Author Topic: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...  (Read 5983 times)

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #20 on: October 02, 2016, 11:21:35 AM »
"Mietrecht: Raus!" Christian Salewski (29. September 2016)
Wie Wohnungskäufer das Mietrecht aushebeln, um arme Mieter loszuwerden. ... [Für ihre 36 Quadratmeter beträgt die Kaltmiete 267 Euro im Monat. Der Unternehmer, der die Wohnung gekauft hat, vermietet noch zwei andere im boomenden Karlsruhe. Er preist sie in Inseraten als "exklusiv" an und verlangt für ein 20-Quadratmeter-Zimmer in einer möblierten "Business-WG" mehr als 700 Euro im Monat. ] ... Besonders ausgeprägt ist das Kündigungsrisiko dort, wo der Wohnungsmarkt heißläuft, also in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München. Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband Berlin sind inzwischen alle Felder der sozialen Arbeit betroffen, von der Eltern-Kind-Einrichtung bis zur Demenz-WG. Ein besonders krasser Fall ist die Einrichtung "Die Zwiebel", die sich um suchtkranke und essgestörte Frauen kümmert, die häufig auch Opfer von Gewalt wurden. Ein internationaler Investor kaufte das Haus in Berlin-Moabit, in dem "Die Zwiebel" untergebracht ist, und nutzte das Gewerbemietrecht, um 2014 gleich zwölf Wohnungen zu kündigen und Räumungsklagen zu erheben. Die Einrichtung stand vor dem Aus. Der Trägerverein Prowo entschloss sich zu kämpfen. ...
http://www.zeit.de/2016/39/mietrecht-wohnungskaeufer-kuendigungen-gerwerbeflaechen-sozialtraeger/komplettansicht


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Kommentist #12

Es ist billiger Linkspopulismus, wenn man sich einredet, dass der Staat das Problem mit noch mehr Gängelung der Vermieter aus der Welt schaffen könnte. Nicht alle Vermieter sind Heuschrecken und die Gesetze bevorteilen Mieter schon heute extrem.

Wer privat die ein oder andere Eigentumswohnung vermietet, der weiß, dass die Rendite nach allen Kosten überschaubar und das Risiko (Mietnomaden, etc.) recht hoch ist. Für die großen Heuschrecken, denen der Staat massenweise Sozialwohnungen weit unter Wert zugeschachert hat, ist die Rendite zwar viel höher, aber bei neuen Gängelungsgesetzen erwischt es halt überlicherweise alle. Im schlimmsten Fall gelingt es den Heuschrecken durch Lobbyarbeit sogar noch, sich bestimmte Vorteile gegenüber Privatvermietern zu sichern. Nein, danke.

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artefaktum #12.1

@Kommentist

>> Nicht alle Vermieter sind Heuschrecken und die Gesetze bevorteilen Mieter schon heute extrem. <<

Die im Artikel angesprochenen Investoren allerdings schon. Und die scheinen mit der staatlichen "Gängelung" ja kein Problem zu haben, sonst würden sie ja nicht investieren.



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I have a dream #14

In diesem Land muss bald ein Gesetz erscheinen, die die einfache Menschen von den Investoren schützt. Es gibt keine Ethische Grundlage für diese Menschen, sie sind einfach blind, arrogant und oft fühlen sie sich "bessere Menschen" als die anderen. Es kann nicht sein dass das Geld alles entscheidet und überall regiert. Bis diese Menschen (ich meine die Investoren) aufwachen, und verstehen dass das Geld das sie haben, nicht um ihr eigenes Wohl sonders für das gesamte Wohl da ist, und sie haben einfach die Gnade über dieses Mittel zu bestimmen, muss eine staatliche Kontrolle stattfinden. Sonst, es kommen noch mehr Skandalen, Unruhen, Krawallen, Ausländerfeindlichkeiten, Extremisten ect, alles Erscheinungen einer sozial- und menschen-unfreundlichen Gesellschaft.


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"Entmieterstadt Berlin: Die Geschichte vom Häuserkampf in Wedding" Thomas Loy (10.10.2016)
Ihr halbes Leben wohnen die Menschen in dem unscheinbaren Altbau in Gesundbrunnen. Jetzt sollen sie raus. Der neue Eigentümer braucht die Wohnungen angeblich für seine Töchter.  ... Sie wissen, dass sie nicht die einzigen sind, die es erwischt. Überall steigen die Mieten, werden Häuser saniert, müssen Menschen ihren Kiez verlassen, weil sie sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können. Das war ja großes Wahlkampfthema. Alle seien sie schon bei ihnen gewesen, SPD, Linke, Grüne, Piraten. Die Politiker hätten sich ihre Geschichte angehört und versprochen sich zu kümmern. Vor der Wahl wollte sogar CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel einen Brief an Marc J. schreiben. Henkel ist direkter Nachbar, hat die hintere Remise im Hof gemietet, als Bürgerbüro. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/entmieterstadt-berlin-die-geschichte-vom-haeuserkampf-in-wedding/14662780.html

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plus8 10.10.2016, 11:04 Uhr
Wenn ich das Geflenne der üblichen Mieterschützer höre, komme ich mir wie in einem Flashback in die 80er zurück versetzt vor:

Die ständigen abseitigen Diskussionen über Mieterschutz und Eigenbedarf kamen schon damals ständig aus (West-)Berlin - und ich habe heute partout kein Verständnis mehr dafür!

Bis in die 2000er Jahre hinein war Wohneigentum in Berlin spottbillig zu haben - trotz seinerzeit höherer Kreditzinsen hätten die Mieter sehr wohl den Kauf des Hauses als ETW Anlage "stemmen" können.

Und nein: Mietverträge begründen eben keine Eigentumsrechte, sondern immer nur Besitzrechte!

Bitte jetzt auch nicht mit dem bei Berliner Linken abgedroschenen Argument "Eigentum verpflichtet" kommen! Kein Eigentümer einer Immobilie ist verpflichtet, seine Immobilie dauerhaft unter Marktwert zu vermieten!

Ebenso selbst schuld, wenn Mieter den Mietgegenstand auf eigene Kosten sanieren und sich dafür im Gegenzug vom Vermieter keine Kompensationen einräumen lassen. Dann hätten sich die Mieter eben eine sanierte Wohnung mieten sollen!


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lotta 07:31 Uhr
ja, liebe foristen...es ist garkein problem von 8.50€ mindestlohn - brutto wohlgemerkt - einen brauchbaren betrag für die alterrsversorgung wegzulegen, auf ein eigenheim zu sparen und natürlich so ganz nebenbei auch noch was übrig zu haben für brot und brötchen.
wo lebt ihr eigentlich, liebe leute?????
schon mal was von empathie, miteinander und humanismus gehört? darauf hat sich unsere gesellschaft  mal gegründet und gut funktioniert.
all den klugscheissern - sorry - hier empfehle ich mal, sich über die folgen der gentrifizierung zu informieren. vielleicht kapiert ihr dann, wo die reise hingeht?! kann übrigens gut sein, auch mal für euch! ...


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« Last Edit: October 11, 2016, 10:00:29 AM by Link »

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #21 on: October 18, 2016, 12:25:50 PM »
"Günstiger Wohnraum: Jedes Jahr 10 000 Sozialwohnungen weniger in NRW"  (17. Oktober 2016)
... Der Bestand an Sozialwohnungen ist in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen fünf Jahren um über 50 000 geschrumpft. Wie das Bauministerium mitteilte, gab es in NRW im vergangenen Jahr nur noch knapp 477 000 Sozialwohnungen. Im Vergleich zum Höchststand, 1979, ist das weniger als ein Drittel von einst über 1,6 Millionen Sozialwohnungen. ... Insgesamt fehlen nach Modellberechnungen in NRW bis 2020 rund 400 000 neue Wohnungen. Davon müssten mindestens 300 000 in Mehrgeschoss-Bauten errichtet werden - nicht zuletzt, weil sich die zusätzliche Nachfrage durch Flüchtlinge nicht mit Einfamilienhäusern decken lasse, argumentiert das Bauministerium. Der zusätzliche Bedarf an preiswertem Wohnraum allein durch Flüchtlinge wird in NRW auf rund 120 000 Wohnungen taxiert.
Der höchste Bedarf besteht weiterhin in den Großstädten entlang der Rheinschiene: Düsseldorf, Köln, Bonn sowie in den Universitätsstädten Bielefeld, Münster, Dortmund, Essen und Aachen - mit Auswirkungen auf das jeweilige Umland. Der geringste Bedarf besteht in ländlichen Räumen, wo es manchmal sogar schon dauerhaften Leerstand gibt - etwa in Südwestfalen, im Hochsauerland und Siegerland sowie in einigen Bereichen des nördlichen Ruhrgebiets.
http://www.rp-online.de/nrw/panorama/immer-weniger-sozialwohnungen-in-nrw-aid-1.6331445


"Leben in der Platte" Robert Kaltenbrunner (09. April 2017)
Im gleichen Maße, wie sich vielerorts die Frage nach bezahlbarem Wohnraum mit Vehemenz stellt, wird der Wohnungsbau augenscheinlich erneut zum Gegenstand von Rationalisierungsbestrebungen. Die Industrialisierung des Bauens, lange Zeit - und mit dem Fingerzeig auf realsozialistische Metastasen - als Krebsgeschwür der modernen Architektur verteufelt, scheint angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen erneut die Geister zu beflügeln. Das mag zwar manch ungute Assoziation auslösen, aber der Entwicklungsdruck wirkt schier übermächtig. Relativierend sollte man insofern auf ein Jahrhundert zurückblicken, in dessen höchst unterschiedlichen Phasen das Schreckgespenst "Wohnungsnot" immer wieder an die Wand gemalt wurde. Denn so drängend die derzeitigen Probleme auch sein mögen, neu und einzigartig sind sie nicht. Viele Akteure und Strömungen mussten unter dem Druck der Verhältnisse bereits mehrmals darauf hinarbeiten, Behausungen in ausreichender Menge und zu erschwinglichen Kosten verfügbar zu machen: Politiker und Parteien (zur Legitimation ihrer selbst), die (Bau)Industrie (weil sich mit solchen Modernisierungsimpulsen Geld machen und die Voraussetzung für künftige Absatzmärkte schaffen ließ) und weite Kreise der Bevölkerung (aus naheliegenden Gründen). ...
https://www.heise.de/tp/features/Leben-in-der-Platte-3674863.html


"Besetztes Möbel-Kraft-Gelände in Kiel : Wohnwagengruppe lässt Ultimatum zur Räumung am Prüner Schlag verstreichen"  Andrea Lange (8. Mai 2017)
Der Grundstückseigentümer Möbel Kraft wollte die Bauwagenleute loswerden. Doch die lassen sich davon nicht beirren. Kiel | Ein Wohnwagengruppe besetzt seit Ende April den Prüner Schlag in Kiel. Sie wollen sich ein Stück Freiraum in der Landeshauptstadt erkämpfen. Doch für das Grundstück gibt es andere Pläne. Dort soll ein neues Einrichtungshaus von Möbel Kraft gebaut werden. Den Besetzern wurde daher ein Ultimatum vom Grundstückseigentümer gestellt. Bis Sonntag sollten sie das Areal verlassen haben. Daran hielten sie sich nicht. Auch am Montag harrten die Besetzer mit ihren Wohnwagen weiter aus. Das bestätigte Ralph Göttsche von Möbel Kraft gegenüber shz.de.
Bisher sei nichts passiert und alle Besetzer seien noch auf dem Gelände, sagte Göttsche. Die Gruppe hatte zuvor erklärt, man verlasse das Areal, wenn ihnen die Stadt eine adäquate Alternative anbiete. Das ist bisher nicht geschehen. ...
https://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/wohnwagengruppe-laesst-ultimatum-zur-raeumung-am-pruener-schlag-verstreichen-id16769816.html

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"Massenproteste gegen Moskaus Abrisspläne" (14.05.2017)
Tausende Menschen sind in Moskau gegen ein gigantisches Umbauprogramm auf die Straße gegangen. Bürgermeister Sergej Sobjanin will rund 4500 marode Plattenbauten aus der Nachkriegszeit abreißen lassen, mehr als eine Million Menschen sollen neuen Wohnraum erhalten. Doch das forsche Vorgehen der Behörden trifft auf Widerstand, viele rechtliche und finanzielle Fragen sind ungeklärt. An der genehmigten Kundgebung am Sonntag nahmen nach Angaben der Veranstalter 30.000 Menschen teil, die Polizei sprach von nur 8000. Auch prominente Oppositionelle wie Alexej Nawalny und Grigorij Jawlinski kamen zu der Demonstration.
Mit den fünfstöckigen industriell gefertigten Häusern linderte die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg die schlimmste Wohnungsnot. Doch so schlecht die Bauqualität ist, hängen heute viele Moskauer an diesen Wohnungen. Durch die Privatisierung sind sie Eigentümer geworden. Viele fürchten eine zwangsweise Enteignung, bei der sie aus innenstadtnahen, grünen Vierteln in Hochhausviertel am Rand Moskaus umgesiedelt werden. ...
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/moskau-massenproteste-gegen-abriss-von-wohnungen-a-1147633.html
« Last Edit: May 15, 2017, 07:16:23 AM by Link »

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #22 on: May 23, 2017, 03:26:05 PM »
"Immobilien-Deal in Berlin-Kreuzberg - Zalando zieht mit 34.000 Quadratmetern auf die Cuvry-Brache" Daniel Marschke (11.04.2017)
In nur acht Jahren ist das Berliner Start-Up Zalando zu einem der größten deutschen Online-Händler geworden - mit entsprechend großem Flächenbedarf. Bald wird Zalando auch an der Cuvrystaße sein - dort, wo vor kurzem noch sozialer Wohnungsbau geplant war.
https://www.rbb-online.de/wirtschaft/beitrag/2017/04/berlin-friedichshain-kreuzberg-cuvrystrasse-zalando-mietet-riesige-bueroflaeche.html

Die Cuvry-Graffiti waren zwei großflächige Fassadenbilder des italienischen Street-Art-Künstlers Blu, die zu den bekanntesten Graffiti in Berlin gehörten. Sie befanden sich an zwei Brandwänden am Rand der sogenannten Cuvrybrache in Berlin-Kreuzberg. Das Dorf aus Zelten und Hütten auf der Brache hatte als „Berlins erster Slum“ regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt, bis es im September 2014 nach einem Brand geräumt wurde.  ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Cuvry-Graffiti

"Rückwärtsdemo gegen Zalando" Dinah Riese (23. 5. 2017)
Unter lautem Gejaule und Geheule schiebt sich die Prozession am Montagabend durch die Schlesische Straße in Kreuzberg. An der Spitze des Zuges gehen sechs SargträgerInnen. Oder am Ende des Zuges, genau kann man es nicht sagen – denn der Trauermarsch, der den Geist Kreuzbergs und der Cuvrybrache zu Grabe trägt, geht rückwärts. ... „Wir übergeben einen Sarg und den Geist von Kreuzberg an die Spree. Zwei Millionen Träume sind hier zerplatzt und machen Platz für den Gewinner mit der schlechtesten Idee“, ruft Leumund ins Megafon. Und: „Die Galgen hängen tiefer. Ein Schwan fällt vom Dach.“ Ein Touristenboot fährt vorbei. „Wir trauern hier! Es ist sehr traurig“, ruft Leumund ihm über das Wasser hinweg zu. Hinter ihm stimmen die Trauernden in lautes Wehklagen ein. „Zalando – ham wa nicht bestellt“, ruft eine Frau, alle anderen stimmen mit ein. „Nebenbei könnten ja auch Leute den Bauzaun anzünden oder aufs Gelände eindringen“, sagt Leumund, während er mit einem „Burn, Zalando burn“-Schild wedelt. „Das hat dann aber nichts mit uns zu tun“. Am Ende der Veranstaltung wird die Polizei trotzdem seine Personalien aufnehmen – weil er angeblich zu Straftaten aufgerufen habe, wie die Bergpartei in einer Pressemitteilung erklärt.
„Ich bin ein ehemaliger Bewohner der Freien Cuvry“, sagt ein Mann ins Megafon – einen „Gastprediger“ nennt Leumund ihn. „Ich hatte meine Hütte unter dem großen Baum, der dort drüben stand und den es heute auch zu betrauern gilt.“ Er ruft die Anwesenden auf, weiter gegen die Bebauung der Brache zu protestieren. „Wer heute bei Zalando Schuhe bestellt, trampelt morgen auf der Cuvry herum.“
Am Ende des Trauermarsches findet sich die Prozession wieder am Ausgangsort zusammen – an der Spree. Langsam senkt sich der Sarg ins Wasser. „Keine Schrippen für Zalando“ skandiert die Menge. Mit einem lauten Platschen landet der Sarg in der Spree, ein letztes mal setzt lautes, realdadaistisches Wehklagen auf Kommando ein. Ein zufällig vorbeifahrendes Schlauchboot hilft anschließend, den Sarg zu bergen. Angesichts der voranschreitenden Verdrängung im Kiez wird es wohl noch mehr Anlässe für Beerdigungen geben. ...
https://www.taz.de/Protest-gegen-Verdraengung-in-Kreuzberg/!5403037/

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"Die Stadt muss radikaler werden" Interview: Katrin Lange (23.03.2017)
Interview mit dem Copenhagenize-Gründer Mikael Colville-Andersen.
Ich glaube gar nicht, dass es so etwas wie Fahrradkultur gibt. Ich bin nur ein Mann mit seinem Team, der glaubt, dass das Fahrrad das mächtigste Werkzeug in unserem Werkzeugkasten ist, wenn wir urbanes Leben verbessern wollen. ...
https://www.greencity-magazin.de/die-stadt-muss-radikaler-werden/

Bicycle Culture by Design: Mikael Colville-Andersen at TEDxZurich (Published on Nov 28, 2012)
https://www.youtube.com/watch?v=pX8zZdLw7cs

« Last Edit: May 26, 2017, 10:00:53 AM by Link »

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #23 on: May 29, 2017, 05:48:20 PM »
In Alternativlos Folge 40 reden wir mit Andrej Holm über Stadtentwicklung und Gentrifizierung. (29.5.2017)
Mit halbwegs aktuellen Browsern könnt ihr das direkt im Browser hören (Dauer: zwei Stunden, 32 Minuten)...
https://alternativlos.org/40/

Andrej Holm (* 8. Oktober 1970 in Leipzig) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler mit den Themenschwerpunkten Stadterneuerung, Gentrifizierung und Wohnungspolitik. ... Von 1990 bis 1997 studierte Holm an der Humboldt-Universität zu Berlin Sozialwissenschaften und wurde 2004 mit einer Arbeit zum Thema „Restrukturierung des Raumes und gesellschaftliche Macht im Sanierungsgebiet“ promoviert. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Andrej_Holm

Als Gentrifizierung (engl. gentry „niederer Adel“), auch Gentrifikation, im Jargon auch Yuppisierung, bezeichnet man den sozioökonomischen Strukturwandel bestimmter großstädtischer Viertel im Sinne einer Attraktivitätssteigerung für eine neue Klientel und dem anschließenden Zuzug zahlungskräftiger Eigentümer und Mieter. Damit verbunden ist der Austausch ganzer Bevölkerungsgruppen. Der teilweise als politisches Schlagwort verwendete Begriff ist in der Stadtforschung von Bedeutung und theoretisch nach wie vor nicht eindeutig erklärt. Interessant ist unter anderem, wieso und wo sie nicht stattfindet. Unter anderem ist durchaus umstritten, ob steigende Wohnungspreise Ursache oder Wirkung des Austauschprozesses sind. Erste Gentrifizierungsanzeichen finden sich immer schon vor den preislichen Änderungen im Wohnungsmarkt. Als wichtig gelten ebenso die Unterschiede im Habitus, im Geschmack, in den sozialen und kulturellen Ausdrucksweisen und symbolhaft inszenierten Konsumgewohnheiten von Neuankömmlingen und der bestehenden Einwohnerschaft im öffentlichen Raum. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung

« Last Edit: May 29, 2017, 06:02:08 PM by Link »

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #24 on: May 31, 2017, 07:32:01 AM »
"Möbel-Kraft-Gelände Prüner Schlag wurde geräumt" Niklas Wieczorek (29.05.2017)
Am Montagvormittag war es soweit: Etliche Polizisten sind am Prüner Schlag am Möbel-Kraft-Gelände vorgefahren und begleiteten eine Gerichtsvollzieherin. Sie brachte den Brief: Die Besetzer müssen von der Ausgleichsfläche. Ein vierwöchiges Wagencamp fand ein friedliches Ende. ... Die Atmosphäre war ruhig: Polizisten und Besetzer standen sich zwar gegenüber, dabei blieb es aber auch. "Das lief alles ganz friedlich ab", sagte Oliver Pohl von der Polizei in Kiel. Ralph Göttsche von Möbel Kraft sagte dazu: "Die Besetzer sind immer gut informiert gewesen." Gespräche fanden schließlich darüber statt, wie die großen Wagen ohne Antrieb das Gelände verlassen sollten. Als ein Unimog eintraf, wurde aber auch diese letzte Herausforderung bewältigt. Fakten seien jetzt geschaffen, sagte Möbel-Kraft-Vertreter Göttsche zum Ende der Arbeiten gegen 13 Uhr. Die Besetzer hoffen durch den friedlichen Abzug weiterhin Gespräche mit der Stadt ermöglicht zu haben - schließlich sind sie noch immer auf der Suche nach einem Wagenplatz. ...
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Moebel-Kraft-Gelaende-Die-Besetzung-in-Kiel-ist-vorbei

"Besetztes Möbel-Kraft-Gelände : Prüner Schlag in Kiel wurde geräumt" (29. Mai 2017)
Am Montagvormittag kam die Gerichtsvollzieherin. Die Wohnwagengruppe „Schlagloch“ packte ihre Sachen. ... Die Räumungsaktion war ein „begleiteter freiwilliger Rückzug“, nachdem die Gerichtsvollzieherin um 10 Uhr den Vollstreckungsbescheid überreicht hatte. Zwar lag dieser schon Mitte vergangener Woche vor, aber Möbel Kraft hatte sich gemeinsam mit der Gerichtsvollzieherin, der Stadt Kiel und der Polizei darauf geeinigt, die Feiertage abzuwarten und erst am Montag das Areal räumen zu lassen.
Laut Göttsche haben die Bewohner ihre Sachen sofort gepackt und den Standort mit den Wagen verlassen. Gegen 13 Uhr waren die Räumungsarbeiten beendet. Nun stehen die ehemaligen Besetzer am Hasseldieksdammer Weg und beraten wohl, wie es weiter geht. Die Stadt zeigt sich nach wie vor verhandlungsbereit, was die Suche nach einer für alle Beteiligten opportunen Lösung betrifft. Möbel Kraft hat angekündigt, das Gelände ab sofort bewachen zu lassen.
https://www.shz.de/regionales/kiel/pruener-schlag-in-kiel-wurde-geraeumt-id16931726.html

"Kiel: Räumung der Wagengruppe Schlagloch + Demo" (30.05.2017)
Am Montag den 30.5. wurde der Wagenplatz Schlagloch auf dem ehemaligen Kleingartengelände Prüner Schlag - heute Möbelkraft Baugelände – durch eine Gerichtsvollzieherin in Begleitung von etwa 50 PolizistInnen zwangsgeräumt. Die BesetzerInnen wollten mit der Besetzung u.a. auf eine „fehlgeschlagene Stadtpolitik, die sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen, wie z.B. nach bezahlbarem Wohnraum, richtet“ aufmerksam machen. Hintergrund ist der Konflikt um den Bau eines Möbel Kraft Möbelhauses auf dem Kleingartengelände. ...
https://linksunten.indymedia.org/en/node/213908

"Wagengruppe Schlagloch-Räumung – Sponti heute 17 Uhr" Wagengruppe SchlaglochVeröffentlicht (29. Mai 2017)
Wir wurden geräumt! Haufenweise Cops, Möbel Kraft Vertreter und eine Gerichtsvollzieherin sind heute Morgen angetanzt um unseren Wagenplatz zu räumen. Wir haben das Gelände friedlich geräumt und stehen nun mit unseren Wagen auf der anderen Straßenseite. Möbel Kraft, die Stadt und ihre Ordnungshüter*innen erhöhen den Druck auf uns. Zusätzlich zur Anzeige wegen Hausfriedensbruch gibt es nun ein zivilrechtliches Verfahren, mit dem die Räumung unseres Platzes erwirkt wurde. Die Kosten dieses Verfahrens werden wir tragen müssen, sagte uns ein Vertreter von Möbel Kraft mit dem Hinweis wie teuer so ein Verfahren werden könnte. Diese und weitere überflüssige Sticheleien von Seiten Möbel Krafts wurden durch ein privates Sicherheitsunternehmen ergänzt, das mit einem Fahrzeug seit Mittwoch unsere Einfahrt blockiert. Es ist offensichtlich, dass diese Methoden uns einschüchtern sollen, da wir uns geweigert haben uns selbst zu räumen und zurück in die Unsichtbarkeit zu verschwinden. ...
http://schlagloch.blogsport.eu/2017/05/29/wagengruppe-schlagloch-raeumung-sponti-heute-17-uhr/

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H.W. Lang sagt:   
29. Mai 2017 um 23:19

Hier wurde eine Chance vertan, lösungsorientiert zu einer Beilegung des Konflikts zu kommen.
Statt dessen wurden Ultimaten gesetzt, Bedingungen gestellt – alles reine Machtspiele.
Möbel-Kraft hat es versäumt, durch ein moderates und flexibles Verhalten bei den Kielern Sympathiepunkte zu gewinnen. Dumm.
Ulf Kämpfer, eigentlich als Mediator geschult, hat sich durch die Bedingung, erst müsse das Gelände geräumt werden, eigener Handlungsoptionen beraubt. Dumm.

Kiel ist eine Stadt, die mit Universität und Fachhochschule junge Leute anzieht. Aber sie muss jungen Leuten darüber hinaus auch etwas bieten. Sie muss bunt sein, sie muss Flair haben. Sonst bleiben die jungen Leute weg und gehen nach Hamburg oder Berlin.
In Berlin gibt es in jeder Straße einen Hinterhof, in dem Startups oder alternative Projekte vor sich hin werkeln. Was ist mit Kiel? Ein Provinznest. Man setzt auf Delmenhorstisierung oder Raisdorfisierung: Baumarkt – Möbelmarkt – Supermarkt – Getränkemarkt…
Wie wäre es mit Amsterdamisierung und Kopenhagenisierung? Bauwagenkolonien, Hausboote, alternatives Leben, nicht nur „geduldet“ (also eigentlich nicht gewollt), sondern aktiv unterstützt?


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« Last Edit: May 31, 2017, 07:45:46 AM by Link »

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« Reply #25 on: May 31, 2017, 10:23:33 AM »
"Dienstleistungszentrum in Zürich zu teuer: Die UBS verlagert Jobs nach Biel" Daniel Imwinkelried (31.5.2017)
Erneut wird die UBS Arbeitsplätze aus Zürich an einen anderen Standort in der Schweiz verlagern. Vor einem halben Jahr gab die Bank bekannt, dass sie im Herbst in Schaffhausen ein sogenanntes UBS Business Solution Center eröffnen werde. In diesem Gebäude hat es Platz für 500 Angestellte. Heute Mittwoch wird die UBS mitteilen, dass in Biel ebenfalls ein solches Dienstleistungszentrum entstehen soll. Mittelfristig werden in der Berner Stadt 600 Arbeitsplätze entstehen. ... Motiv dieser Verlagerung sind die Kosten, vor allem für die Löhne und die Mieten. Offenbar sieht es die UBS-Führung nicht mehr als sinnvoll an, gewisse Arbeitsplätze in Zürich anzubieten und dafür hohe Aufwendungen in Kauf zu nehmen. ...
Mit dieser Regionalisierung verfolgt die UBS in der Schweiz eine ähnliche Politik wie auf globaler Ebene. Seit einigen Jahren betreibt die Bank, wie andere international tätige Grossunternehmen, im Ausland sogenannte Shared-Service-Center. Deren Angestellte erledigen unterschiedliche Büroarbeiten in den Bereichen Zahlungsverkehr, IT, Personalwesen, Buchhaltung oder Publikationen.
Beliebte Standorte für solche Zentren sind Indien und Polen. In beiden Ländern ist auch die UBS mit Shared-Service-Centern präsent, und diese werden auch weiter ausgebaut. In den polnischen Grossstädten Krakau und Wroclaw beschäftigt die Bank mittlerweile 3500 Mitarbeiter.
https://www.nzz.ch/wirtschaft/dienstleistungszentrum-in-zuerich-zu-teuer-die-ubs-verlagert-jobs-nach-biel-ld.1298500

"Jobverlagerung der UBS: Die Stadt der Hochqualifizierten" Daniel Imwinkelried (31.5.2017)
... In Biel, wo die Mietpreise für Wohnungen und Büros so niedrig sind wie wohl in keiner anderen mittelgrossen Schweizer Stadt, wird sie Ende 2018 einen ähnlichen Hub wie in Schaffhausen eröffnen. Mit solchen regionalen Verlagerungen ist die UBS in der Schweiz zwar anderen Firmen voraus, im Ausland gibt es aber ähnliche Trends. Ausgeprägt ist die Entwicklung in London, wo der Finanzsektor wie in Zürich ein grosses Gewicht hat. Und wie in der Schweizer Metropole nehmen manche Londoner Firmen die hohen Mietpreise als Belastung wahr. Das hat Banken dazu bewogen, Arbeitsplätze nach Birmingham und Manchester zu verlagern. ...
https://www.nzz.ch/meinung/jobverlagerung-der-ubs-die-stadt-der-hochqualifizierten-ld.1298442

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"Großbrand in Londoner Hochhaus: Mindestens zwölf Tote, dutzende Verletzte" Sebastian Borger aus London (14. Juni 2017)
Das mehr als 40 Jahre alte kommunale Wohnhaus war erst im vergangenen Jahr um umgerechnet 9,8 Millionen Euro renoviert und dabei mit einer zusätzlichen Isolierungsschicht versehen worden. Eine Bewohnerinitiative berichtete von mehreren Versuchen, die Gemeinde sowie die beteiligten Baufirmen auf mögliche Brandgefahren hinzuweisen. Dazu gehörten der Mangel an Fluchtwegen sowie das Fehlen klarer Instruktionen im Brandfall. Offenbar könne "nur ein katastrophaler Zwischenfall" die Verwaltungsfirma, die vom Bezirk beauftragt wurde, zur Vernunft bringen, schrieben die Aktivisten im vergangenen November. ... Das Feuer dürfte ein politisches Nachspiel haben. Der Königliche Bezirk Kensington und Chelsea wird seit Jahrzehnten von den Konservativen regiert. Er umfasst neben dem Kensington-Palast, wo Prinz William mit seiner Familie wohnt, einige der reichsten Viertel der Hauptstadt. Dort sind Immobilien kaum unter einigen Millionen Pfund zu bekommen. Der Norden des Bezirks, wo das Feuer wütete, gehört zu den ärmsten Vierteln des Landes. Viele der Opfer dürften Einwanderer aus den früheren britischen Kolonien sein, offenbar lebten auch mehrere Philippiner im Grenfell Tower. ...
Das 24-stöckige Wohnhaus Grenfell Tower in North Kensington im Westen von London wurde im Jahr 1974 fertiggestellt. Ursprünglich bestand das Hochhaus aus 120 Wohnungen, sieben weitere wurden bei einem späteren Umbau hinzugefügt.
Verwaltet wird das Gebäude von der Kensington and Chelsea Tenant Management Organisation (KCTMO) für den Stadtbezirk Kensington and Chelsea. Die Baufirma Rydon beendete im Juli 2016 Sanierungsmaßnahmen in einer Größenordnung von 8,7 Millionen Pfund (9,88 Mio. Euro). Darin enthalten waren eine Erneuerung der Fassade und der Fenster. Außerdem seien eine neue Heizungsanlage sowie ein Rauchabzugs- und Ventilationssystem eingebaut worden, ist auf der Webseite der Firma nachzulesen.
Rydon betonte, man sei geschockt über die Feuerkatastrophe. Alle baulichen Maßnahmen seien gemäß den geltenden Vorschriften für Brandschutz, Sicherheit und Gesundheit durchgeführt worden. Die Firma wolle die Ermittlungen der Behörden zur Brandursache voll unterstützen.
Die Fassadenverkleidung wurde von der Firma Harley Facades angebracht. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, zum jetzigen Zeitpunkt könne er keinen Kommentar abgeben, weil ihm noch keine Informationen zum Hergang des Unglücks vorlägen.
Eine Anrainer-Vereinigung, die Grenfell Action Group, wies darauf hin, dass sie mehrfach die Brandsicherheit des Hochhauses kritisiert habe. "Alle unsere Warnungen trafen auf taube Ohren. Wir haben vorhergesagt, dass eine solche Katastrophe unausweichlich und nur eine Frage der Zeit ist", schrieb die Gruppe am Mittwoch auf ihrer Internetseite.
KCTMO soll die Bewohner angewiesen haben, im Fall eines Feuers in der Wohnung zu bleiben, sofern der Brand nicht im eigenen Apartment oder am Gang davor ausbricht. "Grenfell ist gemäß strengster Brandschutzbestimmungen gebaut worden", so die Gebäudeverwaltung in einem Newsletter vom Juli 2014. "Die neuen Eingangstüren zu jeder Wohnung können einem Feuer bis zu 30 Minuten standhalten, ausreichend Zeit bis zum Eintreffen der Feuerwehr."
https://derstandard.at/2000059243260/Grossbrand-in-Londoner-Hochhaus-Mindestens-sechs-Tote-dutzende-Verletzte


"Großbrand in London: Die Mieter sahen es kommen" Bettina Schulz, London (14. Juni 2017)
Der Brand in Kensington bringt Behörden und Politik in Bedrängnis. Seit Jahren gab es Kritik an den Zuständen, die Warnungen wurden ignoriert. ... Der Großbrand in London hat furchtbare Erinnerungen geweckt: ein Hochhaus in Flammen, Menschen in den oberen Stockwerken, verzweifelt, weil sie nicht fliehen können, sogar springen und Kinder aus dem Fenster werfen, um sie zu retten. Kensington, London – das ganze Land steht unter Schock. Fast mehr noch als bei den Terror-Anschlägen, denn die Toten, die die Feuerwehr über die nächsten Tage bergen wird, wären noch am Leben, hätte nur irgendjemand auf die Bewohner gehört, auf ihre Warnungen, ihre Bitten, ihr Flehen – immer alles umsonst.
Wer auf der Schnellstraße an Wohnblocks vorbei in Richtung des Luxusviertels Notting Hill fuhr, wunderte sich: Wer muss hier wohnen, in diesen schäbigen 70er-Jahre-Blocks, 24 Stock hoch, so dicht gedrängt und unzugänglich eingekeilt zwischen Autobahn, Hochtrassen, Sportzentren, Zuglinien, so nah und doch weit weg von den weißgetünchten Villen in Chelsea nur wenige Straßenblocks weiter?
Hinter diesem katastrophalen Ereignis steht viel mehr als nur der Zufall, dass irgendjemand möglicherweise beim Kochen nicht aufgepasst hat oder ein Fernseher einen Kurzschluss hatte, irgendeine Küche in Brand geraten ist, irgendjemand die Feuertüren nicht geschlossen hatte. Dieser Brand zeigt, wie katastrophales Missmanagement einer Stadtbehörde, die angesichts enormer Budgetkürzungen genau an der falschen Stelle Geld spart, eines der schwersten Unglücke in London zu verantworten hat. Weder schien nach Aussagen der Bewohner der Feueralarm in dem Wohnblock zu funktionieren, noch konnten die Wagen der Feuerwehr nah genug an das Gebäude heranfahren, geschweige denn Barrieren und Türen öffnen, um den Brand vom Inneren des Hochhauses zu löschen.  ... Der Großbrand in Kensington symbolisiert daher den gewaltigen Gegensatz von Arm und Reich im Land, der vielleicht nirgends so extrem zu sehen ist wie hier: Am einen Ende des Bezirks streiten sich Millionäre darum, wie sie unter ihre Luxusvillen noch ein Schwimmbad und ein Kino bauen, obwohl sie kaum zu Hause sind, geschweige denn wählen, und einige Straßenzüge weiter leben Familien in slumartigen Wohnblocks, die so gefährlich sind, wie man es sonst nur in der Dritten Welt findet.
http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-06/grossbrand-london-grenfell-tower-einsparungen-missmanagement/komplettansicht

GRENFELL TOWER FIRE
Posted on June 14, 2017
ALL OUR WARNINGS FELL ON DEAF EARS and we predicted that a catastrophe like this was inevitable and just a matter of time. ...
https://grenfellactiongroup.wordpress.com/2017/06/14/grenfell-tower-fire/

"Tories reject move to ensure rented homes fit for human habitation" (Tuesday 12 January 2016)
Labour amendment to housing bill, aimed at holding landlords to account, is defeated as minister claims it would push up rents ... Conservative MPs have voted against proposed new rules requiring private sector landlords to ensure their properties are fit for human habitation.
A Labour amendment to the government’s housing and planning bill, designed to ensure that all rented accommodation was safe for people to live in, was defeated by 312 votes to 219 on Tuesday, a majority of 93.
“The majority of landlords let property which is and remains in a decent standard. Many landlords go out of their way to ensure that even the slightest safety hazard is sorted quickly and efficiently,” said the shadow housing minister, Teresa Pearce, who proposed the amendment.
“So it is even more distressing when we see reports of homes which are frankly unfit for human habitation being let, often at obscene prices.”...
https://www.theguardian.com/society/2016/jan/12/tories-reject-move-to-ensure-rented-homes-fit-for-human-habitation

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"Londoner Hochhausbrand: Regierung soll Brandschutz-Empfehlungen ignoriert haben" (18.06.2017)
Premierministerin Theresa May steht schwer unter Druck. Wütende Demonstranten stürmten am Freitag das Rathaus von Kensington und bedrohten May bei einem Besuch am Brandort. "Schande über dich", "Feigling" und "May muss weg", riefen sie. Die Regierungschefin hatte bei einem ersten Besuch am Brandort nicht mit Bewohnern gesprochen, sondern war schnell wieder verschwunden. Auch hatte die Regierung bei der Betreuung der Betroffenen versagt. Die Unterstützung sei "nicht gut genug" gewesen, räumte May nun ein. Schwerer noch wiegt der Vorwurf, dass die konservative Vorgängerregierung von David Cameron seit Jahren Empfehlungen von Brandschutzexperten ignoriert habe. Der Brand sei vermeidbar gewesen, schrieb Londons Bürgermeister Sadiq Khan im "Observer". Der Labour-Politiker warf den Konservativen jahrelange Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus vor.
Laut "Observer" hat die Regierung schon nach einem Brand im Lakanal House 2009 versäumt, die Feuerschutzvorschriften zu verschärfen. Ein Ermittlungsbericht hatte dies 2013 empfohlen. Alle Forderungen nach Gesetzesänderungen seien abgeblockt worden, sagte Ronnie King, ehemaliger Feuerwehrmann und heute Vorsitzender des Parlamentsausschusses für Brandschutz, dem Blatt.
Untersuchungen würden wohl nicht ausreichen - "es muss wohl erst eine Katastrophe passieren", sagte King. Bei dem Lakanal-House-Brand waren sechs Bewohner ums Leben gekommen. Die Ursachen klingen ähnlich wie beim Grenfell Tower: "unsichere Renovierungsarbeiten, mangelhafter Brandschutz, keine Sprinkleranlagen, und Bewohner wurden aufgerufen, in ihren Wohnungen zu bleiben, obwohl das Feuer rasch um sich griff", schreibt der "Observer".
"Sowohl Konservative als auch New Labour waren stets abgeneigt, wenn es darum ging, Schutzbestimmungen zu erlassen, selbst wenn der Bedarf daran groß war", hatte der "Guardian" vor wenigen Tagen kritisiert. Dagegen sei das politische Establishment stets zugänglich gewesen für Wirtschaftsverbände und deren Wünsche nach Abschaffung bestehender Sicherheitsbestimmungen. "Deregulierung dieser Art ist ein Kernteil der neoliberalen Ideologie, der sowohl die Konservativen als auch New Labour unter Tony Blair erlagen."
Der Labour-Abgeordnete David Lammy hat die Polizei und die Regierung inzwischen aufgefordert, alle Dokumente zur Renovierung des Grenfell Towers sicherzustellen. Der Abgeordnete, der eines der Opfer kannte, sagte, er sei besorgt, dass die Unterlagen vernichtet würden, bevor die Beweissicherung beginne. Die Hochhausbewohner befürchteten eine Vertuschung der Wahrheit. Das Vertrauen in die Behörden sei massiv gesunken.
Bürgermeister Khan schrieb im "Observer", viele Hochhäuser aus den Sechziger- und Siebzigerjahren entsprächen nicht den heutigen Sicherheitsstandards. Als Lösung bleibe vielleicht nur der Abriss.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/grenfell-tower-regierung-hat-brandschutz-empfehlungen-jahrelang-ignoriert-a-1152679.html

« Last Edit: June 19, 2017, 10:03:30 AM by Link »

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Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
« Reply #26 on: June 15, 2017, 09:49:05 AM »
Architects for Social Housing (ASH) was set up in March 2015 in order to respond architecturally to London’s housing ‘crisis’. We are a working collective of architects, urban designers, engineers, surveyors, planners, film-makers, photographers, web designers, artists, writers and housing campaigners operating with developing ideas under set principles. ...
https://architectsforsocialhousing.wordpress.com/

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The Radical Housing Network is made up of groups fighting for housing justice, based in London.
http://radicalhousingnetwork.org/

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In the heart of the Urban Dandy is the fate and the conflict of the bohemian, to become preoccupied with the things he/she shuns – materialism and money. They must survive, after all. They mustn’t be a burden, they must contribute, they must identify and add to the chorus when injustice is uncovered.
Identifying with the downtrodden, the poor and the dandies, the human, those who won’t back down and those that capitulate under pressure. The Urban Dandy embraces the contrasts and colours that create a fully vibrant city-scape of peoples.
The eyes of the Urban Dandy look deep into the spectre of failure. The integrity of the work takes our energy, likes and hits, fame and fortune do not. It’s a slow-rise, an awakening, a connecting of voices: I hear you, you hear me…
The scope of the Urban Dandy is local and global. Big Ideas. Not anti-capitalist, or pro-socialist; not dogmatic, pro-truth. Art of word, authenticity, not glorifying poverty, glory in human beings, looking at context, our area. Not vacuous superficiality…Wholesome. You too, our ears, your thoughts. The truth you can say. Word is bond. Life in motion – Truth again.
https://urbandandylondon.com/

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Commonly known as the 'Westway', the A40(M) elevated motorway was built between 1964 and 1970. Its construction was highly controversial, as it caused huge destruction to a tightly-knit community and was essentially a failed experiment in alleviating congestion with an elevated ring-road around the entire of London. Through its construction a stretch of 23-acres of derelict land was created beneath it.
http://www.westway23.org/

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"Umwandlung in Eigentum: Berlin verliert immer mehr Mietwohnungen" Ralf Schönball (11.07.2017)
Niemanden trifft die Wohnungsnot in Deutschland so hart wie die Berliner, heißt es in einem von der Wohnungswirtschaft veröffentlichten Bericht. Das liegt auch daran, dass Bauträger in der Stadt Mietshäuser kaufen und aufteilen, um die Mietwohnungen in Eigentumsobjekte umzuwandeln und zu verkaufen. Das Geschäft bringt hohe Gewinne.
Doch eine brandneue Aufstellung des Senats zeigt: Im vergangenen Jahr gingen der Mieterstadt Berlin dadurch genauso viele Wohnungen verloren wie Bauträger insgesamt neu fertig gestellt haben.
Besonders brisant: Ausgerechnet in Gebieten, die unter Schutz stehen, weil dort viele Menschen mit geringen Einkünften leben, läuft das Geschäft mit den Umwandlungen besonders gut, und „so wird der Milieuschutz teilweise ausgehebelt“, sagt Katrin Schmidberger, wohnungspolitische Sprecherin der Grünen.
Sie hatte die Anfrage an den Senat gestellt, dessen Antworten nun das ganze Ausmaß des Problems offenbaren: Knapp 13.000 Mietwohnungen wandelten Hauseigentümer im vergangenen Jahr in Eigentumsobjekte um. Das sind fast so viele Wohnungen, wie im ganzen vergangenen Jahr neu gebaut wurden und den Wohnungsbestand mehrten (13.800) – laut Amt für Statistik. Und 2800 Wohnungen, die künftig nicht mehr Mietern, sondern Eigentümern nutzen, befinden sich in Gebieten mit Milieuschutz.
... Zurzeit können Eigentümer umgewandelte Wohnungen nach sieben Jahren verkaufen. Weil die Objekte vorher oft aufwendig saniert werden und die Kosten dafür auf die Mieten umgelegt werden, könnten sich viele alteingesessene Kiez-Bewohner die Objekte nicht mehr leisten.
Deshalb müsse das Geschäft mit den Umwandlungen, durch das Spekulanten Wohnungen für das Zwei- bis Vierfache des ursprünglichen Preises verkaufen können, endlich gestoppt werden, sagt Schmidberger.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/umwandlung-in-eigentum-berlin-verliert-immer-mehr-mietwohnungen/20038046.html

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"Demo in der Innenstadt Rund 300 für sozialen Wohnraum in Kiel" Niklas Wieczorek (22.07.2017)
Das Ende der Suche nach einem Wagenstellplatz der Gruppe Schlagloch scheint indes nah: Die Stadt hat den ehemaligen Besetzern des Möbel-Kraft-Geländes ein vorbehaltliches Flächenangebot unterbreitet, das jetzt Aktivisten und Ämter prüfen. Es handelt sich dabei um eine Fläche nahe dem Aubrook, wie Michael Saitner, Verhandlungsführer der Stadt aus dem Büro des Oberbürgermeisters am Freitag bestätigte. Sollte es keine Bedenken der Behörden geben, wäre eine Verlegung der Wagen möglich.
Voraussetzung der Stadt ist dabei weiterhin, dass die Wagengruppe einen Verein gründet, mit dem eine vertragliche Grundlage zur Flächennutzung möglich wäre, so Saitner. Aus der Wagengruppe hieß es am Mittag: „Es müssen beide Seiten alles prüfen.“ Will heißen: Die Aktivisten sitzen an ihrem derzeitigen Standort am Ende der Hofteichstraße zusammen und diskutieren über den vorgeschlagenen Platz und ihre Zukunft als Wagengruppe. Jeden Abend werde geredet, so die Gruppe. ...
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Demo-in-der-Innenstadt-Rund-300-fuer-sozialen-Wohnraum-in-Kiel
« Last Edit: July 24, 2017, 10:35:50 AM by Link »

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« Reply #27 on: September 14, 2017, 01:18:29 PM »
"Wohnungsmarkt in Dortmund: Arm werden per Mieterhöhung" Andreas Wyputta (13. 9. 2017)
Nach München und Hamburg, Köln und Berlin wird jetzt auch das Ruhrgebiet teuer. ... DORTMUND taz | Für die MieterInnen der LEG Wohnen NRW GmbH in Dortmund war es ein Schock: In den Briefkästen ihrer Häuser zwischen Sonnenplatz, Neuem Graben und der Großen Heimstraße landete im Mai Post des Vermieters. Zwar sollte die betont positiv klingen: „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir an Ihrem Haus Modernisierungsarbeiten durchführen werden“, schrieb die Tochter der börsennotierten LEG Immobilien AG an die BewohnerInnen des Häuserblocks in unmittelbarer Nähe des angesagten Dortmunder Kreuzviertels.
Gleichzeitig aber kündigte die ehemals gemeinnützige Landesentwicklungsgesellschaft, die 2008 von der schwarz-gelben NRW-Landesregierung des CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers privatisiert worden ist, massive Mieterhöhungen an: Zwischen 30 und 47 Prozent sollen die Mieten je nach Wohnungsgröße steigen. ... Der grüne Bundesparlamentarier Markus Kurth versucht dagegen erst gar nicht, falsche Hoffnungen zu wecken: Natürlich sei die Modernisierungsumlage für Unternehmen wie die LEG eine „Lizenz zum Gelddrucken“, sagt er – und wirbt für die von seiner Partei geforderte Deckelung der Umlage auf Höhe der eingesparten Energiekosten. Allerdings: Das „riesige börsennotierte Unternehmen“ LEG sei gerade für einzelne Abgeordnete „politisch schwierig zu erreichen. Ich mache mir da überhaupt keine Illusionen“, warnt der grüne MdB. „Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein Unternehmen wie die LEG überhaupt privatisiert werden konnte“, sagt deshalb Mieterin Christine Twittmann ...
https://www.taz.de/Wohnungsmarkt-in-Dortmund/!5444629/

Quote
Hannibal Corpse, 14.09.2017 (01:10)

Krieg den Hütten - Friede den Palästen!


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"USA: Größtes Casting der US-Geschichte" Kathrin Werner, New York (14. September 2017)
Was es bedeutet, wenn Amazon Milliarden investiert und Zehntausende den Wohnungsmarkt einer mittelgroßen Stadt bedrängen, kann man an Seattle ablesen, dem derzeitigen Hauptsitz: Im August ist der Preis für ein Einfamilienhaus im Vergleich zum Vorjahr um 18,2 Prozent gestiegen. Autofahrer verbrachten 2016 im Schnitt 55 Stunden im Stau.
Amazon hat in Seattle mehr Büroflächen als die nächsten 40 Arbeitgeber zusammen. Die Einwohnerstruktur sieht mehr und mehr aus wie die Tech-Industrie insgesamt: vor allem junge, weiße Männer sind zugezogen. Amazon ist ein Turbo-Gentrifizierer.
... Einziger Zweck der Ausschreibung sei, die Kommunen dazu zu bringen, einander mit Steuergeschenken zu übertrumpfen. Im Ausschreibungsprospekt sagt Amazon: "Bitte listen Sie alle angebotenen Subventionen auf."
Das Wettbieten um Unternehmensstandorte ist kein neues Spiel. Im Jahr 1993 hat Mercedes-Benz Angebote für das erste Werk in Nordamerika gesammelt - am Ende gewann Alabama. Kritiker rechneten vor, dass jeder einzelne Arbeitsplatz den Südstaat 200 000 Dollar koste, so viel muss ein Fabrikarbeiter erst einmal verdienen. Doch die Daimler-Fabrik wuchs, Zulieferer siedelten sich an, dann folgten andere Autobauer. Danach wurden die Angebote immer aberwitziger. Wisconsin hat für eine Display-Fabrik von Foxconn gerade Zuschüsse von drei Milliarden Dollar abgenickt und Umweltregeln ausgehebelt. Am 19. Oktober läuft Amazons Angebotsfrist ab, das milliardenschwere Casting geht in die nächste Runde. ...
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/usa-groesstes-casting-der-us-geschichte-1.3664960

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"Gentrifizierung: Kaffee am Außenposten"  Lukas Hermsmeier, Brooklyn  (5. November 2017)
Familien der unteren Mittelschicht müssen wegziehen, weil Zwei-Zimmer-Wohnungen im Schnitt nun 2.100 Euro Monatsmiete kosten. Softwareentwickler, Kulturwissenschaftsstudenten und Journalisten aus Manhattan, Melbourne oder Berlin rücken dafür ein. Clinton Hill und Bed-Stuy sind im vergangenen Jahrzehnt vornehmer, aber vor allem weißer geworden. Zwischen 2000 und 2010 stieg die Zahl der Weißen in Bed-Stuy laut Zensus von 2,4 auf 15 Prozent. Heute dürften es 20 Prozent sein, mindestens.
Gentrifizierung nennt man das. Ein inflationär gebrauchtes Wort, ein allzu präsenter Vorgang. In Brooklyn, in Neukölln, im Osten von London oder Paris, überall, wo die Jungen und Begabten hinziehen. Sprechen wir über Gentrifizierung, schwingt oft Fatalismus mit: Sie passiert halt, so wie der Hudson River fließt und die New Yorker Taxis gelb sind.
... Erbittert ist Coates nicht nur, weil vor allem "Schwarze weggefegt wurden", sondern auch, weil Gentrifizierung ein beschönigender Name für Vorherrschaft der Weißen sei. "Wer das Wort Gentrifizierung benutzt, lügt unmittelbar", behauptet der Kulturkritiker, der als Korrespondent für die Monatszeitschrift The Atlantic arbeitet. Coates ist mit diesem Gedanken nicht der Erste, aber zurzeit vielleicht der Berühmteste. In der Times-Bestsellerliste liegt We Were Eight Years in Power auf den oberen Plätzen.
Amerikas große Lüge, die Vertuschung seines rassistischen Wesens – für Coates zeigt sie sich im Euphemismus "Gentrifizierung".
http://www.zeit.de/kultur/2017-11/gentrifizierung-brooklyn-bedford-stuyvesant-rassismus

Quote
Teilzeitsarkast #8

Gentrifizierung hat zunächst einmal, ob in den USA oder hier, mit ökonomischer Ungleichheit zu tun. Und die vererbt sich aus verschiedenen Gründen (Bildungszugang, Habitus, soziale Beziehungen) allzuoft durch die Generationen.

In den USA korreliert diese oben-unten-Struktur historisch stark mit der Hautfarbe. Insofern hat dort Gentrifizierung zwar "mit Rassismus zu tun", aber diese Fokussierung trägt eher zur Vernebelung als zur Klarheit bei. Aber über die Ökonomie möchte ja niemand mehr reden.


Quote
MehowSri #8.2

Keiner will mehr über Klassen sprechen. Dabei würde ja nur herauskommen, dass ein Großteil der Dauerempörten zur oberen Mittelschicht oder gar Oberschicht gehört. Man spricht halt lieber über 'white privilege' als über Klassenprivilegien.


Quote
APoK #8.3

Daher auch die Formulierung, "Junge und Begabte" zögen zu. An anderer Stelle ist u.a. von "Kulturwissenschaftsstudenten" die Rede. Können die sich eine Wohnung in Brooklyn leisten, weil sie so begabt sind?


...

« Last Edit: November 06, 2017, 07:56:28 AM by Link »

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« Reply #28 on: November 28, 2017, 03:59:59 PM »
Quote
[...] Seit mehreren Tagen räumen die Behörden im Süden von Peking Sammelunterkünfte und improvisierte Wohnungen. Schätzungsweise Zehntausend Menschen sind betroffen, sie stehen plötzlich ohne Bleibe da.

Einige haben Peking fluchtartig verlassen, viele andere kampieren mit Sack und Pack irgendwo auf der Straße, und das bei Temperaturen unter null Grad.

Betroffen sind quasi ausschließlich Arbeitsmigranten aus anderen chinesischen Provinzen und ihre Familien. Viele haben Kinder. Ohne diese sogenannten Wanderarbeiter läuft in chinesischen Großstädten quasi nichts: Sie liefern Pakete aus, bedienen in Restaurants und arbeiten auf Baustellen oder als Wachleute.

Seit rund einer Woche werden diese Menschen nun aus ihren Wohnheimen geworfen. Auslöser: Ein Brand in einer der Unterkünfte, bei dem vor zehn Tagen 19 Menschen ums Leben kamen.

Diesen Vorfall nutzt die Pekinger Stadtregierung nun, um andere vermeintlich unsichere Unterkünfte zu räumen. Polizisten, Feuerwehrleute aber auch viele spontan angeheuerte Rausschmeißer forderten Bewohner der betroffenen Wohnungen auf, diese binnen Stunden zu räumen. Viele Wohnungen wurden komplett zerstört, nachdem sie geräumt wurden.

"Ich habe keine Angst zu sterben", sagt diese Bewohnerin des betroffenen Stadtviertels in einem Internetvideo eines Pekinger Aktivisten. "Wenn sie mich hier vertreiben und meine Wohnung zerstören wollen, verteidige ich mich meinem Küchenmesser!"

Die staatlichen Medien Chinas schweigen zu all diesen Vorfällen. In den Online-Netzwerken kursieren unzählige Berichte, Fotos und Videos, die häufig aber schnell gelöscht werden von den chinesischen Zensoren.


Aus: "ChinaZwangsräumungen in Peking sorgen für Entsetzen" Steffen Wurzel (28.11.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/china-zwangsraeumungen-in-peking-sorgen-fuer-entsetzen.1773.de.html?dram:article_id=401750