Author Topic: Medienjournalismus und Medienkritik...  (Read 26134 times)

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #100 on: February 19, 2019, 01:02:56 PM »
"Öffentlichkeit: Wir veröffentlichen das Framing-Gutachten der ARD"
17.02.2019 um 15:18 Uhr - Markus Beckedahl, Leonhard Dobusch
... Von der Verfasserin des Gutachtens, Elisabeth Wehling, ist im vergangen Jahr das Buch „Politisches Framing – Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“ im Ullstein Buchverlag erschienen. Vor zwei Jahren sprach sie auf der re:publica über „Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung“.
Gerade wenn man sich aus der Originalquelle informieren kann, sieht man, dass die Dämonisierung nicht gerechtfertigt ist. Denn wenn es eine Einsicht des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick gibt, die sich quasi universeller Bekanntheit erfreut, dann dass wir nicht nicht kommunizieren können. Diese Binsenweisheit gilt sinngemäß nicht nur für Kommunikation an sich, sondern auch für (Teil-)Aspekte verschiedener Arten von Kommunikation wie eben Framing. So ist zum Beispiel mit jeder Wortwahl in einem Text immer auch ein bestimmtes Framing verbunden, das beim Lesenden bestimmte Assoziationen oder Gefühle auslösen kann. Egal ob „Staatsfunk“, „öffentlich-rechtlicher Sender“ oder „gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“ wie im im Gutachten von Elisabeth Wehling, jeder Begriff löst andere Assoziationen aus, steht für ein anderes Framing.
Wenn es aber keine Kommunikation ohne Framing gibt, kann es durchaus sinnvoll sein, dominante Frames in der eigenen Kommunikation zu reflektieren.  ...

https://netzpolitik.org/2019/wir-veroeffentlichen-das-framing-gutachten-der-ard/

https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2019/02/framing_gutachten_ard.pdf

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[...] Warum gibt es Kritik an dem Papier?

Zum einen wird kritisiert, welche Begrifflichkeiten das Gutachten vor allem beim Thema Gebührengelder und Abgrenzung zum privaten Rundfunk empfehlen soll. Zum anderen steht in der Kritik, dass die ARD das Papier nicht veröffentlicht hat. Letzteres wird auch von vielen Medienbeobachtern infrage gestellt. "Fragwürdig ist (...), wie sehr die ARD die Interpretation – das Framing – dieses Reflexionsprozesses anderen überlässt, indem sie entsprechende Dokumente zurückhält", schreiben etwa Markus Beckedahl und Leonhard Dobusch auf netzpolitik.org, die das Papier schließlich veröffentlichten. Genau das stütze "nämlich das Framing des Gutachtens als ‘Manipulation’, was rechte Gegner öffentlich-rechtlicher Medien genüsslich befeuern", so die Blogger.

...

Wer sind die Kritiker?

Mit dem Leak des Gutachtens hat netzpolitik.org der Kritik eine neue Dimension gegeben, die zuvor vor allem von Rechtspopulisten kam und mit entsprechender Wut auf den "Staatsfunk" gefärbt war. Auf rechten Internetseiten zitieren Autoren einseitig Passagen aus dem internen Papier und werfen der ARD vor, die öffentliche Meinung manipulieren zu wollen. Oft wird auch – inzwischen eindeutig wider besseres Wissen – behauptet, dass das Gutachten eine Kommunikationsanweisung für die Journalistinnen und Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei. Außerdem skandalisieren viele Rechte, dass die ARD das Papier nicht veröffentlicht habe. Hier hakt auch netzpolitik.org ein, indem es die ARD-Begründung angreift, das Gutachten "aus urheberrechtlichen Gründen" unter Verschluss gehalten zu haben.


Aus: "Was steckt hinter dem Framing-Gutachten der ARD?"  Tina Groll und Johannes Schneider (18. Februar 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-02/ard-framing-gutachten-oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-glaubwuerdigkeit-faq

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Zwieblinger #7

Ich verstehe die Aufregung nicht. Wer von „Mainstream-Medien“, „Regierungssendern“, „Zwangsgebühren“ usw. spricht, betreibt ja ebenfalls exzessives (negatives) Framing. Es ist nur legitim, wenn die Angegriffenen versuchen, dem positive Begriffe entgegenzusetzen.


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Proclamator #10.3

Es ist zudem ein zweischneidiges Schwert. "Willkommenskultur" hört sich positv für diejenigen an, die kommen wollen. Für die, die dagegen sind, dürfte das Wort eine viel schlimmere Konnotation haben als "Flüchtlingswelle". Dh., man muss beim Framing auch immer überlegen, welche Gruppe von Menschen man ansprechen will, denn auf bestimmte andere Gruppen kann man den gegenteiligen Effekt bewirken.


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Loulani #10.6

Erstens gibt es nicht nur rechte, sondern auch linke Populisten.

Zweitens wird "Propaganda" dem Duden zufolge definiert als die "systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher o. ä. Ideen und Meinungen mit dem Ziel, das allgemeine Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen". Und dass der ÖRR 2015 ziemlich tendenziös (positiv) über die Flüchtlingskrise ganz im Sinne der Willkommenskultur (wie auch die meisten anderen führenden Online- und Printmedien) berichtet hat, ist ja mittlerweile nun wirklich unbestritten. Und dass eben nicht nur bestausgebildete Fachkräfte kamen, die "wertvoller sind als Gold" (Schulz) sondern auch wenig Gebildete ist mittlerweile auch unbestritten.

Propaganda gibt/gab es nicht nur in der Nazi-Diktatur. Es ist auch in gefestigten Demokratien möglich, und zwar immer dann, wenn die Berichterstattung darauf abzielt, die Meinung des Volkes zu beeinflussen beziehungsweise in eine bestimmte Richtung zu lenken. ...


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Unverbesserlicher Realist #10.16

Ach! Aber das unerträgliche Geblöke des faschistischen Pöbels ist keine Propaganda?


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Zauberelefant #10.17

Nicht jede Meinung ist gleich viel Wert. [Was ich meine ist, Meinungen gibt es in unterschiedlicher Qualität, von quasi-faktisch bis hin zu wüste Spekulation und Lüge.
Sie haben recht, muss nicht alles im öffentlichen Diskurs abgebildet werden.]


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whale #10.42

" Framing ist eine Art von Propaganda, halt eine weniger offensichtliche."

Wenn Sie es so definieren wollen, nun denn. Nur dann findet Propaganda überall statt, wo eine bestimmte Zielgruppe für ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll, und das ist täglich Brot in allen Lebensbereichen: der Sportverein möchte engagierte, talentierte Sportler anziehen, die Musikschule "propagiert" Musizieren als wohltuend und beglückend, das Kino lockt mit Fünfsterne-Wertung die Leute in den Blockbuster, der Pastor auf der Kanzel will, das wir an Gott glauben, der Versicherungsmakler will, das wir uns gegen dieses und jenes absichern, das Ordnungsamt "manipuliert" uns zu braven Bürgern, die keinen Müll auf die Straße fallen lassen usw. usw.
"Framing" bedeutet, einen Rahmen für etwas zu schaffen, ja, ein bestimmtes Bewusstsein: dass Leistungssport z.B. kein Kindergeburtstag ist, dass Musik unser Leben bereichert, dass dieser oder jener Film uns ein besonderes Erlebnis bescheren werde und dass eine saubere Innenstadt ein erstrebenswertes Ziel ist.
Alles Manipulation? Alles Propaganda? Wie gesagt, wenn Sie es so nennen wollen. Nur dann ist es auch etwas alltägliches - wirklich nicht zu vergleichen mit Demagogie und Volksverhetzung.


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Ratbert #17

Der Begriff "Framing" ist selbst Framing. Rhetorik und Semiotik, Propaganda und Manipulation gibt es schon etwas länger. Das "Neue" am Framing ist nur, dass hier immer wieder neurobiologische Begriffe entlehnt werden, um dem Ganzen einen naturwissenschaftlichen Anstrich zu geben.


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istdochwahr #25

"Das stelle die Presse grundsätzlich als unglaubwürdig dar und suggeriere zudem, "die Presse" sei ein geschlossenes, vielleicht sogar "von oben" gesteuertes Ganzes."

Naja Wenn beinahe die ganze deutsche Presse in der Hand von ein paar Familien ist, könnte man den Eindruck bekommen.


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Fuming citizen #33

Für mich bedeutet Framing die Handlungsanweisungen für gut gemachte Propaganda, indem man Sprachzensur anwendet und verbal moralischen Werte, was immer sie auch seien, den Bürgern überzustülpen versucht, so dass er bei abweichender Meinung als schlechter Mensch dasteht.
Gute Propaganda lügt nicht. Sie macht genau das, was man unter Framing versteht. Den Rest kann sich jeder selber denken.


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chrisbo18 #37

Ich bin ein Fan von den ÖR, wenn es um Nachrichten geht. Absolut!
DOCH:
1. Was sollen die Eigenproduktionen, die IMMER nach dem gleichen Schema gestrickt sind? Warum immer nur Schnulzen und peinliche Komödien?
2. Wer braucht so viele Polit-Talks in denen sowieso immer die gleichen Personen sitzen und die Moderatoren auch immer das gleiche langweilige und stellenweise auch sehr eigenwillige Verhalten an den Tag legen?
3. Wer braucht X Zoo-Dokus, Kochsendungen, Bares für Rares?
4. Warum werden gute Dokus und Filme immer nur Nachts ausgestrahlt?
5. Wo ist der Sport geblieben?
6. Warum gibt es Werbung, obwohl man die Unsummen an Geldern erhält?
7. Wieso kann ein Netflix nach kurzer Zeit so viel mehr?

Die ÖR sollten weniger an ihrem Image arbeiten als an den Inhalten. Nur so bekommen sie die Aufmerksamkeit und den Respekt, den sie sich wünschen!

Und der GEZ......groll.....ich zahle meinen Haushalt, das Büro und auch meinen Dienstwagen und habe doch nur ein Paar Augen und Ohren! Diese Abzocke, ja ich nenne sie bewusst so, gibt meiner persönlichen Kritik nur noch mehr Zunder!


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ElinBY #37.1


"Ich bin ein Fan von den ÖR, wenn es um Nachrichten geht. Absolut!" - Sehe ich auch so.

Ergänzung:
8. Warum gibt es immer mehr dümmliche "Comedy"-Shows statt guter Satire oder überhaupt so viele nichts sagende Shows jeglicher Art?
9. Warum sprechen sich die zahlreichen ÖR-Sender nicht untereinander ab und bringen an vielen Abenden überall die gleichen Formate, sodass der Zuschauer gar keine wirkliche Wahl hat, (außer abzuschalten)?


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Jordanes #38

"wurde das Papier schon 2017 ...... in Auftrag gegeben."

Seltsam, die ARD ist ein 1950 gegründeter Verbund öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten und nach 67 Jahren fällt ihnen dort auf, das sie Hilfe in der Verwendung bewusster Sprache benötigen. Waren frühere Journalisten so viel besser?

Geframt wurde schon immer und das war auch nicht weiter schlimm, da man schnell merkt welcher Richtung die Sympatien gelten. Nur wenn die im Alltag gesprochene Sprache gar nicht mehr ins Fernsehen durchdringen soll, dann begibt man sich auf den Weg des ddr Journalismus, verkündet nur noch Sieg und Fortschritt, aber niemand mag mehr zuschauen.

Die ARD sollte sich besser überlegen wie sie mit interessanten Inhalten ihren Teil an freier Bildschirmzeit halten kann und keine Zeit an sprachliche Glättungen verschwenden. Die Leute bilden sich ihre Meinung aus den Erfahrungen des Alltags heraus und da spielen die im TV gewählten Formulierungen keine bedeutende Rolle.


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Dietmar R. #64

Wenn ich den Beitrag richtig verstanden habe, dann geht es beim 'Framing' darum, das semantische Potential so zu setzen, dass es erwünschte Wirkungen erzeugt.
Mit Framing versucht man also nach meinem Verständnis zu manipulieren, weil man es bewusst einsetzt.

Sachlich und differenziert geschlussfolgert bedeutet dies u.a., dass je mehr sich Thinktanks, Mediengruppen.....offensiv mit dem 'Framing' beschäftigen, umso größer wird nachvollziehbar das Misstrauen der Rezipienten und der Gesellschaft sein, und dies hat nicht mit einer rechten Gesinnung, sondern etwas mit Common Sense zu tun.


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MaryPoppinsky #65

Die Skandalisierung seitens der extremen Rechten war absehbar. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es keine framingfreie Sprache gibt, man kann also nur auf die eine oder andere Art framen. Daher ist es logisch, sich über die Art und Weise des ohnehin unvermeidlichen Framings Gedanken zu machen. ...


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burgunderbauer #69

Wer sich nicht aus zwei Quellen mit gegensätzlicher Tendenz informiert - taz und Welt meinetwegen oder Report und Monitor -, kann sowieso nicht von sich behaupten, sich ernsthaft um die Wahrheit bemüht zu haben.

Woran die AfD arbeitet, ist ja ein gewaltiges Ent-Differenzieren, nachdem vernünftige soziale und vernünftige liberale und vernünftige konservative Vorschläge allesamt für die Tonne sind und wir etwas ganz anderes brauchen. Was man so lange gut behaupten kann, so lange man nicht in der Verlegenheit ist, es auch politisch realisieren zu müssen.

Aber wie man sieht: "Alternatives" Framing funktioniert bei Trump und den Brexiteers immer noch - wenn auch mit weniger Zustimmung.


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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #101 on: February 19, 2019, 01:12:03 PM »
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[...] "Mit Framing können wir nichts anfangen", ließ die ARD noch im Sommer verlauten. Da hatte es wieder Kritik an der Talkshow hart aber fair gegeben: Die Redaktion übernehme beim Thema "Flüchtlinge und Kriminalität" das Framing – also den Deutungsrahmen – von Rechtspopulisten. Die Ankündigung der Sendung enthielt etwa diese Suggestivfragen: "Können solche Flüchtlinge überhaupt integriert werden? Wie unsicher wird Deutschland dadurch?"

Einige Monate zuvor war es der Programmhinweis auf eine MDR-Radiosendung, die schließlich aufgrund öffentlicher Empörung abgesagt wurde: "Darf man heute noch 'Neger' sagen? Warum ist politische Korrektheit zur Kampfzone geworden?" Und davor das Kanzlerduell vor der Bundestagswahl 2017 zwischen Angela Merkel und Martin Schulz, an dem auch die ARD beteiligt war: Die Journalisten verbrachten große Teile der Sendezeit mit Fragen nach Flüchtlingen und dem Islam – und trugen damit erneut die Deutungsmuster von Rechtspopulisten in die mediale Debatte. Die ARD hat außerdem viel Zuschauerkritik, insbesondere aus Ostdeutschland, erfahren für ihre als einseitig wahrgenommene Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt und Russland. Framing spiegelt sich aber auch in der Wortwahl in Nachrichtensendungen: "Machthaber" und "Regime" zum Beispiel sind wertende Begriffe.

Viel ist geschrieben und geforscht worden darüber, dass Wirklichkeit nie völlig objektiv dargestellt werden kann, dass bei allem Bemühen um Neutralität auch die persönliche Weltsicht der Journalisten in ihrer Berichterstattung durchscheinen kann. Und dass eben andererseits beim Zuhörer und der Zuschauerin Sprache immer unterbewusst einen gewissen Deutungsrahmen im Gehirn aktiviert.

Umso besser, wenn die ARD inzwischen vielleicht doch etwas "mit Framing anfangen" kann. Die öffentlich-rechtliche Anstalt hat die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling mit einem Empfehlungspapier zum Thema beauftragt. Allerdings ist dieses sogenannte Manual, das über das Rechercheportal netzpolitik.org öffentlich geworden ist, leider nicht dazu gedacht, die Journalisten für einen besonnenen Umgang mit Sprache und Framing zu sensibilisieren. Es ist vielmehr eine Verteidigungsstrategie für ARD-Führungskräfte, die mithilfe dieser Handreichung lernen sollen, wie sie Angriffe von Kritikern ("Staatsfunk", "Lügenpresse") argumentativ parieren können.

Den Gegnern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit starken Argumenten zu begegnen, ist während der Glaubwürdigkeitskrise der Medien, in der "alternative Fakten" und Social-Media-Blasen den Diskurs bestimmen, von größter Bedeutung. Dass die ARD in der Legitimationsdebatte über die Rundfunkgebühren auf das Gut der objektiven, ausgewogenen Berichterstattung hinweisen will, ist richtig.

Doch empfiehlt das Gutachten erstaunlicherweise weniger die sachliche Argumentation, sondern vielmehr die emotionale und moralische – eine Strategie, die durchaus manipulatives Potenzial hat. Es geht also gar nicht darum, wie man Framing vermeidet, sondern wie man es "wirkkräftig" einsetzt. So heißt es: "Nutzen Sie nie, aber auch wirklich nie, den Frame Ihrer Gegner." Mit Gegnern sind wohl auch Kritiker gemeint, die aller Wahrscheinlichkeit nach selbst Rundfunkbeiträge zahlen. Nur durch die "ständige Wiederholung neuer sprachlicher Muster über längere Zeit hinweg" könnten diese zu einer "realistischen Wahrnehmungsalternative" werden. "Fakten sind also zentral. Aber sie werden in einer öffentlichen Auseinandersetzung erst zu guter Munition, wo ihre moralische Dringlichkeit kommuniziert wird."

Nun fragt sich, worin die Autorin der Studie eine moralische Dringlichkeit sieht. Sie scheint die ARD selbst als Moralanstalt legitimieren zu wollen, anstatt als plurale, freie, demokratische Einrichtung. Wiederholt betont sie eine moralische Überlegenheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und meint damit häufig lediglich Werte, die im Grundgesetz verankert sind und auf die sich natürlich auch privatwirtschaftliche Medien berufen.

Dabei geht es Wehling nicht nur darum, die ARD aufzuwerten, sondern offenbar, den "Gegner", gemeint sind wohl die Privatsender und Medienhäuser, abzuwerten. Sie schlägt Slogans vor wie: "Demokratie statt Umsatz", "Fernsehen ohne Profitzensur", "Demokratie statt ideologischer Monopolisierung" und "Unsere Redakteure strengen sich für die Bürger an, andere für den Profit". Ganz so, als fühlten sich Journalisten privater Träger nicht der Aufklärung ihrer Leserinnen und Leser verpflichtet.

Die ARD beeilt sich nun, zu erklären, dass es sich beim Framing-Manual "weder um eine neue Kommunikationsstrategie noch um eine Sprach- oder gar Handlungsanweisung an die Mitarbeitenden" handle, sondern lediglich "um Vorschläge aus sprachwissenschaftlicher Sicht". Von einzelnen Formulierungen, die Elisabeth Wehling vorschlägt, distanziert sich die ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab: "medienkapitalistische Heuschrecken" als Bezeichnung für die Privatsender etwa, auch "Profitzensur" oder "ungezügelter Rundfunkkapitalismus" lehne sie ab. Warum verwendet sie das Papier trotzdem als Grundlage für interne Workshops? Damit billigt sie schließlich ein Konzept, das den öffentlich-rechtlichen Auftrag grundsätzlich missversteht: moralisch-emotionale Aufladung statt Fakten und Einordnung.

Regionalität, Teilhabe, Identitätsstiftung, Information, Kritik und Kontrolle im Interesse der Bürger dank guter finanzieller Ausstattung: Die ARD hat viele Argumente auf ihrer Seite. Sich die populistischen Methoden derer zu eigen zu machen, die sie am liebsten zerschlagen wollen, wird ihr nicht helfen.


Aus: "Tipps aus der Moralanstalt" Ein Kommentar von Rita Lauter (18. Februar 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/film/2019-02/framing-ard-manual-gutachten-sprache-glaubwuerdigkeit

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Der freundliche Waran #2

"Ganz so, als fühlten sich Journalisten privater Träger nicht der Aufklärung ihrer Leserinnen und Leser verpflichtet."

Ich würde privaten Medienunternehmen kein pauschales Aufklärungsinteresse unterstellen. Wo doch der FOCUS sich gerade von der titanic eine gefakete Story darüber hat andrehen lassen, wie Autonome angeblich mit Luftpumpen Abgasmessstationen manipulieren. Was man so nur bringen kann, wenn man exakt 0 Faktenchecking betrieben hat.


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Cymbeline #5.2

"Die Journalisten sollten einfach wieder wertungsfreie Nachrichten senden und die Menschen ihre eigenen Schlüsse aus ihnen ziehen lassen, so wie es noch vor der Jahrtausendwende gewesen war."

Hätten Sie den Artikel gelesen, wüssten Sie, dass es so etwas wie "wertungsfreien" Journalismus nicht gibt. ...