Author Topic: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...  (Read 123024 times)

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #80 on: June 15, 2021, 10:14:30 AM »
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[...] Die Hälfte aller Haushalte in größeren Städten zahlen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete. Konkret sind es 4,1 Millionen Mieter, deren Wohnungskosten damit „die Grenzen der Leistbarkeit“ überschreiten, wie es in einer aktuellen Studie der Humboldt-Universität im Auftrag der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung heißt. Alles in allem lebten 2018 4,4 Millionen Haushalte oder 53 Prozent der Mieter in zu kleinen oder im Verhältnis zu ihren Einkommen zu teuren Wohnungen. Für die Studie wurden Mikrozensusdaten für die Jahre 2006 bis 2018 in den 77 größten deutschen Städten ausgewertet.

Selbst wenn ein Teil der sozialen Wohnversorgungsprobleme durch eine bessere Verteilung des vorhandenen Wohnraums gelöst werden könnte, was indes eine eher theoretische Erwägung ist, blieben noch 1,5 Millionen Haushalte, die nicht mit bezahlbaren und angemessenen Wohnungen versorgt würden. „Dieser ,harte Kern’ der Wohnungsnot betrifft über 18 Prozent aller Mieter*innenhaushalte in den Großstädten – vor allem kleine Haushalte und Einkommensklassen mit geringen Einkommen", schreiben die Wissenschaftler und empfehlen „die Absenkung von Mietpreisen, den Neubau von sehr günstigen Wohnungen oder Einkommenssteigerungen bei Haushalten mit geringen Einkommen“.
Grundlage der Analyse ist die Einschätzung, dass Bruttowarmmieten, also Mieten plus Betriebs- und Heizkosten, von bis zu 30 Prozent des Haushaltseinkommens als „leistbar“ gelten. Darüber liegende Belastungen überforderten die Haushalte „und verstärken insbesondere bei Mieter*innen mit geringen Einkommen das Armutsrisiko“.

Im Untersuchungszeitraum verringerte sich die durchschnittliche Mietbelastungsquote von 31,2 Prozent auf 29,8 Prozent. Dieser überraschende Befund erklärt sich mit den Einkommen, die stärker gestiegen sind als die Wohnkosten. Die inflationsbereinigten mittleren Einkommen erhöhten sich in den 77 Großstädten um 16 Prozent, die ebenfalls inflationsbereinigten Bruttowarmmieten aber nur um 7,5 Prozent. Die Steigerung der Nettokaltmieten lag mit knapp elf Prozent in deutlich darüber.

„Von einer Entspannung ist die Wohnversorgungslage jedoch weit entfernt“, schreiben die Humboldt-Wissenschaftler. Für 2,2 Millionen Haushalte, das entspricht gut einem Viertel, lag die Mietbelastungsquote bei über 40 Prozent des Einkommens, und 998.000 Haushalte (11,9 Prozent) mussten sogar mehr als die Hälfte des Einkommens für die Wohnung aufbringen. „Eine Ursache für den großen Anteil an Haushalten mit hohen oder sehr hohen Mietbelastungsquoten ist die ungleiche Einkommensentwicklung in deutschen Großstädten.“

Konkret stieg der Anteil von Haushalten mit Einkommen unterhalb der Grenze der Armutsgefährdung (weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens) von 15,9 Prozent (2006) auf 17,5 Prozent (2018). Gleichzeitig gibt es mehr Haushalte in der höchsten Einkommenskategorie (über 140 Prozent des Medianeinkommens), der Anteil dieser Gruppe erhöhte sich von 24,4 Prozent auf 25,7 Prozent. „Weil die Einkommenssteigerungen der letzten Jahre ungleich verteilt waren, leben immer noch knapp die Hälfte der Mieter*innen (49,2 Prozent) in zu teuren Wohnungen“, heißt es in der Studie.

Die strukturell bedingten Versorgungslücken konzentrierten sich vor allem auf Einpersonenhaushalte und Haushalte mit geringen Einkommen: In den Mietpreisklassen bis zehn Euro je Quadratmeter (warm) – das entspricht Nettokaltmietpreisen von unter 7,35 Euro je Quadratmeter – reduzierte sich das Versorgungsangebot zwischen 2006 und 2018 um mehr als 500 000 Wohnungen. Das entspricht einem Rückgang von über 30 Prozent. Dagegen gibt es im oberen Preissegment (mehr als 15 Euro Warmmiete) einen Zuwachs des Angebots um 16 Prozent auf 535.000 Wohnungen. Am größten sind die Versorgungsdefizite in Berlin, Hamburg, München und Köln, wo selbst bei hypothetischer Optimalverteilung des Wohnraums jeweils zwischen 220 000 und knapp 65 000 bezahlbare Wohnungen fehlen.


Aus: "Mietenentwicklung in Großstädten: Wenn Wohnen arm macht" Alfons Frese (15.06.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/mietenentwicklung-in-grossstaedten-wenn-wohnen-arm-macht/27285966.html

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #81 on: September 24, 2021, 10:33:53 AM »
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[...] Der Preisanstieg bei Wohnimmobilien hat sich beschleunigt. Nach vorläufigen Auswertungen des Statistischen Bundesamtes lag der sogenannte Häuserpreisindex im zweiten Quartal 2021 um 10,9 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals – der stärkste Anstieg seit Beginn der Statistik im Jahr 2000. Im ersten Vierteljahr des laufenden Jahres waren die Kaufpreise für Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser innerhalb eines Jahres nach jüngsten Berechnungen durchschnittlich noch um 8,9 Prozent gestiegen.

Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser verteuerten sich im Frühjahr 2021 gegenüber dem Vorquartal im Schnitt um 3,7 Prozent. "Die Preise stiegen sowohl in den Städten als auch in ländlichen Regionen deutlich", heißt es im Bericht des Bundesamtes.

Besonders kräftig stiegen die Preise in den sieben Metropolen Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf. In diesen Städten erhöhten sich die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 14,7 Prozent, Eigentumswohnungen verteuerten sich um 12,9 Prozent. In den anderen kreisfreien Großstädten stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 11,9 Prozent binnen Jahresfrist, Eigentumswohnungen kosteten dort 10,5 Prozent mehr.

Auch in dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Häuserpreise um 11,8 Prozent, die Preise für Wohnungen um 9,2 Prozent. In den Werten sind die Nebenkosten eines Immobilienkaufs, zum Beispiel Maklerkosten, nicht abgebildet.


Aus: "Preisanstieg bei Wohnungen und Häusern beschleunigt sich" (24. September 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-09/statistisches-bundesamt-immobilienpreise-deutschland-2000-gestiegen

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« Reply #82 on: September 27, 2021, 10:44:39 AM »
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[...] Die Berlinerinnen und Berliner haben sich für die Enteignung großer Wohnungskonzerne ausgesprochen. 56,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmten am Sonntag in einem Volksentscheid dafür, 39,0 Prozent lehnten das Vorhaben ab, wie die Landeswahlleitung am Montagmorgen mitteilte. Lediglich in den Berliner Bezirken Steglitz-Zehlendorf sowie Reinickendorf fand sich keine Mehrheit für den Volksentscheid.

Die Berliner SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey sicherte dem klaren Votum der Berlinerinnen und Berliner eine ernsthafte Prüfung zu. "Dieser Volksentscheid ist zu respektieren und die notwendigen Schritte sind einzuleiten", sagte Giffey im ARD-Morgenmagazin. Der politische Auftrag sei nun, dass die Umsetzbarkeit des Volksentscheids anhand eines Gesetzentwurfs geprüft werde.

Dabei äußerte Giffey allerdings Zweifel an der Umsetzbarkeit der mit dem Volksentscheid verbundenen Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne: "Wenn das nicht verfassungskonform ist, können wir es auch nicht machen." Giffey erneuerte auch ihre Position aus dem Wahlkampf zur Wahl des Abgeordnetenhauses, dass Enteignungen ihrer Meinung nach nicht zum Bau der benötigten neuen Wohnungen beitragen.

Die Initiative Deutsche Wohnen & Co. Enteignen hatte keinen Gesetzentwurf zur Abstimmung gestellt, sondern eine Aufforderung an den Senat formuliert, sich damit auseinanderzusetzen. Dieser ist nicht an den Beschluss gebunden. Auf Twitter schrieb die Initiative, sie wolle den Gesetzgebungsprozess "eng begleiten". Betroffen wären alle privaten Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in der Hauptstadt, ausgenommen die Genossenschaften. Nach Angaben der Initiative geht es um rund 240.000 der rund 1,5 Millionen Mietwohnungen in Berlin. 

Auch nach Ansicht der Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch muss die neue Berliner Landesregierung das Ergebnis des Volksentscheids ernstnehmen. "Das gehört in Koalitionsverhandlungen", sagte Spitzenkandidatin Bettina Jarasch der Nachrichtenagentur dpa. Die Politik müsse prüfen, ob eine Umsetzung des Bürgervotums machbar sei. "Es gibt für ein solches Gesetz aber noch viele rechtliche und praktische Fragen zu klären."

Jarasch warb als Alternative für ihr Konzept eines Mietenschutzschirms, also eines freiwilligen Pakts zwischen Politik, Vermietern und anderen Beteiligten für Neubau und faire Mieten. "Die Wohnungsunternehmen haben das in der Hand", sagte Jarasch.

Erste Ergebnisse des Volksentscheids hatten lange auf sich warten lassen, weil die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer zuerst die Stimmen zur Bundestagswahl, zur Abgeordnetenhauswahl und zur Bezirksverordnetenversammlung auszählen sollten und erst dann der Volksentscheid dran war.

In Berlin war es am Sonntag zudem vor zahlreichen Wahllokalen in der ganzen Stadt zu langen Warteschlangen gekommen. Wahlberechtigte mussten mitunter länger als eine Stunde anstehen. Der Bezirk Mitte meldete für das Wahllokal 100 zeitweise Wartezeiten von mehr als zwei Stunden.

Unbeeindruckt vom Volksentscheid hat der schwedische Immobilienkonzern Heimstaden rund 14.000 Wohnungen in Berlin gekauft. Das Unternehmen teilte am Sonntagabend mit, es erwerbe von Akelius insgesamt 17.600 Wohnungen in Berlin und Hamburg. Nach Angaben von Akelius befinden sich 14.050 in Berlin und knapp 3.600 in Hamburg. Der Abschluss des Geschäfts sei für Ende 2021 geplant, teilte Heimstaden weiter mit. Ein Preis wurde nicht genannt.   


Aus: "Mehrheit der Berliner stimmt für Enteignungen großer Wohnungskonzerne" (26. September 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-09/volksentscheid-berlin-deutsche-wohnen-und-co-enteignen

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Kultourist #6

Im Tagesspiegel war zu lesen, dass die überwiegende Mehrheit der Berliner Enteignungen nicht als Lösung sehen, aber eine knappe Mehrheit dafür stimmt.
Ist also eher ein Denkzettel an die Politik und nicht der Volkswille.


Quote
ÜktzyxvR #6.1

Na, wenn der Tagesspiegel das sagt.


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« Reply #83 on: October 08, 2021, 09:40:01 AM »
"Verdrängung von Wagenplätzen in Berlin: Die Köpi ist eine Bremse" Peter Nowak (3.10.2021)
Am 15. Oktober soll der Wagenplatz des Hausprojekts Köpi geräumt werden. Dagegen demonstrierten am Samstag über 1.000 Menschen.
Es wurde daran erinnert, dass zunehmend Wa­gen­be­woh­ne­r*in­nen aus Berlin vertrieben werden, wie es aktuell an der Rummelsburger Bucht zu sehen ist, wo die Wagenburg Molli teuren Immobilienprojekten weichen muss und keinen Ausweichplatz hat. „Die Köpi war und ist eine reale Gentrifizierungsbremse“, sagte eine Rednerin und verwies auf die nie fertiggestellten Rohbauten direkt vor dem Areal. Dort sind seit den 1990er Jahren Projekte geplant und warten seither vergeblich darauf, dass die Köpi geräumt wird.
Die Köpi-Unterstützer*innen haben in den letzten Monaten auch mit künstlerischen Interventionen versucht, die Räumung des Wagenplatzes zu verhindern. Unter dem Motto „Hands of(f) our Homes“ entwickelte die Künstlerin Frauke Decoodt eine Postkartenserie. Damit sollte Berlins Innensenator Andreas Geisel aufgefordert werden, die Räumung des Köpi-Platzes zu stoppen.
Die Postkarten waren auch Teil einer Kunstausstellung in der Neuen Schule für Fotografie. „Der Slogan ‚Hände weg von unseren Häusern‘ ist ein zentraler Satz bei vielen unserer Aktionen gewesen. Er wurde auch sehr groß auf die Seitenwand der Köpi gemalt“, erklärt die Künstlerin gegenüber der taz. ...
https://taz.de/Verdraengung-von-Wagenplaetzen-in-Berlin/!5801355/

"Freiräume in Berlin: Køpi und Co. retten" Kolumne von Desiree Fischbach (6.10.2021)
Wieder droht die Räumung eines traditionsreichen alternativen Wohnprojektes. ...
https://taz.de/Freiraeume-in-Berlin/!5805348/

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« Reply #84 on: October 16, 2021, 11:05:32 AM »
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[...] Bisher war es dem Kampfgeist und auch ein bisschen Glück zu verdanken, dass direkte Angriffe wie z.B. die Zwangsversteigerungen erfolglos blieben. Nun haben wir erfahren, dass die Stadt die Baugenehmigung für unseren Wagenplatz erteilt hat. Wir erwarten daher zeitnah die Kündigung und die Aufforderung den Platz zu räumen. ...


https://koepi137.net/koepi-wagenplatz.html (2021)

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[...] Die Polizei kam am Freitagmorgen mit einem beträchtlichen Fuhrpark technischer Geräte zum „Köpi“-Wagenplatz in Berlin-Mitte. Mit Räumpanzern, Gerüsten, Motorsägen und auch Äxten begannen die Einsatzkräfte der technischen Einheit um 10.24 Uhr, den Zaun rund um das linksalternative Wagendorf aufzubrechen. Sie leisteten damit der Gerichtsvollzieherin Amtshilfe, die einen gerichtlichen Räumungsbescheid umsetzen ließ.

Die Bewohner:innen hatten den Zaun in den vergangenen Wochen mit Stahlplatten und Stacheldraht verstärkt, auch von innen war der Platz verbarrikadiert. Zudem verkündeten sie bereits vor Beginn der Räumung über einen Lautsprecher, dass sich einzelne Personen von hinten an die Barrikaden gekettet hätten.

„Wenn ihr die Barrikade stürmt, nehmt ihr in Kauf, dass Leute sterben“, schallte es über die Köpenicker Straße. Dazwischen immer wieder laute Musik, sowohl aus der „Köpi“ – dem neben dem Wagenplatz gelegenen legalen linksalternativen Hausprojekt – als auch von mehreren Kundgebungen am Rande der polizeilichen Sperrzone. Dort hatten sich ein paar wenige Hundert Unterstützer:innen gesammelt, um gegen die Räumung zu protestieren.

Die Barrikaden hielten allerdings nur kurze Zeit Stand. Die Einsatzkräfte bearbeiteten den Zaun an mehreren Stellen gleichzeitig mit unterschiedlichen Gerätschaften. Dabei wurden sie immer wieder mit Flaschen und Steinen aus dem Inneren des Geländes beworfen und offenbar auch mit einem Feuerlöscher besprüht.

Zum Teil rammten die Einsatzkräfte den Zaun mit dem Räumpanzer. Direkt dahinter befanden sich allerdings, von außen klar erkennbar, Personen in den Bäumen.

Nach knapp 20 Minuten hatten die Einsatzkräfte ein Loch in den Zaun geschnitten, die ersten Beamt:innen betraten das Gelände. Dabei wurden sie laut Angaben von Polizeisprecherin Anja Dierschke, die ebenfalls vor Ort war, erneut attackiert.

Kurze Zeit später riss die Polizei auch ein großes Loch in den Zaun auf Höhe der Grundstücksgrenze. Nach und nach begannen die Einsatzkräfte, das Gelände zu räumen.

Die überwiegende Zahl der rund 40 Personen, die auf dem Platz waren, verließen ihn ohne Widerstand. Zwei Personen wurden von Polizeikräften rausgetragen. Als die Gerichtsvollzieherin um 13.17 Uhr das Gelände betrat, waren allerdings noch einige Menschen auf den Bäumen über ihr. Sie hatten sich festgekettet und brüllten Parolen wie „Hass, Hass, Hass wie noch nie“ und beleidigten die Einsatzkräfte.

Erst gegen 15.25 Uhr gelang es der Polizei, die letzte verbliebene Person vom Gelände zu führen. Die Identitäten der rund 40 Menschen wurden festgestellt, dann durften sie wieder gehen. Sollten sich einzelnen von ihnen Straftaten, etwa Flaschenwürfe auf Beamt:innen, zuordnen lassen, würden Anzeigen gegen sie erstellt. Das sagte Polizeisprecherin Dierschke.

Insgesamt verlief die Räumung ihrer Aussage nach Plan. Rund um das Gelände blieb es verhältnismäßig friedlich. Bei den Kundgebungen am Rande kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrant:innen und Polizei, dabei wurden mindestens 50 Menschen vorübergehend festgenommen, weil sie etwa Widerstand gegen Einsatzkräfte geleistet haben sollen.

Insgesamt waren laut einer Sprecherin rund 2000 Polizist:innen rund um die Räumung im Einsatz, die Polizei hatte dabei auch Unterstützung aus anderen Bundesländern.

Für den Freitagabend hatte die linke und linksradikale Szene zu einer sogenannten „Tag X“-Demo aufgerufen. Autonome kündigten Ausschreitungen an, um den Köpiplatz „zu rächen“ – und so kam es auch. Mehrere Tausend Menschen demonstrierten am Abend in Kreuzberg. Dabei kam es zu Ausschreitungen und Sachbeschädigungen. Die Polizei verlor zeitweise die Kontrolle.

Für den Freitagabend hatte die linke und linksradikale Szene zu einer sogenannten „Tag X“-Demo aufgerufen. Autonome kündigten Ausschreitungen an, um den Köpiplatz „zu rächen“ – und so kam es auch. Mehrere Tausend Menschen demonstrierten am Abend in Kreuzberg. Dabei kam es zu Ausschreitungen und Sachbeschädigungen. Die Polizei verlor zeitweise die Kontrolle.

Die Menge zog weiter durch die Oranienstraße. Vermummte zertrümmerten einige Scheiben des Oranien-Hotels. In der Adalbertstraße wurde ein Polizeiwagen angegriffen. Die Polizei brauchte fast eine halbe Stunde, um die Ausschreitungen zu unterbinden.

Danach zog die Demo weiter bis zur abgesperrten Köpenicker Straße. Vor der Köpi hatte die Polizei eine Sperre und einen Wasserwerfer aufgestellt. Der Demozug zog durch die Adalbertstraße. An der Ecke Oranienstraße löste der Versammlungsleiter die Demo offiziell auf. Ein Teil der Demonstrant:innen ging nach Hause. Doch noch kurz vor Mitternacht Beschäftigte eine große Gruppe von etwa 300 Menschen in der Oranienstraße die Polizeikräfte.

Am Samstagmorgen war dann wieder Ruhe eingekehrt. Nach der Demonstration sei die Nacht in der Hauptstadt sehr ruhig verlaufen, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit.

Bereits in den Vortagen der Räumung hatte es Demonstrationen und Brandanschläge gegeben. In der Nacht zu Freitag zogen Autonome durch die Ritterstraße in Kreuzberg und demolierten mehrere Autos. Zuvor waren unter anderem Barrikaden in Brand gesetzt worden, zudem hatten Autonome mehrere Scheinbesetzungen verkündet.


Aus: "Berliner „Köpi“-Wagenplatz geräumt – Tausende bei „Tag X“-Demo am Abend" Julius Geiler, Madlen Haarbach, Christoph Kluge (16.10.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-im-grosseinsatz-berliner-koepi-wagenplatz-geraeumt-tausende-bei-tag-x-demo-am-abend/27710770.html

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"Auf zum letzten Gefecht" Dorian Baganz | Ausgabe 42/2021
Berlin Die Polizei räumt den Bauwagenplatz des legendären Wohnprojekts „Köpi“. Eine Reportage darüber, wie die Stadt ihre letzten Freiräume verliert ... Es scheint, als ob der Staat jede Angst vor der autonomen Szene verloren hat. Die Räumung der Mainzer Straße im Jahr 1990 führte noch zu einer Straßenschlacht um die 13 besetzten Häuser in Friedrichshain, die rot-grüne Koalition in Berlin wurde daraufhin gesprengt. Dreißig Jahre später wählen die jungen Leute entweder FDP oder trommeln dafür, auf die „Wissenschaft“ zu hören, um die Klimakatastrophe in den Griff zu kriegen. Da wirken ein paar gesichtstätowierte Autonome in der Köpi, die schreien, dass sie „unregierbar“ seien, wie aus der Zeit gefallene Dinosaurier: Die kriegt die Obrigkeit schon unter Kontrolle. Um zwanzig nach zehn rollen Panzerfahrzeuge der Polizei an und rammen die Barrikade. Beamte flexen die Wellblech-Oberfläche des Schutzwalls weg. Sie schaffen auch eine Bühne her, auf die Einsatzkräfte klettern, um von dort aus den Stacheldraht kaputtzuschneiden, den die Köpi-Besetzer oben am Zaun angebracht haben. Es ist ein voyeuristisches Fest, bei dem sich die Presseleute versammeln, um möglichst martialische Bilder vor die Linse zu kriegen – während sie inständig hoffen, dabei keinen Pflasterstein auf den Kopf zu bekommen. ...
https://www.freitag.de/autoren/dorian-baganz/auf-zum-letzten-gefecht

« Last Edit: October 21, 2021, 09:51:16 AM by Link »