Author Topic: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...  (Read 7672 times)

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #20 on: October 02, 2016, 11:21:35 AM »
"Mietrecht: Raus!" Christian Salewski (29. September 2016)
Wie Wohnungskäufer das Mietrecht aushebeln, um arme Mieter loszuwerden. ... [Für ihre 36 Quadratmeter beträgt die Kaltmiete 267 Euro im Monat. Der Unternehmer, der die Wohnung gekauft hat, vermietet noch zwei andere im boomenden Karlsruhe. Er preist sie in Inseraten als "exklusiv" an und verlangt für ein 20-Quadratmeter-Zimmer in einer möblierten "Business-WG" mehr als 700 Euro im Monat. ] ... Besonders ausgeprägt ist das Kündigungsrisiko dort, wo der Wohnungsmarkt heißläuft, also in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München. Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband Berlin sind inzwischen alle Felder der sozialen Arbeit betroffen, von der Eltern-Kind-Einrichtung bis zur Demenz-WG. Ein besonders krasser Fall ist die Einrichtung "Die Zwiebel", die sich um suchtkranke und essgestörte Frauen kümmert, die häufig auch Opfer von Gewalt wurden. Ein internationaler Investor kaufte das Haus in Berlin-Moabit, in dem "Die Zwiebel" untergebracht ist, und nutzte das Gewerbemietrecht, um 2014 gleich zwölf Wohnungen zu kündigen und Räumungsklagen zu erheben. Die Einrichtung stand vor dem Aus. Der Trägerverein Prowo entschloss sich zu kämpfen. ...
http://www.zeit.de/2016/39/mietrecht-wohnungskaeufer-kuendigungen-gerwerbeflaechen-sozialtraeger/komplettansicht


Quote
Kommentist #12

Es ist billiger Linkspopulismus, wenn man sich einredet, dass der Staat das Problem mit noch mehr Gängelung der Vermieter aus der Welt schaffen könnte. Nicht alle Vermieter sind Heuschrecken und die Gesetze bevorteilen Mieter schon heute extrem.

Wer privat die ein oder andere Eigentumswohnung vermietet, der weiß, dass die Rendite nach allen Kosten überschaubar und das Risiko (Mietnomaden, etc.) recht hoch ist. Für die großen Heuschrecken, denen der Staat massenweise Sozialwohnungen weit unter Wert zugeschachert hat, ist die Rendite zwar viel höher, aber bei neuen Gängelungsgesetzen erwischt es halt überlicherweise alle. Im schlimmsten Fall gelingt es den Heuschrecken durch Lobbyarbeit sogar noch, sich bestimmte Vorteile gegenüber Privatvermietern zu sichern. Nein, danke.

Quote
artefaktum #12.1

@Kommentist

>> Nicht alle Vermieter sind Heuschrecken und die Gesetze bevorteilen Mieter schon heute extrem. <<

Die im Artikel angesprochenen Investoren allerdings schon. Und die scheinen mit der staatlichen "Gängelung" ja kein Problem zu haben, sonst würden sie ja nicht investieren.



Quote
I have a dream #14

In diesem Land muss bald ein Gesetz erscheinen, die die einfache Menschen von den Investoren schützt. Es gibt keine Ethische Grundlage für diese Menschen, sie sind einfach blind, arrogant und oft fühlen sie sich "bessere Menschen" als die anderen. Es kann nicht sein dass das Geld alles entscheidet und überall regiert. Bis diese Menschen (ich meine die Investoren) aufwachen, und verstehen dass das Geld das sie haben, nicht um ihr eigenes Wohl sonders für das gesamte Wohl da ist, und sie haben einfach die Gnade über dieses Mittel zu bestimmen, muss eine staatliche Kontrolle stattfinden. Sonst, es kommen noch mehr Skandalen, Unruhen, Krawallen, Ausländerfeindlichkeiten, Extremisten ect, alles Erscheinungen einer sozial- und menschen-unfreundlichen Gesellschaft.


...

---

"Entmieterstadt Berlin: Die Geschichte vom Häuserkampf in Wedding" Thomas Loy (10.10.2016)
Ihr halbes Leben wohnen die Menschen in dem unscheinbaren Altbau in Gesundbrunnen. Jetzt sollen sie raus. Der neue Eigentümer braucht die Wohnungen angeblich für seine Töchter.  ... Sie wissen, dass sie nicht die einzigen sind, die es erwischt. Überall steigen die Mieten, werden Häuser saniert, müssen Menschen ihren Kiez verlassen, weil sie sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können. Das war ja großes Wahlkampfthema. Alle seien sie schon bei ihnen gewesen, SPD, Linke, Grüne, Piraten. Die Politiker hätten sich ihre Geschichte angehört und versprochen sich zu kümmern. Vor der Wahl wollte sogar CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel einen Brief an Marc J. schreiben. Henkel ist direkter Nachbar, hat die hintere Remise im Hof gemietet, als Bürgerbüro. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/entmieterstadt-berlin-die-geschichte-vom-haeuserkampf-in-wedding/14662780.html

Quote
plus8 10.10.2016, 11:04 Uhr
Wenn ich das Geflenne der üblichen Mieterschützer höre, komme ich mir wie in einem Flashback in die 80er zurück versetzt vor:

Die ständigen abseitigen Diskussionen über Mieterschutz und Eigenbedarf kamen schon damals ständig aus (West-)Berlin - und ich habe heute partout kein Verständnis mehr dafür!

Bis in die 2000er Jahre hinein war Wohneigentum in Berlin spottbillig zu haben - trotz seinerzeit höherer Kreditzinsen hätten die Mieter sehr wohl den Kauf des Hauses als ETW Anlage "stemmen" können.

Und nein: Mietverträge begründen eben keine Eigentumsrechte, sondern immer nur Besitzrechte!

Bitte jetzt auch nicht mit dem bei Berliner Linken abgedroschenen Argument "Eigentum verpflichtet" kommen! Kein Eigentümer einer Immobilie ist verpflichtet, seine Immobilie dauerhaft unter Marktwert zu vermieten!

Ebenso selbst schuld, wenn Mieter den Mietgegenstand auf eigene Kosten sanieren und sich dafür im Gegenzug vom Vermieter keine Kompensationen einräumen lassen. Dann hätten sich die Mieter eben eine sanierte Wohnung mieten sollen!


Quote
lotta 07:31 Uhr
ja, liebe foristen...es ist garkein problem von 8.50€ mindestlohn - brutto wohlgemerkt - einen brauchbaren betrag für die alterrsversorgung wegzulegen, auf ein eigenheim zu sparen und natürlich so ganz nebenbei auch noch was übrig zu haben für brot und brötchen.
wo lebt ihr eigentlich, liebe leute?????
schon mal was von empathie, miteinander und humanismus gehört? darauf hat sich unsere gesellschaft  mal gegründet und gut funktioniert.
all den klugscheissern - sorry - hier empfehle ich mal, sich über die folgen der gentrifizierung zu informieren. vielleicht kapiert ihr dann, wo die reise hingeht?! kann übrigens gut sein, auch mal für euch! ...


...
« Last Edit: October 11, 2016, 10:00:29 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #21 on: October 18, 2016, 12:25:50 PM »
"Günstiger Wohnraum: Jedes Jahr 10 000 Sozialwohnungen weniger in NRW"  (17. Oktober 2016)
... Der Bestand an Sozialwohnungen ist in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen fünf Jahren um über 50 000 geschrumpft. Wie das Bauministerium mitteilte, gab es in NRW im vergangenen Jahr nur noch knapp 477 000 Sozialwohnungen. Im Vergleich zum Höchststand, 1979, ist das weniger als ein Drittel von einst über 1,6 Millionen Sozialwohnungen. ... Insgesamt fehlen nach Modellberechnungen in NRW bis 2020 rund 400 000 neue Wohnungen. Davon müssten mindestens 300 000 in Mehrgeschoss-Bauten errichtet werden - nicht zuletzt, weil sich die zusätzliche Nachfrage durch Flüchtlinge nicht mit Einfamilienhäusern decken lasse, argumentiert das Bauministerium. Der zusätzliche Bedarf an preiswertem Wohnraum allein durch Flüchtlinge wird in NRW auf rund 120 000 Wohnungen taxiert.
Der höchste Bedarf besteht weiterhin in den Großstädten entlang der Rheinschiene: Düsseldorf, Köln, Bonn sowie in den Universitätsstädten Bielefeld, Münster, Dortmund, Essen und Aachen - mit Auswirkungen auf das jeweilige Umland. Der geringste Bedarf besteht in ländlichen Räumen, wo es manchmal sogar schon dauerhaften Leerstand gibt - etwa in Südwestfalen, im Hochsauerland und Siegerland sowie in einigen Bereichen des nördlichen Ruhrgebiets.
http://www.rp-online.de/nrw/panorama/immer-weniger-sozialwohnungen-in-nrw-aid-1.6331445


"Leben in der Platte" Robert Kaltenbrunner (09. April 2017)
Im gleichen Maße, wie sich vielerorts die Frage nach bezahlbarem Wohnraum mit Vehemenz stellt, wird der Wohnungsbau augenscheinlich erneut zum Gegenstand von Rationalisierungsbestrebungen. Die Industrialisierung des Bauens, lange Zeit - und mit dem Fingerzeig auf realsozialistische Metastasen - als Krebsgeschwür der modernen Architektur verteufelt, scheint angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen erneut die Geister zu beflügeln. Das mag zwar manch ungute Assoziation auslösen, aber der Entwicklungsdruck wirkt schier übermächtig. Relativierend sollte man insofern auf ein Jahrhundert zurückblicken, in dessen höchst unterschiedlichen Phasen das Schreckgespenst "Wohnungsnot" immer wieder an die Wand gemalt wurde. Denn so drängend die derzeitigen Probleme auch sein mögen, neu und einzigartig sind sie nicht. Viele Akteure und Strömungen mussten unter dem Druck der Verhältnisse bereits mehrmals darauf hinarbeiten, Behausungen in ausreichender Menge und zu erschwinglichen Kosten verfügbar zu machen: Politiker und Parteien (zur Legitimation ihrer selbst), die (Bau)Industrie (weil sich mit solchen Modernisierungsimpulsen Geld machen und die Voraussetzung für künftige Absatzmärkte schaffen ließ) und weite Kreise der Bevölkerung (aus naheliegenden Gründen). ...
https://www.heise.de/tp/features/Leben-in-der-Platte-3674863.html


"Besetztes Möbel-Kraft-Gelände in Kiel : Wohnwagengruppe lässt Ultimatum zur Räumung am Prüner Schlag verstreichen"  Andrea Lange (8. Mai 2017)
Der Grundstückseigentümer Möbel Kraft wollte die Bauwagenleute loswerden. Doch die lassen sich davon nicht beirren. Kiel | Ein Wohnwagengruppe besetzt seit Ende April den Prüner Schlag in Kiel. Sie wollen sich ein Stück Freiraum in der Landeshauptstadt erkämpfen. Doch für das Grundstück gibt es andere Pläne. Dort soll ein neues Einrichtungshaus von Möbel Kraft gebaut werden. Den Besetzern wurde daher ein Ultimatum vom Grundstückseigentümer gestellt. Bis Sonntag sollten sie das Areal verlassen haben. Daran hielten sie sich nicht. Auch am Montag harrten die Besetzer mit ihren Wohnwagen weiter aus. Das bestätigte Ralph Göttsche von Möbel Kraft gegenüber shz.de.
Bisher sei nichts passiert und alle Besetzer seien noch auf dem Gelände, sagte Göttsche. Die Gruppe hatte zuvor erklärt, man verlasse das Areal, wenn ihnen die Stadt eine adäquate Alternative anbiete. Das ist bisher nicht geschehen. ...
https://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/wohnwagengruppe-laesst-ultimatum-zur-raeumung-am-pruener-schlag-verstreichen-id16769816.html

---

"Massenproteste gegen Moskaus Abrisspläne" (14.05.2017)
Tausende Menschen sind in Moskau gegen ein gigantisches Umbauprogramm auf die Straße gegangen. Bürgermeister Sergej Sobjanin will rund 4500 marode Plattenbauten aus der Nachkriegszeit abreißen lassen, mehr als eine Million Menschen sollen neuen Wohnraum erhalten. Doch das forsche Vorgehen der Behörden trifft auf Widerstand, viele rechtliche und finanzielle Fragen sind ungeklärt. An der genehmigten Kundgebung am Sonntag nahmen nach Angaben der Veranstalter 30.000 Menschen teil, die Polizei sprach von nur 8000. Auch prominente Oppositionelle wie Alexej Nawalny und Grigorij Jawlinski kamen zu der Demonstration.
Mit den fünfstöckigen industriell gefertigten Häusern linderte die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg die schlimmste Wohnungsnot. Doch so schlecht die Bauqualität ist, hängen heute viele Moskauer an diesen Wohnungen. Durch die Privatisierung sind sie Eigentümer geworden. Viele fürchten eine zwangsweise Enteignung, bei der sie aus innenstadtnahen, grünen Vierteln in Hochhausviertel am Rand Moskaus umgesiedelt werden. ...
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/moskau-massenproteste-gegen-abriss-von-wohnungen-a-1147633.html
« Last Edit: May 15, 2017, 07:16:23 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #22 on: May 23, 2017, 03:26:05 PM »
"Immobilien-Deal in Berlin-Kreuzberg - Zalando zieht mit 34.000 Quadratmetern auf die Cuvry-Brache" Daniel Marschke (11.04.2017)
In nur acht Jahren ist das Berliner Start-Up Zalando zu einem der größten deutschen Online-Händler geworden - mit entsprechend großem Flächenbedarf. Bald wird Zalando auch an der Cuvrystaße sein - dort, wo vor kurzem noch sozialer Wohnungsbau geplant war.
https://www.rbb-online.de/wirtschaft/beitrag/2017/04/berlin-friedichshain-kreuzberg-cuvrystrasse-zalando-mietet-riesige-bueroflaeche.html

Die Cuvry-Graffiti waren zwei großflächige Fassadenbilder des italienischen Street-Art-Künstlers Blu, die zu den bekanntesten Graffiti in Berlin gehörten. Sie befanden sich an zwei Brandwänden am Rand der sogenannten Cuvrybrache in Berlin-Kreuzberg. Das Dorf aus Zelten und Hütten auf der Brache hatte als „Berlins erster Slum“ regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt, bis es im September 2014 nach einem Brand geräumt wurde.  ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Cuvry-Graffiti

"Rückwärtsdemo gegen Zalando" Dinah Riese (23. 5. 2017)
Unter lautem Gejaule und Geheule schiebt sich die Prozession am Montagabend durch die Schlesische Straße in Kreuzberg. An der Spitze des Zuges gehen sechs SargträgerInnen. Oder am Ende des Zuges, genau kann man es nicht sagen – denn der Trauermarsch, der den Geist Kreuzbergs und der Cuvrybrache zu Grabe trägt, geht rückwärts. ... „Wir übergeben einen Sarg und den Geist von Kreuzberg an die Spree. Zwei Millionen Träume sind hier zerplatzt und machen Platz für den Gewinner mit der schlechtesten Idee“, ruft Leumund ins Megafon. Und: „Die Galgen hängen tiefer. Ein Schwan fällt vom Dach.“ Ein Touristenboot fährt vorbei. „Wir trauern hier! Es ist sehr traurig“, ruft Leumund ihm über das Wasser hinweg zu. Hinter ihm stimmen die Trauernden in lautes Wehklagen ein. „Zalando – ham wa nicht bestellt“, ruft eine Frau, alle anderen stimmen mit ein. „Nebenbei könnten ja auch Leute den Bauzaun anzünden oder aufs Gelände eindringen“, sagt Leumund, während er mit einem „Burn, Zalando burn“-Schild wedelt. „Das hat dann aber nichts mit uns zu tun“. Am Ende der Veranstaltung wird die Polizei trotzdem seine Personalien aufnehmen – weil er angeblich zu Straftaten aufgerufen habe, wie die Bergpartei in einer Pressemitteilung erklärt.
„Ich bin ein ehemaliger Bewohner der Freien Cuvry“, sagt ein Mann ins Megafon – einen „Gastprediger“ nennt Leumund ihn. „Ich hatte meine Hütte unter dem großen Baum, der dort drüben stand und den es heute auch zu betrauern gilt.“ Er ruft die Anwesenden auf, weiter gegen die Bebauung der Brache zu protestieren. „Wer heute bei Zalando Schuhe bestellt, trampelt morgen auf der Cuvry herum.“
Am Ende des Trauermarsches findet sich die Prozession wieder am Ausgangsort zusammen – an der Spree. Langsam senkt sich der Sarg ins Wasser. „Keine Schrippen für Zalando“ skandiert die Menge. Mit einem lauten Platschen landet der Sarg in der Spree, ein letztes mal setzt lautes, realdadaistisches Wehklagen auf Kommando ein. Ein zufällig vorbeifahrendes Schlauchboot hilft anschließend, den Sarg zu bergen. Angesichts der voranschreitenden Verdrängung im Kiez wird es wohl noch mehr Anlässe für Beerdigungen geben. ...
https://www.taz.de/Protest-gegen-Verdraengung-in-Kreuzberg/!5403037/

---


"Die Stadt muss radikaler werden" Interview: Katrin Lange (23.03.2017)
Interview mit dem Copenhagenize-Gründer Mikael Colville-Andersen.
Ich glaube gar nicht, dass es so etwas wie Fahrradkultur gibt. Ich bin nur ein Mann mit seinem Team, der glaubt, dass das Fahrrad das mächtigste Werkzeug in unserem Werkzeugkasten ist, wenn wir urbanes Leben verbessern wollen. ...
https://www.greencity-magazin.de/die-stadt-muss-radikaler-werden/

Bicycle Culture by Design: Mikael Colville-Andersen at TEDxZurich (Published on Nov 28, 2012)
https://www.youtube.com/watch?v=pX8zZdLw7cs

« Last Edit: May 26, 2017, 10:00:53 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #23 on: May 29, 2017, 05:48:20 PM »
In Alternativlos Folge 40 reden wir mit Andrej Holm über Stadtentwicklung und Gentrifizierung. (29.5.2017)
Mit halbwegs aktuellen Browsern könnt ihr das direkt im Browser hören (Dauer: zwei Stunden, 32 Minuten)...
https://alternativlos.org/40/

Andrej Holm (* 8. Oktober 1970 in Leipzig) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler mit den Themenschwerpunkten Stadterneuerung, Gentrifizierung und Wohnungspolitik. ... Von 1990 bis 1997 studierte Holm an der Humboldt-Universität zu Berlin Sozialwissenschaften und wurde 2004 mit einer Arbeit zum Thema „Restrukturierung des Raumes und gesellschaftliche Macht im Sanierungsgebiet“ promoviert. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Andrej_Holm

Als Gentrifizierung (engl. gentry „niederer Adel“), auch Gentrifikation, im Jargon auch Yuppisierung, bezeichnet man den sozioökonomischen Strukturwandel bestimmter großstädtischer Viertel im Sinne einer Attraktivitätssteigerung für eine neue Klientel und dem anschließenden Zuzug zahlungskräftiger Eigentümer und Mieter. Damit verbunden ist der Austausch ganzer Bevölkerungsgruppen. Der teilweise als politisches Schlagwort verwendete Begriff ist in der Stadtforschung von Bedeutung und theoretisch nach wie vor nicht eindeutig erklärt. Interessant ist unter anderem, wieso und wo sie nicht stattfindet. Unter anderem ist durchaus umstritten, ob steigende Wohnungspreise Ursache oder Wirkung des Austauschprozesses sind. Erste Gentrifizierungsanzeichen finden sich immer schon vor den preislichen Änderungen im Wohnungsmarkt. Als wichtig gelten ebenso die Unterschiede im Habitus, im Geschmack, in den sozialen und kulturellen Ausdrucksweisen und symbolhaft inszenierten Konsumgewohnheiten von Neuankömmlingen und der bestehenden Einwohnerschaft im öffentlichen Raum. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung

« Last Edit: May 29, 2017, 06:02:08 PM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #24 on: May 31, 2017, 07:32:01 AM »
"Möbel-Kraft-Gelände Prüner Schlag wurde geräumt" Niklas Wieczorek (29.05.2017)
Am Montagvormittag war es soweit: Etliche Polizisten sind am Prüner Schlag am Möbel-Kraft-Gelände vorgefahren und begleiteten eine Gerichtsvollzieherin. Sie brachte den Brief: Die Besetzer müssen von der Ausgleichsfläche. Ein vierwöchiges Wagencamp fand ein friedliches Ende. ... Die Atmosphäre war ruhig: Polizisten und Besetzer standen sich zwar gegenüber, dabei blieb es aber auch. "Das lief alles ganz friedlich ab", sagte Oliver Pohl von der Polizei in Kiel. Ralph Göttsche von Möbel Kraft sagte dazu: "Die Besetzer sind immer gut informiert gewesen." Gespräche fanden schließlich darüber statt, wie die großen Wagen ohne Antrieb das Gelände verlassen sollten. Als ein Unimog eintraf, wurde aber auch diese letzte Herausforderung bewältigt. Fakten seien jetzt geschaffen, sagte Möbel-Kraft-Vertreter Göttsche zum Ende der Arbeiten gegen 13 Uhr. Die Besetzer hoffen durch den friedlichen Abzug weiterhin Gespräche mit der Stadt ermöglicht zu haben - schließlich sind sie noch immer auf der Suche nach einem Wagenplatz. ...
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Moebel-Kraft-Gelaende-Die-Besetzung-in-Kiel-ist-vorbei

"Besetztes Möbel-Kraft-Gelände : Prüner Schlag in Kiel wurde geräumt" (29. Mai 2017)
Am Montagvormittag kam die Gerichtsvollzieherin. Die Wohnwagengruppe „Schlagloch“ packte ihre Sachen. ... Die Räumungsaktion war ein „begleiteter freiwilliger Rückzug“, nachdem die Gerichtsvollzieherin um 10 Uhr den Vollstreckungsbescheid überreicht hatte. Zwar lag dieser schon Mitte vergangener Woche vor, aber Möbel Kraft hatte sich gemeinsam mit der Gerichtsvollzieherin, der Stadt Kiel und der Polizei darauf geeinigt, die Feiertage abzuwarten und erst am Montag das Areal räumen zu lassen.
Laut Göttsche haben die Bewohner ihre Sachen sofort gepackt und den Standort mit den Wagen verlassen. Gegen 13 Uhr waren die Räumungsarbeiten beendet. Nun stehen die ehemaligen Besetzer am Hasseldieksdammer Weg und beraten wohl, wie es weiter geht. Die Stadt zeigt sich nach wie vor verhandlungsbereit, was die Suche nach einer für alle Beteiligten opportunen Lösung betrifft. Möbel Kraft hat angekündigt, das Gelände ab sofort bewachen zu lassen.
https://www.shz.de/regionales/kiel/pruener-schlag-in-kiel-wurde-geraeumt-id16931726.html

"Kiel: Räumung der Wagengruppe Schlagloch + Demo" (30.05.2017)
Am Montag den 30.5. wurde der Wagenplatz Schlagloch auf dem ehemaligen Kleingartengelände Prüner Schlag - heute Möbelkraft Baugelände – durch eine Gerichtsvollzieherin in Begleitung von etwa 50 PolizistInnen zwangsgeräumt. Die BesetzerInnen wollten mit der Besetzung u.a. auf eine „fehlgeschlagene Stadtpolitik, die sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen, wie z.B. nach bezahlbarem Wohnraum, richtet“ aufmerksam machen. Hintergrund ist der Konflikt um den Bau eines Möbel Kraft Möbelhauses auf dem Kleingartengelände. ...
https://linksunten.indymedia.org/en/node/213908

"Wagengruppe Schlagloch-Räumung – Sponti heute 17 Uhr" Wagengruppe SchlaglochVeröffentlicht (29. Mai 2017)
Wir wurden geräumt! Haufenweise Cops, Möbel Kraft Vertreter und eine Gerichtsvollzieherin sind heute Morgen angetanzt um unseren Wagenplatz zu räumen. Wir haben das Gelände friedlich geräumt und stehen nun mit unseren Wagen auf der anderen Straßenseite. Möbel Kraft, die Stadt und ihre Ordnungshüter*innen erhöhen den Druck auf uns. Zusätzlich zur Anzeige wegen Hausfriedensbruch gibt es nun ein zivilrechtliches Verfahren, mit dem die Räumung unseres Platzes erwirkt wurde. Die Kosten dieses Verfahrens werden wir tragen müssen, sagte uns ein Vertreter von Möbel Kraft mit dem Hinweis wie teuer so ein Verfahren werden könnte. Diese und weitere überflüssige Sticheleien von Seiten Möbel Krafts wurden durch ein privates Sicherheitsunternehmen ergänzt, das mit einem Fahrzeug seit Mittwoch unsere Einfahrt blockiert. Es ist offensichtlich, dass diese Methoden uns einschüchtern sollen, da wir uns geweigert haben uns selbst zu räumen und zurück in die Unsichtbarkeit zu verschwinden. ...
http://schlagloch.blogsport.eu/2017/05/29/wagengruppe-schlagloch-raeumung-sponti-heute-17-uhr/

Quote
H.W. Lang sagt:   
29. Mai 2017 um 23:19

Hier wurde eine Chance vertan, lösungsorientiert zu einer Beilegung des Konflikts zu kommen.
Statt dessen wurden Ultimaten gesetzt, Bedingungen gestellt – alles reine Machtspiele.
Möbel-Kraft hat es versäumt, durch ein moderates und flexibles Verhalten bei den Kielern Sympathiepunkte zu gewinnen. Dumm.
Ulf Kämpfer, eigentlich als Mediator geschult, hat sich durch die Bedingung, erst müsse das Gelände geräumt werden, eigener Handlungsoptionen beraubt. Dumm.

Kiel ist eine Stadt, die mit Universität und Fachhochschule junge Leute anzieht. Aber sie muss jungen Leuten darüber hinaus auch etwas bieten. Sie muss bunt sein, sie muss Flair haben. Sonst bleiben die jungen Leute weg und gehen nach Hamburg oder Berlin.
In Berlin gibt es in jeder Straße einen Hinterhof, in dem Startups oder alternative Projekte vor sich hin werkeln. Was ist mit Kiel? Ein Provinznest. Man setzt auf Delmenhorstisierung oder Raisdorfisierung: Baumarkt – Möbelmarkt – Supermarkt – Getränkemarkt…
Wie wäre es mit Amsterdamisierung und Kopenhagenisierung? Bauwagenkolonien, Hausboote, alternatives Leben, nicht nur „geduldet“ (also eigentlich nicht gewollt), sondern aktiv unterstützt?


...
« Last Edit: May 31, 2017, 07:45:46 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #25 on: May 31, 2017, 10:23:33 AM »
"Dienstleistungszentrum in Zürich zu teuer: Die UBS verlagert Jobs nach Biel" Daniel Imwinkelried (31.5.2017)
Erneut wird die UBS Arbeitsplätze aus Zürich an einen anderen Standort in der Schweiz verlagern. Vor einem halben Jahr gab die Bank bekannt, dass sie im Herbst in Schaffhausen ein sogenanntes UBS Business Solution Center eröffnen werde. In diesem Gebäude hat es Platz für 500 Angestellte. Heute Mittwoch wird die UBS mitteilen, dass in Biel ebenfalls ein solches Dienstleistungszentrum entstehen soll. Mittelfristig werden in der Berner Stadt 600 Arbeitsplätze entstehen. ... Motiv dieser Verlagerung sind die Kosten, vor allem für die Löhne und die Mieten. Offenbar sieht es die UBS-Führung nicht mehr als sinnvoll an, gewisse Arbeitsplätze in Zürich anzubieten und dafür hohe Aufwendungen in Kauf zu nehmen. ...
Mit dieser Regionalisierung verfolgt die UBS in der Schweiz eine ähnliche Politik wie auf globaler Ebene. Seit einigen Jahren betreibt die Bank, wie andere international tätige Grossunternehmen, im Ausland sogenannte Shared-Service-Center. Deren Angestellte erledigen unterschiedliche Büroarbeiten in den Bereichen Zahlungsverkehr, IT, Personalwesen, Buchhaltung oder Publikationen.
Beliebte Standorte für solche Zentren sind Indien und Polen. In beiden Ländern ist auch die UBS mit Shared-Service-Centern präsent, und diese werden auch weiter ausgebaut. In den polnischen Grossstädten Krakau und Wroclaw beschäftigt die Bank mittlerweile 3500 Mitarbeiter.
https://www.nzz.ch/wirtschaft/dienstleistungszentrum-in-zuerich-zu-teuer-die-ubs-verlagert-jobs-nach-biel-ld.1298500

"Jobverlagerung der UBS: Die Stadt der Hochqualifizierten" Daniel Imwinkelried (31.5.2017)
... In Biel, wo die Mietpreise für Wohnungen und Büros so niedrig sind wie wohl in keiner anderen mittelgrossen Schweizer Stadt, wird sie Ende 2018 einen ähnlichen Hub wie in Schaffhausen eröffnen. Mit solchen regionalen Verlagerungen ist die UBS in der Schweiz zwar anderen Firmen voraus, im Ausland gibt es aber ähnliche Trends. Ausgeprägt ist die Entwicklung in London, wo der Finanzsektor wie in Zürich ein grosses Gewicht hat. Und wie in der Schweizer Metropole nehmen manche Londoner Firmen die hohen Mietpreise als Belastung wahr. Das hat Banken dazu bewogen, Arbeitsplätze nach Birmingham und Manchester zu verlagern. ...
https://www.nzz.ch/meinung/jobverlagerung-der-ubs-die-stadt-der-hochqualifizierten-ld.1298442

---

"Großbrand in Londoner Hochhaus: Mindestens zwölf Tote, dutzende Verletzte" Sebastian Borger aus London (14. Juni 2017)
Das mehr als 40 Jahre alte kommunale Wohnhaus war erst im vergangenen Jahr um umgerechnet 9,8 Millionen Euro renoviert und dabei mit einer zusätzlichen Isolierungsschicht versehen worden. Eine Bewohnerinitiative berichtete von mehreren Versuchen, die Gemeinde sowie die beteiligten Baufirmen auf mögliche Brandgefahren hinzuweisen. Dazu gehörten der Mangel an Fluchtwegen sowie das Fehlen klarer Instruktionen im Brandfall. Offenbar könne "nur ein katastrophaler Zwischenfall" die Verwaltungsfirma, die vom Bezirk beauftragt wurde, zur Vernunft bringen, schrieben die Aktivisten im vergangenen November. ... Das Feuer dürfte ein politisches Nachspiel haben. Der Königliche Bezirk Kensington und Chelsea wird seit Jahrzehnten von den Konservativen regiert. Er umfasst neben dem Kensington-Palast, wo Prinz William mit seiner Familie wohnt, einige der reichsten Viertel der Hauptstadt. Dort sind Immobilien kaum unter einigen Millionen Pfund zu bekommen. Der Norden des Bezirks, wo das Feuer wütete, gehört zu den ärmsten Vierteln des Landes. Viele der Opfer dürften Einwanderer aus den früheren britischen Kolonien sein, offenbar lebten auch mehrere Philippiner im Grenfell Tower. ...
Das 24-stöckige Wohnhaus Grenfell Tower in North Kensington im Westen von London wurde im Jahr 1974 fertiggestellt. Ursprünglich bestand das Hochhaus aus 120 Wohnungen, sieben weitere wurden bei einem späteren Umbau hinzugefügt.
Verwaltet wird das Gebäude von der Kensington and Chelsea Tenant Management Organisation (KCTMO) für den Stadtbezirk Kensington and Chelsea. Die Baufirma Rydon beendete im Juli 2016 Sanierungsmaßnahmen in einer Größenordnung von 8,7 Millionen Pfund (9,88 Mio. Euro). Darin enthalten waren eine Erneuerung der Fassade und der Fenster. Außerdem seien eine neue Heizungsanlage sowie ein Rauchabzugs- und Ventilationssystem eingebaut worden, ist auf der Webseite der Firma nachzulesen.
Rydon betonte, man sei geschockt über die Feuerkatastrophe. Alle baulichen Maßnahmen seien gemäß den geltenden Vorschriften für Brandschutz, Sicherheit und Gesundheit durchgeführt worden. Die Firma wolle die Ermittlungen der Behörden zur Brandursache voll unterstützen.
Die Fassadenverkleidung wurde von der Firma Harley Facades angebracht. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, zum jetzigen Zeitpunkt könne er keinen Kommentar abgeben, weil ihm noch keine Informationen zum Hergang des Unglücks vorlägen.
Eine Anrainer-Vereinigung, die Grenfell Action Group, wies darauf hin, dass sie mehrfach die Brandsicherheit des Hochhauses kritisiert habe. "Alle unsere Warnungen trafen auf taube Ohren. Wir haben vorhergesagt, dass eine solche Katastrophe unausweichlich und nur eine Frage der Zeit ist", schrieb die Gruppe am Mittwoch auf ihrer Internetseite.
KCTMO soll die Bewohner angewiesen haben, im Fall eines Feuers in der Wohnung zu bleiben, sofern der Brand nicht im eigenen Apartment oder am Gang davor ausbricht. "Grenfell ist gemäß strengster Brandschutzbestimmungen gebaut worden", so die Gebäudeverwaltung in einem Newsletter vom Juli 2014. "Die neuen Eingangstüren zu jeder Wohnung können einem Feuer bis zu 30 Minuten standhalten, ausreichend Zeit bis zum Eintreffen der Feuerwehr."
https://derstandard.at/2000059243260/Grossbrand-in-Londoner-Hochhaus-Mindestens-sechs-Tote-dutzende-Verletzte


"Großbrand in London: Die Mieter sahen es kommen" Bettina Schulz, London (14. Juni 2017)
Der Brand in Kensington bringt Behörden und Politik in Bedrängnis. Seit Jahren gab es Kritik an den Zuständen, die Warnungen wurden ignoriert. ... Der Großbrand in London hat furchtbare Erinnerungen geweckt: ein Hochhaus in Flammen, Menschen in den oberen Stockwerken, verzweifelt, weil sie nicht fliehen können, sogar springen und Kinder aus dem Fenster werfen, um sie zu retten. Kensington, London – das ganze Land steht unter Schock. Fast mehr noch als bei den Terror-Anschlägen, denn die Toten, die die Feuerwehr über die nächsten Tage bergen wird, wären noch am Leben, hätte nur irgendjemand auf die Bewohner gehört, auf ihre Warnungen, ihre Bitten, ihr Flehen – immer alles umsonst.
Wer auf der Schnellstraße an Wohnblocks vorbei in Richtung des Luxusviertels Notting Hill fuhr, wunderte sich: Wer muss hier wohnen, in diesen schäbigen 70er-Jahre-Blocks, 24 Stock hoch, so dicht gedrängt und unzugänglich eingekeilt zwischen Autobahn, Hochtrassen, Sportzentren, Zuglinien, so nah und doch weit weg von den weißgetünchten Villen in Chelsea nur wenige Straßenblocks weiter?
Hinter diesem katastrophalen Ereignis steht viel mehr als nur der Zufall, dass irgendjemand möglicherweise beim Kochen nicht aufgepasst hat oder ein Fernseher einen Kurzschluss hatte, irgendeine Küche in Brand geraten ist, irgendjemand die Feuertüren nicht geschlossen hatte. Dieser Brand zeigt, wie katastrophales Missmanagement einer Stadtbehörde, die angesichts enormer Budgetkürzungen genau an der falschen Stelle Geld spart, eines der schwersten Unglücke in London zu verantworten hat. Weder schien nach Aussagen der Bewohner der Feueralarm in dem Wohnblock zu funktionieren, noch konnten die Wagen der Feuerwehr nah genug an das Gebäude heranfahren, geschweige denn Barrieren und Türen öffnen, um den Brand vom Inneren des Hochhauses zu löschen.  ... Der Großbrand in Kensington symbolisiert daher den gewaltigen Gegensatz von Arm und Reich im Land, der vielleicht nirgends so extrem zu sehen ist wie hier: Am einen Ende des Bezirks streiten sich Millionäre darum, wie sie unter ihre Luxusvillen noch ein Schwimmbad und ein Kino bauen, obwohl sie kaum zu Hause sind, geschweige denn wählen, und einige Straßenzüge weiter leben Familien in slumartigen Wohnblocks, die so gefährlich sind, wie man es sonst nur in der Dritten Welt findet.
http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-06/grossbrand-london-grenfell-tower-einsparungen-missmanagement/komplettansicht

GRENFELL TOWER FIRE
Posted on June 14, 2017
ALL OUR WARNINGS FELL ON DEAF EARS and we predicted that a catastrophe like this was inevitable and just a matter of time. ...
https://grenfellactiongroup.wordpress.com/2017/06/14/grenfell-tower-fire/

"Tories reject move to ensure rented homes fit for human habitation" (Tuesday 12 January 2016)
Labour amendment to housing bill, aimed at holding landlords to account, is defeated as minister claims it would push up rents ... Conservative MPs have voted against proposed new rules requiring private sector landlords to ensure their properties are fit for human habitation.
A Labour amendment to the government’s housing and planning bill, designed to ensure that all rented accommodation was safe for people to live in, was defeated by 312 votes to 219 on Tuesday, a majority of 93.
“The majority of landlords let property which is and remains in a decent standard. Many landlords go out of their way to ensure that even the slightest safety hazard is sorted quickly and efficiently,” said the shadow housing minister, Teresa Pearce, who proposed the amendment.
“So it is even more distressing when we see reports of homes which are frankly unfit for human habitation being let, often at obscene prices.”...
https://www.theguardian.com/society/2016/jan/12/tories-reject-move-to-ensure-rented-homes-fit-for-human-habitation

---

"Londoner Hochhausbrand: Regierung soll Brandschutz-Empfehlungen ignoriert haben" (18.06.2017)
Premierministerin Theresa May steht schwer unter Druck. Wütende Demonstranten stürmten am Freitag das Rathaus von Kensington und bedrohten May bei einem Besuch am Brandort. "Schande über dich", "Feigling" und "May muss weg", riefen sie. Die Regierungschefin hatte bei einem ersten Besuch am Brandort nicht mit Bewohnern gesprochen, sondern war schnell wieder verschwunden. Auch hatte die Regierung bei der Betreuung der Betroffenen versagt. Die Unterstützung sei "nicht gut genug" gewesen, räumte May nun ein. Schwerer noch wiegt der Vorwurf, dass die konservative Vorgängerregierung von David Cameron seit Jahren Empfehlungen von Brandschutzexperten ignoriert habe. Der Brand sei vermeidbar gewesen, schrieb Londons Bürgermeister Sadiq Khan im "Observer". Der Labour-Politiker warf den Konservativen jahrelange Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus vor.
Laut "Observer" hat die Regierung schon nach einem Brand im Lakanal House 2009 versäumt, die Feuerschutzvorschriften zu verschärfen. Ein Ermittlungsbericht hatte dies 2013 empfohlen. Alle Forderungen nach Gesetzesänderungen seien abgeblockt worden, sagte Ronnie King, ehemaliger Feuerwehrmann und heute Vorsitzender des Parlamentsausschusses für Brandschutz, dem Blatt.
Untersuchungen würden wohl nicht ausreichen - "es muss wohl erst eine Katastrophe passieren", sagte King. Bei dem Lakanal-House-Brand waren sechs Bewohner ums Leben gekommen. Die Ursachen klingen ähnlich wie beim Grenfell Tower: "unsichere Renovierungsarbeiten, mangelhafter Brandschutz, keine Sprinkleranlagen, und Bewohner wurden aufgerufen, in ihren Wohnungen zu bleiben, obwohl das Feuer rasch um sich griff", schreibt der "Observer".
"Sowohl Konservative als auch New Labour waren stets abgeneigt, wenn es darum ging, Schutzbestimmungen zu erlassen, selbst wenn der Bedarf daran groß war", hatte der "Guardian" vor wenigen Tagen kritisiert. Dagegen sei das politische Establishment stets zugänglich gewesen für Wirtschaftsverbände und deren Wünsche nach Abschaffung bestehender Sicherheitsbestimmungen. "Deregulierung dieser Art ist ein Kernteil der neoliberalen Ideologie, der sowohl die Konservativen als auch New Labour unter Tony Blair erlagen."
Der Labour-Abgeordnete David Lammy hat die Polizei und die Regierung inzwischen aufgefordert, alle Dokumente zur Renovierung des Grenfell Towers sicherzustellen. Der Abgeordnete, der eines der Opfer kannte, sagte, er sei besorgt, dass die Unterlagen vernichtet würden, bevor die Beweissicherung beginne. Die Hochhausbewohner befürchteten eine Vertuschung der Wahrheit. Das Vertrauen in die Behörden sei massiv gesunken.
Bürgermeister Khan schrieb im "Observer", viele Hochhäuser aus den Sechziger- und Siebzigerjahren entsprächen nicht den heutigen Sicherheitsstandards. Als Lösung bleibe vielleicht nur der Abriss.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/grenfell-tower-regierung-hat-brandschutz-empfehlungen-jahrelang-ignoriert-a-1152679.html

« Last Edit: June 19, 2017, 10:03:30 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #26 on: June 15, 2017, 09:49:05 AM »
Architects for Social Housing (ASH) was set up in March 2015 in order to respond architecturally to London’s housing ‘crisis’. We are a working collective of architects, urban designers, engineers, surveyors, planners, film-makers, photographers, web designers, artists, writers and housing campaigners operating with developing ideas under set principles. ...
https://architectsforsocialhousing.wordpress.com/

---

The Radical Housing Network is made up of groups fighting for housing justice, based in London.
http://radicalhousingnetwork.org/

---

In the heart of the Urban Dandy is the fate and the conflict of the bohemian, to become preoccupied with the things he/she shuns – materialism and money. They must survive, after all. They mustn’t be a burden, they must contribute, they must identify and add to the chorus when injustice is uncovered.
Identifying with the downtrodden, the poor and the dandies, the human, those who won’t back down and those that capitulate under pressure. The Urban Dandy embraces the contrasts and colours that create a fully vibrant city-scape of peoples.
The eyes of the Urban Dandy look deep into the spectre of failure. The integrity of the work takes our energy, likes and hits, fame and fortune do not. It’s a slow-rise, an awakening, a connecting of voices: I hear you, you hear me…
The scope of the Urban Dandy is local and global. Big Ideas. Not anti-capitalist, or pro-socialist; not dogmatic, pro-truth. Art of word, authenticity, not glorifying poverty, glory in human beings, looking at context, our area. Not vacuous superficiality…Wholesome. You too, our ears, your thoughts. The truth you can say. Word is bond. Life in motion – Truth again.
https://urbandandylondon.com/

---

Commonly known as the 'Westway', the A40(M) elevated motorway was built between 1964 and 1970. Its construction was highly controversial, as it caused huge destruction to a tightly-knit community and was essentially a failed experiment in alleviating congestion with an elevated ring-road around the entire of London. Through its construction a stretch of 23-acres of derelict land was created beneath it.
http://www.westway23.org/

---

"Umwandlung in Eigentum: Berlin verliert immer mehr Mietwohnungen" Ralf Schönball (11.07.2017)
Niemanden trifft die Wohnungsnot in Deutschland so hart wie die Berliner, heißt es in einem von der Wohnungswirtschaft veröffentlichten Bericht. Das liegt auch daran, dass Bauträger in der Stadt Mietshäuser kaufen und aufteilen, um die Mietwohnungen in Eigentumsobjekte umzuwandeln und zu verkaufen. Das Geschäft bringt hohe Gewinne.
Doch eine brandneue Aufstellung des Senats zeigt: Im vergangenen Jahr gingen der Mieterstadt Berlin dadurch genauso viele Wohnungen verloren wie Bauträger insgesamt neu fertig gestellt haben.
Besonders brisant: Ausgerechnet in Gebieten, die unter Schutz stehen, weil dort viele Menschen mit geringen Einkünften leben, läuft das Geschäft mit den Umwandlungen besonders gut, und „so wird der Milieuschutz teilweise ausgehebelt“, sagt Katrin Schmidberger, wohnungspolitische Sprecherin der Grünen.
Sie hatte die Anfrage an den Senat gestellt, dessen Antworten nun das ganze Ausmaß des Problems offenbaren: Knapp 13.000 Mietwohnungen wandelten Hauseigentümer im vergangenen Jahr in Eigentumsobjekte um. Das sind fast so viele Wohnungen, wie im ganzen vergangenen Jahr neu gebaut wurden und den Wohnungsbestand mehrten (13.800) – laut Amt für Statistik. Und 2800 Wohnungen, die künftig nicht mehr Mietern, sondern Eigentümern nutzen, befinden sich in Gebieten mit Milieuschutz.
... Zurzeit können Eigentümer umgewandelte Wohnungen nach sieben Jahren verkaufen. Weil die Objekte vorher oft aufwendig saniert werden und die Kosten dafür auf die Mieten umgelegt werden, könnten sich viele alteingesessene Kiez-Bewohner die Objekte nicht mehr leisten.
Deshalb müsse das Geschäft mit den Umwandlungen, durch das Spekulanten Wohnungen für das Zwei- bis Vierfache des ursprünglichen Preises verkaufen können, endlich gestoppt werden, sagt Schmidberger.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/umwandlung-in-eigentum-berlin-verliert-immer-mehr-mietwohnungen/20038046.html

---

"Demo in der Innenstadt Rund 300 für sozialen Wohnraum in Kiel" Niklas Wieczorek (22.07.2017)
Das Ende der Suche nach einem Wagenstellplatz der Gruppe Schlagloch scheint indes nah: Die Stadt hat den ehemaligen Besetzern des Möbel-Kraft-Geländes ein vorbehaltliches Flächenangebot unterbreitet, das jetzt Aktivisten und Ämter prüfen. Es handelt sich dabei um eine Fläche nahe dem Aubrook, wie Michael Saitner, Verhandlungsführer der Stadt aus dem Büro des Oberbürgermeisters am Freitag bestätigte. Sollte es keine Bedenken der Behörden geben, wäre eine Verlegung der Wagen möglich.
Voraussetzung der Stadt ist dabei weiterhin, dass die Wagengruppe einen Verein gründet, mit dem eine vertragliche Grundlage zur Flächennutzung möglich wäre, so Saitner. Aus der Wagengruppe hieß es am Mittag: „Es müssen beide Seiten alles prüfen.“ Will heißen: Die Aktivisten sitzen an ihrem derzeitigen Standort am Ende der Hofteichstraße zusammen und diskutieren über den vorgeschlagenen Platz und ihre Zukunft als Wagengruppe. Jeden Abend werde geredet, so die Gruppe. ...
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Demo-in-der-Innenstadt-Rund-300-fuer-sozialen-Wohnraum-in-Kiel
« Last Edit: July 24, 2017, 10:35:50 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #27 on: September 14, 2017, 01:18:29 PM »
"Wohnungsmarkt in Dortmund: Arm werden per Mieterhöhung" Andreas Wyputta (13. 9. 2017)
Nach München und Hamburg, Köln und Berlin wird jetzt auch das Ruhrgebiet teuer. ... DORTMUND taz | Für die MieterInnen der LEG Wohnen NRW GmbH in Dortmund war es ein Schock: In den Briefkästen ihrer Häuser zwischen Sonnenplatz, Neuem Graben und der Großen Heimstraße landete im Mai Post des Vermieters. Zwar sollte die betont positiv klingen: „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir an Ihrem Haus Modernisierungsarbeiten durchführen werden“, schrieb die Tochter der börsennotierten LEG Immobilien AG an die BewohnerInnen des Häuserblocks in unmittelbarer Nähe des angesagten Dortmunder Kreuzviertels.
Gleichzeitig aber kündigte die ehemals gemeinnützige Landesentwicklungsgesellschaft, die 2008 von der schwarz-gelben NRW-Landesregierung des CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers privatisiert worden ist, massive Mieterhöhungen an: Zwischen 30 und 47 Prozent sollen die Mieten je nach Wohnungsgröße steigen. ... Der grüne Bundesparlamentarier Markus Kurth versucht dagegen erst gar nicht, falsche Hoffnungen zu wecken: Natürlich sei die Modernisierungsumlage für Unternehmen wie die LEG eine „Lizenz zum Gelddrucken“, sagt er – und wirbt für die von seiner Partei geforderte Deckelung der Umlage auf Höhe der eingesparten Energiekosten. Allerdings: Das „riesige börsennotierte Unternehmen“ LEG sei gerade für einzelne Abgeordnete „politisch schwierig zu erreichen. Ich mache mir da überhaupt keine Illusionen“, warnt der grüne MdB. „Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein Unternehmen wie die LEG überhaupt privatisiert werden konnte“, sagt deshalb Mieterin Christine Twittmann ...
https://www.taz.de/Wohnungsmarkt-in-Dortmund/!5444629/

Quote
Hannibal Corpse, 14.09.2017 (01:10)

Krieg den Hütten - Friede den Palästen!


---

"USA: Größtes Casting der US-Geschichte" Kathrin Werner, New York (14. September 2017)
Was es bedeutet, wenn Amazon Milliarden investiert und Zehntausende den Wohnungsmarkt einer mittelgroßen Stadt bedrängen, kann man an Seattle ablesen, dem derzeitigen Hauptsitz: Im August ist der Preis für ein Einfamilienhaus im Vergleich zum Vorjahr um 18,2 Prozent gestiegen. Autofahrer verbrachten 2016 im Schnitt 55 Stunden im Stau.
Amazon hat in Seattle mehr Büroflächen als die nächsten 40 Arbeitgeber zusammen. Die Einwohnerstruktur sieht mehr und mehr aus wie die Tech-Industrie insgesamt: vor allem junge, weiße Männer sind zugezogen. Amazon ist ein Turbo-Gentrifizierer.
... Einziger Zweck der Ausschreibung sei, die Kommunen dazu zu bringen, einander mit Steuergeschenken zu übertrumpfen. Im Ausschreibungsprospekt sagt Amazon: "Bitte listen Sie alle angebotenen Subventionen auf."
Das Wettbieten um Unternehmensstandorte ist kein neues Spiel. Im Jahr 1993 hat Mercedes-Benz Angebote für das erste Werk in Nordamerika gesammelt - am Ende gewann Alabama. Kritiker rechneten vor, dass jeder einzelne Arbeitsplatz den Südstaat 200 000 Dollar koste, so viel muss ein Fabrikarbeiter erst einmal verdienen. Doch die Daimler-Fabrik wuchs, Zulieferer siedelten sich an, dann folgten andere Autobauer. Danach wurden die Angebote immer aberwitziger. Wisconsin hat für eine Display-Fabrik von Foxconn gerade Zuschüsse von drei Milliarden Dollar abgenickt und Umweltregeln ausgehebelt. Am 19. Oktober läuft Amazons Angebotsfrist ab, das milliardenschwere Casting geht in die nächste Runde. ...
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/usa-groesstes-casting-der-us-geschichte-1.3664960

---

"Gentrifizierung: Kaffee am Außenposten"  Lukas Hermsmeier, Brooklyn  (5. November 2017)
Familien der unteren Mittelschicht müssen wegziehen, weil Zwei-Zimmer-Wohnungen im Schnitt nun 2.100 Euro Monatsmiete kosten. Softwareentwickler, Kulturwissenschaftsstudenten und Journalisten aus Manhattan, Melbourne oder Berlin rücken dafür ein. Clinton Hill und Bed-Stuy sind im vergangenen Jahrzehnt vornehmer, aber vor allem weißer geworden. Zwischen 2000 und 2010 stieg die Zahl der Weißen in Bed-Stuy laut Zensus von 2,4 auf 15 Prozent. Heute dürften es 20 Prozent sein, mindestens.
Gentrifizierung nennt man das. Ein inflationär gebrauchtes Wort, ein allzu präsenter Vorgang. In Brooklyn, in Neukölln, im Osten von London oder Paris, überall, wo die Jungen und Begabten hinziehen. Sprechen wir über Gentrifizierung, schwingt oft Fatalismus mit: Sie passiert halt, so wie der Hudson River fließt und die New Yorker Taxis gelb sind.
... Erbittert ist Coates nicht nur, weil vor allem "Schwarze weggefegt wurden", sondern auch, weil Gentrifizierung ein beschönigender Name für Vorherrschaft der Weißen sei. "Wer das Wort Gentrifizierung benutzt, lügt unmittelbar", behauptet der Kulturkritiker, der als Korrespondent für die Monatszeitschrift The Atlantic arbeitet. Coates ist mit diesem Gedanken nicht der Erste, aber zurzeit vielleicht der Berühmteste. In der Times-Bestsellerliste liegt We Were Eight Years in Power auf den oberen Plätzen.
Amerikas große Lüge, die Vertuschung seines rassistischen Wesens – für Coates zeigt sie sich im Euphemismus "Gentrifizierung".
http://www.zeit.de/kultur/2017-11/gentrifizierung-brooklyn-bedford-stuyvesant-rassismus

Quote
Teilzeitsarkast #8

Gentrifizierung hat zunächst einmal, ob in den USA oder hier, mit ökonomischer Ungleichheit zu tun. Und die vererbt sich aus verschiedenen Gründen (Bildungszugang, Habitus, soziale Beziehungen) allzuoft durch die Generationen.

In den USA korreliert diese oben-unten-Struktur historisch stark mit der Hautfarbe. Insofern hat dort Gentrifizierung zwar "mit Rassismus zu tun", aber diese Fokussierung trägt eher zur Vernebelung als zur Klarheit bei. Aber über die Ökonomie möchte ja niemand mehr reden.


Quote
MehowSri #8.2

Keiner will mehr über Klassen sprechen. Dabei würde ja nur herauskommen, dass ein Großteil der Dauerempörten zur oberen Mittelschicht oder gar Oberschicht gehört. Man spricht halt lieber über 'white privilege' als über Klassenprivilegien.


Quote
APoK #8.3

Daher auch die Formulierung, "Junge und Begabte" zögen zu. An anderer Stelle ist u.a. von "Kulturwissenschaftsstudenten" die Rede. Können die sich eine Wohnung in Brooklyn leisten, weil sie so begabt sind?


...

« Last Edit: November 06, 2017, 07:56:28 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #28 on: November 28, 2017, 03:59:59 PM »
Quote
[...] Seit mehreren Tagen räumen die Behörden im Süden von Peking Sammelunterkünfte und improvisierte Wohnungen. Schätzungsweise Zehntausend Menschen sind betroffen, sie stehen plötzlich ohne Bleibe da.

Einige haben Peking fluchtartig verlassen, viele andere kampieren mit Sack und Pack irgendwo auf der Straße, und das bei Temperaturen unter null Grad.

Betroffen sind quasi ausschließlich Arbeitsmigranten aus anderen chinesischen Provinzen und ihre Familien. Viele haben Kinder. Ohne diese sogenannten Wanderarbeiter läuft in chinesischen Großstädten quasi nichts: Sie liefern Pakete aus, bedienen in Restaurants und arbeiten auf Baustellen oder als Wachleute.

Seit rund einer Woche werden diese Menschen nun aus ihren Wohnheimen geworfen. Auslöser: Ein Brand in einer der Unterkünfte, bei dem vor zehn Tagen 19 Menschen ums Leben kamen.

Diesen Vorfall nutzt die Pekinger Stadtregierung nun, um andere vermeintlich unsichere Unterkünfte zu räumen. Polizisten, Feuerwehrleute aber auch viele spontan angeheuerte Rausschmeißer forderten Bewohner der betroffenen Wohnungen auf, diese binnen Stunden zu räumen. Viele Wohnungen wurden komplett zerstört, nachdem sie geräumt wurden.

"Ich habe keine Angst zu sterben", sagt diese Bewohnerin des betroffenen Stadtviertels in einem Internetvideo eines Pekinger Aktivisten. "Wenn sie mich hier vertreiben und meine Wohnung zerstören wollen, verteidige ich mich meinem Küchenmesser!"

Die staatlichen Medien Chinas schweigen zu all diesen Vorfällen. In den Online-Netzwerken kursieren unzählige Berichte, Fotos und Videos, die häufig aber schnell gelöscht werden von den chinesischen Zensoren.


Aus: "ChinaZwangsräumungen in Peking sorgen für Entsetzen" Steffen Wurzel (28.11.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/china-zwangsraeumungen-in-peking-sorgen-fuer-entsetzen.1773.de.html?dram:article_id=401750

---

Quote
[...] Rammstein-Keyboarder Flake erkennt das Berlin seiner Kindheit nicht wieder. „Der Bezirk jetzt und die Straßen meiner Kindheit haben nichts mehr miteinander zu tun“, sagte Flake, der im Stadtteil Prenzlauer Berg lebt, der „Süddeutschen Zeitung“ am Freitag. „Es ist, als sei die Wohnung in eine andere Stadt gesetzt worden. Nürnberg vielleicht. Es gemahnt mich hier vieles an eine westdeutsche Kleinstadt.“

Der 1966 geborene Flake, der mit bürgerlichem Namen Christian Lorenz heißt, lebt nach eigenen Worten seit einigen Jahren wieder in dem Haus, in dem er aufgewachsen ist. „Ich musste im Kopf mit dem Gedanken abschließen, dass das der Prenzlauer Berg ist, den ich kenne und geliebt habe“, sagte er. „Es leben inzwischen sehr viele unangenehme Menschen hier.“ Die Arbeiter und die alten Leute könnten sich die Mieten nicht mehr leisten und seien weggezogen. Man lebe hier in einer Blase von reichen Menschen.

Deutschlands international bekannteste Rockband hatte sich 1994 gegründet. Mit einigen Musikern spiele er seit 1983 zusammen. „Ich habe mit ihnen mehr Zeit verbracht als mit meinen Eltern oder meinen Kindern oder meinen Frauen“, sagte Flake. „Es klingt kitschig und abgedroschen, aber Rammstein ist auch Heimat.“ (dpa)

Quote
uyyy 09:26 Uhr

    Man lebe hier in einer Blase von reichen Menschen.

Und ist selber Teil der Blase, der die hohen Mieten zahlt und damit die Leute verdrängt, die er hier scheinheilig bemitleidet.


...


Aus: "Prenzlauer Berg Rammstein-Keyboarder Flake kritisiert Gentrifizierung in Berlin" (19.01.2018)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/prenzlauer-berg-rammstein-keyboarder-flake-kritisiert-gentrifizierung-in-berlin/20866936.html
« Last Edit: January 23, 2018, 10:02:42 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #29 on: January 30, 2018, 12:04:39 PM »
BLACK TRIANGLE
Es klingt wie eine Justizposse: Die Deutsche Bahn als Eigentümerin des Areals betreibt seit Längerem die Zwangsvollstreckung aus einer erlassenen einstweiligen Verfügung des Landgerichts. Danach wurde den Besetzern aufgegeben, die Grundstücksfläche „zugänglich zu machen, zu räumen und herauszugeben sowie es zu unterlassen, sie zu betreten oder zu befahren“. Nach Angaben des Unternehmens befinden sich auf dem Grundstück „für den Bahnbetrieb notwendige Anlagen, die eine ständige Zugänglichkeit erfordern“. ... Wir sind ein anarchistisches und damit selbstbestimmtes Projekt.  Wir verwalten uns selbst, brauchen dazu keinen Staat und keine  gesellschaftliche Ordnung, noch sonst eine hegemoniale Machtstruktur.  Mit diesem Grundsatz leben wir seit Juni 2016  zusammen auf dem  angeblichen Eigentum der Deutschen Bahn. Tatsaechlich sind wir  Bewohner*innen eines Gebaeudes das seit 20 Jahren leer steht. Fuer uns ist es selbstverstaendlich, verlassene Orte nicht nach ihrem Besitzanspruch (in  diesem Fall vertreten durch die Deutsche Bahn), sondern den Moeglichkeiten diese gemeinsam zu nutzen, zu verstehen. Freien Raum zu erschaffen und bestehenden zu nutzen, vor dem Zerfall zu schuetzen und  vor Spekulation zu bewahren muss Teil eines antikapitalistischen Kampfes sein.
https://btle.blackblogs.org/

---
"Protestaktion: Künstlerkollektiv zündet Polizeiauto an" (monopol-magazin.de, 5.2.2018)
Die Aktion "Visionäre Ruinen" des Kollektivs Frankfurter Hauptschule ist Teil der Jahresausstellung der Frankfurter Städelschule und richtet sich laut der Künstlergruppe gegen die Verdrängung von Drogensüchtigen aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Seit einiger Zeit ist dort eine knapp 150 Personen starke Sondereinheit der Polizei stationiert, die mit Großrazzien und täglichen Kontrollen gegen die Drogenszene vorgeht.
Laut einer Pressemitteilung der Künstler wurde die "Skulptur in Form eines Polizeiautos" am 1. Februar im Bahnhofsviertel platziert, wo es die Aufmerksamkeit diverser Passanten auf sich gezogen haben soll. Woher der Streifenwagen stammte, steht nicht in der Mitteilung. Nach elf Stunden habe die Polizei den Wagen abschleppen lassen. Das Anzünden des Wagens ist in einem Video auf der Facebook-Seite der Künstler zu sehen. Ein weiteres Video, in dem die Aufnahmen aus dem Bahnhofsviertel zu sehen sind, ist für den 7. Februar angekündigt. Das ausgebrannte Polizeiauto und die Vollversion des Videos mit dem Titel "242 Titel besser als Martin Kippenberger" soll vom 8. bis 11. Februar beim Rundgang der Frankfurter Städelschule zu sehen sein; sowie vom 8. März bis 5. Mai in der Ausstellung "Kunst der Revolte. Revolte der Kunst" im Studierendenhaus der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Eine Sprecherin der Frankfurter Hauptschule: "Das Bild von Junkies, die mit Spritze im Arm auf der Straße liegen, ist nur die Nachtseite von verspiegelten Bankentürmen. Der gesellschaftliche Schmerz wird im Bahnhofsviertel sichtbar und das ist gut so. Anstatt Drogensüchtige aus dem Blick der Öffentlichkeit zu drängen, sollte man ihr Elend noch viel greller ausstellen. Wir sind erst zufrieden, wenn das Bahnhofsviertel fest im Griff von Junkies ist. Wir wollen völlig vercrackte Zombiehorden, die mit abgesägten Schrotflinten durch die Münchener Straße patroullieren, während der Rauch von ausbrennenden Einsatzwagen sich mit dem warmen Licht der Abendsonne mischt."
Das Künstlerkollektiv Frankfurter Hauptschule machte 2015 mit einer Heroin-Performance im Frankfurter Bahnhofsviertel auf sich aufmerksam und 2016 mit dem Aufruf, Liebesschlösser von Frankfurts zentraler Fußgängerbrücke abzuknacken. Zum harten Kern des Kollektivs sollen um die zehn Mitglieder zählen, darun­ter Studen­ten der HfG-Offen­bach, der Städel­schule und der Hoch­schule für Musik und bildende Kunst.
https://www.monopol-magazin.de/kuenstlerkollektiv-zuendet-polizeiauto

---

"Projekt „Freetopia“ Leben mit Entbehrungen, dafür draußen und frei" Claudia Kabel (06.02.2018)
Benjamin und Nicole Nover leben seit Jahren illegal im Wald. Jetzt wollen sie ein alternatives Wohnprojekt gründen. ... Nur zwei Freunde kennen den verschlungenen Weg in das geheime Camp von Benjamin und Nicole Nover. Das Paar lebt seit mehreren Jahren illegal im Wald bei Darmstadt. Auf einem schwer begehbaren Hügel, gut verborgen hinter Brombeergestrüpp, Ahorn, Robinien und Birken steht ein 2,20 mal 1,80 Meter großes Zelt – ein Gewächshaus aus dem Baumarkt. Es ist Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bibliothek und Werkstatt in einem. Daneben gibt es noch ein kleineres Igluzelt für Vorräte.
Das heiße Wasser blubbert auf dem Gaskocher. Nicole und Benjamin sitzen im Schneidersitz auf ihren Isomatten, die fast die ganze Grundfläche des mit einer grünen Plane verhängten Raumes einnehmen. Ihre Hunde Kamil und Bigos springen vergnügt umher. An Möbeln gibt es sonst nur noch ein Regal, voll mit Büchern, Spielen und Hausrat. Es ist kalt draußen, doch hier drin reicht der kleine Gaskocher, um die Temperatur angenehm hochzubringen.
„Wenn es noch kälter wird, stellen wir ein kleineres Zelt zum Schlafen auf“, erklärt der 37-Jährige und überbrüht Kaffee. Auf dem einflammigen Kocher brutzelt der Hobbykoch auch gerne mal Braten mit Knödeln, wie er stolz berichtet. Doch heute gibt es Schoko- und Erdbeertorte – ein Geschenk. Die beiden haben kaum Einkünfte. Mit dem Verkauf der Straßenzeitung verdienen sie sich das bisschen, was sie brauchen. Ab und zu schreibt Benjamin Artikel. Auch Kinderbücher, Cartoons und ein Memoryspiel hat er produziert, während er auf Platte war. Leider sei der Verlag pleitegegangen.
Wasser und Strom gibt es im Camp nicht. Handys und sonstige Geräte betreiben sie über Powerbanks, die sie regelmäßig in der Teestube, einer Darmstädter Einrichtung für Wohnungslose, aufladen. Eine einzelne batteriebetriebene Lampe an der Decke beleuchtet alles. Und abends reicht der Saft auch noch, um gemütlich einen Film auf dem Handy zu gucken. „Wir sind glücklich und haben alles, was wir brauchen“, sagt Benjamin.
... Doch jetzt steht eine neue Ära, ein neues Projekt an: Sie nennen es „Freetopia“. Benjamin hatte die Idee, nachdem er bei einer Reality-Show namens Youtopia teilgenommen hatte, die über das Internet ausgestrahlt wurde. „Wir versuchen, gemeinsam eine bessere Lebensform zu entwickeln, um uns selber und der Gesellschaft zu zeigen, dass man in der heutigen Zeit zusammenhalten, gemeinsam wirken und handeln, vieles teilen, machen und erreichen kann, ohne dass jeder nur sein eigenes Wohlergehen in den Vordergrund stellt“, erklärt er. Dafür suchten sie seit Jahren ein Grundstück mit einem Gebäude. Ohne Eigenkapital eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Doch jetzt haben sie in Bad Hersfeld einen alten Bauernhof gefunden, den sie nutzen dürfen. „Es ist ein Versuch“, sagen die beiden. Nicole freut sich schon darauf, das heruntergekommene Gebäude herzurichten. Die Natur sei nicht weit weg, es gebe keine direkten Nachbarn. ... Noch warten sie auf die Zusage des Amtes in Bad Hersfeld. Doch dann kann das Projekt starten. Alles, was mitkommt, ist bereits gepackt und wartet auf den Abtransport. Aber in einem sind sie sich sicher: „Wir werden definitiv das Leben im Freien vermissen!“
http://www.fr.de/rhein-main/projekt-freetopia-leben-mit-entbehrungen-dafuer-draussen-und-frei-a-1441152,0#artpager-1441152-0

« Last Edit: February 06, 2018, 11:05:54 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #30 on: February 06, 2018, 03:34:19 PM »
"Nomaden im Prüner Schlag" abutimon (Juni 24, 2017)
Im Mai dieses Jahres [2017] bekam der einsame Pächter von Parzelle 556 für einige Wochen Gesellschaft, und zwar in Gestalt der Wagengruppe „Prüner Schlagloch“, welche ein Areal ganz in der Nähe von Parzelle 556 besetzt hatte (etwa den ursprünglichen Parzellen 516-519 entsprechend). Allerdings hat der Eigentümer des Geländes nach wenigen Wochen die Wagengruppe wieder vertrieben, worauf sie auf den unbefestigten Parkstreifen entlang des Hasseldieksdammer Weges umzog; und auch dort wurde sie rasch vertrieben, diesmal durch das Kieler Ordnungsamt.
Es wird wohl niemand ernstlich geglaubt haben, daß diese kurzzeitige Besetzung an dem Schicksal der ehemaligen Kleingartenanlage etwas würde ändern können. Einigermaßen erstaunt bin ich aber doch über das Ausmaß der Aggressivität, die diese eher belanglose Episode bei einigen Lesern der „Kieler Nachrichten“ ausgelöst hat. So schreibt ein Leser namens „Limonade“ im Online-Forum, bei den Mitgliedern der Gruppe handele es sich um „Kriminelle“, deren Fahrzeuge man „beschlagnahmen und zerstören“ solle; und der Leser „Hauke Haien“ zürnt über die „Wanderchaoten, die (…) in der Regel von unseren Steuergeldern leben“.
Unsere Gesellschaft betrachtet bestimmte Konzepte als fundamental, so etwa die Seßhaftigkeit oder die Möglichkeit, Privatbesitz an Grund und Boden zu erwerben. Diese Konzepte werden nicht hinterfragt, obwohl sie bei anderen Völkern und zu anderen Zeiten keine Gültigkeit hatten, bzw. haben. In ihrer ursprünglichen Lebensweise waren wohl fast alle Menschen Nomaden, und das Land gehörte niemandem, bzw. allen. Manche wurden dann seßhaft, andere nicht. Aber die Seßhaften vermochten es, allmählich Raum und Zeit zu parzellieren und in Güter zu verwandeln, an denen man exklusives Eigentum erwerben kann, wenn man es geschickt anstellt. Das Hilfsmittel, mit dem man die Zeit anderer Menschen in Besitz nimmt, heißt übrigens „Geld“, ich werde gleich darauf zurückkommen. Als Folge wurde die nomadische Lebensweise zunehmend erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht, da die Nutzung von Raum und Zeit durch unzählige Regeln, Bedingungen und „alternativlose“ Sachzwänge immer weiter eingeschränkt wurde; aber die menschliche Kreativität findet bekanntlich immer Auswege.
Schwerwiegender aber ist, daß die Gesellschaft der Seßhaften schon bald begonnen hat, abweichende Lebensweisen als falsch, verkehrt, unanständig, … eben „kriminell“ zu verurteilen. Wer nicht nach unseren Regeln, Bedingungen und Sachzwängen lebt, drückt dadurch ja implizit aus, daß man auch anders leben könnte und daß unsere Lebensweise also vielleicht gar nicht die allein richtige und seligmachende wäre. So etwas wollen wir nicht hören und dulden. Und so haben wir unsere Lebensweise in Gesetze gegossen, durch die eine abweichende Lebensweise rasch zum Verbrechen, zum crimen, erklärt wird.
Und so ist es also, um beim Thema zu bleiben, verboten worden, sich irgendwo mit einem Bauwagen hinzustellen und darin zu wohnen, selbst wenn es keinen konkret stört. Ein Grenzfall stellen höchstens noch Wohnmobile auf Campingplätzen dar. Strenggenommen darf man auch in denen nicht dauerhaft wohnen, aber wer es doch tut, kann damit unter Umständen jahrelang durchkommen. Man bewegt sich ja sozusagen in einer „Grauzone“, schließlich zahlt man Geld für die Nutzung eines offiziell zugelassenen Campingplatzes. Und wer bezahlt, akzeptiert damit gewissermaßen die herrschende Wirtschafts- und Rechtsordnung.
Der KN-Leser „Limonade“ schreibt weiterhin, die Besetzer hätten „kein Recht auf einen Stellplatz (sie können einen mieten oder kaufen – Punkt!)“. Und auch „Hauke Haien“ macht sich Sorgen um „unsere Steuergelder“. Damit wird die Ursache dieser zuvor erwähnten Aggressivität erkennbar: Wir seßhaften Normalbürger müssen für alles und jedes bezahlen, und um dazu imstande zu sein, müssen wir womöglich einen Großteil unserer Lebenszeit für einen ungeliebten Job opfern – und dann sollen es alle anderen Menschen gefälligst genauso schlecht haben wie wir selbst. Dieses Bewertungsmotiv entspricht aus psychologischer Sicht also der Mißgunst, bzw. dem Neid, oder aus christlicher Sicht der „invidia“, einer der sieben Todsünden.
Neid und Mißgunst liegen natürlich dem Eigentümer des Geländes wie auch der Stadtverwaltung ganz fern, sie setzen nur geltendes Recht um; aber das wird Herrn oder Frau „Limonade“ nicht davor schützen, weiterhin Tag für Tag einen verhaßten Job verrichten zu müssen, und folglich wird er oder sie auch weiterhin übellaunig reagieren, wenn andere Menschen andere Lebensmodelle suchen und finden. ...
https://parzelle556.wordpress.com/2017/06/24/nomaden-im-pruener-schlag/

---

"Aktivisten in Wellsee So kommt die Wagengruppe über den Winter" Niklas Wieczorek (06.02.2018)
Die „Wagengruppe Schlagloch“ hat seit August auf einer Grünfläche an der Edisonstraße in Wellsee Stellung bezogen – und ist trotz winterlicher Herausforderungen auch im Januar zufrieden und optimistisch. Beim Gespräch in einem der Wagen wird deutlich, worauf die derzeit neun Mitglieder hoffen.
Kiel. "Es ist natürlich nicht der innerstädtische Freiraum, den wir uns erhofft haben", sagt eine Bewohnerin. Für viele Dinge im Alltag sei der Standort "nicht praktikabel". Die meisten Wege erledige die Gruppe mit dem Fahrrad. Und jetzt im Winter seien einige Vorzüge der Freifläche nicht mehr so leicht nutzbar: Komposttoilette, Holzschuppen zum Trocknen oder eine Feuertonne werden noch gebraucht, aber das kuschelige Sofa verwaist und vereist. „Wir treffen uns eher in den Wagen“, sagt eine zweite Bewohnerin. Aber darinnen ist es dank Holzöfen mollig warm. Fernab anderer Bebauung sei das Heizen mit Holz kein Problem.
Seitdem sie im August nach Wellsee weiterzogen, gab es die Vereinbarung mit dem Büro des Oberbürgermeisters, weiterhin Ideen für einen künftigen Wagenplatz auszutauschen. Eine Diskrepanz zeigt sich hier: Vorschläge in zweistelliger Zahl habe man eingereicht, so die zweite Bewohnerin. Von der Stadt heißt es: "Von der Wagengruppe liegen uns aus 2017 ein und ab Mitte Januar vier weitere Flächenvorschläge vor." Die zuständigen Ämter der Stadt prüften diese Flächen und letztlich entscheide die Selbstverwaltung.
In Hauptausschuss und Ratsversammlung hatte zuletzt CDU-Fraktionschef Stefan Kruber im November kritisiert, dass lediglich eine einseitige Nutzungserlaubnis von der Stadt erteilt worden sei. Sein Einwand, es sei kein Pachtvertrag zustande gekommen, hat sich inzwischen allerdings überholt: "Wir haben gerade einen Mietvertrag unterschrieben", sagt eine Bewohnerin. Bis Mitte Mai gelte dieser, und bis dahin wollen Gruppe und Stadt eine neue Station gefunden haben.
Nach KN-Informationen zahlt die Wagengruppe, die kurz vor einer formell juristischen Vereinsgründung steht, monatlich einen niedrigen dreistelligen Betrag für die Fläche. Laut Stadt ist diese als Verkehrs- und Grünfläche im Flächennutzungsplan geführt. Sie könne langfristig zum A21-Bau als Anschlussstelle, Regenrückhaltung oder Ausgleichsfläche genutzt werden. Bis dahin muss die Wagengruppe längst weitergezogen sein.
http://www.kn-online.de/Kiel/Aktivisten-in-Kiel-Wellsee-So-kommt-die-Wagengruppe-ueber-den-Winter

Forum KN:
http://forum.kn-online.de/showthread.php?t=14313002

---

Wagengruppe Schlagloch - für mehr freiräume in kiel
http://schlagloch.blogsport.eu/


Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #31 on: March 03, 2018, 10:55:27 AM »
"Wagenplätze in Leipzig: Einheizen für die Unabhängigkeit" Katharina Müller-Güldemeister (3. 3. 2018)
Im Winter bestimmt der Ofen den Rhythmus in der Wagenburg. Sehnsucht nach einer Wohnung kommt dennoch nicht auf. Ein Besuch.
LEIPZIG taz | An einem Tag, an dem die Minusgrade in Leipzig zweistellig sind, trägt Siegrun in ihrem umgebauten Lkw-Anhänger nur ein Spaghettiträgerhemd. Ihr Freund Samdi hat den Ofen zum Bollern gebracht und so ist es eher zu warm als zu kalt. Der Ofen ist eine Spur zu potent für das bisschen Wohnraum – das zur Frage, ob man sich denn nicht den Arsch abfriert zur Eisblumenzeit auf dem Wagenplatz.
Um welchen der knapp 20 Wagenplätze in Leipzig es sich handelt, soll nicht genannt werden. „Das müsste erst im Plenum besprochen werden“, sagt ein Bewohner. Private Geschichten seien aber okay. Siegrun und Samdi gewähren gerne Eintritt in ihr kompaktes Reich, das sich durch Treppe, Wand und Vorhang in Küche, Wohnstube und Schlafzimmer gliedert. ...
http://www.taz.de/Wagenplaetze-in-Leipzig/!5485779/

---

"Jobber auf dem großen Treck" Heike Buchter (28. Februar 2018)
Tausende US-Amerikaner verlassen ihr Zuhause und leben im Auto. Manche Arbeitgeber werben gezielt um diese mobilen Kräfte. ... Wie viele der modernen Wanderarbeiter kann sich auch er keine Krankenversicherung leisten. "Die Regierung hat uns in die Gosse gekickt und überlässt uns unserem Schicksal", sagt er. ... Für Meyers sind die bedrängten Trucker nur ein Beispiel dafür, wie in den USA die Arbeiter ausgebeutet werden. Von einem normalen Gehalt könnten Familien nicht mehr leben, sagt sie, und weil beide Eltern ständig arbeiteten, würden die Kinder in staatlichen Schulen und Krippen erzogen. "So haben sie uns unter Kontrolle", setzt sie hinzu. ... urchschnittlich sind amerikanische Pendler heute 30 Minuten lang zwischen Arbeit und Wohnort unterwegs, fast doppelt so lange wie vor 30 Jahren. Außerhalb der Metropolen gibt es so gut wie keinen öffentlichen Nahverkehr, also sind die meisten auf das Auto angewiesen. Das wiederum erhöht die Lebenshaltungskosten.
Am Ende arbeite man nur, um zu wohnen, sagt Justin Burke. Der 32-Jährige will ein solches Dasein vermeiden. Wie sein Vater vor ihm fing er gleich nach der Highschool bei Chrysler an. Zehn Jahre arbeitete er in der Autofabrik. Als zunehmend Jobber angeheuert wurden, die für weniger Lohn arbeiteten, sah Burke keine Zukunft mehr dort. Er kündigte und zog nach Denver, wo er für den Fahrdienst Uber arbeitet.
Er ist zum RTR gekommen, um seine künftige Existenz als Wanderarbeiter vorzubereiten. Burke und die anderen Teilnehmer sind nicht allein mit ihren Zweifeln an den Verheißungen von Besitz und Konsum, nach denen so viele Amerikaner lange strebten. Ihre Antwort – der Verzicht auf einen festen Wohnsitz – ist eine der radikalsten, die es in den USA gibt. "Das hier", sagt Burke und zeigt auf die Wohnwagen, Busse und Transporter, die zwischen den Saguaro-Kakteen stehen, "das hier ist eine Rebellion."
http://www.zeit.de/2018/10/mobiles-leben-usa-arbeit-auto-rubber-tramp/komplettansicht

Quote
I_bins #4

"Die Aussteiger kommen aus allen Branchen und Berufen. Da sind der ehemalige Besitzer eines Friseursalons und die quirlige Endfünfzigerin, die bis zur Pensionierung Polizistin war. Da ist der Baustellenleiter sowie der Manager einer Fluggesellschaft, der sich nun als mobiler Kreativer im Online-Marketing verdingt. Ein ehemaliger Bibliothekar aus New York ist dabei genauso wie der Betonmischer aus Alaska."

Die wenigsten sind tatsächlich "Aussteiger", sondern zu dem Leben gezwungen. Sonst würden komplett untergehen und als Obdachlose ihr Dasein fristen.
Mit der Bezeichnung "Aussteiger" wird das ganze nur glorifiziert. Gewollt?


Quote
ModernesLeben #4.1

Nein - ein bißchen Mode ist es auch:
http://tiny-houses.de/

In Deutschland geht es aber schwieriger, da das Baurecht eigentlich ein billiges Bauen bewußt verhindert. Der einzige Kompromiss, ist es hier die Häuschen auf deiner Art "Wohnwagenplattform" mobil zu errichten. Auch Hausboote werden in Deutschland, anders als in den Niederlanden, eher behindert.

Es sind aber 2 Paar Schuhe, ob es aus Not oder Mode als attraktiv angesehen wird, so zu leben. Die im Artikel beschriebene im PRIUS-lebende Person, ist da schon besonders
und exotisch.


Quote
GMsecondbest #4.2

Es ist wohl beides. Amerikaner ticken da oft etws anders. Freiwillige Aussteiger und zu diesem Leben gezwungene mischen sich und oft ist es auch in einer Person wohl eine Mischung aus beiden Antrieben. Wenn sie wüssten wie viele Rentner in den USA ohne Not in (in oft sehr teuren) Wohnmobilen ihren Lebensabend verbringen, einfach weil die Mobiltät einen andern Stellenwert dort hat. Sie müssen da schon die europäische Brille etwas abnehmen.


Quote
marcelmuellberg #7

Wanderarbeiter auf amerikanisch...


Quote
Ilmo #10

Kommt nur mir das so vor, oder wirkt dieser Artikel extrem euphemistisch? Letztendlich sind das doch halbe obdachlose. Wenn man in einem PKW "wohnt" und von einem Parkplatzwächterjob zur nächsten Rübenernte eiert, klingt das nicht wie ein romantisches "Zigeunerleben", sondern eher nach ziemlicher Not.
In einen Joghurtbecher urinieren und jedes Mal kurz bevor er überschwappt umzufüllen. Na vielen Dank.
Versteht mich nicht falsch, ich finde "alternative" Lebensmodelle toll, aber die Menschen in dem Artikel kämpfen doch in Wirklichkeit ums nackte Überleben, in einem Land was kein Sozialleistungen kennt wie wir sie haben.


Quote
etm #12

Mir kommt das wie eine Art gehobene Obdachlosigkeit vor - immerhin haben sie ihr Leben noch halb unter Kontrolle und einen trockenen Platz zum schlafen (im Winter aber kalt, es sei denn - ab nach Süden).
Vielleicht sollten deutsche Obdachlose sich das abgucken, statt in Betonwüsten zu pennen. Alte Lieferwagen kosten auch nicht so viel wie Wohnmobile.

Ich habe als Student mehr als zwei Monate im Auto geschlafen (bzw. an Waldrändern, wohin ich abends zum Pennen hinausfuhr), bis ich einen Platz in einer WG gefunden habe. Gelegentlich habe ich während dieser Zeit aber auch bei Kommilitonen übernachtet, wenn das Wetter schlecht war.


Quote
samueldora #16

Die Amerikaner waren schon immer selbstverantwortlicher und mobiler, wenn es darum ging, auf wirtschaftliche Entwicklungen zu reagieren. Das ist auch nötig bei dem für unsere Verhältnisse schwachen bis nicht vorhandenen staatlichen Unterstützungssystem.

Diese Rubber Tramps sind eine moderne Form von Wanderarbeitern. Auch ein Form von American Way of Life. Aber bestimmt nicht American Dream. Trotzdem bewundere ich es, wie sie in der Lage sind, die wenigen positiven Seiten daran herauszustellen, anstatt zu lamentieren und nach dem Staat zu rufen.


Quote
Passionsefeu #18

Ein interessanter Artikel.
Auf den ersten Blick kommt es romantisch rüber: in einem schön ausgebauten Wohnmobil oder Skoolie durch die Gegend zu fahren, mal hier und mal dort zu leben, über das Web zu arbeiten oder gelegentlich lokal...

Aber schaut man genauer hin, dann ist das bei vielen Leuten doch nicht so recht überzeugend mit der Romantik und Freiwilligkeit.
Häufiger ließt man, dass sich die Betreffenden ,,früher" schon lange und in anstrengenden Jobs abgerackert haben, dann aber arbeitslos wurden, es Krankheits- oder Todesfälle in der Familie gab, keine Krankenversicherung vorhanden war und ist...

Und obwohl es zweifellos ,,rollende Paläste" gibt und ich auch nicht dran zweifel, dass es Menschen gibt, die wirklich gerne als moderne Nomaden leben, scheint es mir bei vielen doch eher so, dass sie sich mit ihrer Situation nur arrangiert haben und sie notgedrungen eingegangen sind.


Quote
AllesKeinProblem #20

Das reichste Land der Erde ist das, über das da geschrieben wurde.

Zeigt wieder mal, dass an der Definition von Reichtum für eine Gesellschaft was faul sein muss, wenn man nach einem ordentlichen Arbeitsleben in einen Joghurtbecher pinkeln und als Wanderarbeiter weiterleben muss.

Ich hoffe, der eine oder andere Regierungspolitiker in Deutschland liest solche Artikel, während er dabei mit hilft, die Schere zwischen Arm und Reich auch hier weiter zu öffnen zum Wohle von Aktionären und Unternehmenserben.


Quote
Tomtell #21

In Niedersachsen herrschen im Sommer ähnliche Verhältnisse in der Fleischindustrie. Osteuropäer hausen unter Plastikplanen in Wäldern. Mitten in Deutschland. Menschenverachtend, furchtbar.


Quote
GenerationFacebook #23

Vor der US Wahl gab es ne Reportage im WDR, wo eine Frau mit 2 Kindern gezeigt wurde, die in nem Auto gelebt haben. Das ist bei den wenigsten freiwillig.
Überall auf der Welt nennt man sowas Wanderarbeiter, die durch alle Systeme der Welt ganz unten stehen.


...
« Last Edit: March 04, 2018, 10:04:12 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 1829
    • View Profile
Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #32 on: May 14, 2018, 09:42:32 AM »
Quote
[...] Ganze Häuserblöcke lasse man erst verfallen, um sie dann teuer zu sanieren und die Kosten auf die Mieter umzuwälzen. In Pankow kennt man das unter anderem in den Wohnanlagen Grellstraße, Topsstraße oder Bleicheröderstraße. Renditen von knapp acht Prozent ergeben sich durch die Bewirtschaftung und Modernisierung heruntergekommener Mietshäuser, schreibt mein Kollege Ralf Schönball in seinem Artikel, ganz legal und vom Gesetzgeber belohnt. Die Kosten der „energetischen Sanierung“, können nämlich zu elf Prozent auf die Miete aufgeschlagen werden, die Klimawende müssen so die Finanzschwächsten zahlen. Und zwar nicht nur, bis die Bauinvestition abgegolten ist, sondern lebenslang. Die Mieterhöhung werde „nie wieder rückgängig gemacht“, so der Mieterbund. Er fordert nun, die Umlage der Modernisierungskosten auf Mieter von elf auf vier Prozent zu senken. Widerstand dagegen kommt vor allem von der vermieternahen CDU.

So schwinden die günstigen Wohnungen in Berlin immer weiter, um knapp sechs Prozent sank der Bestand an Sozialwohnungen allein im vergangenen Jahr. Laut IBB-Bericht liegt die mittlere Miete in Berlin inzwischen bei 10,32 Euro kalt pro Quadratmeter. Pankow liegt mit 10,86 Euro/m² auf Rang vier – eine Steigerung um 1,40 Euro oder 15 Prozent in nur zwei Jahren. Die Eigentumswohnungen in Pankow sind sogar die zweitteuersten der Stadt. 4176 Euro kostet der Quadratmeter im Mittel. Nur Mitte ist noch teurer.

Je citynäher, desto teurer. Das ist das grobe Muster im Bezirk, ob Eigentums- oder Mietwohnung. Prenzlauer Berg ist wie erwartet ganz vorn – besonders viel Moos braucht man dort innerhalb des S-Bahn-Rings mit durchgehenden Höchstwerten von 12 Euro (Miete) oder 4500 Euro und mehr (Eigentumswohnung) pro Quadratmeter.

...


Aus: "Pankow" Christian Hönicke (11.05.2018)
Quelle: https://leute.tagesspiegel.de/pankow/intro/2018/05/11/44042/

---

Quote
[...] Aus Protest gegen knappen und zu teuren Wohnraum wurden in Berlin mehrere Häuser besetzt. In Neukölln und Kreuzberg wurden Gebäude von der Polizei geräumt. ... In Berlin sind Hausbesetzer aus Protest gegen die prekäre Lage am Wohnungsmarkt in mehrere leerstehende Gebäude eingedrungen. Insgesamt seien acht Häuser betroffen, teilte die Polizei mit. In sechs Fällen handelte es sich demnach jedoch nur um "Scheinbesetzungen". Die Polizei habe dort keine Personen angetroffen. Aus den Fenstern seien aber Transparente gehängt worden – möglicherweise als "Ablenkungsmanöver", sagte ein Polizeisprecher.

In den Berliner Stadtteilen Neukölln und Kreuzberg räumte die Polizei besetzte Gebäude. Gegen 56 Personen werde wegen Hausfriedensbruch ermittelt, sagte ein Sprecher der Polizei. Zuvor hatte die Eigentümerin des Hauses in der Bornsdorfer Straße 37b, die landeseigene Stadt und Land Wohnungsbaugesellschaft, ein schriftliches Räumungsbegehren beantragt.

Die Aktivisten kritisierten die Räumung des Neuköllner Hauses. "Einige Personen wurden beim gewaltsamen Eindringen der Polizei verletzt", hieß es in einer Mitteilung. Ein Sprecher der Polizei hatte dagegen angegeben, dass alles friedlich verlaufen sei.

Auch in der Reichenberger Straße im Stadtteil Kreuzberg war die Polizei mit einem Großaufgebot vor einem besetzten Haus präsent. Die Hausbesetzer hatten dort Transparente angebracht mit Aufschriften wie "Polizeigewalt ein Ende setzen" oder "Die Häuser denen, die sie brauchen". Auch der Besitzer dieses Hauses habe ein Räumungsbegehren gestellt, teilte die Polizei mit. In Kreuzberg und Neukölln waren nach Angaben der Besetzer in und vor den Häusern jeweils etwa 100 Menschen vor Ort.

Ein Sprecher der Besetzer kritisierte, Zehntausende Menschen in der Hauptstadt seien wohnungslos und ein immer größerer Teil des Einkommens müsse für steigende Mieten aufgewendet werden. Angesichts der vorherrschenden Gentrifizierung sei es "illegitim, dass Häuser leer stehen", sagte er.

Laut einer Mitteilung wollen die Hausbesetzer etwa in der Bornsdorfer Straße in Neukölln einen "offenen, unkommerziellen Kiezraum" und "selbstverwalteten Wohnraum" in 40 Wohnungen und Gewerberäumen schaffen. Das Haus stehe seit Jahren leer. Es habe bereits Verhandlungen mit dem Eigentümer, einem Landeswohnungsunternehmen, gegeben. Es seien auch schon Möbel in das Haus getragen worden.

Wie die Aktivisten weiter mitteilten, habe man mindestens neun Häuser besetzt, etwa in Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain. Die Besetzungen seien auf Dauer angelegt, hieß es weiter. Im Internet war die Aktion zuvor unter dem Stichwort #besetzen angekündigt worden, ohne jedoch genaue Standorte zu nennen.

In manchen Fällen gehe es um Gebäude im Besitz von Landeswohnungsunternehmen, hieß es von Seiten der Polizei. Da damit klar sei, dass eine Besetzung vom Eigentümer nicht geduldet werde, werde in diesen Fällen der weitere Zugang beschränkt.

Quote
Schlagdraufundschlus #11

Der Mut der Verzweiflung. Berlin ist inzwischen zum Alptraum für Mieter geworden. ...


Quote
Be back Again #11.1

Sie waren noch nie in München...


Quote
Omnibot #13

Aus meiner Sicht wünschenswert wenn die Hausbesetzer-Szene wieder in Berlin aktiv werden würde. In den 70er Jahren haben sie schließlich viele Altbauten vor der Kahlschlagsanierung gerettet und damit einen echten Meilenstein für eine sozialere Stadtentwicklungspolitik gelegt. ...


...


Aus: "Gentrifizierungsgegner besetzen Häuser in Berlin" (20. Mai 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-05/berlin-hausbesetzungen-protest-gentrifizierung-mieten-wohnungen

---

Quote
[...] In Berlin müssen Wohnungssuchende mittlerweile für eine 60 bis 80-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt 76 Prozent mehr bezahlen als 2008, in München werden 15 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietung fällig. Sozialverbände warnen, dass die steigenden Wohnkosten ein Armutsrisiko darstellen. Über eine Million Haushalte in den Großstädten haben schon jetzt nach Abzug der Miete weniger Geld zum Leben, als wenn sie den Hartz-IV-Regelsatz bekämen. Die Zahl der verfügbaren Sozialwohnungen ist den vergangen Jahren drastisch gesunken, obwohl die Zahl der Anspruchsberechtigten steigt.

... Eine Stadt muss ein Gemeinwesen sein und bleiben, sie darf nicht Goldgrube für Spekulanten sein. Wenn Flächen jahrelang brach liegen, weil Landbanker ihr Geld im Schlaf verdienen wollen, dann muss eine Kommune etwas dagegen tun. In Berlin sind die Bodenpreise in den vergangenen fünf Jahren um 345 Prozent gestiegen, die Verkaufspreise für Neubauwohnungen nur um 60 Prozent. Warum also bauen, sagen sich die Landbanking-Spezialisten, wenn Nichtstun mehr Rendite bringt? Das kann, das darf ein Gemeinwesen nicht hinnehmen. Städte müssen anders funktionieren als Wetten auf Schweinehälften.

...


Aus: "Prantls Blick: Wie Wohnen wieder bezahlbar wird" (29. April 2018)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/prantls-blick-wie-wohnen-wieder-bezahlbar-wird-1.3961851


« Last Edit: May 22, 2018, 07:34:33 AM by Link »