Author Topic: [Medienjournalismus und Medienkritik... ]  (Read 182218 times)

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #140 on: December 11, 2021, 09:59:22 AM »
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[...] Es melden sich Stimmen, die über vielfältige Konflikte mit ihren Verlegern und weiteren Verantwortlichen in Verlagen sprechen. Sie berichten von Verlegern, die Einfluss auf ihre Geschichten nahmen. Verleger, die nicht geplante Geschichten verlangten oder fertige Texte stoppten. Sie erzählen von Reporterinnen und Reportern, die aus vorauseilendem Gehorsam bestimmte Themen nicht mehr angingen. Aber auch von Redaktionen, die Themen selbst dann umsetzen, wenn ein unangenehmer Anruf des Verlegers von vorneherein klar ist.

Es geht auch um strukturelle Konflikte in Medienhäusern und ihre Auswirkungen auf die innere Pressefreiheit im deutschen Lokaljournalismus: In mindestens zwölf Lokalredaktionen sitzen Verleger und Verlegerinnen auch in der Chefredaktion oder sind mit der Redaktionsleitung verwandt. Mitunter ist der Verleger zugleich Präsident der regionalen Handelskammer und sein Chefredakteur Pressesprecher eines Wirtschaftsvereins.

Die Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber für diese Recherche, meist selbst Betroffene, wollen nicht namentlich genannt werden. Einige haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Andere wollen nicht als Nestbeschmutzer wahrgenommen werden. CORRECTIV.Lokal hat sich, wo möglich, Dokumente zeigen lassen, die ihre Aussagen stützen und mit mehreren Personen gesprochen, um die Vorwürfe einschätzen zu können.

[ ... ]

... Hinter diesen Aussagen stehen viele Jungredakteurinnen und -redakteure. Einige berichten CORRECTIV.Lokal von Erlebnissen aus ihrem Volontariat. Sie sind besonders vorsichtig, um ihre berufliche Zukunft nicht zu gefährden. Sie liefern Einblicke in problematische Strukturen, in die eine neue Generation von Journalistinnen und Journalisten hineinwächst und sie daran hindert, sich zu entfalten – in einer Zeit, in der viele Lokalredaktionen Schwierigkeiten haben, überhaupt noch Nachwuchs zu finden und ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.

Die Rückmeldungen zeigen, wie sehr sich Reporterinnen und Reporter mit der inneren Pressefreiheit auseinandersetzen. Es gibt kein Gesetz, das sie schützt, in dem redaktionelle Eingriffe von Verlegern verboten werden. Der Verlag kann sogar die politische Richtung einer Zeitung vorgeben und die Redaktion zur Loyalität verpflichten, weil Zeitungsverlage sogenannte Tendenzbetriebe sind.

...

Was die Recherche auslöste: Die Ippen-Affäre

Am Donnerstag, 14. Oktober 2021, entschied der 81-jährige Zeitungsverleger Dirk Ippen, dass eine Recherche aus seinem Haus nicht veröffentlicht werden darf. Der Mehrheitsgesellschafter nutzte seine Macht, um eine Geschichte über Machtmissbrauch zu stoppen. Zuvor hatte über Monate das hauseigene Investigativ-Team [2] zu Machtmissbrauch gegenüber Frauen durch den damaligen BILD-Chefredakteur Julian Reichelt recherchiert, bei dem sexuelle Beziehungen eine zentrale Rolle spielten. Kaum hatte Ippen die Recherche gestoppt, berichtete die New York Times, am Folgetag auch der Spiegel und zwar gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren von Ippen-Investigativ. Reichelt musste nicht einmal 24 Stunden nach der Veröffentlichung der New York Times seinen Posten räumen.

Das Investigativ-Team firmierte zuvor unter Buzzfeed News und wurde erst ein gutes Jahr zuvor von Ippen übernommen. Das Team protestierte einen Tag nach dem Eingriff des Verlegers Ippen in einem Brief an die Geschäftsführung der Gruppe, den das Medienportal Übermedien erstmals öffentlich machte. Darin fand das 4-köpfige Team deutliche Worte und endete mit einem Appell: „Wir müssen sicher sein, dass auch im Hause Ippen die Trennung von Redaktion und Verlag gilt.“

Es gab einen öffentlichen Aufschrei in der Medienwelt. „Verleger haben grundsätzlich die Finger von redaktionellen Entscheidungen zu lassen“, äußerte sich Frank Überall, der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). Und auch der Vorstand der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche äußerte sich deutlich: „Ippen hat eine Grenze überschritten und der Pressefreiheit Schaden zugefügt.“

...


Aus: "So beeinflussen Verleger die Berichterstattung im Lokaljournalismus" Jonathan Sachse (08. Dezember 2021)
Quelle: https://correctiv.org/aktuelles/ungerechte-arbeit/2021/12/08/so-beeinflussen-verleger-die-berichterstattung-im-lokaljournalismus/

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #141 on: December 14, 2021, 11:35:30 AM »
Die Aus­ein­an­der­set­zung mit den „alter­na­ti­ven“ Medien wird auf unserer Website gegneranalyse.de gebün­delt. In monat­li­chen Moni­to­rings aus­ge­wähl­ter Kanäle, exem­pla­ri­schen Fall­stu­dien zu ein­zel­nen Medien, Akteu­rin­nen und Akteu­ren und Debat­ten­bei­trä­gen zu Themen und Inhal­ten der Gegen­öf­fent­lich­keit wol­len wir Argu­men­ta­ti­ons­wei­sen und ideo­lo­gi­sche Muster ana­ly­sie­ren sowie Grenz­be­rei­che und Radi­ka­li­sie­rungs­mo­mente beschrei­ben. ... https://gegneranalyse.de/ueber-uns/ (2021)

"Feld­ana­lyse – Gegen­me­dien als Radikalisierungsmaschine" Redaktion (Debatte - November 2021)
In den letzten Jahren – ins­be­son­dere seit dem Kon­flikt um die Flücht­lings­po­li­tik 2015 und dem Aus­bruch der Coro­na­krise – hat sich in der Bun­des­re­pu­blik wie in anderen west­li­chen Ländern eine aggres­sive Gegen­öf­fent­lich­keit gebil­det. Ihre Domäne sind das Inter­net und ins­be­son­dere die „sozia­len Medien.“ Diese sys­te­m­op­po­si­tio­nelle Gegen­öf­fent­lich­keit – in ihrem eigenen Sprach­ge­brauch „alter­na­tive Medien“ – ist für einen rele­van­ten Teil der deut­schen Bevöl­ke­rung zu einer wich­ti­gen, wenn nicht sogar zur maß­geb­li­chen Infor­ma­ti­ons­quelle gewor­den. Das zeigen die großen Abo- und Auf­ruf­zah­len dieser Medien und Kanäle, aber auch ihre Mobi­li­sie­rungs­kraft für die Corona-Demons­tra­tio­nen im Jahr 2020. Poli­tisch haben diese Medien und Pro­pa­gan­da­ka­näle die Funk­tion einer Radikalisierungsmaschine. ... Trotz aller Dif­fe­ren­zen haben die Gegen­me­dien etwas gemein­sam: ihre Abgren­zung von eta­blier­ten öffent­lich-recht­li­chen und pri­va­ten Medien, denen das Aus­spa­ren unbe­que­mer Wahr­hei­ten, die Inter­es­sen­ver­tre­tung „der Herr­schen­den“ oder gar Zensur unter­stellt wird. So befeu­ern sie ein grund­le­gen­des Miss­trauen gegen­über der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie und ihren Insti­tu­tio­nen. Ihnen kommen dabei sowohl die Algo­rith­men der Sozia­len Medien zugute, die radi­kale und pola­ri­sie­rende Inhalte bevor­zu­gen, als auch eine zuneh­mende Distanz zur reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie, das bis in die gesell­schaft­li­che Mitte reicht.
Die Gegen­me­dien sind damit ein Indi­ka­tor für ein Miss­ver­gnü­gen an der libe­ra­len Demo­kra­tie, das sie auf­grei­fen und sys­te­ma­tisch ver­stär­ken. Umfra­gen zeigen seit Jahren, dass das Ver­trauen in demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen, Amts­trä­ge­rin­nen und ‑träger in vielen west­li­chen Gesell­schaf­ten erschüt­tert ist. ... Die vor­lie­gende Analyse ver­sucht, das Feld der sys­te­m­op­po­si­tio­nel­len Gegen­öf­fent­lich­keit mit ihrem breiten Spek­trum von Medien und inhalt­li­chen Posi­tio­nen zu beschrei­ben. Dabei begrei­fen wir die Gegen­öf­fent­lich­keit als ein hete­ro­ge­nes Feld, in dem radi­kale ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Posi­tio­nen genauso zu finden sind wie sich gemä­ßigt prä­sentie­rende Medien, die eine Schar­nier­funk­tion zwi­schen legi­ti­mer poli­ti­scher Kritik und radi­ka­li­sier­ter Gegen­öf­fent­lich­keit einnehmen. ...
https://gegneranalyse.de/feldanalyse-gegenmedien-als-radikalisierungsmaschine/
« Last Edit: December 14, 2021, 11:42:03 AM by Link »

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #142 on: January 26, 2022, 07:30:18 PM »
// Kontext:  "Der Tod ist ein Meister am Wannsee" Ein [ ] ZDF-Film rekonstruiert die Nazi-Konferenz zur „Endlösung der Judenfrage“. Nikolaus von Festenberg (25.01.2022)
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/zdf-film-die-wannsee-konferenz-der-tod-ist-ein-meister-am-wannsee/28000426.html

"Österreich:Journalistin nach Tweet zur Wannseekonferenz gefeuert" (26. Januar 2022)
Der Exxpress-Chef feuerte, quasi öffentlich, seine Stellvertreterin Anna Dobler. Als am Montag im ZDF und ORF ein Film zur Wannseekonferenz zeigte, wie hochrangige Nationalsozialisten den Holocaust planten, hatte Dobler getwittert: "Das waren nicht nur Mörder, sondern durch und durch Sozialisten." ...
https://www.sueddeutsche.de/medien/oesterreich-twitter-wannseekonferenz-1.5515639

"Wannseekonferenz: "Exxpress" trennt sich von Redakteurin nach Tweet über Holocaust-Planer als "Sozialisten"" (25. Jänner 2022)
Chefredakteur und Herausgeberin stellen sich gegen eine "mögliche Relativierung des Nationalsozialismus" ... Dobler twitterte, sie habe den Tweet auf Aufforderung Schmitts gelöscht. Sie erklärt dazu: "Grundsätzlich ist es eine ganz normale Fragestellung, ob die Ideen der Nazis sozialistische Tendenzen aufgewiesen haben. Ich habe nie eine Verbindung zur Sozialdemokratie hergestellt und würde das auch nie tun." (red, 25.1.2022)
https://www.derstandard.de/story/2000132819357/exxpress-trennt-sich-von-redakteurin-nach-tweet-ueber-holocaust-planer
« Last Edit: January 26, 2022, 07:35:46 PM by Link »

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #143 on: January 28, 2022, 08:42:39 PM »
"UN-Vertreter kritisiert Süddeutsche Zeitung: "Fragwürdige Methoden"" Harald Neuber (28. Januar 2022)
... Schweizer Jurist Nils Melzer macht sich für Julian Assange stark und wendet sich gegen Polizeigewalt auch in West-Europa. Zwei Zeitungen rücken ihn nun in die Nähe russischer Propaganda. ... [Nils Melzer ist Völkerrechtsprofessor in Glasgow und Genf, sowie UN-Sonderberichterstatter für Folter] ... Wie ein Vertreter der Vereinten Nationen bei seinem Einsatz für Opfer staatlicher Gewalt "zu weit gehen" kann und ob bei der Kritik an staatlicher Gewalt Grenzen geboten sind, beantwortet der hinter einer Bezahlschranke versteckte Artikel kaum.
Stattdessen raunt es in dem Text, Melzer habe "auf (dem Kurznachrichtendienst) Twitter viele zweifelhafte Kontakte", es "wimmele" von "Rechtsextremisten" und "Kreml-Apologeten" aus allen Ländern. ...
https://www.heise.de/tp/features/UN-Vertreter-kritisiert-Sueddeutsche-Zeitung-Fragwuerdige-Methoden-6341381.html?seite=all

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     observer3, 28.01.2022 15:16

Einfach nur erbärmlich.

Assange hatte den journalistischen Job gemacht, den sich unsere "Qualitätsmedien" nicht getraut hatten: Die Aufklärung über schwere Menschenrechtsverbrechen der führenden westlichen Militärmacht USA. Währenddessen waren unsere "Qulitätsmedien" damit beschäftigt, die Kriege dieser Militärmacht für unsere Bevölkerung schön zu schreiben und ihre Verbrechen zu verschweigen oder zumindest klein zu schreiben.

Assange wurde für seine journalistische Arbeit verfolgt und eingekerkert. Das kratzt seine Kollegen in den "Qualitätsmedien" wenig. Nun gehen sie aber auch noch her und diffamieren den UN-Beauftragten für Folter, Nils Melzer, wegen seines Einsatzes für Assange.
Man gewinnt den Eindruck, in den Schreibstuben unserer deutschen "Qualitätsmedien" weht wieder der Ungeist der 1930/40er Jahren.


-

Kontext: "Vereinte Nationen: Die fragwürdigen Methoden des Nils Melzer" Thomas Kirchner und Ronen Steinke, Berlin (24. Januar 2022)
Der UN-Folterberichterstatter setzt sich für Opfer staatlicher Gewalt ein, und besonders für Julian Assange. Die Hinweise mehren sich, dass er dabei zu weit geht.
https://www.sueddeutsche.de/politik/vereinte-nationen-folter-melzer-assange-1.5513840
« Last Edit: March 19, 2022, 10:38:35 AM by Link »

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« Reply #144 on: March 19, 2022, 10:57:51 AM »
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[....] Das Verwaltungsgericht Berlin hat am Donnerstag den Eilantrag der RT DE Productions GmbH gegen die Untersagung des Fernsehprogramms RT.DE abgelehnt. Damit wollte die Produktionsfirma das Verbot des deutschsprachigen Angebots von RT - ehemals Russia Today - aushebeln.

Die von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) ausgesprochene Beanstandungs- und Unterlassungsverfügung, der eine Entscheidung der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Landesmedienanstalten zugrunde liegt, sei nach summarischer Prüfung rechtmäßig, teilte die MABB am Freitagmorgen mit.

Neben der EU haben nun auch die britischen Behörden dem russischen Staatssender RT die Sendelizenz entzogen. Der Sendestopp gelte "ab sofort", gab die britische Medienaufsicht Ofcom am Freitag bekannt. Großbritannien folgte damit einem ähnlichen Schritt der EU-Staaten, die den russischen Sender wegen seiner Berichterstattung über den Ukraine-Krieg bereits verboten haben. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete das Verbot als ein weiteres Beispiel für den westlichen "antirussischen Wahnsinn", der die Meinungsfreiheit aushöhle.

Die MABB hatte das Verbot für RT.DE mit der fehlenden Lizenz begründet. In Deutschland herrscht für den Rundfunk das Prinzip der Staatsferne. Da Russia Today und seine internationalen Ableger vom russischen Staat finanziert werden, gäbe es wenig Chancen für die Erteilung einer deutschen Lizenz. Russia Today beruft sich auf eine serbische Lizenz, die allerdings aus Sicht der deutschen Landesmedienanstalten für ein Programm wie RT.DE nicht ausreicht.

„Dieses medienrechtliche Verfahren ist Ausdruck eines funktionierenden Rechtsstaats“, so MABB-Direktorin Dr. Eva Flecken. „Rechtsstaatlichkeit ist die Voraussetzung für eine freiheitliche und demokratische Medienöffentlichkeit. Rundfunk in Deutschland braucht eine Lizenz. Darüber kann sich auch RT.DE nicht hinwegsetzen. Ich freue mich, dass das Gericht unser Vorgehen bestätigt.“ Das Gericht begründet seine Entscheidung nicht nur mit einer Interessenabwägung, sondern bestätigt vielmehr auch die Rechtmäßigkeit der Entscheidung.

Die RT DE Productions GmbH kann gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Berlin innerhalb von zwei Wochen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einlegen. Das Hauptsacheverfahren läuft weiterhin.

Die MABB hatte erst am Donnerstag das Zwangsgeld gegen die RT DE Productions GmbH von 25.000 auf 40.000 Euro erhöht. Das Zwangsgeld wurde angeordnet, weil RT.DE weiterhin über einige Webseiten zu erreichen sei, so die Medienanstalt.

So lange das Programm von RT.DE produziert und ins Internet eingespeist wird, können zudem die Geosperren umgangen werden, mit denen ein Abruf aus der EU sonst unterbunden wird.


Aus: "Verwaltungsgericht bestätigt Verbot von RT.DE" Kurt Sagatz (19.03.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/schlappe-fuer-russia-today-verwaltungsgericht-bestaetigt-verbot-von-rt-de/28176686.html

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[...] Ihr nun europaweites Verbot hatten EU-Vertreter damit begründet, es handele sich bei RT und Sputnik nicht um journalistische Medien, sondern um Waffen des Kremls in einem Informationskrieg. Redefreiheit dürfe nicht zur Verbreitung von Kriegspropaganda missbraucht werden, erklärte etwa EU-Kommissionsvize Vera Jourova.

Bereits im Vorfeld war auch Kritik an den EU-Plänen laut geworden. Zwar handle es sich um „Propagandakanäle“, dennoch sei ein Verbot „nicht zielführend“, hatte etwa Reporter ohne Grenzen erklärt. Die negativen Auswirkungen eines solchen Verbots auf die Berichterstattung aus Russland könnten schwerer wiegen als die kurzfristig beabsichtigten Effekte.
„Wer ‚Russia Today‘ und ‚Sputnik‘ verbietet, wird künftig ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen, die Unterdrückung der Presse- und Meinungsfreiheit in, zum Beispiel, Russland zu kritisieren“, kritisierte am Tag nach der EU-Entscheidung in der „Welt“ Deniz Yücel, Präsident des deutschen PEN-Zentrums. Selbst wenn manche Menchen auf Russlands Propaganda hereinfielen, fragt Yücel, „besteht die Stärke liberaler Gesellschaften nicht genau darin, auch – pardon my French – allerlei Scheißdreck aushalten zu können?“

...


Aus: "EU-Verbot von RT und Sputnik„Wir erleben einen Informationskrieg“" Michael Borgers | Stephan Weichert im Gespräch mit Sebastian Wellendorf (03.03.2022)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/eu-verbot-rt-de-debatte-reaktionen-100.html

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« Reply #145 on: April 19, 2022, 09:29:47 AM »
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Bodo Ramelow
@bodoramelow

Zweierlei Maß.
Ein Nato Partner bombardiert Stellungen in einem Nachbarland und NTV nennt es: „Verstecke bombardiert“.
Am Schluss wird halt kurz erwähnt, wie es der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages nennt: „Verstoß gegen das Völkerrecht“.

4:57 nachm. · 18. Apr. 2022


https://twitter.com/bodoramelow/status/1516068356356509704

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Luftwaffe: Verstecke bombardiert - Türkei startet Offensive gegen PKK im Irak - 18.04.2022,



Ankara geht erneut gegen die PKK vor, die unter anderem in Europa als Terrororganisation eingestuft wird. Im Nachbarland Irak bombardiert das türkische Militär mehrere Ziele. Die Regierung spricht von Selbstverteidigung.

Die Türkei hat einen neuen Militäreinsatz gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK im Nordirak gestartet. Die Luftwaffe habe unter anderem Verstecke, Tunnel und Munitionsdepots bombardiert, teilte das Verteidigungsministerium mit. Dabei seien Kampfjets, Hubschrauber und bewaffnete Drohnen eingesetzt worden. "Eine große Zahl an Terroristen" sei "neutralisiert" worden, sagte Verteidigungsminister Hulusi Akar. Der Einsatz werde in den "kommenden Stunden und Tagen" verstärkt. Die Türkei begründete den Einsatz mit dem Schutz vor Terrorangriffen und dem Recht auf Selbstverteidigung.

Die PKK steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste. Der jüngste Angriff konzentrierte sich nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums auf die Regionen Metina, Zap und Awaschin-Basjan im Nordirak.

Ein PKK-Sprecher im Irak sagte, es gebe "intensive Kämpfe" zwischen der türkischen Armee und dem militärischen Flügel der PKK. Die türkischen Streitkräfte hätten versucht, "Soldaten mit Hubschraubern abzusetzen und auch zu Land vorzudringen".

Der Start der türkischen Offensive erfolgte wenige Tage nach dem Besuch des Regierungschefs der autonomen Kurdenregion im Irak, Masrur Barsani, in der Türkei. Es wird vermutet, dass Barsani über den türkischen Armeeeinsatz informiert war. Nach seinem Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte Barsani sich positiv über die "Ausweitung der Zusammenarbeit" mit der Türkei "zur Förderung von Sicherheit und Stabilität" im Nordirak geäußert.

Das türkische Militär hat bereits mehrmals Einsätze gegen die PKK im Irak und gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien geführt. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hatte in der Vergangenheit bei ähnlichen Einsätzen bezweifelt, dass diese mit dem Völkerrecht vereinbar sind.

Das Hauptquartier der PKK liegt in den nordirakischen Kandil-Bergen. Ankara geht auch immer wieder militärisch gegen deren Stellungen in der Südosttürkei vor. Die PKK wiederum verübt Anschläge. Der seit 1984 andauernde Konflikt kostete bislang Zehntausenden Menschen das Leben. Ein Waffenstillstand war im Sommer 2015 gescheitert.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP


Aus: "Luftwaffe: Verstecke bombardiert Türkei startet Offensive gegen PKK im Irak" (18.04.2022)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Tuerkei-startet-Offensive-gegen-PKK-im-Irak-article23273840.html

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[Medienjournalismus und Medienkritik... ]
« Reply #146 on: May 11, 2022, 02:56:40 PM »
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[...] Russland (155) hat nach dem Überfall auf die Ukraine die Pressefreiheit im eigenen Land de facto abgeschafft, in der Ukraine (106) starben durch die Kriegshandlungen innerhalb weniger Wochen sieben Medienschaffende.

Gleich viele waren es nur in Mexiko (127)

...


Aus: "Neue Rangliste der Pressefreiheit 2022" (28.04.2022)
Quelle: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/pressemitteilungen/meldung/reporter-ohne-grenzen-veroeffentlicht-rangliste-2022