Author Topic: Medienjournalismus und Medienkritik...  (Read 24679 times)

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #60 on: November 22, 2017, 11:05:11 AM »
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[...] Dehm - seit Jahren Enfant terrible der Linken - hat sich binnen weniger Tage zum zweiten Mal bei seinen Genossen in die Nesseln gesetzt. Gemeinsam mit dem früheren Vize-Fraktionschef Wolfgang Gehrcke hatte er sich vergangene Woche in den Streit um die Verleihung eines Kölner "Karlspreises" eingeschaltet - die Verwechslungsgefahr mit dem renommierten Aachener Karlspreis scheint durchaus beabsichtigt. Er soll in diesem Jahr für "aufklärerischen Journalismus" an Ken Jebsen verliehen werden, der seit Jahren im Milieu der Verschwörungstheoretiker beheimatet ist. ...


Aus: "Die Linke: Unter Putin-Verstehern und Aluhüten" (21.11.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/die-linke-unter-putin-verstehern-und-aluhueten/20610784.html

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[...] Im Berliner Kino Babylon sollte Ken Jebsen als mutiger Journalist geehrt werden. Kultursenator Lederer polterte, jetzt gab es eine Absage. BERLIN taz | Die Verleihung eines Medienpreises an den ehemaligen RBB-Radiomoderator Ken Jebsen, der seit Jahren in verschwörungstheoretischen Kreisen unterwegs ist, wird nicht wie geplant im Berliner Kino Babylon stattfinden. Das bestätigte die Senatsverwaltung für Kultur am Dienstag der taz.

Damit ist der Wunsch von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) in Erfüllung gegangen. Der hatte am Montag auf Facebook geschrieben: „Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet. Vom Geschäftsführer des Kinos Babylon würde ich mir angesichts dessen die Courage wünschen, zu sagen: Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung.“

Genau das hat Babylon-Chef Timothy Grossman nun getan, wohl aber ohne von der Richtigkeit dieses Schrittes überzeugt zu sein. Auf Nachfrage der taz reagierte das Kino barsch – für eine Auskunft stehe man nicht zur Verfügung. Aus der Senatsverwaltung hieß es dagegen, dass es noch am Montag zu einem Telefonat zwischen Kultur-Staatssekretär Torsten Wöhlert und Grossmann gekommen sei. Dabei sei dem Kino-Betreiber die „deutliche Irritation“ über die Veranstaltung mitgeteilt worden. Am Dienstagvormittag dann sagte Grossmann den Veranstaltern per Mail ab.

Das Kino Babylon erhält als „kommunales Kino“ institutionelle zweckgebundene Zuwendungen vom Land Berlin für den Kino-Spielbetrieb, 2017 in Höhe von knapp 400.000 Euro. Laut Senatsverwaltung für Kultur erhält der Vermietungsbetrieb der Neue Babylon Berlin GmbH „keine öffentliche Förderung und liegt in der ausschließlichen Verantwortung des Geschäftsführers“. Eine Handhabe, die Veranstaltung selbst abzusetzen, habe man demnach nicht gehabt, heißt es.

Die Ankündigung der für den 14. Dezember geplanten „Festveranstaltung“ hatte seit einigen Tagen für Aufregung gesorgt. Der Querfront-Blog Neue Rheinische Zeitung Online (NRhZ), der seinen Namen von der 1848 bis 1849 durch Karl Marx redigierten Zeitung übernommen hat, wollte seinen „Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik“ verleihen.

Laut Ankündigung sollte Jebsen „für seinen aufklärerischen, unabhängigen, facettenreichen, urdemokratischen Journalismus“ ausgezeichnet werden. Dass Jebsen seit seinem Rauswurf beim RBB unter Antisemitismusverdacht steht und auf seinem Youtube-Kanal KenFM vor allem Verschwörungstheorien bedient, ist den Veranstaltern wohl egal – bzw. ist der Grund für die geplante Auszeichnung.

Mit einer Rede im Babylon angekündigt war unter anderem die Israel-Kritikerin Evelyn Hecht-Galinski, die den Preis selbst 2014 erhielt – damals begleitet von einer Laudation von Jebsen. Im Rahmenprogramm sollte zudem die Band „Die Bandbreite“ auftreten. In seinem Post schrieb Lederer, die Band wirke „mit ihren vor Rechtsesoterik triefenden Texten bis tief in rechtsradikale Milieus“ und könne sich des „Beifalls von NPD bis Jürgen Elsässer versichern“.

Die beiden Herausgeber von NRhZ-Online Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann waren im Jahr 2012 Teilnehmer eines von Compact-Chefredakteur Elsässer organisierten „Staatsbesuches“ bei dem damaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Dies passt zur dezidiert anti-israelischen und anti-amerikanischen Orientierung des Blogs. Trotz linker Rhetorik bedient man damit vor allem ein rechtes bis antisemitisches Publikum.

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Seven
16. Nov, 17:25

Lieber Herr Peter !

Wir erkennen Ihre schäbige Feindbildgenese.
Das können wir, weil wir dessen Machart durchschauen -- aber natürlich auch, weil der Text so schlecht ist.
Geben Sie sich mehr Mühe beim Schreiben, dann klappts vielleicht auch mit der Meinungsmache. ...


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Paradigma
Freitag, 22:12

Ken Jepsen wird unterstellt dienlich zu sein für Rechte und Antisemiten.
Dies ist entspricht m.E. nicht der Wirklichkeit. Der sicherlich sehr kritische Journalismus von Ken Jepsen wird nach meinem Dafürhalten in der Mehrheit von kritischen und zumeist unabhängigen Bürgern der Zivilgesellschaft, insbesondere linken, liberalen und durchaus auch wertkonservativen Menschen wertgeschätzt. Dies ist auch an den Persönlichkeiten zu erkennen, die von Ken FM Jebsen interviewt werden und die ebenfalls aus diesem Spektrum kommen, wie der wertkonservative Willy Wimmer (CDU-Mitglied), Friedenforscher Daniele Ganser-parteiunabhängig, Rita Süssmuth, Sahra Wagenknecht, Peter Gauweiler(CSU Mitglied) u.v.a. m. Keiner dieser Interviewpartner ist ein dummer Antisemit und auch kein Rechter. Gemeinsam kennzeichnet die Interviewpartner und auch Ken FM aus. die kritische Einschätzung, wie sich die politische und gesellschaftliche Situation im Hinblick auf die Demokratie, Einhaltung der Rechts-, der Sozialstaatlichkeit drastisch verschlechtert hat und deshalb der innere und äußeren Friedens zunehmend gefährdet ist.
Welche tatsächlichen Gründe liegen vor die Ehrung von Ken Jepsen zu verhindern?


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Wagenbär
Samstag, 02:25

@Paradigma Welche Veröffentlichung von "Ken Jebsen" stellt in Ihren Augen denn "kritischen Journalismus" dar?
Ich finde da eine Mischung von krudem Geblubber mit banaltsen Gemeinplätzen, grotesk verzerrte Darstellungen von Ereignissen und ebenso groteske Selbstüberschätzung.
Beispiel ist die Bezeichnung des Selbstdarstellers Ganser als "Friedensforscher"
"Ken Jebsen" hat Ganser in sschönster Hausberichterstattung mehrfach fälschlich zum "Professor" befördert.
In keiner Veröffentlichung mit / über Ganser ist je eine Spur von kritischer Betrachtung zu finden.


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Paradigma
Freitag, 23:37

@Paradigma Die Ehrung von KenFM verhindert zu haben, stellt auch einen indirekten Affront gegenüber den durchaus seriösen Interviewpartner dar, wie z.B. Willy Wimmer, Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter Kanzler Kohl u.v.a.m. Sämtliche Gesprächspartner von KenFM werden sicherlich eigenverantwortlich und eingehend geprüft haben, mit wem und ob sie sich mit Jepsen in brisante politische Diskussionen einlassen. Ken Jepsen stellt im übrigen als Journalist hauptsächlich Fragen, enthält sich weitgehend zu persönlichen Meinungsäußerungen. Insofern werden die politischen Auffassungen seiner Interviewpartner tangiert und versucht auch diese Meinungen zu verhindern, die ohnehin in den Mainstreammedien völlig ignoriert und verschwiegen werden. Hat jemals eine große Tageszeitung, das öffentlich-rechtliche Fernsehen von dem sehr erfahrenen Willi Wimmer und Verteidigungsexperten berichtet.?
Die Preisverleihung zu sabotieren und dies für positiv zu bewerten, lässt die Schlussfolgerung zu, dass auch die freie Meinungsäußerung der Gesprächspartner zu beschneiden , in dem diese Gesprächsplattform diskreditiert wird. Dies ist nicht zu akzeptieren und widerspricht zutiefst der demokratischen Grundordnung.


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Aus: "Querfront-Preisverleihung abgesagt: Kein Raum für Jebsen" Erik Peter (14. 11. 2017)
Quelle: https://www.taz.de/!5463066/

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[...] Dass die taz ihre friedenspolitischen Wurzeln gekappt hat und ähnlich wie die Partei der (Oliv-)Grünen seit dem Jugoslawienkrieg die illegalen Kriege des US-Imperiums akzeptabel findet, können Leute wie ich, die vor 38 Jahren diese antimilitaristisch verwurzelte “linke radikale tageszeitung” mitgründeten, nur als tragischen Niedergang empfinden. Die unter dem Fähnchen “Menschenrechte”, “humanitäre Intervention”  oder “war on terror” getarnten US-Kriege werden von der  taz-Redaktion mittlerweile nicht nur achselzuckend hingenommen, sondern gern auch noch publizistisch gefördert. Wie zuletzt die Bürgerkriege in der Ukraine und Syrien, mit der einst linksradikalen taz ganz auf Seiten von NATO, USA und ihren terroristischen Söldnern.
Einen ähnlichen Niedergang in die “Regierungsfähigkeit” wie die Grünen haben auch weite Teile der Partei “Die Linke” gewählt – Abschied von aktiver Friedenspolitik und Akzeptanz des us-amerikanischen Bellizismus sind das Ticket für Regierungspöstchen in Deutschland.

... Ganz im Sinne atlantischer Frontkämpfer-Mentalität hat Klaus Lederer jetzt das Babylon-Kino – eine von seinem Senat geförderte Spielstätte – aufgefordert, den Mietvertrag für eine Preisverleihung an Ken Jebsen zu kündigen. Der Blog  “Neue Rheinische Zeitung” aus Köln, der alle zwei Jahre den Karls- Preis für engagierten Journalismus vergibt, hatte den Saal für den 14. Dezember gebucht – und bei mir angefragt, ob ich eine Laudatio auf den Preisträger halten würde. Ich sagte sofort zu, weil es höchste Zeit wird, Ken Jebsen und KenFM in höchsten Tönen zu loben, denn dieses Programm und sein Macher – der Chef des Grimme-Instituts, Lutz Hachmeister, lobte ihn unlängst erst als Medienpionier   – sind für mich seit Jahren der Leuchtturm eines friedens-politisch, anti-militaristisch und anti-kapitalistisch engagierten Journalismus. Dass solcher Journalismus Figuren wie Lederer nicht ins Konzept passt, kann man verstehen, dass sie sich aber übler Verleumdungen bedienen, um ihn zu verhindern, ist absolut inakzeptabel:  “Der Preisträger und mehrere an dieser Veranstaltung Beteiligte sind in der Vergangenheit durch offenen, abgründigen Israelhass, die Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster und kruder Verschwörungstheorien in Erscheinung getreten(..) Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung,” richtet der Herr Senator über Facebook aus und die taz entblödet sich nicht, dieses dumpfe Mobbing unter dem Titel “Querfront-Preisverleihung abgesagt” unreflektiert nachzubeten. ...


"Kultursenator zieht Rufmord vom Leder – und schießt sich ins Knie" Mathias Broeckers (15/11/2017)
Quelle: https://www.broeckers.com/2017/11/15/kultursenator-zieht-rufmord-vom-leder-und-schiest-sich-ins-knie/

« Last Edit: December 14, 2017, 01:19:22 PM by Link »

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #61 on: November 22, 2017, 11:05:37 AM »
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[...] Einer der Zweifelnden, der Schweizer „Energie- und Friedensforscher“ Daniele Ganser, soll Ende November in Berlin zu der Frage „Feuer oder Sprengung?“ sprechen. Für 20 Euro Eintritt kann man im Kino Babylon seinem Vortrag lauschen – es sei denn, der Veranstaltung ergeht es noch wie einer für Mitte Dezember angesetzten Preisverleihung an den ehemaligen RBB-Moderator Ken Jebsen. Nach öffentlicher Kritik durch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und einem Telefonat seines Staatssekretärs Torsten Wöhlert mit Babylon-Geschäftsführer Timothy Grossman sagte das Kino den Veranstaltern ab.

Für seinen „aufklärerischen“ und „urdemokratischen Journalismus“ sollte Jebsen der „Kölner Karlspreis“ vom Blog Neue Rheinische Zeitung Online (NRhZ) verliehen werden. Der 51-jährige Moderator Jebsen stellt sich mit seinem Kanal KenFM als Alternative zu den etablierten Medien dar. Die Laudatio sollte taz-Mitarbeiter Mathias Bröckers halten, ebenfalls bekannt für seine verschwörungstheoretischen Ansichten zum 11. September 2001. Als Rednerin war Evelyn Hecht-Galinski angekündigt, eine Unterstützerin der umstrittenen israelkritischen Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS).

Lederer kritisierte Jebsen sowie weitere an der Veranstaltung Beteiligte scharf: Sie seien „in der Vergangenheit durch offenen, abgründigen Israelhass, die Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster und kruder Verschwörungstheorien in Erscheinung getreten“. Antisemitismusvorwürfe führten 2011 zu Jebsens Entlassung beim RBB.

Auf Nachfrage der taz, ob Lederers Beschreibung der Jebsen-Veranstaltung als „Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte“ auch für jene von KenFM organisierten Ganser-Vorträge gelte, hieß es aus der Senatsverwaltung: „Es reicht ein Mindestmaß an Ratio, um diese Veranstaltung ebenfalls unter genannter Jahrmarkt-Rubrik zu fassen.“ Im Telefonat habe man Grossman den „Unmut über die Häufung inhaltlich mindestens fragwürdiger Veranstaltungen“ mitgeteilt.

Während Lederer die Jebsen-Veranstaltung mit Antisemitismus und durch den geplanten Auftritt der Band „Die Bandbreite“ auch mit dem „rechtsradikalen Milieu“ in Verbindung brachte, bezieht sich die Kritik an den 9/11-Vorträgen von Ganser auf dessen Verschwörungstheorien. 2015 hatte Ganser aber auch eine Diskussion mit dem einstigen Gründer der verbotenen neonazistischen Wehrsportgruppe Hoffmann, Karl-Heinz Hoffmann, über das Oktoberfestattentat geführt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jürgen Elsässer – Chefredakteur des rechtspopulistischen Magazins Compact.

Das Babylon, das für sein Kinoprogramm jährlich mit etwa 400.000 Euro vom Senat bezuschusst wird, äußerte sich auf Anfrage der taz nicht. Die Senatsverwaltung für Kultur widersprach dem Vorwurf der Zensur, den auch der Linke-MdB Diether Dehm und der Ex-Abgeordnete Wolfgang Gehrcke öffentlich erhoben haben. Lederer habe sich „öffentlich positioniert“ – dies sei „keine Anweisung“ für das Babylon.

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Zehni, 21.11.2017

Sehr schwacher Kommentar: Außer das übliche Querfront, Aluhut und VT-Geblubber nix gescheites. Wer soll das noch ernst nehmen? Lieber die offizielle 9/11 VT glauben, die natürlich zu 100% schlüssig und von so ehrenwerten Leuten wie Cheney und Bush in die Welt gesetzt wurde.
Wie war das mit den Massenvernichtungswaffen im Irak und der Brutkastenlüge? Selbst wenn man weiß, dass ständig gelogen wird, bleibt man lieber bei der offiziellen Version, ist eben die Komfortzone.
Deshalb liebe TAZ: dreht euch nochmal um und schlaft weiter....


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der Karpate, 22.11.2017

Ich verstehe nicht, wiso die Taz verhindert, daß es zu eine ernsthafte Diskussion kommen kann, die zu einer neuen Untersuchung der Anschlägen vom 11.09 führen könnte. Immerhin stellt sich die Taz damit auf die Seite von Busch jr. der uns in den Irak krieg gelogen hat. Allein das macht mich skeptisch. Habe mir auch ein paar Vorträge bei Kenfm angehört, dort kommen Professoren, UN Personal und Politiker zu wort, es scheint polemisch alle als Aluhutträger zu beschimpfen.


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El-ahrairah

Jetzt mal inhaltlich und nicht identitär gefragt: Fällt die Anerkennung eines transatlantischen nichtstaatlichen Machtgeflechts in der US-Politik bei Euch eigtl auch als V-Theorie? Das ist nämlich eine historische Tatsache. Selbst der Sohn von Neocon-Gründer Irving Kristol sprach ganz ungeniert vom "deep state" als Alternative zum "Trump state"


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Aus: "Verschwörer im Berliner Kino Babylon: Große Bühne für Aluhüte" Erik Peter (20. 11. 2017)
Quelle: https://www.taz.de/!5461114/

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... Die Demokratie lebt vom offenen Dialog seiner Bürger, die sich um die Erkenntnis des Richtigen zum gemeinsamen Wohl bemühen („Direkte Demokratie“). Dabei sind Streit und Kritik Wesensmerkmale einer demokratischen Gesellschaft. Wenn nur noch wenige Bürger der Überzeugung sind, auf das Handeln der Regierenden Einfluss zu haben, dann ist ein solcher Dialog unentbehrlich. In Deutschland sind nach einer neuen OECD-Studie zum politischen Mitspracherecht („Wohlbefindens-Studie“) nur 24 Prozent der Befragten davon überzeugt, mitbestimmen zu können, was die Regierung macht (Russland auf Platz 4, Deutschland abgeschlagen auf Platz 24!). Ist es jedoch nicht mehr möglich, seine (auch unbequeme) Meinung frei zu äußern und wird der Anders-Denkende nicht mit Argumenten „bekämpft“, sondern von einer quasi-linken Journaille (Karl Kraus) öffentlich verunglimpft, lächerlich gemacht und folglich von verwirrten oder gekauften Schlägertrupps auf offener Straße (auch vor den Augen seiner Kinder) mit abgebrochenen Bierflaschen und Baseball-Schlägern körperlich bedroht und attackiert, wie es Ken Jebsen bereits vor zwei Jahren aus eigener Erfahrung berichtete, ist das eine bedenkliche Entwicklung, die an die dunkle deutsche Vergangenheit erinnert.

Lion Feuchtwanger beschreibt in seinem zur Weltliteratur zählenden Roman „Erfolg“ die deutschen Ereignisse zwischen den Kriegen 1914 bis 1939 – die Erkenntnis des „Wiedereinbruchs der Barbarei in Deutschland und ihren zeitweiligen Sieg über die Vernunft“ – mit besonderem politischen Scharfblick. Und auch Oskar Maria Graf dokumentiert die widerwärtigen Geschehnisse in der Zeit des aufkommenden Faschismus sehr ergreifend im Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“. Sollte sich diese Geschichte wiederholen? Welche Art von Faschismus es dann sein wird, ist noch die Frage. Der Teufel kommt nicht immer durch die gleiche Türe herein.

Wenn Kultursenator Lederer, Mitglied der Partei der Linken im rot-roten Berliner Senat, über die geplante Festveranstaltung für Ken Jebsen – in wessen Auftrag auch immer – auf Facebook von einem „Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte“ spricht und meint, dass das Kino Babylon für „diesen Wahnsinn“ nicht zur Verfügung stehen sollte, dann fördert er als Vertreter pseudo-linker Politik in Kooperation mit der pseudo-linken Journaille, die seit Jahren ein Kesseltreiben gegen den unbequemen Journalisten Ken Jebsen veranstaltet, das (Wieder-)Aufleben einer Pogrom-Stimmung in Deutschland, die zu den beschriebenen gewaltsamen Ausschreitungen gegen Andersdenkende führt. Und das muss verhindert werden.

"Aktuelles: Pseudo-linke Politik und Journaille – und der unabhängige Journalist Ken Jebsen" Rudolf Hänsel (Aktueller Online-Flyer vom 22. November 2017)
Quelle: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24360

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[...] Wir haben es schon seit Jahren immer mehr mit Politikern und Journalisten zu tun, die sich windschnittig im gesteuerten Mainstream etabliert haben, die Krieg als Mittel der Politik befürworten und für jede Gemeinheit und Aggression der USA Verständnis bekunden. Zu diesem Personenkreis der sogenannten Atlantiker gehört offenbar auch der Berliner Kultursenator Klaus Lederer, der kurioserweise der Partei DIE LINKE angehört. Da wird dann das Messer gewetzt, wenn etwas nicht in die vorgegebene Ideologie passt, deren Befolgung oder sogar Verinnerlichung man seine Karriere zu verdanken hat. Jetzt hat Lederer dafür Sorge getragen, dass die Verleihung des Kölner Karlspreises für engagierte Literatur und Publizistik (benannt nach Karl Marx) an den Journalisten und Verleger der Internetplattform KenFM, Ken Jebsen, im Kinopalast Babylon in Berlin-Mitte vertragswidrig abgesagt worden ist.

Lederer hat dazu auf Facebook geschrieben: „Wie ich heute erfahren habe, soll im Dezember im Kino Babylon die Verleihung eines Preises für ‚engagierte Literatur und Publizistik‘ an Ken Jebsen stattfinden. Der Preisträger und mehrere an dieser Veranstaltung Beteiligte sind in der Vergangenheit durch offenen, abgründigen Israelhass, die Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster und kruder Verschwörungstheorien in Erscheinung getreten… Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet. Vom Geschäftsführer des Kinos Babylon würde ich mir angesichts dessen die Courage wünschen, zu sagen: Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung.“ (1)

Das Babylon erhält jährlich eine Zuwendung von 400.000 Euro aus dem Berliner Kulturetat. Insofern ist es nicht völlig unverständlich, dass die Geschäftsführung auf das nachdrückliche Ansinnen des Kultursenators einging und den Nutzungsvertrag mit der Neuen Rheinischen Onlinezeitung, die den Preis vergibt, kündigte, zumal die Kultursenatsverwaltung auch direkt interveniert hat. Wer Jebsen und sein Internetportal kennt, wird sich zwar über diesen Angriff auf die Kultur- und Pressefreiheit empören, aber wundern kann man sich nicht. Denn der investigativ arbeitende Journalist, der dezidiert Gegenpositionen zum Mainstream einnimmt, ist seit Längerem Persona non grata für die etablierte Politik- und Medienszene. ...


Aus: "Aktuelles: Kultursenator Lederer boykottiert Preisverleihung - Der Berliner Babylon-Skandal" Ein Kommentar von Wolfgang Bittner" (22. November 2017)
Quelle: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24346 (Neue Rheinische Zeitung)

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Aktuelles: Auseinandersetzung um die Karlspreisverleihung in Berlin am 14.12.2017
Solidarität mit Ken Jebsen! Von Andreas Wehr
Warum? Zum einen, weil die vom Berliner Kultursenator Klaus Lederer verlangte Absage der Verleihung des Karlspreises an Ken Jebsen im Kino Babylon nur den Höhepunkt einer schon lange anhaltenden Kampagne gegen diesen Journalisten darstellt. Eine Kampagne, die durch nichts gerechtfertigt ist, und die leider – und auch das bereits seit Jahren - von der Tageszeitung junge Welt mitbetrieben wird. Deren Geschäftsführer Dietmar Koschmieder verfolgt Ken Jebsen in einer Art und Weise, die nur noch manisch genannt werden kann. Es stellt ein bespielloses Versagen dieser selbsterklärten „marxistischen Zeitung“ dar, dass ihr jetzt zu den Zensurmaßnahmen von Klaus Lederer nichts einfällt! ...
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24352

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"PR mit dem “Holocaust als PR”" Mathias Broeckers (22/11/2017)
Quelle: http://www.broeckers.com/2017/11/22/pr-mit-dem-holocaust-als-pr/

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« Last Edit: November 23, 2017, 05:24:53 PM by Link »

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« Reply #62 on: November 23, 2017, 12:31:57 PM »
"US-Medien: Trumps Stimme für die Provinz" Thorsten Schröder, New York (22. November 2017)
Die Mediengruppe Sinclair bestimmt mit ihrem Trump-freundlichen Programm das Lokalfernsehen der Amerikaner. Jetzt setzt sie zum nächsten Großangriff an. ...  Die FCC entschied auf Drängen des neuen Behördenchefs, den die Regierung Trump eingesetzt hatte, eine mehr als 30 Jahre alte Regelung aufzuheben. Diese hatte bis dahin eine zu große Konsolidierung regionaler Medien eingeschränkt. Die mehr als 15.000 Unterschriften und Proteste zahlreicher Organisationen gegen die Entscheidungen waren wirkungslos geblieben. Jetzt fürchten Beobachter, stehe dem unaufhaltsamen Aufstieg von Sinclair kaum noch etwas im Weg. Schon heute besitzt der Konzern mit 173 Fernsehstationen in den USA mehr Sender als jedes andere Unternehmen und hat einen Marktwert von 3,4 Milliarden Dollar. ... Sinclair plant die Übernahme von weiteren 42 Fernsehstationen des Konkurrenten Tribune Media für 3,9 Milliarden Dollar – ein Deal, der mit der Entscheidung der Behörde wahrscheinlicher geworden ist. Sollte der Plan aufgehen, würde Sinclair auf einen Schlag zwei Drittel aller amerikanischen Haushalte erreichen und in vielen Märkten ein Quasimonopol bilden. ... David Smith hat den rasanten Aufstieg des Konzerns vorangetrieben. Sein Vater, Julian Sinclair Smith, hatte die Gruppe 1971 während der Nixon-Präsidentschaft als Gegengewicht zu den liberalen Massenmedien gestartet. Nach dem Tod des Gründers kaufte Smith dessen Aktienanteile auf und baute das Unternehmen innerhalb von 28 Jahren vom Regionalangebot in Baltimore zu einem Milliardenkonzern aus. ...
http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-11/us-medien-donald-trump-regulierung-sinclair/komplettansicht

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[...] "Die Stille der westlichen Regierungen in Bezug auf die Untersuchung des Maidan-Massakers, das zu den schlimmsten Fällen von Menschenrechtsverletzungen und Massenmord im heutigen Europa gehörte, ist verwirrend", sagt Katchanovski.

... Spiegel TV behauptete beispielsweise in einem Beitrag aus dem März 2016: "Hier am Regierungsviertel ließ Präsident Janukowitsch auf sein Volk schießen". Der Bericht präsentierte zersägte Kalaschnikows, die aus dem Arsenal Berkuts stammten und in einem Fluss bei Kiew gefunden wurden, als Beweise.

Mittlerweile habe die GPU erklärt, dass der Anführer einer Maidantruppe die Waffen dort selbst platziert habe, sagt Katchanovski. Für Berkut hätte es auch keinen Sinn ergeben, die Waffen zu verstecken. Musterproben von Kugeln, die damit abgefeuert wurden, seien bereits in der polizeilichen Datenbank gespeichert gewesen und hätten den Ermittlern zur Verfügung gestanden.

Zudem stellte der Spiegel-TV-Bericht die Tötung des Maidankämpfers Volodymyr Chaplynsky falsch dar, kritisiert Katchanovski. Das TV-Team besuchte Chaplynskys trauernde Familie. Sowohl Katchanovskis Studie als auch ein Vor-Ort-Experiment der GPU hätten ergeben, dass Chaplynsky nicht von Berkut, sondern von einem Gebäude in Maidanhand aus getötet wurde.

Der Schusskanal der tödlichen Wunde ist eindeutig: "Laut Obduktion befand sich die Eintrittswunde auf der linken Seite des Halses und die Austrittswunde war viel niedriger auf der Rückseite seines rechten Schulterblattes", erklärt Katchanovski. "Von oben nach unten, von links nach rechts, und von vorne nach hinten." Die Berkut-Barrikade befand sich zum Zeitpunkt des Schusses in Chaplynskys Rücken. Der Todesschuss kam von woanders. ...


Aus: "Woher kamen die Todesschüsse?" Stefan Korinth (20. Februar 2017)
https://www.heise.de/tp/features/Woher-kamen-die-Todesschuesse-3630949.html?seite=all

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[...] Es wurde kritisiert, die amerikanischen und westeuropäischen Massenmedien hätten die Entwicklung des Konflikts in der Ukraine einseitig dargestellt, indem die Maidan-Opposition ausschließlich positiv, die Janukowytsch-Regierung und das Russlandbild hingegen negativ gezeichnet worden seien. Hanno Gundert vom Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung äußerte am 15. April 2014 in der Deutschen Welle: "Kaum ein Journalist verlässt den Maidan, um sich ein umfassenderes Bild von der Lage im Land zu machen. Viele westliche Pressevertreter logieren im Hotel Ukrajina direkt am Platz. Dort hätte sich eine Art „Pressezentrum der Opposition“ etabliert. „Die gesamte Berichterstattung ist von Schwarz-Weiß-Positionen geprägt – in der einen wie in der anderen Richtung.“ Simon Weiß, Politikwissenschaftler an der Universität Heidelberg meinte: „Man sah es als einen zivilgesellschaftlichen Protest gegen einen schlechten Herrscher. Hier der Westen, da der finstere Herrscher und das finstere Russland – Fortschritt gegen Korruption.“ Die deutschen Medien seien in ihrer Sichtweise anfangs wie die Bundesregierung einseitig und unausgewogen gewesen, so Weiß.[343] Das Medienmagazin Zapp des Norddeutschen Rundfunks kommt nach Analysen von ARD-Sendungen aus dem November 2013, Januar und Februar 2014 zu dem Schluss, dass „fast 80 Prozent der Interviewpartner Regierungsgegner [waren]. Ein beliebter Gesprächspartner: Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko, der zu einer Art Galionsfigur stilisiert wird. Dabei ist er einer von mehreren Oppositionsführern.“[344] Eine empirische Untersuchung, wer in deutschen Talkshows in den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD, ZDF und Phoenix zum Thema eingeladen wurde, ergab hingegen, dass mehr als doppelt so viele russische wie ukrainische Staatsbürger präsent waren und dass Ukrainer deutlich seltener eine Stimme bekommen als Russen. In einem Drittel der Sendungen hatte die Ukraine keinen Fürsprecher. 38 % der eingeladenen Gäste waren Journalisten, unter ihnen überproportional viele Russen von staatskontrollierten Medien. Unter den Gästen waren die Befürworter einer Entspannungspolitik gegenüber Russland im Vergleich zu den Befürwortern einer Eindämmungspolitik in der Überzahl. Von einer Russlandfeindlichkeit in den deutschen Medien könne nicht die Rede sein.[345] Laut der Linguistin Anja Lange fehlen deutsche Journalisten, die Ukrainisch sprechen und fundierte Kenntnis über die ukrainische Geschichte und Kultur haben. Die Osteuropazentralen vieler Fernsehsender und Zeitungen seien in Moskau, nicht in Kiew. In der deutschen Berichterstattung über die Maidan-Proteste habe es vor allem viele Russlandexperten gegeben, die den Konflikt aus russischer Sicht zu erklären versuchten.[346]

Ein von telepolis veröffentlichtes verkürztes Protokollresümee des Programmbeirats der ARD hielt einstimmig fest, die Berichterstattung der ARD über den Ukraine-Konflikt im Zeitraum Dezember 2013 bis Juni 2014 erweckten teilweise den „Eindruck der Voreingenommenheit“ und seien „tendenziell gegen Russland und die russischen Positionen“ gerichtet. Im Protokoll werden zehn Punkte genannt, darunter die Zentrierung auf die Person Putins, die mangelnde Erläuterung der Beteiligung rechtsnationalistischer Kräfte sowie der Strategien des Westens und die mangelnde Analyse des Assoziierungsabkommens, mithin generell ein Mangel an Hintergrundinformation. Der Beirat selber schrieb dazu, es sei „wichtig darauf hin zu weisen, dass das Resümee eine verkürzte Zusammenfassung darstelle“ und dass „seine Beobachtung der Ukraine-Berichterstattung differenzierter sei, als es in der Öffentlichkeit dargestellt worden sei, in der es teilweise auch sehr zugespitzt transportiert worden sei.“[347] Der Chefredakteur der ARD, Thomas Baumann, wies die Kritik des Programmbeirats „energisch“ zurück.[348]

Die Journalistin Franziska Davies wies in einem Artikel darauf hin: „Der deutsche Diskurs über die Ukraine hat aber noch eine andere Dimension, denn nicht immer geht es tatsächlich um die Ukraine. Vielmehr scheint es einigen Kommentatoren inzwischen wichtiger, sich als vermeintliche kritische Minderheit gegenüber dem medialen »Mainstream« zu positionieren“[349]

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[347] Protokoll der 81. Sitzung des rbb-Rundfunkrates RBB-Rundfunkrat, Oktober 2014
[348] Dietmar Neuerer: Berichtet die ARD zu russlandkritisch? – Handelsblatt, 18. September 2014
[349] Davies, Franziska "Zur Debatte über die Ukraine, Deutschland und der Euromajdan", in : MERKUR, 69. Jahrgang, Heft 790, März 2015, ISSN 0026-0096, S. 32–43

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Aus: "Euromaidan" (22. November 2017 um 13:46)
Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Euromaidan&oldid=171256470

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[...] Drei aus Georgien stammende Männer haben zugegeben, am 20. Februar 2014 zu den Schützen gehört zu haben, die auf dem Maidan in Kiew auf Polizisten und Demonstranten feuerten. Das Massaker auf dem zentralen Platz der ukrainischen Hauptstadt war bekanntlich der Auslöser,  der in der Folge zur Absetzung und Flucht des Präsidenten Janukowitsch, zur Abspaltung der Krim und zum Bürgerkrieg in der Ostukraine führte.
Mit diesen Geständnissen gerät die offizielle Version der westlichen Medien und der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, die Sicherheitskräfte des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch seien für das Massaker verantwortlich, weiter ins Wanken. 

... Stellen wir uns vor, statt der vom “Rechten Sektor” angeheuerten Scharfschützen hätten drei von Russland rekrutierte Söldner solche detaillierten Geständnisse abgelegt, in einer seriösen Dokumentation, von einem erfahrenen Korrespondenten des italienischen Fernsehens. Was wäre da los ? – vom “Brennpunkt” nach der Tagesschau bis zu Titelseiten in der “New York Times”, mit “Breaking News”  und Sondersendungen würden die Großmedien aus allen Rohren feuern, um die Botschaft rüberzubringen: der Russe war’s! Durchgeknallte Olivgrüne wie Rebecca Harms und Marie-Luise Beck würden gleich den atomaren Erstschlag fordern und Hillary Clinton schäumen, wenn die “Putin-Marionette” Trump nicht sofort auf den roten Knopf drückt. Kurz: die Hölle wär los.

So aber hören wir von diesen explosiven Geständnissen… Nichts! Und gäbe es nicht Organe wie Telepolis, Rubikon oder KenFM hätten Sie und ich wahrscheinlich bis heute davon nie  gehört und würden es vielleicht nie erfahren. Selbst wenn es sich bei diesen Geständnissen um einen Fake handeln würde – was ziemlich unwahrscheinlich ist – wäre das der  Berichterstattung und Recherchen wert, denn das Maidan-Massaker war und ist ein weltweit bedeutsames Ereignis, die Intialzündung eines immer noch andauernden Bürgerkriegs. Deshalb spricht das durchgängige Schweigen der Großmedien zu diesen Geständnissen Bände.  Sie sind noch immer Tag für Tag mit der  “Russiagate” -Luftnummer unterwegs, da wäre die Enthüllung einer echten “false flag”, ein  “Euromaidan-Nazi-Gate”-Skandal, jetzt einfach kontraproduktiv. Okay, wir haben verstanden…

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Ramatze
26/11/2017 at 13:12

Unsere etablierten Qualitätsmedien haben wichtigere Dinge zu tun als sich um solche “Fakes” zu kümmern, zumal diese auch noch in die falsche Richtung deuten. Berichte dieser Art würden den Leser nur iritieren!


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tom
26/11/2017 at 13:45

So läuft Empörungsmanagement, so funktioniert “Lückenpresse”. Wir erinnern uns wie die youtube-“Recherchen” des Bloggers Bellingcat von den Weltmedien zu Nachrichten aufgeblasen wurden, oder die Null Nummer der deutschen fact checker “correctiv” zum MH17-Abschuss eine fette Spiegel-Story… wenn die ideologische Richtung stimmt wird jeder pseudo-journalistische Fliegenschiß zum Top-Thema…


...



Aus: "Maidan-Massaker: Mörder gestehen – Medien schweigen" Mathias Broeckers (26/11/2017)
Quelle: http://www.broeckers.com/2017/11/26/maidan-massaker-morder-gestehen-medien-schweigen/
« Last Edit: November 29, 2017, 05:52:44 PM by Link »

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #63 on: November 30, 2017, 11:25:06 AM »
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[...] Seit Anfang 2014 sehen sich die etablierten Medien in Deutschland heftigen Anfeindungen aus Teilen der Bevölkerung ausgesetzt. Beginnend mit dem Unmut über eine als zu russlandkritisch empfundene Berichterstattung im Zuge der Ukraine-Krise und der Krim-Annexion wurde auch bei anderen Themen, vor allem der sogenannten Flüchtlingskrise sowie der Asyl- und Einwanderungspolitik, Wut und Misstrauen geäußert. Zum Ausdruck dieser Emotionen sind verschiedene Schlagworte im Umlauf. Das harmlosere – und analytisch durchaus fruchtbare – ist das der „Mainstream-Medien“ . Deutlich dramatischer sind der Vorwurf der „gleichgeschalteten Systemmedien“, der den Ruch des Totalitären hat und Vorzensur durch gleichschaltende Instanzen impliziert, und die Rede von der „Lügenpresse“, die – zudem NS-belastet – ein hohes Maß an Aggressivität gegen Medienschaffende transportiert und im Wortsinn meint, Journalisten würden absichtlich falsche Sachverhaltsaussagen treffen.

Eine [ ] Kluft zwischen Elite und Bevölkerung, die mehr Erklärungskraft für den Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte besitzt, besteht in der Verteilung liberaler Werte in Deutschland. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung führte 2013 eine Befragung von deutschen Führungskräften aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden, Justiz, Militär, Wissenschaft, Medien, Gewerkschaften, Kirchen und der Zivilgesellschaft durch – also von jenen Eliten, die aufgrund ihrer hohen Positionen in wichtigen Organisationen maßgeblich und regelmäßig Einfluss auf gesamtgesellschaftliche Entscheidungsprozesse nehmen. Darin zeigte sich, dass es sektorenübergreifend einen hohen Konsens bei bestimmten Werten und Einstellungen gibt: 1. dass Einwanderung das Zusammenleben bereichert und gut für die deutsche Wirtschaft ist, 2. dass öffentliche Ausgaben reduziert und der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden sollten, 3. dass ökonomische Liberalisierung generell sowie der Welthandel, Wettbewerb und Privatisierung staatlicher Unternehmen gut und umgekehrt Zölle, Importbeschränkungen oder Subventionen zum Vorteil der heimischen Wirtschaft schlecht sind, 4. dass Homosexualität und Scheidung in Ordnung sind. Man kann diese Aussagen als liberal (freiheitlich) im wirtschaftspolitischen wie kulturellen Sinn zusammenfassen. Doch dieser liberalen Elite steht in wichtigen Fragen eine gespaltene Bevölkerung gegenüber: Die Forscher Céline Teney und Marc Helbling wiesen darauf hin, dass zur selben Zeit etwa Einwanderung in allgemeinen Umfragen nur von der Hälfte der Befragten befürwortet wurde.

Das bedeutet Sprengstoff für die öffentliche Debatte und für etablierte Medien, die sich am Eliten-Diskurs orientieren. Mit Blick auf andere Befunde wie die vergleichsweise geringe Zustimmung der Bevölkerung zur europäischen Integration sehen Teney und Helbling eine „breitere ideologische Kluft zwischen dem gesellschaftlichen Führungspersonal und der allgemeinen Bevölkerung hinsichtlich der Durchlässigkeit nationaler Grenzen“, sowohl was übergeordnete politische Instanzen (Europäische Union) als auch Menschen (Migranten) angeht. De-Nationalisierung als Ausdruck liberaler Werte – so könnte man den Zankapfel nennen. Hinzu kommt, dass die Journalisten in Deutschland von ihrer Milieu-Zugehörigkeit kein repräsentatives Abbild der Bevölkerung darstellen, sondern das „liberal-intellektuelle Milieu“ stark überrepräsentiert ist und einige andere, vor allem konservative, kleinbürgerliche und prekäre Milieus unterrepräsentiert sind.

Was folgt aus diesen Überlegungen? Transparenz – zumindest medial hergestellte – kann keine Repräsentationskrise beenden, keine politischen Entfremdungsgefühle beseitigen und auch keine strukturell bedingte Glaubwürdigkeitslücke schließen, also die Distanz des Nutzers zur medialen Zeichenwand überbrücken. Denn, wie der Medienwissenschaftler John David Seidler schreibt, „auch diese Transparenzbemühungen sind dann ja Teil einer medialen Inszenierung, über deren Produktion wiederum Transparenz herzustellen wäre, was ebenso nur als mediale Vermittlung vonstattenginge, und so geht es weiter und weiter“.

Vielversprechender als medial hergestellte Transparenz erscheint es, journalistisches Handeln direkt erfahrbar und fühlbar zu machen, also auf Erfahrung statt auf Erklärung zu setzen.

Ohnehin sollten Journalistinnen und Journalisten nicht in erster Linie sich selbst bespiegeln (und sich in ihren Produktions- und Selektionsroutinen bestärken), sondern die Gesellschaft. Sie sollten, anstatt die Menschen in ihre Stahl- und Glasbauten hineinzuholen, aus diesen heraustreten und zu den Menschen gehen – auch zu denen, die Wut haben und Milieus angehören, die nicht liberal-intellektuell geprägt sind, sondern in denen es „brodelt und stinkt“, wie die liberal-intellektuelle Zeit einmal titelte. Die grundlegende Aufgabe bleibt diese: berichten, abbilden, repräsentieren. Das bedeutet nicht, dass Rassismus und Menschenverachtung normale Bestandteile der öffentlichen Debatte werden sollen. Es bedeutet aber, dass die dahinterstehenden Wahrnehmungen, Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche normaler Teil der Debatte werden. (Diese müssen häufig erst einmal recherchiert werden und sind teilweise den Betroffenen selbst nicht bewusst.) Wahrnehmungen, Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche: Das sind übrigens die vier Bestandteile der „Gewaltfreien Kommunikation“, eines Konzeptes zur aufrichtigen, nicht-entfremdeten Kommunikation in Konfliktfällen, das der US-Psychologe Marshall B. Rosenberg entwickelt hat.
Wenn Journalistinnen und Journalisten dazu beitragen, diese Wahrnehmungen, Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche von Menschen, die mit ihrem Frust heute von Rechtspopulisten abgeholt (und betrogen) werden, in den Mainstream-Diskurs zu bringen und ernsthaft und ideologiefrei zu verhandeln, dann gibt es nicht nur eine Chance auf die Transformation verfestigter Einstellungen und Ideologien, sondern auch auf gesellschaftliche Integration in Zeiten von Spaltungstendenzen.

...


Aus: "Mit Transparenz gegen die Vertrauenskrise der Medien? - Über politische Entfremdung und den Eliten-Diskurs" Uwe Krüger (23. November 2017)
Quelle: https://pw-portal.de/rechtspopulismus-und-medien/40562-mit-transparenz-gegen-die-vertrauenskrise-der-medien-ueber-politische-entfremdung-und-den-eliten-diskurs

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[...] Seit Donald Trump die Wahl gewonnen hat, fragen sich Journalisten hier und jenseits des Atlantiks, was sie falsch gemacht haben. Warum haben Sie Trump nicht triumphieren sehen, sondern ihn stattdessen monatelang als Clown gezeichnet, der so lächerlich sei, dass er eh keine Chance auf einen Sieg habe? Warum haben sie nicht einschätzen können, dass es genug Leute gibt, die einen Rassisten, Frauen-, Homohasser und Lügner zum Präsidenten machen? Die Lösung, so liest es sich derzeit auf vielen Debatten- und Medienseiten heißt: Weil wir genau diese Menschen aus dem Blick verloren haben.

Das schreibt in der aktuellen Zeit auch Stephan Lebert, Redakteur der Wochenzeitung. Lebert ist 1961 geboren, hat beim Tagesspiegel, dem Spiegel und der SZ gearbeitet. Schon seine Eltern waren Journalisten, als Kind hat er gern den Freunden und Kollegen seiner Eltern zugehört, wenn sie von ihrem Job gesprochen haben.

Aber seit den 90ern beobachte er, dass Journalisten lieber auf den Geburtstagspartys der Mächtigen tanzen, als sie zu kontrollieren. Dabei haben sie die unteren Milieus aus dem Blick verloren, haben „die sogenannten Sozialreportagen“ abgeschafft, „die Geschichten, die soziale Missstände anprangern“.

... seine Analyse, dass Journalisten oft zu nah an den Mächtigen sind, teile ich, genauso wie die Beobachtung, dass heute oft genauer auf jedes Zwinkern von Merkel als auf die Hartz IV-Familie aus Cottbus-Schmellwitz geschaut wird. Dass das gefährlich ist, wissen wir nicht erst seit dem Brexit und seit Trump, sondern schon seit dem Aufkommen der „Lügenpresse“-Debatte.

Und damit meine ich nicht nur jene irrlichternden Pegida-, Querfront- und Nazianhänger, die den Medien nicht mehr vertrauen. Ich meine dieses diffuse Misstrauen, was einem als Journalistin heute immer wieder entgegen schlägt, sei es auf Familienfeiern, im Bekanntenkreis oder von Wildfremden: Ihr steckt doch alle mit den Mächtigen unter einer Decke.

Lebert schreibt, Journalisten müssen sich daranmachen, „das große Bild zu zeichnen“. Das stimmt. Was aber nicht stimmt, ist, dass das mit recherchieren und schreiben getan wäre, wie Lebert behauptet. Das Problem ist nicht, dass Journalisten nicht das große Bild zeichnen. Das Problem sind die Zeichner selbst.

2012 hat Klarissa Lueg, Doktorandin der TH Darmstadt, für ihre Dissertation untersucht, woher der journalistische Nachwuchs stammt. “Habitus, Herkunft und Positionierung: Die Logik des journalistischen Feldes“, heißt ihre Arbeit, für die sie Schüler dreier Journalistenschulen und deren Schulleiter befragt hat. Ihr Ergebnis: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) stammen aus einem „hohen“ Herkunftsmilieu. Deren Eltern sind in der Regel Akademiker, deren Väter überdurchschnittlich oft promoviert oder habilitiert.

An Unis und Fachhochschulen kamen 2012 etwa 60 Prozent der Studierenden aus einem Akademikerhaushalt. Die Journalistenausbildung in Deutschland, zumindest die schulische, ist also noch elitärer als die Hochschulausbildung. Woher sollen die guten Sozialreportagen denn kommen?

In meiner Journalistenschulklasse hatten alle meine 14 MitschülerInnen studiert oder sie studieren jetzt. Ich war die einzige Ostdeutsche, zwei Mitschülerinnen hatten Migrationshintergrund.

Und der soziale Ausschluss funktioniert nicht nur über die Schulen, er beginnt schon bei den vielen unbezahlten Praktika und den schlechtbezahlten Volontariaten. Die kann sich oft nur leisten, wer Geld von Mama und Papa bekommt.

Klar könnte man jetzt einwenden: Journalistisches Handwerk ist das Recherchieren. Wer sich in den unteren Milieus nicht auskennt, der muss dort eben eintauchen. Politikjournalisten sind ja auch keine Politiker, berichten aber über Politiker. Der Unterschied ist nur: Die Sozialreportagen, die Lebert zu recht fordert, müssen, damit sie gut sind, über die bloße Beobachtung hinausgehen.

Die unteren Milieus – Arbeitslose, Arme, Abgehängte – sind kein Zoo, in dem wir als Journalisten uns mal an einem Sonntagnachmittag umschauen und darüber berichten. Mir zumindest fallen nur wenige Texte ein über Menschen am Rande der Gesellschaft, die einfühlsam und so berichten, dass ich deren Lebenswelt verstehe. Die meisten Berichte über solche Leute waren, vor allem im Vorfeld der Trump-Wahl, eine Mischung aus Freak-Show und Abkanzeln unbekannter Lebensstile.

Dazu kommt: Wer nie in Cottbus-Schmellwitz von Hartz-IV gelebt hat, weiß nicht, wo er anfangen soll zu recherchieren. Wenn man die unteren Milieus nur aus der U-Bahn kennt, woher soll man wissen, was die Themen dieser Leute sind?

Vor knapp drei Jahren erschien in der Zeit der Text “Ich Arbeiterkind“ von Marco Maurer. Maurer, Sohn einer Friseurin und eines Kaminkehrers schreibt darin, wie schwer sein Aufstieg zum Journalisten war – gerade weil er Arbeiterkind ist. Der Text wurde viel diskutiert, Maurer hat für ihn Preise gewonnen, hat daraus ein Radiofeature gemacht und ein Buch geschrieben. Warum? Weil solche Geschichten fehlen.

Nein, Recherche reicht nicht, den Blickwinkel der Berichterstatter wieder zu weiten. Der Journalismus verändert sich erst, wenn sich seine MacherInnen verändern. Dazu braucht es heterogenere Journalistenschulklassen – nicht nur, was die soziale Herkunft betrifft. In den Redaktionen müssen mehr Leute mit Migrationshintergrund sitzen, schreiben und berichten, mehr Behinderte, mehr Menschen mit verzweigten Biographien.

Wie das klappen soll? Zum Beispiel mit Recherche – wo erreichen wir als Redaktion die Nichtakademiker-Kinder? – und positiver Diskriminierung. Genauso, wie es auf Stellenausschreibungen manchmal heißt, Frauen würden „bei gleicher Qualifikation bevorzugt“, ließe sich diese Formulierung weiter denken. Das wäre kein ungerechtes Identitäts-Klein-Klein, sondern die einzige Möglichkeit, den Journalismus zu dem zu machen, was er sein sollte: ein Abbild der Gesellschaft.

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Philippe Ressing
14.12.2016, 09:34

Ein wichtiger Aspekt sollte nicht vergessen werden: Angefangen mit der 'Basta Politik' von Rot Grün und der danach CDU dominierten FDP und GROKO Bundesregierung predigten die sogenannten 'Leitmedien' das neoliberale Karma: "Es gibt keine Alternative!" Gerade die ZEIT, in deren Redaktion jetzt nach dem Brexit und Trumps Sieg der Katzenjammer ausgebrochen ist, folgte man dieser Vorgabe. Nun entdecken die Journalisten die gesellschaftliche Realtität - da reicht das Abschreiben von dpa Meldungen (hallo Taz ;-) nicht mehr aus. Viele Journalisten, vor allem in der Hauptstadt, haben sich seit 2000 die neoliberale Poltik zu eigen gemacht. Und am Beispiel Italien oder Frankreich wird das immer noch betrieben, da werden endlich 'Reformen am Arbeitsmarkt' eingefordert - de facto: Niedriglohn und working poor - das Brot bleibt ihnen, die Wurst landet bei den Edelfedern und ihren LeserInnen. Journalisten sind sooo anfällig für Streicheleinheiten der Mächtigen. Was folgt: Jetzt wird ein bisschen rumgejammert - keiner liebt uns - und dann schön weitergemacht...


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Werner W.
14.12.2016, 01:25

Arme und Ungebildete (sog. "Abgehängte") lesen schon lange eh keine linke Presse mehr und wählen auch nicht mehr links.
Diese Unterschichtthemen sind für die Leser der taz (und ähnlicher Zeitungen) gänzlich uninteressant.


Quote
Ivande Ramos
13.12.2016, 15:27

JournalistInnen müssen nicht das große Bild zeichnen, sondern dem Leser eine Informationsbasis zur Verfügung stellen, um selbstständig eine Haltung entwickeln zu können. Dafür müssen JournalisInnen, im Falle des Sozialjournalismus, nicht zu Milieuverstehern werden, sondern einfach mal den Schreibtisch verlassen und dorthin gehen, wo es wehtut. Vor die Jobcenter und Werkstore, zu den ALGII Beratungsstellen, Betriebsräten, Sozialstationen, Jobbörsen, Mieterschutzvereinen, Essensausageben etc. An Geschichten mangelt es der Realität wahrlich nicht.

Leider ist Sozialjournalismus nicht sonderlich sexy, was auch der Autorin aufgefallen zu sein scheint. Ihr Vorschlag, man müsse die Habenichtse in die Redaktionsstuben lotsen, damit diese dann über sich selbst schreiben können, ist nicht sonderlich genial. Die Grenze zwischen Unten und Oben wird auf diese Weise in den Journalismus überführt, möglicherweise gar etabliert. Die klangvollen Themen bleiben den Kindern mit den klangvollen Nachnamen vorbehalten, alles darunter bearbeiten dann jene von Unten, weil sie es ja eh besser verstehen. Das ist der falsche Weg.

Es sind die Medien selbst, die sich zu Sozialjournalismus (und bitte auch mehr Europajournalismus) verpflichten müssten, doch dies geschieht nicht, weil die Armen und Ungebildeten selten für Journalismus zahlen und viele derjenigen, die sich Abonnements leisten (können), andere Themen bevorzugen. Wer möchte schon täglich lesen, dass der eigene Wohlstand auf der Ausbeutung der Ärmsten und Schwächsten fußt. Dann doch lieber ein Portrait eines Faschisten auf der Titelseite der Wochenendausgabe, ein bisschen Gruseln hier, ein bisschen Fremdschämen dort, mehr braucht das linke Gewissen oft nicht, um ruhig schlafend im Recht zu sein.


Quote
TazTi
13.12.2016, 13:41

Die gesellschaftliche Klasse und Herkunft spielen eine wichtige Rolle. Auch im politischen Spektrum ist links-grünes Denken der Wohlhabenden etwas anderes als Linkes Denken der Mittellosen. ...



Aus: "Zukunft des Journalismus: Wir sind doch nicht im Zoo" Anne Fromm (13. 12. 2016)
Quelle: https://www.taz.de/!5365350/
« Last Edit: November 30, 2017, 03:50:42 PM by Link »

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« Reply #64 on: November 30, 2017, 02:54:18 PM »
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[...] Noch bis zum 20. Dezember werden in der Urania Fotos von Hass-Schmierereien und -Aufkleber gezeigt. Die in Zehlendorf lebende Mensah-Schramm hat sie zusammengetragen, dokumentiert und entfernt - mehr als 70.000 sind es inzwischen. Ein "Vorbild für junge Leute" sei die 72-jährige Aktivistin geworden, meinte Pau. Mensah-Schramm sei "eine mutige Antifaschistin" und "das Rückgrat einer antirassistischen Zivilgesellschaft". Mensah-Schramm, die auch als "Polit-Putze" apostrophiert wird, selbst erklärte: "Ich beseitige Hass-Graffiti, weil ich den Hass vernichten möchte. Das ist mein Kampf gegen rechts."

Der ist weithin anerkannt. Und doch gibt es ein Problem: Denn die "Ikone des Kampfes gegen rechts" hat sich seit einiger Zeit mit Leuten eingelassen, zu denen unbequeme Fragen angebracht sind. Allen voran ist das Mathias Tretschog, nach eigenen Angaben Betriebswirt und Sachbuchautor. Er gehört zum Querfront-Milieu, das keine Berührungsängste zu Rechtspopulisten kennt.

Tretschog tritt auf quasi als Manager von Mensah-Schramm. Er organisiert Termine der Wanderausstellungen und Lesungen, nimmt Anfragen und Telefonate für sie entgegen. Zugleich hat er sich gut vernetzt auch in der Verschwörungstheoretiker-Szene. Zu seinem Umfeld gehört etwa Malte Klingauf, früher Moderator der "Montagsmahnwachen für den ersten Weltfrieden" am Brandenburger Tor, zu denen auch immer wieder Reichsbürger kamen. Gemeinsam initiierten Tretschog und Klingauf im Juni das Festival "Pax Terra Musica" auf dem stillgelegten Flughafen Niedergörsdorf im Süden Brandenburgs - dort unter den Teilnehmern: Israel-Hasser, esoterische Hetzer und Anhänger von Verschwörungstheorien.

Ahnungslose Künstler, die bei dem Festival auftreten sollten (und dachten: "Friedensfest klingt doch gut"), wurden damals über die Hintergründe gewarnt und sagten daraufhin ab. Irmela Mensah-Schramm hielt aber trotz der Warnungen zu Tretschog und kam nach Niedergörsdorf, wurde so zum "Feigenblatt" für die Aluhüte.

Der Blogger Matrochka hat dieser Tage auf 41 Seiten dokumentiert, wie diese Aktivitäten ablaufen - mit Kontakten etwa zu Linken-Politikern wie Petra Pau solle "die neurechte Querfront suggerierend seriös" ins linke Spektrum gebracht werden, schreibt er. Mensah-Schramm habe dabei eine "Alibi-Funktion". Matrochka sieht im Netzwerk insgesamt Verbindungen etwa zu Freunden und Sympathisanten von Jürgen Elsässer und dem neurechten "Compact-Magazin". Er dokumentiert, dass Tretschog den hoch umstrittenen Ex-RBB-Moderator Ken Jebsen ("Ken FM") auf Twitter für "Engagement" und "Zivilcourage" gelobt hat. Ein kundiger journalistischer Beobachter der Szene sagte dem Tagesspiegel, Mensah-Schramms Verhältnis zu Tretschog sei "dermaßen eng, dass es schon fast an ein Stockholm-Syndrom erinnert".

... Von Mensah-Schramm und Tretschog war am Donnerstag keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten. Wenig komfortabel ist die Querfront-Verstrickung auch für die Linke. Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer und Bundestagsvizepräsidentin Pau hatten sich erst vor kurzem in den Streit um eine zunächst im Berliner Babylon-Kino geplante Verleihung eines alternativen Kölner "Karlspreises" an Ken Jebsen eingeschaltet, auch er ist im Verschwörungstheoretiker-Milieu beheimatet. Lederer wetterte gegen einen "Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte". Pau zeigte sich nach Solidarität der Linken-Politiker Wolfgang Gehrcke und Diether Dehm mit Jebsen "entsetzt". Sie twitterte: "Querfront ist einfach übel." Auch Pau und Lederer äußerten sich zu der Kontroverse um Mensah-Schramm zunächst nicht.

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Sonnenblumenfeld 13:39 Uhr

Bald wird es zum gesellschaftlichen Tod reichen, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden getroffen hat, der ein Buch über Chemtrails gelesen hat.





Aus: "Die Antifa-Aktivistin und ihre neurechten Helfer" Matthias Meisner (30.11.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/polit-putze-mensah-schramm-die-antifa-aktivistin-und-ihre-neurechten-helfer/20651126.html

"Weblog zur Dokumentation & Recherche zur Querfront, alten Stasi-Seilschaften & zur pro-russischen Propaganda"
https://matrochka.wordpress.com/2017/11/28/mit-fremden-federn-schmuecken-vereinnahmung-von-irmela-mensah-schramm-durch-mathias-tretschog/

---

Die Onlinezeitung NRhZ ist verschwörungsideologisch, antiimperialistisch, antiamerikanisch- und somit pro-russisch sowie antizionistisch geprägt. ... Noch Fragen zur Querfront? ... dieses gesamte Geflecht ist antidemokratisch, verschwörungsideologisch, neurechts, propagandistisch und überwiegend mit menschenverachtenden «Inhalten» bestückt! Sie wenden die «Strategie des Mimikry» der Neuen Rechten an oder wie der Kommentator auf Amazon es schon ganz richtig beschrieb: die «Doppeldenkweise – frei nach George Orwell»! ...
https://matrochka.wordpress.com/2017/11/20/jebsens-mahnwachen-juenger-sehen-babylon-rot-laufen-sturm/

« Last Edit: December 05, 2017, 10:54:00 AM by Link »

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« Reply #65 on: November 30, 2017, 03:34:39 PM »
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[...] Provokation sei ein legitimes Mittel des Journalismus, sagt Augstein. Aber Provokation dürfe kein Selbstzweck sein. „Es geht darum, die Menschen mit überraschenden Argumenten zum Nachdenken zu reizen, auch zum Widerspruch.“ Günter Gaus habe gesagt, keine Frage sei für immer beantwortet. Augstein erschüttere die Nachbereitung dieses Gipfels beinahe so wie sein Verlauf.  ... Er habe den Eindruck, dass eine große Zahl der Nutzer den Gipfel und die Gewalt viel differenzierter sieht als der Großteil unserer Medien. „Natürlich handelt es sich hier um eine besondere Form der Gewalt: um politische Gewalt.“

Mit dieser Deutung dürfte Augstein ähnlich viel Widerspruch hervorrufen wie mit der Wahl seines Herausgebers. Vor einem halben Jahr hat Augstein Jürgen Todenhöfer zum „Freitag“ geholt. Der Publizist wird in Medien öfters in die Nähe von Reichsbürgern, Verschwörungstheoretikern und gar Antisemiten gebracht. Nun wurde bekannt, dass offenbar eine erkleckliche Anzahl von Mitarbeitern mit der Personalie unzufrieden ist.

Die stellvertretende Chefredakteurin Katja Kullmann ließ ihren Vertrag auslaufen. Sie schreibt im Blog, sowohl als journalistisch wie auch als politisch denkender Mensch halte sie das (mit Todenhöfer) für eine schwerwiegende und bedauerliche Entscheidung: „Unter dieser Flagge möchte ich nicht segeln.“ Textchef Thomas Kaiser, Artdirector Max Sauerbier und eine Reihe von freien Autoren sollen auch den „Freitag“ verlassen, berichtete die „taz“.

...  „Todenhöfer ist kein Linker. Das muss er auch nicht“, sagt Augstein. „Wir arbeiten sehr gerne mit ihm zusammen und versuchen uns weiterhin am Experiment, seine Facebook-Follower mit unseren Print-Lesern in Kontakt zu bringen.“ Er halte Todenhöfer für einen Pazifisten. „Pazifismus war immer eine sehr unbequeme Haltung. Der Pazifist ist immer unter Verdacht.“ Das Gerede von der rechts-linken Querfront halte er ebenso wie den inflationären Antisemitismus-Vorwurf für den politisch motivierten Versuch, einen unbequemen Denker zu knebeln.

Katja Kullmann, seit dreieinhalb Jahren beim „Freitag, möchte weiter nichts zu alldem sagen. Vielleicht ist es auch gut so. Das linke Wochenmagazin, das linke Projekt soll nicht weiter beschädigt werden. Mit diesem hätte Augstein eigentlich allen Grund zur Freude. Der „Freitag“, gestartet 1990, hat sich seit 2008 mit einer 20 000er-Auflage etabliert. „Unsere Zukunft besteht darin, zu überleben“, sagt Augstein. „Das haben wir offensichtlich geschafft, wir sind aus der Verlustzone raus, ohne darum Gewinne zu machen. Für mich ist das ein großes Glück.“ Ein Glück, das wohl stets mit Widerspruch und Ärger verbunden ist.

...

Quote
Hanebutt 15.07.2017, 08:03 Uhr
Der Augstein ist so eine richtig gelungene Figur, an der sich der Mainstream, also der rechte Mehrheitsteil der Gesellschaft, richtig abarbeiten kann. Da spürt man, was so richtiger Hass auf jemanden ist, der bewusst, vielleicht sogar aus Überzeugung, den Mainstream in seiner politischen Schlichtheit und oftmals Falschheit darstellt.
So weit, dass er publizistisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen wird, so wie einst ein Grass, geht er nicht, aber doch weit genug, um entlarvende Reaktionen auszulösen. Wie diesen Artikel, der von  Parteilichkeit geprägt ist.


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yohak 14.07.2017, 17:46 Uhr
Jakob Augstein ist kein kritischer Denker, auch wenn er gerne so gesehen werden würde, sondern einfach nur ein Lautsprecher für die dumpfesten Parolen vom linken Stammtisch.


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michaelm 14.07.2017, 22:33 Uhr
Antwort auf den Beitrag von yohak 14.07.2017, 17:46 Uhr
Woran

Und woran machen Sie diese - mit Verlaub dumpfeste Parole - fest ?
Irgendein Argument - oder einfach nur Stammtisch ?


Quote
Violett 14.07.2017, 17:45 Uhr
Ich hatte den FREITAG längere Zeit abonniert, dann aber wieder abbestellt - er war mir einfach zu langweilig und uninteressant. Weder konnte ich linkes Denken, noch überhaupt gezielte Artikel gegen den Neoliberalismus finden.


...


Aus: "Jakob Augstein und sein Magazin "Der Freitag": Unter linker Flagge" (14.07.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/jakob-augstein-und-sein-magazin-der-freitag-unter-linker-flagge/20063800.html


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« Reply #66 on: December 05, 2017, 10:41:36 AM »
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[...] Die geplante Verleihung eines alternativen "Karlspreises" an den im Verschwörungstheoretiker-Milieu beheimateten Ex-RBB-Moderator Ken Jebsen wird zu einer immer größeren Belastungsprobe für die Linkspartei. Der Parteivorstand solidarisierte sich mit dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer, der gegen die Preisverleihung im Berliner Babylon-Kino protestiert hatte. Die Veranstalter der Preisverleihung dagegen rufen für den 14. Dezember vor der Preisverleihung zu einer Kundgebung vor der Parteizentrale der Linken auf, auch Linken-Politiker wie der frühere Vize-Fraktionschef Wolfgang Gehrcke sollen dort laut Ankündigung sprechen.

In einem am Sonntag gefassten Beschluss unter der Überschrift "Klare Kante gegen Querfront" distanzierte sich der Parteivorstand "unmissverständlich von Aktivitäten von Rechtspopulisten, Nationalisten, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten, die rechtspopulistische Welterklärungsmuster und ,Querfront'-Strategien salonfähig machen wollen". Die Linke werde mit diesen Kräften "ganz grundsätzlich nicht zusammenarbeiten", heißt es in dem von Vize-Parteichefin Caren Lay initiierten Beschluss, der nach Angaben aus der Partei allerdings nicht einmütig gefasst wurde: Es hat demnach 18 Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen gegeben.

Der innerparteiliche Konflikt in der Linken war weiter eskaliert, nachdem die Veranstalter der Preisverleihung für "engagierte Literatur und Publizistik" an Jebsen am Freitag angekündigt hatten, beim Protest vor der Linken-Parteizentrale solle auch der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Diether Dehm, ein Vertrauter von Fraktionschefin Sahra Wagenknecht teilnehmen. Organisiert wird die Preisverleihung von dem Online-Portal "Neue Rheinische Zeitung".

Der Landesgeschäftsführer der Berliner Linken, Sebastian Koch, warf Dehm eine "widerliche Kampagne" gegen Lederer vor: "Mit links sein und unserer Partei hat das nichts mehr zu tun." Die thüringische Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss nannte den geplanten Protest vor der Linken-Parteizentrale "einfach nur widerwärtig". Die sachsen-anhaltische Landtagsabgeordnete Henriette Quade twitterte: "Klaus Lederer macht, was alle linken Politiker*innen tun sollten: Haltung zeigen und linke Politik machen. Wär schön wenn das die Bundesprominenz meiner Partei auch täte. Wär ihr Job und grad dringend nötig."

Die thüringische Bundestagsabgeordnete Martina Renner sagte dem Tagesspiegel mit Blick auf den für den 14. Dezember geplanten Protest vor der Linken-Parteizentrale: "Sollte diese Aktion tatsächlich stattfinden, wäre das ein Schlag ins Gesicht aller in dieser Partei und Fraktion, die sich entschieden gegen Antisemitismus, egal in welcher Spielart und unter welchem Deckmantel engagieren. Ein Schlag ins Gesicht des beliebtesten Linken-Politikers in Berlin. Ich würde mir wünschen, dass wie Petra Pau als Mitglied des Fraktionsvorstandes der gesamte Vorstand und auch die Fraktionsspitze klar Stellung bezieht." Eine Reaktion der Fraktionsführung blieb indes bis zum Montag aus.

Lederer hatte den Unmut auch eigener Genossen auf sich gezogen, indem er sich offen gegen die Preisverleihung an Jebsen im Babylon-Kino gestellt hatte. Auf Facebook schrieb er, "ein Kulturort in Berlin" dürfe "diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte" keine Bühne bieten. Der Kultursenator bescheinigte Jebsen einen "offen abgründigen Israelhass" und die "Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster". Seinen Staatssekretär ließ er im staatlich geförderten Kino anrufen, das daraufhin den Raum kündigte.

Dehm und Gehrcke wiederum veröffentlichten anschließend einen Aufruf, in dem sie auch mit Blick auf Lederer mehr gemeinsame Aktionen "gegen den zerstörerischen Ungeist von Stigmatisierungen und Zensur" verlangten, ausdrücklich auch innerhalb der Partei. Lederer warf seinen Parteifreunden Dehm und Gehrcke vor, einen Shitstorm gegen ihn angezettelt zu haben. Die beiden Genossen hätten "viel Kraft darin investiert, damit Leute mich per Mail und Posts als Noske, Arschloch, Faschisten, Zensor und Grundgesetzbrecher denunzieren", twitterte er am Wochenende.

Wie die Preisverleihung an Jebsen am 14. Dezember nun im Detail abläuft, ist offen. Dehm schrieb am Samstag auf Facebook mit Blick auf die Protestkundgebung vor der Linken-Parteizentrale, es sei "ziemlich unwahrscheinlich, dass ich da sein kann". Er werde "nicht gegen die Partei reden oder agieren". Dehm fügte jedoch hinzu: "Allerdings würde ich mir als Künstler von meiner Partei auch nie ein Lied untersagen lassen." Gegen Lederer holte er zu einer weiteren Attacke aus und warf ihm vor, er habe "flapsig und selbstherrlich Leute in die Nähe von Nazis" gerückt. Am Montag nahm die "Neue Rheinische Zeitung" Dehms Namen vom Ankündigungsflyer.

Unklar ist, ob die Preisverleihung an Jebsen nicht doch im Babylon-Kino stattfinden wird. Aus der Linkspartei verlautete, die "Neue Rheinische Zeitung" habe das Filmtheater auf Einhaltung des geschlossenen Vertrags für die Raummiete verklagt. Andreas Neumann, Mitherausgeber des Online-Portals, sagte dem Tagesspiegel am Montag, eine Absage wäre "vertragswidrig", mehr wolle er dazu nicht sagen. "Querfront" und "Verschwörungstheoretiker" nannte er "Kampfbegriffe, mit denen notwendige Bündnisse kaputtgemacht werden sollen".

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2010ff 08:20 Uhr
Statt Jebsen mit der Macht des Berliner Regierungsapparates zu attackieren, sollte Lederer sich mit Jebsen zu einem Streitgespäch treffen. Wenn er starke Kritik so apodiktisch vorträgt, wie er es tut, dann wird er ja wohl auch genug Courage besitzen, Jebsen direkt zu konfrontieren. Wer so stark austeilt wie Lederer, sollte Mann genug sein, sich auch die Entgegnung anzuhören. Oder ist er zu sich schade dafür? Oder ist er inzwischen im Arroganzmodus gefangen?

Das Gespräch sollte moderiert und öffentlich ausgetragen werden.


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coroner 04.12.2017, 19:33 Uhr

     Dehm und Gehrcke wiederum veröffentlichten anschließend einen Aufruf, in dem sie auch mit Blick auf Lederer mehr
    gemeinsame Aktionen "gegen den zerstörerischen Ungeist von Stigmatisierungen und Zensur" verlangten, ausdrücklich auch innerhalb der Partei.


Dehm und Gehrcke haben vollkommen Recht. Es geht nicht darum, ob irgendjemand gleicher oder anderer Meinung ist als Herr Jebsen, sondern es geht um freie Meinungsäußerung und um Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Voltaire hätte das Recht auf Äußerung einer anderen Meinung verteidigt. Heute sieht es leider anders aus.

Ich staune, wie leicht es manchen Forenten fällt, Jebsen als "Antisemiten" und "Hetzer" zu bezeichnen. Antisemitische Hetze und Volksverhetzung sind hierzulande Straftatbestände. Wenn bei den zahlreichen Feinden die Herr Jebsen hat, er wegen dieser Dinge nicht verurteilt ist, dann bedeutet dies wohl, dass er eben im juristischen Sinne kein Antisemit und kein Hetzer ist. Wer dies dennoch behauptet, der sollte den Beweis antreten, sonst ist es üble Nachrede.

Wenn Kultursenator Lederer das Babylon anruft und den Betreiber (der ja von Senatszuschüssen abhängt) auffordert, eine Veranstaltung mit Jebsen abzusetzen, so ist dies nichts anderes als Zensur. "Aluhut" und "Verschwörungstheoretiker" sind Ausdrücke, die diffamieren sollen, ohne dass man sich inhaltlich auseinandersetzen müsste und sollen die Zensur rechtfertigen.

Dass „Die Linke“ sich an derlei Ausgrenzungen beteiligt entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Vor dem 2. Weltkrieg waren Linke und Kommunisten selbst Opfer von Diffamierung und Verfolgung. In der DDR wandten die dortigen "Sozialisten" bald selbst Methoden der Diffamierung an.  Derzeit betreibt „Die Linke“ lieber selbst Ausgrenzung einer "Querfront" als dass sie sich für ein breites Bündnis gegen Krieg einsetzt. Vermutlich aus Angst, selbst Opfer von Ausgrenzung zu werden ...


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peeka 04.12.2017, 19:17 Uhr

Mit Ken Jebsen und der "Querfront" ist es nicht so ganz einfach: Jebsen ist kein typischer Querfrontler. Die Querfront hat als gemeinsamen Anknüpfungspunkt normalerweise die Nation. Daher sind auch Linksliberale kaum als Mitglieder einer Querfront zu finden. Querfrontler auf linker Seite sind typischerweise diejenigen, die einen ausschließenden Wohlfahrtsstaat propagieren (es gab im "Neues Deutschland" dazu gerade einen interessanten Artikel), die von "Fremdarbeitern" reden oder von "Gastrecht", welches "missbraucht" werden würde.
Ken Jebsen dagegen vertritt zwar obsessiv-negative Ansichten zur USA und zu Israel und äußert sich gern positiv zu Russland. In der Flüchtlingskrise zum Beispiel hat er aber eine sehr klare Haltung gezeigt.
Jebsen ist weder den kulturdiktatorischen noch den nationalkollektivistischen Vertretern zuzuordnen. Daher rührt vermutlich auch sein Zerwürfnis mit Jürgen Elsässer, einem "typischen" Querfrontler.
Es ist sicherlich nicht einfach, immer den Überblick zu behalten, zumal die Protagonisten schneller die Seiten wechseln als ein Horst Mahler. So galt Elsässer eine Weile lang als typischer "Antideutscher".
Ken Jebsen halte ich für einen sehr guten Journalisten wenn es um Interviews geht. Er gewinnt immer noch sehr kompetente Gesprächspartner und lässt sie ausreden. Dass seine Verschwörungsobsessionen manchmal nerven und er ziemlich arrogant sein soll (hab ihn allerdings nicht persönlich kennen gelernt), steht auf einem anderen Blatt. Man sollte aber auch im Auge behalten, dass Verschwörungstheorien wie zum Beispiel im Falle der Gladio sich später als wahr heraus gestellt haben ...


...


Aus: "Die Linke im Kampf gegen die Querfront" Matthias Meisner (04.12.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/streit-um-preis-fuer-ken-jebsen-die-linke-im-kampf-gegen-die-querfront/20666844.html


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« Reply #67 on: December 05, 2017, 10:53:13 AM »
"KenFM: "Rassistischer Zionismus""
Hasbara andersrum Ein KenFM-Video zusammengefasst und daraus °wörtlich zitiert°, Judenhass in fett und in Klammern (meine Bemerkungen).
dame.von.welt | Community (Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community ), 15:55 21.04.2014 - Kommentarfunktion deaktiviert
https://www.freitag.de/autoren/dame-von-welt/kenfm-rassistischer-zionismus

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[...] Leander Sukov begrüßt Klaus Lederers Haltung zur Preisverleihung an Ken Jebsen

Im »neuen deutschland« vom 16. November schreibt Tobias Riegel unter dem Titel »Angst vor den Worten« zur Kritik von Klaus Lederer an der (nunmehr abgesagten) Preisverleihung an Ken Jebsen im Babylon-Kino unter anderem: »Der Fall hat das Zeug, eine Zensur-Debatte loszutreten.«. Tobias Riegel hat damit fast recht. Allerdings ist diese Debatte nicht nur eine Zensurdebatte, sondern auch eine um die Art, wie LINKE in Regierungsverantwortung Politik gestalten sollen. Es geht um die Frage, ob Politik die Administration von Ministerien ist oder aktive Gestaltung, und es geht um eine Zensurdebatte. Allerdings um eine umgekehrte. Denn de facto fordert Riegel von Kultursenator Lederer die Selbstzensur. Das ist ein Missverständnis über den Charakter des freien Wortes, welches sonst eher nicht in linken Milieus vorkommt. Dem muss man entschieden entgegentreten.

Wer sich im öffentlichen Raum bewegt, wie die Veranstalter der Preisverleihung und der Preisträger Ken Jebsen selbst auch, muss damit rechnen, im öffentlichen Raum auch Widerstand vorzufinden. Es wäre völlig verfehlt, würde man das Recht auf diese Widersetzlichkeit von den Personen und Gruppen ableiten, die hier im Konkreten agieren. Es ist eine abstrakte Sicht gefordert. Und für mich bedeutet die Abstraktion vom konkreten Ereignis auf die Bewertung der Kritik Lederers: Diese Kritik ist zulässig. Mehr noch, sie ist wünschenswert. Wir haben, in Übernahme neoliberaler Staatssichten und Politikdefinitionen, zwar nicht die Inhalte dieser neoliberalen Politik übernommen, wohl aber ihre Betrachtungsweisen. Für uns, die wir doch zugeben müssen, dass die Basis aller materialistischen Weltanschauung der Idealismus ist, muss Regierungstätigkeit auch heißen, inhaltlich zum Geschehen Stellung zu nehmen.

Die Grenze ist dort, wo zugleich administriert wird. Hätte also der Berliner Kultursenator mit dem Entzug der Fördergelder gedroht, wäre das in der Tat kritikwürdig gewesen. Seine inhaltlich begründete Ablehnung der Veranstaltung und deren Absage nach Anruf von Lederers Staatssekretär aber war nicht nur akzeptabel, sondern ein nötiger Schritt, kulturellen Meinungsstreit auf robuste Weise und auf bravouröse Art zu führen. Das muss die Regel werden, um die neoliberale Hegemonialmacht in der politischen Kultur ebenso zu bekämpfen wie die sich auf Nation und Volk beziehenden Kreise. Eine gesellschaftliche Wende zurück auf eine linke politisch-moralische Erneuerung ist dringend nötig.

Leander Sukov ist Schriftsteller und Verleger des Kulturmaschinen-Verlages. Er ist Mitglied im PEN und im Verband deutscher Schriftsteller*innen. Er lebt und arbeitet in Bayern.


Aus: "Keine (Selbst-)Zensur" Leander Sukov (18.11.2017)
Quelle: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1070513.klaus-lederer-und-ken-jebsen-keine-selbst-zensur.html

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[...] Berlin. Der LINKE-Bundesvorstand hat seine Distanzierung von Rechtspopulisten, Antisemiten und »Querfront«-Strategien sowie von dem umstrittenen Journalisten Ken Jebsen erneuert. In einem am Sonntag gefällten Beschluss zeigte sich der Vorstand solidarisch mit der Entscheidung des LINKE-Kultursenator von Berlin, Klaus Lederer, gegen eine Preisverleihung an Jebsen im Kino Babylon zu intervenieren. Weiter heißt es, der Parteivorstand erwarte, dass Mitglieder der Linkspartei eine geplante Kundgebung gegen Lederers Entscheidung nicht unterstützen.

Das Kino Babylon in Berlin-Mitte hatte nach der Intervention des Kultursenators im November eine Veranstaltung abgesagt, in der der umstrittene Blog »Neue Rheinische Zeitung Online« dem ehemaligen RBB-Moderator Jebsen den »Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik« verleihen wollte. »Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet«, hatte Lederer zur Begründung auf Facebook gepostet. Jebsen wird unter anderem Antisemitismus und die Beteiligung an einer Querfront zwischen Linken und Rechten vorgeworfen.

Gegen Lederers Entscheidung planen Jebsen-Unterstützer am 14. Dezember vor der LINKE-Parteizentrale am Rosa-Luxemburg-Platz eine Kundgebung unter dem Motto »Demokratie und Meinungsfreiheit verteidigen«. Auf dem Plakat stehen als Teilnehmer auch die LINKE-Politiker Diether Dehm, Wolfgang Gehrcke, Christiane Reymann und Andreas Maurer.

Die stellvertretende Parteivorsitzende Caren Lay nahm diese Kundgebung nun zum Anlass, um im Parteivorstand einen Antrag auf Distanzierung von Ken Jebsen zu stellen. Dieser wurde am Sonntag angenommen. »Keine Unterstützung von #Querfront, Solidarität mit @klauslederer u.a., keine Unterstützung durch #LINKE-Mitglieder. Gut so!«, kommentierte Lay den Beschluss auf Twitter. Ralf Krämer, ebenfalls im Bundesvorstand, berichtet auf Facebook von einem umstrittenen Ergebnis: Es habe 18 Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen gegeben.

Ob sich die angesprochenen Parteimitglieder an den Beschluss halten, bleibt unklar. Diether Dehm schrieb am Samstag auf Facebook, er würde sich »als Künstler« von seiner Partei »nie ein Lied untersagen lassen«. Darum habe er sich für Berufsverbotsopfer wie Franz Josef Degenhardt oder die türkischen Musiker von groupyorum sowie darüber hinaus für Christian Wulff während seiner Auseinandersetzung mit der »Bild«-Zeitung oder auch für Ken Jebsens Meinungsfreiheit engagiert.


Aus: "LINKE beschließt »klare Kante« gegen Querfront und Jebsen" ek (04.12.2017)
Quelle: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1072112.linke-gegen-ken-jebsen-linke-beschliesst-klare-kante-gegen-querfront-und-jebsen.html


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« Reply #68 on: December 05, 2017, 11:04:20 AM »
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[...] Russland hat neun US-Medien zu "ausländischen Agenten" erklärt. Unter den betroffenen Medien sind auch die beiden US-Sender Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty, wie das Justizministerium in Moskau am Dienstag auf seiner Internetseite bekanntgab. Allen neun betroffenen Medien wird demnach vorgeworfen, "die Funktionen eines ausländischen Agenten auszuüben".

Präsident Wladimir Putin hatte das umstrittene neue Mediengesetz im November unterzeichnet. Neben der Registrierung als "ausländische Agenten" müssen die betroffenen Medien in Russland, die Geld aus dem Ausland erhalten, ihre Finanzierung offenlegen und den Behörden vollständigen Einblick in ihre Aktivitäten gewähren.

Auslöser für die Änderung des Mediengesetzes war ein entsprechender Schritt der USA, die den russischen Fernsehsender RT (früher Russia Today) Anfang November wegen seiner Einflussnahme auf die US-Präsidentschaftswahl im Vorjahr gezwungen hatten, sich als "ausländischer Agent" registrieren zu lassen.

Ein ähnliches Gesetz in Russland klassifiziert bereits Nichtregierungsorganisationen (NGOs) als "ausländische Agenten" und zwingt sie zur Offenlegung ihrer Finanzen. Viele NGOs in Russland haben ihre Aktivitäten wegen der intensiven Überwachung inzwischen eingestellt. (AFP)


Aus: "Russland erklärt neun US-Medien zu "ausländischen Agenten"" (05.12.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/neues-mediengesetz-russland-erklaert-neun-us-medien-zu-auslaendischen-agenten/20670728.html


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« Reply #69 on: December 06, 2017, 05:54:43 PM »
"Die Linke: Schluss mit der Querfront!" Ein Gastbeitrag von Halina Wawzyniak (6. Dezember 2017)
Linkenpolitiker ätzen gegen einen Linken, der sich gegen Verschwörungstheoretiker aussprach. Warum sich die Partei so schwertut mit Sektierern und wie sie handeln sollte.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-12/linke-querfront-demokratie-positionierung

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Nils74 #9

"Die Beschlusslage ist doch eindeutig. Im Mai 2014 hielt der Parteivorstand fest: "Die Linke distanziert sich unmissverständlich von Aktivitäten von Rechtspopulisten, Nationalisten, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten."

Das ist eben das Problem mit dem wildem Etiketten-Kleben. Sobald diese wirklich inhaltlich diskutiert werden müssen, zerfallen sie zu Staub. Klar haben wir in diesem Land "Rechtspopulisten, Nationalisten, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten", aber wer da inzwischen alles in diese Schubladen gesteckt wird, ist atemberaubend.


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Arne P. #11

Ich hab ja vor Jahren schon Ken Jebsens Zeug auf Facebook verfolgt. Zugegeben, ich habe Anfangs auch gedacht: Hey, da klärt uns mal jemand auf, was in der Politik so finsteres vor sich geht. Es klingt immer alles so plausibel. Genau das aber machte mich irgendwann misstrauisch und ich erkannte sehr bald, dass dieser Typ nur fürchterlichen Unsinn von sich gibt. Diese Erkenntnis bleibt bei vielen leider aus. Er wirft ihnen "Futter" hin und sie fressen es. Arme, verwirrte und besorgte Bürger... können ja nichts dafür...


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leudoc #16

Was soll mir der Artikel jetzt sagen? Dass Ken Jebsen rassistisch und rechtsradikal ist? Kann ich aus seinen Programmen und den dort anwesenden Gästen so nicht nachvollziehen. Und bitte keine aus dem Kontext gerissene Einzeläußerung. Dass sogenannte Verschwörungstheorien, die z.B. false flag-Aktionen zum Gegenstand haben sich in der Vergangenheit allesamt als haltlos herausgestellt haben? ...


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BCO #16.1

... Es geht um den Umgang der Linke mit Querfront, VT u.ä. Klientel.


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Stahlheini #18.1

Bin ich Querfront, wenn ich für die Gewissensentscheidung von Abgeordneten bin, anstatt für Fraktionszwang?

Bin ich als Kriegs- und NATO Gegner automatisch Querfront?

Bin ich Querfront, wenn ich allen Menschen das gleiche Recht auf ein friedliches, aelbstbestimmtes Leben einräume, also auch Palästinensern, Syrern, Irakern, Libyern Afganen, Bürgern von Mali und Jemeniten, auch wenn sie über Rohstoffe oder Transportwege verfügen, die unsere Industrie benötigt?

Bin ich Querfront, wenn ich endlich fundierte, sachliche Aufklärung über die eingestürzten Türme erwarte, mit dieser Geschichte fing schließlich das ganze Elend dieses neuen Jahrtausends an?

Bin ich Querfront, wenn ich gegen Staatsterrorismus bin?

Aber sicher bin ich Querfront, wenn ich gegen das gesetzlose Töten durch Drohnen mittels Einrichtungen wie Ramstein bin. Oder gegen Folter, wo auch immer.
Oder wenn ich gegen den menschenverachtenden Einsatz von Glyphosat, oder gegen die Einkreisung Russlands, die schamlose Aufrüstungsplanung auf 2% des BIP, die Enteignung von sämtlichen hart erkämpften Grundpfeilern des menschlichen Daseins, wie saubere Luft, ausreichendes, sauberes Wasser, eigenes Denken, eine nicht vergewaltigte Sprache und ausreichend Privatsphäre bin.

Wer sich Ken Jebsens Site ansieht (ich mache das ziemlich regelmäßig), wird primär alternative und oppositionelle Inhalte erkennen. Mir ist kein antisemitischer Artikel untergekommen. Allerdings viele Artikel, die sich kritisch mit Israel befassen.


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Schlagdraufundschlus #20

Wie üblich sehr oberflächlich und pauschalierend. Es reicht wie immer das altbewährte Muster Begriffe wie " Verschwörungstheoretiker, " Antisemititsmus, " , " Sektierer" in den Raum zu werfen- damit hat man jede ernsthafte argumentative Auseinandersetzung von vorneherein vermieden und die Gegenseite als Spinner diskreditiert. Jebsen mag man, oder man mag ihn nicht. Aber seinen Aufklärungsanspruch sollte man ihm nicht absprechen. Und wer sich die Mühe macht mal Diskussionen und Interviewas auf KenFM zu sehen, ( Mausfeld, Kleinschmidt, Ganser etc. ) der wird Erstaunliches feststellen: da sind Leute die wirklich was zu sagen haben. ...


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Der Huettenzaubermann #21

Den einzigen Preis den dieser Ken Jebsen verdient hat ist der Goldenen Aluhut


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Marktradikale Nachtigall #26

Ein weiterer Artikel aus der Serie: Ich sage Dir mal, wer Du bist und wie Du denkst, und dann verurteile ich Dich für das, was ich gesagt habe. ...


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Stahlheini #29

Zu Ken Jebsen.
Es geht ja nicht darum, ob man diese oder jene Positionen teilt. Wer aus dem pubertären Idolalter raus ist, wird niemand finden, dessen Positionen er total toll findet und total teilt. Es geht um Grundpositionen. Und da ist Ken Jebsen zweifelsfrei Demokrat und Antikriegsaktivist.

Querfrontstratege und Verschwörungstheoretiker sind bösartige Verunglimpfungen mit Hilfe von Totschlagsargumenten aus dem Mainstream-Repertoire. Wer sich als Links bezeichnet, sollte sich schämen, solche Begriffe der spätbürgerlichen Demagogen-Propaganda auf andere Personen anzuwenden! Und auch die Bezeichnung Antisemit ist zur inflationär verwendeten Ideologiekeule verkommen und bei Jebsen völlig fehl am Platze.


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Stahlheini #30

Ich verspüre bei Schubladenbeschriftungen wie Querfront, Verschwörungstheorie, Links, Rechts, Fake, AntiFa, Antideutsch, und so weiter-blablabla einen riesigen Bedarf nach Inhalt.
Frage und Vorschlag: Hatten nicht die alten Griechen in der Schule das Fach "Diskussion"? Wollen wir das wieder einführen?
Wir haben ja auch Inklusion, Kompetenzorientierung und Medienpädagogik - alles zusammen ein Gebräu, das uns bei der Zukunftsfindung wahrscheinlich weniger nützt als die Fähigkeit, sich wertschätzend über eine Sache zu streiten und letztlich einen Konsens zu erringen. ...


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BCO #33

Es ist der "Kölner Karlspreis - für engagierte Literatur und Publizistik", vergeben von "NRhZ-Online". Was man so liest - typisches Querfront-Medium.


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Stahlheini #33.1

Brillante Argumentation, Respekt!


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Mit Speck #34

Das Hauptproblem der Linken sind ihre Menschen. Nur ein ganz geringer Teil der Aktiven scheint tatsächlich Gestaltungs- und Wirkungswillen zu haben. Der Löwenanteil besteht aus weltfremden Selbstdarstellern; Jugendlichen, welche sich in Dialektik üben wollen und emotional völlig entgrenzten Sozialaussteigern.

Und in diesem Irrenhaus kommen halt mal solche Konstellationen wie im Artikel gezeigt zu Stande.


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Mehrfach-rausgeworfene-Kommentatorin #36

Viele Worte um zu sagen, dass man Ken Jebsen für einen sarkastischen, querfrontlerischen und geschichtsklitternden Verschwörungstheoretiker hält, der nicht mit einem Preis ausgezeichnet werden solle, und dass man das Eintreten von Gehrcke, Dehm und Reymann für Jebsen bei den nächsten Vorstandwahlen der Partei Die Linke abstrafen solle.

Verschwörungen gab und gibt es tatsächlich, deshalb hat der Gesetzgeber dafür Regelungen geschaffen, von der Anklage wegen übler Nachrede bis zum Hochverrat. Indes werden nicht alle Verschwörungen aufgedeckt, sondern eher wohl in Einzelfällen wie bspw. beim Watergate-Skandal oder in Deutschland beim Spiegel-Skandal um den Verteidigungsminister Strauß und bei dem CDU-Spendenskandal um Bundeskanzler Kohl.

Ansonsten gab und gibt es wohl viele Gerüchte und Erfundenes, was auch über die Medien verbreitet wurde und wird [Stern Hitler-Tagebücher] und seit dem Internet eben auch in Eigenregie privater Leute. Günter Wallraff durft einst gerichtlich erlaubt sagen, dass aus seiner Sicht die Bildzeitung ein Machwerk professioneller Lügner und Fälscher sei.

Die Meinungsfreiheit geht in Deutschland sehr weit, trotz Parteibeschlüssen der Partei Die Linke. Das ist die gute Nachricht.


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Hamlet54 #46

Da wird aber viel in Jebsens Aktivitäten hinein interpretiert. Wenn man die Israelpolitik im Gazastreifen kritisiert hat das sowas von nichts mit Antisemitismus zu tun. Das wäre wie wenn man jedem, der Erdogan kritisiert Türkenhass vorwirft. Also kommt mal bisschen runter.

Ja, und natürlich sind die Medien gesteuert. Nicht unbedingt von der CIA aber zumindest vom Gewinninteresse für Anzeigen, dem Markt, den Ausbildungen und Wertevorstellungen der einzelnen Autoren, die für genau spezielle Verlage arbeiten. Eine EMMA wird sich nie für Männerrechte einsetzen. Eine Bildzeitung wird nie Fakten nur nüchtern präsentieren. Ja und wer weiß, vielleicht haben Geheimdienste viele Steuerungssysteme in die Medien eingebaut. Information ist schließlich deren Geschäft. Das sind keine großen Verschwörungstheorien.

Ist die Tatsache, dass rund 300 mächtige Familien die hälfte des gesamten Weltvermögens besitzen und entsprechend Macht haben eine Verschwörungstheorie?

Die Linke hat ganz andere Probleme. ...


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« Reply #70 on: December 14, 2017, 10:05:20 AM »
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[...] Gilad Atzmon soll für Ken Jebsen aufspielen. Als "britischen Jazzmusiker, Autor und Palästina-Aktivist" kündigen die Veranstalter der alternativen "Karlspreis"-Verleihung an diesem Donnerstag im Berliner Babylon-Kino Atzmon in ihrem "Kulturprogramm" an. Für Kritiker ist der aus Israel stammende Musiker vor allem der "Alibi-Jude der Holocaust-Leugner".

Es ist ein neuer Tiefpunkt im Streit um die Ehrung für den Verschwörungstheoretiker und ehemaligen RBB-Moderator Ken Jebsen, der seit Tagen auch die Gemüter auch in der Linkspartei erhitzt. Die einen stehen auf der Seite des Berliner Kultursenators Klaus Lederer, der die Preisverleihung im staatlich geförderten Filmtheater ("Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte", wie Lederer sagte) gern verhindert hätte. Die anderen auf der Seite derjenigen, die deshalb "Zensur" rufen, darunter die Bundestagsabgeordneten Diether Dehm und Andrej Hunko sowie der ehemalige Vize-Fraktionschef Wolfgang Gehrcke.

Im Blog "Kentrail Verschwörung", der sich Querfront-Netzwerken widmet, heißt es, Atzmon sei "so radikal, dass ihn selbst ausgemacht Israel-Gegner ablehnen". Der Musiker bediene "uralte Stereotypen des Antisemitismus, seine irre Agitation zitiert unverblümt die ätzende Propaganda des Nationalsozialismus". Die "Welt" verwies auf einen Bericht des Magazins "The Atlantic", in dem der US-Journalist Jeffrey Goldberg verschiedene antisemitische Äußerungen Atzmons aufgelistet hat.

Das Kino hatte den Veranstaltern den Raum für die Preisverleihung zunächst nach einer Intervention Lederers gekündigt, diese aber konnten sich vergangene Woche vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte mit ihrer Position durchsetzen, dass die Kündigung des Mietvertrags rechtswidrig gewesen sei.

... In der Linkspartei ist die Sache verfahren. Das auch deshalb, weil diejenigen in der Partei keine Ruhe geben, die mit den Warnungen von Genossen vor antisemitischen Tendenzen wenig anzufangen wissen. Unter anderem Pau, Lederer oder auch der Berliner Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich haben sich klar geäußert. Zu ihren Kritikern zählt beispielsweise der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete Hunko. Er nannte den Parteivorstandsbeschluss "eine Posse" und sieht eine "wabernde Unschärfe und assoziative Vermengung der Begriffe ‚Querfront‘, ‚Nationalismus‘, ‚Verschwörungstheorie‘ und ‚Antisemitismus‘". Hunko sagt: "Diese Begriffe werden inzwischen mit einer erschreckenden Leichtigkeit und oftmals ohne jede ‚Beweisführung‘ verwendet, um politische Gegner zu diffamieren."

Oskar Lafontaine [...] nahm in einem Facebook-Eintrag positiv Bezug auf Hunko und schrieb: "Begriffe wie ,Verschwörungstheoretiker' oder auch ,Querfront' stammen aus dem Arsenal der Geheimdienste." Als gäbe es eine Gedankenpolizei, würden Meinungen, die man nicht teile, von einzelnen Mitgliedern des Parteivorstands "diffamiert, ausgegrenzt und geächtet". Lafontaine warnte: "Die Ausgrenzung missliebiger Meinungen hat in der Linken eine ungute Tradition."

Wie der aktuelle Streit ausgeht, ist offen. Bei den Wortmeldungen in der Linken wechseln sich Für und Wider ab.

...


Aus: "Querfront-Debatte spaltet die Linke" Matthias Meisner (14.12.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/preis-fuer-ken-jebsen-querfront-debatte-spaltet-die-linke/20695688.html

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[...]  Oskar Lafontaine hält den Begriff „Querfront“ für eine Erfindung der Geheimdienste.

Katja Kipping: So einfach kann man es sich nicht machen. Rechte ziehen immer Konfliktlinien entlang von ethnischen Linien, Linke entlang von sozialen oder ökonomischen Konflikten. Und Querfrontler versuchen genau diese Unterscheidung zu verwischen. Und wenn es um die Suche nach der geheimen Weltregierung geht – das ist in einem Roman von Dan Brown sicherlich unterhaltsam zu lesen. Aber politisch hilft das nicht weiter, sondern lenkt ab von dem notwendigen Konflikt zwischen oben und unten.

Prominente Linke wie Diether Dehm beklagen, dass kritische Geister allzu leichtfertig als Querfrontler kritisiert würden.

Ach, Diether Dehm. Er schreibt übrigens gute Bücher. Seinen Roman „Bella Ciao“ habe ich wirklich gern gelesen. Er sollte viel mehr solche Bücher schreiben.

Das ist aber ein vergiftetes Kompliment.

Nein, nein, das sage ich jetzt als studierte Literaturwissenschaftlerin. Und als Parteivorsitzende habe ich gelernt, dass es gut ist, immer die besonderen Fähigkeiten von Menschen zu sehen. Und zu Diethers Stärken gehört sein literarischer Schreibstil.


Aus: "Katja Kipping über die Zukunft der Linken: „Ja, vereint im Dagegen“" (13. 12. 2017)
Quelle: https://www.taz.de/Katja-Kipping-ueber-die-Zukunft-der-Linken/!5467752/

« Last Edit: December 14, 2017, 12:54:58 PM by Link »

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« Reply #71 on: December 14, 2017, 01:33:56 PM »
Quote
[...] Es gibt keinen Antisemitismus in Deutschland. Es gibt brennende israelische Fahnen vor der US-amerikanischen Botschaft. Es gibt Straftaten, deren Hintergrund die Ermittlungsbehörden als antisemitisch bezeichnen – 1366 im Jahr 2015, davon 35 Gewalttaten gegen Juden.

Es gibt Demonstrationen in deutschen Städten, auf denen Palästinenser und sogenannte linke „Israelkritiker“ mit „Sieg Heil“-Rufen und der Parole „Juden ins Gas“ durch die Straßen ziehen. Aber Antisemitismus gibt es in Deutschland nicht. Denn eine Beleidigung, ein Faustschlag, ein Verbrechen, denen Juden zum Opfer fallen, weil sie Juden sind, ist deshalb noch keine antisemitische Tat. Warum?

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm erklärt es seit Jahren folgendermaßen: „Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben.“ Solange also der Parole von Palästinensern und deutschen „Israelkritikern“, die Juden ins Gas zu schicken, nicht Folge geleistet wird, hat der Antisemitismus in Deutschland keine Chance.

Sollten Juden eines Tages wieder gezwungen werden, mit einem gelben Stern durch die Straßen zu laufen, könnte Dehm darin keinen Antisemitismus erkennen, selbst Konzentrationslager erregten in ihm keinen einschlägigen Verdacht. Sollten aber die Nachfahren einst in Auschwitz-Birkenau, Belzec, Sobibor und Treblinka ermordeter Juden in hochmodernen Gasöfen innovativer Vernichtungslager verschwinden, würde Dehm – so ist zumindest zu vermuten – machtvoll seine Stimme gegen den Antisemitismus erheben und dem Massenmord eine Absage erteilen. Bis dahin aber kennt Dehm – und mit ihm viele andere – nur legitime „Israelkritik“, keinen Antisemitismus in Deutschland.

Man könnte auch sagen: Solange Figuren wie Dehm glauben bestimmen zu können, was Antisemitismus ist, hat der Antisemitismus in Deutschland keinen Widerstand zu fürchten. So lange ist auch Kritik an der israelischen Regierung kaum möglich, ohne in den Verdacht zu geraten, Antisemit zu sein. „Israelkritik“ ist eine Maskerade der Antisemiten vom Schlage Dehms.

Im Sinne Dehms ist der einschlägig bekannte Journalist Ken Jebsen kein Antisemit, sondern Israelkritiker, denn er fordert keine Neuauflage des Holocaust, vielmehr hält er den Juden vor, in Palästina eine „Endlösung“ anzustreben – diesmal an den Palästinensern. Dafür soll er am heutigen Donnerstag im Berliner Kino Babylon mit einem Preis für „Engagierte Literatur und Publizistik“ ausgezeichnet werden, die der ebenfalls im Sinne Dehms israelkritische Blog Neue Rheinische Zeitung vergibt.

Dagegen hatte Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) öffentlich protestiert: „Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet.“ Mit seinem Versuch, die Veranstaltung im vom Senat subventionierten Kino zu verhindern, scheiterte er vor Gericht.

Auch der Beschluss, mit dem sich der Bundesvorstand der Linken hinter ihn stellte, nützte dem Senator nichts. Zwar hieß es darin, der Vorstand distanziere sich „unmissverständlich von Aktivitäten von Rechtspopulisten, Nationalisten, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten, die rechtspopulistische Welterklärungsmuster und ‚Querfront‘-Strategen salonfähig machen wollen“.

Aber erstens sehen das etliche Vorstandsmitglieder durchaus anders: Der Beschluss erging mit 18-Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen. Zweitens richtete sich der Beschluss – soweit er die „Querfront-Strategen“ betraf – gegen etwas, von dem die Linken-Ikone Oskar Lafontaine behauptet, es handele sich um eine Phantasmagorie, um eine Fiktion, um eine „Erfindung“ von Geheimdiensten (CIA? Mossad?). Das hätte Dehm, ein Vertrauter der Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, der Ehefrau Lafontaines, nicht besser formulieren können.

Querfront? Das ist die Bereitschaft von Rechten, für einen Augenblick von ihrem Hass auf Moslems, und von Linken, für einen Augenblick von ihrem Hass auf Rechte abzusehen, wenn der gemeinsame Hass auf Juden ihr Zusammengehen verlangt. Wer die Existenz der seit Jahren agierenden „Querfront“ bestreitet, der muss auch den Antisemitismus in Deutschland zur Fiktion erklären. Wie das funktioniert, weiß niemand besser als Dehm.

Die Querfront wird heute vor der Parteizentrale der Linken am Rosa-Luxemburg-Platz gegen den Vorstandsbeschluss protestieren. Einige Linken-Politiker haben die Aktion als „widerwärtig“ kritisiert und als „Schlag ins Gesicht der Partei“. Jedenfalls ist sie der beste Beweis, dass der Antisemitismus in Deutschland kein „Import“ der vergangenen Jahre ist, keine Folge der Migration aus der arabischen Welt. Er war noch nie auf ausländische Hilfe angewiesen. Schon immer hat er auf deutschem Boden und im Bewusstsein vieler Deutscher eine sichere Heimstatt gefunden. Er ist eine deutsche Tradition.

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Manuel Schlestein

Der Artikel grenzt schon an Volksverhetzung ... mit der Argumentationsweise kann ich auch behaupten das

- Roma und Sinti eine Tradition zur Kriminalität haben
- Polen eine Tradition zum Autoklau
- Moslems eine tradition zur Frauenunterdrückung
- Juden eine Tradition zum andere Leute ihr Geld aus der Tasche ziehen

das wäre dann alles genauso fundiert. Dabei ist das eine wie das andere Blödsinn


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hans.harz

Antisemitismus ist 2000 Jahre alt und wurde meiner Ansicht nach hauptsächlich von der christlichen Kirche geschürt.
Der Antijudaismus ist der entsprechende Vorläufer, ab dem 18. Jahrhundert spricht man von Antisemitismus.
Die Kirche bezeichnete Personen jüdischen Glaubens als "Christusmörder" und ließ sie dafür verfolgen.
Was genau Personen muslimischen Glaubens antreibt, weiß ich nicht, ich vermute, es hängt mit der Schaffung des Staates Israel zusammen und der aggressiven Expansionspolitik, die dieser Staat betreibt, aber genau weiß ich es nicht.
Was aber hier klar wird ist, dass es ein weiteres Problem ist, dass von so genannten "Gläubigen" verursacht wird, egal was sie glauben!
Was aber auch klar wird ist, dass mittlerweile Antisemitismus mit Kritik am Staat Israel gleichgesetzt wird.
Das Verbrennen von israelischen Fahnen ist für mich kein Antisemitismus, weil es, ob in angemessener Weise oder nicht sei einmal dahingestellt, den Staat Israel kritisiert und NICHT eine religiöse Gemeinschaft!
Israel IST NICHT gleich Judentum!
Es gibt in Israel auch Personen, die nicht jüdischen Glaubens sind und trotzdem Einwohner dieses Staates sind.
Es ist allerdings so, dass man in Israel und auch in anderen Ländern, Antisemitismus als willkommenes Vehikel benutzt, um Kritik abzuwehren bzw. Kritiker zu verunglimpfen.
Es ist sicherlich so, dass es durch jahrhundertelange Wiederholungen durch die christlichen Kirchen, dass "die Juden" an allem Schuld sind, eine Prägung eingetreten ist, und massiv Vorurteile geschürt wurden und WERDEN!
Auch stimmt es, dass es immer wieder Idioten gibt, die ihre dumpfen Parolen und Verschwörungstheorien verbreiten dürfen.
Aber deshalb sollte man trotzdem zwischen berechtigter Kritik an einem Staat und unberechtigten, ggf. strafbaren Äußerungen gegen eine Glaubensgemeinschaft unterscheiden.


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Bernemer

Ja, Antisemitismus ist eine deutsche Tradition. Und seien wir ehrlich, er war auch nach dem 2. Weltkrieg tief in der Gesellschaft verwurzelt, gerade im Kleinbürgertum und - man muss es sagen - auch in der Arbeiterschaft. Er durfte glücklicherweise nicht ausgelebt werden, außer an den Stammtischen zu fortgeschrittener Stunde und oft mit entsprechendem Alkoholpegel. Dann wurde auch mal vom Leder gezogen über Israel und die "reichen Juden in New York" und überhaupt. Dieselben Leute forderten damals wahrscheinlich an denselben Stammtischen auch für die RAF-Terroristen die Todesstrafe. Aber was taten die ins Terroristenmilieu abgeglittenen 68er? Sie entführten Flugzeuge und erschossen Menschen, weil sie Juden waren ("Operation Entebbe") aus angeblicher Solidarität mit der PLO und begründeten damit den Anitsemitismus von dem, was sie links nennen. Und trotzdem dürfen wir den Blick nicht verschließen, dass sich heute eine neue Komponente von Antisemitismus dazu gesellt hat. Dieser Antisemitismus ist leider auch in der islamischen Community in Deutschland weit verbreitet und ist beileibe nicht auf Anhänger der IS beschränkt. Und Leute wie Erdogan heizen ihn so an wie Trump die Islamphobie anheizt. Dass in der deutschen Rechtspopulistenszene Antisemitismus und Islamphobie einhergehen, ist evident. Es darf allerdings nicht dazu führen, dass aufgrund der besonderen Situation in Deutschland der Blick auf die anderen Formen des Anitsemitismus vernebelt oder relativiert wird oder gar Abstufungen von Antisemitismus vorgenommen werden. Wer diese Realitäten nicht anerkennen will, dem empfehle ich, mal Fußballspiele von Clubs mit dem Namen Makkabi anzuschauen. Mir ist es egal, von wem Antisemismus, Islamphobie, Homophobie oder Hass auf christliche Werte ausgeht. Intoleranz ist entschieden zu bekämpfen.


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Hausmeier, frank und frei

Merken Sie, Herr Bommarius, immer noch nicht, daß Sie mit solchen unsortierten Beiträgen genau den Querfrontlern und den Nazis, die aktuell ihren Haß gegen Muslime versprühen und sich vorübergehend ein Feigenblatt des "Philosemitismus" anlegen, in die Karten spielen? Natürlich hat Lederer Recht und natürlich irrlichtert Dehm nach wie vor. Aber nicht die, die gegen die vorgeblichen Israelfreunde angehen, sind hier die Antisemiten, sondern die schlichten Gemüter von ganz rechts, die es geil finden, ihren Haß auf eine neue Opfergruppe auszugiesen und sich selbst mit einem heuchlerischen Antisemitismusvorwurf gegen Nichtrassisten exkulpieren!

Und natürlich sollten Sie nicht hinterhältig mit Kritik an Israelischer erzkonservativer Politik umgehen. Wer das Siedlungsprogramm kritisiert, sagt doch nicht, "das ist ein typisch jüdisches" Vorgehen, denn das ist es nicht und so etwas gibt es nicht. Aber es ist ein typisches Verhalten aus dem Ruder gelaufener reaktionärer Nationalisten, solchen, wie wir sie auch hier noch immer im Übermaß ertragen müssen und, hier schließt sich der Kreis, mit denen gerade Sie sich, ob Sie es wollen oder nicht, gemein machen!

Sehr enttäuschend, Herr Bommarius, denn mitunter können Sie ja auch sehr differenziert argumentieren!


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EgoBurst Hausmeier, frank und frei

"Aber nicht die, die gegen die vorgeblichen Israelfreunde angehen, sind hier die Antisemiten"- Billig sind Pauschalaussagen über ganze Gruppen und Vorurteile. Dümmlich ist sowas, wenn man Individuen in Gruppen einteilt und Alle in einen Topf wirft und dann mit den Finger zeigt und postuliert "Die sind so und die sind nicht so".


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Frittenfett

Ein wirklich gelungener und informativer Artikel. Wer noch Zweifel an der Kernaussage hat, dass Antisemitismus in Deutschland kein muslimischer Reimport ist, sondern quer durch alle Schichten und politischen Lager (Querfront) nach wie vor virulent, dem empfehle ich Tuvia Tenenboms "Allein unter Deutschen". Das Buch ist weder repräsentativ, noch journalistisch akkurat, dafür sehr amüsant geschrieben und mitten aus dem Leben. Er begibt sich auf die Straße, spricht mit den Leuten und provoziert sie in der Regel zu entlarvenden Aussagen.


...


Aus: "Querfront: Antisemitismus ist eine deutsche Tradition" (13.12.2017)
Quelle: http://www.fr.de/politik/meinung/leitartikel/querfront-antisemitismus-ist-eine-deutsche-tradition-a-1406646,0#artpager-1406646-0

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #72 on: December 14, 2017, 01:46:01 PM »
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[...] „Man muss gegen Willkür und Terror auf die Straße gehen, sich wehren, mutig sein, nicht weggucken. Egal, gegen wen es geht, wenn Juden attackiert werden, wenn gegen Türken oder Muslime vorgegangen wird, wenn Frauen verprügelt oder Homosexuelle gebasht werden. Wenn also irgendwo Intoleranz hoffähig gemacht werden soll, wenn der Rechtsstaat einknickt, die Demokratie versagt – wenn Willkür zum Terrortool wird. Dann muss man sich für die, die es trifft, ins Zeug legen. Das ist meine humanistische Grundhaltung.“

Ein gutes Zitat. Aber wer hat es gesagt? Es war: Ken Jebsen.

Derselbe Ken Jebsen, der uns immer wieder als Neurechter, als Antisemit, als Hetzer, Querfrontler und Demagoge präsentiert wird? Ja, genau der.

Auch der Berliner Kultursenator Klaus Lederer hält diesen Ken Jebsen offenbar für extrem gefährlich. Er sieht bei ihm die Grenzen der Meinungsfreiheit klar erreicht und hat deswegen eine Preisverleihung im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz mit Drohungen gegen die Betreiber zu verhindern versucht.

... die Linkspartei ringt mit sich selbst, wie sie mit der Aktion ihres Kultursenators umgehen soll. Wir wollen den Mitgliedern dieser Partei zurufen: Bleibt der Tradition von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg treu! Lasst Euch nicht zum Sprachrohr der NATO-Strategen machen! Lasst uns gemeinsam gegen Krieg und Aufrüstung mobilisieren!

Übrigens ist auf dem Rosa-Luxemburg-Platz auch eine Gegenkundgebung angemeldet worden. Wir stellen hiermit fest: Auch das gehört zur Demokratie! Auch das gehört zur Meinungsfreiheit!

Wir hoffen, dass diese Gegenkundgebung unsere angemeldete Demonstration nicht beeinträchtigen wird. Davon abgesehen müssen eben auch wir aushalten, dass es Leute gibt, die KenFM, die Neue Rheinische Zeitung, die NachDenkSeiten, Rubikon oder die neue Friedensbewegung ablehnen und ihre Kritik artikulieren.

... Es geht hier natürlich auch um Pressefreiheit. Ken Jebsen ist Journalist und wird nicht zuletzt bekämpft, weil er als solcher an Einfluss gewinnt.

Wenn es Lederer und Co. wirklich darum geht, dass Ken Jebsen rechts und rassistisch sei – was er selbstverständlich nicht ist! –, wundert man sich, dass Klaus Lederer etwa Zeitungen des Springerkonzerns problemlos für Interviews zur Verfügung steht, KenFM aber wütend bekämpft. Man wundert sich, dass er in einer Email den taz-Mitbegründer Mathias Broeckers – der den Idealen der taz treu geblieben ist! – als antisemitisch diffamiert, die taz von heute aber, die NATO-Angriffskriegen das Wort redet, als Mediengeschütz im Kampf gegen die neue Friedensbewegung nutzt.

Übrigens ist völlig klar, dass es auch in Sachen Meinungsfreiheit gewisse Grenzen geben muss. Man sollte logischerweie nicht öffentlich dazu aufrufen dürfen, eine andere Person oder Minderheiten zu ermorden. Menschen sollten auch vor Rufmord geschützt werden, sogar dann, wenn sie Ken Jebsen heißen. Und Faschismus ist für uns keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Dazu gehört für uns auch die Leugnung des Völkermordes an den Juden im Dritten Reich.

Generell halten wir es mit Bertolt Brecht, der zum Thema Meinungsfreiheit sagte: „Völlige Freiheit des Buches, des Theaters, der bildenden Kunst, der Musik, des Films – mit einer Einschränkung. Die Einschränkung: Keine Freiheit für Schriften und Kunstwerke, welche den Krieg verherrlichen oder als unvermeidbar hinstellen, und für solche, welche den Völkerhaß fördern.“

...

Florian Ernst Kirner, alias Prinz Chaos II., arbeitet als Kabarettist, Liedermacher und Blogger. Er ist seit seiner frühen Jugend politisch aktiv, vor allem in den Bereichen Antifaschismus, Friedensbewegung und internationale Solidarität. 2013 verfasste er mit Konstantin Wecker den „Aufruf zur Revolte“. Er lebt in Südthüringen, wo er auf Schloss Weitersroda ein Kultur- und Gemeinschaftsprojekt entwickelt.


Aus: "Für Demokratie und Meinungsfreiheit!" Florian Ernst Kirner (Donnerstag, 07. Dezember 2017)
Quelle: https://www.rubikon.news/artikel/fur-demokratie-und-meinungsfreiheit

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #73 on: December 23, 2017, 04:22:49 AM »
"The Real Drama in “The Post” Isn’t About Journalism vs. the Government. It’s About Journalism vs. Capitalism." Jon Schwarz (December 22 2017, 2:30 p.m.)
Yes, Graham’s willingness to run stories based on the Pentagon Papers — in the face of a court injunction against the New York Times for first publishing excerpts days before – was courageous. Most importantly, the eventual Supreme Court ruling in New York Times Co. v. United States was a critical landmark in establishing that the First Amendment means what it says. Spielberg’s enormous bag of trickery can feel manipulative when he uses it to turn your emotions up to 11 about something imaginary and meaningless. But you actually should feel it deeply when Post editorial writer Meg Greenfield (Carrie Coon) is called with the decision and conveys it bit by bit to the rest of the newsroom.
But 46 years later we know the rest of the story about the Washington Post, Graham and Bradlee. And in retrospect everything about what happened then looks different.
https://theintercept.com/2017/12/22/the-real-drama-in-the-post-isnt-about-journalism-vs-the-government-its-about-journalism-vs-capitalism/


"Pentagon Official Once Told Morley Safer That Reporters Who Believe the Government Are “Stupid”" Jon Schwarz (May 20 2016, 4:54 p.m.)
Safer’s death should remind us of what the media consistently forgets. ...
https://theintercept.com/2016/05/20/pentagon-official-once-told-morley-safer-that-reporters-who-believe-the-government-are-stupid/


KenFM im Gespräch mit: Jens Wernicke ("Lügen die Medien?")
Published on Dec 22, 2017
Lügen die Medien?
Jens Wernicke gehört zu den mutigsten Journalisten der Republik. Was ihn seit Jahren umtreibt, ist der Niedergang der Meinungsvielfalt als einen wesentlichen Bestandteil der Demokratie. Mundtod gemachten Stimmen eine Chance geben, gehört zu werden, ist ein Sache, sich konkret gegen eine von neoliberalen Strukturen beherrschte Gesamt-Presse zu positionieren, eine andere. Wernicke betreibt mit dem Presseportal Rubikon eines der meinungsstärksten Kanäle in Netz. Der Name ist Programm. Der Rubikon wurde für Jens Wernicke spätestens mit dem 11. September 2001 überschritten.
Mit der Bush-Losung „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ wurde ein Universalwerkzeug in den Massenmedien erschaffen, das jederzeit und gegen jeden in Stellung gebracht werden kann und gebracht wird. Es geht um die vollständige Kontrolle der öffentlichen Meinung. Ins Fadenkreuz und damit zum Abschuss freigegeben wird jeder, der es wagt, öffentlich Herrschaftskritik zu äußern. Dabei spielt es keine Rolle, ob er es privat oder als professioneller Journalist tut. Auch ist es vollkommen unerheblich, auf welche Branche sich seine Kritik bezieht oder wie wasserdicht seine Fakten sind.
Jedwede Kritik, die an die Substanz des Systems geht, dieses als bigott und in Verbrechen verstrickt demaskiert, wird gnadenlos abgestraft. Das geschieht, wie in der Geschichte bewährt, über symbolische Handlungen. Wenn die Botschaft nicht passt, wird der Bote getötet, oder treffender, isoliert. Der Kopf der Pyramide setzt auf die ökonomische Vernichtung der letzten Vertreter einer wirklich freien, anzeigenunabhängigen Presse. Wer sich nicht der Blatt- oder Redaktionslinie beugt, wird einfach gefeuert oder sein Beschäftigungsverhältnis nicht verlängert. Eine innere Pressefreiheit existiert nur noch in Ausnahmefällen.
Nicht ohne Grund ist Jens Wernicke mit seinem Projekt Rubikon ins Internet ausgewichen und vertraut auf das Modell Crowdfunding. Der Erfolg ist enorm, aber vielen ein Dorn im Auge. Parallel dazu ist Jens Wernicke aber eben auch als analytischer Sachbuchautor in Erscheinung getreten. Sein aktuelles Werk „Lügen die Medien?“ befasst sich mit der eigenen Branche. Wernicke rechnet ab.
Obwohl die etablierte Presse das Buch „Lügen die Medien?“ flächendeckend versuchte totzuschweigen, wurde es 2017 zum Bestseller und stürmte die SPIEGEL-Verkaufscharts. Das ist kein Zufall. Im Buch lässt Wernicke zahlreiche namhafte Journalisten und Wissenschaftler ihre Meinung über das äußern, was man als Pressekrise bezeichnen muss.
Die Krise ist spürbar und hat mit dem Verlust von Vertrauen zu tun. Dass die Mainstreampresse Teil einer Propaganda-Maschine ist, ahnten selbst konservativste Konsumenten schon lange. Mit dem Aufkommen einer digitalen Gegenöffentlichkeit ist aus dieser Ahnung dann aber eine feste Gewissheit geworden. Immer mehr Leser oder Konsumenten gebührenfinanzierter Staatspresse erweitern ihren Horizont durch Informationsangebote aus dem Netz. Was bedeutet diese selbstbestimmte, geistige Mobilmachung für die Repräsentative Demokratie? Was bedeutet sie für die Zukunft der kontrollierten Presse?
Jens Wernicke zeigt sich im Gespräch mit KenFM als ein Mann, der die Welt nicht in schwarz und weiß teilt und der in der Krise immer auch eine Chance sieht. Eine Chance für echte Demokratie. Wir alle sind gefordert, uns den neuen Zeiten zu stellen.

https://youtu.be/B1bu7mf4W8A

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[...] Die Internetseite "linksunten.indymedia" wurde als Verein verboten. Das verletzt die Pressefreiheit, sagt eine Anwältin der Betroffenen und spricht von Rechtsbeugung. --- Der Bundesinnenminister hat im August 2017 die linksradikale Website linksunten.indymedia verboten – und dabei möglicherweise Gesetze gebeugt.
Da ist zuerst einmal das Verbot selbst. Die Website wurde mit der Begründung dichtgemacht, sie sei von einem Verein betrieben worden, der sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung richte, weil er es ermögliche, anonym linksradikale Propaganda und Gewaltaufrufe zu verbreiten. Grundlage war daher das Vereinsgesetz. Für viele Beobachter war das eine mindestens seltsame, wenn nicht sogar hochproblematische Entscheidung.
Es hätte immerhin passendere Gesetze gegeben, um illegale Inhalte auf einer Website aus dem Netz zu nehmen, nämlich das Telemediengesetz und den Rundfunkstaatsvertrag. Wenn jemand gegen das Strafrecht verstößt, müssen Diensteanbieter demnach mithelfen, das zu verhindern. Durch Löschung der Beiträge oder durch künftige Speicherung der Nutzerdaten beispielsweise.
Stattdessen erklärte das Innenministerium linksunten.indymedia zu einem Verein. Das kann man wahrscheinlich schon so machen, das Vereinsrecht ist sehr vage. Doch ist es ein gefährlicher Weg. So ist bis heute nicht klar, wer diesen Verein darstellt. Kristin Pietrzyk ist eine der Anwältinnen der Beschuldigten. Sie sagt, sie habe alle Akten dazu gesehen, aber sie verstehe nicht, warum ihre Mandaten überhaupt belangt werden sollen. Nirgendwo in den Ermittlungsakten gebe es eindeutige Hinweise darauf, warum das Innenministerium sie als Vereinsmitglieder und als Betreiber der Plattform betrachte.
Pietrzyk versucht, das Problem dabei mit einem Vergleich verständlicher zu machen: Die rechtsterroristische Gruppe Freital, gegen die derzeit ein Strafverfahren läuft, gründete eine Facebookseite. Auf der veröffentlichten die Rechtsextremen ihre radikalen Aufrufe und Fotos. Welches Mitglied der Gruppe Freital was gepostet hat, konnte bislang nicht festgestellt werden. Doch niemand sei auf die Idee gekommen, deswegen Facebook zu verklagen, sagt Pietrzyk. Dabei habe Facebook es ja auch möglich gemacht, anonym rechtsterroristische Hetze zu verbreiten. Die Seite der Gruppe Freital stehe sogar bis heute unverändert bei Facebook.
Was noch schwerer wiegt: Manche sind der Meinung, linksunten.indymedia müsste eigentlich als Blog oder als Medienplattform betrachtet werden und sei damit ein Pressemedium. So beschwerte sich kurz nach dem Verbot die Organisation Reporter ohne Grenzen. Hier werde ein journalistisches Portal durch die Hintertür des Vereinsrechts verboten, sagte damals Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen. Pressefreiheit gelte jedoch "auch für unbequeme, ja selbst für schwer erträgliche Veröffentlichungen".
"Ich würde sagen, es gibt gar keinen Verein Indymedia. Ich finde, das ist Presse", sagt auch Pietrzyk, die darüber beim Kongress des Chaos Computer Clubs in Leipzig einen Vortrag hielt. Das habe sogar das Innenministerium in den Akten zum Verfahren anerkannt, sei darüber jedoch anschließend hinweggegangen. Die Seite sei eindeutig von der Pressefreiheit geschützt gewesen, sagt Pietrzyk. Sie klagt daher gegen das Vereinsverbot vor verschiedenen Verwaltungsgerichten. Denn sollte das Verbot Bestand haben, bedeute das im Umkehrschluss, dass auch andere Medienangebote über den Umweg des Vereinsrechts belangt werden könnten. "Wenn das durchgeht, dann sind bald andere Blogs dran." Dabei ist die Pressefreiheit einst geschaffen worden, um zu verhindern, dass unbequeme Inhalte unterdrückt werden können.
Bedenklich ist in dem Verfahren gegen linksunten auch, dass die Bundesregierung offenbar nicht mehr zwischen Polizei und Geheimdiensten trennt. Gerichtsurteile mit Gesetzeskraft haben diese Trennung einst aus der Verfassung abgeleitet und festgeschrieben. Sie sollen verhindern, dass ein Geheimdienst aufgrund von Gerüchten gegen Menschen vorgeht. Daher darf nur die Polizei exekutiv handeln, Geheimdienste dürfen lediglich Informationen sammeln und die Zusammenarbeit der beiden ist eng begrenzt. Das Bundesinnenministerium aber scheint von diesem Trennungsgebot nichts mehr zu halten.
Das zeigt sich am Umgang mit den Dingen, die bei den Durchsuchungen im Rahmen der Ermittlung gegen linksunten.indymedia beschlagnahmt wurden. Alle nichttechnischen Unterlagen, also vor allem Zeitschriften, die sich bei Verdächtigen fanden, bekam das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Dabei hat das BfV laut dem Trennungsgebot in einem polizeilichen Ermittlungsverfahren nichts zu suchen.
... "Das Verbot ist ein Präzedenzfall", sagt Pietrzyk. Ohne Belege, allein aufgrund von Auswertungen des Verfassungsschutzes und obwohl mildere Mittel zur Verfügung gestanden hätten, werde gegen eine durch das Presserecht geschützte Plattform vorgegangen. "Das tut man aus politischen Gründen." Es habe ein paar wenige getroffen, "aber eigentlich waren viel mehr gemeint".

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information bubble jailbreak #2 

Nennen wir das Kind beim Namen: Indymedia ist eine Sammelplattform für ganz linke Linksextremisten. Straftaten werden dort angekündigt. Verabredet. Und dokumentiert.
Ein Verbot war lange Zeit überfällig. Wir dürfen den Feinden unserer Demokratie nicht so einen Spielraum geben.


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Fonzie #2.9

Grotesk .... die Frage ob Indymedia Straftaten ankündigt oder verabredet oder Sammelplattform ist steht doch dabei gar nicht zur Debatte. Wenn die gegen Recht verstoßen hat wird Recht angewandt.
Was hier zur Debatte steht ist, dass Recht gebeugt wurde oder sogar gegen geltendes Recht die Seite verboten wurde ... die Feinde der Demokratie sind in diesem Fall die, die die freiheitliche Rechtsordnung ignorieren und zudem z.B.polizeiliche Aufgaben durch Geheimdienste erledigen lassen.
Aber das merken Sie schon gar nicht mehr.

"Nach der Theorie von Pierre Bourdieu erfahren objektive Herrschaftsverhältnisse dann den letzten Schliff, wenn sie von den Menschen versubjektiviert, verdichtet und verabsolutiert werden, so dass sich die Menschen gar nichts mehr anderes als die gegebene gesellschaftliche Situation vorstellen können und ihre Repression als Schicksal hinnehmen, als Freiheit begreifen oder gar als Lust empfinden. Die zentrale Vermittlungsinstanz für diesen Subjektivierungsprozess ist der Staat."


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Schrdro #2.11

"Nennen wir das Kind beim Namen: Indymedia ist eine Sammelplattform für ganz linke Linksextremisten. Straftaten werden dort angekündigt. Verabredet. Und dokumentiert.
Ein Verbot war lange Zeit überfällig. Wir dürfen den Feinden unserer Demokratie nicht so einen Spielraum geben."

Der Punkt ist doch: Selbst wenn das stimmt, dann muss es rechtstaalich sauber geschehen. ...


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Kostja #2.15

Der Unterschied zwischen Facebook und Indymedia sind aber dann doch schon knapp 2 Milliarden aktive Nutzer. Facebook lässt sich nicht als Verein auffassen.
Für Facebook gilt übrigens auch seit neuem das NetzDG, wonach solche Inhalte, wie sie ja angeblich auf Indymedia gepostet wurden, gelöscht werden müssen.
Bei Indymedia ging man jetzt anscheinend davon aus, dass solche Inhalte gewünscht seien. Bei Facebook kann man das nicht unterstellen, das ist politisch ziemlich neutral. Der Vergleich hinkt also schon.
Ob der Vergleich auch juristisch hinkt wird dann jetzt ein Gericht klären. Dafür haben wir die ja.


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türöffner #3

Presse- und Meinungsfreiheit muss gewährleistet sein.
Linke Meinungen gehören dazu. Wo kommen wir denn hin, wenn alle nur noch die Meinung potenzieller Innenminister vertreten?


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Benjamin.Boesch #3.1

Sicher nicht die Meinung der Innenminister.
Aber wenn eine Website deutlich zu Gewalt aufruft, zum "entglasen" und mehr - dann gehört der Mist verboten. Rechts wie links.


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derwestenherne #3.2

Die Gruppe hat Fotos von Polizisten veröffentlicht und dazu aufgerufen Informationen, unter anderem auch Wohnort etc, über diese Polizisten bekannt zu machen, so dass man diese "besuchen" könne.

Welche Pressefreiheit?


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Sedlnitzky #3.12

"Linke Meinungen gehören dazu."

Gewaltaufrufe gegen Andersdenkende und die Veröffentlichung von deren Privatadressen aber nicht.


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Rollo der Wikinger #3.23

„Aufrufe zur Gewalt“ brauchen wir nicht.

Oder würden Sie es dulden, wenn rechtsextremistische Gewaltbereite zum „Abfackeln von Flüchtlingsheimen“ aufrufen?


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MidwayEques #8

Also ich vermisse diese Seite nicht. Eher eine Bereicherung. Der Entschluss, eine politische Seite schließen zu lassen, ist sicherlich immer hochproblematisch. So auch in Verbotsverfahren gegen rechte Seite, Vereine etc. Da tut sich auch das Bundesverfassungsgericht schwer.


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Dr. Günther #8.1

Möglicherweise würden Sie es aber vermissen, wenn "Compact" verboten würde? Sie sagen ja auch selbst, Presse zu verbieten ist immer höchst-problematisch. Aufrufe zu Gewalt sind natürlich zu verurteilen, aber ist es deswegen richtig, die gesamte Platform zu verbieten? Das wäre, wie wenn man "Compact" verbieten würde, weil manche Leute rechtsradikales Zeugs unter einen Artikel posten. Dann sollte man doch eher direkt diese Postings sperren, anstatt die Platform. Außerdem war die Seite "linksunten" natürlich auch eine Informationsquelle für Ermittler und eine wichtige Quelle über die Richtung, in die sich die Szene entwickelt.


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NoG #9

Meines Wissens bot diese Seite einen versteckten Teil welcher nur für szenegeprüfte Aktivisten des linksradikalen/ linksextremistischen Spektrums zugänglich war..
Sich ausschließlich als Presseorgan zu sehen, glauben die Aktivisten und deren Fürsprecher doch selbst nicht.



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Inseltroll #9.3

Das läuft jetzt eher unter ,, ich habe mal gehört das..." oder haben sie auch irgendetwas Handfestes?


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nano846a
#11  —  vor 5 Stunden 36

" Das Verbot von Indymedia hatte politische Gründe "

Natürlich. Eine politisch z.T. linksradikale Plattform inklusive Gewaltaufrufe wurde verboten. Das hat mit Politik und Rechtsstaat zu tun. Mit was sonst.
Entweder man legt bei der Meinungsfreiheit einen großzügigen Maßstab an. Muss dann für die verschiedensten politischen Ränder gelten, von links über rechts bis hin zu radikal-islamistischen.
Oder man legt eben einen engeren Maßstab an. Das ist bei indymedia passiert.


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Taiwan aka real China no. 1 and free Tibet #13.3

"Die Website war nichts anderes als eine linksradikale Hetzseite, die zudem Gewalt und Straftaten verherrlichte sowie Extremisten eine Platform bot."
Kein Rechtsstaat darf so etwas dulden:
Dieser offen nach Vergeltung gegen den Staat rufende Aktivismus gehört zur neuen Normalität bei „Linksunten“: Schon während der Auseinandersetzungen um die besetzten Häuser in der Rigaer Straße in Berlin hatten die Autonomen offen kommuniziert, sie würden ein Vielfaches der Schäden an „ihren“ Gebäuden und dem „Zentrum Kadterschmiede“ in der Stadt anrichten.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/was-bei-linksunten-indymedia-zu-finden-war-15168093-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_1



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Heinz Schäfer #17

Ich bin rechts. Aber ich bin gegen das Indymediaverbot in dieser Form. Zunächst hätte man erzwingen sollen, daß die Verantwortlichen erkennbar sind (Impressum) und belangt werden können. Dann könnte man im Einzelfall klären, ob Straftatbestände erfüllt wurden oder nicht. Generell hat nach unserem GG jeder das Recht, seine Meinung zu sagen (eine Zensur findet nicht statt). Das gilt für Linksextreme wie für jeden Anderen. Auch bei diesem Verbot wird ein Stück unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung abgebaut.


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tassentee #17.1

Ich bin links und finde das Verbot für extremistischen Müll sehr gut. :)


...


Aus: "Pressefreiheit: "Das Verbot von Indymedia hatte politische Gründe"" Kai Biermann, Leipzig (29. Dezember 2017)
Quelle:  http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-12/indymedia-linksunten-verbot-34c3/komplettansicht
« Last Edit: December 29, 2017, 06:55:27 PM by Link »

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #74 on: January 06, 2018, 12:32:14 PM »
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[...] Kaum gibt es irgendwo größere Proteste, wird das Netz von Verschwörungs-Experten geflutet, die ganz genau wissen, was läuft. Ein Kommentar

Liebe Verschwörungs-Experten,

im Sommer 2013 versammelten sich im Istanbuler Gezi-Park Demonstranten und protestierten gegen den geplanten Abriss des Parks. Die Polizei griff ein. Binnen weniger Tage weitete sich der Protest zu einem landesweiten Aufstand gegen die AKP-Regierung aus. Er wurde blutig niedergeschlagen.

Jahreswechsel 2017/2018: Im iranischen Maschhad gehen Demonstranten auf die Straße und protestieren gegen steigende Lebenshaltungskosten und wirtschaftliche Ungleichheit. Binnen weniger Tage weitet sich der Protest auf das ganze Land aus und richtet sich zunehmend gegen die religiös-konservative Regierung in Teheran. Die Revolutionsgarden reagieren mit Gewalt, es kommt zu Massenverhaftungen, mindestens 23 Menschen werden getötet, die Situation wird unübersichtlich.

Was haben diese beiden inhaltlich sehr unterschiedlichen Ereignisse - die ich deshalb herausgreife, weil ich über beide berichtet habe und berichte - gemeinsam, mal abgesehen von vergleichbaren Dynamiken? In beiden Fällen haben wichtige politische Akteure, gegen die sich der Zorn der Demonstranten richtete, das Ausland verantwortlich gemacht.

... Regelmäßig schwadronieren Diktatoren, die in Bedrängnis geraten, von ausländischen Verschwörungen. Um nichts in der Welt kämen sie auf die Idee, dass ihre Bürger tatsächlich unzufrieden sein könnten. Fehler einzugestehen und sie zu korrigieren ist ihnen fremd. Egal was passiert - immer sind die anderen schuld. Es ist eine Reaktionsweise, die längst vorhersehbar ist.

Große Zustimmung erhalten die Potentaten regelmäßig und wie aufs Stichwort in den Artikelforen jeglicher Medien, die über die Ereignisse berichten, in einschlägigen Verschwörungs-Blogs und YouTube-Kanälen, die, abgesehen von ihrer Überzeugung, dass "Mainstreammedien" grundsätzlich "Lügenpresse" sind, eines eint: Die feste Überzeugung, den totalen Durchblick zu haben. Das geht mitunter so weit, dass es religiöse Züge annimmt. Ein paar Beispiele der letzten Tage:

    Der nächste "Regime-Change" der USA. Wie immer mit vielen Lügen, Millionen von Toten und einer widerlich velogenen[sic] deutschen Regierung.
    Forum Spiegel Online am 1. Januar 2018

    Wieder ein US-gesteuerter Regime-Change-Versch[sic] für "Frieden, Demokratie und Freiheit", in Wahrheit natürlich nur um eine US-Puppet installieren zu können.
    Forum Telepolis, 1. Januar 2018

    Da werden von außen, gemeinsam mit Israel, "spontane" Proteste organisiert, medienwirksam aufgebläht, und dann wird weiter Öl in die bescheidene Glut gegossen.
    Forum Telepolis, 1. Januar 2018

Und so weiter. Im Brustton der Überzeugung. Hinzu kommen Unzählige, die Derartiges zwar nicht als Fakt formulieren, aber doch so, dass man merkt: Eigentlich sind sie davon überzeugt, dass es anders gar nicht sein kann. Eine weitere Gemeinsamkeit: Schuld an allem Übel in der Welt sind stets die USA und Israel.

... Oft wird von der Verschwörungsfraktion dieser Tage auf ein Interview verwiesen, das US-General Wesley Clark vor mehr als zehn Jahren gab und in dem er verrät, dass die Bush-Administration schon vor dem Irak-Einmarsch Pläne für Umstürze in weiteren Ländern, darunter Iran, gehabt haben soll.

Auf die Idee, dass es sich dabei nicht um festgefügte Vorhaben, sondern um Planspiele handelte, die irgendwo zwischen 2002 und heute längst begraben wurden, kommt Ihr, liebe Verschwörungs-Experten, nicht. Nein, im Gegenteil. Ihr seht in diesen Aussagen von 2007 den unumstößlichen Beleg dafür, dass die USA hinter den Demonstrationen stehen und - auch oft angebracht - ein zweites Syrien schaffen wollen.

Den Verdacht des Unseriösen oder gar der Propaganda machen zahlreiche Kommentatoren aber auch an anderen Aspekten - nicht nur dem Faktum, dass die ihrer Überzeugung nach unumstößlichen Wahrheiten ungenannt bleiben - fest. Zum Beispiel daran, dass über die Proteste in Iran nun so groß berichtet wird, während Proteste in manchen anderen Ländern oft nur Radnotizen bleiben oder jedenfalls weit weniger intensiv verfolgt werden.

... Es gibt Fälle, in denen Redaktionen händeringend Experten suchen. In anderen Fällen können sie auf einen ganzen Pool zurückgreifen. Auch so kommen Aufmerksamkeitsschwankungen zustande.

Ihr, liebe Verschwörungs-Experten, greift jede Auslassung auf und seid Euch sicher: Dies und jenes wird nicht erwähnt oder thematisiert, weil es von der großen, allmächtigen Medienkontrollinstanz, von deren Existenz Ihr überzeugt seid, nicht gewollt ist. Denn würde Aspekt X oder Y eingebracht, würde ja die "Propaganda" nicht funktionieren.

Eine zunehmende Berichterstattung über ein bestimmtes Thema missinterpretiert Ihr als eine mediale Zustimmung zu der von Euch herbeifantasierten Regime-Change-Verschwörung, die Ihr so empörend findet, dass Ihr Euch mit Diktatoren gemein macht.

Dabei haben Auslassungen meist ganz banale Gründe. Einer ist sicher, dass ein Journalist möglicherweise nicht dieselben Aspekte für relevant erachtet wie Ihr und daher seine Beiträge anders gewichtet, als Ihr es gerne hättet (Disclaimer: Es ist nicht die Aufgabe von Journalisten, das zu schreiben, was die Leser gerne hören möchten.).

Ein anderer liegt in der Stringenz von Texten: Exerziert man jeden noch so kleinen, das Thema tangierenden Aspekt mit durch, dann zerfasert die Berichterstattung. Für die Mehrheit der Leser wäre das ermüdend. Im Print geht es hingegen gar nicht anders: Da der Platz begrenzt ist, ist man gezwungen, zu gewichten.

Dass man dabei auch mal Fehlentscheidungen trifft, versteht sich von selbst - natürlich sind Journalisten und Redakteure nur Menschen, und die machen Fehler.

Ist auch nicht weiter schlimm, denn: Wir leben zum Glück (und ganz im Gegensatz zu Iran oder Türkei) in einem Land mit größtmöglicher medialer Freiheit. Wir haben ein Medienspektrum, das vom ganz linken bis zum ganz rechten Rand reicht, und zahllose Graustufen bilden den seriösen Journalismus in der Mitte. Soll heißen: Wenn Euch bei Telepolis eine Information fehlt, wird sie Euch nicht vorenthalten.

Es gibt garantiert in der Vielfalt ein Medium, das das von Euch gewünschte Thema behandelt. Ja, es gibt sogar Medien, die ins selbe Horn blasen wir Ihr in Euren Kommentaren. Diese Medien sind zwar allein deshalb nicht ernstzunehmen, weil sie jegliche Regeln journalistischen Arbeitens ignorieren (so sie sie überhaupt kennen), aber sei's drum. Medienfreiheit heißt eben auch: Man darf sogar größtmöglichen Unsinn verzapfen.

Sehr enttäuscht und mit empörtem Unterton trug vor einer Weile einmal ein Leser eine Frage an mich heran, als er mich nach einem Vortrag ansprach: Warum wir Journalisten denn nie auf die vielen wichtigen Hinweise in den Artikelforen eingehen. Ähnliches fand sich dieser Tage auch im Telepolis-Forum wieder. Liebe Verschwörungs-Experten, ich muss Euch jetzt leider eine bittere Tatsache mitteilen: Die allermeisten Kollegen lesen Forenkommentare selten bis nie.

Die Gründe dafür sind vielfältig, aber denkbar einfach: Zum einen fehlt uns meist schlicht die Zeit. Bei oft Hunderten, teils Tausenden Kommentaren ist es unmöglich, all das zu lesen. Und Ihr werdet verstehen, dass auch Journalisten manchmal Feierabend machen möchten. Der andere Aspekt, weshalb Forenkommentare nicht gut gelitten sind, ist der Umgangston, der ihnen (nicht immer, aber leider doch überwiegend) innewohnt.

Was sich da tagtäglich an Gehässigkeit, Hetze und Beschimpfungen ins Netz ergießt ist nichts, was man sich regelmäßig antun möchte. Höchst bedauerlich ist dabei, dass in diesem Tonfall, aus der Sicherheit der Anonymität hinausposaunt, die durchaus auch vorhandenen, sachlich-argumentativen Leserbeiträge untergehen.

Man wird das Gefühl nicht los, dass viele die Gelegenheit des Internets nutzen, all die angestaute Wut und den Alltagsfrust einmal loszuwerden. Das mag von Fall zu Fall nachvollziehbar sein. Konstruktiv und dem Erkenntnisgewinn dienlich ist es hingegen in der Regel nicht. Schade eigentlich...

Vielleicht mag der eine oder andere von Euch nun einmal mit mehr Fingerspitzengefühl zu Werke gehen. Ich bin allerdings wenig optimistisch. Aber wer weiß. Als Journalist bin ich, wie auch die meisten Kollegen, die ich kenne, neugierig. Und lasse ich gern überraschen...

In diesem Sinne, mit den besten Grüßen Gerrit Wustmann (Gerrit Wustmann)

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     maningi, 05.01.2018 16:51

@Gerrit Wustmann: ein ernstgemeinter u. konstruktiver Vorschlag !

Sehr geehrter Herr Gerrit Wustmann, ich gebe Ihnen gerne einen Tip. Googeln Sie bitte den Namen Sibel Edmonds, eine in den USA lebende Frau, die aus dem Iran stammt, dann einige Jahre in Aserbaidschan und der Türkei lebte, bevor sie in die USA emigrierte.

Dort wurde Sibel Edmonds nach 9/11 von der FBI rekrutiert, um heimlich abgefangene Informationen aus dem Kaukasusgebiet zu übersetzten (sie spricht die Sprachen dort) und später zu analysieren und Memos darüber zu verfassen.

Frau Sibel Edmonds wurde zur Whistleblowerin, als sie Fälle von großer Korruption an ihre Vorgesetzten, später an Kongressmitglieder und den Justizminister weiterleitete, aber erst ignoriert wurde bzw. dann gegen sie agressiv vorgegangen wurde (Hausarrest, Hausdurchsuchung, Gag-Order d.h. Redeverbot). Sie kämpfte jahrelang für ihre Grundrechte, gründete einen Whistlebower-Verband, dann eine Webseite (Boiling Frog ---> heute Newsbud) und berichtet auf YT-Videos seit Jahren von der Region, und zwar auf Grundlage von ihrer Zeit beim FBI, Geheimdienstinformationen, Dokumenten, persönlichen Kontakten, alles hinterlegt mit Quellenangaben etc., also erstklassiger seriöser Journalismus.

So berichtete sie auch über die Istanbuler Gezi-Park Demonstrationen oder über den Putsch Juli 2016.
Sie werden staunen, was sie da alles erfahren können, wenn sie nur wollen.

Noch ein Tipp: es lohnt sich (neben J. Assange oder Snowden) folgende Whistleblower etwas näher anzuschauen (bzw. deren Vorlesungen/Vorträge anzuschauen):

a) William (Bin) Binney (ex-technischer Direktor der NSA);
b) Scott RItter (ex-Waffeninspektor im Iraq)
c) Ray McGovern (ex-CIA Analyst, jahrelang Breefings für US-Präsidenten);
d) John Kiriakou (ex-CIA)
e) Craig Murray (ex-UK-Botschafter)
f) usw.

Alle angeführten Personen sind absolut integer und glaubhaft und haben dafür jahrlang repressive Verfolgung ihrer Regierung standhalten müssen.
Ich bin mir (fast sicher), sie werden Ihre Haltung zu diesen "Verschwörungstheoretikern" revidieren müssen, im Gegenzug aber wervolle Erkenntnise hinzu gewinnen.
Die Welt ist viel komplexer, als sie es gegenwärtig wahrnehmen, was Ihnen gegenüber nicht als Vorwurf gemeint ist, sondern als "Anregung" sich dieser Komplexheit zu stellen.

Alles Gute für 2017,

a


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     Glückauf, 05.01.2018 14:51

Je nach Autor lesen die allermeisten Foristen die TP-Artikel selten bis nie.

Die Gründe dafür sind vielfältig, aber denkbar einfach: Zum einen fehlt uns meist schlicht die Zeit. Bei oft Hunderten, teils Tausenden Artikeln ist es unmöglich, all den Schund auch noch zu lesen. Und Ihr werdet verstehen, dass auch Foristen manchmal arbeiten müssen. Der andere Aspekt, weshalb Artikel nicht gut gelitten sind, ist die einseitige Berichterstattung und die schlechte Recherche, die Sie (nicht immer, aber leider doch überwiegend) abliefern.


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     Zockerjoe, 05.01.2018 15:09

Mutig

Ausgerechnet Telepolis, wo Herr Brökers sein 9/11 Quatsch oder Herr Kompka mit einen Haufen JfK Bullshit nerven darf, mokiert sich über Verschwörungsspinner.
Ich habe eher den Eindruck, das diese Leute hier gezielt angefüttert werden, eine Form von clickbaiting also.


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     Mausklicker, 05.01.2018 15:40

Lieber Gerrit

Du hast mich überzeugt. Alle Kriegslügen der Vergangenheit sind vergeben und vergessen. Die Mächtigen sind geläutert und haben Besserung gelobt. Mit Trump und zukünftigen Politikern können wir gewiss sein, dass niemals wieder mit Lügen oder Geheimdienstaktionen ein Krieg oder Regimechange angezettelt wird. Wurde ja auch vorher schon nicht... alles VT. Schliesslich geht es um FREIHEIT und MENSCHENRECHTE, nichts anderes!!!
In Zukunft werde ich DIE WAHRHEIT(tm) der ÖR nicht mehr hinterfragen und GLAUBEN! Ich bin vom rechten Weg abgekommen.
Danke für diesen sinnstiftenden und lebensbereichernden Artikel.
Notfalls werde ich meine Kinder zur Verteidigung der Freiheit in jedes Land schicken, welches der weltweiten Durchsetzung von Freiheit im Wege steht.
Danke nochmals!

klick

PS.: die Stipendien aus Staatsmitteln waren bei Dir gut angelegt.


Quote
     TimothyX, 05.01.2018 16:20

Wir sollten endlich anfangen über Verschwörungsleugner zu sprechen!

Über die Verschwörungstheoretiker wurde sich ja nun bereits zu Hauf der Mund zerrissen. Da wird es Zeit, endlich einmal auch die andere Seite genauer unter die Lupe zu nehmen und auf jene ein Schlaglicht zu werfen, die unetwegt daran arbeiten Verschwörungen zu verharmlosen, zu verleugnen oder zu verschleiern.

Verschwörungsleugner sind nicht die Verschwörer selbst, sondern jene die gewollt oder ungewollt die Verschwörer vor dem Licht der Öffentlichkeit beschützen - und damit vorrangig Journalisten.

Wer sind diese Leute? Was treibt sie an? Warum versuchen sie jegliche Beweislage zu relativieren und jene, die Theorien aufstellen und Beweise vorlegen, zu diskreditieren? Stellen diese Personen eine Gefahr für die Demokratie dar, indem sie Verschwörer decken und verhindern, dass sich diese für ihre Intrigen verantworten müssen?

Ob man sie nun Verschwörungsleunger, Verschwörungsrelativierer oder Verschwörungsverhamloser nennen mag, sei dahingestellt.



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     sleepdoc, 05.01.2018 16:43

Re: Wir sollten endlich anfangen über Verschwörungsleugner zu sprechen!

Menschen, die auch noch an Narrativen festhalten, auch wenn alle Indizien gegen diese sprechen, haben sich eben in einer gewissen Behaglichkeit eingerichtet, an der sie unter allen Umständen festhalten. Gäben sie die einmal gefassten Standpunkte auf, müssten sie letztendlich einen Teil ihres eigenen Lebens neu schreiben. Wer sich noch an Max Frischs „Gantenbein“ erinnert, kann nachvollziehen, dass es einfacher ist, eine Rolle, für die man sich einmal entschieden hat, immer weiter zu spielen, als einen Cut in seiner eigenen Biografie zu ertragen.
Das erklärt, warum Storys wie Osama und die 19 Teppichmesser, der arabische Frühling und eben auch die iranische Eierpreis-Revolte sich so hartnäckig halten.


Quote
     Sci Phoenix, 05.01.2018 21:32

Um es mit den Worten von Golineh Atai zu sagen: Diese (Charme-) Offensive kam leider viel zu spät.

Die "Journalisten" glauben, dass der Widerstand der Leser keine Grassroots-Bewegung sei, sondern von (vorzugsweise ausländischen) Agitatoren über soziale Medien und Fake-News erzeugt wurde. (Wer hier Parallelen zur Bewertung von anderem Aufruhr sieht...)

Ich habe "ganz normal" Mainstream-Nachrichten geguckt und habe ohne jede externe Quelle gedacht: "Das hat aber alle Anzeichen von Propaganda". Dann habe ich geglaubt, dass ich ein einsamer Irrer bin, der als einziger die Nachrichten nicht versteht. _Danach_ habe ich im Internet gesucht, ob ich mit dieser Meinung wirklich alleine bin und Telepolis, Propagandaschau etc. gefunden.

Und liebe "Journalisten" durch Beleidigungen, Unterstellungen und Argumentation frei von Logik, die bestenfalls extreme Verschwörungstheorien mit rational möglichen Verschwörungstheorien gleichzusetzen versucht, werdet ihr mich nicht zurückgewinnen.

Aber der Typ liest ja aus Prinzip keine Kommentare zu seinen eigenen Texten.


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     nomore, 06.01.2018 00:13

Forentenor beweist, daß G. Wustmann voll ins schwarze getroffen hat. BINGO !

Kein weiterer Beitrag. Heute nicht mehr.


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     BlackfireFX, 06.01.2018 00:50

Das Forum hat Wustmann's Eitelkeiten mal wieder herrlich zerlegt...
es macht auch immer wieder Spaß mit anzusehen wie so selbstgefällige Texte hier im Forum in der Luft zerissen werden...
Factcheck par excellence und seien wir doch mal ehrlich: Der rauhe Umgangston gehört einfach dazu bei so einer bunt geschmischten Truppe,das ist nicht nur normal sondern urdemokratisch!
Ein Umstand an den sich gewisse "Qualitätsjournalisten" wohl erst noch gewöhnen müssen,das ihr elitäre Gehabe eben nicht mehr mit stumpf unterwürfigen Respektsbekundungen goutiert wird...


...


Aus: "Liebe Verschwörungs-Experten..." Gerrit Wustmann (05. Januar 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Liebe-Verschwoerungs-Experten-3934831.html?seite=all


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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #75 on: January 16, 2018, 10:48:02 AM »
"Russland: "Putinismus funktioniert durch Furcht"" Interview: Steffen Dobbert (15. Januar 2018)
Warum werden in Russland die Medien zensiert und Putin wohl bald wieder gewählt? Der Geheimdienstexperte Andrej Soldatow über Fake News, Folter und Propaganda des Kreml.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-12/russland-putin-medien-zensur-praesidentschaftswahl-soldatow/komplettansicht

Quote
Jochen Schweizer #1.20

Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/kno


Quote
roter Kapitalist #1.65

"Der Unterschied zwischen Russland und Deutschland ist wahrscheinlich, dass in Russland die Tendenz zur Selbstzensur der Medien zentral gesteuert bzw. gefordert wird - während die sich in Deutschland aus den faktischen Besitzverhältnissen ergibt." Schön geschrieben dennoch haben auch russische Russen in Russland, die Möglichkeit selbst zu bestimmen welche Seite sie belügt.


Quote
Leonardo de Chatellet #1.77

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.


Quote
rumbati #2

Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/kno


Quote
Ad0rn0 #2.1

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.


Quote
rumbati #2.8

"Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/kno"

Liebe Reaktion, bitte nehmen Sie zu Kenntnis, dass ich mit keiner Silbe, Kritik oder den Versuch einer Kritik geäußert habe. Sondern ich habe eine Frage (?) gestellt. Der Hinweis erscheint auch zweckdienlich für nachfolgende Antwort-Kommentatoren.



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Russlandversteher_01 #4.2

Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit entsprechenden Quellen. Danke, die Redaktion/kno


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Renfrew #4 

Dieser Beitrag wurde entfernt. Die Redaktion/am


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sart #4.3

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.


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The real M X #4.24

Hallo meine Liebe,
ich hoffe es geht Ihnen gut. Zum Thema "Medien- und Meinungskrieg" hätte ich noch ein paar vertiefende Informationen für Sie.

In diesem Vortrag geht es um "Social Bots, Fake News und Filterblasen", ein bisschen auch um die AfD. Dringende Empfehlung sich das anzuschauen und mal zu vergleichen, mit dem was Sie bisher zu diesen Themen in der Zeitung gelesen haben: https://www.youtube.com/watch?v=6jNWl5d_DOk

Ebenfalls eine perfekte Ergänzung zum Stichwort "Meinungskrieg": https://www.youtube.com/watch?v=p7rEIARgFeo
"Who watches the watchdogs", haben Sie bestimmt schon mal gehört.

Und dann hätte ich da noch das hier: https://swprs.org/der-propaganda-multiplikator/
Eine sehr spannende Studie, die sich den Strukturen widmet, wie unsere überregionalen Nachrichten eigentlich zustande kommen, Stichwort Nachrichtenagenturen.

Ist in der Summe nicht wenig Stoff, aber dann verstehen Sie besser, wovon Sie da reden und Sie erstehen besser, woraus sich so ein durchgeknalltes Aluhütchen wie ich sein Meinung bildet ;)


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Bernhard Willis #10

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen gegen andere Leser. Danke, die Redaktion/kno


Quote
Tritratrulala #10.1

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.


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exxkoelner #16

Aus dem Artikel: "Die Gate-Keeper-Funktion des Journalismus ..." ... sind damit z.B. die Unternehmensgrundsätze des Axel Springer Verlags gemeint? "Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika." - Und wenn sich die "Werte" der USA verändert haben, oder noch nie so richtig mit den universellen Menschenrechten übereinstimmten? Ich erinnere da nur ungern an Abu Ghraib, Guantanamo, Geheim-Gefängnisse in Polen, Syrien, etc. Und ist Beteiligung an Angriffskriegen ohne UN-Mandat aka völkerrechtswidrig auch Solidarität? Und wieso wird das nicht umfassend öffentlich diskutiert und in Frage gestellt? Vielleicht wegen dieser "Gate-Keeper-Funktion"? - Diese Überheblichkeit der Welt gegenüber, nur hier, im reinen Westen lebt die Wahrheit, der Rest ist 2. oder 3. Art, ist schon sehr beeindruckend.


Quote
Hugo Henner #17

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/kno


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Ludwig v. Mises
#20  —  vor 22 Stunden 43

„Könnte ein Journalist in Moskau darüber schreiben, wie Wladimir Putin die Öffentlichkeit anlügt, etwa in Bezug auf die russischen Soldaten in der Ukraine?“

Die Antwort darauf: ein eindeutiges Ja.

Beispiel: „Die russische Zeitung Nowaja Gazeta hat ein Interview mit einem russischen Soldaten veröffentlicht, der bei den Gefechten um Debalzewe schwer verletzt wurde. Der Soldat Dorschi Batomunkujew bestätigt darin, dass die russische Armee umfassend im Ukraine-Krieg beteiligt sei.“ (http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-03/ukraine-krieg-russischer-soldat)

Die Nowaya Gaseta ist eine kremlkritische Zeitung mit einer Auflage von 600.000 Exemplaren. (zum Vergleich: Die „Zeit“ hat 490 000). Also kein Nischenprodukt.

Bemerkenswert, wie der Gesprächspartner der Frage ausweicht, um das nicht zugeben zu müssen. Ein Journalist hätte da eigentlich nachhaken müssen.

Aber: Fehlanzeige.


Quote
exxkoelner #20.1

Noch mehr Fakten, und Sie kriegen ein Sternchen in der Liste "vermutlich Kreml-Troll"!


Quote
Marktradikale Nachtigall #32

Wer sich die "Medienzensur" in Russland näher ansehen möchte und die russische Sprache beherrscht, dem empfehle ich diese Zeitung:
https://www.novayagazeta.ru/
Eine mutige, investigative Tageszeitung, die man so in Deutschland vergebens sucht.
Ebenso empfehlenswert, wenn auch in der Kritik etwas vorsichtiger (dafür qualitativ sehr hoch anzusiedeln):
https://vedomosti.ru
Beide Zeitungen gehören zu meinem täglichen Medienkonsum.
Für diejenigen, die das unverschämt finden, bitte ich vorab um Entschuldigung dafür, dass russische Zeitungen gelegentlich auf russisch und nicht so oft auf deutsch schreiben. Daher richtet sich diese Empfehlung an diejenigen im Forum, die russisch können - und das trifft ja auf einige (darunter Kritiker Putins) zu.


Quote
venice12 #32.1

You just made my day!!!!!


Quote
DoubleTT7 #35

Russland ist nicht nur Putin. Wann berichten Sie mal über die tollen Menschen, die dort leben und in großen Teilen die Geschichte mit uns teilen? Russland ist das größte Land der Erde mit einer Völkervielfalt, die größter ist als die Europas. Das haben Sie nicht gewusst? Na, dann wird es mal Zeit, dass Land zu bereisen. Die Grenzen sind inzwischen offen! Ich reise selbst regelmäßig nach Russland und genieße die unberührte Natur, die kulturelle Vielfalt und die Entdeckung geschichtlicher Zusammenhänge. Ich würde mir wünschen, andere Menschen würden das auch mehr sehen. Wir sprechen bei Italien auch nicht nur über Berlusconi. Die einzige Zentrierung auf Staatsmänner bringt gar nichts, außer das Schüren von Ängsten. Das ist der falsche Weg.


Quote
Freim #61

Hier ein wenig Hintergrundwissen, ohne ideologische Scheuklappen:

"Und deshalb ist Putin populär?

Man liebt ihn ja nicht. Aber er hat die Ordnungssicherheit wiederhergestellt. Ein Bekannter in Moskau, der ein kleines Restaurant besitzt, sagte mir einmal: «Unter Jelzin wurde ich von fünf Banditen pro Woche ausgeraubt. Jetzt nur noch einmal pro Jahr, vom Staat. Das ist ein Fortschritt.» Was wir im Westen immer vergessen: Autoritäre Ordnungen können unter prekären Bedingungen den Freiheitsspielraum von Menschen erweitern. Das Leben in Russland ist besser geworden.
Im Westen scheint man sich aber darauf geeinigt zu haben, Putin abzulehnen. Wie sollte der Westen mit Putin oder der russischen Führung intelligenter umgehen?

Indem er die Lebenswirklichkeit zur Kenntnis nimmt. Indem wahrgenommen wird, dass die Geschichte der Sowjetunion eine andere ist als diejenige der Deutschen. Wir sollten versuchen, das zu verstehen. Es wird in Russland keine demokratische Ordnung geben, nicht in fünf, nicht in zehn Jahren. Mit dieser Realität muss man sich auseinandersetzen. Die russische Opposition besteht nicht aus Liberalen, sondern wird von Kommunisten und Neofaschisten getragen. Man sollte sich gut überlegen, ob es eine gute Idee ist, Putin zu stürzen. Ich bin auch kein Anhänger des autoritären Systems. Aber pragmatische Politik muss diesen Gegebenheiten ins Auge sehen."

Die Geschichte Russlands ist gezeichnet von Leiden, Armut und Gewalt. Bis heute leidet das Land an der Last seiner Vergangenheit. Was ist anders an Russland? Und wie soll der Westen darauf reagieren? Der Osteuropahistoriker Jörg Baberowski mahnt zur Vorsicht. (2.12.2017)
https://www.nzz.ch/feuilleton/man-sollte-sich-gut-ueberlegen-ob-es-eine-gute-idee-ist-putin-zu-stuerzen-ld.1327082



Quote
  Staatsei Nr.1 #76

"Soldatow: Wenn Journalismus nichts mehr verändert, weshalb dann überhaupt noch kritischen Journalismus betreiben?"

Weshalb überhaupt noch kritischer Journalismus?
Diese Frage hat man sich wohl auch vor Jahren in Deutschland gestellt.
Seit dem vermissen ihn ziemlich viele Leser und haben ihre Abo's gekündigt.

Es ist eben überall das selbe.



Quote
Nils74 #85

Was für ein Propagandaartikel!

"In Deutschland dürfen Journalisten Politiker hart kritisieren." Da lachen ja die Hühner!

Bei uns werden Journalisten schon angegriffen, wenn sie beim Kanzlerduell zu viele Fragen zur Asylkatastrophe stellen! Regierungskritische Zeitungen müssen bis zum Bundesverfassungsgericht ziehen, um die unrechtmäßige Beobachtung durch den Verfassungsschutz abzustellen! Und das sind nur die Dinge, die vor aller Augen passieren ...


Quote
M X #85.4

Ja, das sind wirklich Dinge, die absolut vergleichbar damit sind, in der Redaktion abgestochen oder auf offener Straße zu Tode geprügelt zu werden. Krass, diese deutsche Propaganda. ...


Quote
Markus Termin #91

"Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff verlor sein Amt, nachdem lange über ihn berichtet wurde."

Die Trophäe des "Präsidenten-Skalps" trägt die Presse am Gürtel. Und der ganze Vorgang war ein Skandal am Staatsoberhaupt der BRD - respektlos, grundlos und undemokratisch. Dass man sich darauf noch im Sinne einer freien Berichterstattung beruft, zeugt auch im Nachhinein vom fehlenden Reflexionsvermögen der "4. Gewalt".

Wir leiden nicht nur unter einer schlechten Regierung; - noch schlimmer ist eine Meinungs-manipulative Presse, die der dpa (und anderen Agenturen, die ihre Nachrichten woher bekommen?) aus der Hand frisst, wie der Zirkus-Esel im Kinderkrippenspiel - lasst es, über Putin (oder Trump) zu schreiben: schreibt über euch selbst.


Quote
Paul Freiburger #91.7

Das Verhalten gegenüber Wulff war skandalös, aber warum darf man jetzt deswegen nicht über Putin berichten?
Warum soll man Probleme in der deutschen Presse aufblasen und die massiven Probleme der Jouranlisten in Russland kleinreden?
Warum so empfindlich, wenn Putin zu Recht kritisiert wird?


Quote
Hanayagi #96

Ich war damals bei der Annektion der Krim und der folgenden teilweisen Invasion der Ukraine in Japan und habe regelmäßig "World News" geschaut. In der Sendung werden immer original Nachrichten aus allen möglichen Ländern gesendet, zusammen mit japanischer Übersetzung.

Zu Zeiten der oben genannten Annektion / Invasion, gab es natürlich auch viel russisches Fernsehen zu bestaunen. Und ich muss sagen, was da täglich an Lügen verbreitet wurde, war schon krass. Seit dem weiss ich einfach ganz sicher, warum man Nachrichten aus totalitären Ländern wie z.B. Russland und China absolute nicht trauen kann und werde alles tun, was ich kann, um so etwas in Deutschland zu verhindern.


Quote
Hanayagi #100

Einen kleinen Geschmack, wie das Leben in einem totalitären Staat ohne freie Medien ist, geben uns die bezahlten und unbezahlten (mein Beileid) Trolle, die unter jedem Artikel, der sich kritisch mit Russland auseinandersetzt, reichlich zu finden sind.

Was wollen Strippenzieher hinter der Propaganda dmait erreichen?
Ich denke es gibt zwei Ziele:
- Irreführung von "Zweiflern" in westlichen Gesellschaften, die von den Ungerechtigkeiten und Problemen in diesen Gesellschaften desillusioniert sind, und damit empfänglich sind für die einfachen Lösungen, die totalitäre Propaganda bietet.
- Oben genannten Zweiflern und des Deutschen fähigen russischen / russischstämmigen Menschen einreden, dass es nur die bösen ausländischen Eliten oder wahlweise Medien sind, die immer so gemeine Sachen über Russland schreiben. Anders gesagt, dass negative Berichterstattung über Russland immer "feindliche Propaganda" sein muss, und "die Menschen" Putin eigentlich ganz toll finden.


Quote
Dietmar R. #101

Wer die russische Geschichte und Mentalität ausblendet, der räsoniert treffend über den 'Putinismus', den man selbstredend ein negatives Etikett, natürlich aus westlicher Sicht, wie man dies hier deutlich vernehmen kann, anheftet.

Was man unter diesem Duktus verstehen will, bleibt genauso nebulös wie der Duktus vom 'Merkelismus, Trumpismus, Macronismus....'

Das Putin sich solange halten kann, ist für westliche Think-Tanks und Geheimdienste schwer verständlich, zumal gegen anderslautenden Behauptungen der überwiegende Zuspruch der russischen Bevölkerung freiwillig erfolgt und nicht aufgrund von Druck oder sonstigen Drohungen erfolgt, wie man aus vielen Berichten entnehmen kann.

Wenn die überwiegende Mehrheit des Vielvölkerstaates Russland eine andere Staatsform und Regierung/Präsidenten haben wollte, dann wäre das Potential dafür da- allem Vernehmen nach, kommen die Russen mit Putin aber gut klar und wollen ihn nicht weg haben. Da ändern auch oppositionelle Meinungen nichts daran- geht uns hier doch genauso, viele wollen Merkel weg haben, aber sie klebt am Stuhl.... .

So mischt man sich wieder in die russischen Machtverhältnisse ein, gleichwohl man sich dies im umgekehrten Fall verbietet- Merke: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.


Quote
Doctor_Electro #104.1

Rangliste der Pressefreiheit 2017

Deutschland auf Platz 16;
Russland auf Platz 148.
Mehr muss man über russische Medien nicht wissen...


Quote
Sar Van #116

Ein amüsanter Artikel.
Endlosschleife Putin Böse- Westen gut.
Was in Russland der Staat fertig bringt, wird bei uns von den Medien übernommen. Zensur findet bei uns auch statt, nur an anderer Stelle.
Es geht schlichtweg nur um Interessen,
was hatten wir in Libyen, Tunesien, Afghanistan, Kosovo und .... zu suchen?
Wie war damals die Berichterstattung?


Quote
-Theo #118

Ein guter Artikel aus der Kategorie den Fischer zu den Fangquoten befragen. Man weiß vorher schon was rauskommt...bzw. hört genau das, was man hören will.
Genau die gleiche Masche wie bei den Russen, wo immer nur irgendwelche komischen Alternativ-Investigativ-Journalisten aus Frankreich oder Finnland abgedruckt werden, die sich wegen dem vermeintlichen Mut zur Wahrheit in der EU unterdrückt und verhöhnt fühlen...
Wenn die Streithammel-Seiten nur wüssten, wie ähnlich sie sich doch eigentlich sind...


Quote
JonSwift #128

Folter gibt es in Deutschland nicht. Auch keine sozialen Ostrazismen und keine Shit-Storms gegenüber sich unkorrekt verhaltenden Zeitgenossen. Wir leben wirklich auf einer Insel der Seligen. Das ist einzig und allein den progressiven Kräften zu verdanken, die gottseidank seit Jahrzehnten die Herrschaft über die intellektuellen Stammtische ausüben.
Die Welt kann sich eine Scheibe von unserer demokratischen Kultur abschneiden. Wir disputieren rational, niemand wird bei uns wegen einer missliebigen Meinung fertig gemacht. Nennung von Fakten wird nicht einfach als staatsfeindlich oder faschistisch gebrandmarkt. Es gibt keine willkürlichen Etikettierungen zum Zweck der Mundtotmachung. Bei uns herrscht die Ratio, der Respekt vor den Fakten.
Mit einem Wort: Wir sind den diktaturgläubigen Russen einfach total überlegen.


Quote
Dipl.ing #128.1

Super Kommentar!


Quote
Guy Fawkes 2013 #130

Dieser Artikel ist eine propagandistische, antirussische Schmähschrift aus Behauptungen und subjektiven Ansichten, für die im Nachgang keinerlei Beweise erbracht werden. ...


Quote
u r m #130.1

Aber es ist eine sehr gut gemachte propagandistische, antirussische Schmähschrift. Handwerklich gut gearbeitet. ...



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« Reply #76 on: January 29, 2018, 11:17:39 AM »
Als Querfront im historischen Sinn bezeichnet man antidemokratische Strategien, die gegensätzlichen Ideologien des Nationalismus und des Sozialismus zu verbinden, um die politische Macht in der Weimarer Republik zu übernehmen. Solche Bündnisse strebten Vertreter der Konservativen Revolution seit etwa 1920 theoretisch, der damalige Reichskanzler Kurt von Schleicher 1932 praktisch an. (14. Januar 2018)
https://de.wikipedia.org/wiki/Querfront


Plötzlich ist es wieder schick, Linke und Rechte in einen Topf zu werfen. Das Bürgertum belügt sich damit, dass sich angeblich die Extreme berühren. Dabei steckt die politische Mitte in der Krise. (Jakob Augstein, 21.12.2015)
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/querfront-debatte-war-hitler-links-augstein-kolumne-a-1068892.html

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[...] Die gegenwärtige Querfront-Debatte kreiste [ ] um die zunehmenden rechtspopulistischen Tendenzen in der Partei "Die Linke", die vor allem während des Bundestagswahlkampfes offen zutage traten. Konkret entzündete sich die Debatte an dem umstrittenen Linkspartei-Politiker Dieter Dehm, der sich offen mit dem Verschwörungsideologen und YouTube-Star Ken Jebsen bei Auseinandersetzungen mit dem linken Kultursenator Berlins solidarisierte, als dieser die Verleihung eines neu erfundenen "Karlspreises" an Jebsen in Örtlichkeiten untersagte, die vom Berliner Senat gefördert werden.

Jebsen gilt als zentrale Figur der Querfront, da er gezielt Autoren und Themen aus der Neuen Rechten wie auch dem orthodoxen oder post-sozialdemokratischen Spektrum seiner Zuschauerschaft vorsetzt.

... Die Selbstverständlichkeit, einem Verschwörungsideologen Räumlichkeiten zu verweigern, in dessen Medienprodukten regelmäßig linke und rechte Autoren interviewt werden - vom stramm rechten Jürgen Elsässer über den Handelsblatt-Ökonomen Norbert Häring bis zum ehemaligen SPD-Politiker Albrecht Müller -, führte aber zu erbitterten internen Auseinandersetzungen innerhalb der Linkspartei, wie der Tagesspiegel bemerkte.

... Für viele Exponenten aus dem Querfront-Spektrum im Dunstkreis von KenFM, Rubikon oder den Nachdenkseiten haben solche Debatten ohnehin kaum noch einen Sinn, da ihnen diese Einteilung des politischen Spektrums in linke und rechte Gruppen zunehmend fremd, künstlich und schlicht überholt vorkommt. Und tatsächlich scheint diese dumpfe, unreflektierte Ahnung eines Umbruchprozesses ein Körnchen Realität zu enthalten.

Das etablierte politische Koordinatensystem rechts- und linksgerichteter politischer Parteien und Kräfte scheint hohl und kaum noch mit Substanz aufgeladen. Die allgemein beklagte Hohlheit des politischen Spektrums, die "Austauschbarkeit" der etablierten Parteien, wie auch die zunehmenden Querfronttendenzen innerhalb der sogenannten Linkspartei - sie sind Indizien tiefgreifender systemischer Veränderungen und Krisentendenzen, die auch die Sphäre des Politischen voll erfasst haben.

Das allgegenwärtige krisenbedingte Gefühl, dass etwas in Auflösung übergeht, dass verfestigte Strukturen und Lager in Bewegung übergehen und sich verflüssigen, hat somit längst auch die Sphäre des Politischen erfasst. Immer mehr Menschen sehen keine nennenswerten Unterschiede zwischen den einzelnen Parlamentsparteien. Im Internet und seinen in den sozialen Netzwerken herumirrenden Schwärmen werden etablierte politische Begriffe wie bloße Labels behandelt und, je nach Situation und Interesse, mit neuen Bedeutungen aufgeladen.

Die Ansicht darüber, was nun politisch links oder rechts ist, kann in den ausgedehnten Wahnräumen des Netzes, wo die Neue Rechte ihre digitale Heimat hat, mitunter täglich, ja stündlich wechseln, was ja letztendlich nur auf die beginnende Auflösung des politischen Koordinatensystems hinweist.

Zum einen ist es die langfristig wirkende neoliberale Hegemonie, die im Rahmen des "Sachzwang-Diskurses" den politischen Spielraum immer weiter einengte, so dass in den vergangenen drei Jahrzehnten de facto eine ganz große neoliberale Koalition durchregierte - was zur Unterschiedslosigkeit im Parlament beitrug.

Doch eigentlich war der sozioökonomische Spielraum bürgerlicher Politik im Nachkriegszeitalter schon immer begrenzt. Auch von den 1950er- bis in die 70er-Jahre hielten sich alle Regierungsparteien, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, an die damals hegemonialen keynesianischen Grundsätze der Wirtschaftspolitik.

Aktuell kommt noch die Taktik der Neuen Rechten hinzu, insbesondere in den sozialen Netzwerken gezielt die Grenzen zwischen links und rechts zu verwischen ("Linksfaschisten", "Rote SA" etc.), um so die Akzeptanz der populistischen und extremen Rechten zu erhöhen. Dennoch sollten hierbei Ursache und Wirkung nicht verwechselt werden: Die Rechte instrumentalisiert unbewusst eine gegebene Dynamik im Überbau spätkapitalistischer Gesellschaften.

... Und auch die AfD bemüht sich, in ehemals linke Milieus vorzudringen, indem Sozialneid gegen Ausländer und Flüchtlinge bei marginalisierten Bevölkerungsschichten in einer durch Hartz IV und Agendapolitik gespaltenen Gesellschaft geschürt wird. Zudem drängen die Rechtspopulisten verstärkt in die ehemalige Stammwählerschaft der politischen Linken, in die Arbeiterschaft. Insbesondere der rechtsextreme, offen völkische Flügel um Höcke hat die verkürzte Kapitalismuskritik für sich entdeckt, wie der MDR anlässlich der sogenannten Compact-Konferenz berichtete, die eben von dem Jürgen Elsässer organisiert wurde, den auch Ken Jabsen interviewte.

Der für seine Goebbels-Imitationenund antisemitische Äußerungen berüchtigte Rechtsextremist wolle sich verstärkt "der kleinen Leute annahmen" und "die sozialen Errungenschaften von 150 Jahren Arbeiterbewegung gegen die zerstörerischen Kräfte des Raubtierkapitalismus verteidigen". Elsässer selber sprach sich gemeinsam mit Höcke für ein stärkeres gewerkschaftliches Engagement der Rechtsextremisten aus, die "patriotische Kandidaten" bei Betriebsratswahlen unterstützen wollen. Als Vorbild dient dieser NS-Szene Oliver Hilburger, der nach 20 Jahren als Gitarrist einer Neonaziband es bis zum Betriebsrat bei Daimler brachte. Elsässer erklärte, diesen Erfolg "auf andere Betriebe auszuweiten".

Die Verfilzung zwischen Rechts und Links verläuft somit in beide Richtungen: Während in die Linke zunehmend rechte Rhetorik und Argumentationsmuster einsickern, bedient sich die Rechte aus dem Fundus linker Rhetorik und Strategie. Die Querfront fungiert somit de facto einseitig als ein ideologischer Transmissionsriemen, der rechte Ressentiments tief in die Linke hineinträgt, während Rechte sich in sozialer Demagogie üben. Die Auseinandersetzungen um Querfronttendenzen in der Linken fanden somit in einem politisch-gesellschaftlichen Klima statt, in dem Exponenten der in der Offensive befindlichen rechten Krisenideologien die soziale Demagogie für sich entdecken, während Teile der in der Defensive befindlichen Linken verstärkt auf rechtspopulistische Argumentationsmuster setzen.

Konkrete Überlegungen zur Überwindung des politischen Koordinatensystems werden aber jenseits des evidenten Querfrontspektrums hingegen kaum öffentlich geäußert. Bislang hat nur Sahra Wagenknecht in der Hochphase des Wahlkampfes solche Gedankenspiele öffentlich artikuliert, indem sie gegenüber der Springerzeitung Die Welt eine "pauschale Ausgrenzung" der AfD ablehnte und mit Blick auf die parlamentarische Aufgabenverteilung eine etwaige Kooperation nicht von vornherein ausschließen wollte: "Auch da sollte man sich eben ansehen, wer kandidiert für was und sollte nicht Pauschalurteile abgeben."

... Entscheidend ist in diesem Zusammenhang das Verschwörungsdenken, das einen zentralen Bestandteil antisemitischer Wahnsysteme bildet, die ja hinter den Widersprüchen kapitalistischer Vergesellschaftung das bösartige Wirken einer jüdischen Weltverschwörung halluzinieren. Und es ist eben auch dieses Querfrontspektrum, das regelrecht besessen ist von der Suche nach den mächtigen Kreisen und Zirkeln im Hintergrund, die hinter den Kulissen die Strippen der Weltgeschichte ziehen und die Welt regieren, Krisen auslösen, etc..

Wiederum muss hier betont werden, dass dieses Verschwörungsdenken nicht zwangsläufig in den Antisemitismus münden muss - es kann auch in eine Kondensstreifen- oder in eine Bargeldverschwörung münden, wie sie etwa der Handelsblatt-Ökonom und Jebsen-Fan Norbert Haering predigt.

Und dennoch: Die Parallelen zwischen regressiven, alten Sozialdemokraten und neuen Nationalisten sind gerade beim Verschwörungswahn unübersehbar. Dies gilt beispielsweise für die Wahnvorstellung, Deutschland - das spätestens seit der Eurokrise die EU dominiert - sei immer noch kein souveränes Land, da es insgeheim von den Alliierten (zumeist sollen es die USA sein) ferngesteuert werde. Diese wirren Anschuldigungen äußerte bekanntlich die AfD-Spitzenkandidatin Weidel, die die Bundesregierung als "Marionetten" der Siegermächte bezeichnete.

Ähnlich argumentierte aber noch 2013 der Chef der "Nachdenkseiten", das sozialdemokratische "Urgestein" Albrecht Müller, für den Deutschland ebenfalls kein "souveränes Land" sei! Und auch hier muss betont werden, dass Parellelen keine Gleichsetzung bedeuten. Selbstverständlich argumentiert Müller ohne die rassisitischen und ausländerfeindlichen Ausfälle einer Weidel, die Parallelen in der quasi "manichäischen" Denkstruktur sind hier aber evident - auch wenn Weidel viel schärfer gegen die allierte "Fremdherrschaft" polemisiert.

Des Wahnsinns reeller Kern: Das weitverbreitete Gefühl der Heteronomie, dass man gewissermaßen "ferngesteuert" werde, dass Politiker nichts weiter als Marionetten dunkler Mächte seien, resultiert aus der Ahnung dessen, dass der Mensch nicht Herr seines gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses ist, dass dieser durch die fetischistische Bewegung uferloser Kapitalverwertung eine Eigendynamik gegenüber den oftmals ohnmächtigen Gesellschaftsmitgliedern entwickelt. Der Kapitalismus sei eine Gesellschaftsformation, "worin der Produktionsprozeß die Menschen, der Mensch noch nicht den Produktionsprozeß bemeistert", bemerkte hierzu etwa Karl Marx in einem Geistesblitz.

Die Marktsubjekte bringen somit unbewusst marktvermittelt eine zerstörerische gesamtgesellschaftliche Dynamik hervor, die ihnen dann als eine scheinbar fremde, objektive Macht (deswegen auch der ganze "Sachzwangdiskurs") gegenübertritt. Der Weg zur Verschwörungstheorie ist vor allen in all jenen politischen Zusammenhängen nicht mehr weit, die alltäglich zum Mittel der Verschwörung beim Hauen und Stechen um Posten und Pöstchen greifen - die eigenen Erfahrungen bei der politischen Karriere, etwa in der SPD, werden dann auf die gesamtgesellschaftliche Dynamik kapitalistischer Widerspruchsentfaltung projiziert.

Die Ursachen solcher absurden Vorstellungen sind aber nicht nur in der Tendenz zur Personifizierung der vermittelten, subjektlosen Herrschaft im Kapitalismus zu suchen, die dem Verschwörungsdenken zugrunde liegt, sondern auch in der besagten verkürzten Kapitalismuskritik. Wenn die Ursachen aller möglichen Verwerfungen, Spannungen und Fehlentwicklungen in der Globalisierung und dem Finanzkapital verortet werden, dann scheint die Nation als eine natürliche, widerspruchsfreie Entität, in die Widersprüche quasi "von außen" hineingetragen werden. Wenn nun die Regierung und die Funktionseliten etwas anderes wollen als der national gesinnte Sozialdemokrat oder AfDler, dann kann es sich ja nur um Verrat handeln - schließlich wissen sie am besten, was gut ist für Deutschland.

Der zunehmende Nationalismus bildet auch die Grundlage der reaktionären Identitätspolitik, die in diesem Spektrum praktiziert wird. Die Kritik einer Sara Wagenknecht an der linken Identitätspolitik, die sich im Gefolge des Kampfes um die Emanzipation sexueller Minderheiten herausgebildet hat, weist insofern eine unfreiwillige Komik auf, wenn diese selber eine anachronistische Rückkehr zur nationalen Identität des vergangenen Jahrhunderts predigt.

Die reaktionäre Kritik linker Identitätspolitik greift diese aber nur deswegen an, weil ihr noch das Versprechen der Emanzipation von Minderheiten innewohnt. Der Identitätswahn, der in Reaktion auf die jüngsten Krisenschübe in Europa um sich greift (und von den Rechtsextremen der "Identitären" bis zur Realsatire explizit gemacht wird), will aber identitäre Unterwerfung unter das Bestehende.

Die Forderung nach Grenzschließung, nach der Rückkehr in den Nationalstaat, die Renaissance der nationalen Identität mittels eines neuen Schubs der "Invention of Tradition" (Hobsbawm) - es sind unbewusste Reaktionen auf die Krisenschübe der Vergangenheit wie Zukunft: auf Wirtschafts-, Flüchtlings-, Klimakrise. Die unverstandenen, mitunter ignorierten Krisentendenzen sollen "draußen" gehalten werden, zugleich dient die angstbedingt gesteigerte Identitätsproduktion als ein massenpsychologischer Anker in unsicheren Zeiten, der Orientierung, Zusammenhalt und klare Feindbilder aufbaut.

Identität ist aber Folge der Sozialisation in der gegebenen Gesellschaft. Mit dem Festhalten an Identität wird somit auch an den gesellschaftlichen Strukturen festgehalten, die diese Identitäten formten - auch wenn eben diese Strukturen in Auflösung übergehen. Die klar ins Ideologische abdriftende Identitätsproduktion wird dann in einem reaktionären Impuls ins Extrem getrieben.

Wohin das identitäre Festhalten am Bestehenden hinführt, wenn eben dieses Bestehende zerfällt, kann an dem Islamismus in vielen "gescheiterten Staaten" studiert werden, der die bestehenden religiösen Identitäten in der "Mitte" des islamischen Kulturkreises ins Extrem einer Massenmordsekte wie des Islamischen Staates trieb. In Europa ist es hingegen die nationale Identität, die als Resonanzboden für entsprechende reaktionäre Reflexe dient.

Die aufschäumende nationale Welle braucht ein Feindbild. Und hier hat, neben den Flüchtlingen und dem antisemitisch konnotierten Antiamerikanismus, die Querfront ihren größten Beitrag zur ideologischen Ausformung der Neuen Rechten geleistet: mittels der Transformation, der "Entkernung" des Begriffs des Antideutschen.

Ursprünglich handelte es sich hierbei um einen marginalen, linken Begriff, der außerhalb des linken Szenesumpfs kaum Beachtung fand. Er bezeichnete eine Strömung innerhalb der Linken, die dezidiert in Reaktion auf die Wiedervereinigung und insbesondere die rechte Pogromwelle der frühen 90er Jahre sich etablierte. Die Antideutschen warnten innenpolitisch vor dem weiterhin bestehenden faschistischen Potenzial in Deutschland, sowie außenpolitisch vor einem neuen imperialen Weltmacht-Anlauf des vergrößerten Deutschlands.

Zugleich sahen sie die Welt in einer Zeitschleife gefangen, in der die Konstellation des Zweiten Weltkrieges sich ewig wiederholen würde. ...

... Die Querfront ist  [ ] eine Art "Einstiegsdroge" in die Wahnwelt der Neuen Rechten. Ihr Erfolg beruht darauf, rechte Ideologie in linke Rhetorik zu verpacken.

... Nazis und "Antideutsche" haben e i n Merkmal gemeinsam – die essentialisierende Form des Feindbildes.

...


Aus: "Querfront als Symptom" Tomasz Konicz (28. Januar 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Querfront-als-Symptom-3952540.html?seite=all
« Last Edit: January 29, 2018, 11:22:36 AM by Link »

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« Reply #77 on: January 29, 2018, 11:18:42 AM »
Kommentare zu "Querfront als Symptom" von Tomasz Konicz (28. Januar 2018)

Quote
          Eymontop, 28.01.2018 14:10

Neoliberaler Konicz outet sich als fleißiger Querfront-Demagoge.

Leute wie Konicz sind auch bezeichnender weise die, die sich an Modebegriffe wie "Querfront" und "Rechtspopulismus" anhängen, um sie inflationär bei jeder Gelegenheit gegen echte Linke einzusetzen. So kann man besser diffamieren und beleidigen. Man muss als ausgesucht Einfältiger Schreiberling nichts begründen oder herleiten, man hat als neoliberaler Pseudolinker 2-4 griffige Worthülsen wie "Verschwörungsideologe" (wohl eine Steigerung zu "Verschwörungstheoretiker" - das sind dann die ganz Schlimmen!) oder "Querfront" (wo er die Argumente der richtigen Rechtspopulisten in Europa sehr hilfreich unterstützt).

In einer McCarthy-Ära wäre der neoliberale Russenhasser Konicz mit Sicherheit einer der eifrigsten "Kommunisten-Fresser" gewesen. Bei dem wäre ein Robert Oppenheimer von Anfang an vor dem Hearing "Schuldig" gewesen (wenn einer mal in der Nähe von einem Russen war, muss er ja einfach ein schlechter Mensch sein).

Einer der ekelhaften Gestalten, die sich bei den Mächtigen dieser Welt anbiedern, indem sie gegen die, die sich wirklich für die kleinen Leute/Mittelstand politisch einsetzen, mit ihren Halbwahrheiten und Mode-Schimpfwörtern anschreiben und ein Schmäh-Pamphlet nach dem anderen raushauen. In den Nachdenkseiten wird Konicz als Propaganda-Schreiberling der Neoliberalen ausdrücklich erwähnt

    Presseschau zum Konflikt bei der Linkspartei.
    Zusammengestellt von Jens Berger und ergänzt von Albrecht Müller. [...]
    Die Kampagne einiger deutscher Medien gegen Sahra Wagenknecht läuft weiter. Typischerweise mit den gleichen, offenbar abgesprochenen und schrägen Argumenten:
    Die Autoren sollte man sich merken, es sind auch immer die gleichen – Tomasz Konicz (Telepolis), Markus Decker (Frankfurter Rundschau), Matthias Meisner (Tagesspiegel), Stefan Kuzmany (Spiegel Online), Sebastian Jannasch (Süddeutsche Zeitung) …

Aus: https://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=40670

... Leute wie Konicz sind die Journalistischen "Ausputzer", die Zersetzer von innen, die so tun, als wären sie endlos Progressiv, sich in Linke Organisationen gezielt einnisten und fortschrittliche Bewegungen von innen heraus verfaulen lassen, indem sie jeden gegen jeden aufhetzen. Konicz ist so einer, der im Hinterland mit der echten Opposition aufräumt, indem er sie von innen heraus als angeblich "Linker Autor" zersetzt.

Von solchen zwielichtigen Figuren als "Rechtspopulist" angesehen zu werden ist eigentlich eine Ehre.
(ich will jetzt gar nicht auf den entscheidenden Unterschied zwischen Heimatliebe und Nationalismus eingehen, den kapiert Konicz sowieso nie - und will das auch gar nicht, weil er so besser seine Nazi-Sprüche gegen die richtigen Linken los wird).

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (28.01.2018 15:09).



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     MobBot, 28.01.2018 14:46

Ja, es gibt eine Querfront - Nämlich die Querfront der denkenden Menschen gegen eine selbstdefinierte Elite. Wer heute noch in Links-Rechts-Schema denkt, ist sowieso nicht mehr zu helfen. Oder soll eine der Hauptverfechter des Neoliberalismus, nämlich die SPD, etwa Links sein? ...


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Goerlitzer, 28.01.2018 15:13

Über Storz u. die Querfront-Theorie wurde bei IALANA heute gelacht

Die IALANA, eine um Frieden und Demokratie bemühte und besorgte Juristenorganisation, hatte an diesem Wochenende nach Kassel zu einem Medienkongress eingeladen. Hintergrund ist der Ärger vieler Leute auch aus dem Berufsfeld der Rechtsberufe über die einseitige und lückenhafte Berichterstattung der deutschen Medien, wie sie besonders im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Putsch in der Ukraine deutlich wurde.

Als Referenten geladen war so ziemlich alles, was in der kritischen Publizistik Rang und Namen hat, das reichte von u. a. Daniela Dahn, Uwe Krüger, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam und Jens Wernicke bis hin zu Vertretern der Nachdenkseiten, der Publikumskonferenz und Wikipedia-Watch. Die geladenen Vertreter der Mainstream-Medien kamen der Einladung nicht nach. Die Redebeiträge sind/werden bei youtube zu sehen (sein).

Im Rahmen der Tagung stellte Jens Berger von den Nachdenkseiten dar, wie der Mainstream, nicht zuletzt SPD-nahe Zeitungen, versucht, die für ihn unbequemen Nachdenkseiten als eine Art "Querfront"- Medium zu diskreditieren. Berger machte das u. a. an einem bebilderten Artikel der Berliner Zeitung fest, in dem ein Artikel über die Storz-"Enthüllungen" sehr geschickt mit aneinander gereihten Grossfotos von Ken Jebsen, Jürgen Elsässer und Albrecht Müller in nicht unbedingt sympathie-erheischender Pose eingeleitet wurde.

Diese Art Dumpfbacken-Journalismus löste bei den ca. 250 Tagungsteilnehmern deutliche Erheiterung aus, - obwohl es aus meiner Sicht ja eigentlich zum Heulen ist. Zum Heulen ist inbesondere aber auch, wie aus der ehemals lesenswerten linksliberalen "Frankfurter Rundschau" heute ein Kampfblatt der Nato mit Schwerpunkt Russland-Hetze wurde. Keine deutsche Zeitung hat 2014 wohl so häufig über den angeblichen Einmarsch russischer Truppen in der Ostukraine berichtet wie die FR.

P.S.: Auf der Tagung Thema waren übrigens auch "Netzwerke" ein Thema, die nach Verabredung in Foren oder auch bei Wikipedia aktiv werden. ...


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     Heddrich, 28.01.2018 23:53

Olle Kamelle - kalter Kaffee von vorvorgestern

Hat Herr Konicz keine ältere Sau gefunden, die er durchs Dorf treiben kann? Das Thema und Fakten sind schon vor Wochen durch und ausdiskutiert. An den Positionen der Beteiligten rührt sich bestimmt nichts mehr.

Ich werde mich daher auch nicht damit aufhalten, die zum x. Male vorgebrachten Falschdarstellungen und Auslassungen auseinanderzunehmen. Wer nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen weiß, kann ja ein bisschen googln.

Soviel vielleicht noch: Herr Kultursenator Lederer hatte eine großes Problem damit, dass die NRhZ in von Berlin geförderten Räumen den diesjährigen Karlspreis an Ken Jebens verleihen wollte. Er hatte aber überhaupt kein Problem damit, dass kurz nach Einsetzen der Debatte dazu die Junge Freiheit den diesjährigen Löwenthal-Preis in der Spandauer Zitadelle (einem Berliner Kulturprojekt) an illustre Persönlichkeiten verlieh.

Merke: alle sind gleich, nur einige sind gleicher. Und Gesetzeslage und Tatsachen sind einigen ganz gleich.

Und beachte: Querfront sind immer die anderen. Nicht etwa die, die als erklärter Antikriegspartei mit Kriegsparteien koalieren wollen. Zu sowas sagt man dann nicht Querfront, sondern notwendiger und schmerzlicher Kompromiss.



Quote
     feelfunktion, 28.01.2018 22:49

Manchmal frag ich mich: was WOLLEN die Koniczisten eigentlich??
Also jetzt im positivsten Falle, mit dem wohlwollendsten Auge gesehen:

Was wollen sie der Welt eigentlich positiv geben?
Was wollen sie beitragen?
Wie bringen sie die Welt voran?

Hoffen sie jetzt, mit ihrer großen Weisheit uns vor versteckten Gefahren zu warnen, dass wir geradewegs in ein zweites Hitlerdeutschland hineinschlittern, wenn wir dem "natio-nalen Sozialisten" Lafontaine folgen?
Glauben die das denn selbst ernsthaft ???

Ich sehe in ihnen nur nörgelige Mäkelkinder - die gar nichts können - gar nichts Positives zur Welt beitragen - das Einzige, was sie können, ist, positive Hoffnung kapputt zu schwatzen, kaputt zu mäkeln ...

... Oder was treibt diese Koniczisten an??

Die plumpe Antwort wäre: Einestages kam ein geheimnisvoller Mann mit vollem Geldkoffer und sagte: "Duhu, Tomasz, du hast doch ein gutes Image in linken Kreisen - kannst du mal ein paar gewissen Linken, die für unser System wirklich und nicht nur theoretisch gefährlich werden können, ans Bein pinkeln? Es soll dein Schade nicht sein!" Und dann deutet er bedeutsam auf den Geldkoffer...

Ich halte diese Antwort für zu einfach. (Oder IST es so einfach? sind sie simpel kapitalistische Einflußagenten und lachen sich am Kamin ins Fäustchen, wie sie mit ihrem pseudolinken Geschwafel jede echtlinke Bewegung in D auf Jahre hinaus hemmen können?)

Oder isses eher was Psychologisches?
Sie haben sich so sehr in ihre linke intellektuelle Eitelkeit hineinspiralt, dass es für sie nur noch wichtig ist, dass nur SIE das richtige Linkssein wissen? Sowas kennt man ja auch aus religiösen Sekten: ein unheimliches Gezänk und Gezeter und Spalterei, wo es nur noch darum geht, dass wir und nur wir die einzig Richtigen sind?!?

Ich wiederhole meine Frage:

Was - mit dem positivsten wohlwollendsten Auge gesehen - WOLLT ihr eigentlich?
Was hofft ihr, positiv der Welt geben zu können???

Ich seh immer nur, dass ihr im Theoretischen hohe große Ziele hochhaltet - aber im Praktischen seid ihr bloß schädlich, und sorgt durch eure Mäkelei dafür, daß man eure großen idealen Ziele nicht erreicht, weil man dank euch nichtmal kleine Ziele erreicht....
Ist doch echt seltsam, dass die schärfste Kritik an Linken, die in dieser Welt noch echt was bewegen wollen - ausgerechnet von Linken kommt, euch Schreibstuben-Linken!!

(okay, wenn ihr Konicze kapitalistische Einflussagenten und Zersetzer seid, dann löst sich dieses Rätsel sehr schnell .... aber ich weiß nicht, ist es so...?)

Jedenfalls seid ihr einfach lächerlich....
Wie ihr zum Beispiel einem Mann - der für mich auch zu maschinengewehrhaft schnell spricht - nun seit Jahren krampfhaft Antisemitismus anzuhängen versucht...
Ich sag euch mal was!
Wenn jemand tatsächlich in seinem Herzen ein Antisemit ist - dann rutscht ihm alle paar Wochen ein antisemitischer Spruch raus, da hättet ihr eine ellenlange Liste seiner Fehltritte! - Und was habt ihr??? Einen Halbsatz aus einer Mail von vor paar Jahren, aus dem ihr krampfhaft mit viel Textexegese eure Antisemitismus-Diagnose herauszudeuteln und herauszuwringen versucht, unterstützt von Ikonen der Wahrheit wie H. Broder ...

lachhaft, lachhaft, lachhaft ...



...

Zu: "Querfront als Symptom" Tomasz Konicz (28. Januar 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Querfront-als-Symptom-3952540.html?seite=all

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« Reply #78 on: January 30, 2018, 01:10:25 PM »
Wolf Wetzel (* 1956) ist ein deutscher Autor, Journalist und Publizist.j Wetzel ist Autor mehrerer Bücher und publiziert in verschiedenen Medien u. a. Der Freitag, junge Welt und NachDenkSeiten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_Wetzel

-

Quote
[...] Ich habe die Idee von „Rubikon“, ein streitfähige und nicht-autoritäre Plattform von Anfang an begrüßt und unterstützt. Ich habe die Kinderkrankheiten von Rubikon mitgetragen. Ich habe versucht, an einem Redaktionsstatus mitzuarbeiten, das nicht die Machtanhäufung zementiert, sondern einem Vorhaben substanzielle Rechte einräumt, die zumindest die Richtung einer „Gleichberechtigung“ einschlagen – vergebens.

Ich habe mich von Anfang an dafür eingesetzt, auch „schlechte“ Beiträge zu publizieren, um in der Widerrede zu bestehen und ggf. zu glänzen, anstatt im unüberprüfbaren Rechthaben.

Ich habe eklatante Missachtungen geschluckt, die die bescheidenen Rechte der Redaktion außer Kraft gesetzt haben.

Ich habe das Angebot einer stellvertretenden Chefredaktion ausgeschlagen, da ich fest davon überzeugt bin, dass wir uns nicht nur an „anderen“ Inhalten messen lassen müssen, sondern auch an Strukturen, die sich deutlich und erkennbar von denen unterscheiden, die den herrschenden Mainstream tragen und möglich machen.

Ich habe mit Erschrecken das Interview zwischen Rubikon und Ken Jebsen/KenFM vom 19.1.2018 (https://www.rubikon.news/artikel/schluss-mit-lustig) gesehen, das Falschaussagen, historisch haarsträubende Vergleiche Platz gegeben hat, ohne naheliegende Nachfragen zu stellen, ohne sich für diesen denunziatorischen Umgang zu entschuldigen. Innerhalb weniger Minuten wurden alle eigenen Wertsetzungen über den Haufen geworfen.

Die Nichtveröffentlichung eines neunzehnseitigen Beitrages aufgrund von fünf „Vergehen“ ( z.B. ein Zwischentitel, der angeblich „inhaltsleer“ ist oder zwei Links, die anders gesetzt werden müssen) gegen „Autorenhinweise“, die Jens Wernicke noch gefunden hat, nachdem dieser Text das Lektorat bereits durchlaufen hatte, ist der letzte Akt in diesem sehr deprimierenden Schauspiel.

Jens Wernicke setzte mir infolge seines Super-Lektorats eine Frist, diese „Autorenhinweise“ abzuarbeiten und bot mir zugleich die Freiheit an, zu gehen, was die Güte eines Herrn hat, der die Zeit verschlafen hat.

Und zur Abschluss forderte Jens Wernicke meine „Teamfähigkeit“ ein, was man auch als Schlusswort einer Anstalt-Sendung verwenden könnte.

Das Team, in das ich mich zu integrieren habe, existiert einzig und allein als Fata Morgana, in der Darbietungsform eines Placebos.

Das einzige „Team“, das existiert, besteht aus Jens Wernicke – als Gesellschafter, als Geschäftsführer, als Chefredakteur, als Chef-Administrator und zuletzt als Chef-Lektor.

Der Versuch, mich mittels „Autorenhinweise“ über das von Mini-Patron Wernicke hingehaltene Stöckchen springen zu lassen, würde man bei Amazon als klassisches Mobbing bezeichnen.

Was bei Amazon funktioniert, funktioniert auch bei Rubikon. Ich werde meine Mitarbeit beenden und die Kolumnen (Arena und Werkzeug- und Prämissenkunde) woanders fortführen.

An der Idee „Rubikon“ halte ich fest und deshalb werde ich meinen Schritt ausführlich begründen.

Dieser Rückblick auf über ein Jahr Mitarbeit wird sich an dem messen, was Jens Wernicke auf der Tagung „Krieg und Frieden in den Medien“ am 28. Januar 2018 in Kassel postuliert hat:

    „Diese Geschichte (…) offenbart, dass die Bedrohung für die Demokratie alles andere als nur „von außen“ ausgeht. Dass wir selbst in unserem Denken und Tun oftmals mehr Teil des Problems als Teil der Lösung sind.“

Selbstverständlich steht dieser Beitrag für eine Publikation bei Rubikon zur Verfügung. Auch wenn es gerade jenen leichter fallen würde, die das Projekt an sich gut finden: Es geht hier nicht um einen Streit zweier besonderer Menschen, also um etwas letztendlich Privates.

Diese beiden Menschen prallen nicht aufgrund ihrer besonderen Charaktere aufeinander, sondern aufgrund der Produktionsbedingungen und der Machtverhältnisse, die sie gezwungenmaßen exponieren und polarisieren.

Wenn man also diesen Konflikt nicht abschiebt, dann weiß man, dann spürt man, dass er alle angeht: die LeserInnen, die Autorinnen, die Redakteure, die SpenderInnen, also alle, die mehr sind als die je Einzelnen.

Wolf Wetzel

29.1.2018

P.S.: Nachricht von Facebook:

„Hallo Wolf,

Du erhältst diese E-Mail zur Bestätigung, dass du nicht mehr Administrator auf Rubikon bist. Du wurdest am Januar 29, 2018 at 11:21vormittags entfernt.„



Aus: "Es reicht. Der Rubikon ist überschritten." Wolf Wetzel (01/29/2018)
Quelle: https://wolfwetzel.wordpress.com/2018/01/29/es-reicht-der-rubikon-ist-ueberschritten/

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« Reply #79 on: January 31, 2018, 09:24:09 AM »
Presentation of the I.F. Stone Medal for Journalistic Independence at the Nieman Foundation for Journalism at Harvard on October 22, 2015., Conversation between Robert Parry and Tom Ashbrook, NF ’96 and host of NPR’s “On Point”
https://vimeo.com/143523823
-
Robert Parry (* 24. Juni 1949 in Hartford, Connecticut; † 27. Januar 2018) war ein US-amerikanischer Investigativjournalist, der in den Vereinigten Staaten vor allem Mitte der 1980er-Jahre durch seine Arbeiten zur Iran-Contra-Affäre für Associated Press und Newsweek bekannt wurde. Während des Contra-Kriegs in Nicaragua deckte er das CIA-Handbuch Psychological Operations in Guerrilla Warfare auf und war an der Aufdeckung des vom CIA geduldeten Drogenschmuggels beteiligt. 1984 erhielt er den George Polk Award in der Sparte „Nationale Berichterstattung“. Nachdem Parry seine letzte Anstellung bei einem Nachrichtenmagazin im Jahr 1990 verlassen hatte, wurde er 1995 selbständiger Herausgeber des Onlinemagazins Consortiumnews.com. ... Parry selber erklärte, ... „die Iran-Contra-Berichterstattung sei [ ] zuerst [ ] als Verschwörungstheorie abgelehnt worden“. ..."
https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Parry_(Journalist)
-
Die Iran-Contra-Affäre, in Anlehnung an die Watergate-Affäre auch Irangate genannt, war ein politischer Skandal während der Amtszeit von US-Präsident Ronald Reagan. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Iran-Contra-Aff%C3%A4re