Author Topic: Medienjournalismus und Medienkritik...  (Read 24635 times)

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #20 on: July 07, 2015, 05:49:24 PM »
"“Alles Lüge?” – Wie unsere Leser auf unseren Schwerpunkt zum Vertrauen in Medien reagiert haben"
von Götz Hamann am 7. Juli 2015 um 10:01
http://blog.zeit.de/fragen/2015/07/07/alles-luege/

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kamau   
07.07.2015 um 12:55 Uhr

Weit entfernt

Auch heute noch ist die “ZEIT” was einen entspannten Umgang mit Leserkommentaren angeht im Vergleich zu britischen Zeitungen weit entfernt: Humor darf, auch Satire und weshalb auch nicht eine Prise Zynismus! Was die Leser nicht wollen ist Gourvenantenhafte Bevormundung! Würde Tucholsky heute Leserbriefe schreiben, würde in der “ZEIT” kein einziger gedruckt


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Götz Hamann
07.07.2015 um 13:07 Uhr

Tucholsky

@kamau ein guter Punkt. Ich bin aber überzeugt. Jemanden von der Sprachmacht Tucholskys würden wir veröffentlichen.


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Mylady_Fox   
07.07.2015 um 13:17 Uhr
Verschont uns doch bitte endlich mit Eurem Gebettel um unsere “Gunst”. Versucht es einfach mal,wieder mit Journalismus.


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andreas
07.07.2015 um 13:18 Uhr
"Die Zeit" gibt es nicht mehr....

Liebe Redaktion,
wenn ich mir Ihre Live- Bericherstattung (Griechenland, Ukraine etc etc etc) und die Kommentare der User ansehe, die Sie hier angelockt haben (muss die Bild-Zeitung Leserschaft sein), kann ich mich nur freuen, dass ich DE verlassen habe. So viel Hass, Ignoranz, Überheblichkeit und Scheinheiligkeit, hätte nie gedacht… Habe über Jahrzehnten die Zeit gelesen, aber die Herren Naumann und Joffe haben es einfach zerstört.. die Zeit, eine Art The Times of Murdoch, but even worse…


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Nerazberiha   
07.07.2015 um 13:24 Uhr
Überschrift

-> Wie erwartet beschäftigen sich viele Leser auch mit der Russland-Berichterstattung. Ratlos machen uns diejenigen, die unterstellen, es gäbe so etwas wie eine Verschwörung DER Journalisten gemeinsam mit DER deutschen Regierung GEGEN Russland. Da können wir nur sagen: Nein, die gibt es nicht.

Dass es eine massiv einseitige Berichterstattung gab/gibt ist nicht zu leugnen, da helfen auch die angeführten Rechtfertigungen, dass die RF ja eigentlich ein imperialer Unrechtsstaat sei, nicht weiter. Weil das ja auf die USA gleichermaßen zutrifft, mit dem imperial agierenden Unrechtsstaat.
Ich verweise hier nochmal auf Chomsky, u.a. “Manufactering Consent” oder dieses kleine Essay:
http://hauptwort.at/2010/02/22/warum-die-mainstreammedien-mainstream-sind-von-noam-chomsky/

Dort steht sehr anschaulich, wie Medien, wie Journalisten in “freien” Systemen funktionieren, wie diese die Meinung der Eliten auch ganz ohne gesetzlichen Zwang übernehmen, meist aus banalen Opportunismus und Mitläuferei.

Ebenso entspricht es auch den Tatsachen, dass über Griechenland sehr tendenziös berichtet wurde.
Ich anerkenne durchaus, dass es sehr gute Artikel zu dem Thema gab, das Problem ist aber, dass auf einen informativen Artikel, gefühlt 10 mit systemtragender Desinformation gab.
Ich will auch nochmal anmerken, dass bereits die unkritische Übernahme von Regierungs-Neusprech (“Hilfsprogramme”; “Rettungsmaßnahmen”, “Reformen”) DESINFORMATION ist, weil Begriff, allgemeine Bedeutung und tatsächlicher Inhalt nicht übereinstimmen und es sich um sprachliche Manipulationen handelt.
Hätte der dt. Qualitäts-Journalismus z.B. von Anfang an darauf hingewiesen, dass die “Griechenland-Rettung” eine verdeckte Bankenrettung ist, oder was hinter den gefordeten “Reformen” steckt, wären die nationalistisch-chauvinistischen Ressentiments keineswegs derart geweckt worden, wie sie geweckt wurden.

Hier liegt ein erhebliches mediales Versagen vor, zu dem sich noch überhaupt nicht geäußert wurde.

Dann noch eine Anmerkung:
Ich würde diese Feedback-Geschichte nicht als Blogform machen, hier wird bei anzunehmend reger Beteiligung die Kommentarfunktion einfach völlig unübersichtlich.
Ich bitte daher, dass künftig als normalen Artikel einzustellen, wo ich als User alle Möglichkeiten der normalen Kommentarfunktion (die ich als Vorbildlich erachte) nutzen kann.


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Harmannus   
07.07.2015 um 13:28 Uhr

Rattenfänger

Zitat: “Weiter beklagt Florian Kennet, es gebe zu wenige Journalisten in deutschen Medien, die Putin freundlich gesinnt seien.” Zitatende

In dem von Ihnen zitierten Kommentar kommt das Wort Putin nicht einmal vor. Für mich ist das wieder so ein Punkt, wo der Leser missachtet wird. Nach meinem Verständnis ging es Florian nicht darum, Putin freundlich gesinnt zu sein, sondern darum, dass die Krim-Annexion/Sezession differenziert betrachtet wird – OHNE sich in den “Gefangenen” – Chor der Putin-Verächter einzustimmen. Viele Fragen des Ukraine-Konfliktes sind noch offen und werden es wohl ewig bleiben. Hätte die NATO klare Beweise, lägen sie schon lange auf den Tisch. So wenig, wie Putin ein lupenreiner Demokrat ist, ist die NATO ein nicht-aggressives Friedensbünsnis: Es geht auf beiden Seiten um Interessen und es wäre schön, wenn die einmal gegenüber gestellt werden würden.

Wie viele andere Medien auch scheint die ZON gefangen zwischen Meinungsmache (wer immer dahinter stecken mag) und Umsatzsteigerung (wo es schon eher klar ist, wer da dahinter steckt). So gesehen fällt es mir schwer zu glauben, dass das Leser Forum ein ernsthaft gemeinter Dialog mit den Lesern ist. Vielemehr vermute ich, dass es um Leserbindung geht. Mich treibt es immer wieder auf ZON, weil hier vergleichsweise freizügig kommentiert werden kann. Den meisten Nutzwert ziehe ich dann auch aus den Kommentaren, die eben genau diese differenzierte Betrachtung erlauben. Die jeweiligen Artikel dazu werden offenbar selten gelesen und dienen bestenfalls als Stichwortgeber.


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roland_s   
07.07.2015 um 13:30 Uhr
34. Vergleichsweise dürftig

Ich empfinde diese Reaktion weitgehend leider als dürftig. Die Ausgangsfrage war, warum das Vertrauen in die Medien sinkt. Selbstkritik? Fehlanzeige. Die bisherige Bilanz ist eigentlich:
– die Kommentatoren / Leser sind Schuld, sie schmähen zum Teil bösartik (dieser Punkt hat nur marginal mit der Ausgangsfrage zu tun, ist aber geeignet als Totschlagargument, frei nach dem Motto: Wenn Ihr euch nicht benehmen könnt; wir armen Journalisten…)
– das Vertrauen sinkt, weil sonst etwas mit dem Leser nicht stimmt
– die Kritik ist unberechtigt und wird als solche abgewiesen (heißt, der Leser sieht das falsch)
– die Kritik ist in marginalen Punkten berechtigt, aber…. (heißt, der Leser sieht das im Gesamtbild falsch)
– … die anderen Dinge ignorieren wir einfach

Es ist bisher überraschend viel Aufwand in der Sache betrieben worden – aber kein einziges, echtes, selbstkritisches Statement! Das müsste anders laufen, wenn man es ernst meint.

...


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de la diva   
07.07.2015 um 13:32 Uhr

Wie ernst darf man das nehmen?

Eigentlich sollte man sich freuen wenn die Journalisten die Kritik ihrer Leser/Kommentatoren aufgreifen.
Leider musste man beim ersten “Artikel mit ‘Diskussion'” schon feststellen, dass es den Journalisten der ZEIT nicht ganz ernst damit ist. Selbstreflektion gab es nur minimalistisch und es las sich eher als “Selbstbemitleidung” – auch in den wenigen Antworten…..

Dann möchte ich aber noch das Beispiel mit “Bellingcat” anführen – hier – auch bei ZON – wurden diese “Bürgerjournalisten” für so toll befunden ( damit diskreditiert ihr eure eigene Berufsgruppe!) ...


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truthdigger
07.07.2015 um 13:57 Uhr

Beispiele für einseitige Berichterstattung von ZON

Hinsichtlich Russland scheint ZON ziemlich uneinsichtig zu sein. Ich möchte ihnen daher noch ein paar Beispiele für ihre einseitige Berichterstattung geben: 1.) die Modernisierung von 40 russ. Atomsprengköpfen sehen sie als Provokation – ein Jahr vorher konnte man bei ZON lesen, dass 250 US-Atomsprengköpfe in Europa modernisiert werden. 2.) der Mord an Nemzow hat zahlreiche Berichte gefüllt mit einer Fülle an Spekulationen – der Mord an zahlreichen Oppositionellen Politikern in der Ukraine war SPON nur eine Randnotiz wert. 3.) es wurden wiederholt Versuche unternommen, eine militärische Beteiligung von Russland in der Ostukraine nachzuweisen (teilweise mit fragwürdigen Methoden, z.B. mit Bildern von russ. Panzern vor der (russ.) Stadt Donezk, der Bericht suggerierte aber, dass es in der Ukraine war) – von den Interessen und Machenschaften von US Think Tanks und NGOs aus der EU in der Ukraine findet sich dagegen keine Spur in ihrer Berichterstattung, ebenso wird die Anwesenheit von Nato-Militär und Lieferung von Waffen durch ZON anscheinend kritiklos unterstützt. 4.) über die Annexion der Krim kann man sich streiten. Allerdings hat Russland seit langem den Stützpunkt auf der Krim, dadurch Zugang zum Mittelmeer und es bestand die Gefahr, dass dieser durch den Umsturz in der Ukraine durch einen Nato-Stützpunkt ersetzt wird – daneben gibt es zweifelsohne zahlreiche weitere Nato-Stützpunkte in der direkten Nachbarschaft zu Russland – daher hatte Russland m.E. ein berechtigtes Interesse daran, den Stützpunkt zu behalten – und ich behaupte mal der NATO wäre die territoriale Integrität von Kuba auch ziemlich egal, wenn die Gefahr bestände, dass dort ein russ. Militärstützpunkt errichtet würde – wann setzt sich ZON mal kritisch mit der NATO auseinander oder versucht mal Russland zu verstehen?


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SethusC.   
07.07.2015 um 14:02 Uhr

Nicht überzeugend

Die Rechtfertigungen der ZEIT können mich nicht überzeugen.

– Zur Zusammensetzung der Redaktionen:
Das Problem sehe ich tatsächlich nicht. Jeder weiß, wo Zeitschriften jeweils politisch verortet sind. Jahrelang reichte es ja, sowohl die Welt als auch die ZEIT zu lesen, um beide Seiten mitzubekommen. Das Problem sehe ich heute eher darin, dass es zu bestimmten Themen kaum noch abweichende Meinungen gibt.

– Zu Russland. Sicher eins der meistdiskutierten Themen. An eine “Verschwörung” glaube ich nicht, trotzdem sind sich westliche Poltiiker und Medien in einem Maße einig, dass man einfach misstrauisch werden MUSS. Dass man in den Foren Menschen, die versuchen, den Konflikt auch aus Russlands Sicht zu betrachten oder die auch auf Fehler der westlichen Seite aufmerksam machen, ungehindert als bezahlte Schreiberlinge Moskaus, Putin-Trolle etc beschimpfen darf, ist mehr als ein Beleg dafür, dass die Medien hier nicht neutral sind.

– Bei Griechenland, da muss ich Ihnen zustimmen, hat das doch funktioniert. Da konnte man verschiedene Blickwinkel kennenlernen. Warum nicht beim Ukraine-Konflikt?


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ungut   
07.07.2015 um 14:04 Uhr

Miteinander reden

“Wenn aber ein autoritärer Präsident dann einen militärischen Konflikt mit seinem westlichen Nachbarn eingeht, wen wundern da kritische Berichte?”

Mich verwundert weniger wer kritisiert wird, sondern wer nicht kritisiert wird.

Dss Russland Soldaten in den Donbass entsendet hat, darüber darf man gerne berichten.Genauso darf man aber auch darüber berichten, daß die Maidanregierung undemkratisch und verfassungswidrig war, das sie Panzer geschickt hat um auf Demonstranten zu schiessen, das die ukrainische Regierung rechtsradikale Freiwilligenverbände in der Ostukraine wüten lässt, das sie tausende Zivilisten abgeschlachtet hat und über eine halbe Millionen ukrainischer Bürger aus dem eigenen Land vertrieben hat.

Diese Tatsachen wurden kaum bis ganricht berichtet und in Kolumnen zumeist ignoriert. Stattdessen bekommen wir immer wieder vorgebetet: “Russland ist der alleinige Aggressor.”

Nur weil ihr ein Problem mit der russischen Innenpolitik habt heisst das nicht, daß ihr eure Objektivität vergessen solltet. In der Ostukraine sterben und leiden sehr viele unschuldige Menschen. Da sollte kein Platz sein für eure Berufseitelkeit.
Ihr solltet die ukrainische Regierung und ihre westlichen Hinterleute genauso kritisieren, wie ihr es mit Russland macht.
Ihr braucht keine wissentschaftlichen Analysen, um das Brett vor eurem Kopf zu finden.

Ihr könntet auch einfach mal konkret auf Leserfragen eingehen, unter den Artikeln unter denen sie gestellt werden.

Wenn Bittner, Joffe, Luther und co. uns mal wieder vorpredigen, warum Russland für sein Völkerrechtvergehen sanktioniert wird, warum erklären uns diese Herrschaften dann nicht einmal, warum westliche Länder, allen vorran die USA, nicht für Völkerrechtsvergehen bestraft werden sollen? Diese Fragen werden von den Lesern IMMER gestellt und sie werden NIE beantwortet. ...


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HellasKöpfchen
07.07.2015 um 14:07 Uhr

Gefangen in der Matrix

Sehr geehrter Herr Hamann

Wie soll man Vertrauen in (gewisse) Medien entwickeln, wenn die Berichterstattung dieser Medien wichtige Fakten nur lückenhaft erarbeitet oder gänzlich darüber schweigt.

Im Fall Ukraine war es ja geradezu gespenstisch, mit welcher Schärfe der Konflikt mit Russland herbeigeschrieben wurde. ...

Wer sich auch in ausländischen Medien weiterführend informieren konnte, war erheblich im Vorteil. Es war offensichtlich, dass eine politische Leitlinie verfolgt wurde, die einen Bruch mit Russland verursachen sollte. Das erste was mir einfielt war: so funktioniert Proaganda. Erstmals konnte ich erahnen, wie es zu politischen Veränderungen in den 1930 Jahren gekommen war und wie wichtig freie Medien für die Demokratie sind.

Die Realität ist eben nicht eine virtuelle, die man nach Belieben “resetten” kann, wenn man die Aufgabe nicht gemeistert hat.


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Bürgerin Jedermann
07.07.2015 um 14:08 Uhr

Unparteiischer Journalismus

Ich mag Ihre Initiative, mit Ihren Lesern in Kontakt zu kommen. Auch die Kommentare finde ich meistens gut moderiert.

Dass der Journalismus in Deutschland unparteiisch ist, würde ich nicht bestätigen.
In Deutschland hat man gelernt, die Meinung dadurch zu manipulieren, dass einige Themen beachtet werden und andere Themen bekommen ganz sicher keine Aufmerksamkeit.

Angela Merkel macht die extreme Variante dieses Verhaltens vor. Ursprünglich stammt die Methode aus der Verhaltenstherapie. Durch Nicht-Beachtung soll unerwünschtes Verhalten gelöscht werden. Durch Aufmerksamkeit werden Verhaltensweisen verstärkt und treten häufiger auf. Das mag auch so funktionieren. Im Alltag oder gar im politischen Miteinander hat diese Methode aber nichts zu suchen. Das nutzen nur hochmanipulative Politiker, die die Grundsätze unserer Verfassung nicht verstanden haben und die nicht bereit sind, mit dem Souverän eine Debatte auf Augenhöhe zu führen, – etwas, was in einer Demokratie eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Insofern würde ich mir manchmal eine klare Position in der Berichterstattung wünschen. Man kann nicht nicht manipulieren. Ich wünsche mir in Deutschland wieder eine offene und freie Debatte. Ich mache mir weniger Sorgen um die Medien in Deutschland. Mehr Sorgen mache ich mir um unsere Demokratie und um unsere Freiheit. Die sehe ich durch das ´Verhalten der Regierenden (Wie oft sollen wir Bürger noch nach Karlsruhe ziehen, um unsere Verfassung zu verteidigen? Danke an dieser Stelle an die freien Bürger, die aktuell die Klage gegen das BKA-Gesetz führen.) und durch die Machenschaften der Geheimdienste in Gefahr.

Da brauchen wir meiner Meinung nach etwas anderes als unparteiische Journalisten, auch wenn das in Deutschland Neuland ist. Ich wünsche mir in dieser Zeit mehr deutliche und klare Stimmen für unsere Demokratie, gerade von den Medien.

Ich bin gespannt auf die weitere Diskussion zu diesem Thema.

Ihre Bürgerin Jedermann


Quote
HSViking   
07.07.2015  um 15:22 Uhr

Liegt das an mir?

Ich verstehe die Kritiker nicht:
Ein kostenloses Angebot, das man nicht verpflichtend lesen muss, wird dafür kritisiert, dass es die Meinung einiger – nennen wir sie – kritischen Geister nicht darstellt oder besser: vertritt.

Berichterstattung war schon IMMER tendenziös.
Die Minnesänger haben aus Siegfried den Helden gemacht, hat mal jemand an den Drachen gedacht?

Weil die Berichterstattung auf Basis einer redaktionelle Agenda entsteht konnten und können so viele überregionale Zeitungen bestehen.
Journalisten können gar nicht objektiv und Tendenz frei berichten, sie sind Menschen, mit Meinungen und ja auch Fehlern.

Es geht in der gesamten Diskussion daher auch nicht wirklich um die Berichterstattung, sondern um die Herrschaft über die Informationen, um Macht.

Wenn man ca. 45 Millionen Klicks für ZON im Mai 2015 (laut Statista.com) heranzieht und die bezahlten Trolle raus rechnet, sind die “kritischen Geister” nicht so viele.

Ich finde es daher umso bewundernswerter, dass sich die Redaktion mit dieser Minderheit auseinandersetzt. Vielen Dank dafür an die beteiligten Redakteure.
Leider ist es genauso bedauernswert, dass diese Bemühungen von so vielen Kritikern nur Hohn und Spott erntet.

Martin Möller


Quote
Adam

07.07.2015 um 15:37 Uhr

Licht, Schatten und ein Informationsloch

Von Zeit zu Zeit finde ich tatsächlich Perlen des Journalismus bei ZO: Artikel von Autoren wie Gero von Randow (dessen Meinung ich nicht immer teile, der aber brilliant schreibt und argumentiert), Patrick Beuth, Hauke Friedrichs, oder auch einigen anderen (Gast-) Autoren. Allesamt haben gemeinsam, dass sie bestens wissen, worüber sie schreiben. Sie legen Wert auf relevante Informationen und Ausgewogenheit und sie scheuen (wohl gerade deshalb) nicht die Diskussion. Außerdem sind sie nicht zu stolz, ihre Meinung auch mal öffentlich zu korrigieren oder gar zu revidieren.

Dann gibt es aber auch Artikel über die ich gedanklich das Banner “Polemik”, “interessengesteuert”, “belehrend” oder “tendenziös” hänge: Artikel von Josef Joffe gehören definitiv dazu. Im Laufe der Ukraine-Krise z.B. habe ich bewusst eine Woche lang die Berichterstattung auf ZO verfolgt: Jeden Morgen (!) gab es unter den ersten fünf Artikeln einen Artikel, den man getrost unter “Stimmungsmache” verbuchen konnte. Dieses Phänomen erinnerte mich an das Niveau von Tageszeitungen aus einem bis 2011 diktatorisch regierten Land im Maghreb, in dem ich eine Weile gelebt habe. Mit diesem Land unterhielt übrigens Frankreich, die USA aber auch Deutschland exzellente, freundschaftliche Beziehungen (meine Kritik am Messen mit zweierlei Maß wird Ihnen hoffentlich nicht entgangen sein). Wenn jemand (zu Recht!) die Menschenrechtslage in Russland anprangert, dann müsste mit großer Regelmäßigkeit auch über die USA, Frankreich, GB oder Deutschland bzw. ihre Partner und deren wirtschaftliche, politische und militärische Praktiken kritisiert werden. Werden sie aber nicht (bzw. nur in einem isolierten “Alibi-Artikel”).

Zu guter letzt gibt es aber auch die Artikel und Meldungen, die es erst gar nicht auf ZO oder generell in die deutschen Medien schaffen. Wenn ich die französisch- und englischsprachige Nachrichtenwelt, dazu noch Blogs und Twitter anschaue, dann rauscht eine ganze Menge an Berichtenswertem an uns in Deutschland vorbei. Das könnte auch ein Grund dafür sein, warum in deutschen Medien (und in vielen Kommentaren) so oft so wenig Horizont zu erkennen ist.


...
« Last Edit: July 08, 2015, 07:55:24 AM by Link »

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #21 on: July 10, 2015, 10:44:13 AM »
Quote
[...] Nie war der Bedarf an Aufklärung größer als heute. Und nie war man einsamer in seinem Unternehmen, sich aufklären zu müssen, als in diesen Tagen. Allein gelassen vor allem von denjenigen, denen die Aufgabe eigentlich zufällt, den Medien nämlich. Jeder von uns hat diese Aufgabe inzwischen selbst zu leisten, denn wir leben unter einer Glocke der Propaganda.

Es geht im Folgenden darum, darüber nachzudenken, wie es dazu kommen konnte. Wir leben in keiner politischen Diktatur, es gibt kein Propagandaministerium und keine Gesetze zur Gleichschaltung. Dennoch: Der Journalismus in Deutschland funktioniert nicht mehr.
Er kann seine Kernfunktion nicht mehr erfüllen, ist kein Mittel der Aufklärung mehr. Sicherlich, der Journalismus unterliegt keinem politischen Diktat, einem ökonomischen allerdings schon. ...

Die Protagonisten sind verdammt dazu, zunächst ihr eigenes wirtschaftliches Fortkommen im Blick zu haben. Das gilt sowohl für den Einzelnen Redakteur und Journalisten, als auch für die Medienkonzerne als Ganzes. Doch dadurch kann der deutsche Journalismus seinen Anspruch ein aufklärerisches Regulativ in einer demokratischen Gesellschaft zu sein, nicht mehr erfüllen. Er verliert notwendig jede Vielfalt und die Fähigkeit zu substantieller Kritik.
Erstaunlicherweise fand die Zurichtung auf Marktmechanismen selbst dort statt, wo die Mechanismen des Marktes in der Idee zugunsten der Unabhängigkeit aufgehoben werden sollten. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird Marktdruck und Anpassungszwang, das Gift unabhängigen Journalismus’ via Zeitverträge und Scheinselbstständigkeit eingeführt, obwohl der öffentlich-rechtliche-Rundfunk durch die Zwangsabgabe aller Haushalte sich den Luxus von finanziell und vertraglich gut abgesicherten Mitarbeitern nicht nur leisten könnte, sondern auch müsste. Doch gerade hier wird darauf verzichtet. Alle Formate werden von freien Mitarbeitern geschaffen. Festanstellungen gibt es erst ab Ressortleiter. Ein bisher völlig unerkannter Skandal. Mit den GEZ-Milliarden sollten wenigstens sichere Arbeitsstellen verbunden sein, die unabhängigen Journalismus und zumindest auch den ein oder anderen Streit in den Redaktionen ermöglichen, ohne dass eine Meinungsdifferenz mit dem Vorgesetzten gleich den Verlust der Arbeitsplatzes mit sich zu bringen droht.

Das Ergebnis dieser Entwicklung ist ein marktkonform zugerichteter Journalismus, der nicht die Information der Leser und Zuschauer zum Ziel hat, der sich nicht einem ethischen Wertekanon verpflichtet sieht, sondern der über Seilschaften, Netzwerke, Andienern und Stillhalten funktioniert und ausschließlich das Befördern der eigenen Karriere zum Mittelpunkt hat, beziehungsweise die Sorge um ein Absinken und ein Ausgeschlossen werden.
Das Ergebnis lässt sich täglich in Print und Fernsehen bewundern und treibt einen immer tieferen Keil zwischen Journalisten einerseits und deren Lesern und Rezipienten andererseits. Diese können sich mit ein paar Mausklicks von der Einseitigkeit, der schlechten Qualität, der Unterkomplexität der Berichterstattung überzeugen. Die Inhalte sind dank Internet überprüfbar geworden, in den Leserkommentaren verbirgt sich dann oft der bessere Journalismus, weshalb sie vielerorts auch abgeschaltet wurden.

... Wenn Journalismus im Kern zur Umschmeichelung der Eliten verkommt, weil dies die Karriere am besten befördert oder auch einfach nur den Status Quo sichert, dann ist Einseitigkeit vorprogrammiert. Marktkonformer Journalismus schließt Qualität und Vielfalt schlicht aus.
Die aktuelle Berichterstattung über Griechenland liefert hierzu das beste Beispiel. Hier sieht man deutlich wie eine Gleichschaltung über die Mechanismen des Marktes funktioniert, auf ein Propagandaministerium wie im dritten Reich kann dann getrost verzichtet werden. Die Gleichschaltung erledigt die Struktur des Markttotalitarismus.
Jeder, der sich außerhalb der deutschen journalistischen Käseglocke informiert, bemerkt zügig eins: Es ist unstrittig, dass die Austeritätspolitik gescheitert ist. Das den Griechen diktierte Rezept des radikalen Sparens in der Krise wird niemals funktionieren. Darin sind sich selbst die Vertreter widerstreitender ökonomischer Schulen einig.
Daraus lässt sich weiterhin ableiten, dass es unstrittig ist, dass Merkel und Schäuble in die Geschichte als diejenigen eingehen werden, die mit ihrem Beharren auf eine gescheiterte Politik Europa nachhaltig beschädigt haben werden.
Allerdings finden sich diese Positionen in der deutschen Berichterstattung nicht einmal ansatzweise wieder. Dieser Mangel an Vielfalt, dieses Aufspringen auf eine Meinung und der Versuch sich wechselseitig im Gleichklang zu überbieten, sind die Folgen eines Totalitarismus der gesellschaftlichen Durchökonomisierung, die hier im Journalismus sichtbar wird.
Wenn sich jeder Journalist zunächst nur selbst der nächste ist, dann geht es eben nicht mehr um Information, dann geht es nur noch um Karriere und Konformität. ...


Aus: "Der totale Journalismus – Wie die Durchökonomisierung zum Rechtsruck führte" Gert Ewen Ungar (6. Juli 2015)
Quelle: http://logon-echon.com/2015/07/06/der-totale-journalismus-wie-die-durchokonomisierung-zum-rechtsruck-fuhrte/

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"Twitter-Trend #forsafragen: "Macht Merkel einen guten Job, oder soll dieses süße Kätzchen sterben?"" (15. Juli 2015, 13:52 Uhr)
Die Meinungsforscher von Forsa sagen: 75 Prozent der Grünen-Anhänger finden Merkels Griechenlandpolitik dufte. ...  Forsa ist ein Meinungsforschungsinstitut, das regelmäßig für den Stern die Deutschen befragt. Das hat es jetzt wieder getan. Mit - sagen wir - überraschenden Ergebnissen:
Angeblich nämlich finden 75 Prozent der Anhänger der Grünen die Griechenland-Politik von Kanzlerin Angela Merkel gut, sind mit ihrer Arbeit "zufrieden". So meldet es der Stern.
75 Prozent. Donnerlüttchen. Umso erstaunlicher ist, dass Merkel unter ihren eigenen Partei-Anhängern deutlich weniger Fans hat. Nur "66 Prozent der Sympathisanten der Unionsparteien CDU/CSU sind mit Merkel zufrieden", schreibt der Stern. Die Anhänger der SPD finden Merkels Griechenland-Politik immer noch zu 62 Prozent toll. Selbst die Linken-Sympathisanten würden in der Griechenland-Frage zu 53 Prozent Merkel wählen.
Da kann doch was nicht stimmen, oder? Dachte sich auch Grünen-Fraktionssprecher Andreas Kappler und fragte auf Twitter nach, welche konkrete Frage denn zu diesem Ergebnis geführt hat ... Die Frage war [ ] nicht, wie zufrieden die Menschen mit Merkels Politik sind. Sondern ob sie es besser finden, wenn Merkel auf einem Grexit bestanden hätte. Oder - wie ja geschehen - auf neue Kredite mit strengen Auflagen. Daraus abzuleiten, dass 75 Prozent der Grünen-Anhänger zufrieden mit Merkels Politik seien, ist schon einigermaßen bizarr. ...

http://www.sueddeutsche.de/politik/twitter-trend-forsafragen-macht-merkel-einen-guten-job-oder-soll-dieses-suesse-kaetzchen-sterben-1.2567292

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"Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ - Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements"
Vortrag an der Christian Albrechts Universität Kiel, am 22.06.2015:
Warum schweigen die Lämmer? Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement.
Prof. Dr. Rainer Mausfeld - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Der Vortrag beschäftigt sich mit einem oftmals als ‚Paradoxon der Demokratie‘ bezeichneten Spannungsverhältnis zwischen Volk und Eliten: Demnach könne es in einer Demokratie beispielsweise passieren, daß, wie Aristoteles bemerkte, „die Armen, weil sie die Mehrheit bilden, das Vermögen der Reichen unter sich teilen.“ Aus Sicht der jeweils herrschenden Eliten sind Demokratien daher mit einem besonderen ‚Stabilitätsproblem‘ behaftet....
https://www.youtube.com/watch?v=Rx5SZrOsb6M


"Warum schweigen die Lämmer? – Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement" (15. Juli 2015 um 12:46 Uhr)
Hinter diesem Titel verbirgt sich der bemerkenswerte Vortrag des Kieler Psychologieprofessors Dr. Rainer Mausfeld. Es lohnt sich, diesen Vortrag anzuhören/anzuschauen, und es empfiehlt sich, Freunde, Nachbarn und Familie zur Diskussion einzuladen. Mausfeld nimmt uns, soweit noch vorhanden, die letzten Illusionen zum Zustand der Demokratie, zum Missbrauch unserer Sympathie für Demokratie und zur Gewalttätigkeit unserer westlichen „Werte“gemeinschaft. Desillusionierung schadet nicht. Außerdem: Der Vortrag ist aktuell – wegen Griechenland, wegen der spürbaren Bereitschaft zu militärischen Auseinandersetzungen, wegen der alltäglichen Gewalt. ...
http://www.nachdenkseiten.de/?p=26804

http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150715-zusammenfassung-warum-schweigen-die-laemmer-1.pdf

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"Propaganda: Wir sind umzingelt"
Im Zeitalter der Massenmedien nutzen Herrscher Propaganda stärker denn je – auch in Demokratien von Gero von Randow (24. Juli 2015)
http://www.zeit.de/2015/30/propaganda-theorie-medien-herrscher-demokratie

http://www.zeit.de/2015/30/propaganda-theorie-medien-herrscher-demokratie#comments


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"Medien: "Auch in einer liberalen Demokratie wird Propaganda gemacht"" Interview: Johannes Dudziak und Elisabeth Niejahr (24. Juli 2015)
Schon Begriffe können Meinungen beeinflussen, sagt der amerikanische Philosoph Jason Stanley. Besonders manipulativ seien Sender wie Fox News und Russia Today.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-07/propaganda-jason-stanley-interview

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-07/propaganda-jason-stanley-interview#comments


« Last Edit: July 24, 2015, 12:30:03 PM by Link »

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #22 on: August 02, 2015, 12:47:41 PM »
"Ukrainekrise: Wer versteht den Schurken?"

Quote
    Bianca Vormbrock
    gestern 14:12 Uhr

56. "Wer versteht den Schurken?"

Kann mir jemand erklären, was diese Überschrift soll? Damit ist ja wohl von vornherein klar, für welche Seite sich ZON positioniert.

Und dann wundern sich die Medien, weshalb sich der Leser über einseitige Berichterstattung beschwert.

"Ich selbst fand die Berichterstattung zur Ukraine ausgezeichnet..."; alles klar Herr Schlögel ...

Herrn Baberowskis Aussage ".....dass dieses Misstrauen gegenüber den Medien mit der Ukraine nichts zu tun hat..." muss ich persönlich etwas widersprechen.
Das Misstrauen fing mit der Krim-Berichterstattung an, steigerte sich, als über Sotchi - fast - nur Negatives berichtet wurde, und als über den Absturz von MH17 fast am nächsten Tag für den Westen der Schuldige ausgemacht war. Die Berichte über die Ukraine waren/sind nur der - vorläufige? - Höhepunkt.
(Ich bin mir aber sicher, das ist noch ausbaufähig ....)


Quote
    prropagandajägggerr
    gestern 14:06 Uhr

52. """Die Ukraine hat die Öffentlichkeit gespalten. Wir wissen nun: Zwei Drittel der Deutschen trauen der Berichterstattung nicht. Woran liegt das?"""

Wissen Sie es nicht? Putin hat die 2/3 der Deutschen durch FSB Agenten ersetzt, damit den Eindruck erweckt wird, dass 2/3 der Deutschen der westlichen Presse nicht glauben. Komisch das die westliche Presse bis heute nicht damit argumentiert hat :)



Quote
neuronet,  31. Juli 2015 17:59 Uhr

Es kann ihnen vielleicht geholfen werden

"Schlögel: Der Maidan hat damit begonnen, dass Studenten zusammengeschlagen wurden, niemand hat einen Umsturz geplant"

[Ukraine Conflict: "It Began with the Coup d'Etat in Kiev"]
https://www.youtube.com/watch?v=Z_Frxfvtxz8

[Ray McGovern Interview: The CIA and Propaganda vs. Reality on Ukraine]
https://www.youtube.com/watch?v=lJ2ZenOV5qg

[http://weltnetz.tv/ueber]

"Baberowski: Die Bevölkerung hat einen Gauner aus dem Land gejagt, der es ausgeplündert hatte und den sich auch in der Ostukraine niemand mehr als Präsidenten wünschte"

Es ist allgemein bekannt. dass die Bevölkerung den "Gauner" demokratisch gewählt hat. Neue Wahlen standen kurz bevor, wo die Bevölkerung ihn abwählen konnten. Leider hat man einen Putsch bevorzugt.

Als Stütze kann man den Herren nur empfehlen, darüber nachzudenken ob es wirklich ein ukrainischer Konflikt ist der von den beiden postuliert wird.

Ist der Ansatz falsch, ist folgerichtig auch das Nachfolgende falsch.
Daher hab ich nur die 1. Seite halb gelesen und vieles Unrichtiges gelesen.

Wenn man sich erst seit dem 11. September mit der Problematik auseinandersetzt kann man natürlich nicht viel erwarten.

"Wer versteht den Schurken"

Das sagt alles über die Wahrnehmung und Inhalt des Beitrages aus. Schon da ist es sinnlos weiter zu lesen.


Quote
    Jonn
    gestern 15:19 Uhr

93. Blinde Flecken

Erstaunlich ist die Fokussierung im Konflikt auf Russland und die Ukraine, als wäre es ein zwischenstaatlicher Konflikt. Es ist aber ein geopolitischer Konflikt. Wer das nicht berücksichtigt, kommt automatisch zu falschen Schlüssen. Auch die einfache Darstellung des Maidan, als wollten nur ein paar Ukrainer den Kleptokraten verjagen, verkennt warum es überhaupt soweit kam und warum Janukowitsch das EU-Abkommen auf Eis legte. Verkannt wird die EU-Bedingung Frau Timoschenko freizulassen und verkannt wird die Bedeutung die Frau Timoschenko für die Interessen der westlichen Energiewirtschaft hatte. Kein Wort darüber, wem z.b. die Gazprom gehört, in welcher Weise sich Frau Timoschenko mit dem Gasabkommen ihrer Regierungszeit selbst bereicherte zum Nachteil der Ukraine und kein Wort über die US-amerikanischen Interessen an diesem Deal, der nämlich insbesondere US-Banken und Exxon Mobil begünstigte. Kein Wort auch über Brzsinskis Buch "The Grand Chessboard". Wenn man schon von deutschen Historikern keine wirtschaftspolitische Analyse verlangen kann, so sollten doch wenigstens die Grundlagen der Geopolitik bekannt sein.


Quote
    Zeikreix
    gestern 14:02 Uhr

48. Fakten als Nebensache

Von Historikern hätte ich erwartet, dass sie Fakten bringen und diese emotionslos analysieren sowie Entwicklungen/Folgerungen ableiten oder erklären. Stattdessen werden bekannte Klischees und moralische Beurteilungen geboten.
Wie wäre es mit folgenden zu diskutierenden Fakten:
- Die UKR ist zu mehr als 60% vom Handel mit RU abhängig, dazu von Gas
- Aus Sowjetzeiten befindet sich ein grosser Militärkomplex in der Ostukraine
von dem 30% der russischen strategischen Verteidigung abhängen (Raketenleitsysteme, Hubschrauberteile usw.)Quelle: Thinktank in GB RUSI.org
- Der UKR-EU-Vertrag enthielt ein ausführliches Kapitel über mitilärische Zusammenarbeit
-Laut der US-Vertreterin"Fuck-the-EU" hat die USA 5 Mia$( !!) in die Politik der UKR investiert. Wo u. Folgen davon?


Kommentare zu: http://www.zeit.de/2015/29/ukraine-krise-osteuropa-russland-wladimir-putin

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"Russland: Und ... Action!" Michael Thumann (DIE ZEIT Nº 30/2015)
Schlagworte Medien | Russland | Wladimir Putin | Propaganda | Ukraine | Nachrichtensendung
" ... Als die Maschine des Flugs MH17 im Sommer 2014 über einem ukrainischen Feld abstürzte, gab es nur eine Ursache, aber viele Vermutungen. Die Staatskanäle konzentrierte sich auf Letzteres. Als der Schreck der ersten Minuten vergangen war, besprach Dmitri Kisseljow mit dem Kreml das Vorgehen. Sodann schossen Sputnik und RT wie ein Katjuscha-Raketenwerfer im Sekundentakt immer neue Varianten dessen heraus, wie es vielleicht gewesen sein könnte. Die Ukrainer steckten dahinter; ein Flugzeug; eine Rakete der Ukrainer; oder doch die Nato? Vielleicht Außerirdische? Alles möglich! Nur die eine überaus naheliegende Möglichkeit, dass es eine russische Buk-Rakete gewesen sein könnte, die das Flugzeug vom Himmel holte, ging im Geschichtencocktail unter. Und das war Absicht. Das war der "russische Standpunkt". ... Telling the untold – das Unerzählte erzählen: So lautet das Motto von Sputnik. Man bereitet wilde Vermutungen, Falschmeldungen, Verschwörungstheorien zu einer Nachricht auf. Der Sender arbeitet an multiplen Wahrheiten: Er meldet erfundene Neuigkeiten, etwa dass US-Soldaten in der Ukraine kämpfen, wartet darauf, dass westliche Medien die Falschmeldung übernehmen und korrigiert sie dann nicht. Irgendetwas wird schon hängen bleiben. Er zielt auf den Eindruck ab, dass irgendwie alle Schurken sind. Widersprüche? Macht nichts. ..."
http://www.zeit.de/2015/30/russland-medien-propaganda-putin

Quote
    Palivec, 09.08.2014

7. [empty]

Bei dem Artikel stellt sich mir die Frage: ist das jetzt selbstironisch oder ernst gemeint?
Man lese einfach mal den Absatz über den Umgang der russischen Medien mit dem Absturz von MH-17 und lasse dann den Umgang "unserer" Medien damit Revue passieren. Welches Urteil muß der geneigte Leser da wohl bekommen.

http://www.zeit.de/2015/30/russland-medien-propaganda-putin/seite-2?commentstart=1#cid-5085030

Quote
    no2, 09.08.2014
   
59. Am besten, man schaut sich beide Meinungen an.

Sputnik News lese ich auch öfters, sowie eben hauptsächlich die Zeit, auch den Spiegel, und auch RT Deutsch, die aber tatsächlich öfters etwas propagandamäßig sind, aber anderseits oft Dinge bringen, ebenso wie Sputnik, die man z.B. in den TV- Nachrichten hier gar nicht sieht, bzw. die einfach nicht erwähnt werden. Stimmt manchmal schon nachdenklich. Zum Beispiel, die Hintergründe aus Russischer Sicht, warum Frankreich nicht die Mistral-Schiffe an Russland verkaufte.
Es gibt eben immer zwei Seiten , wobei es gut ist, alle beiden Seiten anzusehen und abzuwägen.

http://www.zeit.de/2015/30/russland-medien-propaganda-putin?commentstart=57#cid-5085213

Quote
    deep_franz, 09.08.2014

111. Absolut

"Propaganda machen immer nur die Anderen! :)"
Ja, da können Sie jeden fragen ;o)

http://www.zeit.de/2015/30/russland-medien-propaganda-putin?commentstart=105#cid-5085376

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"NATO-Tagung: "Offene und effektive Beziehungen zu den Medien"" Marcus Klöckner (03.08.2015)
Militärs und Journalisten treffen sich im November zu einer Strategiebesprechung ... Aus den Vorabinformationen zur Konferenz geht auch hervor, dass es dem Konferenzausrichter nicht nur um einen Austausch mit Medienvertretern geht. Vielmehr ist eines der Ziele herauszufinden, wie Fehlkommunikationen zwischen Medien und PR-Experten der NATO aus dem Weg geräumt und so eine "stärkere gemeinsame Perspektive" aufgebaut werden kann. Die Veranstalter der Konferenz betrachten "eine offene und effektive Beziehung zu den Medien in einer Demokratie als eine Notwendigkeit", heißt es in einem Flyer zur Tagung. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45618/1.html

Quote
3. August 2015 19:25
Wenn jemand Ende November die Teilenehmerliste leaken könnte,
roko (mehr als 1000 Beiträge seit 10.05.01)

dann wüssten wir, welche Medien man in Zukunft definitiv meiden
sollte.

Und sollten Vertreter des ÖRR dabei sein, wäre das ein Grund mehr,
die Zahlung des Rundfunkbeitrags zu verweigern.

lg,
roko

http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-jemand-Ende-November-die-Teilenehmerliste-leaken-koennte/forum-295423/msg-26866473/read/

Quote
3. August 2015 19:25
Noch effektiver?
ichwersonst (mehr als 1000 Beiträge seit 24.04.02)

Wir hatten in letzter Zeit doch schon sehr effektiv 'den bösen
Giftgas-Assad', den 'skrupellosen auf unbewaffnete Demonstranten
schießendenden Gaddafi' und den 'verwerflichen Ruski-Putin, der
gleich Morgen bei uns vor der Tür steht' oder die 'besorgten Maidan
Bürger' mit Hakenkreuz und SS Runen an der Ausrüstung.

Und das ist nur eine kleine Auswahl seit 2011. Das scheint mir schon
sehr effektiv zu sein, was die NATO und ihre Weisungsgeber da
veranstalten - freilich treffen sie dabei auch auf eine äusserst
willige Presse, für die Recherche, Kritik oder gar Investigativität
nur noch Fremd-, vielfach sogar Schimpfworte sind, aber eigentlich
gehört die Arbeit eines jedes 'ausgesuchten Journalisten', der bei
dieser Tagung aufschlägt, mit dem Vermerk versehen 'Bitte
berücksichtigen sie bei der Interpretation des Artikels, dass der
Autor eng mit der NATO zusammenarbeitet. Dies könnte Einfluss auf
Darstellung und Wahrheitsgehalt der getätigten Aussagen haben'

http://www.heise.de/tp/foren/S-Noch-effektiver/forum-295423/msg-26866471/read/


« Last Edit: August 09, 2015, 07:57:02 PM by Link »

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #23 on: August 09, 2015, 08:05:53 PM »
"Erst als es wichtig wurde, kamen die Männer" Rudolf Stumberger (09.08.2015)
Benjamin Ruß, ein Sprecher des Bündnisses "Stop G7", über die Erfahrungen in der Pressegruppe der Gegner des G7-Gipfels...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45624/1.html

Quote
9. August 2015 01:01
Danke für das sehr interessante Interview
McGyver777 (mehr als 1000 Beiträge seit 25.03.02)

Ich finde es spannend, zu lesen, wie jemand wie der Herr Ruß, also
jemand aus einer Generation etwa zwei Jahrzehnte jünger als ich, von
sich aus dieselben gesellschaftlichen Beobachtungen macht, wie meine
Generation sie noch zur Studentenzeit ebenfalls machen konnte, wobei
damals teilweise noch viel mehr und härter "debattiert" wurde als
heute. Man hatte zumindest immer ein wenig echtes Arbeitsethos, und
einfach oft mehr Zeit. Das glaubwürdige Ethos ist bei Herrn Ruß
(nebst Kollegen) ganz klar vorhanden. Dazu noch die
freundlich-entspannte, selbstkritische und gänzlich un-eitle
Sachlichkeit der Darlegungen des Herrn Ruß. Sehr sympathisch.
Respekt! (und vielen Dank an Herrn Stumberger, und an Heise natürlich
ebenfalls)

Zum Thema: mir ist gar nicht wohl bei dem Gedanken, daß wir
heutzutage tatsächlich keine echte, wirklich rundweg nach
journalistischen Grundsätzen arbeitende Presse mehr haben. Vereinzelt
zwar schon noch, aber nicht mehr insgesamt.

Die Meinungsmedien benötigen scheinbar nur noch das: Meinungsdrohnen
und schmierige Interview-Handelsvertreter.

Mc

http://www.heise.de/tp/foren/S-Danke-fuer-das-sehr-interessante-Interview/forum-295467/msg-26873942/read/

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"Die unrühmliche Rolle der FAZ in der Netzpolitik-Affäre"Mikael in den Fahrt (05 Aug 2015)
Solidarität ist etwas, das man freiwillig gibt. Manchmal, weil man jemanden mag, manchmal, weil es strategisch wichtig ist und manchmal, weil man sich selbst betroffen oder angegriffen sieht. Die Ermittlungen gegen die Journalisten von Netzpolitik.org wegen Landesverrat sind so ein Fall. Sie haben als Frontalangriff auf die Pressefreiheit eine Welle der Solidarität ausgelöst – in fast allen Medien. Die FAZ ist eines der wenigen Medien, die sich in der Netzpolitik-Affäre nicht solidarisch zeigt und die Berichterstattung auf ein Minimum beschränkt. Und nicht nur das...
http://www.metronaut.de/2015/08/die-unruehmliche-rolle-der-faz-in-der-netzpolitik-affaere/


"Von wegen keine Agenda: Reinhard Müller von der FAZ und die Vorratsdatenspeicherung" Mikael in den Fahrt (09 Aug 2015)
Ich hatte ja unlängst über die unrühmliche Rolle der FAZ in der Netzpolitik-Affäre geschrieben. Neben der Bezeichnung von Beckedahl und Meister als “Blogwarte” oder “Trolle”, wurde den investigativen Bloggern zum Vorwurf gemacht, sie hätten eine Agenda, seien Lobbyisten, Aktivisten und gar keine Journalisten. Doch welche Agenda hat zum Beispiel ein Reinhard Müller von der FAZ? Ich habe mir nur mal fünf Artikel des Blogwart-Erfinders zum Thema Vorratsdatenspeicherung angeschaut. ...
http://www.metronaut.de/2015/08/reinhard-mueller-von-der-faz-und-die-vorratsdatenspeicherung/


Nun ja, die FAZ zählt sicher zu staatskonformeren Medien (mit Ausnahme einiger weniger Autoren). Insofern muss ich dem Autoren recht geben.
Zur Erinnerung: Platz 1 der hilflosesten NSA/BND Apologeten:Jasper von Altenbockum/FAZ
https://machtelite.wordpress.com/2015/05/02/die-hilflosesten-nsabnd-apologeten-im-uberblick-jasper-von-altenbockum/

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Bestätigungsfehler - Der Begriff Bestätigungsfehler (confirmation bias) bezeichnet in der Kognitionspsychologie die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu suchen und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. Unbewusst ausgeblendet werden dabei Informationen, die eigene Erwartungen widerlegen (disconfirming evidence). Die betreffende Person unterliegt dann einer Selbsttäuschung oder einem Selbstbetrug. Die erste Theorie zu dieser kognitiven Verzerrung stammt von Peter Wason (1968). ... Ein Element des Phänomens Bestätigungsfehler ist eine positive Teststrategie. Die Suche nach Daten, welche die eigene Hypothese bestätigen, wird intuitiv häufiger angewandt als die Suche nach Daten, die die eigene Hypothese falsifizieren würden. ... Wer bereits eine feste Meinung zu einem Thema hat, erinnert sich nach einer Diskussion darüber besser an die plausiblen Argumente für die eigene Position und an die unsinnigen Argumente für die gegnerische Position. ... (08/2015)
https://de.wikipedia.org/wiki/Best%C3%A4tigungsfehler


"Debatte über Meinungsmache - Wenn Medienkritiker unkritisch werden" Markus Reiter (11.08.2015)
... Seit über zwei Jahrzehnten bin ich als Journalist und Publizist tätig. In dieser Zeit habe ich auf meine Artikel und Kommentare viele Reaktionen von Leserinnen und Lesern erhalten, früher per Post, heute im Internet und den sozialen Netzwerken.
Sie fallen fast alle in zwei Kategorien: Manche Leser loben mich. Sie fanden meinen Beitrag großartig – und im Übrigen seien Sie voll und ganz meiner Meinung. Andere beschimpfen mich. Mein Beitrag sei eine Schande für den ganzen Berufsstand des Journalismus. Diese Menschen sind stets anderer Meinung als ich.
Es gibt einzelne Fälle, in denen Leser meinen Beitrag loben, obwohl sie meine Ansicht nicht teilen. Man kann sie an den Fingern einer Hand abzählen. Noch nie aber hat sich irgendein Leser beschwert, mein Beitrag sei zwar ein mieses, manipulatives Stück Journalismus. Sie seien aber ganz meiner Meinung. Ich finde: Genau so ein dialektisches Urteil wäre richtig gute Medienkritik.
Ich verlange es von keinem normalen Leser. Professionellen Medienkritikern aber stünde es wohl an. Was beobachten wir stattdessen? Medienblogger und Medienjournalisten jammern vorwiegend darüber, dass bestimmte Medien ihre politischen Ansichten nicht teilen. Und sie ignorieren Fehlleistungen, wenn die Beiträge ihrer eigenen politischen Meinung entsprechen. ...
Eher linksgerichtete Medienkritiker haben ausführlich kritisiert, dass die Redaktion der Talkshow von Günter Jauch ein Video eines Vortrags des damaligen griechischen Finanzministers Yannis Varoufakis arg verkürzt hatte. Dabei entstand der Eindruck, Varoufakis habe mitten in den Verhandlungen um ein Rettungspaket dem deutschen Volk den Stinkefinger gezeigt. Die Kritik an der journalistischen Bearbeitung des Videos war durchaus berechtigt.
Die gleichen Medienkritiker schwiegen jedoch, als ein zusammengekürztes Video des NDR auf Youtube und anderen sozialen Netzwerken für Aufregung sorgte. Der Zweieinhalb-Minuten-Zusammenschnitt zeigt, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Zusammentreffen mit einem weinenden Flüchtlingsmädchen scheinbar hartherzig und uneinsichtig reagiert.
Wer allerdings das zehn Minuten lange Gesamtvideo gesehen hat, vermag einen ganz anderen Eindruck zu gewinnen. Ein Fall also für die Medienkritik! Leider mögen die Medienkritiker Angela Merkel nicht.
Wir wissen aus der Psychologie, dass alle Menschen zur sogenannten "confirmation bias" neigen. Das heißt: Sie lassen sich am liebsten bestätigen, was sie ohnehin schon denken. Ein professioneller Medienkritiker sollte dieser allzu menschlichen Neigung bewusst entgegenarbeiten. ...
http://www.deutschlandradiokultur.de/debatte-ueber-meinungsmache-wenn-medienkritiker-unkritisch.1005.de.html?dram:article_id=327928

Quote
Robert • vor 6 Tagen

Herr Reiter hat insofern Recht, als viele Medienkritiker (wen genau meint er eigentlich? Er nennt keinen einzigen Namen.) nicht voreingenommen an ihre Themen herangehen. Das Problem ist allerdings, dass Herr Reiter selbst unter der vom ihm beschriebenen "Confirmation Bias" leidet. Denn seine beiden Beispiele zeigen, dass es wieder mal die bösen linken (Kultur)Kritiker sind, die durch Unfairness beim öffentlichen Diskurs auffallen.
Abgesehen davon ist das TTIP-Beispiel in seiner Argumentation verquer: Nur weil es in den Medien eine deutliche Mehrheitsmeinung gegen das Abkommen gibt, muss dies ja nicht von vornherein sachlich falsch, d.h. Folge gezielt tendenziös-verzerrender Recherche und Darstellung sein. Vorsicht, Herr Reiter, damit begeben Sie sich in gefährliche Nähe derer, die über die so genannte Lügenpresse herziehen.


Quote
Carolina Purgold • vor 6 Tagen

Ab wann sind Medien und Journalisten denn als "unpolitisch" oder "unparteilich" zu betrachten? Meines Erachtens liegt es am Leser/Zuschauer sich bewusst zu sein, dass bei jeder Berichterstattung die (politische) Wertung des Journalisten und/oder des Formats in den Bericht einfließt.


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« Last Edit: November 03, 2015, 05:27:28 PM by Link »

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« Reply #24 on: August 26, 2015, 10:31:16 AM »
"Der Journalismus produziert seine Kritiker und Gegner selbst" Marcus Klöckner 25.08.2015
Wolfgang Storz im Interview über seine Studie zur "Querfront" und die Entstehung einer Gegenöffentlichkeit ... Bereits nach dem 11. September ist eine Art Glaubwürdigkeitsbruch entstanden. Mediennutzer haben einfach die Deutungsnarrative zu 9/11, wie sie von den großen Medien produziert wurden, abgelehnt und sich alternativen Formaten, die im Internet zu finden waren, zugewendet. Bereits damals hat sich eine Gegenöffentlichkeit formiert. Sie war nur thematisch eher auf 9/11 begrenzt. Doch diese Gegenöffentlichkeit hat sich weiterentwickelt. Sie ist nicht mehr thematisch eng begrenzt. Sie fokussiert auf ein immer breiteres Spektrum an Themen. ... Was ich feststelle: Mindestens große Teile dieser Gegenöffentlichkeiten gehen von der These aus, wir haben es hier in Deutschland mit keiner Demokratie mehr zu tun. Es herrschen Eliten, die im Bündnis mit den Medien, die wiederum nicht frei sind, versuchen, die Wahrheit zu unterdrücken und im Zweifel gegen das Volk regieren. Was diese Öffentlichkeiten auch eint, nach meiner Bewertung: Es handelt sich hier fast ausschließlich um Akteure mit einem inhaltlich-politischen Anliegen, die mit journalistischen Instrumenten arbeiten. Aber sie arbeiten nicht als Journalisten. Ihr Ziel ist es ja, der eigenen Deutung Gehör zu verschaffen. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45798/1.html

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""Lügenpresse"-Vorwürfe: Schwedens Rechte gestärkt" Anne Rentzsch aus Stockholm (25. August 2015)
"Frisieren" Schwedens Medien die Wahrheit, vor allem beim sensiblen Thema Migration? Die Diskussion dieser Frage war bislang einschlägigen Foren im Internet vorbehalten. Jetzt ist sie zum Leitartikel-Thema der größten Zeitungen aufgestiegen. ...
http://derstandard.at/2000021200516/Luegenpresse-VorwuerfeSchwedens-Rechte-gestaerkt

Quote
mans zelmerlöw, 25.08.2015

... Die somalier waren keine schwedischen staatsbürger und dennoch wollten die medien vermitteln dass es schweden waren.


Quote
Meinungsführer, 25.08.2015

Wenn man ein Medium konsumiert, möchte man ja umfassende Information.
Einige Medien scheinen aber zu glauben, der Konsument möchte einen Nachrichtenfilter bzw. Desinformation oder Teilinformation - je nach Blattlinie.
Dass da die bisherigen Medien nach der Reihe eingehen, als "Lügenpresse" bezeichnet und eine Abwanderung Richtung alternativer Medien bzw. zu Social Media stattfindet, ist nur logisch.
Wenn dann der Wunsch nach Einschränkung der Pressefreiheit als Antwort kommt, dann ist dies eine Bankrotterklärung der ehemaligen 4. Macht im Staat, die diesen Titel wahrlich nicht mehr verdient.


Quote
Helmut Wolff, 25.08.2015
Das nennt man heutzutage "Gatekeeper, der Nachrichten sichtet, bewertet und in den richtigen Zusammenhang stellt"
Früher nannte man das halt einfach Zensor


Quote
Kara Mustafa, 25.08.2015
Die Weglassungen, Beschönigungen und Halbwahrheiten
in der "Qualitätspresse", egal ob freiwillig oder aufgrund irgendwelcher Pressekodizes, sind kontraproduktiv.
Beschreiben Sie (das gilt auch für den "Standard") einfach, was passiert ist. Was, wann, wo, wer, ggf. warum. Wenn irgendwas daran Vorurteile "bestätigt", dann ist das so. Versuchen Sie nicht, Fakten deswegen zurückzuhalten. Dinge sind so, wie sie sind, egal ob uns das gefällt oder nicht.
Es wird auch Meldungen geben, in denen Vorurteile auch wieder erschüttert werden. ...


Quote
si ba, 25.08.2015

jedes blatt bedient sein klientel. kann mich noch gut ans bundesheer erinnern, da gabs auch eine stunde quasi ethikunterricht vom militärpfarrer, der uns burschen gesagt hat, dass man unterschiedliche zeitungen lesen soll und nicht nur jene, die vom format praktisch fürs klo wären. damit hatte er vollkommen recht.
als beispiel die 8-köpfige bande aus tschetschenen, die vor ca. 2 wochen ausgehoben wurde und in versch. wiener bezirken mit äußerster brutalität raubüberfälle an passanten verübt haben.
auf orf stand was von einer gruppe, die nicht miteinander verwandt wären, dazu keine herkunft.
auf österreich stand, dass es sich um tschetschenen handelt.
beim standard garkein artikel dazu.
man muss halt alles lesen, um informiert zu sein.


Quote
    PRO Vorratsgedankenspeicherung, 25.08.2015

"Die Überzeugung, Schwedens traditionelle Medien unterschlügen "als Handlanger des Etablissements" missliebige Fakten, ..."
Bei unseren heimischen Medien hat man ja eher den Eindruck, daß sie bei den Politikern erst garnicht nachfragen. Ich habe noch Träger dicker Hornbrillen vor Augen, die Politikern die unangenehmen Fragen stellten, die das Volk interessierte. Reporter, die abgegebenen Versprechen nachgingen und ggf. die Personen später auch daran erinnerten. Heute scheint es, daß nur noch willig offizielle Mitteilungen kopiert werden. Die Kontrollfunktion (4. Macht) haben die Medien zugunsten der Förderungen vermutlich aufgegeben. Es interessiert sie nicht mehr, was Politiker tun oder warum sie etwas nicht tun, was nötig wäre.


Quote
Wyle E. Koyote,  25.08.2015

"Verantwortungsbewusstsein ist Voraussetzung für Meinungs- und Pressefreiheit. Werden diese Freiheiten missbraucht, können sie beschnitten werden."

hätte in der prawda auch stehen können....


Quote
Meinungsführer, 25.08.2015

Halbwahrheiten sind die schlimmsten Lügen


---

"Selbstzensur: "Aktenzeichen"-Posse um schwarzen Vergewaltiger" (21.08.15)
Die Polizei sucht einen Vergewaltiger. Ein "Aktenzeichen XY"-Beitrag zum Fall sollte zunächst nicht gesendet werden – wegen der Hautfarbe des Verdächtigen. Doch die Aktion geht nach hinten los. ...
http://www.welt.de/vermischtes/article145484123/Aktenzeichen-Posse-um-schwarzen-Vergewaltiger.html

« Last Edit: August 26, 2015, 11:22:44 AM by Link »

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« Reply #25 on: August 27, 2015, 11:21:44 AM »
"Querfront Ausgrenzung stiftet Identität" Steven Geyer (16. August 2015)
Die "Querfront"-Anhänger sind nicht mehr für den Dialog erreichbar, sagt der Sozialwissenschaftler Wolfgang Storz. Sein Eindruck: Die Akteure bestätigen sich nur noch gegenseitig in einem Weltbild, das mit der Gesamtgesellschaft nichts mehr zu tun hat. ...
http://www.fr-online.de/politik/querfront--ausgrenzung-stiftet-identitaet,1472596,31477388.html

https://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/2015_08_12_AP18_Querfront.pdf

"Feinderklärungen in den Medien" Rudolf Walther (20.8.2015)
Der Publizist Wolfgang Storz hat Medien rechter Gruppen untersucht. Er befürchtet die Demontage der demokratischen Öffentlichkeit. ... Der mediale Betrieb wird geprägt von begrifflichen Unschärfen. Von zentraler Bedeutung für kommunikative Wirrnisse sind Begriffe wie „Populismus“ und „Querfront“. Der Publizist, langjährige Redakteur und Kommunikationsberater Wolfgang Storz hat für die Otto-Brenner-Stiftung eine Kurzstudie erstellt, die auf diesem Feld für etwas mehr Klarheit sorgt: „‘Querfront’. Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks“.
Die empirische Grundlage für die von dem Autor als „Recherche-Studie“ verstandene Arbeit bildet ein rundum rechtslastiges Netzwerk, das sich selbst ebenso jenseits des Links-rechts-Schemas ansiedelt wie jenseits aller Institutionen (Parteien, Verbände, Interessengruppen) und medialen Einrichtungen. Die politischen Akteure verstehen sich als Sprachrohr des „Volkes“ bzw. als Antwort auf „die“ Politik, „die“ Parteien, „die“ Presse und „die“ Medien, mit denen man nichts mehr zu tun haben wolle. ...
https://www.taz.de/!5225006/

"Die Otto-Brenner-Stiftung und ihre Kritiker: wenn Meinungen zu Studien werden" Stefan Winterbauer  (26.08.2015)
In der so genannten “Kurz Studie” “Querfront – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks” setzt sich der Otto-Brenner-Mitarbeiter und frühere Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz, mit verschiedenen Akteuren einer Gegenöffentlichkeit auseinander. Das sind Leute wie der frühere Radiomoderator Ken Jebsen, dem einige Leute antisemitische Äußerungen vorwerfen, der Publizist Jürgen Elsässer, der die im verschwörungstheoretischen Milieu angesiedelte Zeitschrift Compact herausgibt, oder eben der allseits berüchtigte Kopp-Verlag mit seinem breiten Repertoire an verschwörungstheoretischer Literatur.
Storz’ Papier bietet in der Auflistung solcher Akteure und deren Wirken sowie in der Herausarbeitung und Auflistung gemeinsamer Wertvorstellungen durchaus einen Erkenntnisgewinn und darum lesenswert. ... Storz’ “Querfront”-Papier ist hilfreich, wenn man sich mit einigen Akteuren der alternativen Medienszene und Gegenöffentlichkeit befassen möchte. Es ist aber halt keine Wissenschaft. Würde die Brenner-Stiftung solche Veröffentlichungen “Analysen” oder “Hintergrundmaterial” nennen oder es bei dem Begriff “Arbeitspapier” belassen, wäre das ehrlicher und würde viel Kritik den Wind aus den Segeln nehmen. So aber bedient sich die Brenner-Stiftung einer verzerrenden Kommunikation, wie sie sie bei anderen Medien und Akteuren so gerne kritisiert. ...
http://meedia.de/2015/08/26/die-otto-brenner-stiftung-und-ihre-kritiker-wenn-meinungen-zu-studien-werden/

Quote
Jens Berger sagt:   
26.08.2015 um 14:32

Zitat: “[…] dass das Internetportal Alternativ.TV eben doch nicht mit Weltnetz.TV kooperiert und darum auch nicht zum Umfeld von “Alpenparlament”, Klagemauer.TV, “News 23” und “PI-News“ gehört”

Nein, umgekehrt ist es richtig. Weltnetz.tv gehört nicht zum Netzwerk. Aber das ist ja genau das Problem. Viel zu viele Journalisten schreiben da über Sachen, mit denen sie sich nicht richtig beschäftigt haben.


Quote
Stefan Winterbauer sagt:   
26.08.2015 um 16:22

Wurde korrigiert, danke.

---

"Den Mainstream in den Medien erweitern" Wolfgang Storz (24.08.2015)
Ken Jebsen ist ein politischer Aktivist, der mit journalistischen Instrumenten arbeitet, um seine Deutung der Welt zu stärken, schreibt der Publizist Wolfgang Storz. Trotzdem müssten Medien ihren Mainstream erweitern. Ein Gastkommentar.
Hier entsteht jenseits und gegen die klassischen Medien mit wachsendem Erfolg eine Gegenöffentlichkeit; ihr schadet die Ausgrenzung nicht, sie ist im Gegenteil in hohem Maße identitätsstiftend.
http://www.tagesspiegel.de/meinung/juergen-elsaesser-ken-jebsen-und-co-den-mainstream-in-den-medien-erweitern/12221496.html

Quote
     Sonntagsfahrer
    24.08.2015 19:20 Uhr

Es lebe die Meinungsvielfalt
Das Internet ist heute so interessant wie früher das Fernsehen und die Presse, vielleicht sogar interessanter. Hier findet man die Meinungsvielfalt, die in Artikel 5 Grundgesetz gemeint ist.

Früher konnte man nebeneinander das zdf-magazin, den schwarzen kanal, panorama, monitor etc. sehen und sich selbst eine Meinung bilden. Einfach war das nicht. Aus bestimmten Themen wurde man einfach nicht schlau, weil kaum ein Journalist die Hintergründe benennen wollte oder konnte.

Heute ist es möglich, online die zeit, die sueddeutsche, die faz, die bild, die welt, die nzz etc. - ja natürlich auch den tagesspiegel - neben KenFM, Nachdenkseiten, Bröckers, telepolis, kritisches netzwerk, deutsche wirtschaftsnachrichten, propagandaschau usw. zu lesen. Fernsehen lohnt kaum noch. Leider! Dort gibt es nur noch den Einheitsbrei, und ausgerechnet dafür muss man neuerdings eine Zwangsabgabe zahlen.

Wer will, weiß sogar, welche Journalisten wie vernetzt sind. Wir sind eben alle sehr transparent geworden. Es kommt früher oder später alles heraus, durch das Internet sogar eher früher. Inzwischen weiß man nahezu in Echtzeit, was läuft.

Dass die Presse dabei so abstürzt, ist aus nostalgischen Gründen schade. Ein Kiosk nach dem anderen macht dicht oder wird ein Späti.

Für eine gut gemachte, wirklich informative Zeitung/Zeitschrift würde ich immer noch einige Euro locker machen. Die Maßstäbe setzt aber jetzt das Internet - werbefrei, wenn man entsprechende Blocker einsetzt. Dazu noch ein paar politische Sachbücher und man ist besser informiert denn je. ...


Quote
    alterschwede
    24.08.2015 17:13 Uhr

KenFM: Was er macht, das macht er, um seine Deutung der Welt zu stärken,...

Das ist ja wirklich schockierend! Gott sei Dank, dass das die Mainstreammedien ja überhaupt nicht machen - puh, welche Erleichterung, da wär man ja fast auf einen "Feind der freiheitlich-demokratischen Grundordnung" (oder, wie zu Karl Radeks Zeiten, auf einen "Volksfeind") reingefallen!


...

---

"Verteilungskampf der Etablierten" Daniel Hermsdorf (26.08.2015)
Ein Kommentar zum Querfront-Gutachten
Alternative Öffentlichkeit ist das Thema der Studie Querfront – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks, die Wolfgang Storz für die "Otto-Brenner-Stiftung" erstellt hat. Es geht darin hauptsächlich um die Zeitschrift "Compact", den Kopp Verlag und Ken Jebsen alias KenFM sowie die "Montagsmahnwachen". ... "Es handelt sich jedoch eindeutig um interessengeleitete Publizistik, die politischen Zielen dient." Das kann man sagen, weil eine Studie, die die Otto-Brenner-Stiftung der "IG Metall" bei dem Publizisten und Berater Storz in Auftrag gegeben hat, in ihrer Ausrichtung dazu angetan ist, den Mainstream zu verteidigen. Sie gesteht zähneknirschend ein, dass Compact & Co. immer mehr Leser und Zuschauer gewinnen und versucht, einen Rest jener Ausgrenzung aus dem angeblich Akzeptablen und Professionellen aufrechtzuerhalten, die bisher so reibungslos funktionierte. ... Es ist schon richtig, dass mit dem Putinverstehen bei Jürgen Elsässer, Mathias Bröckers und anderen das Pendel einmal zur anderen Seite ausschlägt. Auf Seiten des Mainstreams steht es stramm mit der Hand der Hosennaht neben den Kampfeinsätzen der NATO, die teilweise etwa mit eingestandenermaßen erlogenen Massenvernichtswaffen begründet wurden. Storz beurteilt hingegen in den alternativen Medien "viele" Informationen als "Behauptungen, die keiner nachvollziehbaren seriösen Qualitäts- und Quellenkontrolle unterzogen werden." Es wird also schlicht das eine ausgeklammert und mit zweierlei Maß gemessen. ... Dass viele der angesprochenen Inhalte auch im Online-Magazin Telepolis kontinuierlich angesprochen und von vielen Lesern aktiv diskutiert werden, erfährt bei Storz keine einzige Erwähnung. Die Grenze wird von ihm gezogen hin zu denen, die sich an manchen Stellen auffälliger ‚rechtspopulistischer‘ Argumente bedienen, Wahlempfehlungen geben oder die sich, wie KenFM, mit voraussetzungsreichen und missverständlichen Aussagen punktuell in den Verdacht der Holocaust-Leugnung brachten.
Es findet auch nicht in allgemeinen Andeutungen eine Bewertung statt, ob die Warnungen eines Udo Ulfkotte vor Islamisierung und migrantisch geprägtem Gewaltpotenzial sachliche Grundlagen haben oder reine Propaganda sind – und für wen? Storz muss einräumen, dass Leser Ulfkottes Buch "Gekaufte Journalisten" (2014) zum Bestseller machen, während die ‚Gekauften‘ selbst dazu schweigen. ...
Die professionellen Standards der Etablierten sind mittlerweile an zu vielen Stellen unauffällig erodiert. Die Differenz in Bildauflösung, gestalterischer und konzeptueller Aufbereitung und Zugänglichkeit schwinden. Es kommt auf gut gerüstete Leser und Zuschauer an, die hier wie dort ihr Hirn einschalten, um kritischen Diskurs von Manipulation und Desinformation zu unterscheiden. Welche Voraussetzungen Medienkompetenz hat und welche Spielräume ihr auf den elementaren Lebensgrundlagen bleiben, ist noch eine ganz andere Frage.
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45770/1.html

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"Die „Querfront-Verschwörung“ – Wie die Otto-Brenner-Stiftung sich um ihre Glaubwürdigkeit bringt"
von RT Deutsch-Redakteur Florian Hauschild (25. August, 2015)
Stolz präsentierte Wolfgang Storz am 15. August seine Studie „‚Querfront‘ – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks“ als Projekt der zur IG Metall gehörenden Otto-Brenner-Stiftung. Auf 55 Seiten versucht Storz Brisantes aufzudecken, konstruiert und „belegt“ ein vermeintliches „Querfront-Netzwerk“ in den Medien und arbeitet sich vor allem an Jürgen Elsässers Compact-Magazin ab. Andere nicht in den Mainstream eingebettete Journalisten werden dabei gezielt diskreditiert, allen voran Ken Jebsen, politischer Aktivist und Betreiber des Internet-Portals KenFM. Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung weist der Arbeit grobe methodologische und inhaltliche Mängel nach.
http://www.rtdeutsch.com/29838/meinung/die-querfront-verschwoerung-wie-die-otto-brenner-stiftung-sich-um-ihre-glaubwuerdigkeit-bringt/

Quote
Kristana
25. August, 2015 at 16:54

„mit der Konstruktion eines nicht näher definierten „Querfront-Netzwerkes“, das drauf und dran sei die öffentliche Ordnung der Bundesrepublik zu gefährden“

Da krieg ich Gänsehaut beim Lesen. Der Grund dieser Pseudo-Studie ist nicht Angst vor den alternativen Medien, sondern ein weiterer gezielter Schritt zur perfekten Diktatur. Wer diese alternativen Medien liest, gefährdet die öffentliche Ordnung und ist im nächsten Schritt zu verhaften und zu deportieren. DARAUF läufts raus.

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"Das Kapital im Blick" Von Sebastian Carlens (Ausgabe vom 26.08.2015)
Eine Studie nimmt sich des Querfront-Phänomens an, krankt aber an fehlender Aktualität – und an totalitarismustheoretischen Versatzstücken ... »Die Akteure handeln für sich, sind jedoch auch als ein publizistisch-politisches Netzwerk anzusehen«, heißt es in der Studie. Politisch sehen sich diese Kräfte »überwiegend jenseits klassischer Rechts-links-Schemata«, als Teil eines Milieus, dessen Angehörige »einen möglichst homogenen Nationalstaat und tradierte Lebensweisen wertschätzen und demokratisch-liberale Gesellschaftsentwürfe ablehnen«. So weit eine klassisch kulturpessimistische, »wertkonservative« Weltsicht. Ähnliche Meinungen finden sich auch an der Basis der CDU oder in der Bild, die vom  »Netzwerk« gern als Feinde bezeichnet werden. Doch andere Aspekte kommen hinzu: »Der ebenfalls identitätsstiftende ›Feind‹ sind ›die da oben‹, also herrschende nationale und internationale Eliten«. Dies wiederum sind Elemente, die als links wahrgenommen werden: Herrschafts- und Kapitalismuskritik.
Hier wird es problematisch, weil die Studie in der Totalitarismustheorie, also der Gleichsetzung von Faschismus und Sozialismus, gefangen bleibt und »positive Anmerkungen über die heutigen Verhältnisse« und »positive Bekenntnisse« zur herrschenden Gesellschaftsordnung zum Prüfstein erhebt. Doch die benannten Kräfte üben keine radikale Kapitalismuskritik. »Nationale Eliten« werden gerade nicht attackiert, höchstens dann, wenn sie als dem US-Kapital hörig eingestuft werden. Deutschland wird durchgehend als »nicht souverän«, als kolonialisiert dargestellt, dementsprechend ist bei Jebsen wie Elsässer nicht die Bourgeoisie der Gegner, sondern deren angebliche »Fremdsteuerung« durch die USA. Mit Kapitalismuskritik hat das nichts zu tun. Diese Rhetorik dockt an »nationalbolschewistische« Argumentationsfiguren der 20er Jahre an, die ebenfalls die nationale vor die soziale Frage hieven wollten – und meist in der Propagandamaschine der NSDAP landeten. Eine Abgrenzung zwischen antikapitalistischer Herrschaftskritik und rechter (Sozial-)Demagogie wäre seitens der Forscher notwendig gewesen. ...
https://www.jungewelt.de/2015/08-26/001.php


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"Medien - „Nachdenkseiten“ Die fragwürdige Anti-Lügenpresse-Front"  Steven Geyer (03.11.2015)
Die fragwürdige Allianz derer, die gegen „Lügenpresse“ und „Nato-Huren“ anschreiben, wächst derweil. ... Berauscht von steigenden Klickzahlen und Verkaufserfolgen wenden sich immer mehr Online-Projekte, Nischen-Publizisten und Polit-Aktivisten an ein wachsendes, diffuses Publikum. Das kommt aus gegensätzlichen politischen Lagern, ist aber geeint darin, dass es klassische Medien als „Lügenpresse“ oder „Nato-Netzwerk“ ablehnt, als „gleichgeschaltet“ oder „gekauft“ tituliert. ...  Der rechtspopulistische Autor Udo Ulfkotte (55) warnt seit Jahren vor Islamisierung und einem Bürgerkrieg in Deutschland. Seine Anklage gegen „gekaufte Journalisten“ hat nun Fans bei Pegida wie bei den angeblich friedensbewegten „Mahnwachen“. Der einstige taz-Journalist Mathias Bröckers (61) verkauft heute seine Bestseller über den 11. September 2001 als Terrorwerk der US-Regierung und seine „Ansichten eines Putinverstehers“ an Linken- wie AfD-Anhänger. ... Wenn der Ex-Radiomoderator Ken Jebsen (49) – heute auf seinem eigenen Internetkanal sowie im Kreml-Sender „RT deutsch“ als Russlandverteidiger und Kritiker einer „amerikanisch-israelischen Lobby“ erfolgreich – schreibt, dass hinter 9/11 wie hinter dem Anschlag auf Charlie Hebdo wohl die Nato steckte, verbreiten das auch die „Nachdenkseiten“. ... Das eint die Macher der neuen Gegenöffentlichkeit: Hinter Fehlern, aber auch hinter Einschätzungen, die sie nicht teilen, sehen sie sofort Absprachen und Manipulationen, befohlen von ganz oben. Wer Fakten recherchiert, die nicht in ihr Weltbild passen, hat sie erfunden. Beobachtungen, die ihnen missfallen, sind „schon vorher ausgedacht“. Und wer anderer Meinung ist, lügt. ...
http://www.berliner-zeitung.de/medien/-nachdenkseiten--die-fragwuerdige-anti-luegenpresse-front-,10809188,32317668.html

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Mediatore • vor 8 Stunden

Statt sich über unangenehme Meinungen zu echauffieren, sollten die Verantwortlichen in den Redaktionen vielleicht lieber einmal ihr Geschäftsmodell unter die Lupe nehmen. Nur wer wirklich reinen Herzens von sich sagen kann, eine in jeder Hinsicht objektive und ausgewogene Berichterstattung zu liefern, darf sich über die Vorwürfe aufregen. Alle anderen sollten erst einmal ihre Hausaufgaben erledigen und versuchen, etwas Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.


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Teufelsabbiss • vor 5 Stunden

Achje, die Querfront.
Ein ziemlich mieser Versuch, besonders Linke zu diffamieren, wobei auch besonders gerne sich links nennende angebliche Zeugen heran gezogen werden, die, wie mir scheint, auch immer nur weiter geben, was sie von Anderen gehört haben.
Teile und herrsche, die bekannte Strategie.
Sobald eine Bewegung gegen die Machtverhältnisse "zu stark" wird, wird sie diffamiert, wenn das Totschweigen nicht gelingt.
Wie ausführlich und wie oft wurde die 250 000 Menschen starke Anti-TTIP-Demo in den Medien behandelt? Lächerlich im Vergleich zu dem Interesse und Verständnis, das Pegida entgegen gebracht wurde/wird.
Einfach mal die Interviews auf KenFM anhören, anstatt Diffamierungen nach zu plappern.
Und zweifeln darf man jetzt auch schon nicht mehr, wenn es um 9/11 geht? Huibuih, kein Grund nach Iran-Mossadegh, Tonkin-Vorfall, Irak-Brutkasten und Chemiewaffen-Lüge und was es da noch so alles gibt an politischen Morden, an denen die CIA beteiligt war. doch mal genauer schauen zu wollen, was es da alles an Ungereimtheiten gibt??!
Sind wir eine USA-Glaubensgemeinschaft, die ein Bush-Glaubensbekenntnis ablegen muss, der ja schon kurz nach dem Anschlag die Welt warnte, nicht irgendwelchen Verschwörungstheorien zu glauben. Wie kommt er denn darauf.
Was mich an Müller in der letzten Zeit stört, ist eher seine Selbstbeweihräucherung, ja und manchmal finde ich einige Thesen auch etwas überschießend.
Aber was die bürgerliche Presse da in Bezug auf Bürgerbeschimpfung sich leistet mit diesen Querfront-Unterstellungen, empfinde ich als übler. Hier soll eine demokratische Bürgerbewegung im Ansatz zerstört werden.
Das war bei der Friedensbewegung und der Demo in Berlin überdeutlich.
Deswegen rede ich dennoch nicht von Lügenpresse, aber es gibt bestimmte Themen, bei denen ich schon an den Formulierungen erkenne, dass ich nicht mit sachlicher Information zu tun habe, sondern mit Manipulation. Mein privates Gespräch mit Journalisten über bestimmte Themen und deren Tabus, die schnell erkennbar waren, lassen mich zu der Überzeugung kommen, dass die glauben, dass sie den besten Zugang haben, dass sie die Deutungshoheit haben und dass sie wirklich überzeugt sind von dem, was sie sagen und schreiben.


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« Last Edit: November 03, 2015, 05:51:05 PM by Link »

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #26 on: August 27, 2015, 04:57:13 PM »
"Unsere Haltung beim Thema Flüchtlinge" Dr. Kai Gniffk (24. August 2015)
Seit Wochen berichten wir intensiv über die große Zahl von Flüchtlingen, über die Frage ihrer Unterbringung in Deutschland, über Demonstrationen gegen Flüchtlingsunterkünfte und über Solidaritätsaktionen mit Flüchtlingen. Tun wir das wertfrei? ... Wir dürfen die Abschiebung eines abgelehnten Asylbewerbers nicht als menschenverachtende Maßnahme einer kaltherzigen Bürokratie darstellen. Ein gerechtes Asylverfahren in einem weltoffenen Land lässt sich nur aufrechterhalten, wenn rechtmäßig zustande gekommene Abschiebebeschlüsse auch in die Tat umgesetzt werden. Hier sind Journalisten in der Versuchung, für diese unglücklichen Menschen Partei zu ergreifen. Deshalb sollten wir in unserer Berichterstattung die Welt nicht in gut und böse einteilen – unsere Meinung darf keine Rolle spielen. Auf der Basis unseres Auftrags und unserer Haltung ist es aber legitim, dass wir ein besonderes Augenmerk auf all die Menschen und Institutionen legen, die sich um Lösungen für das Flüchtlingsthema bemühen. Das Thema wird uns noch lange begleiten.
http://blog.tagesschau.de/2015/08/24/unsere-haltung-beim-thema-fluechtlinge/

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... JH: Selbsternannte „Alternativmedien“ wie „KenFM“, „RT-Deutsch“ oder „Compact TV“ erreichen beachtliche Klickzahlen auf Youtube. Diese bieten sich offensiv als Gegenmodell zu „Lügenpresse“, „Staatsfunk“ und „Mainstream-Medien“ an. Dabei erscheint das Angebot zunächst sehr heterogen. Auf S. 97 des Buches sagen Sie jedoch: „Das Etikett, das sich das einzelne ‚Alternative Medium‘ aufklebt, ob nun konservativ oder rechts, liberal oder libertär, ist fast schon egal. Man erkennt sich an den gemeinsamen Forderungen.“ Worin besteht die gemeinsame Linie der Medien des „Primitivbürgertums“?

CG: Die eklatanten Gemeinsamkeiten bei deutlichen Unterschieden im Detail finden sich nicht nur bei den Medien der neuen Rechten, sondern bei der Szene an sich: Man gibt sich zwar betont demokratisch, argumentiert aber autoritär; man gibt vor, die offene Gesellschaft verteidigen zu wollen, nutzt diese Tarnstrategie allerdings, um Fremdenfeindlichkeit und Homophobie zu propagieren. Schuld sind am Ende immer die USA und Israel, das heißt, die genannten Medien eint ein eindeutig antiwestlicher Impuls. Da wundert es auch kaum noch, dass Putins Russland als Hort der Freiheit gefeiert wird, wo es keine Verbote von Mentholzigaretten und Glühbirnen gibt, dafür aber Homosexuellen und anderen Minderheiten das Leben zur Hölle gemacht wird.

JH: Ken Jebsen, Jürgen Elsässer und Götz Kubitschek verbindet eine verkürzte, antiwestliche Kapitalismuskritk. Libertäre Autoren wie der Verschwörungstheoretiker Oliver Janich oder der eigentümlich-frei-Herausgeber André Lichtschlag streben demgegenüber eine dezidiert kapitalistischen Gesellschaftsordnung an. Müssten sich diese Lager des „gefährlichen Bürgertums“ nicht gegenseitig bekämpfen?

CG: Es gab vor einigen Jahren einen interessanten Meinungsaustausch zwischen Kubitschek und Lichtschlag, bei dem die Differenzen durchaus deutlich wurden, man sich allerdings durchaus einig war darin, dass man für den Moment, gewissermaßen im Kampf gegen das System, die gleichen Interessen hat. Zu einem späteren Zeitpunkt dürfte sich das dann auseinander dividieren. Insofern: Ja, eigentlich müssten sie sich gegenseitig bekämpfen. Aber derzeit scheint das Mantra zu gelten „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Es ist ja nicht das erst Mal in der Geschichte, dass sich komische Allianzen gegen einen gemeinsamen Gegner bilden.

JH: Sie legen ein besonderes Augenmerk auf die Zeitschriften wie die „Sezession“ und die „Blaue Narzisse“, die deutlich von den Denkern der Konservativen Revolution beeinflusst sind. Welche Rolle spielen die deutschen Vertreter der Nouvelle Droite für das Aufkommen der Pegida-Aufmärsche und den schnellen Einzug der AfD in die Landtage?

CG: „Sezession“, „Blaue Narzisse“, aber auch „Compact“ und viele Online-Szenemedien haben, unterstützt von zahlreichen Büchern, von Sarrazin über Pirinçci bis Ulfkotte eine Stimmung im vorpolitischen Raum geschaffen, die die Basis für den zwischenzeitlichen Erfolg der AfD und von Pegida gelegt hat. Rechtsradikales Gedankengut existiert in einer Gesellschaft immer, aber in der Regel ist die soziale Kontrolle des Umfeldes dieser Leute stark genug, um den öffentlichen Ausbruch des Menschenhasses zu verhindern. Das passiert nur, wenn der Hass auf ein Gefühl der Stärke trifft, auf das Gefühl, die Gesellschaft – gerne „das Volk“ genannt – im Rücken zu haben. Übrigens sollte man auch den Anteil von etablierten Journalisten an dieser Entwicklung nicht unterschätzen. Michael Klonovsky, ein Islamhasser beim Focus oder Matthias Matussek mit Texten wie „Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so“ bei der Welt fungieren durchaus als Tabubrecher. Dabei, und das ist interessant, wollen sie am Ende gar nicht weniger Tabus, sondern einfach nur andere.

JH: Neben Klonovsky und Matussek werfen Sie auch dem Cicero-Kulturchef Alexander Kissler „neurechtes Gedankengut“ vor. Dabei berufen Sie sich auf seine Artikel in der rechtslibertären Zeitschrift „eigentümlich frei“ und einen gemeinsamen Auftritt mit Götz Kubitschek Anfang 2011. Reicht diese „Kontaktschuld“ Kisslers aus, um ihn in eine Reihe mit den Feinden der offenen Gesellschaft zu stellen?

CG: Es sind ja noch ein paar andere Beispiele im Buch genannt, die schon eine Geisteshaltung erkennen lassen. Etwa seine Angriffe auf die ZEIT-Beilage „Christ & Welt“, als diese sich weigerte, einen Kongress zu bewerben, bei dem mit in neurechten Kreisen beliebten Vokabeln gespielt wurde. Oder die Attacke auf Bischof Zollitsch, als dieser vor der AfD warnte. Aber natürlich darf man das auch anders sehen. Wir haben ja auch nicht die absolute Wahrheit für uns gepachtet. „Gefährliche Bürger“ ist explizit ein Debattenbuch. ...

Aus: "„Gefährliche Bürger. Die neue Rechte greift nach der Mitte“- Christoph Giesa im Interview"
In Politik | Am 3. September 2015 | Von Julius Hagen
http://www.ruhrbarone.de/gefaehrliche-buerger-die-neue-rechte-greift-nach-der-mitte-christoph-giesa-im-interview/113110

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"Linke, Nichtwähler und AfDler bei RT Deutsch" Harald Neuber (22.09.2015)
Umfrage des Online-Portals über soziale Netzwerke. Politische Mitte praktisch nicht vertreten. Chefredakteur nennt Ergebnisse "krass", sieht sich aber bestätigt ... Die Mini-Umfrage wirft ein Schlaglicht auf das vom russischen Staat finanzierte Medienprojekt RT Deutsch, das von etablierten Redaktionen umgehend nach Start zum Paria degradiert wurde. Nur wenige Redaktionen setzten sich wie der Berliner Tagesspiegel in einem offenen Gespräch mit dem redaktionellen Konzept und den Strukturen eines Auslandsmediums auseinander, das sich von der Ausrichtung her nicht wesentlich von der Deutschen Welle unterscheidet (Propaganda machen immer nur die anderen). ...
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46051/1.html

Quote
22. September 2015 12:10
Wenn man im zweiten Weltkrieg eine Umfrage gestartet hätte...
Joshi (578 Beiträge seit 26.06.01)

...was für Leute das sind, die ihren "Volksempfänger" heimlich
manipuliert haben, um neben der gleichgeschalteten Inlands-Presse
auch ausländische Sender zu hören, wo viele Sachen eben ganz anders
dargestellt wurden, um sich ein ausgewogeneres Bild zu machen - dann
hätte man ebenfalls festgestellt, dass das kaum Leute aus der
systemtreuen, autoritätsgläubigen "Mitte" waren, die sich noch mehr
oder weniger mit der Regierung identifizierten.

Sondern eben die Leute, die gegenüber der gleichgeschalteten
Nazi-Presse längst misstrauisch geworden oder sogar offen zu
"Feindbildern" erklärt worden waren und sich daher nach anderen
Informationsquellen sehnten. Die waren sich vermutlich durchaus
bewusst, dass auch die Auslandssender "Propaganda" verbreiten - aber
es lieferte eben trotzdem ein ausgewogeneres Bild der tatsächlichen
Lage als der alleinige Konsum der hiesigen Presse...

http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-man-im-zweiten-Weltkrieg-eine-Umfrage-gestartet-haette/forum-295863/msg-26947175/read/

Quote
22. September 2015 10:49
Ich schaue nicht RT
albibi (876 Beiträge seit 27.07.14)

Wundere mich aber nicht über das Ergebnis dieses Nutzerbildes. Die
Schlussfolgerungen die natürlich gleich wieder gezogen werden
(RT-Nutzer seien Anti-demokratisch, indoktriniert, verblendet,
VT'ler, überhaupt das Letzte, noch unter RTL2-Sehern, und überhaupt
Kommunisten, etc.) sind natürlich die üblichen Hassparolen derer, die
glauben ihre Heile Welt sei durch RT-Kucker gefährdet (anstatt zu
realisieren, woher die wirkliche Gefahr für ihren Lebensstil
herkommt).

Völlig außerhalb dieses Fokus liegt nämlich die Frage, ob sich die
Leute NUR durch RT informieren, oder ob sie in Wahrheit einfach einen
GRÖßEREN Informationspool nutzen als es der gemeine
Tagesschauseher/Radionachrichtenhörer/Bildzeitungsleser tut. Ich
vermute nämlich, dass sich RT-Kucker zusätzlich noch andere Quellen
ansehen. Das sind nämlich genau die Leute, die das Mantra erfunden
haben:

Informiere dich selbst, nutze alle möglichen Quellen, bilde dir deine
eigene Meinung.

Die, die schon immer gegen RT (und andere Alternativmedien) gehetzt
haben (und der aktuelle Skandal um die (mittelbare) Verleumdung
einiger Personen als Teil eines Querfrontneztwerkes durch
W.Storz/Otto-Brenner-Stiftung gärt ja noch) können eben nicht
akzeptieren, dass sie öffentlich durch Politik und Medien belogen
werden. Klar, ein solcher Gedanke könnte manchem einen guten Schlaf
rauben. ...

http://www.heise.de/tp/foren/S-Ich-schaue-nicht-RT/forum-295863/msg-26947036/read/

Quote
22. September 2015 11:35
Wenn der deutsche Staat
hanslimaa (mehr als 1000 Beiträge seit 14.02.10)

Fernsehsender wie ARD und ZDF finanziert, die Zusammensetzung der
obersten Gremien definiert und auch mal unliebsame Chefredakteure
absetzt, nennt man das unabhängig und neutral.

> http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/absetzung-von-zdf-chefredakteur-brender-deutschland-ist-jetzt-berlusconi-land-a-663699.html

Wenn der russische Staat das selbe tut ist das natürlich übelste Propaganda. ...


http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-der-deutsche-Staat/forum-295863/msg-26947115/read/

...

---

Quote
Pflichttextbausteine
Hoss_Cartwright heute, 14:45 Uhr
die Aussagen wie "wahllos bombardiert" und "oftmals wurden Zivilisten getroffen" und "Terroristen" in Anführungsstrichen (wie früher "DDR") werden wir jetzt standardmäßig in jedem Artikel lesen, der über russische Angriffe in Syrien verfasst wird. Es handelt sich um unbedingt zu verwendende Propaganda Zwangs-Texbausteine der Agenturen Reuters/AFP, vorgegeben durch die zuständigen Agenturen in den USA. Muss ich mich eigentlich mit so einem Mist noch abgeben? ...

http://www.spiegel.de/forum/politik/syrien-krieg-russische-luftwaffe-bombardiert-ziele-palmyra-thread-364134-3.html#postbit_35609099

Quote
Armutszeugnis
aufdenpunktgebracht heute, 14:46 Uhr
Gut, daß uns SPON neuerdings als Propagandaorgan der Regierung aufklärt, wer denn nun die Bösen und wer die Guten sind. Damit das auch ja jeder mitbekommt und sich daran halten muß, werden die Foren bei westlichen Kriegseingriffen in Ländern wie Afghanistan und Syrien gar nicht mehr freigeschaltet. Es lebe die Demokratie und die freie Meinungsäußerung!
http://www.spiegel.de/forum/politik/syrien-krieg-russische-luftwaffe-bombardiert-ziele-palmyra-thread-364134-3.html#postbit_35609183

Quote
39.
peterbond2 heute, 15:03 Uhr
Das ehemalige Nachrichten Magazine Spiegel ist voll auf Atlantikbrücken Linie. Was erwarten sie?

http://www.spiegel.de/forum/politik/syrien-krieg-russische-luftwaffe-bombardiert-ziele-palmyra-thread-364134-4.html#postbit_35610702

Quote
50.
stonecold heute, 15:25 Uhr
[Zitat von LeonLanis]werden uns die "gemäßigten" Rebellen nie vorgestellt, war Ihre berechtigte Frage. Diese Frage richtet sich an alle Medien und an alle Foristen, die ähnlich argumentieren. Wie heißen die ? Wer sind ihre Anführer? Wo sind sie stationiert? Und welche politischen Ziele verfolgen sie? Jeder politische Journalist, der diese Bezeichnung verdient, müsste eigentlich darauf brennen, über diese Fragen sachlich zu informieren, zumal alle Medien bis vor ca. 6 Wochen berichteten, gemäßigte Rebellen gebe es in Syrien kaum noch. Allerdings wären konkrete Angaben zu den "moderaten" Rebellen natürlich verifizierbar, und das scheint ein Problem zu sein ...
Die sind dann prompt wieder aufgetaucht, um als Opfer russischer Luftschläge zu dienen. Ziemlich makaber, das Ganze.
http://www.spiegel.de/forum/politik/syrien-krieg-russische-luftwaffe-bombardiert-ziele-palmyra-thread-364134-6.html#postbit_35612690

Kommentar zu: "Syrienkrieg: Russische Luftwaffe bombardiert Ziele in Palmyra" (06.10.2015)
http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-russland-soll-is-in-palmyra-angegriffen-haben-a-1056441.html

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"Krone-Schmalz kritisiert mangelnde Pressefreiheit in Deutschland" Stefan Korinth 15.10.2015
Frühere Moskau-Korrespondentin wirft deutschen Medien permanente Dämonisierung Russlands vor - Die frühere ARD-Osteuropakorrespondentin Gabriele-Krone Schmalz hat bei einer Buchvorstellung in Hannover vor demokratieschädigenden Tendenzen in der deutschen Medienlandschaft gewarnt. Andere als extrem russlandkritische Positionen kämen dort kaum vor. Sie warb für eine verstehende Haltung gegenüber Russland und forderte professionelleren Journalismus hierzulande. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46276/1.html
« Last Edit: October 15, 2015, 06:23:55 PM by Link »

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #27 on: October 25, 2015, 12:28:52 PM »
Quote

21. Oktober 2015
Früher war auch mehr Lichterkette: Wie alte Aufnahmen in einen aktuellen "Tagesschau"-Film kamen
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/22163/frueher-war-auch-mehr-lichterkette-wie-alte-aufnahmen-in-einen-aktuellen-tagesschau-film-kamen/
| "Die ARD hat eingeräumt, einen Bericht in der 'Tagesschau' über
| eine Lichterkette für Flüchtlinge in Berlin manipuliert zu haben."
| So berichtet es die rechte Wochenzeitung "Junge Freiheit" in ihrem
| Online-Auftritt.

23.10.2015
ARD-Tagesschau: Aufnahmen mit Wirklichkeitsbruch
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46350/1.html
| Erneut muss sich das Nachrichtenflaggschiff den
| Vorwurf gefallen lassen, die Realität zu verzerren
|
| "Auch wenn die Gesamtaussage dieses Nachrichtenfilms den Tatsachen
| entsprach, hätte die Verwendung der kurzen Archivbildsequenz natürlich
| unterbleiben müssen. Dieses Versäumnis bedauern wir." Mit diesen
| Worten zitiert Focus Kai Gniffke, den Chefredakteur von ARD-aktuell.
| Hintergrund: Der Tagesschau wird vorgeworfen, erneut eine fragwürdige
| Bildauswahl vorgenommen zu haben. Worum geht es?

| Am vergangenen Samstag zeigte die Tagesschau einen Bericht über eine
| Lichterkette für Flüchtlinge in Berlin. Allerdings waren in dem
| Beitrag auch Bilder einer Lichterkette aus dem Jahr 2003 zu sehen, die
| von Menschen gebildet wurde, um ein Zeichen für Frieden und gegen den
| bevorstehenden Krieg im Irak zu setzen, wie der medienkritische
| Journalist Stefan Niggemeier auf seiner Webseite erläutert
--
Gruss
Frank

Diese Mail wurde über die öffentliche Diskussions-Mailingliste des
Arbeitskreises gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur)
verschickt.



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"Kennste einen Bombenangriff, kennste alle: Das „heute journal“ nimmt’s in Syrien nicht so genau" Stefan Niggemeier (23 Okt 15)
Am vergangenen Freitag berichtete das „heute journal“, wie die russische Luftwaffe in Syrien nicht nur Stellungen des IS bombardiert, sondern auch Städte, die von der oppositionellen Freien Syrischen Armee kontrolliert werden. ... Für mich ganz ohne Zweifel erweckt der „heute journal“-Beitrag den Eindruck, der Mann kommentiere den Angriff vom 14. Oktober, mit dem der Film beginnt. Es ist die klassische Abfolge eines Nachrichtenfilms: Wir sehen zuerst die Flieger. Dann den Bombeneinschlag. Dann, wie Opfer geborgen werden. Dann wütende oder verzweifelte Kommentare von Augenzeugen. Dass der Augenzeuge in diesem Fall einen anderen Angriff kommentiert, der an einem anderen Tag möglicherweise in der Nähe stattfand, kann der Zuschauer nicht ahnen. ...
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/22180/kennste-einen-bombenangriff-kennste-alle-das-heute-journal-nimmts-in-syrien-nicht-so-genau/

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"Geld für Medien: Europa tritt gegen Putins Propaganda an" Von Markus Becker, Brüssel (30.10.2015)
In dem Dokument geht es um das "Strategische Kommunikationsteam Ost" des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EEAS). Um "Russlands laufenden Desinformationskampagnen entgegenzuwirken", hatten die EU-Staats- und Regierungschefs am 20. März die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini mit der Erstellung eines "Aktionsplans über strategische Kommunikation" beauftragt. Ein zentraler Bestandteil: die "East StratCom Task Force" unter Leitung des Briten Giles Portman, die am 1. September ihre Arbeit aufgenommen hat. Der Sinn der strategischen Kommunikation, so steht es ganz offen in Mogherinis Aktionsplan, sei das "Vorantreiben der politischen EU-Ziele in der östlichen Nachbarschaft". Dazu sollen "das gesamte Medienumfeld" gestärkt werden und "unabhängige Medien unterstützt werden". EU-Informationen sollen insbesondere in russischer Sprache verbreitet, Journalisten aus- und fortgebildet werden. ...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-europaeische-union-tritt-gegen-putins-propaganda-an-a-1060182.html

http://www.spiegel.de/forum/politik/geld-fuer-medien-europa-tritt-gegen-putins-propaganda-a-thread-374620-1.html

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"Propaganda machen immer nur die anderen" Harald Neuber (30.07.2015)
Über die Deutsche Welle, Russland und den neuen europäischen Medienkrieg - Die Aufstockung des Budgets der Deutschen Welle Anfang des Jahres war begleitet von Konflikten und kritischen Kommentaren über die neue politische Ausrichtung des Auslandssenders. Inzwischen lassen sich Tendenzen und Zusammenhänge erkennen, die bestehende Befürchtungen weitgehend bestätigen: Der Ausbau der Deutschen Welle steht offensichtlich im Zusammenhang mit außenpolitischen Frontstellungen der EU. Ausmachen lässt sich das vor allem - wenn auch nicht nur - am Verhältnis zu Russland und zum Ukraine-Konflikt. Dabei ist die Neuausrichtung der Deutschen Welle in eine gesamteuropäische Medienstrategie gegen Moskau eingebunden. Der diskursive Einfluss russischer Akteure soll über politische Gegenprogramme eingedämmt werden, aber auch durch restriktive Maßnahmen gegen regierungsnahe Journalisten. Das von Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg formulierte Ansinnen, russischen Medien "Paroli zu bieten" ist also Teil eines umfassenden Medienkrieges um die Köpfe der Menschen in West und Ost. Hier ein Zwischenresümee ...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45583/1.html

""Unabhängige Medien" und Medienvertreter im Dienste des "Strategischen Kommunikationsteams Ost"" Marcus Klöckner (30.10.2015)
EU-Task Force will gezielt Netzwerke mit Journalisten aufbauen ... Gerade im Kontext der Ukraine-Krise gehen die Staaten der Nato davon aus, dass Russland einen Informationskrieg gegen den Westen führt. Umgekehrt wirft Russland auch "dem Westen" vor, an einem Informationskrieg beteiligt zu sein. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46431/1.html

"Die Propaganda-Offensive der EU wird das Misstrauen gegenüber den Medien stärken" Florian Rötzer (30.10.2015)
Gegen die "Desinformationspolitik" Russlands soll mit einer "strategischen Kommunikation" für die Politik und die Werte der EU geworben werden ... Das Auswärtige Amt machte klar, dass ein als "Russland Taskforce" benanntes "Strategisches Kommunikationsteam Ost" die Ziele in der "östlichen Nachbarschaft" (Ukraine, Georgien, Republik Moldau, Belarus, Armenien, Aserbaidschan) und in Russland verfolgt: "eine wirksame Kommunikation von und Werben für EU-Politiken und —Werten in der östlichen Nachbarschaft, Stärkung des Medienumfelds insgesamt inklusive Unterstützung für unabhängige Medien und verbessertes öffentliches Bewusstsein von Desinformationsaktivitäten seitens Dritter und verbesserte EU-Reaktionsfähigkeit darauf". Dahinter stehen der "Aktionsplan für strategische Kommunikation" vom Juni 2015 gegen die "russischen Desinformationskampagnen" und der Aufbau einer EU EAST STRATCOM Task Force. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46430/1.html

Quote
gsxr1000, 31. Oktober 2015 08:41
Rötzer, dein Beitrag stärkt mein Misstrauen gegen Russenland

Wie kann ein Russland.Ru Schreiberling davon ablenken, dass es in
Russland keine freie Presse gibt und das kritische Journalisten gerne
auch mal eingesperrt und umgebracht werden:
Er konstruiert das Gebilde einer gesteuerten Presse.
Es ist sicherlich kein Zufall dass die Pegidademonstranten mit exakt
den gleichen Themen argumentieren.
Der Begriff Lügenpresse wurde übrigens von den Nazis erfunden. Das
sollte euch Putintrolle mal zu denken geben

http://www.heise.de/tp/foren/S-Roetzer-dein-Beitrag-staerkt-mein-Misstrauen-gegen-Russenland/forum-296223/msg-27006765/read/

Quote
Bartträger, 30. Oktober 2015 19:33

"P.S. Dieser Text wurde weder von der Nato noch von Sigmar Gabriel in Auftrag gegeben."

Laut Google hat Philipp Jessen früher für Bild gearbeitet. In den
Arbeitsverträgen des Axel Springer Verlags muss "Die Unterstützung
des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der
freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von
Amerika" vom Unterzeichnenden zugesichert werden.
https://www.axelspringer.de/artikel/Grundsaetze-und-Leitlinien_40218.html
http://nachhaltigkeit.axelspringer.de/de/grundsaetze/unternehmensgrundsaetze.html

Das ist so gut wie eine Mitgliedschaft bei der Atlantik Brücke. Dass
man solchen Leuten keine Befehle geben muss, wie sie über Nato- und
insbesondere Kriegsangelegenheiten zu denken und zu schreiben haben,
ist einigermaßen selbsterklärend.

Dass diese Leute immer speziell darauf abheben, dass ihnen niemand
"Befehle erteile" oder "zuflüstere", ist für sich schon auffällig.
Gleiches war bei Tom  Buhrow (Mitglied der Atlantik Brücke) vor
einigen Tagen beim ARDcheck zu bewundern, als eine Frau im Publikum
auf den bemerkenswert anderen Ton in Berichten zu sprechen kam, wenn
Nato-Staaten Kriesgbeteiligte sind.

http://www.heise.de/tp/foren/S-P-S-Dieser-Text-wurde-weder-von-der-Nato-noch-von-Sigmar-Gabriel-in-Auftrag/forum-296223/msg-27006514/read/

Quote
Lahme Ente, 31. Oktober 2015 11:57

Als alter Mann, der noch das Dritte Reich in seiner Jugend
und die Bundesrepublik vom ersten Tag an erlebt hat, sehe ich,dass
wir seit dem Regimewechsel in der Ukraine von fast allen Medien nicht
objektiv informiert werden. Ich erinnere mich, an einen Satz des
Herrn Kleber in "Heute" wo er sagte "es gibt keine Nazis" in der
Ukraine. Eine Viertelstunde früher zeigte der selbe Sender Bilder
über das Batallion Asow mit Hakenkreuzen an dem Stahlhelm, der
sogenannnten "SS-Wolfsrune" an den Ärmeln und das zeigen des
"Deutschen Grusses" duch die Bewaffneten. Un so zieht sich das durch
alle Medien.Alles was mit Russland zu tun hat wird grundsätzlich nur
aus der transatlantischen Sichtweisekomentiert. Eine sachlich und
objektive Berichterstattung ist nicht mehr gegeben. Ganz schlimm ist
in meinen Augen, das die einst seriöse Blätter FAZ, Spiegel mit SPON
und die Zeit zu billigsten Propagandeschleudern verkommen sind. Nicht
nur werden Ereignisse verdreht, sondern es wird dazu erfunden und
erlogen. Haupsache Putin (Russland) ist an allem schuld. Das
Russlandbashing nimmt schon groteske Züge an. Auch bei den Öffentlich
Rechtlichen kommt keiner mehr zu Wort, der nur im  leisesten objektiv
über Russland berichten könnnte. Sicher es gibt genügend das in
Russland nicht so ist, wie ich es mir vorstellen würde, aber da ich
seit Jahren nach Russland komme, erstmalig 1974,  kann ich mir
wirklich ein eigenes Bild darüber machen, was dort abgeht. Was Putin
seitdem er Präsident  dort geleistet hat ist schon erstaunlich.
Vergleichbar mit unserem Wirtschaftswunder. Die etwa 85% Zustimmung
der Bevölkerung zu Putins Politik kommt nicht von ungefähr. Auch sehe
ich mich von russischen Medien jedenfalls objektiver unterrichtet als
durch unsere. Und was dort über die Politik der USA verbreitet wird
ist ja wohl keine Propaganda.Es ist ja Tatsache das die USA wohl bei
jedem Konflikt seit 1945 gezündel haben und es purer Zynismus, wenn
die Politiker dort über Freiheit, Demokratie und Menschenrechte
faseln, die sie selbst mit Füssen treten. Allein auch die Arroganz
bei uns, von den westlchen Werten zu reden. Die nur dann zum tragen
kommen wenn damit Geld zu verdienen ist, ansonsten sch... wir darauf.
 Und jetzt noch diese neue Propagandinniative der EU und der NATO .
Wenn ich schon lese,russischsprachige TV Sender im Baltikum. "Radio
Freies Europa" und "Radio Liberty", die amerikanischen Hetzsender des
Kalten Krieges lassen grüssen.
Das Positive ist nur, dass solange hier das Internet noch nicht
zensiert wird, kann sich jeder politisch Interessierte seine
Informationen aus dem Web holen und sich seine eigene Meinung bilden.
Jedenfalls haben unser Medien nicht mehr die Deutungshoheit und da
helfen alle propagandistischen Anstrengungen nichts.

http://www.heise.de/tp/foren/S-Als-alter-Mann-der-noch-das-Dritte-Reich-in-seiner-Jugend/forum-296223/msg-27006873/read/

Quote
Leam, 30. Oktober 2015 15:26

Dabei würde schonungslose Ehrlichkeit IMHO funktionieren

Warum sagen sie nicht einfach es geht um Macht, Einfluss
und Geld? Köhler hat es damals versucht: es geht darum
unsere wirtschaftlichen Interessen auch mit Gewalt
durchsetzen zu können. Unsere Werte haben wir gesund
geschrumpft: Gier

Und schon passt die Berichterstattung wieder zur Realität.
Und mal ehrlich, nach dieser Realität funktionieren nicht
nur unsere gesamte Wirtschaft sondern so funktionieren
doch auch die meisten Privatleute? So what?

Wir sind nicht die Guten, die Amis sind nicht die Guten,
die Russen sind nicht die guten, wir versuchen nur uns
ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu sichern.

Alternativ können wir uns ja dann überlegen ob wir das
ändern wollen. Aber gut, da haben wir den Knackpunkt,
genau diese Diskussion soll ja verhindert werden...

http://www.heise.de/tp/foren/S-Dabei-wuerde-schonungslose-Ehrlichkeit-IMHO-funktionieren/forum-296223/msg-27006165/read/

« Last Edit: November 03, 2015, 09:59:55 AM by Link »

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« Reply #28 on: November 03, 2015, 05:25:43 PM »
Quote
[...] Auch die beste Nachrichtenredaktion ist nur ein Mensch und macht schon einmal Fehler. Das macht aus uns aber nicht die "Lügenpresse". "Grundgesetzpresse", so dürfen Sie uns allerdings gerne nennen. Mit sachlicher Kritik haben wir kein Problem und doch wächst der Eindruck, dass wir nicht mehr alle Menschen im Land erreichen können. In der DLF-Nachrichtenredaktion bekommen wir viele Reaktionen auf unsere Arbeit. Lob und Zuspruch sind das eine. Fragen und Kritik, das andere. Normal und gut so. Manchmal wird es aber irrational oder aggressiv, hin und wieder sogar beides. Genau davon möchte ich heute berichten.

Wir freuen uns enorm, dass unsere Arbeit im Radio und im Netz derart stark wahrgenommen wird. Zur Wahrnehmung gehört, dass die Menschen sich kritisch mit dem befassen, was sie Monat für Monat mit ihrem Rundfunkbeitrag finanzieren. Das ist selbstverständlich. "Warum haben Sie andere Teilnehmer-Zahlen von der Demonstration als die Organisatoren?" "Wieso berichten Sie nicht über die Wahlen in Honduras?" "Weshalb gibt es zu viele oder zu wenige Meldungen aus Sport, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft?" Zu all dem und immer wieder auch zur Nachrichtensprache stehen wir Rede und Antwort. Immer wieder haben wir (leider) auch Anlass, für Fehler um Entschuldigung zu bitten. Dann können wir Lehren daraus ziehen. Kritik macht auch uns in der Regel besser.
Das alles ist eine Menge und das ist auch das Allermeiste. Heute geht es um eine andere Art von Vorwürfen. Die "sieben Todsünden der Nachrichten", so wie sie einige Menschen empfinden. Sie werden sehen, es gibt zwischen den verschiedenen "Todsünden" Überschneidungen. Und je nachdem, ob gerade die Ukraine-Krise dominiert, Griechenland oder die Flüchtlingsfrage, verändert sich auch das Mischungsverhältnis bei den Angriffen.

... Hier die Liste der Punkte - mit unseren Anmerkungen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

... Todsünde 1: "Ihr seid alle links", "Ihr seid alle rechts"
... Todsünde 2: "Ihr macht doch alles, was die Regierung will"
... Todsünde 3: "Ihr macht doch alles, was "das System" will!"
... Todsünde 4: "Ihr macht doch alles, was "die Amerikaner" oder "die EU" wollen!"
... Todsünde 5: "Ihr seid alle gegen Russland!"
... Todsünde 6: "Ihr berichtet doch gar nicht über und für die einfachen Menschen!"
... Todsünde 7: "Ihr seid die Lügenpresse!"

...


"Aus der Nachrichtenredaktion - Die "sieben Todsünden" der Nachrichten" Marco Bertolaso (02.11.2015)
http://www.deutschlandfunk.de/aus-der-nachrichtenredaktion-die-sieben-todsuenden-der.1818.de.html?dram%3Aarticle_id=335641


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« Reply #29 on: November 30, 2015, 10:46:37 AM »
"Kolumne: Drei Lügen über die Meinungsfreiheit" Carsten Pilger (27. Nov 2015)
BERLIN. (hpd) Deutschland sei nicht frei und wer das sagt, wird schnell als Verschwörungstheoretiker abgestempelt. "Eine kleine Medienelite gibt den Takt vor, unerwünschte Subjekte werden entfernt" – das hat hpd-Kolumnist Carsten Pilger "in diesem Internet" immer öfter gehört. Eine Replik. ...
http://hpd.de/artikel/12468

Thomas Niesse, am 27. November 2015 - 13:31
Lieber Herr Pilger, eine doch recht oberflächliche Darstellung der derzeitigen problematischen Medienlamdschaft mit eindeutig "eingebetteten" Journalisten- kreisen vor allem im sogenanntn
Alpha-Journalismus von FAZ, Zeit, Süddeutschen und Co. Auf den nachdenkseiten wieder die Thematik schon länger klarer und differenzierter dargestellt... Siehe u.a.hier, mit den interessanten Kommentaren von Bernd Ulrich ( die Zeit):
25. November 2015 um 11:37 Uhr: Der Politikchef der „Zeit“ bestätigt das „ journalistische Eingebettetsein“ von Journalisten in „amerikanische Denkart der Außenpolitik“ - Verantwortlich: Albrecht Müller ... Am 20. und 21.März 2014 haben die NachDenkSeiten über die Forschungen von Uwe Krüger berichtet. Er hatte 2013 beschrieben, wie und welche deutschen Medien und Journalisten auf US-nahen Kurs gebracht werden, wie sie über verschiedene Organisationen wie die Atlantikbrücke vernetzt sind. „Die Anstalt“ hatte das Thema zum Gegenstand ihrer Sendung vom 29. April 2014 gemacht. Dort ab Minute 35. Darüber gab es dann einen juristischen Disput mit zwei Vertretern der „Zeit“, Joffe und Bittner. Umso mehr werden wir überrascht von Äußerungen des stellvertretenden Chefredakteurs der „Zeit“, Bernd Ulrich, in seinem Buch „Sagt uns die Wahrheit!“. Dort finden sich auf den Seiten 45 bis 49 bemerkenswerte Erkenntnissen. ...
http://www.nachdenkseiten.de/?p=28997
Viele grüße aus Hamburg, Thomas Nieße, GBS Hamburg
http://hpd.de/comment/9977#comment-9977

---

"Der Provokateur: Bundespressekonferenz hadert mit Tilo Jung" Daniel Bouhs (29.11.2015)
Die BPK mischt Jung [ ] regelmäßig auf - mit naiven, teils regelrecht penetranten Fragen an die Vertreter der Bundesregierung und mit Videomitschnitten der Veranstaltung, die er in seinem Youtube-Kanal veröffentlicht. ... Der Regierung wirft Jung im ZAPP-Interview vor, sie habe bisweilen "wenig Interesse an Aufklärung". Seine Mission: Transparenz. ... Am Rande der Tagung "Formate des Politischen", bei der die Hauptstadtpresse in der BPK über ihr Tun diskutiert, berichtet Jung ZAPP nun jedenfalls von kritischen Anmerkungen zu seinen Auftritten, die ihn zunehmend erreichten: "Das hört sich für mich ein bisschen so an, als ob [Regierungssprecher Steffen] Seibert so ein bisschen signalisiert: Sorgt irgendwie mal dafür, dass ihr den Jung einschränkt und die ganze BPK einschränkt, weil sonst kommen wir nicht mehr." ... Auch auf der Tagung ist Jung auch Thema - auf dem Panel "Beobachtungen zur Institution der Bundespressekonferenz". Phoenix-Journalistin Anke Plättner berichtet vom Unmut gegen Jung, der sich unter Regierungssprechern breitmache ("Kommen Sie gerne?" - "Wissen Sie, da stellt jetzt jemand immer so komische Fragen."). Sie fragt den Provokateur: "Warum stellen Sie Fragen, die manch andere vielleicht nicht stellen?" Für Jung ist das eine - für die Etablierten selbstentlarvende - Steilvorlage. Er sagt, was er dann auch ZAPP sagt: Er wolle Grundsätzliches von der Regierung hören, er wolle Politik verstehen und das für alle dokumentieren. ...
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/blog/Der-Provokateur-Bundespressekonferenz-hadert-mit-Tilo-Jung,tilojung102.html

Quote
Gibert Kuhn schrieb am 03.12.2015 12:09 Uhr:

Die Bundespressekonferenz ist ein Verein, dessen einzige Aufgabe es ist, Pressekonferenzen zu veranstalten und diese zu leiten. Das war in Bonn so, und das hat sich - laut ihren Staturen - auch in Berlin nicht geändert. Der jeweils die Veranstaltung leitende Vorsitzende zensiert weder die Fragen noch die Antworten, achtet jedoch darauf, dass bestimmte Formen gewahrt bleiben. Das gilt nicht dem Inhalt, sondern - beispielsweise - der Wortwahl, der prinzipiellen Höflichkeit, dem Vermeiden von Beleidigungen usw. Das schließt Kritik auf dieser oder jener Seite nicht aus; ich weiß aus jahrelanger, teilweise leitender Mitgliedschaft in der Bundespressekonferenz, wovon ich rede. Beispielsweise von einem ordentlichen Zusammenstoß mit einem Bundeskanzler. Was den eigenen Berufstand anbelangt: Beileibe nicht alle Fragen waren (und sind es gewiss auch heute noch) immer das Gelbe vom Ei. Es gab (und gibt) immer auch Kollegen, deren Wortmeldung erkennbar nicht der Infomationssuche galt, sondern der Selbstdarstellung oder dem Versuch, einen Lacher zu provozieren. Das ging mitunter bis an die Grenze der Peinlichkeit, bzw. überschritt diese auch. Unbabhängig vom hier vorliegenden Fall: Keineswegs immer bedeutet Kritik an einem Journalisten gleich einen Angriff auf die Pressefreiheit...


Quote
Tim Lutherer schrieb am 03.12.2015 13:56 Uhr:

Herr Jung macht genau das, was Aufgabe ALLER Journalisten wäre !


...

---

"Russische Manipulationsvorwürfe gegen das ZDF - Verheddert im Gestrüpp der Propaganda"  Ivo Mijnssen (2.2.2016)
Es erscheint unerklärlich, weshalb das Team des deutschen Senders, dem der ehemalige Russlandkorrespondent Dietmar Schumann vorstand, derart unkritisch Material von Bobkow übernahm. Der Verdacht drängt sich auf, dass man nicht so genau hinschaute, da der junge Mann gut als Illustration für die übergeordnete Erzählung taugte. Allerdings wäre genau dies bei einem derart heiklen Thema die Aufgabe von Qualitätsmedien – gerade auch deshalb, um sich von der billigen Propaganda des russischen Staatsapparats abzusetzen, statt diesem zusätzliches Futter zu liefern. ...
http://www.nzz.ch/international/europa/russische-manipulationsvorwuerfe-gegen-das-zdf-verheddert-im-gestruepp-der-propaganda-ld.4785

---

"Die NZZ-Studie" (Eine Studie von Swiss Propaganda, Januar 2016)
Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ist die führende Schweizer Tageszeitung für internationale Themen. Doch wie objektiv und kritisch berichtet die NZZ über geopolitische Konflikte? Um dies zu überprüfen, wurden während je eines Monats alle NZZ-Berichte zur Ukraine-Krise  und zum Syrienkrieg analysiert und anhand des Modells von Professor Anne Morelli auf Muster von Kriegspropaganda hin ausgewertet. ... Die vorliegende Untersuchung kam anhand des Propaganda-Modells von Ponsonby-Morelli zum Ergebnis, dass die NZZ bei geopolitischen Konflikten überwiegend Propaganda der Konfliktpartei USA/NATO verbreitet, Propaganda nur auf der Gegenseite identifiziert, unausgewogene und teilweise wenig transparente Drittquellen verwendet und damit insgesamt einseitig und wenig objektiv berichtet und kommentiert. Als Erklärung für diesen Befund wurde eine Kombination aus ideologischer Ausrichtung, transatlantischer Eliten-Netzwerke, und militärisch-politisch-ökonomischer Abhängigkeit der Schweiz vorgeschlagen. ...[/i]
http://antikrieg.com/aktuell/2016_02_08_dienzzstudie.htm

https://swisspropaganda.wordpress.com/
« Last Edit: February 09, 2016, 09:51:01 AM by Link »

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« Reply #30 on: January 13, 2016, 04:47:46 PM »
Quote
[...] David Goeßmann, geboren 1969, ist freier Journalist. Er arbeitet unter anderem für den Deutschlandfunk, den WDR und SWR. Von 2005 bis 2007 war er freier Auslandskorrespondent in Boston/USA, davor Parlamentsreporter und CvD der Deutschen Fernsehnachrichten Agentur. 2009 gründete er zusammen mit dem Dramatiker und Journalisten Fabian Scheidler das unabhängige TV-Nachrichtenmagazin Kontext TV. 2010 deckte er den Missbrauch von „Fake TV News“ in deutschen TV-Nachrichtensendungen auf.

... Herr Goeßmann, auch Sie sind mit einem Beitrag im gerade erschienenen Buch „ARD & Co.: Wie Medien manipulieren“ vertreten. Und ich dachte immer, der Vorwurf, Medien würden manipulieren, käme „von rechts“ – Sie aber erheben ihn auch als Journalist. Wie kommt es dazu? Wogegen richtet sich Ihre Kritik?

Lassen Sie es mich mit einem der größten investigativen Journalisten des letzten Jahrhunderts sagen. Der US-Journalist I. F. Stone hatte bei seiner Arbeit ein ehernes Prinzip: Reporter sollten mit der Voraussetzung an ihre Arbeit gehen, dass mächtige Institutionen lügen und nicht damit, dass sie die Wahrheit sagen. „Governments lie“, war seine Devise. In den 1950er Jahren wollte jedoch keine Zeitung den angesehenen Journalisten anstellen. Er stand auf schwarzen Listen der US-Regierung.

1953 gründete er das berühmte I.F. Stone Weekly, einen Newsletter, aus der Not geboren. Der „muckraking journalist“ Stone war damit eine Art Pionier-Blogger, Vorbild für unabhängige Journalisten wie Michael Moore, Glenn Greenwald oder Jeremy Scahill. Während New York Times, CBS und Co. in den Vereinigten Staaten einfach Regierungspropaganda weiterreichten, opponierte Stone bereits früh gegen den Vietnamkrieg, gegen Diskriminierung und politische Repression. Sein journalistischer Stil war schmucklos:

    ”Ich habe mich nie für Insider-Kram interessiert. (…) Ich versuchte vielmehr Informationen bereitzustellen, die belegt werden können, so dass die Leser sie selbst überprüfen können. Ich bemühte mich, die Wahrheit aus Anhörungen, offiziellen Mitschriften und Regierungsdokumenten so akkurat wie möglich freizulegen. (…) In jeder Ausgabe habe ich versucht, Fakten und Meinungen, die sonst nirgends in der Presse aufzufinden sind, zu bieten.“

Stone war es auch, der dem US-Präsidenten Lyndon B. Johnson nachwies, dass er zum Vorfall im „Golf von Tonkin“ gelogen hatte, veröffentlicht in seinem „one-man“ Weekly. Die millionenschweren US-Mainstreammedien von New York Times und Washington Post mit besten Kontakten in die gesellschaftlichen Schaltzentralen schwiegen dazu.

Mit der gleichen Skepsis, die I.F. Stone der Regierung entgegenbrachte, sollte man auch an die Berichterstattung der Mainstreammedien herangehen. Denn auch sie stellen mächtige Institutionen dar. Wer sich anschaut, wer die Medien besitzt, finanziert, managt, den notwendigen Strom an Informationen und Nachrichten täglich bereitstellt oder sie mit „Gegenfeuer“ beeinflussen und disziplinieren kann, der sollte die Zeitung morgens mit einer tiefen Grundskepsis aufschlagen oder die Nachrichten anschalten. Die Frage sollte im Kopf immer lauten: Sieht die Welt wirklich so aus? Erhalten wir das volle Bild über relevante Ereignisse? Wer erhält ein großes Forum und wer nicht? Wo wird verzerrt, gelogen, weggelassen, ausgeblendet und mit doppelten Standards berichtet?

... Es gibt bereits einen enormen Korpus an fundierter, gut belegter Medienkritik und -analyse. Und auch viele Journalistinnen und Journalisten tragen täglich dazu bei, uns eine andere, zum Schweigen gebrachte Welt zu präsentieren, fast immer jedoch außerhalb der klassischen medialen Öffentlichkeit. Sehr beindruckend, sehr progressiv, sehr inspirierend. Das ist der Keim für die allerorts so dringend notwendige Veränderung.

... Wer in den 60er Jahren den Vietnamkrieg und die Rolle westlicher Medien kritisierte, wurde als „antiamerikanisch“ diskreditiert. Wer den offiziellen Diskurs über die „Angriffe auf den Wohlfahrtsstaat“ attackiert, ob nun als Agenda 2010 oder „Griechenlandrettung“ maskiert, dem werden ideologische Kreuzzüge unterstellt. Bei der Ukraine-Krise landet man schnell neben Putin und Menschenrechtsverletzungen, früher waren es Stalin und der Gulag. Bei der Kritik an den Massakern der israelischen Regierung im Gazastreifen und deren medialer Präsentation wird rituell eine neue „Welle von Antisemitismus“ ausgemacht. Und wer nach 9/11 in Vorbereitung auf den US-geführten Luftkrieg gegen Afghanistan nur leicht vom offiziellen Meinungskurs abwich, fand sich als Terroristen-Versteher einsortiert.

Wir erinnern uns noch an die Demutsgeste, die der damalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert machen musste, weil er es gewagt hatte, in einem Interview auf die Bush-Kritik der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy hinzuweisen. Die damalige CDU-Vorsitzende Angela Merkel stellte in der Bild-Zeitung daraufhin fest, dass Wickert damit „absolut nicht mehr tragbar als Nachrichtenmoderator im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“ sei. Wickert hatte schlicht missverstanden, dass eine im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Zeitung publizierte “Außenansicht“, noch lange nicht bedeutet, dass solche Meinungen auch zitierfähig sind.

Und heute eben der Verweis auf Lügenpresse, Pegida, Deutschnationale oder rechte Verschwörungstheoretiker. Alles nicht überraschend und schon gar nicht neu. Die wirksamste Waffe ist aber, unangenehme Medienkritik einfach zu ignorieren..

... Um nicht missverstanden zu werden: Es ist nicht so, dass Journalisten sich hinsetzen und sagen: So, jetzt manipulieren wir mal die Ereignisse, die Realität. Ich denke nicht einmal, dass man das Journalisten der Prawda zu Zeiten der Sowjetunion vorwerfen könnte. Jedenfalls sind bewusste Manipulationen nicht das Kernproblem.

Journalisten der Medienunternehmen und Rundfunkanstalten berichten im Prinzip, was sie vor Augen haben, durchaus professionell und objektiv. Aber sie tun das nicht im luftleeren Raum, sondern in einem sehr engen ideologischen Rahmen. Wie gesagt, die Massenmedien haben eine institutionelle Schlagseite. Und diese Schlagseite funktioniert wie ein Set von Filtern, durch das die Informationen und Meinungen hindurchgehen. Und die Filter sind so beschaffen, dass nicht alle Informationen, Meinungen, Hintergründe und Stimmen die gleiche Chance haben zu passieren, die gleiche Aufmerksamkeit erhalten, auch wenn ihre Relevanz für das Verständnis von Ereignissen essentiell ist.

... Die SZ hat über den ganzen Krisenverlauf hinweg aus der Perspektive der deutschen Regierung, der Troika-Politik, der „Gläubiger“ berichtet. Als die Syriza-Partei Anfang 2015 an die Macht kam, legte sie schließlich alle journalistischen Manieren ab und bezeichnete die griechischen Verhandlungspartner Varoufakis und Tsipras als „Hassadeure“ und irre „Achterbahnfahrer“, die mit einer „Harakiri-Politik“ eine „Vertrauensimplosion“ mit einem „Maximalschaden für die Menschen“ erzeugen wollten. Chef-Kommentator Stefan Kornelius betitelte den „irren Kurs“ der Syriza-Regierung mit den Worten „Ins Graos“. Der vermeintlich „irre Kurs“ von Syriza bestand dabei vor allem daraus, Wirtschaft und Beschäftigung ein wenig beleben zu wollen, um überhaupt eine Basis für die Rückzahlung der Schulden zu schaffen. Grund genug für die SZ, mehr irrationale Troika-Politik zu fordern und ein „Graos“ an die Wand zu malen!

Natürlich macht es ökonomisch überhaupt keinen Sinn, eine Volkswirtschaft in einer tiefen Rezession durch Kürzungen aus der Krise führen zu wollen. Weder in der Theorie noch in der Praxis. Deutschland selbst oder auch die USA haben das in der Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008 daher auch nicht getan, im Gegenteil: Sie befeuerten die Volkswirtschaft mit einem massiven Konjunkturprogramm, finanziert mit neuen Schulden. Im Guardian, der New York Times oder der Financial Times rieben sich ob der ideologischen Fixierung Deutschlands im Falle Griechenlands dann auch Nobelpreisträger verwundert die Augen. In der SZ wurde diese Kritik jedoch schlicht als „politischer Aktivismus“ abgestempelt. Nur einige wenige Journalisten in deutschen Zeitungen schrieben gegen diesen offensichtlichen deutschen Irrsinn an. So etwa Harald Schumann vom Tagesspiegel, Ulrike Herrmann von der taz und Wolfgang Münchau von Spiegel Online.

Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig Diskussionen hier zugelassen wurden und wie rigide gefiltert und auch direkt manipuliert worden ist….

... moderne Massenmedien tendieren dazu, Stimmen der Macht zu sein. Wenn die Eliten sich auf einen politischen Kurs geeinigt haben, dann ist es die Aufgabe von Massenmedien, um Zustimmung dafür zu werben.

Und natürlich haben Medien auch unterschiedliche Funktionen. Sie bieten zum Beispiel auch Unterhaltung und Information. Das ist auch gemeinhin bekannt. Über das aber, was Edward Herman und Noam Chomsky in ihrem Klassiker „Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media“ als Propagandafunktion bezeichnen, wird standhaft geschwiegen. Und das, obwohl die These schlüssig ist, mit vielen empirischen Fallstudien gut belegt werden kann und weitreichende Konsequenzen hat. Wenn man so will, ist dieses Schweigen eine Bestätigung des sogenannten Propaganda-Modells der beiden genannten Wissenschaftler auf einer weiteren Ebene.

...


Aus: "Wenn Regierungen lügen und Medien mitmachen" Jens Wernicke (11. Januar 2016)
Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=30135

---

"Die Medien tragen demokratische Verantwortung" Reinhard Jellen (21.01.2016)
Jörg Becker: " ... Gerade bei einem schwierigen Feld wie dem der Kriegsberichterstattung käme es [] auf ein umfassendes Bild an. Und hier lassen sich immens viele Dimensionen denken, die verbessert werden könnten und müssten, die aber fast nie berücksichtigt werden. Kriege kennen nicht nur Freund und Feind, sondern stets mehrere Freunde und mehrere Feinde mit jeweils recht unterschiedlichen Interessen.
Kriege sollten also wenigstens aus zwei, besser noch aus vier oder fünf Perspektiven geschildert werden. Warum gibt es kaum O-Töne von "Feinden"? Hinzuhören und hinzusehen hätten deutsche Journalisten auf die Zivilgesellschaft und die Opfern und nicht nur auf die Eliten, die lokalen und nicht nur die nationalen Eliten, arbeiten müssten deutsche Journalisten direkt, konkret und vor Ort und hätten sich jeglichem militärischen embedment zu verweigern. ..."
http://www.heise.de/tp/artikel/47/47171/1.html


"Medien im Krieg - Krieg in den Medien" Author: Jörg Becker,  ISBN 978-3-658-07477-7 (2016)
Das Thema Medien und Krieg wird in diesem Buch aus einer vierfachen Perspektive heraus behandelt. Es geht zum einen um die Frage nach der Berichterstattung über Kriege, zum zweiten um die Rolle von Medien im Krieg, drittens geht es darum, welche strukturellen Bedingungen von Krieg und Gesellschaft die Inhalte der Medien wie prägen und viertens um eine friedensstiftende Sicht auf diese Zusammenhänge. Das Fazit: Definitorisch gibt es kaum noch einen Unterschied zwischen medialer Kommunikation und Krieg.
https://www.springer.com/in/book/9783658074760

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"Wahl-Fernsehduelle: AfD darf nicht teilnehmen - SWR und MDR schließen die rechte Partei von den Elefantenrunden aus" Thomas Pany (20.01.2016)
Es wäre interessant gewesen, wie SPD und Grüne auf eine souveräne Entscheidung reagiert hätten, zumal der Sender ja die Abwesenheit der Spitzenkandidaten von SPD und Grünen mit deren Erklärungen begründen hätte können. Bei den Zuschauern wäre das Verhalten der Parteien wahrscheinlich nicht gut angekommen, dagegen hätte der Sender Unabhängigkeit demonstriert.
Das wäre eine Möglichkeit zur Kante gegen Vorwürfe gewesen, die den Öffentlich-Rechtlichen eilfertigen Gehorsam gegenüber politischen Vorgaben unterstellen. Mit der Entscheidung, die AfD nicht einzuladen, nähren die Sender die Vorwürfe weiter, ganz sicher nicht zum Schaden der AFD.  ...

http://www.heise.de/tp/artikel/47/47162/1.html

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Quote
[...] Der Druck ist groß. Selbst die größte Sendeanstalt im ARD-Verbund, der Westdeutsche Rundfunk (WDR), kann die massive Kritik an „zu großer Staatsnähe“ und einer „tendenziösen politischen Ausrichtung“ nicht mehr ignorieren. Erst recht, nachdem die WDR-Journalistin Claudia Zimmermann in dem niederländischen Radiosender L1 ungewollt als Zeugin der Anklage auftrat und zu Protokoll gab: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist mit seiner Gebührenfinanzierung so ausgerichtet, eher in Richtung Regierung und nicht aus Oppositionssicht zu berichten.“

Auch sei man angehalten, „Merkels Willkommenskultur positiv zu unterstützen“. Dass die WDR-Korrespondentin ihre Klage umgehend als „Unsinn“ widerrief, macht den Vorwurf nicht unglaubwürdiger. Eher entstand der Eindruck, die freie Mitarbeiterin Zimmermann habe auf Druck von oben Reue gezeigt, um ihre Aufträge nicht zu verlieren. WDR-Moderator Frank Plasberg sah sich sogar genötigt, den öffentlichen Manipulationsvorwurf in seiner jüngsten Debattenrunde von „Hart aber fair“ einzuspielen. So viel Selbstkritik ist selten im deutschen Fernsehen.

Die Behauptung der WDR-Journalistin, am rot-grünen Gängelband laufen zu müssen, ist zwar Wasser auf die Mühlen derer, die im Kölner Sender schon immer den „schlimmsten Rotfunk“ sahen und den Medien insgesamt gezielte Manipulationen vorwerfen; doch sie führt gleichwohl in die Irre. Als in Nordrhein-Westfahlen eine schwarz-gelbe Koalition (2005-2010) regierte, war der WDR alles andere als „regierungsnah“. Auch sind wir in Deutschland weit entfernt von Verhältnissen wie in Putins Russland, Erdogans Türkei oder neuerdings in Polen, wo die Medien mit harter Hand auf Linie gebracht werden.

Offiziell gilt in Deutschland Artikel 5 im Grundgesetz: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Dass, je nach Umfrage, bis zu zwei Drittel der Bevölkerung den gegenteiligen Eindruck haben, liegt an einem Teil der Journalisten selbst. ...


Aus: "Medienkritik: Die halbe Wahrheit kann eben auch eine Lüge sein" Wolfgang Bok (24. Januar 2016)
Quelle: http://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein-am-sonntag/medienkritik-die-halbe-wahrheit-kann-eben-auch-eine-luege-sein-id12540286.html
« Last Edit: July 13, 2016, 05:51:19 PM by Link »

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #31 on: February 16, 2016, 04:28:17 PM »
"Die Ganser-Verschwörung" Andreas Maurer, Redaktor bei der «Schweiz am Sonntag». (Samstag, 14. Februar 2015)
Im Gegensatz zur Medienpräsenz in der Schweiz hat Ganser in Deutschland inzwischen Mühe, in etablierten Medien zu Wort zu kommen. In Deutschland hat Ganser dafür ein neues Publikum in alternativen Online-Medien gefunden. Mit der Ukraine-Krise haben diese an Bedeutung gewonnen. Auf Youtube-Kanälen wie «KenFM» erklären Experten in langen Interviews, dass die Realität anders sei, als man meine. Manche Talkgäste wirken plump bei der Präsentation ihrer Verschwörungen. Ganser ist anders. Politikwissenschafter Linden, der diese Online-Medien untersucht, sagt über Ganser: «In dieser Szene ist er der Beste.» ...
http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/basel/die_ganser-verschwoerung/

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PD Dr. Markus Linden (geb. 1973) ist Politikwissenschafter im Forschungszentrum Europa an der Universität Trier (Bereich Partizipation und Ungleichheit). Zuletzt erschien von ihm das Buch «Einschluss und Ausschluss durch Repräsentation. Theorie und Empirie am Beispiel der deutschen Integrationspolitik» (Baden-Baden 2014). Seit 2014 publiziert er über die Attraktivität neuer Alternativmedien.

... In Opposition zu den traditionellen Medien ist im Internet eine höchst kritische Szene von alternativen Plattformen entstanden. Deren Existenz ist ein Krisenzeichen, das ernst zu nehmen ist. ... Die Anziehungskraft einer gegen die politische Klasse per se gerichteten Rhetorik ist ein Krisenzeichen. Im Vergleich zu anderen Alternativmedien ist die Relevanz der fundamental systemkritischen Szene in Deutschland stark gewachsen. Bisweilen verschwimmt die Grenze zwischen Verschwörungstheorie und legitimer Kritik. Das ist das Problem. ... Star der Szene ist der Schweizer Wissenschafter Daniele Ganser, ein Meister des Subtextes, der es rhetorisch brillant versteht, gerade keine geschlossene Verschwörungstheorie zu präsentieren. Im Gegensatz zu anderen bleibt Ganser stets an Fakten orientiert. Im deutschen Fernsehen ist er dennoch nicht präsent, wohl auch, weil er jeden Moderator vor Probleme stellen würde. ... Das vorgebliche Märtyrertum ist bei den neuen Alternativmedien ebenso ausgeprägt wie der missionarische Eifer. Es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den Akteuren. Präsentiert werden Sichtweisen mit verschwörungstheoretischem Charakter. Dass es sich bei den Terroranschlägen vom 11. September um einen «Insidejob» handelte, gilt als gesetzt. Die Position setzt sich in Bezug auf weitere Ereignisse fort. Dabei beschränken sich die intelligenteren Protagonisten auf das «Stellen unangenehmer Fragen», während die Kommentarleisten der Anhängerschaft von einer Parallelwelt zeugen, in der das US-Imperium im Verbund mit Medien und Geheimdiensten die Welt manipuliert.
Gemeinhin beklagt werden zudem eine fehlende Souveränität des «US-Vasallen» Deutschland sowie die Aushöhlung der Volkssouveränität. Der Finanzmarktkapitalismus wird ebenso abgelehnt wie die Medienlandschaft. Das Spektrum reicht von faktenorientierter Kritik, für die etwa das Buch von Mathias Bröckers und Paul Schreyer steht («Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers»), bis hin zur pauschalen Schelte mit den Mitteln der subjektiven Addition von Einzelfällen (Udo Ulfkotte: «Gekaufte Journalisten»).
Souveränität, Wahrheit, Lügenpresse – das sind die Schlagworte in dieser Welt, die zur Parteienlandschaft nur an den Rändern Bezüge aufbaut und oft identitärdemokratischen Idealen folgt, also der Idee einer Identität zwischen Herrschern und Beherrschten. Den eingeforderten Pluralismus hat man selbst nicht internalisiert, sondern man glaubt an die Existenz eines unterdrückten Gemeinwillens. Dementsprechend finden sich auf den Portalen kaum Sendungen mit diskursivem Charakter. Dargeboten werden Bestätigungsrituale. ... Zwei weitere Aspekte sind für die Entstehung des skizzierten Feldes verantwortlich: 1. Alternativmedien offerieren eine vermeintlich realistische Sichtweise der internationalen Ordnung. Diese interessenfixierte Herangehensweise mag oft nicht zutreffend sein, ist jedoch in Deutschland wissenschaftlich und medial zu wenig präsent. 2. Die Attraktivität des Verschwörungsdenkens und des personalisierten Netzmessianismus geht schliesslich auch auf verfehlte Heils- und Ganzheitserwartungen an die Politik zurück. Für die ist keine ideologische Anknüpfung mehr zu finden, was im Umkehrschluss ein tumbes Wahrheitsgefasel und den Glauben an diktatorische Netzwerke in der Demokratie befördert. ...

Aus: "Alternativmedien: Die Stimmen des digitalen Untergrunds"  Markus Linden (10.10.2015)
http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/die-stimmen-des-digitalen-untergrunds-1.18627359


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hamu66 Andreas Steiner • vor 4 Monaten
Ganser sagt, er wäre bereits vor seinen Recherchen über 9/11 von Kollegen gewarnt worden und nach der Publikation eines Artikels im Tages-Anzeiger kam es zum Eklat und Proteste seitens der US-Botschaft. Heute arbeitet er für die Uni Basel, wobei offenbar explizit vereinbart wurde, dass 9/11 kein Thema sein dürfe. Das ist eine klare Beschneidung der akademischen Freiheit. ...
Seine Dissertation über die Nato-Geheimarmeen war die Erste Publikation über dieses Thema und er gehört zu den sehr seltenen Forschern, die solche Themen überhaupt wissenschaftlich behandeln. Die meisten anderen schauen einfach weg, um keine Probleme zu kriegen.


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Paul Hansen • vor 4 Monaten
... Zur Wortwahl: „Alternativmedien“ ist genauso eine Augenwischerei wie „Alternativmedizin“. Ein Medium ist ein Medium, egal was darüber vermittelt wird. Papier bleibt Papier, egal ob da Focus oder Compact drauf steht. Der Unterschied zwischen etablierten Medien und den sogenannten „Alternativmedien“ ist, daß Letztgenanntere lediglich Meinungen und Interpretationen verbreiten. Diese ganzen „Alternativmedien“ können mangels Infrastruktur (Korrespondentennetzwerk in aller Welt, direkt vor Ort) gar keine Nachrichten präsentieren, sie können nur auf Nachrichten der so geschmähten Mainstreammedien zurückgreifen, diese interpretieren und damit Meinung machen. Verbunden mit der Aufforderung an die Konsumenten, eben jene Medien, aus denen sie sich bedienen, zu meiden, ist das perfide an dieser Meinungsmache.


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Mara Podolski • vor 4 Monaten
Neue Medien. Schön, dass man bei NZZ auf das Thema zu sprechen kommt. Lange hat es gedauert. Der Politikwissenschaftler Dr. Markus Linden hat mit seinem Beitrag dazu auch eine recht akzeptable Arbeit abgegeben. Offensichtlich, so Linden, deckten die etablierten Medien das Meinungs- und Interessenspektrum der Bevölkerung nicht mehr ausreichend ab, was als Grund für die Alternativmedien im digitalen Untergrund erkannt wird. Damit darf man noch gleicher Meinung sein, an Lindens Wortwahl ist jedoch bereits die Unzulänglichkeit seiner Stellungnahme auszumachen. Prangert er die für die neuen Sprachrohre im Internet Schlagwörter wie Lügenpresse, Mainstream-Medien, Parteidiktatur und ähnliches mehr an, so verwendet er sie im gleichen Atemzug Ausdrücke wie alternativ, radikal, polemisch oder fundamental. Schon mit dem Titel werden die neuen Medien in eine Ecke gedrängt: Untergrund: Wer verbindet damit Gutes? Die Schubladisierung ist somit bereits erfolgt. Hierin liegt des Pudels Kern.

Die hohe Anziehungskraft kontroverser politischer und sozialer Plattformen im Netz ist demnach nicht wie Linden behauptet, ein Zeichen der Krise, im Gegenteil, es ist der Ausdruck der gelebten Demokratie, ein Manifest der Informationsfreiheit. Freilich gibt es unter den neuen Medien auch höchst fragwürdige Plattformen. Keine Frage. Internet-Aktivisten aber, die eine Aushöhlung der Volkssouveränität feststellen, auf das sinnenentleerte Wesen des Finanzmarktkapitalismus hinweisen oder die Unausgewogenheit der Berichtserstattung in den etablierten Medien bemängeln, bewegen sich noch lange nicht im Untergrund. Es gibt darunter auch sehr viele Zeitgenossen, die bereit sind, selbständig zu denken. Menschen, die nicht gewillt sind, einfach hinnehmen , was ihnen vorgesetzt wird. Denn man wisse: Die Wahrheit wurde im Interesse einiger weniger längst politisiert.


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Peter Schmid • vor 4 Monaten

"1. Alternativmedien offerieren eine vermeintlich realistische Sichtweise der internationalen Ordnung. Diese interessenfixierte Herangehensweise mag oft nicht zutreffend sein,..."

Es gibt auch andere Stimmen, welche dem widersprechen und dies begründen:
"Wir können mit Gewissheit die Schlussfolgerung ziehen, dass der einzig ehrliche Journalismus in den Vereinigten Staaten durch alternative Medien und das Internet betrieben werden."
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Dr. Paul Craig Roberts, 31.03.2015: Mexikos Presseclub zeichnet mich mit Internationalem Preis für exzellenten Journalismus aus

... Gerald Celente bezeichnet Journalisten in den USA als „Presstitutes“, ein Begriff, der sich aus dem Wort „Presseprostituierte“ zusammensetzt.  Um es in anderen Worten auszudrücken, hat sich das Gros der Journalisten in den USA zu Prostituierten der Regierung und der Konzernunternehmen degradiert.

Die wenigen echten Journalisten, die noch verbleiben, ziehen sich verstärkt zurück. Im vergangenen Jahr hat auch Sharyl Attkisson, eine 21-jährige Reporterveteranin in Diensten von CBS, ihren Dienst aufgegeben, mit der Begründung, dass es zu einem zu großen und energieraubenden Kampf geworden sei, über wahre Begebenheiten zu berichten. Sie war frustriert, dass CBS die eigene Rolle der Berichterstattung in einer Art und Weise definierte, die sich allein am Schutz der Interessen der Mächtigen ausrichtete. Für Kritik gibt es also keinen Raum mehr.

Kürzlich gab auch Peter Osborne, politischer Chefkommentator des britischen Daily Telegraph zum Besten, was ihn dazu bewegte, seine journalistische Tätigkeit aufzugeben. Osbornes Berichte über die Missetaten des Bankengiganten HSBC wurden nicht veröffentlicht, weil HSBC einer der wichtigsten Werbetreibenden für den Daily Telegraph ist. Osborne sagt: Die Berichterstattung über die Machenschaften bei HSBC im britischen Telegraph sind nichts anderes als Betrug an der eigenen Leserschaft. Wenn große Tageszeitungen Konzernunternehmen erlauben, deren Berichterstattung zu beeinflussen, weil sie aus Furcht vor Anzeigenverlusten auf diese Art und Weise handeln, befindet sich die Demokratie an sich in großer Gefahr. ...
http://www.cashkurs.com/kategorie/wirtschaftsfacts/beitrag/mexikos-presseclub-zeichnet-mich-mit-internationalem-preis-fuer-exzellenten-journalismus-aus/

Warum kommen in den Medien praktisch nur Experten zu Wort, welche das Narrativ Washingtons unterstützen und Putin in ein schlechtes Licht stellen? Hochrangige Experten, Insider usw. welche dem Narrativ widersprechen werden nicht berücksichtigt: Paul Craig Roberts, Ray McGovern, Jürgen Scholz, Robert Parry und viele andere mehr.

Bezeichnend, dass Daniel Ganser seine Stelle an der Universität verlor. Damit ist allen klar, was ihnen blüht, wenn sie nicht-konforme Thesen vertreten.

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jonumber1 Peter Schmid • vor 4 Monaten

"Paul Craig Roberts, Ray McGovern, Jürgen Scholz, Robert Parry und viele andere mehr."

Einige von ihnen haben aber eine enorme Medienpraesens.

"Bezeichnend, dass Daniel Ganser seine Stelle an der Universität verlor. Damit ist allen klar, was ihnen blüht, wenn sie nicht-konforme Thesen vertreten."

Hatte er einen befristeten Vertrag oder wurde sein Vetrag gekuendigt? Es gibt fast keine unbefristeten Vertraege mehr.

Ich sehe die "Alternative Medien" positiv. Wobei sie das Recht haben, genauso kritisch betrachtet zu werden wie die "alten" Medien. Das Wort "alternativ" ist allerdings nicht angebracht, da man jetzt schon sieht, dass sie die gleichen Fehler machen und Maengel haben wie die "alten" Medien. Sobald etwas neu scheint, ist es eben schon wieder alt.


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hamu66 jonumber1 • vor 4 Monaten

"Einige von ihnen haben aber eine enorme Medienpraesens."

Nicht in den traditionellen Medien.

"wurde sein Vetrag gekuendigt?"

Bei der ETH kam es zum Eklat, hat also schon eine politische Dimension.



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Peter Schmid • vor 4 Monaten

Man findet überall Problematisches bezüglich Wahrheitsgehalt, Vorgehen usw. Die Verantwortung der offiziellen Medien ist aber entsprechend grösser und entsprechend folgenschwer irreführende Informationen. Entsprechend kritischer sollte man die offiziellen Medien betrachten. Dazu ein wichtiger Artikel:

... Wer nur ein bisschen überlegt, was die Zeitungen unkritisch abdrucken, der kann ihnen kein Glauben mehr schenken. Die Lügen im Vorfeld des 2. Irakkrieges, welche die Journalisten unkritisch verbreiten halfen und die als Konsequenz 1 Mio Tote und ein zerstörtes land zur Folge hatten, sollten eine Lehre sein. Man erinnere sich auch an die Schlagzeile "Russland marschiert in die Ukraine ein". Wo blieb hier der kritische Journalismus? Das Phänomen alternativer Medien ist die Folge eines schwerwiegenden Versagens der offiziellen Medien, welche, das haben viele Menschen erkannt, nicht mehr informieren sondern indoktrinieren.

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Robert Häberli Peter Schmid • vor 4 Monaten

Einspruch: Russland ist tatsächlich in die Ukraine einmarschiert (August 14), sonst wäre der 'Aufstand' dort schon längst 'erledigt', waren doch die ukrainischen Truppen zu diesem Zeitpunkt gerade daran, 'tabula rasa' zu machen.
In diesem Punkt haben die offiziellen Medien anders versagt: statt Ross und Reiter beim Namen zu nennen, wurde dauernd im Konjunktiv berichtet, wo eh alles mit den grünen Männchen klar war. Dass dann Korrespondenten auch noch die Geschichte von den Russen,die Urlaub machen, z.T. unkritisch übernahmen, ist ein Tiefpunkt journalistischer Demagogie bzw., wäre es nicht wahr, man könnte es nicht glauben.



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[...]Am 14. Februar vergangenen Jahres erschien in der "Schweiz am Sonntag" ein Bericht über "Die Ganser-Verschwörung". In der Polemik ging es um den Schweizer Friedensforscher Daniele Ganser, der als "smarter Wissenschaftler" auftrete, zu "fast allen" Konflikten "etwas zu sagen habe" und Verschwörungen "wittert". Der Makel des promovierten Historikers: Er hinterfragt die offiziellen Versionen der aktuellen Geschichte, wie etwa bei 9/11, den Anschlägen auf Charlie Hebdo oder beim Ukraine-Konflikt.

Seine Doktorarbeit hat er über die Nato-Geheimarmee geschrieben und ist bisher unwiderlegt. Im Zeitungsartikel wird angeführt, Ganser habe schon mal auf einem Kongress des umstrittenen Sektenpredigers Ivor Sasek referiert, der auch Holocaust-Leugnern eine Plattform biete. Und er sei in YouTube-Kanälen wie "KenFM" präsent.

Im Oktober zieht dann die "Neue Zürcher Zeitung" mit einem Artikel über "Die Stimmen des digitalen Untergrunds" nach. Hier wird Ganser als "Star" einer Szene "radikaler Systemkritik" bezeichnet, als "Meister des Subtextes", der es aber "rhetorisch brilliant" verstehe, "gerade keine geschlossene Verschwörungstheorie" zu präsentieren.

Warum Ganser, zwar "stets an Fakten orientiert", aber "jeden Moderator" des deutschen Fernsehens "vor Probleme stellen würde", bleibt in dem Artikel unklar. Stattdessen auch hier der Verweis auf die Sasek-Veranstaltung. Der ganze Tenor des Artikels zielt darauf ab, mediale Äußerung außerhalb des etablierten Mainstreams in die Verschwörungsecke zu stellen.  ...


Aus: "Die Quer- und Queerfront" Rudolf Stumberger (16.02.2016)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/47/47386/1.html

Quote
hanslimaa, 16. Februar 2016 14:30
OT: Liste mit wahren verschwörungstheorien

Hat hier vielleicht jemand eine Link zu einer Auflistung angeblicher
Verschwörungstheorien die sich im Nachhinein als wahr herausgestellt
haben?

http://www.heise.de/tp/foren/S-OT-Liste-mit-wahren-verschwoerungstheorien/forum-297260/msg-27132809/read/


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« Reply #32 on: February 16, 2016, 04:57:04 PM »
Weitere Kommentare zu:
http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/die-stimmen-des-digitalen-untergrunds-1.18627359

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Andreas Steiner Heinrich Frei • vor 4 Monaten

Meiner Meinung nach sind Alternativmedien, wenn überhaupt, dann nur als ergänzende Medien brauchbar. Das meiste ist tendenziös und schlicht und einfach unprofessionell, was sich insbesondere im fahrlässigen Umgang mit Fakten äussert. Die meisten Alternativmedien sind genau keine "Alternativen", sondern Sprachrohre spezifischer Ideologien, die generell Freiheit (insbesondere Meinungs- und Pressefreiheit) mit "Beliebigkeit" verwechseln. Die heute zur Verfügung stehenden Alternativmedien sind gut zur Rückbestätigung vorgefasster Meinungen, aber denkbar ungeeignet als Informationsquellen um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Das Internet ist aber noch jung. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Medienangebote als auch die Medienkonsumenten mit den Jahren reifer werden.
KenFM ist für mich übrigens ein Paradebeispiel eines qualitativ auf sehr tiefem Niveau arbeitenden Journalismus, höchst tendenziös und unprofessionell auf verschiedensten Ebenen. Als gefährlich stufe ich dies aber nicht ein, da irrelevant in der realen Welt und längerfristig selbsteliminierend.

Quote
hamu66 Andreas Steiner • vor 4 Monaten

"Das meiste ist tendenziös und schlicht und einfach unprofessionell, was
sich insbesondere im fahrlässigen Umgang mit Fakten äussert."

Gilt nicht minder für die traditionellen Medien, ganz im Gegenteil: dort ist die Propaganda meist noch viel unverfrorener.

"Die meisten Alternativmedien sind genau keine "Alternativen", sondern
Sprachrohre spezifischer Ideologien"

Jedes Individuum und somit auch Medium ist ideologisch geprägt. Manche sind sich dessen bewusst, andere nicht.

"Die heute zur Verfügung stehenden Alternativmedien sind gut zur
Rückbestätigung vorgefasster Meinungen, aber denkbar ungeeignet als
Informatiosquellen um sich eine eigene Meinung bilden zu können."

Gilt für praktisch alle Medien. Deshalb ist die Vielfalt essenziell.

"Ich kann mir gut vorstellen, dass die Medienangebote als auch die Medienkonsumenten mit den Jahren reifer werden."

Sie werden reifer, indem sie sich vielfältiger informieren.





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Andreas Steiner hamu66 • vor 4 Monaten

Alternativmedien bieten keine Vielfalt, sondern zeichnen sich genau aus durch ihre kleine Anzahl von äusserst simplistischen Erklaerungsmustern wie Verschwoerungen von Organisationen gegen die Allgemeinheit, Antiamerikanismus, Antikapitalismus.

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hamu66 Andreas Steiner • vor 4 Monaten

"Äusserst simplistisch" ist Ihre Wahrnehmung der Alternativmedien, die Sie ganz offensichtlich nur oberflächlich kennen.



...

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"Beck mag kein Feed Back" Markus Kompa (22.02.2016)
Grüne Marieluise Beck will Fernsehkritikerin Geheimdienst schicken ... Nun will die Berufspolitikerin Marieluise Beck (Bündnis 90/Die Grünen) die Ständige Publikumskonferenz vom Verfassungsschutz bespitzeln lassen. Dem Deutschlandfunk sagte sie:
"Was noch nicht belegt ist und wo ich hoffe, dass der Verfassungsschutz endlich nachhakt, ist die Frage, wer die ominöse "Maren Müllers ständige Publikumskonferenz" ist, die jede Redaktion bombardiert mit Briefen, Protestbriefen, und so systematisch zu einer gewissen Einschüchterung sogar in den Öffentlich-Rechtlichen führt." ...
http://www.heise.de/tp/news/Beck-mag-kein-Feed-Back-3114848.html

Marieluise Beck (* 25. Juni 1952 in Bramsche) ist eine deutsche Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen. Sie ist Mitglied des Bundestags und Sprecherin für Osteuropapolitik ihrer Partei. Sie war von 2002 bis 2005 parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und von 1998 bis 2005 Ausländerbeauftragte der Bundesregierung. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Marieluise_Beck
« Last Edit: February 23, 2016, 10:03:37 AM by Link »

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« Reply #33 on: March 01, 2016, 07:54:04 AM »
"Unser Ruf steht auf dem Spiel" Giovanni di Lorenzo (29. Februar 2016)
Das Vertrauen in die Medien schwindet, nicht nur bei Pegida und der AfD. Es ist Zeit für Selbstkritik – und jede Menge Mut! Die "Dresdner Rede" ... Während wir Journalisten selbst uns weiterhin als "vierte Gewalt" verstehen, sind wir neuerdings mit einem Vorwurf konfrontiert, der diesem Selbstverständnis diametral gegenübersteht und besonders ehrenrührig ist: "Lügenpresse!" oder "Systemmedien!" werden wir jeden Montag vor allem hier auf Dresdens Straßen beschimpft, von Plakaten, aber auch in Onlinekommentaren und manchmal sogar live bei Veranstaltungen. Die Beleidiger wollen unsere Integrität und damit nicht weniger als das Fundament unserer Arbeit infrage stellen. Es handelt sich bei ihnen vor allem um Menschen, die sich längst in einer Parallelwelt bewegen: Ihre Informationen suchen sie sich selbst zusammen und bedienen sich dafür dort, wo sie ihre eigene Meinung bestätigt sehen. Und auch auf Facebook – dem Algorithmus sei Dank! – werden ihnen nur noch Texte angeboten, die zu ihrer Weltsicht passen. Unsere Medienwelt haben diese Leute längst verlassen, wenn sie da vorher überhaupt jemals waren. ... Was mich aber beunruhigt, ist, dass die Zweifel an unserer Integrität mittlerweile weitere Teile der Gesellschaft haben. Sie reichen bis in das Umfeld von Menschen, die unsere Zeitung durchaus lesen, die wir kennen, mit denen wir vielleicht sogar befreundet sind. Ich bin sicher, Sie wissen, wovon ich spreche. Wenn Sie wüssten, wie viele Zuschriften von Lesern und Abonnenten uns wöchentlich erreichen, in denen ganz vernünftig erscheinende Schreiber den Verdacht begründet sehen, dass wir in irgendeiner Art und Weise "gesteuert" seien, wahlweise von der aktuellen Regierung, Dax-Unternehmen oder den USA, Sie würden wie ich erschaudern. ...
http://www.zeit.de/kultur/2016-02/dresdner-rede-dresden-giovanni-di-lorenzo

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TSF #20 

Mich hat diese Rede beeindruckt.
Zu dem Absatz "...Wir selbst sind zum Thema geworden und müssen uns dem Bedürfnis nach mehr Verständnis widmen. Was also können wir in Zukunft besser tun?" wäre meine Antwort: Nicht die persönliche Meinung des Autors ist immer das was interessant, sondern Zahlen, Fakten, Belege, Aufklärung. Weniger Betroffenheit und Pauschalierungen. Nicht in der Überschrift die Antwort verkaufen, suggestiv ala "Warum diese oder Jenes Richtig ist" sondern hinterfragen, ob es richtig sein kann... und wie ich schon einmal sagte, nicht den Versuch zu unternehmen als 2. Regierungssprecher zu agieren...


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Neutraler Bürger2 #21

"Lügenpresse!" oder "Systemmedien!"
Das hat die Presse bzw. Journalisten bis ins Mark getroffen. Man hätte sicherlich auch "nettere" Begriffe" anwenden können, aber die Kernaussage ist nicht so falsch. Gefälligkeitsjournalismus wäre sicherlich konzilianter gewesen. Mit den Vorwürfen muss die Presse leben. ...


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Jean Petit #21.3 

Früher in den 60er/70er Jahren fand ich es beim "Internationalen Frühschoppen" (mit Wein) spannend und interessant, wenn unter den eingelandenen Journalisten auch jemand aus dem damaligen Ostblock (z.B. der Sowjetunion) dabei war. Dann gab es immer einen offenen und kritischen Dialog.

Heute - im Pressclub - sitzen oftmals Journalisten am Tisch (ohne Wein), die mehr oder minder, offen oder verdeckt die gleiche (hiesige/westliche) Anschauung über die Welt und den Gang der Dinge teilen. ...

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Poncho43 #21.5

und Tabak, bis Moderator und Gäste für die Zuschauer nicht mehr sichtbar waren. Das waren noch Zeiten!




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deep_franz #23

Meines Erachtens der Kernsatz
"So zum Beispiel, dass eine Nachricht Informationen zusammenfasst, ein Kommentar aber ein Meinungsstück ist, das ruhig polarisieren und nicht Allwissenheit demonstrieren soll!"
Das entspricht ziemlich genau dem, was ich als Kritik schon etliche male geäußert habe, nur daß Herr di Lorenzo es genau in den umgekehrten Zusammenhang stellt, wenn er den Satz "Viele Menschen heute kennen den Unterschied zwischen verschiedenen journalistischen Formaten nicht mehr." voranstellt. Das ist mit Sicherheit richtig, bloß scheint es mir, daß auch etliche im Journalismus tätige Menschen diesen Unterschied nicht mehr kennen oder böse gedacht nicht kennen wollen.
Ein Bericht sollte m.E. eher frei sein von allzu blumigen Adjektiven und dem Format der drehbuchhaft auf verschiedenen Handlungsebenen erzählter Geschichten.
Dem so gekennzeichneten Kommentar hingegen ist alles erlaubt. Das Wort "Kommentar" ist die Absolution dafür nicht faktisch zu berichten sondern Meinung zu äußern.
Ich glaube, Journalisten und Redakteure sollten sich bei allen Artikeln sehr genau selbst prüfen, in welchem Format sie sich eigentlich gerade ausdrücken. Daß es dann trotzdem Leser gibt, die einen Bericht nicht von einem Kommentar unterscheiden können, ist dann nachgelagertes Künstlerpech, aber erstmal liegt in der Pflicht des Schreibenden, dieses deutlich zu machen.
Wenn man missverstanden wird, sollte man sich in erster Linie fragen, ob dies nicht am eigenen Ausdruck liegt.



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K. Hofer #29

Eine gleichermaßen gute und tiefgründige Rede von Herrn di Lorenzo, die es an der gebotenen Selbstkritik gegenüber der " vierten Gewalt " nicht fehlen ließ.

Meiner Wahrnehmung nach beruht die zunehmende Skepsis gegenüber den Medien nicht nur auf der von Herrn di Lorenzo zu recht angesprochen Neigung zur Skandalisierung auch in seriösen Medien. Sie beruht in erster Linie darauf, daß sich viele Jouranalisten nicht mehr mit ihrer primären Aufgabe als Berichterstatter begnügen, sondern - auch außerhalb von Kommentaren - eine Berichterstattung häufig mit wertenden Botschaften verknüpfen. Daß bei manchen, zumal hochpolitischen Themen die gebotene Selbstbeschränkung auf eine reine Sachberichterstattung schwer fallen mag, sei koinzidiert; sie sollte jedoch dem ureigenen journalistischen Selbstverständnis geschuldet sein.


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Runkelstoss #33

Haarsträubende Theorien über eine Steuerung der Medien "von oben"

Das ist sicher haarsträubend, aber 'Groupthink' ist es nicht. Ich habe das mehrfach in meinem Leben erlebt. Zunächst in der Zeit der Anti-Vietnam Demonstrationen, dann in der Zeit der Ant-AKW Bewegung, dann in den Jahren in denen wir alle eine neoliberale Gehirnwäsche verpasst bekamen und Geldanlagen am neuen Markt ein Muss waren.

Gruppendenken mag nicht vermeidbar sein. Aber wenn die Mehrheit der Medien immer und immer wieder in die gleiche Kerbe haut, die gleichen Argumente vorbringt, dann sollte man mißtrauisch werden, vor allem als Journalist und als Bürger sowieso. Darüber hinaus gilt mehr denn je, die herrschenden Medien sind die Medien der Herrschenden.


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« Reply #34 on: March 31, 2016, 01:17:23 PM »
"Sind Medien Komplizen der Terroristen?" Thomas Stadler (23.3.16)
Medien sind Komplizen der Terroristen schreibt Florian Rötzer auf Telepolis und ich habe mich spontan gefragt, ob man das wirklich so sehen kann und ob die Medienberichterstattung nach Anschlägen wie denen in Brüssel den Terroristen in die Hände spielt.
Richtig an der These Rötzers ist sicherlich, dass Terroranschläge in europäischen oder westlichen Metropolen ungleich mehr mediale Aufmerksamkeit erzeugen, als vergleichbare Anschläge im Irak, in Afghanistan oder einem afrikanischen Staat. Selbst die Terroranschläge von Ankara und Istanbul verursachen in der westlichen Welt nicht annähernd das mediale Echo, wie die Anschläge in Brüssel oder Paris.
An der geographischen Nähe alleine kann es nicht liegen, denn New York ist weiter entfernt von München oder Berlin als es Istanbul oder Ankara sind. Das Kriterium ist also die Zugehörigkeit des betroffenen Staates zur westlichen Welt, zu der man die Türkei wohl nur bedingt zählt. Die Medien interessieren sich umso mehr für Terroranschläge und die Öffentlichkeit fühlt sich umso mehr unmittelbar betroffen, als es sich um Anschläge innerhalb des eigenen Kulturkreises handelt, zu dem man primär die Staaten der EU und die USA zählt.
Und es gibt offensichtlich einen Zusammenhang zwischen intensiver und alarmistischer Berichterstattung, die zwangsläufig auch die Angst der Menschen steigert, einerseits und dem Anreiz für Islamisten andererseits,Terroranschläge gerade in westlichen Großstädten zu verüben. ...
http://www.internet-law.de/2016/03/sind-medien-komplizen-der-terroristen.html

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"B.Z. dokumentiert "Böhmermann Gedicht": So erklärte Böhmermann den Unterschied zwischen Schmähkritik und Satire" (11. April 2016 18:54, Aktualisiert 12.04.2016)
Sein Schmähgedicht über Recep Tayyip Erdogan (62) in der ZDF-Sendung „Neo Magazin Royale“ vom 31. März sorgt für diplomatische Verwerfungen und wird allerorten kontrovers diskutiert. Doch der Vortrag der unflätigen Zeilen über den türkischen Präsidenten stand nicht für sich allein.
Ihm voran ging ein Dialog zwischen Jan Böhmermann und seinem TV-Partner Ralf Kabelka, in dem er klarmacht, was er beabsichtigt. Auch nach dem Gedicht unterstreicht er noch einmal seine Absichten. Lesen Sie selbst! ...

http://www.bz-berlin.de/deutschland/so-erklaerte-boehmermann-den-unterschied-zwischen-schmaehkritik-und-satire


"Jan Böhmermann: Der Saboteur im Maschinenraum"
Der Satiriker Jan Böhmermann bekommt den Grimme-Preis. Stets stellt er den Medienbetrieb bloß und bleibt Herr des Verfahrens. Jetzt scheint es ihm erstmals zu entgleiten.
http://www.zeit.de/kultur/film/2016-04/jan-boehmermann-zdf-grimme-erdogan/komplettansicht

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Denkerman #24

Das Gedicht war wirklich keine Sternstunde von JB.

Daß es eine Staatsaffaire auslöst hätte ich aber nicht gedacht.

Bleibt zu hoffen, dass der Sultan nicht JBs Auslieferung fordert. Ich bin mir nicht mehr sicher ob Merkel dies ablehnen könnte.


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ngo42 #42


Jan Böhmermann ist und bleibt Herr des Verfahrens, die Bundesregierung muss erst einer Strafverfolgung zustimmen, da es sich um die Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes handelt, Altmeier geht nicht ohne Grund auf Tauchstation, denn die Bundesregierung hat sich selbst in eine Zwickmühle gebracht, entweder sie schützt einen deutschen Satiriker oder sie hilft einem Despoten. Sollte es tatsächlich zu einem Prozess oder gar zur einer Verurteilung kommen, wäre Böhmermann geadelt, Merkel aber vollständig demaskiert, als opportunistische Helferin eines islamistischen Gewaltherrschers.

"In Paragraf 104a des Strafgesetzbuches ist unter anderem geregelt, dass Straftaten gegen ausländische Staaten nur dann verfolgt werden, wenn die Bundesrepublik Deutschland zu dem betroffenen anderen Staat diplomatische Beziehungen unterhält, ein Strafverlangen der ausländischen Regierung vorliegt und die Bundesregierung die Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilt." Tagesschau.de



"Wie Böhmermann alle an die Wand spielt" Hilmar Klute (9. April 2016)
 Triumph der Satire: Von der Wirkung, wie sie Böhmermanns Schmähgedicht verursacht hat, können andere Fernsehkabarettisten nur träumen. ... Ist es geschmacklos, rassistisch oder einfach nur frecher, schamverletzender Humor, der das Publikum herausfordert? Fest steht jedenfalls: Jan Böhmermann hat mit seinem Gedicht auf den türkischen Staatspräsidenten Erdoğan viele Gemüter erhitzt. Moralisten und kulturelle Anstandshüter fordern eine Entschuldigung für die unerhörte Böhmermann-Volte.
Inzwischen ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft gegen den Komiker, außerdem ist seine Satire zum Fall für die Diplomatie geworden, denn sogar die Bundeskanzlerin schaltet sich ein und nennt Böhmermanns Gedicht "absichtlich verletzend". ...
http://www.sueddeutsche.de/medien/satire-in-deutschland-wie-boehmermann-alle-an-die-wand-spielt-1.2941348

http://www.sueddeutsche.de/leben/essay-ueber-jan-boehmermann-triumph-der-satire-1.2937851?reduced=true


"Wir haben Türken in Istanbul das Böhmermann-Gedicht vorgelesen" Çiğdem Akyol (April 8, 2016)
http://www.vice.com/de/read/wir-haben-tuerken-in-istanbul-das-boehmermann-gedicht-vorgelesen-264

Dennis Knickel ·
Deutschlands erster Straßenleser at Dennis Knickel
Ein Artikel zum Fremdschämen.

Kai Koistinen ·
Karlsgymnasium Bad Reichenhall
Hm, dieser - sorry - extrem dämliche "investigative" Versuch zeigt, dass die Autoren und Urheber dieser Idee offenbar noch nicht einmal im Ansatz begriffen haben, worum es bei der ganzen Aktion ursprünglich ging.Und nicht eine der Reaktionen derjenigen, denen nun allein das Gedicht vorgeleßen wurde, ist auch nur ein klein wenig überraschend. Der ist so unfassbar daneben, euer Artikel, das ist echt erschütternd. Erinnert mich von der ganzen Herangehensweise an RTL exklusiv Weekend.

...


Was darf die Satire? Sehr viel, und manchmal sogar: alles.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/jan-boehmermann-wenn-die-grenzverletzung-die-botschaft-ist-a-1086338.html


Quote
... "Ein Kunstwerk", urteilt Döpfner über Bömermanns Aktion - und stellt fest:

    "In Deutschland brach eine Art Staatskrise aus, nur weil Sie Herrn Erdogan als 'Ziegenficker' bezeichnet haben."

Döpfner schließt seinen offenen Brief mit den Worten:

    "Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen. Vielleicht lernen wir uns auf diese Weise vor Gericht kennen."


"Schmähgedicht-Affäre: Springer-Chef fordert "Solidarität mit Jan Böhmermann!"" (10.04.2016)
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/jan-boehmermann-springer-chef-mathias-doepfner-fordert-solidaritaet-a-1086381.html


"Erdogan, Böhmermann und die Satire Der beste Witz, das sind wir selbst" Jost Müller-Neuhof (08.04.2016)
Satire muss manchmal mit dem Recht brechen, wenn sie gut sein will. Jan Böhmermann hat beides geschafft. Ein Kommentar
Herr Böhmermann hat das Recht zu schweigen, aber alle Witze, die er jetzt noch reißt, können gegen ihn verwendet werden. Der Entertainer aus dem ZDF ist da, wo er hin wollte, Beschuldigter in einem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren. Die einen mögen das komisch finden, anderen wird dabei komisch. Die Frage lautet: Ist es komisch? Sollen wir lachen?
Hoffentlich am Ende. Der politische Witz, und um ihn geht es hier, hat zuweilen katastrophale Folgen. Das Attentat auf die Karikaturisten von Charlie Hebdo zeigt seine Wirkkraft wie die Welle von Solidarität und Mitgefühl, welche die Bundeswehr mit ihrem syrischen Anti-IS-Einsatz bis in den ersten Bündnisfall der europäischen Geschichte getragen hat. Ein Dutzend islamkritischer Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung genügten vor zehn Jahren für eine weltweite Erschütterung, die bis heute jedenfalls in der arabischen Welt zu spüren ist.
Jetzt Präsident Erdogan und die Türkei – ausgerechnet jenes Land, das die Kanzlerin in einer gewagten flüchtlingspolitischen Volte vom Paria zum Partner erkor. Und wie bedanken wir uns? Mit Extra Drei und Böhmermann. ...
Es muss Grenzen geben, grummelt vielstimmig ein Chor aus FAZ und Facebook, taz und Twitter. Klar, aber: Wo liegen sie? Im Rechtsverstoß, brummen Staatsträger weise, nur geben sie damit eine Antwort, die keine ist. Denn das Recht kennt die Grenzen nicht. Entgegen landläufiger Ansicht gibt es in Deutschland keine Satire, die „verboten“ wäre, auch wenn Böhmermann seine viele empörenden Erdoganverse so ankündigt. Es gibt nur Satire, und zwar einige, die tatsächlich gerichtlich verboten wird, weil sie Persönlichkeitsrechte oder Strafgesetze verletzt.
Jedem steht es frei, sich darauf einzulassen und auszutesten, wann die Rechts- und Staatsanwälte auf den Plan treten. Die Meinungsfreiheit ist, alles in allem, eine gut begehbare Zone, die allerdings an ihren Rändern in leuchtendem Grau erstrahlt. Wer einen anderen Menschen tötet, schlägt oder bestiehlt, wird wegen eben dieser Delikte bestraft. Andere kritisieren, sie zu attackieren, zu schmähen oder gegen sie zu hetzen, spiegelt dagegen einen Ausschnitt aus der Vielfalt menschlicher Äußerungsformen, die prinzipiell alle unter dem Schutz des Grundgesetzes stehen. Die konkrete Rechtsverletzung ist eine Frage der Umstände und des Einzelfalls, des Inhalts und Zusammenhangs, kurz: Wer auch nur annähernd eine Wertung angeben möchte, ob eine Aussage „verboten“ werden sollte/könnte/müsste, kommt mit der Formel, dass es irgendwo Grenzen gibt, nicht weiter. ...

http://www.tagesspiegel.de/politik/erdogan-boehmermann-und-die-satire-der-beste-witz-das-sind-wir-selbst/13418440.html


"Verbalnote an die Bundesregierung Türkei will Strafprozess gegen Jan Böhmermann" Stephan-Andreas Casdorff (10.04.2016)
Die türkische Regierung erwartet eine Strafverfolgung des Komikers Jan Böhmermann wegen dessen Erdogan-Satire im ZDF. Die Bundesregierung will nun den Inhalt einer Verbalnote des türkischen Botschafters "sorgfältig prüfen". ...
http://www.tagesspiegel.de/politik/verbalnote-an-die-bundesregierung-tuerkei-will-strafprozess-gegen-jan-boehmermann/13426558.html


"Böhmi und die großen Fragen der Verfassung"  Gedankenprotokolle (09.04.2016)
Eine rechtliche Analyse Ein Beitrag über Böhmi und die Grenzen der Meinungsfreiheit: Wann wird Satire zur Beleidigung? Der Fall Böhmermann führt unmittelbar zu Fragen über Staat und Verfassung ... Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Gedankenprotokolle
https://www.freitag.de/autoren/gedankenprotokolle/boehmi-und-die-grossen-fragen-der-verfassung

"Böhmermann-Identität / Böhmermann-Kimlik" Heinrich Schmitz (9. April 2016)
Hätte Böhmermann nur und ohne jedes Drumherum sein von ihm selbst so angekündigtes „Schmähgedicht“ vorgetragen, läge ziemlich sicher eine Beleidigung vor. Über den schmähenden, ehrverletzenden Inhalt des Gedichtes bräuchte man gar nicht zu streiten. Was den reinen Text angeht, hat Frau Merkel mit ihrer Meinung, dass es sich um   “bewusst verletztenden Text handelt” ja durchaus Recht. Das Gedicht enthält so ziemlich alle stereotypen türkenfeindlichen Beleidigungen, die man seit Jahrzehnten so von früher schon besorgten Bürgern, Türkenhassern und manchem Schulhof kennt. Böhmermann hat aber eben nicht einfach  nur diesen Text vorgetragen. Er hat ihn in einer Rechtskunde ähnlich anmutenden Form, mit ironischem Blick als Beispiel für eine gerade nicht erlaubte Schmähkritik vorgelesen. Können diese Augen  die Wahrheit sagen? Und er hat ihn eben nicht in einem journalistischen Format vorgetragen, sondern in  einer – wie er das selber nannte – Quatschsendung. Das dürfte juristisch nicht so einfach sein, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch die Wertung der Kanzlerin, dass es sich bei Böhmermanns Stück um einen “bewusst verletzenden Text” handelte, hilft nicht wirklich, da „der Text“ als solcher ja nur Teil der Inszenierung war. Bewertet werden muss aber das Gesamtpaket und nicht nur ein Teil davon. ... Nein, Satire darf nicht alles, aber sie darf eine ganze Menge. Ob die Grenzen des Erlaubten überschritten wurden, kann man nicht so hopplahopp feststellen. Das bedarf eine gründlichen Analyse, ganz losgelöst von Aufgeregtheiten. ... Wollte er wirklich Erdogan beleidigen? War der wirklich der Adressat des Beitrags?  Oder richtete seine „Präsidentenbeschimpfung“ sich nicht vielmehr gegen diejenigen deutschen Kommentatoren und Politiker, die in der Woche zuvor angesichts des extra3-Beitrages „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ und der damit verbundenen Einladung oder Einbestellung des deutschen Botschafters in der Türkei, vollmundig  und mit dicker Hose das hohe Lied der deutschen Meinungsfreiheit gesungen hatten. ... Wie fragil das auch in Deutschland alles ist, hat Böhmermann mit Ansage eindrücklich vorgeführt. Wenn – und davon gehe ich jetzt zunächst einmal aus – das ZDF hier nicht einfach mitgespielt hat und die Löschung des Beitrages zur vorher abgesprochenen Gesamtperformance gehörte, dann ist auch der Arbeitgeber ZDF dem „Clown“ Böhmermann übers Stöckchen gesprungen. Dann haben ihm alle, die sich zu dieser schrägen Nummer geäußert haben, einschließlich der Kanzlerin, bewiesen, dass die Meinungs- aber auch die Kunstfreiheit in Deutschland auch nicht schrankenlos ist, dass auch hier Regeln gelten, die dazu führen können, dass ein „Äußerer“ im schlimmsten Fall im Gefängnis landen könnte. Und dass das von aktuellen außenpolitischen Umständen und Befindlichkeiten  abhängen könnte. Dass es hier zwar andere Regeln gibt als in der Türkei oder andernorts, dass diese aber auch nicht ohne sind. ... Warum wir uns hier in Deutschland einen besonderen Ehrenschutz z.B. für Kim Jong-un, den feinen Herrn Assad oder den neuen Euro-Türsteher gönnen, kann ich auch nicht sagen und wenn Gideon Böss die Abschiebung des § 103 StGB in die Türkei fordert, schließe ich mich dem gerne an. Warum soll die Beleidigung dieser  Menschen einen höheren Unrechtsgehalt haben, als die Beleidigung von Herrn Hinz oder Frau Kunz? Müssten nicht die normalen Menschen einen viel größeren Schutz erhalten als die Mächtigen dieser Welt?...
http://diekolumnisten.de/2016/04/09/die-boehmermann-identitaet/


« Last Edit: April 13, 2016, 10:05:58 AM by Link »

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« Reply #35 on: April 11, 2016, 11:05:56 PM »
"Muss man jetzt Böhmermann gut finden? Leider ja." Sören Heim (10. April 2016)
Wie dem auch sei: Die Reaktionen von Merkel und Erdo, dem streitend vereinigten Pressezirkus und den Menschen auf der Straße und vor allem im Netz machen aus Jan Böhmermann tatsächlich den großen Gesellschaftskritiker unserer Zeit. Das ist so traurig, dass man fast drüber lachen möchte. Hoffen wir mal, dass wenigstens, wenn es hart auf hart kommt, sich deutsche Gerichte so weise zeigen werden, ihn nicht durch eine Verurteilung quasi Heiligenstatus zu verleihen. Sonst marschieren am Ende wirklich demnächst Birkenstocks zu Ramstein durch Berlin, um den Böhmermann aus Tegel oder Moabit freizusprengen. ...
http://diekolumnisten.de/2016/04/10/muss-man-jetzt-boehmermann-gut-finden-leider-ja/

"Jan Böhmermann Spießbürger oder Nervensäge?"  Antonia Baum  (10.04.2016)
... Ein bezahlter Rebell wird von einer Institution, die ihn bezahlt und als Rebell installiert hat, gemaßregelt, nachdem dieser, mit Ansage, etwas falsch gemacht hat, das man in der Bundesrepublik Deutschland nicht falsch machen soll. Woraufhin die Regierung öffentlich sagt, dass jener Rebell da wirklich etwas falsch gemacht habe, die Staatsanwaltschaft, weil er mutmaßlich etwas falsch gemacht hat, aktiv wird und die Presse von ihrer Pressefreiheit Gebrauch macht, indem sie darüber streitet, ob der Rebell nun tatsächlich etwas falsch gemacht hat. Und die jungen Menschen Deutschlands (die Zielgruppe des ZDFs) zusätzlich und für nur 17,50 Euro das für das Erwachsenwerden so wichtige Gefühl geschenkt bekommen, ihnen stehe ein echter Rebell vor. Es läuft alles einwandfrei hier. ...
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/spiessbuerger-nervensaege-wer-ist-jan-boehmermann-14169789.html

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Böhmermanns Sendungen
Tobias Steinke  - 11.04.2016 10:53

Die Analyse krankt vor allem daran, dass die Autorin sich offensichtlich nur punktell mit den Sendungen von Böhmermann beschäftigt hat. Um dem Charakter näher zu kommen, müsste man schon auch seine Talkshows und Radioshows gesehen bzw. gehört haben. Und natürlich möglichst viele Sendungen vom Neo Magazin (Royal) und seine zahlreichen YouTube-Videos. So wirkt dieser Artikel doch letztlich nur wie eine Mischung aus "die letzten drei Sendungen gesehen" und "ein paar Internetkommentare gelesen".

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Vielen Dank!
Michael Schulz  (Nikedeimos) - 11.04.2016 08:33

Ich habe eher selten über meinen humoristischen Geschmack reflektieren wollen, aber dieser Artikel bot einen ausgezeichneten Anlass. Was Herrn Böhmermann fehlt ist das Theater, das Kaffeehaus und der Debattierklub. Es gibt keine Diversität an Rollen, wenn man nur sich selbst spielt und nur direkt an das Publikum und dessen Zeitgeist appelliert. So spiegelt er auch, was seiner Zielgruppe fehlt - Selbstreflektion, die Fähigkeit einen überzeugenden advocatus diaboli zu spielen und die unterschwellige Ausgrenzung anderer, indem man ihnen menschliche Qualitäten von vornherein aberkennt. Was Herrn Böhmermann meiner bescheidenen Meinung nach fehlen, sind die Chiffre und auch vielleicht ein paar Abstraktionsebenen, bevor man es als intelligent bezichnen sollte. Es ist die Schläue eines Selbstdarstellers und nicht die Kunst eines Schauspielers, die hierzulande allzu viel Beifall erfährt. Ich danke für diese Erkenntnis!


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Diese ganze Diksussion bleibt fuer mich aus einem Grund heuchlerisch
Christoph Panitz  - 11.04.2016 09:04

Was waere hier los gewesen, wenn beispielsweise ein Politiker der AfD mit einem solchen Text bedacht worden waere? Ein grosser Teil der AfD-nahen Leser erklaert den Text zur Satire, um den Angriff auf das Feindbild Tuerkei rechtfertigen zu koennen. Ob das Satire ist, ist ihm schnuppe. AfD und Satire, das ist eine contradictio in adjecto, ein Widerspruch in sich selbst. Der nicht AfD- nahe Teil sollte mal ueberpruefen, ob selbst Satire alles darf. Da gibt es bekanntlich einige Tabus. Bei sensiblen Themen (Holocaust, Juden, Bundeswehr) ist nix mit Tucholksy, der hier oefters zitiert wird.

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Analyse geht nach hinten los
Simon Koch  (s.koch) - 11.04.2016 03:07

Was soll denn nun die Aussage des Textes sein? Die wahren Rebellen sind eigentlich die von AfD und pegida und in Deutschland soll Rassismus nicht wie in "be deutsch" ausgegrenzt werden? Satire darf angeblich alles, aber sobald ein Beitrag mal nicht harmlos und konventionell aufbereitet ist verfallen alle in Panik. Bei der Analyse von Frau Baum habe ich das Gefühl, dass der Text von jemandem verfasst wurde, der Böhmermann schlicht nicht ausstehen kann, bzw. eine Abneigung gegen eine ganze Generation zu haben scheint, wie die sehr platte "Beschreibung" der Millenials zu verstehen gibt. Der Versuch Böhmermann auf polemische Art und Weise zu diskreditieren scheitert jedoch für mich.


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Schlingensief, Kim jong un, Böhmermann, Erdogan, Orwell
Dominik Lorenz  (DomiLorenz) - 11.04.2016 01:25

Ein Blick in die Vergangenheit: Schlingensief ging gegen Möllemann auf volle Konfrontation: "Tötet Möllemann" so lautete sein Theater Stück. Ermittlungen ja, doch wurde das Verfahren eingestellt, es war Kunst. Die Veröffentlichung des Films "The Interview", der Böhmernanns Schmähgedicht in nichts nachsteht, wurde in der FAZ als Beglaubigung unserer Grundwerte gefeiert. Wenn interessiert schon den Despoten aus Pjöngjang? Doch wo liegt der Unterschied zu Böhmermann? Es lohnt sich dieser Tage wieder einmal den Essay George Orwells zur Pressefreiheit durchzulesen: "Die derzeit herrschende Orthodoxie verlangt die unkritische Bewunderung Sowjet-Rußlands." Die UdSSR war ein wichtiger Verbündeter in WK2 , Erdogan scheint es für uns heute zu sein. Anders kann man es sich nicht erklären, denn Böhmermann betritt mit seinem Gedicht eine Metaebene, nimmt eine Art Kunstfigur ein und gibt sich zum Inhalt eher distanziert. Nichts zählt mehr, die Freiheit der Kunst wird zur politischen Feilschware.


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Böhmermann ist ein Hofnarr
Thomas Schmidt  (erzwodezwo) - 10.04.2016 23:42

Ein Hofnarr liegt immer dann richtig, wenn die Mächtigen sich gegen ihn wenden und das Establishment ihn verspottet. Demnach hat Böhmermann mal wieder alles richtig gemacht. Vielleicht sogar so gut, dass es jetzt für ihn gefährlich wird.



"Jan Böhmermann: Erdoğan stellt offiziell Strafantrag gegen Böhmermann" (11. April 2016)
Der türkische Staatspräsident Erdoğan stellt einen Strafantrag wegen Beleidigung. Vize-Ministerpräsident Kurtulmuş spricht von "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". ... Die Parteichefin der Grünen forderte unterdessen, den Paragrafen zur Beleidigung von Vertretern ausländischer Staaten aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Ein Paragraf zur "Majestätsbeleidigung" sei nicht mehr zeitgemäß. Es könne nicht sein, "dass andere Länder darüber urteilen, wie wir Meinungs- und Pressefreiheit deuten."
Unterstützung erhielt Böhmermann auch vom ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis. Der twitterte, Europa habe in der Flüchtlingskrise seine Seele verloren, nun verliere es seinen Humor. Seine Forderung: "Hände weg von @janboehm".  ...
http://www.zeit.de/politik/2016-04/jan-boehmermann-tuerkei-ermittlungen-schmaehgedicht-menschlichkeit

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h.w.benning #10.1

naja..Erdogan kann auch Satire :)


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Butterland #14

Das sei ein schweres Verbrechen, das bestraft werden müsse.

Mit einem Gegengedicht.


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Calmao #18

Böhmermann ist ein klarer Fall für Den Haag. Und wenn Merkel jetzt diesen Völkermörder nicht der internationalen Justiz ausliefert, riskiert sie als Komplizin ebenfalls empfindliche Konsequenzen.


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Stimme aus Wien #20

Ich frage mich - wie würde man in Deutschland reagieren, wenn der Vatikan alle Satiren auf Ratzinger - und die waren sehr zahlreich - als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" benannt hätte?


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moeld1103 #20.1

Ich würde mir noch mal mein altes "Titanic"-Cover anschauen und still in mich hinein lächeln...


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life_is_short #29

In der Zwischenzeit hat Böhmermann einen zweiwöchigen Urlaub in der Türkei gebucht...


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kemanci #44

Interessant, hier werden kulturhistorische Unterschiede sehr deutlich. Man muss einfach sehen, dass in der Geschichte der modernen Türkei als auch in der des osmanischen Reiches Satire und Spott gegen die Mächtigen nie stattgefunden haben. Wer das wagte, wurde wieauchimmer hart bestraft. Wie sollen die Menschen dort das jetzt auf einmal verstehen? Die hatten halt keine Spötter wie Voltaire, keinen Eulenspiegel, keine Narrentradition im besten Sinne. ...


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Lena Meyer Lansky #46.1

"Es ist daher zu verlangen, daß verunglimfende Äußerungen mit Beleidigungscharakter beweisbar, anderenfalls strafbar sind."

Ernsthaft? Erdogan soll beweisen, dass er keine Schrumpelklöten hat?


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Papoutsia #54

Also wie man das Gedicht so verstehen kann, dass nicht Erdogan persönlich, sondern das türkische Volk gemeint gewesen ist, das ist auch irgendwie Kunst.
Persönlicher geht doch gar nicht mehr :D
Und ich kann beim besten Willen nicht eine Zeile finden, die nicht 100% persönlich gegen Erdogan ging :D


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dacapo #58


"Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagt der Vizeministerpräsident. Weiterhin behauptet er, dass durch diese Schmäh-Satire 78 Millionen Türken beleidigt worden seien. Wie kann dieser Herr für alle Türken sprechen? Wenn diese Äußerung keine Satire ist, dann heiße auch ich Erdogan.


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Demokläs #65

Erdogan und seine gesamte Regime und seiner Jünger sind eine Beleidigung für alle denkenden Menschen.



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no thanks #70 

Böhmermann macht seine Sache als Satiriker schon gut, aber Herr Kurtulmuş spielt noch einmal in einer ganz anderer Liga. Die Türkei führt in den kurdischen Gebieten einen erbarmungslosen Krieg auch gegen die Zivilbevölkerung, schaltet nach und nach alle noch verbliebenen unabhängigen Medien gleich, sperrt inzwischen schon routinemäßig Erdogans Kritiker ein, bestellt nach dem Gusto der AKP Urteile bei der Justiz, bereichert sich massiv an den Geldern der türkischen Steuerzahler... und und und. Aber hey, wenn der Klassenclown Böhmermann ein albernes Gedicht vorliest: "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Soll man darüber jetzt lachen oder weinen?


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König_Etzel #82

"Türkei nennt Gedicht "Verbrechen gegen die Menschlichkeit""

Wieder so ein Tag, wo man als Türke sich schämt Zeitung zu lesen.
Ich weiß das ist schwer in letzte Zeit darauf zu glauben aber es gibt noch Türken die mit so einem Regierung nichts am Hut haben wollen!


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Helmut Mayr #92


Es wirkt der Streisand-Effekt. Jan Böhmermann hat sonst nicht einmal eine Mio. Zuschauer, die das Gedicht hörten. Jetzt weiss ganz Europa davon.


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Minderheitling #94

Ich hoffe, dass die Mehrzahl der deutsch-türkischen Bürger versteht, dass keiner von ihnen beleidigt worden ist, und sich nicht vor Erdogan stellen! Sondern vor unsere Satirefreiheit.


Quote
OguzHan
#151  —  vor 1 Stunde
7

A:
Dr. Lale Akgün(Sozialdemokratin türkische Abstammung)
Die Performance von Böhmermann hat einige Dinge so klar ausgeleuchtet, dass man ihm dafür danken muss.
1. Die meisten Leute haben nicht verstanden, dass dieses sich höchst pubertär anhörende Gedicht nur ein Teil der Performance war, sie sollte den Unterschied zwischen Satite und einem Billo-Schmähgedicht aufzeigen. Nicht von ungefähr lacht Böhmermann über seine eigenen albernen Worte, während er vorträgt. Sind wir nicht mehr in der Lage, exponentiell zu denken? Warum plappern so viele Leute über dieses Gedicht, ohne sich die ganze Sendung angeschaut zu haben?
2. Das ZDF hat falsch entschieden, indem es die Sendung aus der Mediathek entfernt hat. Vorauseilender Gehorsam gehört sich nicht für die öffentlich-rechtlichen Sender!
3. Erdogan und seine Mannen sind wie Pawlowschen Hunde. Man muss nur auf den Knopf drücken und schon kommt die Reaktion. Das ist gefährlich und komisch zugleich, gefährlich, weil sie nicht reflektieren können und sofort zubeißen; komisch, weil man so auf politischer Ebene einen konditionierten Reflex hervorrufen kann.

...


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karamellisiertes Fallobst #160


"schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Damit empfiehlt sich Erdogan als brillianter Satiriker. Ganz im Gegensatz zu Böhmermann, der mit seinem Fäkal-Humor genau diesem Prädikat nicht genügen kann. Daher für mich persönlich eine Genugtuung.



...

http://www.theguardian.com/world/2016/apr/11/turkey-germany-prosecute-comedian-jan-bohmermann-erdogan-poem

...

"Der Fall Böhmermann: Wenn die Kunst Verbotenes tut" Christiane Peitz (12.04.2016)
Böhmermann, Erdogan, das Schmähgedicht - Worum geht es eigentlich, um Satire oder Verunglimpfung? Über die Beleidigung nicht nur von Staatsoberhäuptern und die Kunst vor deutschen Richtern. ... „Was jetzt kommt, das darf man nicht machen“: Das Erdogan-Gedicht trug Böhmermann dann als Lehrbeispiel dafür vor, was auch in Deutschland justiziabel ist. Zeilen wie: „Am liebsten mag er Ziegen ficken und Minderheiten unterdrücken, Kurden treten, Christen hauen und dabei Kinderpornos schauen.“ Geht gar nicht, fügte er hinzu, schüttelte verneinend den Kopf, Kabelka pflichtete ihm bei. Kabelka betonte schon vorab, bestraft könne werden, „wenn du Leute diffamierst, wenn du einfach nur so untenrum argumentierst“. Schimpfen, die Privatperson in den Dreck ziehen, heikle Sache – nicht klatschen!
Nach dem Gedicht erörterten die beiden, dass die Verse vom ZDF aus der Mediathek entfernt werden könnten (was mit Böhmermanns Zustimmung geschah), und empfahlen Erdogan, sich für seine Klage einen guten Anwalt zu nehmen, am besten Christian Schertz (der jetzt Böhmermann vertritt). Die Schmähverse sind also eindeutig in eine medienkritische Performance integriert. Die Diffamierung steht in Anführungsstrichen, ist als Zitat inszeniert, als Fiktion. Und anders als beim Extra 3“-Spot „Erdowie, Erdowann, Erdogan“, auf den die ZDF-Comedians sich explizit bezogen, zielt Böhmermann weniger darauf, den Despoten und Zensor Erdogan per Überzeichnung bloßzustellen, als dem deutschen TV-Publikum die Sache mit der Satire und den Persönlichkeitsrechten zu verklickern. Was den Fall noch vertrackter macht. ...
http://www.tagesspiegel.de/kultur/der-fall-boehmermann-wenn-die-kunst-verbotenes-tut/13437766.html

« Last Edit: April 13, 2016, 10:07:49 AM by Link »

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« Reply #36 on: April 13, 2016, 10:19:27 AM »
"Fall Böhmermann: Was darf Satire?" Thomas Stadler (12.4.16)
Die Schilderung von schwerwiegenden Sexualstraftaten und die Gleichsetzung mit zwei der perversesten Sexualstraftätern und sei es auch im satirischen Gewand zur Veranschaulichung einer heftigen Schmähkritik, berührt den Kern dessen, was wir als die Würde des Menschen betrachten. Das Gedicht Böhmermanns ist auch unter Berücksichtigung des Kontexts und des satirischen Ansatzes persönlichkeitsverletzend.
Man muss sich bei dieser Fragestellung auch etwas von den Personen Erdogan und Böhmermann lösen. Denn die Sympathie für Böhmermann und/oder die Ablehnung von Erdogan, sind nicht der richtige Beurteilungsmaßstab.
In strafrechtlicher Hinsicht gehe ich davon aus, dass die Voraussetzungen von § 185 StGB (Beleidigung) vorliegen. Nachdem Erdogan offenbar auch direkt bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag gestellt hat, halte ich eine Anklage oder einen Strafbefehl für durchaus naheliegend. ...
http://www.internet-law.de/2016/04/fall-boehmermann-was-darf-satire.html

"Erlaubte Schmähkritik? Die verfassungsrechtliche Dimension der causa Jan Böhmermann" Alexander Thiele (Mo 11 Apr 2016)
Die Bestimmung der Reichweite der Meinungsfreiheit bildet ein beliebtes Thema im juristischen Staatsexamen. Denn wenngleich es (mittlerweile) ganz unumstritten ist, dass den in Art. 5 GG genannten Grundrechten eine überragende Bedeutung für die demokratische Grundordnung zukommt („schlechthin konstituierend“), sind diese – ebenso unumstritten – nicht grenzenlos gewährleistet. Auf Tucholsky ist folglich jedenfalls für das Grundgesetz zu antworten: Satire darf in Deutschland nicht alles, aber fast alles und jedenfalls sehr viel. ... Mit seinem Gedicht macht Böhmermann diese Grenze hingegen anschaulich deutlich – und zwar nicht nur für den türkischen Staatspräsidenten, sondern auch für die breite Öffentlichkeit –, dass ein Beitrag wie derjenige von extra-3 weit von unzulässiger Schmähkritik entfernt ist. Dass letztlich erst völlig unsachliche Inhalte strafrechtlich relevant sind, dürfte insofern nur Wenigen bekannt gewesen sein. Ein sachlicher Kontext ist insofern durchaus erkennbar. Dass das Vorgehen Böhmermanns als Debattenbeitrag völlig ungeeignet wäre, wird man im Übrigen kaum behaupten können – der Blick in die Tagespresse genügt. ...
http://verfassungsblog.de/erlaubte-schmaehkritik-die-verfassungsrechtliche-dimension-der-causa-jan-boehmermann/


"Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0: Schmähgedicht und Rezeptionstheorie" (18.4.2016)
Eine Verantwortung für das bewusste Missverstehen eines aus dem Kontext gelösten Inhalts kann man Böhmermann aus literaturwissenschaftlicher Sicht nicht zuweisen.  ...
http://www.internet-law.de/2016/04/schmaehgedicht-und-rezeptionstheorie.html

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"Unausgewogen und oberflächlich - die deutsche Berichterstattung zur griechischen Staatsschuldenkrise"
31.03.2016 / 16:55    sonar, bermuda.funk - Freies Radio Rhein-Neckar, Audio 13:27 min, 31 MB, mp3, 320 kbit/s, Stereo (44100 kHz)
Upload vom 30.03.2016 / 15:13
Stark regierungsgeprägt, mehrheitlich meinungsorientiert, unausgewogen, wertend und oberflächlich - so berichteten deutsche Zeitungen über die Saatsschuldenkrise in Griechenland. Das ergab nun eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler Stiftung. Ein Autor der Studie ist der Journalist und Prof. Dr. Kim Otto von der Redaktion des Magazins "Monitor". Wir sprachen mit ihm über die Berichterstattung zur Schuldenkrise und den Reformen in Griechenland. Zunächst erklärt er, was die Motivation hinter der Studie war. ...
https://www.freie-radios.net/76018

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"Kopp, Sputnik, Epoch Times & Co: Nachrichten aus einem rechten Paralleluniversum" Stefan Winterbauer (03/2016)
Manche nennen sie alternative Medien, manche nennen sie Verschwörungstheoretiker oder Russen-Propaganda. Eine Reihe von Internet-Medien jenseits etablierter Kanäle hat einen erstaunlichen Erfolg beim Publikum und kommt gerade im Social Web auf hohe Reichweiten. Bekannte Vertreter sind etwa Kopp Online, RT Deutsch oder Compact. MEEDIA hat sich zehn der erfolgreichsten der so genannten alternativen Medien genauer angeschaut und beleuchtet die Hintergründe.
http://meedia.de/2016/03/18/kopp-sputnik-epoch-times-co-nachrichten-aus-einem-rechten-paralleluniversum/

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Don sagt:   
22.03.2016 um 08:22

Das ist schön. Wir brauchen eben einfach viel mehr solche Medien mit den ganzen Verschwörungstheorien. Bei mir haben die endlich diese Frauenzeitschriften beim Friseur abgelöst, da sie einfach viel unterhaltsamer sind!


Quote
H. Mueller sagt:   
20.03.2016 um 17:44

@ Stefan Winterbauer
Vielleicht sollte sich Winterbauer mal mit der Geschichte seines „Mediums“ befassen – da gibts genug vom „extrem rechten Universum“.
WIKI: Meedia gehört zum Handelsblatt und damit zur Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien).
Dieter ist der Sohn des Georg von Holtzbrinck, der das Medienunternehmen 1931 gegründet und in der Zeit des Nationalsozialismus zu Erfolg geführt hatte.
Der Grundstein der Verlagsgruppe war der von Georg von Holtzbrinck bereits seit 1931 betriebene Aufbau eines Zeitschriften- und Buchwerbungsgeschäfts. Dessen Erfolg ermöglichte ihm 1936 den Erwerb der Deutschen Verlagsexpedition (Devex), die einen Vertrag mit der Deutschen Arbeitsfront (DAF) abschloss. Seine NSDAP-Mitgliedschaft seit 1933 und Beziehungen eines Verwandten zur Privatkanzlei Hitlers waren dabei hilfreich. Die Devex übernahm für zwei Jahre den Vertrieb der DAF-Zeitschriften Schönheit der Arbeit und Freude und Arbeit.


Quote
Sommer sagt: 18.03.2016 um 14:18

Ich bin 52, leite ein mittelständiges Unternehmen, habe Abitur und abgeschlossenes Hochschulstudium. Mir sind Extreme supsekt, deswegen habe ich in meinem ganzen leben bisher weder Links, noch grün noch Rechts gewählt. Bis zum September letzten Jahres war ich regelmässiger Leser von „Spiegel“, „stern“, „Spiegel Online“. „Die Zeit“ und immer wieder gerne auch mal die BILD-Zeitung.
Alle diese Nachrichtenquellen, die mich die Jahrzehnte meines Lebens begleitet, sind nun weg. Mißtrauisch wurde ich durch die absurde, SED-mässige Berichterstattung über die „invasion“ (ja, so nenne ich das. Punkt). Dann wurde es mit Kommentaren von Augstein und Co immer abstruser Kein normal intelligenter mensch, kann sowas ertragen. Schnitzler 2.0. Dann begannen die Mainstream-Onlinemedien ihre Kommentarfunktionen zu schliessen. Angst vor dem leser ? Dann begann der herr Jörges im stern seine Kommentarseite zu mißbrauchen für eine inhaltsleere Abrechnung mit seinen leserbriefen, in dem er eine für mich unsäglich agressive Sprachwahl gebrauchte.
Und dann fragte ich mich: für sowas zahl ich Geld ? Bin ich vielleicht ein masochist ?

Seitdem bin ich bei „Kopp Online“ und den anderen hier gennanten medien.
Das was früher der „Spiegel“ leistete, übernimmt heute Kopp-Online.
Während nach Silvester im Spiegel tagelang geschwiegen wurde und man sich lieber aufs Bashing von Xavier Naidoo konzentrierte als Nachrichten zu melden, war Kopp-Online das erste Medium, das die Ereignisse von Silvester bereits am 2.1. redaktionell aufbereite.

irgendwas stimmt hier nicht bei uns. Kopp Online berichtet darüber – und hat deshalb mein Vertrauen gewonnen.

Grundsätzlich sind die Bösen nicht Jene, die die Wahrheit sagen, sondern jene, die sie verschweigen.
Ganz nach brecht.


Quote
Uli sagt:   
18.03.2016 um 14:37

Könnten Sie freundlicherweise noch hinzufügen, welche „ehemaligen NPD-Funktionäre“ bei KOPP-Online schreiben?
Vielen Dank!


Quote
Jens sagt:   
18.03.2016 um 15:22

Zitat:
„Die Artikel bei Sputnik stellen russische Politik stets in positivem Licht dar und diffamieren westliche Staaten, insbesondere die USA.“

Ich bin täglicher Sputnik Leser und diese pauschale Einschätzung ist definitiv falsch ! Die Nachrichten Meldungen auf Sputnik, die in der Regel zu 90% in Westmedien Nicht vorkommen und Totgeschwiegen werden, sind in der Regel sehr Neutral gehalten . Die angebliche Diffamierung bezieht sich in der Regel immer auf veröffentlichte Fakten , die der US-Propagandalinie und der westlichen Darstellung der USA zuwiederlaufen . Veröffentlichte Fakten werden von Meedia.de aber völlig irreführend als Meinungen umgedeutet.
Natürlich verschweigt Meedia ebenso , das es nicht nur rechtslastige Internet-Auftritte unter den Alternativen Medien gibt , man versucht dies dem Leser aber zu suggerieren , Alternativ = Rechts/Kremlpropaganda ! Die Einschätzung ist ebenso komplett falsch , es gibt auch sehr viele weit verbreitete Alternativen die nicht Rechts sind , wie zb. Telepolis , Nachdenkenseiten , KenFM usw. Die Propagandaschau ist darunter eher noch eine Nische , die nicht so große Verbreitung hat. Die Nichterwähnung von empfehlenswerten Alternativen hat natürlich System , Meedia.de ist Teil des Medien-Establishments und gehört laut Wikipedia der Handelsblatt-Holzbrink Medien Gruppe. Die sind die Letzten , die Uns Leser mit der Nase auf empfehlenswerten Alternativen stupsen würden.


Quote
Anja Böttcher sagt:   
18.03.2016 um 21:51

Ich finde es auch putzig, dass die Tatsache, dass ein russischer Staatssender natürlich schwerpunktmäßig den Standpunkt der gewählten russischen Vertretung zu vermitteln versucht, zu seiner Wertung als rechtes Tendenzmedium führt, ohne dass diese Wertung in einer differenzierten Analyse belegt wird. Das kommt durch die dümmliche Formel, dass eine positive Einstellung zu Russland Erweis einer rechten Gesinnung sei. (Historisch unsinnig: Die deutsche Russophobie war immer mit der extremen Rechten identisch – von Hugenberg bis Hitler.)

Das heißt: Ein russischer Sender wäre nur dann nicht rechts, wenn er anti-russisch wäre. Die Logik erkläre mir mal jemand! Denn was ist der Sinn von Auslandssendern? Für eine besonders kritische Haltung zur deutschen Regerung ist mir die Deutsche Welle nun auch nie aufgefallen. Erwartet man von Russland bei seiner medialen Selbstvertretung einen Masochismus, den man keinem anderen Land zumutet?

Typisch auch hier wieder: Belegt wird nichts, gar nichts. Es wird eine Liste von Medienbrands abgedruck und mit Deklassierungsformeln versehen. Die Botschaft soll sein: Pfui, guckt da bloß nicht rein! Denkverbot! Ein neuer McCarthyism der übelsten Sorte, der selbst das Gegenteil zu sein beansprucht, da er sich selbst autoritativ das linksliberale Etikett anheftet. Nur hat der neue Transatlantismus, der sich totalitär gebärdet (& nicht umsonst die neue Totalüberwachung so vehement mit einem Gefahren-Alarmismus legitimiert, den früher die extreme Recte im Munde führte) weder irgendetwas mit linkem Denken noch mit Liberalismus zu tun. Denn die Kultur des „kritischen Raisonnements“ (Habermas) wurde abgeschafft.

Wenn die neuen Herren & Damen, die sich selbst trotz der Einförmigkeit ihrer stereotypen Denkweise für „kritisch“ halten, mit dem Finger auf etwas zeigen & laut „pfui!“ rufen, dann hat das Publikum im Chor laut mitzupfeifen & sein Verstand stillzustehen. Wer dann immer noch nicht stramm steht, der ist zur lustigen Diffamierung freigegeben. Die Un=Kultur des An=den=Pranger=Stellens feiert Urstände. Eine wahrhaft „linksliberale“ Streitkultur!

Das ist so erbärmlich, so beschämend, für die, die es betreiben, dass einem denkenden Menschen nur schlecht werden kann.

Wie die SPD erst aufwachen wird, wenn sie für den Verrat an ihrer eigenen politischen Tradition unterhalb der 5-Prozent-Hürde gelandet ist, so die autoritären Gralshüter der neuen unfreien veröffentlichten Meinung, wenn keines ihrer Blätter mehr Leser findet.

Bis dahin werden die sozial exklusiven Gralshüter der transatlantischen Parallelwelt sich einbilden, die vielen erbosten Leser würden für die Kundgabe ihres Frusts vom vermeintlich doch durch die erfolgreiche Sanktionierung des deutschen Mittelsands so klammen Kreml bezahlt.

Sancta incapabilitas!


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DennSoIsses sagt:   
18.03.2016 um 16:38

Ich verstehe den Kampf unter den Journalisten nicht.
Die Vielfalt von links nach rechts ist doch begrüßenswert. Ich kann mich zu einem Thema über den Spiegel, die Bild, den Stern bishin zu Epoch Times, Kopp oder RT informieren. Schon allein aufgrund der Quellenangaben, der Neutralität, der inhaltlichen Aufbereitung und der Faktenangabe kann sich dann jeder selbst seine Meinung bilden. Und hier zeigen sich dann doch deutliche Unterschiede, vor allem in den jeweiligen online Angeboten. Die Printauflagen sind noch unterschiedlicher. Vergleiche ich eine Ausgabe der Jungen Freiheit mit einer Stern Ausgabe, so habe ich am Ende doch mehr Inhalt statt Werbung, habe mehr Neutralität statt Stimmungsmache. Am schlimmsten jedoch empfinde ich die Überheblichkeit einzelner Journalisten oder Chefredakteure welche den Lesern das eigene Denken abnehmen wollen um sie zu beeinflussen. Kein Wunder also, dass Auflagen, Abos und Online Klicks dort sinken wo dies der Fall ist.
Herr Winterbauer, wer ordentliche Arbeit abliefert, der wird auch gekauft und gelesen. Und solange eine journalistische Neutralität Fakten aufbereiten und obejktiv vermitteln kann, ist es mir egal ob sie von linken, rechten, braunen oder grünen Geschäftsleuten finanziert und betrieben wird.


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Tanathos sagt:   
18.03.2016 um 17:54

In der Aufzählung fehlen noch die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ (sic!).


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Konfuzikuntz sagt:   
17.04.2016 um 19:51

Es ließen sich noch ergänzen preussische-allgemeine.de, rolandtichy.de, russia-insider.com und zellerzeitung.de


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Hans Kolpak sagt:   
18.04.2016 um 15:48

Ist das hier ein Honigtopf?

Wie auch immer, es wird langsam Zeit, den Begriff „Logenpresse“ zu etablieren. „Lügenpresse“ ist langsam ausgelutscht und zunehmend einem Bedeutungswandel unterworfen. Neusprech macht es möglich.

...


---

"Ermittlungen gegen Böhmermann eingestellt" (4. Oktober 2016)
Die Staatsanwaltschaft Mainz hat dem ZDF-Moderator keine strafbaren Handlungen nachweisen können. Geklagt hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. ... In der Begründung hieß es, die Ermittlungen hätten strafbare Handlungen nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen können. Die Ermittlungen hätten auch keine hinreichenden Anhaltspunkte für strafbare Handlungen anderer an der Entstehung oder Ausstrahlung des Beitrages beteiligte Personen ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Der TV-Satiriker und Grimme-Preisträger Böhmermann hatte sein Gedicht Schmähkritik Ende März in seiner Sendung Neo Magazin Royale vorgetragen. ... Die Staatsanwaltschaft argumentierte, Böhmermanns Schmähgedicht sollte "als Beispiel für eine Überschreitung der Meinungsfreiheit dienen". Zudem sei eine Karikatur oder Satire keine Beleidigung, wenn "die Überzeichnung menschlicher Schwächen" keine "ernsthafte Herabwürdigung der Person" enthalte.
Die Staatsanwaltschaft Mainz hatte wegen Verdachts auf Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts ermittelt. Zunächst hatte Erdoğan nach Paragraf 185 des Strafgesetzbuches geklagt. Im Anschluss hatte die Bundesregierung die Ermächtigung zur Strafverfolgung wegen des Vorwurfs der Beleidigung von Vertretern ausländischer Staaten nach Paragraf 103 erteilt. Davon unabhängig hat Erdoğan auch noch eine Privatklage gegen Böhmermann eingereicht. Sie wird ab 2. November in Hamburg vor Gericht kommen. Vor der Zivilkammer des dortigen Landgerichts Hamburg geht es in mündlicher Verhandlung noch einmal um Böhmermanns Gedicht. Der türkische Präsident will erreichen, dass der gesamte Text verboten wird. Auf seinen Antrag hatte das Hamburger Landgericht bereits im Mai eine einstweilige Verfügung gegen Böhmermann erlassen. Der ZDF-Moderator darf demnach den größeren Teil seines Gedichts nicht wiederholen. Bei dem Beschluss ging es um Passagen, die Erdoğan dem Gericht zufolge angesichts ihres schmähenden und ehrverletzenden Inhalts nicht hinnehmen müsse. ...
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-10/ermittlungen-gegen-boehmermann-wegen-erdo-an-beleidigung-eingestellt
« Last Edit: October 04, 2016, 04:07:45 PM by Link »

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #37 on: May 02, 2016, 03:16:49 PM »
"Studie: Deutsche halten Nachrichtenmedien für gelenkt" (2. Mai 2016)
Die Mehrzahl der Menschen in Deutschland hält Nachrichtenmedien laut einer Studie für gelenkt, zu einseitig berichtend und zu wenig lösungsorientiert. Sechs von zehn Befragten sind sicher, dass auf Nachrichtenmedien Einfluss genommen werde, worüber oder auf welche Art sie berichten sollen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts TNS Emnid für die Medienforschung des Bayerischen Rundfunks.
Nur gut ein Drittel der Befragten (34 Prozent) hält die Berichterstattung der deutschen Nachrichtenmedien für wirklich unabhängig. Als Handelnde im Hintergrund gelten insbesondere Regierung und Parteien und Wirtschaft – über Lobbyverbände und über den Druck von Werbekunden.
Eine gesellschaftliche Kontrollfunktion im Sinne einer vierten Gewalt wird der Erhebung zufolge am ehesten Wochenzeitungen und Nachrichtenmagazinen, öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Tageszeitungen zugestanden.
Die Forscher bilanzieren in der Studie, es gebe ein allgemeines "Unbehagen gegenüber Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Eliten, das sich im Zuge der Krisen der vergangenen Jahre nun auch offensiv manifestiert". ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen

Quote
J-M,  #2.4


... Die ganze Diskussion scheint mir auf dem Verdrängen eines simplen ontologischen Zusammenhangs zu beruhen: Es gibt keine positiven Wahrheiten. Daher kann auch niemand "die Wahrheit" sagen, bestenfalls auf die Unwahrheit hinweisen.

Weite Teile der Gesellschaft scheinen eine schrecklich infantile Vorstellung von Diskurs und Wahrheit zu haben. Auf der einen Seite steht die reine, klare Objektivität, die jedem, der mit zwei Augen sehen und mit dem berühmten "gesunden Menschenverstand" denken kann offen liegt. Dementsprechend kann es auf der anderen Seite nur eins geben: Die intentionale Unwahrheit aka die "Lüge". Wer also die die objektive Wahrheit (aka meine subjektive Meinung) nicht vertritt, muss ein Lügner und von irgendwem gesteuert sein.

Diese Menschen scheinen mir noch nie die hochgekrempelten Arme in die trübe Brühe zwischenmenschlicher Vermittlung gesteckt zu haben. Ich rate jedem mal zu dem Besuch eines Diskutierclubs. Da lernt man recht schnell, dass alles mindestes 100 Seiten hat und Objektivität nur der feuchte Traum Halbgebildeter ist.


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590836#cid-6590836

Quote
Suryo #2.10

Dasselbe könnte man wiederum an der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung kritisieren. Oder glaubt irgendwer ernsthaft, diese sei gut informiert, interessiert und denke in komplexen Zusammenhängen?

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6591067#cid-6591067

Quote
Gismo834 #2.14 

Ein Indikator für gelenkte Bericht Erstattung ist doch die Zusammen Setzung des Aufsichtsrat des öffentlich rechtlichen Fernsehens. Dort sitzen Politiker! D.h diejenigen die kontrolliert werden sollen kontrollieren sich selber. Wie kann es z.b sein das zur besten Sendezeit arbeitslosen zahlen gefeiert werden, die überhaupt nicht der Realität entsprechen, da schön gerechnet. Da hört man dann in der Tagesschau kein kritisches Wort. Warum wird nicht schon lange im heute Journal von der kommenden Rentner Armut berichtet. Ist alles schon lange bekannt. Aber nein , man will ja die Bürger nicht verun sichern. Weglassen von relevanten Informationen ist auch Täuschung.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6591477#cid-6591477

Quote
Mainte, #3

Man kann die Parteilichkeit der Medien leicht an einem aktuellen und nicht so brisante Themen nachweisen. Der einseitigen Berichterstattung darüber, dass Gerichte die illegale Beteiligung der Verleger an den VG Wort Einnahmen der Autoren stoppen.
Kein Wort der Entschudligung über den Raubzug, statt dessen eine flächendeckende Urteilsschelte.
Artikel ist etwas polemisch, trifft es aber ganz gut. Konklusio: Wer schon bei solchen Bagatellen einen PR Kriegszug los tritt, der wird bei den ganz großen Fragen dann objektiv sein? Wohl kaum ...

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590472#cid-6590472

Quote
Naseschwarz #7

Darüberhinaus geht eine Mehrheit (60 Prozent) der Befragten davon aus, dass Medien berechtigte Meinungen ausblendeten, die sie für unerwünscht hielten.

Ist schon ne Weile her, dass ich z.B. bei Themen der Aussenpolitik (und hier ist die Berichterstattung besonders zweifelhaft) einen Artikel gelesen habe, bei dem zwei Meinungen gegenüber gestellt wurden. Eine solche Form der Berichterstattung (Meinung A gegen Meinung B) mit nennung möglichst vieler Fakten, ist aber die beste Möglichkeit für den Medienkonsument, sich eine Meinung zu bilden. Was ich in 99% der Fälle lese ist Meinung A oder Meinung B, wobei Meinung B meist nur in ausländischen Medien zu finden ist.

Und deshalb wundert es mich nicht, dass die Befragten so antworten. Denn flächendeckend nur eine Meinung zu lesen über längere Zeit, macht schon stutzig. Vorallem, wenn diese Meinung dann der offiziellen Meinung der Regierung entspricht.

Aber immerhin ist Medienkritik wieder mehrheitsfähig. Das spricht für die Medienkonsumenten.


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590491#cid-6590491

Quote
mamlu #8

Zu diesen Thema nochmal die Panama-Papers: ein von US-Interessengruppen finanziertes Journalistennetzwerk wertet "exklusiv" die Panama-Papers aus, mit folgenden Ergebnis: ein Großteil der Daten wird NIE veröffentlicht, man versucht Putin ans Bein zu pinkeln (der Name Putin taucht in den Daten nicht auf) und nach 2-3 Meldungen versanden die Papers im Nachrichten-Nirvana.

Da lobe ich mir doch Wikileaks. Jedenfalls bracht kein Mensch "Gatekeeper" für Informationen.
Die Panama-Papers waren keine Sternstunde des Journalismus...

Quote
jaba #8.1

> Die Panama-Papers waren keine Sternstunde des Journalismus...
Das sehen die »System-Journalisten« natürlich ganz anders. ;-)
(Wer die Papers damals schon als [gezielten] Rohrkrepierer bezeichnete, wurde wegen Unsachlichkeit wegmoderiert.)


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590506#cid-6590506

Quote
Mainte #10

Oder mal ganz simpel: Meine Gattin hält die SZ im Abo - Tolles Blatt. In der Wochenendausgabe im Hauptteil etwa sechs Artikel mit Anti-Russischer und PRO Nato bzw Pre Wertegemeinschaft Tendenz (um es mal freundlich zu sagen) Das kann man ohne Frage so machen und man darf die Welt auch so sehen. Ich sehe sie allerdings nicht so und es ärgert mich kolossal, dass wir dieses Blatt mit etwa 800 Euro im Jahr unterstützen. Ich will da keinen Skandal draus machen: Die Mainmedien haben eben ihre Agenda und meine Ansichten kommen nicht drin vor. Ärgerlich wird es nur, weil man arrogante GEZ Volk zwangs alimentieren muss ...

Quote
Claude C. #10.1

Wäre es nur die SZ, könnte man auch noch andere große Zeitungen lesen. Aber es wird überall die gleiche Grundposition vertreten. Und das ist den meisten Lesern nicht verborgen geblieben, wie die Umfrage zeigt


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590524#cid-6590524

Quote
NETSUBJEKT #17

DIE MEHRHEIT DER JOURNALISTEN KANN MAN NICHT LENKEN

Wenn die Medien versagen, oder ihren Auftrag nicht mehr im traditionellen
Sinne erfüllen können, liegt das zuerst an der veränderten Kultur des Verlagswesens und der Redaktionsarbeit. Zu wenig Zeit und zu wenig Geld, dafür eine höhere "Schlagzahl". Und der Druck auf Journalisten, von denen nur noch wenige eine feste Anstellung haben: Das alles verführt zur Oberflächlichkeit und zum "abschreiben". Kennste die Nachrichten einer Zeitung/OnlineMedium kennste alle.
In diesem Klima sind Journalisten auch anfälliger für die Informationen aus "gut unterrichteten Kreisen". Man kann Medien nicht "per Order di Mufti" steuern, sondern deren Autoren desinformieren oder eine interne verlagseigene politische Grundlinie festlegen. Wer von dieser Grundlinie ausschert wird "aus Platzgründen" ebend nicht gedruckt und so lernt schnell dazu, wenn er seinen Lebensunterhalt verdienen muß.
Auch Leser tragen dazu bei, indem sie von "ihrer" Zeitung eine bestimmte politische Haltung erwarten. So wird Journalismus auch zu einer Information, wie sie vermeintlich erwartet wird.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590611#cid-6590611

Quote
chagall1985 #28

Meine persönliche Meinung:
Volker Pispers Ansicht, dass Medien dafür da sind uns mit unbedeutenden Skandalen und Schwachsinn zu beschäfftigen um ernsthafte Debatten über Gesellschaft und echte Problemlösungen zu unterbinden ist Faktenbasiert (durch den Schwachsinn der berichtet und diskutiert wird) aber falsch.
Das eigentliche Problem ist, das Journalismus von Journalisten betrieben wird.
Also per Definition von studierten Menschen der Oberschicht die überhaupt kein Interesse daran haben, dass sich etwas ändert oder gerechter wird genausowenig wie die Eigner der Zeitungen die zu 80% 5 Familien gehören die allesamt Milliardäre oder Multimillionäre sind.

Unser System versagt und steuert von Kollaps zu Kollaps und produziert unvorstellbare Ungleichheit in der Gesellschaft.
Es wird nichts aber auch gar nichts ernsthaftes in den Leitmedien diskutiert um dieses System in Frage zu stellen.
Musterbeispiel für mich sind immer die Arbeitslosenzahlen!
Jeder Journalist mit einem Restfunken Anstand im Körper müsste sich übergeben oder lachen wenn er solche Zahlen ernsthaft und unkommentiert berichtet.
Arbeitslos ist jeder der nicht in der Lage ist mit seiner eigenen Arbeit ein menschenwürdiges Leben mit Partizipation am gesellschaftlichen Leben zu führen.

Das sind in Deutschland mindestens 10 Millionen die das nicht mehr selbstständig können.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590720#cid-6590720

Quote
Garfield1 #35

Ich als "Putinversteher" beklage ja spätestens seit dem Umgang der EU mit der Syriza-Regierung in Griechenland die massive Einseitigkeit der hiesigen Medien. Die "Berichterstattung" über die Vorgänge auf der Krim waren da "nur" noch der Gipfel der Manipulation - und ja: der einseitigen Propaganda (wie z.B ständig den Menschen eine "Annexion" eingehämmert wird, und die Lüge durch hundertfache Wiederholung zur "Wahrheit" geworden ist - aber lassen wir das hier mal beiseite, da schon ausreichend diskutiert).
Allerdings würde ich nicht unbedingt sagen, dass die Nachrichtenmedien GELENKT sind - jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne, wo man sich eine SED vorstellt, die den Nachrichtensprechern und Redakteuren in den Block diktiert.
Diese Einseitigkeit hat andere und mehrere Ursachen, ich würde sogar sagen, der Einfluss der Politik ist eher der geringere. Viel gewichtiger sind die - selten direkten Vorgaben von Medieneignern oder Chefredakteuren, welche "Schreibe" im Hause goutiert wird und welche nicht. Mit anderen Worten: wer sich bei Springer bewirbt, weiß durchaus, in welche Richtung die zu erwartenden Beiträge zielen sollen. Die angesprochenen Werbekunden haben natürlich auch enormen Einfluss. Und schließlich kommt eine Verflachung bei den Journalisten selber hinzu, die oft genug nur Agenturmeldungen abschreiben und bestenfalls "garnieren". Der Papageien-Effekt ist enorm. Die wenigsten recherchieren selber nach, ob z.B. die "Annexion" der Definition standhält usw.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590778#cid-6590778

Quote
mounia #36

Wess Brot ich ess dess Lied ich sing...war schon immer so.Hut ab vor den wenigen Journalisten,die sich nicht kaufen lassen.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590793#cid-6590793

Quote
Sinnsuche #46

Was ich heute bei den meisten Nachrichtenmedien vermisse ist echter kritischer Journalismus. Kritik wird meist sehr selektiv ausgeübt und richtet sich häufig gegen Russland und China (bereits seit Olympia 2008), selten aber gegen westeuropäische Staaten oder die USA. Dabei gibt es überall Missstände.

Wenn ich sehe, wie Verdi-Streikende bei RTL immer als böse Quälgeister dargestellt werden, die kein Recht hätten, gegen niedrige Löhne anzukämpfen, wird mir ganz übel. Da kann mir keiner erzählen, dass hier nicht bewußt Meinungsmache betrieben wird...

Quote
Dieter Drabiniok #46.1

Was will man von Sendern anderes erwarten, deren Finanziers Wirtschaftskonzerne sind und deren Zielgruppe hauptsächlich AfDler und Single-Bauern sind?



http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590953#cid-6590953

...

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #38 on: May 24, 2016, 09:22:32 AM »
Quote
[...]       Estrella de Levante, 23.05.2016 19:41

Hacker stahlen mehr als 20 GByte Daten bei Schweizer Rüstungsbetrieb Alle Heise-Foren > heise online > News-Kommentare

[ Offiziell gibt es zur Herkunft der Cyberspionage-Attacken keine Angaben. Angesichts der andauernden Untersuchung werde sie sich nicht über die Urheberschaft des Angriffs äussern, ließ die Schweizer Regierung verlauten. Umlaufende Vermutungen deuten auf Urheber in Russland. Die Bundesanwaltschaft hatte am 25. Januar 2016 eine Strafuntersuchung gegen Unbekannt eingeleitet. ]


Umlaufende Vermutungen

"deuten auf Urheber in Russland"?
Umlaufende Vermutungen deuten auf Urheber bei der NSA. Nach allem, was Snowden in Umlauf gebracht hat.
Überhaupt, "Umlaufende Vermutungen" ist ja mal eine schöne Alternative zu "Quellen" oder "informierten Kreisen". :D

Quote
     Stasi, 23.05.2016 19:48

Re: Umlaufende Vermutungen

    Überhaupt, "Umlaufende Vermutungen" ist ja mal eine schöne Alternative zu "Quellen" oder "informierten Kreisen". :D

 [...] "Umlaufende Vermutungen" scheint die neueste Abwandlung von "wie allgemein bekannt" zu sein, was - wie allgemein bekannt ;) - eines der Grundbausteine der Meinungsmanipulation darstellt.



...


Quelle: http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Hacker-stahlen-mehr-als-20-GByte-Daten-bei-Schweizer-Ruestungsbetrieb/Umlaufende-Vermutungen/posting-28656291/show/


Quote
     Sapientist, 23.05.2016 23:25

Meine Mama sagte immer, dass "umlaufende Vermutung" ebenso wie "aus vertrauenswürdigen Quellen" ein Synonym ist für "das haben wir uns ausgedacht, weil es unserer Agenda dient".

Mein Jura-Dozent sagte hingegen, dass "umlaufende Vermutung" ein Synonym ist für üble Nachrede, ein Straftatbestand in Deutschland.


http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Hacker-stahlen-mehr-als-20-GByte-Daten-bei-Schweizer-Ruestungsbetrieb/Meine-Mama-sagte-immer/posting-28657014/show/

Quote
     Mephi2k, 24.05.2016 08:35

Der Artikel ist ja ... BILD !

Sorry aber wie schon im Forum bemerkt, Golem.de hat den viel besseren Artikel, das sind nicht nur Meilen sonder Lichtjahre unterschied.



Kommentare zu: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Hacker-stahlen-mehr-als-20-GByte-Daten-bei-Schweizer-Ruestungsbetrieb-3216344.html

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medienjournalismus und medienkritik...
« Reply #39 on: June 23, 2016, 12:37:43 PM »
"Aufklärung oder Animationsarbeit? Zur Deformation des Journalismus" Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz (08.06.2016)
Das Geschäftsmodell vieler Medienhäuser basiert längst nicht mehr auf dem Verkauf von Information, sondern auf dem Verkauf von Aufmerksamkeit. Dies zu vertuschen und weiter darauf zu bestehen, hier werde journalistische Arbeit geleistet, liegt im ureigenen Interesse dieser Unternehmen. ... Dass der Journalismus dort bis zur Unkenntlichkeit eingeengt oder gar abgeschafft wird, wo er politisch den Primat machtfixierter Parteilichkeit stört, beispielsweise in herrschaftlich-autoritären oder diktatorischen Regimes, das gehört zum Allgemeinwissen. Gefährdet oder behindert auch der Primat der Wirtschaftlichkeit den Journalismus? Eindeutig ja.
Journalismus als unverzichtbarer professioneller Sprecher einer demokratischen Öffentlichkeit funktioniert nur in Arbeitsstrukturen, die anhaltend Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit und Beständigkeit ermöglichen. Er ist eingebunden in Wirtschaftsinteressen, vor allem wenn er privatwirtschaftlich organisiert ist, und in Machtkalküle. Er braucht Aufmerksamkeit, das Erfolgsmedium der Öffentlichkeit. Und er braucht Geld, das Erfolgsmedium der Wirtschaft. Aber Journalismus darf sich der Produktion von Aufmerksamkeit und der Beschaffung von Geld nicht unterwerfen, wenn er die Merkmale garantieren will, die seine Kennzeichen sind.
Die Medienbranche gehört inzwischen in weiten Teilen zum Wirtschaftssystem wie die Chemie-, Auto- oder Lebensmittelbranche. In den großen Medienkonzernen etabliert sich ein Geschäftsmodell, das auf Aufmerksamkeitsökonomie beruht und das von der Redaktion Animationsarbeit verlangt. ...

http://www.carta.info/82259/aufklaerung-animationsarbeit-zur-deformation-des-journalismus/


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Quote
[...] «Blick» veröffentlichte die vollen Namen und Porträt-Bilder der beiden mutmasslichen Beteiligten und fragte «Hat er sie geschändet?». Auch SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann hatte sich wegen diesem und weiteren im «Blick» veröffentlichten Artikel beim Presserat beschwert.

Mit ihrem ersten Artikel zur sogenannten Zuger Sex-Affäre habe die Zeitung den Journalistenkodex in mehreren Punkten verletzt, heisst es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Presserats.

Da «Blick» offensichtlich davon ausgegangen sei, dass es möglicherweise zu einem Sexualdelikt gekommen sei, habe er mit der Identifizierung des mutmasslichen Opfers den Opferschutz verletzt.

Mit der späteren Einstellung des Verfahrens ist rechtskräftig festgestellt, dass kein Sexualdelikt vorliegt. Ein möglicher sexueller Kontakt gehört nach Auffassung des Presserats eindeutig in den Bereich der geschützten Intimsphäre. Ein «entgegengesetztes überwiegendes öffentliches Interesse besteht in der Regel nicht», schreibt der Presserat.

«Blick» hatte geltend gemacht, dass ein intimer Kontakt zwischen der damaligen Co-Präsidentin der Alternative/die Grünen und dem damaligen SVP-Kantonalpräsidenten eine Dimension habe, die den Vorgang über den privaten Bereich hinaushebe.

Dieser Argumentation folgte der Presserat jedoch nicht. Der «Blick» habe Privat- und Intimsphäre von Spiess-Hegglin verletzt. Auch dass sie sich später selbst in der Öffentlichkeit zu Wort meldete, lässt der Presserat nicht als Rechtfertigung gelten.


Aus: "«Blick» missachtet Opferschutz und verletzt Privatsphäre" (sda, 28.06.2016)
Quelle: https://www.bluewin.ch/de/news/inland/2016/6/28/presserat---blick--missachtet-opferschutz-und-verletzt-privatsph.html

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Quote
[...] Die Missbrauchs-Vorwürfe gegen den prominenten Hacker Jacob Appelbaum und der Vergewaltigungs-Prozess rund um die TV-Persönlichkeit Gina-Lisa Lohfink haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Und doch werfen diese Fälle ein Licht auf den problematischen Umgang der Netz-Öffentlichkeit und der Medien mit der Intimsphäre.

Jacob Appelbaum ist ein prominenter Hacker und wohl das, was man einen Netz-Aktivisten nennt. Er hat bei der Enthüllungsplattform Wikileaks mitgearbeitet, hat für die Mitarbeit bei den NSA-Enthüllung des Edward Snowden einen Henri Nannen Preis erhalten, war Autor für den Spiegel und gerne gebuchter Keynote-Speaker. Seit einigen Tagen nun lässt sich beobachten, wie der Ruf des Jacob Appelbaum konsequent den Bach runtergeht.

Das Internet-Sicherheits-Projekt Tor, für das er lange Zeit gearbeitet hat, trennte sich von ihm wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung. Fast gleichzeitig tauchte im Netz eine anonyme Pranger-Website auf, auf der zahlreiche Geschichten, rund um angebliche Übergriffe des Jacob Appelbaum geschildert werden. Das US-Webmagazin Gizmodo, das zum gerade pleite gegangenen Netzwerk rund um die Klatsch- und Tratschseite Gawker gehört, veröffentlichte die Schilderungen von drei Augenzeugen, die Appelbaum dabei beobachtet haben wollen, wie er in Hamburg nach einem Hacker-Kongress eine Frau sexuell belästigte. Appelbaums Ex-Freundin, die Programmiererin Leigh Honeywell, veröffentlichte einen Blog-Beitrag mit allerlei intimen Details und Vorwürfen gegen Appelbaum. Es ist, als habe man eine Kiste geöffnet und heraus quillt Unappetitliches. Appelbaum bestreitet strafrechtlich relevante Übergriffe und kündigte an, rechtliche Schritte einzuleiten. Aber das interessiert kaum. Sein Ruf ist mittlerweile schon gründlich und effizient ruiniert. Die Effekte nicht kontrollierbar. Offenbar wurde die Hausfassade seiner Wohnung in Berlin schon mit der Parole „Ein Vergewaltiger wohnt hier“ beschmiert. Wenn man jemanden fertig machen will, sind Sex-Vorwürfe und das Internet eine unschlagbare Kombination.

Weltweit griffen zahlreiche Medien den Fall Appelbaum auf und erzählten minutiös die anonymen Vorwürfe nach. Nicht selten auch mit einer gewissen Spitzfingrigkeit. Man wisse ja nicht was da dran sei und so eine anonyme Prangerseite ist ja eigentlich auch nicht schön. Aber wenn man schon mal dabei ist, wird dann doch detailliert nacherzählt, was da so alles steht. Der öffentlich-rechtliche Bayerische Rundfunk bot in seiner Sendung Zündfunk sogar noch „die Transperson Natanji“ auf, die erklärte, warum das mit dem anonymen Rufmord in diesem speziellen Fall schon ganz OK ist. Kurzfassung: Was hätten die Opfer denn machen sollen, die meisten Vorwürfe seien ja „strafrechtlich gar kein Problem.“ Aber weil das so viele sagen „denkt“ „Natanji“, dass die Vorwürfe berechtigt sind. Ach so. Na dann.

Dass sich mittlerweile die angeblich von Appelbaum in Hamburg belästigte Frau via Internet und mit einer schriftlichen Aussage zu Wort gemeldet hat und erklärt, es habe gar keine Belästigung stattgefunden und eine ganze Reihe von Aktivistinnen, die behaupten Appelbaum gut zu kennen, diesem ebenfalls öffentlich zur Seite springen, wird von den Medien wenn überhaupt achselzuckend als Update unter die ursprünglichen Sex-Stories gepackt. Nicht selten versehen mit dem Hinweis, man könne die Echtheit solcher entlastender Äußerungen nicht verifizieren.

Ganz anderer Fall: Die deutsche Reality-TV-Person Gina-Lisa Lohfink hat ausgesagt, im Jahr 2012 von zwei Männern in einem Hotelzimmer in Berlin vergewaltigt worden zu sein. Die Männer haben ein Handyvideo von dem Treffen gemacht und es diversen Redaktionen zum Kauf angeboten. Als niemand das Video kaufen wollte, stellten sie es ins Netz, wo es seither bei Porno-Portalen Klicks einsammelte. Lohfink sagt, sie hatte einen „Filmriss“. Auf dem Video sagt sie mehrfach „hört auf“. Das Gericht war der Überzeugung, sie meinte damit die Filmaufnahmen und nicht den Geschlechtsverkehr. Ergebnis: Die Männer erhielten eine Geldstrafe wegen der Verbreitung des Videos, Lohfink einen Strafbefehl wegen Falschbeschuldigung. Den will sie nicht akzeptieren, weshalb die Geschichte seit ein paar Tagen erneut durch den Gerichtssaal und die Medien geistert, inklusive aller intimen, verletzenden Details. Im Fall Lohfink mag es vielen Medien allerdings tatsächlich in guter Absicht darum gehen, eine Reform des Sexualstrafrechts einzufordern. Der Effekt ist aber ähnlich wie bei einer Rufmordkampagne: In Dauerschleife wird die Intimsphäre einer Person verletzt. Hier losgetreten durch die beiden Männer, die das Video ins Netz gestellt haben. Die Geldstrafe für diese perfide Form der Persönlichkeitszerstörung ist in der Tat eher ein Witz.

... So unterschiedliche diese Fälle im einzelnen sind, so haben sie doch eines gemeinsam: Intime Vorgänge, bei denen es in der Regel nur zwei Beteiligte gab, werden ohne Scheu und Scham über das Internet und/oder die Medien an die Öffentlichkeit gezerrt. Und zwar bevor eine Schuldfrage bezüglich der erhobenen Vorwürfe auch nur ansatzweise geklärt ist. Oftmals wird sich eine Schuldfrage womöglich auch gar nicht klären lassen, weil Aussage gegen Aussage steht.

... Für die Medien wiederum ist die sexuelle Demütigung keine Waffe, sondern eher eine Ware mit sich die dringend benötigte Aufmerksamkeit erzielen lässt. Muss wirklich jedes Detail des Intimlebens eines Prominenten ausgebreitet werden? Muss man, wie im Falle Jacob Appelbaum beim BR-Zündfunk geschehen,  auch noch zu Formulierungen greifen, dass „sein Testosteron aus jeder Ritze seines Laptops quillt“? ...

... Es ist nicht leicht, mit diesem Phänomen umzugehen. Ein wenig mehr Sensibilität und Nachdenken vor der Veröffentlichung wären vielleicht ein erster Schritt.


Aus: "Jacob Appelbaum und Gina-Lisa Lohfink: Sex als Ware und Waffe im Netz und in den Medien" Stefan Winterbauer (13.06.2016)
Quelle: http://meedia.de/2016/06/13/jacob-appelbaum-und-gina-lisa-lohfink-sex-als-ware-und-waffe-im-netz-und-in-den-medien/
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