Author Topic: Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)  (Read 45667 times)

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #40 on: August 31, 2020, 03:53:27 PM »
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[...] Kurz bevor rechte Demonstranten zum Parlament vordrangen, rief Tamara K. zu der Aktion auf. Sie steht den Reichsbürgern nahe. Was über K. bekannt ist.

Die Frau rief "Wir haben gewonnen" und "Vor diesem Gebäude steht keine Polizei mehr" - dann rief sie dazu auf, die Treppen zum Reichstag hochzusteigen. "Wir holen uns hier und heute unser Hausrecht", schrie sie von der Bühne.

Kurz darauf setzte sich die Masse von Rechtsextremen, Coronaleugnern und Reichsbürgern in Bewegung. Was danach passierte, beschäftigt am Montag nach der Demo ganz Deutschland. ... Im Internet wirbt K. mit ihren Fähigkeiten: Unter anderem kenne sie sich in Massagen, Psycho- und "Metalltherapie" aus, aber auch in der Behandlung mit Bachblüten sowie in "Krebstherapie" sei sie erfahren. Nach eigenen Angaben ist sie Mitglied im "Verband unabhängiger Heilpraktiker". Nach Angaben des antifaschistischen Aachener Bündnisses “Demokratie Leben” ist sie bereits 2019 bei dem lokalen Zusammenschluss der “Aachener Gelbwesten” aktiv gewesen und unter anderem im Januar vergangenen Jahres auch als Kundgebungs-Anmelderin und Rednerin aufgetreten.

Laut Michael Klarmann, Journalist und Beobachter der rechten Szene in der Eifel-Region, sei K. in den sozialen Netzwerken immer wieder durch das Teilen von verschwörungsideologischen Inhalten sowie vertretener Reichsbürgerideologie aufgefallen. Einige ihrer Posts seien eindeutig rechtspopulistisch bis rechtsextrem formuliert.

Angestachelt wurde die Menge durch eine Lüge, die Tamara K. von der Bühne durchs Mikrofon rief. Ihr zufolge sei US-Präsident Donald Trump in Berlin gelandet. Deshalb müssten die Demonstranten jetzt ein Zeichen setzen und Trump zeigen, dass "wir die Schnauze gestrichen voll haben". Donald Trump gilt den Verschwörungsgläubigen von QAnon als Erlöser und großer Befreier, der die Weltverschwörung geheimer Eliten beenden wird.

Wörtlich rief K. von Bühne: "Wir schreiben heute hier in Berlin Weltgeschichte. Guckt euch um, die Polizei hat die Helme abgesetzt. Vor diesem Gebäude (gemeint ist der Reichstag, Anm. d. Red) und Trump ist in Berlin. Die ganze Botschaft ist hermetisch abgeriegelt, wir haben fast gewonnen. Wir brauchen Masse. Wir müssen jetzt beweisen, dass wir alle hier sind. Wir gehen da drauf und holen uns heute, hier und jetzt unser Hausrecht. Wir werden gleich diese komischen kleinen Dinger brav niederlegen und gehen da hoch und setzen uns friedlich auf Treppe und zeigen Präsident Trump, dass wir den Weltfrieden wollen und dass wir die Schnauze gestrichen voll haben. Wir haben gewonnen."

Schon am Freitag war K. vor der russischen Botschaft in Berlin aufgetreten. Auch davon gibt es ein Video:

In dem Video kündigt sie an, "dass wir morgen vereint dafür sorgen werden, dass diese BRD-Fake-Regierung abgewickelt wird. Wir wollen den Friedensvertrag." Damit gibt sich K. als Anhängerin der Reichsbürger zu erkennen, die die BRD nicht als rechtmäßigen Staat anerkennen, da es nach dem Zweiten Weltkrieg nie einen richtigen Friedenvertrag gegeben habe.

Reichsbürger sehen sich deshalb auch dazu legitimiert, das staatliche Gewaltmonopol nicht anzuerkennen und selbst Quasi-Staaten zu gründen, in denen ihr eigenes Recht gilt. Den Friedensvertrag wollten zahlreiche Demonstranten, die zu den Corona-Protesten angereist waren, am Wochenende mit Russland und den USA schließen.

Im Zuge der Demonstration von Rechtsradikalen und Reichsbürgern vor der russischen Botschaft am Samstag war es zu Krawallen gekommen. Rund 200 Personen wurden festgenommen, darunter auch der selbsternannte Reichskanzler und frühere Vegan-Influencer Attila Hildmann.

In dem Video ist zu sehen, wie sich K. in Richtung der Botschaft wendet und die Mitarbeiter bittet, am Samstag auf die Demonstranten aufzupassen, die für ihre Freiheit kämpfen.

In K.s Heimatort Roetgen selbst weiß man wenig über die Frau mit den Dreadlocks. Nachbarn erzählen lediglich, dass sie schon länger von ihrem Mann getrennt leben würde und auch Kinder habe.

“Es gibt wenig bis gar kein Kontakt zu anderen Bewohnern des Ortes”, heißt es von einem Nachbarn. Ab und zu würde das Ordnungsamt bei K. vorbeikommen, da sie angeblich “zu laut trommeln" würde.

Über die Kontakte der Heilpraktikerin in die Reichsbürgerszene hört man in Roetgen zum ersten Mal. Allerdings berichtet eine Anwohnerin, davon dass vor dem Haus immer wieder Autos mit Ravensburger Kennzeichen auftauchten. Diese seien in der Gegend höchst ungewöhnlich, so die Nachbarin. Ravensburg hat seit Jahren eine stetig wachsende Reichsbürger-Szene zu verzeichnen.Auch ihre Naturheilpraxis scheint wenig bekannt zu sein.

Lediglich zwei Bewertungen hat sie auf Google vorzuweisen. Beide User vergeben einen von fünf Sternen. Einer schreibt dazu: “vorsichtig formuliert: schräg drauf.”

Ob Tamara K. die Praxis überhaupt noch betreibt, ist unklar, die Website ist offline, ebenso ist unter der angegebenen Festnetz-Nummer niemand zu erreichen. Der Tagesspiegel kann sie dennoch kontaktieren.

Tamara K. möchte dem Tagesspiegel am Telefon keinerlei Details über ihr Privatleben verraten. Sie würde seit Samstag ständig bedroht und hätte bereits ihre Kinder evakuieren müssen, so K.

Für die Frau sind die Fakenews, die zur versuchten Erstürmung des Bundestages geführt haben, keine Falschinformationen: “Es ist keine Fehlinformation, dass Trump in Berlin war. Unsere Informanten haben uns eindeutige Beweise geliefert.”

Details, wie die Höhe der amerikanischen Flagge am Fahnenmast der US-Botschaft sowie die Beleuchtung des Botschaftsgebäudes hätten darauf hingedeutet, so K.

Die Heilpraktikern stand selbst auf den obersten Stufen der Treppe zum Bundestag. Ein unglaubliches Gefühl sei das gewesen, man sei sehr glücklich über die entstandenen Bilder: “Die Welt sieht endlich, was in unserem Land abgeht.”

Der Polizei war am Montag zunächst unklar, wer dort auf der Bühne gestanden hatte. Polizeipräsidentin Slowik sagte am Montagvormittag im Innenausschuss: „Von unbekannt gebliebener Sprecherin auf Bühne wurde dazu aufgerufen, geschlossen die Treppe zu stürmen.“




Aus: "Das ist die Frau, die zum Sturm auf den Reichstag rief" Julius Geiler (31.08.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/heilpraktikerin-aus-der-eifel-das-ist-die-frau-die-zum-sturm-auf-den-reichstag-rief/26142914.html

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tobi_t 12:29 Uhr

Diese Szenerie belegt ja ganz schön, dass diese ganze Demo wie ein Freiluft-Kindergarten mit schwer erziehbaren Kindern wirkte. Die Bilder vom Bundestag sind allerdings nicht schön. Es sieht so aus, als ob die Bundesrepublik zu einer ehemaligen sowjetischen Republik mutiert ist, die destabilisiert werden soll. Es fehlen nur noch die grünen Männchen ;)

Insgesamt fürchte ich, dass diese kleine Bewegung zu viel Aufmerksamkeit erhält. Es sind und bleiben Sektierer.


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royalflush 14:36 Uhr

Bei den Grünen in Krefeld, beim Institut für politische Schönheit und bei Jan Böhmermann läuft so etwas unter "Satire". Selbst Schuld, wenn man es ernst nimmt.


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FWE66 14:15 Uhr

Tamara K. die "Jeanne d’Arc" der Corona Krise oder "Der Sturm auf den Reichstag". Ich freue mich schon auf die Verfilmung. Wird wahrscheinlich so eine Art, Ritter der Kokosnuss.


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marla44 14:13 Uhr

    Lediglich zwei Bewertungen hat sie auf Google vorzuweisen. Beide User vergeben einen von fünf Sternen. Einer schreibt dazu: “vorsichtig
    formuliert: schräg drauf.”


Das ist Journalismus wie er seien muss!


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PaAllgZ 14:09 Uhr

In Deutschland sind seit dem 18. Jahrhundert Megatonnen an esoterischer Literatur produziert, gelesen und in Bücherregale einsortiert worden. Mit schweren Folgen.
Mit den sozialen Netzwerken und Echtzeitmedien leben nun die ganzen zivilisationskritischen geistigen Buchstaben-Gebilde in neuer, humanoid adaptierter und erzählter Form wieder auf.
Um zu beurteilen. ob die Protagonistinnen und Protagonisten im Kopf noch ganz echt sind, hilft nur das Faivre-Paradigma:

Antoine Faivre versteht Esoterik als bestimmte Art und Weise des Denkens:

- in Entsprechungen
- in lebendiger Natur
- Imagination und Meditation
- Erfahrungen der Transmutation (Erleuchtung, 2. Geburt u.a.).

Zusammen mit fehlender Kommunikation mit "Nicht-Gleichgesinnten" und der zwangsläufig einhergehendern mangelnden Falsifikation der Narrative, entsteht in den Köpfen vor den Bildschirmen an den Internet-Endgeräten ein Endzeit-Szenario eines neuen Mittelalters:
Die Menschen spiegeln sich selbst, bestätigen sich und gebären immerneue Repräsentationen, die Kontroll-Illusionen enthalten und zu Schlußfolgerungen führen, die vernünftig gebildete Menschen und Kommunikationswissenschaftler nur als "Verschwörungstheorien" beschreiben vereinfachen können.
Tatsächlich ist die offene Gesellschaft zerfallen, in eine Vielzahl narrativer Wirklichkeiten und Erzählwelten.
Die Zivilisation driftet so in den IRRSINN!  Bunte Fahnen kaschieren nur das Chaos in den Köpfen!
Die Lage ist so deppert, so fatal und so schrecklich komisch, dass nur noch ein GROSSES HOMERISCHES LACHEN den geistigen Kehraus der verpeilten Narrative bringen kann!


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lieselotta 14:34 Uhr

Antwort auf den Beitrag von PaAllgZ 14:09 Uhr
"Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer" – ein Bild, geschaffen von Goya am Ende des 18. Jahrhunderts, bringt das zeitgenössisch schon auf den Punkt. Könnte man glatt als Flugblatt auf den aktuellen Demos verteilen, aber wahrscheinlich ist das für die Teilnehmer intellektuell zu überfordernd.


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Bronstein 13:46 Uhr

Veganer, Heilpraktiker, Homöopaten, Telepaten, Impfgegner, Waldorfler, Weltfriedensapostel, Hellseher, Strahlenwarner - eigentlich das Volk, das in der Gegend um Stuttgart die Grünen zur Macht gebracht hat. Jetzt, wo es ihnen zu bunt wird, schreien sie "Gefahr von rechts". De facto ist es die Fortsetzung der Irrenoffensive der frühen 1970er.


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GEO65 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr
Na ja, ob das die Grünen waren? Meiner Erfahrung mit der Impfgegnerszene ist: Der Süden von Deutschland, ganz Österreich und die Schweiz haben ein Problem mit der esoterischen Branche - aber, es wird gut Geld damit verdient!


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beerlien 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr
Gute Beschreibung des Hufeisens neuen Typs. Kanzlerkandidaten-Kandidat Habeck mußte nicht ohne Grund die Positionsbestimmung der Grünen zur Homöopathie 2020 abbrechen, die die Partei seit Jahrzehnten spaltet. Die Grenzen zu "Extinction Rebellion" und ähnlichen Esoterikern der neuen Klimareligion dürften fließend sein. Selten zeigte sich  das Links/Rechts-Schema von 1789, das in seiner langen Karriere zu dem Basiswerkzeug der deutschen Innenpolitik schlechthin hochstilisiert wurde, so nutzlos wie bei diesem Operetten-"Sturm" auf den Bundestag.


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petolinnun 14:35 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr
Das ist nicht falsch, was Sie da schreiben. Gerade im Südwesten, wo ich herkomme, ist anthroposophes Denken tief verwurzelt. Da mischt sich gerne die badische Revoluzzertradition der 48er Revolution und Jugendbewegungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts mit steinerschen Ideen und allerlei Hokuspokus. Oft werden davon Damen mittleren Alters, oft Akademikerinnen, vom Wahn befallen, das konnte man beispielsweise gut an meiner damaligen Zahnärztin und der örtlichen Apothekerin sehen. Absolute Impfgegnerinnen, Teilnehmerinnen von Schamanen- und Hexenhappenings schon in den 80ern, aber sonst fachlich durchaus auf der Höhe. In der Zeitschrift Schrot und Korn werben auch gerne Kliniken von dort für zweifelhafte Heilmethoden. Ausser bei der Merz Akademie in Stuttgart, die seit dem Neustart in den 90ern nicht mehr befallen ist, finden sich immer noch viele anthroposophische Merkwürdigkeiten in der Merz Schule und dem Merz Kindergarten. Das hat aber nicht nur im Südwesten Tradition, auch in Sachsen haben solche Strukturen die Zeiten überdauert. Das wissen viele Leute überhaupt nicht. Auch zu Beginn der grünen Bewegung in den frühen 80ern sammelten sich viele dieser Leute unter den Fundis der neuen Partei. Oft sind die wirklich gebildet, aber eben oft auch sehr offen für hanebüchenen Schmarrn.


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Pedroleum 14:49 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr

    Veganer, Heilpraktiker, Homöopaten, Telepaten, Impfgegner, Waldorfler, Weltfriedensapostel, Hellseher, Strahlenwarner - eigentlich das Volk,
    das in der Gegend um Stuttgart die Grünen zur Macht gebracht hat. Jetzt,
    wo es ihnen zu bunt wird, schreien sie "Gefahr von rechts". De facto
    ist es die Fortsetzung der Irrenoffensive der frühen 1970er.


Nein, das ist eher eine erfolgreiche Vereinnahmung von rechts. Das passiert genannten Gruppierungen nicht zum ersten Mal. Und vor allem in Berlin kann man Vereinnahmungsversuche von eher linken Gruppierungen durch rechtsradikale bis rechtsextreme Aktivisten immer wieder beobachten: So gab es z. B. in der Gründungsphase der Grünen in Westdeutschland Versuche, die noch junge Partei von rechts zu unterwandern, besonders in Berlin. Allerdings blieb es damals bei Versuchen (Siehe den Abschnitt "Gründung erster Landesverbände 1979 und der Bundespartei 1980 auf Wikipedia und die dortigen Quellen" [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCndnis_90/Die_Gr%C3%BCnen#Geschichte]).

Mehr Erfolg hatten hingegen die Mahnwachen für den Frieden [https://de.wikipedia.org/wiki/Mahnwachen_f%C3%BCr_den_Frieden] in den Jahren 2014 bis 2016, die an die Friedensbewegung anknüpften. Die ersten Mahnwachen fanden in Berlin statt und Linke nutzen für diese Mahnwachen eine Bezeichnung, die auf die rechte Vereinnahmungsversuche während der Zeit der Weimarer Republik zurückgeht: Querfront.


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Luisa_f 13:46 Uhr

Dass die Dame Heilpraktikerin ist, muss nicht erwähnt werden, denn es spielt keine Rolle. Außer, die Medien haben - wieder einmal - im Sinn, alles, was mit alternativen Heilmethoden zu tun hat, als "eso" zu verunglimpfen (ohne dabei zu wissen, was "Esoterik" wirklich bedeutet).
Das ist unsachliche und falsche Stimmungsmache und seriöser Journalistik nicht würdig.
Es gibt kein Schwarz-Weiß. Es gibt kein "Schulmedizin = gut, Alternativmedizin = Scharlatanerie, Rechtsextremismus etc.

Die (voll abzulehnende) politische Ideologie jener Dame hat mit ihrem Beruf nichts zu tun.


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FiffiKronsbein2 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

Hmmm, lassen Sie mich raten: SIE sind Heilpraktikerin?


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Pat7 14:31 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass fast immer bei potenziellen Straftätern die Berufe mit genannt werden? ...


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GEO65 14:23 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

    Dass die Dame Heilpraktikerin ist, muss nicht erwähnt werden, denn es spielt keine Rolle. Außer, die Medien haben - wieder einmal - im Sinn, alles, was mit alternativen Heilmethoden zu tun hat, als "eso" zu verunglimpfen (ohne dabei zu wissen, was "Esoterik" wirklich bedeutet).
    ...
    Die (voll abzulehnende) politische Ideologie jener Dame hat mit ihrem Beruf nichts zu tun.


Stimmt, eine kleine Minderheit der Heilpraktiker*innen sind nicht auf der Eso-Tour.


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Karausche 14:33 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

Allerdings vereinfachen Sie auch, wenn sie alternative Heilmethoden und Heilpraktiker in einen Topf werfen. Wenn mir ein Arzt Akkupunktur anbietet und eine entsprechende Ausbildung hat nehme ich die Alternative gerne an. Heilpraktiker müssen lediglich eine Prüfung bestehen- nichteinmal eine Schule besuchen, keinerlei medizinische Ausbildung haben! Und was da alles als "Heilmethode" über Heilpraktiker angeboten wird schüttelt ein Schwein!!!


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pucky 13:46 Uhr

    dass vor dem Haus immer wieder Autos mit Ravensburger Kennzeichen auftauchten. Diese seien in der Gegend höchst ungewöhnlich, so die
    Nachbarin. Ravensburg hat seit Jahren eine stetig wachsende
    Reichsbürger-Szene zu verzeichnen


Soll das Journalismus sein? In der Strasse steht ein Auto mit Ravensburger Kennzeichen, muessen wohl Reichsbuerger sein. Auch die ganze Puzzle-Industrie ist von Reichsbuergern unterwandert. Sie erkennen die demokratische Grundordnung nicht  an.


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Eispickel 14:14 Uhr
Antwort auf den Beitrag von pucky 13:46 Uhr

Gut erkannt, sieht man doch in jedem Spielzeugladen wie die Ravensburger intakte Bilder buchstäblich "verhackstücken".
Und das Autokennzeichen aus Gütersloh im Freistaat Bayern unangenehm auffielen, hatten wir vor einigen Wochen, das wird jetzt scheinbar zu einer neuen Trendsportart.


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Harzgeist 13:30 Uhr

Die Frau mag merkwürdig und verschroben sein, Ansichtsache und ihr gutes Recht.

Aber der ehemalige Staatsekretär im Verteidungsmisterium Wlly Wimmer CDU schrieb auch einiges zum Thema Friedensvertrag und Deutschland als unsouveräner, gehorsam- und tributpflichtiger Vasall der USA.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=43809

...


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niels 13:25 Uhr

2020. Das Jahr wo die Klima-Kids sich wie Erwachsene benehmen und die Boomer-generation wie spinner.


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tca 14:53 Uhr
Antwort auf den Beitrag von niels 13:25 Uhr

Das haben Sie schön ausgedrückt.
Ich glaube nicht an den Kinderfresserscheiß und auch nicht an den Reichsbürgerquatsch.
Aber ich frage mich schon sehr, warum gerade gefühlt die halbe Republik anfängt total am Rad zu drehen.
Weiß man eigentlich, wer hinter Q Anon steckt?


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FWE66 13:17 Uhr

Kann mich einer anrufen, wenn's mal wieder andere Themen gibt?


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kolorit 12:59 Uhr

Zack. Und schon ist die Dame berühmt  und kann bei Big Brother mitmachen.


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gehirnstein 13:09 Uhr

Gibt es eine Krankenkasse die NICHT für Homöopathie und Heilpraktiker bezahlt? Würde ich sofort hinwechseln.


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Palolo 12:57 Uhr

    Tamara K. möchte dem Tagesspiegel am Telefon keinerlei Details über ihr Privatleben verraten.

Das ist ja unerhört!


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lilli90 12:56 Uhr

Unter einer Website zur alternativen Therpaeutensuche liest man, dass Tamara K. anthroposophische Medizin betreibt.
Das wundert mich nicht, setzt sich doch vermutlich ein großer Teil der Truppe vom Wochenende aus Anhängern der esoterischen Schwurbeleien Rudolf Steiners zusammen, bei den Impfgegnern jedenfalls sind sie führend.


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P.U.Baer 12:53 Uhr

Aus gut unterrichteten Kreisen habe ich erfahren, daß Lebewesen, die in Deutschland schwarz-weiß-rote Fahnen schwenken, in Wirklichkeit reptiloide Aliens sind, die die Menschen in Deutschland unterjochen und vernichten wollen.


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purist 12:41 Uhr

Das kommt dabei raus, wenn man von Globuli berauscht ist?


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Motoko 12:37 Uhr

In gesellschaftlichen Stress-Situationen erschaft sich "der historische Moment" (oder das was manche dafür halten)
im guten als auch im schlechten ihre Charaktermasken.
Es sind die selbsternannten "Volkstribunen", die sich auf eine heilige Mission zur Erlösung (gegen Heiden / für das Vaterland)
befinden.
Sei es Lutz Bachmann bei der Pegida
oder nun Michael Ballweg bei den Corona-"Rebellen".

Und natürlich finden sich auch mehr oder weniger "erwachte" und "erleuchtete" (oder durchgeknallte) Jünger und Boten, die die frohe oder schlechte Kunde allen kundtun.
Kathrin Oertel und Tatjana Festerling "wirkten" da intensiv bei der Pegida mit (deren Höhepunkt die Demo im Januar 2015 mit 25.000 Teilnehmer war, natürlich auch mit Übertreibungen, jedoch nie so abartig extrem wie jetzt).

Und so offenbart sich nun Tamara K., die Wissende.
Wir dürfen gespannt sein, welche weiteren "Heilsbringerrin" uns die brodelnde Mengelage bescheren wird.


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Franziziska 12:29 Uhr

Lieber Tagesspiegel, bitte hört doch auf, die Narrative der Rechten zu verwenden und vom "Sturm auf den Reichstag" oder "stürmen" zu schreiben. Andere Medien schaffen das doch auch, bei Ihnen fällt dies immer wieder unangenehm auf. Es ist Wasser auf die Mühlen der Rechtsextremen, füttert deren Größenwahn und überhöht und heroisiert die ganze Aktion. Das kann niemand wollen; präzise Sprache ist doch eine Grundaufgabe guten Journalismus.


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tca 15:20 Uhr

Antwort auf den Beitrag von MaerkerinderMark 12:22 Uhr
... Meine Kinder haben irgendwann angefangen zu begreifen, was Märchen sind und was nicht. Sie haben ein Gespür für die Wirklichkeit entwickelt. Dieser Entwicklungsschritt fehlte am Samstag offenbar knapp 40 000 Leuten.


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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #41 on: September 03, 2020, 03:24:04 PM »
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[...] Als am 28. Februar 1933 der Reichstag brannte, wurden die Flammen zum Fanal des Untergangs. Sie markieren das Ende der ersten deutschen Demokratie. Hitler, vier Wochen zuvor zum Reichskanzler ernannt, nutzte das Ereignis, um mittels der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ seine Macht auszubauen. Am vergangenen Wochenende war das Reichstagsgebäude wieder Schauplatz einer bizarren Versammlung. Antidemokraten versuchten, ein Zeichen zu setzen.

Die Grundrechte der Weimarer Verfassung galten nicht länger. Gegner des Nationalsozialismus, unter ihnen viele kommunistische Abgeordnete, wurden inhaftiert. Erste Konzentrationslager entstanden. Angst regierte. Wer konnte, floh. Der Theaterkritiker Alfred Kerr tauchte unter und rettete sich nach Prag. Seine Tochter Judith Kerr beschreibt den Abschied in ihrem Erinnerungsbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Vorhergesagt worden war der Reichstagsbrand von Erik Jan Hanussen. Der „Hellseher“ hatte das Übernatürliche zum erfolgreichen Geschäftsmodell gemacht. In seiner „bunten Wochenschau“, einer astrologischen Zeitschrift mit einer sagenhaften Auflage von 140 000 Exemplaren, schrieb er von einem bevorstehenden kommunistischen Anschlag. Als er am 26. Februar 1933 in der Lietzenburger Straße einen „Palast des Okkultismus“ eröffnete, orakelte er über einen Großbrand.

Hanussen hieß in Wirklichkeit Hermann Chajm Steinschneider, er war auch kein Däne – wie er behauptete –, sondern Österreicher und hatte seine Karriere als Zauberkünstler begonnen. Obwohl er Jude war, begeisterte er sich für Hitler. Hanussen/Steinschneider ist im März 1933 von einem SA-Kommando verhaftet und „auf der Flucht“ erschossen worden. Lion Feuchtwanger diente er als Vorbild für den Telepathen Oskar Lautensack in seinem Gesellschaftsroman „Die Brüder Lautersack“.

Die Verbindung von Esoterik, Verschwörungstheorien und Rechtsextremismus, wie sie sich bei der von der Initiative Querdenken 711 veranstaltete Berliner Corona-Demonstration zeigte, hat eine lange Tradition. Sie reicht mindestens ins 19. Jahrhundert zurück, im Kern handelt es sich bei dem ideologischen Amalgam um eine Gegenbewegung zur Moderne und ihren Zumutungen. Dabei flossen Heilserwartungen und Fortschrittsskepsis ineinander, immer schon ging es um alternative Wahrheiten. Auf komplizierte Fragen mussten einfache Antworten gefunden werden. Manchmal wurden sie auch von Toten gegeben, die bei spiritistischen Sitzungen zu reden begannen.

Esoterik, im Altgriechischen der Begriff für Innerlichkeit, bezeichnet einen anti-intellektuellen Weg zur Erkenntnis, der nur demjenigen zugänglich ist, der sich spirituell öffnet. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, von dem Historiker Joachim Radkau „Zeitalter der Nervosität“ genannt, war eine Ära rasanten technischen Aufschwungs, boomender Industrialisierung und mäandernder Sinnsuche. Zwar waren Dampflok, Telegraf und das elektrische Licht erfunden worden. Doch was fehlte, war Orientierung.

 In seinem Roman „Der Zauberberg“ beschreibt Thomas Mann gleich zwei Wunder. Die in einem Schweizer Sanatorium versammelte Gesellschaft von Kranken und Genesenden lauscht staunend der aus einem Grammophon klingenden Musik, „es war ein strömendes Füllhorn heiteren und seelenschweren künstlerischen Genusses“.

Kurz danach werden tischerückend Geister angerufen. „Ist eine Intelligenz zugegen?“, wollen die Patienten wissen. Nach kurzem Zögern kippt das Glas auf dem Tisch, was heißt: Der Geist bejaht. Thomas Mann hatte selbst an einer spiritistischen Sitzung teilgenommen, bei der ein Taschentuch zum Schweben gebracht wurde. Eine Erfahrung, über die er später spottete.

Man mag den wilhelminischen Spuk für Hokuspokus halten, aber unterscheidet ihn wirklich so viel von den Methoden heutiger Kryptoaktivisten und Parawissenschaftler? „Mainstream“-Bezweifler erkennen in den Kondensstreifen von Flugzeugen („Chemtrails“) Bedrohungslagen oder besitzen Geheimwissen über unterirdische Menschenexperimente („QAnon“). Und ist tatsächlich sicher, dass die Erde eine Kugel ist und keine Scheibe? In den Tiefen des Internets lassen sich die wildesten Thesen finden.

 Esoterik ist eine Form der Gegenaufklärung. Sie unterliegt Moden, alles kehrt irgendwann wieder. Um 1900 war der Wunsch nach einem radikalen Neuanfang, nach Umdenken und Alternativen besonders groß. In der Lebensreformbewegung bündelten sich Sehnsüchte. Zu ihrem Symbol wurde der Monte Verità, Berg der Wahrheit, im Schweizer Kanton Tessin.

Dort trafen sich Pazifisten, Vegetarier, Aussteiger, Theosophen und Sonnenanbeter und schufen eine modellhafte, auf Partizipation und Gleichheit beruhende Kommune. Der Wunsch, zur Natur zurückzukehren, war groß. Nietzsche hatte in seinem Buch „Jenseits von Gut und Böse“ den „homo natura“ zum Vorbild ausgerufen.

Hermann Hesse kletterte nackt über Felsen, schlief in einer Holzhütte und ernährte sich von Beeren. Er hoffte, wie in seinem autobiografisch grundierten Roman „Peter Camenzind“ formuliert, „auf den Herzschlag der Erde zu hören, am Leben des Ganzen teilzunehmen“. Auch Erich Mühsam reiste an, sah sich aber von seiner Vision eines „großen sozialen Versuchs“ enttäuscht.

Den Ernährungsregeln widmete er ein Schmähgedicht: „Wir essen Salat, ja wir essen Salat / Und essen Gemüse von früh bis spat. / Auch Früchte gehören zu unsrer Diät./ Was sonst noch wächst, wird alles verschmäht.“

 Am Ende zerstritten sich die Gründer der Bergbehausung, wobei es auch um die Frage ging, wie sehr die Unterkunft kommerzialisiert werden solle. Doch die Ideen, die dort den Schritt von der Theorie in die Praxis schaffen sollten, leben weiter. Sie finden sich noch bei den Grünen, die sich 1980 in ihrem ersten Parteiprogramm gegen eine „eindimensionale Produktionssteigerungspolitik“ wandten und forderten, „uns selbst und unsere Umwelt als Teil der Natur zu begreifen“. Die Lebensreformbewegung, zu der auch Rudolf Steiners Anthroposophie gehört, verzweigte sich in sozialistische, anarchistische und völkische Stränge.

Verzicht zu üben, aufs Land zu ziehen und sich selbst zu ernähren, das blieb der Versuch, eine Utopie im Kleinen zu verwirklichen. Während der Weimarer Republik ließen sich mitunter linke gleich neben rechten Projekten nieder. „Heimland“ nannte sich eine völkische Siedlung bei Rheinsberg, ins Leben gerufen von einem antisemitischen Publizisten. Nur wenige Kilometer weiter bei Neuruppin orientierte sich die Handwerkerkommune Gildenhall an sowjetischen Wirtschaftsformen und der Bauhaus-Ästhetik.

War der Nationalsozialismus nicht auch eine anti-rationale Bewegung, vielleicht die größte, die Deutschland hervorgebracht hat? Ihre Ideologie entwickelte sich aus rassistischen, sozialdarwinistischen und pseudoreligiösen Versatzstücken. 1943 – dem letzten Jahr, aus dem gesicherte Zahlen vorliegen – hatte die NSDAP 7,7 Millionen Mitglieder.


Aus: "Esoterik und Extremismus: Geister, die sie rufen" Christian Schröder (02.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/esoterik-und-extremismus-geister-die-sie-rufen/26144918.html

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« Reply #42 on: September 28, 2020, 10:13:30 AM »
Quote
[...] Der aktuelle Vorstoß des Verbands der deutschen homöopathischen Ärzte deutet auch auf einen tiefen Riß in der medizinischen Voodoo-Szene hin. Im März dieses Jahres hatte sich der Verband überraschend klar auf die Seite der evidenzbasierten Medizin geschlagen. Er stellte sich ostentativ hinter die Empfehlungen des Robert-Koch-Insitituts und mahnt seine Mitglieder "hinsichtlich jeder Art von homöopathischen Vorsorge- oder Therapie-Empfehlungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus“ zurückhaltend zu sein. Diese Empfehlung kam nicht gut an bei jenen Ärzten, die als homöopathische Hardliner den Tanz rund ums magische Lagerfeuer anzuführen pflegen.

Welche bizarren Blüten das homöopathische Selbstbewusstsein treiben kann, zeigt ein Beitrag des deutschen PR-Beraters Christian J. Becker. Er gibt mit seinem Homöopathie-Watchblog den Mann fürs Grobe im Zuckerkugel-Lobbyismus. Er macht seit Monaten Stimmung für homöopathische Corona-Behandlungen. In einem Beitrag behauptet er ernsthaft, dass die Homöopathie schon bei Cholera-Epidemien im 19. Jahrhundert 92 Prozent der Erkrankten geheilt hätte. Auch bei der spanischen Grippe hätte die Homöopathie wundersame Erfolge gefeiert. Nur ein Prozent der in Krankenhäusern homöopathisch behandelten Kranken sei verstorben. Bei den konventionell Behandelten wären es 30 Prozent gewesen.

Die Aktion der deutschen Homöopathen sorgt in Skeptikerkreisen bereits für erheblichen Widerstand. Die Ärztin und Autorin Natalie Grams nennt die Dinge beim Namen: Heilpraktiker, Anthroposophen und Homöopathen werden mit ihren Einzelfallberichten zur Heilung von Corona-Kranken zu einer allgemeinen Gefahr. (Christian Kreil, 28.9.2020)


Aus: "Stiftung Gurutest: Deutsche Homöopathen starten Placebo-Offensive gegen Corona" (28. September 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000120257450/deutsche-homoeopathen-starten-placebo-offensive-gegen-corona

https://homoeopathiewatchblog.de/2020/01/31/durchbruch-fuer-homoeopathie-bei-behandlung-von-epidemien-4-beispiele-fuer-erfolge-bei-cholera-typhus-spanischer-grippe-encephalitis/

Quote
Gereon

Hilft's nix schad's nix

wenn es die Leute beruhigt? Besser, als wenn sie zu saufen anfangen. Auch Placeboeffekte helfen manchmal. Und eine Stärkung des Immunsystems ist sicher nicht verkehrt. Dass Homöopathie weder eine schulmedizischen Behandlung noch eine Impfung ersetzt, ist eh klar. Aber diese Leute zu einer "allgemeinen Gefahr" hochzustilisieren, halte ich für stark übertrieben.


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Huge

Das sind doch alle nur Globulisierungsgegner!


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Unendliche Unwahrscheinlichkeit

Bin gegen jede Art von Placebophobie (Und Behandlungsmethodenrassismus)


Quote
Gib Komplexen keine Chance!

Ah, die selbstgerechte Meinungspolizei schlägt wieder zu. ...


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NeuerPostingname

Eine Meinung kann man zB zu sozialen Fragen haben. Dass Globuli Schwachsinn ist, ist genauso wenig eine "Meinung" wie dass 5 größer als 2 ist.


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Kommentator2

Meine Frage ist: Führt die homöopathische Behandlung von Kindern, wo sie lernen bei stressbedingten Symptomen wie Bauchschmerzen "Medikamente" einzunehmen, zu einem höheren Risiko der Medikamentenabhängigkeit oder generell Substanzabhängigkeit (Alkohol,...) im Erwachsenenalter?


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weiß es besser

Ich pinkel immer bei Vollmond untern Apfelbaum.
Die Äpfel brenne ich zu Schnaps und wenn ich traurig bin trinke ich davon.
Leider schaffe ich es noch nicht den richtig zu potenzieren, ich benötige immer ganze Flaschen davon.

Kann es sein, dass ich ihn nicht richtig schüttle?


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luke46

Schütteln darf man nur als Mann nach dem Lulu...

Um die richtige Potenz zu erwischen müssens nackt im Garten um 20 nackte Einhörner tanzen und gleichzeitig die Flasche rechts drehen....


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Guenther1964

Wen?


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cloudius

John Lennon wurde mal gefragt was er werden will.
Er sagte "Ich will glücklich werden"
Daraufhin sagte der Fragesteller "Du hast die Frage nicht verstanden"
Lennon antwortete "Nein, Sie haben das Leben nicht verstanden!"
Ich liebe die Homöopathie + sie liebt mich ;-)


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laendletigerin

John Lennon hat aber nicht gesagt "Ich möchte irrational dumm werden."


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LukasA.

Alle paar Monate wieder ein Artikel gegen alternative Medizin oder gegen Impfgegner. Schade, dass der Standard das nötig hat.


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Arjuna, the beautiful

Der Homöopathiehass hier wird langsam pathologisch.


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ninjagulbi

Ich verstehe immer noch nicht wie Homöopathie in Arztpraxen und Apotheken erlaubt sein kann, diese Sachen gehören zum Zuckerbäcker oder in Scherzartikelshops.
Gibt's denn kein Globuli gegen Dummheit?


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RyuRyu

Was spricht Dagegen Homöopathie zu verwenden wenn es einvernehmlich zwischen Arzt und Patient geschieht?


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IcemanX97

Echt jetzt?


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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #43 on: October 28, 2020, 05:12:43 PM »
Thema: Rudolf Steiner (1. Oktober 2020)
Peter Selg über Anthroposophie und den Rassismus-Vorwurf.
Gesellschaft und Medizin im totalitären Zeitalter
von Michael Mentzel
https://www.themen-der-zeit.de/thema-rudolf-steiner/

"Anthroposophie: Von der geheimen Geschichte überzeugt" Marco Gallina (09. Oktober 2020)
Der Religionswissenschaftler Helmut Zander bezeichnet die Anthroposophie in der fluiden deutschen Esoterik-Szene als ausgesprochen "stabilen Faktor" - und er sieht Schnittmengen zwischen Katholizismus und Anthroposophie. Das Herz der Anthroposophie schlägt in der Überzeugung, dass es eine geistige Welt gibt und dass man sie mit übersinnlichen Mitteln erkennen kann. Aber die Anthroposophie ist nicht in der Theorie stecken geblieben und beansprucht, diese höhere Erkenntnis in die Praxis umzusetzen. ...
https://www.die-tagespost.de/politik/aktuell/anthroposophie-von-der-geheimen-geschichte-ueberzeugt;art315,212588

"Wie tief verwurzelt ist das esoterische Denken?"  Marco Gallina (09. Oktober 2020)
Impfgegnerschaft und Alternativmedizin: Die Antroposophie Rudolf Steiners definiert sich nicht als Religion, hat aber parallelgesellschaftliche Züge entwickelt. Wie weit diese reichen, zeigt sich im Zuge der Demonstrationen von Gegnern der Anti-Corona-Maßnahmen besonders deutlich. ...
https://www.die-tagespost.de/politik/aktuell/wie-tief-verwurzelt-ist-das-esoterische-denken;art315,212546

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #44 on: December 20, 2020, 06:28:49 PM »
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[...] In den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen schließen sich unterschiedliche Milieus gegen „die da oben“ zusammen, beobachtet der Religionswissenschaftler Andreas Grünschloß. Der Glaube an eine „alternative Weltsicht“ verbinde Esoteriker, Fundamentalisten und Rechtsextreme, sagte er im Dlf.

Christian Röther: Herr Grünschloß, was verstehen Sie als Religionswissenschaftler unter dem Begriff „Esoterik“?

Andreas Grünschloß: Der Begriff Esoterik ist etwas schwammig, wird auch meistens heute etwas breiig gebraucht. Zunächst mal bezeichnet er das Innere – oder auch dann in seiner Verwendung häufig das Geheime. Also gerade im religiösen Zusammenhang spricht man von esoterischen religiösen Traditionen, also solche Traditionen, wo der Zugang zu dem eigentlichen wichtigeren religiösen Wissen nicht allen zugänglich ist, sondern nur einem Kreis von Eingeweihten. Also religiöse Traditionen, die so eine Art Initiation brauchen, um die Leute eben in bestimmten Stufen eventuell auch an die inneren Geheimnisse heranzuführen. Man könnte sagen: Esoterische Religiosität ist eigentlich eine Geheimreligiosität.

Das Ganze ist dann so ein bisschen ein Widerspruch, weil eigentlich bezeichnen wir mit Esoterik heute alle die nicht in großen, verfassten religiösen Traditionen operierenden Diskurse, sondern Gruppierungen oder auch Einzelakteure, die eine modernere, alternative Weltsicht, häufig auch eben durch Inputs aus verschiedenen religiösen Traditionen, betreiben.

Und wenn man versuchen möchte, zusammenzustellen, was charakterisiert das, was wir mit Esoterik meinen, dann meinen wir damit eben religiöse Weltdeutungen, die zum einen eine Art von einem spirituellen höheren Selbst im Menschen annehmen – also, wenn man mit einem indischen Begriff arbeiten möchte, eine „Atman“-artige Seelensubstanz, die den Kern der eigentlichen Person bildet.

Daher finden Sie eigentlich auch fast durchgängig in den esoterischen Traditionen die Vorstellung von Wiedergeburt beziehungsweise Reinkarnation, dass eben genau dieser Seelenkern sich immer wieder verkörpert. Teilweise ist das auch weltbildartig dann ausgeweitet, dass eben auch das gesamte Universum, die gesamte Welt lebendig ist – also die Gaia-Hypothese, dass auch die Erde ein Organismus ist, eben auch so eine Atman-artige Seelensubstanz besitzt. Also das wäre so der eine Punkt, der sehr häufig anzutreffen ist.

Dann Entsprechungen zwischen dem, was im Mikrokosmischen und im Makrokosmischen vorgeht. Also ein bestimmter Laut, so wie in der indischen Mantra-Meditation, hat eine Auswirkung nicht nur auf meine Psyche und auf meine Seele, sondern setzt in der Umgebung auch makrokosmische Entsprechungen heraus. Das Paradebeispiel wäre etwa die Transzendentale Meditation des Maharishi Mahesh Yogi, der gesagt hat, wenn ein bestimmter Prozentsatz von Meditierenden in einer Stadt sind, dann wird die Kriminalitätsrate runtergehen, wird das sofort eine Auswirkung auf den Makrokosmos haben. Und solche Thesen gab es dann jetzt auch in der Coronazeit, dass eben durch den Einsatz von Meditation tatsächlich auch das Virus wegmeditiert, eingedämmt werden könne.

Röther: Und jetzt fällt der Begriff Esoterik eben öfters in Zusammenhang mit den Corona-Protesten in Berlin jetzt am Wochenende, aber auch schon vorher. Inwiefern passt dieser Begriff Esoterik auf die Menschen dort, oder auf Teile der Menschen dort, die da gegen die Anti-Corona-Maßnahmen protestiert haben?

Grünschloß: Also in dem Falle, wo es um eine religiös motivierte – die Menschen, die so was vertreten, nutzen nicht so gerne den Begriff Esoterik für sich, zumindest nicht mehr, das war in den 80er- und 90er-Jahren noch ein bisschen anders, häufig ist heute der Esoterik-Begriff so mit Dubiosität und „spinnerter“ Weltsicht verbunden im öffentlichen Sprachraum.

Aber was wir häufig haben, die Idee oder die Sehnsucht danach, den Graben zwischen einer materialistisch ausgerichteten Naturwissenschaft und der spirituell-religiösen, geisteswissenschaftlichen Dimension des Menschen zu überbrücken. Das findet sich seit dem 19. Jahrhundert als durchgehender Tenor bis heute, eine holistische, neue, integrale Wissenschaft zu entwickeln, die beides überbrückt. Deswegen eben auch Offenheit für alternative Heilverfahren, alternative Wissenschaftskonzeptionen.

Und gerade im Bereich von Corona kann man dann natürlich zu Thesen kommen, dass hier eine andere Form von Heilung möglich sein muss als das, was die Autoritäten sagen. Dass vielleicht das, was vorgeschoben wird vor Corona, was ganz anderes ist, dass ganz andere Akteure im Hintergrund virulent sind. Also die Affinität zu Verschwörungstheorien, weil man eben an eine integralere, umfassendere Weltsicht glauben möchte, das ist ein Motiv, das nun Verschwörungstheoretiker, esoterisch gestimmte Menschen, aber auch zum Teil eher rechtslastige Leute oder auf der anderen Seite auch fundamentalistisch-christlich orientierte Leute wieder miteinander vereinen kann bei so einer Demonstration, weil sie sagen, wir kämpfen im Prinzip gegen denselben Feind. Das, was die da oben uns erzählen wollen, ist nicht die wahre Sache, wir haben hier eine alternative Weltsicht. Das wäre so ein vager Anlaufversuch, wo gibt es da Affinitäten.

Röther: Jetzt gibt es Aufnahmen vom Wochenende, wo Menschen dort „Hare Krishna, Hare Rama“ singen am Brandenburger Tor im Kontext dieser Proteste. Also ein Mantra aus dem Hinduismus, das auch aus neuen religiösen Bewegungen, aus der Hare Krishna-Bewegung eben, ISKCON, bekannt ist. Es verwundert auf den ersten Blick trotzdem, dass es jetzt da in Berlin am Wochenende zu hören war. Hat es Sie auch verwundert?

Grünschloß: Natürlich, klar. Ich hätte gedacht, wenn das jetzt eine Demo gewesen wäre in den 70er-Jahren, dann ist das klar, dann haben alle noch irgendwie George Harrison „My Sweet Lord“ im Kopf und haben auch die Bilder von missionierenden Hare Krishna-Anhängern, also die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein, die ihre Büchlein verteilen auf den Straßen. In der Spät-Hippie-Zeit war das immer noch so im Diskurs. Das ist es ja heute eigentlich nicht mehr, auch die Hare-Krishna-Gemeinschaft ist ja weitestgehend aus der sichtbaren Oberfläche vielfach verschwunden.

Aber da war offenbar eine Gruppe dabei, die eben typisch da mit ihren Trommeln unterwegs waren und dieses Mantra gechantet haben. Das ist eben eine neo-hinduistische Bewegung, die in den 60er-Jahren entstanden ist in New York durch Swami Prabhupada, der als neo-hinduistischer Missionar in den Westen kam, um eben die Gottesliebe in Gestalt der Krishna-Verehrung unter die Menschen im Westen zu bringen. Aber das ist eher, würde ich sagen, ein Zufall, dass die halt auch dort waren und dass dann andere da miteinstimmen in den Gesang.

Wie der eine Reporter, der es dann nicht mal identifizieren konnte, was singen die da, was ist das, kenne ich gar nicht. Das ist eigentlich eher anachronistisch fast und eher ein Zufallsprodukt, dass hier nun, weil da eben ein paar Hare Krishna-Anhänger eben das gesungen haben, dann auch mehrere da miteingestimmt haben. Das würde ich jetzt erst mal aus der Ferne versuchen so zu diagnostizieren – so wäre mein Eindruck zumindest.

Röther: Aber, was Sie auch schon sagten, es ist dann ja wiederum kein Zufall, dass eben Menschen, die dieses Mantra kennen, weil sie eben in esoterischen Kontexten unterwegs sind, dort anzutreffen sind. Um das noch mal aufzugreifen, Sie haben es eben schon angedeutet, weil die durchaus eben, ich sage mal weltanschauliche Berührungspunkte haben eben mit Reichsbürgern, Menschen, die an Verschwörungen glauben, Rechtsextremisten. Trifft man sich da in dieser gemeinsamen Ablehnung der bestehenden Ordnung oder in der Esoterik, was Sie genannt haben, dass man sich im Besitz einer höheren Wahrheit eben wähnt?

Grünschloß: Ja, das wäre schon so eine Gemeinsamkeit, das man sagt, die Welt ist hintergründiger als das, was uns die etablierten Medien, die etablierten Wissenschaften und natürlich auch die etablierten politischen Autoritäten weismachen wollen. Dieser Vorbehalt gegenüber der, ich sage mal Oberfläche der etablierten Diskurse, das wäre etwas, was sie alle gemeinsam haben.

Es kommt noch meines Erachtens ein wichtiger Punkt mit hinzu: Das ist, dass aufgrund der – trotz allen kleineren Fehlern, die man gemacht hat, aber doch auch aufgrund der relativ umsichtigen Corona-Politik, die in Deutschland relativ schnell dann ja begonnen hat als es klar wurde, die Pandemie droht, kennen die meisten von uns hier in Deutschland das Virus eigentlich nur vom Hörensagen. Und von daher ist es relativ leicht, zu behaupten, das ist unplausibel und der Lockdown, das alles ist überzogen, da ist eine andere Motivation dahinter als das, um diese angebliche Krankheit zu verhindern.

Gerade in der Anfangsphase der Corona-Pandemie gab es ja eine Fülle von esoterischen oder sagen wir mal „alternativen“ Deutungen dessen, was hier im Gange ist: Dass es sich hier gar nicht um ein Virus handelt, sondern das sind Strahlen der Übertragungsmasten und what have you. Also eine ganze Reihe von alternativen Deutungsmustern.

Und das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt. Wir kennen es nur vom Hörensagen – und wenn man dann mit Beeinträchtigungen leben muss, dann kann man sich natürlich relativ leicht darüber hinwegsetzen und behaupten, diese ganzen Reduzierungsvorschriften, die sind unplausibel, ich kenne überhaupt niemanden, der das Virus gehabt haben soll. Das kommt auch noch mit hinzu.

Und dann eben das gepaart, sei es nun aus einer alternativen politischen Utopie, also ich sage mal einer Reichsbürger-affinen Ideologie heraus oder sei es aus einer esoterischen Weltdeutung heraus, wo man sagt, hier sind gewisse Mächte im Gange, die im Hintergrund ihre Fäden ziehen, auch in der esoterischen Weltdeutung gibt es ja Verschwörungstheorien, es muss nicht, aber es gibt sie, und so können dann natürlich so bestimmte Argumentationsmuster sich ergänzen. Und dass man zumindest da dann sich auf einer Demo zusammenfinden kann und sagen, wir haben einen gemeinsamen Feind, und das sind die etablierten, diskursmächtigen Größen, die uns hier was weismachen wollen.


Aus: "Esoterik, Rechtsextreme und Proteste gegen Corona-Maßnahmen „Gegen denselben Feind“" Andreas Grünschloß im Gespräch mit Christian Röther (02.09.2020)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/esoterik-rechtsextreme-und-proteste-gegen-corona-massnahmen.886.de.html?dram:article_id=483421

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[...] Als am 28. Februar 1933 der Reichstag brannte, wurden die Flammen zum Fanal des Untergangs. Sie markieren das Ende der ersten deutschen Demokratie. Hitler, vier Wochen zuvor zum Reichskanzler ernannt, nutzte das Ereignis, um mittels der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ seine Macht auszubauen. Am vergangenen Wochenende war das Reichstagsgebäude wieder Schauplatz einer bizarren Versammlung. Antidemokraten versuchten, ein Zeichen zu setzen.

Die Grundrechte der Weimarer Verfassung galten nicht länger. Gegner des Nationalsozialismus, unter ihnen viele kommunistische Abgeordnete, wurden inhaftiert. Erste Konzentrationslager entstanden. Angst regierte. Wer konnte, floh. Der Theaterkritiker Alfred Kerr tauchte unter und rettete sich nach Prag. Seine Tochter Judith Kerr beschreibt den Abschied in ihrem Erinnerungsbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Vorhergesagt worden war der Reichstagsbrand von Erik Jan Hanussen. Der „Hellseher“ hatte das Übernatürliche zum erfolgreichen Geschäftsmodell gemacht. In seiner „bunten Wochenschau“, einer astrologischen Zeitschrift mit einer sagenhaften Auflage von 140 000 Exemplaren, schrieb er von einem bevorstehenden kommunistischen Anschlag. Als er am 26. Februar 1933 in der Lietzenburger Straße einen „Palast des Okkultismus“ eröffnete, orakelte er über einen Großbrand.

Hanussen hieß in Wirklichkeit Hermann Chajm Steinschneider, er war auch kein Däne – wie er behauptete –, sondern Österreicher und hatte seine Karriere als Zauberkünstler begonnen. Obwohl er Jude war, begeisterte er sich für Hitler. Hanussen/Steinschneider ist im März 1933 von einem SA-Kommando verhaftet und „auf der Flucht“ erschossen worden. Lion Feuchtwanger diente er als Vorbild für den Telepathen Oskar Lautensack in seinem Gesellschaftsroman „Die Brüder Lautersack“.

Die Verbindung von Esoterik, Verschwörungstheorien und Rechtsextremismus, wie sie sich bei der von der Initiative Querdenken 711 veranstaltete Berliner Corona-Demonstration zeigte, hat eine lange Tradition. Sie reicht mindestens ins 19. Jahrhundert zurück, im Kern handelt es sich bei dem ideologischen Amalgam um eine Gegenbewegung zur Moderne und ihren Zumutungen. Dabei flossen Heilserwartungen und Fortschrittsskepsis ineinander, immer schon ging es um alternative Wahrheiten. Auf komplizierte Fragen mussten einfache Antworten gefunden werden. Manchmal wurden sie auch von Toten gegeben, die bei spiritistischen Sitzungen zu reden begannen.

Esoterik, im Altgriechischen der Begriff für Innerlichkeit, bezeichnet einen anti-intellektuellen Weg zur Erkenntnis, der nur demjenigen zugänglich ist, der sich spirituell öffnet. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, von dem Historiker Joachim Radkau „Zeitalter der Nervosität“ genannt, war eine Ära rasanten technischen Aufschwungs, boomender Industrialisierung und mäandernder Sinnsuche. Zwar waren Dampflok, Telegraf und das elektrische Licht erfunden worden. Doch was fehlte, war Orientierung.

 In seinem Roman „Der Zauberberg“ beschreibt Thomas Mann gleich zwei Wunder. Die in einem Schweizer Sanatorium versammelte Gesellschaft von Kranken und Genesenden lauscht staunend der aus einem Grammophon klingenden Musik, „es war ein strömendes Füllhorn heiteren und seelenschweren künstlerischen Genusses“.

Kurz danach werden tischerückend Geister angerufen. „Ist eine Intelligenz zugegen?“, wollen die Patienten wissen. Nach kurzem Zögern kippt das Glas auf dem Tisch, was heißt: Der Geist bejaht. Thomas Mann hatte selbst an einer spiritistischen Sitzung teilgenommen, bei der ein Taschentuch zum Schweben gebracht wurde. Eine Erfahrung, über die er später spottete.

Man mag den wilhelminischen Spuk für Hokuspokus halten, aber unterscheidet ihn wirklich so viel von den Methoden heutiger Kryptoaktivisten und Parawissenschaftler? „Mainstream“-Bezweifler erkennen in den Kondensstreifen von Flugzeugen („Chemtrails“) Bedrohungslagen oder besitzen Geheimwissen über unterirdische Menschenexperimente („QAnon“). Und ist tatsächlich sicher, dass die Erde eine Kugel ist und keine Scheibe? In den Tiefen des Internets lassen sich die wildesten Thesen finden.

 Esoterik ist eine Form der Gegenaufklärung. Sie unterliegt Moden, alles kehrt irgendwann wieder. Um 1900 war der Wunsch nach einem radikalen Neuanfang, nach Umdenken und Alternativen besonders groß. In der Lebensreformbewegung bündelten sich Sehnsüchte. Zu ihrem Symbol wurde der Monte Verità, Berg der Wahrheit, im Schweizer Kanton Tessin.

Dort trafen sich Pazifisten, Vegetarier, Aussteiger, Theosophen und Sonnenanbeter und schufen eine modellhafte, auf Partizipation und Gleichheit beruhende Kommune. Der Wunsch, zur Natur zurückzukehren, war groß. Nietzsche hatte in seinem Buch „Jenseits von Gut und Böse“ den „homo natura“ zum Vorbild ausgerufen.

Hermann Hesse kletterte nackt über Felsen, schlief in einer Holzhütte und ernährte sich von Beeren. Er hoffte, wie in seinem autobiografisch grundierten Roman „Peter Camenzind“ formuliert, „auf den Herzschlag der Erde zu hören, am Leben des Ganzen teilzunehmen“. Auch Erich Mühsam reiste an, sah sich aber von seiner Vision eines „großen sozialen Versuchs“ enttäuscht.

Den Ernährungsregeln widmete er ein Schmähgedicht: „Wir essen Salat, ja wir essen Salat / Und essen Gemüse von früh bis spat. / Auch Früchte gehören zu unsrer Diät./ Was sonst noch wächst, wird alles verschmäht.“

 Am Ende zerstritten sich die Gründer der Bergbehausung, wobei es auch um die Frage ging, wie sehr die Unterkunft kommerzialisiert werden solle. Doch die Ideen, die dort den Schritt von der Theorie in die Praxis schaffen sollten, leben weiter. Sie finden sich noch bei den Grünen, die sich 1980 in ihrem ersten Parteiprogramm gegen eine „eindimensionale Produktionssteigerungspolitik“ wandten und forderten, „uns selbst und unsere Umwelt als Teil der Natur zu begreifen“. Die Lebensreformbewegung, zu der auch Rudolf Steiners Anthroposophie gehört, verzweigte sich in sozialistische, anarchistische und völkische Stränge.

Verzicht zu üben, aufs Land zu ziehen und sich selbst zu ernähren, das blieb der Versuch, eine Utopie im Kleinen zu verwirklichen. Während der Weimarer Republik ließen sich mitunter linke gleich neben rechten Projekten nieder. „Heimland“ nannte sich eine völkische Siedlung bei Rheinsberg, ins Leben gerufen von einem antisemitischen Publizisten. Nur wenige Kilometer weiter bei Neuruppin orientierte sich die Handwerkerkommune Gildenhall an sowjetischen Wirtschaftsformen und der Bauhaus-Ästhetik.

War der Nationalsozialismus nicht auch eine anti-rationale Bewegung, vielleicht die größte, die Deutschland hervorgebracht hat? Ihre Ideologie entwickelte sich aus rassistischen, sozialdarwinistischen und pseudoreligiösen Versatzstücken. 1943 – dem letzten Jahr, aus dem gesicherte Zahlen vorliegen – hatte die NSDAP 7,7 Millionen Mitglieder.


Aus: "Esoterik und Extremismus: Geister, die sie rufen" Christian Schröder (02.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/esoterik-und-extremismus-geister-die-sie-rufen/26144918.html

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[...] Sie sprechen von "Menschlichkeit" und der "Harmonie des Universums", doch ihre Ideologie ist rassistisch. Sie halten sich für unpolitisch, aber bejubeln Holocaustleugner und besuchen Seminare von Rechtsextremen. Seit Monaten versuchen Anhänger der sogenannten "Anastasia-Bewegung", im Großraum Berlin Fuß zu fassen. An diesem Montag wollen sie sich auf einem Hof im Nordwesten Brandenburgs zur gemeinsamen Feier der Wintersonnenwende treffen.

Die Veranstaltung findet auf einem Hof bei Putlitz im Landkreis Prignitz statt. Organisiert wird sie von den Gründern des geheimen Telegram-Kanals „Familienlandsitz & Siedlungsforum“, in dem sich derzeit 3300 Anhänger vernetzen.

Bei der Anastasia-Bewegung handelt es sich um einen ökoesoterischen Kult, der Menschen verspricht, sie könnten übersinnliche Fähigkeiten wie Hellsicht und Telepathie erlangen, wenn sie nur als Selbstversorger in die Natur ziehen . Sektenbeauftragte und Experten warnen, die Bewegung sei eine "Rutschbahn in den Rechtsextremismus". Neugierige, die lediglich im Einklang mit der Natur leben wollten, würden mit Ideen der Rassenlehre und brauner Esoterik indoktriniert.

Geistiges Idol der Bewegung ist eine Romanfigur: eine junge Frau namens Anastasia, die angeblich  in der Wildnis Sibiriens lebt. Erschaffen wurde sie vom russischen Autor Wladimir Megre, 70.

Sehr aktiv in der Gruppe ist der Rechtsextremist Frank Willy Ludwig aus Liepe bei Eberswalde. Er berät und belehrt Neuankömmlinge im Forum, klärt über die Bedeutung von Runen und Hexagrammen auf, möchte nach eigener Auskunft mit seinen "Erfahrungen dienen". 

Frank Willy Ludwig sagt, sein Auftrag sei, „das arische Wissen in den Stämmen wieder zu erwecken“. Ludwig hält deutschlandweit Vorträge, in denen er etwa über die „Gesetze der Reinheit des Blutes“ spricht und erläutert, warum die Menschenrassen unter sich bleiben sollten: Mischlinge hätten das Problem, nicht zu wissen, zu welchen Ahnen sie Kontakt halten sollten.

Zudem besitze jede Rasse ihre „eigenen Wahrnehmungskanäle“. Arier hätten 16, Asiaten zwölf, Schwarze sechs.  Arier seien eigentlich Außerirdische und kämen vom Sternbild des Kleinen Wagens. Einmal sei versucht worden, „den Schwarzen ein Gewissen einzupflanzen“, doch dann habe „man gemerkt, an den Genen darf man nicht rumpfuschen“.

In der Telegram-Gruppe, die zur Feier am Montag einlädt, ist Ludwig eine Respektsperson.  Andere Mitglieder loben ihn für sein Wissen und seine Erklärkünste. Er selbst sieht sich als "göttliches Wesen bedingungsloser Liebe". Ludwig wirbt in der Gruppe auch für eine mehrtägige Reise nach Rügen, die er für Interessierte organisieren will. Dort könne er, gegen einen Unkostenbeitrag von 360 Euro, über wichtige Zusammenhänge aufklären.

In der Gruppe werden Tipps zur Verwendung von Heilkräutern geteilt, aber auch Holocaustleugner wie Ursula Haverbeck und Horst Mahler bejubelt. Nicht alle Forenteilnehmer haben die Anastasia-Bücher gelesen, einige wissen daher nichts von dem dort gepredigten Antisemitismus. Der Anastasia-Erfinder  Wladimir Megre schreibt  in einem Band etwa, Juden seien programmierte „Bio-Roboter“. Sie hätten „die Presse verschiedener Länder unter ihre Kontrolle gebracht“, die globalen Geldströme würden „zum größten Teil von Juden kontrolliert“. Seit Jahrtausenden versuchten sie, „mit allen Mitteln so viel Geld wie nur möglich in ihren Händen zu konzentrieren“.

Einer, der die Umtriebe der Anastasia-Bewegung seit längerem verfolgt, ist der FDP-Bundestagsabgeordnete Jürgen Martens. Im November hat er der Bundesregierung die Frage gestellt, ob die Anastasia-Bewegung inzwischen vom Bundesamt für Verfassungsschutz oder anderen Diensten beobachtet werde - und eine bemerkenswerte Auskunft erhalten.  Zum Beobachtungsstatus der Bewegung könne man keine Antwort geben, heißt es in der Antwort des Innenministeriums.  Und weiter: "Die angefragten Informationen sind so sensibel, dass auch die geringfügige Gefahr eines Bekanntwerdens nicht hingenommen werden kann."

Dies ist erstaunlich, denn erst im vergangenen Jahr hatte die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Linke) eine ähnliche Anfrage zur Anastasia-Bewegung gestellt. Damals wurde eine Beobachtung noch eindeutig ausgeschlossen.

Wo genau die Feier zur Wintersonnenwende stattfindet,  haben die Organisatoren lange geheim gehalten. Die exakten Koordinaten, die zu einem Hof am Rand  von Lütkendorf, einem Ortsteil der Stadt Putlitz, führen, wurden erst an diesem Wochenende verschickt. Ob der Betreiber der Hofs von der Gesinnung der Feiernden weiß, ist unklar. Für den Tagesspiegel war er am Sonntag nicht zu erreichen.

Dass die Feier wegen der hohen Infektionszahlen sowieso nicht stattfinden dürfte, ist den Anastasianern egal. Viele von ihnen leugnen die Existenz des Virus. Frank Willy Ludwig warnt allerdings davor, sich  auf Corona testen zu lassen. Diese Gelegenheit würde von den Herrschenden zur Zwangsimpfung genutzt.


Aus: "Rechte Öko-Sekte „Anastasia-Bewegung“: Wo die Anhänger der Rassenlehre am Lagerfeuer feiern" Sebastian Leber (20.12.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/rechte-oeko-sekte-anastasia-bewegung-wo-die-anhaenger-der-rassenlehre-am-lagerfeuer-feiern/26735250.html

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[...] Eine Mehrheit der AfD-Anhänger hält eine "Corona-Verschwörung" einer Umfrage zufolge mindestens für wahrscheinlich. In der von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Auftrag gegebenen Umfrage gaben 24 Prozent der AfD-Anhänger an, "es handele sich bei der Corona-Pandemie um eine Verschwörung zur Unterdrückung der Menschen", berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS). Weitere 41 halten dies demnach für wahrscheinlich.

Auch jenseits der AfD finden sich Anhänger von Corona-Verschwörungstheorien. Jeder Elfte - neun Prozent - hält es für wahrscheinlich, dass die Pandemie nur ein Vorwand zur Unterdrückung der Menschen ist. Weitere fünf Prozent sind sich da sogar sicher. Nach Parteien unterschieden sind bei Anhängern von Union, SPD und Linken neun bis zwölf Prozent sicher oder halten es für wahrscheinlich, dass es sich bei der Pandemie um eine Unterdrückung handelt, so die "FAS".

Trotz dieser Zahlen hat der Glaube an eine Weltverschwörung insgesamt aber abgenommen, heißt es dem Bericht zufolge in der Studie weiter. Vor der Corona-Krise seien elf Prozent der Deutschen sicher gewesen, die Welt werde durch geheime Mächte gesteuert - nun sind es noch acht Prozent. Vor Corona hielten weitere 19 Prozent es für wahrscheinlich richtig, dass geheime Mächte die Welt steuern - jetzt seien es mit 16 Prozent ebenfalls weniger. Nur bei AfD-Anhängern sei der Glaube an eine Weltverschwörung weiter gestiegen.

Quelle: ntv.de, jhe/AFP


Aus: "Umfrage zu Verschwörungstheorien Viele AfD-Wähler halten Corona für Erfindung" (Sonntag, 20. Dezember 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Viele-AfD-Waehler-halten-Corona-fuer-Erfindung-article22247897.html
« Last Edit: December 20, 2020, 07:01:53 PM by Link »

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
« Reply #45 on: January 11, 2021, 01:05:31 PM »
Quote
[...] Mitte Jänner wird in München ein "Friedensfest" gefeiert: Kritiker*innen der Corona-Maßnahmen treffen sich zur Open-Air-Meditation, es sei ein "friedlicher Aufruf zum Beschützen unserer Freiheitsrechte", schreiben die Veranstalter*innen. Seit gut einem halben Jahr wird auf dem Marienplatz getanzt und meditiert, "Ordner-Engel" sorgen für Sicherheit. Auf der Website der Initiative zeigen dutzende Bilder lächelnde Menschen im Schneidersitz, "You can’t quarantine love", hat jemand auf ein Plakat gemalt.

Wer die Corona-Maßnahmen hinterfrage, werde sofort ins rechte Eck gestellt, klagt Initiatorin Graciette Justo in einem Videobeitrag. Dabei sei die Magic-Monday-Meditation weder links noch rechts, sondern eine "Menschheitsfamilie", ist online zu lesen. Dass die rechtsextreme und die esoterische Szene durchaus Schnittmengen aufweisen, zeigten jüngst die Querdenker-Demos, wo "spirituelle" Aktivist*innen gemeinsam mit Identitären marschierten. Und dennoch: Esoteriker*innen seien keineswegs per se rechts, sondern auch im linken und grünen Milieu anzutreffen, sagt Ansgar Martins, Religionswissenschafter an der Goethe-Universität Frankfurt. "Die gemeinsame Klammer ist eine ausgeprägte Technik- und Wissenschaftsskepsis, die Gegenwart, speziell das Verhältnis der Menschen zur Natur, wird als große Krise erlebt", sagt Martins.

Die Suche nach einem Leben im Einklang mit der Natur, nach Sinn und einem authentischen Selbst ist längst ein boomendes Geschäft. Unzählige spirituelle Coaches bieten als Einzelunternehmer*innen ihre Dienste an, sie veranstalten Yoga-Retreats und leiten in Frauenkreisen zur Wiederentdeckung der Weiblichkeit an. Die Pandemie hat bei vielen für massive Einkommensverluste gesorgt, gecoacht und meditiert wird zunehmend aber auch im Netz. Wer durch die spirituelle Blase auf Instagram scrollt, stößt schnell auf heftige Kritik an der Corona-Politik. Nutzer*innen posten Fotos ihrer Kinder mit Maske, um diese "unnatürliche" Maßnahme anzuprangern, es ist die Rede von einer Panik-Gesellschaft und einer Zeitenwende. Aber auch abstruse Theorien zu Krankheit tauchen immer wieder auf. "Ich weiß, dass der Coronavirus nicht die eigentliche Bedrohung ist. Ich bin dahingehend komplett angstfrei – weil ich mich jahrelang mit den Ursachen von Krankheiten beschäftigt habe", schreibt Sarah, die sich als "Visionärin" bezeichnet und unter knallbunten Schnappschüssen von ihrer Reinkarnation berichtet.

Die Vorstellung, dass Krankheit dem "Karma" zuzuschreiben sei, dass sie reinige und persönliches Wachstum ermögliche, ist in esoterischen Kreisen weit verbreitet. Aber auch die Kontrolle über die eigene Gesundheit steht hoch im Kurs. Unzählige Accounts widmen sich einer gesunden Ernährung, die stärke und heile und oft (roh-)vegan ist. Jeder Bissen zählt, so der Tenor. Ein prominenter Vertreter der "heilenden Ernährung" ist der Arzt und Esoteriker Rüdiger Dahlke, in seinem Buch "Peace Food" erklärt er, "wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt". Krankheit sei stets eine Krankheit der Seele und somit selbst verursacht. Eine Haltung, die in der Pandemie wenig Raum lässt für Solidarität mit vulnerablen Gruppen.

Wenig verwunderlich, dass Dahlke auch das Coronavirus verharmlost. Statt zu impfen, müsse jetzt das Immunsystem gestärkt werden – unzählige Influencer*innen machen vor, wie das mit täglichen Yogaübungen und pflanzlicher Kost möglich sei.

Wer sich selbst unter Kontrolle hat, braucht keine Rücksicht auf andere zu nehmen, so die Botschaft mancher Esoterik*innen. "Wer sich zurück in die natürliche Gesundheit begibt, der wird Corona niemals fürchten müssen! Alle anderen (...) können nicht erwarten, dass ihre Mitmenschen ihr Leben ruinieren, um für sie eine Vakuum-Blase zu erschaffen", postet die "Familie Glücklich", ihr Account zeigt fröhliche Bilder einer Weltreise.

Auffallend viele Accounts inszenieren ihr Familienleben, meist sind es Mütter, die als Managerinnen des familiären Wohlbefindens auftreten. "In den meisten Hetero-Familien sind nach wie vor Frauen für die Sorgearbeit zuständig, das betrifft auch die Gesundheit", sagt Bettina Zehetner, Beraterin bei Frauen* beraten Frauen*. Traditionell seien es die Mütter, die Arzttermine organisieren und in Pflegeurlaub gehen – hier wirke das Stereotyp der fürsorglichen und liebevollen Frau besonders stark. Dass Frauen wiederum in der Esoterik stark vertreten sind, führt Zehetner auch auf reale Erfahrungen mit der Schulmedizin zurück. So zeigt nicht nur ein Blick in die Geschichte die Pathologisierung weiblicher Erfahrungen: Nach wie vor werden Schmerzen von Patientinnen weniger ernst genommen, wie Untersuchungen belegen. Doppelt so häufig als Männer haben Frauen in Deutschland bereits einen alternativen Therapieansatz wie Akupunktur oder Schüßlersalze ausprobiert, so eine repräsentative Umfrage im Auftrag der "Apotheken Umschau".

"Wenn man dann in Verschwörungserzählungen abgleitet, ist das in gewisser Hinsicht auch bequem", sagt Bettina Zehetner. "Da wird eine abstrakte Macht oder die allmächtige Pharmaindustrie angenommen, gegen die man eh nichts ausrichten kann. Es ist viel mühsamer, sich mit den realen politischen Verhältnissen – auch in der Familie – auseinanderzusetzen."

Auch wenn vermeintliche Fernheilungen und Schutzkristalle aktuell für Schlagzeilen sorgen – dass die Esoterik in der Pandemie einen nie dagewesenen Boom erlebe, hält Religionswissenschafter Martins für einen Trugschluss. "Wir sprechen seit den 90ern von einem Esoterik-Boom, ich denke, diese Wahrnehmung entsteht, weil sie so ein wimmelndes Feld ist, in dem quasi jeder seine Privatreligion hat." Angesichts einer globalen Gesundheitskrise stellen sich jedoch spezifische Probleme: etwa wenn Falschinformationen verbreitet werden oder Impfgegner*innen in Mütter-Foren aggressiv um Mitstreiterinnen werben. Mit dem zunehmenden Druck auf Facebook und Co sind die Social-Media-Plattformen mittlerweile auch in Sachen Verschwörungstheorien aktiv geworden. Instagram entfernte zahlreiche Hashtags radikaler Impfgegner*innen und blendet Links zur WHO ein, YouTube löscht zunehmend Videos, die mit unseriösen Inhalten gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen.

Dementsprechend sind auch Nutzer*innen mit großem Publikum vorsichtiger geworden. Sarah Schmid, die mit Alleingeburten im eigenen Garten auf YouTube bekannt wurde, kritisiert aktuell die Maskenpflicht ebenso wie "staatliche Kontrolle", sie spricht vom "C-Wort", um einer drohenden Löschung zu entgehen, die sie bei anderen Vlogger*innen beobachtet habe. Auch als Impfgegnerin tritt die Influencerin und laut eigenen Angaben ausgebildete Ärztin auf. Ihre Kinder sind "Freilerner", in der Schule werde nur nachgeplappert und kein kritisches Denken gelehrt, ist Schmid überzeugt. Auffallend viele Mütter und Familien, die um die Welt reisen und ihre Kinder selbst unterrichten, finden sich unter esoterischen Influencer*innen. Fotos zeigen eine vermeintlich heile Welt beim Kinderyoga und bei Strandspaziergängen, die "einengende" Welt von Bürojobs und Schulen haben sie hinter sich gelassen. Ihr neues Leben bringe wahre Freiheit – ein zentraler Begriff der esoterischen Szene. Diese Freiheit sei keineswegs eine unregulierte Freiheit, sagt Ansgar Martins, sondern Bestandteil der großen Selbstkonzentriertheit. "Esoteriker*innen suchen nach dem authentischen Selbst, unabhängig von allen sozialen Zumutungen der Außenwelt. In der Pandemie scheinen ihre Angstfantasien vor dem Staat, dem Abstrakten wahr zu werden", so Ansgar. Halt bieten der eigene strikte Ernährungsplan und eine Kindererziehung, auf die staatliche Lehrpläne nur aus der Ferne Einfluss üben.

Dem Abstrakten, der "globalen Spaltung", setzt die Open-Air-Meditation in München ein "vereinendes Treffen in Verbundenheit" entgegen. Wenn die Menschen auf dem Marienplatz zusammenkommen, dann werde vor allem eines entstehen, ist da zu lesen: positive Energie. (Brigitte Theißl, 10.1.2021)


Aus: "Esoterik: Corona-Politik: Spirituelle Fundamentalopposition" Brigitte Theißl (11. Jänner 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000123148289/corona-politik-spirituelle-fundamentalopposition

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IamgoingtoBelize

Das hat gar nichts mit Spiritualität zu tun

Das hat nur mit Dummheit zu tun. Wem Spiritualität wichtig ist und weiß, dass Yoga ein Schlüssel ist, der soll sich mal anschauen was Sadhguru zum Thema Corona zu sagen hat. Und vor allem zu welchem Verhalten er rät: Natürlich zu Abstand, Maske und Impfung. Der Mann ist ein erleuchteter Mensch und ein echter spiritueller Führer.
Wer meint alle Krankheiten kommen von innen, ist mehr als durcheinander. Unfälle und eben Viren kommen klar von außen.
Wer Rücksichtslosigkeit propagiert weiß offenbar nicht mal das Yoga übersetzt Einheit bedeutet.


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.exe

"He propagates the claim, unsupported by science, that cooked food consumed during lunar eclipses depletes the human body's pranic energies. He also perpetuates numerous myths regarding clinical depression, and opposes the potential prohibition on the use of mercury in traditional Indian medicine, despite the substance's extreme toxicity."

Quecksilber als Medizin also...ist ja ein lustiges Kerlchen.

https://en.wikipedia.org/wiki/Jaggi_Vasudev


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Frei_Denker

Spirituelle Wissenschaft

...das Problem ist derzeit eher die Verwechselbarkeit: Die Einen üben sich im rituellen Hände waschen und mehrmals, täglichen einreiben mit Ethanol.
Dazu tragen sie Masken und führen imaginäre Babyelefanten spazieren...

Sie "glauben" weiters ein Phänomen entdeckt zu haben, dass seit mind. 5000 Jahren erstmals auftritt, sonst noch nie dokumentiert wurde und erstmals in der Weltgeschichte zur "globalen Maskenpflicht" führen muss...

Die Anderen machen Yoga und Vitamin C Kuren...
;-)


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Nada7791

Der entscheidene Unterschied ist: die erste Gruppe schützt sich und andere und auch alle die Menschen, die sich im KH derzeit aufreiben; der zweiten Gruppe ist das alles egal, mit allen Konsequenzen. ...


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VwV

In Wahrheit sind das antisoziale Egoisten auf einem Selbstdarstellungstrip! Man muss nur mit ihnen reden um das zu erkennen. Kritik ist in den Kreisen nicht erwünscht. Die bringt nämlich schlechte Energien!


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Gherardo

Wer krank wird, ist demnach selber schuld? Weil er hat sich falsch ernährt, hat schlecht gelebt, hat an das Falsche im Leben geglaubt.
Das ist ein Rückfall in das Denken des Mittelalters, wo Kranke nicht bemitleidet wurden, denn Gott wusste schon, warum er sie strafte.


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Gereon

Typisch für die Esoterik ist die Komplexitätsreduktion: Die eigene kleine Welt ist überschaubar und funktioniert nach Regeln, die man genau zu kennen glaubt. Und wenn man mit ein paar simplen Regeln alles Unerwünschte und Kranke von sich fern halten kann, lindert das die Ohnmachtsgefühle.

Esoterik ist vor allem eine Strategie gegen die eigene Angst. ...


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Eumelinchen

Die Esoterikszene ist konfliktscheu, bequem und selbstbezogen. Sie hat in manchen Punkten recht, wie z.B. gesunde Ernährung, Umgang mit der Natur, Kritik am Schulsystem, Kritik am Gesundheitssystem. Nur wird das alles nicht zu Ende gedacht, nicht in eine echte demokratische, politische Arbeit eingebracht. Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sie nicht. Dazu müsste man sich bewegen, auch an andere, ans Sozialsystem denken, auch mal selbst verzichten. Die technikfeindlichen Esos nutzen das Internet, wie kaum eine andere Gruppe, um gar nicht mehr aus dem Haus zu müssen und sich in der eigenen Blase zu bewegen -damit sie ja nicht gezwungen werden, über andere Vorstellungen nachzudenken.


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klartexten

Dummheit tötet.


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Dr. Viktor Frankenste

Ja, aber leider auch: Dummheit tötet Andere mit.


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Asragorn

Was spricht dagegen sein eigenes Immunsystem zu stärken?
Was spricht dagegen auf seine eigene Gesundheit zu achten in dem man sich gut ernährt?
Was spricht eigentlich gegen Eigenverantwortung?

In der Esoszene sehe ich die geringste Gefahr für unsere Gesellschaft. Vielmehr Gefahr sehe ich in profitgierigen Untetnehmen, machtgeilen Politikern und dem selbstgerechten Menschen, der denkt mit seinen "Errungenschaften" die Erde bis aufs Letzte ausbeuten zu können.


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witherabbitt

Sie biegen ab, bevor kritisches Denken einsetzen könnte.


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Diplom-Ingenieuse mit dem Gespür für Seepocken

Nazis und Esoterik: Friends with benefits seit eh und je.


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GuteNachtSchaukel

Jo eh.....und trotzdem ist nicht jeder der Yoga macht oder Licht schickt ein Nazi


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Tommy1971

sagt ja auch niemand. jeder der yoga macht, wird die positiven effekte spüren. den grund dafür kann man aber auch anderes als mit dem üblichen geschwurbel erklären (was nix an den positiven effekten ändert). wer "licht" schickt, ist kein "nazi", sondern meist sogar ein sehr wohlmeinender und vermutlich auch netter mensch. das ist genau das gleiche, wie wenn jemand für andere betet. schwachsinn bleibt es trotzdem.


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Amina Manina

Also ich lese grundsätzlich gerne Artikel, die die Eso-Schwurbler ein bisschen auf die Schaufel nehmen, aber hier wird schon alles über einen Kamm geschert...Sowohl Yoga als auch "gesunde" (sprich möglichst naturbelassene) Ernährung tragen nachweislich zu einem gesünderen und ausgeglicheneren Leben bei - natürlich gibts Extreme, und natürlich ist da ziemlich viel teils gefährlicher Blödsinn dabei, aber nicht jede/r der sowas macht und vielleicht auch noch das Schulsysmtem kritisch hinterfragt ist in die Corona-Leugner-Schhwurbel-Aluhut-Ecke zu stellen...! Ganz ehrlich, diese Polarisierung nervt, und trägt sicher nichts dazu bei, dass irgendwo ein vernünftiger Mittelweg rauskommt!


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Mattersburger

Es ist schon eine gewisse Tendenz zu erkennen. Ich habe auch Kolleginnen, die sehr auf Esoterik stehen. Sollen Sie, wenn sie wollen.
Wenn aber dann nur Esoterik akzeptiert wird und Fakten verleugnet werden, wird es gefährlich. Wenn dann noch dazu eben Aussagen kommen in die Richtung "na dann sterben halt Leute, die nicht fit genug sind", sind wir bei Aussagen, die eben zu sehr rechten Aussagen und dem Faschismus passen. Da gab es eben auch Leute, die "nicht fit genug oder es nicht wert waren, zu leben".

Das man dann mal eine gewisse Nähe sieht, darf dann nicht verwundern.


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Sepp Alpenrepp

Die einzigen Esoteriker die halbwegs glücklich sind, sind die, die anderen Esoterikern das Geld aus der Tasche ziehen. ...


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Resi Tupfer

Corona ist Corona, weil viele glauben
Corona wäre Corona!

Corona ist ein Instrument nicht mehr und nicht weniger.
Ja Corona gibt es!
Doch Corona ist die Wahrheit der natürlichen Transformation der Befreiung von Energien. Das Ungleichgewicht der unreinen Geisteszustände unserer fleischlichen Jetztbeziehung führt zum transformativen Energiesprung. Die Terz wird zur Quint, wenn Polyphonie der harmonischen Verwechslung zur Wolfskadenz transpontiert.
Mit Corona ist die enharmonische Verwechslung unserer Motivs eingeleitet worden.

Darum findet heraus wann die Coda beginnt, weil diese zeigt an dass das Ende naht.

Lernt den Rhythmus euer Flatustrommel zu schlagen. Pocht auf das Sternengeflecht eurer Mitte! Dann erfasst euch der Rhythmus der Trommel.

Ihr werdet ablassen!
Resi


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Kvik_mig_op

"Mit Corona ist die enharmonische Verwechslung unserer Motivs eingeleitet worden."

Endlich mal ein der Sachlage angemessener Satz!


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InnsbruckerBergfex

Lustig, bin aber doch froh dass es bald eine impfung gibt! auch für Resi :)


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peter schmidt

Na ich hoffe der Schalk bleibt ihr treu.


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Arnold XXIII

Liebe Friedensmenschen!

Ich glaube nicht, dass eine starke Aura reicht, um Viren abzuwehren.


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Anisotropy

Alles ist Eins?
Wie widersprüchlich die Esoteriker sind: einerseits oft das Motto "Alles ist Eins" und andererseits Null Solitarität, da es ja völlig ausreichend ist, wenn "ICH ein gutes Immunsystem habe".
Ich, ich, ich...


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PiCat

Falscher kann man nicht liegen. „ Ich“ gibts nicht, wenn alles eins ist.


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Nickless

Das Unbehagen im Kapitalismus hat viele Gesichter.


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G. B. Corner

Sie meinen, im Kommunismus hat es keine Wunderheler gegeben?


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