Author Topic: [Wissenschaft und Esoterik (höhere Welten?!...) ... ]  (Read 54793 times)

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #40 on: August 31, 2020, 03:53:27 PM »
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[...] Kurz bevor rechte Demonstranten zum Parlament vordrangen, rief Tamara K. zu der Aktion auf. Sie steht den Reichsbürgern nahe. Was über K. bekannt ist.

Die Frau rief "Wir haben gewonnen" und "Vor diesem Gebäude steht keine Polizei mehr" - dann rief sie dazu auf, die Treppen zum Reichstag hochzusteigen. "Wir holen uns hier und heute unser Hausrecht", schrie sie von der Bühne.

Kurz darauf setzte sich die Masse von Rechtsextremen, Coronaleugnern und Reichsbürgern in Bewegung. Was danach passierte, beschäftigt am Montag nach der Demo ganz Deutschland. ... Im Internet wirbt K. mit ihren Fähigkeiten: Unter anderem kenne sie sich in Massagen, Psycho- und "Metalltherapie" aus, aber auch in der Behandlung mit Bachblüten sowie in "Krebstherapie" sei sie erfahren. Nach eigenen Angaben ist sie Mitglied im "Verband unabhängiger Heilpraktiker". Nach Angaben des antifaschistischen Aachener Bündnisses “Demokratie Leben” ist sie bereits 2019 bei dem lokalen Zusammenschluss der “Aachener Gelbwesten” aktiv gewesen und unter anderem im Januar vergangenen Jahres auch als Kundgebungs-Anmelderin und Rednerin aufgetreten.

Laut Michael Klarmann, Journalist und Beobachter der rechten Szene in der Eifel-Region, sei K. in den sozialen Netzwerken immer wieder durch das Teilen von verschwörungsideologischen Inhalten sowie vertretener Reichsbürgerideologie aufgefallen. Einige ihrer Posts seien eindeutig rechtspopulistisch bis rechtsextrem formuliert.

Angestachelt wurde die Menge durch eine Lüge, die Tamara K. von der Bühne durchs Mikrofon rief. Ihr zufolge sei US-Präsident Donald Trump in Berlin gelandet. Deshalb müssten die Demonstranten jetzt ein Zeichen setzen und Trump zeigen, dass "wir die Schnauze gestrichen voll haben". Donald Trump gilt den Verschwörungsgläubigen von QAnon als Erlöser und großer Befreier, der die Weltverschwörung geheimer Eliten beenden wird.

Wörtlich rief K. von Bühne: "Wir schreiben heute hier in Berlin Weltgeschichte. Guckt euch um, die Polizei hat die Helme abgesetzt. Vor diesem Gebäude (gemeint ist der Reichstag, Anm. d. Red) und Trump ist in Berlin. Die ganze Botschaft ist hermetisch abgeriegelt, wir haben fast gewonnen. Wir brauchen Masse. Wir müssen jetzt beweisen, dass wir alle hier sind. Wir gehen da drauf und holen uns heute, hier und jetzt unser Hausrecht. Wir werden gleich diese komischen kleinen Dinger brav niederlegen und gehen da hoch und setzen uns friedlich auf Treppe und zeigen Präsident Trump, dass wir den Weltfrieden wollen und dass wir die Schnauze gestrichen voll haben. Wir haben gewonnen."

Schon am Freitag war K. vor der russischen Botschaft in Berlin aufgetreten. Auch davon gibt es ein Video:

In dem Video kündigt sie an, "dass wir morgen vereint dafür sorgen werden, dass diese BRD-Fake-Regierung abgewickelt wird. Wir wollen den Friedensvertrag." Damit gibt sich K. als Anhängerin der Reichsbürger zu erkennen, die die BRD nicht als rechtmäßigen Staat anerkennen, da es nach dem Zweiten Weltkrieg nie einen richtigen Friedenvertrag gegeben habe.

Reichsbürger sehen sich deshalb auch dazu legitimiert, das staatliche Gewaltmonopol nicht anzuerkennen und selbst Quasi-Staaten zu gründen, in denen ihr eigenes Recht gilt. Den Friedensvertrag wollten zahlreiche Demonstranten, die zu den Corona-Protesten angereist waren, am Wochenende mit Russland und den USA schließen.

Im Zuge der Demonstration von Rechtsradikalen und Reichsbürgern vor der russischen Botschaft am Samstag war es zu Krawallen gekommen. Rund 200 Personen wurden festgenommen, darunter auch der selbsternannte Reichskanzler und frühere Vegan-Influencer Attila Hildmann.

In dem Video ist zu sehen, wie sich K. in Richtung der Botschaft wendet und die Mitarbeiter bittet, am Samstag auf die Demonstranten aufzupassen, die für ihre Freiheit kämpfen.

In K.s Heimatort Roetgen selbst weiß man wenig über die Frau mit den Dreadlocks. Nachbarn erzählen lediglich, dass sie schon länger von ihrem Mann getrennt leben würde und auch Kinder habe.

“Es gibt wenig bis gar kein Kontakt zu anderen Bewohnern des Ortes”, heißt es von einem Nachbarn. Ab und zu würde das Ordnungsamt bei K. vorbeikommen, da sie angeblich “zu laut trommeln" würde.

Über die Kontakte der Heilpraktikerin in die Reichsbürgerszene hört man in Roetgen zum ersten Mal. Allerdings berichtet eine Anwohnerin, davon dass vor dem Haus immer wieder Autos mit Ravensburger Kennzeichen auftauchten. Diese seien in der Gegend höchst ungewöhnlich, so die Nachbarin. Ravensburg hat seit Jahren eine stetig wachsende Reichsbürger-Szene zu verzeichnen.Auch ihre Naturheilpraxis scheint wenig bekannt zu sein.

Lediglich zwei Bewertungen hat sie auf Google vorzuweisen. Beide User vergeben einen von fünf Sternen. Einer schreibt dazu: “vorsichtig formuliert: schräg drauf.”

Ob Tamara K. die Praxis überhaupt noch betreibt, ist unklar, die Website ist offline, ebenso ist unter der angegebenen Festnetz-Nummer niemand zu erreichen. Der Tagesspiegel kann sie dennoch kontaktieren.

Tamara K. möchte dem Tagesspiegel am Telefon keinerlei Details über ihr Privatleben verraten. Sie würde seit Samstag ständig bedroht und hätte bereits ihre Kinder evakuieren müssen, so K.

Für die Frau sind die Fakenews, die zur versuchten Erstürmung des Bundestages geführt haben, keine Falschinformationen: “Es ist keine Fehlinformation, dass Trump in Berlin war. Unsere Informanten haben uns eindeutige Beweise geliefert.”

Details, wie die Höhe der amerikanischen Flagge am Fahnenmast der US-Botschaft sowie die Beleuchtung des Botschaftsgebäudes hätten darauf hingedeutet, so K.

Die Heilpraktikern stand selbst auf den obersten Stufen der Treppe zum Bundestag. Ein unglaubliches Gefühl sei das gewesen, man sei sehr glücklich über die entstandenen Bilder: “Die Welt sieht endlich, was in unserem Land abgeht.”

Der Polizei war am Montag zunächst unklar, wer dort auf der Bühne gestanden hatte. Polizeipräsidentin Slowik sagte am Montagvormittag im Innenausschuss: „Von unbekannt gebliebener Sprecherin auf Bühne wurde dazu aufgerufen, geschlossen die Treppe zu stürmen.“




Aus: "Das ist die Frau, die zum Sturm auf den Reichstag rief" Julius Geiler (31.08.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/heilpraktikerin-aus-der-eifel-das-ist-die-frau-die-zum-sturm-auf-den-reichstag-rief/26142914.html

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tobi_t 12:29 Uhr

Diese Szenerie belegt ja ganz schön, dass diese ganze Demo wie ein Freiluft-Kindergarten mit schwer erziehbaren Kindern wirkte. Die Bilder vom Bundestag sind allerdings nicht schön. Es sieht so aus, als ob die Bundesrepublik zu einer ehemaligen sowjetischen Republik mutiert ist, die destabilisiert werden soll. Es fehlen nur noch die grünen Männchen ;)

Insgesamt fürchte ich, dass diese kleine Bewegung zu viel Aufmerksamkeit erhält. Es sind und bleiben Sektierer.


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royalflush 14:36 Uhr

Bei den Grünen in Krefeld, beim Institut für politische Schönheit und bei Jan Böhmermann läuft so etwas unter "Satire". Selbst Schuld, wenn man es ernst nimmt.


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FWE66 14:15 Uhr

Tamara K. die "Jeanne d’Arc" der Corona Krise oder "Der Sturm auf den Reichstag". Ich freue mich schon auf die Verfilmung. Wird wahrscheinlich so eine Art, Ritter der Kokosnuss.


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marla44 14:13 Uhr

    Lediglich zwei Bewertungen hat sie auf Google vorzuweisen. Beide User vergeben einen von fünf Sternen. Einer schreibt dazu: “vorsichtig
    formuliert: schräg drauf.”


Das ist Journalismus wie er seien muss!


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PaAllgZ 14:09 Uhr

In Deutschland sind seit dem 18. Jahrhundert Megatonnen an esoterischer Literatur produziert, gelesen und in Bücherregale einsortiert worden. Mit schweren Folgen.
Mit den sozialen Netzwerken und Echtzeitmedien leben nun die ganzen zivilisationskritischen geistigen Buchstaben-Gebilde in neuer, humanoid adaptierter und erzählter Form wieder auf.
Um zu beurteilen. ob die Protagonistinnen und Protagonisten im Kopf noch ganz echt sind, hilft nur das Faivre-Paradigma:

Antoine Faivre versteht Esoterik als bestimmte Art und Weise des Denkens:

- in Entsprechungen
- in lebendiger Natur
- Imagination und Meditation
- Erfahrungen der Transmutation (Erleuchtung, 2. Geburt u.a.).

Zusammen mit fehlender Kommunikation mit "Nicht-Gleichgesinnten" und der zwangsläufig einhergehendern mangelnden Falsifikation der Narrative, entsteht in den Köpfen vor den Bildschirmen an den Internet-Endgeräten ein Endzeit-Szenario eines neuen Mittelalters:
Die Menschen spiegeln sich selbst, bestätigen sich und gebären immerneue Repräsentationen, die Kontroll-Illusionen enthalten und zu Schlußfolgerungen führen, die vernünftig gebildete Menschen und Kommunikationswissenschaftler nur als "Verschwörungstheorien" beschreiben vereinfachen können.
Tatsächlich ist die offene Gesellschaft zerfallen, in eine Vielzahl narrativer Wirklichkeiten und Erzählwelten.
Die Zivilisation driftet so in den IRRSINN!  Bunte Fahnen kaschieren nur das Chaos in den Köpfen!
Die Lage ist so deppert, so fatal und so schrecklich komisch, dass nur noch ein GROSSES HOMERISCHES LACHEN den geistigen Kehraus der verpeilten Narrative bringen kann!


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lieselotta 14:34 Uhr

Antwort auf den Beitrag von PaAllgZ 14:09 Uhr
"Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer" – ein Bild, geschaffen von Goya am Ende des 18. Jahrhunderts, bringt das zeitgenössisch schon auf den Punkt. Könnte man glatt als Flugblatt auf den aktuellen Demos verteilen, aber wahrscheinlich ist das für die Teilnehmer intellektuell zu überfordernd.


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Bronstein 13:46 Uhr

Veganer, Heilpraktiker, Homöopaten, Telepaten, Impfgegner, Waldorfler, Weltfriedensapostel, Hellseher, Strahlenwarner - eigentlich das Volk, das in der Gegend um Stuttgart die Grünen zur Macht gebracht hat. Jetzt, wo es ihnen zu bunt wird, schreien sie "Gefahr von rechts". De facto ist es die Fortsetzung der Irrenoffensive der frühen 1970er.


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GEO65 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr
Na ja, ob das die Grünen waren? Meiner Erfahrung mit der Impfgegnerszene ist: Der Süden von Deutschland, ganz Österreich und die Schweiz haben ein Problem mit der esoterischen Branche - aber, es wird gut Geld damit verdient!


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beerlien 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr
Gute Beschreibung des Hufeisens neuen Typs. Kanzlerkandidaten-Kandidat Habeck mußte nicht ohne Grund die Positionsbestimmung der Grünen zur Homöopathie 2020 abbrechen, die die Partei seit Jahrzehnten spaltet. Die Grenzen zu "Extinction Rebellion" und ähnlichen Esoterikern der neuen Klimareligion dürften fließend sein. Selten zeigte sich  das Links/Rechts-Schema von 1789, das in seiner langen Karriere zu dem Basiswerkzeug der deutschen Innenpolitik schlechthin hochstilisiert wurde, so nutzlos wie bei diesem Operetten-"Sturm" auf den Bundestag.


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petolinnun 14:35 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr
Das ist nicht falsch, was Sie da schreiben. Gerade im Südwesten, wo ich herkomme, ist anthroposophes Denken tief verwurzelt. Da mischt sich gerne die badische Revoluzzertradition der 48er Revolution und Jugendbewegungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts mit steinerschen Ideen und allerlei Hokuspokus. Oft werden davon Damen mittleren Alters, oft Akademikerinnen, vom Wahn befallen, das konnte man beispielsweise gut an meiner damaligen Zahnärztin und der örtlichen Apothekerin sehen. Absolute Impfgegnerinnen, Teilnehmerinnen von Schamanen- und Hexenhappenings schon in den 80ern, aber sonst fachlich durchaus auf der Höhe. In der Zeitschrift Schrot und Korn werben auch gerne Kliniken von dort für zweifelhafte Heilmethoden. Ausser bei der Merz Akademie in Stuttgart, die seit dem Neustart in den 90ern nicht mehr befallen ist, finden sich immer noch viele anthroposophische Merkwürdigkeiten in der Merz Schule und dem Merz Kindergarten. Das hat aber nicht nur im Südwesten Tradition, auch in Sachsen haben solche Strukturen die Zeiten überdauert. Das wissen viele Leute überhaupt nicht. Auch zu Beginn der grünen Bewegung in den frühen 80ern sammelten sich viele dieser Leute unter den Fundis der neuen Partei. Oft sind die wirklich gebildet, aber eben oft auch sehr offen für hanebüchenen Schmarrn.


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Pedroleum 14:49 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr

    Veganer, Heilpraktiker, Homöopaten, Telepaten, Impfgegner, Waldorfler, Weltfriedensapostel, Hellseher, Strahlenwarner - eigentlich das Volk,
    das in der Gegend um Stuttgart die Grünen zur Macht gebracht hat. Jetzt,
    wo es ihnen zu bunt wird, schreien sie "Gefahr von rechts". De facto
    ist es die Fortsetzung der Irrenoffensive der frühen 1970er.


Nein, das ist eher eine erfolgreiche Vereinnahmung von rechts. Das passiert genannten Gruppierungen nicht zum ersten Mal. Und vor allem in Berlin kann man Vereinnahmungsversuche von eher linken Gruppierungen durch rechtsradikale bis rechtsextreme Aktivisten immer wieder beobachten: So gab es z. B. in der Gründungsphase der Grünen in Westdeutschland Versuche, die noch junge Partei von rechts zu unterwandern, besonders in Berlin. Allerdings blieb es damals bei Versuchen (Siehe den Abschnitt "Gründung erster Landesverbände 1979 und der Bundespartei 1980 auf Wikipedia und die dortigen Quellen" [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCndnis_90/Die_Gr%C3%BCnen#Geschichte]).

Mehr Erfolg hatten hingegen die Mahnwachen für den Frieden [https://de.wikipedia.org/wiki/Mahnwachen_f%C3%BCr_den_Frieden] in den Jahren 2014 bis 2016, die an die Friedensbewegung anknüpften. Die ersten Mahnwachen fanden in Berlin statt und Linke nutzen für diese Mahnwachen eine Bezeichnung, die auf die rechte Vereinnahmungsversuche während der Zeit der Weimarer Republik zurückgeht: Querfront.


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Luisa_f 13:46 Uhr

Dass die Dame Heilpraktikerin ist, muss nicht erwähnt werden, denn es spielt keine Rolle. Außer, die Medien haben - wieder einmal - im Sinn, alles, was mit alternativen Heilmethoden zu tun hat, als "eso" zu verunglimpfen (ohne dabei zu wissen, was "Esoterik" wirklich bedeutet).
Das ist unsachliche und falsche Stimmungsmache und seriöser Journalistik nicht würdig.
Es gibt kein Schwarz-Weiß. Es gibt kein "Schulmedizin = gut, Alternativmedizin = Scharlatanerie, Rechtsextremismus etc.

Die (voll abzulehnende) politische Ideologie jener Dame hat mit ihrem Beruf nichts zu tun.


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FiffiKronsbein2 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

Hmmm, lassen Sie mich raten: SIE sind Heilpraktikerin?


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Pat7 14:31 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass fast immer bei potenziellen Straftätern die Berufe mit genannt werden? ...


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GEO65 14:23 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

    Dass die Dame Heilpraktikerin ist, muss nicht erwähnt werden, denn es spielt keine Rolle. Außer, die Medien haben - wieder einmal - im Sinn, alles, was mit alternativen Heilmethoden zu tun hat, als "eso" zu verunglimpfen (ohne dabei zu wissen, was "Esoterik" wirklich bedeutet).
    ...
    Die (voll abzulehnende) politische Ideologie jener Dame hat mit ihrem Beruf nichts zu tun.


Stimmt, eine kleine Minderheit der Heilpraktiker*innen sind nicht auf der Eso-Tour.


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Karausche 14:33 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

Allerdings vereinfachen Sie auch, wenn sie alternative Heilmethoden und Heilpraktiker in einen Topf werfen. Wenn mir ein Arzt Akkupunktur anbietet und eine entsprechende Ausbildung hat nehme ich die Alternative gerne an. Heilpraktiker müssen lediglich eine Prüfung bestehen- nichteinmal eine Schule besuchen, keinerlei medizinische Ausbildung haben! Und was da alles als "Heilmethode" über Heilpraktiker angeboten wird schüttelt ein Schwein!!!


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pucky 13:46 Uhr

    dass vor dem Haus immer wieder Autos mit Ravensburger Kennzeichen auftauchten. Diese seien in der Gegend höchst ungewöhnlich, so die
    Nachbarin. Ravensburg hat seit Jahren eine stetig wachsende
    Reichsbürger-Szene zu verzeichnen


Soll das Journalismus sein? In der Strasse steht ein Auto mit Ravensburger Kennzeichen, muessen wohl Reichsbuerger sein. Auch die ganze Puzzle-Industrie ist von Reichsbuergern unterwandert. Sie erkennen die demokratische Grundordnung nicht  an.


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Eispickel 14:14 Uhr
Antwort auf den Beitrag von pucky 13:46 Uhr

Gut erkannt, sieht man doch in jedem Spielzeugladen wie die Ravensburger intakte Bilder buchstäblich "verhackstücken".
Und das Autokennzeichen aus Gütersloh im Freistaat Bayern unangenehm auffielen, hatten wir vor einigen Wochen, das wird jetzt scheinbar zu einer neuen Trendsportart.


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Harzgeist 13:30 Uhr

Die Frau mag merkwürdig und verschroben sein, Ansichtsache und ihr gutes Recht.

Aber der ehemalige Staatsekretär im Verteidungsmisterium Wlly Wimmer CDU schrieb auch einiges zum Thema Friedensvertrag und Deutschland als unsouveräner, gehorsam- und tributpflichtiger Vasall der USA.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=43809

...


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niels 13:25 Uhr

2020. Das Jahr wo die Klima-Kids sich wie Erwachsene benehmen und die Boomer-generation wie spinner.


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tca 14:53 Uhr
Antwort auf den Beitrag von niels 13:25 Uhr

Das haben Sie schön ausgedrückt.
Ich glaube nicht an den Kinderfresserscheiß und auch nicht an den Reichsbürgerquatsch.
Aber ich frage mich schon sehr, warum gerade gefühlt die halbe Republik anfängt total am Rad zu drehen.
Weiß man eigentlich, wer hinter Q Anon steckt?


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FWE66 13:17 Uhr

Kann mich einer anrufen, wenn's mal wieder andere Themen gibt?


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kolorit 12:59 Uhr

Zack. Und schon ist die Dame berühmt  und kann bei Big Brother mitmachen.


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gehirnstein 13:09 Uhr

Gibt es eine Krankenkasse die NICHT für Homöopathie und Heilpraktiker bezahlt? Würde ich sofort hinwechseln.


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Palolo 12:57 Uhr

    Tamara K. möchte dem Tagesspiegel am Telefon keinerlei Details über ihr Privatleben verraten.

Das ist ja unerhört!


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lilli90 12:56 Uhr

Unter einer Website zur alternativen Therpaeutensuche liest man, dass Tamara K. anthroposophische Medizin betreibt.
Das wundert mich nicht, setzt sich doch vermutlich ein großer Teil der Truppe vom Wochenende aus Anhängern der esoterischen Schwurbeleien Rudolf Steiners zusammen, bei den Impfgegnern jedenfalls sind sie führend.


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P.U.Baer 12:53 Uhr

Aus gut unterrichteten Kreisen habe ich erfahren, daß Lebewesen, die in Deutschland schwarz-weiß-rote Fahnen schwenken, in Wirklichkeit reptiloide Aliens sind, die die Menschen in Deutschland unterjochen und vernichten wollen.


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purist 12:41 Uhr

Das kommt dabei raus, wenn man von Globuli berauscht ist?


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Motoko 12:37 Uhr

In gesellschaftlichen Stress-Situationen erschaft sich "der historische Moment" (oder das was manche dafür halten)
im guten als auch im schlechten ihre Charaktermasken.
Es sind die selbsternannten "Volkstribunen", die sich auf eine heilige Mission zur Erlösung (gegen Heiden / für das Vaterland)
befinden.
Sei es Lutz Bachmann bei der Pegida
oder nun Michael Ballweg bei den Corona-"Rebellen".

Und natürlich finden sich auch mehr oder weniger "erwachte" und "erleuchtete" (oder durchgeknallte) Jünger und Boten, die die frohe oder schlechte Kunde allen kundtun.
Kathrin Oertel und Tatjana Festerling "wirkten" da intensiv bei der Pegida mit (deren Höhepunkt die Demo im Januar 2015 mit 25.000 Teilnehmer war, natürlich auch mit Übertreibungen, jedoch nie so abartig extrem wie jetzt).

Und so offenbart sich nun Tamara K., die Wissende.
Wir dürfen gespannt sein, welche weiteren "Heilsbringerrin" uns die brodelnde Mengelage bescheren wird.


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Franziziska 12:29 Uhr

Lieber Tagesspiegel, bitte hört doch auf, die Narrative der Rechten zu verwenden und vom "Sturm auf den Reichstag" oder "stürmen" zu schreiben. Andere Medien schaffen das doch auch, bei Ihnen fällt dies immer wieder unangenehm auf. Es ist Wasser auf die Mühlen der Rechtsextremen, füttert deren Größenwahn und überhöht und heroisiert die ganze Aktion. Das kann niemand wollen; präzise Sprache ist doch eine Grundaufgabe guten Journalismus.


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tca 15:20 Uhr

Antwort auf den Beitrag von MaerkerinderMark 12:22 Uhr
... Meine Kinder haben irgendwann angefangen zu begreifen, was Märchen sind und was nicht. Sie haben ein Gespür für die Wirklichkeit entwickelt. Dieser Entwicklungsschritt fehlte am Samstag offenbar knapp 40 000 Leuten.


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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #41 on: September 03, 2020, 03:24:04 PM »
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[...] Als am 28. Februar 1933 der Reichstag brannte, wurden die Flammen zum Fanal des Untergangs. Sie markieren das Ende der ersten deutschen Demokratie. Hitler, vier Wochen zuvor zum Reichskanzler ernannt, nutzte das Ereignis, um mittels der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ seine Macht auszubauen. Am vergangenen Wochenende war das Reichstagsgebäude wieder Schauplatz einer bizarren Versammlung. Antidemokraten versuchten, ein Zeichen zu setzen.

Die Grundrechte der Weimarer Verfassung galten nicht länger. Gegner des Nationalsozialismus, unter ihnen viele kommunistische Abgeordnete, wurden inhaftiert. Erste Konzentrationslager entstanden. Angst regierte. Wer konnte, floh. Der Theaterkritiker Alfred Kerr tauchte unter und rettete sich nach Prag. Seine Tochter Judith Kerr beschreibt den Abschied in ihrem Erinnerungsbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Vorhergesagt worden war der Reichstagsbrand von Erik Jan Hanussen. Der „Hellseher“ hatte das Übernatürliche zum erfolgreichen Geschäftsmodell gemacht. In seiner „bunten Wochenschau“, einer astrologischen Zeitschrift mit einer sagenhaften Auflage von 140 000 Exemplaren, schrieb er von einem bevorstehenden kommunistischen Anschlag. Als er am 26. Februar 1933 in der Lietzenburger Straße einen „Palast des Okkultismus“ eröffnete, orakelte er über einen Großbrand.

Hanussen hieß in Wirklichkeit Hermann Chajm Steinschneider, er war auch kein Däne – wie er behauptete –, sondern Österreicher und hatte seine Karriere als Zauberkünstler begonnen. Obwohl er Jude war, begeisterte er sich für Hitler. Hanussen/Steinschneider ist im März 1933 von einem SA-Kommando verhaftet und „auf der Flucht“ erschossen worden. Lion Feuchtwanger diente er als Vorbild für den Telepathen Oskar Lautensack in seinem Gesellschaftsroman „Die Brüder Lautersack“.

Die Verbindung von Esoterik, Verschwörungstheorien und Rechtsextremismus, wie sie sich bei der von der Initiative Querdenken 711 veranstaltete Berliner Corona-Demonstration zeigte, hat eine lange Tradition. Sie reicht mindestens ins 19. Jahrhundert zurück, im Kern handelt es sich bei dem ideologischen Amalgam um eine Gegenbewegung zur Moderne und ihren Zumutungen. Dabei flossen Heilserwartungen und Fortschrittsskepsis ineinander, immer schon ging es um alternative Wahrheiten. Auf komplizierte Fragen mussten einfache Antworten gefunden werden. Manchmal wurden sie auch von Toten gegeben, die bei spiritistischen Sitzungen zu reden begannen.

Esoterik, im Altgriechischen der Begriff für Innerlichkeit, bezeichnet einen anti-intellektuellen Weg zur Erkenntnis, der nur demjenigen zugänglich ist, der sich spirituell öffnet. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, von dem Historiker Joachim Radkau „Zeitalter der Nervosität“ genannt, war eine Ära rasanten technischen Aufschwungs, boomender Industrialisierung und mäandernder Sinnsuche. Zwar waren Dampflok, Telegraf und das elektrische Licht erfunden worden. Doch was fehlte, war Orientierung.

 In seinem Roman „Der Zauberberg“ beschreibt Thomas Mann gleich zwei Wunder. Die in einem Schweizer Sanatorium versammelte Gesellschaft von Kranken und Genesenden lauscht staunend der aus einem Grammophon klingenden Musik, „es war ein strömendes Füllhorn heiteren und seelenschweren künstlerischen Genusses“.

Kurz danach werden tischerückend Geister angerufen. „Ist eine Intelligenz zugegen?“, wollen die Patienten wissen. Nach kurzem Zögern kippt das Glas auf dem Tisch, was heißt: Der Geist bejaht. Thomas Mann hatte selbst an einer spiritistischen Sitzung teilgenommen, bei der ein Taschentuch zum Schweben gebracht wurde. Eine Erfahrung, über die er später spottete.

Man mag den wilhelminischen Spuk für Hokuspokus halten, aber unterscheidet ihn wirklich so viel von den Methoden heutiger Kryptoaktivisten und Parawissenschaftler? „Mainstream“-Bezweifler erkennen in den Kondensstreifen von Flugzeugen („Chemtrails“) Bedrohungslagen oder besitzen Geheimwissen über unterirdische Menschenexperimente („QAnon“). Und ist tatsächlich sicher, dass die Erde eine Kugel ist und keine Scheibe? In den Tiefen des Internets lassen sich die wildesten Thesen finden.

 Esoterik ist eine Form der Gegenaufklärung. Sie unterliegt Moden, alles kehrt irgendwann wieder. Um 1900 war der Wunsch nach einem radikalen Neuanfang, nach Umdenken und Alternativen besonders groß. In der Lebensreformbewegung bündelten sich Sehnsüchte. Zu ihrem Symbol wurde der Monte Verità, Berg der Wahrheit, im Schweizer Kanton Tessin.

Dort trafen sich Pazifisten, Vegetarier, Aussteiger, Theosophen und Sonnenanbeter und schufen eine modellhafte, auf Partizipation und Gleichheit beruhende Kommune. Der Wunsch, zur Natur zurückzukehren, war groß. Nietzsche hatte in seinem Buch „Jenseits von Gut und Böse“ den „homo natura“ zum Vorbild ausgerufen.

Hermann Hesse kletterte nackt über Felsen, schlief in einer Holzhütte und ernährte sich von Beeren. Er hoffte, wie in seinem autobiografisch grundierten Roman „Peter Camenzind“ formuliert, „auf den Herzschlag der Erde zu hören, am Leben des Ganzen teilzunehmen“. Auch Erich Mühsam reiste an, sah sich aber von seiner Vision eines „großen sozialen Versuchs“ enttäuscht.

Den Ernährungsregeln widmete er ein Schmähgedicht: „Wir essen Salat, ja wir essen Salat / Und essen Gemüse von früh bis spat. / Auch Früchte gehören zu unsrer Diät./ Was sonst noch wächst, wird alles verschmäht.“

 Am Ende zerstritten sich die Gründer der Bergbehausung, wobei es auch um die Frage ging, wie sehr die Unterkunft kommerzialisiert werden solle. Doch die Ideen, die dort den Schritt von der Theorie in die Praxis schaffen sollten, leben weiter. Sie finden sich noch bei den Grünen, die sich 1980 in ihrem ersten Parteiprogramm gegen eine „eindimensionale Produktionssteigerungspolitik“ wandten und forderten, „uns selbst und unsere Umwelt als Teil der Natur zu begreifen“. Die Lebensreformbewegung, zu der auch Rudolf Steiners Anthroposophie gehört, verzweigte sich in sozialistische, anarchistische und völkische Stränge.

Verzicht zu üben, aufs Land zu ziehen und sich selbst zu ernähren, das blieb der Versuch, eine Utopie im Kleinen zu verwirklichen. Während der Weimarer Republik ließen sich mitunter linke gleich neben rechten Projekten nieder. „Heimland“ nannte sich eine völkische Siedlung bei Rheinsberg, ins Leben gerufen von einem antisemitischen Publizisten. Nur wenige Kilometer weiter bei Neuruppin orientierte sich die Handwerkerkommune Gildenhall an sowjetischen Wirtschaftsformen und der Bauhaus-Ästhetik.

War der Nationalsozialismus nicht auch eine anti-rationale Bewegung, vielleicht die größte, die Deutschland hervorgebracht hat? Ihre Ideologie entwickelte sich aus rassistischen, sozialdarwinistischen und pseudoreligiösen Versatzstücken. 1943 – dem letzten Jahr, aus dem gesicherte Zahlen vorliegen – hatte die NSDAP 7,7 Millionen Mitglieder.


Aus: "Esoterik und Extremismus: Geister, die sie rufen" Christian Schröder (02.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/esoterik-und-extremismus-geister-die-sie-rufen/26144918.html

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« Reply #42 on: September 28, 2020, 10:13:30 AM »
Quote
[...] Der aktuelle Vorstoß des Verbands der deutschen homöopathischen Ärzte deutet auch auf einen tiefen Riß in der medizinischen Voodoo-Szene hin. Im März dieses Jahres hatte sich der Verband überraschend klar auf die Seite der evidenzbasierten Medizin geschlagen. Er stellte sich ostentativ hinter die Empfehlungen des Robert-Koch-Insitituts und mahnt seine Mitglieder "hinsichtlich jeder Art von homöopathischen Vorsorge- oder Therapie-Empfehlungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus“ zurückhaltend zu sein. Diese Empfehlung kam nicht gut an bei jenen Ärzten, die als homöopathische Hardliner den Tanz rund ums magische Lagerfeuer anzuführen pflegen.

Welche bizarren Blüten das homöopathische Selbstbewusstsein treiben kann, zeigt ein Beitrag des deutschen PR-Beraters Christian J. Becker. Er gibt mit seinem Homöopathie-Watchblog den Mann fürs Grobe im Zuckerkugel-Lobbyismus. Er macht seit Monaten Stimmung für homöopathische Corona-Behandlungen. In einem Beitrag behauptet er ernsthaft, dass die Homöopathie schon bei Cholera-Epidemien im 19. Jahrhundert 92 Prozent der Erkrankten geheilt hätte. Auch bei der spanischen Grippe hätte die Homöopathie wundersame Erfolge gefeiert. Nur ein Prozent der in Krankenhäusern homöopathisch behandelten Kranken sei verstorben. Bei den konventionell Behandelten wären es 30 Prozent gewesen.

Die Aktion der deutschen Homöopathen sorgt in Skeptikerkreisen bereits für erheblichen Widerstand. Die Ärztin und Autorin Natalie Grams nennt die Dinge beim Namen: Heilpraktiker, Anthroposophen und Homöopathen werden mit ihren Einzelfallberichten zur Heilung von Corona-Kranken zu einer allgemeinen Gefahr. (Christian Kreil, 28.9.2020)


Aus: "Stiftung Gurutest: Deutsche Homöopathen starten Placebo-Offensive gegen Corona" (28. September 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000120257450/deutsche-homoeopathen-starten-placebo-offensive-gegen-corona

https://homoeopathiewatchblog.de/2020/01/31/durchbruch-fuer-homoeopathie-bei-behandlung-von-epidemien-4-beispiele-fuer-erfolge-bei-cholera-typhus-spanischer-grippe-encephalitis/

Quote
Gereon

Hilft's nix schad's nix

wenn es die Leute beruhigt? Besser, als wenn sie zu saufen anfangen. Auch Placeboeffekte helfen manchmal. Und eine Stärkung des Immunsystems ist sicher nicht verkehrt. Dass Homöopathie weder eine schulmedizischen Behandlung noch eine Impfung ersetzt, ist eh klar. Aber diese Leute zu einer "allgemeinen Gefahr" hochzustilisieren, halte ich für stark übertrieben.


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Huge

Das sind doch alle nur Globulisierungsgegner!


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Unendliche Unwahrscheinlichkeit

Bin gegen jede Art von Placebophobie (Und Behandlungsmethodenrassismus)


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Gib Komplexen keine Chance!

Ah, die selbstgerechte Meinungspolizei schlägt wieder zu. ...


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NeuerPostingname

Eine Meinung kann man zB zu sozialen Fragen haben. Dass Globuli Schwachsinn ist, ist genauso wenig eine "Meinung" wie dass 5 größer als 2 ist.


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Kommentator2

Meine Frage ist: Führt die homöopathische Behandlung von Kindern, wo sie lernen bei stressbedingten Symptomen wie Bauchschmerzen "Medikamente" einzunehmen, zu einem höheren Risiko der Medikamentenabhängigkeit oder generell Substanzabhängigkeit (Alkohol,...) im Erwachsenenalter?


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weiß es besser

Ich pinkel immer bei Vollmond untern Apfelbaum.
Die Äpfel brenne ich zu Schnaps und wenn ich traurig bin trinke ich davon.
Leider schaffe ich es noch nicht den richtig zu potenzieren, ich benötige immer ganze Flaschen davon.

Kann es sein, dass ich ihn nicht richtig schüttle?


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luke46

Schütteln darf man nur als Mann nach dem Lulu...

Um die richtige Potenz zu erwischen müssens nackt im Garten um 20 nackte Einhörner tanzen und gleichzeitig die Flasche rechts drehen....


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Guenther1964

Wen?


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cloudius

John Lennon wurde mal gefragt was er werden will.
Er sagte "Ich will glücklich werden"
Daraufhin sagte der Fragesteller "Du hast die Frage nicht verstanden"
Lennon antwortete "Nein, Sie haben das Leben nicht verstanden!"
Ich liebe die Homöopathie + sie liebt mich ;-)


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laendletigerin

John Lennon hat aber nicht gesagt "Ich möchte irrational dumm werden."


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LukasA.

Alle paar Monate wieder ein Artikel gegen alternative Medizin oder gegen Impfgegner. Schade, dass der Standard das nötig hat.


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Arjuna, the beautiful

Der Homöopathiehass hier wird langsam pathologisch.


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ninjagulbi

Ich verstehe immer noch nicht wie Homöopathie in Arztpraxen und Apotheken erlaubt sein kann, diese Sachen gehören zum Zuckerbäcker oder in Scherzartikelshops.
Gibt's denn kein Globuli gegen Dummheit?


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RyuRyu

Was spricht Dagegen Homöopathie zu verwenden wenn es einvernehmlich zwischen Arzt und Patient geschieht?


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IcemanX97

Echt jetzt?


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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #43 on: October 28, 2020, 05:12:43 PM »
Thema: Rudolf Steiner (1. Oktober 2020)
Peter Selg über Anthroposophie und den Rassismus-Vorwurf.
Gesellschaft und Medizin im totalitären Zeitalter
von Michael Mentzel
https://www.themen-der-zeit.de/thema-rudolf-steiner/

"Anthroposophie: Von der geheimen Geschichte überzeugt" Marco Gallina (09. Oktober 2020)
Der Religionswissenschaftler Helmut Zander bezeichnet die Anthroposophie in der fluiden deutschen Esoterik-Szene als ausgesprochen "stabilen Faktor" - und er sieht Schnittmengen zwischen Katholizismus und Anthroposophie. Das Herz der Anthroposophie schlägt in der Überzeugung, dass es eine geistige Welt gibt und dass man sie mit übersinnlichen Mitteln erkennen kann. Aber die Anthroposophie ist nicht in der Theorie stecken geblieben und beansprucht, diese höhere Erkenntnis in die Praxis umzusetzen. ...
https://www.die-tagespost.de/politik/aktuell/anthroposophie-von-der-geheimen-geschichte-ueberzeugt;art315,212588

"Wie tief verwurzelt ist das esoterische Denken?"  Marco Gallina (09. Oktober 2020)
Impfgegnerschaft und Alternativmedizin: Die Antroposophie Rudolf Steiners definiert sich nicht als Religion, hat aber parallelgesellschaftliche Züge entwickelt. Wie weit diese reichen, zeigt sich im Zuge der Demonstrationen von Gegnern der Anti-Corona-Maßnahmen besonders deutlich. ...
https://www.die-tagespost.de/politik/aktuell/wie-tief-verwurzelt-ist-das-esoterische-denken;art315,212546

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #44 on: December 20, 2020, 06:28:49 PM »
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[...] In den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen schließen sich unterschiedliche Milieus gegen „die da oben“ zusammen, beobachtet der Religionswissenschaftler Andreas Grünschloß. Der Glaube an eine „alternative Weltsicht“ verbinde Esoteriker, Fundamentalisten und Rechtsextreme, sagte er im Dlf.

Christian Röther: Herr Grünschloß, was verstehen Sie als Religionswissenschaftler unter dem Begriff „Esoterik“?

Andreas Grünschloß: Der Begriff Esoterik ist etwas schwammig, wird auch meistens heute etwas breiig gebraucht. Zunächst mal bezeichnet er das Innere – oder auch dann in seiner Verwendung häufig das Geheime. Also gerade im religiösen Zusammenhang spricht man von esoterischen religiösen Traditionen, also solche Traditionen, wo der Zugang zu dem eigentlichen wichtigeren religiösen Wissen nicht allen zugänglich ist, sondern nur einem Kreis von Eingeweihten. Also religiöse Traditionen, die so eine Art Initiation brauchen, um die Leute eben in bestimmten Stufen eventuell auch an die inneren Geheimnisse heranzuführen. Man könnte sagen: Esoterische Religiosität ist eigentlich eine Geheimreligiosität.

Das Ganze ist dann so ein bisschen ein Widerspruch, weil eigentlich bezeichnen wir mit Esoterik heute alle die nicht in großen, verfassten religiösen Traditionen operierenden Diskurse, sondern Gruppierungen oder auch Einzelakteure, die eine modernere, alternative Weltsicht, häufig auch eben durch Inputs aus verschiedenen religiösen Traditionen, betreiben.

Und wenn man versuchen möchte, zusammenzustellen, was charakterisiert das, was wir mit Esoterik meinen, dann meinen wir damit eben religiöse Weltdeutungen, die zum einen eine Art von einem spirituellen höheren Selbst im Menschen annehmen – also, wenn man mit einem indischen Begriff arbeiten möchte, eine „Atman“-artige Seelensubstanz, die den Kern der eigentlichen Person bildet.

Daher finden Sie eigentlich auch fast durchgängig in den esoterischen Traditionen die Vorstellung von Wiedergeburt beziehungsweise Reinkarnation, dass eben genau dieser Seelenkern sich immer wieder verkörpert. Teilweise ist das auch weltbildartig dann ausgeweitet, dass eben auch das gesamte Universum, die gesamte Welt lebendig ist – also die Gaia-Hypothese, dass auch die Erde ein Organismus ist, eben auch so eine Atman-artige Seelensubstanz besitzt. Also das wäre so der eine Punkt, der sehr häufig anzutreffen ist.

Dann Entsprechungen zwischen dem, was im Mikrokosmischen und im Makrokosmischen vorgeht. Also ein bestimmter Laut, so wie in der indischen Mantra-Meditation, hat eine Auswirkung nicht nur auf meine Psyche und auf meine Seele, sondern setzt in der Umgebung auch makrokosmische Entsprechungen heraus. Das Paradebeispiel wäre etwa die Transzendentale Meditation des Maharishi Mahesh Yogi, der gesagt hat, wenn ein bestimmter Prozentsatz von Meditierenden in einer Stadt sind, dann wird die Kriminalitätsrate runtergehen, wird das sofort eine Auswirkung auf den Makrokosmos haben. Und solche Thesen gab es dann jetzt auch in der Coronazeit, dass eben durch den Einsatz von Meditation tatsächlich auch das Virus wegmeditiert, eingedämmt werden könne.

Röther: Und jetzt fällt der Begriff Esoterik eben öfters in Zusammenhang mit den Corona-Protesten in Berlin jetzt am Wochenende, aber auch schon vorher. Inwiefern passt dieser Begriff Esoterik auf die Menschen dort, oder auf Teile der Menschen dort, die da gegen die Anti-Corona-Maßnahmen protestiert haben?

Grünschloß: Also in dem Falle, wo es um eine religiös motivierte – die Menschen, die so was vertreten, nutzen nicht so gerne den Begriff Esoterik für sich, zumindest nicht mehr, das war in den 80er- und 90er-Jahren noch ein bisschen anders, häufig ist heute der Esoterik-Begriff so mit Dubiosität und „spinnerter“ Weltsicht verbunden im öffentlichen Sprachraum.

Aber was wir häufig haben, die Idee oder die Sehnsucht danach, den Graben zwischen einer materialistisch ausgerichteten Naturwissenschaft und der spirituell-religiösen, geisteswissenschaftlichen Dimension des Menschen zu überbrücken. Das findet sich seit dem 19. Jahrhundert als durchgehender Tenor bis heute, eine holistische, neue, integrale Wissenschaft zu entwickeln, die beides überbrückt. Deswegen eben auch Offenheit für alternative Heilverfahren, alternative Wissenschaftskonzeptionen.

Und gerade im Bereich von Corona kann man dann natürlich zu Thesen kommen, dass hier eine andere Form von Heilung möglich sein muss als das, was die Autoritäten sagen. Dass vielleicht das, was vorgeschoben wird vor Corona, was ganz anderes ist, dass ganz andere Akteure im Hintergrund virulent sind. Also die Affinität zu Verschwörungstheorien, weil man eben an eine integralere, umfassendere Weltsicht glauben möchte, das ist ein Motiv, das nun Verschwörungstheoretiker, esoterisch gestimmte Menschen, aber auch zum Teil eher rechtslastige Leute oder auf der anderen Seite auch fundamentalistisch-christlich orientierte Leute wieder miteinander vereinen kann bei so einer Demonstration, weil sie sagen, wir kämpfen im Prinzip gegen denselben Feind. Das, was die da oben uns erzählen wollen, ist nicht die wahre Sache, wir haben hier eine alternative Weltsicht. Das wäre so ein vager Anlaufversuch, wo gibt es da Affinitäten.

Röther: Jetzt gibt es Aufnahmen vom Wochenende, wo Menschen dort „Hare Krishna, Hare Rama“ singen am Brandenburger Tor im Kontext dieser Proteste. Also ein Mantra aus dem Hinduismus, das auch aus neuen religiösen Bewegungen, aus der Hare Krishna-Bewegung eben, ISKCON, bekannt ist. Es verwundert auf den ersten Blick trotzdem, dass es jetzt da in Berlin am Wochenende zu hören war. Hat es Sie auch verwundert?

Grünschloß: Natürlich, klar. Ich hätte gedacht, wenn das jetzt eine Demo gewesen wäre in den 70er-Jahren, dann ist das klar, dann haben alle noch irgendwie George Harrison „My Sweet Lord“ im Kopf und haben auch die Bilder von missionierenden Hare Krishna-Anhängern, also die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein, die ihre Büchlein verteilen auf den Straßen. In der Spät-Hippie-Zeit war das immer noch so im Diskurs. Das ist es ja heute eigentlich nicht mehr, auch die Hare-Krishna-Gemeinschaft ist ja weitestgehend aus der sichtbaren Oberfläche vielfach verschwunden.

Aber da war offenbar eine Gruppe dabei, die eben typisch da mit ihren Trommeln unterwegs waren und dieses Mantra gechantet haben. Das ist eben eine neo-hinduistische Bewegung, die in den 60er-Jahren entstanden ist in New York durch Swami Prabhupada, der als neo-hinduistischer Missionar in den Westen kam, um eben die Gottesliebe in Gestalt der Krishna-Verehrung unter die Menschen im Westen zu bringen. Aber das ist eher, würde ich sagen, ein Zufall, dass die halt auch dort waren und dass dann andere da miteinstimmen in den Gesang.

Wie der eine Reporter, der es dann nicht mal identifizieren konnte, was singen die da, was ist das, kenne ich gar nicht. Das ist eigentlich eher anachronistisch fast und eher ein Zufallsprodukt, dass hier nun, weil da eben ein paar Hare Krishna-Anhänger eben das gesungen haben, dann auch mehrere da miteingestimmt haben. Das würde ich jetzt erst mal aus der Ferne versuchen so zu diagnostizieren – so wäre mein Eindruck zumindest.

Röther: Aber, was Sie auch schon sagten, es ist dann ja wiederum kein Zufall, dass eben Menschen, die dieses Mantra kennen, weil sie eben in esoterischen Kontexten unterwegs sind, dort anzutreffen sind. Um das noch mal aufzugreifen, Sie haben es eben schon angedeutet, weil die durchaus eben, ich sage mal weltanschauliche Berührungspunkte haben eben mit Reichsbürgern, Menschen, die an Verschwörungen glauben, Rechtsextremisten. Trifft man sich da in dieser gemeinsamen Ablehnung der bestehenden Ordnung oder in der Esoterik, was Sie genannt haben, dass man sich im Besitz einer höheren Wahrheit eben wähnt?

Grünschloß: Ja, das wäre schon so eine Gemeinsamkeit, das man sagt, die Welt ist hintergründiger als das, was uns die etablierten Medien, die etablierten Wissenschaften und natürlich auch die etablierten politischen Autoritäten weismachen wollen. Dieser Vorbehalt gegenüber der, ich sage mal Oberfläche der etablierten Diskurse, das wäre etwas, was sie alle gemeinsam haben.

Es kommt noch meines Erachtens ein wichtiger Punkt mit hinzu: Das ist, dass aufgrund der – trotz allen kleineren Fehlern, die man gemacht hat, aber doch auch aufgrund der relativ umsichtigen Corona-Politik, die in Deutschland relativ schnell dann ja begonnen hat als es klar wurde, die Pandemie droht, kennen die meisten von uns hier in Deutschland das Virus eigentlich nur vom Hörensagen. Und von daher ist es relativ leicht, zu behaupten, das ist unplausibel und der Lockdown, das alles ist überzogen, da ist eine andere Motivation dahinter als das, um diese angebliche Krankheit zu verhindern.

Gerade in der Anfangsphase der Corona-Pandemie gab es ja eine Fülle von esoterischen oder sagen wir mal „alternativen“ Deutungen dessen, was hier im Gange ist: Dass es sich hier gar nicht um ein Virus handelt, sondern das sind Strahlen der Übertragungsmasten und what have you. Also eine ganze Reihe von alternativen Deutungsmustern.

Und das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt. Wir kennen es nur vom Hörensagen – und wenn man dann mit Beeinträchtigungen leben muss, dann kann man sich natürlich relativ leicht darüber hinwegsetzen und behaupten, diese ganzen Reduzierungsvorschriften, die sind unplausibel, ich kenne überhaupt niemanden, der das Virus gehabt haben soll. Das kommt auch noch mit hinzu.

Und dann eben das gepaart, sei es nun aus einer alternativen politischen Utopie, also ich sage mal einer Reichsbürger-affinen Ideologie heraus oder sei es aus einer esoterischen Weltdeutung heraus, wo man sagt, hier sind gewisse Mächte im Gange, die im Hintergrund ihre Fäden ziehen, auch in der esoterischen Weltdeutung gibt es ja Verschwörungstheorien, es muss nicht, aber es gibt sie, und so können dann natürlich so bestimmte Argumentationsmuster sich ergänzen. Und dass man zumindest da dann sich auf einer Demo zusammenfinden kann und sagen, wir haben einen gemeinsamen Feind, und das sind die etablierten, diskursmächtigen Größen, die uns hier was weismachen wollen.


Aus: "Esoterik, Rechtsextreme und Proteste gegen Corona-Maßnahmen „Gegen denselben Feind“" Andreas Grünschloß im Gespräch mit Christian Röther (02.09.2020)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/esoterik-rechtsextreme-und-proteste-gegen-corona-massnahmen.886.de.html?dram:article_id=483421

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[...] Als am 28. Februar 1933 der Reichstag brannte, wurden die Flammen zum Fanal des Untergangs. Sie markieren das Ende der ersten deutschen Demokratie. Hitler, vier Wochen zuvor zum Reichskanzler ernannt, nutzte das Ereignis, um mittels der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ seine Macht auszubauen. Am vergangenen Wochenende war das Reichstagsgebäude wieder Schauplatz einer bizarren Versammlung. Antidemokraten versuchten, ein Zeichen zu setzen.

Die Grundrechte der Weimarer Verfassung galten nicht länger. Gegner des Nationalsozialismus, unter ihnen viele kommunistische Abgeordnete, wurden inhaftiert. Erste Konzentrationslager entstanden. Angst regierte. Wer konnte, floh. Der Theaterkritiker Alfred Kerr tauchte unter und rettete sich nach Prag. Seine Tochter Judith Kerr beschreibt den Abschied in ihrem Erinnerungsbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Vorhergesagt worden war der Reichstagsbrand von Erik Jan Hanussen. Der „Hellseher“ hatte das Übernatürliche zum erfolgreichen Geschäftsmodell gemacht. In seiner „bunten Wochenschau“, einer astrologischen Zeitschrift mit einer sagenhaften Auflage von 140 000 Exemplaren, schrieb er von einem bevorstehenden kommunistischen Anschlag. Als er am 26. Februar 1933 in der Lietzenburger Straße einen „Palast des Okkultismus“ eröffnete, orakelte er über einen Großbrand.

Hanussen hieß in Wirklichkeit Hermann Chajm Steinschneider, er war auch kein Däne – wie er behauptete –, sondern Österreicher und hatte seine Karriere als Zauberkünstler begonnen. Obwohl er Jude war, begeisterte er sich für Hitler. Hanussen/Steinschneider ist im März 1933 von einem SA-Kommando verhaftet und „auf der Flucht“ erschossen worden. Lion Feuchtwanger diente er als Vorbild für den Telepathen Oskar Lautensack in seinem Gesellschaftsroman „Die Brüder Lautersack“.

Die Verbindung von Esoterik, Verschwörungstheorien und Rechtsextremismus, wie sie sich bei der von der Initiative Querdenken 711 veranstaltete Berliner Corona-Demonstration zeigte, hat eine lange Tradition. Sie reicht mindestens ins 19. Jahrhundert zurück, im Kern handelt es sich bei dem ideologischen Amalgam um eine Gegenbewegung zur Moderne und ihren Zumutungen. Dabei flossen Heilserwartungen und Fortschrittsskepsis ineinander, immer schon ging es um alternative Wahrheiten. Auf komplizierte Fragen mussten einfache Antworten gefunden werden. Manchmal wurden sie auch von Toten gegeben, die bei spiritistischen Sitzungen zu reden begannen.

Esoterik, im Altgriechischen der Begriff für Innerlichkeit, bezeichnet einen anti-intellektuellen Weg zur Erkenntnis, der nur demjenigen zugänglich ist, der sich spirituell öffnet. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, von dem Historiker Joachim Radkau „Zeitalter der Nervosität“ genannt, war eine Ära rasanten technischen Aufschwungs, boomender Industrialisierung und mäandernder Sinnsuche. Zwar waren Dampflok, Telegraf und das elektrische Licht erfunden worden. Doch was fehlte, war Orientierung.

 In seinem Roman „Der Zauberberg“ beschreibt Thomas Mann gleich zwei Wunder. Die in einem Schweizer Sanatorium versammelte Gesellschaft von Kranken und Genesenden lauscht staunend der aus einem Grammophon klingenden Musik, „es war ein strömendes Füllhorn heiteren und seelenschweren künstlerischen Genusses“.

Kurz danach werden tischerückend Geister angerufen. „Ist eine Intelligenz zugegen?“, wollen die Patienten wissen. Nach kurzem Zögern kippt das Glas auf dem Tisch, was heißt: Der Geist bejaht. Thomas Mann hatte selbst an einer spiritistischen Sitzung teilgenommen, bei der ein Taschentuch zum Schweben gebracht wurde. Eine Erfahrung, über die er später spottete.

Man mag den wilhelminischen Spuk für Hokuspokus halten, aber unterscheidet ihn wirklich so viel von den Methoden heutiger Kryptoaktivisten und Parawissenschaftler? „Mainstream“-Bezweifler erkennen in den Kondensstreifen von Flugzeugen („Chemtrails“) Bedrohungslagen oder besitzen Geheimwissen über unterirdische Menschenexperimente („QAnon“). Und ist tatsächlich sicher, dass die Erde eine Kugel ist und keine Scheibe? In den Tiefen des Internets lassen sich die wildesten Thesen finden.

 Esoterik ist eine Form der Gegenaufklärung. Sie unterliegt Moden, alles kehrt irgendwann wieder. Um 1900 war der Wunsch nach einem radikalen Neuanfang, nach Umdenken und Alternativen besonders groß. In der Lebensreformbewegung bündelten sich Sehnsüchte. Zu ihrem Symbol wurde der Monte Verità, Berg der Wahrheit, im Schweizer Kanton Tessin.

Dort trafen sich Pazifisten, Vegetarier, Aussteiger, Theosophen und Sonnenanbeter und schufen eine modellhafte, auf Partizipation und Gleichheit beruhende Kommune. Der Wunsch, zur Natur zurückzukehren, war groß. Nietzsche hatte in seinem Buch „Jenseits von Gut und Böse“ den „homo natura“ zum Vorbild ausgerufen.

Hermann Hesse kletterte nackt über Felsen, schlief in einer Holzhütte und ernährte sich von Beeren. Er hoffte, wie in seinem autobiografisch grundierten Roman „Peter Camenzind“ formuliert, „auf den Herzschlag der Erde zu hören, am Leben des Ganzen teilzunehmen“. Auch Erich Mühsam reiste an, sah sich aber von seiner Vision eines „großen sozialen Versuchs“ enttäuscht.

Den Ernährungsregeln widmete er ein Schmähgedicht: „Wir essen Salat, ja wir essen Salat / Und essen Gemüse von früh bis spat. / Auch Früchte gehören zu unsrer Diät./ Was sonst noch wächst, wird alles verschmäht.“

 Am Ende zerstritten sich die Gründer der Bergbehausung, wobei es auch um die Frage ging, wie sehr die Unterkunft kommerzialisiert werden solle. Doch die Ideen, die dort den Schritt von der Theorie in die Praxis schaffen sollten, leben weiter. Sie finden sich noch bei den Grünen, die sich 1980 in ihrem ersten Parteiprogramm gegen eine „eindimensionale Produktionssteigerungspolitik“ wandten und forderten, „uns selbst und unsere Umwelt als Teil der Natur zu begreifen“. Die Lebensreformbewegung, zu der auch Rudolf Steiners Anthroposophie gehört, verzweigte sich in sozialistische, anarchistische und völkische Stränge.

Verzicht zu üben, aufs Land zu ziehen und sich selbst zu ernähren, das blieb der Versuch, eine Utopie im Kleinen zu verwirklichen. Während der Weimarer Republik ließen sich mitunter linke gleich neben rechten Projekten nieder. „Heimland“ nannte sich eine völkische Siedlung bei Rheinsberg, ins Leben gerufen von einem antisemitischen Publizisten. Nur wenige Kilometer weiter bei Neuruppin orientierte sich die Handwerkerkommune Gildenhall an sowjetischen Wirtschaftsformen und der Bauhaus-Ästhetik.

War der Nationalsozialismus nicht auch eine anti-rationale Bewegung, vielleicht die größte, die Deutschland hervorgebracht hat? Ihre Ideologie entwickelte sich aus rassistischen, sozialdarwinistischen und pseudoreligiösen Versatzstücken. 1943 – dem letzten Jahr, aus dem gesicherte Zahlen vorliegen – hatte die NSDAP 7,7 Millionen Mitglieder.


Aus: "Esoterik und Extremismus: Geister, die sie rufen" Christian Schröder (02.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/esoterik-und-extremismus-geister-die-sie-rufen/26144918.html

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[...] Sie sprechen von "Menschlichkeit" und der "Harmonie des Universums", doch ihre Ideologie ist rassistisch. Sie halten sich für unpolitisch, aber bejubeln Holocaustleugner und besuchen Seminare von Rechtsextremen. Seit Monaten versuchen Anhänger der sogenannten "Anastasia-Bewegung", im Großraum Berlin Fuß zu fassen. An diesem Montag wollen sie sich auf einem Hof im Nordwesten Brandenburgs zur gemeinsamen Feier der Wintersonnenwende treffen.

Die Veranstaltung findet auf einem Hof bei Putlitz im Landkreis Prignitz statt. Organisiert wird sie von den Gründern des geheimen Telegram-Kanals „Familienlandsitz & Siedlungsforum“, in dem sich derzeit 3300 Anhänger vernetzen.

Bei der Anastasia-Bewegung handelt es sich um einen ökoesoterischen Kult, der Menschen verspricht, sie könnten übersinnliche Fähigkeiten wie Hellsicht und Telepathie erlangen, wenn sie nur als Selbstversorger in die Natur ziehen . Sektenbeauftragte und Experten warnen, die Bewegung sei eine "Rutschbahn in den Rechtsextremismus". Neugierige, die lediglich im Einklang mit der Natur leben wollten, würden mit Ideen der Rassenlehre und brauner Esoterik indoktriniert.

Geistiges Idol der Bewegung ist eine Romanfigur: eine junge Frau namens Anastasia, die angeblich  in der Wildnis Sibiriens lebt. Erschaffen wurde sie vom russischen Autor Wladimir Megre, 70.

Sehr aktiv in der Gruppe ist der Rechtsextremist Frank Willy Ludwig aus Liepe bei Eberswalde. Er berät und belehrt Neuankömmlinge im Forum, klärt über die Bedeutung von Runen und Hexagrammen auf, möchte nach eigener Auskunft mit seinen "Erfahrungen dienen". 

Frank Willy Ludwig sagt, sein Auftrag sei, „das arische Wissen in den Stämmen wieder zu erwecken“. Ludwig hält deutschlandweit Vorträge, in denen er etwa über die „Gesetze der Reinheit des Blutes“ spricht und erläutert, warum die Menschenrassen unter sich bleiben sollten: Mischlinge hätten das Problem, nicht zu wissen, zu welchen Ahnen sie Kontakt halten sollten.

Zudem besitze jede Rasse ihre „eigenen Wahrnehmungskanäle“. Arier hätten 16, Asiaten zwölf, Schwarze sechs.  Arier seien eigentlich Außerirdische und kämen vom Sternbild des Kleinen Wagens. Einmal sei versucht worden, „den Schwarzen ein Gewissen einzupflanzen“, doch dann habe „man gemerkt, an den Genen darf man nicht rumpfuschen“.

In der Telegram-Gruppe, die zur Feier am Montag einlädt, ist Ludwig eine Respektsperson.  Andere Mitglieder loben ihn für sein Wissen und seine Erklärkünste. Er selbst sieht sich als "göttliches Wesen bedingungsloser Liebe". Ludwig wirbt in der Gruppe auch für eine mehrtägige Reise nach Rügen, die er für Interessierte organisieren will. Dort könne er, gegen einen Unkostenbeitrag von 360 Euro, über wichtige Zusammenhänge aufklären.

In der Gruppe werden Tipps zur Verwendung von Heilkräutern geteilt, aber auch Holocaustleugner wie Ursula Haverbeck und Horst Mahler bejubelt. Nicht alle Forenteilnehmer haben die Anastasia-Bücher gelesen, einige wissen daher nichts von dem dort gepredigten Antisemitismus. Der Anastasia-Erfinder  Wladimir Megre schreibt  in einem Band etwa, Juden seien programmierte „Bio-Roboter“. Sie hätten „die Presse verschiedener Länder unter ihre Kontrolle gebracht“, die globalen Geldströme würden „zum größten Teil von Juden kontrolliert“. Seit Jahrtausenden versuchten sie, „mit allen Mitteln so viel Geld wie nur möglich in ihren Händen zu konzentrieren“.

Einer, der die Umtriebe der Anastasia-Bewegung seit längerem verfolgt, ist der FDP-Bundestagsabgeordnete Jürgen Martens. Im November hat er der Bundesregierung die Frage gestellt, ob die Anastasia-Bewegung inzwischen vom Bundesamt für Verfassungsschutz oder anderen Diensten beobachtet werde - und eine bemerkenswerte Auskunft erhalten.  Zum Beobachtungsstatus der Bewegung könne man keine Antwort geben, heißt es in der Antwort des Innenministeriums.  Und weiter: "Die angefragten Informationen sind so sensibel, dass auch die geringfügige Gefahr eines Bekanntwerdens nicht hingenommen werden kann."

Dies ist erstaunlich, denn erst im vergangenen Jahr hatte die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Linke) eine ähnliche Anfrage zur Anastasia-Bewegung gestellt. Damals wurde eine Beobachtung noch eindeutig ausgeschlossen.

Wo genau die Feier zur Wintersonnenwende stattfindet,  haben die Organisatoren lange geheim gehalten. Die exakten Koordinaten, die zu einem Hof am Rand  von Lütkendorf, einem Ortsteil der Stadt Putlitz, führen, wurden erst an diesem Wochenende verschickt. Ob der Betreiber der Hofs von der Gesinnung der Feiernden weiß, ist unklar. Für den Tagesspiegel war er am Sonntag nicht zu erreichen.

Dass die Feier wegen der hohen Infektionszahlen sowieso nicht stattfinden dürfte, ist den Anastasianern egal. Viele von ihnen leugnen die Existenz des Virus. Frank Willy Ludwig warnt allerdings davor, sich  auf Corona testen zu lassen. Diese Gelegenheit würde von den Herrschenden zur Zwangsimpfung genutzt.


Aus: "Rechte Öko-Sekte „Anastasia-Bewegung“: Wo die Anhänger der Rassenlehre am Lagerfeuer feiern" Sebastian Leber (20.12.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/rechte-oeko-sekte-anastasia-bewegung-wo-die-anhaenger-der-rassenlehre-am-lagerfeuer-feiern/26735250.html

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[...] Eine Mehrheit der AfD-Anhänger hält eine "Corona-Verschwörung" einer Umfrage zufolge mindestens für wahrscheinlich. In der von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Auftrag gegebenen Umfrage gaben 24 Prozent der AfD-Anhänger an, "es handele sich bei der Corona-Pandemie um eine Verschwörung zur Unterdrückung der Menschen", berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS). Weitere 41 halten dies demnach für wahrscheinlich.

Auch jenseits der AfD finden sich Anhänger von Corona-Verschwörungstheorien. Jeder Elfte - neun Prozent - hält es für wahrscheinlich, dass die Pandemie nur ein Vorwand zur Unterdrückung der Menschen ist. Weitere fünf Prozent sind sich da sogar sicher. Nach Parteien unterschieden sind bei Anhängern von Union, SPD und Linken neun bis zwölf Prozent sicher oder halten es für wahrscheinlich, dass es sich bei der Pandemie um eine Unterdrückung handelt, so die "FAS".

Trotz dieser Zahlen hat der Glaube an eine Weltverschwörung insgesamt aber abgenommen, heißt es dem Bericht zufolge in der Studie weiter. Vor der Corona-Krise seien elf Prozent der Deutschen sicher gewesen, die Welt werde durch geheime Mächte gesteuert - nun sind es noch acht Prozent. Vor Corona hielten weitere 19 Prozent es für wahrscheinlich richtig, dass geheime Mächte die Welt steuern - jetzt seien es mit 16 Prozent ebenfalls weniger. Nur bei AfD-Anhängern sei der Glaube an eine Weltverschwörung weiter gestiegen.

Quelle: ntv.de, jhe/AFP


Aus: "Umfrage zu Verschwörungstheorien Viele AfD-Wähler halten Corona für Erfindung" (Sonntag, 20. Dezember 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Viele-AfD-Waehler-halten-Corona-fuer-Erfindung-article22247897.html
« Last Edit: December 20, 2020, 07:01:53 PM by Link »

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #45 on: January 11, 2021, 01:05:31 PM »
Quote
[...] Mitte Jänner wird in München ein "Friedensfest" gefeiert: Kritiker*innen der Corona-Maßnahmen treffen sich zur Open-Air-Meditation, es sei ein "friedlicher Aufruf zum Beschützen unserer Freiheitsrechte", schreiben die Veranstalter*innen. Seit gut einem halben Jahr wird auf dem Marienplatz getanzt und meditiert, "Ordner-Engel" sorgen für Sicherheit. Auf der Website der Initiative zeigen dutzende Bilder lächelnde Menschen im Schneidersitz, "You can’t quarantine love", hat jemand auf ein Plakat gemalt.

Wer die Corona-Maßnahmen hinterfrage, werde sofort ins rechte Eck gestellt, klagt Initiatorin Graciette Justo in einem Videobeitrag. Dabei sei die Magic-Monday-Meditation weder links noch rechts, sondern eine "Menschheitsfamilie", ist online zu lesen. Dass die rechtsextreme und die esoterische Szene durchaus Schnittmengen aufweisen, zeigten jüngst die Querdenker-Demos, wo "spirituelle" Aktivist*innen gemeinsam mit Identitären marschierten. Und dennoch: Esoteriker*innen seien keineswegs per se rechts, sondern auch im linken und grünen Milieu anzutreffen, sagt Ansgar Martins, Religionswissenschafter an der Goethe-Universität Frankfurt. "Die gemeinsame Klammer ist eine ausgeprägte Technik- und Wissenschaftsskepsis, die Gegenwart, speziell das Verhältnis der Menschen zur Natur, wird als große Krise erlebt", sagt Martins.

Die Suche nach einem Leben im Einklang mit der Natur, nach Sinn und einem authentischen Selbst ist längst ein boomendes Geschäft. Unzählige spirituelle Coaches bieten als Einzelunternehmer*innen ihre Dienste an, sie veranstalten Yoga-Retreats und leiten in Frauenkreisen zur Wiederentdeckung der Weiblichkeit an. Die Pandemie hat bei vielen für massive Einkommensverluste gesorgt, gecoacht und meditiert wird zunehmend aber auch im Netz. Wer durch die spirituelle Blase auf Instagram scrollt, stößt schnell auf heftige Kritik an der Corona-Politik. Nutzer*innen posten Fotos ihrer Kinder mit Maske, um diese "unnatürliche" Maßnahme anzuprangern, es ist die Rede von einer Panik-Gesellschaft und einer Zeitenwende. Aber auch abstruse Theorien zu Krankheit tauchen immer wieder auf. "Ich weiß, dass der Coronavirus nicht die eigentliche Bedrohung ist. Ich bin dahingehend komplett angstfrei – weil ich mich jahrelang mit den Ursachen von Krankheiten beschäftigt habe", schreibt Sarah, die sich als "Visionärin" bezeichnet und unter knallbunten Schnappschüssen von ihrer Reinkarnation berichtet.

Die Vorstellung, dass Krankheit dem "Karma" zuzuschreiben sei, dass sie reinige und persönliches Wachstum ermögliche, ist in esoterischen Kreisen weit verbreitet. Aber auch die Kontrolle über die eigene Gesundheit steht hoch im Kurs. Unzählige Accounts widmen sich einer gesunden Ernährung, die stärke und heile und oft (roh-)vegan ist. Jeder Bissen zählt, so der Tenor. Ein prominenter Vertreter der "heilenden Ernährung" ist der Arzt und Esoteriker Rüdiger Dahlke, in seinem Buch "Peace Food" erklärt er, "wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt". Krankheit sei stets eine Krankheit der Seele und somit selbst verursacht. Eine Haltung, die in der Pandemie wenig Raum lässt für Solidarität mit vulnerablen Gruppen.

Wenig verwunderlich, dass Dahlke auch das Coronavirus verharmlost. Statt zu impfen, müsse jetzt das Immunsystem gestärkt werden – unzählige Influencer*innen machen vor, wie das mit täglichen Yogaübungen und pflanzlicher Kost möglich sei.

Wer sich selbst unter Kontrolle hat, braucht keine Rücksicht auf andere zu nehmen, so die Botschaft mancher Esoterik*innen. "Wer sich zurück in die natürliche Gesundheit begibt, der wird Corona niemals fürchten müssen! Alle anderen (...) können nicht erwarten, dass ihre Mitmenschen ihr Leben ruinieren, um für sie eine Vakuum-Blase zu erschaffen", postet die "Familie Glücklich", ihr Account zeigt fröhliche Bilder einer Weltreise.

Auffallend viele Accounts inszenieren ihr Familienleben, meist sind es Mütter, die als Managerinnen des familiären Wohlbefindens auftreten. "In den meisten Hetero-Familien sind nach wie vor Frauen für die Sorgearbeit zuständig, das betrifft auch die Gesundheit", sagt Bettina Zehetner, Beraterin bei Frauen* beraten Frauen*. Traditionell seien es die Mütter, die Arzttermine organisieren und in Pflegeurlaub gehen – hier wirke das Stereotyp der fürsorglichen und liebevollen Frau besonders stark. Dass Frauen wiederum in der Esoterik stark vertreten sind, führt Zehetner auch auf reale Erfahrungen mit der Schulmedizin zurück. So zeigt nicht nur ein Blick in die Geschichte die Pathologisierung weiblicher Erfahrungen: Nach wie vor werden Schmerzen von Patientinnen weniger ernst genommen, wie Untersuchungen belegen. Doppelt so häufig als Männer haben Frauen in Deutschland bereits einen alternativen Therapieansatz wie Akupunktur oder Schüßlersalze ausprobiert, so eine repräsentative Umfrage im Auftrag der "Apotheken Umschau".

"Wenn man dann in Verschwörungserzählungen abgleitet, ist das in gewisser Hinsicht auch bequem", sagt Bettina Zehetner. "Da wird eine abstrakte Macht oder die allmächtige Pharmaindustrie angenommen, gegen die man eh nichts ausrichten kann. Es ist viel mühsamer, sich mit den realen politischen Verhältnissen – auch in der Familie – auseinanderzusetzen."

Auch wenn vermeintliche Fernheilungen und Schutzkristalle aktuell für Schlagzeilen sorgen – dass die Esoterik in der Pandemie einen nie dagewesenen Boom erlebe, hält Religionswissenschafter Martins für einen Trugschluss. "Wir sprechen seit den 90ern von einem Esoterik-Boom, ich denke, diese Wahrnehmung entsteht, weil sie so ein wimmelndes Feld ist, in dem quasi jeder seine Privatreligion hat." Angesichts einer globalen Gesundheitskrise stellen sich jedoch spezifische Probleme: etwa wenn Falschinformationen verbreitet werden oder Impfgegner*innen in Mütter-Foren aggressiv um Mitstreiterinnen werben. Mit dem zunehmenden Druck auf Facebook und Co sind die Social-Media-Plattformen mittlerweile auch in Sachen Verschwörungstheorien aktiv geworden. Instagram entfernte zahlreiche Hashtags radikaler Impfgegner*innen und blendet Links zur WHO ein, YouTube löscht zunehmend Videos, die mit unseriösen Inhalten gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen.

Dementsprechend sind auch Nutzer*innen mit großem Publikum vorsichtiger geworden. Sarah Schmid, die mit Alleingeburten im eigenen Garten auf YouTube bekannt wurde, kritisiert aktuell die Maskenpflicht ebenso wie "staatliche Kontrolle", sie spricht vom "C-Wort", um einer drohenden Löschung zu entgehen, die sie bei anderen Vlogger*innen beobachtet habe. Auch als Impfgegnerin tritt die Influencerin und laut eigenen Angaben ausgebildete Ärztin auf. Ihre Kinder sind "Freilerner", in der Schule werde nur nachgeplappert und kein kritisches Denken gelehrt, ist Schmid überzeugt. Auffallend viele Mütter und Familien, die um die Welt reisen und ihre Kinder selbst unterrichten, finden sich unter esoterischen Influencer*innen. Fotos zeigen eine vermeintlich heile Welt beim Kinderyoga und bei Strandspaziergängen, die "einengende" Welt von Bürojobs und Schulen haben sie hinter sich gelassen. Ihr neues Leben bringe wahre Freiheit – ein zentraler Begriff der esoterischen Szene. Diese Freiheit sei keineswegs eine unregulierte Freiheit, sagt Ansgar Martins, sondern Bestandteil der großen Selbstkonzentriertheit. "Esoteriker*innen suchen nach dem authentischen Selbst, unabhängig von allen sozialen Zumutungen der Außenwelt. In der Pandemie scheinen ihre Angstfantasien vor dem Staat, dem Abstrakten wahr zu werden", so Ansgar. Halt bieten der eigene strikte Ernährungsplan und eine Kindererziehung, auf die staatliche Lehrpläne nur aus der Ferne Einfluss üben.

Dem Abstrakten, der "globalen Spaltung", setzt die Open-Air-Meditation in München ein "vereinendes Treffen in Verbundenheit" entgegen. Wenn die Menschen auf dem Marienplatz zusammenkommen, dann werde vor allem eines entstehen, ist da zu lesen: positive Energie. (Brigitte Theißl, 10.1.2021)


Aus: "Esoterik: Corona-Politik: Spirituelle Fundamentalopposition" Brigitte Theißl (11. Jänner 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000123148289/corona-politik-spirituelle-fundamentalopposition

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IamgoingtoBelize

Das hat gar nichts mit Spiritualität zu tun

Das hat nur mit Dummheit zu tun. Wem Spiritualität wichtig ist und weiß, dass Yoga ein Schlüssel ist, der soll sich mal anschauen was Sadhguru zum Thema Corona zu sagen hat. Und vor allem zu welchem Verhalten er rät: Natürlich zu Abstand, Maske und Impfung. Der Mann ist ein erleuchteter Mensch und ein echter spiritueller Führer.
Wer meint alle Krankheiten kommen von innen, ist mehr als durcheinander. Unfälle und eben Viren kommen klar von außen.
Wer Rücksichtslosigkeit propagiert weiß offenbar nicht mal das Yoga übersetzt Einheit bedeutet.


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.exe

"He propagates the claim, unsupported by science, that cooked food consumed during lunar eclipses depletes the human body's pranic energies. He also perpetuates numerous myths regarding clinical depression, and opposes the potential prohibition on the use of mercury in traditional Indian medicine, despite the substance's extreme toxicity."

Quecksilber als Medizin also...ist ja ein lustiges Kerlchen.

https://en.wikipedia.org/wiki/Jaggi_Vasudev


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Frei_Denker

Spirituelle Wissenschaft

...das Problem ist derzeit eher die Verwechselbarkeit: Die Einen üben sich im rituellen Hände waschen und mehrmals, täglichen einreiben mit Ethanol.
Dazu tragen sie Masken und führen imaginäre Babyelefanten spazieren...

Sie "glauben" weiters ein Phänomen entdeckt zu haben, dass seit mind. 5000 Jahren erstmals auftritt, sonst noch nie dokumentiert wurde und erstmals in der Weltgeschichte zur "globalen Maskenpflicht" führen muss...

Die Anderen machen Yoga und Vitamin C Kuren...
;-)


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Nada7791

Der entscheidene Unterschied ist: die erste Gruppe schützt sich und andere und auch alle die Menschen, die sich im KH derzeit aufreiben; der zweiten Gruppe ist das alles egal, mit allen Konsequenzen. ...


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VwV

In Wahrheit sind das antisoziale Egoisten auf einem Selbstdarstellungstrip! Man muss nur mit ihnen reden um das zu erkennen. Kritik ist in den Kreisen nicht erwünscht. Die bringt nämlich schlechte Energien!


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Gherardo

Wer krank wird, ist demnach selber schuld? Weil er hat sich falsch ernährt, hat schlecht gelebt, hat an das Falsche im Leben geglaubt.
Das ist ein Rückfall in das Denken des Mittelalters, wo Kranke nicht bemitleidet wurden, denn Gott wusste schon, warum er sie strafte.


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Gereon

Typisch für die Esoterik ist die Komplexitätsreduktion: Die eigene kleine Welt ist überschaubar und funktioniert nach Regeln, die man genau zu kennen glaubt. Und wenn man mit ein paar simplen Regeln alles Unerwünschte und Kranke von sich fern halten kann, lindert das die Ohnmachtsgefühle.

Esoterik ist vor allem eine Strategie gegen die eigene Angst. ...


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Eumelinchen

Die Esoterikszene ist konfliktscheu, bequem und selbstbezogen. Sie hat in manchen Punkten recht, wie z.B. gesunde Ernährung, Umgang mit der Natur, Kritik am Schulsystem, Kritik am Gesundheitssystem. Nur wird das alles nicht zu Ende gedacht, nicht in eine echte demokratische, politische Arbeit eingebracht. Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sie nicht. Dazu müsste man sich bewegen, auch an andere, ans Sozialsystem denken, auch mal selbst verzichten. Die technikfeindlichen Esos nutzen das Internet, wie kaum eine andere Gruppe, um gar nicht mehr aus dem Haus zu müssen und sich in der eigenen Blase zu bewegen -damit sie ja nicht gezwungen werden, über andere Vorstellungen nachzudenken.


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klartexten

Dummheit tötet.


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Dr. Viktor Frankenste

Ja, aber leider auch: Dummheit tötet Andere mit.


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Asragorn

Was spricht dagegen sein eigenes Immunsystem zu stärken?
Was spricht dagegen auf seine eigene Gesundheit zu achten in dem man sich gut ernährt?
Was spricht eigentlich gegen Eigenverantwortung?

In der Esoszene sehe ich die geringste Gefahr für unsere Gesellschaft. Vielmehr Gefahr sehe ich in profitgierigen Untetnehmen, machtgeilen Politikern und dem selbstgerechten Menschen, der denkt mit seinen "Errungenschaften" die Erde bis aufs Letzte ausbeuten zu können.


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witherabbitt

Sie biegen ab, bevor kritisches Denken einsetzen könnte.


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Diplom-Ingenieuse mit dem Gespür für Seepocken

Nazis und Esoterik: Friends with benefits seit eh und je.


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GuteNachtSchaukel

Jo eh.....und trotzdem ist nicht jeder der Yoga macht oder Licht schickt ein Nazi


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Tommy1971

sagt ja auch niemand. jeder der yoga macht, wird die positiven effekte spüren. den grund dafür kann man aber auch anderes als mit dem üblichen geschwurbel erklären (was nix an den positiven effekten ändert). wer "licht" schickt, ist kein "nazi", sondern meist sogar ein sehr wohlmeinender und vermutlich auch netter mensch. das ist genau das gleiche, wie wenn jemand für andere betet. schwachsinn bleibt es trotzdem.


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Amina Manina

Also ich lese grundsätzlich gerne Artikel, die die Eso-Schwurbler ein bisschen auf die Schaufel nehmen, aber hier wird schon alles über einen Kamm geschert...Sowohl Yoga als auch "gesunde" (sprich möglichst naturbelassene) Ernährung tragen nachweislich zu einem gesünderen und ausgeglicheneren Leben bei - natürlich gibts Extreme, und natürlich ist da ziemlich viel teils gefährlicher Blödsinn dabei, aber nicht jede/r der sowas macht und vielleicht auch noch das Schulsysmtem kritisch hinterfragt ist in die Corona-Leugner-Schhwurbel-Aluhut-Ecke zu stellen...! Ganz ehrlich, diese Polarisierung nervt, und trägt sicher nichts dazu bei, dass irgendwo ein vernünftiger Mittelweg rauskommt!


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Mattersburger

Es ist schon eine gewisse Tendenz zu erkennen. Ich habe auch Kolleginnen, die sehr auf Esoterik stehen. Sollen Sie, wenn sie wollen.
Wenn aber dann nur Esoterik akzeptiert wird und Fakten verleugnet werden, wird es gefährlich. Wenn dann noch dazu eben Aussagen kommen in die Richtung "na dann sterben halt Leute, die nicht fit genug sind", sind wir bei Aussagen, die eben zu sehr rechten Aussagen und dem Faschismus passen. Da gab es eben auch Leute, die "nicht fit genug oder es nicht wert waren, zu leben".

Das man dann mal eine gewisse Nähe sieht, darf dann nicht verwundern.


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Sepp Alpenrepp

Die einzigen Esoteriker die halbwegs glücklich sind, sind die, die anderen Esoterikern das Geld aus der Tasche ziehen. ...


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Resi Tupfer

Corona ist Corona, weil viele glauben
Corona wäre Corona!

Corona ist ein Instrument nicht mehr und nicht weniger.
Ja Corona gibt es!
Doch Corona ist die Wahrheit der natürlichen Transformation der Befreiung von Energien. Das Ungleichgewicht der unreinen Geisteszustände unserer fleischlichen Jetztbeziehung führt zum transformativen Energiesprung. Die Terz wird zur Quint, wenn Polyphonie der harmonischen Verwechslung zur Wolfskadenz transpontiert.
Mit Corona ist die enharmonische Verwechslung unserer Motivs eingeleitet worden.

Darum findet heraus wann die Coda beginnt, weil diese zeigt an dass das Ende naht.

Lernt den Rhythmus euer Flatustrommel zu schlagen. Pocht auf das Sternengeflecht eurer Mitte! Dann erfasst euch der Rhythmus der Trommel.

Ihr werdet ablassen!
Resi


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Kvik_mig_op

"Mit Corona ist die enharmonische Verwechslung unserer Motivs eingeleitet worden."

Endlich mal ein der Sachlage angemessener Satz!


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InnsbruckerBergfex

Lustig, bin aber doch froh dass es bald eine impfung gibt! auch für Resi :)


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peter schmidt

Na ich hoffe der Schalk bleibt ihr treu.


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Arnold XXIII

Liebe Friedensmenschen!

Ich glaube nicht, dass eine starke Aura reicht, um Viren abzuwehren.


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Anisotropy

Alles ist Eins?
Wie widersprüchlich die Esoteriker sind: einerseits oft das Motto "Alles ist Eins" und andererseits Null Solitarität, da es ja völlig ausreichend ist, wenn "ICH ein gutes Immunsystem habe".
Ich, ich, ich...


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PiCat

Falscher kann man nicht liegen. „ Ich“ gibts nicht, wenn alles eins ist.


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Nickless

Das Unbehagen im Kapitalismus hat viele Gesichter.


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G. B. Corner

Sie meinen, im Kommunismus hat es keine Wunderheler gegeben?


...

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #46 on: February 11, 2021, 11:47:22 AM »
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[...] Christian Kreil bloggt seit drei Jahren rund um Esoterik, Verschwörungsplauderei und Pseudomedizin. Am 15. Februar erscheint sein Buch "Fakemedizin".

Norbert Hofer hat den durch Fraktionschef Herbert Kickl verkörperten strammen Anti-Impfkurs der Partei durchkreuzt. Kurz zuvor gab der freiheitliche Welser Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ) in den Medien bekannt, sich sicher impfen zu lassen. Das ist gut. Und er empfiehlt, "Impfungen nicht zur ideologischen Frage zu machen." Das ist naiv. Impfungen und der Widerstand dagegen sind eine Frage von Ideologien und Werten seit 200 Jahren.

Ende des 18. Jahrhunderts hat der britische Arzt Edward Jenner die Immunisierung mit den für den Menschen ungefährlichen Kuhpocken-Viren etabliert. Auch in Wien wurde ab dem Jahr 1800 gegen Pocken geimpft. In allen Ländern, in denen man die Menschen damit zu schützen begann, sank die Anzahl der Opfer der tödlichen Krankheit rasant und merklich.

Man konnte den Erfolg einer Impfung schon damals erklären, sehen und zählen. Doch die Freunde diverser Seuchen zeigten sich schon damals unbeeindruckt: In Tirol setzte der Rebell Andreas Hofer zu Beginn des 19. Jahrhunderts in seiner kurzen Herrschaft über das heilige Land die von der bayerischen Herrschaft eingeführte Pockenimpfungen aus - offenbar auf Anregung seines Mitkämpfers Joachim Haspinger. Dieser rabiate Kapuzinerpater hatte die Vakzinen schon länger bekämpft, wäre doch der reinen und naturwüchsigen Tiroler Seele damit "bayerisches Denken" eingeimpft worden. Diese Fußnote zeigt, dass der Tiroler Widerstand zu einem guten Teil auch reaktionäres Aufbegehren gegen die napoleonische Moderne war. Die war manchem in der Lederhose zuwider. Religiös verbrämtes Sektierertum gegen die Aufklärung, das gibt es auch heute. Bei der Demo am 16. Jänner in Wien sah man eine Frau mit einem Plakat, auf dem zu lesen war: "Jesus Blut heilt Euch, nicht die Impfung."

In England erschien im Jahr 1869 mit dem "The Anti-Vaccinator" die wohl erste Zeitschrift der Impfgegner. In einer Art Leitartikel stellen die Impfgegner die Frage, warum das "Glaubensbekenntnis einer medizinischen Sekte" per Impfpflicht durchgesetzt werden sollte.

Das wohl älteste bekannte Sujet von Impfgegnern stammt aus dem Jahr 1869: Es zeigt eine Mutter, die mit ihrem kleinen Kind im Arm flüchtet, vor einer Schlange mit der Aufschrift "Vaccination". Der stilisierte Tod hält sich im Hintergrund, doch er frohlockt. Suchte eine Weltanschauung einen Sündenbock, so wusste sie die Schlange zu benennen. Der deutsche Philosoph Eugen Dühring, ein rabiater Vordenker des nationalsozialistischen Antisemitismus, schrieb 1881: "Auch von dem Impfaberglauben selbst abgesehen, ist der Impfzwang immer ein Mittel, durch welches dem ärztlichen Gewerbe eine unfreiwillige Kundschaft zugeführt wird." Und natürlich ortete Düring "die Juden" hinter Impfungen und Impfzwang: "Der ärztliche Beruf ist wohl unter allen gelehrten Geschäftszweigen nächst der Literaten am stärksten von Juden besetzt."

Der Zugang der Nationalsozialsten zu Impfungen war von Zweifeln geprägt. Pragmatische Überlegungen für einen widerstands- und wehrfähigen "Volkskörper" sprachen für Impfungen. Die Idee einer Immunisierung der Massen widersprach indes dem Gedanken von Auslese und Abhärtung. Dass der "Herrenmensch" mit einer Impfung den "Untermenschen" schützt und vice versa, das war offenbar ein unerträglicher Gedanke. Julius Streicher schrieb im Jahr 1935: "Die Impfung ist eine Rassenschande". Hinter einer gesetzlichen Impflicht aus dem Jahr 1874 verortete Streicher jüdische Abgeordnete. Streichers Hetzblatt "Der Stürmer" illustrierte den Zeitgeist in einem Sujet: Ein Arzt mit Hakennase, er lächelt verschlagen, hält eine Spritze in der Hand. Seine Patientin hat ein Kind im Arm, sie sieht sehr deutsch aus und äußert Bedenken: "Mir ist so komisch zu Mut, Gift und Jud tut selten gut."  Der Deutsche Impfgegner-Ärztebund reimte im Jahr 1935:  „Deutsches Volk, hab‘ nichts mit dem Impfen gemein, / Es ist jeder wahren Gesundheitspflege Hohn, / Und willst Du nicht selbst Dein Totengräber sein, / Dann bekenn‘ Dich entschlossen zur Anti-Vakzi-Nation!“

Der rechte Narrensaum im Lande hält auch im Jahr 2021 die Reihen hinter einem "Volksbegehren gegen Impfpflicht" dicht geschlossen. Diese Attitüde ist nur mit viel Fantasie von einem historischen Kontinuum zu trennen. Die Sektion Straßentheater der rechtsextremen Identitären zog im Sommer 2020 mit einer Gesichtsmaske von Bundeskanzler Sebastian Kurz durch die Straßen, ausgestattet mit einer großen Spritze und mit der rhetorischen Frage: "Wer will sich von Kurz impfen lassen?"

Rührig ist auch die rechte Politseniorin Inge Rauscher mit ihrem Verein "Heimat & Umwelt". Rauscher wollte vor zwei Jahren mit einer EU-Austrittsbewegung in das EU-Parlament einziehen. Derzeit macht sie sich für das "Volksbegehren gegen Impfpflicht" stark. Die stark rechtslastige "Wegwarte", eine Publikation von Rauschers Initiative, wagt sich weit vor in das Metier der Medizin. In der Ausgabe vom September 2020 steht, "dass diese Coronaimpfung erstmals in der Geschichte der Menschheit in die Erbsubstanz jedes Einzelnen eingreifen und diese verändern wird." Und: "Was sollen Impfungen nützen gegen einen Virus, der noch nie nachgewiesen wurde?" Weiter hinten in dem Intelligenzblatt liest man, der Mobilfunkstandard "5G kann Coronaerkrankungen verursachen".

Die rechte Postille "Wochenblick" surft seit Wochen mit bewundernswerter Penetranz auf der Welle der Impfgegner. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine Horrormeldung über die Impfung verkündet wird. Das Blatt kann getrost als Echokammer an der Schnittmenge von FPÖ und Neuen Rechten bezeichnet werden. Nun gefällt man sich auch als Sprachrohr der "Querdenker", Corona-Verharmloser und Impfgegner. Den 31. Jänner, bei dem eine Freakshow als Demonstrierende durch Wien zog, bejubelt das Blatt als "Tag der Freiheit".

Der Sprung zum nächsten Impfgegner ist scheinbar weit: Die indische Unabhängigkeitsikone Mahatma Gandhi schrieb im Jahr 1924: "Der Impfstoff ist eine schmutzige Substanz und es wäre närrisch zu erwarten, dass eine Art Schmutz eine andere entfernen kann." Die Krankheit Pocken verklärte der Inder zu einer Art Stahlbad. Sie seien als "eines der besten Hilfsmittel der Natur dafür anzusehen, das im Körper angesammelte Gift loszuwerden und eine normale Gesundheit wiederherzustellen." So brutal und zynisch kann Gewaltfreiheit sein.

Brüder Gandhis im Geiste sind die Anhänger der "anthroposophischen Medizin". Die Ärztin Daphne von Bosch bringt das in einem Aufsatz für die Zeitschrift "Erziehungskunst" der Waldorfpädagogik auf den Punkt: "Ein Problem der Impfungen besteht darin, dass sie auf der festen Überzeugung beruhen, Krankheit habe keinen Sinn." Anthroposophische Medizin und Waldorfpädagogik basieren auf den Lehren des esoterischen Sektierers Rudolf Steiner. Der lehrte einst, dass man "gegen das Karma nicht heilen kann" - und vermutlich auch nicht impfen. Der Arzt Volker Fintelmann orakelt in der aktuellen Ausgabe der Erziehungskunst: "Soll durch das Coronavirus die Seele fester an den Leib angeschmiedet, sollen ihre Flügel zum Geist gestutzt werden?" Der Arzt rät nicht zur Impfung, sondern zu "spiritueller Immunologie."

Leider sind die Erfolge der spirituellen Immunisierung, von der die Steiner- Jünger träumen, durchwachsen. Die ungeimpften Oberschichtsgören in den Waldorfschulen entpuppten sich in den letzten Jahren stets als wahre Superspreader, wann immer die Masern in Mitteleuropa ausbrachen.   

Fernab der Anthroposophie und nur etwas weiter nordwestlich von Gandhis Heimat hissen heute die islamistischen Taliban die Fahne des Impfverweigertums. Die bärtigen Herren im Karakorum vermuten hinter Impfungen eine westlich-jüdische Verschwörung, die Impfstoffe würden die biologische Reproduktion der Rechtgläubigen gezielt stören.

Auch im Norden Nigerias hatten islamische Würdenträger Impfkampagnen kritisiert. Demnach würden "die Amerikaner" damit versuchen, junge Frauen unfruchtbar machen. Die Impfkampagnen der Regierung mussten in den letzten Jahrzehnten nach Übergriffen der blutrünstigen Islamisten von Boko Haram auf Impfteams immer wieder unterbrochen werden. Nigeria, Pakistan und Afghanistan sind die einzigen Länder, in denen die Kinderlähmung nach wie vor endemisch ist. Mit anderen Worten: Unschuldige Kinder zahlen die Zeche für islamistische Verschwörungstheorien. 

Von Andreas Hofer zu den Taliban, von den Nazis bis zu Boko Haram und über Gandhi zu Anthroposophen und von dort in die Wiener Innenstadt zu Aufmärschen von Alt-Hippies und Neurechten und Querdenkern, die sich allesamt zu Opfern einer vermeintlichen Impf-Diktatur hochstilisieren. Was eint diese Leute? Eine Opposition gegen die Werte der Aufklärung, die über der Inferiorität der eigenen Weltanschauung hinwegtäuschen soll, ein Widerwille gegen solidarisches Handeln sowie die Lust am vermeintlichen Entlarven sinistrer Sündenböcke.

Das alles muss im Hinterkopf haben, wer eine Impfkampagne führt. Die inhaltlichen Kontroversen der Gegenwart sind ein Scheingefecht. Die gegenwärtigen Impfgegner schieben gerne und unter anderem das Argument einer zu kurzen Entwicklungsdauer des Impfstoffes vor. Dem kann man inhaltlich treffsicher begegnen - und trotzdem das Ziel verfehlen. Ideologen lassen sich nicht von Argumenten beeinflussen, die sie selbst nur zum Schein vorschieben. Die Begeisterung für Seuchen ist knallharte Ideologie. (Christian Kreil, 11.2.2021)



Aus: "Stiftung Gurutest: Impfgegner: Reaktionärer Widerstand seit 200 Jahren" Christian Kreil (11. Februar 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000123455429/impfgegner-reaktionaerer-widerstand-seit-200-jahren

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Freigeist

Es liegt in der menschlichen Natur nur zu sehen was man sehen will
Dem Autor geht es nicht anders als jenen über die er schreibt.

Komplexe Probleme "einfach" erklärt. So "wirbt" jede Seite erfolgreich um ihre Anhänger


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stay calm

Das is gar nix komplex.

Die Geschichte der Impfungen ist wohl eine der erfolgreichsten medizinischer Leistungen.
Typhus, Cholera, Masern, Kinderlähmung, Pocken und dann kommen so Vollkoffer und quasseln was von Selbstbestimmung. Beim nächsten Virus mit einer Sterblichkeitsrate ich denk es war MERs mit 20% gibts kein Fragen nach Freiheit - jeder der dann eine Impfung verweigert tötet andere. ...


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M. Treuhold

11. Februar 2021, 08:23:22

Einen Impfgegner zu überzeugen ist unglaublich mühevoll

Das braucht viel Geduld, Beharrlichkeit, Empathie und Liebe. Meine Freundin ist Impfgegnerin. Hochintelligent, sehr sozial, empathisch, konfliktfähig und eine liebevolle Mutter und dennoch ist sie Impfgegnerin. Das ist von außen kaum zu begreifen und sie ist bei dem Thema logischen Argumenten nicht zugänglich. Diese Position aufzugeben ist harte Persönlichkeitsarbeit. Das Vertrauen in Gesellschaft, Staat und das Gute im Menschen ist meist nachhaltig zerstört. Da ist oft auch das ganze soziale Umfeld auf dem gleichen Dampfer und die Angst, sich davon zu entfernen und die eigenen Freunde nicht mehr für voll nehmen zu können, spielt da eine gewichtige Rolle. ...


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TheCheeseStandsAlone

11. Februar 2021, 07:50:21

An dieser Stelle möchte ich Herrn Kreil zu seinem Homöopathie-Preis gratulieren.

" ... Auszeichnung für unwissenschaftlichen Unsinn 2020
Die österreichischen Ärztegesellschaften für Homöopathie haben die „Auszeichnungen für unwissenschaftlichen Unsinn“ für 2020 vergeben. Sie gehen diesmal an drei AktivistInnen namens Natalie Grams als Erstgereihte und ex aequo auf Platz zwei an Florian Aigner und Christian Kreil für subjektive, faktenwidrige, unbelegte und unhaltbare Aussagen in medialen Beiträgen, öffentlichen Auftritten und Publikationen.
Die Ausgezeichneten lagen bei der Beurteilung länger mit großem Abstand zu anderen gleichauf, schließlich setzte sich Frau Grams als Erste durch.
Unwissenschaftliche Dogmatik
Die Begründung der Mediziner lautet, dass die genannten Personen für ihre Agitation willkürlich eine — in der Praxis funktionierende und mit zwei Drittel der Bevölkerung breit genutzte — Heilmethode herausgreifen und mit ungezügelter emotionaler Abneigung verfolgen. Mit ihren Aussagen, dass die Wirkungslosigkeit der Homöopathie bewiesen wäre, verletzten sie die wissenschaftliche Logik. Sie täuschen Wissenschaftlichkeit vor, tatsächlich ignorieren sie aber bewusst vorliegende Evidenz. Trotz neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Wirkungsmechanismus und aktueller, positiver Studienlage zur Wirksamkeit der Homöopathie, werden Homöopathieanwendern unverhohlen Verschwörungstheorien unterstellt.
Statt eines wissenschaftlichen Diskurses zeigt sich in einer selbstgewählten Ignoranz sämtlicher klinischer Studien und Übersichtsarbeiten renommierter Wissenschaftler lediglich eine wissenschaftsfeindliche dogmatische Haltung. Und obwohl die pseudoskeptischen Aussagen vielfach widerlegt sind, werden diese dennoch ständig wiederholt. Die spekulative Vorgangsweise und haltlosen Argumentationen unter Wahrheitsanmaßung haben nichts mit seriösem Skeptizismus zu tun.
Angebrachte Kritik, wie zuletzt in Medien, verhallt und man nimmt in Täter-Opfer-Umkehr die Rolle schuldlos Angegriffener ein.
Bedenklich ist weiters, dass die Personen oft nicht über die fachliche Qualifikation und ausreichende praktische ärztlich-homöopathische Erfahrung verfügen, um über medizinische und gesundheitliche Angelegenheiten Aussagen zu treffen und Rat zu geben.
Vermarktung auf dem Rücken der Allgemeinheit
Das Motiv ist ersichtlich, sich selbst mit einem alten, vermeintlichen Aufregerthema in Szene zu setzen und zu vermarkten. Es wird jedoch auf verantwortungslose Weise den PatientInnen, den ÄrztInnen und dem Gesundheitssystem Schaden zugefügt.
Im Gegensatz dazu sollten die Pluralität in der Medizin mit einem integrativen Ansatz und die Wahlfreiheit für die Menschen geschützt und ausgebaut werden. Ärztliche Homöopathie folgt immer dem komplementären Prinzip und arbeitet mit konventionellen Methoden zusammen, zumal sie in Österreich ausgebildeten ÄrztInnen mit Zusatzausbildung vorbehalten ist und die Arzneimittel nach den strengen Arzneimittelvorschriften zugelassen sind.
Im Namen der Österreichischen Homöopathie Gesellschaften ÄKH, ÖGHM, ÖGVH, 01.02.2021 ..."
https://www.aekh.at/allgemein/auszeichnung-fuer-unwissenschaftlichen-unsinn-2020/

Kann man nicht erfinden.

Homöopathen wissen wie man sich lächerlich macht.


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Christian Kreil

Danke!

Meine Dankesrede schreibe ich gerade. Sie beginnt jedenfalls mit dem Satz: "Ich habe nichts gegen ganzheitliche Medizin. Mir gefallen nur die Kasperl nicht, die sie für sich reklamieren."


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wahrheitODERpflicht

wortfetzen

...Die ungeimpften Oberschichtsgören in den Waldorfschulen entpuppten sich in den letzten Jahren stets als wahre Superspreader, wann immer die Masern in Mitteleuropa ausbrachen... WAS SOLL DENN DER SCHUND?
Christian Kreil, einfach nur ein armer Irrer!


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Christian Kreil

Die anthroposophische Bewegung ist einer der größten esoterischen Sekten der Gegenwart, wirtschaftlich gut aufgestellt in Sachen Pseudopharmazie, verschleiert ihre Agenda recht geschickt, mischt - vor allem in Deutschland engagiert mit bei den rechten Leerdenkern.

Ich sage es ganz ehrlich: Mir sind diese Karma-Fritzen einfach zuwider.


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Ohne Dings kein Bums

Naja - da muss man schon unterscheiden - Ganz so einfach ist das nicht
Einerseits ist Esoterik seit jeher die Religion der Rechten andererseits stimmt auch oft der Ansatz dieser Religion . Wie bei allen Religionen . Dass der Mensch nicht nur aus Körper sondern vor Allem ein spirituelles Wesen ist kann ja niemand bestreiten . ...


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Ohne Dings kein Bums

Rechts sein ist keine Ideologie - Sondern eine Charakter Schwäche und die Unfähigkeit auf Situationen die sich verändern angemessen reagieren zu können -------- Quasi aus Not eine Tugend zu machen - oder zumindest zu versuchen ...


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am Tag danach

Fast 9 Milliarden Menschen. Nur noch Habgier, Macht und Egoismuss, Hass, Zorn.
Wir brauchen einen noch viel schlimmeren Virus, einen der die Welt wieder reguliert und ihn auf jenen Ebene stellt, wo er hingehört. Der Tod ist so natürlich wie das Leben und wenn man sich den Menschen ansieht, dann besteht er eben nur aus Fleisch, Flüssigkeiten, Schleim, Sehnen und Knochen. Wen man noch genauer hinsieht, dann könnte man sagen nur aus Zellen. Der Mensch nimmt sich einfach nur zu wichtig. Im Prinzip ist er nicht mehr als ein Wurm, ein Käfer, eine Made.


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-lt-

Ich bin nur wegen der Kommentare hier und ich wurde nicht enttäuscht.


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LukasA.

Als Impfgegner, Anthroposoph und Nicht-Rechter gäbe es für mich so einiges an diesem Artikel auszusetzen. Doch die Schreibweise des Autors: "Freakshow", "Brüder Ghandis im Geiste", "ungeimpften Oberschichtsgören" zeigt wie sehr der Hass gegen Andersdenkende schon vorangeschritten ist, dass ich Ihnen nur mein Beileid aussprechen möchte und hoffe sie akzeptieren andere Meinungen vielleicht in einem nächsten Leben.


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lux ferre

Conclusio: Wer kritisch eingestellt ist gegenüber Impfstoffen, deren Wirksamkeit noch höchst unklar ist, ist ein katholischer Fanatiker, Nazi, Esoterik-Spinner oder Taliban. Wer ist jetzt da der Ideologe?
Für viele gibt es echt nur noch Schwarz und Weiß, und sie merken ihre eigene Verblendung gar nicht.


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Ratz Fatz

Nicht unbedingt ein katholischer Fanatiker, Nazi etc., aber ein ungebildeter Sturschädl, der sich rationalen Argumenten mit pseudowissenschaftlichem und esoterischem Geschwurbel verschließt.


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Ernest Niedermann

Sie lehnen sich sehr weit aus den (verbalen) Fenster, wenn sie behaupten: "... Impfstoffen, deren Wirksamkeit noch höchst unklar ist ...".
Begriffe wie "Evidenzbasiert", oder "wissenschaftliche Ansprüche" oder schlicht "Faktenlage" scheinen in ihrem möglicherweise reichlich esoterisch gefärbten Geist nicht vorzukommen.
Aber, es muss sie niemand ernst nehmen!

Nur spannend, dass ausgerechnet SIE den Begriff "Verblendung" artikulieren.


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JulieAnn

Lernen Sie Geschichte - Teil 1

Diese unvorstellbare Hybris, dieses von oben herab, mit dem hier argumentiert wird, ist genau der Grund, warum es keine sinnvolle offene Diskussion zwischen beiden Lagern geben wird. Ich bin kein Impfgegner, sondern ein Impfskeptiker, der gegen die größten Geißeln der Menschheit wohl geimpft ist (früher hatte man da keine große Wahl), aber sich sicher keine Spritze mehr geben lassen wird. Was ich mich bei all dem polemischen Geschwafel wirklich frage, ist, warum haben wir Menschen denn ein Immunsystem, das uns Jahrtausende gegen manches besser, gegen manches schlechter geschützt hat?


Quote
DrivingWithTheBrakesOn

"Was ich mich bei all dem polemischen Geschwafel wirklich frage, ist, warum haben wir Menschen denn ein Immunsystem, das uns Jahrtausende gegen manches besser, gegen manches schlechter geschützt hat?"

Eugenik lässt grüßen. Zuwas haben wir überhaupt Medizin, Technik etc. - haben wir vor 10.000 Jahren ja auch nicht gebraucht. Und wer das net übersteht, hat halt Pech gehabt.


Quote
Shalimar der Narr

... Etwas Basiswissen Immunologie wär auch ganz gut.


Quote
JulieAnn

Lernen Sie Geschichte - Teil 2

Aber ich will hier mit einem berühmten Zitat aufwarten – „Lernen Sie Geschichte!“ Denn die Medizin ihrer Zeit, war meist eben nicht die Rettung der Menschheit, sondern eher deren Untergang. Während des Aufkommens der Syphilis nach der Entdeckung Amerikas in Europa haben sich leider nicht die „reaktionären“ Behandlungswege durchgesetzt (die Indianer haben die Lustseuche sehr erfolgreich mit Sauna, Fasten und Heilkräutern behandelt) – nein, die modernen Mediziner sind mit ihrem Quecksilber gekommen. Dass die Behandlung mindestens so schlimm war wie die Krankheit, war ihnen recht egal – Haarausfall, chronische Obstipation, Ekzeme, extremer Juckreiz, blasse Gesichtsfarbe bis zu Wahnsinn waren die Folge.


Quote
Ich sag ja nix, ich mein ja nur

"Denn die Medizin ihrer Zeit, war meist eben nicht die Rettung der Menschheit, sondern eher deren Untergang."

Warum um alles in der Welt lernen Sie nicht selbst Geschichte?

Nein, die Medizin war bis ins 18. Jahrhundert hinein nicht perfekt, aber sie hat es geschafft, eine evidenzbasierte Wissenschaft zu werden, welche Krankheiten heilen kann, Verletzte wiederherstellen kann und sogar Körperteile transplantieren kann.

Wenn das Immunsystem der Menschheit so toll war und die medizin der Untergang der Menschheit, da drängt sich doch die Frage auf, warum die Pest Europas Bevölkerung fast halbieren konnte. Haben da keine Kräuter geholfen?


Quote
JulieAnn

Lernen Sie Geschichte - Teil 3

Als die moderne Wissenschaft anfing ins Handwerk der „reaktionären“ Hebammen zu pfuschen, führte diese die fortschrittlichsten Operationen an den werdenden Müttern durch. Da wurden Beckenknochen durchsägt, lebende Kinder im Mutterleib durchteilt und andere Grauslichkeiten. Nun ja, sie lernten auch irgendwann einen sauberen Kaiserschnitt durchzuführen und wenn die Mutter dann die darauffolgende Infektion überlebte, war das ein Erfolg der modernen Medizin. Aber auch heutzutage denken wir der Natur mit unserer geplanten Geburt voraus zu sein, und ignorieren Studien, die zeigen, dass allein Hebammen geführte Geburten komplikationsärmer sind, als solche, die von Ärzten geführt werden.


Quote
JulieAnn

Lernen Sie Geschichte - Teil 4

Ich denke etwas Demut würde der modernen Medizin und Wissenschaft guttun. Denn viele unheilbare Krankheiten, können mittlerweile mit den verpönten „reaktionären“ alternativen Behandlungsmethoden therapiert werden. Aber das interessiert niemand – es verdient halt niemand Geld an Heilkräutern oder Ernährungsumstellungen. Dass es mittlerweile sogar die ersten Studien darüber gibt, dass ein guter Vitamin D Spiegel schwere Verläufe an Corona verhindern kann, selbst wenn die Gaben erst bei Ausbruch gegeben werden, wird im besten Fall ignoriert, im schlimmsten Fall diskreditiert. Aber ja, der Fortschritt wird uns helfen, ebenso wie eine unausgegorene Impfung!


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DrivingWithTheBrakesOn

Die Medizin des 18. und 19. Jhdt. war mit Sicherheit aus heutiger Sicht betrachtet eher eine Schlachtbank als sonst was. Aber die Medizin hat sich massiv weiter entwickelt. Und wenn sie jetzt einen medizinisch notwendigen Kaiserschnitt mit der Modeerscheinung Kaiserschnitt gleichsetzen wollen, dann bin ich die Erste, die sie mit nassen Fetzen aus dem Forum prügeln wird. Ich habe Verwandte, die hätten ohne Kaiserschnitt keine Kinder bzw. wären nicht mehr am Leben. Und bei diesen Geburten waren übrigens auch Hebammen involviert.


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Karl Schreckt

Mama was hast du da am Oberarm?
Das kommt von der Pockenimpfung.
Und warum hab ich das nicht?
Weil sie funktioniert hat!

...


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Henio

Was kann man machen, wenn Leute sich weigern den Unterschied zwischen Impf-Gegner und Impf-Hinterfrager zu akzeptieren?


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Morpheus Sandman

Nicht viel, da sich Impf-Gegner meist selber "kritische Impf-Hinterfrager" nennen und meist von Unwissen und Ignoranz nur so strotzen.


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Stormtrooper87

Was kann man machen wenn Leute sich weigern den Unterschied zwischen Flacherdlern und Menschen die die runde Erde anzweifeln zu akzeptieren?


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Mattersburger

... Gerade die Eso-Schiene tut immer so, als ob sie um die ganze Welt besorgt wäre, aber "dann wird halt jemand krank", "dann sterben halt Menschen" sind Aussagen von solchen Eso-Fans, die ich laufend höre.


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tock tock tock

Ängste vor Nebenwirkungen und Langzeitschäden vor denen wird sich komischerweise nur bei der Impfung gefürchtet. Die viel Realere Gefahr von Langzeitschäden durch die Krankheit wird aber völlig ignoriert. Warum?


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Marcus Trullus

Weil die Krankheit "gute Natur" ist und die Impfung "böse Künstlich- technisch". Und dagegen ist man, egal ob Links, Rechts, ...


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schafskopf

Also ich lasse mich impfen, sobald ich die Möglichkeit bekomme! Mein Vater nicht. Er denkt ähnlich wie Ghandi und ist mit seinen Argumenten kaum auszuhalten... Aber es gibt eben verschiedene Sichtweisen und Problemösungsansätze. Damit muss unsere Gesellschaft umgehen können! Eine Impfpflicht kommt für mich nicht in Frage!


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Schnitzelliebhaber

Nein !!! Weil Ihr Vater und die anderen, die so handeln, eine MITVERANTWORTUNG für die Gesellschaft und für die Ausbreitung von Seuchen tragen.
Den Luxus einer freien Entscheidung gegen eine Impfung kann man nur jemandem gewähren, der der Gesellschaft zu 100% garantieren kann, dass er niemals auch nur ein einziges Virus verbreiten wird.

Und das geht wohl technisch und moralisch kaum - (außer Sie wollen Ihren Vater wegsperren).
Seuchenbekämpfung und -Vermeidung ist nunmal eine Frage der SOLIDAREN Pflicht, weil es in erster Linie um die Mitmenschen geht.
Oder haben Sie geglaubt, dass gesetzliche Impfpflichten erfunden würden, um den EINZELNEN zu schützen?


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JustusJonas

Die Welt ist nicht immer schwarz und weiß

Herr Kreil malt uns hier ein Weltbild vor die Augen als gäbe es auf der einen Seite die religiös verbrämten reaktionären ungebildeten Impfgegner und auf der anderen Seite die gebildeten aufgeklärten Impfgegner. Dieses Weltbild hapert an so manchen Ecken.
1. Gerade Pfarrer und Kirche haben der Pockenimpfung zum Durchbruch verholfen selbst Kirchenlieder gab es die den Wert der Pockenimpfung besangen.
2. Die Nazis reaktionäre Impfgegner? Selbst fühlten sie sich meist als modern dem Geist der Aufklärung und Wissenschaft verpflichtet. Es waren übrigens die Nazis die 1939 die Impfpflicht in Österreich einführten.
3. Bildung schützt vor Torheit nicht zb. Akademikerquote bei Homöophatie. Kants Sonnenabstandstheorie.


Die ursprüngliche Bedeutung war in Österreich '(eine kleine Menge) Kautabakʼ bzw. 'Zigarren-, Zigarettenstummelʼ. Schließlich wurde Tschick zunehmend als Bezeichnung für die Zigarette (als Ganzes) verwendet, wahrscheinlich zuerst in der Jugendsprache.

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Eder 1

Die rechte Postille "Wochenblick" surft seit Wochen mit bewundernswerter Penetranz auf der Welle der Impfgegner.
Der linke Standard surft seit Wochen mit bewundernswerter Penetranz auf der Welle der Impffetischisten. ...


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Doc Steel

man muss nicht gegen alles geimpft sein.


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taps2017

Gegen Dummheit wäre aber super.


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Doc Steel

... das heißt Bildung, da gibts auch viele Gegner.


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Lasker

Seit "200 Jahren reaktionärer Widerstand"

Völlig unverständlich, dass sich die Menschen gegen Aderlass und schwer giftige Anwendungen wehrten... Oder gab es damals noch andere tolle Behandlungen?


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tommy 4009

Über 22 Millionen Menschenleben
konnten in den letzten 20 Jahren,
alleine durch Masern-Impfungen gerettet werden.

Kaum eine Medizinische Entdeckung hat mehr
Schmerz und Leid verhindert
als die der Impfung.


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peter737

Schlechtes Beispiel , gegen Masern wird man einmal geimpft und ist sein Leben lang geschützt . Bei Corona kann es möglicherweise sein, dass die Impfung wirkt und das auch nur bis zur nächsten Mutation.


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feuer und eis

Ich meine mich zu erinnern, dass meine Kinder 2x gegen Masern geimpft wurden.

Ich lass mich auch regelmäßig gegen Tetanus und Keuchhusten impfen.
Und ich will endlich raus aus dem ständigen lockdown schmarrn an den sich die meisten eh nicht halten. Andere dafür umso mehr und die Spaltung in der Gesellschaft immer schlimmer wird.


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markus, telfs

Sag mal, Standard, geht’s eigentlich noch? Freaks, Sektierer, was geht denn bei euch ab? Eine derartig herablassende Schreibe hab ich wirklich selten gelesen. Meinungsfreiheit heißt bei euch wohl, man darf eure Meinung frei vertreten.


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drizztdourdenn

Die "Sektierer, Freaks" dürfen ihre Meinung eh gern vertreten. Wenn's nachhaltig evidenzlosen Geschwurbel mit gefährlichen Konsequenzen für die Gesellschaft ist, darf man aber auch mal dagegen auftreten.

Wir bräuchten ohnehin einen gesellschaftlichen Schulterschluss, der diese kruden Meinungen zwar zulässt, aber auch ganz klar dagegen aufsteht und anschreibt.


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Herbert Hartschusterer

Und ein "gesellschaftlicher Schulterschluss" bedeutet dann, dass man diese Leute in angeblichen Qualitätsmedien als "Freakshow" beschimpft und alle johlen?

Klingt nach einer ganz wunderbar zivilisierten und reifen Gesellschaft, von der Sie da träumen...


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MemoryDragon

Tjo die Wahrheit schmerzt!


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markus, telfs

Das tut mir leid, wo tut es dir weh?


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Big Head

Truth hurts?

Auszug aus dem Volksbegehren "Für Impf-Freiheit":

"Es ist auch zu befürchten, dass es in absehbarer Zeit zur „sozialen Pflicht“ wird, sich einen Chip (RFID) einsetzen zu lassen oder ständig eine Tracking-App mitzuführen. Durch die sodann mögliche lückenlose Überwachung und Kontrolle ist das Recht auf Privatsphäre nicht mehr gewährleistet. Mit der Einführung des 5G-Mobilfunknetzes werden wesentliche technische Voraussetzungen dafür geschaffen."

Wer so etwas unterschreibt, bei dem ist Hopfen und Malz verloren!


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makaberich

Hab ich nicht hier im Standard gelesen, dass die Kapitolstürmer aufgrund der Handydaten verfolgt werden konnten?


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Big Head

Es geht hier darum sich einen Chip in den Körper einsetzen zu lassen.


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MemoryDragon

Tjo wenns so deppert sind ihr Handy mitzunehmen!


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Primehunter

Toller Artikel, vielen dank. Ich hatte dabei leider durchgehend Teile meiner eigenen Verwandtschaft vor Augen auf die praktisch jeder Punkt zutrifft. Angefangen von "in Impfungen ist so viel Gift", über "Krankheiten sind wichtig für die Evolution", bis "Corona wird sowieso nur von 5G Masten ausgelöst".


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Freibeitrag

Da Otto Normalverbraucher die Vakzine nicht nachprüfen kann, muss er GLAUBEN was andere vorgeben. WISSEN ist nicht möglich.
Es ist halt eine Vertrauensfrage.
Und Vertrauen in gewinnorientierte Pharmakonzerne ist nicht leicht.

Nur: Ich verstehe den Computerprozessor auch nicht. Und trotzdem vertraue ich ihm.
Meistens. Dem blöden Blechkastel. :)


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Primehunter

Man muss vor allem dem wissenschaftlichen Erkenntnisprozess vertrauen und mit etwas Verständnis wie Studien aufgebaut sein müssen, kann man auch ohne Fachkenntnis beurteilen ob eine Studie brauchbar war. Leider gehören genau diese Dinge in Österreich nicht zur Allgemeinbildung und deswegen werden wir auch weiterhin von einer Katastrophe in die nächste Laufen.

Aber ja, Pharmariesen sind keine Charities, das sollte man auch nicht vergessen.


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Shutdown Matrix

Man kann sich eigentlich nur schämen, wenn man einen derart miesen Text verfasst und dann eines Tages auf ein Kind, dessen Eltern und Geschwister trifft, dass schwer behindert ist, weil es eine Impfung nicht vertragen hat.
Ob sich ein Mensch einer medizinischen Behandlung - welcher Art auch immer - unterziehen will oder nicht, ist in unserem Rechtsstaat seine Entscheidung.
Es gibt Argumente für Impfungen und es gibt Argumente gegen Impfungen, aber dieser Artikel ist einfach nur letztklassige exoterische Hetze.


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Groschenglauber

Nein ist er nicht, er zeigt viel mehr auf dass die meisten die laut gegen Impfungen aufbegehren, das ideologisch geprägt tun und nicht primär aus Angst vor Nebenwirkung. Ihr Beispiel ist dramatisch und sicher sehr belastend für die Familie, aber sind jene die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können und dann erkranken weil ideologisierte Impfverweigerer die Krankheit verbreiten, Opfer 2ter Klasse?


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Ray Davies

Hetzer sind vor allem auch die, die andere vollkommen unnötig und unter dem Deckmantel einer vollkommen falsch verstandenen Solidarität dazu zwingen wollen, eine medizinische Therapie in Anspruch zu nehmen, die sie nicht wollen. Es soll sich jeder impfen lassen, der sich selbst schützen will oder zu einer Risikogruppe gehört, wenn er/sie das will und gut ist es. Es braucht dazu nicht die beinahe täglichen Missionierungen.


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Groschenglauber

Falsch verstandene Solidarität?

Was wär denn richtige Solidarität in ihren Augen?


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[...] Wissen rettet Leben (Montag, 25. Januar 2021)

Die größte Stärke der Wissenschaft ist ihre Offenheit. Ihre Fähigkeit, neue Erkenntnisse aufzunehmen und alte Erkenntnisse zu verwerfen. Ein Wissenschaftler wird von seiner Unwissenheit angetrieben. Er hat Fragen, er hat Zweifel und er begibt sich auf die Suche nach Antworten. Er muss in der Lage sein, im Licht neuer Erkenntnisse seine Meinung zu einer Forschungsfrage zu ändern. Flexibilität und Diskursfähigkeit sind, neben Intelligenz und Ausbildung, für ihn elementar.

Religionen und Ideologien sind im Gegensatz zur Wissenschaft geschlossene Systeme. Ihre Anhänger glauben, sie befänden sich exklusiv im Besitz der Wahrheit. Sie haben keine Fragen, weil sie alle Antworten in ihren heiligen Schriften besitzen. Sie haben auch keine Zweifel. Wer zweifelt, ist für religiöse und ideologische Organisationen untauglich. Ein gläubiger Christ oder Muslim, ein Marxist oder ein Faschist werden ihre Meinung niemals ändern. Sie haben die Bibel und den Koran, Das Kapital und Mein Kampf.

Der Laie hält die Offenheit und Wandlungsfähigkeit der Wissenschaft für eine Schwäche. „Erst war die Erde eine Scheibe, jetzt ist sie plötzlich eine Kugel. Entscheidet euch endlich mal!“ Das Wissen ist für ihn in Stein gemeißelt. Es kann für ihn in der Wissenschaft keine unterschiedlichen Meinungen geben. Er begreift nicht, dass es ohne offenen Diskurs keinen Fortschritt gibt. Was der Laie als Fehler betrachtet, ist in Wirklichkeit einer der größten Revolutionen der Menschheit. Es gibt keine absolute Wahrheit. Jeder kann sich irren. Wir können unser Wissen weiterentwickeln.

Wer hat die rettenden Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelt? Waren es Priester oder Politiker, Demonstranten oder Volksverhetzer? Es waren Wissenschaftler aus aller Welt. Ihnen sind wir zu Dank verpflichtet und nicht den Schwätzern, die glauben, sie wären im Besitz der absoluten Wahrheit. Sie haben zur Lösung des Problems nichts beigetragen. Forschungserfolge sind der einzige Weg aus der Krise.

P.S.: Vor vielen Jahren, als ich noch in einem Forschungsinstitut gearbeitet habe, war ich einmal mit einer Frau zum Abendessen verabredet, die bei RTL gearbeitet hat. Als sie mir in vorwurfsvollem Ton erklärte, die Wissenschaftler wüssten auch nicht alles, musste ich sehr lachen. Dann habe ich ihr den Grund meiner ausgelassenen Heiterkeit genannt: Niemand kennt die eigene Unwissenheit und Unzulänglichkeit besser als ein Wissenschaftler. Die größten Vollidioten erkennen Sie zuverlässig daran, dass sie ihre persönliche Meinung für ein unwiderlegbares Naturgesetz halten.


Aus: "Wissen rettet Leben" Matthias Eberling (Januar 25, 2021)
Quelle: https://kiezschreiber.blogspot.com/2021/01/wissen-rettet-leben.html
« Last Edit: February 11, 2021, 12:31:38 PM by Link »

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #47 on: March 10, 2021, 02:01:36 PM »
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[...] Christina von Dreien weiß Bescheid, was Impfungen gegen Corona betrifft: "Die Impfung ist ein Menschenexperiment und sie greift in die DNA ein." Die mittlerweile 19-jährige Schweizerin tingelt seit Jahren als melancholische-naive und feinstoff-schlaue Esoterik-Lolita durch diverse Aluhut-Kanäle und bekämpft das "Unlicht". Der Kampf scheint gemütlich zu sein, denn von Dreien bekämpft das Finstere fast ausschließlich vom Sofa aus. Zumindest lassen die unzähligen Retreats mit der jungen Dame, die auf Youtube dokumentiert sind, keinen anderen Schluss zu. Aber das ist nicht unser Problem. Sollte die Impfung gar nicht vermieden werden können, so empfiehlt die Aluhut-Göre: "Dann kann man der geistigen Welt sagen, dass sie all die schädlichen Dinge im Impfstoff neutralisiert."

Ausschnitt aus LoveStream Nr 01 vom 19 01 2021 Live aus dem PLANeT ONE
https://youtu.be/SxdyZonOHKk

Die Anweisungen sind detailliert, der Kontakt zur "geistigen Welt" müsse aufgenommen werden, "bevor man die Impfung bekommt." Nach der Impfung indes ist der Käse noch nicht gegessen. Dann gehe es darum, feinstoffliche Ausdauer zu beweisen, von Dreien empfiehlt dem vermeintlichen Impfopfer, zu imaginieren, "dass die DNA ganz ist." Das klingt plausibel. In Österreich ist der Kontakt zur geistigen Welt auf der Webseite "Österreich impft" leider noch nicht angeführt.

Bitter wird es, wenn man diese Tricks der Expertin nicht bedenkt oder keinen Zugang zu den wertvollen Informationen hat! Denn dann droht ob der Impfungen: der Genozid.

Vor dem warnt Professor Stefan Hockertz. Bei seinem Alert zum Genozid ob der tödlichen Impfungen beruft sich der Professor auf valide Quellen: Auf "Malaikas"-Twitter-Account zum Beispiel. Der Toxikologe Hockertz ist einer derjenigen, die sich mit großem Engagement für den Mumpitz einsetzen, dass der Coronavirus eh nur eine bessere Grippe ist. Hockertz hat auch ein Buch geschrieben: "Generation Maske". Es ist im Kopp-Verlag erschienen, der ersten Adresse für jenes klandestine Wissen, das der Masse von der Elite vorenthalten wird.

Dass Impfungen eine Spaßbremse sind für Seuchenfreunde, die einen tieferen Sinn in Krankheiten erkennen können, davon ist wiederum eine Autorin der oberösterreichischen Intelligenzplattform "Wochenblick" überzeugt. Das Periodikum lässt Alina Adair zum Thema Impfung philosophieren: "Impfgegner bezweifeln den Sinn von Impfungen, da Impfungen auf der Annahme beruhen, dass Krankheiten keinen Sinn machen." Erst weiter unten im Text erfahren wir, dass der Aufsatz in der Postille als Hommage an den Universaldilettanten Rudolf Steiner gedacht ist. Der Begründer der "Anthroposophie" verkündete vor gut 100 Jahren, dass man "gegen das Karma nicht heilen" könne. Andersrum gesagt: Wer krank ist, ist selber schuld. Davon sind zumindest allerlei anthroposophische Juxmediziner überzeugt, die auch in Österreich ihre Dienste anbieten. Wenigstens von einer rechten Illustrierten werden sie ernstgenommen.

Leider lässt der Aufsatz Adairs im "Wochenblick" offen, ob ein gegen den Wind aus dem Bauch-Chakra gechantetes Ohm ein adäquater Impfersatz ist. Ganz am Puls der Zeit scheint der "Wochenblick indes, was den neuesten heißen Scheiß in Sachen Impfstoffentwicklung betrifft. Wir lesen in dem Blatt: "Die WHO träumt von Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln usw." Und wir sind gespannt, wie die Träumereien der weltfremden Schulimpfmediziner ausgehen werden. Stehen die Entwickler von Vakzinen gegen Masern, Mumps und Röteln gar schon schon in den Startlöchern? Oder andersrum: Ist Christina von Dreien rechtzeitig am Damm, um die geistige Welt schon mal vorzubereiten auf allerlei energetische Aufräumarbeiten, wenn uns einst Teufelszeug gegen Masern, Mumps und Röteln gespritzt wird? (Christian Kreil, 10.3.2021)

Christian Kreil bloggt seit drei Jahren rund um Esoterik, Verschwörungsplauderei und Pseudomedizin. Soeben erschien sein Buch "Fakemedizin".



Aus: "Stiftung Gurutest: Die geistige Welt, der Kopp-Verlag und der "Wochenblick" helfen, wenn geimpft wird" (10. März 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000124588024/die-geistige-welt-der-kopp-verlag-und-der-wochenblick-helfen

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Stagger83

Dieser Artikel ist so herablassend geschrieben, dass er genauso gut von einem pubertierenden Außenseiter geschrieben, der sich über die Mobber seiner Klasse aufregt.

Wenn schon ein Artikel, dann objektiv und ohne Beschimpfungen.


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Christian Kreil

Ich nehme die Kritik ernst. Mir ist bewusst, dass meine Terminologie nicht ins Lehrbuch des achtsamen Dialogs aufgenommen wird.
Warum ich dennoch zu Pejorismen greife: Ich tue das bei Personen, die objektiv gesehen mit ihrem Unsinn auf die Butterseite des Lebens gefallen sind. Personen. die Geld mit der Verunsicherung von Menschen machen. CvD gehört da definitiv dazu.
Mit Scharlatanen darf und soll man schon mal härter ins Gericht gehen, denke ich.


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koradora

Rudolf Steiner war tatsächlich ein großer Fan der Pockenimpfung. Dazu gibt es Texte, die gerade in der antroposophischen Szene weit verbreitet werden, z.B. auch in großen antroposophischen Zeitschriften. Immer ein bisserl blöd, alles über einen Haufen zu werfen.


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Lord of the waves

Wurde letzte Woche mit dem Bill Gates Impfstoff geimpft und werde nun von ihm persönlich ferngesteuert,
nur wenn der Nanochip abstürzt und es kurz blau vor meinen Augen wird, solange das Reboot dauert, kann ich schnell was posten...


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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #48 on: March 17, 2021, 02:56:47 PM »
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[...] ZEIT ONLINE: Herr von Stuckrad, nach den jüngsten Corona-Demos hieß es oft, dort seien auch Esoteriker mitgelaufen. Was ist das eigentlich: ein Esoteriker?

Kocku von Stuckrad: Eine berechtigte Frage. Der Begriff wird heute im Alltag anders verwendet als in der Forschung. Eine weit verbreitete Vorstellung lautet, dass Esoterik immer mit Geheimbünden zu tun hat oder mit Sekten. Das trifft es nicht so ganz.

ZEIT ONLINE: Was trifft es besser?

Von Stuckrad: In der Forschung plädieren wir dafür, Esoterik als einen Wissensdiskurs zu begreifen. Ein Esoteriker ist demnach jemand, der nach einem speziellen Wissen sucht, das zwar nicht geheim, aber auch nicht leicht zugänglich ist. Man muss dafür gewisse Bücher lesen oder gewisse Techniken kennen, etwa die der Meditation. Es geht um eine Art Offenbarungswissen, das nicht nur auf Logik oder Sprache aufgebaut ist, sondern über das Normale, Diesseitige hinausgeht.

ZEIT ONLINE: Also auch jenseits der Wissenschaft liegt?

Von Stuckrad: Ja, im heutigen Wissenschaftssystem hat ein solches Denken meist keinen Platz.

ZEIT ONLINE: Wir führen dieses Gespräch auch deshalb, weil im Moment vor allem junge Menschen esoterische Praktiken für sich entdecken, die meist keiner Wissenschaftlichkeit standhalten: Astrologie, Hexenkulte, Schamanismus. Und das mitten in einer Pandemie, in der große Hoffnungen auf Wissenschaft und Rationalität ruhen. Überrascht Sie das?

Von Stuckrad: Nein, eher nicht. Und zwar deshalb nicht, weil wir nicht vergessen dürfen, wie alt die Tradition dieses Denkens in Europa und Nordamerika ist. Sie reicht im Grunde bis in die Antike. Denken Sie an Autoren wie Plato oder Zoroaster. Viele der Schriften, die sie heute in Eso-Läden kaufen können, beruhen auf diesen jahrtausendealten Texten. Der Religionswissenschaftler Burkhard Gladigow hat die Esoterik mal "die mitlaufende Alternative" in der europäischen Religionsgeschichte genannt. Das trifft es ganz gut. Und diese mitlaufende Alternative wird derzeit wieder populärer. Ich schätze das ein wie Sie: New Age, Esoterik und neue Spiritualität sind in Deutschland wieder zu einer Massenbewegung geworden.

ZEIT ONLINE: Worin besteht in Ihren Augen die Faszination für dieses Denken? 

Von Stuckrad: Eine Faszination besteht sicherlich darin, dass wir als Menschen in der Lage sein könnten, Zugang zu einem kompletten Wissen über die Welt zu erhalten. Dass es ein Wissenssystem gibt, das alle Antworten über das Leben bereithält. Hegel hat das mal den "absoluten Geist" genannt. Das ist eine große Verheißung, die auf viele Menschen faszinierend wirkt.

ZEIT ONLINE: Das Wort "esoterisch" wird heute oft abwertend verwendet. Viele sagen deshalb lieber, sie seien spirituell. Was ist damit gemeint?

Von Stuckrad: Ich würde den Begriff der Spiritualität weiter fassen. Nehmen Sie die Naturreligionen, die derzeit viel Zuspruch erfahren. Oder den Schamanismus. Beides ist in meinen Augen nicht esoterisch. Und zwar deshalb nicht, weil es dort um alles Mögliche geht: um religiöse Naturerfahrungen, Umweltschutz oder um das Einswerden mit der Natur. Das entscheidende Merkmal von Esoterik ist aber der Diskurs über vollkommenes Wissen. Das ist zum Beispiel im Schamanismus nicht der Fall. Ich würde deshalb raten, mit dem Begriff der Esoterik sparsamer umzugehen. Sonst übersehen wir, welche Unterschiede zwischen diesen sehr verschiedenen Bewegungen existieren. 

...

ZEIT ONLINE: Dennoch ist es aber erklärungsbedürftig, warum so viele spirituell und esoterisch angehauchte Menschen unter den Gegnern der Corona-Politik und Impfgegnern sind. Es spricht doch vieles dafür, dass es da Gemeinsamkeiten gibt.

Von Stuckrad: Was diese Menschen sicherlich verbindet, ist ihre kritische Haltung gegenüber etabliertem Wissen, vor allem gegenüber der Wissenschaft und der Politik. Da spielt auch die Grundannahme der Esoteriker eine Rolle, über die wir bereits sprachen – nämlich, dass es da ein Wissen gibt, das über das rationale Wissen hinausgeht. Daraus entsteht dann bei manchen die Idee, dass man im Besitz einer höheren Weisheit ist, die die weltliche Wissenschaft übersteigt. In der Szene gibt es auch einige, die glauben, man verfüge über eine bessere Wissenschaft. Und hier besteht auch ein Anknüpfungspunkt zu Verschwörungstheorien. 

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Von Stuckrad: Weil dieser Gedanke eng mit der Vorstellung verknüpft ist, dass es Weisheitslehrer gibt, die über das Wissen der Welt Wache halten. Das kann auch negativ gerwendet werden, als Verschwörung von Politikern oder Kirchenleuten. Menschen, die verhindern wollen, dass das Offenbarungswissen den Stellenwert bekommt, den es für manche besitzt. Das ist genauso eine Denkfigur wie die Vorstellung, dass wir in Wahrheit gerade eine planetarische Transformation erleben. Auch diese Überzeugung gibt es in manchen Gruppen.

ZEIT ONLINE: Was ist eine planetarische Transformation?

Von Stuckrad: Ich denke, wir sind uns einig, dass sich die Menschheit wegen des Klimawandels in einer Krise befindet. Der esoterische oder spirituelle Twist dahinter ist nun, dass der Planet als eine Entität wahrgenommen wird, als etwas, das ein eigenes Bewusstsein mitbringt. Die Erde ist demnach intelligent, sie handelt selbst, und ihr Bewusstsein kann den Menschen überwinden. Der Ausbruch des Coronavirus ist in diesem Denken ein Anzeichen dafür, dass wir uns mitten in einer solchen Transformation befinden. Der Schluss lautet: Entweder wir stellen uns der Krise oder wir werden eben ausgelöscht.

ZEIT ONLINE: Solches Denken mag nicht neu sein. Viele Beobachter hat aber überrascht, dass die Anhänger solcher Glaubenssätze auf politischen Demos auftauchten. Sind politisierte Esoteriker ein neues Phänomen?

Von Stuckrad: Nein, auch diese Verbindung ist älter. Ein jüngeres Beispiel ist sicherlich die Studentenbewegung der Sechziger- und Siebzigerjahre in Europa und vor allem in Nordamerika, die wie ein Durchlauferhitzer für Ideen mit esoterischer Tradition gewirkt hat. Um 1900 war der Okkultismus in Deutschland schon einmal eine Massenbewegung. Alternative Spiritualität hat zudem viele Intellektuelle beeinflusst, Carl Gustav Jung oder Wolfgang Pauli zum Beispiel. Diese Tradition kam in Deutschland erst mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus in Verruf.

ZEIT ONLINE: Wie kam es dazu?

Von Stuckrad: Die Nazis haben die Naturverehrung instrumentalisiert und ins Völkische gewandt. Viele Menschen in Deutschland standen deshalb 1945 mit guten Gründen diesen naturverehrenden Praktiken misstrauisch gegenüber. Dieses Misstrauen ist seither nicht verschwunden. Das erkennt man auch daran, dass es in kaum einem anderen Land Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so viel Ablehnung gegenüber esoterischen Bewegungen gab wie in Deutschland. Ein Teil des esoterischen Denkens ist deshalb in den USA weiterentwickelt worden, vor allem in Kalifornien. Von dort kam dieses Denken schließlich in den Sechziger- und Siebzigerjahren zurück.

ZEIT ONLINE: Über die deutsche Gegenwartsgesellschaft heißt es oft, sie sei so säkular wie noch nie. Auf der anderen Seite sprechen Sie von einer spirituellen Massenbewegung. Wie geht das zusammen?

Von Stuckrad: Um es deutlich zu sagen: Als Religionswissenschaftler halte ich die These, dass die westliche Gesellschaft säkularer geworden ist, für Unsinn. Sie gilt in dieser strengen Ausformulierung auch in der Forschung als überholt.

ZEIT ONLINE: Warum?

Von Stuckrad: Weil die Tatsache, dass die Kirchen heute leerer sind, eben nicht bedeutet hat, dass die Nachfrage nach spirituellen Erfahrungen weniger geworden ist. Interessanterweise hat auch die Verwissenschaftlichung der Welt nicht dazu geführt. Stattdessen hat sich eine Transformation ereignet, hin zu anderen Glaubensrichtungen, die sich zum Teil vermischen. Ein erheblicher Teil der Kirchgänger, also der aktiven Christen in Deutschland, glaubt heute an die Wiedergeburt. Und vieles von dem, was noch in den Sechzigern aufsehenerregend war, ist heute fast Allgemeingut geworden. Hochinteressant sind Entwicklungen in der Biologie, die in den letzten Jahren stark in die Richtung gedacht hat, ob Bäume Bewusstsein haben: "Tree consciousness". Auch in Deutschland denkt man gerade intensiv über die Seele der Bäume nach.

ZEIT ONLINE: Sie spielen auf Bestseller wie Das geheime Leben der Bäume des Autors Peter Wohlleben an.

Von Stuckrad: Genau. Es gibt eine starke Neigung zu Gedankengebäuden, die ich als "Marginalisierung des Menschen" bezeichnen würde. Die Idee ist: Wir sind nicht die Meister des Planeten, sondern nur ein kleiner Teil des gesamten Systems. Oder nehmen Sie die Diskussion über das "Anthropozän": Ist es nicht Hybris anzunehmen, dass wir Menschen in der Lage sind, den Planeten zu zerstören? All diese Gedanken haben eine breite Wirkung über die esoterische oder spirituelle Szene hinaus. Avatar, der zweiterfolgreichste Film aller Zeiten, handelt genau davon.

...

ZEIT ONLINE: Wir leben in der westlichen Welt in einer Zeit, in der für viele Menschen der Himmel leer ist und Religionen auf dem Rückzug sind. Hält das der Mensch auf Dauer aus?

Von Stuckrad: Ich glaube, dass es zum Menschsein dazugehört, große Fragen zu stellen. Und dass der Mensch sich immer größere Sinnzusammenhänge suchen wird.


Aus: "Kocku von Stuckrad: "Wir verkleinern unseren Horizont unnötig"" Interview: Philipp Daum und Philip Faigle (17. März 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-03/kocku-von-stuckrad-religionswissenschaftler-philosophie

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derdasschreibt #12

Ich finde die Idee interessant, dass die Erde ein übergeordneter denkener Organismus ist.

Ebenso ist ja gegenüber den Bakterien und Viren der menschliche/tierische Körper auch ein übergeordneter Organismus. Was aber vermutlich den Bakterien und Viren so nicht bekannt ist. Der Körper ist ihr Lebensraum und wenn sie sich falsch bzw. durch die Erzeugung von Krankheiten auffällig verhalten, greift der Mensch in das System ein und bringt es durch Milliarden Opfern unter den Bakterien/Viren wieder ins Gleichgewicht. ...


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kamy #8

Nein, ich denke nicht, dass Spiritualität die Wissenschaft "erweitert". Eines der wertvollsten Eigenschaft der Wissenschaft ist ihr Bemühen um Sachlichkeit und Objektivität. Man tastet sich in der Wissenschaft an die Realität heran, ohne die eigene Subjektivität zu vergessen.
Spiritualität aber stellt das eigene ICH über alles: Man kann sich als "Große Wahrheit" alles mögliche vorstellen, was die menschliche Phantasie und vor allem seine psycho-sozialen Bedürfnisse so hergibt bzw. verlangt. Die Sehnsucht nach dem tieferen Sinn, nach gem "großen Geist", der "letzten Wahrheit" oder einem "Sinn" ist etwas zutiefst Menschliches und treibt seine religiösen, esoterischen oder spirituellen Blüten in den buntesten Farben ... ach wie schön, so heimelig, so menschlich. Aber sind sie wirklich? Sind sie wahr? Darauf kann nur die Wissenschaft eine Antwort geben, auch wenn sie - nach vielen Irrtümern - die wahre Realität letztendlich nur umschreiben kann. Das ist viel viel besser als Esoterik. Und meiner subjektiven Meinung nach auch um vieles faszinierender und interessanter. Auch letztendlich hilfreicher.


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nozomi07 #11

Esotherik und Spiritualität ist exakt das gleiche: Man behauptet Dinge, die man gar nicht wissen kann. Das ist bequem. Was keiner wissen kann, da kann man alles beliebig behaupten. Es ist ja nicht falsifizierbar! Und so wird munter losgeplappert, so wie es von Stuckrad tut. Wie viel mühsamer ist es, sich echtes Wissen anzueignen, gar neue Erkenntnisse zu entdecken. Warum 12 Semester Medizin studieren, wenn man mit ein paar flotten Schamanensprüchen das gleiche Ansehen erhält? ...


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[...] Sonja Schuhmacher sagt: "Das naturwissenschaftliche Denken, das die Natur zerlegt, ist eine Wurzel unserer Probleme. Es wird ja überall gerechnet. Das Atomgewicht, die Blutwerte, die Knochendichte. Es wird versucht, die Natur mit wissenschaftlichen Mitteln in die Knie zu zwingen."

Dieses Denken stehe auch hinter der mRNA-Corona-Impfung, sagt Schuhmacher: Der Mensch sei verbesserungswürdig. Sein Immunsystem sei nicht genug. Der Technokratie gehe es darum, den Menschen zu verbessern und die Unvollkommenheit auszurotten.

Sonja Schuhmachers Denken, die Idealisierung der Natur, die Betonung ganzheitlichen Denkens, Zivilisationskritik – all das ist unter den Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen weit verbreitet. Und es ist ein Schlüssel zum Verständnis der Bewegung. Forscher fanden lange vor der Corona-Krise heraus, dass es einen starken Zusammenhang zwischen der Ablehnung von Impfungen und der Befürwortung von Spiritualität und alternativer Heilmethoden gibt – ebenso einen Zusammenhang zwischen geringer Impfbereitschaft und magischem Denken. [2018 Feb 21;36(9):1227-1234.
doi: 10.1016/j.vaccine.2017.12.068. Epub 2018 Feb 1. Anti-vaccination and pro-CAM attitudes both reflect magical beliefs about health Gabrielle M Bryden  1 , Matthew Browne  2 , Matthew Rockloff  1 , Carolyn Unsworth  1 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29395527/]

Forscher der Uni Basel haben Endes des letzten Jahres die Demographie der Querdenker erforscht. Sie werteten 1.150 Fragebögen aus, die sie in Telegram-Gruppen verteilt hatten. Die Studie ist nicht repräsentativ, in einigen Gruppen warnten Nutzer, an ihr teilzunehmen, und vermutlich wollten die, die es dennoch taten, die Bewegung in einem guten Licht darstellen, und doch liefert die Arbeit der Forscher einen Einblick ins Weltbild der Demonstranten, die alte Gewissheiten erschüttern könnten.

Die Befragten sind gebildet, es sind nur wenig Junge darunter, mehr Frauen als Männer, 25 Prozent sind selbstständig, weit mehr als im Durchschnitt der Bevölkerung. Und für 50 Prozent der Befragten waren die Corona-Proteste die ersten Demos ihres Lebens.

Die Befragten sind weder besonders islamfeindlich noch rassistisch. Sie verharmlosen den Nationalsozialismus seltener als die Gesamtbevölkerung, nur wenige leugnen den Klimawandel. Viele der Befragten verstehen sich als politisch links. Bei der letzten Bundestagswahl wählten 23 Prozent die Grünen, 18 Prozent die Linken, 15 Prozent die AfD. Heute würde fast niemand von ihnen mehr grün wählen, nur noch wenige die Linke, 18 Prozent die Querdenker-Kleinpartei Die Basis, und: 27 Prozent die AfD.

Die Forscher schreiben: "Mit Blick auf die Wahlabsichten lässt sich sagen, dass es sich um eine Bewegung handelt, die eher von links kommt, aber stärker nach rechts geht."

Der Soziologe Robert Schäfer, der die Studie zusammen mit Nadine Frei und Oliver Nachtwey durchgeführt hat, interviewte danach einige Demonstranten. Er sagt: "Teilweise sind die Leute in den Interviews selber erschrocken. Sie sagten mir: 'Ich habe immer links gewählt und plötzlich sympathisiere ich mit einer rechten Partei. Die sind mittlerweile die einzigen, die der Regierung kritisch gegenüberstehen.'"

Über 60 Prozent der Befragten finden, dass die natürlichen Selbstheilungskräfte stark genug seien, um das Virus zu bekämpfen, und dass mehr ganzheitliches Denken der Gesellschaft guttun würde. Sie sind auch dafür, Alternativmedizin mit der Schulmedizin gleichzustellen. Und: Ihrer Meinung nach zeigt die Krise, wie weit wir uns von der Natur entfernt haben.

Die Yogalehrerinnen, Gandhi-Verehrer, Anthroposophen, Heilpraktikerinnen und Impfgegner, die im vergangenen Jahr in Berlin tanzten, sind, so schreibt der Kinderarzt Herbert Renz-Polster, Bewohner eines "sanften Planeten". Renz-Polster schreibt Bücher über antiautoritäre Kindererziehung, die in den Regalen vieler Demonstranten stehen. Er ist besorgt darüber, wie viele esoterische Grüne in seiner Umgebung in die Querdenkerszene gerutscht sind. Renz-Polster hat sich schon mit der Querdenker-Ikone Bodo Schiffmann angelegt. Er veröffentlicht Broschüren, die das Coronavirus in verständlicher Sprache erklären. Er nimmt das alles persönlich.

Auf seinem Blog veröffentlichte Renz-Polster Ende des letzten Jahres eine Analyse über das Weltbild dieser Demonstranten. Es ist eine Erzählung der Verbindung und Hoffnung: "Das Universum ist gut, die Natur ist gut – wenn wir mit ihr Verbindung halten, wie sollte sie uns schädigen wollen? Wie sollte dieses Virus denn diejenigen treffen, die 'natürlich' leben – die sich zum Beispiel seelisch und körperlich gesund halten?"

Dieses Denken ist auf Demos omnipräsent. Am Valentinstag feierten Querdenker in Hannover den "Tag der Liebe". Im vergangenen Herbst versuchten Demonstranten, einander an den Händen fassend eine Menschenkette um den Bodensee zu spannen.

Eine Variante des esoterischen Querdenkers ist der Herzmensch. Ein typisches Beispiel dafür ist Nana Domena. Der Moderator aus Köln tritt bei Demos häufig als Anheizer auf der Bühne auf. Auf seinem Telegram-Account nennt er sich "Herzens-Connecter der Bewegung". Ein Bild auf Telegram zeigt ihn mit einem Schild: "Wie wär’s mit dem Ausbruch des Weltfriedens? Menschheitsfamilie". Seine Mission: Den Menschen mit guter Laune Kraft geben.

"Gute Laune" ist eine magische Formel für Querdenker. Immer wieder hört man: Wir dürfen uns nicht von der Angst bestimmen lassen. Dem Soziologen Robert Schäfer ist dieses Denken in seinen Interviews häufig begegnet. Eine typisch esoterische Antwort auf seine Einstiegsfrage "Was stört Sie an den Maßnahmen?": Social Distancing verunmögliche spontane Interaktion, Umarmungen, Berührungen. Berührungen aber seien ein Weg zum Frieden und Liebe zwischen den Menschen, fundamental wichtig für eine menschliche Gemeinschaft.

Deswegen ist die Maske so ein Hasssymbol der Querdenker. Für sie ist sie eine Mauer zwischen den Menschen. Kinder könnten die Mimik nicht mehr erkennen. Sie lernen, dass andere Menschen gefährlich sind, dass sie selbst gefährlich sind. Sie entwickeln Angst vor den Menschen. In einem ganzheitlichen Denken aber, das nicht zwischen Geist und Materie, zwischen Sein und Bewusstsein unterscheidet, macht Angst krank. Und positives Denken gesund.

Das Denken mit dem Herzen hat zwei Dimensionen: Einerseits wirkt es nach außen und dient der Verbindung der Menschen miteinander. Und andererseits wirkt es nach innen. In unübersichtlichen Zeiten, in denen immer mehr Menschen mit Entscheidungen überfordert sind, sagt das Herzmenschentum: Hört auf euer Herz und die innere Weisheit eures Körpers. Es ist politische Intuition, Medienintuition und Gesundheitsintuition in einem. Heraus kommen Hygienedemos.

In diesem Weltbild ist das Virus ungefährlich – der Umgang damit aber nicht. Herbert Renz-Polster schreibt, wie er bei den esoterischen Corona-Skeptikern immer wieder einem Bestrafungsmythos begegne: "Dieses Virus bestraft in Wirklichkeit doch nur diejenigen, die ihr Leben falsch leben und sich dadurch selbst schwächen: die zu dick sind, die sich gehen lassen, sich falsch ernähren oder sich mit Antibiotika und Impfungen vollpumpen. Die also nicht gut auf sich aufpassen. Kurz: Wenn diese Pandemie jemanden trifft, dann diejenigen, die gegen die natürliche Ordnung verstoßen."

Wenn man über Esoterik in Deutschland recherchiert, stößt man früher oder später auf den Namen Rudolf Steiner. Seine Anthroposophie, die sich aus der okkulten Szene des Kaiserreichs entwickelt hat, ist mittlerweile eine der erfolgreichsten esoterischen Bewegungen Europas geworden. Steiner ist der Begründer der Waldorfschulen, deren Ziel die "Erziehung zur Freiheit" ist. Knapp 90.000 Schülerinnen und Schüler gehen in Deutschland auf Waldorfschulen. Den Unterricht beginnen Grundschüler seit 100 Jahren mit den Zeilen: "Der Sonne liebes Licht, es hellet mir den Tag. Der Seele Geistesmacht, Sie gibt den Gliedern Kraft."

Überall im Land, besonders im Südwesten, streiten Waldorfschulen intern und öffentlich darüber, wie gefährlich das Coronavirus ist. In Überlingen am Bodensee organisiert der ehemalige Schulleiter einer Waldorfschule seit dem Frühjahr Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. An einer Waldorfschule im badischen Müllheim weigere sich ein Viertel des Lehrerkollegiums, Masken zu tragen, berichtete jüngst der Spiegel. Anderswo an Schulen ist das Virus zum Prüffall für Digitalisierungsprozesse geworden. An Waldorfschulen ist es Prüffall für eine Weltanschauung geworden.

Das zeigt sich exemplarisch an einem Vorfall, der ganz im Süden der Republik spielt, in Schopfheim, einem Schwarzwaldstädtchen im sogenannten Dreiländereck. Frankreich ist nah, die Schweiz noch näher, hinter dem Schulhof erheben sich die Schwarzwaldhügel. "Freie Waldorfschule", so steht es in einen Stein gemeißelt am eingeschneiten Schulgebäude. Die schuleigenen Hühner haben sich in ihren Stall zurückgezogen, im Gewächshaus zieht Wintergemüse, vom Himmel rieselt es weiter. Ein Idyll.

"Also, in den letzten Wochen war es hier ziemlich unidyllisch", sagt Freia Arncken.

Arncken ist Schülerin an dieser Schule, eine höfliche junge Frau mit blonden Haaren, sie geht in die 13. Klasse. Eigentlich sollte sie zu Hause für das Zentralabitur lernen, stattdessen steht sie hier, Anfang Februar, in einem dicken Mantel – und soll die Frage beantworten, was da eigentlich los ist an ihrer Schule. Wieder mal.

Grob gesagt gibt es im Streit an der Freien Waldorfschule Schopfheim zwei Lager. Da stehen auf der einen Seite ein Teil der aktiven und ehemaligen Lehrerschaft, einige Eltern und weitere Personen aus dem Umfeld der Schule. Dieses Lager hält wenig bis gar nichts von den Corona-Bestimmungen der Bundesregierung, lehnt die Maskenpflicht ab und vertritt diese Positionen seit einem knappen Jahr bei sogenannten Corona-Mahnwachen auf dem Schopfheimer Marktplatz.

Das andere Lager distanziert sich von diesen Mahnwachen. Die Schulleitung der Waldorfschule zum Beispiel. Einige besorgte Eltern haben sich an die Badische Zeitung gewandt und klagen darin über rund 30 bis 40 Schülerinnen und Schüler, die per Attest von der Maskenpflicht befreit seien und damit, als die Schule noch offen war, zur Gefahr für alle anderen geworden seien. Und dann sind da noch die Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe. Freia Arncken zum Beispiel.

Als vor einem Jahr bekannt geworden sei, dass ein Virus um die Welt gehe, sagt Arncken, habe sie sich zunächst an die Schweinegrippe erinnert gefühlt. "Ich hatte das Gefühl, dass wir panisch reagieren." Dann habe sie sich eingelesen, Experten gehört und beschlossen: "Wenn führende Virologen größtenteils einhellig vor dieser Krankheit warnen, dann muss ich Vertrauen haben." Vertrauen in deren Sachverständnis, Vertrauen in die Maßnahmen der Regierung.

Bei YouTube sieht sie Lehrerinnen ihrer Schule, aktive und ehemalige, die auf dem Marktplatz einen Corona-Untersuchungsausschuss fordern, die das "Edle, Wahre und Gute" beschwören, das in der Welt der Masken keinen Platz mehr habe.

Im Dezember liest Arncken einen offenen Brief, den eine ehemalige Lehrerin ihrer Schule und aktuelle Begleiterin eines Waldorf-Kinds an Schulleitung und Lehrerkollegen adressiert und über Telegram-Kanäle verbreitet hat. Arncken stutzt. "Damals waren es die Juden, die Kommunisten, die Schwulen, die behinderten Menschen und es fing genauso an", liest sie. "Diesmal sind es die Kritiker, die Maskenlosen, die Impfverweigerer."

Freie Arncken habe kurz zuvor ein Referat über die Weiße Rose gehalten, erzählt sie. Für sie verharmlosen die Worte der Lehrerin den Holocaust. Da habe sie begriffen: "Dagegen muss ich was machen."

Ihre Antwort auf den Brief der Pädagogin schreibt Arncken an einem Nachmittag. Zusammen mit ihren Klassenkameraden feilt sie noch an Begriffen, dann sammeln sie Unterschriften und verbreiten den Brief an der Schule. Darin heißt es: "Wir positionieren uns gegen respektlose und faktisch falsche Vergleiche der Corona-Politik mit dem NS-Terrorregime von 1933-45. Wir fordern mehr Weitsicht im Umgang mit schwerwiegenden Begriffen. Wir fordern akribisches Prüfen von Fakten." Am Ende sind es 80 Schülerinnen und Schüler, die ihren Brief unterschreiben.

Es ist nicht einfach, Anthroposophie in eine Definition zu packen. Steiners Gesamtausgabe umfasst mehr als 360 Bände. Sein Denkgebäude hat den Anspruch, die ganze Welt erklären zu können. Es bedient sich der Farbenlehre Goethes, an Elementen aus Hinduismus und Buddhismus, christlicher Mystik, Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Rudolf Steiner war davon überzeugt, hellsehen zu können. Er glaubte, Einsicht in eine höhere Welt erlangt zu haben, eine übersinnliche Welt, aus der wir kommen und in die wir gehen, bevor wir wieder auf die Erde zurückkehren. Wiedergeburt.

Nach dem Ersten Weltkrieg leitete Steiner aus seiner Weltanschauung konkrete Praktiken ab. Das Waldorf-Schulsystem, Demeter-Bauernhöfe mit biodynamischer Landwirtschaft, die anthroposophische Medizin, Kosmetikfirmen, den Ausdruckstanz Eurythmie, ein eigenes Bankensystem, die goetheanische Architektur. Die Schopfheimer Waldorfschule, errichtet nach Steiners Ideen, kommt ohne 90-Grad-Winkel aus.

Echte Vollanthroposophen, die sich Steiners Ideen vollumfänglich zu eigen machen, gibt es auch im Waldorf-Umfeld eher wenige. Der Normalfall ist das, was Experten "Anwendungs-" oder "Teilanthroposophen" nennen. Menschen, die nicht zwingend an Wiedergeburt glauben, dafür aber gerne Demeter-Tomaten kaufen und ihre Kinder auf Waldorfschulen schicken.

Helmut Zander ist Steiner-Biograf, Professor für Religionswissenschaften an der Université de Fribourg in der Schweiz und Autor des Grundlagenwerks Die Anthroposophie. Rudolf Steiners Ideen zwischen Esoterik, Weleda, Demeter und Waldorfpädagogik. Der Riss, der durch die Waldorf-Bewegung heute gehe, sagt Zander, verlaufe zwischen jenen, die den esoterischen Steiner in der Pädagogik haben wollen, und jenen, die Esoterik und Pädagogik trennen wollen. Etwas plastischer könnte man sagen: Der Riss verläuft zwischen Voll- und Teilanthroposophen.

Zwei zentrale Elemente im Werk Steiners hat Zander ausgemacht, die Vollanthroposophen heute auf die Marktplätze der Republik treibe. Das erste sei Steiners Verhältnis zum Impfen. Der schrieb: "Die Seele wird man abschaffen durch ein Arzneimittel. Man wird (…) einen Impfstoff finden, durch den der Organismus so bearbeitet wird (…), dass dieser menschliche Leib nicht zu dem Gedanken kommt: Es gibt eine Seele und einen Geist." Impfen als Seelenmord. Eine Krankheit, davon war Steiner überzeugt, gelte es durchzustehen, daran wachse der Mensch.

Das zweite Element, so Zander, sei die tief in Steiners Werk verankerte Überzeugung, dass es geheime Gesellschaften gebe, die im Hintergrund die Fäden in der Hand halten. "Steiner sprach noch vor dem ersten Weltkrieg von Freimaurern und geheimen Verbünden, die es auf Deutschland abgesehen hätten", sagt Zander. Ihn wundere es daher kaum, wenn anthroposophische Querdenker heute Strippenzieher hinter den Kulissen vermuteten. "Die Überzeugung eines höheren Wissens führt bei vielen Anthroposophen dazu, dass sie leicht der Überzeugung sind, gegen jedwede Mehrheit Recht zu haben."

Die Pädagogin, die an der Schopfheimer Waldorfschule den offenen Brief geschrieben hat, überlegt lange, ob sie in diesem Artikel äußern möchte, entscheidet sich schließlich dagegen. Menschen, die sie kennen, sagen, dass sie sich ernsthaft um die Zukunft der Waldorfschulen sorge. Auf ihrer Website, inzwischen abgeschaltet, bot die ehemalige Lehrerin Familienberatungen an, Coachings zu "heilender Erziehung", Unterrichtsbegleitung für Schülerinnen und Schüler sowie Unterrichtsbesprechungen für aktive Lehrer, unter anderem mit Blick auf die Themen "Kinderbetrachtung und menschenkundliche Grundlagenarbeit". Gerade die anthroposophische Menschenkunde nach Rudolf Steiner sei dabei ihre "innere Basis und Richtschnur".

Steiner-Experte Helmut Zander sagt, es seien oft solche Vollanthroposophen, die mit allen Mitteln für ihre Weltanschauung einstehen möchten. "Darum ist der Einfluss der Steiner-Anhänger, obwohl deutlich in der Minderheit, auch bis heute so groß an den Waldorfschulen."

Freia Arncken erzählt, wie sie nach ihrem Brief den Kontakt zur Pädagogin gesucht habe. Die beiden haben lange telefoniert und sich Nachrichten bei Telegram geschrieben. Arncken sagt, dass ihr Verständnis für die andere Seite dadurch gewachsen sei.

"Ich glaube, die Menschen suchen gerade alle nach Sicherheit. Manche wollen sich so schnell es geht impfen lassen, andere gehen nicht mehr ohne Maske aus dem Haus und wieder andere verdrehen die Tatsachen so lange, bis die Welt wieder zu ihrem Weltbild passt." Gerade weil sie jünger sei, sagt Arncken, fiele es ihr vermutlich leichter, Unsicherheiten auszuhalten.

Vielleicht bringt die Pandemie nicht nur zum Vorschein, wie einflussreich anthroposophisches und esoterisches Denken in Deutschland ist. Vielleicht verstärkt sie dieses Denken auch. Ein Kleinverlag brachte jedenfalls im März 2020 ein neues Buch von Rudolf Steiner heraus: Zum Corona-Rätsel. Ein Beitrag der Geisteswissenschaft. Es enthält einen Vortrag Steiners, den er 1920, fünf Jahre vor seinem Tod hielt, unter neuem Titel. Mittlerweile ist das Buch in der 13. Auflage erschienen.

Im Winter war es erstaunlich ruhig um die Querdenker und Gegner der Corona-Maßnahmen geworden. Viele lokale Querdenker-Gruppen trafen sich zu wöchentlichen Autokorsos. Michael Ballweg, der Gründer der Querdenker-Bewegung, hatte Ende Januar in einer Videobotschaft dazu aufgerufen. Das Kalkül war wohl: Wenige Menschen sehen in Autos beeindruckender aus als zu Fuß. Aber: Aus Autos kann man keine interessanten Livestreams zeigen, die im Sommer Zehntausende Zuschauer erreichten.

"Ein Stau in Stuttgart ist keine Schlagzeile", sagt Josef Holnburger.

Holnburger ist einer der besten Kenner der Querdenker. Als Politikwissenschaftler und Datenanalyst beschäftigt er sich mit der sich schnell wandelnden Welt der Corona-Proteste in den sozialen Medien. Eigentlich möchte der 31-Jährige noch sein Politikstudium beenden, aber es ist ein Fulltime-Job, zu verfolgen, wann aus dem dauernden Hintergrundrauschen auf Telegram der nächste große Protest entsteht.

Holnburger hat beobachtet, dass der wichtigste Telegramkanal der Querdenker seit Mitte September kaum neue Mitglieder dazugewonnen hat. Holnburger meint: "Es brodelt unter der Oberfläche."

Aus dem ewigen Geblubber der Telegramchannel, in denen teilweise Tausende Nachrichten täglich durchlaufen, schafft es ein Thema immer wieder an die Oberfläche: die Corona-Impfung. Mitte Februar zum Beispiel veröffentlichte Reiner Fuellmich, ein Rechtsanwalt und Szene-Bekanntheit, ein Video, in dem er davon erzählte, dass eine Corona-Impfung 25 Prozent der Menschen umbringe. Zuvor hatte er mit einem angeblichen Whistleblower aus einem Berliner Altenheim gesprochen. Das Video wurde innerhalb von 24 Stunden 200.000-mal abgerufen.

Holnburger befürchtet, dass im Frühling Demos vor den Impfzentren zunehmen werden – gerade, wenn die Alterskohorte der um die 50-, 60-Jährigen, die einen großen Teil der Querdenker ausmachen, geimpft werden sollen. Schon am vergangenen Wochenende musste die Polizei das Dresdener Impfzentrum mit Wasserwerfern sichern.

Bereits jetzt plant Ballweg mit den Stuttgarter Querdenkern die nächsten Großdemos: Zu Ostern in Stuttgart und Anfang und Ende August in Berlin – genau wie im letzten Jahr.

Wenn man sich länger mit Corona-Skeptikern, Esoterikern und Spirituellen unterhält, dann merkt man, dass in ihren Worten ein Leitmotiv mitschwingt. Sie sprechen davon, dass sie durch die Krise einen klaren Blick bekommen haben. Sie haben Worte gefunden für etwas, was sie früher nur als Unbehagen spürten. Corona hat für sie ans Licht gebracht, was schon lange falsch läuft in der Gesellschaft.

Auf der Mahnwache in Weiden spricht jetzt eine ehemalige Lehrerin. Vor Kurzem sei sie Großmutter geworden und habe bemerkt, wie hilflos junge Eltern im Umgang mit ihren Kindern geworden seien, weil die Gesellschaft sie verunsichere. Alles solle im Durchschnittsbereich bleiben, sagt sie, Schulkinder sollen durchschnittlich denken, ganz normale zierliche Babys seien "am unteren Ende der Durchschnittsgröße", und wenn ein Kind etwas lebhaft sei, dann werde ihm garantiert ADHS diagnostiziert. "Wohin haben wir uns entwickelt?", fragt sie. "Das ist entsetzlich."

Ein Heilpraktiker mit Spezialisierung auf chinesische Medizin erzählt, dass er nach einem Modell arbeite, das besagt: Der größte Feind der Heilung ist die Gesellschaft. Wer Dinge nur tue, weil das alle tun, erzeuge Ungleichgewicht, ein Vorbote von Krankheit. Er sagt: "Wir diskutieren als Gesellschaft über die ganzen Maisfelder da draußen, die ganzen Monokulturen, und laufen selbst monokulturell durch die Gegend als Mensch."

Ein ehemaliger Unternehmer sagt: "Das Natürliche wird uns nicht mehr gelassen. Das ist eine transhumanistische Agenda. Monsanto macht Weizen und Soja zu Einjahrespflanzen und genau das versuchen sie jetzt mit der Menschheit."

Einer sagt: "Die handwerklichen Berufe gehen verloren."

"Es gibt bald keine Bäcker und Metzger mehr."

"Wir werden komplett abhängig gemacht."

Hier in Weiden steht die Umweltschützerin neben dem AfDler, der Heilpraktiker neben dem Ex-Unternehmer. Wenn sie das Coronavirus nicht hätten, würden sie sich streiten, sagen sie. Über das neue Gewerbegebiet, über Flüchtlinge, über den Steuersatz. Die Querdenker von Weiden sind rechts, links, vor allem aber sind sie eine romantische Bewegung. 

Romantiker, im historischen Sinne, sind Kritiker. Wehmütig wünschen sie sich die Gesellschaft zurück, wie sie mal war, verdrossen wenden sie sich von der jetzigen ab. Deswegen ist es kein Zufall, dass romantische Bewegungen immer dann entstehen, wenn gesellschaftliche Verhältnisse ins Rutschen kommen.

Die Industrialisierung brachte Deutschland nicht nur drastische Veränderungen, sondern auch die sogenannte Lebensreformbewegung, die das kalte und verrauchte Leben in den Städten anprangerte und die übergewichtigen und stets besoffenen Kaiserdeutschen mit Freikörperkultur, pflanzlicher Ernährung und Naturheilkunde retten wollte. Auch sie protestierten gegen das Impfen, denn Bismarck hatte die Pockenimpfpflicht eingeführt.

Wenn man sich in die Perspektive derer versetzt, die heute eine Rückkehr zum Natürlichen fordern, spürt man ein großes Leiden an der Moderne. Die vertrauten Dinge verschwinden, Big Pharma ersetzt die Apotheke, Discounter den Metzger, Amazon den Einzelhandel, Smartphones die Begegnung. In den Altenheimen vereinsamen die Menschen. Auf den Feldern Monokulturen, in den Köpfen der Menschen Durchschnittswissen.

Diese Querdenker sind spirituelle Modernisierungsverlierer. Sie verbindet ein großes, wirkliches Leiden an Kapitalismus, Digitalisierung, industrieller Landwirtschaft. Sie haben Angst vor der normierenden Kraft der neuen Verhältnisse, die kleine Geschäfte vernichtet, Unterschiede einebnet und Menschen zu unselbstständigen Einzelgängern macht. Ein orchestrierter Angriff auf die vermeintliche Natürlichkeit, Unabhängigkeit und Freiheit des Einzelnen.

Die Pandemie stellt Bilder bereit für diese Dystopie vom vereinzelten Menschen, der einer Technokratie ausgeliefert ist: Maskentragende Gebärende. Einsame Sterbende. Ärzte in Plastikanzügen mit Spritzen in den Handschuhhänden.

Querdenken ist auch eine Ermächtigungsbewegung gegen die Ohnmacht. Sie suchen Sinn, wo wahrscheinlich nur Zufall zu finden ist. Eine innere Richtung gegen die Überforderung, ein Weltbild, das auf alles eine Antwort hat. Sie fürchten Mehrdeutigkeit, Kontingenz, Unordnung.

Vor allem aber fürchten sie die lähmende Vorstellung, dass kein Plan hinter dieser Pandemie steht und all das Leid keinen tieferen Sinn hat.

Am kommenden Samstag sind wieder Demonstrationen auf der ganzen Welt angekündigt. Im amerikanischen Colorado und in Athen, in Vancouver, Stockholm und Innsbruck. Hier wollen sie sich in Kassel treffen, "in der Mitte Deutschlands". Der 20. März ist kein willkürliches Datum, es ist Frühlingsanfang. Oder wie die deutschen Querdenker schreiben: Frühlingserwachen.

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Dieser Artikel ist Teil des ZEIT-ONLINE-Schwerpunktes "Aberglauben Sie das wirklich?" aus unserem Ressort X. ...

Text: Marius Buhl, Philipp Daum


Aus: "Querdenker: Radikale Herzmenschen" Aus einer Reportage von Philipp Daum und Marius Buhl (17. März 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-03/querdenker-corona-esoterik-spiritualitaet-leugner-demonstration/komplettansicht

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IMM #23

Eine behutsame, ehrliche Analyse, dankeschön!


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Pappel. #53

Danke, ich finde das ist eine mit Fingerspitzengefühl geschriebene Recherche und man merkt, dass dahinter ein großes Interesse steckt die Bewegung zu verstehen. Ohne sie gutzuheißen aber auch ohne sie völlig lächerlich zu machen.


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WTE #31

Sehr schöne Zusammenfassung, was bei dieser Sektenbewegung schief läuft - und zwar nicht erst seit Corona.


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mit schal #39

„Rudolf Steiner war davon überzeugt, hellsehen zu können. Er glaubte, Einsicht in eine höhere Welt erlangt zu haben.“
Wenn ich sowas lese gruselt es mich, aber immerhin streiten die an der Waldorfschule.


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Superlative #34

"Seit einem knappen Jahr gehen Yogalehrer und Impfgegnerinnen auf die Straße, Heilpraktiker und Anthroposophen, Umweltschützer, Grünen-Wählerinnen."

Ich halte nichts von der Querdenker-Bewegung (sofern man hier von einer Organisation ausgehen kann). Was die Autoren in dieser "Reportage" allerdings propagieren, ist reine Meinungsmache. Schon der obige Absatz disqualifiziert mit platten Rollenbildern.

"Querdenken, das ist mittlerweile klar, ist auch radikalisierte Esoterik"

Was für ein Quatsch. Esoterik ist in seiner ursprünglichen Begriffsdefinition eine "philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist", was für eine Lehre soll das im Falle der Querdenker sein? Kritik am System? An den politischen Entscheidungen?

Man versucht hier zwanghaft eine heterogene Gruppe einer Hippie-Ideologie unterzuordnen, statt zu erkennen, dass das Gegenteil der Fall ist (eine Minderheit der Teilnehmer sind entsprechend ideologisch gepolt).

Für mich zeigt der Bericht lediglich auf, wie schwierig es geworden ist eine oppositionelle Meinung an die Öffentlichkeit zu bringen. Todschlagargumente und platte Klischees werden als Reportage verkauft.


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Bruckmandl #29

Aus psychologischer Sicht ist die Sache eigentlich klar: Wer mit einer Situation geistig überfordert ist, sucht sich eine einfache Erklärung. Am einfachsten ist natürlich immer, dass alles, was einen überfordert, gelogen ist.


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peter.linnenberg #6

Die Querdenker sind ein Sammelsurium von sehr verschiedenen Menschen. Einige sind Esotheriker, wie sehr ausführlich im Artikel beschrieben. Aber es gibt auch die Nazis, die diese Bewegung für sich nutzen. Und es gibt auch schlichtweg grosse Egoisten, die sich sagen: Ich bin noch relativ jung, und die Wahrscheinlichkeit, dass mich Corona hart erwischt, ist gering. Also will ich meine Freiheit haben, egal was mit den Älteren passiert.


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Illoran #6.1

Ich finde es auch ausgesprochen schwierig die Esotherikerszene von Rechtsradikalen zu entflechten. Wenn man mal in die Esotherik reinschaut findet man häufig sehr schnell extrem rechtes Gedankengut. Selbstverständlich sind nicht alle Esotheriker und Wunderheiler rechtsradikal, aber es gibt eine ganz ordentliche Schnittmenge. Und Interviews innerhalb der Szene zeigen immer wieder, das das Problem ignoriert wird. Zitat: "Ja wieso, was hab ich damit zu tun, dass der Autor rechtsextrem ist ... wir meinen es soll jeder glauben was er will, deshalb bin ich ja nicht rechts." ... nur um Sekunden später anzufangen von der Arischen Herrenrasse und niedrigem Leben zu schwadronieren.

Die Esotheriker nur als zottelige Kuschelhippies zu betrachten die einfach nur an Energiesteine und Chakren glauben wird der Sache nicht gerecht.


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foobar23 #5

Nicht jeder, der sagt, dass es Alternativen zu den Maßnahmen gibt und gegeben hat, ist ein Coronaleugner.


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Heinrich Reisen #5.1

Nein, aber von denen ist im Artikel auch nicht die Rede.
Fehler der Verantwortlichen müssen wir kritisieren - was kann man besser machen z.b. bei den Impfungen gerade.
Wenn wir allerdings den Bereich des Belegbaren und der Wissenschaft verlassen, dann kann man es schon unter Corona Leugner sehen.


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  redshrink #15

Um es ganz schnell auf den Punkt zu bringen. Ich bin 57 Jahre alt, Arzt, mit erheblichen Vorerkrankungen und eingeschränktem Immunsystem, und ich leiste auch in der Pandemie ehrenamtliche Arbeit.

Impfgegner, Maskenverweigerer und Leute, die ihren Aberglauben auf Kosten anderer ausleben betrachte ich als meine natürlichen Feinde. Sie setzen mich durch ihr selbstbezogenes und ignorantes Verhalten bekannten und gut belegten Risiken aus, die mich erheblich gefährden. Dass „quer“ etwas mit „denken“ zu tun hätte, ist ja nicht erst seit gestern ein Witz. Wer die öffentlichen Auftritte dieser Verschwörungs- und Esoterikgläubigen erlebt hat, weiß, dass “denken” nicht auf deren Planeten stattfindet.

Da hilft auch mein ansonsten sehr mitfühlendes Wesen nichts; wo Einsicht auch mit viel Wohlwollen nicht zu erreichen ist, kümmere ich mich um meinen Selbstschutz, und erwarte von den Behörden, dass sie das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit der Mehrheit der Bevölkerung mit allen Mitteln gegenüber diesen Leuten verteidigen.



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Heinrich Reisen #16

In den USA gibt es die "Mutter aller Verschwörungstheorien" QAN die durch ihre flexible Struktur und die maximale Verbreitung via Social Media alle Verschwörungen links und rechts aufsaugt und integriert - dabei noch as Religionsersatz dient.

Manche Agenda Punkte sind sehr USA zentrisch. Allerdings sind sie auch hier erfolgreich. Tendenziell eher weniger Gebildete und weniger Privilegierte.

Man kann drüber lachen oder es als Problem ernst nehmen und dagegen agieren.

Wenn jemand bewusst Lügen, Falschheiten und unbegründete Theorien verbreitet - und dabei Menschen zu Schaden kommen - dafür müssen wir diese Mechanismen und Menschen die dahinter stecken auch verantwortlich machen können.

Das ist mittlerweile ein großer industrieller politischer Komplex, das ist keine unschuldige Spinner Bewegung mehr, es wird damit eine Menge Geld und Macht produziert - in den USA gehen damit Kandidaten in den Wahlkampf und werden sogar gewählt.

Das können wir uns (noch) nicht vorstellen, sollten wir nicht ausprobieren.


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Burk W. #21

"Das Universum ist gut, die Natur ist gut – wenn wir mit ihr Verbindung halten, wie sollte sie uns schädigen wollen? Wie sollte dieses Virus denn diejenigen treffen, die 'natürlich' leben – die sich zum Beispiel seelisch und körperlich gesund halten?"

Demnach sind alle chronisch Kranken und Alten seelisch und körperlich krank.
Ich kann echt nur noch mit dem Kopf schütteln. Das ist genauso irre, wie der Spruch "Jeder ist seines Glückes Schmied", der sich leider auch nicht auf die hilflosen und unterversorgten in Krisengebieten anwenden lässt. Aber Hauptsache, die Leidenden sind ja selber Schuld!


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ChaosRhino #21.1

Mir fällt da immer die Überzeugung einer Esoterikerin ein, die mich damit vor 20Jahren "anfixen" wollte:
Juden sind am Holocaust selbst schuld, weil sie in der Vergangenheit als Mörder am Erlöser, als ewige Beutelschneider und Zinserpresser die anderen Menschen unterdrückt hätten.
Man fasst nicht, zu welchen Überzeugungen die Leute fähig sind.


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pomerius #21.3

Das ist zutiefst vormodernes, archaisches Denken: wenn es mir gut geht, ist das der Beweis, daß ich ein Liebling der Götter (der Natur, der Höheren Macht, des Kosmos) und ebenfalls gut bin, wenn es mir (oder besser: einem anderen) schlecht geht, ist das der Beweis, daß mich (oder den anderen) die Götter (die Natur, die Höhere Macht, der Kosmos) strafen wollen, weil ich gesündigt habe.


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mk70666 #22

Jaja, Grippe 2018 gab es auch 25.000 Tote... So konnte man von mir aus letzten Sommer noch argumentieren. Jetzt sind wir trotz aller Maßnahmen bei ~75.000 Toten, aber es trifft ja gewissermaßen "nur die die es verdient haben", wie ich in dem Artikel gelernt habe.

Die Mutter meines engsten Kollegen ist an Covid-19 gestorben, die Großtante meiner Lebensgefährtin ebenfalls und ich kenne mittlerweile fünf 30-50-jährige, die an Long-Covid leiden, einer davon ist seit 10 Monaten komplett arbeitsunfähig.

Also wer es jetzt immer noch nicht begriffen hat... Und deshalb als ehemals grüner Esoteriker Rechtsaußen-Parteien wählen... Unfassbar.


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Günther Knauthe #22.1

So ist das eben mit dem Glauben – die hartnäckigsten Vertreter gehen bereitwillig mit ihm unter.


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ChaosRhino #28.3

Eine der Urideen hinter der Esoterik - das Karma-Denken, sowie die andere Idee - das selbstverschuldete Unglück, sind schon zutiefst menschenverachtend, wenn sie so interpretiert werden, wie es viele dieser "Gläubigen" tun.


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Alexxis #43

„Querdenken, das ist mittlerweile klar, ist auch radikalisierte Esoterik.“

Esoterik basiert auf einer entwickelten Sensibilität der Wahrnehmung. Menschen, die diese Sensibilität nicht entwickelt haben, neigen leider dazu, alles, was jenseits der Grenzen ihrer Wahrnehmung liegt, zu diffamieren. Unterstützt werden sie in dieser Hinsicht von den Wissenschaften, die durch Verifikation und Falsifikation die Wirklichkeit lediglich auf das reduzieren, was wiederholt werden kann. Einmalige subjektive Erfahrungen sind also ausgeschlossen.

Damit öffnet die Esoterik der Spekulation und dem Missbrauch natürlich Tür und Tor. Vor allem in einer Gesellschaft, die darauf programmiert ist, aus allem Profit rauszuschlagen. In Regionen/Kulturen, in denen traditionell Meditation gelehrt wird, ist die Bedeutung subjektiver Erfahrungen klarer und gegen Schwachsinn und Betrug gefeit.


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Barbara F #43.1

Sie haben den Punkt genau getroffen, auch mir fehlt jegliche Sensibilität, und ja, das ist für mich alles menschgemachter Humbug und Hokuspokus. Als Diffamierung würde ich das nicht bezeichnen, aber wenn jemand zu mir sagt, die Erde ist eine Scheibe, dann darf ich denjenigen doch schon ein klein wenig beleidigen ? ... oder zumindest etwas an Verachtung schenken, vielleicht aber auch etwas Mitleid.
In den USA glauben mehr als 40 % !! der Bevölkerung, Gott hat die Erde vor ca. 5000 Jahren in einer Woche erschaffen, einschl. aller Lebewesen samt Dinosaurier, Die Evolutionslehre wird komplett geleugnet. Dass dann bei der Präsidentenwahl ein ein verrückter "Trump" rauskommt, muss man sich nicht wundern.
Ich habe es nicht so mit den Krummdenkern und Verschwörungsspinnern .....


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schmidtds #48

Besonders problematisch ist mMn, dass einerseits ganzheitliches Denken gefordert wird, weil doch "alles mit allem zusammenhänge" - was im Prinzip richtig ist, dann aber andererseits überhaupt nicht hingeschaut wird, wie(!) diese Zusammenhänge aussehen.

Dabei ist systemisches Denken, das Verstehen der Dynamik komplexer Zusammenhänge und die Erforschung nichtlinearer Systeme gerade für das Verständnis einer Pandemie essentiell, und nicht von ungefähr äußert sich die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation profiliert zum Thema. Das Institut ist einer der Orte, wo wirklich ganzheitlich gedacht und geforscht wird.

Ganzheitliches Denken(!) braucht viel naturwissenschaftliches Wissen, die Fähigkeit, umfassende Strukturen erkennen zu können und einen sehr genauen Blick für die kleinen Details, die in komplexen Strukturen große Wirkung entfalten können.

Ganzheitliches Raunen, das diese Entwicklungen in der Naturwissenschaft ignoriert, hat mit Denken nur wenig zu tun, weil es Wissen ausblendet.


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Schlophia #45

Esoteriker mit Illusionen sind noch immer mit Krebs zum Heilpraktiker gegangen um sich die Kirlian-Aura lesen zu lassen, kein Wunder, dass sie auch alle geborene Virologen sind.
Haben wir keine Insel für die Unbelehrbaren, wie Mary Mallon? [https://de.wikipedia.org/wiki/Mary_Mallon]


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derLordselbst #65

Warum werden Esoteriker, Verschwörungsgläubige, Quäldenker und Hassprediger als etwas Besonderes dargestellt, dass die Pandemie hervorgebracht hat?
Wo ist der qualitative Unterschied zu denjenigen, die an Hexen, Untermenschen, Hautfarben, heiligen Krieg, seelische Erkenntnis durch Widerstandsmessung und ähnlichen glauben?
Und warum sollen diejenigen, die das kritische Denken nicht komplett verweigern, voller Fürsorge und Mitgefühl auf diese verirrten Schafe schauen, wenn sie uns mit ihren Handeln gefährden und die tollwütigen Wölfe in ihren Reihen dulden?


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tychobrahe2015 #71

Angst vor dem Unbekannten, Angst vor der Rückseite einer vermeintlich stabilen Gesellschaft das ist eine der Problempunkte. Der Anthroposoph möchte ebenso einen Erklärbär wie der Jurist alles in seine Logik packen möchte. In meinem Umfeld sind viele, die sich von Teilen der gesellschaftlichen Entwicklung abgestoßen oder teilentwurzelt fühlen. Warum? Weil ihnen der historische Tiefenblick und die Demut fehlt. ...


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Hainuo #79

Man muss wohl der Menschheit attestieren, dass sie zum großen Teil nicht in der Lage ist, mit unerwarteten Schicksalsschlägen umzugehen, ohne auf vereinfachende Erklärungsmuster zurückzugreifen. Da wird dann nach dem großen Ganzen gesucht, dass alles wieder in verständliche Bahnen lenkt.


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Nur Vernunft #85

Esoterik?

„Verachte nur Vernunft und Wissenschaft,
Des Menschen allerhöchſte Kraft,
Laß nur in Blend- und Zauberwerken
Dich von dem Lügengeiſt bestärken,
So hab’ ich dich schon unbedingt.“

Mephistopheles.


...
« Last Edit: March 17, 2021, 03:14:49 PM by Link »

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #49 on: March 25, 2021, 10:02:10 AM »
NGF040 – Thema: Esoterik und Religion
Nachgefragt - NGF040 – Thema: Esoterik und Religion - Immer mehr Menschen treten aus den Kirchen aus, gleichzeitig boomt der Markt esoterischer Glaubensangebote und Verschwörungsmythen. Welche Bedürfnisse werden in der Esoterik gestillt, die möglicherweise von den Religionen nicht mehr bedient werden? Ist diese Beobachtung überhaupt richtig und gibt es einen Zusammenhang? Diese und viele andere Fragen zum Thema Esoterik und Religion gucke ich mir in dieser Folge zusammen mit dem Religionswissenschaftler Michael Blume an. Wir versuchen uns der Frage zu nähern, ob Esoterik so etwas wie eine Ersatzreligion ist und wie die Glaubensmechanismen in den beiden Bereichen funktionieren.
Es ist nichts daran geheim, es ist alles Exoterisch – mit Michael Blume
https://nachgefragt-podcast.de/2021/03/21/ngf040-thema-esoterik-und-religion/

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« Reply #50 on: March 25, 2021, 07:41:15 PM »
Quote
[...] Eine krebskranke Frau brach eine Strahlentherapie-Behandlung ab, vertraute stattdessen ihrer Heilpraktikerin, wurde mit Schlangengift behandelt und starb wenig später. Jetzt wurde die Heilpraktikerin verurteilt.  ... Seitens der Ärzte war die Frau vor dem Abbruch der Krebstherapie gewarnt worden: Sie unterschreibe damit ihr „Todesurteil“. Die Heilpraktikerin, die sich auch als „Malerin von Seelenbildern“ bezeichnete, soll sie hingegen in Mails darin bestärkt haben, auf ihre innere Stimme zu hören, sie habe ein gutes Immunsystem. ... Die unzureichende Aufklärung sei „ursächlich“ für den Tod der Mutter gewesen.


Aus: "Urteil gegen Heilpraktikerin : „Fehler in Aufklärung führte zu Tod“" Karin Truscheit, MÜNCHEN (25.03.2021)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/urteil-gegen-heilpraktikerin-fehler-in-aufklaerung-fuehrte-zu-tod-17262989.html

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« Reply #51 on: April 01, 2021, 12:09:17 PM »
"Querdenker - Erleuchtung aus dem Allgäu" Michael Eggert (März 22, 2021)
Meditieren mit dem Corona- Virus Oder: Das große, dunkle, übermächtige Irgendetwas
Anthroposophische Meditations- Lehrer verkünden nicht nur Übungen, damit ihre Klientel mit sich und dem Alltag ins Reine kommt und vielleicht Anschluss zu kosmischen Quellen der geistigen und leiblichen Erneuerung findet, sondern liefert frei Haus auch stets eine Lebenseinstellung und ein Weltbild mit. ...
https://egoistenblog.blogspot.com/2021/03/meditieren-mit-dem-corona-virus-oder.html

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"Von Atlantis und Auftragskillern: Eine Waldorf-Ausbilderin klärt auf"
8. September 2020 AnthroBlogger
In einer Telegram-Gruppe verbreitet eine Ausbilderin für Waldorfpädagogik Corona-Verschwörungsmythen. Sie spricht von Engelswesen und Hellseherei, zitiert KenFM und Eva Herman.
https://anthroposophie.blog/2020/09/08/von-atlantis-und-auftragskillern-eine-waldorf-ausbilderin-klart-auf/comment-page-1/#comments

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« Reply #52 on: May 17, 2021, 04:20:17 PM »
Quote
[...] In Neuseeland, einem Land fast ohne Corona, blühen die Verschwörungs­theorien um das Virus – ganz besonders in der Musik- und Esoterik­szene.

Equinox, so lautet der Name der Herbstsonnenwende auf der Südhalbkugel in Neuseeland. In diesem Jahr feierten über 3.000 Menschen das Ereignis gemeinsam bei „Earth Beat“ – laut Selbstauskunft das „innovativste und erdverbundenste Festival in Aotearoa“ – so der ursprüngliche Maoriname Neuseelands. Sie mussten keine Masken tragen oder einen Sicherheitsabstand einhalten. Denn der Fünf-Millionen-Staat hat die Coronapandemie dank durchgreifender Maßnahmen im Innern und geschlossener Grenzen nach außen vorerst besiegt. Der letzte landesweite Lockdown endete vor einem Jahr.

In jener Märznacht tanzen die Feiernden ekstatisch zu den Songs von Matiu Te Huki, einem beliebten Musiker in der Alternativszene. Nach Mitternacht greift er sich zwischen seinen Sets das Mikrofon. Doch anstatt wie bei seinen früheren Konzerten über Liebe und Gemeinschaft zu plaudern, ergeht sich der Sänger in einer Brandrede gegen Impfungen, die „unsere Körper vergiften“.

Die Pandemie nennt er „plandemic“ – nach einem gleichnamigen 26-minütigen Propagandafilm, der im letztes Jahr Karriere machte, inzwischen von sämtlichen Plattformen gelöscht wurde und reihenweise Falschmeldungen über das Coronavirus verbreitet. Viele Zuschauer klatschen und jubeln dem Sänger zu. Andere sind entsetzt.

Sam Thompson etwa, die in der Nähe der Bühne sitzt, traut ihren Ohren nicht und wundert sich, warum die Veranstalter diese Einlage dulden. Für eine andere Besucherin ist die Party in diesem Moment gelaufen. „Es ist traurig, dass jemand, der so fehlinformiert ist, seine Position auf diese Weise missbraucht“, sagte sie.

Die Therapeutin Ari Amala, die einen Workshop bei Earth Beat abgehalten hatte, beschreibt das Intermezzo in ihrem Blog: „Tausende von Dollar an Sound-Ausrüstung wurden benutzt, um eine Botschaft zu propagieren, die zutiefst schädlich fürs Gemeinwohl ist.“

Alle drei gehören zu FACT. Das ist eine Abkürzung für „Fight Against Conspiracy Theories“, also dem Kampf gegen Verschwörungsmythen. Es handelt sich um ein neues Netzwerk von Aktivisten, von der Krankenschwester bis zum Filmproduzenten. Noch sind sie wenige, aber schon heute ausgesprochen effektiv. Über hundert Mediziner und Akademiker haben einen offenen Brief unterschrieben, mit dem FACT gegen die Zusammenarbeit von andersgläubigen Wissenschaftlern mit den Querdenkern protestiert. Die Mikrobiologin Siouxsie Wiles, Pendant zu Christian Drosten und gerade zur Neuseeländerin des Jahres gekürt, unterstützt die Aktion.

In dem kleinen Land, das weltweit die wenigsten Coronatoten gemessen an der Bevölkerungszahl aufweist und eine Normalität des Alltags genießt, von dem andere nur träumen können, wächst paradoxerweise der Einfluss von Menschen und finanzstarken Lobbygruppen, die gegen effektive Covid-19-Maßnahmen rebellieren und Fehlinformationen verbreiten. Sie organisieren Veranstaltungen und bringen Millionen Handzettel unters Volk, in denen sie sich gegen Impfungen aussprechen.

Das Coronavirus hat Neuseeland zwar verschont, aber nicht der Einfluss von rechtsradikalen Gruppierungen wie QAnon. Dort wird die Legende verbreitet, dass Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern in Wahrheit ein Mann sei und das Moschee-Attentat von Christchurch selbst eingefädelt habe, um damit Waffengesetze zu verschärfen.


Der Kampf gegen Corona in Neuseeland - Strenge Quarantäne Die Corona-Pandemie gilt in Neuseeland als weitestgehend überwunden. Am Sonntag wurden dort lediglich noch 19 aktive Fälle gezählt, davon ein einziger neuer in den letzten 48 Stunden. Alle gingen auf Einreisen aus dem Ausland zurück. Diese Personen müssen sich seit mehr als einem Jahr grundsätzlich für 14 Tage in ein Quarantäne-Hotel begeben, bevor sie sich frei bewegen dürfen. Die Kosten müssen die Reisenden übernehmen.
Ausnahme Australien Eine Ausnahme gilt lediglich für Personen aus Australien, wo die Inzidenzwerte ebenfalls sehr gering sind. Australien und Neuseeland bilden also eine Art gemeinsame Reiseblase.
Die Zahlen Seit Ausbruch der weltweiten Pandemie zu Beginn des vergangenen Jahres wurden in Neuseeland nach offiziellen Angaben 2.627 Fälle von Covid-19 verzeichnet. 26 Personen sind verstorben. (taz)

„Sovereignty“ (Eigenhoheit) lautet das Schlagwort, mit der derlei Mythen unters Volk gebracht werden. Es stößt auch bei einigen Maori auf offene Ohren, die aus historischen Gründen dem staatlichen Gesundheitssystem misstrauen und eine Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht fordern. Ihr Populist heißt Billy Te Kahika, auch er ein Musiker, dazu Covid-19-Leugner und ­QAnon-Anhänger. Er weigert sich, auf Inlandflügen die vorgeschriebene Maske zu tragen.

Doch als der gescheiterte Politiker einen Protest vor den Quarantäne-Einrichtungen in der Stadt Christchurch plant und Isoliertenhotels als Lager für politische Gefangene bezeichnet, tauchen schon Stunden zuvor ein Dutzend FACT-Unterstützer auf. Sie halten keine Gegendemonstration ab, sondern überbringen den Betreibern des umfunktionierten Hotels lieber ein Dankeschön dafür, da sie das Virus aus dem Land halten.

„Wir Kiwis sind generell friedliche Menschen. Positives Einwirken wirkt daher oft besser als aggressive Reaktionen“, sagt FACT-Sprecherin Jacinta O’Reilly. „Wir verstehen, warum Menschen in der Pandemie den Bezug zur Realität verloren haben und anfällig für bestimmte Ideologien sind.“ Daher setzen die Aktivisten präventiv dort an, wo sie ein Umfeld für Verschwörungsglauben vermuten – zum Beispiel bei New-Age-Festivals. Denn Earth Beat war nicht das erste Konzert, bei dem der Musiker Te Huki seine Ansichten über Masken, Impfungen und Lockdowns von der Bühne aus verbreitete. Das gleiche passierte bereits bei „Resolution“, dem Silvesterableger des Esoterikfestivals „NZ Spirit“.

Schon seit dem letzten Jahr entwickelte sich seine Facebook-Seite zunehmend zur Verschwörungsbühne. Te Huki behauptet, die Regierung würde das Volk „terrorisieren“ und habe die „Agenda, all unsere Freiheiten wegzunehmen“. „Leute wie die Rockefellers und die Rothschilds beherrschen die Welt auf solch eine zersetzende, hinterhältige, böse, psychopathische Weise“, erklärte er im Juli 2020 in einem Video. „Sie haben die Medien gekauft, sie haben die WHO und die Vereinten Nationen gekauft.“ Obwohl sich viele Fans abwenden, steigert sich seine mit Verschwörungswahn durchtränkte Eigenwerbung immer weiter. Er empört sich etwa über angebliche „Zwangsimpfungen“. Die Impfungen mit dem Biontech-Wirkstoff, die ab dem Juli allen Kiwis zur Verfügung stehen sollen und für einige Berufsgruppen bereits begonnen haben, sind allerdings freiwillig.

Sadra Saffari, der Intendant von „Earth Beat“, hat nach eigener Aussage die Coronamythen auf seiner Festivalbühne am 20. März nicht mitbekommen, aber er findet sie „bedenklich“. Er hätte sich ein Vorgespräch darüber gewünscht. „Wir werden es mit Matiu bereden“, sagt der Organisator des Festivals. „Vielleicht müssen wir so etwas in Zukunft in den Künstlerverträgen festhalten. Wir wollen keine Plattform sein für etwas, das nicht im Interesse unserer Community und des gesamten Landes ist.“ Der umstrittene Musiker hat nach der Empörung, die sein Auftritt bei „Earth Beat“ ausgelöst hat, einige Falschaussagen gelöscht – aber sich zugleich über die „cancel culture“ beschwert.

Die Auftritte von Te Huki sind nicht die einzigen, bei denen auf alternativen Festivals gewollt oder unbeabsichtigt Verschwörungstheorien verbreitet werden. Auch bei „Luminate“, das in jedem zweiten Jahr 4.000 Menschen zu Trommelkreisen, Feuerspuckern und Kakaozeremonien nach Golden Bay zieht, haben Coronaleugner schon auf sich aufmerksam gemacht. Als die Organisatorinnen im letzten Jahr auf ihrer Webseite zu David Icke verlinken – einem Holocaust-Leugner und prominenten Erfinder der Illuminati-Verschwörungsmythen, bekommen sie Gegenwind zu spüren. DJs und Künstler wie Alt-Country-Star Marlon Williams kritisieren die Entscheidung in einem offenen Brief.

Die „Luminate“-Organisatoren nehmen daraufhin den Link des Briten, für den in Australien ein Einreiseverbot besteht, von ihrer Webseite. Nach einigen missglückten Halb-Entschuldigungen erklärt das Management in einem Statement, dass man weder Rechte noch QAnon unterstütze. Ein Shitstorm führt dazu, dass weniger Tickets verkauft werden und die Veranstaltung im Februar deutlich kleiner als zuvor ausfällt.

Eine kleine Truppe hält am Rande des Festivals ein Meeting zum Thema „Covid – The Great Reset“ (der große Neustart) ab. Dieser Verschwörungsmythos behauptet, die „Eliten“ wollten im Zuge der angeblichen Pandemie endgültig die Weltherrschaft an sich reißen. Die Gruppe darf allerdings ihre Plakate nicht aufhängen.

Einer der Köpfe des „Luminate“-Festivals zählt jedoch nach wie vor zu den Unterstützern einer Anti-Lockdown-Gruppe mit dem Namen „Voices for Freedom“ und der „Outdoor Party“. Diese Splitterpartei, die auf Facebook Impfungen mit Vergewaltigung und Mord verglichen hat, will die Regierung verklagen und arbeitet mit einem bekannten Rechtsradikalen zusammen, der Fehlinformationen verbreitet.

„‚Luminate‘ war ein Wendepunkt“, sagt Jacinta O’Reilly von FACT. Auf Facebook bildet sich anschließend die „Rabbit Hole Resistance“ als Netzwerk für jene, die sich gegen Verschwörungsglauben stellen und anderen dort heraushelfen wollen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf Mitgefühl und guter Kommunikation. Ihr erstes Meeting haben die neuseeländischen „Kaninchen“ ebenfalls auf einem Festival: bei Kiwiburn. Danach formierte sich im März FACT.

„Conspirituality“, das Überlappen von Wellness und Esoterik mit antisemitischem, transphobem und rassistischem Irrglauben, nach dem auch ein gleichnamiger Podcast benannt ist, ist das Feld der Factivisten. „Wir brauchen ein besseres Verständnis in der Yoga- und Festivalszene davon, wie fiktionale Behauptungen als geheime Wahrheit präsentiert werden,“ sagt Jacinta O’Reilly. „Dahinter stecken oft finanzielle Interessen von Lobbygruppen und Firmen, die Zusatzpräparate oder ätherische Öle vertreiben. Sie manipulieren bewusst Menschen, die berechtigte Zweifel an der Schulmedizin und Pharma-Industrie haben. Wir müssen den Veranstaltern dafür die Augen öffnen.“

Die pensionierte Lehrerin findet es ironisch, dass ausgerechnet Massenveranstaltungen, die in Neuseeland nur deshalb stattfinden können, weil strenge und einheitliche Coronamaßnahmen ergriffen wurden, zum Tummelplatz derer werden, die diese als eine Bürgerrechtsverletzung bezeichnen. Deshalb tritt FACT im April mit einem Appell an die größte Esoterik-Show des Landes heran, das bevorstehende „NZ Spirit Festival“.

Ihre erste Bitte lautet: Ein neuer Gesundheits- und Sicherheitshinweis zum Coronarisiko auf der Webseite – zum Beispiel die Empfehlung zur Nutzung der neuseeländischen Tracking-App und ein Hinweis, bei Symptomen jeder Art dem Fest fernzubleiben. Beides nicht selbstverständlich in einer Szene, in der viele die Vorsichtsmaßnahmen in Geschäften und bei Versammlungen als staatliche Überwachung bezeichnen, Covid-19 für eine Grippe halten und behaupten, dass frisch Geimpfte ein Gesundheitsrisiko für andere darstellen.

Ein Wellnessbetrieb in Christchurch, der Darmspülungen und „Seelenlesungen“ anbietet, verweigert Menschen aus diesem medizinisch nicht gestützten Grund nach einer Impfung 30 Tage lang eine Behandlung [https://www.stuff.co.nz/national/health/coronavirus/124955112/christchurch-alternative-health-clinic-imposes-30day-wait-on-vaccinated-clients].

Franko Heke, charismatischer Kopf von „NZ Spirit“, setzt den Vorschlag von FACT prompt um und aktualisiert die Webseite mit dem Satz „Wir nehmen die globale Covid-19-Pandemie ernst“ – in seinen Kreisen fast schon eine politische Position. Er übernimmt auch den zweiten Vorschlag und schickte eine Abmachung an sämtliche Künstler und Workshop-Moderatoren, keine Corona-Statements bei ihren Auftritten zu machen. Auch Plakate oder Flyer dieser Art seien nicht erwünscht.

Ein bisher einzigartiges Abkommen, laut Heke „perfektes Timing“. „Ich sehe es als Chance für unsere Bewegung“, sagte er. „Die Leuten sollen bei uns erst mal ihre persönliche Wahrheit finden, bevor sie globale Themen erörtern. Wir vibrieren auf einer sehr hohen Frequenz.“

Einige der Frequenzen, mit denen seine Festival-Community harmoniert, sind jedoch mehr als fragwürdig. Ein ehemaliges Model aus Aucklands Yogaszene war bis Ende 2020 die bezahlte Social-Media-Beauftragte von „NZ Spirit“ – während sie flammende Videos gegen Masken aufnahm, sich in der Anti-Lockdown-Gruppe „Mothers Who Stand for Freedom“ engagierte und ihr Facebook-Profil mit dem Slogan von QAnon schmückte. „Q is from God!“, rief eine Frau in einem Livestream gegen den Lockdown. Niemand löschte das Video.

„Einige sind irregeleitet“, gibt Heke zu, der die Seite managt. Dort waren nach dem Shitstorm rund um „Luminate“ auch etliche Kommentare von David-Icke-Fans mit antisemitischen Tönen aufgetaucht, bis hin zur Holocaust-Leugnung. „Wir wissen nicht, wer die Leute sind, bis sie etwas Zerstörerisches tun. Aber dieses Zeug ist höchstens 0,1 Prozent in der Gruppe.“

Zu dem quasireligiösen, antiwissenschaftlichen „Zeug“ gehört auch „Starseeds“. Anhänger dieser New-Age-Philosophie glauben, dass sie erleuchtete Wesen von anderen Planeten seien. Die Sekte aus Kalifornien verwandelte letztes Jahr die neuseeländischen Besitzer des progressiven Unterwäsche-Labels Lonely zu Verschwörungstheoretikern, Trump-Fans und Coronaleugnern, was sie etliche ihrer prominenten Fans in Hollywood kostete. Auf dem Marktplatz des „NZ Spirit Festival“ darf Starseeds vor drei Wochen ein eigenes Zelt errichten.

Rachel Hunter, die frühere Frau des Rocksängers Rod Stewart, macht mit einer Yogameditation den Auftakt des viertägigen alkoholfreien Happenings. In einem Interview betont das ehemalige Supermodel, dass sie Neuseelands Coronapolitik begrüßt. 3.500 Menschen tummeln sich in Kumeu westlich von Auckland, lassen sich Tarotkarten legen und Chakras massieren. 70 MusikerInnen treten auf, darunter die indigene Maisey Rika. Alle halten sich an die FACT-Abmachung von Franko Heke.

Viele Besucher empfinden das breite Angebot als „magisch“ und „transformativ“. Am letzten Tag findet es eine Podiumsdiskussion zur „Zukunft der bewussten Festivals“ statt, moderiert von Leo Murray. Der DJ ist einer der Co-Autoren des offenen Briefes an „Luminate“. „Informationshygiene macht mir genauso Sorgen wie das Virus“, sagt er. „Veranstalter haben eine Verantwortung, aber ich möchte nicht, dass hier ein Gegeneinander von Fraktionen entsteht.“

Auf dem Panel, auf dem es vor allem um Nachhaltigkeit im Sinne der Maorikultur geht, sitzt neben Vertretern von „Earth Beat“ auch der Direktor von „Splore“. Auf diesem dreitägigen Musik- und Kunstfestival mit 8.000 Besuchern hat man die beste Informationshygiene von allen neuseeländischen Sommerfestivals betrieben: Man lud Mikrobiologin Siouxsie Wiles für einen Talk ein. Sie hat aus der Verschwörerszene bereits Morddrohungen erhalten.

Der Hauptredner bei „NZ Spirit“ ist in diesem Jahr der Biologe Bruce Lipton. Der wissenschaftlich umstrittene US-Amerikaner redet über Epigenetik, die seiner Meinung nach unser Denken mehr bestimmt als die DNA unseren Körper. Am Ende der Veranstaltung, als bereits abgebaut werden soll, lässt er sich entgegen der Auflage seiner spirituellen Gastgeber dann doch noch zu einer Aussage über Corona hinreißen.

Da tönt er, dass Covid-19 „nicht so tödlich“ und „kein virulenter Virus“ sei und die Zahlen dazu „gefälscht“ seien. Wer sich impfen lasse, werde Teil eines „Experiments“. Lieber solle man das Immunsystem durch Vitaminpräparate stärken. „Passt auf euch auf“, sagte er zum Abschied.

Andere passen ebenfalls auf. FACT, der auch Ärzte angehören, will sich als nächstes mit Bruce Lipton beschäftigen.


Aus: "Kampf gegen Corona-Mythen: Eine Dosis Gegengift" Anke Richter (17.5.2021)
Quelle: https://taz.de/Kampf-gegen-Corona-Mythen/!5767432/


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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #53 on: September 30, 2021, 10:28:50 AM »
Quote
Kleinröschen@HerrMathieu

Wenn ich 6 Jahre Medizin studiere, 4 Examina ablege, mich in der Doktorarbeit mit RNA Gensequenzen beschäftige und nach weiteren 6 Jahren Facharzt werde, dann finde ich es ein klein wenig schwierig, wenn mir jemand sagt „Ich muss bei der Impfung auf mein Gefühl hören“.

8:44 vorm. · 23. Dez. 2021·


https://twitter.com/HerrMathieu/status/1473922535871893508

-

Quote
[...] Sie baumeln als Pendelanhänger an langen Halsketten, umspielen Handgelenke an Armbändern oder klackern in kleinen Beuteln – die Lieblingsaccessoires vieler junger Menschen sind zurzeit bunte Steine. Das nicht, weil diese eine günstige Alternative zu Diamanten sind. Und nein, es ist auch kein Geologie-Hype ausgebrochen.

Die Generation Z trägt die schönen Steine wegen der "heilenden Wirkung", die ihnen in esoterischen Kreisen zugeschrieben wird: Amethyst soll für mehr Konzentration und Ruhe, Rosenquarz für guten Schlaf und Hilfe in Liebesdingen sorgen, Bergkristall gegen Energieblockaden helfen. Von jeher glauben Menschen an eine therapeutische Wirkung von Mineralien, nun entdeckt auch die junge Generation die spirituelle Anwendung für sich: Auf Youtube und Tiktok steht esoterischer Content zu Chakren, Tarot oder eben "Crystal Healing" (Heilung durch Mineralien) hoch im Kurs. In zig Videos geben Influencerinnen Tipps für Neulinge in der Welt der Heilsteine, präsentieren stolz ihre umfangreichen Sammlungen oder erzählen hochemotional, warum sie sich den Mineralien zuwandten.

Auch im realen Leben befasst sich die Gen Z auf einmal mit den schönen Steinen. In Wien gibt es vor allem im siebenten Bezirk einschlägige Geschäfte, vor denen die junge Klientel zu Stoßzeiten sogar Schlange steht – wie zum Beispiel vor dem Laden von Hana Dziacek in der Neubaugasse. Die gebürtige Tschechin betreibt seit 1994 das "Mineralien Atelier". In dem langen, schmalen Raum ist kaum ein Quadratzentimeter frei, alles ist voll mit Steinen: Amethyste, Tigeraugen, Achate oder Citrine – geschliffen, roh oder zu Schmuckstücken verarbeitet.

Sie freut sich über den starken Zulauf an junger Klientel. Diese habe einen intuitiven Zugang und lasse sich auf die Thematik vorurteilsfrei ein. Ältere Menschen hätten hingegen manchmal Angst, als esoterisch oder gar verrückt zu gelten, wenn sie sich mit Mineralien beschäftigen. Für die Wirkung, die diesen zugeschrieben wird, interessiere sich aber ein überwiegender Teil ihrer Kundschaft unabhängig vom Alter, so Dziacek.

Anders ein paar Hundert Meter entfernt bei Singer Edelsteine, wo die junge Klientel fast ausschließlich weiblich ist. "Die esoterisch Angehauchten machen bloß 20 Prozent meiner Kundschaft aus", sagt Besitzer Martin Singer. Der Rest kaufe Steine ihrer Ästhetik wegen, als reines Schmuckstück oder aus geologischem Interesse. Trotzdem liegen im Geschäft des Gemmologen zahlreiche Flyer für allerlei esoterisch-energetische Behandlungen genauso wie Bücher zur Heilwirkung von Mineralien.

Dass man mit Steinen Krebs heilen oder sich vor Corona schützen könne, glauben weder Singer noch Dziacek. Für solche Einsatzgebiete würden sie ihre Steine nicht verkaufen. Doch beide sprechen von Schwingungen und Energien der Mineralien, die auf den Menschen wirken würden.

Christian Lengauer, Leiter des Instituts für Mineralogie und Kristallographie an der Universität Wien, sagt dazu: "Die Energie eines Minerals ist so schwach, dass sie nur mit wissenschaftlichen Apparaturen gemessen werden kann. Da gibt es nichts, was auf den Menschen übertragen werden kann." Wenn man einen Stein in der Hand halte, passiere also: rein gar nichts. Zwar sei Magnesium im Magnesit enthalten und Kalzium im Calcit, aber damit die Elemente in den menschlichen Organismus gelangten, müsse man sie über den Magen aufnehmen, so Lengauer. Auch auf das Wasser können die Edelsteine nichts übertragen. "Im Leitungswasser gibt es an sich schon mehr Kalzium, als sich aus einem Calcit lösen könnte." Dass Rosenquarz, Amethyst oder Bergkristall unterschiedliche Heilwirkungen entfalten sollen, bereitet dem Wissenschafter nur ein müdes Schmunzeln. Chemisch gesehen seien sie nämlich identisch: Siliziumdioxid. Lediglich minimale Verunreinigungen würden die unterschiedlichen Farben verursachen.

"In der Antike und im Mittelalter haben die Menschen versucht, die Existenz von den Edelsteinen zu erklären, sie mit Sinn zu belegen. Man wollte an etwas glauben. Auch heute will man das. Obwohl wissenschaftliche Erkenntnisse eine Heilwirkung der Steine ausschließen", sagt Lengauer.

Glaube sei ein wichtiges Motiv, warum sich gerade junge Menschen mit der spirituellen Anwendung von Mineralien befassen, bestätigt Kerstin Schuller, Psychologin beim psychologischen Beratungsdienst Instahelp: "In Zeiten der Unsicherheit, wie zum Beispiel der Corona-Pandemie, sucht man nach etwas, das Sicherheit vermittelt." Früher seien das der religiöse Glaube und die Kirche gewesen. Um sich von den Vorgängergenerationen zu emanzipieren, würden junge Mensch diese Sicherheit anderswo suchen und zum Beispiel bei der Esoterik fündig werden. "Wenn ich durch einen Rosenquarz unter meinem Bett besser schlafen kann, ist auch gar nichts dagegen einzuwenden", so Schuller. Problematisch werde es dann, wenn man sich selbst oder anderen damit schade oder sein ganzes Geld für Steine ausgebe.

Die negativen Auswirkungen des Mineraliensammelns spüren mitunter auch einschlägige Influencerinnen. Auf dem Youtube-Channel von Courtney Violetta finden sich, nebst Content zu Haarpflege, zahlreiche Videos zum Thema Heilsteine. Eines davon trägt den Titel "Warum ich aufhörte, Steine zu sammeln" und hat knapp 120.000 Aufrufe. Darin erzählt die Youtuberin, wie sie als Studentin Spiritualität und damit auch Heilsteine für sich entdeckte. Sie kaufte immer mehr Mineralien, in der Hoffnung, sie würden ihr auch immer mehr Lebensfreude bringen. Irgendwann umfasste die fast manisch aufgebaute Sammlung mehrere Hundert Steine, und es folgte die Erkenntnis: Überraschung, Mineralien lösen keine Probleme.

Das weiß auch Hana Dziacek vom Mineralien Atelier: "Ein Stein macht aus mir nicht den größten Kämpfer. Er ist nur eine unterstützende Maßnahme." Es sei ihr gelungen, dass viele ihrer jungen Kunden und Kundinnen Lebenslust und Leichtigkeit durch die Steine erlangten. Sie hätten den Bezug zur Natur dadurch wiedererlangt und würden selbst regelmäßig Steine suchen gehen.

Und die Youtuberin Courtney Violetta? Wenige Wochen nachdem sie erklärt hatte, keine Steine mehr zu sammeln, präsentierte sie ihre minimalistische Sammlung: Eine Handvoll Mineralien hatte sie behalten, den Rest verschenkt. Doch siehe da, zwei Monate später veröffentlichte sie ein Video mit Heilsteintipps für Anfänger. Darin erklärt die Youtuberin, dass sich ihre selbstauferlegte Abstinenz auf das Sammeln, nicht aber auf das Kaufen von Steinen bezieht. Aha! Den Entzug hat sie also nicht allzu lange durchgehalten. Aber vielleicht gibt es ja auch dafür einen heilenden Stein.


Aus: "Spirituell - Mehr Schein als Stein: Die Generation Z fährt auf Heilsteine ab" Michael Steingruber (29.9.2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000130020632/mehr-schein-als-stein-die-gen-z-faehrt-auf-heilsteine

Quote
ProofOfStandards

Who the hell is generation z?
Es ist ein bisschen präpotent, esotherische Ambitionen gleich einer gesamten Altersgruppe zu unterstellen. Man kann nicht genug gegen das Abzocken von gutgläubigen Menschen anschreiben. Aber ein bisschen weniger reißerische Formulierung würde der durchaus berechtigten Kritik gut tun.


Quote
LagunaVerde, 29. September 2021, 12:20:14

Heilkristallsteine sind voll retro. Die halfen schon nicht bei der Oma oder Mama.


Quote
Papa Petz, 29. September 2021, 12:15:43

Im Lande des Granderwassers nicht wirklich überraschend. Bin letztens fast vor Schreck ausgerutscht, als ich den Schmarren in einer namhaften österreichischen Therme an prominenter Stelle entdeckt habe.

Der Grund für den Hype? Kein Verständnis und kein Interesse für einfachste Physik. Aber OK, solange man nicht glaubt, damit ernsthaft etwas gegen körperliche Leiden oder Krankheiten ausrichten zu können, ein recht harmloses Vergnügen.


Quote
Die in der Tinte sitzen, 29. September 2021, 12:08:32

Würde ich dann doch eher als harmloses Vergnügen bezeichnen.
Es sei denn, man wird damit beworfen.


Quote
Kophosis

Ich hätte ein paar Nierensteine im Angebot. Wer will?


Quote
Doktor-Ingenieur

Falsch! Mineralien geben tatsächlich eine ganz besondere Strahlung ab. Man muss nur die richtigen nehmen: Uranpechblende z.B.


Quote
tapro

Nicht vergessen: Heilsteine funktionieren nur gemeinsam mit informiertem Wasser.


Quote
Darius Minor

Geschuettelt oder geruehrt?


Quote
tapro

Rechts gedreht


Quote
IgnisFatuus

Schwurbel-Renaissance.

Gott hülf.


...

« Last Edit: December 24, 2021, 01:16:37 PM by Link »

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #54 on: November 13, 2021, 01:13:18 PM »
COVID-19-Todesfälle:  Gesamt 97.617
COVID-19-Fälle:  Gesamt 4.987.971
Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard
Auswertungen basierend auf den aus den Gesundheitsämtern gemäß IfSG übermittelten Meldedaten
Alle Bundesländer
https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4 (13.11.2021)

-

Quote
[...] Dass ein paar Meter den Flur runter jemand stirbt, bekommt Heinz Pangerl nicht mit. Er nimmt nicht wahr, wie der diensthabende Arzt den Pfleger zu sich ruft, wie der zügig, aber routiniert den Gang runterläuft und im nächsten Zimmer verschwindet. Pangerl ist selbst zu schwach, um das Bett zu verlassen. Ohne den Schlauch unter der Nase, der mit Hochdruck Sauerstoff aus einem blubbernden Beutel pumpt, könnte er kaum atmen. Aber vor allem: Die, die hier sterben, tun das still und allein. Und seit einer Weile sterben hier wieder täglich Menschen.

Die Stationen 6/2 Nord und 6/2 Süd des RoMed Klinikums in Rosenheim sind Covid-Stationen. Je 24 Betten, von der Außenwelt isoliert. "Normalstation" nennt das Klinikpersonal das, um den Unterschied zu den Intensivbetten klarzumachen. "Normal" ist ein harmloses Wort für das, was hier passiert. Wer hier liegt, darf keinen Besuch empfangen. Die meisten sind ohnehin so schlapp, dass sie nicht viel mehr als liegen und fernsehen können. Und darauf warten, gesund zu werden. Die Öffentlichkeit draußen erfährt kaum etwas darüber, was auf der Isolierstation passiert. Um das zu ändern, hat die Klinik sich entschieden, unter großer Vorsicht einen einmaligen Besuch zu ermöglichen.

Wer hier arbeitet, setzt sich permanent der Gefahr aus, sich zu infizieren. Die Vorschriften sind deshalb streng: Um eines der Zimmer zu betreten, braucht man einen speziellen Kittel, Handschuhe, eine OP-Haube, FFP3-Maske und ein Visier. Wenn es nicht unbedingt nötig ist, wird hier nichts angefasst. Die meiste Zeit scheinen alle damit beschäftigt, irgendetwas zu desinfizieren. Wer die Station verlässt, muss die Schutzkleidung in einer bestimmten Reihenfolge ablegen und entsorgen. Es ist brutal warm unter der Montur.

Auf der Intensivstation sind die Vorschriften noch strenger. 97 Prozent der Betten sind hier in Rosenheim derzeit ausgelastet. Und das ist erst der Anfang. Klinikleiter Jens Deerberg-Wittram trinkt zum Interview einen Kakao, "mein Frühstück und Mittagessen", sagt er. Es ist 16 Uhr und draußen schon fast wieder dunkel. "Mit dem Herbst beginnt die Traumahochzeit", sagt er. Soll heißen: Die letzten Mountainbiker des Sommers rutschen auf dem Laub aus, die ersten Skifahrer der Saison sind noch nicht wieder im Training und stürzen. Urlauber, die aus dem Süden zurückkehren, wo sie die letzten warmen Tage des Jahres nutzen wollten, verunglücken auf den Autobahnen. Sie alle landen potenziell auf der Intensivstation.

Doch dort fehlt das Personal. Nach zwei Jahren Pandemie haben viele gekündigt. Wer früher in Rente konnte, ist gegangen, der Krankenstand ist hoch, Nachwuchs fehlt. Statt 50 Betten in idealen Zeiten könne man gerade noch 36 belegen, rechnet der Klinikchef vor.

Und von denen sind an diesem Tag 16 mit Covid-Patienten ausgelastet. Es bleiben also noch 20 für den ganzen Rest. Deerberg-Wittram schließt das Fenster in seinem Büro, das zum Lüften offen stand. Auf dem Dach gegenüber landet lautstark ein Rettungshubschrauber. "Wer da drin liegt, kommt garantiert auf die Intensiv", sagt er, deutet hinüber. Und was, wenn da kein Platz mehr frei wäre? "Dann müssten wir welchen schaffen."

Aufstocken geht nicht, auf der Intensiv braucht es speziell geschultes Personal. Das Team schaut also, welche Patientin oder welcher Patient am ehesten auf eine Normalstation verlegt werden kann. Was dadurch passiert, ist praktisch eine Triage. "Natürlich ist es nicht so, dass da ein Arzt im blutverschmierten Kittel durchs Feldlazarett läuft und auf die Patienten zeigt, die gerettet werden", sagt Deerberg-Wittram. Das Ganze passiere vielmehr im Stillen, wie das Sterben auf Station 6/2 Nord. "Wenn mal einer früher runtergeholt wird, ist das noch nicht dramatisch", sagt der Geschäftsführer. "Aber wenn wir zehn Patienten von der Intensiv runternehmen, wenn wir von unseren Standards abweichen müssen, die es aus guten Gründen gibt, dann sterben von zehn eben vielleicht doch ein oder zwei."

Die Auslastung der Betten liege jetzt schon auf dem Niveau von Dezember 2020. Und damals war Deutschland weitgehend im Lockdown, da fuhr fast niemand Ski, in den Urlaub oder über die Autobahn. Einen erneuten Lockdown hat die Politik bereits ausgeschlossen. Deshalb fürchtet Deerberg-Wittram, dass es diesen Winter noch viel schlimmer kommen könnte.

Will man also die Triage verhindern und die Zahl der Toten verringern, müssen sich die Betten leeren. Und das bedeutet: Die Infektionszahlen müssen runter. Eigentlich eine banale Erkenntnis. Die allerdings umzusetzen, damit tut sich die Region seit Beginn der Pandemie schwer. Seit dem Frühjahr 2020 liegt die Inzidenz im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland stets auf einem oberen Spitzenplatz. Wohl niemand weiß das besser als Wolfgang Hierl. Er leitet das Gesundheitsamt in Rosenheim, jede Woche schreibt er einen aufwendigen Bericht. Für jede Frage hat er ein Tortendiagramm oder eine bunte Grafik vor sich auf dem Konferenztisch liegen.

Erst waren es Skiurlauber, die aus Tirol heimkehrten, dann waren es die Pflegeheime – in Rosenheim gibt es davon 70 Stück, extrem viele pro Einwohner. In diesem Sommer trieben Reiserückkehrer vom Balkan die Zahlen messbar nach oben, die Community ist groß in Rosenheim, viele waren auf Heimatbesuch. Jetzt steigt die Zahl der Impfdurchbrüche, weil bei den Älteren langsam die Wirkung nachlässt, sagt Hierl.

Das erklärt zwar den Zeitverlauf der Pandemie präzise, aber nicht wirklich, warum gerade hier die Zahlen konstant höher sind als etwa in Nordbayern oder Niedersachsen. Auch dort machen Menschen Skiurlaub und auch dort leben Menschen, die ihre Familien im Ausland besuchen. 

Doch es gibt eine Zahl, die darüber Aufschluss gibt: Knapp 58 Prozent der Menschen in Stadt und Landkreis Rosenheim sind vollständig geimpft. Das liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt von derzeit knapp 70 Prozent. Und wer nicht geimpft ist, landet mit höherer Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus. Die eigentliche Frage ist also: Warum lassen sich hier so wenige Menschen impfen?

Heinz Pangerl, der Patient von Station 6/2 Nord, war auch ungeimpft. Ein Fehler, wie er heute sagt. Es gehört Größe dazu, das einzugestehen. "Ich dachte, ich habe ja nicht viele Kontakte, das Virus werde ich schon nicht kriegen." Und wenn es ihn doch erwischen sollte, dachte er, "wird es schon nicht schlimmer werden als eine Grippe". Angesteckt hat er sich, als er mit zwei Freunden bei einem Bier zusammensaß. Beide waren geimpft. Noch immer wird die Gefahr von Corona von einigen unterschätzt, Pangerl ist da nicht allein.

Und nun lag er fast eine Woche auf der Intensivstation, mal zwei Stunden Bauchlage, mal drei, mal zwölf. Das soll beim Atmen helfen. Blasenkatheter, außerdem einen Zugang für Infusionen am Hals. "Die Angst war größer als jeder Schmerz." Er habe sich gefühlt, "als stünde schon jemand mit der Schaufel da". 

Doch nicht alle auf der Station sind einsichtig. Stephan Budweiser ist der zuständige Chefarzt. Viele Ärzte und Pflegende berichten mittlerweile von immer unverschämteren Patienten, die immer noch an der Krankheit zweifeln, sich beschweren, diskutieren wollen. Ein Patient, erzählt Budweiser, habe trotz schweren Krankheitsverlaufs gesagt: "Ich sehe das Virus nicht. Zeigen Sie es mir, ich glaube das nicht."

Auf dem CT von Pangerls Lunge zum Beispiel kann man die Krankheit deutlich sehen. Weiße Flecken zeigen, wo sich Embolien gebildet haben. Es sieht aus wie ein Rorschachtest, nur dass es hier keinen Interpretationsspielraum gibt. Die Diagnose ist eindeutig und sie ist mies. Pangerl hat einen Fehler gemacht und einen Preis dafür bezahlt. Die Impfung hätte ihn genau davor schützen können, sagt die Wissenschaft.

"Braucht's nicht", sagt ein Landwirt in Schechen, knapp zehn Autominuten nördlich der Stadt Rosenheim. Nicht viel mehr als ein paar Bauernhäuser umfasst die Gemeinde, eigentlich ein unscheinbarer Ort, wäre er nicht vor einer Weile in die Nachrichten gelangt. Auf einem verlassenen Hof hatte eine Frau, die laut Verfassungsschutz zum Reichsbürgermilieu zählt, eine Schule eröffnet. Etwa 50 Kinder kamen, die Eltern wurden angelockt mit dem Versprechen, dass hier keine Masken, keine Abstandsregeln und keine Tests oder Impfungen nötig seien. Das Landratsamt hat die Schule schnell wieder geschlossen.

"Wir sind hier nicht alle Esoteriker", sagt der Landwirt genervt. Namentlich zitiert werden will er nicht. Er sei auch kein Impfgegner, aber er habe ja keine Kontakte zu anderen, also warte er lieber erst mal ab, ob mit dem Impfstoff auch alles in Ordnung sei. Überhaupt, die Treiber der Pandemie, das seien die jungen Leute, die geimpft sind und sich nun wieder in Scharen träfen. Aber ein Querdenker oder so, das sei er nicht.

Sicher hängt sich nicht jeder in Oberbayern gleich einen Traumfänger übers Bett oder trägt Aluhut, aber man muss auch gar nicht zu nah an die Extreme heran, um ein Muster zu erkennen: ein breites Misstrauen in Schulmedizin, Medien und Politik. Und eine ausgeprägte Tendenz dazu, nach Alternativen zu suchen. Nirgendwo in Bayern sind, mit großem Abstand, so viele Heilpraktiker niedergelassen wie in Oberbayern. Heilpraktiker sind keine Mediziner, sie müssen nicht nachweisen, dass sie heilen können, auch wenn das der Name suggeriert. Sie müssen lediglich belegen, dass sie niemandem schaden. "Das scheint ein kultureller Faktor in der Region zu sein. Die hängen hier schon ganz schön in ihrer eigenen Suppe", sagt Klinikchef Jens Deerberg-Wittram. Es gebe eine Skepsis gegenüber allem, was von oben kommt, und ein ausgeprägtes Interesse an Naturheilkunde in der Region.

Das Gefälle verläuft von Norden nach Süden durch den Freistaat. Bei den Heilpraktikern wie beim Impfen. Das gilt für Corona genauso wie fürs Impfen im Allgemeinen. Bei Masern etwa lag der Wert bei vollständig geimpften Kindern 2019 bei 92,3 Prozent, in Rosenheim jedoch nur bei 83,3. "Das sind alles Zutaten für die große Corona-Torte", sagt Deerberg-Wittram. 

Einer, der seit Wochen gegen die Impfmüdigkeit ankämpft, ist Michael Riffelmacher. Er leitet das Impfzentrum in Rosenheim. Reicht zur Begrüßung die Hand, den Fistbump mag er nicht. Jetzt sitzt er in einem Kursraum der Volkshochschule, hier findet an diesem Tag eine Sonderimpfaktion statt.

Obwohl draußen nur ein kleines, unscheinbares Schild im Fenster hängt, ist die Schlange lang. Sie zieht sich zwischenzeitlich über die gesamte erste Etage, über den Köpfen der Wartenden flimmert das Kursangebot auf einem Monitor. Häkeln und stricken im Nähsaal, Integrationskurse, Sprachkurse in Englisch und Spanisch auf verschiedenen Levels. Yoga für Best Ager, Tai-Chi.

Der hohe Andrang überrascht Riffelmacher nicht. Das sei das, was er seit einigen Tagen beobachten könne. Viele seien dabei, die jetzt sagen: "Ich will mich frei bewegen können, will mal wieder abends ausgehen, will verreisen." Bayern hat gerade erst die Regelungen wieder verschärft. Es gilt erneut der Katastrophenfall.

Fragt man sich in der Schlange der Wartenden durch, stehen da vor allem Ältere, die sich den Booster holen wollen, und junge Leute, die nun widerwillig doch zum Impfen kommen. Ein Handwerker mit Dreitagebart und Pferdeschwanz fürchtet, ansonsten im Fall einer Quarantäne keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung mehr zu haben. Ein paar Jugendliche wollen sich wappnen, wenn in den Bars nur noch 2G gilt und sie nicht wollen, dass ihre Freundinnen ohne sie rausgehen. Giovanni Cimenis will weiterhin ins Fitnessstudio gehen können. Impfnachweis oder Test sind Pflicht und die werden dem 21-Jährigen auf Dauer zu teuer. "Man kann ja bald nicht mehr aufs Klo gehen ohne einen Test", sagt er und lacht.

Der politische Druck, er scheint zumindest hier zu wirken. Das bemerkt auch Michael Riffelmacher. Von denen, die jetzt noch nicht geimpft sind, könne man die Hälfte noch überzeugen, schätzt er. Das sei viel Arbeit, aber wichtig. Er habe auch Menschen erlebt, die aus medizinischen Gründen oder wegen der jetzt rasant steigenden Zahlen kommen. "Die dachten, da kommen wir so durch. Und jetzt sehen sie, dass es wohl doch nicht so einfach ist."

Die andere Hälfte, vermutet er, werde stur bleiben. Das sind dann tatsächlich eher die aus dem Feld der Impfverweigerer kommen, der Esoteriker und selbst ernannten Querdenker. Es sind die Menschen, die Gesundheitsamtsleiter Wolfgang Hierl, als die Maskenpflicht in Schulen eingeführt wurde, E-Mails schrieben, in denen sie ihm vorwarfen, damit die Kinder zu vergewaltigen. "Total unter der Gürtellinie", sagt er. 

Auf der Station 6/2 Nord im Rosenheimer Klinikum ruft ein Zimmergenosse von Heinz Pangerl zu sich ans Bett. Er kriegt kaum drei Worte am Stück raus, ohne aus der Puste zu kommen. Auch er ist ungeimpft, wegen einer Nierenkrankheit sei das nicht möglich gewesen, sagt er. Er wolle unbedingt was klarstellen: Das Team hier, die Ärztinnen und Pfleger, die machen einen fantastischen Job. Er sagt es so leise, dass die übrigen Personen im Raum es kaum hören können. Mit Lob rechnet hier ohnehin kaum jemand.

Heinz Pangerl kommt, wenn alles gut für ihn läuft, an diesem Wochenende nach Hause. Gesund ist er dann noch nicht, er ist zu schwach für vieles. Arbeiten wird er in diesem Jahr nicht mehr, er will ohnehin lieber die Zeit mit seiner Familie verbringen. Und keine Pläne machen: "Nein. Nur leben."



Aus: "Rosenheim: Die Triage findet im Stillen statt" Eine Reportage von Christian Vooren, Rosenheim (12. November 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-11/rosenheim-corona-inzidenz-intensivbetten-heilpraktiker-impfung

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Dctld #85

Gute Nachrichten für die Naturverbundenen in Rosenheim!
Es gibt da jetzt auch etwas von einer kleinen deutschen Firma aus Mainz. Ist was ganz Natürliches zur Stärkung des Immunsystems. Enthält gesunde Ribose und 4 natürliche Basen. In einem patentierten Verfahren wird das Produkt mit Information aufgeladen (ungefähr so wie bei der Quantenmechanik). Diese Information wird in einzigartiger Weise vom Körper genutzt sich selbst zu schützen. Ganz ohne Antibiotika, Cortison oder Parabene und von Natur aus vegan und sogar glutenfrei. Nur solange der Vorrat reicht!

Jetzt muss Hr Spahn nur noch dafür sorgen dass Heilpraktiker dieses natürliche Tonikum verabreichen können, meinetwegen darf auch der Oberarm auch erst für nur wenige 100€ ausgependelt werden.

Den QR Code könnte man dann auf einen Rosenquarz drucken und gegen den Erdmittelpunkt schütteln.

… Problem gelöst.


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RowErg #85.1

Bester Kommentar heute.


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Dctld #85.4

… außerdem braucht man noch einen griffigen Namen. Z.B. „Professor Sahins Wintertonikum“


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hrtr87 #85.11

Quantenmechanik ist ein Teilgebiet der Physik und hat nichts mit Heilpraktikern zu tun :(


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Dctld #85.12

Sie haben offensichtlich noch nie mit einem Homöopathen diskutiert … da ist man in 2 Schritten von der Verdünnung bei der „Quantenmechanik"


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hansaloisd #91

Now we are hit by reality! ...


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propofol77 #97

Ich arbeite in der Region im medizinischen Bereich und muss leider jeden Satz aus diesem Artikel bestätigen.

Als ich damals in der Region angefangen habe, hat uns unser Chef darüber aufgeklärt, dass die Region hier eine der niedrigsten Impfquoten bezüglich Standardimpfungen (Tetanus, Masern usw) in Deutschland hat. Das merkt man auch deutlich.

Dazu kommen tatsächlich viele Querdenker. Habe schon so manche Diskussion zwischen Querdenker und Supermarktpersonal mitbekommen und konnte mich dann auch nicht beherrschen... Da wird dann mit Mundschutz um den Hals durch den Aldi gelaufen und knapp 10-jährige Kinder laufen ganz ohne Mundschutz wild umher und husten quer durch den Laden.

Was mich aber tatsächlich schockiert ist, dass trotz diverser "Alarmmeldungen" in der Presse die tatsächliche Tragweite noch immer nicht bei der Bevölkerung angekommen ist. Bestes Beispiel: im Klinikum im 1.Stock auf der Intensiv kämpfen Corona-Patienten um ihr Leben - Rettungswägen haben größte Probleme Kliniken zu finden, die ihnen die Patienten abnehmen und verlegen mittlerweile Patienten quer durch Bayern - aber am Ichikawa-Platz direkt neben dem Klinikgelände, in Sichtweite der Intensivstation wird GEGEN IMPFUNGEN demonstriert!!!! Was für ein Hohn! Und dann fragt man sich warum Pflegepersonal frustriert ist? ...


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Baphomet1980 #41

Warum Triage im Stillen?

Zur besten Sendezeit auf allen Kanälen müsste das öffentlich gemacht werden...mit hübschen Bildern nach Luft hechelnder auf den Krankenhausfluren
Warum diese falsche Rücksichtnahme vor harten Realitäten? Sind wir so Verweichlicht und Wohlstandsverwahlost?


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Third Party #41.2

Wertester, auch Patienten und deren Angehörige haben ein Recht darauf, nicht als Warnbilder missbraucht zu werden.


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propofol77 #41.3

Mich erstaunt es auch, dass es nicht viel mehr Dokus wie Station 43 - Sterben gibt. [Trotz hochtechnisierter Intensivmedizin und großem persönlichen Einsatz, stößt das Personal immer wieder an die Grenzen dessen, was der Mensch vermag. Es ist mit einer völlig neuen Erkrankung konfrontiert, die den ganzen Körper schädigen kann und bewährte Therapien versagen lässt. Immer wieder müssen die erfahrenen Ärzte und Pflegenden das Unausweichliche akzeptieren und Menschen gehen lassen. Am Ende einer langen Schicht fühlt es sich oft an wie ein Aufgeben - und hinterlässt Spuren bei denen, die bleiben. https://www.rbb-online.de/doku/c-d/charite-intensiv-station-43/charite-intensiv-station-43-folge-1-sterben.html]

Eigentlich müsste das Fernsehen voll davon sein, damit die Bevölkerung endlich kapiert was hier abgeht. Zu Beginn der Pandemie wollte man sicherlich Presseleute nicht zusätzlich gefährden. Mittlerweile würde ich es aber für vertretbar halten, 3-fach geimpfte Dokumentarfilmer in Schutzausrüstung mitzunehmen.

Was mittlerweile im Rettungsdienst abgeht ist echt der Hammer. Man müsste mal mitschneiden, welche Transportziele da mittlerweile im Gespräch sind und wie lange da oft gesucht wird, während der Corona-Patient beatmet wird und der Sauerstoffvorrat immer weniger wird.


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Umelaphi wakho #28

"Viele Ärzte und Pflegende berichten mittlerweile von immer unverschämteren Patienten, die immer noch an der Krankheit zweifeln, sich beschweren, diskutieren wollen. "

Von Coronaleugnern würde ich keine andere Verhaltensweise erwarten.


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vincentvision #3

Ich habe als Naturwissenschaftler zunehmend Probleme damit, mir anzuschauen, wie sehr sich zu viele von Wahrheit und Aufklärung entfernt haben - wenn sie je nah genug dran waren.

Wenn ich im Zusammenhang mit lebensrettenden Impfungen die Wörter „Abwarten“, „eigene Gedanken machen“ oder gar „Heilpraktiker“ lese, wird mir schlecht. So als hätte es Schulen, Naturwissenschaften, Biologie, Podcasts von Experten, etc. nie gegeben!

Das ist mentales Mittelalter, wo dem fahrenden Bader als Scharlatan mehr geglaubt wurde als allem gesammelten Wissen.

Die Leidtragenden dieser Dummheit und Verblendung sind ungeschützte Schwächere - Ältere, Vorerkrankte, Kinder und zunehmend wieder so viele, dass wir mit Wucht in eine vierte Welle geraten, die diesen Winter unnötig viele Intensiverkrankte und Tote verursachen wird.


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Messor #3.1

Das ist schkn keine Frage der Naturwissenschaften mehr. Mit Fakten erreicht man niemanden mehr. Jetzt können nur noch Psychologen übernehmen.


Quote
hurt #3.4

Esoterik und Geschwurbel wurde viel zu lange als harmlos oder drollig abgetan. ...


Quote
Auric Goldfinger #3.5

Na ja vincentvision, man muss bedenken, dass die Naturwissenschaften und besonders auch die Medizin schon oft schwer voll daneben gelegen haben.

Ist zB noch gar nicht so lange her, da wurden im Namen einer (damals) "fortschrittlichen Medizin" Menschen mit "Elektroschockbehandlung" malträtiert, ein wahrhaft barbarisches, hirnschädigendes Verfahren.

Und wie wird man in 50 Jahren über Chemotherapien urteilen? Ich kenne jedenfalls einen Fall, da hat eine Bekannte ihren Krebs (angeblich) besiegt, dafür sind ihre Nieren kaputt und sie hängt an der Dialyse.

Bei den Corona-Impfstoffen ist es wohl etwas anderes und ich habe mich sofort impfen lassen, aber die Bedenken einiger BürgerInnen verstehe ich schon.


Quote
vincentvision #3.7

@Auric Goldfinger

Niemand behauptet, die Wissenschaft hätte nicht oft danebengelegen, weil sie eben nichts Statisches ist, sondern sich dauernd weiter entwickelt.
Nur - sie liefert eben immer aktuell das am besten verfügbare, systematisch untersuchte Wissen, was wir haben! ...


Quote
Ailui #3.22

Irgendwie hat man das Gefühl die Gesellschaft entwickelt sich zurück…
In den 90er und 2000er Jahren so: „Eindeutige Hinweise für Wasser auf dem Mars! Durchbruch beim Klonen! Das menschliche Genom ist vollständig entschlüsselt!“. Und heute gefühlt: „Ja, Covid19 existiert wirklich. Es gibt keine Belege für eine Korrelation zwischen dem Mobilfunkstandard 5G und dem Coronavirus. Nein, Leute die Erde ist wirklich rund.“

Ich frage mich zunehmend, ob diese groteske Wissenschaftsfeindlichkeit in den letzten Jahren schlimmer geworden ist oder ob sie schon immer da war und einfach jetzt mehr ans Licht kommt.


Quote
Kanndassein #3.24

Wissenschaft entwickelt sich mit neuen Erkenntnissen weiter, Einst wurde angenommen, die Erde sei eine Scheibe und stünde im Mittelpunkt des Universums. Heute weiß jeder - abgesehen von einigen Idioten -, dass das nicht stimmte. Beim Impfen ist es so, dass inzwischen 3 Milliarden Impfdosen verabreicht wurden und tödliche oder auf Dauer schädliche Nebenwirkungen äußerst selten auftraten. ...


Quote
GPK #3.26

Da gerieren sich die Esoteriker als "naturverbunden", kritisch gegenüber der Schulmedizin. Setzen auf einen "gesunden Körper" und was da sonst noch alles so geschwurbelt wird. Wenn man genauer hinschaut, sieht man meistens nur warme Luft. Einige in dieser Szene machen richtig viel Geld, können sich schöne Anwesen im südöstlichen Oberbayern leisten. Aber eigentlich ist "dagegen sein" das Geschäftsmodell. Unterstützt wird das auch, durch oft unkritische und verkitschte Berichterstattung über "im Einklang mit der Natur ...". Da haben sich viele Mitmenschen selbst erfolgreich verblödet. Mit den jetzt heftig zu Tage tretenden Konsequenzen.


Quote
Harald_A #3.31

„Das ist mentales Mittelalter, wo dem fahrenden Bader als Scharlatan mehr geglaubt wurde als allem gesammelten Wissen.“

Mit dem Unterschied das es die Menschen im Mittelalter nicht besser wussten....


Quote
YoginiMuffin #3.38

Jaaaaa! Mein Onkel ist an den Spätfolgen von Kortison gestorben, Leberkrebs. Nachdem es ihm 65 Jahre lang wegen seines schweren Asthmas das Leben gerettet hat ...


Quote
ArribaChinchita #12

Rosenheim, einer der Besenstiellandkreise, wo viele noch glauben, eine Kerze vor der geschnitzten Madonna und ein Kräuterbuschen hinterm Kruzifix schützt vor allen Krankheiten.


Quote
DontPanik #12.1

Das sind keine Krankheiten, sondern „Gottesgeschenke“.


Quote
PeterLustiger #15

Gleiche Korrelation in Österreich, insbesondere Oberösterreich - auch dort ist die Heilpraktiker-Szene sehr groß, die (Apotheker-/lokalen) Zeitungen sind voll von Anzeigen für allerlei zweifelhafte "Therapien". Die Impfrate ist relativ niedrig, die Inzidenz mittlerweile bei 700.


Quote
Zeitdruck1 #15.1

Oberösterreich heute > 1200


Quote
lavendellaus #48

Ich sag's jetzt einfach mal: mein Schwager 55, starker Raucher, wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, 150 kg bei 175cm wartet auch lieber erst mal ab,
ob der Impfstoff sicher ist.

Ein eigentlich vernünftiger Mann, der sonst sehr vorsichtig war bezüglich Corona
eben weil er offenbar zu einer Risikogruppe gehört,
hat sich von seiner Frau zum Impfskeptiker machen lassen:
langsam, über Monate hinweg, stetig wie sie ihn auch sonst so vom Junggesellen zum Vater geschliffen hat, vom Stehpinkler zum Duschkabinenabzieher.

Beide nehmen mittlerweile nur noch wahr, was sie wahrhaben möchten: billige Polemiken in der Telegram-"Freundesgruppe" etc. und ja die Homöopathietante fehlt auch nicht.

Um sie mache ich mir keine Sorgen, um die Kinder auch nicht. Aber um ihn. Und ich will nicht, dass er wegdarwinisiert wird - ein Dilemma, da ich auch gerne recht behalte.


Quote
ResponsibleGambling #76

Ein sehr guter Bericht. Einfühlsam, sachlich formuliert, extrem realitätsnah u. ernüchternd in seiner Aussagekraft.


Quote
Poloele #76.1

Einfühlsam und sachlich? Man hat eine ganze Region als Idioten hingestellt.


Quote
Wildbader #76.7

Nein, das erklärt leider die Situation in meinem Landkreis.
Sehr gute Bildungseinrichtungen, sehr wohlhabend, und hohe Idiotendichte.


Quote
Guido Gabriel #76.2

Die Realität ist manchmal nicht so schön.


Quote
ResponsibleGambling #76.6

Manche erschaffen Realitäten, andere beschreiben sie und wieder andere können damit nicht umgehen.


Quote
Dogwalker #84

Man liest es und ist fassungslos ob der Ignoranz vieler Menschen.
Und ich bezweifle, dass Überzeugungsarbeit dabei viel leisten kann.
Bei den Impfverweigerern sind laut einer Umfrage Anhänger der AfD und der Partei "Die Basis" überproportional vertreten.
Und sie sind bekanntermaßen rationalen Argumenten nur begrenzt zugänglich....


...

« Last Edit: November 13, 2021, 01:32:50 PM by Link »

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #55 on: December 14, 2021, 08:28:41 PM »
Quote
[...]  Ein Spuk apokalyptischer Visionen und Obsessionen des Bösen sucht Deutschland nach der Niederlage 1945 heim. Bei Massenveranstaltungen treten Messiasgestalten und Wunderheiler auf. Verschwörungserzählungen haben Hochkonjunktur. Bruno Gröning ruft zur "Großen Umkehr" und leitet einen göttlichen "Heilstrom" an Kranke weiter. Eine zwanghafte Beschäftigung mit dem Bösen verbindet diese Ereignisse mit dem zurückliegenden Vernichtungskrieg und dem verdrängten Holocaust. Über die Schuld und die Schuldigen wird beharrlich geschwiegen. "Realitätsflucht" und die Unfähigkeit, "zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden", lautete bereits vor über 70 Jahren die Diagnose von Hannah Arendt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2021
Rezensent Oliver Jungen scheint fasziniert von Monica Blacks Studie über Geistheiler, Gesundbeter, Teufelszauber und Hexenangst im Nachkriegsdeutschland. Jungen gefällt einerseits der "unbefangene" Blick der in Tennessee lehrenden Historikerin auf das mit Schuld behangene, alles andere als entnazifizierte Deutschland, andererseits die "lebensnahen", gut recherchierten Belege für die These des Buches. Wenn die Autorin erläutert, dass die Schuld zur Verdrängung und weiter zum Wunderglauben führte, lernt Jungen den Wunderheiler Bruno Gröning kennen. Dass dieser Teil im Buch so prominent verhandelt wird, geht laut Rezensent allerdings zu Lasten anderer Themen wie dem Hexenwahn oder auch einer möglichen vergleichenden Betrachtung mit Seitenblicken auf Afrika und Südamerika.

 Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2021
Rezensent Burkhard Müller hört gern zu, wenn die amerikanische Historikerin Monica Black ihm erklärt, wer er ist. Die dafür nötige Kompetenz gesteht er ihr gern zu. Und interessant findet er auch, was sie über die Karriere des "finster-charismatischen" Wunderheilers Bruno Gröning, zu sagen hat, der ein bisher selten beachtetes Bedürfnis nach seelischer Reinigung bei den Nachkriegsdeutschen zu bedienen verstand. Auch die Geschichte von den drei kleinen Mädchen aus Heroldsbach, der eine Madonna erschien, die alle, die nicht an sie glaubte, von den Sowjets massakrieren lassen wollte, gefällt ihm. Was allerdings Hexen und Wunderheiler miteinander zu tun haben sollen, leuchtet ihm nicht ein. Am Ende jedoch verzeiht Müller der Autorin den strukturell disparaten Ansatz.

Zu: Monica Black
Deutsche Dämonen
Hexen, Wunderheiler und die Geister der Vergangenheit im Nachkriegsdeutschland
Cover: Deutsche Dämonen
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2021
ISBN 9783608984156
Gebunden, 432 Seiten



Aus: "Monica Black: Deutsche Dämonen" (2021)
Quelle: https://www.perlentaucher.de/buch/monica-black/deutsche-daemonen.html

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Quote
[...] Das Standardnarrativ der (west-)deutschen Geschichte nach 1945 läuft ungefähr noch immer so: Stunde null, Trümmerfrauen, Währungsreform, Wirtschaftswunder. "Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt", das wurde zwar im Osten gesungen (eine Zeit lang wenigstens), aber fast mehr noch im Westen gelebt und geglaubt. Was dabei auf der Strecke blieb, ist der seelische Zustand der Versehrtheit. Völlig ruiniert und dabei auch noch schuldig von Grund auf zu sein - wer vermag diese Doppellast zu tragen? Eine direkte Auseinandersetzung mit dem, was man einerseits getan und andererseits erlitten hatte, schien da fast unmöglich. Schweigen war das Gebot der Stunde. Aber das Verdrängte kehrt wieder, häufig in schwer erkennbarer Gestalt. In Japan, wo die Atombombe beschwiegen wurde, entstand Godzilla. Und in Deutschland?

In Deutschland waren es, so sieht es die amerikanische Historikerin Monica Black, "Deutsche Dämonen". So lautet der Titel ihres Buchs, in fetter roter Schrift wie eine Blutspur gesetzt und an den Rändern geschwärzt wie von Rauch. Als Motto wählt sie einen Satz des französischen Soziologen und Jesuiten Michel de Certeau: "Innerhalb der geschlossenen Sphäre eines diabolischen Diskurses haben Unruhe-, Rache- und Hassgefühle sicherlich freie Bahn, wird man sagen, vor allem aber sind sie verlagert und in eine Sprache eingeschlossen, in der sie erneut maskiert und den Zwängen eines anderen Ausdruckssystems unterworfen sind."

Dieser Satz umreißt Interesse, Vorgehen und Deutung der Autorin: Das scheinbar Irrationale der untersuchten Formen erweist sich als die Verschiebung eines realen Tatbestands, zu dem ganz besonders auch die negativen Affekte zählen. Und dennoch bleibt vor dem "Diskurs" das kleine Wörtchen "diabolisch" stehen, das dem alten Widersacher eine primäre Existenz zubilligt - nicht alles lässt sich durch Aufklärung aus der Welt schaffen.

Die junge BRD, schreibt Black, gleiche dem Film noir, der ungefähr zur selben Zeit im französischen und amerikanischen Kino florierte: Man sah, was es zu sehen gab, denn schließlich war es ein Film; aber man war sich nie sicher, was es zu bedeuten hatte. In Deutschland gedieh, wie die Autorin betont, derweil der bunte Heimatfilm, der tat, als gäbe es ein Volksleben voll naturnaher Unschuld, und der auf seine Weise noch viel mehr noir war.

Man ist also gespannt, welche Dämonen nun die Leinwand betreten werden. Der Untertitel, kleiner und ohne Rot, wirkt ein wenig antiklimaktisch und verrät auch gleich schon etwas vom strukturellen Problem dieses Buchs: "Hexen, Wunderheiler und die Geister der Vergangenheit im Nachkriegsdeutschland". Ein Wunderheiler ist nicht per se dämonisch, sondern zunächst eher segensreich, und zu den Hexen unterhält er keine näheren Beziehungen. Blacks Buch zerfällt damit in zwei Teile.

Der eine Teil, der die ganze erste Hälfte umfasst und auch den Abschluss bildet, hat es mit dem Wunderheiler Bruno Gröning und einigen seiner Kollegen zu tun; der andere, der mit den Hexen, wird in der Einleitung genannt, aber ansonsten zwischen die Wunderheiler platziert. Die Hexen sind natürlich das fesselndere Thema, aber die Hexerei beziehungsweise die Hexenjagd der Nachkriegszeit verblieb zumeist im engeren Rahmen von Dorf und Nachbarschaft. Als wirklich republikweit aufwühlend erweist sich Bruno Gröning, zu seiner Zeit, wie es heißt, bekannter als Adenauer und Ludwig Erhard.

Das Disparate ihres Ansatzes versucht Black zu plausibilisieren, indem sie die "vertikale" Struktur der Verehrung für den Wundermann, von unten nach oben wie noch kurz vorher beim Führer, in Kontrast setzt zur "horizontalen" Wirkungsweise des Hexereiverdachts, der sich gehässig auf die Nachbarn richtet. Gemeinsam ist beiden, dass sie früher oder später immer vor Gericht landen. Doch finden die Hexenprozesse in den Fünfzigern typischerweise in Dorfgasthäusern und Kinosälen statt und führen zu Verurteilungen wegen Verleumdung und Körperverletzung, die sehr viel förmlicheren Wunderheilertribunale bis hinauf zum Verfassungsgericht erkennen auf Verstöße gegen das Heilpraktikergesetz und fahrlässige Tötung. Es sind also eigentlich zwei Bücher, die von einem besonnenen Lektorat besser auch in solche geschieden worden wären.

Abgesehen davon ist es ein in jeder Hinsicht lesenswertes Werk geworden. Blacks Stärke liegt in der Archivarbeit. Sie zitiert aus den vielen, vielen Zeugnissen, aus denen Argwohn und tiefstes Vertrauen, Verzweiflung und Hass sprechen, vor allem aber ein großes Bedürfnis nicht nur nach Heilung, sondern nach seelischer Reinigung - ohne dass, wovon man sich gereinigt wünscht, je deutlichen Ausdruck gewinnt. Es ist viel vom Bösen die Rede und wenig von den Sünden, zumal den eigenen.

Gröning, eine finster charismatische Figur mit - sehr ungewöhnlich für die Zeit - lang wallendem Haupthaar, der sich mit gaunerhaften Aposteln umgibt, heilt bevorzugt solche Kranke, mit denen sich schon Jesus befasst hat: Blinde, Gelähmte, Besessene. Zehntausende harren bei Nacht und Regen vor seinem Domizil nahe Rosenheim aus, ehe er endlich geruht, sich ihnen zu zeigen, um vier Uhr morgens - und Ungezählte genesen auf der Stelle, sobald sie die von ihm ausgesandten Heilwellen spüren, fassen zögernd ihre Krücken und gehen, blinzeln durch Tränen der Ergriffenheit und sehen plötzlich wieder - das alles ist bezeugt. Heute weiß das keiner mehr und will, wie es aussieht, auch kaum einer wissen, denn was für ein Licht wirft es auf den Ursprung unserer Gesellschaft? Black hat die Zeitungsartikel und Briefe, die Akten und Fotos gefunden und zeigt sie uns.

Da sind die Mädchen von Heroldsbach. Der Spiegel hat sie damals aufs Titelblatt gesetzt. Sie waren für ihre Schule in den Wald gegangen, um Herbstlaub zu sammeln. Und es erschien ihnen wie den Hirtinnen von Lourdes die weiß gewandete Madonna. 3000 weitere Visionen schlossen sich an, 1,5 Millionen Pilger machten sich auf nach Heroldsbach, der Vatikan schritt ein. So friedevoll wie in Lourdes war die Heroldsbacher Madonna allerdings nicht: Sie verhieß, dass alle, die nicht an sie glaubten, von den Sowjets massakriert würden. Da hatten allerdings die Wallfahrtsgegner den Teich, aus dem die Gläubigen ihr Wunderwasser schöpften, bereits mit Gülle vergiftet.

Die Mädchen auf dem Titelbild sind kaum älter als zehn Jahre, könnten also ohne Weiteres heute noch leben (sie wären jetzt Anfang achtzig). So nah ist das alles, und so fern! Vielleicht tut sich eine angelsächsische Forscherin leichter mit diesem Paradox, weil sie zur zeitlichen auch noch die räumlich-sprachliche Distanz zu überbrücken hat. Sie muss ihrem englischsprachigen Publikum erläutern, was es mit den Oberammergauer Passionsspielen auf sich hat, was "Schwarzschlachten" bedeutet und was ein "Schweinehund" ist - jedenfalls weit Schlimmeres als bloß ein "Bastard". Auch meint "Bastard" immer den anderen, während der Schweinehund bekanntlich auch der innere sein kann. Wie gerne hört man zu, wenn man von kompetenter Seite sozusagen sich selbst erklärt wird!


Aus: "Monica Blacks Buch "Deutsche Dämonen" - Im Bann der Schuld" Burkhard Müller (18. Oktober 2021)
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/kultur/monica-black-buch-deutsche-daemonen-wunderheiler-hexen-1.5441711

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Quote
[...] Spirituelle Erweckung ist nicht unbedingt das, was man auf einer Galopprennbahn erwartet. Aber der „Traberhof“ in Rosenheim, eine malerisch im Alpenvorland gelegene ehemalige Pferdesportanlage, wurde 1949 zum Schauplatz einer der merkwürdigsten Massenversammlungen der gerade erst in Gründung befindlichen Bundesrepublik. Bis zu 30 000 Menschen belagerten tagelang das Hauptgebäude, ein Restaurant, auf dessen Dachterrasse normalerweise Gäste bei Kaffee und Kuchen saßen.

Nun warteten die Besucher auf den Auftritt eines Mannes, von dem sie Erlösung erhofften. Wenn Bruno Gröning dann auf den Balkon trat, senkte sich eine „Totenstille“ auf die Menge, wie ein Reporter der Illustrierten „Revue“ festhielt. Alle „von Kummer und Leid zerfurchten Gesichter“ seien von „diesem unscheinbaren kleinen Mann gebannt“ worden. Er besaß bemerkenswert blaue Augen sowie eine zurückgekämmte Denkermähne, trug abgetragene Hosen und ein bis zum Hals zugeknöpftes Hemd. Gröning fragte in die Menge, wer an Schmerzen leide, bat die Betroffenen, eine Hand auf die schmerzende Stelle zu legen und die Augen zu schließen. Zehn Sekunden später sollten sie ihre Augen wieder öffnen und erzählen, was sie fühlten. Alle sagten, dass sie ein „seltsames Kribbeln“ verspürten. Bald danach konnten Besucher, die mit gelähmten Beinen gekommen waren, wieder gehen. Ein Wunder.

 Bruno Gröning spielt die tragende Hauptrolle in Monica Blacks brillanter Studie über „Deutsche Dämonen“. Der heute vergessene Wunderheiler sorgte in den Nachkriegsjahren für mehr Schlagzeilen als die meisten Filmstars. Der „Spiegel“ veröffentlichte eine Titelgeschichte, Zeitungen brachten Serien über seinen Werdegang, es erschienen Biographien und Filme über ihn. Doch die damals nicht bloß in den Medien, sondern auch vor Gerichten diskutierte Frage, ob er ein Scharlatan war, interessiert Black bloß am Rand. Die Historikerin, die an der University of Tennessee in Knoxville lehrt, hält den Esoteriker für einen Seismographen, besser noch: das Symptom einer Ära.

Der Krieg, der von Deutschland ausgegangen und auf sein Territorium zurückgekehrt war, hatte zum massenhaften Tod, zu zerbombten Städten und obdachlos gewordenen Seelen geführt. Black spricht von einer „Gesellschaft der Entwurzelten“, geplagt von Wunden und Gewissensbissen. Die Verbrechen waren noch allgegenwärtig, doch über Schuld und Verstrickung wurde beharrlich geschwiegen. Hannah Arendt wunderte sich, als sie 1949 aus ihrem amerikanischen Exil zu einem Besuch nach Deutschland zurückkehrte, dass die meisten Menschen weitermachten, als wäre nichts geschehen. Der vergangene Albtraum, konstatierte sie, werde nirgendwo sonst im verwüsteten Europa „weniger verspürt und nirgendwo wird weniger darüber gesprochen“.

Monica Black hat sich durch Gerichtsakten und Archive gearbeitet, sie schreibt über Geistheiler, apokalyptische Prophezeiungen und Nachbarn, die als Hexen denunziert werden. Ihre Kultur- und Mentalitätsgeschichte ist tiefenpsychologisch grundiert. Die erstaunlichen Szenen, die sie ausbreitet, geben einen Einblick in kollektive Seelenzustände. Sie selbst nennt ihr Buch ein „Portal in ein von Dämonen heimgesuchtes Land“.

 Gröning, der 1906 bei Danzig geboren wurde, Mitglied der NSDAP und Kriegsgefangener gewesen war, hatte vor seinen Auftritten in Rosenheim schon in Herford Aufsehen erregt. Nachdem er in der ostwestfälischen Kleinstadt ein bettlägeriges Kind von seinen Leiden befreit hatte, war in der Presse vom „Wunder von Herford“ die Rede. Pilger reisten aus halb Deutschland an, Bittbriefe erreichten den Heiler auch aus Frankreich und den Niederlanden.

Gröning wurde, so Black, als „Werkzeug einer Kraft“ gesehen, die positive Energie entfaltete. „Meine Gaben kommen von Gott“, behauptete er. Seine Hilfsmittel waren ein „Heilstrahl“ und „Gröningkugeln“ aus dem Stanniolpapier von Zigarettenpackungen, die seine Patienten in der Hand halten sollten. Gröning verstand sich als Heilpraktiker, ein Beruf, der 1941 von den Nationalsozialisten verboten worden war.

 Seine Arbeit, dafür finden sich in den Quellen viele Bestätigungen, wirkte. Menschen, die Befreiung suchten, fühlten sich von ihm erlöst. Für Black lautet die zentrale Frage: Wovon heilte Gröning sie? Alexander Mitscherlich, Psychoanalytiker und großer Essayist, beschrieb ihn 1951 in einem Gerichtsgutachten als Projektion und Produkt kollektiver Wünsche, sein Auftreten scheine aber „krankhaft im Sinne einer neurotischen Störung“. Der vermeintliche Heildoktor lebte, so Mitscherlich, in einer magischen Welt und besaß keinen „grundlegenden Wesenskern“. Für seine Anhänger war er ein Erretter, ähnlich wie zuvor Hitler.

An Geld war der asketisch auftretende Alternativmediziner zunächst wenig interessiert, die „Moneymelkerei“ – ein zeitgenössischer Begriff – begann, als er einen Manager engagierte. Otto Meckelburg war ein ehemaliger SS-Sturmbannführer, der Kriegsverbrechen begangen hatte. Nach dem Krieg tauchte er unter, nannte sich Otto Land und wurde zum, wie es damals hieß, „Braun-Schweiger“. Die Rückkehr zum wirklichen Namen und seine Begegnung mit Gröning fallen in die Zeit, als sich der gerade gewählte Bundeskanzler Konrad Adenauer für eine Amnestie von in der NS-Zeit begangenen Straftaten einzusetzen begann.

Mecklenburg schickte Gröning auf eine Tournee entlang der Nordseeküste und nahm mitunter an einem einzigen Abend Spenden in Höhe von 34 000 Mark ein. Der Plan, „Gröning-Heilstätten“ zu eröffnen, scheiterte, nachdem Gröning sich mit Mecklenburg überworfen hatte. Einen letzten großen Auftritt hatte der Heiler, als er 1957 in München wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht stand. Eine junge Frau, die von ihm behandelt worden war, war an Tuberkulose gestorben. Gröning wurde in zweiter Instanz freigesprochen und starb kurz danach.

In den Nachkriegsjahren wurden scharfe soziale Kämpfe ausgetragen, das hat zuletzt Harald Jähner in seinem Bestseller „Wolfszeit“ beschrieben. Der Fremdenhass saß tief und traf nun auch Flüchtlinge und Vertriebene aus den einst deutschen Ostgebieten. Monica Black fand viele Belege für eine um 1950 ausbrechende Hexenfurcht. Polizeiberichte erzählen von Anschuldigungen, bei denen es um Kinder geht, die krank werden, um Schweine, die sterben, oder um Kühe, die keine Milch mehr geben. Die Fälle wurden Hexen, Zauberern oder einer „bösen Gewalt“ zugeschrieben.

Bekannt wurde die Geschichte des in Dithmarschen lebenden Tischlers Waldemar Eberling, der aus dem Muster von Federbetten herauslas, ob die Benutzer von jemandem verflucht worden waren. Die Anstiftung zur Denunziation gehörte zu den Herrschaftsinstrumenten des Nationalsozialismus. Paranoia, bemerkt Black, war bis 1945 „ein anderes Wort für guten Menschenverstand“. Doch im „Wirtschaftswunder“ besannen sich die Deutschen mehr und mehr auf die Gegenwart, mehrten ihren Wohlstand und fanden das Glück im Konsum. Der Bann war gebrochen.


Aus: "Die Zeit der Wunder" Christian Schröder (14.12.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/buch-ueber-deutsche-daemonen-die-zeit-der-wunder/27892582.html


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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #56 on: January 04, 2022, 11:58:57 AM »
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[...] Verifikationismus ist eine Position in der Sprachphilosophie, der zufolge der Sinn eines Satzes in der Methode seiner Verifikation besteht. Der Verifikationismus ist auf dem Hintergrund des Problems zu sehen, ein Sinnkriterium zu formulieren, das wissenschaftlich bedeutsame Aussagen von metaphysischen Aussagen zu unterscheiden erlaubt. Der Verifikationismus hat damit zur Absicht und Konsequenz, dass Sätze, die sich nicht verifizieren lassen, als sinnlos bezeichnet werden. Sinnlose Aussagen sind aus der empirischen Wissenschaft auszuscheiden. ...


Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Verifikationismus

Der Wiener Kreis des Logischen Empirismus war eine Gruppe Intellektueller aus den Bereichen der Philosophie, der Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, der Mathematik und Logik, die sich von 1924 bis 1936 unter der Leitung von Moritz Schlick regelmäßig in Wien trafen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kreis

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[...] Der „Wiener Kreis“ war eine außergewöhnliche Gruppe von Philosophen, Mathematikern, Natur- und Geisteswissenschaftern, die sich von 1924 bis 1936 regelmäßig trafen, um eine wissenschaftliche Weltauffassung zu entwickeln und zu verbreiten. Diese suchten naturwissenschaftliche mit philosophischen Fragestellungen zu einer neuen, professionell eigenständigen Wissenschaftstheorie zu verbinden. Wien war im deutschsprachigen Raum zu ihrem Mittelpunkt geworden, da etwa mit Rudolf Carnap und Moritz Schlick, welcher als einer der ersten die eminente philosophische Bedeutung der Einstein‘schen Relativitätstheorie erkannt hatte, auch einige ihrer bedeutendsten Vertreter aus Deutschland dort seit 1922 bzw. 1925 lehrten. Die in Wien versammelten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus den Bereichen der Philosophie, Logik, Mathematik, Natur- und Sozialwissenschaften repräsentieren aus heutiger Rückschau eine der international wohl bedeutendsten philosophischen Strömungen im 20. Jahrhundert.

... Rasch wurde der Zirkel zur Hochburg des logischen Empirismus. Die Entwicklung des logischen Empirismus hatte mit den wissenschaftlichen Revolutionen um die Jahrhundertwende, insbesondere der Relativitätstheorie, begonnen. Er orientierte sich an Albert Einstein, Bertrand Russell und Ludwig Wittgenstein. Als antimetaphysische Einheitswissenschaft ist seine wissenschafts- und gesellschaftspolitische Zielrichtung unübersehbar.

...


Aus: "Der „Wiener Kreis“ 1924–1936" Friedrich Stadler (02.07.2017)
Quelle: https://geschichte.univie.ac.at/de/artikel/der-wiener-kreis

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Quote
[...] Edmonds betont, [es] sei der Kreis nie eine Runde Gleichgesinnter gewesen. Schließlich jedoch habe die anfängliche Zielsetzung, eine Erkenntnistheorie zu entwickeln, die die Metaphysik aus dem Weg räume, den Kreis gespalten. Sein Ende markiert die Ermordung Schlicks. Der Mörder Johann Nelböck, ein ehemaliger Student Schlicks, war geisteskrank. Doch lag in diesem Mord, der Hilde Spiel, die bei Schlick promoviert hatte, zu "tiefstem Schmerz" bewegte, auch die Krankheit der Zeit.

...


Aus: "Eine Fackel in dunklen Zeiten oder wie der Kreis zum Wiener Kreis wurde" Ruth Renée Reif (13.11.2021)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000131104678/eine-fackel-in-dunklen-zeiten-oder-wie-der-kreis-zum

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[...] Schlick ist der Begründer und Mittelpunkt einer Gruppe von Philosophen, Mathematikern und Physikern, die in den vergangenen Jahren das philosophische Denken radikal revolutioniert und mit einer jahrtausendealten Tradition gebrochen haben. Sie nennen sich selbst der Wiener Kreis. In ihrem Manifest formulieren sie die wissenschaftliche Weltauffassung, der sie sich verschrieben haben. Sie vertreten eine entschlossene Modernität, ihre Aufgabe sei es, schreiben sie, "den metaphysischen und theologischen Schutt der Jahrtausende aus dem Weg zu räumen". Die antiken Griechen, Kant, Hegel, Schopenhauer – alles geistiger Müll. Während gleichzeitig Deutschland eine Renaissance des Mythischen erlebt (elektrisiert etwa durch das kaum zu durchdringende Gedankengebäude Martin Heideggers), trifft der kompromisslose Standpunkt des Wiener Kreises in seiner Heimatstadt natürlich auf den heftigen Widerstand des eingesessenen, konservativen und erzkatholischen akademischen Establishments.

... Genau genommen gibt es nicht nur einen Wiener Kreis, sondern mehrere intellektuelle Zirkel, die nebeneinander debattieren und einander gegenseitig befruchten – und das in einer Stadt, in der bittere Not herrscht, die hungert und friert. Die sozialen Probleme erscheinen unüberwindlich, und dennoch bricht eine Generation von Denkern und Wissenschaftern auf, lichte Höhen zu erklimmen. Vermutlich beflügelt sie auch das Bewusstsein, nichts zu verlieren zu haben. Sie stoßen deshalb auf die unerbittliche Feindschaft der Mehrheit der Wissensgesellschaft. Im giftigen Klima des Antisemitismus, der Wien seit Jahrzehnten eisern im Griff hält, werden die Neuerer als jüdische Fremdkörper stigmatisiert, und die wissenschaftliche Auseinandersetzung erhält eine zunehmend antisemitische Komponente, die rasch die Konfliktfelder dominiert.

... Der Wiener Kreis verehrt zwei Idole. Einmal den Physiker Albert Einstein, dessen Relativitätstheorie ein vollkommen neues Verständnis der Struktur von Raum und Zeit formuliert. Das zweite überlebensgroße Vorbild ist der Milliardärs-Spross Ludwig Wittgenstein, der selbst keinerlei Interesse an materiellen Annehmlichkeiten zu haben scheint. Schon zu Lebzeiten wird er in Philosophenzirkeln als Genie gefeiert. Seine schmale Abhandlung Tractatus logico-philosophicus, zum Teil noch in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs abgefasst, ist die Bibel der Neudenker.

...

Zu: David Edmonds: "Die Ermordung des Professor Schlick". C. H. Beck, München 2021; 352 S.


Aus: "Anschlag auf das freie Denken" Joachim Riedl (3. Januar 2022)
Quelle: https://www.zeit.de/2022/01/moritz-schlick-philosophie-wien/komplettansicht

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SW40 #2

"Mach vertrat die Ansicht, dass letztlich alle empirischen Behauptungen einer experimentellen Prüfung standhalten müssten und dass die Messungen grundlegend auf den Sinnen beruhten. Zu behaupten, dass Dinge außerhalb der menschlichen Sinneseindrücke existierten, also die metaphysischen Postulate von Religion, Moral oder Ethik, hielt Mach für eine Art "verlockenden Unsinn"."

Dem ersten Satz kann ich mich anschließen. Den zweiten Satz kann ich nicht verstehen. Es ist doch für mich ein Zeichen von Demut, wenn ich etwas über mich weiß, dass meine auf wenige Sinne begrenzte Wahrnehmung weit übersteigt. Es kann doch ein Reich der unendlichen Übersinnlichkeit geben! Der Rationalismus ist für mich eine Philosophie ohne Seele!


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Nogod #2.1

Ja ja, dass Sie in allen Beiträgen Metaphysik verbreiten, ist nicht unbemerkt geblieben.
Es sei Ihnen unbenommen, belegt allerdings die bedauerliche Tatsache, dass abergläubisches, religlöses Denken, sich tarnend mit Begriffen wie 'Seele' und 'Spiritualität', in keiner Weise überwunden ist.


Quote
SW40 #2.2

Metaphysik und Spiritualität sind menschliche Grundbedürfnisse. Man lebt nicht vom Brot allein, sondern braucht Gott als Bezugspunkt zur jenseitigen Vollkommenheit. Und Aberglaube ist etwas anderes als Glaube, denn der Aberglaube hält wissenschaftlicher Überprüfung nicht stand. Die Astrologie beispielsweise ist reine Esoterik, deren Wahrheitsgehalt naturwissenschaftlich angezweifelt werden kann.


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Lelo #2.3

Es ist Ihnen unbenommen, einen Mitforisten zu bedauern. Mitgefühl können wir doch alle gebrauchen ;-).
Aber die Trennung der beiden Aussagen von Ernst Mach ist doch treffend: Erster Satz: wissenschaftliche Methode -> ok. Zweiter Satz: strenger Physikalismus -> muss man nicht so sehen.


Quote
Nogod #2.4

Gott hält natürlich einer wissenschaftlichen Überprüfung stand *hüstel*
Ich finde, 'verlockender Unsinn' ist eine ziemlich gute Formulierung, weil das darin steckende Bedürfnis bedacht wird.
Keineswegs originär das Bedürfnis nach "Metaphysik und Spiritualität" - Bedürfnisse fallen eben nicht vom Himmel, sondern werden produziert.
Ich erlaube mir den Hinweis, dass "Metaphysik und Spiritualität" von denen als Grundbedürfnisse apostrophiert werden, die in diesem Bereich ihr Auskommen haben - in sozialer wie materieller Hinsicht.


Quote
suchenwi #2.5

"Und Aberglaube ist etwas anderes als Glaube, denn der Aberglaube hält wissenschaftlicher Überprüfung nicht stand."

Welcher Glaube hält welcher wissenschaftlichen Überprüfung (theologischer?) stand?


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KurzVorKnapp #2.7

Metaphysik und Spiritualität sind *Ihre menschlichen Grundbedürfnisse. Warum gehen Sie davon aus, dass dies auch bei anderen der Fall sein muss? Außerdem sollte es Ihnen zu denken geben wenn Ihr Glaube in anderen Kulturen Aberglaube ist. Die Einteilung ist sehr willkürlich und subjektiv und hält einer objektiven Betrachtung nicht stand.


Quote
jus-kenner #2.8

Auch der religiöse Glaube hält wissenschaftlicher Überprüfung nicht stand. Sonst wäre er ja auch kein Glaube, sondern wissenschaftliche Erkenntnis. Dass Gott (was immer man sich hierunter vorstellt) und die Existenz dieses übernatürlichen Wesens (m/w/d) wissenschaftlich nicht bewiesen werden kann, teilt die mit dieser Vokabel verbundene Vorstellung mit anderen Vorstellungen wie Poltergeistern, Dämonen, Engeln, Einhörnern oder den walking deads aus der gleichnamigen Fernsehserie. (Aus der Tatsache, dass die Existenz einer Person oder einer Sache wissenschaftlich nicht bewiesen werden kann, kann übrigens entgegen mancher vulgären Aussage mitnichten die Existenz dieser Person oder dieser Sache logisch hergeleitet werden.) Wissenschaftlich untersucht werden kann aber die Frage, aus welchen Gründen Menschen solche Vorstellungen pflegen und sogar bereit sind, zugunsten dieser verschiedenen Glaubensvorstellungen ihre Freiheit und manchmal sogar ihr Leben auf- bzw. hinzugeben.


Quote
NikitaDerHund #2.9

"Es kann doch ein Reich der unendlichen Übersinnlichkeit geben! Der Rationalismus ist für mich eine Philosophie ohne Seele!"

Beides ist richtig: natürlich kann es einen Bereich jenseits des sinnlich (bzw. experimentell) erfassten geben. Genauer gesagt, zeigt die immer weiter sich entwickelnde experimentelle Wissenschaft, dass dem definitiv so ist. Nur macht es keinerlei Sinn, über (aktuell) den experimentellen Methoden nicht zugänglichem im Terminus von Wahrheit zu reden: das ist schlicht der Bereich reiner Fiktion und Phantasie. Hat beides in der menschlichen Kultur seine Berechtigung, nur muss man sich eben bewusst bleiben, dass dies reine Hirngespinste sind und bleiben, solange sie der experimentellen Methode unzugänglich sind (was insbesondere für Konstrukte gilt, die von vorn herein darauf angelegt wurden, daß sie nicht empirisch invalidiert werden können).

Und tatsächlich ist der Rationalismus eine Philosophie ohne Seele: das macht seine Stärke aus. Wem das nicht passt, muss sich halt mit Hirngespinsten zufrieden geben. Das sei jedem gegönnt, nur sollte er sich nicht entblöden, von Wahrheiten zu reden.


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Luis Tränker #2.10

Metaphysik und Spiritualität sind menschliche Grundbedürfnisse.

Hier liegt wohl das Problem. Über Grundbedürfnisse, woher sie kommen, wie sie sich ausbilden etc. kann man ja durchaus diskutieren. ...


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SW40 #2.12

"Warum gehen Sie davon aus, dass dies auch bei anderen der Fall sein muss?"

Wir wollen Antworten auf die Frage nach dem Leben im Jenseits. Unsere eigene Sterblichkeit zwingt uns dazu, darüber nachzudenken.

Im Übrigen ist für mich der Glaube im Unterschied zum Aberglauben eine religiöse Vorstellung, die nicht falsifiziert werden kann. Der Aberglaube, zum Beispiel die Wirkung von Homöopathie, lässt sich durch Untersuchungen von Begleitgruppen widerlegen.



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Luis Tränker #2.13

Wir wollen Antworten auf die Frage nach dem Leben im Jenseits.
Warum sollten "wir" das wollen? ...


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Karl Josef Schleidweiler #2.14

Welcher Glaube hält denn wissenschaftlicher Überprüfung stand?
Wenn ich etwas weiß weiß ich's und glauben erübrigt sich, oder?


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  SW40 #2.15

Der Glaube an einen vollkommenen, ungewordenen, unveränderlichen und unvergänglichen Weltgeist (Gott) im Sinne der Definition des vorchristlichen antiken Philosophen Parmenides ist nicht gegen wissenschaftliche Erkenntnisse gerichtet. Man kann dennoch die Evolutionstheorie und den menschengemachten Klimawandel anerkennen, ohne sich von diesem Gott lossagen zu müssen.


"Warum sollten "wir" das wollen? Letztendlich genau das, was vor "unserem" Leben war."

Geben Sie zu, dass Sie sich gerne eine gute Antwort wünschen.

... Nicht das Diesseits, sondern die unendliche Herrlichkeit im Jenseits ist relevant. Gott ist das gesamte Bewusstsein der unendlichen Übersinnlichkeit. Wir Menschen nehmen durch unsere Sinne nur einen winzigen Anteil dieses Reichs der Übersinnlichkeit wahr. Immerhin haben wir dadurch eine kleine, schmale Brücke zu Gott.



Quote
Leonia Bavariensis #2.20

Sie sind nicht "Wir", sondern sprechen für sich. Ich rede jetzt mal von mir: mich interessiert es null komma null, ob es ein Leben im "Jenseits" gibt, denn ich glaube nicht daran.
Für mich ist im Übrigen auch Glaube Aberglaube. Aber bitte jeder wie er mag. Nur möge man bitte seine eigenen Bedürfnisse nicht der gesamten Menschheit unterstellen.


...

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #57 on: January 07, 2022, 01:46:56 PM »
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caber

Es gibt so viele Religionen. Wissenschaft ist m. E. eine davon...


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Darius Minor

Antwort in einfacher Sprache: Nein.


https://www.derstandard.at/story/2000132342515/tsunami-im-gehirneinsichten-in-die-neurobiologie-des-todes (7. Jänner 2022)

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Andreas Speit
Verqueres Denken
Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus
Cover: Verqueres Denken
Ch. Links Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783962891107
Gebunden, 180 Seiten
https://www.perlentaucher.de/buch/andreas-speit/verqueres-denken.html

"Verqueres Denken. Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus"
Ein Gespräch mit Andreas Speit über sein neustes Buch: Verqueres Denken. Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus
https://www.freie-radios.net/113107
« Last Edit: January 10, 2022, 03:48:45 PM by Link »

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #58 on: February 04, 2022, 03:37:20 PM »
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[...] BAD TÖLN/MURNAU/WOLFRATSHAUSEN taz | Ein Montag im Januar, etwa sieben Uhr abends. Rund 700 Menschen ziehen über die leicht abschüssige Marktstraße von Bad Tölz, entlang der prächtigen, mit Lüftlmalerei verzierten Kaufmannshäuser. Sie gehen im Kreis, gegen den Uhrzeigersinn, hinauf und wieder hinunter. Viele tragen Grabkerzen oder Windlichter in den Händen, einige haben sich Lichterketten umgelegt. Sie gehen ohne Maske, ohne Abstand. Viel Häkelmützen und Outdoorkleidung ist zu sehen, manche Teilnehmer tragen geringelte Strickstulpen über der Jeans. Daunensteppjacken, Lodenmäntel und festes Schuhwerk, neotraditionelle Strickhoodys und Hipster-Bart. Die bürgerliche Mitte mit Öko-Touch.

Er sei hier, um gegen eine „Zwangsimpfung“ und die „Vermummung unserer Kindern“ zu protestieren, sagt ein Mann. Dann fügt er hinzu: „Ich verstehe etwas von Gesundheit, bin Wanderführer und Meditationslehrer und habe jahrelang Menschen dabei geholfen, ihr Immunsystem zu stärken!“

Ein Accessoire tragen fast alle dieser Menschen in ihrem Gesicht: ein überlegen wirkendes Lächeln. Es gilt den Gegendemonstranten, die sich im unteren Teil der Marktstraße versammelt haben.

Vor ein paar Monaten hätten wohl die meisten Bürger_innen in Oberbayern noch gelacht, hätte ihnen jemand prophezeit, dass bald ganze Pulks von Menschen in der Provinz zwischen München und Garmisch Lichterprozessionen veranstalten würden. Doch seit Anfang Dezember haben sich die „stillen Spaziergänge“ genannten Demonstrationen im Oberland ähnlich wie die Omikron-Variante ausgebreitet. Man protestiert in pittoresken Kleinstädten wie Murnau, Mittenwald, Wolfratshausen oder Bad Tölz, mit Papierherzen und Kerzen.

Wie groß jedoch die Angriffslust unter diesen Impfgegnern ist, zeigt sich, sobald sie auf Widerspruch stoßen. Eine Tölzer Gegendemonstrantin hatte gedruckte Plakate und Postkarten gestaltet, auf denen sie zur Impfung aufrief. „Ich wurde von ‚Spaziergängern‘ beschimpft“, sagt sie. „Man sagte mir, ich gehörte erschossen und aufgehängt.“

Im 40 Kilometer südlich von München gelegenen Wolfratshausen stehen an einem Abend in der Haupteinkaufsstraße über 900 „Spaziergänger“ etwa 450 angemeldeten Gegendemonstranten gegenüber. Letztere gehören zur neu gegründeten „Wolfratshauser Menschenkette“, die für solidarisches Verhalten in der Pandemie wirbt. Ihre Teilnehmer haben sich auf der einen Straßenseite aufgereiht. Sie tragen Masken und halten Abstand zueinander.

Auf dem Bürgersteig gegenüber zieht die Karawane der Impfgegner schweigend entlang. Einer von ihnen löst sich, geht auf die Gegendemonstranten zu, filmt ihre Reihe betont offenkundig ab, so als wolle er Beweise sammeln. „Ich habe das als bedrohlich empfunden“, sagt später eine junge Frau, die zu den Gegendemonstranten gehört.

In Mittenwald kippt ein „Spaziergänger“ einem Fotojournalisten heißes Kerzenwachs hinterrücks auf die Jacke. Und in Murnau fragt ein Demonstrant einen für das Jüdische Forum Berlin arbeitenden Kameramann: „Was geht das den Juden an, was hier in Murnau los ist?“

Der Wind treibt Schneeflocken über das Blaue Land, jene hügelige Voralpenlandschaft bei Murnau am Staffelsee, die einst die Freigeister und Künstler des Blauen Reiters angelockt hat. In der Murnauer Polizeiinspektion sitzt Joachim Loy in seinem Büro. Loy ist Erster Polizeihauptkommissar und leitet in der Region regelmäßig Einsätze bei Antiimpfpflicht-Demonstrationen.

Durch seine mehrjährige Arbeit beim Staatsschutz hat er Erfahrung mit extremistischen Tendenzen. Loy sieht die nicht angemeldeten Versammlungen der Impfgegner mitnichten als harmlos oder unpolitisch an – nicht nur deswegen, weil er dort immer wieder Vertreter der Reichsbürger-Szene erkennt. Für ihn sind die „Spaziergänger“ nicht einfach hilflose Opfer, die von Rechts überrumpelt werden. „Viele der sogenannten normalen Bürger, die da mitgehen, tragen bereits eine demokratiefeindliche Einstellung in sich, die wir bei der Polizei als sicherheitsgefährdend bezeichnen“, sagt Loy.

„Den Staat vorzuführen, gehört zum Kalkül dieser „Spaziergänger“, sagt der Kommissar. „Nach dem Versammlungsrecht muss es bei jeder Kundgebung einen Versammlungsleiter geben, der dafür sorgt, dass Auflagen eingehalten werden. Hat aber niemand offiziell diese Rolle, muss die Polizei diese Leitungsrolle übernehmen, um für die Sicherheit zu sorgen. Damit gelingt es den Impfgegnern, die Polizei auch noch für ihr Vorhaben einzuspannen.“

Fakt ist: In Bayern entpuppten sich die großen Corona-Demonstrationen in den Städten von Beginn an als ein Zweckbündnis zwischen rechtsex­tremen Gruppen und Vertretern eines alternativen, esoterischen Spektrums. Und auch die „Spaziergänger“ auf dem Land haben ihre Strippenzieher und Stichwortgeber aus dem rechten Lager. Zu den wöchentlichen Demonstrationen in Bad Tölz, Geretsried, Lenggries, Penzberg oder Wolfratshausen ruft explizit die Neonazi-Partei Der Dritte Weg auf. Wes Geistes Kind diese Partei ist, verraten ihre Slogans wie „Deutsche Kinder braucht das Land“, „Kein deutsches Blut für fremde Interessen“ oder „Asylflut stoppen“.

Der Geretsrieder Andreas Wagner, bis vor Kurzem Bundestagsabgeordneter der Linken für den Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, hatte auf Facebook erklärt: „An einer Demo ist etwas faul, wenn Verschwörungsideologen und Rechtsextremisten dazu aufrufen.“ Danach fand er einen Sticker in seinem Briefkasten mit der Aufschrift: Good Night, Left side“, die Grafik darauf zeigt eine Pistolenmündung, die direkt auf den Betrachter gerichtet ist. Außerdem bekam der Politiker eine unbestellte Postsendung zugeschickt, die an Andreas Jehuda Wagner adressiert war.

Was ist das für ein Milieu, das im wohlstandssatten Münchner Süden mit Rechtsextremisten auf die Straße geht und dabei abstreitet, irgendetwas mit ihnen gemein zu haben? Dazu kann Matthias Pöhlmann Auskunft geben. Der Weltanschauungsbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern beobachtet seit mehr als 25 Jahren die Allianzen zwischen esoterischen und rechtsoffenen Strömungen. Er sagt: „Das Voralpenland ist ein Eldorado für esoterische Anbieter, Homöopathie- und Naturheilkunde-Fans.“ Das erkenne man beispielsweise an den regionalen Anzeigenblättern. „Dort finden sich oft Angebote wie Energiearbeit oder fernöstlich inspirierte, körpernahe Behandlungen“ – Therapiekonzepte, die ein Publikum anziehen, das Geld und Zeit für derlei hat. „Dieses Milieu lehnt mitunter die evidenzbasierte Medizin als Teil der Wissenschaft ab und neigt generell zu einer ablehnende Haltung gegenüber dem Staat“, sagt Pöhlmann.

Als Seelsorger hat sich Pöhl­mann viel mit den Denkwelten dieser Menschen befasst, die in Alternativwirklichkeiten abgedriftet sind: „Verschwörungsgläubige haben oft ein vermeintliches Überwissen, das aus ihrer Sicht nur Erleuchteten zugänglich ist.“ Damit wähnten sich diese Überwisser, wie Pöhl­mann sie nennt, als Elite. „Diesen Überlegenheitsanspruch bringen sie gegenüber der evidenzbasierten Wissenschaft in Stellung.“

Typisch dafür sei die Spiritualisierung von Krankheit. „In dieser Szene wird nach einem esoterischem Verständnis Leiden als selbst verschuldet betrachtet, woraus der Mensch dazulernen soll.“ Das Problem: In die Vorstellung von Krankheit als „Prüfung“ ist die Idee der Auslese eingewoben, also die Selektion der Schwachen von den Starken. „Das ist nichts anderes als Sozialdarwinismus, und der bildet den Brückenkopf rüber ins rechte Gedankengut“, sagt Pöhlmann.

Der Medizinhistoriker Malte Thießen aus Münster kennt die ausgeprägte Impfskepsis im süddeutschen Raum. Er sieht dafür zwei Gründe. „Zum einen gibt es im Alpenraum eine Tradition der Selbstbestimmung, die sich über die Ablehnung des Staates definiert“, erklärt der Historiker am Telefon. „Ein staatlich organisiertes Impfen wird als Vordringen des Staates in den eigenen Lebensraum verstanden und der eigene Körper als das Schlachtfeld, auf dem man den Einfluss des Staates zurückdrängt.“

Zum zweiten habe die Suburbanisierung ab den 1960er Jahren dafür gesorgt, dass bürgerliche Selbstoptimierungskonzepte und oft anthroposophisch geprägte Vorstellungen aus der Stadt aufs Land wandern. „Damit wurde eine zweite Welle der Impfskepsis in ländliche Regionen importiert.“ Zu beiden Denkrichtungen aber gehöre der Rückzug auf das eigene Ich, also der Egozentrismus.

In der vergangenen Woche hat die Wolfratshauser Gruppe von Impfbefürwortern an den Landrat appelliert, die „Spaziergänge“ per Allgemeinverfügung zu unterbinden, um dem zivilgesellschaftlichen Engagement den Rücken zu stärken. Tatsächlich ist es für die Kommunalbehörden schwierig, juristisch unangreifbare Allgemeinverfügungen gegen Versammlungen zu verhängen. Solange es nicht, wie in München geschehen, zu Rechtsbrüchen während dieser Zusammenkünfte gekommen ist, urteilen die bayerischen Gerichte zugunsten der Versammlungsfreiheit.

So heißt es denn auch in der jüngsten Pressemitteilung des Landratsamtes Bad Tölz-Wolfratshausen, dass „grundsätzlich die fehlende Anzeige einer Versammlung keinen Auflösungsgrund darstellt und diese durch das Grundrecht der Versammlungsfreiheit geschützt ist“. Richtschnur des behördlichen Handelns sei der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und oberstes Ziel, deeskalierend aufzutreten.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner meint dazu, die Politik stecke in einem Dilemma. „Politik und Polizei wollen eine Konfrontation vermeiden, damit möglichst keine Bilder von Polizeigewalt gegen Versammlungsteilnehmer entstehen. Genau solche Bilder aber will die ex­treme Rechte provozieren – auch auf dem Land.“


Aus: "Impfgegner in Bayern: Naturgläubig zwischen den Wipfeln" Margarete Moulin (2.2.2022)
Quelle: https://taz.de/Impfgegner-in-Bayern/!5829633/

Quote
Zeuge14
Mittwoch, 14:20

Es ist wirklich erschreckend, wie hier die Autorin ein schwarz/weiss Bild malt. Es sei angemekrt, dass nicht alle esoterischen, spirituellen, auf die Stärkung des Imunsystems ausgerichteten, nicht ausschließlich schulmedizinisch orientierten, homöopathisch sich behandelnden, oder Waldorfschulen befürwortenden oder Rudolph Steiner lesenden Mitmenschen Impfgegner sind und sich vor allem in Süddeutschland Alufolie um den Kopf wickeln.

Im Beitrag fehlt noch eine Zuodnung der Enkel*innen der Latzhosenträger, Yoginis und Körnerfresser...

Liebe Fr. Moulin, das ist ein vereinfachender populistischer Stil, der der taz nicht würdig ist -und auf der gleichen Erzählebene schwurbelt, wie die Menschen auf der anderen Seite der Strasse. Warum fallen Sie darauf rein. Es liest sich nett, ja und ist unterhaltsam. Aber mit bitterem Nachgeschmack. Schade.Da wünschte ich mir mehr dialogisch Differenzierendes zum Thema Impfgegner. Das wär interessant. Schönen Tag euch.




Quote
40092 (Profil gelöscht)
Gast Mittwoch, 15:30

Ich bin schockiert über diese undifferenzierte und unseriöse Berichterstattung! Dieser Artikel ist degradierend gegenüber jeglicher Form von alternativer Heilkunst und nichts seiter als pure Polemik. So etwas haette ich der Taz nicht zugetraut. Sie haben mich auf jeden Fall als Leserin verloren.


Quote
guzman
Mittwoch, 15:01

Weltanschauungsbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern beobachtet Esoteriker.

- Treppenwitz.


Quote
resto
Mittwoch, 14:38

Mich (geboostert) stört diese Zusammenmixerei verschiedener Strömungen und auch die Zementierung des Feindbilds Bayern. Ich halte zwar nichts von Esoterik, und schon gar nichts von der Steiner'schen Schule, aber ich habe bei einer Erkrankung positive Erfahrungen mit einer "sanften" Herangehensweise als Ergänzung der schulmedizinischen gemacht. ...


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Michael Renper
Mittwoch, 14:27

Auch wenn ich im TAZ FOrum dafür vielleicht gesteinigt wede. Für mich waren Demeter, Esoteriker, Homöopathen und Co. schon immer bei "Blut und Boden" angesiedelt und nicht im "Progressiven Spektrum". ...


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Zeuge14
Mittwoch, 14:58

@Michael Renper Nee, nicht gesteinigt, eher bedauert, ob dieser einseitigen und erscheckenden Weltsicht. Würd mich mal interessieren wie alt Sie sind...
Und genau hier ist das Ergebnis dieses Artikels zu sehen. Und wir können sehen, wie es mit der Meinungsvielfalt & Tolleranz steht, in diesen Zeiten...


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PPaul
Mittwoch, 15:42

@Zeuge14 Es ist eine wohlbegründete Weltsicht. Wenn man sich die Naziideologie anschaut, findet man auch dort sehr, sehr viel Esoterik.

Esoteriker driften sehr leicht nach rechts ab, auch wenn sie sich selbst für links halten. Sicherlich nicht alle, aber im Freundeskreis habe ich das selbst erlebt.

Dafür können Sie mich gerne bedauern.

Ich bin übrigens 52. Aber was Ihnen jetzt diese Information bringt, weiß ich auch nicht. Ist das wichtig, um in eine Ihrer Schubladen gesteckt zu werden?


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Zeuge14
Mittwoch, 16:56

@PPaul Also, das Alter interessierte mich um den Zeitgeist nachvollziehen zu können, den sie miterlebt haben. Und da sind wir nicht weit auseinander. Danke.

Es geht um den Artikel, und zwischen Esoterik und Spiritualiät gibts ja auch noch erhebliche Unterschiede. Anthroposophie ist nun eben keine Esoterik z.b.. Und klar "esoterische" und auch spirituelle Erklärungen (oder auch Religion) helfen (leider) gerne bei der Umsetzung von Machtansprüchen. Die kath. Kirche / Islam, was auch immer....usw...

Nein, es geht bei der genannten Weltsicht eben um "Welt"sicht, Tollerant, Freiheit des anders Denkenden... und nicht - wie im Artikel - aus Freude am Schreiben - darum, verallgemeinernd die von mir Genannten ALLE in einem Topf zu deskreditieren.


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Manuel Bonik
gestern, 17:39

@Zeuge14 "Anthroposophie ist nun eben keine Esoterik" - Was daran denn nicht?


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Saile
Mittwoch, 19:10

@Zeuge14 Entschuldigung, aber Rudolf Steiners Ergüsse sind ja wohl Esoterik in Reinform, heftiger geht es ja eigentlich kaum noch!


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LittleRedRooster
gestern, 10:29

@Saile " Rudolf Steiners Ergüsse sind..." (Saile)

Sie haben vollkommen recht!

Alleine die Tatsache dass er - nach eigenen Angaben - seine Erkenntnisse via "Schauungen", also hellsichtigen Eingebungen, erworben haben will weist ihn als Hardcore-Esoteriker seiner Zeit aus.

Schlimmer als sein aufgeblasener Hellseherfimmel ist allerdings dass er mit seinen Rassentheoremen den Nazis von Anfang an Schützenhilfe leistete. Steiner war ein rassistischer esoterischer Scharlatan.


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Boandlgramer
Mittwoch, 18:20

@Zeuge14 Noch bin ich auch 52... ;)

Aber 1.: Esoterik, Anthroposophie, Spiritualität und Religion gehören für mich in den gleichen Topf - die fruchtlose Sinnsuche im Übersinnlichen.

Und deswegen waren die Nazi da schon gut dabei - wobei die Übersinnlich durch naturgesetzlich rassisch ersetzt haben - und heute reichen die sich wieder die Hände.

Da würde ich nämlich noch Biologismus und Klassismus ins Spiel bringen - und dann sind wir nämlich gänzlich in einem bürgerlichen Wahrheitskanon gefangen.
Das geht mit dem einfachen Axiom los, dass die Kinder schlau sind, weil es die Eltern ja waren - und wenn die Kinder versagen, waren die Eltern Trottel.
Das ist der Humus auf dem das alles wächst. Und das war einer der intellektuellen Kerne der 68er: Wir wollen diese vermeintlichen Gewissheiten über Bord werfen und sehen, was uns dann bleibt.
Und aus dieser Utopie speisen sich die heute lustig schrägen 70er: Ton, Steine, Scherben; Grips Kindertheater, Herr Fressack und die Bremer Stadtmusikanten, Teufel hast du Wind...
Das gleiche Bürgertum, dass sich schon 1932 an den falschen Hals geworfen hat, tut es jetzt wieder. Und die Querdenker sind nur der sichtbarere Teil.
Die Hütte brennt seit Jahren - da komme ich immer wieder auf Heitmeyer und das verrohte Bürgertum von 2010 zurück..

Und ich hab' auch nicht vergessen, wie oft wir noch in den 80ern mit unseren langen Haaren gerannt sind, um nicht verprügelt zu werden, und wie oft wir mit der Polizei am Straßenrand standen, weil Langhaar-Profiling immer noch nicht verboten war... ;)

...


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Manuel Bonik
gestern, 17:59

@guzman Gestern erst in Klemperers LTI gelesen, dass "Naturheilkunde" im Dritten Reich propagiert wurde - Tee aus deutschen Kräutern! - und ein Teil der Blut-und-Boden-Ideologie war; Schulmedizin was für undeutsche Schwächlinge.

Gespräche mit Esos waren für mich immer, nett gesagt, intellektuell ein wenig unbefriedigend, habe die aber toleriert, weil ich sie für harmlose Spinner hielt. So langsam wandelt sich der Blick ...


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TazTiz
gestern, 11:55

@guzman Nach der Linken verliert demnächste auch die grüne Partei ein Teil ihrer Wähler an die AfD. Putzig.


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Wunderwelt
Mittwoch, 13:36

"Verschwörungsgläubige haben oft ein vermeintliches Überwissen, das aus ihrer Sicht nur Erleuchteten zugänglich ist."

..so etwas nennt man: psychotisch.!


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LittleRedRooster
Mittwoch, 14:16

@Wunderwelt "...so etwas nennt man psychotisch." (Wunderwelt)

NEIN! Während Psychosen schwere Erkrankungen sind für die die Betroffenen nichts können, sind Egozentrik, Überheblichkeit, Arroganz und Ignoranz lediglich Persönlichkeitsmerkmale für die man sehr wohl die Eigenverantwortung trägt.

Einfacher: Wenn sich jemand wie ein Arschloch verhält, dann kann er sich nicht einfach auf eine Krankheit rausreden.


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    Wunderwelt
    Mittwoch, 17:46

    @LittleRedRooster Zum besseren Verständnis: ein psychotischer Zustand ist noch keine Psychose.

    Auch der Zustand der Verliebtheit oder Drogenerlebnisse haben z.T. durchaus psychotische Züge. Gemeinsam ist diesen Zuständen eine Form der "Entrücktheit" oder eine Art Schwebezustand.
    Problematisch bei den Verschwörungsgläubigen ist aber dass sie aus ihrem Zustand eine allgemeingültige Realitätserwartung ableiten.
    (es gab auch mal die Beispiele von LSD-berauschten, die meinten sie könnten fliegen...einige sind dann auch von Dächern gesprungen)...
    Was aber bei Verschwörungsgläubigen problematisch ist, ist der Zustand der Trennung (oder besser Spaltung), der oft in den Glauben mündet über den Anderen zu stehen oder etwas erlauchtes/besseres zu sein. (insofern kann ich die von Ihnen verwendete Vokabel: "Arschloch" auch durchaus nachvollziehen).


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Descartes
Mittwoch, 14:17

Über die letzten Jahrzehnte hinweg ist diese Szene aber immer schwächer geworden. Als es vor dem Internet noch gegen die WAA Wackersdorf, Mobilfunkmasten, Chlorhühnchen, Agrar-Gentechnik, usw. ging, waren kaum Rechte dabei, dafür konnten die Gurus umso mehr absurde Esoteriker und Verschwörungsgläubige motivieren und hatten die unkritische Sympathie vieler Medien. Insgesamt denke ich kommt mit der Zeit mehr Vernunft ins Volk, ein leichter Fortschritt.


...

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[Wissenschaft und Esoterik (höhere Welten?!...) ... ]
« Reply #59 on: February 21, 2022, 12:58:53 PM »
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[...] Als eine Gruppe weiß gekleideter Personen tanzend, singend und trommelnd eine Corona-Demonstration in Wien zeitweise anführte, rieben sich nicht nur anwesende Journalistinnen und Journalisten staunend die Augen. Es war ein reichlich bizarrer Aufzug – hinter dem noch dazu der Block der rechtsextremen Identitären marschierte. Was auf den ersten Blick verwunderlich erschien, passt aber zusammen.

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Markus Sulzbacher
@msulzbacher

[VIDEO]

Diese Gruppe führte heute die Demo bis zur Urania an. Dahinter die Identitären #normaleleute #w0412

5:44 nachm. · 4. Dez. 2021

https://twitter.com/msulzbacher/status/1467173044292575238


Anhängerinnen und Anhänger von Esoterik und Rechtsextreme sind durch "gemeinsame Feindbilder in Bezug auf Politik, Medien und Wissenschaft" vereint, sagt Katharina Nocun, die Autorin des Buchs "True Facts: Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft". So teilen sich beide Gruppen etwa die "Great Reset"-Verschwörungserzählung, wonach "globale Eliten" mit Hilfe der Corona-Pandemie angeblich eine neue Weltordnung durchsetzen wollten, Medien werden als von "oben" kontrolliert und als Feinde betrachtet. Beide Gruppen gehen davon aus, dass die Pandemie von Personen wie Bill Gates gesteuert werde.

Esoterikerinnen und Esoteriker sind keine Neonazis, aber in ihren Reihen sind Antisemitismus, Rassismus und Sozialdarwinismus ebenso zu finden wie eine lange Tradition von Impfverweigerung und absurde Rassentheorien. So meinte Rudolf Steiner (1861-1925), der Erfinder der "Anthroposophie" und Gründer der Waldorfschulen, Epidemien seien auf "niedere Rassen", wie die "mongolische Rasse", "Negerseelen" und ihre teuflischen "Lügendämonen" zurückzuführen.

Nocun betont, dass "in der Esoterikszene Verschwörungserzählungen zum Thema Medizin und Wissenschaft auch vor der Pandemie schon weit verbreitet" waren. "Da heißt es etwa, man solle lieber esoterischen Heilern vertrauen, da Medizin und Wissenschaft insgeheim von einer bösartigen "Pharmalobby" gesteuert werden würden. Menschen, die auf esoterische Pseudoheilverfahren vertrauen, glauben auch eher an Verschwörungserzählungen", sagt Nocun. Sekten würden "Verschwörungserzählungen zudem oft nutzen, um Menschen gezielt von ihrer Umwelt zu isolieren, schließlich gehe mit diesem Weltbild auch eine Haltung nach dem Motto "du kannst niemandem vertrauen außer uns" einher.

Dazu passt, dass Zugehörige zur esoterischen Szene schon bei den ersten Corona-Demonstrationen im Frühjahr 2020 in Wien mit dabei waren, wo sie vehement gegen Impfungen auftraten – zu einer Zeit, als es noch gar keine Impfungen gegen das Coronavirus gab. Nocun: "In einigen Esoterikmilieus wird verbreitet, Impfungen seien schädlich, weil beispielsweise Magie oder Homöopathie bei geimpften Menschen nicht mehr richtig wirken könne. Anhänger der Germanischen Neuen Medizin verbreiten seit Jahren die Lüge, Impfungen seien Teil einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung".

Oft werde eine ablehnende Haltung gegen Impfungen mit der Vorstellung verbunden, alles "künstlich geschaffene" oder "chemische" sei unnatürlich und damit schlecht. "Das ist natürlich absurd, da auch in der Natur zahlreiche Gifte existieren und Tabletten mit einem synthetischen Wirkstoff oft tatsächlich die "sanftere" Alternative sind. Eine Corona-Infektion mag natürlich sein, sanfter oder besser für den Körper ist sie allerdings sicherlich nicht", sagt die Buchautorin. Auch werden "Halbwahrheiten aus der Medizin mit einem magischen Denken vermischt, was zu einer vollkommen überzogenen Vorstellung führt, was beispielsweise das eigene Immunsystem tatsächlich leisten kann – und was nicht. In diesen Milieus kursiert etwa der Mythos, das Immunsystem reiche als Schutz vollkommen aus, oder positive Gedanken könnten eine Erkrankung verhindern".

Wie sehr esoterische, spirituelle und wissenschaftsfeindliche Weltbilder unter den vielen Gegnerinnen und Gegnern der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verbreitet sind, hat die Universität Wien für eine Studie untersucht. Demnach stimmen nicht nur 54 Prozent der Unterstützerinnen und Unterstützer von Corona-Demonstrationen der Aussage zu, dass wir uns "mehr auf den gesunden Menschenverstand und weniger auf wissenschaftliche Studien verlassen sollten", sondern 60 Prozent der Protestierenden glauben auch an ein Leben nach dem Tod. Bei jenen Befragten, die die Demonstrationen ablehnen, liegt der Anteil an Personen mit einem solchen spirituellen Glauben bei 40 Prozent.

Ein vergleichbares Bild zeigt sich beim Glauben an die pseudowissenschaftliche Behandlungsmethode Homöopathie. Genau genommen glauben etwa 60 Prozent der Befragten an Homöopathie. Bei jenen, die die Demonstrationen nicht unterstützen, glauben 43 Prozent daran, während 49 Prozent Homöopathie eher ablehnen.

"Der Glaube an Pseudomedizin ist der Einstieg in den Ausstieg vom rationalen Denken", erklärt der Journalist und "Anthroposophie"-Experte Oliver Rautenberg. Er beobachtet auch, dass sich die Milieus von Pseudomedizin und Rechtsextremismus sich besonders auf Social Media vermischen: Es gibt einen Austausch und eine Vernetzung zwischen der extremen Rechten und der Bewegung gegen Impfstoffe und für sogenannte "alternative Medizin".

Als treffsichere Kritikerin der Esoterikszene hat sich die Schriftstellerin Stefanie Sargnagel einen Namen gemacht.

Mit dem Spruch "Nippies in die Klangschalen scheißen" machte sich Sargnagel in ihrer Rede bei einer antifaschistischen Demonstration in Wien über die Teilnahme von Anhängerinnen und Anhängern von Esoterik und deren Schulterschluss mit Rechtsextremen bei den Protesten gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie lustig. "Nippies" steht dabei für "Nazi-Hippies". (Markus Sulzbacher, 20.2.2022)

[/quote]

Aus: "Warum esoterische Hippies gemeinsam mit Rechtsextremen auf Corona-Demos marschieren" Markus Sulzbacher (20. Februar 2022)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000133440828/warum-esoterische-hippies-gemeinsam-mit-rechtsextremen-auf-corona-demos-marschieren

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Kurt Weiß (vermutlich)

20. Februar 2022, 15:54:41

Die klassische Strategie der Politik ist die loyale Familie. Wer kritisch hinterfrägt wird denunziert.  ...


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Lady of the Lake

20. Februar 2022, 16:39:28

Hier wird immer so getan, als wären Menschen, die sich mit Esoterik beschäftigen, eine einheitliche Gruppe , allesamt Impfgegner und hätten keine Berührungsängste gegenüber Rechtsextremen - und da wird dann kreuz und quer jede/r und alles in einen Topf geworfen
Diese grobe Pauschalierung finde ich auch nicht redlich.


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mlzt

20. Februar 2022, 16:29:00

Ich finds schon witzig, wenn Homöopathie-Anhänger gegen die Pharma-Industrie schimpfen (wozu es prinzipiell natürlich schon auch Anlass gibt).  ...  Ist euch eigentlich bewusst, was für ein riesiger Reibach in der "alternativen Medizin" steckt?


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kornkickazz
20. Februar 2022, 17:02:42

Der Glaube, dass "biologisch" grundsätzlich etwas anderes als "chemisch" und gleichzeitig "besser" ist, ist erschreckend weit verbreitet und zeigt, wie sehr die Bildung gerade in den Naturwissenschaften schwächelt.


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ewigmorgiger

20. Februar 2022, 15:52:35

Gemeinsam ist das identische leichtgläubige publikum. Der unterschied der beiden Erscheinungen ist, dass die Anführer der rechten Seite nicht wirklich glauben, dass Bill Gates hinter der Pandemie steckt. Bei den esos wär ich mir nicht so sicher.


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Humbug?

Allesamt halt uninteressierte Geblendete. Ich glaubs dem rechten Gesocks dort schon, dass sie es größtenteils ehrlich meinen wenn sie entsetzt sich aufregen, sie würden zu Unrecht in ein rechtes Eck gestellt. Weil sie eigentlich gar keinen Dunst haben, warum dieser Vergleich sehr wohl angebracht ist (und lässt es eh schon tief blicken, wenn das die einzige "Distanzierung" ist, die mir dazu einfällt).

Selbes auf der anderen Seite des Spektrums, welchem Guru auch immer sie anhängen, in erster Linie glänzen sie durch absolute Unwissenheit bzw. Verleugnung elementarster Zusammenhänge. ...


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Ketzerin

Fragen über Fragen...

"So teilen sich beide Gruppen etwa die "Great Reset"-Verschwörungserzählung, wonach "globale Eliten" mit Hilfe der Corona-Pandemie angeblich eine neue Weltordnung durchsetzen wollten, Medien werden als von "oben" kontrolliert und als Feinde betrachtet. Beide Gruppen gehen davon aus, dass die Pandemie von Personen wie Bill Gates gesteuert werde."

Was macht Bill Gates auf der Münchner Sicherheitskonferenz?
Warum hat seine Stiftung in den vergangenen Jahren über 319 Millionen Dollar an internationale Medienunternehmen gespendet?
Warum bezeichnet Klaus Schwab höchstpersönlich die Pandemie als Chance für einen "Great Reset"?


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Haigha

Die Idee vom Great Reset kommt ja von Schwab und dem WEF selbst. Auf deren Website klingt das nach leeren Versprechungen von multinationalen Konzernen, die Welt jetzt aber wirklich besser machen zu wollen. Die (wahrscheinlich sehr teuren) Imagevideos, die sie dazu produzieren sind tatsächlich unheimlich. Und Schwabs Aussagen zum Transhumanismus sind Horror pur.

Eigentlich wäre das alles eine Gelegenheit für einen Kampf gegen überbordenden Lobbyismus, leider hören Schwab zum großen Teil nur die Verschwörungstheoretiker zu. Und denen glaubt natürlich keiner.


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mr. z

Für mich hat dies Pandemie eine neue politische Bruchlinie aufgemacht bzw evident werden lassen
Nämlich Wissenschaft vs alternative Welterklärungsmodelle.

Es gibt Rechte, die an die Wissenschaft glauben und dieser Vertrauen und es gibt Linke, die alternativen Welterklärungsmodellen anhängen und ein Esoterik-Weltbild pflegen.
Um das Publikum dieser Demos zu beschreiben eignet sich das Links-Rechts-Schema daher nur bedingt.

Wofür es aber sehr wohl nach wie vor tauglich ist, sind die politischen Akteure die diesen neu entstandenen Konflikt für ihre Gunsten zu nutzen versuchen. Und da ist die Ausrichtung bei den Demos ganz klar Rechts.


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Arbeiterkind

Ich stelle hier nur Tatsachen fest - das ist noch lang keine Wertung. Ich plädiere lediglich dafür immer zu hinterfragen ob die Dinge aus reiner Nächstenliebe getan werden oder ob noch andere (vor allem welche) Interessen dahinter stehen. Nur so kann man sich nämlich ein Bild darüber machen, ob etwas für einen selbst gut ist oder nicht. Heute ist es aber seltsamerweise so, dass diejenigen die kritisch nachfragen für dumm erklärt werden, während es als schick und intellektuell gilt, alles zu glauben was die Medien einem erzählen. Bis vor kurzem war das noch umgekehrt. Ich komme mit dieser Verdrehung einfach nicht ganz mit...


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Reinhard Römer

Ich plädiere lediglich dafür immer zu hinterfragen
Nein, du machst dich nur mit Stammtischgeschwafel wichtig, mehr nicht. Das ist oberflächliches Geplapper das auch von einem alternden Katzenaccount auf FB kommen könnte. Nein, das ist nicht großartig durchdacht sondern naiv und blöd.


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Arbeiterkind

... Problematisch ist es, wenn ein ganzes System ausschließlich auf den Gewinn ausgerichtet ist und dabei das ursprüngliche Ziel, z.B. die Gesundheit, aus dem Blick verliert oder ihm sogar entgegenwirkt. ...


Quote
Romana Stadler

Es lebe das Totschlagargument.

Egal von welcher Seite.
Argumente, die gut argumentiert zum Gespräch und Dialog über verschiedene Sichtweisen einladen gibts kaum mehr.
Jeder ist nur mehr überfordert oder/und genervt und will nix mehr hören was nicht seiner Weltsicht entspricht.
Ich nehme mich dabei gar nicht aus.
Aber es fällt mir auf.


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lieber total frontal, als gar keinen Spaß

Ein wesentlicher Aspekt scheint nicht angesprochen. Egal mit welchem esoterisch Angehauchtem ich in den letzten dreißig Jahren in ein längeres Streitgespräch kam, irgendwann kam von fast jedem, so etwas wie 'ich bin weiter', ich bin auf einer höheren Ebene, Bewusstseinsstufe...', kurzum, fast alle sind davon überzeugt sie sind weiter entwickelt, höhere Wesenheiten. Da ist es nicht mehr weit zum Über- und Herrenmenschen, der den Anderen das 'wahre' Menschsein absprechen kann.


Quote
Ausgeflippter Lodenfreak

Die Frage zeigt die heute typische naive Weltsicht, die alles in Gut und Böse teilt. Man selbst ist natürlich ein Guter und wundert sich, dass die die sich gerade noch mit einem selbst moralisch über Umweltverschmutzung, gegen die Regierung, gegen den Kapitalismus, für den Tierschutz, usw. empörten, plötzlich Böse sind. Wenn man diese primitive Zweiteilung in Freund-Feind, Gut-Böse, Links-Rechts, usw. nicht anwendet und die Gesellschaft objektiv und neutral betrachtet, merkt man dass es eben viel komplexer aber gar nicht geheimnisvoll ist.


Quote
Xantus

Komplexer, aber nicht geheimnisvoll

Die Einteilung in gut und böse gibt es ja erst seit den unseligen Demos der Impfgegner. Vorher gab es eine friedliche Co-Existen mit den unterschiedlichen Weltanschauungen. Erst als es darum ging, in der Pandemie an einem Strang zu ziehen, hat sich gezeigt, dass eine kleine Gruppe zwar auch im Rettungsboot sitzt, aber nur rudern lassen will (selbst nicht rudern wollte). Das hat die, die sich in die Riemen legten natürlich nicht gefreut. Noch dazu haben die Verweigerer währenddessen auf dem Oberdeck mit Meuterei-Gegröle genervt und die Ruderer verhöhnt. Wenn man gg derart unredliche und unsolidarische Passagiere nun bestimmte Vorbehalte hat, darf es nicht wundern.


Quote

_

Esoterik und Rechtsextrem sind nicht so weit voneinander weg.
aus meinem eigenen bekanntenkreis kann ich berichten, dass unwissenheit + leichtgläubigkeit für beides guter nährboden ist und dass es keinerlei ausschlusskriterien irgendwelcher art gibt. beide gruppen haben auch ein ausgeprägtes missions- und mitteilungsbedürfnis.

und: esoteriker als hippies zu bezeichnen ist einfach falsch. bitte im artikel ändern.


Quote
Anna Heller

Es geht hier um Esoteriker, unter den Esoterikern sind auch Hippies, deren Anzahl ist aber verschwindend gering. Ich kenne einige Esoteriker, die eben wie oben beschrieben einerseits weltoffene Menschen sind (passt eher zu links) aber andererseits an die Theorie glauben, dass Bill Gates und die Rothschilds die Weltherrschaft an sich reißen wollen (passt eher zu rechts). Um diese Ambivalenz geht es auch in dem Artikel.


Quote
Leo4100

Thema verfehlt

Die Impfgegner sind keine Esotheriker sondern gegen den Zwang der Regierung, sich diesen chem. Wirkstoff spritzen zu lassen. Im meinem Umfeld sind viele geboosterte erkrankt, auch an Corona


Quote
stryz

... Diese chemischen Wirkstoffe sind pures Gift! Ich esse deswegen keine Gurken! ...


Quote
HasmotWerpfon

Die Verwendung des Ausdrucks: "chemischer Wirkstoff" als etwas negatives ist aber ein typisches Merkmal der Esoteriker.
Und ja, auch Geimpfte erkranken an Corona. Diese Information ist aber weder neu noch überraschend.


Quote
splasherino

Ein (eigentlich sehr guter) Freund von mir legt gerade eine zweifelhafte Karriere als sowas wie eine intellektuelle Führungskraft von, ich vermute selbst würde er sagen: "Maßnahmenkritikern" hin.
Der ist ganz eindeutig weder Nazi noch Hippie oder sonstiger Esoteriker.

Was er aber ist, und davon gibt es auch nicht so wenige, ist Geisteswissenschaftler und Künstler, der sehr auf konstruktivistische Epistemologie abfährt und stets mit einer gewissen philosophischen Überheblichkeit auf (Natur-)Wissenschaften blickt. Und gerade die jetzige Situation, dass man Wissenschaft in Progress mitverfolgen kann, also ständig neue Erkenntnisse neue Schlüsse und Maßnahmen erfordern, interpretiert er jetzt, auch aus einer frustrierten emotionalen Konstitution heraus, als Beweis dafür, dass der logische Schluss aus dem Konstruktivismus Relativismus ist und es in der Wissenschaft einzig und ausschließlich um politische Macht geht.

Erkenntnisse setzen sich also nicht durch, weil sie schlüssiger sind oder der aktuellen Datenlage entsprechen, sondern weil sie mit politischem Druck als "wahr" präsentiert werden. Nun ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass politische Einflussnahme eine Rolle spielt bzw. auch der Wunsch der Forschenden beeinflussend sein kann - klar. Aber besagter Bekannter und eine wachsende Anzahl an Personen, die seinem Blog und seinen Postings folgen, nehmen diese Überlegungen ihrerseits zum Anlass, dann aus Prinzip eben nur diesen Forschern zu glauben die 1) in irgendeiner Form "gegen den Mainstream" sind und 2) Meinungen vertreten, die den eigenen Wünschen der hier kritischen Personen entsprechen.

Worauf ich damit hinaus will: Diese Leute gehen natürlich bei den Demos mit und man darf nicht unterschätzen, dass es dieses Profil gibt - Linke, nicht esoterische Personen, die quasi immer kategorisch anti-autoritär sind und dieses Anti-Autoritäre mit tatsächlicher Kritik verwechseln.


Quote
OrangutanKlaus

"Gibt Krankheiten, wo die angesehene Medizin einfach nicht weiter weiß"

Ja...

"..verzweifelte Menschen probieren dann eben alles Mögliche um dieser Krankheit trotzdem Herr zu werden"
Genau...

"und ja dann kann Homöopathie, TCM etc. manchmal helfen."

vs.

"Auch wenn der Grund der Heilung nur ein Placeboeffekt ist."

Hier fehlt Entscheidendes, nämlich wie diese Unfugsmethoden behaupten zu helfen. Und das ist nicht Placebo, sondern unhaltbare erlogene und widerlegte Heilversprechen und Wirkungsweisen. Diese Lügen sind notwendig, um sich am Markt zu positionieren. Würden die sich als Methoden für einen besseren Placeboeffekt positionieren (der nicht "heilt") ...


Quote
Nijmegen

-> warum Menschen Alternativmedizin in Anspruch nehmen

Wohlstandsverwahrlosung gepaart mit Dummheit.


Quote
alt-heli .

Nun… ich denke mir: es ist einem geheilten Menschen vollkommen egal WAS und WARUM er geheilt is.


Quote
OrangutanKlaus

Ja. Wenn er denn geheilt ist. Und vor allem, ob der Menscn nachweislich durch Methode X geheilt wurde oder eigentlich andere Ursachen dafür verantwortlich sind.
Zeit, Körper, Immunsystem, Ruhe, Schonung, Lebensumstände, Ernährunge uvm.
Die Unfugsmethode heften sich jeden Erfolg frech an die Fahne.

Diese Lügen führen oft genug zu folgendem: Abbruch oder Nichtantreten von wirksamen notwendigen Behandlungen. Zu spät oder gar nicht zum Arzt gehen. Misstrauen gegenüber verschriebenen Medikamenten und deren Nichteinnahme. Misstrauen gegenüber evidenzbasierter Behandlungen. Selbstdiagnose, Selbstbehandlung.
In jedem Fall ist es Schaden durch Zeitverlust.

Dabei ist Verdummung und Abzocke noch aussen vor...


Quote
miu miu

43% aller Österreicher glauben an Homöopathie? Whaaat?
Wie viele glauben an das Christkind?


Quote
bosnianhool91

Ich bin weder rechtsextrem noch ein Hippie. Trotzdem lasse ich mich nicht impfen.


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KneelBeforeNeil

Der verbesserte Handyempfang nach der Impfung reizt Sie gar nicht?


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istros

Also laut Standard habe ich die Wahl, zwischen schwachem, schlechtrecherchiertem linksliberalem Bobo-Journalismus á la Standard und einer nicht minder unbegabten, aber von meinem Steuergeld gut lebenden Staatskünstlerin gegenüber ein paar verkorksten "Nippies", und alles entscheidet sich daran ob ich geimpft oder nicht geimpft bin??!!
Interessante Zeiten.... aber zumindest haben die Nippies einen gewissen Außenseiterbonus, während die Hälfte der Poster hier einfach nur arrogante bürgerliche Kiddies sind, die mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen sind.


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I got the blues

Ihr Posting fasst meine Vorurteile Ihnen gegenüber super zusammen, danke!


Quote
Hattie Caroll

Warum soll sargnagel eine "Staatskünstlerin" sein?


Quote
istros

weil sie für ihre "Kunst" einen Haufen Staatskohle (siehe zum Beispiel ihren neuen Film) kriegt, niemals von dem was sie macht eigenständig leben könnte. Sie ständig vom öffentlichen Rundfunk über die "Qualitätsmedien" bis zu allerhand sonstigen öffentlich subventioniertem Establishment herumgereicht wird. Aber alle vollll subversiv gegen den rechten Mainstream
Während sie 99% der Bevölkerung sonstwo vorbeigeht.


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Hattie Caroll

Die Bücher von Stefanie Sargnagel verkaufen sich gut.
Und der Film ist von Gerhard Ertl und Sabine Hiebler. Sargnagel hat dafür also keine Filmförderung kassiert.
Wenn Sie eine gute Idee für einen Film haben, können Sie übrigens auch um Filmförderung ansuchen, wie alle anderen Österreicher auch.
Dass Sie von ihrem Umfeld auf 99% der Bevölkerung schließen, ist Ihre Sache.
Mit der Realität hat das aber wenig zu tun.


Quote
Bruderkogel

Homöopathie wirkt gut

Ich bin ein Grünwähler und Homöopathie Fan. Wir haben einen sehr guten homöopathischen Hausarzt und seine Behandlungsmethoden wirken in unserer und in bekannten Familien seit 40 Jahren. Ich bin 2x geimpft und 1x genesen, aber gegen die Impfplicht. Den Homöopathie Gegnern würde ich empfehlen es bei sich selbst auszuprobieren, natürlich bei einem guten homöopathischen Arzt. Von den Grünen bin ich wegen der Zustimmung zur Impfplicht enttäuscht, der freie Wille ist ein wichtiges Gebot.


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Eddie Valiant

Bin mir nicht sicher, ob dein Posting ernst gemeint ist ...


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giggedie-giggedie

solange die chefin der apothekerkammer (salzburg war es glaube ich) schüssler salze gegen impfnebenwirkungen und die österreichische akademie der ärzte eine ausbildung zum homepathen anbietet braucht man sich nicht wundern wenn die leute an germanisches vodoo glauben.


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