Author Topic: medienjournalismus und medienkritik...  (Read 16817 times)

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #40 on: July 04, 2016, 09:57:58 AM »
"Demonstration gegen das Arbeitsgesetz und seine Welt’ in Frankreic" Wolf Wetzel (06/21/2016)
Die Wirklichkeit als lästiger medialer Bestandteil – 14. Juni 2016: Contre la loi Travail et son monde. Als wollten die deutschen Medien keinen Zweifel an dem Konzept aufkommen lassen, dass nur das Wirklichkeit ist, was die Medien als solche präsentieren, pixelten sie sich für den 14. Juni, den Tag der Proteste ‚Gegen das Arbeitsgesetz und seine Welt’ folgende Wirklichkeit zurecht ... Medial besteht Frankreich zurzeit nur aus ganz viel Terrorgefahr und ganz viel Fußball, der geradezu blind zwischen diesen Feldern zirkuliert.
Was den Medien ein paar Sekunden Berichterstattung, ein paar Sätze wert war, hatte nach Gewerkschaftsangaben eine Million Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Paris (und 1,3 Millionen frankreichweit mit zusätzlichen Demonstrationen in Marseille und anderswo) auf die Straße getrieben. Nach Polizeiangaben, denen die Medien mutig und unabhängig folgten, waren es „70.000 bis 80.000“ Teilnehmer in der Hauptstadt, und 125.000 landesweit.
Ob sich die Bewegung entmutigen oder gar spalten läßt, ob die Regierung die Androhung ernst machen wird, Demonstrationen zu verbieten, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. ...
https://wolfwetzel.wordpress.com/2016/06/21/demonstration-gegen-gegen-das-arbeitsgesetz-und-seine-welt-in-frankreich/

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     System.Diagnostics, 06.07.2016 22:24

Dafür ["Wikileaks-Whistleblower Chelsea Manning unternahm angeblich Suizidversuch"] hätte ich mir eine eigene Heise Meldung gewünscht statt die weiterkopierte DPA Meldung. Aber Heise Autoren kümmern sich ja inzwischen lieber darum die neuesten Produkte von Samsung, Nextcloud und Co in Szene zu setzen.  ...

http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Wikileaks-Whistleblower-Chelsea-Manning-unternahm-angeblich-Suizidversuch/Dafuer-haette-ich-mir-eine-eigene-Heise-Meldung-gewuenscht/posting-28865963/show/

« Last Edit: July 07, 2016, 12:57:08 PM by Link »

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« Reply #41 on: July 07, 2016, 02:06:04 PM »
"Der Kampf um die Leserforen" Paul Schreyer (04.07.2016)
Einige Leitmedien haben bei Berichten zum Konflikt zwischen der Nato und Russland jüngst kaum noch Leserforen freigeschaltet. Nun äußern sich gegenüber Telepolis erstmals die Chefredakteure von Spiegel Online, FAZ.net und Süddeutsche.de zu den Hintergründen aus ihrer Sicht ... Die zunehmenden Spannungen zwischen der Nato und Russland sind weiterhin eines der großen und viel diskutierten Themen in der Öffentlichkeit - letztlich geht es um kaum weniger als Krieg und Frieden in Europa. Viele Menschen haben dazu eine Meinung, oft auch persönliche Erfahrungen, wollen sich äußern und diskutieren.
Eine Stichprobe bei Spiegel Online (SPON), sowie bei der Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ.net) ergab nun jedoch, dass für den Zeitraum vom 1. bis 19. Juni nur bei gut 10 Prozent der Artikel zu diesem Thema Leserforen freigeschaltet waren. Dieser Anteil lag bei SPON und FAZ.net etwa gleich hoch. Anders gesagt: Gut 90 Prozent aller Berichte und Analysen zum Konflikt zwischen der Nato und Russland konnten die Leser dort nicht diskutieren.
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48726/1.html

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Der-Kampf-um-die-Leserforen/forum-358897/comment/

"FAZ schaltet lieber ab: "Propaganda, Verachtung und Hass"" Paul Schreyer (06.07.2016)
Für die Süddeutsche sind Leserforen angeblich wegen der "x-mal durchgekauten" Debatten langweilig, die Zeit hat die Leser-Empfehlungen für Kommentare wieder ausgeschaltet ... Blumencron ging auf dieses Argument nicht ein. Stattdessen wiederholte er, dass das Leserforum bei FAZ.net kein "Ventil der Wut und des Hasses" sein solle. Man wolle "keine Schlachten mit Propagandisten in unseren Kommentarspalten". Dieser Einwand klingt zunächst verständlich. Doch selbst wenn man dem zustimmt, wo zieht man dann die Grenze? Ab wann ist es keine heftige, vielleicht laute, ja sogar schrille Debatte mehr, die aber womöglich dennoch wichtig für den öffentlichen Diskurs und die Meinungsbildung ist? Ab wann handelt es sich um eine von Seiten der Redaktion präventiv zu unterbindende "Schlacht"?
Man stößt hier auf einen inneren Widerspruch, denn etwas, das von vornherein verhindert wird (sprich: kein Leserforum beim Artikel geschaltet), das kann natürlich auch nicht aus dem Ruder laufen. Der Unterschied ist vergleichbar einem Demonstrationsverbot gegenüber der Einschränkung einer Demonstration. Man könnte daher argumentieren, dass vor das präventive Abschalten von Leserforen eine weit höhere Hürde gelegt werden sollte, als vor das - auch nicht unproblematische - Löschen von Leserbeiträgen.
Wo aber liegt diese Hürde aktuell? Wenn nicht völlig willkürlich entschieden werden soll, nach Stimmung, Tageslage oder womöglich politischer Orientierung der Chefredaktion, dann braucht es dafür transparente Kriterien.
Oder aber, noch einfacher und transparenter: Man lässt das Abschalten der Foren gleich ganz und ermöglicht einen ständigen und offenen Austausch der Leser. Einige Medien, wie etwa Zeit Online (oder auch Telepolis) handhaben es bekanntlich seit Jahren so. Unmöglich ist das also nicht. Die Abschaltung von Foren bedarf einer überzeugenden (!) Begründung, umso mehr, wenn Mitbewerber offenbar ohne größere Probleme, auch bei brisanten Themen, mit den freigeschalteten Foren zurechtkommen.
... Während Harms vom Spiegel also beim Fehlen der Foren noch mit "Zufall" argumentiert hatte, Blumencron von der FAZ mit einem Übermaß an Pöbelei, überraschte Plöchinger von der Süddeutschen mit einer anderen Begründung: "Redundanzen" - zu Deutsch: man langweilt sich bei den immer gleichen "schon x-mal durchgekauten" Debatten, fühlt sich intellektuell unterfordert und vermisst "Überraschend-Intelligentes".
Für ein Blatt, das, wie erwähnt, siebenmal in einem Monat von seinen Lesern den Brexit diskutieren lässt, ist das ein gewagtes Argument. Zudem wird auch hier wieder ein seltsam einseitiger Blick offenbar. Denn tatsächlich sind natürlich nicht bloß Leserkommentare auf Dauer "redundant". Ganz im Gegenteil: Fast der gesamte mediale Politikdiskurs, beinahe alles, worüber Politiker, Journalisten und Leser reden, ist nicht neu, sondern, "x-mal durchgekaut".
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48727/1.html

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/FAZ-schaltet-lieber-ab-Propaganda-Verachtung-und-Hass/forum-359079/comment/


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     schocolo, 07.07.2016 04:07

Das Missverständnis deutscher Journalisten zu ihrem Job schlechthin ist das die Bürger keine Belehrungen und Propaganda-Kampagnen von ihnen wünschen, sondern zunächst einmal sorgfältig recherchierte Nachrichten ohne den aufdringlichen persönlichen Odeur der Schreiber.

In den Foren, etwa der Süddeutschen, wurde, neben der allfällig desolaten Diskussionskultur, auch erheblicher Ärger über Kampagnenjournalismus, Voreingenommenheit und Belehrungswahn der Journalisten laut, was den selbstverliebten Schreibern wohl all zu sehr ans Ego ging.

Da zensiert man halt lieber, oder sperrt Lesermeinungen am besten gleich ganz aus, ein armseliges Berufsverständnis.

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     diekhus, Volker Bernhard, 07.07.2016 10:50

Re: Das Missverständnis deutscher Journalisten zu ihrem Job schlechthin ist....

Das finde ich ein wenig schwach und zuckersüss.
Die Journalisten sind , in der Regel jedenfalls, nicht so dumm , dass sie nicht begreifen würden was da läuft und was sie schreiben. Sie sind Teil einer medialen Kriegsmaschinerie. Die Sache ist viel schjlimmer, da zentral gesteuert. ... Ich kann Dir empfehlen das Buch von E.Bernay aus dem Jahre 1928 zu lesen. Die ersten zwei Seiten reichen schon und waren kürzlich hier im Forum zu lesen. Das Buch heisst "Propaganda" und die Dinge laufen hierzulande so, wie dort bereits vor knapp 100 Jahren beschrieben.

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     Sascha_L, 07.07.2016 11:48


Re: Verschwörungstheorien helfen auch nicht weiter

Also wenn man sich so ansieht, wie stark die Lügen koordiniert sind, ist es schon schwer, nicht zum "Verschwörungstheoretiker" zu werden.
http://libertarian.blogsport.de/2015/07/22/wieder-mal-ueber-die-luegenpresse/

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     schocolo, 07.07.2016 12:00

Re: Verschwörungstheorien helfen auch nicht weiter
sorry, aber leider auch nur wieder eine Verschwörungstheorie mehr.
Denn die Kritiker der Elche, sind doch meistens selber welche :-)



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     WurstMitSenf, 07.07.2016 11:59

Re: Das Missverständnis deutscher Journalisten zu ihrem Job schlechthin ist....

diekhus schrieb am 07.07.2016 10:50:

    Das finde ich ein wenig schwach und zuckersüss.
    Die Journalisten sind , in der Regel jedenfalls, nicht so dumm , dass sie nicht begreifen würden was da läuft und was sie schreiben. Sie sind Teil einer medialen Kriegsmaschinerie.
    ...
    Mit selbstverliebten Schreibern hat das nichts zu tun. Das ist , massiv beeinflusst von unseren "Freunden" jenseits des grossen Teiches, Teil zu Machterhalt und Machtausbau
    des US Imperiums.


Da mag was dran sein, es gibt viele Indizien dafür. Freilich ist es ganz banalerweise auch so, dass Moderation notwendig ist, sei es aus inhaltlich/qualitativen Gründen, sei es wegen der scharfen Forenhaftung die in Deutschland gilt. Und das kostet Geld. Geld was keiner bereit ist auszugeben ...

Kurzfristig gedacht, dumm gedacht, Leserverachtend? Ja. Aber sehr viel wahrscheinlich als dass da eine riesige Verschwörung läuft.
Oder es kommt beides zusammen, macht es nicht besser.

WmS


http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/FAZ-schaltet-lieber-ab-Propaganda-Verachtung-und-Hass/Das-Missverstaendnis-deutscher-Journalisten-zu-ihrem-Job-schlechthin-ist/posting-28866443/show/

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     KuMB, 07.07.2016 04:25

... Ein abschließendes Wort .... ;-)

"Herr Scholl-Latour …

… eines will ich noch sagen. Wir regen uns zu Recht über die NSA auf. Aber man musste schon sehr naiv sein, um nicht zu wissen, dass diese Überwachung stattfindet. Das größere Problem sind Fabriken der Desinformation, ob sie sich nun in North Carolina, London oder Israel befinden. Die zielen auf deutsche und europäische Medien. Und das klappt. Von der „taz“ bis zur „Welt“ – ein Unisono, was die Ukraine betrifft. Oder Syrien: Als man die Aufständischen als die Guten und die anderen als die Bösen dargestellt hat. Dabei waren weder die einen noch die anderen gut oder böse. Wir leben mit so vielen Lügen. Wenn es heißt, Indien sei die größte Demokratie der Welt. Ja, Scheiße! Das Kastensystem ist schlimmer, als das Apartheidsystem in Südafrika je gewesen ist. Indien ist das grauenhafteste Land der Welt."

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/interview-mit-peter-scholl-latour-scholl-latour-ueber-die-krise-in-der-ukraine-und-edward-snowden/9652136-2.html

Darum müssen Kommentare zensiert werden: Weil sonst die Manipulation nicht mehr funktioniert.

"27'000 PR-Berater polieren Image der USA - Ein Chefredaktor beklagt den immensen Einfluss des amerikanischen Verteidigungsminsteriums auf seine Journalisten. Jetzt ist ihm der Kragen geplatzt: Er enthüllt schier unglaubliche Fakten über die PR-Arbeit des Pentagons."
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/27000-PRBerater-polieren-Image-der-USA/story/20404513 (2.02.2009)

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/FAZ-schaltet-lieber-ab-Propaganda-Verachtung-und-Hass/Letzter-Ein-abschliessendes-Wort/posting-28866446/show/

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     hgeiss, 06.07.2016 14:58

Mit Onlineforen wurde ein demokratisches Tor aufgestossen

Ich war jahrzehntelang Leser der SZ und wenige Male wurden von mir auch gekürzte Leserbriefe abgedruckt, ansonsten hieß es immer in automatisierten Rückmeldungen – „man bedauere wegen der Vielzahl der Einsendungen.den Kommentar nicht berücksichtigen zu können (...) aber man könne versichert sein, dass die Redakteure ihn aufmerksam lesen und sich davon eventl. inhaltlich anregen lassen (oder so ähnlich).
Man akzeptierte das, denn man sah vor seinem geistigen Auge wäschkörbeweise Leserzuschriften, von denen kein Handvoll gekürzt in den edlen Forumsspalten Platz finden konnten. Mit dem Internet und den Onlineposts, die auch Pseudonyme akzeptieren, wurde ein gewaltiges demokratisches Tor aufgestossen, auch wenn dies das Troll-Unwesen (außerhalb der redaktionellen Beiträge, hier tummelten sich gekaufte Trolle schon lange) möglich machte und gelegentliche Beiträge stark vom Facebook-Gequatsche geprägt sind. Aber es ist schon ein beachtlicher Schritt, sich zu einem politischen Thema zu äußern, auch wenn man nicht gerade Professor der Rhetorik ist. Und die so arrogant und scheinheilig beklagten Wiederholungen? Nun könnte man sagen, wenn schon die propagandistischen Lügen in den redaktionellen Beiträgen ständig wiederholt werden, warum sollte es nicht auch Wiederholungen der „Wahrheit“ geben, wie sie ein einzelner Forent empfindet? Im Übrigen reagiert man ja auf einen vorausgegangenen Bericht und wird nur ausnahmsweise die manchmal hunderte von Wortmeldungen zuvor alle durchlesen. Wiederholungen sind unvermeidbar und es ist auch gar nichts Schlechtes daran, wenn tausendmal geschrieben wird:
- die Nato ist ein Angriffsbündnis,
- von der Globalisierung profitieren nur Geschäftemacher,
- wer mit Drohnen, Missiles, Bomben usw. Menschen ermordet, ist ein feiger Hund (ein Verbrecher sowieso)
- hinter neun von zehn Terroranschlägen stecken Geheimdienste,
- im Preis vieler Waren stecken 40 Prozent Schuldzinsen (der Hauptgrund für die Mär von der Notwendigkeit dauernden Wachstums)
- das Geldvermögen übersteigt die vorhandenen fassbaren Werte und Güter um das Fünfzigfache (?), so dass Banken und Börsen nur einen riesigen Luftballon aufblasen und längst wie die Religionen vom reinen Glauben leben und
- viele Medien betreiben systematisch Volksverdummung usw.
Die Liste an ziemlich plausiblen Wahrheiten könnte man noch bis Weihnachten fortsetzen und es ist nichts Schlechtes daran, sie immer zu wiederholen – oder wenn sie falsch sind, ihnen zu widersprechen.

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/FAZ-schaltet-lieber-ab-Propaganda-Verachtung-und-Hass/Mit-Onlineforen-wurde-ein-demokratisches-Tor-aufgestossen/posting-28863621/show/

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     cassiel, 06.07.2016 14:11

Diskussion wäre ohne Voltaire zu zitieren unvollständig:
"Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen." - Voltaire

So viel und nicht mal sehr viel weniger kann man offenbar von den Herausgebern der im Artikel genannten Zeitungen und Magazine für ihre Leser erwarten. Der Autor des Artikel hat schon sehr schön die Ausreden und Ausflüchte hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit zerpflückt.

Weitere Nachfragen erübrigen sich eigentlich, aber man hätte sie noch fragen können, warum sie sich angesichts des Voltaire-Mottos und ihrer Probleme mit einem freien Forum (vergleichbar hier) für das ultimative Mittel der Vollzensur entschieden haben und welche Alternativen sie wie geprüft haben, bevor sie dazu griffen und ob sie es sich mit dem Abschalten der Foren nicht zu einfach gemacht haben und wie sie glauben, dass es andere Zeitungen und Magazine wie eben heise mit newsticker und Telepolis oder der österreichische Standard es schaffen freie Foren zu betreiben und das seit Jahrzehnten.

Im Fall von Zeit online wäre die Zensurpraxis im Einzelfall zu hinterfragen. Hier im heise-Forum meckert das Forumlar nur wen man zu viel zitiert. Eine Notwendigkeit von Kürzungen besteht hier offensichtlich nicht. Das ist auch eine wichtige zentrale Eigenschaft eines Forums: die Authentizität der Beiträge. Wenn mir jemand in meinen Kommentaren herumpfuscht, dann hab ich schnell die Schere im Kopf bzw. muss immer Zensur und Entstellung dessen was ich schreibe befürchten. Das gleiche Problem wie bei Wikipedia.
Die Benutzbarkeit und Leserfreundlichkeit wäre auch zu problematisieren gewesen.
Aber es ist natürlich ein Problem, wenn man nicht nur nicht schreiben kann was man will, sondern wenn man fragen kann was man will, aber keine Antwort bekommt.

Bleibt wieder nur mein Fazit: warum sollte ich eine Zeitung/Magazin lesen, kaufen, abonnieren, verlinken, zitieren, empfehlen deren Machern meine Meinung am Arsch vorbei geht? Mein Bauchgefühl hatte einmal mehr Recht in den vergangenen Jahrzehnten keine signifikanten Mengen an Zeit und Geld an diese zu verschwenden. Ich gebe zu ich habe einmal die ZEIT während meines Studiums abonniert. Das möge man mir als Jugendsünde verzeihen. Am Ende war es ein Haufen Altpapier.

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/FAZ-schaltet-lieber-ab-Propaganda-Verachtung-und-Hass/Diskussion-waere-ohne-Voltaire-zu-zitieren-unvollstaendig/posting-28863282/show/

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #42 on: July 07, 2016, 02:12:24 PM »
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[...] Judith Miller, Starreporterin der "New York Times", veröffentlichte Bericht um Bericht über angebliche Belege für Massenvernichtungswaffen im Irak. Zwischen August 2002 und dem Kriegsbeginn am 19. März 2003 platzierte die "Washington Post" auf ihrer Titelseite nicht weniger als 140 Artikel mit Argumenten der Bush-Regierung für einen Einmarsch im Zweistromland. Nach dem berüchtigten Auftritt von Außenminister Colin Powell vor den Vereinten Nationen schrieb "Post"-Kolumnist Richard Cohen, nur Scharlatane - oder Franzosen - könnten nun noch an den Beweisen für die Bedrohung durch den Irak zweifeln. Die wenigen Autoren, die dies dennoch wagten, wurden auf hintere Seiten verbannt. Derlei Kriegstrommelei, für die sich US-Leitmedien wie die "New York Times" öffentlich entschuldigen mussten, erschütterte das Ansehen eines ganzen Berufsstands. ...


Aus: " Medien im Irak-Krieg: Die Wahrheit starb zuerst" Gregor Peter Schmitz, Washington (19.03.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/der-niedergang-der-us-medien-begann-mit-dem-irak-krieg-a-889203.html

"Forum: Politik Medien im Irak-Krieg: Die Wahrheit starb zuerst"
Mit der Irak-Invasion wurden viele amerikanische Journalisten zu unkritischen Kriegstrommlern. Das beschleunigte den Niedergang der US-Medien. Der Krieg verhalf Online-Medien und Bloggern zum Durchbruch - etablierte Marken verlieren seither an Wirtschaftskraft und Einfluss. ...
http://www.spiegel.de/forum/politik/medien-im-irak-krieg-die-wahrheit-starb-zuerst-thread-85763-1.html


"Das SPON-Forum: So wollen wir debattieren" (Stand 07/2016)
Wir wollen ein offenes, freundschaftliches und respektvolles Diskussionsklima - bitte achten Sie darauf, dass in den Debatten ein fairer und sachlicher Ton herrscht und Beiträge stets eng mit dem Thema der Diskussion zu tun haben. ...
http://www.spiegel.de/extra/spon-forum-so-wollen-wir-debattieren-a-1032920.html


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Re: medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #43 on: July 07, 2016, 03:16:41 PM »
"ARD-Magazin Fakt und das Schattenfechten gegen den Kreml" Katrin McClean (05.07.2016)
Nach der faktenlosen Sendung über den Kriegsreporter Mark Bartalmai ("Fakt" ohne Fakten gegen Mark Bartalmai) hat das Nachrichtenmagazin "Fakt" nun nochmal den ganz großen Angriff gestartet und versucht, den Propaganda-Krieg nachzuweisen, mit dem der Kreml die Gehirne der europäischen Zuschauer waschen will. In der Sendung vom 4. Juli 2016 - "Spiel im Schatten. Putins unerklärter Krieg gegen den Westen" - wird dabei von einem Schattenkrieg gesprochen, und mir stellt sich schon das erste Rätsel, nämlich wie Propaganda, die ja eigentlich vor allem über eine breite Öffentlichkeit funktioniert, wie sie etwa ARD und ZDF genießen, im Schatten wirksam werden soll. Fakt hat dazu vermeintliche Beweispunkte gesammelt, die ich hier der Reihe nach prüfen möchte. ... [...] ...
... Und was den Vorwurf an Einseitigkeit angeht. Bei der Berichterstattung über Bürgerkriegsländer wäre es Sache eines guten und objektiven Nachrichtenmagazins, sich die Meldungen aller Seiten kritisch anzuschauen und zu einer ausgewogenen Berichterstattung zu finden.
Doch wieder einmal hat Fakt sich selbst der Einseitigkeit überführt: Die Nachrichten auf prowestlicher Seite werden per se als objektiv hingestellt. Darstellungen aus prorussischer Sicht sind samt und sonders Propaganda. Womit der gemachte Vorwurf ein weiteres Mal auf die Sendung selbst zurückfällt.
Zusatz in eigener Sache: Hiermit erkläre ich eidesstattlich, dass ich weder vom Kreml bezahlt werde, noch sonst irgendwelche Verbindungen nach Russland unterhalte. Ich möchte einfach gern in Frieden leben und für diesen Wunsch habe ich seit meiner frühesten Kindheit keine Anregung von außen benötigt.
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48739/1.html

Quote
     schtonie, 05.07.2016 15:36

Ich frage mich wann man seitens des öffentlichen Rundfunks anfängt, das eigene Verhalten an die spätestens seit 2014 unübersehbare Realität anzupassen.

ARD und ZDF haben seit der Ukraineberichterstattung einen Shitstorm sowie PR Entlarvung nach der anderen über sich ergehen lassen müssen, geben sich aber bei erneuten Versuchen der Interessenberichterstattung nicht einmal Mühe, diese wenigstens halbwegs schlüssig zu gestalten.

Da muss ich grad an Sigourney Weaver in AVATAR denken...

"Die pissen auf uns und sind nichtmal mehr so höflich, uns das als Regen zu verkaufen..."

;-)

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/ARD-Magazin-Fakt-und-das-Schattenfechten-gegen-den-Kreml/Ich-frage-mich/posting-28857215/show/

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     Eymontop, 05.07.2016 16:31

Die Propaganda von "Fakt" und des ÖR ist bei Naiven sehr erfolgreich

Siehe hier: Im Forum schreiben viele mit, die jeden, der die Kriegsbemühungen und umfangreichen Waffenlieferungen der USA kritisch sieht, sofort als Putin-Versteher und Russen-Troll abtun. Das Jemand nur eigenständig denkt und deswegen anderer Meinung ist, ist für solche Leute absolut unvorstellbar.

So argumentieren im Grunde nur waschechte Diktaturen: Jeder, der die seeligmachende Politik "der Guten" aus den USA und EU nicht gut heißt, ist automatisch ein "feindlicher Agent" oder "Putin-Versteher". Denn nur "die Bösen" aus den Reichen der Bösen Russen können gegen das Westliche Werte-Paradies "der Guten Amerikaner" sein!

So ein Schwachsinn kommt heute tatsächlich noch an! Ich hätte es selbst vor 10 Jahren nie für möglich gehalten, da ich gedacht habe, das die Menschheit sich weiter entwickelt hat und die Barbarei endgültig hinter sich gelassen hat. Was für ein grausamer Irrtum.

Diese "Kommentatoren", hier oft gut zu beobachten, sind meist dermaßen verblödet, das sie überhaupt nicht merken, wie lächerlich unlogisch ihre Behauptungen sind.

So das diese dann pausenlos wiederholt werden, wie ein Beschwörungs-Mantra. So etwa "Die Annexion der Krim durch Russland". Ein Propaganda-Märchen für den, der die Tatsachen kennt. Aber wenn man es oft genug wiederholt - so der Glaube - wird aus einem Märchen irgendwann dann plötzlich die Wahrheit.

mfg


http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/ARD-Magazin-Fakt-und-das-Schattenfechten-gegen-den-Kreml/Die-Propaganda-von-Fakt-und-des-OeR-ist-bei-Naiven-sehr-erfolgreich/posting-28857720/show/

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     Alex Kilgour, 05.07.2016 18:07

Das grosse Ganze ...

Natürlich gibt es einen Propagandakrieg von beiden Seiten.

Denn weder Russen noch Amerikaner wären so dumm es nicht zu tun. Dafür ist Deutschland zu wichtig im "Great Game" ( https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game) europäischer Ausprägung.

Deutschland wichtig ?

Ja. Man braucht sich nur zu überlegen, was passieren würde, wenn sich Deutschland von den USA abwendet und Russland zuwendet. Russland Resourcen in Verbindung mit deutscher Technologie - dazu käme das Aufsprengen der amerikanischen Containment Politik (https://de.wikipedia.org/wiki/Containment-Politik) und in der Folge die Kastrierung der Nato.

Davor haben nicht nur die Amerikaner Angst, sondern auch viele europäische Nachbarn.

Es gab Zeiten vor 1914, da waren Deutschland und Russland sehr eng verbunden. U.a. Deutsche haben sehr viel dazu beigetragen, dass sich Russland im 17. bis 19. Jahrhundert rasch entwickeln konnte. (https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Russlanddeutschen)

Und trotz 1. und 2. Weltkrieg gibt es immer noch sowohl in Deutschland als auch in Russland gegenseitige Bewunderer.

Die Amerikaner versuchen die Annäherung Deutschland an Russland mit ihrer Propaganda zu verhindern - die Russen wollen Deutschland mit Ihrer Propagaqnda zumindestens neutralisieren.

Ich habe daher keinen Zweifel, das von Russland auch deutsche Journalisten unterstützt oder benutzt werden - genauso wie deutsche Journalisten auch von den USA unterstützt und benutzt werden.

Unterstützung kann auf vielfältige Weisen passieren (Geld, Zugang zu informationen, wichtigen Orten und Personen, ...). Die Annahme von Vergünstigungen muss dabei noch nicht einmal strafbar sein.

Eine Hand wäscht die Andere - und trotzdem bleiben so viele Hände schmutzig (Heinz Erhardt)

Ob dies auf die von Fakt genannten Journalisten (oder auf die Autorin dieses Artikels) zutrifft? Dass wissen wir nicht ! Da gibt es auch nichts gerichtlich Verwertbares. Also erstmal im Zweifel für die Angklagten.

Der Mangel an investigativem Journalismus ist für mich ein Zeichen, dass zu viele Journalisten ihre Fahne nach dem Wind hängen und als 4. Kraft im Staate versagen.

Also immer daran denken:
Staaten haben Interessen, aber keine Freunde (Charles de Gaulle).

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/ARD-Magazin-Fakt-und-das-Schattenfechten-gegen-den-Kreml/Das-grosse-Ganze/posting-28858457/show/

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     jor-hell, 05.07.2016 21:56

Das ARD-Magazin Fakt als Beispiel von Qualitätsjournalismus

Wie sieht deutscher Qualitätsjounalismus heute aus? Fakt zeigt es. Gnadenloses Einprügeln auf Putin. Eine dunkle Schattengestalt, einige finstere Putin Handlanger, die Informationskrieger, die Eroberungsgelüste Russlands. Dazu die einäugige Golineh Ata die ebenso wie die grüne Rebecca Harms unfähig zu einer neutralen Analyse ist.

Ich habe mir die ganze Sendung angeschaut und ich finde der Begriff tendenziöse Lügenpresse ist hier ganz einfach noch untertreibend.

Kriegsgeheul und Säbelrasseln. Fakt sollte sich mal mit Herrn Steinmeier unterhalten. Aber da greife die wohl lieber auf Herrn Hans-Georg Maaßen zurück. Der Verfassungsschutzpräsident wusste zwar nichts über die NSU, weiss aber alles über russische Propaganda. Vermeintliche Beweispunkte, dunkle Andeutungen sind sein Metier, genau wie bei Fakt auch.

     jor-hell


http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/ARD-Magazin-Fakt-und-das-Schattenfechten-gegen-den-Kreml/Das-ARD-Magazin-Fakt-als-Beispiel-von-Qualitaetsjournalismus/posting-28859527/show/

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     Architekt71, 05.07.2016 22:06

paar Links als Überzeugungshilfe

von Snowden geleakte Dokumente belegen: westliche Geheimdienste manipulieren öffentliche Meinung professionell im großen Stil:
https://theintercept.com/2014/02/24/jtrig-manipulation/

27'000 PR-Berater polieren Image der USA:
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/27000-PRBerater-polieren-Image-der-USA/story/20404513

Britischer Geheimdienst GCHQ plant Rufmord im Netz:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/britischer-geheimdienst-gchq-plant-rufmord-im-netz-12819527.html

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     Strammski, 05.07.2016 23:17

Re: paar Links als Überzeugungshilfe

immer wieder sehenswert
Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ - Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements
https://www.youtube.com/watch?v=Rx5SZrOsb6M



http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/ARD-Magazin-Fakt-und-das-Schattenfechten-gegen-den-Kreml/paar-Links-als-Ueberzeugungshilfe/posting-28859576/show/


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« Reply #44 on: July 07, 2016, 03:22:44 PM »
"Fakten über verborgene Krieger gegen die EU" Wolle Ing (05.07.2016)
Propagandakrieg Über die wirklichen Informationskrieger - über Ursachen, Profiteure und möglichen Folgen - zur Rolle von Teilen der Medien.
Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Wolle Ing

https://www.freitag.de/autoren/wolle-ing/fakten-ueber-verborgene-krieger-gegen-die-eu

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Magda 05.07.2016 | 17:21
Ich fand die Sendung auch unter aller Kanone. Dieser Dr. Meister predigte herunter von seinem think tank mit schiefem Kopf wie eine Legehenne der Aufklärung.
Mir gefallen manche RT-Sendungen nicht und die Allianz mit Leuten wie Jürgen Elsässer auch nicht. Aber, was da umhergeraunt wurde, war wirklich wenig aufklärend.
Meine private These ist ja eher: Die Fronten gegen Putin sind im Aufweichen. Da muss mal noch ne Ladung Gegenpropaganda her.


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[...] In Großbritannien sind angesichts der massiven Kritik an Jeremy Corbyn nach Angaben der Tageszeitung The Independent in nur einer Woche mehr als 60.000 Menschen in die Labour-Partei eingetreten. Es handele sich um die größte Eintrittswelle in so kurzer Zeit in der Geschichte der britischen Parteienlandschaft, schreibt das Blatt. Mit den Masseneintritten stellt sich die Labour-Basis damit offenbar eindrucksvoll gegen den Versuch des rechten Partei-Establishments, den linksgerichteten Corbyn nach dem Brexit-Votum zu stürzen und durch Pro-EU-Kräfte zu ersetzen. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass Corbyn-Kritiker ein Parteibuch beantragen, um die Gegner des Parteivorsitzenden zu stärken.

The Independent schätzt jedoch, dass mehr als die Hälfte der Parteineulinge zu Unterstützern der linken, EU-kritischen Corbyn-Linie zählen. Der Masseneintritt in die sozialdemokratische Labour-Partei würde damit die Kluft zwischen der Parteibasis und der Funktionärsebene zeigen. Denn während die Briten massenhaft ein Labour-Parteibuch beantragen, hat sich ein großer Teil des Schattenkabinetts von Corbyn zurückgezogen. Die designierten Ministerinnen und Minister protestierten damit gegen Corbyns angeblich zu wenig akzentuierte Haltung gegen einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Drei Viertel der Labour-Abgeordneten sprachen dem Parteichef zudem ihr Misstrauen aus. Sie lagen damit auf einer Linie mit dem scheidenden konservativen Premierminister David Cameron, der den Labour-Chef im Abgeordnetenhaus mit harschen Worten zum Rücktritt aufrief: "Um Himmels Willen, gehen Sie endlich, Mann!"

Corbyn weist bislang alle Rücktrittsforderungen zurück. Er war erst im September von der Parteibasis in einer Urwahl zum Labour-Chef bestimmt worden. Gut 60 Prozent hatten sich damals für den Linken ausgesprochen. Jetzt wegen ein paar Dutzend Abgeordneter zu gehen, lehnt Corbyn ab.

Während in der deutschen Presse von dem Widerstand aus dem rechten Labour-Flügel in der deutschen Presse breit berichtet wurde, war von der Eintrittswelle hierzulande bislang nichts zu erfahren.

Mit den Eintritten in Labour steigt die Mitgliederzahl auf rund 450.000. Das sind deutlich mehr Mitglieder als zum bisherigen Höhepunkt unter Anthony Blair, als die Partei Ende der 1990er Jahre 405.000 Mitglieder verzeichnete. ...

... Nach Angaben des "Independent" wurden 20.000 der neuen Labour-Mitglieder bereits überprüft. Man gehe davon aus, schreibt das Blatt, dass mindestens die Hälfte der Parteineulinge ausdrücklich Corbyn und dessen "historische Wende" unterstützen wollen. Es sei aber auch denkbar, dass tausende Neumitglieder sich gegen den linken Labour-Chef wenden. Die "Wirtschaftsministerin" im Schattenkabinett von Corbyn, Angela Eagle, führt derzeit eine Kampagne gegen den Parteivorsitzenden, dessen Nachfolge sie antreten will.

Indes haben 240 Stadträte einen offenen Brief zur Unterstützung von Corbyn veröffentlicht. Die Initiative folgte unmittelbar auf das Misstrauensvotum in der Fraktion, bei dem nur 40 Mitglieder dem Vorsitzenden ihr Vertrauen ausgesprochen hatten.

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     albibi, 05.07.2016 12:47

Fehl- und Miss- und Nichtberichterstattung deutscher Leitmedien

Wer sich noch ernsthaft über die Fehl- und Miss- und Nichtberichterstattung deutscher Leitmedien wundert - oder noch ernsthaft daran zweifelt - , dem sei dieser sehr fundierte und überzeugende Beitrag von Herrn Goeßmann empfohlen:

https://youtu.be/MsJlNeJZkP4

"Die Leitmedien als Sprachrohr der politisch und wirtschaftlich Mächtigen

Vom Afghanistankrieg über die Griechenlandkrise bis zum Klimaschutz: Der Medienkritiker David Goeßmann, Gründer von Kontext-TV, erläutert, wie deutsche Leitmedien die Realität systematisch filtern und die Ereignisse ideologisch rahmen. Anstatt Macht und Mächtige zu überwachen, fungieren die Mainstreammedien als Gatekeeper der Eliten. Das Ergebnis ist eine blockierte Demokratie.

Moderne Massenmedien, so Edward Herman und Noam Chomsky in ihrem Standardwerk „Manufacturing Consent“, tendieren aufgrund institutioneller Filter dazu, Zustimmung zum politischen Kurs der Eliten herzustellen. David Goeßmann liefert eine Reihe von Belegen, wie auch deutscher Journalismus gemäß den Erwartungen des Propaganda-Modells funktioniert. Wenn sich die politischen und ökonomischen Eliten über einen Kurs verständigt haben, filtern die Medien unliebsame Tatsachen aus. Die Bedürfnisse und Interessen der Bevölkerungsmehrheit kommen dabei unter die Räder.

Referent: David Goeßmann, Journalist, Gründer des Fernsehmagazins kontext-tv.de



Aus: "Über 60.000 Eintritte in die Labour-Partei binnen einer Woche" Harald Neuber (05.07.2016)
Quelle: http://www.heise.de/tp/news/Ueber-60-000-Eintritte-in-die-Labour-Partei-binnen-einer-Woche-3254387.html

« Last Edit: July 07, 2016, 03:33:05 PM by Link »

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« Reply #45 on: July 13, 2016, 05:48:28 PM »
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[...] Das russische Nachrichtenportal betreibt ziemlich plumpe Meinungsmanipulation ... Wie Medien Meinungen zu formen versuchen, zeigen exemplarisch die Umfragen des staatlichen russischen Nachrichtenportals Sputnik, das 2014 aus dem Zusammenschluss der Nachrichtenagentur RIA Novosti und des Auslandsrundfunks Stimme Russlands gebildet wurde. Ähnlich wie der Auslandssender Russia Today versucht Sputnik die russische Sicht der Dinge in die Welt zu transportieren, wie das auch westliche Sender und Nachrichtenportale machen. Nur hat man den Eindruck, die Propaganda ist etwas dicker aufgetragen. Geangelt werden denn auch gerne heimische – sendungsbewusste oder eitle - Kommentatoren, die sich instrumentalisieren lassen, möglicherweise weil sie hier ein größeres Forum als in anderen Medien finden. ... es scheint so zu sein, dass gerne diejenigen, die laut von "Lügenpresse" tönen, gegenüber russischen Medien, die sich als alternativ ausgeben, Scheuklappen aufsetzen. Zudem wird man hier mit den eigenen Meinungen bedient. Und das kann ja nur stimmen, wenn man auf Volkes Seite steht. ...

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     znirp44, 13.07.2016 13:42

Wann beschwert sich H. Rötzer über RFE/RL

Einen solchen Artikel über Radio Free Europe, Radio Liberty oder Radio Free Asia möchte ich dann aber auch lesen. Gegründet und finanziert von amerikanischen Regierungsorganisationen, Geheimdiensten und ausgestrahlt in den jeweiligen Landessprachen der Zielländer. Also Herr Rötzer, frisch ans Werk!

Man stelle sich mal vor, in Russland würde ein "Russian Committee for the Liberation of the Peoples of the USA" oder "Russian Committee for Liberation from Capitalism" entsprechende programme entwickeln und dies über Radiosender verbreiten, die vom FSB oder GRU finanziert werden. Die würden Putin doch sofort alle für verrückt erklären und ihm unterstellen, dass er den Dritten WK provozieren und die Weltherrschaft erringen will.


...


Aus: "Europäer bangen um Arbeitsplätze wegen Einwanderer" Florian Rötzer (13.07.2016)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/48/48813/1.html

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"Verifizieren braucht Zeit – Soziale Medien oft schneller als das Fernsehen" (20.07.2016)
Wenn es um Schnelligkeit geht, können Fernsehsender mit sozialen Medien kaum mithalten. Gerade wenn dort live Videos von Ereignissen wie dem Putschversuch in der Türkei zu sehen sind, sind Facebook und Twitter dem Fernsehen oft voraus. "Die sozialen Medien sind natürlicher schneller. Auch CNN kann nicht mit Facebook Live mithalten", sagte der Kommunikationswissenschaftler Julius Reimer vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg. ... Medienforscher Reimer sieht hier ebenfalls ein Problem: In sozialen Netzwerken verbreiteten sich eben auch Gerüchte genauso schnell wie Fakten. Das gelte auch für falsche Videobilder. Medien könnten in Fällen wie dem Putschversuch in der Türkei realistischerweise nicht sofort am Ort des Geschehens sein. Fernsehsender, auch ARD und ZDF, hätten nicht die Ressourcen, innerhalb von Minuten auf solche Ereignisse zu reagieren. Anders als die sozialen Medien müssten die Redaktionen Informationen und Videomaterial erst sichten, verifizieren und einordnen, sagte Reimer. "Mehr zu bringen als nur die Bilder, braucht etwas Zeit." ... Bei Handy-Videos etwa nach Terroranschlägen überprüfe eine Verifikationseinheit, ob das Material authentisch ist, sagte Gniffke. "Bleiben Zweifel an der Echtheit, machen wir das im Nachrichtentext deutlich oder verzichten auf das Material." Bei live gestreamten Videos gebe es aber nur die Entscheidung: senden oder nicht. "Streng genommen können wir gar nichts live übernehmen." ... Kommunikationswissenschaftler Julius Reimer weist auch darauf hin, dass ARD und ZDF nach seiner Einschätzung nicht den Auftrag für ein komplettes 24-Stunden-Newsangebot haben: "Das ist eine Frage, um die sich die Politik Gedanken machen muss – ob der Auftrag entsprechend ausgeweitet werden soll."...
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Verifizieren-braucht-Zeit-Soziale-Medien-oft-schneller-als-das-Fernsehen-3272933.html

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     Struppi1, 20.07.2016 11:20

Notwendigkeit?

Ist es wirklich notwendig, dass weltweit Meldungen unmittelbar verbreitet werden?

Ich vermisse eher Aufarbeitung und Vertiefung, bzw. auch Berichte über Konsequenzen nach Ereignissen.

Das Phoenix am nächsten morgen erst um neun berichtet hat finde ich nicht weiter störend. Ich konnte auch ohne das Wissen über den Putsch ind er Türkei gut schlafen und werde demnächst mal einen ausführlichen Bericht darüber lesen. Es bringt aber kaum Erkenntnisgewinne ständig jede Stunde die mehr oder weniger gleichen Meldungen in Nachrichten vorgetragen zu bekommen.

Wer hat eigentlich dieses Bedürfnis aufgebaut? Ich habe es nicht und ich erwarte es auch nicht.

Schlimmer finde ich es z.b., dass seit Wochen keine Berichte mehr über den Putsch in Brasilien gibt.

http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Verifizieren-braucht-Zeit-Soziale-Medien-oft-schneller-als-das-Fernsehen/Notwendigkeit/posting-28929599/show/

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« Last Edit: July 20, 2016, 11:37:45 AM by Link »

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« Reply #46 on: July 25, 2016, 02:01:50 PM »
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[...] Kommt der Journalismus beim Thema Flüchtlingspolitik seiner demokratischen Aufgabe nach? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts, das derzeit an der Hamburg Media School durchgeführt und von der Otto Brenner Stiftung der IG Metall gefördert wird. Auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche stellte der Projektleiter Michael Haller Anfang Juli erste Ergebnisse der Inhaltsanalyse vor.

Insgesamt wurden rund 34.000 Presseberichte aus den Jahren 2009 bis 2015 auf ihre Aussagetendenz hin untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: 82% der Berichte vermittelten ein positives Bild von der "Willkommenskultur", 12% fielen neutral aus und nur 6% der Artikel übten Kritik. Für das Jahr 2015 konstatiert das Hamburger Forscherteam eine abrupte Änderung der Tonlage: Bis zum August wurde die "Pro-Euphorie" in der Presse als gesellschaftlicher Konsens ausgegeben, nach Angela Merkels einsamer Entscheidung für eine Grenzöffnung nahm der Dissens über die unkontrollierte Zuwanderung mehr und mehr Raum ein. Doch auch in dieser Phase kam der Journalismus seiner demokratischen Aufgabe, Distanz gegenüber den Regierenden zu wahren, nicht nach, sondern stellte sich in den Dienst der regierungsamtlichen Flüchtlingspolitik. Die Kritiker wurden nun nicht mehr marginalisiert, sondern als "rechtsnational affiziert" verunglimpft, so Haller.

... Die Journalisten haben von ihren kritischen Lesern gelernt. Doch es genügt ein neues, unerwartetes Großereignis und die alten Besserwisser-Reflexe greifen wieder. Ein Beispiel hierfür ist die Berichterstattung über das EU-Referendum in Großbritannien. Der NDR-Redakteurin Anja Reschke kamen in Hamburg Zweifel, ob es richtig gewesen sei, dass sich die deutschen Medien "sehr stark auf die Seite der Brexit-Gegner" geschlagen haben. Wie kann man nur so dumm sein, für den Austritt aus der Europäischen Union zu stimmen? - fragte der Chor der Kommentatoren (Frau Reschke eingeschlossen).

Dabei ist das gar nicht so schwer zu verstehen: Die Briten haben mehrheitlich für den Brexit gestimmt, weil sie die Europäische Union, so wie sie heute real existiert, nicht mehr wollen. Dafür gibt es leicht nachvollziehbare Gründe, wie zum Beispiel die Allgegenwart der Wirtschaftslobby in den Arbeitsgruppen der EU-Kommission. Ein anderer Grund ist die Anmaßung der Deutschen, als größter Nettozahler der EU allein darüber befinden zu wollen, was unter europäischen Werten und europäischer Solidarität zu verstehen ist. Man mag diese Gründe für falsch halten - dumm sind sie nicht.

... Vor allem die Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erweckten den Eindruck, als könnten sie Aufmunterung gebrauchen. So lange sich die Unterschicht mit Unterschichtsfernsehen zufrieden gab, so lange die Zuschauer stumm vor der Glotze saßen, um sich von Volksmusik und Kai Pflaume, von wochenlangen Biathlon-Übertragungen und dem nie enden wollenden "Sturm der Liebe" narkotisieren zu lassen, war die Welt der Programmmacher noch in Ordnung. Erst seitdem die guten alten Zeiten der Postdemokratie ihrem Ende entgegen gehen und die scheinbar Minderbemittelten ihren Mund aufmachen und "laut schreien" (Karola Wille), macht sich in den Funkhäusern "Die große Verunsicherung" breit - so der Titel einer Hamburger Diskussionsrunde.

Seitdem werden keine Kosten und Mühen gescheut, um diejenigen, die "Lügenpresse" rufen, als Lügenpublikum zu entlarven. Regelmäßig schwärmen Reporterteams aus, um auf Pegida-Demonstrationen oder AfD-Veranstaltungen möglichst kompromittierende O-Töne einzufangen. Die werden dann in Panorama-Beiträgen, in Einspielfilmen der Anne Will-Sendung oder Klamauk-Reportagen der "heute-show" zur Gaudi der Guten und Klugen versendet. Ist es wirklich verwunderlich, wenn sich die so Bloßgestellten verarscht fühlen und rabiat werden?

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Versuch, die Handgreiflichkeiten gegenüber Fernsehteams zu verstehen, heißt nicht, sie zu rechtfertigen. Dasselbe gilt für die zahllosen Hassmails, die darauf abzielen, ihre Adressaten mit Morddrohungen (vorzugsweise bei männlichen Pressevertretern) oder Vergewaltigungsphantasien (ausschließlich bei weiblichen Pressevertretern) einzuschüchtern. Das Vorlesen von Verbalinjurien ist in letzter Zeit zu einem Programmpunkt geworden, der auf keiner Medienveranstaltung fehlen darf. Auch beim Netzwerk Recherche diskutierte man über "Lob, Hass und Hetze - Wie Betroffene das Netz erleben".

Interessant an der Veranstaltung war vor allem das erste Wort ihres Titels: Lob. Denn ansonsten erwecken Vertreter der etablierten Medien gerne den Eindruck, als sei das Netz nicht viel mehr als eine Meinungskloake, in der "Hetzer" ihr "präreflexives Geraune" (Joachim Knuth) ausscheiden. In Hamburg konnte man erfahren, wie viel positives Feedback die Journalisten via Facebook, Twitter und YouTube bekommen. "Zwei Drittel der Leute fanden das super", berichtete Anja Reschke über die Resonanz auf ihren viel beachteten Tagesthemen-Kommentar vom 5. August 2015, der ihr eben nicht nur Beschimpfungen wie "Asylhure", sondern auch Tausende neuer Fans und Follower eingebracht hat.

Man könnte beides - die Hassmails ebenso wie die Fanpost - als Begleiterscheinungen der gnadenlosen Personalisierung ansehen, die sich in der politischen Fernsehberichterstattung ausbreitet. Nur einige wenige Spitzenpolitiker erscheinen heute noch häufiger auf dem Bildschirm als die Berichterstatter selber. Egal, um welches Thema es geht, stets bekommt der Zuschauer vor Augen geführt, wie der Reporter ins Smartphone spricht oder in den Laptop starrt, wie er mit dem Mikro in der Hand durch die Fußgängerzone irrt oder an verschlossenen Werktoren rüttelt.

Damit das Publikum die Recherchen einordnen kann, werden Talkrunden veranstaltet, in denen Journalisten Journalisten befragen. Und um die Einschaltquoten zu erhöhen, lässt man die Moderatorinnen solcher Sendungen als Pin-up-Girls auf Werbeplakaten und Webseiten auftreten. Historiker werden hoffentlich irgendwann einmal herausfinden, wie diese Selbstdarstellungsobsession zum Inbegriff publizistischer Professionalität, wie der Selfie-Journalismus zur Königsdisziplin des Geschichtenerzählens in den Medien werden konnte.

... Auch die etablierten Medien betreiben Empörungsbewirtschaftung, wenn sie Schmuddelzitate in Umlauf bringen, nur um die Auflage, die Einschaltquote oder die Klickrate in die Höhe zu treiben.

Die Strategie der Entlarvung durch vermeintlich oder tatsächlich empörende Zitate hat noch eine andere Schattenseite. Sie ist nicht nur scheinheilig, sie ist auch kontraproduktiv. Die Leute werden nicht abgeschreckt, sondern wählen erst Recht AfD. Wie dieses Phänomen zu erklären ist, darüber wurde in Hamburg viel gerätselt. Der gängigste Erklärungsversuch lautete: Die AfD-Wähler von heute waren schon immer tendenziell neonazistisch, rassistisch, antisemitisch etc. - nur sei das früher kaum aufgefallen, weil es noch keine sozialen Medien gab.

Armin Wolf mochte sich mit dieser Erklärung nicht zufriedengeben: Mit offenem Rassismus oder offenem Antisemitismus erreiche man allenfalls eine Minderheit von vielleicht 5% der Wähler, meinte der ORF-Moderator. In Österreich lägen die Rechtspopulisten aber mittlerweile bei 25 bis 35%. Das liege vor allem an ihrer Grundbotschaft: "Wir sind die einzigen, die euch verstehen." Richtig sei, dass nicht einmal die Sozialdemokratie die weit verbreiteten Abstiegsängste in der Bevölkerung wirklich ernst nehme. Allein die Rechtspartei erkenne an, dass sich die Einheimischen wegen der Konkurrenz durch die Zuwanderer auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt Sorgen machten.

Wenn Journalisten dem FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache seine antisemitischen Anspielungen vorhielten, dann sagten die Leute: "Das ist uns wurscht. Wichtiger ist: Der versteht uns." Die Wut auf die etablierten Parteien sei mittlerweile so groß, dass viele Bürger durch einen "rationalen politischen Diskurs" gar nicht mehr erreichbar seien, so Wolf.

Doch ist der politische Diskurs der Anti-Populisten tatsächlich so rational? Wenn Journalisten "Haltung zeigen" - wie es auf der Netzwerk Recherche-Tagung unablässig gefordert wurde - dann läuft das in der Praxis oft nicht auf das Widerlegen von Argumenten, sondern auf das Etikettieren von Personen hinaus. Bestes Beispiel hierfür waren die Redebeiträge von Jakob Augstein: "unheimlich bescheuert...die ist doof" (so Augstein über Beatrix von Storch), "unanständig" (über Frauke Petry), "geistesgestört ... verrottet" (über die ethischen Maßstäbe mancher Journalisten), "bizarr...völkisch...eklig" (über einen Autor der Zeitschrift Cicero).

Mit seinem Hang zur Pöbelei erntete der Spiegel-Kolumnist und Hauptdarsteller einer Politsendung auf Phoenix bei den Kollegen in Hamburg viele Lacher. Augstein ist eben lustiger als der durchschnittliche Tagesthemen-Kommentator, der sich brav an die branchenüblichen Standardfloskeln hält. "Klare Kante gegen rechte Rattenfänger" ist so eine Phrase, die sich unter deutschen Journalisten viral verbreitet hat und die jeden Bürger in eine Ratte verwandelt, der die Masseneinwanderung vor allem junger Männer aus dem muslimischen Raum ablehnt.

Womöglich hatte Alexander Gauland (AfD) diese Art von journalistischem Diskurs im Sinn, als er Anja Reschke (ARD) gegenüber einmal meinte: "WIR müssen doch gar nichts machen - SIE machen doch alles für uns".

Wohin die Entfremdung zwischen der Medienelite und dem gemeinen Volk führen könnte, zeigt das Beispiel Österreich. Armin Wolf berichtete in Hamburg, dass die FPÖ mittlerweile über ihren eigenen Fernsehkanal auf YouTube und über die Facebook-Seite von Parteichef Strache einen erheblichen Teil der Wählerschaft erreicht. "Die sind irgendwann gar nicht mehr auf uns angewiesen", sagte der österreichische Journalist voraus und fügte hinzu, viele seiner Landsleute konsumierten heute schon keine etablierten Medien mehr. Wie schwierig die demokratische Willensbildung, wie aussichtslos die Suche nach politischen Kompromissen wird, wenn die Öffentlichkeit in mediale Parallelwelten zerfällt, lässt sich derzeit auch am Beispiel der USA beobachten.

... Die verkaufte Auflage der Bild-Zeitung ist von knapp 4,3 Mio. Exemplaren im Jahr 2000 auf unter 2 Mio. im Jahr 2015 zurückgegangen. Wenn dieser Trend anhält, wird spätestens im Jahr 2029 die letzte Papierausgabe der Boulevardzeitung verkauft. Der Spiegel erscheint vielleicht noch eine Weile länger - aber auch für ihn sind die Aussichten düster: Die verkaufte Auflage des größten deutschen Nachrichtenmagazins ist im 1. Quartal 2016 um 10% gegenüber dem Vorjahr eingebrochen.

Höchste Zeit also, um auf der Netzwerk Recherche-Konferenz 2017 einer Frage nachzugehen, die Olaf Scholz den versammelten Pressevertretern in diesem Jahr mit auf den Weg gegeben hat: "Warum ändert die jahrelange Kritik und Selbstkritik nichts an der Art und Weise, wie Journalisten mitunter Themen auswählen, zuspitzen und personalisieren?"

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     buck_turgidson, 25.07.2016 12:52

Wie hat Herr Jazbinsek den Artikel am Chefredakteur vorbei gebracht?

Ich meine, räusper, ohne ihn direkt zu nennen kritisiert er damit schließlich auch seinen Chef, Herrn Rötzer. ;-)



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     albibi, 25.07.2016 12:54

Die Erklärungsmuster reichen leider nicht

Es wird immer wieder von Kritikern betont, dass wirtschaftliche und soziologische Prozesse für den Einheitsbrei und vor allem für die vorherrschenden Tendenzen in der Berichterstattung verantwortlich wären. Dies muss man inzwischen schon tun, alleine, um nicht in die Ecke mit Kopp-Verlag, Pegida oder AfD gestellt zu werden. Leider reichen die Erklärungen alleine nicht aus - und sie sind auch nicht intuitiv sondern aufgesetzt und einer Vermeidungshaltung geschuldet.

Natürlich kann man sich fragen, ob, wenn man eine der Wahrheit und Wahrscheinlichkeit näher kommenden These formuliert, dumpfen Stimmungen Vorschub leistet.

Die aufklärerische Antwort ist da aber für mich eindeutig: Denkverbote gehen gar nicht. Von daher: Die massive Schlagseite unserer Presse-, ÖR-, und Medien-Landschaft ist nur erklärbar wenn man in Betracht zieht, dass an den wesentlichen Schaltstellen "Anchor-Men" (in Anspielung an die engl. Bezeichnung eines Nachrichtensprechers wie C. Kleber) installiert sind, die einer bestimmten Agenda (etwa: pro transatlantisch, pro NATO, pro Staatlichkeit (versus Bürger- oder Sezessionsbewegungen), pro Neoliberalismus, pro Leistungsprinzip, pro Globalisierung (zumindest nicht hinterfragend), pro Bundesregierung, pro Durchökonomisierung des Lebens, pro aktuellem Finanzsystem, ...) verpflichtet sind.

Dies Leute sind aber nicht aus Zufall da, oder weil sie den repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung der passenden Bildungsstufe darstellen, sondern aufgrund von Prozessen die auf Auslese und Protegieren beruhen. Jeder, der das abstreitet, lügt sich selbst (oder uns anderen) etwas in die Tasche.

Aber wer bestimmt die Auslese-Prozesse, wer kann protegieren?



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     Twistie2015, Bettina Hammer

mehr als 1000 Beiträge seit 21.01.2015
25.07.2016 13:02


Re: Die Erklärungsmuster reichen leider nicht

albibi schrieb am 25.07.2016 12:54:

    Aber wer bestimmt die Auslese-Prozesse, wer kann protegieren?

ich stimme deiner Kritik zu, würde jedoch auch den Leser miteinbeziehen, egal ob mittels Twitter-Sturm oder per Mails. Manche Redaktionen haben manche Themen komplett ausgeklammert weil sie "zu kontrovers" sind oder nehmen sie nur noch dann an, wenn sich der Verfasser nicht "zu weit aus dem Fenster lehnt", um zu verhindern, dass Leser abspringen, die Klicks abnehmen, dadurch weniger Werbung geschaltet wird und und und.
Viele Leser möchten da mittlerweile auch ganz klare Positionen der Autoren - seit ich beispielsweise versuche, nicht nur "acab" zu schreiben oder dergleichen, sondern versuche, möglichst ruhig und sachlich zu bleiben, kriege ich dauernd ab, wie kriecherisch ich geworden bin usw. Ein Artikel "Der Herrmann ist ein Wichser, der soll das Maul halten" gibt viele Klicks und hurrah-Rufe, ein "Innenminister Herrmann reagiert so weil..." ist dann schon weniger interessant.

Oder nimm Datenschutz - hier war z.B. vor kurzem ein Bericht darüber, wie weit man schon per mobile Payment zahlen kann, ohne dass es auf ein "hurrah, Bargeld ist sowieso bekloppt" hinauslief, da wurde soviel gleich gezetert und geschimpft usw und wer nur darauf hinwies, dass ein Erfahrungsbericht nicht heißen muss, dass der Autor das Ganze riesig geil findet, wurde gleich auch mit "gott, bist du unkritisch" bedacht usw.

Viele Menschen wollen nicht mehr lesen "in Würzburg sind x Menschen durch einen Mann mit einer Waffe getötet worden, mehr demnächst", sondern "Amoklauf in Würzburg - x Tote - bestimmt islamistischer Hintergrund" usw.


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     Levski, 25.07.2016 12:55

warum die trotzdem AfD wählen?

".... Die Leute werden nicht abgeschreckt, sondern wählen erst Recht AfD. Wie dieses Phänomen zu erklären ist, darüber wurde in Hamburg viel gerätselt. Der gängigste Erklärungsversuch lautete: Die AfD-Wähler von heute waren schon immer tendenziell neonazistisch, rassistisch, antisemitisch etc. - nur sei das früher kaum aufgefallen, weil es noch keine sozialen Medien gab."

Blödsinn. Die Leute wählen aus dem gleichen Grund AfD, wie sie Donald Trump zujubelnd. Die Menschen werden schon seit Jahrzehnten von Politik und Presse verarscht und es gibt kein vernünftiges Mittel mehr dagegen, Wahlen funktionieren nicht - Goldkettchengerd, Blair und Obama sind Beweise dafür. Da bleibt nur noch ohnmächtige Wut und dafür bieten Trump und AfD mit ihren Pöbeleien ein Ventil.

Ist das so schwer zu verstehen? Für Mainstreamjournalisten offenbar schon, denn für die ist mental nur noch ein ganz schmaler Pfad zugelassen: "alles Nazis ausser ich".

...


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     TheFlatline, 25.07.2016 13:05

Re: warum die trotzdem AfD wählen?

Absolut die Leute merken, dass die klassischen Parteien die Interessen einer kleinen Elite vertreten. Also waehlen sie eine Partei welche nicht so einfach auf Linie zu bringen ist und welche Aerger verursachen wird. Nicht zuletzt, genau weil die Politker dieser Partei irrationale Zuege tragen und nicht Bereit zu Kompromissen wirken.

Die Hoffnung ist letztendlich, dass die klassischen Parteien als Ergebnis wieder Politik fuer ihre Waehler machen. Bei der SPD braucht es dafuer aber eine Neugruendung fuerchte ich.

...

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (25.07.2016 13:09).


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   TheFlatline, 25.07.2016 12:58

Vertrauen in die Deutsche Presse und die Ukraine(Krise)

Ich habe (wie wohl viele andere) im Bekanntenkreis Familie ueber das Verhaeltnis zur Deutschen Presse geredet.

Das erstaunliche und im Artikel nicht erwahente war aber, dass das Vertrauen in die Presse bei den meisten nicht mit der Fluechtlingskriese verloren ging, sondern durch die Bericherstattung ueber die Ukraine. Gerade Leute die beruflich mit der Ukraine und dem ehemaligen Ostblock zu tuen haben waren geradezu entsetzt wie einseitig und verzerrt die Berichterstattung war.
Hier wurden westlich europaeische Interessen knallhart und ohne Ruecksicht auf Verluste oder Ausgewogenheit durchgesetzt. Etwas was wir uns gegen Russland eigentlich nicht leisten koennen.

Aehnlich verzerrt ist die Situation in Syrien, wo aus Al Qadia ploetzlich gemassigte Rebellen wurden.
In diesen Konflikten merkt man einfach, dass unsere Medien letztendlich abhaengig von Nachrichtenagenturen und auch den Interessen der Politik insbesondere der Nato sind.

Und auch die Fluechtlingskriese ist eng mit den Plaenen fuer Syrien verbunden. Man wollte vor allem das "Desertieren" in Assads Armee so einfach wie moeglich machen bzw. sogar weitere Anreize schaffen. Wer zieht schon in den Krieg (fuer einen fragwuerdigen Staat), wenn ein Leben in Deutschland in Aussicht gestellt wird.
Deshalb ist es auch kein Wunder, dass man akzeptiert hat dass zu 80% junge Maenner kamen, obwohl diese allgemein nicht unbedingt als schutzwuerdig gelten und bei der Mehrheit auch keine politische Verfolgung vorlag.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (25.07.2016 13:06).


...


"Lügenpresse? Wieso Lügenpresse?!?" Dietmar Jazbinsek (25.07.2016)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/48/48921/1.html

« Last Edit: July 25, 2016, 02:10:20 PM by Link »

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #47 on: July 26, 2016, 01:04:50 PM »
"München und die medialen Zerrbilder" Thomas Stadler (25.7.2016)
Es fällt mir schwer nach dem Attentat von München – der nunmehr überwiegend gebrauchte Begriff des Amoklaufs missfällt mir, auch wenn man ihn seit kurzem offenbar auch für geplante Taten verwendet – die Gedanken wieder zu sortieren und zu begreifen, was sich da draußen bei den Menschen, befeuert durch eine irrational überzogene Berichterstattung, gerade für Ängste breitmachen.
Unter den medialen Irrlichtern war die Sondersendung der Tagesthemen am Abend des 22.07.2016 ein Highlight, aber leider kein Ausreißer. Der ganze Irrsinn einer völlig aus den Fugen geratenen Berichterstattung kumulierte in der Frage des Moderators Thomas Roth an seinen Gesprächspartner nach der Sicherheitslage im Berliner Regierungsviertel. Man muss sich das vorstellen. Eine Gewalttat in der Nähe eines Münchener Einkaufzentrums veranlasst einen Journalisten zu einer solchen Frage, so als wäre die gesamte Republik Krisen- und Kriegsgebiet.  ... Es mag unfair sein, den klassischen Medien die Hauptverantwortung für diese Entwicklung zuzuweisen, denn es gibt daneben noch die sozialen Medien und eine ganze Armada von Angstmachern aus Gesellschaft und Politik, die ihr Geschäft mit der Angst aus eingenützigen Motiven betreiben. Aber es führt aus meiner Sicht dennoch kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass die Medien in ihrer Gesamtheit durch eine geradezu hysterische Form der Berichterstattung sehr häufig ein Zerrbild der Wirklichkeit zeichnen. München ist dafür nur ein sehr auffälliges Beispiel. ...
http://www.internet-law.de/2016/07/muenchen-und-die-medialen-zerrbilder.html

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"Friedensgebet in Kiew mit zehntausendenTeilnehmern" Ulrich Heyden (28.07.2016)
Nach unterschiedlichen Angaben beteiligten sich 10.000 bis 80.000 Menschen am Friedensgebet in Kiew. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48962/1.html

Quote
     Einzeltäter, 28.07.2016 06:56


Von den GEZ-Medien berichtet nur heute.de im Netz wie es im TV aussieht, weiß ich nicht, da ich das seit Jahren nicht mehr schaue. Es wird auch sonst in Deutschland nur sehr sparsam und meist ablehnend darüber berichtet.

> https://www.google.de/#hl=de&gl=de&tbm=nws&authuser=0&q=ukraine

"Russen" die Frieden wollen, zeigt man uns ungern.

Quote
      Teichhuhn, 28.07.2016 08:29

... Der Friedensmarsch läuft schon seit bestimmt 2 Wochen. Erst jetzt fangen die ersten Systemmedien widerwillig an, darüber zu berichten. ...



http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Friedensgebet-in-Kiew-mit-zehntausendenTeilnehmern/Von-den-GEZ-Medien-berichtet-nur-heute-de-im-Netz/posting-28971455/show/

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"Alle Angaben ohne Gewähr" Ulrich Teusch (08.09.2016)
Lückenpresse - Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten ... Die typische "Tagesschau" sieht so aus: Auf Platz eins steht ein Krisentreffen der Koalitionsspitzen in Berlin; schwarze Karossen fahren in eine Tiefgarage, Politiker laufen wie zufällig durchs Bild und - Schnitt - posieren plötzlich vor der Kamera, um ein Statement abzugeben, nie länger als zwanzig oder dreißig Sekunden.
Zum Schluss des Aufmacher-Beitrags tritt der Autor selbst ins Bild, gibt eine kommentierende Einschätzung ab. Seine Quintessenz: Die Koalition sei in einer schwierigen Phase und man müsse die weitere Entwicklung abwarten. Das war die Spitzennachricht des Tages. Es folgen: der Besuch des Dalai Lama, das Treffen der EU-Finanzminister (mit Gruppenbild bei schönem Wetter), die Eröffnung der Grünen Woche samt Landwirtschaftsminister, der etwas zu den Nöten der Milchbauern sagt. ...  Bin ich ungerecht? Zeichne ich ein Zerrbild? Mittwochs und samstags gibt es zusätzlich noch die Lottozahlen - stets mit dem obligatorischen Hinweis: "Diese Angaben sind, wie immer, ohne Gewähr." Zuweilen frage ich mich, ob diese Rückversicherungsformel sich nur auf die Gewinnzahlen oder auf die ganze Sendung bezieht.
Die "Tagesschau" hat etwas Beruhigendes, um nicht zu sagen Einschläferndes. Sie vermittelt die Botschaft, das Gefühl: Wie gestern und vorgestern lief auch der heutige Tag im Wesentlichen normal ab. Hier und da gibt es Probleme, aber: Nach den uns vorliegenden Informationen sieht es nicht so aus, als gerate die Welt aus den Fugen. Jedermann kann die nachfolgenden Sendungen guten Gewissens und entspannt genießen. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49354/1.html


"Tricksen und Täuschen in der ARD" (30. September 2016)
Veröffentlicht in: Interviews, Medien und Medienanalyse, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache
Jens Wernicke sprach mit der Vorsitzenden Maren Müller über die von der Publikumskonferenz soeben veröffentlichte Expertise „Das Ende des Informationsjournalismus – Storytelling in der ARD-Griechenlandberichterstattung 2015“, die kein heiles Haar an der ARD-Berichterstattung zu Griechenland lässt und die tagtäglichen Methoden der Manipulation konkret beim Namen nennt. ...
http://www.nachdenkseiten.de/?p=35245

"Auswertung: Über Täuschung, Tugend und Teenager" Veröffentlicht am 20. August 2016 von Maren Müller
https://publikumskonferenz.de/blog/2016/08/20/auswertung-ueber-taeuschung-tugend-und-teenager/

« Last Edit: October 05, 2016, 11:59:15 AM by Link »

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« Reply #48 on: October 06, 2016, 03:49:55 PM »
Ken Jebsen: "Wenn ich mit Politik komme, ist die Party vorbei"
Datum: 15.02.2016 | Autor: Alia Hübsch-Chaudhry & Tahir Chaudhry
http://www.dasmili.eu/art/ken-jebsen-wenn-ich-mit-politik-komme-ist-die-party-vorbei/

Jakob Buhre, Adrian Arab | 06. Oktober 2016
betr. Interview mit Ken Jebsen
http://www.planet-interview.de/blog/betr-interview-mit-ken-jebsen/49221/

"Ken Jebsen - Die Leute sollen politisiert werden"
Interview: Jakob Buhre, Adrian Arab | 06. Oktober 2016
Es ist unser bislang längstes Interview: Vier Stunden haben wir uns mit dem politischen Journalisten und Aktivisten Ken Jebsen unterhalten. Themen sind u.a. sein Werdegang, NATO, "Eliten", Terroranschläge, Mustererkennung, Pressefreiheit, Tilo Jung, KenFM, journalistische Unabhängigkeit, Ukraine-Konflikt, Drohungen gegen Jebsen – und warum Jebsen so schnell spricht. ...
http://www.planet-interview.de/interviews/ken-jebsen/49203/

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"Wolfgang Lieb in eigener Sache: Ich habe mich schweren Herzens entschlossen, nicht mehr für die NachDenkSeiten zu arbeiten"
23. Oktober 2015 um 16:34 Uhr | Verantwortlich: Wolfgang Lieb
Rationalität und Vernunft verlangen bei allem Nachdruck in der Argumentation meines Erachtens stets, eine angemessene kritische Distanz zu wahren. Es ging mir darum, Partei zu ergreifen, aber nicht parteiisch zu sein. Die Anerkennung eigener Begrenztheit verbietet undifferenzierte und einseitige Schuldzuschreibungen.
Für mich sollten in den Beiträgen auf den NachDenkSeiten die Verarbeitung von Informationen und die differenzierende Abbildung der Wirklichkeit vor ihrer politischen Bewertung und vor der Unterordnung unter das eigene Weltbild stehen. Differenzierung und genaues Hinsehen halte ich für wichtige Voraussetzungen, um Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft gegenüber Leserinnen und Lesern zu gewinnen. Ich habe mir nie eingebildet, die Wahrheit gepachtet zu haben.
Es reicht eben m.E. nicht aus, die Welt moralisch in „Freund“ und „Feind“ aufzuteilen und die Ursache nahezu allen Übels auf der Welt „einflussreichen Kräften“ (oft in den USA) oder undurchsichtigen „finanzkräftigen Gruppen“ oder pauschal „den Eliten“ zuzuschreiben. Die Reduktion gesellschaftlicher Konflikte auf einen Antagonismus zwischen „Volk“ und „Eliten“ halte ich für missbrauchsanfällig. ...
http://www.nachdenkseiten.de/?p=28063

"Nachdenkseiten - Die Anti-Lügenpresse-Front" Steven Geyer (02. November 2015)
Der Co-Chef des erfolgreichen Online-Magazins „Nachdenkseiten“, Wolfgang Lieb, wirft hin: Der Preis für das rasante Wachstum der Szene neuer Medien, die gegen „Lügenpresse“ und „Nato-Huren“ anschreiben, ist ihm zu hoch. ...
http://www.fr-online.de/politik/nachdenkseiten-die-anti-luegenpresse-front,1472596,32314018.html

« Last Edit: October 07, 2016, 09:12:09 AM by Link »

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« Reply #49 on: October 17, 2016, 08:00:06 AM »
Deutsche Medien schweigen über Haftbefehl gegen US-Journalistin Amy Goodman!
Posted on 10. Oktober 2016 in Aktuell   
http://pressefreiheit-in-deutschland.de/deutsche-medien-schweigen-ueber-haftbefehl-gegen-us-journalistin-amy-goodman-6644773/

"Amy Goodman Is Facing Prison for Reporting on the Dakota Access Pipeline. That Should Scare Us All" By Lizzy Ratner (October 15, 2016)
The charges against Goodman are a clear attack on journalism and freedom of the press. ...
https://www.thenation.com/article/amy-goodman-is-facing-prison-for-reporting-on-the-dakota-access-pipeline-that-should-scare-us-all/

...

"Judge Rejects Riot Charge Against Amy Goodman of ‘Democracy Now’ Over Pipeline Protest" By ERIN McCANNOCT. 17, 2016
http://www.nytimes.com/2016/10/18/us/judge-rejects-riot-charge-against-amy-goodman-of-democracy-now-over-pipeline-protest.html?_r=0

---

"Die Mär von der Objektivität" Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Regine Beyß  (06.10.2016)
Journalismus Die meisten Medien bilden nur ab, was den hegemonialen Diskurs nicht verlässt. Es braucht eine Gegenöffentlichkeit, die sich der Forderung nach Neutralität verweigert. ... Sehr zugespitzt formuliert, kann das zum Beispiel heißen: Wir lesen hauptsächlich schlechte Nachrichten, die etwas mit Deutschland zu tun haben, zu denen „wichtige“ Personen etwas zu sagen haben. Einfache Kausalketten werden eher thematisiert als komplexe Zusammenhänge. Und ein Bezug zum Alltag schadet nicht, deshalb werden viele Themen krampfhaft „runtergebrochen“ auf die lokale Ebene. Vieles fällt dabei unter den Tisch. ... Es geht mir nicht darum, in die rechtspopulistischen „Lügenpresse“-Rufe einzustimmen. Zum einen bin ich davon überzeugt, dass es viele Journalist*innen gibt, die einen ziemlich guten Job machen – oder es unter den gegebenen Bedingungen zumindest versuchen. Zum anderen halte ich Verschwörungstheorien für unrealistisch, die davon ausgehen, dass Angela Merkel täglich in den Redaktionen des Landes anruft, um Stimmung zu machen. Wahrscheinlich geht es gar nicht so sehr um einzelne Personen und Machtpositionen, sondern um die Dynamik, die sich aus Gewinnorientierung, kostenlosen Inhalten im Netz und politischem Einheitsbrei ergeben. ... Es gibt bereits viele Versuche, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, in der grundsätzliche Fragen gestellt werden: Wer profitiert von den herrschenden Machtstrukuren? Wo und wie werden Menschen unterdrückt und ausgebeutet? Welche ökonomischen Konzepte gibt es jenseits von Wachstum und Profit? Welche Möglichkeiten gibt es, Herrschaftsverhältnisse aufzulösen und zu verhindern? Welche Bedürfnisse haben wir und wie können wir dafür sorgen, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich diese Bedürfnisse zu erfüllen? Leider stoßen diese Versuche an viele Grenzen, vor allem an ökonomische. Alternative Medien erreichen nur einen überschaubaren Kreis an Rezipienten, oft auch nur im Dunstkreis einer bestimmten Szene. Nichts desto trotz ist es unabdingbar, die radikalen Fragen immer wieder zu stellen – so öffentlich und wirksam wie möglich. Es gibt genug Konzepte, Projekte und Diskussionsansätze, die beweisen, dass die viel zitierte Alternativlosigkeit uns bloß davon abhalten soll, selbst zu denken. ...
https://www.freitag.de/autoren/schlachtreif/die-maer-von-der-objektivitaet

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

...

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"Clintons Mitarbeiter und CNN make Trump great again" Don Alphonso (7. November 2016)
Für Hillary Clinton, die versucht, Donald Trump als gefährlich und verantwortungslos darzustellen, kommen diese Enthüllungen zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Demokraten und Medien sehen dabei nicht gut aus. Und CNN hat als Haussender der Demokraten nur einen Tag, die Kooperation zu erklären. ... Besonders gravierend ist eine Mail der Rechercheleiterin Lauren Dillon, die im April in Clintons Team die Aufforderung verbreitet, Fragen an Donald Trump vorzubereiten: Wolf Blitzer is interviewing Trump on Tues ahead of his foreign policy address on Wed. Please send me thoughts by 10:30 AM tomorrow.  Darauf reagieren die Mitarbeiter mit sehr komplizierten Fragen, die offensichtlich dazu geeignet sein sollen, den Befragten in die Enge zu treiben – etwa, wie viele Militärbasen die USA im Südostpazifik haben sollten. ... Offensichtlich handelt es sich nicht um eine lose Verbindung, sondern um eine längerfristig angelegte Kooperation. Wolf Blitzer gilt als eines der Aushängeschilder von CNN, und hat in den vergangenen Jahren immer wieder die Wahlen für den Sender präsentiert. Gegenüber Trump-Unterstützer Rudy Guiliani gab er sich erst vor kurzem als harter und unbestechlicher Nachfrager. Warum jemand im Sender meint, ein journalistisches Schwergewicht wie Blitzer würde die Hilfe der Demokraten zu brauchen, ist nur schwer erklärbar. ...
http://blogs.faz.net/deus/2016/11/07/clintons-mitarbeiter-und-cnn-make-trump-great-again-3876/

« Last Edit: November 08, 2016, 12:33:19 PM by Link »

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« Reply #50 on: November 15, 2016, 04:36:10 PM »
"Spiegel entlässt betriebsbedingt – und Breitbart will nach Europa expandieren" Peter Mühlbauer (15. November 2016)
Dass  [ ] Stellen wegfallen, hat damit zu tun, dass die Auflage des Nachrichtenmagazins stetig sinkt - alleine im dritten Quartal 2016 um fünf Prozent auf jetzt unter 790.000 Exemplare. Damit ist der Spiegel aber nicht alleine – es geht praktisch allen deutschen Mainstream-Zeitungen so: Die Auflage der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) sank um 11,2 Prozent, die der Bild-Zeitung um 10,9 Prozent (beziehungsweise 240.000 Exemplare), die der Berliner Zeitung um 10,1 Prozent, die des Neues Deutschland um 9,3 Prozent, die der Illustrierten Stern um 8,4 Prozent, die der Bild am Sonntag (BamS) um 8,1 Prozent, die der Welt um 5,3 Prozent, die des Focus um 5,2 Prozent, die der Welt am Sonntag um 4,9 Prozent, die des Tagesspiegel um 3,7 Prozent, die der Süddeutschen Zeitung (SZ) um 3,7, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) um 3,6 Prozent, die der Taz um 1,8 Prozent und die der Wochenzeitung Die Zeit um 1,2 Prozent. ...
https://www.heise.de/tp/features/Spiegel-entlaesst-betriebsbedingt-und-Breitbart-will-nach-Europa-expandieren-3466547.html


"Fakten? Fuck." Constantin Seibt (Tages-Anzeiger, 15.11.2016)
Im US-Wahlkampf handelten mazedonische Teenager, Internetprofis und der siegreiche Kandidat mit derselben Ware: Lügen. Mit durchschlagendem Erfolg. Mitten im Wahlkampf stellten einige Reporter fest, dass über 100 US-Politik-Nachrichtenseiten aus einer Kleinstadt in Mazedonien kamen: Veles.
Alle waren pro Trump. Und jede Meldung eine Sensation. Etwa: «Der Beweis: Obama wurde in Kenia geboren – Trump hatte recht», «Bill Clintons S*x-Tape – unzensuriert!»,«Papst verbietet Katholiken, Clinton zu wählen», «Eure Gebete wurden erhört! FBI plant Clinton-Verhaftung!»
Als die Reporter nach Veles reisten, stiessen sie auf eine Gruppe von Teenagern. Diese hatten ihre Nachrichtenseiten nicht aus Trump-Begeisterung eröffnet, sondern aus geschäftlichen Gründen: Sie erfanden News, um möglichst viel Klicks zu bekommen. Und damit Anzeigengelder von Google und Facebook. In einem guten Monat machte eine Seite 5000 Dollar, mit einem einzigen Hit sogar 3000 Dollar. Die Nachricht «Clinton empfiehlt Trump als Präsident: ‹Er ist ehrlich und lässt sich nicht kaufen!›» wurde auf Facebook 480'000-mal geteilt und kommentiert.
Dagegen wurde die Enthüllung der «New York Times», dass Donald Trump 1995 fast 1 Milliarde Dollar Verlust erklären musste, gerade 175'000-mal geteilt und kommentiert. Also dreimal weniger als die erfundene Story.
«Man glaubt, in Mazedonien ist man ahnungslos», sagte ein Teenager. «Aber das stimmt nicht.» In der Tat waren die Teenager am Puls der Zeit: Auch in den USA hatten parteiische Nachrichtenseiten mehrfach so viele Fans und Klicks als etablierte Nachrichtenorganisationen. Ihre Hits waren nicht zuletzt die erfundenen Geschichten. ....
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/fakten-fuck/story/20953277


"Rolling-Stone-Journalistin wegen böswilliger Verleumdung verurteilt" Alexander und Bettina Hammer (17. November 2016)
Die perfekte Geschichte rund um eine Gruppenvergewaltigung auf einem Universitätsgelände in den USA hat sich als Lüge entpuppt ... Es ist daher lohnenswert, sich genau anzusehen, was falsch lief und weshalb und wie dies zu verhindern gewesen wäre. Der Kardinalfehler war jedoch schon am Anfang der, dass eine Journalistin genau diese eine Geschichte suchte. Es ist nicht verkehrt, sich Themen auszusuchen - doch sich schon vorab auf eine Denkweise zu konzentrieren, bringt oft einen Tunnelblick mit sich, der zu Fehlern führt. ...
https://www.heise.de/tp/features/Rolling-Stone-Journalistin-wegen-boeswilliger-Verleumdung-verurteilt-3486151.html



"Von der "Lügenpresse" zum Kampf gegen Fake-News" Florian Rötzer (28. November 2016)
Die Verbreitung von Fake-News und Social Bots, die solche massenhaft posten, scheint allmählich zu einem Politikum zu werden, das oben auf der Agenda steht. War zuvor eher das ungeahndete Posten von Hassbotschaften das Problem, so wird nun von behauptet, dass Falschinformationen die Präsidentschaftswahl beeinflusst hätten, die wieder einmal ziemlich knapp ausgefallen ist. Gerne nehmen die traditionellen Medien, die zwar auch das Internet und Soziale Netzwerke nutzen, das Thema auf, um auf die ungeordnete und wilde Cyberwelt aufmerksam zu machen, wo bislang unkontrolliert Propaganda, Falschinformationen oder Gerüchte fabriziert werden. ... Man gewinnt den Eindruck, dass mit den wachsenden Möglichkeiten der Zensur und Manipulation der Meinungsäußerung auch der Drang wächst, diese zu kontrollieren. Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, die Gespräche am Stammtisch oder wo auch immer zu zensieren oder zu normieren, weil es schlicht nicht möglich war, wenn man nicht einen aufgeblähten Geheimdienstapparat einsetzt. ...
https://www.heise.de/tp/features/Von-der-Luegenpresse-zum-Kampf-gegen-Fake-News-3505990.html

Quote
     Freeman69, 28.11.2016 11:05

Fakenews verbieten? Muss die BILD jetzt um ihre Existenz fürchten?



---


"Tagesschau: Unseriöse Berichterstattung und Dünkel" Thomas Pany (24. November 2016)
Für Chefredakteur Gniffke ist Telepolis zunächst "keine seriöse Quelle", er korrigiert dies aber später ... Mit dem in dem Antwortschreiben auf die Kritiker demonstrierten Dünkel - der im Nachhinhein allerdings als bedauerliches Missverständnis ausgewiesen und korrigiert wurde - gegenüber anderen Publikationen, die sich die Arbeit machen, blinde Flecken in der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung kenntlich zu machen, tut sich die Tagesschau-Chefredaktion keinen Gefallen. Das Misstrauen gegenüber der Ausblendung bestimmter Realitäten in der 20-Uhr-Wirklichkeit ist ohnehin groß. ...
https://www.heise.de/tp/features/Tagesschau-Unserioese-Berichterstattung-und-Duenkel-3503191.html


« Last Edit: November 28, 2016, 01:28:37 PM by Link »

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« Reply #51 on: December 01, 2016, 10:39:21 AM »
"Some Fake News Publishers Just Happen to Be Donald Trump’s Cronies"
Lee Fang, November 26 2016, 3:51 p.m.
The extraordinary phenomenon of fake news spread by Facebook and other social media during the 2016 presidential election has been largely portrayed as a lucky break for Donald Trump. ... a closer look reveals that some of the biggest fake news providers were run by experienced political operators well within the orbit of Donald Trump’s political advisers and consultants. ...
https://theintercept.com/2016/11/26/laura-ingraham-lifezette/

Quote
Lawrence Hill
November 30 2016, 7:13 a.m.

Just look up “operation Mockingbird” on Wikipedia. It’s been going on for decades.

Also, RollingStone has busted WaPo badly today…
http://www.rollingstone.com/politics/features/washington-post-blacklist-story-is-shameful-disgusting-w452543

“The Establishment” is simply not to be believed. I learned that going back to Vietnam.


Quote
ice Ka tar Ra
November 29 2016, 2:17 a.m.

‘“We live in a time when people don’t care about facts,” said Judy Muller, professor of journalism at the University of Southern California.’
‘“People only care about opinions that support their own biases,” said Muller. “So they’re not reading other people’s facts, they’re not checking the facts, and they don’t want to know — and that’s the scariest development to me.”’ ...


...

---


"Mord in Freiburg: Chef des Innenausschusses nennt "Tagesschau"-Entscheidung "fatal"" (6. Dezember 2016)
Nichts über den Mord in Freiburg zu senden, sei falsch gewesen, sagt der CDU-Politiker. Der medienpolitische Sprecher der SPD sieht einen Grenzfall. ... Die Tagesschau hatte sich nach Bekanntwerden der Festnahme des 17-jährigen Afghanen am Wochenende zunächst entschieden, nicht über den Fall zu berichten. In einer Stellungnahme begründete der Chefredakteur der Tagesschau, Kai Gniffke, die Entscheidung damit, dass der Fall nicht von überregionaler Bedeutung sei und der Tatverdächtige minderjährig ist. Über Kriminalfälle berichte die Tagesschau nur in sehr seltenen Fällen. ...
Hinweis: Auch ZEIT ONLINE hat nicht über den Fall berichtet. Dies entspricht unserem Profil: Wir melden einzelne Kriminalfälle nicht. So haben wir beispielsweise weder über das Verschwinden der jungen Frau aus Freiburg berichtet, noch darüber, dass ihre Leiche gefunden wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Erkenntnisse über die Herkunft des mutmaßlichen Täters. Kriminalfälle werden üblicherweise nur dann zu einem Berichtsgegenstand für ZEIT ONLINE, wenn sie eine politische Dimension haben oder bekommen.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-12/freiburg-mord-freiburg-ansgar-heveling

Quote
Kakiss4 #3

Ich weiss ja nicht, wird hier nicht ein wenig stark aufgebauscht?
Ist die Nachricht so viel wichtiger als andere Morde, weil der Mörder ein Flüchtling war?


Quote
verzweifelterbürger #3.1

Generell kann ich dieses Argument nachvollziehen. Das Problem ist die Unausgewogenheit. Was meinen Sie was los gewesen wäre, wenn ein Deutscher eine minderjährige Migrantin vergewaltigt und ermordet hätte. Wäre darüber in der Tagesschau auch nicht berichtet worden? ...


Quote
roterkater2009 #3.3

Man muss sich da auch Fragen ob unsere Politiker dann auch gleich betont hätten das man Deutsche nicht unter Generalverdacht stellen dürfe ? ...


Quote
sirbernardwooley #12

Die Medien müssen sich schon fragen lassen, warum sie beispielsweise über Monate die (zugegebenermaßen fragwürdigen) Äußerungen eines FDP-Politikers über das Ausfüllen eines Dirndls für nachrichtenrelevant befunden haben, bei Vorkommnissen wie in Köln und Freiburg aber erst berichten, wenn der öffentliche Druck zu groß wird.
Es verfestigt sich der Eindruck, man betreibt Meinungsmache.

Quote
Kein Einstein #12.1

Ich kann mich nicht erinnern, dass das Ausfüllen eines Dirndls Thema der Tagesschau war.



Quote
polarapfel #21

Der Fall ist nicht von überregionaler Bedeutung?! Wer trifft denn solche Entscheidungen? Und wer glaubt ernsthaft, dass die Öffentlichkeit solche Entscheidungen ernst nimmt?!

Es kristallisiert sich oft genug heraus, dass das ÖR längst nicht mehr unabhängig ist, sondern politische eingefärbt berichtet. Das war Anfang diesen Jahres nach der Sylvesternacht in Köln ähnlich.


Quote
Lu-S #26

Eine junge Frau, die es für sich selbstverständlich in Anspruch nahm, sich nachts unbegleitet in der Öffentlichkeit zu bewegen, wird von einem allein eingereisten, jungen und männlichen Asylbewerber ermordet. Geradezu exemplarisch haben sich die Befürchtungen vieler Bürger bestätigt. Die internationalen Medien berichten bereits kurz nach der Pressekonferenz. Doch die ARD behauptet trotzig, der Fall habe nur regionale Bedeutung. Ernsthaft? Pöbelnde sächsische Dorfbewohner vor einem Bus mit Flüchtlingen sind ein nationaler Aufmacher, ein Sexualmord aber nicht? Aus Köln wurde nichts, aber auch gar nichts gelernt - das Mißtrauen mittlerweile weiter Teile der Öffentlichkeit gegenüber den Medien spektakulär bestätigt.
Fabelhaft auch die ganzen selbstberufenen Mahner, Erklärer und "Einordner" in Politik und Medien. Deutscher Obrigkeitsstaat in schlechter Tradition. Die Bürger sind erwachsen und können aus Meldungen ihre eigenen Schlüsse ziehen. Sie benötigen keine Leute, die Nachrichten für sie "einordnen".
Man hat die Grenzen für einen unkontrollierten Zustrom geöffnet. Jetzt muß man mit den Ergebnissen leben, zu denen auch eine durchaus wohlbegründete Ablehnung dieser Zustände durch einen Teil der Bevölkerung gehört.


Quote
Tom Brecht #33

Dieser Mordfall passt eben nicht in den Narrativ der Tagesschau. Wenn eine Migrantin wie Tugce getötet wird, wird es berichtet. Wenn ein betrunkener und randalierender Asylbewerber von einem Wachmann verprügelt wird dann schafft es das in die 20:00h Ausgabe der Tagesschau.
Ich bin froh in Zeiten des Internets zu leben, in denen Informationen frei verbreitet werden können und in denen wir in Communities wie dieser hier diskutieren können. An dieser Stelle mal einen ausdrücklichen Dank dafür an das zeit.de-Team.


Quote
beatboy31 #35

tja, manche besorgte buerger haetten in der tagesschau gerne etwas sensationsluesterndes von "rtl-aktuell" oder "sat1 news". ist ja sonst zu serioes und zu langweilig. und am besten schon gleich eine wertende berichterstattung (so bauchgefuehltechnisch), bevor die behoerdlichen ermittlungen abgeschlossen sind, denn das volk weiss ja eh schon, was los war.

das wird noch lustig die naechsten jahre mit dieser ignoranten luegenpresse, die sich beharrlich weigert, das zu schreiben und zu senden, was das volk hoeren will und nicht was wirklich los war oder relevanz hat.


Quote
roland_s #39

Es reicht einfach. Man muss dem Lügenpressevorwurf auch angemessen begegnen. Im JAhr 2015 gab es 296 Morde, Es regt sich keiner darüber auf, dass nicht darüber berichtet wird. Anno 2015 hatten wir 8,6 Vergewaltigungen pro 100.000 Einwohner.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1587/umfrage/vergewaltigung-und-sexuelle-noetigung/
(Übrigens weniger als 2014! Trotz Flüchtlingszustrom) Für keines dieser Opfer interessiert man sich. Wirklich für keines. Da beschwert sich auch keiner, dass darüber nicht berichtet wird. Bei 7000 Vergewaltiungen und sexuellen Nötigungen pro JAhr müsste man täglich von 20 Fällen lesen. Tut man nicht. Regt sich darüber irgendwer auf?
Nein. Warum nicht? Weil die Vergewaltigung für die, die sich hier aufregen, nur dann zu einer Meldung wird, wenn sie von einem Flüchtling, einem Muslimen begangen wird. Das ist Rassismus pur. Ein Rassismus, der hier von breiter Politik und Medien gefördert wird, weil man sich vom Lügenpressevorwurf vor sich her treiben lässt.

20 Vergewaltigungen pro Tag sprechen aber eine klare Sprache. Die allermeisten Täter sind Deutsche oder Menschen irgendeiner anderen NAtionalität / Glauben. Wer die Auffassung vertritt, dass nur ein muslimischer Täter eine Meldung wert ist, der muss soll offen erklären, dass die Vergewaltgung durch einen Deutschen ein "minder schwerer Fall" ist. Dann können wir auch gleich das StGB ändern. Oder man stellt sich dieser Hetze der Populisten entgegen.


Quote
Bluto Blutarski #42

Abend für Abend muss eine Nachrichtensendung entscheiden, welche der Vorkommnisse, für die sich ein ganzer Planet 24 Stunden Zeit genommen hat, sie in 15 Minuten Sendezeit packen kann.
Dass die dann getroffene Auswahl nicht den Geschmack von 100 % der Zuschauer trifft, dürfte als Tatsache zu betrachten sein.
Ich persönlich bin dankbar dafür , dass die Befindlichkeiten von Wutbürgern (noch) nicht zum allein entscheidenden Kriterium für so eine Entscheidung geworden sind.


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Hassan Yildirim #53

Na, sagen wir mal, dumm gelaufen. In der momentanen Lage ist es schwer vorherzusehen, welche Berichte politisch opportun sind.
Einerseits regen sich die Muslime auf, weil ein Bericht wieder so den Rassismus (sind Moslems eine Rasse?) befördert, andererseits ist die Bevölkerung selbstverständlich sehr empfindlich geworden, was die Straftaten von Schutzsuchenden betrifft.
Ein Dilemma. Falsch entschieden. Vielleicht doch einfach die Wahrheit berichten? Das entbindet zumindest vom Vorwurf der "Lügenpresse".


Quote
tychobrahe2015 #79

Im Jahre 1997 wurde eine Bekannte von mir mit Messerstichen bei einer versuchten Vergewaltigung schwer verletzt von einem Geistig Behinderten Jugendlichen. Es war einen Zweizeiler in der Lokalpresse wert. Und keine Demo vor dem Behindertenheim oder vor den Eltern des Täters.
In meinem Job habe ich 2x mal jugendliche Zwangsprostituierte mit schweren Verletzungen (1 x deutsch, 1 x Afrika) vor sie verprügelnden Zuhältern versteckt (mit einer Ärztin). Zuhälter waren deutsche Rocker. In der Presse nichts dazu!
Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Abhängige selten großes Pressefutter.
Im Sinne der Jugendstrafrechts sollte erst berichtet werden bei Verurteilung des Täters. Dann egal ob Tschetschene, Sachse oder Afghane. Egal ob Regisseur, Politiker oder Arbeitsloser. Unsere Welt wird immer irrer und sensationsgeiler- was hilft? Mitgefühl für Opfer und psychologische Bewältigung von Affektstörungen bei Tätern.


Quote
thegoodthebadtheugly #81

Es stimmt, dass die Tagesschau nicht oder nur äußerst selten über Mord- und Kriminalfälle berichtet. Täte sie dies, wäre vermutlich wenig Raum für andere Meldungen. Zudem ist bei minderjährigen Straftätern immer eine gewisse Sensibilität bei der Berichterstattung angezeigt. All dies hat die Tagesschau-Redaktion richtig eingeordnet und somit nicht berichtet.  ... was wäre, wenn der Täter ein jugendlicher Deutscher gewesen wäre. Dann hätte es die Meldung wohl nicht über die Badische Zeitung hinaus geschafft.
Also, nochmal zum Mitschreiben: Es gilt der Grundsatz der Neutralität, so wie dies auch vor dem Gesetz gilt. Denn ein Gericht wird den Täter als Täter verurteilen, nicht als deutschen Täter oder als afghanischen Täter mit zweierlei Strafmaß. Es handelt sich demnach um einen Jugendlichen, der eine junge Frau getötet hat. So schlimm dies ist, für die Tagesschau reicht es nicht.


Quote
Claus der Witz #86

Wir sollten uns beruhigen. Das rechte Kesseltreiben gegen die Medien und gegen Geflüchtete, Moslems, oder welche Gruppenbezeichnungen sonst noch zur emotionalen Aufhetze missbraucht werden können, ist für jeden, der will erkennbar. ...


Quote
SchmidchenSchleicher #88

Die Frage die ich mir stelle: Wie lange hätte es gedauert, bis Tagesschau und verschiedene andere Medien berichtet hätten, wenn das Opfer eine junge Frau aus Syrien gewesen wäre? Sehr schnell, schnell oder gar nicht?


Quote
S0T #90

Sollen die Tagesthemen eigentlich über jeden Mord berichten. Oder nur über diejenigen, an denen Flüchltinge beteiligt waren?
Das ist doch der eigentliche Doppelstandard.


Quote
magnalogger #97

Warum wäre die komplementäre Tat (Opfer Afghanin und Vergewaltiger/Mörder Deutscher) ganz zweifellos eine wichtige Nachricht? ...


Quote
August S
#111  —  vor 1 Stunde

"Wenn es ein Deutscher gewesen wäre und eine Migrantin..."

Ich glaube kaum, dass bei dem Fall, als der kleine Flüchtlingsjunge aus dem Lageso entführt, missbraucht und umgebracht wurde danach im Mittelpunkt stand, dass die Tat ein DEUTSCHER verübt hat. Sondern es war eine gestörte Person. Wie in diesem Fall auch.
Und NIEMAND kam da auf die Idee eine Verbindung zu anderen Deutschen zu ziehen.
Nicht in Analysen des Täters
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/ein-unauffaelliger-mensch-wer-ist-silvio-s-13887019-p2.html
nicht in Berichterstattungen
http://www.bild.de/regional/berlin/mord/aktuelle-entwicklungen-zu-den-morden-an-elias-und-mohamed-43207450.bild.html
und selbst in Kommentaren nicht. Vielleicht mal ein "aha, mal an die eigene Nase packen" oder so. Aber ERNSTHAFT, wie hier implizit oder explizit irgendeine Verbindung zu seiner Nationalität, seinem Aufenthaltsstatus usw. zu ziehen, kam keinem in den Sinn.
In den Berichten nach der Festnahme wird nirgendwo erwähnt, dass es ein Deutsch-Deutscher ist, erst in dem ein oder anderen Profil später wird es am Rande deutlich.

Es ist auch völlig unerheblich.

Einige sollten sich echt mal überprüfen, warum sie im einen Fall so... und im anderen Fall so... Dann wären wir gesellschaftlich echt mal auf ne höhere Bewusstseinsebene gekommen und hätten uns einen weiteren Schritt vom Affen entfernt.


...

""Tagesschau"-Chefredakteur erläutert online das Vorgehen im Fall Freiburg" (heise online, 05.12.2016)
Für ihre Entscheidung, die Festnahme eines Flüchtlings im Fall der getöteten Studentin in Freiburg nicht zu melden, erntet die "Tagesschau" Kritik. Chefredakteur Kai Gniffke geht deshalb in Blogbeiträgen und auf Facebook in die Offensive. ... Auf den Einwand, dass die Tagesschau darüber berichte, wenn in den USA Polizisten schwarze Bürger erschießen, ob das nicht auch Einzelfälle seien, sagte Gniffke: Dies sei etwas anderes, weil es das gesellschaftliche Phänomen der Rassendiskriminierung berühre und auch in den USA breit diskutiert werde. Und beim Fall Tugce? Damals sei es um das wichtige Phänomen der Einmischung und Zivilcourage gegangen.
Gniffke widersprach Einwänden, dass seine Redaktion bei einem deutschen Täter sehr wohl berichtet hätte: "Wenn ein Deutscher ein Flüchtlingsmädchen umgebracht hätte, hätte das unseren Relevanzkriterien auch nicht entsprochen. Warum über Anschläge auf Flüchtlingsheime berichtet werde? "Weil sich dahinter ein gesellschaftlich breites Phänomen verbirgt, nämlich dass es Fremdenfeindlichkeit in diesem Land gibt."...
Bereits am Sonntag hatte die Tagesschau auf Facebook erklärt, warum die Nachricht in der 20-Uhr-Ausgabe vom Samstag nicht vorkam ("regionale Bedeutung", "der besondere Schutz von Jugendlichen"). Auf diesen Eintrag reagierten zahlreiche Nutzer mit Kritik und die Diskussion kochte hoch. Auf Facebook und Twitter hatte die Tagesschau-Redaktion über den Fall berichtet. ...
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Tagesschau-Chefredakteur-erlaeutert-online-das-Vorgehen-im-Fall-Freiburg-3554170.html

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"Warum wir fast nie über Straftaten berichten" Markus Horeld (7. Dezember 2016)
Berichten oder nicht berichten? Dutzendfach stellt sich der Redaktion von ZEIT ONLINE diese Frage täglich. ...
http://blog.zeit.de/glashaus/2016/12/07/straftaten-berichterstattung-zeit-online-journalismus/
« Last Edit: December 07, 2016, 06:18:33 PM by Link »

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« Reply #52 on: December 31, 2016, 02:24:12 PM »
"Ukraine: "Öffentliche Meinung wird von vielen Seiten beeinflusst"" Florian Rötzer (30. Dezember 2016)
Telepolis-Autor Harald Neuber über seine Recherche in der Ukraine, westliche Medienpolitik und die Probleme der freien Presse ....
https://www.heise.de/tp/features/Ukraine-Oeffentliche-Meinung-wird-von-vielen-Seiten-beeinflusst-3582198.html


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Quote
Die "Zeit" ist ja spätestens seit dem Expose der Anstalt für ihre Transatlantik-Arschkriecherei bekannt, aber dieser Beitrag hier [http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-02/bundestagswahl-russland-beeinflussung-demokratie-parteien] setzt selbst in dem Framing Maßstäbe. Achtung:

    Die vielschichtige russische Einflussnahme auf die Bundestagswahl ist bereits in vollem Gange. Sieben Schritte, um den Schaden für die Demokratie zu begrenzen

Lest euch mal die ersten Absätze durch. Komplett herbeihalluziniert. Ein Hit Piece. Wer schreibt sowas? Nun, immerhin stehen selbst bei der "Zeit" inzwischen die Autoren dran. Schauen wir doch mal.

    Ein Gastbeitrag von Simon Vaut und Jörg Forbrig

Sagt mir nichts. Mal draufklicken.

    Simon Vaut ist Redenschreiber im Auswärtigen Amt. Zuvor war er Referent der SPD-Bundestagsfraktion in deren Verbindungsbüro zur EU in Brüssel. Für die Friedrich-Ebert-Stiftung trainiert er politische Aktivisten in Ländern wie Afghanistan, Simbabwe und dem Kosovo.

Wait, what?! Krass. Redenschreiber. Viel unabhängiger geht es ja kaum!

    Als Vorstandsmitglied des Vereins Global Bridges ist er an Delegationsreisen unter anderem in den Iran, Irak und nach Israel beteiligt.

Global Bridges? Nie gehört. Mal googeln.

    2010 wurde der Verein von Alumni der Atlantik-Brücke unter dem Namen Atlantik Forum gegründet.

Keine weiteren Fragen.

Gut, dann wird der andere der wichtige Autor sein. Mal gucken, was der so macht.

    Jörg Forbrig ist Programmdirektor und Osteuropaexperte beim German Marshall Fund of the United States in Berlin.

Are you fucking kidding me!?!?

Update: Haha, ein Einsender schickte mir die Story ein, als ich sie gerade gebloggt hatte, und der kommentierte noch:

    Da kann die ZEIT künftig auch Shell-Mitarbeiter über den "Ökologischen Einfluss von Ölbohrungen auf das Ökosystem der Arktis" schreiben lassen.  ...



"Bundestagswahl: Wie wir die Wahl vor russischem Einfluss schützen können"
Die vielschichtige russische Einflussnahme auf die Bundestagswahl ist bereits in vollem Gange. Sieben Schritte, um den Schaden für die Demokratie zu begrenzen - Ein Gastbeitrag von Simon Vaut und Jörg Forbrig (14. Februar 2017)
Spätestens seit der amerikanischen Präsidentschaftswahl wächst in Deutschland das Bewusstsein dafür, dass sich Russland aktiv in die diesjährige Bundestagswahl einschalten wird. Längst gibt es deutliche Hinweise, dass der Kreml systematisch versucht, auf innenpolitische Entwicklungen Einfluss zu nehmen. Dabei ist es, wie BND-Präsident Bruno Kahl festgestellt hat, nicht zwingend das Ziel Moskaus, einem bestimmten Kandidaten oder einer Partei zum Sieg zu verhelfen, sondern "die Täter haben ein Interesse, den demokratischen Prozess als solchen zu delegitimieren. Egal, wem das nachher hilft." ...
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-02/bundestagswahl-russland-beeinflussung-demokratie-parteien#comments

Quote
nonidit #8

Und wie schützen wir die Wahl vor amerikanischen Einflüssen? Und vor britischem Einfluss?


Quote
Zifix #8.1

Und vor intergalaktischem Einfluss?


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hederodera42 #8.2

Weder der russische noch der amerikanische und auch nicht der intergalaktische Einfluss macht unseren "demokratischen Volksparteien" bei Wahlen wirklich zu schaffen; bei den kommenden Wahlen dürfte es der Einfluss der Wähler sein, der ihre panischen Ängste schafft.



Quote
gottwuerfeltnicht #8.6

Hey, dass NSA und GCHQ flächendeckend alles ausspähen was sie knacken können ist doch noch keine Einflussnahme!! Außerdem hatten wir doch da so einen Untersuchungsausschuss, der hat doch alles aufgeklärt und mal so richtig aufgeräumt, oder etwa nicht?


Quote
Al Bindy #9

"Wie wir die Wahl vor russischem Einfluss schützen können"

Vor genau einer Woche war hier noch zu lesen, der BND hätte keine Belege für derlei Behauptungen. ...


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Zifix #9.1

Meinen Sie dies hier?

+++ Keine Beweise für russische Desinformationskampagne
Manipuliert Russland die deutsche Öffentlichkeit? Deutsche Geheimdienste haben ermittelt, Belege fanden sie laut einem Bericht nicht. Grund zur Sorge gebe es dennoch. +++
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-02/bnd-russland-desinformationskampagne-wladimir-putin-geheimdienste


Quote
Dietmar R. #11

Das ist nach meinem Dafürhalten völlig absurd, was hier verbreitet wird.
Alles 'Thesen' ohne den Hauch eines Beweises- es wird behauptet, ohne dass diese Behauptungen auch nur im Ansatz verifizierbar oder gar erfahrbar wären.

'Was ich immer denke, fühl und tu, das trau ich auch jedem anderen zu'- dieser Sinnspruch fällt mir dazu ein, und weil es sich um den 'Antagonisten' Russland handelt, gibt es ja bekanntlich nichts, was man diesem Land und vor allem Putin zutraut, nicht wahr.

Hier wird von den Geheimdiensten und der etablierten Politik ein Popanz generiert, der jetzt schon wie eine Monstranz vor sich her getragen wird, um dann, wenn es für irgendjemanden schief gegangen ist, gleich die Ursache zu haben: der Russe war's.

Tut mir leid, aber dieses dumme Zeug kauf ich niemandem ab- es gibt sicherlich vielfältige Interessen, die hier versuchen zur Wirkung zu gelangen, dass war schon immer so, da braucht es jetzt keinen 'ominösen Punkteplan', der den Bürgern vor irgendeiner imaginären Gefahr beschützen soll.

Mir schwant Böses, wenn das jetzt schon weit im Vorfeld der Wahl so los geht....


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Ministerium für Überfülle #11.1

Kein Tag mehr ohne die Warnung von Fakenews oder russischer Manipulation. Spanned bleibt nur, ob der Unsinn trägt oder ob der Leser vorher ermattet kollabiert. Bei Propaganda ist ja auch die Dosis entscheident und es ist ein sehr schmaler Grat, bis es in die Lächerlichkeit abdriftet.

Andererseits muss man ja auch berücksichtigen, dass es Gelegenheitsleser gibt und die dürften in der Mehrheit sein.


Quote
vertigovain #13

Bizzaro Welt.



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Newropeans #46

Allmählich fühle ich mich von der Mainstreampresse extrem veralbert.

...


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« Last Edit: February 16, 2017, 09:33:24 AM by Link »

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« Reply #53 on: March 01, 2017, 12:06:35 PM »
"Die deutsche Medienlandschaft in einer Karte" Dr. Sandra Busch-Janser (20. Februar 2017)
Vanessa Otero hat vor der US-Wahl die amerikanische Medienlandschaft in eine Graphik gepackt, um fake news-Quellen zu visualisieren. Viele Gespräche in der Berliner Community über diese Vorlage haben nun zu einem Ordnungsversuch für die deutsche Medienlandschaft geführt. Unsere Übersicht ist selbstverständlich nur eine Diskussionsgrundlage und keine wissenschaftliche Ausarbeitung, beruht auf persönlichen Einschätzungen (nicht nur des polisphere-Teams) und ist natürlich nicht abschließend (ja, die großen Regionalzeitungen fehlen…).  ... Deutlich wurde noch einmal, dass es stark vom persönlichen Standpunkt abhängt, ob man unsere Perspektive teilt. Kritik mussten wir auch für die verwendete Schriftart einstecken, welche wir allerdings mit Absicht gewählt haben, um zu unterstreichen, dass es sich nicht um eine wissenschaftliche Ausarbeitung handelt. Die Graphik hat nie einen Anspruch auf Vollständigkeit oder eine objektive Wahrheit erhobenen und bildet auch nicht alle redaktionellen Nuancen innerhalb der aufgeführten Medienhäuser ab. Hier bleibt also noch viel Raum für die eine oder andere Dissertation. ...
http://www.polisphere.eu/blog/die-deutsche-medienlandschaft-in-einer-karte/

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"Mahnwachen in Berlin Wie Verschwörungstheoretiker ticken" Sebastian Leber (27.03.2017)
Hat der Anschlag am Breitscheidplatz gar nicht stattgefunden? Verschwörungstheoretikern ist kein Gedanke zu blöd. Als Einstiegsdroge dienen die Berliner Montagsmahnwachen. ... Montagabend auf dem Pariser Platz, ein paar Dutzend Menschen stehen im Halbkreis um einen weißen Lieferwagen herum. Sie demonstrieren für Frieden, so wie sie es jeden Montag tun, seit drei Jahren schon. Verschwörungsgläubige, Reichsbürger, Israel-Hasser, Esoteriker. Auf der Längsseite des Wagens steht: „Frieden schaffen kann nur, wer den Frieden in sich trägt.“ Das Auto gehört einem Aktivisten aus dem Oderbruch, der behauptet, er könne durch Handauflegen Herzchakren aktivieren. Was alle Anwesenden eint, ist ihre Überzeugung, dass die Herrschenden und die Massenmedien ihnen etwas verheimlichen. Dass es dunkle Mächte gibt, die ihnen Böses wollen. Kritiker der Mahnwachen unterteilen sich in zwei Fraktionen. Die einen sagen: Das sind harmlose Spinner. Die anderen sagen: Von harmlos kann keine Rede sein. ... Als die Aktivisten im März 2014 mit ihren Mahnwachen begannen, war „postfaktisch“ noch nicht „Wort des Jahres“, gab es keine Diskussion um Fake News oder alternative Fakten. Die AfD saß nicht in zehn Landtagen, es gab weder Pegida noch den Propagandakanal „RT Deutsch“. Die rechtsextremen Identitären schafften es nicht in die „Tagesschau“. ... Schmitt sagt, die Mahnwache funktioniere wie eine Einstiegsdroge. Ziehe verunsicherte Menschen in ein Milieu, das simple Erklärungsmuster für eine überkomplexe Welt biete. Sündenböcke für alles, was schieflaufe. ...
http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/mahnwachen-in-berlin-wie-verschwoerungstheoretiker-ticken/19544708.html

Quote
DaW 21.03.2017, 12:30 Uhr
Genau diese Spinner sind der Grund dafür, wieso ich mit der selbst ernannten Friedensbewegung nichts zu tun haben möchte.


Quote
halbliter 21.03.2017, 17:33 Uhr

     Propagandakanal „RT Deutsch“

Wenn man so streng wertet, dann gibt es doch fast nur Propagandasender, ja Propagandamedien.
Ich erinnere nur mal an die Begründung für den Krieg gegen Serbien, das erfundene "KZ" im Kosovo oder den "Hufeisenplan".

Wir haben nunmal in den meisten etablierten Medien eine Nato-freundliche Westbindung, die sich entsprechend in der Berichterstattung widerspiegelt und was sich einige neutraler wünschten. Parteiische Medien sind ja okay, aber sie sollten dazu stehen!

Zusätzlich spielen viele unserer Medien nicht mit offenen Karten und verschweigen die Mitgliedschaften führender Journalisten in einflussreichen Denkfabriken. Das darf man kritisieren, man sollte da aber nicht gleich geheime Mächte annehmen. Die Gründe sind meist viel profaner.

Um aber den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen - nein, nicht den Aluhutträgern, aber denen, die sich über fehlende Berichterstattung ärgern:

Investigativ über Denkfabriken berichten, Finanzierung, Mitgliedschaften, Absprachen, Filz. Nur Mut!

So fand ich es sehr gut, dass ein Tagesspiegel-Mitarbeiter mehr Informationen vom Bundeskanzleramt bzgl. von Treffen zwischen Kanzlerin und Journalisten erbat und das versuchte, gerichtlich durchzusetzen.
In einer heute teils sehr informierten Gesellschaft geht es imho nur mit mehr Offenheit, wenn man weiter Vertrauen geschenkt bekommen mag.
Medien, die verschweigen hingegen (über "Bilderberg"-Konferenzen wird ja zumindest inzwischen oberflächlich berichtet), bekommen ein Vertrauensproblem. Da nützt es auch nichts, mit dem Finger auf Wirrköpfe zu zeigen und alle Kritiker damit zu vermischen. Das greift irgendwann nicht mehr.

Also: Mut zur Offenheit, Mut zur Selbstkritik!


Quote
Buzz 22.03.2017, 11:14 Uhr
Es sind Artikel wie diese, die Menschen glauben machen, dass etwa Teilnehmer von Montagsmahnwachen nur wirre Spinner sind und man sich mit "denen" nicht weiter auseinanderzusetzen braucht oder darf.

Der Mainstream-Journalismus sollte sich selbst kritisch betrachten und sich fragen, warum Menschen zunehmend fernab der "üblichen" Kanäle auf der Suche nach Informationen sind. Dass sie dabei auch entgleisen liegt in der Natur des Menschen, denn wirklich davor gefeit ist niemand.

Es wäre Aufgabe der Medien, so unabhängig, hintergründig und kritisch zu berichten, wie es für eine echte "vierte Macht im Staate" erforderlich ist. In dieser Rolle jedoch versagen die Medien zusehends und laufen dem Mainstream hinterher, anstatt ihn zu hinterfragen, reden den Mächtigen und der Regierung zu Munde, anstatt Kontrollinstanz und Korrektiv zu sein, verschließen die Augen, wo sie investigativ sein müssten, sind oberflächlich, wo sie ergründen müssten und sie hetzen bisweilen, anstatt Demokratie zu leben.

Wenn der Tagesspiegel-Artikel erreicht, dass sich Menschen von "diesen Spinnern" abwenden, werden sich auf der anderen Seite Menschen weiter von den Medien abwenden. ...


Quote
Deutschertroll 21.03.2017, 17:28 Uhr
Der Artikel ist für mich der Versuch einer Diffamierung von Menschen, die sich für den Frieden einsetzen. Es gab unter diesen immer Wirrköpfe, nur, diese Wirrköpfe stellten keine Gefahr für eine gute Sache dar. Warum es in Deutschland mit der Friedensbewegung bergab ging, ist eine viel ernste Thematik. Und, es wird Zeit, dass es diese wieder gibt. Einst waren es die Grünen, die diese anführten. Heute gehören sie leider zu dem Establishment, was sie einst vehement bekämpften und erkennen wieder einmal nicht die Zeichen der Zeit: Millionen in diesem Land sind besorgt. Während unsere Rüstungsindustrie weltweit auf Platz 3 gelandet ist, während wir Waffen in Konfliktgebiete liefern - nach Algerien wurde gleich eine ganze Panzerfabrik geliefert und aufgebaut, trotz der Spannungen in und um Algerien - Hauptsache der Euro rollt. Unsere Waffen sind im Nahen Osten dabei, die Flüchtlinge sind auch Opfer unserer Politik. [...] Die Lage ist ernst, sehr ernst und Deutschland ist wieder dabei an immer mehr Militäreinsätzen im Ausland teilzunehmen. Unser Grundgesetz wurde vergewaltigt und durch den Bundestag in diesen Sachen praktisch außer Kraft gesetzt. Unser Grundgesetz verbietet Militäreinsätze im Ausland. Die Macher dieses Grundgesetzes haben sich 1949 dabei was gedacht - alles ausgehebelt.


Quote
Wasert 21.03.2017, 14:20 Uhr
Verschwörungstheorie ist heute das, was morgen in der Zeitung steht. Nicht ohne Grund werden sogenannte Verschwörungstheoretiker gern von den Medien angegriffen, indem Ihnen abstruse Strohmänner (flache Erde, Alufolie) untergejubelt werden.

Die Mainstreammedien und Funktionseliten basteln hingegen fleißig an einem Narrativ, das absurder nicht sein kann: Beispiele sind das von brennenden Papierzetteln zum Einsturz gebrachte WTC7, "Magical Bullets" aus Lee Harvey Oswalds Mauser-Gewehr, weinende Diplomatentöchter und Überraschungsangriffe in der Tonkin Bay. Nur echt mit dem obligatorischen angesengten Personalausweis in Tatortnähe!


Quote
2010ff 21.03.2017, 13:03 Uhr

... Wenn es viele Verschwörungstheorien gibt, so hat das auch mit zum Teil eklatantem Versagen der "seriösen" Medien zu tun.


Quote
Rotfahrer 21.03.2017, 13:07 Uhr
Das Problem ist doch eher, dass das abwertende Bergriff Verschwörungstheoretiker mittlerweile für jeden kritischen Kopf verwendet wird.  ...


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« Last Edit: March 28, 2017, 09:34:29 AM by Link »

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« Reply #54 on: April 10, 2017, 09:53:32 AM »
"Fake News: Google setzt Faktencheck-Label vermehrt ein, Facebook gibt Nutzern Nachhilfe"(heise online, 07.04.2017)
Facebook definiert gefälschte Nachrichten als solche, die darauf angelegt sind, für echt gehalten zu werden, aber nachweislich nicht korrekt sind. In Europa habe Facebook keinen Schub von Fake News vor den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich sowie mit Blick auf die Bundestagswahl im September festgestellt, sagte Mosseri. ... Google will derweil künftig verstärkt auf Hintergrundberichte hinweisen, in denen Medienunternehmen oder Verlage die Faktenlage bei strittigen Themen überprüfen. Das Faktencheck-Label werde von sofort an nicht nur bei Google News eingesetzt, sondern auch auf die Google-Suche ausgeweitet. Außerdem sei das Label nun für Medienunternehmen und Verlage weltweit verfügbar, teilten Justin Kosslyn von dem Google-Thinktank Jigsaw und Cong Yu, Wissenschaftler bei Google Research, am Freitag mit.
Jede Minute würden tausende neue Artikel online veröffentlicht, eine Menge an Inhalten, die wohl die meisten Nutzer überfordere, schreiben sie. ...
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Fake-News-Google-setzt-Faktencheck-Label-vermehrt-ein-Facebook-gibt-Nutzern-Nachhilfe-3677741.html

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"Das Regime der demokratischen Wahrheit IV – It’s the Culture, Stupid"
Publiziert am 20. März 2017 von mspro
Es ist an der Zeit, festzuhalten, dass das Regime der demokratischen Wahrheit weder von Trump installiert wurde, noch von ihm betrieben wird. Es ist vielmehr diese Struktur aus Medien, Community und angeschlossenen Wertesystemen, die sich lange vor und völlig unabhängig von seiner Präsidentschaftskandidatur entwickelt hat. Diese medial-kulturelle Struktur ist die Basis, der Resonanzraum von Trumps Antifragilität. Sie ist es, die verhärtet wenn Trump angegriffen wird. Sie ist es, die nach jedem Angriff gestärkt dasteht. ...
http://www.ctrl-verlust.net/breitbart-alt-right-filterbubble/

"Linkliste zur Alt-Right" (Veröffentlicht am 16/03/2017)
Die Liste ist alles andere als vollständig, aber als Überblick vielleicht hilfreich. Man merkt sicher auch, dass ich einen Schwerpunkt auf die netzkulturellen Strömungen der Alt-Right gelegt habe, der nicht repräsentativ sein muss. Der richtig harte Nazi-Teil ist etwas unterrepräsentiert, wie auch der esoterische Ansatz. Die Richard Spencer-Ecke scheint mir aber nicht viel neues zu beinhalten, sondern ziemlich mit dem kongruent zu sein, was wir in Europa unter Nouvelle Droite und der Identitären Bewegung kennen. ...
http://mspr0.de/?p=4753

"Study: Breitbart-led right-wing media ecosystem altered broader media agenda" (March 3, 2017)
The 2016 Presidential election shook the foundations of American politics. Media reports immediately looked for external disruption to explain the unanticipated victory—with theories ranging from Russian hacking to “fake news.”
We have a less exotic, but perhaps more disconcerting explanation ...
https://www.cjr.org/analysis/breitbart-media-trump-harvard-study.php

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"Die Rechten mögen Info3 nicht" Michael Eggert (April 13, 2017)
Wie man hört, waren die überregionalen Sitzungen anthroposophischer Redakteure und Verleger schon früher kein Hort der Einigkeit; so mancher Schreiber fuhr insbesondere in den Gedanken an Jens Heisterkamp und „die Info3- Clique“ dorthin mit pelziger Zunge und dunkel bewölkten Gedanken. Diese Liberalen, Globalisten und spirituell Aufgeschlossenen unter den anthroposophischen Publizisten haben aber nicht nur in der Szene einen schweren Stand, nein selbst das (nach eigener Einschätzung) elitäre Leitmedium der neuen Rechten, die Vordenker der AfD unter Leitung des Hipster- Schlossherrn und Publizisten, ja „geistigen Führers“ (FAZ) Götz Kubitschek aus Schnellroda widmet sich jetzt Info3. Kubitschek und seine Frau mögen, nach Informationen der FAZ, Ziegenkäse, Wehrsportgruppen und Leni Riefenstahl. Die Info3 mögen sie nicht. ...
https://egoistenblog.blogspot.de/2017/04/die-rechten-mogen-info3-nicht.html

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"Debatte: Wo kommt der Begriff „Querfront“ her und welche Funktion hat er?" Nemetico (22. März 2016)
„Querfront“ ist ein seit 2014 aufgetauchter Begriff, nicht etwa nur in der degenerierten „linken Szene“, sondern auch in den Mainstream – Medien.
„Querfront“ wurde den Mahnwachen 2014 unterstellt, „Querfront“ natürlich auch den „Putin-Verstehern“, aber seltsamerweise auch Sahra Wagenknecht von der Linkspartei.
Klar ist nur eines: „Querfront“ ist was ganz ganz schlimmes, auch wenn kaum jemand eine Ahnung davon hat, was er eigentlich bedeuten soll.
Diesbezüglich löst der Begriff „Querfront“ Begriffe wie „Antisemit!“ oder „sekundärer Antisemitismus“ ab, die noch in jüngerer Zeit als Diffamierungsettikett von der sogenannten Transatlantifa gebraucht wurde.
Eine ähnliche Funktion hatte der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ für alle Menschen, die wurmstichigen regierungsoffiziellen Erklärungen zu terroristischen Massenmorden keinen Glauben mehr schenken wollten. ...
https://nemetico.wordpress.com/2016/03/22/wo-kommt-der-begriff-querfront-her-und-welche-funktion-hat-er/

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https://fabianschmidmeier.wordpress.com/2017/01/01/nationalistisch-linke-querfront-elsasser-jebsen-horstel-wimmer-und-die-alternativen-medien/

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QuerFrontSeiten
https://querfrontseiten.blogspot.de/


« Last Edit: April 26, 2017, 09:51:50 AM by Link »

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« Reply #55 on: May 10, 2017, 09:42:18 AM »
"Gedenken unterm Sowjetstern" (09.05.2017)
Der Treptower Park gehört am 9. Mai den Nachfahren der Sowjetunion und ihrer Verbündeten. Er ist an diesem Montag längst nicht so mit Menschen gefüllt wie vor zwei Jahren zum 70. Jahrestag der Befreiung, aber die meisten bringen Rosen und Nelken mit, um sie an den Mahnmälern niederzulegen. ... Der 9. Mai ist aber auch das Jahrestreffen der Putinversteher und Verschwörungstheoretiker. Andreas Maluga vom Verein "DDR-Kabinett" aus Bochum hält eine rote Sowjetfahne hoch und verteilt Infoblättchen. Darin geht es um die angeblich aggressive Politik von EU und Nato, die auf Russland herabblickten und den Dritten Weltkrieg vorbereiteten. Ähnlich argumentiert eine Reichsbürger-Vereinigung, die mit allerlei Fahnen und Infotafeln am Hauptweg des Ehrenmals Aufstellung genommen hat. Etwas abseits singt eine Gruppe mit viel Inbrunst russische Volkslieder. ...
Günter Weiglein hat sich aus Würzburg auf den Weg nach Berlin gemacht, er ist mit einer Russin verheiratet und findet Gefallen an den Ideen des Verschwörungstheoretikers Mathias Bröckers. Außerdem möchte er seine Solidarität mit den Opfern des Zweiten Weltkrieges bekunden. Putin übrigens sei ein "sehr bedachter" Politiker, der Westen dagegen eher "aggressiv unterwegs". Weiglein ist für den Frieden, schon seiner zwei Söhne wegen, denen er eine solche Katastrophe ersparen möchte. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/russische-biker-in-berlin-gedenken-unterm-sowjetstern/19778642.html

Quote
mgbln 09:05 Uhr
Na, da haben wir die ja alle wieder in unseren Einheitsbrei gerührt - die Putinversteher, Verschwörungstheoretiker und die, die man nicht so ernst nehmen sollte. Diese Art Journalismus, der Information und Meinung durch Schlagworte ersetzt und Andersdenkende verunglimpft, ist in Mode gekommen. Aber das gehört wohl zu unseren "Werten", die es zu verteidigen gilt...


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"Frankreich: Macron redet Klartext mit Putin" Axel Veiel (30.05.2017)
... Und dann sagte Macron auch noch, was er von den Putin verbundenen Medien Sputnik und Russia Today hält, die sich in den französischen Wahlkampf eingeschaltet, Macron verleumdet hatten. „Das sind keine Medien, das sind Lügen verbreitende Propaganda-Organe.“ ...
http://www.fr.de/politik/frankreich-macron-redet-klartext-mit-putin-a-1287253

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"Präsident Macron legt sich mit Sputnik und RT an" Thomas Pany (30. Mai 2017)
... Nach einem Zitat von Dhuicq, in dem ausdrücklich und dick gedruckt davon die Rede ist, dass Macron eine "sehr reiche schwule Lobby" hinter sich habe und dass dies "schon alles sage", erwähnt der Sputnik-Bericht, dass Macron dem hartnäckigen Gerücht über seine Homosexualität und sein Doppelleben öffentliche Aussagen gegenübergestellt habe, die dies negieren.
Man kann sich die Frage stellen, welche Haltung der Sputnik-Redaktion dahintersteht, solchen auf Dreckwerfen ausgerichteten Aussagen eine öffentliche Prominenz zu verleihen. Naiv wäre es anzunehmen, dies würde aus dem journalistischen Ethos heraus geschehen, möglichst viele Standpunkte und Meinungen darzustellen.
Dass Macron Unterstützer mit sehr viel Kapital hat, war bekannt, Dhuicq liefert hier kein neues Erkenntnismaterial, sondern nur Gift für einen intriganten Blick auf Macron. Den Redakteuren von Sputnik dürfte klar gewesen sein, welches Publikum sie damit bedienen. ...
Medial wird Macron von einer geförderten Hofberichterstattung begeleitet. Ohnehin ist er von Könnern umgeben, die Inszenierungen beherrschen, wie der ausgetüftelte Empfang von Putin gezeigt hat. Genau deswegen hat Macron Gegenstimmen nötig. Allerdings nicht solche der Art, wie sie Dhuicq herausgockelt. ...
https://www.heise.de/tp/features/Praesident-Macron-legt-sich-mit-Sputnik-und-RT-an-3729149.html

Quote
     mitwirker, 30.05.2017 16:50

Dafür das sputnik kaum jemand liest/sieht ....
wird ein ganz schöner Bohei darum gemacht ...


Quote
     Hat se nicht alle, 30.05.2017 16:54

Denken sie auf keinen Fall an einen weißen Elefanten!

... Betrachtet man die Verbreitung von RT und Sputnik und setzt diese zwei Quellen in Relation zu der gigantischen Menge von Medien, die aus Macron einen Halbgott zimmerten, dann ist der Vorwurf lächerlich und eines Präsidenten nicht würdig. Das ist Aufgabe der Diplomatie und wer sonst wenn nicht Frankreich hat darin Expertise. Dieses Thema bei einem Staatsbesuch vorzutragen zeugt von einem extrem dünnen Nervenkostüm, oder einem brachialen Volltreffer.


Quote
     Charonhb, 30.05.2017 17:46

Vive la Pluralismus

Die russischen Staatsmedien legen selbstverständlich eigene Schwerpunkte und sie haben eine Perspektive die mit Sicherheit nicht von irgendwelchen transatlantischen Lobbyverbänden und Thinktanks beeinflusst ist - im Gegensatz zu unseren eigenen "Leitmedien" bei denen sich manche eben diese Parteinahme sogar wörtlich in der Unternehmenssatzung* verankern.

*(Siehe Punkt 3 http://nachhaltigkeit.axelspringer.de/de/grundsaetze/unternehmensgrundsaetze.html)

[   

    Wir treten ein für Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie und ein vereinigtes Europa.
    Wir unterstützen die Lebensrechte Israels.
    Wir zeigen unsere Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.
    Wir lehnen politischen und religiösen Extremismus ab.
    Wir setzen uns für eine freie und soziale Marktwirtschaft ein.

]

In Frankreich gibt es sicher einen ähnlichen "Patriotismus" der Leitmedien, die eigene Regierung bzw. das eigene Bündniss eher zu vertreten als zu kritisieren, wie in Deutschland oder Großbrittanien, oder eben wie in Russland.

Das ist Pluralismus und wer den kritisiert oder angreift sollte umgehend einen Auffrischungs- oder Nachhilfekurs Staatsphilosophie verpasst bekommen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (30.05.2017 17:54).


Quote
     eichkater, 30.05.2017 21:16

Wäre Macron ein Hoffnungsträger der westlichen Welt

würde er sich dafür einsetzen, das der Diskurs gegen ihn wieder immanent in den eigenen Medien geführt werden kann und man nicht heimlich russische Medien konsumieren muß wie Feindsender unter Hitler. Das war ja schließlich durch ein Jahrhundert die Freiheit des sogenannten Westens. Was für ein Kleingeist und Postdemokrat, der sich an die gleichgeschaltete eigene Medienhudelei dermaßen gewöhnt hat, dass ihn eine nur minimale distanzierte Berichterstattung in einem blockexternen Auslandsmedium bereits stört.
Man vergleiche mal den inkriminierten Sputnik-Artikel mit all dem Müll, angefangen von "Stoppt Putin jetzt", den unsere vereinigte Müllpresse täglich über Putin ausgekippt hat bzw. damit "massiv auf den Ausgang der Wahlen in Rußland Einfluß" nahm. ...


...


"As Putin Looks On, Macron Says Russian State News Channels Spread Lies About Him" (Robert Mackey, May 30 2017)
The first meeting between Emmanuel Macron, the newly elected president of France, and his Russian counterpart, Vladimir Putin, was bound to be a little awkward, given that Macron’s aides had all but publicly blamed Russia for a massive cyberattack on his campaign on the eve of the election.
Asked about those suspicions on Monday at a joint news conference with the Russian president in Versailles, Macron said that the subject had not come up during their working lunch — because he had already raised it when Putin called to congratulate him on his victory. “When I say things once, I don’t usually repeat myself,” Macron added.
Moments later, however, the French president left little doubt that he was convinced the Russian government had tried to prevent his election by spreading false rumors about him through two state-owned news networks, Russia Today and Sputnik.
Standing next to Putin, Macron told Xenia Fedorova, the head of the Kremlin-financed channel RT France, that her reporters had been denied access to his campaign headquarters before the vote because they had been acting not as journalists but as propagandists.
https://theintercept.com/2017/05/29/putin-looks-macron-says-russian-state-news-channels-spread-lies/

Quote
Bart
May 30 2017, 10:06 p.m.

Did RT broadcast what Macron says it did about, e.g., a gay lover?

Quote
Voice from Europe Bart
May 31 2017, 9:57 a.m.

Afraid to watch RT yourself….afraid of being subverted. Lol.



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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #56 on: June 07, 2017, 01:26:17 PM »
"Correctiv macht Privatleben von AfD-Frau zum „Sexskandal“" Stefan Niggemeier (3. Mai 2017)
Eine Kandidatin der AfD für den nordrhein-westfälischen Landtag hat vor ein paar Jahren offenbar etwas Geld mit Sex verdient. Vielleicht war es nur ein „Taschengeld“, vielleicht eine angenehme Verdoppelung ihres Einkommens. Vielleicht war es weniger finanziell als erotisch motiviert: durch eine Art Fetisch, sich wie eine Prostituierte zu verhalten.
Man weiß es nicht genau, aber man muss es auch nicht genau wissen: Es ist ihre Privatsache.
Das Recherchebüro Correctiv hat sie gestern öffentlich gemacht und sprach von einem „Sexskandal“. Der Ruhr-Ableger von Correctiv pries den Text auf Twitter als exklusive Enthüllung an: „Spitzenfrau der Rechtspopulisten vermietete ihren Körper übers Internet“, hieß es, und: „Rechtspopulisten gehen mit Teilzeitprostituierten in die heiße Phase des Wahlkampfes“. ...
http://uebermedien.de/15068/correctiv-macht-privatleben-von-afd-frau-zum-sexskandal/


"Zu Correctiv" (Sonntag, 14. Mai 2017)
Aus beruflichen Gründen habe ich den ein oder anderen Einblick in Szenen, die manche vielleicht als kinky oder hübschlerisch bezeichnen würden - tatsächlich fällt mir auch manchmal auf, dass es enorme Ähnlichkeiten zwischen Journalismus, Kulturbetrieb und anderen Formen käuflicher Annäherung gibt. Journalisten, Autoren, Callgirls, Poletänzerinnen - wir alle spielen mit den Gefühlen und Erwartungshaltungen von Menschen, und wer das System einmal durchschaut hat, erkennt die Grundprinzipien auch in anderen Bereichen wieder. Die Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz, das Gefühl, in gewisser Weise zum Objekt gemacht zu werden und gleichzeitig Subjekt zu sein, die Entgrenzung in begrenzten Systemen, die Widersprüchlichkeit von Fremde und Intimität - damit arbeiten wir. Das füllt uns mehr oder weniger das Konto.  ...
Ich habe Schwierigkeiten, einen Unterschied zwische "Revenge Porn" und dem zu sehen, was Correctiv getan hat. Und ich bin froh um die Reaktionen, die das zurückgewiesen haben. Die Freiräume für nicht den angeblichen Normen entsprechende Verhaltensweisen sind ein Grund, dieses Netz unbedingt zu erhalten. Es wird für jeden, auch für den Liberalsten, Sexualpraktiken geben, die zwar legal sind, aber die er für sich auf gar keinen Fall haben will. So ist das eben. Nur wenn der Freiraum dieser anderen garantiert wird, kann er für alle garantiert werden. Zerstört man das, weil es um die AfD geht, wird der nächste es für gerechtfertigt halten, weil ihm eine andere Einstellung nicht passt - wir sind da ganz schnell wieder auf dem Weg zum Schmutz- und Schundgesetz, undemokratisch reaktiviert durch Skandalschmierfinken und ihre Shitstormabsichten. ...
https://rebellmarkt.blogger.de/stories/2642787/

Quote
trippmadam, Montag, 15. Mai 2017, 19:00
Wann hat das eigentlich (wieder) angefangen, dass Sexualität (und damit auch oder erst recht Sexarbeit) erpressbar macht?
Ich finde ja eher die Mitgliedschaft in der AfD unmoralisch. Aber mit dem Familienbild der Rechten einerseits und der Moralinsäure der Linken andererseits schließt sich ein Kreis, der mir nicht behagt.

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"CNN Journalists Resign: Latest Example of Media Recklessness on the Russia Threat" Glenn Greenwald (June 27 2017)
All media outlets will make mistakes; that is to be expected. But when all of the “mistakes” are devoted to the same rhetorical theme, and when they all end up advancing the same narrative goal, it seems clear that they are not the byproduct of mere garden-variety journalistic mistakes. ... A related, and perhaps more significant, dynamic is that journalistic standards are often dispensed with when it comes to exaggerating the threat posed by countries deemed to be the official enemy du jour. That is a journalistic principle that has repeatedly asserted itself, with Iraq being the most memorable but by no means only example.
In sum, anything is fair game when it comes to circulating accusations about official U.S. adversaries, no matter how baseless, and Russia currently occupies that role. (More generally: The less standing and power one has in official Washington, the more acceptable it is in U.S. media circles to publish false claims about them, as this recent, shockingly falsehood-ridden New York Times article about RT host Lee Camp illustrates; it, too, now contains multiple corrections.)
And then there is the fact that the vast majority of reporting about Russia, as well as Trump’s alleged ties to the Kremlin, has been based exclusively on evidence-free assertions of anonymous officials, many, if not most, of whom have concealed agendas. That means that they are free to issue completely false claims without the slightest concern of repercussions. ...
https://theintercept.com/2017/06/27/cnn-journalists-resign-latest-example-of-media-recklessness-on-the-russia-threat/

Quote
Thominus
June 28 2017, 12:00 a.m.

The even darker side of this is how much *actual* news regarding Russia and related geopolitics is completely unreported – since it does not fall in line with the propaganda. So now the situation is not only that the western population majority believes in hysteric anti-Russia narratives of pure fantasy, but is also completely ignorant of what is actually unfolding. From this point, the ‘common narrative’ that the average Joe presumes as fact actually becomes a barrier to any understanding of the contradictory reality as history unfolds. As long as Americans can be kept in a feel-good bubble convinced that ‘we are the good guys and they are the evil bad guys’ you can have their blessing to print unlimited sums of money to spend on military-industrial-spy-complex hardware at the most over-priced rate imaginable.

Keep us safe™

It has become so pervasive that I’ve actually run across more and more younger people that are unquestioningly convinced that somehow America has become so advanced or Russia has become so backward that MAD (Mutually Assured Destruction) is not a concern anymore. A generation of this and it will be the last.

Today’s Russia represents the risk of a multi-polar world, so it must be demonized and threatened until either assimilated or destroyed. They will relentlessly keep demonizing Putin, sanctioning Russia’s economy, and stoking up NATO at its doorstep forcing Russia’s remaining economic resources into defense spending at the expense of growth until they can get their next Yeltsin installed. If a hot war breaks out by some accident no big deal – its only us plebs that will suffer anyway.


Quote
Torontonian Granny sue
June 28 2017, 2:43 a.m.

I agree! And that is scary– that’s how totally delusional US intelligence, military, and political forces are right now in the U.S. Polls released today here in Canada have our trust in the U.S. at an all-time low. We are doing everything we can up here to distance ourselves from the U.S. in every possible way. It is kind of realizing you have an emotionally disturbed/drunk Uncle and you are quietly taking the wine away from his reach while getting as far away from him as possible. Time for you guys to clean house– not just the Executive Branch.


Quote
Tom
June 27 2017, 11:47 p.m.

Why does this continue to happen? Lots of key words. Not journalists, but “media personalities”. Corporate media. Infotainment. Boring rolling news is so retro. Ratings hype. Corporate media’s convinced they must never do anything to piss off Trump. If they do, they’re instantly cut off and then sacked.

There is still no absolute proof that Putin manipulated the 2016 election. An “anonymous Kremlin source” told the CIA. Really? Not good enough. I can anonymously source literally anything I want. Doesn’t mean that it’s true. But that doesn’t matter.

What DOES matter is these corporate owners of cable news outlets making their defense industry advertisers happy by starting a new war with Russia. Comcast owns MSNBC. Maddow has the #1 rated show. Comcast pays her $7 million a year. They tell her what to do and say to keep that money and her other perks. If she doesn’t, she’s fired. Now, does anyone seriously believe that Maddow’s going to give all of that up and actually be a responsible journalist? Just because you say that our super duper Chief Global Affairs Correspondent Richard Engle says it’s true means that it is? Wrong. When a news outlet issues a retraction, why is it always as tiny as possible in print or as vague as possible on TV/radio? Because they hate to actually have to do their job.


Quote
Jon M.
June 27 2017, 11:44 p.m.

The very same MSM that held our hand as GWB invaded Iraq, shocking and awing thousands of Muslims to death in their own country.
Entreating us to stay the course to neverending war on terror, conducted globally.
Trump’s gonna bomb em more fiercely than GWB,BHO HRC combined!
And the Sunday talk news shows will cheerlead bravely staying that course.
Normalizing a constant state of war so blatantly’s a tad too Orwellian and fascist too fly far in the 21st century, I hope.


Quote
Dale
June 27 2017, 11:39 p.m.

I wonder how many readers, after having digested the fake news reports from the Leftist rags, and spread the garbage on social media, go back and see the retractions. The damage is done, and the fake news outlets know it.


Quote
Croaker Dale
June 28 2017, 12:34 a.m.

Fake as in Fox news too. Right? You surely aren’t so stupid that Fox and Breitbart and that trash is real are you? Lots of bullshit out there and the Koch’s have paid for more than a little.


Quote
Frank Tisdale
June 27 2017, 11:15 p.m.

Thank you, Glenn.

I personally think the “prestige media” (*i use that term with some scorn) will never entirely recover from this. The fact is that NYT, CNN, WaPo, et al, have forever shattered their credibility. And i do not celebrate their demise, because i grow concerned what will come to replace them will simply be more of the same, albeit better-tuned to smaller, niche partisan markets.


Quote
Frank Tisdale
June 27 2017, 11:15 p.m.

Thank you, Glenn.

I personally think the “prestige media” (*i use that term with some scorn) will never entirely recover from this. The fact is that NYT, CNN, WaPo, et al, have forever shattered their credibility. And i do not celebrate their demise, because i grow concerned what will come to replace them will simply be more of the same, albeit better-tuned to smaller, niche partisan markets.

Quote
Shannon
June 27 2017, 10:46 p.m.

Thank you, Glenn for real journalism. It is quite refreshing in today’s world……


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« Last Edit: June 28, 2017, 07:52:49 AM by Link »

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #57 on: June 30, 2017, 01:20:50 PM »
"In diesem Video erklärt John Oliver auf tragisch komische Weise das ganze Ausmaß der Print- und Journalismuskrise" (08.08.2016)
John Oliver und seine HBO-Show "Last Week Tonight" sind bekannt für scharfzüngige, politische Erklärstücke. Diesmal hat sich Oliver ganz dem Journalismus gewidmet und erklärt anschaulich, warum ohne lokale Tageszeitungen die komplette Medien-Nahrungskette auseinanderfällt. Ausgehend von dem Oscar prämierten Journalisten-Film „Spotlight“ erläutert John Oliver in knapp 20 Minuten den bedauernswerten Zustand vieler Zeitungsredaktionen in den USA. Und er erklärt, warum Zeitungsredaktion für das gesamte Mediensystem von elementarer Bedeutung sind: „Vieles von dem, was Websites und TV-Nachrichten machen, ist bloß das Umverpacken von Print-Quellen. Auch dumme kleine Shows wie unsere hängen von der Arbeit von regionalen Zeitungen ab. Wann immer unsere Show Journalismus genannt wird, ist das ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die die wirkliche Arbeit machen.“ Oliver kommt zu dem Schluss: „Die Medien sind eine Nahrungskette, die ohne lokale Zeitungen auseinanderfallen würde.“
http://meedia.de/2016/08/08/in-diesem-video-erklaert-john-oliver-auf-tragisch-komische-weise-das-ganze-ausmass-der-print-und-journalismuskrise/

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"Wenn der Attentäter Muslim ist, berichten Medien fünfmal so häufig" Fabian Köhle (11. Juli 2017)
Der Frage, wie sich die mediale Berichterstattung über islamistische und nicht-islamistische Anschläge unterscheidet, sind nun zwei amerikanische Kommunikations- und Terrorismus-Forscher nachgegangen. ...
https://www.heise.de/tp/features/Wenn-der-Attentaeter-Muslim-ist-berichten-Medien-fuenfmal-so-haeufig-3764887.html

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"Verschwörungstheorien und „gutes Bildungsfernsehen“: das kontroverse YouTube-Phänomen KenFM" Hendrik Steinkuhl (14.07.2017)
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder: Ken Jebsen ist der Unberührbare der deutschen Medienszene, die scheinbare Quersumme aus Pegida, AfD und Alu-Hut-Trägern. Zu seiner Verfemung hat der ehemalige RBB-Moderator einiges beigetragen – unberechtigt ist sie trotzdem. Denn Jebsen ist vieles nicht, was man ihm vorwirft. ... Vor allem sein Format „KenFM im Gespräch“ ist, wie Matthias Bröckers in seinem Buch „Der Fall Ken Jebsen“ zutreffend schreibt, „nichts anderes als das gute, alte Bildungsfernsehen.“ Jebsens Unterbrechungen und Suggestionen stören, trotzdem sind zum Beispiel die bereits erwähnten Interviews mit Michael Buback, mit Petra Wild oder Mosche Zuckermann besser als fast alles, was man im Deutschen Fernsehen zu sehen bekommt.
Jebsen ist immer vorbereitet, immer interessiert, nie oberflächlich, und seine Gäste haben oft sehr viel Interessantes zu erzählen – was sie bei KenFM auch können. Zweieinhalbstündige Interviews sind im Fernsehen unvorstellbar. Ken Jebsen zeigt, dass derartig lange Gespräche nicht nur möglich, sondern oft notwendig sind, um einem Thema gerecht zu werden.
Und genauso bedarf es auch einer intensiven Recherche und eines langen Textes, um diesem manischen Provokateur und Content-Ausspucker Ken Jebsen gerecht zu werden.
Ja, oft ist weniger mehr. Aber eben nicht immer.
http://meedia.de/2017/07/14/verschwoerungstheorien-und-gutes-bildungsfernsehen-das-kontroverse-youtube-phaenomen-kenfm/

Quote
Stefan sagt:   
14.07.2017 um 15:08

Immer wieder überraschend, dass Meedia in der deutschen Presselandschaft heraus sticht als eines der einzigen Publikationen, die sich bei so einem Thema zu einer differenzierten Darstellung trauen. ...


Quote
Michael Müller sagt:   
14.07.2017 um 14:25

„Jebsen zur Neuen Rechten zu zählen ist vollkommen absurd“
Warum schreiben das dann die „Qualitätsmedien“ andauernd? Ist deren Qualität vielleicht doch nicht so gut? Und warum schreiben alle das gleiche, wo es doch angeblich so eine große Meinungsvielfalt bei uns gibt? Fragen über Fragen…

Quote
PjotrUnwitzig sagt:   
14.07.2017 um 14:12

So ein sachlicher Kommentar über einen der Lieblingsfeindbilder (und größten Konkurrenten) der etablierten Medien? Herzlichen Glückwunsch! Auch wenn man soetwas von diesen etablierten Medien wohl eher nicht lesen wird. Allein schon weil es um die Deutungshoheit geht.

Ja bei Jebsen hat man ständig das Gefühl er wäre auf Koks und Speed, seine stakkatoartigen Monologe die auf zwei Stunden kommen können sind oft nicht so einfach zu ertragen. Er verschießt etwa 4000 rounds per minute – um das mal bildsprachlich auf den Punkt zu bringen. Aber es gibt wohl momentan keinen besseren und engagierteren Journalisten. Und keine interessanteren Interviews. Und: viel Feind viel Ehr!


Quote
Oedel Doedel sagt:   
14.07.2017 um 13:53

Also ich finde diesen Beitrag über Ken Jebsen mehr als zutreffend.Für mich ist es oft schwer erträglich seinen,oft schon oberschullehrerhaften,mit Vorwürfen an die Hörerschaft,weil sie untätig oder anderes sind, gerichteten Monologe zu folgen.Ich halte es dann doch durch da seine Gäste alles wieder raus reißen.Seine Arbeit halte ich trotz allem für einen unerlässlichen Beitrag zu einer umfassenden Meinungsbildung.


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Zu: "CNN macht Werbung für die Laserwaffe der Navy im Persischen Golf" Florian Rötzer (19. Juli 2017)
https://www.heise.de/tp/features/CNN-macht-Werbung-fuer-die-Laserwaffe-der-Navy-im-Persischen-Golf-3775965.html

Quote
     erazerhead, 19.07.2017 08:13

Militärpropagandazwecke? Da sitzen sie mit N24 und ntv in der ersten Reihe.

Warum über den großen Teich blicken und nicht einfach mal die Doku-Highlights bei ntv oder N24 kucken. Wenn nicht gerade eine Hitler,Hitler,Hitler-Dauerserie läuft ist das Programm übervoll mit Dokumentationen(Dauerwerbesendungen) zum Thema der überragenden Militärtechnik der USA. Sogar international operierende Killerkommandos werden dort noch unhinterfragt als globale Freiheitskämpfer stilisiert.

Quote
romek_atomek, 19.07.2017 08:57

Re: Militärpropagandazwecke? Da sitzen sie mit N24 und ntv in der ersten Reihe.

Ich hatte vor ein paar Monaten zufällig auf ntv geklickt, als eine Reportage über Hells Angels in Russland lief.
Die Russen finden Hells Angels nicht so toll und das wurde in dem Propagandastreifen 30 Mal gekaut.
Die armen Hells Angels würden ihren demokratischen Grundrechten beraubt, indem man sie nicht Menschen, -waffen und -drogenhandel betreiben lasse.
Und die bösen russischen Biker seien alle putintreue Bösewichte.
Nach der "Reportage" war mir erstmal schlecht.



https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/CNN-macht-Werbung-fuer-die-Laserwaffe-der-Navy-im-Persischen-Golf/Militaerpropagandazwecke-Da-sitzen-sie-mit-N24-und-ntv-in-der-ersten-Reihe/posting-30727578/show/

« Last Edit: July 19, 2017, 10:50:20 AM by Link »

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« Reply #58 on: September 07, 2017, 07:41:28 AM »
"Ja, lügen die Medien denn nun oder nicht?" Jens Wernicke  (07. September 2017)
Walter van Rossum ist Autor, Medienkritiker und Investigativjournalist. Er studierte Romanistik, Philosophie und Geschichte in Köln und Paris. Mit einer Arbeit über Jean-Paul Sartre wurde er 1989 an der Kölner Universität promoviert. Seit 1981 arbeitet er als freier Autor für WDR, Deutschlandfunk, "Zeit", "Merkur", "FAZ", "FR" und "Freitag". Für den WDR moderierte er unter anderem die "Funkhausgespräche".  ... Walter van Rossum über Wahrheit in den Medien, warum Journalisten oft Brandbeschleuniger sind und sich an geltende Sprachregelungen, Normen und Konventionen halten
In aller Regel sind Journalisten keine Menschen, die sich dem Tumult des Realen sowie dem Wagnis einer eigenen Analyse aussetzen. Nach meiner Erfahrung sind Journalisten eher Menschen, die geradezu Angst vor der dunklen Unruhe des Realen haben und sich lieber an gerade irgendwie geltende Sprachregelungen, Normen und Konventionen halten und dabei geradezu verzweifelt in schlichten und binären Erklärungsmustern Rettung suchen, also einem Denken etwa in Gut versus Böse, Freund versus Feind, und so weiter.
https://www.heise.de/tp/features/Ja-luegen-die-Medien-denn-nun-oder-nicht-3821723.html


"Jens Wernicke: Lügen die Medien?"  (1. September 2017)
Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung.
Walter van Rossum, David Goeßmann, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner Rügemer, Eckard Spoo, Noam Chomsky, Uwe Krüger, Rainer Mausfeld, Jörg Becker ... Seitenzahl: 368, ISBN-10: 3864891884
Die Einseitigkeit und Parteilichkeit vieler Medien ist kaum mehr zu ertragen. Wenn selbst führende Politiker inzwischen eine „erstaunliche Homogenität“ (Frank-Walter Steinmeier) und mangelnde Meinungsvielfalt der Presse beklagen, wird deutlich: Wir befinden uns in einer tiefgreifenden Krise, die nicht länger hinzunehmen ist. Doch warum? Was sind die Probleme und Ursachen? Und ist ein ehrlicher und ausgewogener Journalismus überhaupt noch denk- und vorstellbar?
Der Medienmainstream beantwortet diese Fragen üblicherweise mit Aussagen wie „Wir sind nicht gesteuert, Fehler passieren jedem einmal“ oder verortet die Krisenursachen mit der Behauptung „Das ist doch alles Verschwörungstheorie!“ beim Publikum selbst.
Eine umfassende und vielstimmige Medienkritik tut daher not. Eine Kritik, die den Bürgern die „intellektuellen Waffen“ (Pierre Bourdieu) an die Hand gibt, derlei Ausflüchte und Entmündigungsversuche als das zu erkennen, was sie sind: Versuche psychischer Manipulation. Eine Medienkritik also, die für die Bürger Partei ergreift und sich bewusst ist, dass „die Propaganda für die Demokratie (dasselbe ist) wie der Knüppel für einen totalitären Staat“ (Noam Chomsky).
Zu Wort kommen die Journalisten Walter van Rossum, David Goeßmann, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner Rügemer und Eckart Spoo. Die Wissenschaftler Noam Chomsky, Uwe Krüger, Rainer Mausfeld, Jörg Becker, Michael Walter, Erich Schmidt-Eenboom, Klaus-Jürgen Bruder, Kurt Gritsch und Daniele Ganser. Sowie mit Maren Müller, Hektor Haarkötter, Sabine Schiffer, Gert Hautsch, Rainer Butenschön, Markus Fiedler und Daniela Dahn wichtige Stimmen aus der Zivilgesellschaft....
„Für die Geschichte bis zum Ende des Kalten Kriegs galt, dass nahezu alle Leitmedien mehr oder weniger stark von Vertrauensjournalisten des BND durchsetzt waren. Auch bei meinen gegenwärtigen Arbeiten stoße ich immer wieder auf neue Fälle von Symbiosen des Dienstes mit Journalisten in der Altbundesrepublik. Auf der anderen Seite stand häufig das Bemühen der Dienste, missliebige Journalisten zu diffamieren, auszuspähen und zu observieren. Ich habe es am eigenen Leibe erfahren und damit die Initialzündung für einen Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags geliefert. In dessen Vorfeld hat es der BND 2005 noch einmal unternommen, meinen Kollegen Andreas Förster über einen Agenten aus Leipzig auszuforschen, nachdem ich mit Förster ans Tageslicht gebracht hatte, dass der BND mich von 1994 bis 1996 bespitzelt hatte. Die einhellige Verurteilung der rechtswidrigen Maßnahmen des BND gegen Journalisten über alle Bundestagsparteien hinweg in den Abschlussberichten hat dann dafür gesorgt, dass der Dienst seither – zumindest soweit man weiß – auf eine systematische Ausspähung von Medienvertretern verzichtet.“ Erich Schmidt-Eenboom

https://www.westendverlag.de/buch/luegen-die-medien/

Jens Wernicke: Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung
https://www.westendverlag.de/kommentare/propaganda-rudeljournalismus-und-der-kampf-um-die-oeffentliche-meinung/


"Rezension: Lügen die Medien?" Henry Mattheß (7. Sep 2017)
Das von Jens Wernicke vorgelegte Kompendium ist keine Medienschelte, sondern eine differenzierte und ausführlich begründete Medienkritik, die zudem nach Lösungen für die Zukunft fragt. Nach dessen Lektüre wird man das mediale und politische Geschehen zweifellos mit einem geschärften Blick beobachten. | Jens Wernicke, Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung. Frankfurt am Main 2017, Westend Verlag, 368 S., ISBN-13: 978-3864891885, 18 Euro, erschienen am 1. September 2017
https://hpd.de/artikel/luegen-medien-14743


"Veles: Die Hauptstadt der Fake News" Adelheid Wölfl (19.09.2017)
„Mit dem ganzen Trump-Ding haben ich und viele andere viel Kohle gemacht“: Zahlreiche Fake-News und -Webseiten entstehen in einer mazedonischen Kleinstadt. Denn „geile“ Neuigkeiten verkaufen sich besser als nüchterne Fakten. ... Der digitale Goldrausch in der mazedonischen Kleinstadt hat manche bereits so reich gemacht, dass sie sich Autos oder Wohnungen gekauft und Häuser mit Swimmingpools gebaut haben. Sie versprühten in der Ortsdisko Champagner, ihr Leben drehte sich um 180 Grad. ...
http://www.fr.de/panorama/veles-die-hauptstadt-der-fake-news-a-1352422

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"Wie der BND die deutschen Medien steuerte" Jens Wernicke (15. September 2017)
Erich Schmidt-Eenboom: Als ich 1998 das Buch "Undercover. Der BND und die deutschen Journalisten" veröffentlichte, konnte ich mich für die Ära von Reinhard Gehlen, also für die 1950er und 1960er Jahre, auf eine gesättigte Quellenbasis stützen, allem voran eine 1970 für das Bundeskanzleramt bestimmte Aufstellung über die sogenannten "Presse-Sonderverbindungen". Sie enthielt 230 Namen, darunter viele namhafte Medienvertreter aus der ersten Garnitur der westdeutschen Publizistik.
Der Zugriff auf Akten aus dem Nachlass des BND-Vizepräsidenten Dieter Blötz lieferte für die 1970er Jahre handfeste Beweise für das heimliche Zusammenspiel von Nachrichtendienst und Nachrichtenleuten, beispielsweise da, wo Karl-Wilhelm Fricke seine Berichterstattung im Deutschlandfunk über den Dienst mit Blötz abgesprochen hatte. Für die 1980er Jahre gab es immer noch eine erkleckliche Zahl nachweisbarer Einzelfälle, auch solche, die deutlich machten, dass es nicht nur um Public Relations ging, sondern auch um Spionage durch Korrespondenten und Redakteure.
Für die Geschichte bis zum Ende des Kalten Kriegs galt, dass nahezu alle Leitmedien mehr oder weniger stark von Vertrauensjournalisten des BND durchsetzt waren.
Auch bei meinen gegenwärtigen Arbeiten stoße ich immer wieder auf neue Fälle von Symbiosen des Dienstes mit Journalisten in der Alt-Bundesrepublik.
Auf der anderen Seite stand häufig das Bemühen der Dienste, missliebige Journalisten zu diffamieren, auszuspähen und zu observieren. Ich habe es am eigenen Leibe erfahren und damit die Initialzündung für einen Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags geliefert. ...
Ich hatte mit Marion Gräfin Dönhoff eine Lichtgestalt der bundesdeutschen Medienlandschaft als Propagandaaktivistin Pullachs entlarvt, die Reinhard Gehlen in der Zeit als Mischung aus Genie und Landedelmann hochschrieb, als der Dienst 1963 besonders schwach dastand. Herbe Kritik ist mir da in der Rezension vom 24. August 1998 "Spione wie wir" der Süddeutschen Zeitung entgegengeschlagen, weil ich die "wohl erste Frau dieser Republik, die ZEIT-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff", zu Unrecht bloßgestellt hätte. "Ausgerechnet sie ins Zwielicht rücken zu wollen - absurder geht’s nicht."
Dabei hatte ich der Journalistin auf Wunsch meines Verlegers das sie betreffende Kapitel sogar vorab zur Durchsicht übersandt. Sie monierte einzig die Überschrift "Die Gräfin und der General", befand jedoch die gesamte Darstellung im Oktober 1997 als zutreffend.
Ich gehe davon aus, dass die Unabhängige Historikerkommission des BND, namentlich Klaus-Dietmar Henke mit seinem Werk "Der BND in der Innenpolitik der Fünfziger Jahre" und Jost Dülffer mit dem Band "Der BND in der Innenpolitik der Sechziger Jahre" 2017/2018 die Verstrickungen von Marion Gräfin Dönhoff noch weit deutlicher zutage treten lassen werden. Ihre selbsternannten Ehrenretter werden dann noch blamierter dastehen.
... Für die 1950er Jahre ist festzuhalten, dass die Organisation Gehlen, also die Vorläuferin des BND, zahlreiche publizistische Aktivitäten entfaltete, um in einer wehrunwilligen Bevölkerung den Weg für die Wiederbewaffnung zu ebnen. Das bedeutet insgesamt, dass Pullach nicht nur Maßnahmen zum Aufpolieren des eigenen Images ergriff, sondern vielfach erfolgreich versuchte, die Öffentlichkeit im Sinn der Bundesregierungen zu beeinflussen. ...
https://www.heise.de/tp/features/Wie-der-BND-die-deutschen-Medien-steuerte-3832627.html
« Last Edit: September 20, 2017, 01:00:23 PM by Link »