Author Topic: [Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand... ]  (Read 127732 times)

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #80 on: June 15, 2021, 10:14:30 AM »
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[...] Die Hälfte aller Haushalte in größeren Städten zahlen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete. Konkret sind es 4,1 Millionen Mieter, deren Wohnungskosten damit „die Grenzen der Leistbarkeit“ überschreiten, wie es in einer aktuellen Studie der Humboldt-Universität im Auftrag der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung heißt. Alles in allem lebten 2018 4,4 Millionen Haushalte oder 53 Prozent der Mieter in zu kleinen oder im Verhältnis zu ihren Einkommen zu teuren Wohnungen. Für die Studie wurden Mikrozensusdaten für die Jahre 2006 bis 2018 in den 77 größten deutschen Städten ausgewertet.

Selbst wenn ein Teil der sozialen Wohnversorgungsprobleme durch eine bessere Verteilung des vorhandenen Wohnraums gelöst werden könnte, was indes eine eher theoretische Erwägung ist, blieben noch 1,5 Millionen Haushalte, die nicht mit bezahlbaren und angemessenen Wohnungen versorgt würden. „Dieser ,harte Kern’ der Wohnungsnot betrifft über 18 Prozent aller Mieter*innenhaushalte in den Großstädten – vor allem kleine Haushalte und Einkommensklassen mit geringen Einkommen", schreiben die Wissenschaftler und empfehlen „die Absenkung von Mietpreisen, den Neubau von sehr günstigen Wohnungen oder Einkommenssteigerungen bei Haushalten mit geringen Einkommen“.
Grundlage der Analyse ist die Einschätzung, dass Bruttowarmmieten, also Mieten plus Betriebs- und Heizkosten, von bis zu 30 Prozent des Haushaltseinkommens als „leistbar“ gelten. Darüber liegende Belastungen überforderten die Haushalte „und verstärken insbesondere bei Mieter*innen mit geringen Einkommen das Armutsrisiko“.

Im Untersuchungszeitraum verringerte sich die durchschnittliche Mietbelastungsquote von 31,2 Prozent auf 29,8 Prozent. Dieser überraschende Befund erklärt sich mit den Einkommen, die stärker gestiegen sind als die Wohnkosten. Die inflationsbereinigten mittleren Einkommen erhöhten sich in den 77 Großstädten um 16 Prozent, die ebenfalls inflationsbereinigten Bruttowarmmieten aber nur um 7,5 Prozent. Die Steigerung der Nettokaltmieten lag mit knapp elf Prozent in deutlich darüber.

„Von einer Entspannung ist die Wohnversorgungslage jedoch weit entfernt“, schreiben die Humboldt-Wissenschaftler. Für 2,2 Millionen Haushalte, das entspricht gut einem Viertel, lag die Mietbelastungsquote bei über 40 Prozent des Einkommens, und 998.000 Haushalte (11,9 Prozent) mussten sogar mehr als die Hälfte des Einkommens für die Wohnung aufbringen. „Eine Ursache für den großen Anteil an Haushalten mit hohen oder sehr hohen Mietbelastungsquoten ist die ungleiche Einkommensentwicklung in deutschen Großstädten.“

Konkret stieg der Anteil von Haushalten mit Einkommen unterhalb der Grenze der Armutsgefährdung (weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens) von 15,9 Prozent (2006) auf 17,5 Prozent (2018). Gleichzeitig gibt es mehr Haushalte in der höchsten Einkommenskategorie (über 140 Prozent des Medianeinkommens), der Anteil dieser Gruppe erhöhte sich von 24,4 Prozent auf 25,7 Prozent. „Weil die Einkommenssteigerungen der letzten Jahre ungleich verteilt waren, leben immer noch knapp die Hälfte der Mieter*innen (49,2 Prozent) in zu teuren Wohnungen“, heißt es in der Studie.

Die strukturell bedingten Versorgungslücken konzentrierten sich vor allem auf Einpersonenhaushalte und Haushalte mit geringen Einkommen: In den Mietpreisklassen bis zehn Euro je Quadratmeter (warm) – das entspricht Nettokaltmietpreisen von unter 7,35 Euro je Quadratmeter – reduzierte sich das Versorgungsangebot zwischen 2006 und 2018 um mehr als 500 000 Wohnungen. Das entspricht einem Rückgang von über 30 Prozent. Dagegen gibt es im oberen Preissegment (mehr als 15 Euro Warmmiete) einen Zuwachs des Angebots um 16 Prozent auf 535.000 Wohnungen. Am größten sind die Versorgungsdefizite in Berlin, Hamburg, München und Köln, wo selbst bei hypothetischer Optimalverteilung des Wohnraums jeweils zwischen 220 000 und knapp 65 000 bezahlbare Wohnungen fehlen.


Aus: "Mietenentwicklung in Großstädten: Wenn Wohnen arm macht" Alfons Frese (15.06.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/mietenentwicklung-in-grossstaedten-wenn-wohnen-arm-macht/27285966.html

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #81 on: September 24, 2021, 10:33:53 AM »
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[...] Der Preisanstieg bei Wohnimmobilien hat sich beschleunigt. Nach vorläufigen Auswertungen des Statistischen Bundesamtes lag der sogenannte Häuserpreisindex im zweiten Quartal 2021 um 10,9 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals – der stärkste Anstieg seit Beginn der Statistik im Jahr 2000. Im ersten Vierteljahr des laufenden Jahres waren die Kaufpreise für Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser innerhalb eines Jahres nach jüngsten Berechnungen durchschnittlich noch um 8,9 Prozent gestiegen.

Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser verteuerten sich im Frühjahr 2021 gegenüber dem Vorquartal im Schnitt um 3,7 Prozent. "Die Preise stiegen sowohl in den Städten als auch in ländlichen Regionen deutlich", heißt es im Bericht des Bundesamtes.

Besonders kräftig stiegen die Preise in den sieben Metropolen Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf. In diesen Städten erhöhten sich die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 14,7 Prozent, Eigentumswohnungen verteuerten sich um 12,9 Prozent. In den anderen kreisfreien Großstädten stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 11,9 Prozent binnen Jahresfrist, Eigentumswohnungen kosteten dort 10,5 Prozent mehr.

Auch in dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Häuserpreise um 11,8 Prozent, die Preise für Wohnungen um 9,2 Prozent. In den Werten sind die Nebenkosten eines Immobilienkaufs, zum Beispiel Maklerkosten, nicht abgebildet.


Aus: "Preisanstieg bei Wohnungen und Häusern beschleunigt sich" (24. September 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-09/statistisches-bundesamt-immobilienpreise-deutschland-2000-gestiegen

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« Reply #82 on: September 27, 2021, 10:44:39 AM »
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[...] Die Berlinerinnen und Berliner haben sich für die Enteignung großer Wohnungskonzerne ausgesprochen. 56,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmten am Sonntag in einem Volksentscheid dafür, 39,0 Prozent lehnten das Vorhaben ab, wie die Landeswahlleitung am Montagmorgen mitteilte. Lediglich in den Berliner Bezirken Steglitz-Zehlendorf sowie Reinickendorf fand sich keine Mehrheit für den Volksentscheid.

Die Berliner SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey sicherte dem klaren Votum der Berlinerinnen und Berliner eine ernsthafte Prüfung zu. "Dieser Volksentscheid ist zu respektieren und die notwendigen Schritte sind einzuleiten", sagte Giffey im ARD-Morgenmagazin. Der politische Auftrag sei nun, dass die Umsetzbarkeit des Volksentscheids anhand eines Gesetzentwurfs geprüft werde.

Dabei äußerte Giffey allerdings Zweifel an der Umsetzbarkeit der mit dem Volksentscheid verbundenen Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne: "Wenn das nicht verfassungskonform ist, können wir es auch nicht machen." Giffey erneuerte auch ihre Position aus dem Wahlkampf zur Wahl des Abgeordnetenhauses, dass Enteignungen ihrer Meinung nach nicht zum Bau der benötigten neuen Wohnungen beitragen.

Die Initiative Deutsche Wohnen & Co. Enteignen hatte keinen Gesetzentwurf zur Abstimmung gestellt, sondern eine Aufforderung an den Senat formuliert, sich damit auseinanderzusetzen. Dieser ist nicht an den Beschluss gebunden. Auf Twitter schrieb die Initiative, sie wolle den Gesetzgebungsprozess "eng begleiten". Betroffen wären alle privaten Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in der Hauptstadt, ausgenommen die Genossenschaften. Nach Angaben der Initiative geht es um rund 240.000 der rund 1,5 Millionen Mietwohnungen in Berlin. 

Auch nach Ansicht der Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch muss die neue Berliner Landesregierung das Ergebnis des Volksentscheids ernstnehmen. "Das gehört in Koalitionsverhandlungen", sagte Spitzenkandidatin Bettina Jarasch der Nachrichtenagentur dpa. Die Politik müsse prüfen, ob eine Umsetzung des Bürgervotums machbar sei. "Es gibt für ein solches Gesetz aber noch viele rechtliche und praktische Fragen zu klären."

Jarasch warb als Alternative für ihr Konzept eines Mietenschutzschirms, also eines freiwilligen Pakts zwischen Politik, Vermietern und anderen Beteiligten für Neubau und faire Mieten. "Die Wohnungsunternehmen haben das in der Hand", sagte Jarasch.

Erste Ergebnisse des Volksentscheids hatten lange auf sich warten lassen, weil die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer zuerst die Stimmen zur Bundestagswahl, zur Abgeordnetenhauswahl und zur Bezirksverordnetenversammlung auszählen sollten und erst dann der Volksentscheid dran war.

In Berlin war es am Sonntag zudem vor zahlreichen Wahllokalen in der ganzen Stadt zu langen Warteschlangen gekommen. Wahlberechtigte mussten mitunter länger als eine Stunde anstehen. Der Bezirk Mitte meldete für das Wahllokal 100 zeitweise Wartezeiten von mehr als zwei Stunden.

Unbeeindruckt vom Volksentscheid hat der schwedische Immobilienkonzern Heimstaden rund 14.000 Wohnungen in Berlin gekauft. Das Unternehmen teilte am Sonntagabend mit, es erwerbe von Akelius insgesamt 17.600 Wohnungen in Berlin und Hamburg. Nach Angaben von Akelius befinden sich 14.050 in Berlin und knapp 3.600 in Hamburg. Der Abschluss des Geschäfts sei für Ende 2021 geplant, teilte Heimstaden weiter mit. Ein Preis wurde nicht genannt.   


Aus: "Mehrheit der Berliner stimmt für Enteignungen großer Wohnungskonzerne" (26. September 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-09/volksentscheid-berlin-deutsche-wohnen-und-co-enteignen

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Kultourist #6

Im Tagesspiegel war zu lesen, dass die überwiegende Mehrheit der Berliner Enteignungen nicht als Lösung sehen, aber eine knappe Mehrheit dafür stimmt.
Ist also eher ein Denkzettel an die Politik und nicht der Volkswille.


Quote
ÜktzyxvR #6.1

Na, wenn der Tagesspiegel das sagt.


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« Reply #83 on: October 08, 2021, 09:40:01 AM »
"Verdrängung von Wagenplätzen in Berlin: Die Köpi ist eine Bremse" Peter Nowak (3.10.2021)
Am 15. Oktober soll der Wagenplatz des Hausprojekts Köpi geräumt werden. Dagegen demonstrierten am Samstag über 1.000 Menschen.
Es wurde daran erinnert, dass zunehmend Wa­gen­be­woh­ne­r*in­nen aus Berlin vertrieben werden, wie es aktuell an der Rummelsburger Bucht zu sehen ist, wo die Wagenburg Molli teuren Immobilienprojekten weichen muss und keinen Ausweichplatz hat. „Die Köpi war und ist eine reale Gentrifizierungsbremse“, sagte eine Rednerin und verwies auf die nie fertiggestellten Rohbauten direkt vor dem Areal. Dort sind seit den 1990er Jahren Projekte geplant und warten seither vergeblich darauf, dass die Köpi geräumt wird.
Die Köpi-Unterstützer*innen haben in den letzten Monaten auch mit künstlerischen Interventionen versucht, die Räumung des Wagenplatzes zu verhindern. Unter dem Motto „Hands of(f) our Homes“ entwickelte die Künstlerin Frauke Decoodt eine Postkartenserie. Damit sollte Berlins Innensenator Andreas Geisel aufgefordert werden, die Räumung des Köpi-Platzes zu stoppen.
Die Postkarten waren auch Teil einer Kunstausstellung in der Neuen Schule für Fotografie. „Der Slogan ‚Hände weg von unseren Häusern‘ ist ein zentraler Satz bei vielen unserer Aktionen gewesen. Er wurde auch sehr groß auf die Seitenwand der Köpi gemalt“, erklärt die Künstlerin gegenüber der taz. ...
https://taz.de/Verdraengung-von-Wagenplaetzen-in-Berlin/!5801355/

"Freiräume in Berlin: Køpi und Co. retten" Kolumne von Desiree Fischbach (6.10.2021)
Wieder droht die Räumung eines traditionsreichen alternativen Wohnprojektes. ...
https://taz.de/Freiraeume-in-Berlin/!5805348/

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« Reply #84 on: October 16, 2021, 11:05:32 AM »
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[...] Bisher war es dem Kampfgeist und auch ein bisschen Glück zu verdanken, dass direkte Angriffe wie z.B. die Zwangsversteigerungen erfolglos blieben. Nun haben wir erfahren, dass die Stadt die Baugenehmigung für unseren Wagenplatz erteilt hat. Wir erwarten daher zeitnah die Kündigung und die Aufforderung den Platz zu räumen. ...


https://koepi137.net/koepi-wagenplatz.html (2021)

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[...] Die Polizei kam am Freitagmorgen mit einem beträchtlichen Fuhrpark technischer Geräte zum „Köpi“-Wagenplatz in Berlin-Mitte. Mit Räumpanzern, Gerüsten, Motorsägen und auch Äxten begannen die Einsatzkräfte der technischen Einheit um 10.24 Uhr, den Zaun rund um das linksalternative Wagendorf aufzubrechen. Sie leisteten damit der Gerichtsvollzieherin Amtshilfe, die einen gerichtlichen Räumungsbescheid umsetzen ließ.

Die Bewohner:innen hatten den Zaun in den vergangenen Wochen mit Stahlplatten und Stacheldraht verstärkt, auch von innen war der Platz verbarrikadiert. Zudem verkündeten sie bereits vor Beginn der Räumung über einen Lautsprecher, dass sich einzelne Personen von hinten an die Barrikaden gekettet hätten.

„Wenn ihr die Barrikade stürmt, nehmt ihr in Kauf, dass Leute sterben“, schallte es über die Köpenicker Straße. Dazwischen immer wieder laute Musik, sowohl aus der „Köpi“ – dem neben dem Wagenplatz gelegenen legalen linksalternativen Hausprojekt – als auch von mehreren Kundgebungen am Rande der polizeilichen Sperrzone. Dort hatten sich ein paar wenige Hundert Unterstützer:innen gesammelt, um gegen die Räumung zu protestieren.

Die Barrikaden hielten allerdings nur kurze Zeit Stand. Die Einsatzkräfte bearbeiteten den Zaun an mehreren Stellen gleichzeitig mit unterschiedlichen Gerätschaften. Dabei wurden sie immer wieder mit Flaschen und Steinen aus dem Inneren des Geländes beworfen und offenbar auch mit einem Feuerlöscher besprüht.

Zum Teil rammten die Einsatzkräfte den Zaun mit dem Räumpanzer. Direkt dahinter befanden sich allerdings, von außen klar erkennbar, Personen in den Bäumen.

Nach knapp 20 Minuten hatten die Einsatzkräfte ein Loch in den Zaun geschnitten, die ersten Beamt:innen betraten das Gelände. Dabei wurden sie laut Angaben von Polizeisprecherin Anja Dierschke, die ebenfalls vor Ort war, erneut attackiert.

Kurze Zeit später riss die Polizei auch ein großes Loch in den Zaun auf Höhe der Grundstücksgrenze. Nach und nach begannen die Einsatzkräfte, das Gelände zu räumen.

Die überwiegende Zahl der rund 40 Personen, die auf dem Platz waren, verließen ihn ohne Widerstand. Zwei Personen wurden von Polizeikräften rausgetragen. Als die Gerichtsvollzieherin um 13.17 Uhr das Gelände betrat, waren allerdings noch einige Menschen auf den Bäumen über ihr. Sie hatten sich festgekettet und brüllten Parolen wie „Hass, Hass, Hass wie noch nie“ und beleidigten die Einsatzkräfte.

Erst gegen 15.25 Uhr gelang es der Polizei, die letzte verbliebene Person vom Gelände zu führen. Die Identitäten der rund 40 Menschen wurden festgestellt, dann durften sie wieder gehen. Sollten sich einzelnen von ihnen Straftaten, etwa Flaschenwürfe auf Beamt:innen, zuordnen lassen, würden Anzeigen gegen sie erstellt. Das sagte Polizeisprecherin Dierschke.

Insgesamt verlief die Räumung ihrer Aussage nach Plan. Rund um das Gelände blieb es verhältnismäßig friedlich. Bei den Kundgebungen am Rande kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrant:innen und Polizei, dabei wurden mindestens 50 Menschen vorübergehend festgenommen, weil sie etwa Widerstand gegen Einsatzkräfte geleistet haben sollen.

Insgesamt waren laut einer Sprecherin rund 2000 Polizist:innen rund um die Räumung im Einsatz, die Polizei hatte dabei auch Unterstützung aus anderen Bundesländern.

Für den Freitagabend hatte die linke und linksradikale Szene zu einer sogenannten „Tag X“-Demo aufgerufen. Autonome kündigten Ausschreitungen an, um den Köpiplatz „zu rächen“ – und so kam es auch. Mehrere Tausend Menschen demonstrierten am Abend in Kreuzberg. Dabei kam es zu Ausschreitungen und Sachbeschädigungen. Die Polizei verlor zeitweise die Kontrolle.

Für den Freitagabend hatte die linke und linksradikale Szene zu einer sogenannten „Tag X“-Demo aufgerufen. Autonome kündigten Ausschreitungen an, um den Köpiplatz „zu rächen“ – und so kam es auch. Mehrere Tausend Menschen demonstrierten am Abend in Kreuzberg. Dabei kam es zu Ausschreitungen und Sachbeschädigungen. Die Polizei verlor zeitweise die Kontrolle.

Die Menge zog weiter durch die Oranienstraße. Vermummte zertrümmerten einige Scheiben des Oranien-Hotels. In der Adalbertstraße wurde ein Polizeiwagen angegriffen. Die Polizei brauchte fast eine halbe Stunde, um die Ausschreitungen zu unterbinden.

Danach zog die Demo weiter bis zur abgesperrten Köpenicker Straße. Vor der Köpi hatte die Polizei eine Sperre und einen Wasserwerfer aufgestellt. Der Demozug zog durch die Adalbertstraße. An der Ecke Oranienstraße löste der Versammlungsleiter die Demo offiziell auf. Ein Teil der Demonstrant:innen ging nach Hause. Doch noch kurz vor Mitternacht Beschäftigte eine große Gruppe von etwa 300 Menschen in der Oranienstraße die Polizeikräfte.

Am Samstagmorgen war dann wieder Ruhe eingekehrt. Nach der Demonstration sei die Nacht in der Hauptstadt sehr ruhig verlaufen, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit.

Bereits in den Vortagen der Räumung hatte es Demonstrationen und Brandanschläge gegeben. In der Nacht zu Freitag zogen Autonome durch die Ritterstraße in Kreuzberg und demolierten mehrere Autos. Zuvor waren unter anderem Barrikaden in Brand gesetzt worden, zudem hatten Autonome mehrere Scheinbesetzungen verkündet.


Aus: "Berliner „Köpi“-Wagenplatz geräumt – Tausende bei „Tag X“-Demo am Abend" Julius Geiler, Madlen Haarbach, Christoph Kluge (16.10.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-im-grosseinsatz-berliner-koepi-wagenplatz-geraeumt-tausende-bei-tag-x-demo-am-abend/27710770.html

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"Auf zum letzten Gefecht" Dorian Baganz | Ausgabe 42/2021
Berlin Die Polizei räumt den Bauwagenplatz des legendären Wohnprojekts „Köpi“. Eine Reportage darüber, wie die Stadt ihre letzten Freiräume verliert ... Es scheint, als ob der Staat jede Angst vor der autonomen Szene verloren hat. Die Räumung der Mainzer Straße im Jahr 1990 führte noch zu einer Straßenschlacht um die 13 besetzten Häuser in Friedrichshain, die rot-grüne Koalition in Berlin wurde daraufhin gesprengt. Dreißig Jahre später wählen die jungen Leute entweder FDP oder trommeln dafür, auf die „Wissenschaft“ zu hören, um die Klimakatastrophe in den Griff zu kriegen. Da wirken ein paar gesichtstätowierte Autonome in der Köpi, die schreien, dass sie „unregierbar“ seien, wie aus der Zeit gefallene Dinosaurier: Die kriegt die Obrigkeit schon unter Kontrolle. Um zwanzig nach zehn rollen Panzerfahrzeuge der Polizei an und rammen die Barrikade. Beamte flexen die Wellblech-Oberfläche des Schutzwalls weg. Sie schaffen auch eine Bühne her, auf die Einsatzkräfte klettern, um von dort aus den Stacheldraht kaputtzuschneiden, den die Köpi-Besetzer oben am Zaun angebracht haben. Es ist ein voyeuristisches Fest, bei dem sich die Presseleute versammeln, um möglichst martialische Bilder vor die Linse zu kriegen – während sie inständig hoffen, dabei keinen Pflasterstein auf den Kopf zu bekommen. ...
https://www.freitag.de/autoren/dorian-baganz/auf-zum-letzten-gefecht

« Last Edit: October 21, 2021, 09:51:16 AM by Link »

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« Reply #85 on: November 04, 2021, 12:12:22 PM »
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[...] Rund 8,5 Millionen Menschen in Deutschland haben zu wenig Wohnraum. Im vergangenen Jahr lebten damit 10,3 Prozent der Bevölkerung in Wohnungen, die nach europäischer Definition als überbelegt gelten, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Menschen in Städten, Alleinlebende sowie Alleinerziehende und deren Kinder waren überdurchschnittlich häufig betroffen.

Als überbelegt gilt eine Wohnung, wenn sie über zu wenige Zimmer im Verhältnis zur Personenzahl verfügt. Das heißt konkret ein Raum pro Paar, das in dem Haushalt lebt, ein Raum für jede weitere Person ab 18 Jahren, ein Raum für zwei Kinder unter 12 Jahren, ein Raum für zwei Kinder desselben Geschlechts zwischen 12 und 17 Jahren, ein Raum je Kind zwischen zwölf und 17 Jahren, wenn sie unterschiedlichen Geschlechts sind.

Eine Überbelegung erlebten im Jahr 2020 mehr als 16 Prozent der Minderjährigen in Deutschland zu. Sie sind damit die Altersgruppe, die am häufigsten zu beengt wohnt. Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren lagen mit einem Anteil von elf Prozent leicht über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Hingegen lebten nur drei Prozent der ab 65-Jährigen zu beengt.

Gemäß europäischer Definition muss ein Ein-Personen-Haushalt mindestens zwei Zimmer haben, etwa ein Wohn- und ein Schlafzimmer, damit die Wohnung nicht als überbelegt gilt.

Die Überbelegungsquote in den deutschen Städten war demnach besonders hoch. Gut jeder Siebte (15 Prozent) hatte hier zu wenig Wohnraum zur Verfügung. In Kleinstädten und Vororten waren dagegen nur etwa halb so viele Menschen betroffen, hier wohnten 7,9 Prozent in überbelegten Wohnungen. Auf dem Land betraf dies nur 5,8 Prozent der Bevölkerung.

Gemäß europäischer Definition muss ein Ein-Personen-Haushalt mindestens zwei Zimmer haben (etwa ein Wohn- und ein Schlafzimmer), damit die Wohnung nicht als überbelegt gilt. Insgesamt 13 Prozent der Alleinlebenden wohnten in zu beengten Verhältnissen, beispielsweise in Ein-Zimmer-Appartements. Demgegenüber lebten nur 2,4 Prozent der Menschen in Haushalten mit zwei Erwachsenen in überbelegten Wohnungen.

Unter den Haushalten mit Kindern war die Überbelegungsquote bei Alleinerziehenden am höchsten – 29,9 Prozent der Alleinerziehenden und deren Kinder hatten zu wenig Wohnräume. Dagegen wohnten nur 7,3 Prozent der Haushalte mit zwei Erwachsenen und einem Kind sowie acht Prozent der Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern in solchen Verhältnissen.

Vergleiche mit Vorjahresergebnissen sind aufgrund der Neugestaltung der Erhebung im Jahr 2020 nicht möglich. Im EU-Vergleich hingegen waren die Überbelegungsquoten in Rumänien und Lettland mit 45,1 Prozent beziehungsweise 42,5 Prozent am höchsten. Die Inselstaaten Zypern (2,5 Prozent) und Malta (4,2 Prozent) hatten dagegen EU-weit 2020 am wenigsten mit Überbelegung zu kämpfen. (AFP/dpa/KNA)


Aus: "Zehn Prozent der Deutschen haben zu wenig Wohnraum" (04.11.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/minderjaehrige-besonders-betroffen-zehn-prozent-der-deutschen-haben-zu-wenig-wohnraum/27768378.html

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« Reply #86 on: December 01, 2021, 06:57:35 PM »
"Einer der letzten selbstverwalteten Freiräume Freiburgs vernichtetPlötzlicher Abriss der G19"
Am Montag, den 29.11.2021, gegen 8 Uhr morgens werden die zwei Häuser in der Gartenstraße 19 abgesperrt. Kurz darauf beginnen Abrissarbeiten. Damit wird einer der letzten selbstverwalteten, unkommerziellen Freiräume in Freiburg vernichtet. Bis vor kurzem wurden von den Besetzer*innen thematische Café-Nachmittage, unkommerzielle Veranstaltungen und das Gemeinschaftsbeet vor dem Gebäude gehegt und gepflegt. ...
https://rdl.de/beitrag/pl-tzlicher-abriss-der-g19

Die G19 verstehen wir dabei als anarchistischen Lern-, Vernetzungs-, Rückzugs- und Begegnungsraum, der dazu einlädt, sich nach eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten einzubringen. ...
https://g19freiburg.blackblogs.org/

Seit dem 23.04.2010 besetztes Häuschen in der Freiburger Innenstadt - bis am Tag der Räumung täglich vielseitig genutzt!
https://twitter.com/G19Freiburg

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[...] Der schon länger angekündigte Abbruch des einst besetzten Häuschens G19 in der Freiburger Altstadt hat am Montagmorgen begonnen. Die Polizei hat die Gartenstraße für den Verkehr gesperrt.

In der Frühe rollte der Abrissbagger und die Abrissmannschaft an. Der Abbruch des Häuschens in der Gartenstraße läuft. Der Besitzer hatte eine Genehmigung für die Arbeiten erhalten, die schon längere Zeit angekündigt waren. Die Polizei hat am Morgen über den Beginn des Abrisses informiert, der von der Polizei abgesichert wird. Der Zugang zur Gartenstraße sei derzeit sowohl für Verkehrsteilnehmer als auch für Fußgänger nur eingeschränkt möglich, heißt es.

Das Haus und das zugehörige Hinterhaus waren seit dem April 2010 bis zum Mai dieses Jahres besetzt – mit Duldung des Besitzers. Als er diese Duldung beendete, hatten die Nutzerinnen und Nutzer vor knapp einem halben Jahr die beiden Gebäude verlassen – wenn auch nur unter Protest. Es gab vor Ort danach mehrere Kundgebungen. Am Montagmorgen blieb zunächst alles ruhig.

Die G19 war über die Jahre von verschiedenen Gruppen mit verschiedenen Konzepten als Treffpunkt genutzt werden. Das Haus verfügt über keinen Wasser- und keinen Stromanschluss.

Der Eigentümer, der in Nordrhein-Westfalen lebt, sagte im Mai der Badischen Zeitung, dass er den Neubau eines Mehrfamilienhauses plane, der "in enger Abstimmung mit der Stadt Freiburg erfolgen soll". Das solle möglichst bald erfolgen, "eine Brachfläche ist nicht geplant und nicht gewünscht", so seine Aussage. Über die Genehmigungsfähigkeit eines möglichen Bauprojekts gibt es einen mehrjährigen Rechtsstreit.



Aus: "Besetztes Haus in Freiburg - Abbruch der G19 in der Gartenstraße hat begonnen" (Mo, 29. November 2021)
Quelle: https://www.badische-zeitung.de/abbruch-der-g19-in-der-gartenstrasse-hat-begonnen--206853887.html

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[...] Entgegen den Aussagen des Eigentümers und der BZ gab es weder eine „Beendigung der Duldung“, noch das „Verlassen des Hauses“ der Nutzer*innen. Hier wurde kein leeres Gebäude abgerissen, sondern ein noch bis gestern Abend genutzter Raum zerstört.

Die G19 ist und war kein Störfaktor sondern eine Bereicherung für Freiburg. In den letzten 10 Jahren stellten die Räumlichkeiten einen wichtigen Knotenpunkt für viele kulturelle, politische und vor allem engagierte Menschen dar, denen jetzt buchstäblich das Dach wegfliegt
.
Während der Eigentümer das Haus nicht nutzte sondern verwahrlosen lies, kümmerten sich Menschen um dessen Erhalt und Nutzung. In den letzten Jahren wurde viel Energie in diese Räume gesteckt, um endlich einen Raum in Freiburg zu gestalten, der verschiedenen Bedürfnissen gerecht wird. Wieder einmal wird diesem Wunsch in Freiburg keinerlei Gehör geschenkt. Dieser Tag reiht sich ein in die Räumung und Zerstörung unkommerzieller Freiräume in Freiburg, wie zuletzt an der Schließung des Spätis deutlich wurde.


Aus: "Freiburg: Besetzte G19 und Bikekitchen wurden gestern abgerissen!" (30. November 2021)
Quelle: https://emrawi.org/?Freiburg-Besetzte-G19-und-Bikekitchen-wurden-gestern-abgerissen-1901

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« Reply #87 on: January 12, 2022, 11:20:37 AM »
"Wohnungskrise zwischen Luxuswohnungen, Airbnb und verfallenen Hütten" (Betriz Ramalho da Silva,  11.01.2022)
Wohnungsmarkt Lissabon gilt als europäische Boomtown. Menschen und Kapital aus der ganzen Welt zieht es in die portugiesische Hauptstadt, die Mieten explodieren – mit katastrophalen Folgen für Mieter*innen und das soziale Stadtgefüge ...
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/wohnungskrise-zwischen-luxuswohnungen-airbnb-und-verfallenen-huetten

Wealthy overseas buyers lured by ‘golden visas’ helped create a city where workers struggle to find homes
by Beatriz Ramalho da Silva
https://www.theguardian.com/world/2021/dec/22/luxury-homes-short-lets-and-shacks-inside-lisbons-housing-crisis

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"Explosion der Bodenpreise: Friede den Baugruben, Krieg den Goldgruben" (Benjamin Knödler | Ausgabe 08/2022 )
Bodenpreise Ein unbebautes Stück Land ist heute oft Millionen wert – vor allem in den Städten. Gleichzeitig steigen die Mieten immer weiter. Was bedeutet das für den urbanen Raum? Und vor allem: Was kann man dagegen tun? ... Um satte 2.308 Prozent sind die Baulandpreise zwischen 1962 und 2017 im bundesdeutschen Durchschnitt angestiegen. Im Durchschnitt, das heißt: mancherorts weniger, anderswo, und vor allem in den Städten, mehr. Besonders deutlich zeigt das der Blick auf das Extrembeispiel München. Zwischen 1950 und 2017 stiegen die Baulandpreise dort um sagenhafte 39.390 Prozent. Von durchschnittlich drei Euro auf 1.876 Euro pro Quadratmeter. ...
https://www.freitag.de/autoren/bennyk/so-wird-wohnen-wieder-bezahlbar

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"Kriegsmittel „Urbizid“: Über die Zerstörung der Städte" (Ulrich van Loyen | Ausgabe 13/2022 )
Urbizide Von Mariupol gingen in den letzten Wochen Bilder von zerstörten Häuserfronten, ausgebrannten Autos und zerbombten Infrastruktur um die Welt. Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn die Städte ausgelöscht werden? ... Als Michael Moorcock 1963 den Begriff des „Urbizids“, des Stadtmords, kreierte, wollten er und andere Stadtsoziologen ihn eigentlich für die Gewalt der Umstrukturierung und Ghettoisierung in westlichen Metropolen reservieren. Also für Eingriffe, die häufig aus der Perspektive der administrativen Eliten angeordnet werden und die die subkutane Verflechtung, den Lebensnerv eines Ortes – oft genug kennt man ihn nicht, bevor man ihn durchschneidet – zerstören. Verkehrsknotenpunkte, Plätze, Boulevards, aber auch Schulen, Krankenhäuser, Parks machen aus einer Stadt mehr als eine Siedlung, sie verleihen ihr historische und räumliche Perspektive, und sie vermitteln zwischen der Intimsphäre des Einzelnen, seinem Selbstbild, seinen Wünschen – und dem Raum, in den er sie hineinträgt. Urbizide sind Angriffe auf das Leben selbst, auf seine Möglichkeit, sich zu regenerieren. Sie sind Früchte des Hasses nicht weniger als des Weltverlusts: dort, wo Eliten oder Militärs an Modellen operieren, die das Wirkliche nur vertreten.
Städte seien, so der Kolumbianer Eduardo Mendieta, „lebende Gebilde“, deren Werden und Vergehen sich rationaler Planung entziehen. Dennoch scheint es verwundbare Zonen zu geben, an denen man eine Stadt so treffen kann, dass sie danach „tot“ ist, ihre Wiederbelebung künstlich erscheint, man eine Art zweiter Stadt um die tote zu errichten hat. Urbizide sind also auch Historisierungsmaschinen, in einem Eroberungskrieg bereiten sie die Kolonialisierung der kollektiven Erinnerung an der Stelle vor, wo die spätere Macht sich ansiedeln wird. Dem Urbizid zu entgehen, das vermögen indes die Menschen, die die gemordete Stadt in sich an einen anderen Ort tragen und dort wiedererstehen lassen. So könnte es sein, dass man sich aus ihrer Umklammerung und sie aus der Umklammerung ihrer Zerstörer befreit. Die klassische und die moderne griechische Literatur stehen dafür ein. In Mariupol, heißt es, lebten zuletzt 10.000 Griechen. ...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/grosny-aleppo-mariupol-angriff-auf-die-seele-der-staedte

"Einstiger „Köpi“-Wagenplatz erneut besetzt – Gelände nach Stunden geräumt" (16.04.2022)
Protest gegen den „Köpi“-Eigentümer: Autonome drangen am Karfreitag auf das Gelände ihres alten Symbolprojekts ein, Sympathisanten versammelten sich davor. Pascal Bartosz Alexander Fröhlich
Der Konflikt um eines der letzten linken Symbolprojekte in Berlin ist am Karfreitag wieder aufgeflammt: Das Areal des früheren Wagenplatz an der Köpenicker Straße im Bezirk Mitte wurde am Abend besetzt. Bis zu 20 Männer und Frauen überwanden um circa 18.30 Uhr die Zäune zu dem Grundstück, sie zündeten Feuerwerk, Knallkörper und Rauchtöpfe, beschallten das Areal mit Musik und hissten Transparente. Es folgten Reden auf Deutsch und Englisch.
https://www.tagesspiegel.de/berlin/linkes-symbolprojekt-in-berlin-einstiger-koepi-wagenplatz-erneut-besetzt-gelaende-nach-stunden-geraeumt/28257346.html

Quote
... Wir sind hier, um zurückzufordern, was uns gehört. Es war nicht nur ein Stück Land für uns. Es war unser Zuhause, es war Familie, es war ein Ort, um Menschen aus der ganzen Welt willkommen zu heißen, um voneinander zu lernen und sich zu unterstützen, zum wachsen und sich verbinden. Auf ganz einfache und wundervolle Art, war es unsere Gemeinschaft und unser Leben. Und nun wurde unsere Gemeinschaft auseinander gerissen und mehr als alles andere wollen wir wieder zusammen sein.

6 Monate sind vergangen seit der scheiß Räumung des Køpi Wagenplatzes und es hat sich nichts verändert. Der Platz ist immer noch leer, bis auf einige angeheuerte Idioten, die den Platz bewachen, der voll ist mit den Trümmern, die einst unser Zuhause und unser Leben waren.

Das Angebot der Stadt und Howoge wurde nicht entworfen, um uns zu unterstützen, es sollte uns eher in eine Zwickmühle treiben, in der wir auf unakzeptable Weise auseinander gebracht werden sollten. Es gab das Angebot 70 Prozent der Fläche abzutrennen und uns den kläglichen Rest zu überlassen, um dort ein paar Wägen unterzubringen. Das lehnten wir ab. Der Wagenplatz sind wir alle oder niemand und wir bleiben eine Familie, die jetzt gezwungenermaßen getrennt und in der Stadt verteilt ist und wir suchen immer noch einen Platz, an dem wir wieder zusammen leben können.

Ein weiteres Mal wurde ein Wagenplatz direkt neben dem Køpi Gebäude geräumt. Das letze Mal vor 23 Jahren war es die Räumung des Mad Max Wagenplatzes rechterhand der Køpi. Ein Altersheim sollte dort gebaut werden und wie nach unzähligen anderen Räumungen lag das Grundstück brach und nach DREIUNDZWANZIG Jahren ist dort immer noch nur eine leere Gebäudehülle, die für viele von uns ein Zuhause sein könnte. Wird das auch die Zukunft des Køpiplatzes sein?

Wie unser Platz, stehen die Projekt Räume der Meuterei und vom Syndikat nach deren Räumungen leer. Auch die Liebig34 ist noch unbewohnt, während die Menschen der Rigaer 94 konstant Angriffen der Stadt ausgesetzt sind. Wir sind hier um DIE große Frage zu stellen: WOZU? Warum verlieren Menschen ihr Zuhause und ihre Projekt Räume, ihr Leben und echte Verbindungen? Für gar nichts?!

Das sind nur einige Beispiele aus der letzten Zeit. Wir finden, dass wir es verdienen, fair behandelt zu werden und für alle anderen, die in den letzten Jahren Räumungen ausgesetzt waren, fordern wir Neuunterbringung und einen Ort für alle Kamerad:innen aus Berlin und in der ganzen Welt, um dort etwas fabelhaftes und selbstbestimmtes erschaffen zu können.

Es ist offensichtlich, dass die Taktiken der letzten Jahre darauf abzielen unsere Bewegung aus ihren Wurzeln zu heben und uns zu ermüden, mit sich wiederholenden Angriffen auf unsere Art zu leben. Aber das wird nicht funktionieren. Unsere gebündelte Wut schweißt uns zusammen in angstfreierer Solidarität.

Wir ruhen nicht in Frieden oder geben uns zufrieden bis anerkannt wird, dass man uns nicht einfach räumen und unter den Teppich kehren kann, als würde es uns nicht geben. Gehorsam und lautlos. Nein! Wir bleiben überzeugt von autonomen Plätzen und Gemeinschaften und führen unsere Art zu leben weiter, egal mit welchen Konsequenzen.

Viva Køpiplatz! Viva autonome frieraume ! One struggle, one fight!


https://kopibleibt.noblogs.org/post/2022/04/15/we1/
« Last Edit: April 16, 2022, 11:01:15 AM by Link »

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[Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand... ]
« Reply #88 on: May 17, 2022, 12:11:32 PM »
 Von der Gentrifizierung zum Verfall und wieder zurück
Dokumentarfilm „We are all Detroit“ vergleicht den Prozess der Deindustrialisierung in der einstigen Motor City und in Bochum
Silvia Hallensleben | Ausgabe 19/2022
We are all Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden Ulrike Franke, Michael Loeken Deutschland 2021, 119 Minuten
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/dokumentarfilm-we-are-all-detroit-deindustrialsierung-in-detroit-und-bochum


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[Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand... ]
« Reply #89 on: June 09, 2022, 10:38:16 AM »
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[...] HAMBURG taz | Es gibt derzeit rund 13.000 Wohnungsnotfälle in Hamburg. Das vermeldet das „Hamburger Bündnis für eine neue soziale Wohnungspolitik“. Im Bündnis sind unter anderem die Diakonie und der Mieterverein „Mieter helfen Mietern“ vereint, die einen Neustart bei der Bekämpfung der Wohnungsnot vom Hamburger Senat fordern.

„Die Situation hat sich in den letzten Jahren verschlechtert“, sagt Stephan Nagel von der Diakonie. Mit den aktuell 13.000 Fällen, die dringend auf eine passende Wohnung warten, sei ein Allzeithoch erreicht.

Als dringend auf eine Wohnung angewiesen gelten Personen, die entweder eine barrierefreie Wohnung brauchen oder von Gewalt betroffen sind. Auch aus dem Gefängnis oder aus der Eingliederungs-, Behinderten- oder Jugendhilfe entlassene Menschen zählen zu dieser Gruppe.

Weil Armut sich in diesen Fällen als zusätzliche Belastung auswirkt, haben sie Schwierigkeiten, auf dem freien Wohnungsmarkt bezahlbaren Wohnraum zu finden. Deshalb erhalten sie einen Dringlichkeitsschein, damit ihnen die Fachstellen der Bezirksämter eine Wohnung vermitteln.

Nur bekommen sie dann nicht sofort eine neue Wohnung. Vor sechs Jahren betrug die Zahl der Wohnungsnotfälle in Hamburg noch etwa 8.000. Aus Sicht des Bündnisses reagiert die Politik auf diese gestiegene Zahl an vordringlich wohnungssuchende Menschen allerdings nur zögerlich. „Wir teilen dem Senat seit Jahren mit, dass er entschiedener handeln muss“, sagt Nagel. „Das Problem hat sich verstärkt und darauf muss der Senat reagieren.“

Die gestiegene Zahl von Wohnungsnotfällen sieht das Bündnis in einer fehlerhaften Wohnungsbaupolitik des Senats begründet. Um die Situation zu ändern, fordert das Bündnis, den Anteil der Sozialwohnungen bei Neubauten auf mindestens 50 Prozent zu erhöhen. Die Vorgabe der Stadt ist bislang, dass der Anteil von Sozialwohnungen 33 Prozent betragen muss.

Dabei wurde nach dem jüngsten Bericht über die fertiggestellten Neubauten deutlich, dass der Anteil der Sozialwohnungen gesunken ist. Waren 2020 3.472 öffentlich geförderte Wohnungen mit sozialer Mietpreis- und Belegungsbindung fertiggestellt worden, waren es 2021 nur noch 1.875 – das ergibt ein Minus von 45 Prozent.

Zudem verlangt das Bündnis, dass mehr Wohnungen explizit für Wohnungsnotfälle vorgesehen werden. Das städtische Wohnungsunternehmen Saga solle dafür jede zweite Neuvermietung an vordringlich wohnungssuchende Haushalte vergeben.

Die Forderung stützt sich darauf, dass der Senat seine selbst gesteckten Ziele zuletzt nicht erreicht hatte: So wollte die Stadt im vergangenen Jahr 300 Wohnungen für diese Personengruppe fertiggestellt haben. Tatsächlich waren es aber nur 101 Sozialwohnungen mit entsprechender Bindung.

Die Sozialbehörde verweist darauf, dass es ein umfangreiches Hilfsangebot für Betroffene gebe. Das Hilfesystem der Stadt setze an unterschiedlichen Stellen an. „Die Fachstellen unterstützen Menschen dabei, Kündigungen abzuwehren und die bestehende Wohnung zu sichern“, teilt die Sozialbehörde mit. Außerdem helfe sie bei anstehenden Wohnungsräumungen und in Fällen von Obdachlosigkeit bei der Suche nach einer neuen Bleibe. Zudem gehe nun das Housing-First-Projekt an den Start, bei dem 30 Wohnungen an obdachlose Menschen vermittelt werden.

Für das Bündnis greifen diese Ansätze allesamt zu kurz. Eine sinkende Zahl der Notfälle sei deshalb nicht in Sicht.


Aus: "Warten auf ein neues Zuhause in Hamburg: Höchststand bei Wohnungsnotfällen" Valeria Bajaña Bilbao (9. 6. 2022)
Quelle: https://taz.de/Warten-auf-ein-neues-Zuhause-in-Hamburg/!5856765/


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« Reply #90 on: June 14, 2022, 06:55:17 PM »
Raphael Knipping @RaphaelKnipping
6:08 nachm. · 13. Juni 2022 aus Hannover, Deutschland
Im Winter 2020 besetzten wohnungslose Menschen in #Hannover heimlich ein leerstehendes Haus. @mic_tra
 und ich begleiteten die Besetzung über 1,5 Jahre mit der Kamera. Jetzt ist unser Film: „Eigenbedarf - Leben auf dem Schleudersitz“ fertig. ....
https://twitter.com/i/status/1536380025859149824