Author Topic: Slavoj Žižek ...  (Read 8846 times)

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Slavoj Žižek ...
« Reply #20 on: July 27, 2018, 12:00:49 PM »
Žižek: Philosophy, Psychoanalysis, Sex and the Spaces Between (19.06.2018)
Philosopher, cultural theorist, and film critic Mladen Dolar will host two pillars of modern philosophy to talk about their latest works. Slavoj Žižek will break down his thinking on "the empty spaces between philosophy, psychoanalysis, and the critique of political economy" laid out in his book "Incontinence of the Void: Economico-Philosophical Spandrels". Alenka Zupančič shares her exploration on what kind satisfaction we get from sex and how it might be replaced with satisfaction from equally sexual activities such as talking or writing, painting or praying. Her new book is titled 'What IS Sex?' WGBH Forum Network ~ Free online lectures: Explore a world of ideas
https://www.youtube.com/watch?v=P-Qea5E24_A

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Slavoj Žižek - Online Vigil in support of Julian Assange #Unity4J (July 2018)
https://www.youtube.com/watch?v=KKqZNDD5xFE
« Last Edit: July 27, 2018, 01:10:44 PM by Link »

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Slavoj Žižek ...
« Reply #21 on: March 15, 2019, 06:48:32 PM »
Slavoj Žižek on Synthetic Sex and "Being Yourself" (07.06.2015)
https://youtu.be/7xYO-VMZUGo

"Slavoj Žižek on Why You’re Never Really Alone With Your Sexual Partner" (23.03.2015)
Slavoj Žižek draws from examples in literature, film, and advertising to explain a phenomenon in which no sexual liaison is complete without a third element -- an intruder, something like a fantasy. He also dishes out on topics including feminist crime fiction, 20-year-old British beer commercials, and the Taco Bell Quesarito.
https://youtu.be/cE6_6DFNsVk

Slavoj Žižek - Sex and the Failed Absolute (Nov. 2018)
We will tackle straight on the old metaphysical topic: is it possible for us, finite and mortal humans, to achieve some kind of contact with the Absolute? After a brief overview of the traditional and modern answers (ecstatic religious union with the Absolute, immersion into the primordial Void, identification with the destructiveness of nature, intellectual intuition, transcendental-historical reflection, etc.), we will propose the Lacanian answer: sexuality is our primordial brush with the Absolute – sexuality as our basic experience of failure, of impossibility. This becomes palpably clear in our historical moment when this status of sexuality is under threat. In deploying this thesis, we will pass through many particular topic: Beckett’s art of abstraction; neurotheology; sexbots; fake news; quantum physics; posthumanity.
https://youtu.be/vB-A_tYwUZI


"Slavoj Žižek, Mladen Dolar, and Alenka Zupančič: The Politics of Sexual Difference" (Deutsches Haus, 06.12.2017 veröffentlicht)
The German Department and Deutsches Haus at NYU present "The Politics of Sexual Difference" with Slavoj Žižek, Mladen Dolar, and Alenka Zupančič as part of NYU Skirball's ongoing series SKIRBALL TALKS. This public event consists of three half-hour talks, and is presented on the occasion of two new publications: Incontinence of the Void by Slavoj Žižek, and What IS Sex? by Alenka Zupančič. Monday, November 13th, at 6:30PM in Skirball Center for Performing Arts, 60 Washington Square South Slavoj Žižek is a senior researcher at the Institute for Sociology and Philosophy at the University of Ljubljana, Global Distinguished Professor of German at New York University, and international director of the Birkbeck Institute for the Humanities of the University of London. Mladen Dolar taught for 20 years in the Department of Philosophy at the University of Ljubljana, Slovenia, where he now works as a Senior Research Fellow. He is the author of a number of books, most recently (with Slavoj Žižek) Opera’s Second Death and Voice and Nothing More. Alenka Zupančič, a Slovenian psychoanalytic theorist and philosopher, teaches at the European Graduate School, and is a researcher at the Institute of Philosophy at the Slovenian Academy of Sciences and the Arts. She is the author of The Shortest Shadow: Nietzsche’s Philosophy of the Two and The Odd One In: On Comedy, both in the Short Circuits series, published by the MIT Press. "The Politics of Sexual Difference" ft. Slavoj Žižek, Mladen Dolar & Aleka Zupančič is a DAAD-sponsored event.
https://youtu.be/4R7SCY5zVLg

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Quote
[...] Der Kampf gegen echten (und angeblichen) Sexismus geht schon lange ans Eingemachte. So fordern Feministinnen mittlerweile, dass wir aufhören sollten, die weibliche Brust zu fetischisieren. Ausgerechnet sie! Stattdessen solle man die Brust als einen normalen Teil des weiblichen Körpers ansehen. Für diesen Kampf der befreiten Nippel nehmen Frauen in grösseren Städten sogar barbusig an Protestmärschen teil. Das Ziel ist hier ganz offensichtlich die Ent-Erotisierung, ja die Re-Normalisierung des weiblichen Körpers.

Wenn wir diese Denklogik weitertreiben, kommen wir zu einer neuen Forderung: Das sexuelle Objekt soll an sich entmystifiziert werden. Das kann man etwa an den Büchern von Laura Dodsworth beobachten: Nachdem die Fotografin zwei Werke mit Porträts von Penissen und Brüsten publiziert hatte, fotografierte sie nun in ihrem neuen Buch 100 Vulvas. «Mit der Vulva wird häufig nur die sexuelle Aktivität verbunden», sagt Dodsworth, «dabei haben wir über so viele Bereiche geredet, die eher ‹unsexy› sind: Monatszyklen, Menopause, Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten, Abtreibungen, Schwangerschaft, Geburt, Krebs.»

Bald wird «Vagina: A Re-education» erscheinen, ein Buch der britischen Autorin Lynn Enrights. Liv Strömquists Bestseller «Fruit of Knowledge» (Untertitel: «Vulva vs. Patriarchy and with stabs at Freud») beschäftigt sich mit der Vulva und der Menstruation. Es gibt ein britisches Musical mit dem Namen «Vulvarine». Live-Events, in denen der Körper positiv zurückerobert wird, erfreuen sich grosser Beliebtheit: von «Body-Positivity»-Kursen im Aktzeichnen bis hin zu «Muschi-Erkundungs-Workshops».

Ist dies wirklich ein Fortschritt? Wenn ja, dann sollten wir diesen Gedanken konsequent zu Ende führen und auch Exkremente entmystifizieren und entfetischisieren. Einige von uns erinnern sich sicher noch an die Szene aus Buñuels «Le fantôme de la liberté», in der die Funktionen von Essen und Ausscheiden vertauscht werden: Menschen sitzen um einen Tisch herum auf ihren Toiletten, unterhalten sich nett, und wenn sie etwas essen wollen, fragen sie ganz leise und verschämt die Haushälterin: «Wo ist denn das Esszimmer?»

Das Argument, das hinter diesem Phänomen steckt, ist klar: Die männliche Fetischisierung der Vagina als das ultimativ mysteriöse Objekt der (männlichen) Begierde muss überwunden werden. Anstelle dessen soll die Vulva für Frauen zurückerobert werden, in all jener Komplexität, die frei ist von sexistischen Mythen.

Was ist falsch daran? Gehen wir zurück zu Buñuel: Es gibt eine ganze Reihe von Filmen, in denen dasselbe Motiv behandelt wird, in Buñuels eigenen Worten: «die unerklärbare Unmöglichkeit, ein einfaches Bedürfnis zu befriedigen». In «L’Age d’or» will etwa ein Pärchen Sex haben, was aber immer wieder durch unsinnige Unfälle verhindert wird; in «Ensayo de un crimen» will der Held einen Mord begehen, aber alle Versuche scheitern; in «El ángel exterminador» schafft es eine Gruppe junger reicher Menschen nach einer Party nicht, die Türschwelle zu übertreten, um das Haus zu verlassen; in «Cet obscur objet du désir» wird schliesslich das paradoxe Verhalten einer Frau gezeigt, die durch unterschiedliche Tricks immer wieder das freudige Wiedersehen mit ihrer alten Liebe verschiebt.

Was ist all diesen Filmen gemein? Es ist unmöglich, eine einfache Alltagshandlung auszuführen, wenn die Handlung den unmöglichen Ort des (erhabenen) «Dings» besetzt und also anfängt, das sublime Objekt der Begierde zu verkörpern. Sobald das Objekt jedoch den verbotenen, leeren Raum des Anderen einnimmt, entsteht ein ganzer Haufen von unüberwindlichen Hürden. Das Ding bleibt unerreichbar.

Hier sollten wir uns Jaques Lacans Definition der Sublimierung ins Gedächtnis rufen: Es wird «ein Objekt zur Würde des Dings erhoben». Eine gewöhnliche Sache oder Handlung erscheint in einer Art Kurzschluss plötzlich als Erscheinung des unmöglichen realen Dings. Deswegen reicht – umgekehrt – im intensiven erotischen Spiel ein falsches Wort, eine falsche Geste aus, um eine gewaltvolle Ent-Sublimierung auszulösen. Wir fallen von einem Moment auf den anderen aus der erotischen Spannung ins vulgäre Kopulieren.

Man stelle sich vor, dass man, von der erotischen Leidenschaft getrieben, einen genauen Blick auf die Vagina der geliebten Frau wirft, zitternd, weil das Vergnügen wie erwartet gleich eintrifft. Aber dann passiert etwas: Als ob man den Kontakt zu ihr verloren hätte, fällt man aus der erotischen Lust heraus, und das Fleisch vor den Augen erscheint plötzlich in seiner ganzen vulgären Realität, mit dem Geruch von Urin und Schweiss (man kann sich die gleiche Szene gendergerecht auch mit einem Penis vorstellen). Was passiert hier also?

Die Vagina hört auf, ein Objekt zu sein, «das zur Würde des Dings erhoben wurde», und wird wieder Teil der gewöhnlichen Realität. In diesem präzisen Sinne ist Sublimierung nicht das Gegenteil von Sexualisierung, sondern dasselbe.

Auch im Erotischen ist es deshalb zwischen dem Erhabenen und dem Lächerlichen nur ein kleiner Schritt. Der sexuelle und der komische Akt schliessen sich wechselseitig aus. Der sexuelle Akt steht für die intime Beschäftigung schlechthin, für eine Situation, in der das teilnehmende Subjekt niemals die Haltung des ironischen, externen Betrachters annehmen kann. Und aus diesem Grund kann der sexuelle Akt auch für diejenigen, die nicht direkt darin involviert sind, nur lächerlich erscheinen. Der komische Effekt kommt von der Diskrepanz zwischen der Intensität des Aktes und der gleichgültigen Ruhe des Alltags.

Das bringt uns zurück zu den Versuchen, die Vulva zu «entmystifizieren». Um ein altes Sprichwort zu verwenden: Jene, die dies tun, merken nicht, dass sie das Kind mit dem Bade ausschütten. Die Attacke der Feministinnen auf die Idee der Vagina als ein fetischisiertes Objekt der männlichen Begierde ist also auch eine Attacke auf die Grundstruktur der Sublimierung, ohne die es das Erotische gar nicht gäbe – was dann noch bleiben würde, wäre eine langweilige gewöhnliche Welt, in der keine erotische Spannung mehr zwischen Menschen existierte. Die «entfetischisierten» Organe würden die Feministinnen dann als das ausgeben, was sie sind: Körperorgane.

Der Moment, in dem wir die willkürliche Natur der Sublimierung erkennen (jedes einfache Objekt kann auf die Stufe des unmöglichen Dings gehoben werden), macht auch klar, dass sexuelle Sublimierung ganz einfach von der angeblich patriarchalen Mystifizierung befreit werden kann. Was wir anstelle dieser neuen Sphäre des Erotischen bekommen, ist jedoch eine Version von etwas, was Adorno und Horkheimer – die beiden Meister des Marxismus der Frankfurter Schule – «repressive Ent-Sublimierung» nannten: Das Ergebnis ist nicht eine neue Freiheit, sondern die graue Realität, in der Sex vollkommen unterdrückt wird. Ist es das, was wir wollen?

Aus dem Englischen übersetzt von Judith Basad.


Aus: "Soll denn nun auch alles Erotische entzaubert werden? In was für langweiligen Zeiten leben wir eigentlich?" Slavoj Žižek (14.3.2019)
Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/slavoj-zizek-feministinnen-rauben-dem-weiblichen-koerper-den-reiz-ld.1462142

Quote
ClaudiaZettel @ClaudiaZettel
Hahaha. Es ist so unendlich lustig, wie irgendwelche Männer immer noch glauben, Frauen seien auf die Welt gekommen, um für sie sexy zu sein. Und wie einseitig kann man eigentlich Erotik verstehen.

2:02 nachm. · 14. März 2019


https://twitter.com/ClaudiaZettel/status/1106178695557992448
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blastjarna @blastjarna
Antwort an @ClaudiaZettel
Hab ich das jetzt richtig verstanden? Wenn man Frauen als ganz normale Menschen mit ganz normalen Körpern betrachtet und nicht als mystische Objekte, sind sie nicht mehr erotisch?

Hilfe......

3:33 nachm. · 14. März 2019


https://twitter.com/blastjarna/status/1106201682269167617
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Lena Doppel-Prix @lenadoppel

Er hätt auch einfach „Wenn ich ficken will, dann seid‘s ihr immer noch der Nebenwiderspruch, Mädels“ schreiben können und sich (und uns) das ganzen psycho-philosophische Bramborium sparen können. Natürlich weiß ich, worauf er hinauswill. I am just so not interested. #zizek

2:00 nachm. · 15. März 2019


https://twitter.com/lenadoppel/status/1106540584179810306

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Hannah Hübner @hannah__vibe @Slavojiek

asks women to stop demystifying the #vulva as it would take #eroticism off the #female body and in turn repress #sex. Well, what about you leave talking about female bodies to us women? And dude please, how limited is your idea of sex? #misogyny #mansplaining #zizek


1:39 vorm. · 15. März 2019


https://twitter.com/hannah__vibe/status/1106354271413506049

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« Last Edit: March 15, 2019, 06:50:36 PM by Link »

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Slavoj Žižek ...
« Reply #22 on: April 06, 2019, 05:01:21 PM »
Quote
[...] Die Parteiakademie der Liste Jetzt lädt regelmäßig unter dem Titel "Talk Europe" zum Gespräch. In der Ausgabe vom 3. April soll es um die "gefährlichen Unsicherheiten der Gegenwart und mögliche Lösungsszenarien" gehen. Kritisch soll es werden, steht auf der Seite der Veranstaltungsreihe, und "durchaus polarisierend". Auf dem Podium wird der Philosophiestar Slavoj Žižek gemeinsam mit Robert Pfaller, ebenfalls Philosoph (Kunstuniversität Linz), und dem Politiker Peter Pilz (Liste Jetzt) sitzen. "Unsere Situation ist brandgefährlich. Es gibt Unsicherheiten und Elemente des Chaos in den Bereichen Umwelt, internationale Beziehungen bzw. Politik, in Biotechnologie, in sexuellen Beziehungen – einfach überall", wird Žižek in der Veranstaltungsankündigung zitiert.

Dass gerade diese drei Personen diese Umwälzungen diskutieren sollen, hat unter vielen Feministinnen für Irritation und Kritik gesorgt. Žižek äußerte sich erst vor kurzem sorgenvoll über die feministischen Auseinandersetzungen mit dem weiblichen Körper, die derzeit gehäuft publiziert werden – eine Auseinandersetzung, die letztlich die Erotik zerstöre. Die Rückeroberung des weiblichen Körpers sei "unsexy", schrieb Žižek kürzlich in einem Text für die "NZZ", die er darin auch abwertend als "Muschi-Erkundungs-Workshops" bezeichnet. Er fragt sich außerdem, ob die Beschäftigung mit der Vulva und der Menstruation, wie sie zum Beispiel die Comiczeichnerin Liv Strömquist in "Fruit of Knowledge" vorgelegt hat, wirklich ein Fortschritt sei. "Wenn ja, dann sollten wir diesen Gedanken konsequent zu Ende führen und auch Exkremente entmystifizieren und entfetischisieren." Und Žižek schreibt weiter über die "Entzauberung des Erotischen": "Die männliche Fetischisierung der Vagina als das ultimativ mysteriöse Objekt der (männlichen) Begierde muss überwunden werden. Anstelle dessen soll die Vulva für Frauen zurückerobert werden, in all jener Komplexität, die frei ist von sexistischen Mythen." Skeptisch gibt sich auch Robert Pfaller gegenüber feministischen Bewegungen, der mit MitstreiterInnen seines Vereins "Adults for Adults" an der #MeToo-Kampagne immer wieder die Verbreitung sexualfeindlicher Stimmung und Selbstviktimisierung kritisierte. Pilz hatte im im Jahr 2017 und 2018 mit Vorwürfen wegen sexueller Belästigung zu kämpfen: Eine Mitarbeiterin des Europäischen Volkspartei warf ihm sexuelle Belästigung am Rande des Forums Alpbach 2013 vor, auch wegen angeblicher Vorfälle zum Nachteil einer Mitarbeiterin des grünen Parlamentsklubs wurde ermittelt – das Verfahren zu diesen beiden Fällen wurde im Mai 2018 eingestellt.

"Die rechtspopulistischen Umwälzungen in Europa leisten einer frauenfeindlichen und antifeministischen Politik Vorschub", heißt vonseiten des Frauenvolksbegehrens, das in wenigen Tagen eine Gegenveranstaltung organisiert hat. Gerade wegen dieser Tendenzen sei es unverständlich, dass hier drei Männer, die antifeministische Positionen vertreten würden, "unter sich" die Lage Europas diskutieren. Die am selben Abend stattfindende Gegenveranstaltung findet in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort von "Talk Europe" statt. In Anlehnung daran heißt die Gegenveranstaltung "Talk Patriarchy". Ebenso wie beim Original fokussiert "Talk Patriarchy" ganz auf die drei Personen auf dem Podium, auf dem die grüne Ex-Nationalratsabgeordnete Sigi Maurer, Lea Susemichel, leitende Redakteurin des feministischen Monatsmagazins "Anschläge", und Vanessa Spanbauer, Chefredakteurin des Magazins "Fresh. Black Austrian Lifestyle", Platz nehmen. Zudem wird es eine Lesung von Stefanie Sargnagel und einen Auftritt der Musikerin Denice Bourbon geben.

"Es ist nicht bloß die übliche Ignoranz, dass ein Panel ausschließlich mit weißen Männern besetzt wird", sagt Susemichel. "Das ist eine Provokation. Žižek sieht es tatsächlich als Entzauberung und Verlust der Erotik an, wenn sich Frauen selbst mit ihrem Körper befassen", kritisiert sie. Mit der Ausleuchtung aller möglichen Körperöffnungen von Frauen in der Mainstream-Pornografie habe man überhaupt kein Problem, "das ist der männlichen Lust offenbar in keiner Form abträglich, aber wenn Frauen es wagen, Bücher über ihre Vulva zu schreiben, dann ist die erotische Kultur in Gefahr". In einer solchen Zusammensetzung mit "ausgewiesenen Antifeministen" könne es schwerlich um "neue Ordnungen" gehen, so Susemichel. Vielmehr gehe es "um einen männlichen Abwehrkampf, um alte Ordnungen unangetastet zu lassen".

Till Hafner, Geschäftsführer der Parteiakademie der Liste Jetzt, bedauert, dass die Zusammensetzung des Podiums als Angriff auf den Feminismus aufgefasst wird. Das sei keinesfalls die Intention gewesen. "Wir wollten keinesfalls feministische Bewegungen infrage stellen", sagt Hafner, der die Gegenveranstaltung und "vor allem eine inhaltliche Debatte begrüßenswert" findet. Christian Berger und Lena Jäger vom Frauenvolksbegehren zeigen sich von Maria Stern, Parteichefin der Liste Jetzt, enttäuscht. Stern war bis zur Bekanntgabe ihrer Kandidatur bei der Nationalratswahl im Jahr 2017 Sprecherin des Frauenvolksbegehrens. "Dass es hier offenbar keinen Einspruch von ihr gegeben hat, verstehen wir nicht", heißt es vom Frauenvolksbegehren. Gerade in Zeiten von Echokammern sei es wichtig, einen offenen Diskurs zu wagen, sagt Stern auf Nachfrage des STANDARD. Grundsätzlich liege aber die Einladungspolitik nicht in ihrem Aufgabenbereich, sondern sei allein Sache der Akademie. "Würde die Akademie aber nur Leute einladen, mit denen wir immer zu 100 Prozent einer Meinung sind, wären die Diskurse dementsprechend langweilig", so Stern, die über Žižeks "NZZ"-Artikel sagt: "Der ist vollkommener Käse."



Aus: "Frauenvolksbegehren mit Gegenveranstaltung zu Žižek-Talk" Beate Hausbichler (2.4.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000100606377/Frauenvolksbegehren-organisiert-Gegenveranstaltung-zu-Zizek-Talk


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Slavoj Žižek ...
« Reply #23 on: April 07, 2019, 11:54:31 AM »
Quote
[...] "Feministinnen schauen sich Mösen viel zu genau an, und darunter leidet die erotische Vorstellungskraft der Männer." Wenn man Slavoj Žižeks Beitrag für eine Schweizer Zeitung auf diesen Satz eindampft, dann ist Kritik sehr naheliegend. Aber einen Philosophen von seinem Schlag zu kritisieren ist nicht einfach. Das liegt nicht zuletzt an seiner berufsbedingten Vorliebe für Metaebenen, Referenzen und ideengeschichtliche Begriffe. Žižek ist beispielswiese ein ausgewiesener Experte für den Psychoanalytiker Jacques Lacan. Wenn er in seinem Text bestimmte Fragestellungen mit Verweis auf Lacan beantwortet, dann muss sich Kritik an den Thesen Žižeks auch immer an dem Grad des Verständnisses für die Theorien von Lacan messen lassen. Das schafft einen Nimbus der Unangreifbarkeit, durch den Kritik mit einem Verweis darauf, dieses oder jenes offenbar nicht gelesen oder nicht verstanden zu haben, jederzeit abgeschmettert werden kann. Nun hat Slavoj Žižek aber keinen 300 Seiten starken philosophischen Essay über die Modifikationen der erotischen Natur der letzten 100 Jahre veröffentlicht, sondern einen kurzen Feuilletonbeitrag für die "NZZ", der vor intellektueller Faulheit nur so strotzt. Und damit sollte man ihn einfach nicht davonkommen lassen – auch und gerade als Mann nicht. Kluge Frauen wie Margarete Stokowski haben zwar schon darauf hingewiesen, dass Žižek hier offenbar hauptsächlich die Kränkung darüber auswalzt, dass ihm eine Erektion – und sei sie auch nur gedanklich – angesichts einer feministisch erkundeten Vulva schwerzufallen scheint.

Was aber noch aussteht, ist eine männliche Perspektive auf die unreife Vorstellung, die "Entmystifizierung des sexuellen Objekts" stünde der Erotik im Weg. Und damit meine ich nicht nur Solidarität mit all den Frauen, die kein Interesse für Žižeks Altherrenansprüche an ihren Vulven aufbringen. Ich meine ganz ausdrücklich die Enttäuschung und die Wut von Männern darüber, dass ein Intellektueller wieder einmal sein Publikum mit ranzigen Klischees über die angebliche Eindimensionalität männlicher Sexualität unterhält. Was ist los mit dem Mann? Wieso hält ausgerechnet ein ausgebildeter Philosoph die Mehrdeutigkeiten von Körperteilen nicht aus? Diese Peinlichkeit lässt sich auch nicht mit Wortkonstruktionen wie "repressive Entsublimierung" bemänteln. Žižek liefert einfach nur den nächsten faden Aufguss des "Feminismus tötet die Erotik"-Märchens, das insbesondere jungen Frauen gerne als Spukgeschichte erzählt wird. Als Warnung: Jetzt stell dich nicht so an, du willst doch schließlich begehrt werden. Das ist nicht nur in seiner zugrundeliegenden Anspruchshaltung, sondern auch in seiner Totalität für einen siebzigjährigen Mann erschütternd naiv. Nach Žižeks Logik dürften heterosexuelle Gynäkologen überhaupt kein Interesse an Sex mit Frauen haben, weil sie jeden Tag weibliche Geschlechtsorgane entsublimieren und einfach ihren Job machen. Darüber hinaus liefert er mit seinen Ausführungen die Blaupause für den Mann, der seine Frau verlässt, weil er mit ihrer Vulva genug Erfahrungen gesammelt hat und findet, dass es mal wieder Zeit für eine neue wäre. So sind wir Männer: Vom Mysterium Vulva und Vagina bleibt mit jedem Blick, jedem Kontakt immer weniger bestehen. An seine Stelle tritt das gruselige Wissen darüber, dass das weibliche Geschlecht ja in Wahrheit auch ein wulstiges Ausscheidungsorgan ist. Und die Vertreibung aus dem ahnungslosen Pussyparadies erfolgt durch die verstärkte feministische Beschäftigung mit dem Thema natürlich viel schneller. Das senkt die Mösenhalbwertszeit. Klar, dass Mann da traurig ist.

Also der Mann, der nicht in der Lage ist zu erkennen, dass Erotik sich nicht im Reiz des unbekannten Geschlechtsorgans erschöpft. Der Mann, dessen Männlichkeit so fragil ist, dass sie Detailanschauung und -wissen des begehrten Geschlechts in anderen Kontexten nicht ertragen kann. Obwohl ja gerade dieses Wissen in den letzten Jahrzehnten dazu geführt hat, dass wir uns von der unerfreulichen Vorstellung von Lacans Übervater Sigmund Freud lösen konnten, ein reifer Orgasmus der Frau sei nur durch das Eindringen des Penis in die Vagina möglich. Apropos Lacan: Žižeks Held kaufte 1955 ein Gemälde von Gustave Courbet. Es heißt "Der Ursprung der Welt" und zeigt die behaarte Vulva einer Frau.

Und ein Comic der schwedischen Künstlerin Liv Strömquist zur Kulturgeschichte der Vulva, den Žižek als zu feministisch entmystifizierend kritisiert hat, trägt in der deutschen Übersetzung denselben Titel.

Vielleicht wäre es in diesem Sinne nicht nur an der Zeit, dass Slavoj Žižek mit seinen pubertären Muschifantasien in der Realität des erwachsenen Begehrens ankommt, in der Mann der Möglichkeit zur Sublimierung nicht wegen zu viel feministischen Vulvawissens beraubt wird, sondern Sublimierung je nach Situation rauf und runter regelbar ist. Vielleicht ist es auch an der Zeit, dass Männer im Widerspruch zu derlei Thesen ihre Sexualität als etwas behaupten, das mehr ist als ein in immer gleicher Weise triebfixiertes Abziehbild.


Aus: "Kolumne: Der aktuelle Aufguss des "Feminismus tötet die Erotik"-Märchens" Nils Pickert (7.4.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000100808216/Die-aktuelle-Aufguss-desFeminismus-toetet-die-Erotik-Maerchens

Quote
eine kluge Katze kratzt keinen Köter höchstens Krokodile

Ich glaube es ist den junge Frauen heute ziemlich wurscht, was ein 70-jähriger Philosoph über Erotik denkt und sagt.


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k_otin

Genau das ist das Dilemma. Wir Feministinnen brauchen keine männlichen Vordenker mehr. Wir denken lieber selbst.


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sugar

im innenpolitik-streik

... sorry, aber mich (frau) interessieren akademische diskussionen über "pussyparadiese" oder "entmystifizierung" original nüsse - ich kenn meine "möse", weiß btw seit meinem 12. lebensjahr, dass ich einmal im monat blute und nein, weder schäm ich mich, noch brauch ich nen orden dafür; witzigerweise wusste auch jeder mann mit dem ich bis jetzt leben und "pussy" teilte, ziemlich genau über letztere bescheid.

... ps: obwohl mirs erste posting dazu gelöscht wurde, ich will immer noch ne artikelserie zur "morgenlatte".


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saurewurst

"die seele ist ein weites land"


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Ben Vassy

Diese Fixierung des Feminismus auf heterosexuelle Männer geht mir auf die Nerven. Heteronormative Sichtweisen greifen immer zu kurz. Man nehme zur Kenntnis, daß die Welt auch auch Männer kennt, die keine "Muschifantasien" hegen. Daß diese Fantasien auch von Frauen gehegt werden. So, und dann zurück an den Start und diese cartoonhaft vereinfachten, 2dimensionalen Abziehbilder des "Feminismus" neu denken. Danke.


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Mafi

Žižek und die Feministen sollten sich mit Gummivulvas bewerfen. Das wäre auch ein schönes Statement zum Niveau zeitgenössischer Philosophie.


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schweinebaermensch

Laut Statistik haben die jungen Menschen immer weniger Sex, kann das auch mit dem Feminismus zusammenhängen?


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widiwutsch

Das Baggern und zielgerichtete Kennenlernen wird immer schwieriger, das Thema existiert in der medialen Wahrnehmung fast nur noch als Missbrauch, Porno, Fetisch oder One-Night-Stand. ...


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[sic]

... Ich persönlich glaube nicht, dass es jemals einfach(er) war, jemanden kennenzulernen. Aber „anbaggern“ birgt für mich schon ein bisschen einen Hinweis auf das Problem.


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Slavoj Žižek ...
« Reply #24 on: April 10, 2019, 01:33:21 PM »
"Die Dämonisierung des Feminismus: Kommentar der anderen" Lea Susemichel (9. April 2019)
Der feministische Ärger über All-Male-Runden wie jüngst Žižek-Pfaller-Pilz hat nach Ansicht von "An.schläge"-Redakteurin Lea Susemichel nichts mit Denk- und Redeverboten für "alte weiße Männer" zu tun. Vielmehr gehe es um linke Zukunftsvisionen, die man bloß nicht jener Generation überlassen dürfe, erklärt sie im Gastkommentar. ... Ich hielt die Sache für einen Scherz: Slavoj Žižek, Robert Pfaller, Peter Pilz auf einem Haufen – das hat tatsächlich satirische Symbolkraft für Macho-Mansplaining. Aber so dreist, sich ausgerechnet gemeinsam auf ein Podium zu setzen und sich über alle feministische Kritik hinwegzusetzen, um über "sexuelle Umwälzungen" zu sprechen, seien sie dann ja wohl doch nicht. Aber ja, tatsächlich, sie waren es, sogar dreist genug, sich nach Empörung über diese eitle Ego-Show in letzter Minute mit Judith Ransmayr eine "Schutzpatronin" (Selbstbeschreibung) dazuzusetzen, die Medienberichten zufolge zwischen den männlichen Monologen jedoch nur mit einem einzigen kurzen Statement zu Wort kommen durfte und überdies mit dem falschen Namen angesprochen wurde. Meine Häme über so viel unfreiwillig zur Schau gestellte Macker-Kultur ist zugegebenermaßen groß, aber meine Fassungslosigkeit, dass sich dafür 2019 noch eine Bühne findet, ist größer. ...
https://derstandard.at/2000101045452/Die-Daemonisierung-des-Feminismus

#offenegesellschaft - Slavoj Žižek - talk europe #3 DISORDER UNDER HEAVEN (talk europe - Am 06.04.2019 veröffentlicht)
Robert Pfaller, Slavoj Žižek und Peter Pilz & Judith Ransmayr diskutieren
https://youtu.be/udqlXkBV6fQ






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Slavoj Žižek ...
« Reply #25 on: Today at 12:03:35 PM »
Slavoj Zizek vs Jordan Peterson Debate
https://www.youtube.com/watch?v=78BFFq_8XvM


https://www.theguardian.com/world/2019/apr/20/jordan-peterson-slavoj-zizek-happiness-capitalism-marxism

Quote
[...] In der linken Ecke also Slavojv Zizek, 70, der binnen 30 Jahren eine ganze Bibliothek mit Büchern über Marxismus, Ideologie, Postmoderne, Psychoanalyse, Romantik, Gewalt, Toleranz, Totalitarismus, Oper, Kino und Literatur gefüllt hat.
In der linken Ecke also Slavojv Zizek, 70, der binnen 30 Jahren eine ganze Bibliothek mit Büchern über Marxismus, Ideologie, Postmoderne, Psychoanalyse, Romantik, Gewalt, Toleranz, Totalitarismus, Oper, Kino und Literatur gefüllt hat.

Wenn Tickets für das 3000 Sitzplätze fassende Sony Centre von Toronto trotzdem binnen weniger Stunden ausverkauft waren und auf Ebay zuletzt für mehr als 1000 Dollar gehandelt wurden, wenn im Vorfeld an das legendäre Duell zwischen Noam Chomsky und Michel Foucault 1971 erinnert wurde und weltweit im Internet 6000 Menschen zuschauten (15 Dollar für den Stream), dann hat das ernste Gründe - und einen banalen Anlass.

Peterson geht mit der Idee hausieren, die LGBT- und die #MeToo-Bewegung sei eine marxistische Methode, die Fundamente der westlichen Kultur anzugreifen. Zizek konterte öffentlich, der kanadische Kollege sei da wohl einer Verschwörungstheorie der Alt-Right-Bewegung auf den Leim gegangen - als deren Stichwortgeber er gilt.

Peterson forderte Zizek daraufhin zum Duell. Auf öffentlichen Spektakeln beruht sein Geschäftsmodell als konservativer Youtube- und Podcast-Influencer. Ein Auftritt mit dem einflussreichen Philosophen erschien ihm vermutlich als Win-Win-Situation.

Thema des Schaukampfs: Wie steht es um das Glück des Menschen im Kapitalismus, wie im Marxismus; gemeint war vermutlich der Sozialismus, aber die kategoriale Verirrung wird sich als symptomatisch erweisen. Jeder Kontrahent darf 30 Minuten reden, dann zehn Minuten antworten - und sich am Ende einer offenen Diskussion von 45 Minuten stellen.

Unter Verweis auf die astronomischen Ticketpreise freut sich Peterson gleich im ersten Satz, seine Karriere habe nun einen neuen Höhepunkt erreicht. Da steuert er schon ahnungslos auf ihren Tiefpunkt zu.

In seinem Vortrag kapriziert er sich auf eine überraschend naive Kritik am "Kommunistischen Manifest", nichts weiter. Er will es als zentrale Handlungsanweisung des Marxismus gelesen haben. Im 170 Jahre alten Text findet Peterson "fast alle Ideen falsch". Klassenkämpfe hätten mit dem Kapitalismus nichts zu tun, Hierarchien gebe es auch im Tierreich "mindestens seit dem Paläolithikum".

Als Kapitalist erreiche man nichts, indem man Menschen ausbeute. Gelächter im Publikum.

Ein paar bei Ronald Reagan geborgte Gedanken und von Ayn Rand geliehene Argumente später ist selbst dem Laien klar, dass tatsächlich nichts mehr kommt - dass Jordan Peterson wirklich gar keine Ahnung hat, wovon er redet, wenn er sein angestammtes Feld der Psychologie verlässt.

Zizek, der das wohl schon vorher wusste, schnieft und zauselt sich hastig durch sein übliches Bühnenprogramm. Eine Tour d'Horizon, die immer auch als Trailer und Teaser für seine Bücher dient. Glück ist für Idioten. Der angebliche Konservatismus von Donald Trump nur "postmoderne Performance". Identitätspolitik eine Lüge der Linken, ein "stilles Eingeständnis" ihrer Niederlage im eigentlichen Kampf.

Utopisch sei nicht der Kommunismus. Sondern der Glaube, es könne so weitergehen wie bisher: "We are in a deep mess!"

Als Kapitalist erreiche man nichts, indem man Menschen ausbeute. Gelächter im Publikum.

Ein paar bei Ronald Reagan geborgte Gedanken und von Ayn Rand geliehene Argumente später ist selbst dem Laien klar, dass tatsächlich nichts mehr kommt - dass Jordan Peterson wirklich gar keine Ahnung hat, wovon er redet, wenn er sein angestammtes Feld der Psychologie verlässt.

Zizek, der das wohl schon vorher wusste, schnieft und zauselt sich hastig durch sein übliches Bühnenprogramm. Eine Tour d'Horizon, die immer auch als Trailer und Teaser für seine Bücher dient. Glück ist für Idioten. Der angebliche Konservatismus von Donald Trump nur "postmoderne Performance". Identitätspolitik eine Lüge der Linken, ein "stilles Eingeständnis" ihrer Niederlage im eigentlichen Kampf.

Utopisch sei nicht der Kommunismus. Sondern der Glaube, es könne so weitergehen wie bisher: "We are in a deep mess!"

Jetzt leistet Zizek sogar Hilfestellung, nennt die Namen einiger randständiger Neomarxisten. Nichts. Peterson streichelt seinen verschlossenen Laptop, den er jetzt leider nicht aufklappen kann. Worauf ihm Zizek mit grausamer Eleganz den Knock-out versetzt: "Das ist keine rhetorische Frage, mit der ich freundlich impliziere, dass Sie ein Idiot sind und keine Ahnung haben, wovon Sie reden".

Spätestens jetzt wissen die 3000 Menschen im Saal und die 6000 im Netz, spätestens jetzt dämmert auch Peterson, was er sich angemaßt und dass er verloren hat. Er ist so eitel, mit dem Taschenmesser zu einem Artilleriegefecht zu erscheinen.

Und spätestens jetzt rückt das gesetzte Thema des Abends vollends in den Hintergrund - zugunsten einer denkwürdigen Lektion in der Kunst, einen vernichtenden Sieg davonzutragen, ohne dem Gegner auch noch die Würde zu nehmen.

Peterson rollt quasi auf den Rücken und fragt den "charismatischen, einnehmenden" Zizek, wozu er denn noch diesen dummen Marxismus nötig habe, wo er doch längst einen Zizekismus hätte begründen können. Zizek hilft ihm auf und räumt ein, dass Marx durchaus seine Fehler habe, er selbst sei eigentlich Hegelianer "and so on and so on".

Sichtlich benommen darf Peterson sich berappeln und noch ein wenig Werbung für seine Bücher machen, während Zizek entspannt ein "Best Of" seiner berüchtigten "Witze" vom Stapel lässt, die beispielhaft seine Thesen illustrieren sollen. Nils Bohr und sein Glücksbringer. Die ideologische Funktion von Toiletten. Die heitere Anekdote aus der jugoslawischen Mangelwirtschaft.

Nach drei Stunden ist auch ihre angebliche Übereinstimmung dahin.

Peterson sucht und provoziert die Konfrontation mit den Verfechtern der Political Correctness, um erfolgreich in deren Gegenwind zu kreuzen. Darauf gründet seine Karriere und sein Ruhm in der Alt-Right-Bewegung.

Ein Clown, der seinen Trotz im offiziellen Merchandise vertreibt (Hoodies für 47,99, Socken, aber ja doch: Jordan-Peterson-Socken für 14,16 Euro).

Zizek hingegen hat keine Interessen, er hat Anliegen. Den "hypermoralischen" Shitstorm empfindet er als irritierendes "Friendly Fire", das er als Linker mit sokratischem Lächeln auf sich nimmt.

Mit dieser Haltung hat er sich an diesem Abend den verwirrten Followern des armen Jordan Peterson als zivile Alternative angeboten.

Ein unterhaltsames, vielleicht sogar heilsames Meisterstück.


Aus: " Philosophenduell Zizek vs. Peterson: Mit dem Taschenmesser ins Artilleriegefecht"  Arno Frank (20.04.2019)
Quelle: https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/slavoj-zizek-vs-jordan-peterson-marxist-gewinnt-philosophenduell-a-1263756.html