Author Topic: Pop Diskurs / Kulturtheorie (Diedrich Diederichsen, etc.)...  (Read 4570 times)

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Pop Diskurs / Kulturtheorie (Diedrich Diederichsen, etc.)...
« on: December 17, 2012, 09:04:52 PM »
Diedrich Diederichsen (* 15. August 1957 in Hamburg) ist ein deutscher Kulturwissenschaftler, Kritiker, Journalist, Kurator, Autor, Essayist und Hochschullehrer. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Poptheoretiker. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Diedrich_Diederichsen


Diedrich Diederichsen
Verstreute Schriften
Interviews / Gespräche
Vorträge & Veranstaltungen
Buch-Veröffentlichungen als Autor Buch-Veröffentlichungen als Herausgeber
http://diedrich-diederichsen.de/

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"Ein Pop-Magnum" Jörg Augsburg (14.03.2014)
Reflexion Diedrich Diederichsens jahrelanges Nachdenken „Über Pop-Musik“ hat das Zeug zum Standardwerk... Schon vor gut zehn Jahren soll die erste Fassung von Über Pop-Musik entstanden sein, ein echter Klopper ist es nun geworden und weit entfernt von jeglicher „Populärwissenschaft“. Das fängt schon beim Definitionsrahmen an. „Pop-Musik“ nennt Diederichsen den Gegenstand, eine genau bedachte Schreibweise. Es ist der Powerchord des Buches, jener mächtig knallende Schlag in die Saiten einer elektrisch verstärkten Gitarre, der die Tonart noch offen lässt, aber für garantierte Aufmerksamkeit sorgt. „Pop-Musik“ sei als eine in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts entstandene eigenständige Kulturgattung zu sehen, stellt Diederichsen klar, nicht als Teilbereich oder Weiterentwicklung von bis dato existierender „Musik-Musik“. Nur so könne man Popmusik kulturtheoretisch sinnvoll erfassen und untersuchen. ...
https://www.freitag.de/autoren/joerg-augsburg/ein-pop-magnum

« Last Edit: November 05, 2015, 10:21:43 AM by Link »

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Pop Diskurs / Kulturtheorie...
« Reply #1 on: November 26, 2014, 04:28:06 PM »
Diedrich Diederichsen - Über Pop-Musik
Pop-Musik, sagt Diederichsen, ist gar keine Musik. Musik ist bloß der Hintergrund für die viel tiefer liegenden, viel weiter ausstrahlenden Signale des Pop. Pop ist ein Hybrid aus Vorstellungen, Wünschen, Versprechungen. Er ist ein Feld für Posen und Pakte, für Totems und Tabubrüche. Der Autor bezieht seine Argumente aus Semiotik und Soziologie ebenso wie aus der Geschichte und Gegenwart der Pop-Kultur und aus den angrenzenden Gebieten Jazz, Kino, Oper. Diederichsen greift immer wieder auf die eigenen Erfahrungen zurück, sein Initiationserlebnis war ausgerechnet ein Konzert des bleichen Bluesrockers Johnny Winter. Was er über dessen Auftritt schreibt, gilt für viele, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgewachsen sind: Pop hat "eingelöst, was wir alle immer schon geahnt hatten, aber als Kinder nie ganz genau wussten: dass es etwas gibt. Nicht, wovon Winter heulte, war wichtig, sondern dass in komischen Geräuschen ein Weg zur Welt war." ...
http://www.perlentaucher.de/buch/diedrich-diederichsen/ueber-pop-musik.html



"Keynote-Talk @ m4music 2014: Diedrich Diederichsen im Gespräch mit Max Dax"
Ganze Generationen von Pop-Fans hat er angeregt und verstört: Diedrich Diederichsen, Kulturwissenschaftler, Journalist, Autor. Als Redaktor und Herausgeber der Popkultur-Zeitschriften Sounds und der Spex war Diederichsen einer der prägendsten Musikjournalisten Deutschlands. Nun erscheint mit «Über Pop-Musik» das Ergebnis seines lebenslangen Nachdenkens über Pop. «Pop-Musik», sagt Diederichsen, «ist gar keine Musik. Musik ist bloss Hintergrund für die viel tiefer liegenden, viel weiter ausstrahlenden Signale des Pop. Pop ist ein Hybrid aus Vorstellungen, Wünschen, Versprechungen.» Mit dem Journalisten und Autoren Max Dax unterhält sich Diederichsen über die Vielgestaltigkeit des Pop-Phänomens. ...
https://www.youtube.com/watch?v=SoXXjo0zmMI



"DIEDRICH DIEDERICHSEN: Counter Cultural Movements of California in 60s/70s"
Conference -- festival that took place from 12--15 March, 2013 at the Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam. ...
https://www.youtube.com/watch?v=plAQ3dQZzMY



"Rainald Goetz & Diedrich Diederichsen: "mehr""
Aufzeichnung der Mosse-Lecture vom 03.05.2012 in der Humboldt-Universität zu Berlin.
https://www.youtube.com/watch?v=i1cAk_RoAeQ




« Last Edit: January 18, 2016, 09:41:34 PM by Link »

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Pop Diskurs / Kulturtheorie...
« Reply #2 on: December 04, 2014, 01:39:23 PM »
"Kampfzone Popkultur: (Politische) Identität in der Popkultur"
Welche Möglichkeiten der Emanzipation von Konsum und Warenwelt des Kapitalismus verbleiben dem Individuum, wenn mit Hilfe von Karl Marx, Che Guevara und Martin Luther King Werbung für einen Kombi gemacht wird? ...
http://digitalrealism.info/2014/11/14/kampfzone-popkultur-politische-identitat-in-der-popkultur/



"Die Subjektwerdung in der Kulturindustrie"
Veröffentlicht: 4. Dezember 2014 in Internet, Popkultur   
Schlagwörter:Georg Lukács, Kritische Theorie, Kulturindustrie, Max Horkheimer, Max Weber, Popkultur, Theodor W. Adorno, westlicher Marxismus   
http://kultgenosse.wordpress.com/2014/12/04/die-subjektwerdung-in-der-kulturindustrie/

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"Keynote-Talk @ m4music 2014: Diedrich Diederichsen im Gespräch mit Max Dax"
Ganze Generationen von Pop-Fans hat er angeregt und verstört: Diedrich Diederichsen, Kulturwissenschaftler, Journalist, Autor. Als Redaktor und Herausgeber der Popkultur-Zeitschriften Sounds und der Spex war Diederichsen einer der prägendsten Musikjournalisten Deutschlands. Nun erscheint mit «Über Pop-Musik» das Ergebnis seines lebenslangen Nachdenkens über Pop. «Pop-Musik», sagt Diederichsen, «ist gar keine Musik. Musik ist bloss Hintergrund für die viel tiefer liegenden, viel weiter ausstrahlenden Signale des Pop. Pop ist ein Hybrid aus Vorstellungen, Wünschen, Versprechungen.» Mit dem Journalisten und Autoren Max Dax unterhält sich Diederichsen über die Vielgestaltigkeit des Pop-Phänomens.
https://www.youtube.com/watch?v=SoXXjo0zmMI

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"ANDY WARHOLS SPIELFILM HEDY Lecture von Diedrich Diederichsen" (22.05.2014)
Unter allen von Warhol selbst gedrehten Filmen kommt HEDY oder HEDY, THE SHOPLIFTER einem konventionellen Spielfilm am nächsten. Es gibt Schauspieler, die Rollen spielen, eine Handlung sowie verschiedene Szenen und Bauten. Auch wenn diese Elemente nicht entscheidend sind, oft nur angedeutet werden, stellt der Film damit fast eine Ausnahme dar. Vor der Folie der angedeuteten Erzählhandlung und den Dialogen von Ronald Tavel wird andererseits erst recht vieles klar, das für den konzeptuellen Zuschnitt von Warhols Filmen zwischen 1964 und 1966 zentral war: Blicke, Posen, Klänge, Schatten -- und deren Eigenleben. Auch die sich sehr weit vorwagenden Persönlichkeitsdesigns der Darsteller Mary Woronov und Jack Smith nehmen eine zentrale Funktion ein.
Diedrich Diederichsen ist Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der Bildenden Künste, Wien.
https://www.youtube.com/watch?v=4PNgG6peuuw

http://deutsches-filminstitut.de/blog/lecture-film-andy-warhol/#2

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Jens Kastner, Jg.1970, Dr. phil., Soziologe und Kunsthistoriker, lebt als freier Autor und Dozent in Wien.
http://www.jenspetzkastner.de
« Last Edit: January 18, 2016, 09:40:45 PM by Link »

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Pop Diskurs / Kulturtheorie ...
« Reply #3 on: November 18, 2015, 03:11:20 PM »
Reine Oberfläche - Zum neuen Unbehagen am Glatten
Ein Abend mit Thomas Meinecke und Thomas Hecken
Donnerstag, 19. November 2015

Die Oberfläche scheint in einer tiefen Krise. War ihr Aufschwung im Pop der 1980er Jahre eine Reaktion auf die Formlosigkeit der Alternativkultur der 1970er, auf deren Konsumfeindlichkeit und Innerlichkeit, so scheint von der ‚postmodernen‘ Feier der Oberfläche – gemäß der in den Nuller Jahren formulierten Diagnose „Irony is over“ – wenig übriggeblieben zu sein. Die neue Ernsthaftigkeit tritt als Skepsis gegenüber Glamour, Geld und Künstlichkeit auf, als politisch engagierte Kunst, handgemachter Pop oder bekenntnisförmige Literatur. Das Natürlichkeitsideal der ‚Ecken und Kanten‘ ist durch das Interesse gesteuert, qua Oberflächenanalyse zur Tiefe der Dinge vorzudringen – und Tiefe bedeutet vor allem die Authentizität zerbrechlicher Persönlichkeiten.
Dass die Alltagssprache Oberflächlichkeit nicht gerade prämiert, ist nicht neu und entstammt einem teils religiösen, teils platonischen Vokabular, das als Synonyme des Oberflächlichen Flachheit, Gehalt- Geist- oder Inhaltslosigkeit vorsieht. Wer ‚Oberflächlichkeit‘ diagnostiziert, spricht im Tonfall der Kulturkritik, weist auf künstlerische Minderwertigkeit oder einen Mangel an Tiefe hinter der Oberfläche hin. Beispielhaft für die Erneuerung der Oberflächenkritik ist der Zusammenhang, den der Philosoph Byung-Chul Han zwischen der „glatten Oberfläche“ in Kunst (Jeff Koons), Enthaarungspraktiken (Brasilian Waxing) und neuen Medien (iPhone) einerseits und „glatter Politik“ andererseits auffindet: Gefälligkeit, mangelnde Visionen und Überzeugungen seien der Preis einer glatten, kalten Welt.
In diesem Kritikmodus muss es bereits irritierend anmuten, Oberflächlichkeit als deskriptive Kategorie zu verstehen, wie Thomas Hecken es in seiner Pop-Definition vorschlägt. Oberflächlichkeit meint hier schlicht ein Prinzip, das sich – etwa im Falle des Schallplattencovers – gegen Funktionalitätsanforderungen richtet. Pop ‚zweiter Ordnung‘ stellt Oberflächen her, die nicht mehr zu sein beanspruchen als reine Oberfläche. Wirksam wurde diese Coolness der Oberfläche in den 1980er Jahren nicht aus sich selbst heraus, sondern durch ihre teils taktische Abwendung vom Pathos in Rock, Alternativ- und Hippiekultur. Während es in der Diskussion um die Postmoderne, ihrem Interesse am Spiel mit Künstlichkeit und Zitation, noch in erster Linie um die Sichtbarkeit von Oberflächen, d..h. Oberflächen als Bilder ging, scheint heute stärker die haptische Dimension in den Vordergrund zu treten, wie die obigen Beispiele glatter Haut und glatter Smartphones zeigen. Diese Dimension des Taktilen, der Fühlbarkeit, verweist zugleich auf  die Problematik der Gleichsetzung von Oberfläche und Glätte – und macht mit den Gebrauchsspuren, der verschmierten oder verkratzten Oberfläche jenseits der Glätte auch die Materialität von Oberflächen denkbar. Michel Serres’ Überlegungen zum Zusammenhang von Kosmetik und Kosmologie liefern erste Hinweise zu einem materialistischen Oberflächenverständnis: Kosmetik steht hier nicht – wie in der ‚postmodernen‘ Version – für eine Auflösung der Wirklichkeit in sichtbare Oberflächen, ermöglicht durch einen „Verzicht“ auf Tiefe, sondern begreift (Körper-)Oberflächen als Landschaften mit Markierungen und Hervorherbungen.
Wie verändert sich also das sinnliche Erleben von Oberflächen, wenn diese sich von einer durch Sichtbarkeit geprägten Kultur wegbewegen? Lässt sich hier anschließend ein Verständnis von Oberfläche jenseits der postmodernen Ironie entwickeln, d.h. ist angesichts einer neuen Ernsthaftigkeit ein aktualisiertes Lob der Oberfläche zu erwarten, das ‚postmoderne‘ Prinzipien der Ironie und des Zitats hinter sich gelassen hat? Kann eine gegenwartsbezogene Oberflächenfaszination zu einer Kritik am neuen Kult der Authentizität beitragen?

http://golem.kr/?p=8861

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"David Bowie ist tot – und mit ihm das letzte Gesamtkunstwerk im Pop" (Kultwerk #212, 11.1.2016)
Denn die Musik der Jugend, sie ist längst von ihrer mystischen Faszination befreit worden. Vielleicht liegt es an unserem Alter. Vielleicht an der Repetition der Trends und ihrer kurzen Halbwertszeit. Vielleicht liegt es auch an der ständigen Verfügbarkeit: von Informationen bis Definitionen, alles ist greifbar, Pop längst auf überhitzte Server abgeschoben worden.
Da gammelt das einstige Faszinosum rum, da liegen sie jetzt, in einem Serverraum, die Hintern der Kardashians, die Kinder von Robbie Williams, die Egos von Kanye West. Von den Casting Stars ganz zu schweigen. ...

https://www.tageswoche.ch/de/2016_2/kultur/707975/David-Bowie-ist-tot-%E2%80%93-und-mit-ihm-das-letzte-Gesamtkunstwerk-im-Pop.htm

« Last Edit: January 13, 2016, 12:44:52 PM by Link »

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Punk Diskurs / Kulturtheorie (Diedrich Diederichsen, etc.)...
« Reply #4 on: June 03, 2016, 09:12:16 AM »
"Selber ausprobieren" René Dupé (31. Mai 2016 lowerclassmag)
Biografie über Alfred Hilsberg, Labelgründer und Doyen des musikalischen Underground in der Bundesrepublik, erschienen
Das Buch ist eine faszinierende Reise durch mehrere Jahrzehnte Politik, Kunst, Alltags- und Sozialgeschichte der BRD. ... Auf Hilsbergs 1980 gegründetem Label ZickZack passierte das, was damals in der Bundesrepublik sonst kaum noch passierte – musikalisch wie handwerklich. Vom Plattenmachen hatten Hilsberg und Klaus Maeck, sein Gefährte in diesen Tagen, zunächst genauso wenig Ahnung wie vom Betreiben eines Geschäfts – die beiden hatten zuvor den Rip-Off-Laden betrieben, Ausgangsbasis der Hamburger Punkszene. Sie hatten eigentlich „nur die vage Vorstellung, dass man Bänder mit Musik brauchte, aus denen dann Platten wurden“ (S. 138). Und so starteten sie einfach, denn: „Das Schallplattenmachen ähnelte dem Drogennehmen in den späten Sechzigern: Es gab kaum Erfahrungswerte, man musste alles selber ausprobieren.“ (ebd.) ... Dazwischen, davor und danach liefen Hilsberg so ziemlich alle Menschen irgendwann mal über den Weg, die in den Achtzigern und Neunzigern eine große oder kleine Rolle im internationalen Musik-Underground spielten. Das Buch ist somit auch eine Schatzkiste an Anekdoten und Geschichten über bekannte und auch weniger bekannte Figuren aus Punk und dem, was dann irgendwann Independent-Musik genannt wurde. Der Autor der vorliegenden Biographie führte viele Interviews und Gespräche, aus denen ausführlich zitiert wird. Also noch ein Namedropping: zu Wort kommen in dem Buch unter vielen vielen anderen Rocko Schamoni, Felix Kubin, Diederich Diederichsen, Knarf Rellöm, Rummelsnuff, Peter Hein, Jochen Diestelmeyer, Bernadette La Hengst, Ted Gaier, Thomas Meinecke, Blixa Bargeld undsoweiterundsofort. ...
http://lowerclassmag.com/2016/05/selber-ausprobieren/

Christof Meueler: Das ZickZackPrinzip. Alfred Hilsberg – Ein Leben für den Underground. Wilhelm Heyne Verlag München 2016. 384 Seiten

https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Hilsberg

"Neue Deutsche Welle - Aus grauer Städte Mauern"  Alfred Hilsberg (SoundS 10/79)
http://www.highdive.de/over/sounds3.htm

"Alfred Hilsberg und sein Leben Im Paradies der Unangepassten" Gerrit Bartels (22.04.2016)
Das eigene Ding machen: Christof Meueler erzählt in "Das ZickZack-Prinzip" das Leben des Underground-Papstes und Labelmachers Alfred Hilsberg.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/alfred-hilsberg-und-sein-leben-im-paradies-der-unangepassten/13483992.html


"Alfred Hilsberg: "Niemand legte Wert auf Hi-Fi-Sound"" Interview: Oskar Piegsa (22. Januar 2016 DIE ZEIT Nr. 4/2016, 21. Januar 2016)
Er liebt Punk und hasst die Neue Deutsche Welle, obwohl er als ihr Schöpfer gilt: Gespräch mit Alfred Hilsberg, dem Förderer Hamburger Pop-Legenden.
http://www.zeit.de/2016/04/alfred-hilsberg-musikjournalist-zickzack-label-punk-neue-deutsche-welle


LiteraturClips: Matthias Hagedorn (10. Dezember 1991)
Viel wurde über Popliteratur geschrieben. Ein weithin unbeachteter Aspekt ist dabei, daß maßgebliche Impulse für die Entstehung einer Popliteratur vom Rheinland ausgingen. Am Anfang standen die Autoren und Übersetzer Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla, die ab Mitte der 1960er Jahre in Köln lebten und von hier aus der amerikanischen Beat- und Untergrund-Literatur deutschlandweite Aufmerksamkeit verschafften. ...
http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=25399
« Last Edit: September 03, 2016, 11:42:48 AM by Link »

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Pop Diskurs / Kulturtheorie (Diedrich Diederichsen, etc.)...
« Reply #5 on: September 03, 2016, 11:30:36 AM »
"Sampeln des Subjekts" Georg Seeßlen (19.08.2016)
Pop – Ein Panorama der Gegenwart Jens Balzer Rowohlt Berlin, 256 S ... Man kann Pop als Kunst beschreiben, als soziales Schmiermittel, als Ersatzreligion, als industrielle Verblendung, als Ausdruck politischer Ökonomie, als Subversionsmedium, als Waffe im Klassenkampf, als Technik der Persönlichkeitsbildung, als Meer der Banalität mit wunderbaren Inseln der Bedeutung. Aber all das hat eine direkte Beziehung zum wirklichen Leben der Leute, die Radio hören, Youtube-Clips ansehen oder in die Konzerte gehen. Pop ist die Antwort auf das, was mit dem Subjekt unter den jeweiligen Bedingungen passiert. Balzer beschreibt, was im Echoraum des Pop mit dem Subjekt im digitalen Neoliberalismus geschieht, wie es zerbricht und wieder zusammengesetzt wird, wie Musik wiederum eingebaut wird ins Subjekt, das mit den Widersprüchen seiner Bedingungen fertigwerden muss, mit dem gender trouble, der Frage nach Macht und Unterwerfung, nach Autonomie und Selbstbestimmung. ... Balzers Buch ... macht auf einen Zusammenhang zwischen Musik und Politik aufmerksam, der über Texte und Interviews weit hinausgeht. Wenn Pop dabei hilft, das digitalkapitalistisch zerbrochene Subjekt wieder zusammenzufügen, mit unterschiedlichen Naht- und Rissstellen, unterschiedlichen Anteilen von Lust und Schmerz, Bewusstsein und Dröhnung, dann gilt das Gleiche eben auch für ein politisches Subjekt. Und so erklärt sich auch der Untertitel des Buchs: „ein Panorama der Gegenwart“. Es geht nicht nur um einen panoramatischen Blick auf das Pop-Geschehen. Es zeigt auch, wie Pop die Gegenwart panoramatisch sieht. Man muss sich nur, vielleicht unter der kundigen Führung eines Autors wie Jens Balzer, auf diesen Blick einlassen. ...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/sampeln-des-subjekts

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Richard Zietz 19.08.2016 | 09:39

»Was in den Mainstreamzyklen ›nicht mehr geht‹, wandert eben in Nischen ab.«

Die wellenweise vonstatten gehende Sich-Selbst-Historisierung von Popmusik wird von Pop-Autor(innen) überraschenderweise sehr wenig thematisiert. Forever Young – schön, jung und hungrig nach Erfolg – ist in der Popmusik zwar Grundregel Nummer eins. Die Tatsache jedoch, dass das Metier – nach Swing, Rock’n’Roll, Punk, Metal, Hip Hop, Hamburger Schule und Post-was-auch-immer – nunmehr fast ein Jahrhundert auf dem Buckel hat, wird speziell von der Poptheoretiker-Fraktion aus der SPEX-Schule gern auf **Ignore** gesetzt. Wobei man – meine Position zu der Chose – das Phänomen nicht wirklich versteht, wenn man außer Acht läßt, dass sich komplette Generationskohorten Schub um Schub in ihre jeweiligen Retro-Schleifen verabschieden: die gute-alte-Rockmusik-Cloud, die Cloud der Jazzfans, die Metal-Cloud, die Punk-Cloud, die Schlager-Cloud, und so weiter.

...


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Ehemaliger Nutzer 19.08.2016 | 09:53

Pop war der Trauermarsch des Kapitalismus - er war sein Instrument, die Melodien des grenzenlosen Mehrs mit Fernschallübertragern in alle Welt zu spielen. Klingende Botschaft sendet, Volk empfängt - das Populäre der Pop-Musik ist ohne Wagner unerklärbar. Das Phänomen elektrisch betriebener Wiedergabegeräte, die in den Nachkriegsjahren großen Anklang fanden, ging mit der Kultur der Industrie einher, wie die Industrialisierung der Kultur. Ein Massenphänomen. Der Soundtrack der Gier, der Takt der Maschinen klopfte sich seit den 1970ern zunehmend in den öffentlichen Schallraum. ...

... Freies "Musizieren", ein (Instrumenten-)Spiel in Freiräumen, eine Kultur, die sich singen, lachen und tanzen auch außerhalb planmäßig organisierter Veranstaltungen ohne direkte Zweckbindung zu veranstalten erlaubte, ist nicht erwünscht. Dafür gibt es Pop-Prothesen, die rund um die Uhr die Massen massieren, damit die Masse die Uhr umrundet. Ohne impliziten Vermarktungsdruck, Konkurrenzzwang oder unmusikalische Motive könnte sich die Stimmung entwickeln, den Rechner auszuschalten, innezuhalten und sich in aller Stille daran zu erinnern, worum es ging. Um Stimmung, Stimmungen und Verstimmungen - MUSIK.

... Wer die Stimmungen noch wahrzunehmen imstande ist, sieht das Verbrechen, das darin besteht, Musiker durch struktullere Gewalt faktisch zu verfolgen. Der Mord an der Kultur war schon einmal der Beginn dunkelster Zeiten. Daher kann der Grad an Perversion der Kulturindustrie als verlässlicher Indikator dienen, daß eine Kultur der Musikfeindlichkeit eine Kultur der Menschenfeindlichkeit ist, wie sie z.B. die Verwertungsgesellschaften (sic!) wünschen. Musikverwertung ist Menschenverwertung. Aber vielleicht ist es auch nur harmlose Pop-Musik.

...


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schna´sel 19.08.2016 | 13:50

»Dies ist ein weiteres Merkmal von Balzers Buch: Es macht auf einen Zusammenhang zwischen Musik und Politik aufmerksam, der über Texte und Interviews weit hinausgeht. Wenn Pop dabei hilft, das digitalkapitalistisch zerbrochene Subjekt wieder zusammenzufügen, mit unterschiedlichen Naht- und Rissstellen, unterschiedlichen Anteilen von Lust und Schmerz, Bewusstsein und Dröhnung, dann gilt das Gleiche eben auch für ein politisches Subjekt.«

... Wird das »digitalkapitalistisch zerbrochene Subjekt« durch den Pop wieder zusammengefügt? Ausgerechnet durch den Pop möchte man sagen, der ja inzwischen alles ist. Sport, Politik, Kohle, Lifestyle: »Die Erde ist ein Paradies mit Afri Cola.« https://www.youtube.com/watch?v=1HHlbvVjEjA (Sexy Mini Super Flower pop-op Cola - alles ist in Afri Cola)

... der Schluss, den zumindest Georg Seeßlen zieht, ist in meinen Augen eher eine der letzten populären Illusionen, die der Autor hoch halten will. Ich denke, weil es ihm um die Botschaft geht, im Pop Heilung für das zerrissene politische Subjekt zu finden - eine Idee, die auch den alten Vorstellungen und Konzepten des Pop entsprach.

Ich finde das schon dewegen bedenklich, weil das Politische selbst schon längst Teil der Popkultur geworden ist. Politiker, Parteien, selbst parlamentarische Institutionen - alle die sich nicht an die Regeln der Unterhaltungsindustrie halten, sind genau so schnell weg vom Fenster, wie ein Hit, dessen Interpret nicht mehr den Erwartungen entspricht, die die Fans auf ihn projizieren. Weder steht der Pop auf einer anderen Seite als das Politische, auf einer medizinischen sozusagen, oder sogar der ärztlichen Seite, noch unterscheidet sich das Politische vom Pop darin, dass es konkret immer weniger um authentische Inhalte, echte Heilsbotschaften, oder eine gemeinsame Identität aller wählenden Bürger, die es mit dem Menschlich Sein die es ernst meinen geht, sondern um den Konsum dieser Vorstellungen als Produkt, als eine Ware. Ich halte das, was ich in dieser Rezension lese also eher für eine Wunschvorstellung. Und für Schönfärberei, soweit diese von einer Realität ausgeht, die das »digitalkapitalistisch zerbrochene Subjekt« durch den Pop wieder, ich würde sagen: gesundbeten möchte.

Im Gegenteil behaupte ich: Weil alles Pop geworden ist, Pussy Riot ebenso wie Jean Claude Juncker, Wacken ebenso wie die Formel 1, spiegeln sowohl die Politik, als auch das, was man früher mit Pop bezeichnet hat, nur die gleiche Zerrissenheit und den gleichen Impetus, der das Heil, das "Ganz Sein" nicht mehr in der Universalität des Menschlichen, des Lebendigen sondern in immer kleineren disparaten Einheiten sucht. Was sich heute in den nationalistischen und separatistischen Tendenzen genau so ausdrückt wie in den oben beschriebenen Einheitsgefühlen, die ein identitärer Jünger irgendeiner Pop Ikone im Kreise seiner Mitapologeten durchaus empfinden mag.

Der hier ausgerufene Pop ist tot. Sein „Stirb und werde“ ist, wie gehabt, das Konzept der Dauerneuerfindung eigener Existenz vor dem Hintergrund des Nichts, das uns die Geistesgeschichte der letzten zwei Jahrhunderte hinterlassen hat. Er ist in dem Sinne das, was die Gegenwartskultur zeitgemäßer Produkte ausmacht. Sport, - aktuell die Olympiade, Weltmeisterschaften, mediale Öffentlichkeit. Das ist OK, aber als politisches oder als Argument für eine gesellschaftliche Befreiung taugt er m. E. nicht mehr.


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Richard Zietz 19.08.2016 | 14:58
@schna´sel

Sie und andere oben machen es sich – wieder einmal – schön bildungsbürgerlich und überfliegerhaft leicht: ein bißchen Adorno, ein bißchen Spengler, ein Schuß Nietzsche darüber und ein paar Einheiten FDJ-Schulung Marke Walter Ulbricht darüber mit der Erkenntnis, dass Beatmusik eine gefährliche Propagandawaffe der Imperialisten ist – und schon ist sie fertig, die fundamentale Pop-Kritik.

Das Problem ist nur: Die wenigsten hören (und hörten) ausschließlich Busch, Degenhardt-Lieder oder als Kunst beglaubigte Hörwerke moderner E-Komponisten. Gut, kann man beklagen. Umgekehrt konsumieren – oder rezipieren – die meisten Menschen irgendwelche Werke der Popkultur (zugegeben: im Landesinneren von Borneo vielleicht noch nicht – aber sind diese Refugien steinzeitlicher Lebensarten ein Vorbild?). Wie wird der Sozialismus funktionieren (falls er denn kommt)? Wohl kaum in der Form, dass irgendwelche Überflieger-»Linken« (egal, ob via Adorno oder via Hamburger-Diskurspop-Schule wie der besprochene Autor) in die Schulen, die Betriebe und Wohnungen gehen hin zu dem Heavy-Metal-Fan, Punk oder Mainstream-Verkonsumierer hingehen. Und diese von ihrem »falschen Weg« wegbekehren hin zu einem irgendgearteten Kultur-Erziehungsideal. Ob das die Gulag-Variante ist (in der beispielsweise auch die Criminal Songs der russischen Unterschicht verboten waren) oder die Eliten-Geschmacksdiktatur-Variante (eventuell mit fortschrittlich-erzieherischem Impetus), ist dabei gleich: Die derart Gegängelten werden auf ein derartiges System – zu Recht – eine Mords-Wut entwickeln und es über kurz oder lang nach Kräften unterminieren.

Darüber hinaus ist die Aussage, Popkultur verkleistere die Gehirne der Massen, halte sie nur vom Wesentlichen ab und so weiter, lediglich die eine Hälfte der Medaille. Ebenso jedoch funktioniert Popkultur als Überlebenshilfe – im wörtlichen Sinn (wenn die Wände auf einen zuzufallen drohen) ebenso wie bei der Formulierung von Differenz oder auch Protest. Udo Lindenberg und Wolfgang Niedecken mögen vielleicht mitgeholfen haben, den Regime Change in der DDR möglich zu machen. Gleichzeitig haben Ton Steine Scherben maßgeblich daran mitgewerkelt, den Protest gegen die bleiernen Verhältnisse in Deutschland/West mit auf den Weg zu bringen. Will heißen: Popkultur ist stets auch Aushandlungssache – ein schmaler Grat zwischen Anpassung und Auflehnung. In guten Momenten begnadet, in schlechten (wie beispielsweise der im Buch besprochenen Band frei.wild oder auch bei einer neuen Konsensfigur wie Helene Fischer) ein schlimme Trends mitbeförderndes Desaster.

Allein schon aus dem Grund – und weil der Sozialismus mit Aufhebung von Entfremdung pipapo sicher noch ein paar Jahrzehnte benötigt – ist es alles andere als egal, ob der Haupttrend in der Popmusik Helene Fischer heißt oder Die Toten Hosen.



Quote
Ehemaliger Nutzer 19.08.2016 | 16:48
@Richard Zietz

... "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum" meinte Nietzsche, aber auch mit Musik kann es heute ein Irrtum sein: Die Hymne der westlichen Wortegemeinschaft, die jedes Hören verlernt hat.

1945 war es dann aber auch in Deutschland schon unüberhörbar, wie andere Kulturen zur Beurteilung von Kunst stehen. Die Trennung in geartete Kunst, die existieren darf und entartete Kunst, die es zu vernichten gilt (vgl. E- und U-Musik..), war der Anfang vom Untergang.

...


Quote
schna´sel 20.08.2016 | 11:52
@Richard Zietz

»Sie und andere oben machen es sich – wieder einmal – schön bildungsbürgerlich und überfliegerhaft leicht: ein bißchen Adorno, ein bißchen Spengler, ein Schuß Nietzsche darüber und ein paar Einheiten FDJ-Schulung Marke Walter Ulbricht darüber mit der Erkenntnis, dass Beatmusik eine gefährliche Propagandawaffe der Imperialisten ist – und schon ist sie fertig, die fundamentale Pop-Kritik.«

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so ganz, worauf Sie hinaus wollen mit Ihrem Kommentar. Weder habe ich geschrieben, dass es mir egal sei, ob der "Haupttrend des Pop" Helene Fischer oder die Toten Hosen sind, noch habe ich mich über den politisch, pädagogischen Eros der Frankfurter Schule zugunsten der E-Musik und im Gegensatz zur Popkultur geäußert. Meine Sichtweise, soweit sie den Kommentar betrifft, auf den Sie sich beziehen, läuft darauf hinaus, dass ich an eine integrative Funktion des Pop, so wie sie der Autor beschwört, nicht mehr glauben kann.

Alles ist Pop in unserer vernetzten Welt. Und was nicht Pop ist, hat auch keine oder wenig Relevanz für die Öffentlichkeit. Und weil alles was Pop ist, in den Augen der Öffentlichkeit zunächst gleichberechtigt ist, kann von einer Integration des zerrissenen Subjekts m. E. auch keine Rede mehr sein. Höchstens für die, die es schaffen, sich durch den Pop Vorteile innerhalb unserer Hierarchien zu verschaffen. Ob das eine Befreiung ist, mag ich nicht endgültig entscheiden, möchte es aber für den Normalfall bezweifeln. Deswegen empfinde ich die Vorstellung, dass bestimmte Popderivate integrativer sein sollen als andere, die zudem die Massenkultur viel entscheidender prägen, einfach als völlig überholt. Und wenn Sie dann noch Adorno zitieren, meine ich: überholt auch gerade im Sinne dieser Kulturkritik. Wobei ich das relativieren muss, weil ich nicht so viel verstehe von der kritischen Theorie der Frankfurter Schule. Ich bin dennoch der Meinung: Das ist der Ansatz auch des aktuellen Artikels. Und wenn es sich jemand zu einfach macht, dann dieser Autor, indem er diese alte Ästhetik der Befreiung auf das überträgt, was heute Popkultur ist. Und indem er den Charakter, den die Popkultur inzwischen angenommen hat nicht sehen will.

Vor 40 Jahren wäre vermutlich niemand auf die Idee gekommen, Heino als Popmusik zu bezeichnen. (Bis auf die Plattenindustrie, die das damals schon wusste) Und wenn, dann hätte man ihn mit so einer Aussage nicht ernst genommen und darauf verwiesen, dass das Volksmusik sei. Aber wer wollte Heino den Status "Pop" heute noch ernsthaft streitig machen? Der Begriff von Pop, mit dem der Autor dieser Rezension arbeitet - über das Buch kann ich nichts sagen - ist überkommen und vereinfacht das Problem.

"Pop" zu sein ist allein kein Argument mehr, weswegen es um so wichtiger wäre, mit welchen Inhalten Pop gemacht wird. Aber das genau ist eben auch kein Kriterium mehr, angesichts der Tatsache dass es nur um die Nachfrage geht, die ein Popprodukt erzeugt. Das macht das Argument "Pop" in meinen Augen eher verdächtig, auch wenn ich prinzipiell nichts gegen Popkultur habe. Im Gegenteil würde ich sagen: ich habe ja auch nichts gegen meine Fernbedienung. Aber als Argument, das für einen qualitativen Unterschied zu irgendeiner anderen Ware steht, taugt der Begriff nicht mehr.

Und genau das war es auch schon, worum es mir ging.


Quote
Richard Zietz 20.08.2016 | 12:43
@schna´sel

Das ist großteils alles richtig, was Sie schreiben. Der etwas scharfe Ton meinerseits kam unter anderem deswegen ins Spiel, weil der Grundtenor der Kommentare hier doch der ist, Pop(ulär)kultur in Bausch und Bogen zu verdammen. Meine Ansicht dazu: Sieht man von der – nach wie vor existenten – Hochkultur der gesellschaftlichen Eliten ab (Klassik inklusive exkludierendem Do-and-Dont-Kanon), ist Popkultur die einzige noch existente. Einerseits hat sie den (in meinen Augen durchaus zu begrüßenden) Vorteil, dass sie die noch bestehenden ruralen Inseln in die weltweite Popkultur mit integriert – mit der Folge, dass heute auch kolumbianischer Cumba und russischer Folk selbstverständlich (auch) »Pop« ist. Darüber hinaus hat sie eine klar eine an den einfachen Massen orientierte Stoßrichtung und ist somit somit ebenso eindeutig anti-elitär.

Meines Erachtens markieren diese beiden Punkte – globalisierend und anti-elitär – den Verhandlungsspielraum, den Popmusik (oder Filme, Bücher, Theaterstücke) augenblicklich zur Verfügung stellt. Folge: Popmusik kann reaktionär sein (wie beispielsweise die agressive Heimattümelei von Bands wie frei.wild). Sie kann rein dem Einlullen und Zerstreuen dienen, ein anspruchsvoll-unterhaltendes Segment bedienen (ähnlich beispielsweise wie Unterhaltungsfilme der gehobenen Art), kritisch sein, sich bewußt für irgendeine Art von Underground entscheiden oder irgendeine Position dazwischen einnehmen (wie beispielsweise Helene Fischer, die zwar erstrangig rein unterhaltend-zersteuend ist, andererseits jedoch reaktionäre Klitschees mit bedient).

Ohne diesen historisch-sozialwissenschaftlichen Blick kommt man – so jedenfalls meine Sicht – weder dem Phänomen Popkultur bei noch generell den Motivationen, warum bestimmte Menschen bestimmte Kulturformen präferieren. Die Richtung, für die Artikelautor Georg Seeßlen steht, ist mir persönlich letztlich zu elitär, zu geschmacksdiktatorisch intendiert. Überspitzt formuliert: Ich möchte keine SPEX als Kultur-Wohlfahrtsausschuss, welcher den Menschen dann vorschreibt, was sie zu hören oder sonstwie zu konsumieren haben. Jedes Ding hat irgendwo seine Berechtigung – oder jedenfalls seinen Grund. Um abschließend zur politischen Ebene aufzuschließen: An letzteren gilt es so auch anzusetzen – nicht an dem, was die Leute hören oder sich etwa im TV ansehen.


Quote
Charlie Schulze 20.08.2016 | 14:51
@Richard Zietz

Danke auch Ihnen für die gesammelten Einwände und Ausführungen: Alles sehr richtig und bedenkenswert...

Ich möchte keine SPEX als Kultur-Wohlfahrtsausschuss, welcher den Menschen dann vorschreibt, was sie zu hören oder sonstwie zu konsumieren haben.

Ich nämlich auch nicht... Aber sämtliche Versuche der kulturellen Einhegung können ihrerseits Anlaß für popkulturelle Aktivitäten dagegen sein: Jedes Mal, wenn ein Avangardist verspießert, wird irgenwo ein Punk geboren.

« Last Edit: September 03, 2016, 11:35:43 AM by Link »

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Pop Diskurs / Kulturtheorie ...
« Reply #6 on: September 26, 2016, 08:48:48 PM »
"Jan Delay über den Zusammenhang von Musik und Politik" (Video)
Am 1. März 2016 gepostet von Christian Wickert
Die Wochenzeitschrift Die Zeit feierte Ende Februar ihr 70-jähriges Bestehen mit einer Langen Nacht der Zeit. Persönlichkeiten aus Politik und Kultur stellten sich an verschiedenen Veranstaltungsorten in Hamburg den Fragen von Zeit-Redakteuren.
Der Hamburger Musiker und Rapper Jan Delay äußert sich in einem sehr unterhaltsamen Interview zu seinem Auftritt in der Hamburger Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis, zum Zusammenhang zwischen Musik und Politik, dem Umgang mit Kritik, linker Politik und Kapitalismuskritik, Style und Stil, dem Umgang mit Kritik und dem Spagat zwischen Familien- und Künstlerleben. ...
http://criminologia.de/2016/03/jan-delay-ueber-den-zusammenhang-von-musik-und-politik/

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Gerrit Meijer, Berlin, Punk, PVC (ISBN 978-3-355-01849-4)
Westberlin, 1977. Kein Drummer in Sicht, der Probenraum steht unter Wasser – doch PVC wollen nur eins: auf die Bühne! Und plötzlich gibt es Punk aus Deutschland. Ihre Songs »Wall City Rock« und »Berlin By Night« prägen die gesamte Szene. Der Absturz folgt prompt, aber Gerrit Meijer bleibt: unangepasst, musikalisch getrieben, mit dem Finger auf der Wunde des Mainstream. Seine Erinnerungen entführen in die wilde Zeit einer rebellierenden Generation … Er erzählt von den ersten Gigs mit Iggy Pop, dem On and Off der Punkszene, der Liaison mit Bela B Ende der 80er, dem Aids-Tod von Gründungsmitglied Knut Schaller. Meijer geht es um Haltung, Kreativität und ein einzigartiges Lebensgefühl, das in jeder Zeile mitschwingt. // Gerrit Meijer, geboren 1947, macht neben seinen bürgerlichen Broterwerbsberufen als Maschinenschlosser, Gartenbauer, Lagerarbeiter und Kleindarsteller seit 1965 Musik, unter anderem mit der Beat-Band The Voodoos. 1977 gründete er Westberlins erste Punkband PVC mit. Es folgten weitere Bandprojekte sowie zwei Comebacks mit PVC 1988 und 2006. Er verstarb 2017 in Berlin.
http://www.eulenspiegel.com/verlage/neues-leben/titel/berlin-punk-pvc.html

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Diedrich Diederichsen über Massenkultur: „Der feine Mann schlägt ins Gesicht“ Julian Weber (6.10. 2017)
Ein Gespräch mit dem Kunstprofessor über die Trennung von E- und U-Kultur, Klaus Kinski, Trump und die Reservate des Herrenmenschentums.
Die sehr aufgeladene Frage, ob es sich beim Ende von High und Low um ein Gefressenwerden des Highen durch die Kulturindustrie oder um eine demokratische Befreiung handelt, wollte ich versachlichen. Wenn Kunst nicht mehr als Bildungskultur erlernt und vererbt wird, noch als Volkskultur weitergegeben wird, sondern stattdessen technisch herbeigezaubert werden kann, ändert sich alles. Es gibt ganz neue Zugänge und andere Parameter, die entscheiden, was gelungen ist.
http://www.taz.de/Diedrich-Diederichsen-ueber-Massenkultur/!5452094/
« Last Edit: October 07, 2017, 09:35:10 PM by Link »

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Pop Diskurs / Kulturtheorie (Diedrich Diederichsen, etc.)...
« Reply #7 on: May 21, 2018, 02:05:18 PM »
Quote
[...] Einst transportierte Pop Freiheitsversprechen. Die Musik sollte einen wegführen vom Starren und Begrenzten, hin zum Offenen. Bob Dylan, später dann Punk und, partiell, selbst noch Techno: Immer wurde behauptet, dass ein gutes, freies Leben möglich ist - als radikaler Eigensinn, als Negation, als weltverliebter Hedonismus. Misst man Pop nach wie vor an diesen Versprechen, zeugt der Erfolg von konservativen und rechten Pop-Ästhetiken, den der Kulturpublizist Georg Seeßlen in seinem neuen Buch "Is this the End" konstatiert, von einem großen Verlust.

Es sei nicht weniger als "eine Art Endkampf um die Hegemonie im Pop" entbrannt, schreibt Seeßlen. Gegeneinander treten an: die utopischen Restbestände, der Pop der neuen Rechten und der "Pop eines Mainstream, der mit Gewalt zur Indifferenz drängt und schon jetzt von nichts gewusst haben wird" - Letzterer wird in "Is this the End?" vor allem verkörpert durch Helene Fischer, neben dem Philosophen Antonio Gramsci die am häufigsten erwähnte Person dieses Buchs. Ein Lied wie "Atemlos" enthält laut Seeßlen kein Versprechen auf ein besseres Leben mehr, sondern erzählt davon, dass "man zugleich erotisch-abenteuerlich und bürgerlich-kontrolliert ('angepasst') sein kann".

Die Passagen, in denen Seeßlen den zunehmenden Erfolg einer rechten Pop-Ästhetik theoretisiert, gehören zu den klärendsten des Buches. Rechts heißt hier nicht "rechte Parolen" - sondern zuerst nur die komplett humorbefreite Feier des Bestehenden, die sich im Einklang mit der Herrschaft weiß.

Die zentralen Charakteristika des Pop werden in diesem Sinne besetzt und verwandelt. Das Versprechen auf Freiheit und Ungebundenheit scheint nicht mehr allzu glaubwürdig zu sein. In die Leerstelle rückt beispielsweise das Versprechen auf eine widerspruchsfreie nationale Identität. "Dass sich eine Gruppe wie Frei.Wild schon im Namen gleich zwei Begriffe unter den Nagel reißt, mit denen Rock'n'Roll einst magisch verbunden war, und dass sie diese Verbindung dann noch in einen heimatlich-völkischen Kontext rückt, könnte man als semantische Meisterleistung betrachten", schreibt Seeßlen. "Oder als Höhepunkt allgemeiner Verblödung, wie man es nimmt."

Der Erfolg von Frei.Wild hat ein Lebensgefühl zur Voraussetzung, das von der eigenen gefühlten Gängelung zehrt. Starre Identität als Antwort auf - na ja, auf was auch immer. Man weiß nicht so recht, worunter genau diese Leute leiden und ob überhaupt. Laut Seeßlen wiederum ist das Erstarken der Rechten das Symptom, der Neoliberalismus gleichsam der Endgegner - als die Form des Kapitalismus, die immer mehr Menschen in ständiger Unsicherheit hält und sie bis ins Innerste zu marktförmigen Subjekten formen möchte, statt nur schlicht ihre Arbeitskraft auszubeuten.

Zum Prekariat gehört nach Seeßlen in ökonomischer Hinsicht dann der freischaffende Popkritiker genauso wie die Bäckereiverkäuferin. Kulturell getrennt blieben sie, obwohl sie materiell in einer ähnlichen Lage sind. Unter anderem weil die eine, zum Beispiel, Helene Fischer und der andere zum Beispiel Animal Collective hört.

Eine Fragmentierung, die Beherrschbarkeit schafft: Das Prekariat definiert Seeßlen als "Klasse ohne Klassenbewusstsein, ohne Klassenstolz, ohne Klassenorganisation", eine Ansammlung von Individuen, die sich über kulturelle Vorlieben definiert - "die Erfüllung der feuchten Träume von Neoliberalen und Rechtspopulisten gleichermaßen". Man kann das Prekariat wesentlich leichter ausbeuten als Menschen, die sich miteinander über kulturelle Unterschiede hinweg solidarisieren.

So weit ist das alles nachvollziehbar. Nur wäre es erhellender, wenn diese Thesen argumentativ ausgeführt würden, anstatt vor allem gesetzt. Georg Seeßlen hat mit einer Vehemenz Sätze auf die Seiten gebrettert, die in der gern ironisch abgesicherten Popkritik nur selten zu finden ist. Die Familien heute sind "verunsicherte Scherbenhaufen", "wir amüsieren uns, indem wir die Welt töten", und in den "Bibi und Tina"-Filmen tropft "das Grauen der Indoktrination aus jeder Einstellung". Das erzeugt zuerst den Eindruck von Dringlichkeit, auf lange Strecke dann aber ein indifferentes Grundrauschen.

Einen ähnlichen Effekt kann die an manchen Stellen fehlende Sorgfalt haben, wenn es um Namen und Zitate geht. Beth Ditko heißt Beth Ditto, Yello Biafra nennt sich eigentlich Jello Biafra, und die Beatles wollten es "in the road" tun und nicht "on the streets". Wenn die Kleinigkeiten nicht stimmen, sind die großen Thesen vielleicht auch nicht durchgearbeitet.

Das mag stimmen, einerseits. Andererseits schreibt Seeßlen aber ohnehin in einer Weise, die gar nicht im engeren Sinne überzeugen will, sondern nach wirklicher Auseinandersetzung verlangt. Ein Angebot, Gedanken mitzudenken, die hier sozusagen ohne Geländer entfaltet werden. Verborgen hinter den kompromisslosen Sätzen wirkt eine Lust am dialektischen und das heißt hier eben auch am spielerischen Denken. Man läuft los, mit einem ganzen Ensemble von Widersprüchen im Gepäck, und schaut, wo man mit einer starken These ankommt, im besten Fall, ohne dass es sie aus der Kurve trägt.

"Is this the End?" ist so auch eine Aufforderung zur Repolitisierung des Nachdenkens über Popkultur. Ach, und zur Beantwortung der titelgebenden Frage: "Es gibt auch in der Popkultur und ihrer Geschichte keine Alternativlosigkeit", schreibt Seeßlen. Also nein: Das Ende ist noch nicht in Sicht.

Quote
mucki007 heute, 11:17 Uhr

2. Nervig

Genau solche Artikel und Meinungen sind es, die heutzutage den Menschen auf die Nerven gehen. Kann ich denn nicht einfach mal Musik hören, egal welche Richtung, ohne alles gesellschaftskritisch zu hinterfragen? Einfach in der heutigen Zeit Spaß an irgendwas haben, ohne sich Gedanken über political Korrektness machen ?


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Das dazu heute, 11:30 Uhr

3. Wie sieht es im Hirn eines solchen Menschen nur aus?
Solch schräge Theorien, Argumente und Meinungen. Der Hr. Seeßlen sollte mal zu einem Doc gehen, wenn er hinter allem und jedem den Klassenkampf und die Unterdrückung vermutet. Man kann über Helene Fischer streiten, ist auch nicht meine Musik. Aber das sie die Aufgabe habe, den Menschen Zuversicht zu geben, ist extrem steil. Musiker wollen meit mit ihrer Musik die Menschen unterhalten. Und Geld verdienen. Beides schafft die Fischer gut. Mehr da rein zu interpretieren, ist krank.


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markrenton heute, 12:10 Uhr
4. ... alles andere ist nur Pop
Vor Jahren hat der ZDF in seiner Sendereihe History eine interessante Doku über deutschen Schlager (ca 1900 - 2009) herausgebracht, die sehr anschaulich das Wechselspiel zwischen Gesellschaft und Musik illustrierte. Wenn man diese Dynamik mit berücksichtigt, wird einem schnell klar wie kurzsichtig die hier dargestellten Beobachtungen sind. Schlager- und Popmusik lebt von einer hohen Verbreitung und guten Verkaufszahlen (daher MusikINDUSTRIE) dadurch kann sie auch zu einem identifikationsstiftenden Mittel werden: Die Musik der 60er, 70er, 80er und 90er war hedonistischer und freiheitssuchender, da die Leute einen Kontrast zu den noch vorherrschenden bürgerlichen Konventionen und den Schrecken des Kalten Krieges gesucht haben. Parallel dazu kann man sich auch die erfolgreichen Filme aus diesen Jahren ansehen, die sich analog entwickelten. Seit dem 11. September ist die Stimmung im Westen umgeschlagen und zusammen mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, hat sich eine art Neo-Biedermeier entwickelt, wo sich ein Großteil der Bevölkerung nur noch Stabilität und Sicherheit wünscht. Siehe dazu die Renaissance der sogenannten preussischen Werte und Nostalgie nach den 80ern und 90ern. Hinzukommt, dass die Gesellschaft so wie die Eltern - die alten Rebellern der 60er, 70er und 80er Jahre, nur wenig Potential liefern, um sich dagegen aufzulehnen. Zu verständnisvoll. Da helfen nur noch griffe in deren Taboo-Kiste (Frei.Wild, Kollega... etc) Was Herr Seßleen geflissentlich übersieht ist die hoher diversifikation des Musikangebots: Noch nie war es so einfach eigene Musik zu veröffentlichen oder an unbekannte Künstler heranzukommen - Musik wird individueller und spezifischer. Das dies gegen den überholten Klassengedanken (Den Brecht'schen Arbeiter ist ein Fabeltier) von Herrn Seßleen geht, ist schade. Kurzum... Nein, es ist nicht das Ende. Nur eine Phase. Musik spiegelt die Gesellschaft und liefert wie der Tamborine Man nur das, was wir wollen:) Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, Auf jeden Winter folgt auch wieder ein Mai. Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, Erst geht der Hitler und dann auch die Partei.


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ericstrip heute, 12:29 Uhr

7.

... Subkulturen entstanden vor allem, um einen Halt in einer gleichgesinnten Gruppe zu finden und sich von den Eltern abzugrenzen. Es geht bei Musik um das persönliche Gefühlsmanagement, nicht um die Revolution.


...


Aus: "Eine Art Endkampf" Benjamin Moldenhauer (21.05.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/is-this-the-end-von-georg-seesslen-eine-art-endkampf-a-1205222.html

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Pop Diskurs / Kulturtheorie (Diedrich Diederichsen, etc.)...
« Reply #8 on: May 21, 2018, 02:16:16 PM »
Quote
[...] Spotifys Algorithmen suchen nur nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Und fachen damit einen Darwinismus an, bei dem sich durchsetzt, was bei möglichst vielen Leuten möglichst schnell zündet. In den allermeisten Fällen ist das seichte und freundliche Musik, die in jede Playlist passt.

Hören Sie sich zum Beweis einmal durch einige der erfolgreichsten Spotify-Editionen: "Chillout Lounge", "Entspannter Abend" oder "Zuhause"; allesamt freundlich-harmlose Blümchentapeten in Klangform.

...

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oli h heute, 08:56 Uhr

3. Nicht so neu
Mir hatte mal jemand, der in der Musikindustrie arbeitet, vor bestimmt 15 Jahren schon gesagt, dass bei einem "Pop-Hit" nach 30 Sekunden der Refrain gekommen sein muss, sonst heisst es umschreiben, da der Radiohörer andernfalls die Aufmerksamkeit verliert. Anspruchsvollere Musik war aber vor Spotify schon ein Nischenmarkt.


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Mareius heute, 09:20 Uhr

13. Konstruierter Unsinn.

Früher gab es Charts und Radio. Das ist echte Monokultur, seit Generationen gepflegt. Alles andere blieb nur gut vernetzen Menschen oder Menschen mit viel Zeit für Recherche zugänglich, also Eliten. Spotify bringt in jedes kleine Dorf einen perfekt ausgestattetes Musikgeschäft. Für wenig Geld kann man ALLES hören und entdecken. Viel einfacher als zuvor. Ein bisschen Eigeninteresse gehört aber schon noch dazu. Dumpfe Algorithmen, die sich zudem in der Entwicklung befinden, zu kritisieren ist nicht zielführend. Gegenthese: Spotify holt die kleinen Labels aus der Nische und Menschen die niemals komplexere Musik gehört hätten, sind nur einen Mausclick weit weg. Das führt dazu, dass das Publikum, was nun den Weg aus der Monokultur heraus findet, wächst. Kritisieren mag man evtl. die Marktmacht, aber das ist ein ganz anderes Thema, da die Dienste nur durch ein vielfältiges Angebot attraktiv sein können. Ich sehe deshalb keine Gefahr der Monokultur für den Nutzer. Und mit Apple und Amazon gibt es auch genug potente Mitbewerber um die Spannung hoch zu halten. Also ein hoch auf das bezahlbare Musikstreaming.


Quote
rstevens heute, 09:39 Uhr

21.

... Im Radio ist die Einschränkung noch deutlich krasser als bei Spotify. Im Radio wird ja gar nichts mehr gespielt, was irgendwie anecken könnte und Leute zum Umschalten bewegen könnte. Die wenigen Sendungen, die dazu eine Ausnahme bilden, laufen zu Randzeiten oder mitten in der Nacht.


Quote
andy2012 heute, 09:48 Uhr

25. Monokultur der Musik

Das ist ein wirklich komischer Beitrag. Ich muss jeden Tag Radio hören und was da gespielt wird ist Monokultur. Ein paar Lieder in einer Endlosschleife, egal bei welchem Radiosender. Bei Spotify habe ich Künstler gefunden von denen ich auf anderen weg wohl nie erfahren hätte und habe ein neuen Musikstil für mich entdeckt. Zugegeben ich habe mir noch nie die Standardplaylists angeschaut, aber warum sollte man das auch? Spotify bietet viel bessere Möglichkeiten Musik zu finden. Ich nutze Spotify täglich und muss sagen, seit dem habe ich noch nie soviel Musik von so unterschiedlichen Künstlern gehört. Vielleicht sollte der Autor dieses Beitrags mal ein bisschen weiter schauen, als nur die Spotify Startseite an zu schauen. Oder ist das ein Problem was man bekommt, wenn man das optimistischerweise als Musikgeschmack bezeichnete "Pop" hört?


Quote
id heute, 10:08 Uhr
34. So war das schon immer bei...
...bei Musik, Kunst, Kultur, wenn man tiefer in die Materie eintauchen will, dann muss man sich Zeit nehmen. Früher hat man sich 5-6 Platten gekauft und diese Stundenlang gehört, die Cover angeguckt und die Inlays gelesen. Man hat sich mehr mit Musik beschäftigt und ist dabei auf Dinge gestossen, die man vorher nicht entdeckt hat, aber trotzdem begeistern. Wenn man diese Zeit nicht hat oder nicht aufbringen will, dann bleibt einem nur das, was das Radio oder Spotify einem vorsetzt. Warum NIschenmusik ausstirbt, liegt nicht an Formaten wie Spotify (die bieten nur, was die Leute wollen) sondern am Konsumverhalten der Menschen. Wenn alles schnell gehen muss, muss man sich nicht wundern das nur noch gleichgeschalteter Müll bei rauskommt.


Quote
romeov heute, 10:28 Uhr

43. Die Werbung für die Playlists ist grauenhaft
Ich nutze Spotyfy meist am Samstagmorgen zum Frühstück und höre halt meine Funk und Soul Sachen. Die Werbeeinblendungen drehen mir aber jedesmal den Magen rum ...


...


Aus: "Wie Spotify Musik zur Monokultur macht" Dennis Pohl (21.05.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/musik/spotify-wie-der-streaming-gigant-musik-zur-monokultur-macht-a-1201972.html