Author Topic: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...  (Read 118026 times)

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #60 on: January 30, 2020, 01:33:10 PM »
"Alternatives Leben in der Rummelsburger Bucht Ein Besuch auf der Anarcho-Insel" Robert Klages (21.01.2020)
Auf dem Rummelsburger See lebt eine Gruppe Aussteiger. Einzige Regel: Keine Nazis. Manche Uferbewohner stören sich an „Neu-Lummerland“. ...
https://www.tagesspiegel.de/berlin/alternatives-leben-in-der-rummelsburger-bucht-ein-besuch-auf-der-anarcho-insel/25442624.html

Berlin: Neu-Lummerland (27.05.2018)
Der vielleicht verwunschenste Ort Berlins wächst auf der Nixenbucht, einem Abschnitt der Rummelsburger Bucht zwischen Friedrichshain und Lichtenberg: Naturnahes Ufer, alte Bäume ragen ins Wasser, dazwischen spielen Kinder. Und vor ihnen, auf dem Wasser, liegt eine Insel. Eine schwimmende Insel, die nur aus Booten besteht: Lummerland. Anfang vergangenen Jahres sorgte sie für Aufsehen, als hier ein Feuer ausbrach, sich die einzelnen Boote losrissen und wie gigantische Fackeln über den See schwammen, begleitet von zahlreichen Explosionen der Benzin- und Gastanks an Bord. ...
https://www.zitty.de/neu-lummerland/

https://www.zitty.de/wem-gehoert-die-spree/

https://www.zitty.de/euch-das-ufer-uns-die-spree/

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #61 on: February 02, 2020, 11:54:05 AM »
2:43 PM · Dec 17, 2019·Twitter Web App
+++ Parteispenden-Ticker +++
Die #FDP hat gestern 100.000 Euro von dem Immobilienkonzern WI (Wohninvest) erhalten.
https://twitter.com/a_watch/status/1206932983292342273

abgeordnetenwatch.de @a_watch
Aus Umfeld des Immobilienkonzerns hatte die #FDP bereits in den vergangenen Jahren mehrere #Parteispenden erhalten.
https://twitter.com/a_watch/status/1206932991173414912

2:27 PM · Jan 31, 2020
Peter Feldkamp @LadaNiva
Die FDP Berlin hat übrigens Klage gegen den Mietendeckel eingelegt. #JustSaying
https://twitter.com/LadaNiva/status/1223236297613103106?s=03

Simon Kell @simonkell
22h Replying to @LadaNiva and @vieuxrenard
Könnte halt auch einfach daran liegen, dass man a) nicht vom Konzept des Mietendeckels überzeugt ist und ihn b) für nicht verfassungsgemäß hält. ...

Ulf Buermeyer @vieuxrenard
klar kann es daran liegen - aber es bleibt eine politische Entscheidung der Berliner FDP, für höhere Mieten und für mehr Rendite der Vermieterseite vor Gericht zu ziehen.

Polizeibeobachter @Poliauwei Replying to @LadaNiva
Die FDP macht eben wofür sie gewä..., äh bezahlt wird.
Geliefert wie vom Auftraggeber bestellt und bezahlt.
https://twitter.com/Poliauwei/status/1223255322846023682

Michael Fritz @mitchiru Replying to @Poliauwei and @LadaNiva
Wie jeder gute Kapitalist.
https://twitter.com/mitchiru/status/1223500098748977152

Titus von der Malsburg @tmalsburg Jan 31
Die FDP wäre auch ohne entsprechende Spende gegen den Mietendeckel gewesen. ... Die Grünen bekommen bestimmt auch Spenden von Leuten, die mit ihnen übereinstimmende Interessen haben. Aber klar, von mir aus könnten Parteispenden gerne komplett verboten werden. In den USA sieht man ja wohin man sonst kommt. ...

sv9Z7jJtxX @sv9Z7jJtxX Replying to @ChrisAnsorge @LadaNiva and @erdgeist
12:37 PM · Feb 1, 2020
Ich hab mir mal die Rechenschaftsberichte 2017 angeschaut (Funfact dazu: 2018 haben bisher nur SPD und Linke abgeben, daher ist 2017 das aktuellste). Was auffällt: die FDP hat mehr Spenden kassiert als SPD, was mit Blick auf Stimmverteilung und Mitgliederanzahl beachtlich ist.
https://twitter.com/sv9Z7jJtxX/status/1223570969412894720/photo/1
https://twitter.com/sv9Z7jJtxX/status/1223571323156418560

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« Reply #62 on: March 01, 2020, 10:22:43 AM »
Quote
[....] Es ist eine Weltpremiere: Als erstes Land der Welt hat Luxemburg am Samstag den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr eingeführt. Mit Ausnahme der ersten Klasse in der Bahn und bei einigen Nachtbussen muss künftig niemand mehr für eine Fahrt mit Bus, Bahn oder Straßenbahn zahlen. Gleichzeitig sollen Bus- und Straßenbahnlinien ausgebaut werden. Der Einnahmeausfall in Höhe von jährlich 41 Millionen Euro soll über Steuern ausgeglichen werden.

Luxemburg will mit dem kostenlosen ÖPNV finanzschwächere Einwohner unterstützen und zugleich die Menschen dazu bringen, stärker als bisher auf ihr Auto zu verzichten. Viele Grenzgänger aus Frankreich, Belgien und Deutschland fahren ebenso wie die Mehrheit der Einheimischen des kleinen Großherzogtums mit ihrem Wagen zur Arbeit; Staus an der Grenze sowie im Zentrum der Hauptstadt sind an der Tagesordnung.

Einzelne Städte in anderen Ländern haben bereits ähnliche Maßnahmen ergriffen. Das kleine Luxemburg ist aber nach eigenen Angaben das erste Land, das den öffentlichen Nahverkehr kostenlos macht. Das Großherzogtum hat lediglich 610.000 Einwohner.

Die Maßnahme sollte eigentlich erst zum 1. März eingeführt werden, wurde aber um einen Tag vorgezogen. Manchem Luxemburger war das noch gar nicht bewusst: "Es ist kostenlos? Das wusste ich gar nicht", sagte eine etwa 50-jährige Dame namens Dominique am Hauptbahnhof. Die Fahrkarten-Automaten in Luxemburg sollen nun nach und nach abgebaut werden. (AFP,Tsp)


Aus: "In Luxemburg kann man ab sofort kostenlos Bus und Bahn fahren" (29.02.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/regierung-will-verzicht-aufs-auto-foerdern-in-luxemburg-kann-man-ab-sofort-kostenlos-bus-und-bahn-fahren/25596772.html

Quote
Babsack 09:07 Uhr
Super !

Egal was man Luxemburg alles vorwerfen kann, dies ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Jeder der seinen Wagen abschafft oder stehen läßt (dann aber bitte in der eigenen Garage,denn dann merkt man, dass ein Auto Platz verbraucht), tut für die Gemeinschaft etwas Gutes.


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« Reply #63 on: April 03, 2020, 12:08:06 PM »
Quote
[...] Die folgende Meldung hat ausnahmsweise nichts mit Corona zu tun, erfreulich ist sie leider dennoch nicht. Eine Ateliergemeinschaft in Kreuzberg hat eine Mieterhöhung von 70 Prozent erhalten. Das trotz der massiven Steigerungen, die wir hier gewöhnt sind, auch in Berlin ungewöhnlich. Und für die Betroffenen unbezahlbar: Mieterin ist die Ateliergemeinschaft in der Glogauer Straße 6; die Künstler*innen können sich die mehr als 15 Euro pro Quadratmeter schlichtweg nicht leisten. Das teilten sie ihrem Vermieter mit, als er die Erhöhung im Herbst 2019 ankündigte, und sie mit der „im positiven Sinne dynamischen Markentwicklung“ in den letzten Jahren begründete. Daraufhin erhielt die Ateliergemeinschaft die Kündigung ihres Mietvertrags zum 31. Mai diesen Jahres.

Der Vermieter ist übrigens kein*e bekannte*r Immobilienspekulant*in, sondern das Traditionsunternehmen Arnold Kuthe Immobilienverwaltungs-GmbH. Kaum einen Straßenzug gebe es in Berlin, an dem Kuthe nicht beteiligt war, erzählte Geschäftsführer und Gesellschafter Stefan Freymuth 2013 dem Tagesspiegel. Nun soll das Künstleratelier also weichen – „damit noch mehr Geld verdient werden kann“, sagt Coni Pfeiffer von der Mieter*inneninitiative „GloReiche Nachbarschaft“. „Die Ateliergemeinschaft ist nicht der erste Verdrängungsfall in der Glogauer Straße 6“, so Pfeiffer.

Deshalb hat die GloReiche einen „offenen Kiezbrief“ verfasst, in dem Kuthe aufgefordert wird, die Verhandlungen wieder aufzunehmen und einen fairen, langfristigen Mietvertrag vorzulegen. „Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und sorgen Sie für den aktiven Erhalt der Kunst- und Kulturstruktur in Berliner Kiezen und vor allem in Kreuzberg“, heißt es abschließend. Schön wäre es – auf eine entsprechende Anfrage des Tagesspiegels antwortete Kuthe bis Redaktionsschluss leider nicht.

...


Aus: "Traditionsunternehmen kündigt Ateliergemeinschaft - weil diese keine siebzigprozentige Mietsteigerung zahlen kann" (Veröffentlicht am 02.04.2020 von Nele Jensch)
Quelle: https://leute.tagesspiegel.de/friedrichshain-kreuzberg/macher/2020/04/02/115699/traditionsunternehmen-kuendigt-ateliergemeinschaft-weil-diese-keine-siebzigprozentige-mietsteigerung-zahlen-kann/

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« Reply #64 on: May 04, 2020, 10:56:20 AM »
"New York City: Die Stadt, die nicht mehr schlafen kann" Ein Essay von Lukas Hermsmeier, New York City (3. Mai 2020)
New York City war stets der Inbegriff der Metropole, aufregend und beängstigend. Nun ist sie das Zentrum der Pandemie. Was bleibt von der Idee der Stadt da noch übrig? ... In New York City sind nach Angaben der New York Times bislang knapp 18.000 Menschen an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben, rund 175.000 Infizierte zählt die Stadt bisher (Stand: 2. Mai). Das sind 10.000 mehr Infizierte als in ganz Deutschland. New York City ist mindestens einstweilen das Zentrum der Pandemie, die Stadt war schlecht vorbereitet auf einen Corona-Ausbruch, ist aufgrund ihrer hohen Verdichtung aber auch ein leichtes Angriffsziel für ein Virus. Während anderswo in den USA bereits Lockerungen von Lockdown-Maßnahmen beginnen, ist New York City noch weitgehend im Griff von Covid-19. ...
https://www.zeit.de/kultur/2020-05/new-york-city-coronavirus-pandemie-metropole/komplettansicht


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« Reply #65 on: June 02, 2020, 10:01:49 AM »
Quote
[...] Das Graffito fand sich lange vor der Corona-Krise überall: An Straßenlaternen, Pflanzkübeln, Sicherheitsbarrieren und sogar an einen Bagger wurde es gesprüht. "THE RiCH KiLLD NYC" – die Reichen haben New York getötet.

Wer dahintersteckt, ist unklar. Aber das Gefühl teilten viele. Wohlhabende Zuzügler verdrängten in den vergangenen Jahrzehnten mit ihren Luxusapartements Menschen, die sich die teuren Mieten nicht mehr leisten konnten. Altbekannte Läden mussten den Ablegern internationaler Ketten weichen, verrauchte irische Pubs verschwanden zugunsten von In-Lokalen im Instagram-Look.

Am Südrand des Central Parks, den sein Schöpfer Frederick Law Olmsted einst als "demokratischen Ausdruck von höchster Bedeutung" entworfen hatte, erhebt sich nun eine Steilwand aus Wohntürmen. New Yorks Normalverdiener nennen sie "Billionaires Row", die Straße der Milliardäre. Der 90 Stockwerke hohe One57 ist so massiv, dass er im Winterhalbjahr die Mittagssonne blockiert und die Schaukeln des Spielplatzes dahinter in einen tiefen Schatten versenkt.

Die steigende Transparenz der Finanzbehörden in Steueroasen wie der Schweiz hatte New Yorks Immobilienmarkt noch attraktiver gemacht. "New Yorks schickste Wolkenkratzer sind die neuen Nummernkonten", ätzte einmal die New York Post. "If I can make it here, I can make it anywhere", hatte Frank Sinatra einst gesungen, doch zuletzt galt: Wer es in New York nach oben schaffen wollte, musste schon woanders erfolgreich gewesen sein. Der Boom der Ultra-Luxus-Immobilien hatte direkte Folgen für den Rest der Stadtbewohnerinnen und -bewohner.

Doch kaum hatte Covid-19 im März die Stadt erreicht, flohen die Wohlhabenden. 420.000 New Yorker, etwa fünf Prozent der Bevölkerung, packten zwischen Anfang März und Anfang Mai ihre Koffer – vor allem Menschen aus den Postleitzahlgebieten mit den höchsten mittleren Einkommen, wie die New York Times feststellte: Dort wurden Smartphones seltener genutzt und weniger Müll produziert.

Mehr als 40 Prozent der Bewohner verließen demnach die noble Upper East Side, wo Banker und Hedgefonds-Manager ihre Apartments haben. Auch das West Village, wo Entertainment-Größen zu Hause sind, leerte sich. Was sie einst anzog – die vielen Menschen aus aller Welt, die auf engstem Raum zusammenleben –, versetzt sie nun in Panik.

Sie fürchte sich davor, während einer Epidemie auf so einer dicht besiedelten Insel zu bleiben, gab eine Investmentberaterin zu, bevor sie sich auf unbestimmte Zeit verabschiedete. Die Mitarbeiterin eines Vermögensverwalters ging ins waldige Vermont, "der Kinder wegen". Er sehe keinen Grund zurückzukehren, ließ ein Börsenhändler wissen, der sich bis zur Corona-Krise ein Leben woanders gar nicht vorstellen konnte.

Viele der Geflohenen sehen das offenbar ähnlich. Während der Immobilienmarkt in New York City praktisch zum Erliegen gekommen ist, überbieten sich die Interessenten in den grünen Vorstädten und den Hamptons, der Goldküste am Atlantik, zwei Autostunden entfernt. Villen mit Swimmingpool sind besonders begehrt.

Für die Zurückgebliebenen wurden die Sirenen der Krankenwagen zum neuen Soundtrack der City. Die Bilder der Kühlwagen, in denen sich Leichen stapelten, waren weltweit zu sehen. 23.700 New Yorker sind inzwischen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Die Zahl der neuen Ansteckungen und der täglichen Toten mag abgenommen haben, die ökonomischen Folgen haben gerade erst begonnen. 900.000 Jobs sind allein seit Anfang März vernichtet worden. Einer von vier Einwohnern leidet Hunger.

Während die Not täglich schlimmer wird, fehlen der Stadt die Mittel, sie zu bekämpfen. Der Steuerausfall über die kommenden zwei Jahre werde sich auf mehr als neun Milliarden Dollar belaufen, prognostizierte Bürgermeister Bill de Blasio. Der U-Bahn, auf die vor allem Bewohner in den bezahlbareren Gegenden angewiesen sind, drohen ebenfalls die Mittel auszugehen, sollte eine Kapitalspritze von 7,8 Milliarden Dollar aus Bundesmitteln ausbleiben.

Jetzt wären die Reichen nötiger denn je, ihre Steuern, ihre Spenden. Bereits ihre bloße Anwesenheit würde helfen. Schon einmal, in den Siebzigerjahren, erlebte New York die Folgen eines ähnlichen Exodus. Die Stadt wurde auf Jahrzehnte von Armut und Kriminalität heimgesucht. Erst Ende der Achtzigerjahre begann die Erholung.

Nicht zuletzt durch Donald Trump, der mit dem Bau seines Trump Tower mit dem viel geschmähten rosa Marmor in der Empfangshalle wieder Glanz und Glitzer an die Fifth Avenue brachte. Doch der Präsident, in seiner Heimatstadt unbeliebt wie sonst kaum irgendwo, hat seinen offiziellen Wohnsitz bereits letztes Jahr nach Palm Beach verlegt, der Reicheninsel Floridas. "THE RiCH KiLLD NYC" war als Kritik gedacht. Nun droht es zur Prophezeiung zu werden.


Aus: "Die Reichen haben New York getötet" Eine Kolumne von Heike Buchter (1. Juni 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-05/new-york-coronavirus-krise-wirtschaft-gentrifizierung-immobilien

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Lisa Maier #1

Seltsamer Kommentar. Will man Menschen wirklich zum Vorwurf machen, dass sie sich vor einer Pandemie in Sicherheit gebracht haben?


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Binane #1.17

Es ging darum herauszustellen das "Stadt" und insbesondere die Identität einer Stadt vor allem ein soziales Konstrukt ist. Aber das werden Sie und viele Ihrer "Unterkommentatoren" nicht begreifen.


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Spökenkieker #1.7

Es geht im Artikel um die Folgen extremer Gentrifizierung. Die Hyperreichen, die maßgeblich dazu beitragen, dass New York außer für gute Geschäfte ein zunehmend lebensfeindlicher Ort ist, ein städtebauliches Desaster, ein Ort dessen Mieten sich die Masse der Armen, die aber auf die Arbeit im Umfeld der Geschäfte der Reichen angewiesen sind, kaum leisten können. Die Folge: Die Reichen ziehen an ihre 2.-Wohnsitze weiter, die Armen bleiben hängen in einer lebens-, familienfeindlichen überbevölkerten steinernen Masse, sind maßgeblich von der Pandemie betroffen, gegen die der empathielose Trump-Staat der Reichen keine ausreichenden Maßnahmen getroffen hat, haben großteils ihre Arbeit verloren, können ihre Miete nicht mehr zahlen, geschweige denn "sich vor der Pandemie in Sicherheit bringen". Man muss halt den ganzen Kommentar lesen, ohne einen Aspekt aus dem Zusammenhang zu reißen.


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Sommerrolle #2

Wir befassen uns gerade - aus gegebenem Anlass - sehr intensiv mit den USA und vergessen dabei, dass fast alle dort existierenden Probleme auch bei uns angelegt sind.


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rudolf s #2.22

Jup, passt auch super auf Hamburg


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Kati Du #4.7

Schuld sind nicht Individuen, sondern eine Gesellschaft, die nicht erkennt, dass man manchmal besser lebt, wenn man auch leben lässt.
Unter Eisenhower hatten die USA einen heute unvorstellbaren Sozialstaat. Dessen Demontage hat unter Reagan eingesetzt und wurde seither von jedem Präsidenten voran getrieben. Besonders bemerkenswert: Bill Clinton. Dessen Programm war im Prinzip "Agenda 2010 am Potomac" (unter anderem Beschränkung der Wohlfahrtsbezüge auf 5 Jahre).

Genauso wie es keinen Sozialismus mit menschlichem Antlitz gibt, gibt es auch keinen menschlichen Kapitalismus.
Und es eine "marktkonforme Demokratie" gibt es auch nicht, es gibt nur einen demokratiekonformen Markt.
Aber da in der Politik das Image des Botschafters und nicht der Inhalt der Botschaft zählen, merken wir vermutlich erst, wenn es zu spät ist.


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EasyReiter #4.12

Das ist mir zu dünn. Bevor sie fleißige Steuerzahler wurden, haben diese 5% sämtliche fundamentalen Regeln gemacht, die ausschließlich ihnen selbst dienlich waren und nebenbei die schönsten Schollen erworben. Sie waren lediglich durch den Umstand, dass sie anschließend Geld in die Stadtkasse gezahlt haben, plötzlich systemrelevant. Jetzt sind sie weg und haben offensichtlich keinerlei tragfähige Struktur hinterlassen, die auch ohne sie funktioniert. Den restlichen 95% traue ich schon zu, dass sie sich untereinander einig werden können und sich gegenseitig versorgen. Wenn es nur am Geld hängt, ist etwas fundamental kaputt. Eigentlich wünsche ich mir, dass diese Personen noch lange in den Hamptons, Vermont, Montana, Folorida oder sonstwo bleiben. Das würde sich nämlich auch ohne Investmentberater wieder eingrooven, es käme tatsächlich auf einen Versuch an. Aber diese "Helden/Heldinnen" können meiner langjährigen Erfahrung nach nicht lange die Füße stillhalten, spätestens vor Weihnachten wollen die wieder ihr busy Business machen und sich vom Rest der Bevölkerung feiern lassen. Sie haben ja auch nichts anderes gelernt... Und wie mein Vor-Kommentar bereits treffend feststellte: "Same Deal in Germany", wenn auch zum Glück nicht ganz so krass wie "drüben".


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CarlitoJ

Literaturtipp - Jeremiah Moss: Vanishing New York

Eine großartige präzise und dabei sehr gut zu lesende Analyse des Wandels der Stadt.
Zum Artikel passender Untertitel: How a Great City lost Its Soul.


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eurobaer #11

NYC in der corona-Zeit als Bilderbuchbeispiel wie grenzenloser Kapitalismus eine Gesellschaft spaltet. Aber gerade NYC kennt das ja seit über 100 Jahren.


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Hebenstritz #16

Wo liegt denn das Problem? Ok, die Reichen haben bestimmte Stadtteile zu teuren und auffälligen Gegenden gemacht. Wenn 5% der Bevölkerung erstmal weggezogen sind und das zu einem Thema gemacht wird, scheint das aber kein großer Anteil an der Gesamtbevölkerung zu sein.

Was erwartet man denn? Eine Stadt mit verrauchten Kneipen und Billigläden mit 99% Durchschnittsverdienern, während das übrige 1% Gutverdiener hier und da mal eine Luxuswohnung zwischendrin bewohnt, aber gerne dem Einkommen angemessene Steuern zahlen und fleißig spenden soll?

Das klingt eher stark nach Sozialneid und Frust über das eigene Leben, als dass die Reichenviertel die Stadt töten. Wie kann man denn die finanziellen Vorteile durch Wohlhabende für das städtische Sozialwesen wollen, aber gleichzeitig verlangen, dass die Reichen auf ihre speziellen Vorlieben wie In-Lokale verzichten?

Der Artikel zeigt wohl eher eine ziemlich peinliche Doppelmoral. Was würde denn positiv verbessert, wenn die schicken Luxus-Wohntürme zu Wohntürmen für zuziehende Geringverdiener würden? Die In-Lokale zu Pommesbuden?

Eine Stadt ohne Reiche, also ohne Subventionsmittel, geht finanziell zugrunde, ist die Aussage des Artikels. Aber Hauptsache, man kann wieder in der verrauchten Kneipe sitzen?


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EinerderganzgroßenTourenklassiker #19

"Die Reichen haben New York getötet"

Nicht, dass ich besonders links wäre, es ist der hemmungslose Kapitalismus, der New York und andere Städte zerstört hat. Die Reichen sind ein Symptom. Es ist hemmunglose Gier, die die Gentrifizierung antreibt und ein System das es zulässt.

Unterstützt von den Notenbanken, die eine Geldschwemme erzeugen, von denen die profitieren, die sowieso schon viel haben. In kleinerem Maßstab sieht man auch hier, wie die Immobilienpreise und in Folge Mieten seit "what ever it takes" (2012) durch die Decke gegangen sind und die Gesellschaft gespalten wird in Leute die eine Immobilie haben und solche, die sich keine mehr leisten können und den hohen Mieten ausgeliefert sind.

Die USA sind da natürlich sehr viel weiter auf dem Weg. ...


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gerhen #20

NY hat schon immer von den reichen gelebt, ohne sie gäbe es kein NYC. Daher ist diese Aussage etwas sinnlos, dass der Reichtum NY getötet hätte.
Wer es vorzieht, nicht mit Reichen in der Nachbarschaft zu leben, der kann nach Detroit ziehen, da hat er diese Probleme ganz sicher nicht.
Ohen das Geld der reichen Bürger wäre NYC niemals das geworden, was es ist, das scheint die Autorin völlig zu übersehen.


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deep_franz #21

Der Markt regelt alles zum Besten. War nicht so das Credo und die Lobpreisung? ...


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Rentierhund #24

...man muss es vielleicht nicht als "vorwurf" lesen, sondern als empirisch belastbare zustandsbeschreibung: die reichen und superreichen verlassen das sinkende schiff, derweil die armen verrecken.
das sind im übrigen keine neue erkenntnisse, sondern so etwas ist auch hinsichtlich der ökologischen krise zu beobachten. die reichen kaufen weltweit land, teilweise sogar ganze inseln, schaffen sich da ihre eigenen refugien - und wenn die klimakatastrophe über die menschheit hereinbricht und dieselbe hinwegrafft, dann werden sie dort noch einige generationen lang überleben. und was corona anbelangt, so ist die lage geradezu dystopisch. ein new yorker arzt merkte jüngst an: „Es sind nicht die Reichen – diese Krankheit tötet die Armen. Sie nennen es ,wahllos‘. Das ist es aber nicht. Die Armen sterben, weil sie ihr Haus verlassen und zur Arbeit gehen müssen.“
und all das sind keine vorwürfe, sondern schlicht wirklichkeits-beobachtungen und ihre wiedergabe. wenn man die aber nun als vorwurf begreift, dann sollte man einmal darüber nachdenken, was es mit diesen beobachtungen auf sich hat, wenn man sie bewerten würde...


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Sabine K. #27

Das ist ein Phänomen, das leider weltweit ststtfindet. Hier kann nur gute Städtebaupolitik sowas verhindern. Ich lebe in München. Auch hier wird ein Stadtteil nach dem anderen von Investoren übernommen, luxussaniert und hochpreisig vermietet. Es fing mit Schwabing an (ehemals Künstlerviertel), Haidhausen, Glockenbachviertel, jetzt sind Westend und Untersendling dran. Arbeiterviertel, Künstlerviertel. Die durch genau ihre Mitbewohner einen besonderen Charme bekommen haben und dadurch interessant wurden für Investoren.
Und die wenig - aber auch normal Verdienenden werden inmer weiter an den Rand gedrängt, die Viertel verlieren ihren Charme. ...


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Tertius #29

All jene hier im Forum, die die Reichen verteidigen, die Verständnis dafür äußern, dass sie sich vom Acker machen und während der Corona-Krise lieber gesund und ungefährdet am Pool in den Hamptons liegen, als sich der Gefahr New Yorks auszusetzen, haben natürlich recht.
Wer könnte schon erwarten, dass jemand mit viel Kohle aus Solidarität mit der armen Unterschicht in NY bleibt und sich freiwillig ansteckt.
Und dennoch haben die Verteidiger hier im Forum nichts verstanden.
Es geht nämlich garnicht darum, von den Reichen zu fordern, dass sie sich gefälligst genauso anzustecken hätten, wie die Armen.
Es geht (1.) um eine Analyse, was geschieht, wenn man es ohne Kontrolle und politische Regulierung zulässt, dass Finanz-Heuschrecken über eine Stadt herfallen, sich alles einverleiben und sie sich bei drohender oder eintretender Gefahr einfach wieder selbst überlassen.
Und es geht (2.) darum, dass diese Leute von ihren politischen Fürsprechern davon befreit sind, sich an den Kosten des Gemeinwesens angemessen zu beteiligen.
Wenn hier in unserem Land von der Finanzelite und ihren politischen Unterstützern gegen Mietendeckel polemisiert wird, geht das in exakt dieselbe Richtung. ...


Quote
So denke ich dazu #29.2

Ja, den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf...

Jeder ist seines Glückes Schmied. Und sucht sich selbst den Ort seines Glückes.

Warum können Investoren/Finanz-Heuschrecken über eine Stadt herfallen, sich alles einverleiben und sie sich bei drohender oder eintretender Gefahr einfach wieder selbst überlassen?
Was passiert wenn dort wo "gentrifiziert" wird keiner hin will?
Das Problem ist Angebot und Nachfrage.

Sie präferieren sozialistische Strukturen.
Nur - dann gibt es keine Investoren und Reiche. Und keine neuen Häuser.
Nur graue zerfallene Bauten.
Hatten wir schon.
'49- '89.


Quote
BenjaminWoxbrandt #41

Erstaunlich, wie gering hier im Kommentarbereich die Kompetenz zum Erkennen von sozialpolitischen und ökonomischen Zusammenhängen ist. Dass die Eigner großer Kapitalmengen erst durch überflüssige Bullshit-Jobs wie Vermögensberater oder Investmentbanker zu diesem Kapital geworden sind, ist doch einfach zu sehen, dass sie mit diesem Kapital Menschen verdrängen, deren Arbeitsinhalt nicht Bullshit ist (Krankenschwestern, Handwerker, Lehrerinnen), ebenso, und dass das alles mit einer hochproblematischen instrumentellen Ökonomisierung unserer Gesellschaft zusammenhängt, ist auch ganz gut zu erkennen.
In welcher Welt leben Sie denn, dass Sie für Menschen sympathisieren, die auf abstruse Weise Geld vermehren und mit ihren Hochhäusern den anderen die Mittagssonne wegnehmen können?


Quote
U. Hermes #50

Wenn die Strukturen so kaputt sind, dass die Reichen auf ungesteuerte Weise die Armen ausbeuten, dann ist das so. NY war nie anders und genau das wurde international als besonders hipp gefeiert.

Ich war 2014 das letzte Mal da und habe diverse soziale Einrichtungen besucht, u.a. einen Shelter für Obdachlose in Harlem. Gewohnt habe ich in Chinatown.
Das war absehbar und die Reaktion der Reichen, denen alles egal ist, auch.


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« Reply #66 on: June 09, 2020, 09:06:50 AM »
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[...] Berlin boomt – aber nicht überall. Die Stadt könnte sich ähnlich entwickeln wie Paris und andere Großstädte vor ihr: Wohlstand und Wachstum in City-Lagen und Großsiedlungen am Stadtrand, in denen die aus den begehrten Gebieten verdrängten Haushalte mit geringen Einkünften leben.

Dies zeigt das aktualisierte „Monitoring Soziale Stadt“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Und hat dabei noch einige weitere überraschende Ergebnisse.

So konzentrieren sich die „Verschlechterungen“ der sozialen Lage im Westen Berlins. Betroffen auch dort ausschließlich: die „äußere Stadt“. Die Planer sprechen deshalb auch von einer „Peripherisierung sozialer Benachteiligung“. In Paris wird die Autobahn, die an den Stadtrand führt, „Périphérique“ genannt.

Gleichsam als „Banlieues“ von Berlin, mit einer Konzentration „sozialer Benachteiligung“, listet der Bericht Reinickendorf und das Märkische Viertel, die Gropiusstadt, das Falkenhagener Feld, Charlottenburg-Nord, Gesundbrunnen, Britz sowie weitere Ortsteile von Neukölln, aber auch von Spandau sowie Moabit, Kreuzberg und als einzigen Ost-Berliner Stadtteil Hellersdorf auf.

Wobei Hellersdorf zugleich auch als Stadtteil mit überdurchschnittlich guter Entwicklung aufgeführt wird. Die Erklärung ist einfach: Teilweise liegen auf- und abwärtsstrebende Gebiete dicht beieinander. Kleinteilig mit Reihen- und Einfamilienhäusern bebaute Viertel in den grünen Vorstädten sind oft von Pendlern mit mittleren Einkommen bewohnt, dort, wo in der Nachbarschaft Großsiedlungen während der 1960er bis 1980er Jahren entstanden, leben überdurchschnittlich viele Haushalte mit geringen Einkommen.

Darauf reagiert der Senat mit einem Strauß an Beratungs- und Unterstützungsprogrammen. Das bekannteste darunter ist das „Quartiersmanagement“, das den Bewohnern einen oder mehrere Ansprechpartner stellt, die bei Bedarf bei Ämter- und Behördenkontakten helfen oder in schweren Konflikten einen kurzen Draht zur örtlichen Polizei haben.

24 Standorte in Berlin will der Senat außerdem vor dem Kippen bewahren, indem er Mittel aus dem neuen Bundesprogramm „Stärkung Berliner Großsiedlungen“ abruft.

„Es ist erfreulich, dass sich die sozialen Unterschiede leicht verringert haben, trotzdem ist Berlin auch weiterhin durch räumliche Unterschiede geprägt“, sagt die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher (Linke). Die „nachhaltige Bekämpfung sozialräumlicher Problemlagen“ müsse „mit Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie fortgeführt“ werden.

Tatsächlich schließt der Bericht mit dem Hinweis, dass die Folgen des Lockdowns auf Handel und Wirtschaft nicht berücksichtigt sind. Die Daten im Bericht gehen auf Statistiken und Umfragen zurück, die teilweise über ein Jahr alt sind. Berlin lag damals noch in einem wirtschaftlichen Aufholprozess, mit überdurchschnittlich hohem Wachstum.

Gewachsen waren auch Einkommen und Beschäftigungen – zwei der wichtigen Faktoren zur sozialen Einordnung der Stadtquartiere – Arbeitslosigkeit, Transferbezug trotz Beschäftigung sowie Kinderarmut. Dabei prüfen die Forscher den Status eines Gebiets zum Zeitpunkt der Erhebung und vergleichen das mit der Lage zwei Jahre zuvor – daraus leiten sie eine positive oder negative Dynamik ab. Und geben entsprechende Empfehlungen an den Senat, etwa welche Gebiete einen „besonderen Aufmerksamkeitsbedarf“ haben, wenn sich die soziale Lage dort verschärft.

Anlass zur Sorge und neu zu dieser Gruppe hinzugekommen sind im aktuellen Bericht die „Planungsräume“ Gesundbrunnen (Wedding/Mitte), Volkspark Prenzlauer Berg (Pankow), Plötzensee (Charlottenburg-Wilmersdorf), Gütersloher Weg (Spandau), Wissmannstraße und Goldhähnchenweg (Neukölln) sowie das Gelbe Viertel (Marzahn-Hellersdorf).

Dem stehen neun Planungsgebiete mit positiven Tendenzen gegenüber. Das sind „vornehmlich Planungsräume in Spandau“. Spandau, von West-Berlinern zu Mauerzeiten gerne noch mit dem Zusatz „bei Berlin“ versehen, hatte im letzten Jahrzehnt etwas den wirtschaftlichen Anschluss verloren. Dabei ist der Bezirk dank Anbindung mit einer schnellen U-Bahn-Linie, reichlich hübscher Wasserlagen und zuletzt reger Bautätigkeit eine Alternative zu überfüllten, hochverdichteten Stadtlagen. Die Entlassung gleich mehrerer Quartiere aus dem Kreis städtebaulicher Sorgenfälle spricht dafür, dass dies nun zunehmend erkannt wird.

Von solchen Gebieten „mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf“ haben die Forscher 42 in Berlin identifiziert, einer von zehn Planungsräumen der Stadt (426) ist betroffen. Betroffen sind Quartiere mit sehr niedrigem „sozialen Status“ und zugleich „negativer Dynamik“ – einfach ausgedrückt: wenn überdurchschnittlich viele Arbeitslose oder Geringverdiener dort leben, deren Kinder aufgrund der geringen Haushaltseinkommen von Armut bedroht sind – und die Zahl der somit sozial Benachteiligten in den vergangenen zwei Jahren noch zugenommen hat.

Beim größtem Wohnungsverband Berlin und Brandenburg (BBU) hieß es auf Anfrage: „Die Ergebnisse zeigen, dass gerade bei den zurzeit neu entstehenden Siedlungsprojekten wie den Buckower Feldern oder Tegel von Beginn an auf eine ausgewogene Mieterschaft, eine gute Verkehrsanbindung sowie gute Kitas und Schulen geachtet werden muss“, sagt Sprecher David Eberhart.


Aus: "Berlin spaltet sich in ein reiches Zentrum und arme Ränder" Ralf Schönball (09.06.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/die-banlieues-der-hauptstadt-berlin-spaltet-sich-in-ein-reiches-zentrum-und-arme-raender/25898066.html


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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #67 on: June 25, 2020, 07:50:08 PM »
Das Mietshäuser Syndikat
berät selbstorganisierte Hausprojekte, die sich für das Syndikatsmodell interessieren,
beteiligt sich an Projekten, damit diese dem Immobilienmarkt entzogen werden,
hilft mit Know How bei der Projektfinanzierung,
initiiert neue Projekte.
https://www.syndikat.org/de/

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Infofilm über das Mietshäuser Syndikat: „Das ist unser Haus!“ – Räume aneignen mit dem Mietshäuser Syndikat
Gemeineigentum  – Selbstorganisation – Solidarität – Seit vielen Jahren gibt es eine  Netzwerkstruktur von mehr als 100 Hausprojekten in Stadt und Land, um die Wohnungsfrage nach anderen Werten zu organisieren: das Mietshäuser Syndikat. Finanzschwache Gruppen können sich mit der Solidarität anderer ermächtigen und so bezahlbare Räume sichern. Deshalb wächst in immer mehr Köpfen das Interesse an dieser wichtigen Initiative aus der Zivilgesellschaft.
Im 65 minütigen Film „Das ist unser Haus!“ erläutern Akteure des Mietshäuser Syndikats das Modell der kollektiven Raumaneignung und präsentieren vielseitige Projekte in unterschiedlichen räumlichen Kontexten. Die Zuschauer werden motiviert, eigene Projekte im stabilen solidarischen Verbund des Mietshäuser Syndikats zu starten.
Mit Impressionen aus den Projekten: Freie Hütte (Lübeck), LÜDIA (Hadmersleben), Handwerkerhof Ottensen (Hamburg), Jugendwohnprojekt Mittendrin (Neuruppin), Grethergelände (Freiburg), 4-Häuser-Projekt (Tübingen) - (D 2016, 65 Min., 16:9)
http://das-ist-unser-haus.de/ | https://vimeo.com/193034732

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Goldenhome
Hier ist hinter den kulissen einiges passiert: das haus, in dem der golden shop sich befindet soll verkauft werden. in der regel bedeutet das ja nichts gutes und da wir überhaupt keine lust haben umzuziehen, sehen wir uns gezwungen, zu versuchen mit allen mieter_innen gemeinsam das haus selber zu kaufen. ...
https://goldenhomenow.gold/


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« Reply #68 on: July 28, 2020, 10:29:08 AM »
"Gegen Autos: Wie eine autofreie Welt aussehen könnte und wie wir dahin kommen" Kilian Jörg · 04.07.2020
Eine autofreie Welt? Unmöglich! Die Unmöglichkeit dieser Idee ist die Inspirationsquelle für die Aktionsgruppe “Carless”. Sie wollen der großen Mehrheit der Autolosen Gehör verschaffen. Der Philosoph und Berliner Gazette-Autor Kilian Jörg, der  zu den Mit-Initiator*innen gehört, stellt das “Carless”-Manifest vor und zur Diskussion.
https://berlinergazette.de/gegen-autos-wie-eine-autofreie-welt-aussehen-koennte-und-wie-wir-dahin-kommen/

https://www.carless.earth/ | https://www.carless.earth/manifest

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Ein Luxusviertel in Belgrad sorgt für Unmut
von Andrej Ivanji
Stand: 22. Februar 2017, 14:25 Uhr
Man könnte es spöttisch Mini-Dubai nennen: das in Belgrad geplante neue Luxusviertel Waterfront. Das Geld dafür kommt aus Abu Dhabi, ein Teil der Zivilgesellschaft vermutet Korruption. Noch ist die Waterfront eine der größten Baustellen Europas, die für immer mehr Unmut in der Bevölkerung sorgt.
https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/ostblogger/belgrad-protest-gegen-waterfront-100.html
« Last Edit: August 12, 2020, 07:05:15 PM by Link »

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« Reply #69 on: August 14, 2020, 12:04:30 PM »
Quote
[...] Vor 50 Jahren trug die Aktionsgemeinschaft Westend den Protest gegen Wohnraumzerstörung auf die Straßen. An der verfehlten Planungspolitik von damals krankt die Stadt Frankfurt noch heute.

Die Anfänge sind bescheiden und friedfertig. Am 14. August 1970 laufen etwa 200 Menschen sehr geordnet durch die Frankfurter Innenstadt. Sie tragen selbstgefertigte Transparente mit Aufschriften wie „Stoppt den Terror der Spekulanten“. Eine kleine Bürgerinitiative mit Namen „Aktionsgemeinschaft Westend“ (AGW) hat zu der Demonstration aufgerufen. Vor 50 Jahren beginnt so eine Bewegung, die als „Frankfurter Häuserkampf“ über Jahre hinweg bundesweit Aufmerksamkeit finden wird. Dieser „Häuserkampf“, auf dem Höhepunkt mit großer Brutalität geführt, verändert das Verhältnis von Bürgern und Staatsgewalt für immer. Von dort führt eine direkte politische Spur zur Gründung einer neuen Partei zehn Jahre später. Sie nennt sich 1980 „Die Grünen“.

1970 liegen die Wurzeln des Protests in einer verfehlten sozialdemokratischen Planungspolitik. Unter ihr leidet Frankfurt noch heute. Die SPD, die von 1946 bis 1977 die bestimmende politische Kraft im Römer ist, entwickelt Frankfurt damals zur autogerechten Stadt und zum Zentrum der Dienstleistungsbranche in der jungen Bundesrepublik, dem „Wirtschaftswunderland“. Der Schriftsteller Gerhard Zwerenz wird in seinem Buch „Bericht aus dem Landesinneren“ 1972 zu folgendem Urteil kommen: „Frankfurt … ist die kapitalistischste Stadt Westdeutschlands. Nirgendwo heckt Kapital seinen Mehrwert so brachial und ungeniert mitten in die Ansiedlungen, dass die Bewohner vertrieben werden, flüchten müssen, in ohnmächtiger Wut die bloßen Fäuste schütteln.“

Um dem raschen Wachstum der Dienstleistungswirtschaft mit ihren Bürohäusern einen neuen Raum zu geben, erklärt der SPD-geführte Magistrat das Frankfurter Westend, ein historisches Wohnviertel mit schönen alten Villen, zum City-Erweiterungsgebiet. Mit Rückendeckung der Politik erwerben Spekulanten die alten Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhundert, um sie abzureißen und durch neue Bürobauten, möglichst lukrative Hochhäuser, zu ersetzen. Die Bodenpreise im Viertel wachsen zwischen 1958 und 1968 um 500 Prozent. Der SPD-Planungsdezernent Hans Kampffmeyer gibt die Bockenheimer Landstraße und ihre Seitenstraßen für eine neue Bebauung frei.

Doch es regt sich Widerstand. Schon 1969 gründen etwa 30 Anwohner, gutsituierte Bürger, die Aktionsgemeinschaft Westend. Der Anlass ist ein vermeintlich kleiner: Für ein neues Bürohaus am Rande des Rothschildparks sollen alte Bäume gefällt werden. Das wäre ein Eingriff in das geschützte Grün der Wallanlagen, die sich wie ein Ring um die Frankfurter Innenstadt ziehen. Diese Konflikte um die Wallanlagen setzen sich bis in die Gegenwart fort. Unzählige Male opfert die Stadtregierung bis heute das Grün der Wallanlagen für neue Büro- und Hotelbauten. Heute wird diskutiert, ob ein neues Opernhaus an der Neuen Mainzer Straße in die Wallanlagen eingreifen darf.

1970 gewinnt der Protest der AGW rasch an Breite. Schon am 16. August ist die Initiative in der Innenstadt wieder auf den Straßen, diesmal sind schon mehr Menschen dabei. Auch der ehrenamtliche FDP-Stadtrat Dieter Rudolph und die CDU-Stadtverordnete Ruth Beckmann gehen mit, sehr zum Missfallen ihrer Parteien. Die berühmte Schriftstellerin Marie-Luise Kaschnitz, die seit Jahrzehnten im Westend lebt, schließt sich an. Am 17. September folgt eine erste Reaktion der Kommunalpolitik: Die Stadtverordneten beschließen einstimmig eine Veränderungssperre im Westend: So lange es keine rechtskräftigen Bebauungspläne gibt, dürfen keine neuen Baugenehmigungen für Bürobauten erteilt werden.

Doch in Wahrheit setzen sich die Abrisse fort, weil sich die Bauherren auf zahlreiche Ausnahmegenehmigungen berufen können, die ihnen der SPD-geführte Magistrat erteilt hat. Am 19. September 1970 wird deshalb ein neues Kapitel in der Geschichte des Bürgerprotests aufgeschlagen. Es kommt zur ersten Hausbesetzung in Frankfurt. Das Wohngebäude Eppsteiner Straße 47 im Westend wird in Beschlag genommen. Bis heute streiten sich die Historiker darüber, ob das auch die erste Hausbesetzung in Deutschland war. Tatsächlich hatte bereits am 10. April 1970 eine Wohn-Initiative ein Verwaltungsgebäude der Schokoladenfabrik Kwatta in Köln bezogen.

Doch in Frankfurt gewinnt die Bewegung eine Breite wie nirgendwo sonst. Jetzt sind auch Studierende dabei, ausländische Familien, Arbeits- und Obdachlose. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung gibt es etwa 60 besetzte Häuser im Westend. Der Magistrat beruft den Sozialdemokraten Knut Müller zum neuen Polizeipräsidenten. Er soll „aufräumen“ mit der neuen Bürgerbewegung. Eine der erbittertsten Auseinandersetzungen entwickelt sich um das Haus Kettenhofweg 51. Das alte Wohnhaus soll für Büros abgebrochen werden. Schon am 7. Februar 1972 beginnt die Besetzung. Am 29. März 1973 ordnet Polizeipräsident Müller die Räumung an. Aber etwa 800 Straßenkämpfer hinter Barrikaden verteidigen das Haus. Die Polizei setzt Schlagstöcke, Hunde und Wasserwerfer ein, sie wird mit einem Steinhagel empfangen. Die Kämpfe wogen stundenlang hin und her und weiten sich auf die Seitenstraßen aus. Schließlich, nachdem es 70 Verletzte gegeben hat, befiehlt Polizeipräsident Müller den Rückzug.

In der linken Szene wird die „Schlacht“ um den Kettenhofweg 51 zum Mythos, viele wollen später dabei gewesen sein, die es tatsächlich nicht waren. Viele prominente spätere Grüne wie Bundesaußenminister Joschka Fischer oder der spätere Frankfurter Kämmerer Tom Koenigs nehmen am Häuserkampf teil.

Das Haus Kettenhofweg 51 wird am 4. April 1973 dann doch noch geräumt. An vielen Stellen können die Aktionsgemeinschaft Westend und die anderen Protestierenden die Umwandlung des Viertels in ein Dienstleistungsquartier nicht verhindern. Von ehemals 40 000 Bewohnern blieben zunächst nur 20 000 übrig. Heute leben im Westend wieder 30 000 Menschen.


Aus: "Geschichte: Kampf den Spekulanten" Claus-Jürgen Göpfert (13.08.2020)
Quelle: https://www.fr.de/frankfurt/50-jahre-arbeitsgemeinschaft-westend-kampf-den-spekulanten-90023366.html

Quote
Bjoern Luley

Darüber, wer in der Mehrzahl der Fälle die Spekulanten waren, wird interessanterweise nichts in dem Artikel gesagt. Nach einem der ganz Schlimmen, der damals nachts Rollkommandos in die Häuser schickte, um Wasser- und Heizungsrohre zerschlagen zu lassen, damit zum Teil seit Jahrzehnten dort lebende ältere Mieter endlich ausziehen und die Häuser abgerissen werden konnten, wurde später eine wichtige Brücke über den Main benannt. Unfassbar!


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« Reply #70 on: August 26, 2020, 09:39:24 AM »
Im Weg: Das Phänomen der chinesischen Nagelhäuser (23. August 2020)
Sogenannte Nagelhäuser entstehen dann, wenn Hausbesitzerinnen und -besitzer nicht für ein großes Bauvorhaben Platz machen wollen. Nagelhäuser heißen so, weil sie hartnäckigen Nägeln in hartem Holz ähneln, die man nicht mehr herausbekommt und auch nicht einschlagen kann. ...
https://www.derstandard.at/story/2000119503026/im-weg-das-phaenomen-der-chinesischen-nagelhaeuser

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Für die unkommerzielle Nutzung aller freistehender Häuser und Brachen Wagenplatzbesetzung in Zureich
Wir haben am 31.07.2020, den Platz zwischen Bernerstrasse, Aargauerstrasse und Depotweg genommen, um hier einen Wagenplatz ins Leben zu rufen. ... Hier, an diesem Ort, wo die Lebensrealitäten auf verschiedene Arten nicht den momentanen gesellschaftlichen Normen entsprechen, freuen wir uns auf einen Austausch und ein solidarisches Zusammenleben mit unseren Nachbar*innen. Wir schaffen hier keinen Partyort, sondern gemeinschaftlichen Wohnraum mit einem kulturellen Angebot. Es wird gebaut, gekocht, repariert, gelebt und gelernt. Kommt vorbei! Bringt ein Zelt und Sonnenschutz mit. ...
https://www.untergrund-blättle.ch/politik/schweiz/zuerich-wagenplatzbesetzung-5950.html
« Last Edit: August 29, 2020, 01:10:33 PM by Link »

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« Reply #71 on: September 07, 2020, 02:28:03 PM »
"Der Neoliberalismus zerstört die Urbanität der Metropolen - Die Entleerung der Stadt" Georg Seeßlen (03.09.2020)
Im Neoliberalismus vollzieht sich eine fundamentale Enturbanisierung. Doch die Menschen, die in den Städten leben, haben mehr zu verlieren als deren Urbanität. Sieben Hauptursachen hat die Enturbanisierung der Städte derzeit. ...
https://jungle.world/artikel/2020/36/die-entleerung-der-stadt

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"3 Nächte" juergenkasekVeröffentlicht (7. September 2020) Katgeorien PolitikSchlagwörter #le0409, #le0509, Connewitz, Gewalt, Leipzig, Randale
Am Donnerstag, Freitag und Sonnabend kam es in Leipzig zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizeibeamten. Dieser Text soll keine Rechtfertigung sein, keine Relativierung, sondern eine notwendige differenzierte Einordnung. ... Verständigen über das was geschehen ist, zu verstehen und daraus Folgen abzuleiten, kann man nur wenn in notwendiger Weise differenziert und jenseits der Verschlagwortung nach Antworten auf komplexe Probleme gesucht wird. Vorab: Gewalt ist keine Lösung sondern immer Teil des Problems. Und dieser Text keine Relativierung. ...
https://juergenkasek.wordpress.com/2020/09/07/3-naechte/

« Last Edit: September 10, 2020, 11:49:48 AM by Link »

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« Reply #72 on: October 02, 2020, 12:29:12 PM »
"Documentary From 1991 Asks If Los Angeles Will Become a Hellish Dystopia" Matt Novak
(1990s, los angeles, los angeles history, LA, LA history, bbc, documentary )
Back in 1991 the BBC visited Los Angeles to ask if it was the city of the future. Their answer? Yes, but not in a good way.
https://paleofuture.com/blog/2015/2/4/documentary-from-1991-asks-if-los-angeles-will-become-a-hellish-dystopia

https://youtu.be/pkYIwlcjCOI

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« Reply #73 on: November 12, 2020, 01:08:42 PM »
"Einkommensstatistik NRW: “Willst du das Ruhrgebiet oben sehen, musst du die Tabelle drehen”" Stefan Laurin (11. November 2020)
Das statistische Landesamt NRW hat heute das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte veröffentlicht und die Daten zu einem Ranking zusammen gefasst. Auf den Punkt gebracht: Im Ennepe-Ruhr-Kreis und in Mülheim können sich die Menschen ab und an Flaschenbier von Marken leisten, die im Fernsehen beworben werden. Der Rest trinkt Hansa aus der Dose. Nur in Gelsenkirchen reicht es auch dafür nicht: Dort spritzt man sich, um lustig zu werden, etwas Mümmelmann, den günstigen Kräuterlikör von Aldi, in die Vene. ...
https://www.ruhrbarone.de/einkommensstatistik-nrw-willst-du-das-ruhrgebiet-oben-sehen-musst-du-die-tabelle-drehen/192963

"Liste der deutschen Städte nach Bruttoinlandsprodukt"
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_deutschen_St%C3%A4dte_nach_Bruttoinlandsprodukt

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Landkreise_nach_Einkommen

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« Reply #74 on: November 14, 2020, 11:16:42 AM »
"Als Friedrichshain im Straßenkampf versank: Vor 30 Jahren wurden die besetzten Häuser der Mainzer Straße geräumt" Robert Ide (14.11.2020)
Die Räumung in der Mainzer Straße am 14. November 1990 eskalierte zur Straßenschlacht. Die brutalen Konflikte sind ein Berliner Wendepunkt nach der Einheit. ... Mitten in Friedrichshain tobt stundenlang ein Straßenkampf. Dann ist Ruhe am 14. November 1990. Die Mainzer Straße wird zum Militärischen Sicherheitsbereich erklärt: „Unbefugtes Betreten verboten! Vorsicht Schußwaffengebrauch!“ Eigentlich ist hier ein Wohngebiet.
Ein Jahr nach friedlicher Revolution und Mauerfall erlebt der Osten des gerade erst vereinten Berlin einen der heftigsten Polizeieinsätze der jüngeren Stadtgeschichte. Die Erschütterungen vor 30 Jahren lassen die rot-grüne Koalition zerbersten. Sie zeigen aufbrechende Konflikte zwischen Ost und West, zwischen linker Szene und Polizei, auch zwischen Hausbesetzern und Hausbesetzern. Ein anarchischer Traum, geboren im Berlin des Wendewahnsinns, ist ausgeträumt. ,,,
Der harte Alltag der deutschen Einheit beginnt. Er hinterlässt Wunden, die man kaum sieht, wenn man heute durch das Viertel rund um den Boxhagener Platz streift: sanierte Altbauten, Familienspaß auf teuren Bürgersteigen, Geschäfte, Cafés. Der Flohmarkt als Kiez-Idyll, in dem man Vergangenheit noch auf Fotos entdecken kann. Und in ein paar Gesichtern. ...
https://www.tagesspiegel.de/berlin/als-friedrichshain-im-strassenkampf-versank-vor-30-jahren-wurden-die-besetzten-haeuser-der-mainzer-strasse-geraeumt/26623650.html