die Bilder von Männern, die Menschen durch eine Stadt jagen, die sie zuvor als Flüchtlinge ausmachten, haben die Republik in den vergangenen Wochen regelrecht verstört. In den begleitenden Medien entzünden sich die Debatten nicht zuletzt entlang der Frage, ob in Deutschland ein neuer Faschismus aufkommt, dem man entgegenzutreten habe. Außerdem fragt man sich, was diese Männer antreibt, gegen alles fremdländisch Erscheinende gewaltsam vorzugehen, ungeniert menschenverachtende Parolen zu skandieren oder NS-Symbolik offen zu demonstrieren? Prof. Dr. Klaus Theweleit hat sich bereits in den 1970er Jahren mit Gewalt und Männerphantasien im Zusammenhang mit faschistischem Gedankengut auseinandergesetzt. In seiner jüngsten Analyse über das Lachen von Tätern gewaltsamer Exzesse hat er dieses Thema noch einmal aufgegriffen. Wir haben ihn um ein Psychogramm dieser Männer gebeten. ...
https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/maennergewalt_theweleit

« Last Edit: September 26, 2018, 02:55:24 PM by Link »

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Klaus Theweleit
« Reply #2 on: December 17, 2018, 12:22:52 PM »
"Heimatphantasien: Heimatphantasien = Männerphantasien: Die männliche Nation?" (2018)
Gespräch mit Gabriele Kämper und Klaus Theweleit. Moderation: Elahe Haschemi Yekani* Die Leiterin der Geschäftsstelle Gleichstellung des Berliner Senats und Autorin von »Die männliche Nation. Politische Rhetorik der neuen intellektuellen Rechten«, Gabriele Kämper, und der Kulturtheoretiker und Verfasser der bekannten Untersuchung »Männerphantasien«, Klaus Theweleit, gehen der Frage nach, warum Männlichkeit traditionell als Chiffre des National-Völkischen galt und wie dies nun in Form eines rechtsextremen Antifeminismus reartikuliert wird. Die Konferenz HEIMATPHANTASIEN fand am 18. und 19. August 2018 auf dem Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel statt und setzte sich kritisch mit den Konzepten von »Nation« und »Heimat« auseinander: An zwei Tagen wurden ihre impliziten Projektionen, ihre Widersprüche, sowie ihre historische Gewordenheit untersucht. Es wurde diskutiert, welches Potential darin liegt, Migration als Unterbrechung des nationalen Narrativs zu denken und der traditionellen Verwobenheit von nationalistischer Ideologie und patriarchaler Herrschaft auf den Grund gegangen. Es wurde die historische Gleichzeitigkeit von Kolonialismus und Nationenbildung aufgearbeitet – und es wurden gegenwärtige Versuche diskutiert, die bereits trans- oder postnationale Gemeinschaften jenseits nationaler Identitäten schaffen. Kuration: Margarita Tsomou, Lena Kollender Gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung.
https://youtu.be/fT-nLIshGOI

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Klaus Theweleit
« Reply #3 on: March 12, 2019, 12:18:06 PM »
Quote
[...] Interview Klaus Theweleit über das Ausleben von Ängsten, die Wurzeln von Gewalt und die Befreiung der Geschlechter

Ströme sind für Frauen weniger ein Problem?

Klaus Theweleit: Dazu kann ich weniger sagen. Ich bekomme mit, was im männlichen Körper passiert. Hier lösen Ströme, wenn es sich um einen fragmentierten Körper handelt, Ängste aus. Im Extremfall Todesängste. Alles, was von außen eindringt, droht ihn aufzulösen. Die Summe von Abwehrmaßnahmen, die daraus entstehen, richten sich dann vornehmlich gegen alles „Fremde“ und gegen alles „Weibliche“.

Wieso gegen das Weibliche?

Klaus Theweleit: Frauen lösen die Struktur des Körperpanzers prinzipiell auf. Sie sind in seiner Auffassung der Sumpf, der ihn auflöst. Das ist in frappierender Deutlichkeit auch bei den Tätern der jüngsten Attentate zu sehen. Einer der amerikanischen Killer schreibt an einen Kollegen: „Alle Frauen müssen weg sein“; er entwirft die Idee eines „KZ“ für Frauen.

Müssen sie weg sein - oder ihm gehorsam?

Klaus Theweleit: Ja, das auch. Der Fragmentkörper braucht aber Hierarchien, es stabilisiert enorm, jemanden unter sich zu wissen. Es herrscht ein ganz konkretes Verlangen, zu bestimmen, wie der weibliche Körper sich zu verhalten hat. Mit klaren Regeln. Der Ayatollah Khomeini schreibt nach der iranischen Revolution sogleich ein Buch mit zahlreichen islamisch begründeten Anweisungen allein für menstruierende Frauen.

Und verschleiern müssen sich Frauen auch aufgrund dieser Angst?

Klaus Theweleit: Der eigene Panzer bröckelt schon, wenn er eine nackte Frauenwade sieht. Mann macht hundert religiöse Regeln, um das zu verhindern. Und hasst diejenigen, die daraus ausbrechen. Aber der Hintergrund ist nicht irgendein „Satz des Propheten“, sondern fast immer Angst, die im eigenen Körper tobt. ... Die Ethnologin Margaret Mead hat beschrieben, wie Leute mit dem fehlenden Gefühl sicherer Körpergrenzen die eigene Außengrenze mit den Landesgrenzen gleichsetzen. Ein in Bayern illegal einströmender Flüchtender bewegt sich also direkt ins Körperinnere eines Bewohners von Mecklenburg-Vorpommern – der „um seine Bestände fürchtet“. Die „Ströme“ sind schrecklich; sie machen nicht halt an der eigenen Haut. Sie strömen überall. Trump braucht seinen Zaun notwendig. Sonst verliert er die Mehrzahl seiner Wähler. So ist es auch bei Horst Seehofer.

...

Breivik sah sich aber nicht als Einzeltäter, sondern als einer der Kreuzritter, die das Christentum gegen den Islam verteidigen müssen. Wozu diese Legitimation?

Klaus Theweleit: Das ist der Kern des Killens in Gruppen: es gibt immer jemanden, der die Schuld abnimmt, ob das der Kommandeur ist oder Hitler. Oder die Knight Templars.

Georg Seeßlen hat Breivik als Dschihadisten bezeichnet. Aber wo ist die Autorität, die dem IS ihre Tat erlaubt?

Klaus Theweleit: Der Kampf für die eigene Rasse oder Religion erlaubt Alles. Allah erlaubt Alles. Erfordert Alles. Es ist leicht, das zu schreien: Allahu Akbar.

Wozu braucht man Allah, wieso sagt man nicht einfach: Ich mache das jetzt, weil ich das richtig finde?

Klaus Theweleit:  Das würde eine ganz andere Form von Ich-Stärke erfordern: „ich nehme das alles auf mich.“ Diese Stärke würde das Morden gar nicht nötig machen.

Gibt es solche Ichs?

Klaus Theweleit: Manche Mischformen retten sich und werden politische Führer. Donald Trump etwa ist nicht einfach ein Fragmenttyp, der ist eine merkwürdige Mixtur. Wenn der sich hinstellt und sagt: es gab noch nie einen besseren Präsidenten als mich - dann glaubt der das! Und spricht jedes Wort durch das „Megaphon America“. Great again! Das hilft den Fragmentierten, Angstbesetzten. Sie sind immer auf der Suche nach Zugehörigkeit zu größeren, mächtigeren Körpern. Im Fall der Freikorps war es übrigens die SPD-Regierung, die das Töten erlaubte. Noskes Satz: „Einer muss der Bluthund sein“ war eine Tötungserlaubnis gegenüber den Aufständischen - und die Zusicherung, straflos zu bleiben.

...


Aus: "„Der Panzer des Mannes ist brüchig“" Elsa Koester, Mladen Gladić  (Ausgabe 10/2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-panzer-des-mannes-ist-bruechig