Author Topic: Timothy Leary...  (Read 8954 times)

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Timothy Leary...
« on: October 17, 2012, 08:33:56 PM »
Timothy Francis Leary (* 22. Oktober 1920 in Springfield, Massachusetts; † 31. Mai 1996 in Beverly Hills) war ein US-amerikanischer Psychologe ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Timothy_Leary

Timothy Francis Leary (October 22, 1920 – May 31, 1996) was an American psychologist and writer, known for his advocacy of psychedelic drugs. During a time when drugs such as LSD and psilocybin were legal, Leary conducted experiments at Harvard University under the Harvard Psilocybin Project, resulting in the Concord Prison Experiment and the Marsh Chapel Experiment. Both studies produced useful data, but Leary and his associate Richard Alpert were fired from the university. ...
http://en.wikipedia.org/wiki/Timothy_Leary


Timothy Leary bibliography
http://en.wikipedia.org/wiki/Timothy_Leary_bibliography

http://en.wikiquote.org/wiki/Timothy_Leary


Category:Timothy Leary
http://en.wikipedia.org/wiki/Category:Timothy_Leary


"Turn on, tune in, drop out" is a counterculture phrase popularized by Timothy Leary in 1967. Leary spoke at the Human Be-In, a gathering of 30,000 hippies in Golden Gate Park in San Francisco and uttered the famous phrase, "Turn on, tune in, drop out". In a 1988 interview with Neil Strauss, Leary stated that slogan was "given to him" by Marshall McLuhan during a lunch in New York City. Leary added that McLuhan "was very much interested in ideas and marketing, and he started singing something like, 'Psychedelics hit the spot / Five hundred micrograms, that's a lot,' to the tune of a Pepsi commercial. ...
http://en.wikipedia.org/wiki/Turn_on,_tune_in,_drop_out


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Quote
  Politik der Ekstase Broschiert – 1970
Broschiert: 222 Seiten
Verlag: Hamburg, Wegner, (1970)
Sprache: Deutsch
ASIN: B0082IKMMS


Erste und wichtige Leary-Veröffentlichung Von Klaus Roth am 29. Mai 2014

Der Sammelband "Politik der Ekstase" ist meines Wissens nach die erste und älteste Publikation von Timothy Leary. Es handelt sich um eine Sammlung von Veröffentlichungen, die erschienen, nachdem Leary (1963) von der Universität Harvard entlassen wurde. In der Einleitung wird der Inhalt treffend zusammengefasst (Seite 7):

"(Das Buch ist) eine Sammlung von Vorträgen und Aufsäzten von Dr. Leary aus den Jahren 1963 bis 1968, enthält die wichtigsten grundlegendsten Textt, die zum Verständnis der psychedelischen Drogen und der psychedelischen Bewegung notwendig sind, verbunden mit provozierenden Hypothesen über die zukünftige Entwicklung unserer Gesellschaftsordnung und klaren Analysen der politischen, wissenschaftlichen, religiösen und philosophischen Problematik, die sich durch den sich immer weiter ausdehnenden Gebrauch diser Drogen ergeben hat."

Das das Buch in Deutschland 25 Jahre lang auf dem Index stand, ist für mich etwas befremdlich. Ich habe alle Bücher von Timothy Leary, die ins Deutsche übersetzt wurden. Und die "Politik der Ekstase" hebt sich in seiner Verherrlichung von Drogen und der Aufforderung zu dessen Gebrauch nicht von den übrigen Publikationen Learys ab. Das Problem der Indizierungsstelle bestand vermutlich darin, dass der Autor es hier besonders konzentriert tut und mit der Heranziehung von eigenen und anderen Studien recht handfeste Beweise liefert. Ich will mir nicht anmaßen beurteilen zu können, wie ungefährlich oder gar nützlich der Gebrauch von LSD bei sachgerechter Handhabung ist. Oder um wie viel geringer das Schadenspotential gegenüber legalen Drogen ist. Bei der Befassung mit dieser Thematik fand ich heraus, dass auch neuere Studien zum Ergebnis kamen, dass LSD vom Schadenspotential deutlich unter dem von Tabak und Alkohol liegt. Auch der Gebrauch in psychotherapeutischen Kontexten wird heute von mehreren Fachleuten als nützlich und hilfreich angesehen. Aus meiner Sicht wird sich der Einsatz von LSD in Therapien usw. in den nächsten Jahren ausdehnen und man wird dann froh sein, auf die Erfahrungen von Leary und seinen Kollegen zurückgreifen zu können.

Die "Politik der Ekstase" würde ich sehr stark in eine Reihe mit den Büchern "Psychedelische Erfahrungen" und "Psychedelische Gebete" stellen. Diese beiden anderen Publikationen handeln auch sehr stark von der richtigen Herstellung von Set (eigener Einstellung), Setting (Umgebung) und Dosierungen beim LSD-Konsum. Das Publikation "Psychedelische Erfahrungen" befasst sich mit den richtigen Bedingungen, während "Psychedelische Gebete" Texte enthält, die zum Lesen und Vorlesen während einer LSD-Session gedacht sind.

Auch wenn sich im rezensierten Sammelband schon viel davon abzeichnet, werden dort noch nicht die acht neuronalen Schaltkreise besprochen, die Timothy Leary in "Spiel des Lebens" und "Exo-Psychologie"/"Info-Psychologie" sehr ausführlich beschreibt.

Es ist einige Zeit her, als ich (2008/2009) den Großteil der Arbeiten Learys las. Entsprechend wenig präsent sind seine Publikationen in meinem Kopf. Da aber dennoch wenig Rezensionen zu den Texten Learys bestehen, möchte ich mich bemühen, dem geneigten Leser eine Orientierung zu geben. Die dünneren Heftchen "Das GeneRationen-Spiel", "Die Kriminalisierung des Natürlichen", "Höhere Intelligenz und Kreativität" und "Neurologic" möchte ich aufgrund ihres geringen Umfangs bewusst ausklammern. Genauso die weiter oben bereits eingeordneten Schriften, die ich allesamt für sehr lesenswert halte.

Tatsächlich und kräftig enttäuscht hat mich lediglich "Was will die Frau?", in der eine fiktive Handlung mit fiktiven Dialogen beschrieben wird. Es handelt sich um eine Art Roman, aber der Funke wollte dort einfach nicht auf mich überspringen. Die übrigen Schriften, die sich stärker auf (mehr oder weniger) Sachbuchebene mit Gesellschaft und Theorien befassen, haben es mir deutlich mehr angetan. Das einzige andere Learybuch, was auch mehr in Richtung Geschichte geht, ist "Neurocomic". Das ist kurz, kurzweilig und gut lesbar.

Das Buch "Denn sie wussten, was sie tun.", ist eine Autobiographie, mit der Timothy Leary seine Version seiner Lebensgeschichte beschreibt. Bei den letzten beiden Veröffentlichungen Learys "Chaos- und Cyberkultur" und "Timothy Learys Totenbuch" sprechen die Titel ziemlich für sich. "Chaos und Cyberkultur" ist wie die "Politik der Ekstase" ein Sammelband, der aber die zuletzt veröffentlichen Texte von Learys zusammenfasst. Dabei geht es stark um die damals aktuelle Situation und insbesondere technische Möglichkeiten. Im Totenbuch gibt sich der Autor nochmals ein letztes Mal einem Rückblick auf sein Leben hin.

Die einzige Veröffentlichung, die es ansonsten noch gab und die ins deutsche übersetzt wurde ist "Intelligenz-Agenten". Dabei handelt es sich um eine Reihe von Texten, die im Gegensatz zu den anderen Büchern relativ gut bebildert sind. Mehr fällt mir dazu leider nicht mehr dazu ein. Ich werde an den entsprechenden Stellen zu den anderen Publikationen Rezensionen schreiben, wenn ich eines der Learybücher wieder in ausreichendem Maße zur Hand genommen habe.

Von der Politik der Ekstase habe ich die Ausgabe der "Volksverlag", die etwas mehr als 350 Seiten hat. Ob es einen Unterschied zur Auflage von "Wegner" gibt, kann ich leider nicht sagen. Die Texte sind leider weder chronologisch und thematisch irgendwie geordnet oder mit sie verbindenden Kommentaren versehen (Wie das in manchen Sammelbänden geschieht). Oftmals findet sich zum Eingang eines Textes keinerlei Hinweis, ob und wenn ja wo und wann der Text schonmals veröffentlicht wurde.



http://www.amazon.de/Politik-Ekstase-Timothy-Leary/dp/B0082IKMMS

« Last Edit: July 12, 2015, 10:01:25 PM by Link »

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Timothy Leary...
« Reply #1 on: October 17, 2012, 09:50:40 PM »
Diese Seiten sind zum Gedenken an den LSD-Rebellen Timothy Leary (1920-1996)
https://haschrebellen.de/timothy-leary


Welcome to Timothy Leary Archive: Videos
http://archive.org/details/Tim_Leary_Archive


Website, dedicated to the scientific and public activity of Dr. Timothy Leary. ...
http://www.leary.ru/english/


http://www.leary.com/


Category:Philosophers of mind
http://en.wikipedia.org/wiki/Category:Philosophers_of_mind


Category:Consciousness researchers and theorists
http://en.wikipedia.org/wiki/Category:Consciousness_researchers_and_theorists


Lords of The Revolution: Timothy Leary
Objective of the series was to showcase polarizing figures from the 60s/70s and show how they shaped the counterculture.
http://www.youtube.com/watch?v=FMVtajXsRPM

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Turn on, Tune in, Drop out! (Hans Cousto, 31.05.2016)
Erinnerungen an Timothy Leary
Zum zwanzigsten Todestag von Timothy Leary erschien sein lange vergriffenes Buch „Chaos & Cyber-Kultur“ neu als eBook.
https://blogs.taz.de/drogerie/2016/05/31/erinnerungen-an-timothy-leary/
« Last Edit: November 30, 2020, 11:44:54 AM by Link »

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« Reply #2 on: January 10, 2013, 08:50:23 PM »
Albert Hofmann & Timothy Leary - Part 1
ausgestrahlt circa 1991 auf dem Pay-TV-Sender Premiere...
http://www.youtube.com/watch?v=_wkt5n3X42U

Albert Hofmann & Timothy Leary - Part 2
http://www.youtube.com/watch?v=z1hGQ9ryPZQ

Robert Anton Wilson & Timothy Leary @ The Bridge Psychedelic Conference 1991
http://www.youtube.com/watch?v=-uHLy0q9kWA

Timothy Leary’s Transformation From Scientist to Psychedelic Celebrity
By Greg Miller, 10.01.2013
Timothy Leary’s life is now open to the public. The archives of the one-time Harvard psychologist who became an evangelist for the mind-expanding potential of hallucinogenic drugs in the 1960s have found a new home at the New York Public Library, which recently threw a party to celebrate their release. ...
http://www.wired.com/wiredscience/2013/10/timothy-leary-archives/

Timothy Leary -- The Man Who Turned On America
http://www.youtube.com/watch?v=U6jmGSS955g

Timothy Leary: Turn On, Tune In, Drop Out (1966) - Published on Feb 17, 2015
No music, just him speaking quietly. Of all of his audio releases, I consider this one to be the most controversial, most dangerous, and most straightforward speech on what his goal really was. This record is very different from the 1967 version which has the same title. The 1967 version is a guided tour of an LSD session. This record is simply a quiet speech by Timothy Leary with no music or effects. He talks about life at the Millbrook, NY estate, how it's a center for psychedelic research and basically what kind of stuff goes on there. He also talks about how LSD is a touchy subject for older people and authorities and so he speaks towards a younger generation. He talks about how drugs can be used as a tool and that he expects the upcoming generation to begin using these tools in a responsible and intelligent manner. Unlike many of his other recordings, this one really doesn't spend a lot of time trying to describe a psychedelic experience, if at all. It doesn't talk about migration, or cellular trips, or intelligence increase, or really anything he's talked about in his later writings and works. This is more of a personal, one-on-one type dialog directed towards young, open minds, with the intent of getting them to avoid the old establishment and to gently drop out of society and begin using drugs to expand their minds. After listening to this, I can see why Nixon named him "The Most Dangerous Man in America". Mostly because he is very convincing and what he is proposing is a giant blow to the establishment and great potential for upsetting society. Of course this was about 50 years ago, so we know how it all really ended-up playing out. For anyone who is a big fan of Timothy Leary's work, or just very curious about him, this is really good one to start with because it's easy to relate to without having had an actual LSD session yourself. This was recorded about 2 years after he and Richard Alpert (Ram Dass) wrote The Psychedelic Experience and in the same year (1966) that he wrote Psychedelic Prayers after the Tao Te Ching. Both this album and the Psychedelic Prayers book are examples of the rarest and most appreciated works of Timothy Leary, it really was the peak of his time.
https://www.youtube.com/watch?v=78WvMFKc4hM

« Last Edit: July 12, 2015, 10:14:34 PM by Link »

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Timothy Leary...
« Reply #3 on: February 22, 2017, 12:03:18 PM »

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Timothy Leary...
« Reply #4 on: July 09, 2019, 03:01:37 PM »
"„Das Licht”. Psyche­de­li­sche Lehr­stücke für die Gegen­wart" Jeannie Moser (Erstveröffentlichung: 23. Juni 2019)
T.C. Boyles LSD-Roman „Das Licht“ sagt mehr über unsere Gegenwart als über die 1960er-Jahre, in denen er spielt. Boyle entwirft ein scharf gestelltes Bild neurochemischer Optimierungstechniken, marktförmiger Leistungssteigerung, kommerzialisierter Selbst- und Sinnsuche und von Kreativität als gesellschaftlicher Ressource. ... [Jeannie Moser hat eine LSD-Biographie unter dem Titel "Psychotropen" publiziert. Sie forschte und lehrte an der Universität Wien und der TU Berlin. Aktuell arbeitet sie als wissenschaftliche Angestellte der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur an einer Literatur- und Wissensgeschichte des Misstrauens.] ... „The big, new, hot issue these days … is DRUGS. Have you been tuned in on the noise?” Der Lärm, von dem der berühmt-berüchtigte Drogen­apostel Timothy Leary hier in einem Brief schreibt, ist verklungen. Der Tumult ist Geschichte. Wie auch die Droge, die das Getöse vornehm­lich verur­sacht und jene Tage in psychedelisch-phosphoreszierende Farben getaucht hat, vermeint­lich Geschichte ist: Die Rede ist von der bahn­bre­chenden, der denk­wür­digen Droge LSD. Vor 80 Jahren wurde die Substanz synthe­ti­siert, vor 50 Jahren ihre turbu­lente Karriere in Forschung und Coun­ter­cul­ture legis­lativ zu abruptem Fall gebracht. Seit einiger Zeit aller­dings ist wieder ein leises Rumoren zu vernehmen und leuch­tende Bilder fallen ins Auge. Neuere Studien zeigen Brain­scans, die nun einen bioche­mi­schen Tumult visua­li­sieren: die Unord­nung nämlich, die die Erleuch­tungs­droge der Hippie-Jahre im Gehirn verur­sacht. Die Brain­scans sollen die Korre­la­tionen von LSD und neuro­naler Akti­vität zur Darstel­lung bringen und beob­achtbar machen, bei welchen Gefühlen und Gedanken bestimmte Hirn­areale beson­ders aktiv sind. Die Bilder begleiten Berichte über die Wieder­auf­nahme von Studien zum medizinisch-therapeutischen Einsatz bei Sucht, Depres­sion, Trauma oder Angst, die mit der Krimi­na­li­sie­rung und Ille­ga­li­sie­rung von LSD in den späten 1960er-Jahren abge­bro­chen worden waren. Oder sie flan­kieren Berichte zum LSD-Microdosing, das im Silicon Valley, wo schon in den 1960er-Jahren digi­tale und kultu­relle Revo­lu­tion inein­ander liefen, als Mittel zur Stei­ge­rung kogni­tiver Leis­tung und Krea­ti­vität gilt. Und schließ­lich steht Anfang 2019 ein LSD-Roman nur drei Wochen nach seinem Erscheinen auf der Spiegel-Best­sel­ler­liste: Das Licht von T.C. Boyle. ...
https://geschichtedergegenwart.ch/das-licht-psychedelische-lehrstuecke-fuer-die-gegenwart/

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Quote
[...] Boyle präpariert die drei Jahre 1962, 1963 und 1964, in denen mit Kennedys Ermordung die erste grundlegende Erschütterung des amerikanischen Selbstverständnisses nach 1945 liegt, aus Learys Lebenslauf heraus, der damals mit der Tätigkeit in Harvard seinen institutionellen Höhepunkt erlebte und später mit etlichen Verhaftungen eine ganze Serie von Tiefschlägen.  ...


Aus: "Sie schwören auf Sex, Drugs & Jazz" Andreas Platthaus (02.02.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/t-c-boyles-neuer-roman-das-licht-16014339-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_1

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Quote
[...] "Das Licht" ist ein Roman wie ein Rausch, ein famos nach allen Seiten ausuferndes Affentheater mit Menschen als Versuchspersonen – und LSD-Papst Leary mittendrin, der sich in Cambridge von Geisteszwergen umgeben fühlt, die sich wie zu Galileos Zeiten weigern, durch das Teleskop zu blicken, um neue Wege ins Innere abseits der Couch-Manie des österreichischen Psycho-Clowns zu erkunden.

"Das Licht" erzählt von den entscheidenden Jahren eines pharmazeutisch-psychedelischen Experiments, als Timothy Leary im mexikanischen Zihuatanejo und in Millbrook, US-Bundesstaat New York, einige Getreue um sich scharte, um mithilfe von LSD, Meskalin und Psilocybin in das Angesicht Gottes zu blicken. Als jeder mit jedem in der kleinen Kolonie ins Bett ging – weil es ohnehin in der Familie blieb. Als Menschen – Toxin in der Blutbahn und einen neuronalen Funkensturm im Kopf – mit geweiteten Pupillen an die Zimmerdecke starrten und "Das Licht! Das Licht" stammelten oder stundenlang den Putz beäugten, um dem Weiß an der Wand letzte Geheimnisse zu entlocken. Mit Lebensmittelfarbe wurde in der Wohngemeinschaft der Kartoffelbrei leuchtend grün eingefärbt, der Weißwein schwarz, der Kaffee rosarot koloriert, das Fleisch bananengelb glasiert.

Boyle, 70, ist ein Geschichte-Erzähler im besten Sinn. In seinen Romanen beschreibt er die absonderlichen Aggregatszustände der amerikanischen Historie – nicht als statisches Tableau, sondern, wie bereits der Märchen-Sammler Wilhelm Grimm wusste, als "Lehrstücke für die Gegenwart". Ein Lehrstück für die Buchbranche ist "Das Licht" schon jetzt: Der Roman erscheint diese Woche auf Deutsch – drei Monate vor der englischsprachigen Originalausgabe. Der Vorsprung erklärt sich unter anderem damit, dass in den USA der Buchfrühling tatsächlich im April beginnt – und nicht schon im Winter.

In "Das Licht" erzählt Boyle mit lässiger, jazziger Leichtigkeit von einer Zeit, in der man sich auf halluzinogener Abenteuerreise lustvoll den Gaukeleien des Gehirns hingab. Der Schriftsteller hütet sich vor retrospektiver Schlaumeierei und pseudoabgeklärter Billig-Ironie: Er lotet geschickt einen Echoraum der Geschichte aus, in dem bis heute relevante Fragen verhandelt wurden: Gemeinschaftsgefühl oder Egoismus? Treue oder Tabu? Schließlich: Wie gehen Politik und Privatleben zusammen?

Boyle, dem Großmeister kühner literarischer Bilder, dem Wortdrechsler und Metaphernschmied, kommen die galoppierenden Gemütszustände seiner von Hyperaufmerksamkeit geplagten Helden gerade recht. Ein Grinsen wird zum "Riss in der unteren Gesichtshälfte" und der Gesang einer Frau klingt nach einer "Überdosis Hustensaft mit Kodein". Dann wieder betritt ein Mann mit "einem Gesicht wie eine erhobene Axt" die Szenerie, während eine Frau unter LSD aussieht, "als hätte man sie aus einer Tube gedrückt". Boyle auf Poesie-Trip.

"Das Licht" setzt an einem historischen Wendepunkt ein. Besser wird es nicht werden. Nach der LSD-Achterbahnfahrt erscheinen die ersten Hippies am Horizont. In grellbunt bemalten Bussen, bewaffnet mit tibetanischen Räucherstäbchen, unter "All You Need Is Love"-Geheul.

Nur Fitz weiß nicht, wohin mit sich. Eine Schmeißfliege surrt während eines seiner Trips wütend gegen die Fensterscheibe, die zwischen ihr und der Eiablage steht. "Woher sollte dann die nächste Generation von Maden kommen?", rätselt Fitz. "War denn alles aus den Fugen?" Lang lebe der Exzess: "Für eine Weile war er die Fliege, und dann war er in der Fliege, ein Ei, das darauf wartete, in einem Haufen Scheiße heranzureifen."

T. C. Boyle: Das Licht. Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Hanser, 380 S.,


Aus: "Diagnose: Überdosis - T.C. Boyles "Das Licht"" Wolfgang Paterno (26.1.2019)
Quelle: https://www.profil.at/kultur/diagnose-ueberdosis-tc-boyle-das-licht-10615784

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Quote
[...] T.C. Boyle wählt jenen Umweg, den er schon im Roman „Dr. Sex“ über Alfred Kinsey einschlug: Und zeigt Leary im Spiegel der glänzenden Augen eines seiner Studenten, Fitz, sowie dessen Ehefrau Joanie. Mit ihrem Sohn leben die beiden in einer maroden Wohnung in Boston. Die ersten „Sessions“ führen sie hinaus aus dem engen, von Geldsorgen geplagten Alltag – und hinein in einen Rausch (zunächst mit Psilocybin), der ihnen den besten Sex ihres jungen Lebens schenkt. Im Dienste des Gruppenbewusstseins folgen sie ihrem Guru – „gepflegt, athletisch und mit dem breiten Grinsen, das sein Gesicht nie zu verlassen schien“ – erst nach Mexiko. Und später, nach Learys Rauswurf aus Harvard, in die gesponserte Villa: „Sie waren jetzt vereint in Körper und Geist, ja, so war es, sie brachen auf zu einem großen Abenteuer, und nichts konnte sie aufhalten.“

Boyle weiß, wie Drogen sich anfühlen, das hat er oft genug betont (und auch, dass heute das Schreiben sein einziges Rauschmittel ist). Die Schilderung der guten Trips scheinen so glaubwürdig wie farbenfroh, die miesen wirken vielleicht sogar noch selbsterlebter. Weit mehr als der Rausch aber interessiert Boyle die Dynamik der Gruppe. Was bedeutet es fürs eigene Leben, einem Guru zu folgen? So wandelt sich Joanie von einer Skeptikerin zur glühenden Anhängerin, aber nur so lange, bis Sohn Corey ins Spiel kommt: Dass der Teenager das Freie-Liebe-Prinzip mit der ebenfalls minderjährigen Nancy umsetzt, geht doch zu weit.

Überhaupt, die Liebe: Die schöne Idee von der Kollektivierung aller Leidenschaften endet dort, wo offenbar unausrottbare Besitzansprüche laut werden. Letztlich ist es die Sehnsucht nach Exklusivität, die sich – ohne zu viel verraten zu wollen – in ungeheuer bürgerlichen Eifersuchtsdramen Bahn bricht.

Die gut recherchierte, historisch-politisch fundierte Fiktion ist seit seinen erfolgreichen Anfängen eine Spezialität von T.C. Boyle – ob es um den Abenteurer Mungo Park in Afrika geht („Wassermusik“), um mexikanische Einwanderer („América“), um den Architekten Frank Lloyd Wright („Die Frauen“) oder den Kampf der Umweltschützer auf den Channel Islands vor Kalifornien („Wenn das Schlachten vorbei ist“). So unterschiedlich seine Themen sein mögen, ihr Kern lässt sich auf eine einzige, im bitterironischen Ton verkündete Wahrheit reduzieren: Der größte Feind des Menschen ist – er selbst.


Aus: "ROMAN: T.C. Boyle blickt in „Das Licht“ auf LSD-Guru Timothy Leary" Britta Heidemann (25.01.2019)
Quelle: https://www.wr.de/kultur/t-c-boyle-blickt-in-das-licht-auf-lsd-guru-timothy-leary-id216294655.html

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[...] Wegen seiner großen Fangemeinde in Deutschland stellte T.C. Boyle seinen neuen Roman nicht in den USA, sondern in Berlin vor. Es geht darin um Timothy Leary, der in den 60ern mittels LSD die Psychiatrie verändern wollte und dann zum Drogen-Guru wurde.

T.C. Boyle ist als dankbarer Autor nach Berlin gekommen. In Deutschland hat er eine große Fangemeinde, sie ist so groß, dass die Weltpremierenlesung seines neuen Romans in Berlin stattfindet, erst im Frühjahr erscheint "Das Licht" in seiner Heimat.

Boyle hat bewusst für diesen Abend kein wildes Outfit gewählt und auch seine Haare stehen ihm nicht mehr im Stile eines Punk zu Berge. Stattdessen nimmt er in einem schwarz-weiß-karierten Sakko Platz. Und er macht von Anfang an klar, dass es ihm mit seinem Buch nicht darum geht, möglichst wilde Geschichten über Drogenexperimente und exzessive Partys in den Sechzigerjahren zu erzählen.

Den Professor und Psychologen Timothy Leary, der in den frühen Sechzigerjahren an der Harvard Universität mit Drogen experimentierte und später LSD-Kommunen gründete, bescheinigt Boyle, damals eine große Entdeckung gemacht zu haben:

„Er war ein großer Charismatiker, er war brillant“, meint Boyle.

„Er entdeckte eine Droge, mit der er den ganzen Psychiatrie-Betrieb auf den Kopf stellen konnte. LSD war ein Schlüssel, um die Hierarchien zwischen dem Psychiater und seinem Patienten abzubauen. Leary sah die Zukunft in der partnerschaftlichen Beziehung zwischen Arzt und Patient, vereint im bewusstseinserweiternden LSD-Erlebnis. Aber schaut, was aus ihm geworden ist. Es wurde ein Krimineller aus ihm und dann ein Verrückter.“

Boyles Roman kreist um die Kultfigur Timothy Leary, doch die bleibt genau so unnahbar, wie man sich einen Guru vorstellt. Die LSD-Sessions und das Leben in den Kommunen werden aus der Sicht seines Gefolges beschrieben.

Ein junges Paar, er angehender Doktorand, sie die Frau an seiner Seite, die mit einem Bibliotheksjob ihren Mann finanziell unterstützt, erzählt eine Geschichte, die mit Aufbruch aus konventionellem Karrieredenken beginnt und mit dem Scheitern der Ehe endet.

Die Erlebnisse ihres ersten gemeinsamen Trips werden bei T.C. Boyles Lesung vom Schauspieler Florian Lukas auf Deutsch gelesen. Wie die Protagonisten seines Romans einem charismatischen Führer verfallen, wie sie einerseits in neue Bewusstseinssphären aufbrechen, aber sich auch in blinder Gefolgschaft ihres Gurus und dem Widerspruch zwischen Drogenkommune und Ego-Trip verlieren, genau das interessiert Boyle.

Und deshalb hat er sich die Anfangsjahre der psychedelischen Bewegung herausgepickt, eigentlich erst der Beginn einer spektakulären Reise, auf die sich dann Timothy Leary später noch begab. Als sein Wirken und seine Droge illegalisiert wurden, er im Knast landete, als Illegaler in Marokko, der Schweiz oder in Afghanistan untertauchte und später als exzentrischer Computer- und Internet-Begeisterter wieder auftauchte.

Es wäre ein Leichtes gewesen, Timothy Leary zu überzeichnen, ihn als Karikatur bloßzustellen. Doch Boyle, der als Erneuerer des historischen Romans gilt, fasziniert das Phänomen des charismatischen Führers und er hat solche Figuren der US-amerikanischen Geschichte bereits in anderen Romanen beschrieben – etwa den Cornflakes-Produzenten John Harvey Kellog oder den Sexualforscher Alfred Charles Kinsey.

Gegen Ende seiner Lesung weist Boyle darauf hin, dass jede Generation seine Verführer und seine Drogen hat. „Die Drogen unserer Zeit“, stellt Boyle nüchtern für sein Heimatland fest, „sind schmerzstillende Opiate, mit denen Menschen ihren harten Alltag vergessen machen.“


Aus: "T.C. Boyles neuer Roman „Das Licht“ Wie aus dem Charismatiker Leary ein Verrückter wurde" Steen Lorenzen (04.02.2019)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/t-c-boyles-neuer-roman-das-licht-wie-aus-dem-charismatiker.1013.de.html?dram:article_id=440169

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[...] Diese moralisch korrekte Geschichte hat man schon oft gelesen: Eine Generation will die Welt aus den Angeln heben und endet im Elend kaputter Ehen, entgleister Biografien und vernachlässigter Kinder. Die Überlebenden trollen sich geläutert zurück ins Körbchen. Der Roman, dessen große Stärke in der ausschweifenden historiografischen Rekonstruktion liegt, endet (ganz anders als Michael Pollans sehr viel neugierigeres Buch) mit der wenig überraschenden und absolut jugendfreien Pointe, dass solche Träume zu nichts führen.


Aus: "Die Jünger des LSD-Apostels"  Iris Radisch (6. Februar 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/2019/07/t-c-boyle-das-licht-drogenprofessor-rezension

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pizarro52 #2

Treffender Kommentar !
Boyle's Schreibstil ist zwar locker und flüssig, aber das war's dann auch schon.
Die zweifellos intensiven, aussergewöhnlichen Erfahrungen, die die LSD-Apostel machten, werden mit keiner Silbe erschlossen oder gar reflektiert. Der Roman liest sich so, als würde ein Wüstenbewohner bemüht, aber gelangweilt über die Unermesslichkeit des Meeres schreiben.
Fazit: Null Erkenntnisgewinn, dafür Langeweile wie aus einem Guss. Ein Buch für den hintersten Teil der Schublade, leider !


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56t-bird #6

Ich finde den nüchternen Stil hervorragend, die distanzierte Haltung von Boyle dankenswert. Anfang der 80er Jahre habe ich selbst als Student der Verhaltensbiologie Learys Behauptungen bzgl Bewusstseinerweiterung und psychiatrischen Anwendungen naiv unterstützt. Die neurochemische Modulation meines postpupertären Gehirns hatte wohl meinen Geist vernebelt, heute sehe ich das anders, ähnlich wie Boyle. In seinem Buch erschüttern die zynische Figur T Learys, seine Überheblichkeit der Wissenschaft gegenüber, und die naiven Jünger, deren Leben und Beruf schliesslich zerscherbeln. Der Erzähler beschreibt den Meccano mit dem genauen und untrüglichen Blick des Verhaltensforschers auf den Ameisenhaufen. Frau Radisch und andere (Thea Dorn im Lit Q) wünschen sich offenbar mehr Action beim Thema LSD. Könnte man fast ein bisschen postpubertär nennen, dies Bedürfnis.


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« Last Edit: July 22, 2019, 12:15:50 PM by Link »

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Timothy Leary...
« Reply #5 on: September 07, 2020, 03:01:12 PM »
For a fee of $25,000, paid by The Brotherhood of Eternal Love, the Weathermen smuggled Leary out of prison in a pickup truck driven by Clayton Van Lydegraf. ...
https://en.wikipedia.org/wiki/Timothy_Leary

https://en.wikipedia.org/wiki/Clayton_Van_Lydegraf

The Weather Underground Organization (WUO), commonly known as the Weather Underground, was a radical left militant organization active in the late 1960s and 1970s, founded on the Ann Arbor campus of the University of Michigan. It was originally called the Weathermen. The WUO organized in 1969 as a faction of Students for a Democratic Society (SDS)[2] largely composed of the national office leadership of SDS and their supporters. Beginning in 1974, the organization's express political goal was to create a revolutionary party to overthrow American imperialism. ...
https://en.wikipedia.org/wiki/Weather_Underground


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[...] Ob die Schweizer Behörden beide Augen zudrücken oder schlicht nicht wissen, mit wem sie es zu tun haben, bleibt ein Rätsel. Fakt ist, dass am 4. Mai 1971 am Flughafen Genf ein Mann unbehelligt einreist, dem mehr als ein zweifelhafter Ruf vorauseilt: Timothy Leary, «Hohepriester des LSD» («Washington Post»), Hippie-Guru und laut US-Präsident Nixon «einer der gefährlichsten Männer der Welt». Vor allem aber wird Leary international gesucht, weil er im Vorjahr aus einem kalifornischen Gefängnis geflohen ist.

Learys Biografie liest sich wie ein Abenteuerroman. 1920 in Massachusetts als Sohn eines alkoholsüchtigen Zahnarztes geboren, macht Timothy Leary eine beachtliche wissenschaftliche Karriere. Er doktoriert in Berkeley und lehrt in Harvard Psychologie. Dann kommt er in Kontakt mit mexikanischen Zauberpilzen und mit LSD und verschreibt sich Anfang der 1960er Jahre ganz der Erforschung psychedelischer Substanzen. Seine Drogenexperimente mit Studenten und Häftlingen sorgen indes bald für Empörung – und führen zu seiner Entfernung aus dem Universitätsbetrieb. Leary, selbsternannter «Alchimist des Geistes» und radikaler Verfechter eines «Rechts auf Rausch», verbreitet seine Botschaften fortan ausseruniversitär. Sein Bestseller «Die Politik der Ekstase» ist eine Lobpreisung des «Gehirnvitamins» LSD, das die «psychotische Kruste» der bürgerlichen Gesellschaft sprengen soll. Der weiss gewandete Charmeur und Scharlatan Leary, der die Jugend zum Musizieren und Meditieren sowie zu Gruppensex und Drogenkonsum animiert, wird zur Symbolfigur der amerikanischen Protestbewegung. Seine Mottos kennt jedes Blumenkind: «turn on, tune in, drop out» oder «the only hope is dope».

Doch seine Berühmtheit schützt ihn vor Strafe nicht – im Gegenteil: Wegen des Besitzes und Schmuggels kleiner Mengen Marihuana wird er 1969 zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Leary spricht von einem politischen Prozess und türmt mithilfe der linken Terrorgruppe «Weathermen» bei der ersten Gelegenheit aus dem Gefängnis. Mit seiner Ehefrau flüchtet er zunächst nach Algerien, wo sie Unterschlupf bei der Exil-Führungsclique der Black Panthers finden. Dann setzen sie sich auf Anraten seines internationalen Unterstützernetzwerks in die neutrale Schweiz ab.

In Genf wird das Ehepaar Leary von Michel Hauchard in Empfang genommen, einem französischen Playboy und dubiosen Waffenhändler. Dieser verspricht sich durch die Bekanntschaft mit dem schillernden Psychologen Vorteile und sorgt sogleich für allerlei Annehmlichkeiten: Er mietet für Leary ein Chalet in Villars-sur-Ollon, fährt ihn im Rolls-Royce umher, lädt zu illustren Abendgesellschaften. Doch Learys Luxusleben in der Schweiz bleibt nicht unbemerkt. Ende Juni 1971 informiert die amerikanische Botschaft in Bern das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement, dass sich der international zur Fahndung ausgeschriebene US-Bürger am Genfersee aufhalte. Die Polizei handelt nun blitzschnell, verhaftet Leary und steckt ihn in Lausanne in provisorische Auslieferungshaft, wo der Drogenprofessor ein Asylgesuch einreicht.

Der Fall sorgt international für Schlagzeilen. Amerikanische Literaten wie Arthur Miller und Allen Ginsberg fordern von Justizminister Ludwig von Moos politisches Asyl für ihren Kameraden. In der Schweiz formiert sich um den Volkskundler Sergius Golowin und den Künstler H. R. Giger die «Gruppe Aktion Asyl für Leary», die Tausende Unterschriften sammelt für eine Aufnahme des Amerikaners und gegen eine «Einmischung von fremden Richtern». An Kundgebungen in diversen Städten wird die «künstlerische und philosophische» Bedeutung Learys betont. Das bleibt nicht ohne Widerspruch. In der «Tat» liest man etwa: «Wir haben weiss Gott genug Ärger mit dem Alkohol und dem Rauchen und brauchen gewiss nicht einen Rauschgiftprofessor in der Schweiz, der der Jugend den Rauschgiftkonsum aufschwatzen will.» Bei den Behörden gehen zahlreiche Eingaben ein, Leary wegen seines schlechten Einflusses auf die Gesellschaft baldmöglichst auszuliefern.

Noch im August wird Leary gegen eine Kaution von 75 000 Franken auf freien Fuss gesetzt, darf die Schweiz aber nicht verlassen und muss sich zweimal wöchentlich auf dem Polizeiposten melden. Er nutzt die wiedergewonnene Freiheit für Werbung in eigener Sache. In einem Interview erklärt er, er liebe die Alpen und Wilhelm Tell und wolle im ruhigen Kreis schöpferisch tätig sein, Bücher schreiben, Kinder zeugen. Sein Anwalt wiederholt derweil öffentlichkeitswirksam sein Mantra: Leary sei in den USA für ein Drogendelikt zu jahrelangem Zuchthaus verurteilt worden, das nach schweizerischer Rechtsprechung nur mit einer Busse von einigen hundert Franken bestraft würde.

Die Schweizer Behörden befinden sich wegen Leary in einer ungemütlichen Lage. Nach Monaten des Abwägens verkünden sie am 29. Dezember ihren Entscheid: Die Polizeiabteilung kommt zum Schluss, dass eine «politische Verfolgung nicht als glaubhaft» betrachtet werden könne. Zudem habe Leary zuvor ungestört in Algerien gelebt und erhalte daher kein Asyl in der Schweiz. Er werde jedoch auch nicht an die USA ausgeliefert, da das amerikanische Auslieferungsgesuch «unter einem nicht mehr durch Ergänzungen korrigierbaren Formmangel» leide. Konkret fehlte die für das Rechtshilfeabkommen relevante Darlegung des strafrechtlichen Sachverhalts. Mit dieser spitzfindigen juristischen Argumentation findet die Schweiz einen guteidgenössischen Kompromiss, mit dem die meisten leben können. Protestnoten aus den USA sind jedenfalls nicht überliefert. Auch in der Schweiz gibt es nur vereinzelt Kritik. In einer Interpellation moniert SVP-Nationalrat Hans Roth die «unangebrachte Toleranz» gegenüber dem Drogenverherrlicher und fragt den Bundesrat: «Wäre es nicht angezeigter, durch behördliche Massnahmen einer allfälligen Selbsthilfe des Volkes zuvorzukommen?»

Leary rekurriert gegen den Asylentscheid, bleibt aber erfolglos. Während seines Aufenthalts in der Schweiz schreibt er an einem Buch über seine Flucht, kauft sich mit dem Vorschuss einen goldenen Porsche und wechselt vorsichtshalber alle paar Tage seinen Standort. Er ist in Genf, in Immensee oder im Tessiner Dorf Carona anzutreffen, wandert, fährt Ski, lernt den LSD-Entdecker Albert Hofmann kennen, empfängt Roman Polanski und Keith Richards sowie allerlei Freunde von Rausch und Spiritualität. In seiner Autobiografie «Flashbacks» schreibt Leary später: «Zu dieser Zeit gab es 49 aufrichtige Mittelklasse-Hippies in der Schweiz, und ich kannte sie alle.» Mit der deutschen Krautrockband Ash Ra Tempel trinkt er mit LSD versetztes Elmer Citro und nimmt in Bern eine Schallplatte auf.

Doch seine Zeit in der Schweiz läuft ab. Da ihm kein Kanton eine Aufenthaltsbewilligung ausstellen will, setzt ihm der Bund unter Androhung einer administrativen Internierung eine Ausreisefrist bis Ende 1972. Anfang Januar 1973 verlässt der LSD-Papst das Land im Porsche Richtung Wien. Die Schweizer Behörden atmen auf und verfügen sofort eine Einreisesperre. Leary preist nun Österreich als «Leuchtturm des Mitgefühls und der Freiheit». Asyl bekommt er aber auch dort nicht. So fliegt er schliesslich ins damalige Drogen-Mekka Afghanistan, wo er festgenommen und an die USA ausgeliefert wird.



Aus: "Als der «Hohepriester des LSD» die Schweiz in Verlegenheit bringt" Marc Tribelhorn (08.01.2018)
Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/die-ankunft-des-lsd-apostels-ld.1345245

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Timothy Leary...
« Reply #6 on: November 30, 2020, 11:51:25 AM »
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[...]  Auf LSD in den Tod Aldous Huxleys letzter Trip - "Brave New World"-Autor Aldous Huxley war leidenschaftlicher Fürsprecher bewusstseinserweiternder Drogen - bis zu seinem Ende. Seine Frau half ihm mit LSD auf den letzten Weg und sagte: Es war der schönste Tod. ... Der Tod auf LSD war nur auf den ersten Blick eine spontane Entscheidung. Aldous und Laura Huxley hatten in den Monaten zuvor oft darüber gesprochen. Aldous litt an Kehlkopfkrebs. Er hatte starke Schmerzen, nahm Medikamente mit extremen Nebenwirkungen. Trotzdem plante er bereits seinen nächsten Trip. Es musste ihm nur ein bisschen besser gehen. Er wollte es genießen können.

Gemeinsam mit Laura las er vorbereitend "The Psychedelic Experience", die gerade erschienenen Anweisungen zur Durchführung einer psychedelischen Reise basierend auf dem tibetischen Totenbuch, verfasst von dem frisch aus Harvard entlassenen Psychologen Timothy Leary und dessen Kollegen Richard Alpert und Ralph Metzner. ...


Aus: "Auf LSD in den Tod: Aldous Huxleys letzter Trip" Florian Kugel (15.09.2020)
Quelle: https://www.spiegel.de/geschichte/schriftsteller-aldous-huxley-sterbehilfe-mit-lsd-a-d61e7327-d9c2-498c-b582-5b0b812f0414


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Timothy Leary...
« Reply #7 on: November 30, 2020, 11:56:12 AM »
"From Resistance to Renaissance: The Legacy of Dr. Timothy Leary" Siobhán Barry-Bratcher (Apr 1, 2019)
The man who encouraged a generation of young people to think for themselves and question their leaders also advised them to “take responsibility for making your own life beautiful.” The universe, according to Dr. Leary, is an “intelligence test” and “the more you use your head, the more in tune you get with the original purpose, design, and goal of the genetic code” and “if there’s anything the genetic code seems to want, it’s to keep itself going.” ...
https://medium.com/@siobhanbarry/from-resistance-to-renaissance-the-legacy-of-dr-timothy-leary-d3c1c2df9094

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Timothy Leary...
« Reply #8 on: November 30, 2020, 12:00:39 PM »
"Timothy Leary experimentierte mit LSD, doch ins Gefängnis brachte ihn Marihuana. Danach gelang ihm die Flucht in die Schweiz, wo er Polo Hofer auf seinen ersten Trip brachte"
Keiner hat die Macht psychedelischer Drogen so gezielt erkundet wie er. Heute würde Timothy Leary hundert Jahre alt – eine Würdigung. Stefan Zweifel (22.10.2020)
Unter all den Nachfahren Rimbauds wirkt kaum einer exzentrischer als Timothy Leary, der oft auf seine Rolle als «Prophet des LSD» reduziert wird und als Kometenschweif gerade auch in der Schweiz Funkenflüge der Poesie entfachte.
Leary steht gleichsam am Ende eines Stafettenlaufes, in dem sich die Avantgardisten das prometheische Feuer der durch Drogen entfachten Neuronengewitter weiterreichten: Dabei wurde die Dosis hoch- und höhergeschraubt, das Risiko der Stimulanzien von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gesteigert. Schon der französische Surrealist Antonin Artaud wechselte von Rimbauds «Giften» Absinth und Haschisch zu Opium, Kokain und Heroin. ... Am 14. Juli 1967 beim «Human Be-In» im Golden Gate Park lancierte Leary sein epochales Motto «Turn on, tune in, drop out», das die deutschen Hippies frei mit «High sein, frei sein, dabei sein» übersetzten.
Verlockt von den Sirenengesängen des medialen Erfolges, wurde er zur Leitfigur einer hedonistischen Jugendkultur, die dem kurzen Glück nachjagte. Doch Leary versprach sich von der Droge nicht nur Fun, sondern einen mentalen Durchbruch der Menschheit in ungeahnte Zonen. ...
https://www.nzz.ch/feuilleton/timothy-leary-sex-drogen-und-ein-kosmisches-bewusstsein-ld.1582651