Author Topic: .net demokratie (politik und datenwelt)  (Read 38826 times)

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.net demokratie (politik und datenwelt)
« Reply #20 on: January 07, 2020, 01:30:36 PM »
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[...] Der Skandal um die Wahlbeeinflussung mithilfe der nunmehr berüchtigt gewordenen amerikanischen Analysefirma Cambridge Analytica, Tochter der mittlerweile insolventen britischen SLC Group, hat neue Dimensionen angenommen. Seit dem 2. Januar veröffentlicht der Twitter-Account @HindsightFiles („Hindsight“ lässt sich mit „späte Einsicht“ übersetzen) Dokumente, die Gesprächsprotokolle, E-Mails, Projektdokumentationen und Studien beinhalten und zeigen sollen, dass die Firma in gezielte Wahlmanipulationen in 68 Ländern verstrickt gewesen sein soll. Es soll sich um mehr als 100 000 Dateien handeln.

Unter dem Hashtag #Hindsightis2020 lautet der erste Tweet: „Die Datenanalysefirma SCL Group hat ihren Betrieb inmitten eines Skandals eingestellt, nachdem die umfangreiche Datenmanipulation ihrer Tochtergesellschaft Cambridge Analytica im Schatten weltweiter Wahlen infrage gestellte wurde. Um zu verhindern, dass Dokumente beschlagnahmt werden können, ging das Unternehmen bankrott. Es ist Zeit, die Dokumente zu veröffentlichen.“

Bislang wurden Dossiers zu Brasilien, Kenia, Malaysia, Iran und dem ehemaligen nationalen Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, John Bolton, veröffentlicht. Die britischen Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass die Unterlagen von Brittany Kaiser stammten, einer ehemaligen Mitarbeiterin von Cambridge Analytica. Kaiser habe sich entschieden an die Öffentlichkeit zu gehen, nachdem Boris Johnson die Wahl zum Premierminister für sich entschieden hatte. Kaiser sagt, die Dokumente gingen weit über das hinaus, „was die Leute über den Cambridge-Analytica-Scandal zu wissen glauben“.


Aus: "Cambridge Analytica : Manipulierte Wähler weltweit" Axel Weidemann (06.01.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/cambridge-analytica-manipulierte-waehler-weltweit-16568193.html

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[...] Die berüchtigte britische Firma Datenfirma Cambridge Analytica sorgt erneut für Schlagzeilen. Seit Neujahr tauchen auf dem Twitter-Account HindsightFiles Links zu Dokumenten über die Wahlen in Malaysia, Kenia, Brasilien und dem Iran auf. Diese Papiere erlauben einen Einblick, wie das Unternehmen versucht, Wähler und Wahlen weltweit zu manipulieren. Laut dem "Guardian" zeigen über 100.000 Dokumente die Tätigkeit von Cambridge Analytica in 68 Ländern. In den Unterlagen finden sich auch Hinweise, wie das Unternehmen auch in Österreich tätig war. So findet sich in den Unterlagen zu Brasilien etwa eine Powerpoint-Präsentation, die dies zeigt.

Auch hatte Philipp Maderthaner, der unter anderen für Sebastian Kurz tätig ist, Kontakt zu Cambridge Analytica. Aus dem Unternehmen heißt es dazu, dass es "keine geschäftliche Zusammenarbeit gab". Ein Twitter-Nutzer hat das entsprechende Dokument veröffentlicht und eine Stellungnahme von Herrn Maderthaner dokumentiert.

Zudem sollen sie die Schwarzgeldmaschinerie zeigen, mit deren Hilfe der die Herkunft von Großspenden an Donald Trump während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 verschleiert wurde.

Laut Pressemeldungen sollen die Leaks von der Ex-Cambridge-Analytica-Mitarbeiterin Brittany Kaiser stammen. Das neue Material gehe "weit über das hinaus, was die Leute über den Cambridge-Analytica-Skandal zu wissen glauben", erklärt sie laut "Turi 2".

Cambridge Analytica wurde "berühmt", weil die Firma sie sich während des US-Wahlkampfs 2016 Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Nutzern verschafft hatte und diese unerlaubt für Trumps Kampagne genutzt wurden. Insgesamt konnte das Unternehmen Daten von rund 87 Millionen Nutzern einkassieren. Im Zuge der Affäre wurde eine Rekordstrafe von fünf Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) gegen Facebook verhängt. (red, 6.1.2019)


Aus: "Cambridge-Analytica-Leak dokumentiert weltweite Manipulationen" (7. Jänner 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000112969988/cambridge-analytica-leak-dokumentiert-weltweite-manipulationen

https://twitter.com/hindsightfiles

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Marquis de Sade - La maison royale de Charenton

Das sollte man entsprechend aufarbeiten und vor allem auch näher hinsehen WAS getan wurde um entsprechende Stimmen zu bekommen. Wenn das nachweislich koordinierte Falschinformationen sind, sollte man entsprechende Konsequenzen ziehen. Das ist dann irgendwas zwischen Wählertäuschung und Wahlbetrug.

Ich habe etwas dagegen, wenn mit der Demokratie herumgespielt wird.


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LaVitaèBella

Also ich finde es nicht schlimm wenn unentschlossene Wähler mit "Material" versorgt werden. Nur muss das dann auch richtig sein, also keine Unwahrheiten. ...


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roewoe

jaja, wenn Sie sagen, dass Sie das gerne hätten und nicht, dass aufgrund von Analysen der Daten herauskommt, dass man Sie als Person mit gezielten thematischen Infos manipulieren kann. Da geht es nicht um Versorgung mit Material sondern um Manipulation. Lesen bildet: Shoshana Zuboff; Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus.


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Eifelgeist

Paar von den Leaks angesehen ... Toll ... einfach nur toll wie das Volk manipuliert und verarscht wird. Und ist auch noch stolz darauf.


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[...] Seit Jahresanfang werden via Twitter Dokumente der ehemaligen Analysefirma Cambridge Analytica veröffentlicht, die von einer ehemaligen Mitarbeiterin des Unternehmens stammen sollen. Cambridge Analytica hatte im Zuge eines Skandals um Datenschutz und Wählermanipulation im Mai 2018 Konkurs angemeldet; verwandte Firmen mit personellen Überschneidungen zu Cambridge Analytica bestehen aber weiterhin. Die jetzt publizierten Dokumente, die bislang unveröffentlichte E-Mails, Projektpläne, Studien, Verhandlungsdokumentation und mehr beinhalten sollen, werden gruppiert nach geographischen Regionen und betroffenen Persönlichkeiten publik gemacht.

Insgesamt sollen die Dokumente mindestens 65 Länder betreffen. Bislang verfügbar sind Dossiers zu Brasilien, Kenya, Malaysia, dem Iran und John Bolton, dem ehemaligen nationalen Sicherheitsberater Trumps.

Dem veröffentlichenden Twitter Account "Hindsight is 2020" bzw. @HindsightFiles zufolge stammen die Dokumente von Brittany Kaiser, einer zur Whistleblowerin gewordenen, ehemaligen Mitarbeiterin von Cambridge Analytica. Es sei Zeit, die Dokumente zu veröffentlichen, so @HindsightFiles, nachdem SCL, die Mutterfirma von Cambridge Analytica, in Konkurs gegangen sei, um eine Konfiszierung der Dokumente zu verhindern.

Dem britischen Guardian zufolge hat sich Brittany Kaiser im Nachgang der Wahl in Großbritannien im vergangenen Monat dazu entschlossen, die Dokumente zu veröffentlichen. Die Zeitung zitiert sie mit den Worten: "Es ist derartig offensichtlich, dass unsere Wahlsysteme sehr leicht missbraucht werden können. Ich habe große Befürchtungen davor, was bei der US-Wahl später in diesem Jahr passieren wird und ich glaube, einer der wenigen Wege, uns zu schützen, ist, so viele Informationen wie möglich verfügbar zu machen."

Die Dokumente stammen dem Guardian zufolge von den E-Mail-Accounts und Festplatten Kaisers. Teile des Materials habe sie bereits im April 2018 dem britischen Parlament übergeben, aber es gebe tausende und tausende weitere Seiten. Die darin dokumentierte Arbeit Cambridge Analyticas würde weit über das hinausgehen, was die Leute gemeinhin zu wissen glaubten. Der Skandal um die Daten von Facebook sei Teil einer weit größeren, globalen Operation zur Manipulation und Beeinflussung der Bevölkerung. Die Beteiligung von Regierungen, Geheimdiensten, Unternehmen und politischen Kampagnen habe riesige Auswirkungen auf die nationale Sicherheit.

Zum Beispiel befänden sich unter den Dokumenten E-Mails von größeren Spendern für Trump, in denen sie besprächen, wie sie die Quelle ihrer Spenden verschleiern könnten. Die Dokumente "legen die gesamte Schwarzgeld-Maschinerie hinter der amerikanischen Politik offen", zitiert der Guardian Kaiser. Diese Maschinerie sei auch in anderen Ländern – einschließlich Großbritanniens – zum Einsatz gekommen.

Emma Briant zufolge sei das bisher Bekannte nur die Spitze des Eisberges. Die vom Guardian befragte Spezialistin für Propaganda hatte Zugriff auf einen Teil der Dokumente, die ihr zufolge weit besser als bisher bekannt erklären, was bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 passiert sei. Das habe große Auswirkungen auf die Wahl 2020, weil die gleichen Leute weiter an den gleichen Techniken arbeiteten, so Briant. Es gäbe "Beweise für sehr verstörende Experimente an amerikanischen Wählern mit auf Angst aufbauenden Nachrichten", die scheinbar immer noch andauern. "Dies ist eine globale, außer Kontrolle geratene Industrie", sagte Briant gegenüber dem Guardian. (syt)


Aus: "Weit größere, globale Operation: Neue Dokumente im Cambridge-Analytica-Skandal" Sylvester Tremmel (05.01.2020)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Weit-groessere-globale-Operation-Neue-Dokumente-im-Cambridge-Analytica-Skandal-4628196.html

https://www.theguardian.com/uk-news/2020/jan/04/cambridge-analytica-data-leak-global-election-manipulation

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     sx2008, 05.01.2020 16:51

Man muss an das Schlechte glauben um manche Menschen zu verstehen.


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     Knights of Middlefrithm, 07.01.2020 11:07

Erkläre das mal jemand den Followern der Neualten Rechten, dass sie der psychologisch informierten Propagandamaschinerie westlicher Oligarchen aufsitzen, während sie allen anderen vorwerfen, „die Wahrheit“ nicht zu erkennen. National, rassistisch, ökologiefeindlich und zuweilen militant im Dienste von Milliardären unterwegs zu sein, scheint befriedigender, als einsehen zu müssen, von Großkopferten als politische Manövriermasse benutzt zu werden.

Schon die verschleierten Spenden für die AfD sprechen hier Bände, die Recherchen um CA erzählen, wie man dieses “Establishment“ mit Anti-Establishment-Propaganda in die Lage versetzt, jeden politischen Gedanken, der die gegenwärtige obszöne Profitabschöpfung gefährden könnte, durch Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu desavouieren (Derivatehandel, Schattenbanken, fossile Energieträger, Arbeitnehmerrechte, Sozialleistungen, Privatisierung, Allgemeinbildung, Kriegsprofite usw.).

Die AfD hat für die Bundestagswahl 2016 dieselbe Werbeagentur angeheuert, die für Trumps Wahlkampf arbeitete, auch mit den Daten und daraus generierten Profilen und Strategien von CA, s. https://www.spiegel.de/spiegel/eine-trump-nahe-agentur-aus-den-usa-managt-den-wahlkampf-der-afd-a-1164613.html (Wie konnte sie sich das damals überhaupt leisten?)

Aber von Oligarchen verängstigte Wutbürger trauen ja lieber keiner Nachricht oder Statistik, die nicht von rechtsextremen Irren gefälscht wurde, als sich beispielsweise diesen Leaks zu stellen und die Mechanismen begreifen zu wollen, mithilfe derer man sie nach belieben nudgen kann, indem man ihre persönlichen, tief sitzenden Ängste analysiert und sie daraufhin punktgenau bei den Eiern packt, um dann die Lösung nachzureichen, sie auf Sündenböcke zu hetzen, damit der Schmerz in den Klöten nachlässt (was nicht geschieht).

Die Sündenböcke sind praktischerweise die, die mit der Ausbeutung Aller und Allem zugunsten der Wenigen nicht einverstanden sind und die, die man als „Fremde“ sowieso erstmal instinktiv beäugt.

Wie praktisch, so eine in rechts und links, Freund und Feind, entweder/oder eingeteilte Welt. Sie findet nur außerhalb dieses Denkstils in der Realität nur selten eine Entsprechung, es sei denn, man erzwingt sie mit Gewalt.


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     KarstenS, 06.01.2020 00:35

Das Geschäft mit der Angst ...


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     KRobert, 05.01.2020 15:48

Der Tausendsassa Putin

hat es also sogar geschafft, US-Firmen so zu infiltrieren und die mit ihren eigenen Methoden zu schlagen. B-)

Hut ab....



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.net demokratie (politik und datenwelt)
« Reply #21 on: January 16, 2020, 02:19:23 PM »
Lawrence Lessig: Being a Citizen is a Public Office, too [Video]
Posted on December 20, 2019 by Wendy Hanamura   
Lessig began with a lesson in historical time. In Silicon Valley time, 20 years is an epoch—the Googlian Era one might call it. But in government, Lessig contrasted, 20 years can add up to nothing. ... Lessig’s critique stands above party or personality. He urges us to challenge every candidate, blue or red, by saying:  “Tell me how you are going to fix this problem first, this corrupt system, first,” he said “If we are going to fix anything else, we have to take up that fight.” ...
https://blog.archive.org/2019/12/20/lawrence-lessig-being-a-citizen-is-a-public-office-too/

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« Reply #22 on: December 01, 2020, 12:39:23 PM »
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[...] Am vergangenen Donnerstag haben das Free Assange Committee Germany und freeAssange.eu dem deutschen Bundestag eine Petition zum Schutz der Grund-und Menschenrechte von Julian Assange übergeben. Die Petition fordert den Bundestag auf, alle zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um das Unrecht gegen Julian Assange zu beenden und seine Menschenrechte zu schützen. “Das Mindeste, das für Julian Assange passieren muss, ist die Verlegung in ein ziviles Krankenhaus“, heißt es in der Petition fest. Obwohl er seine Strafe wegen Kautionsverstoß seit September abgesessen hat, wird Julian Assange nach wie vor im Belmarsh Prison in London in Isolationshaft gehalten. Ohne ausreichenden Kontakt zu seinen Verteidigern und ohne die Möglichkeit, sich angemessen auf das Verfahren vorzubereiten, in dem es um seine Auslieferung an die USA geht, wo er laut Anklage für 175 Jahre im Gefängnis verschwinden soll. Dass sowohl diese Anklage – die seit Juli 2019 drei Mal geändert wurde – wie auch der Umgang der britischen Justiz mit dem Wikileaks-Gründer rechtlich höchst fragwürdig ist, dass dies von namhaften Juristen festgestellt wurde und der Folterbeauftragte der Vereinten Nationen, Nils Melzer, nach einem Besuch Assanges festgestellt hat, dass es sich bei der Behandlung Assanges um massive psychische Folter handelt – all dies ist seitens der deutschen Regierung und des Bundestags bisher hartnäckig ignoriert worden. Als einige Abgeordnete der Partei „Die Linke“ letztes Jahr dazu ein Experten-Hearing im Bundestag veranstalteten, lies sich aus den anderen Fraktionen kein Mensch blicken – und der UN-Beauftragte Melzer, der um einen Termin im Außenministerium gebeten hatte, wurde mit dem Hinweis abgefertigt, dass man keinerlei Grund sehe, das britische Rechtssystem in Zweifel zu ziehen.

... Diese Ignoranz gerade derjenigen, die in Reden und Leitartikeln ständig „Pressefreiheit“ und „Demokratie“ betonen – also Politiker, Parlamente, Großmedien und Institutionen wie „Amnesty“ – ist unerträglich. Denn es geht hier längst nicht mehr um das Einzelschicksal eines Menschen, sondern darum, wie es der UN-Beauftragte Nils Melzer ausgedrückt hat, „einen Präzedenzfall zu verhindern, der das Schicksal der westlichen Demokratien besiegeln würde. Denn wenn es erst einmal zu einem Verbrechen geworden ist, die Wahrheit zu sagen, während die Mächtigen straffrei ausgehen, wird es zu spät sein, den Kurs zu korrigieren. Unsere Stimme wird dann vor Zensur und unser Schicksal vor uneingeschränkter Tyrannei kapituliert haben“.

Edward Snowden hat das prägnant auf den Punkt gebracht: „Wenn das Aufdecken von Verbrechen wie ein Verbrechen behandelt wird, werden wir von Verbrechern regiert.“ Dass die oben genannten Instanzen und Institutionen zu dem schreienden Unrecht schweigen, das Julian Assange angetan wird, macht deutlich, dass sie schon mit mehr als einem Bein nicht auf Seiten des Rechtsstaats und der Demokratie stehen, sondern auf der Seite der Verbrecher.

...


Aus: "Europäische Grundrechte für alle – außer für Julian Assange" Mathias Broeckers (Posted on 30/11/2020)
Quelle: https://www.broeckers.com/2020/11/30/europaische-grundrechte-fur-alle-auser-fur-julian-assange/


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« Reply #23 on: December 09, 2020, 12:48:24 PM »
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[...] Drei Viertel der jungen Menschen in Deutschland sehen sich regelmäßig mit Falschnachrichten konfrontiert. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap gaben 76 Prozent der 14- bis 24-Jährigen an, dass sie mindestens einmal pro Woche im Internet oder in sozialen Medien auf Nachrichten oder Beiträge stoßen, bei denen sie das Gefühl haben, es handele sich um Falschinformationen. Jeder fünfte Befragte gab sogar an, dass dies mehrmals täglich vorkomme.

Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich demnach der Anteil derjenigen, die es regelmäßig mit Fake News zu tun bekommen, deutlich erhöht. 73 Prozent der Befragten sehen zudem seit Beginn der Corona-Pandemie eine Zunahme an Falschnachrichten. Und zwei Drittel gaben an, dass es bei Corona schwerer als bei anderen Themen sei, glaubwürdige von unglaubwürdigen Nachrichten zu unterscheiden.

Mit 85 Prozent der Befragten wünscht sich eine große Mehrheit der jungen Deutschen das Thema Desinformation als verpflichtenden Bestandteil des Lehrplans an Schulen. Bisher würden Falschnachrichten nur bei 30 Prozent der Befragten im Unterricht thematisiert. "Dabei ist unter jungen Menschen in Deutschland längst Konsens, dass Medieninformationskompetenz genauso auf die Lehrpläne gehört wie Deutsch oder Mathematik", erklärte die Stiftungsvorsitzende Inger Paus.

Insgesamt fühlt sich zwar eine deutliche Mehrheit von 66 Prozent der Befragten sicher im Umgang mit Falschnachrichten und ist der Ansicht, diese "sehr" oder "eher sicher" als solche zu erkennen. Dennoch zeigt sich insgesamt auch Verunsicherung. Der Aussage "Weil es so viele Falschnachrichten gibt, weiß ich nicht mehr, welchen Informationen ich noch vertrauen soll" stimmten immerhin 53 Prozent der jungen Leute zu, 47 Prozent nicht.

Die meisten Befragten sind der Ansicht, dass die Verbreitung von Falschnachrichten eine Gefahr für die Demokratie ist. Für die Erhebung im Auftrag der Vodafone-Stiftung befragte das Institut Infratest dimap mehr als 2000 junge Menschen in Privathaushalten, die das Internet nutzen. Die Umfrage fand vom 11. bis zum 28. September statt.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP


Aus: "Fake-News-Boom verunsichert die Jugend" (Mittwoch, 09. Dezember 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Fake-News-Boom-verunsichert-die-Jugend-article22223820.html