Author Topic: [Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)... ]  (Read 141008 times)

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[...] Dr. Gunda Windmüller schreibt über alles, was schön schwierig ist. Sex und Liebe zum Beispiel. Ihr Buch “Weiblich, ledig, glücklich - sucht nicht” erschien im März 2019.

Als Trend wird heutzutage oft genug etwas ausgerufen, das zwar überhaupt nicht neu ist, dafür aber einen Hashtag bekommen hat. Wie das, was sich gerade in Großbritannien bemerkbar macht: #Tradwife. Tradwife ist ein Klappwort aus traditionell (traditional) und Ehefrau (wife) und wird von eben jenen Tradwives auf Blogs, YouTube und Social Media verwendet: Dort sieht man Frauen in ihren Dreißigern am Bügelbrett oder an einen Mann gelehnt, selbst gebackene Brote werden in die Kamera gehalten, Eintopfrezepte angepriesen und Früchte drapiert.

In britischen Medien, wie der BBC, der Daily Mail oder der Times wird der Trend erklärt: Es gehe darum, Hausfrau zu sein, und zwar ausschließlich Hausfrau. Als freudvoll selbstgewählte Rolle. Doch das Ganze wird dabei eben nicht nur als individueller Weg zum Glück zelebriert, sondern eingebettet in eine Rückbesinnung auf traditionelle Rollenverteilungen: „A woman’s place is at home“ und „trying to be a man is a waste of a woman„, heißt es dort zum Beispiel.

Die Tradwives sehen sich nicht als Anti-Feministinnen, sondern ganz im Gegenteil: Als diejenigen, die das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung wirklich leben. Allen voran die 34-jährige Alena Kate Pettitt, die erst vor Kurzem im britischen Frühstücksfernsehen erklärte, dass sie ihren Mann gerne „verwöhnt, als sei es 1959“.

Diese Vorliebe für Vintage-Flirterei und selbst gemachte Orangenmarmelade mag zwar auf den ersten Blick als nischiger Trend daherkommen, aber frei von politischer Brisanz sind die Tradwives nicht.

In den USA wurden sie nämlich im Rahmen der Alt-Right-Bewegung bekannt. Die Amerikanistin Annie Kelly zeigt in ihrer Forschung zu dieser extrem rechten Bewegung, dass sich die Huldigung traditioneller Frauenrollen als Versuch von White Supremacists lesen lässt, die von Männern dominierte Bewegung auch für Frauen attraktiv zu machen.

„Tradwives„, schreibt sie, „helfen uns die Unzufriedenheit dahingehend zu verstehen, dass sie Berührungspunkte zwischen lippenstifttragenden Vielfachmüttern und Männern, die sich darüber beschweren, ungeküsste Jungfrauen zu sein, aufzeigen.“ Denn die rassistische Ideologie der extrem Rechten ist eben auch motiviert von einer Unzufriedenheit mit dem modernen Leben: Angst, den Job zu verlieren, finanzielle Unsicherheit, der Druck, sich für die Arbeitswelt mobil und flexibel zu halten, der Verlust von Privilegien.

Da verspricht ein sehnsuchtsvoller Blick in die 1950er, wo der Mann mit einem einzigen, sicheren Einkommen Stabilität für mindestens zwei garantieren konnte, für Tradwives eine reizvolle Alternative. Aber auch Ängste von Frauen sollen im Tradwife-Kosmos in Schach gehalten werden, führt Annie Kelly aus. Denn das moderne Leben wird für die Objektifizierung von Frauen und für sexualisierte Gewalt gegen sie verantwortlich gemacht. Ehe und Mutterschaft sollen dagegen einen sicheren Hafen bieten.

Tja. Es geht also weniger um Sehnsucht als vielmehr um Ängste, die instrumentalisiert werden.

Hinter der betont heimeligen Inszenierung mit geblümten Schürzen, Lippenstift und frisch gebackenen Muffins versteckt sich damit eine harte politische Botschaft. Und auch wenn einige Tradwives, wie die Britin Pettitt, sich selbst von nationalistischen Bewegungen distanzieren, speist ihr Pochen auf Traditionen doch eine Agenda, wie sie von rechten Kreisen propagiert wird. Auch hierzulande kennen wir diese Agenda – von der AfD.

So wird im Leitbild der Partei mit Hinweis auf „die traditionelle Familie“ – eine „Familie aus Vater, Mutter und Kindern“ – für eine Politik plädiert, die für Frauen nicht wirklich eine selbst gewählte Rolle vorsieht, sondern mit Rekurs auf die „natürliche Gemeinschaft“, eine Rolle jenseits individueller, freiheitlicher Lebensentfaltung: „Staatliche Institutionen wie Krippen, Ganztagsschulen, Jugendämter und Familiengerichte greifen zu sehr in das Erziehungsrecht der Eltern ein.“ Und vermeintliches gender mainstreaming und die generelle Betonung der Individualität würden die Familie als wertgebende gesellschaftliche Grundeinheit angeblich untergraben.

Es sind Passagen wie diese, in denen sich AfD, Alt-Right-Bewegung und Tradwife-Instagramerinnen in ihrer Wortwahl überlappen. Tradition wird hier angerührt mit einer grotesken Geschichtsignoranz zum normativen „So soll es sein.“ Wie grotesk das trad in Tradwife aber ist, wird schnell klar, wenn man das Ganze mal historisch unter die Lupe nimmt.

Denn von welcher traditionellen Rolle der Frau ist hier die Rede?

Die Idee der Frau als Hausfrau, wie sie in den 50er Jahren etabliert wurde? In einer Zeit, in der Ratgeber Frauen Tipps der Sorte „Richte sein Kissen und biete ihm an, ihm die Schuhe auszuziehen“ ans Herz legten und die Werbeindustrie („Jede Hausfrau freut sich über einen Kühlschrank“) eifrig dafür sorgte, dass uns das Bild der Hausfrau der 50er Jahre heute noch wie der allein gültige Prototyp erscheint? In einer Zeit, in der Frauen in Deutschland nicht ohne die Erlaubnis ihres Mannes arbeiten durften (bis 1977), Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar (bis 1997) und eine öffentliche Diskussion zu Schwangerschaftsabbrüchen noch Jahrzehnte entfernt war?

Wenn Tradwives sich auf die Tradition der Hausfrauenrolle beziehen, müssen sie sich leider sagen lassen, dass es diese vorgebliche Tradition noch gar nicht so lange gibt. Denn historisch gesehen hat sich die Rolle von Frauen als ausschließlich für Privatsphäre zuständige Ehefrauen und Mütter erst im 19. Jahrhundert ausgestaltet. Die aufkommende Industriegesellschaft war auf diese geschlechtliche Rollenverteilung angewiesen: „Ohne Trennung von Frauen- und Männerrolle keine traditionelle Kleinfamilie. Ohne Kleinfamilie keine Industriegesellschaft in ihrer Schematik von Arbeit und Leben“, schreibt der Soziologe Ulrich Beck dazu. Die Kleinfamilie mit der Rolle der Frau als fürsorgliche Gattin war wirtschaftlich reizvoll und politisch gewollt.

Selbst ein nur flüchtiger Blick in die Geschichte kann also schon mal zeigen, dass von den Tradwives mitnichten auf eine natürliche Rolle Bezug genommen wird, sondern nur auf eine sehr spezifische Ausformung der Ungleichheit. Damit ist nicht gesagt, dass jede Hausfrau per se unterdrückt ist. Doch Frauen zu Hausfrauen zu machen war nunmal nie Ausdruck von Freiheit und natürlichen Fähigkeiten, sondern immer politischer Wille.

Traditionen sind natürlich wichtig. Sie sind existentieller Teil eines sozialen Miteinanders. Sie geben Halt und Orientierung, stiften Sinn und Gemeinschaft, aber sie sind alles andere als natürlich. Das Problem ist daher nicht so sehr das Hausfrauensein, sondern vielmehr die Verknüpfung dieser Lebensentscheidung mit der Autorität, die das Wörtchen „Tradition“ verspricht.

Denn wer in dem Zusammenhang von Tradition spricht, meint nicht harmlos „Ich mag das, weil ich das noch von meiner Oma kenne“, sondern „Ihr macht mir Angst, deswegen macht mal lieber so wie ich“.

Tradition bedeutet hier Rückzug. Und die Tradwives sind Blendwerk für eine Politik, die – von Modernisierungsängsten getrieben – historische Folklore nutzt, um eine Welt auszuschmücken, die rückwartsgewandter nicht sein könnte. Hier geht es um die Sehnsucht nach einer Zeit, in der unsere Rechte massiv eingeschränkt waren. Wer sich nach früher sehnt, sollte sich klarmachen, dass so gut wie alles, was damals war, schlicht und ergreifend beschissener war. Rechte, Freiheit, Bildung, Selbstbestimmung. Alles davon.

Mit Männern flirten als sei es 1959? Lasst es bleiben.


Aus: "Sogenannte Tradwives werben fürs Hausfrau sein – klingt harmlos, ist es aber nicht" Gunda Windmüller (06. Februar 2020)
Quelle: https://ze.tt/sogenannte-tradwives-werben-fuers-hausfrau-sein-klingt-harmlos-ist-es-aber-nicht/

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"Joko und Klaas sorgen mit Sendung über Männergewalt für Aufsehen" (14.05.2020)
Dick Pics, Hasskommentare und Gewalt gegen Frauen: Sophie Paßmann und Palina Rojinski nutzten 15 Minuten Sendezeit zur Primetime für einen Appell gegen Sexismus.
Die von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf ermöglichte Sendung „Männerwelten“ auf Pro Sieben hat für viel Aufsehen gesorgt. Die beiden Moderatoren hatten 15 Minuten freie Sendezeit erspielt und sie genutzt, um ein Schlaglicht auf sexuelle Übergriffe gegen Frauen zu werfen.
Die Autorin und Journalistin Sophie Passmann führte in dem ab 20.15 Uhr gezeigten Beitrag - im Auftrag von Joko und Klaas, wie sie sagte - durch eine fingierte Kunstausstellung namens Männerwelten, um verschiedene Facetten des Themas anzusprechen.
„Es wird hart, es wird bitter und für manche kaum zu glauben, aber wir müssen da jetzt gemeinsam durch“, sagte Passmann zu Beginn.
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/viel-lob-fuer-maennerwelten-joko-und-klaas-sorgen-mit-sendung-ueber-maennergewalt-fuer-aufsehen/25830288.html

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tizian2011 14.05.2020, 17:25 Uhr
Das waren extrem intensive und verstörende 15 Minuten. Meinen Respekt vor den dort aufgetretenen Frauen und den vielen Frauen, die all dies erleiden. Ich schäme mich für das aufgezeigte menschenverachtende Verhalten meiner Geschlechtsgenossen.


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NancyAyram 14.05.2020, 18:56 Uhr
Als Ü60 Frau habe ich mir heute diese Sendung angeschaut. Auch ich wurde in meinem Leben öfter mal blöd angemacht und auch hin und wieder sexuell belästigt. Selbst jetzt noch ... von notgeilen Ü70-Männern. Das war mal mehr mal weniger angenehm. Meistens konnte ich das wegstecken oder habe andere Lösungen gefunden. Wenn ich das aber sehe, womit sich junge Frauen heutzutage rumschlagen müssen, dann bin ich wirklich schockiert. Irgendwie habe ich das Gefühl, in der Beziehung zwischen Mann und Frau gibt es echt Rückschritte. Und irgendwie bin ich froh, heute nicht mehr jung zu sein.


Männerwelten - Belästigung von Frauen | Joko & Klaas 15 Minuten Live
https://youtu.be/uc0P2k7zIb4

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PaulBär

Wir leben im 21. Jahrhundert - in einer eigentlich kultivierten Gesellschaft (denkt man zumindest). ...


25,816 Comments (15.05.2020)

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[...] Die Faustregel ist: Je exponierter die Frauen, desto mehr Angriffe. Und je auffälliger die Frauen, desto heftiger die Attacken. Bei sexualisierten Angriffen geht es nicht um Sex, sondern um Macht. Sie wirken besonders perfide: Nicht der Täter schämt sich, sondern das Opfer. In der Regel die Frau. Sicher, auch Männer sind davor nicht gefeit – aber es trifft sie sehr viel seltener. Frauen hingegen: Fast die Hälfte aller Frauen hat schon einmal sexuelle Belästigung erfahren. Jede dritte erlebt im Laufe ihres Lebens Gewalt, heißt es in einem Papier des Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen. Auch im Netz seien Frauen überproportional von unterschiedlicher Gewalt betroffen.

Ich musste an die finnische Journalistin Jessikka Aro denken. Aro hatte über russische Einflussnahme und Trollfabriken in Sankt Petersburg publiziert. Daraufhin wurde eine massive Kampagne online gegen sie gestartet. Sie erhielt Morddrohungen, Beleidigungen, Schmähungen, Vergewaltigungswünsche, Anrufe, E-Mails, Chatnachrichten. Ihre Krankenakte wurde veröffentlicht. Textnachrichten im Namen ihres Vaters erreichten sie – der aber war vor Jahren gestorben. Als ich sie vor einigen Jahren in Helsinki traf und wir uns über ihren Laptop beugten, poppten immer noch Beleidigungen auf dem Schirm auf, die ihr gerade jemand bei Facebook geschickt hatte.

Aro hat Anzeige erstattet, ihre Geschichte wurde zum Präzedenzfall in Finnland, ihr Arbeitgeber, der Chefredakteur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Yle, hat sie unterstützt. Damals sagte er mir, dass die unterschiedlichsten Themen plötzlich heftige Hasswellen bei den Zuschauern auslösen konnten: Klima, vegetarisches Essen, Russland, Feminismus. Die einzige Gemeinsamkeit: Es traf immer Frauen. Immerhin: Im Falle Aro nahm die Polizei die Ermittlungen ernst. Drei Personen wurden verurteilt.

Vor einigen Jahren, noch bevor ich über den Krieg in der Ostukraine oder Russland zu schreiben begann und selbst gelegentlich zur Zielscheibe wurde, hatte ich mein Büro neben dem von Özlem Topçu. Manchmal las sie mir die Leserbriefe vor, die sie erreichten, wenn sie wieder einen Leitartikel geschrieben hatte. Von Professoren, die stets ihren Titel nannten, sie siezten – und im Folgenden empfahlen, nach Anatolien zurückzukehren. Briefe, die im Ton höflich waren, aber in der Sache rassistisch und infam. Schreiben, die ihr ankündigten, man werde in der "Nacht der langen Messer" schon noch mit ihr abrechnen, leitete sie die direkt an die Anwälte weiter. Ohne Erfolg.  Eine "alternative" Internetseite zeigte ihr Foto mit der Überschrift: "Deine Vagina gehört allen." Natürlich nicht justiziabel. Es war widerlich. Es war normal. Es schien dennoch irgendwie erträglich – es waren immerhin nur Worte, keine Taten.

Irgendwann lud mich Özlem zu Hate Poetry ein. Deutsche Journalisten und Journalistinnen, die arabische und türkische Namen trugen, lasen vor Publikum die irrsten Leserbriefe vor, die sie erreichten. Es war fantastisch und ungeheuer befreiend, sich die Deutungshoheit und die Macht über die Kränkungen zurückzuholen. Ich habe damals Tränen gelacht, neben mir rutschte jemand aus seinem Sitz, weil ihn sein Lachen so schüttelte. Auf einmal offenbarte sich die ganze Erbärmlichkeit und Lächerlichkeit dieser Schreibtischtäter, die sich in langen Briefen und E-Mails darüber ausließen, wer Kamele ficken solle und wer durchgefickt gehöre. Deshalb ist auch die Sendung Männerwelten so wichtig: Die Frauen schicken den ganzen Dreck zurück, vor einem gigantischen Publikum.

Die Übergriffe, von denen die Frauen erzählt haben, wie sie im Taxi oder im Fahrstuhl bedrängt, angefasst wurden, ist natürlich eine ganz andere, eine fürchterliche Erfahrung, die angezeigt werden muss. Aber es tat gut zu sehen, wie sich Journalistinnen und Journalisten gemeinsam gegen Worte zu Wehr setzten, gegen die Anzeigen nicht verfangen. Wie sie zusammenstehen und sich mit dem Publikum verbünden. Es gehe darum, die Scheiße in die Umlaufbahn zurückzuschießen, sagte mein Kollege Yassin Musharbash damals. Er hatte so recht. Diese Methode stärkt, sie tröstet. Doch es gibt ein Problem: Sie schafft die Beleidigungen und Schmähungen nicht aus der Welt. Die Umlaufbahn ist derzeit reichlich zugeschissen.


Aus: "Fünf vor acht / "Männerwelten": Den ganzen Dreck zurückschicken" Eine Kolumne von Alice Bota (15. Mai 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-05/maennerwelten-sexuelle-belaestigung-frauen-joko-und-klaas

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Hannah L. #2

Mir ist bewußt, niemand will es hören - in einer durchpornographisierten Internet- und Werbewelt, dazu, hier im Land, in einer Welt, in der es normal ist, daß Männer nur mit einem kleinen Geldschein zu winken brauchen, um an der Straßenecke sexuell bedient zu werden, und diese Tatsache von der politischen Schickeria für o.k. gehalten wird, wundere ich mich nicht sehr, daß manche Armselige austicken!
Der Komplexität heutiger Schnittmengen zwischen digitaler und analoger Welt sind ohnehin manche Zeitgenossen nicht gewachsen.


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Zangenzug #6

Schlimmer als die eigenen scheußlichen Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen ist die Traurigkeit über die Verbreitung dieser selbstgerechten, feigen Primitivität in einer gebildeten Gesellschaft, die sich eigentlich für zivilisiert hält. Erschütternd der offensichtliche Widerspruch zum eigenen Bild des „starken Mannes“, das sich durch Macho-Verhalten überdeutlich selbst entlarvt.


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cgoise #12

Ich verstehe die Psychologie hinter dieser Form männlichen Verhaltens noch nicht so ganz. Man muss ja davon ausgehen, dass jede weit verbreitete Verhaltensweise das Ergebnis von sozialen, biologischen oder evolutionären Belohnungsprozessen. Eine Verhaltensweise, die nicht zum Erfolg führt, stirbt irgendwann aus. Aber wie sieht wohl die erwartete Belohnung im Erfolgsfall aus, wenn man zB jemandem ein Dickpic schickt? (Bis gestern oder so wusste ich nicht mal, dass das eine Sache ist für die man ein Wort braucht.) Oder wenn man eine Person als 'Hure' bezeichnet, deren Verhalten das genaue Gegenteil dessen ist, das mit dieser Bezeichnung gemeinhin unterstellt wird? Womit genau wird dieses Verhalten belohnt? Welche Art von Glücksgefühl stellt sich da ein?


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fiete.hansen #12.2

" Mann weiß, dass sowas unter aller Sau ist...."

Das wage ich zu bezweifeln, denn dazu würde Selbst/-reflexion und Empathie gehören.


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Der Korrektor #12.4

"Womit genau wird dieses Verhalten belohnt?"

Es gibt keine direkte Belohnung. Menschliches Handeln ist zu großen Teilen symbolisches Handeln, bei dem eine Übertragung der realen Handlung auf eine analoge symbolische Form stattfindet. ...


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Zangenzug #12.5

Das ist der Max-und-Moritz-Effekt, der eben auch den sozialen Reifegrad der kleinen Supermänner zeigt. Das dazugehörige Gefühl kennt jeder: Schadenfreude. Zivilisierte Menschen versuchen sie zu zügeln, simple, ängstliche und feige Gemüter zehren davon.


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.Anne. #19

Eine Veröffentlichung ist der richtige Weg, denn der Hass trifft vielleicht einzelne Personen, gemeint sind aber alle Frauen. Vor dem Licht der Öffentlichkeit erscheinen diese Drohungen dann als das was sie sind: die letzten Zuckungen armer Würstchen, deren chauvinistische Männlichkeit der Vergangenheit angehört!


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« Last Edit: May 15, 2020, 11:52:23 AM by Link »

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Rachel Cusk (geboren 8. Februar 1967 in Saskatoon, Kanada) ist eine englische Schriftstellerin.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rachel_Cusk

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[...] Ihr Mann hatte seinen Job als Anwalt aufgegeben, um sich um die beiden Töchter zu kümmern und seiner Frau das Weiterschreiben zu ermöglichen. Jetzt kehrt sich alles um. Die Autorin pocht auf ihre Rechte als Mutter, möchte die Kinder alleine bei und für sich behalten. Der Schmerz der Trennung schlägt um in ein Gefühl von Verlorenheit.

Rachel Cusk gibt keine Erklärungen: Wir erfahren nichts über den Verlauf der Ehe, kaum etwas über die Gründe des Auseinanderbrechens. Das Chaos regiert. Was sich auch in der vermeintlichen Formlosigkeit des Buches zeigt: Alltagsepisoden aus dem neuen Leben stehen neben Exkursen zur "Orestie", in der das gegenwärtige Wahrnehmen einen Rahmen erhält; das Ziehen eines Backenzahns bekommt etwas Symptomatisches; die Besuche bei dem Therapeuten Y sind verwoben in die zermürbenden Gespräche mit X (dem Ex) und der glücklosen Kommunikation mit einem neuen Mann Z. Das Selbstverständnis als Frau ist in eine Schwebe geraten, die Frage, was feministisch sei, welche Rolle das Geschlechterverhältnis spielt, blitzt immer wieder auf.

... Das Schönste und Traurigste, das Provokative an diesem fordernden, herausfordernden Buch – es gibt keine Eindeutigkeit, keine Gerechtigkeit, kein Wahr und Falsch. Nichts scheint hier nachvollziehbar. Es ist eine Offenheit darin zu spüren, die doch das meiste verdeckt. Wir kommen den Protagonisten – Rachel Cusk selbst und schon gar ihrem Mann – keinen Schritt näher.

Es gibt Denkbewegungen in diesem Buch, die für sich genommen klug und manchmal geradezu erhellend sind, bilderreich und sprachlich brillant – auch großartig übersetzt von Eva Bonné. Aber wenn überhaupt, dann illustrieren sie diesen Moment der Leere, der verzweifelt gefüllt werden muss. In der neuen Formlosigkeit sucht der Essay nach Form, und er findet sie nur in der antiken Sagenwelt oder in kleinen Anekdoten, die scheinbar zusammenhanglos erzählt werden.

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Aus: "Rachel Cusks Operation am offenen Herzen: "Danach – Über Ehe und Trennung"" Ulrich Rüdenauer (12. Mai 2020)
Quelle: https://www.mdr.de/kultur/empfehlungen/rachel-cusk-danach-ueber-ehe-und-trennung-buch-rezension-100.html

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[...] Es ist der Stoff, aus dem das Kino seine besten Filme bezieht: Eine Ehe zerbricht. Was folgt, ist ein Schlachtplatz der Emotionen, den nur gnädige Geister euphemistisch als Rosenkrieg bezeichnen. Gütliche Trennungen, allemal wo Kinder mit im Spiel sind, dürften bis heute in der Minderzahl sein. Die meisten Paare mutieren zu erbitterten Kontrahenten und bekämpfen sich aufs Schärfste.

Auch Rachel Cusk, der neue Star der amerikanischen Gegenwartsliteratur, musste das am eigenen Leib erfahren – und hat darüber schon 2012 ein Buch geschrieben, das nun unter dem Titel „Danach“ endlich auch auf Deutsch vorliegt.

Der Titel ist programmatisch. Denn Cusk, die sich hierzulande spätestens 2019 mit einem autobiografischen Essay über das Kinderkriegen und Mutterwerden einen Namen gemacht hat, liefert in „Danach“ keine schlichte Chronik ihrer eigenen Trennung. Ausgehend vom Scheitern der eigenen Ehe, reflektiert Cusk vielmehr in grundsätzlicher Weise über jene Themen, die von Anfang an im Zentrum ihres schriftstellerischen Werkes stehen: die Suche nach (weiblicher) Identität, die Frage nach der Erzählbarkeit des eigenen Lebens, das widersprüchliche Bedürfnis nach Sicherheit und Freiheit zugleich.

Das klingt nach kommoden Themen. Doch Cusk schreibt schon in diesem frühen Band mit analytischer Schärfe und vehementer Offenheit zugleich. Die Kinder reklamiert sie für sich – und wundert sich, wo diese archaische Ketzerei sich all die Jahre in ihrer vermeintlich gleichberechtigten Ehe versteckt hat.

In einem bewusst fragmentarisch angelegten Mix aus Autobiografie und Meta-Reflexion begibt sie sich auf Spurensuche: befragt das überkommende Rollenbild ihrer Mutter; trauert um die eigene verleugnete Weiblichkeit; ahnt, dass ihre lang gehegte Emanzipation als Schriftstellerin mit einem Mann, der ihr zuliebe auf den Beruf verzichtet hat, am Ende womöglich nur eine Art beidseitiger Crossdressing war.

Denn noch immer, so resümiert Cusk, ist es die berufstätige Mutter, die Verrat am Gründungsmythos der Zivilisation begeht.

Cusk greift nicht zuletzt deshalb in „Danach“ auf die griechischen Dramen zurück. Mit erfrischender Kühnheit, die sich um political correctness keinen Deut schert, postuliert sie das menschliche Bedürfnis nach Krieg und beklagt die Verpaarung der Gesellschaft. Sie ruft: Zum Teufel mit der Scheinheiligkeit der Heiligen Familie. Und erhebt zu ihrem role model die mit Blut befleckte Klytaimnestra, die einzig durch einen Akt der gewaltsamen Trennung die rettende Integrität zurückgewinnen kann.

Es ist dieser Moment, in dem das Danach und der Auftakt für das Neue in eins fallen, den Cusk zelebriert.

Als „Danach“ 2012 im Original erschien, wurde Cusk dafür öffentlich angefeindet, vor allem von Frauen, und mutierte zur meistgehassten Autorin. Fortan mutierte auch ihr Stil: Das Autobiografische war nun darin präsent und verborgen zugleich. „Danach. Über Ehe und Trennung“, erneut in der gelungenen Übertragung von Eva Bonné, bietet insofern doppeltes Lesevergnügen: hochaktuelle Lektüre und den Schlüssel zum Werk einer großartigen Autorin.

Rachel Cusk: „Danach. Über Ehe und Trennung“. Essay
Aus dem Englischen von  Eva Bonné
Suhrkamp Verlag, Berlin 2020
187 Seiten, 22 Euro



Aus: "Rachel Cusk: „Danach. Über Ehe und Trennung“Zum Teufel mit der Scheinheiligkeit" (16.05.2020)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/rachel-cusk-danach-ueber-ehe-und-trennung-zum-teufel-mit.950.de.html?dram:article_id=476792

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[...] Cusk bringt nicht feministische Theorien in Stellung, sie legt sich eher mit solchen Dogmen an, spricht von "gepanschten männlichen Werten", die ihr beigebracht worden seien. Es sind klischeehafte Bilder, die Cusk im Kopf hat und gegen die sie rebelliert, die aber ebenso oft auch als Ideal fungieren, wenn sie in den Blumenladen als Hort beschützter Weiblichkeit geht oder für die Kinder mühsam Normalität herzustellen versucht. Denn ist die Ehe als schützende Form kaputt, tritt an ihre Stelle erst ein Chaos. "Ist es männliche Aufmerksamkeit, die ich suche, oder männliche Autorität?", fragt sie sich beim Psychoanalytiker und hat mäßig gute Dates oder holt sich einen Mitbewohner ins zu groß gewordene Haus.

Cusk kreist um Aspekte von Unterwerfung und Romanze, sucht Vergleichswerte. Sie erzählt von Klytaimnestra, die in der Orestie während Agamemnons Abwesenheit die Geschäfte geführt und so das Konzept von männlich und weiblich als Lüge enttarnt habe, von ihrer bis zum Tod offenbar mäßig glücklich aber dennoch eisern verheirateten Tante und dass sie Freundinnen ihrer Tochter nicht mag, da in deren Gegenwart Eigenarten des Kindes verschwänden.

Seit der Erstveröffentlichung auf Englisch hat der Mutterdiskurs Fahrt aufgenommen, etwa mit Maggie Nelsons Die Argonauten, Sheila Hetis Mutterschaft oder der Debatte zu "regretting motherhood". Ergibt es also Sinn, nun diese Bücher noch zu übersetzen? Schon, leben sie doch nicht von Antworten, sondern vom Hadern, Zweifeln und einer Ambivalenz, die nicht klar auf einen Nenner zu bringen ist, die aber ein Unbehagen ausdrückt. Wenn Cusk hinsichtlich des Endes ihrer Ehe feststellt: "Ich schaue mich um und sehe meine Familie wie durch eine millionenfach gesplitterte Glasscheibe", weiß man nicht, ist das abgedroschen oder akkurat? Vielleicht ist es beides. Sympathisch jedenfalls will Cusk nicht sein. Das dient der Debatte. (Michael Wurmitzer, 7.5.2020)


Aus: "Rachel Cusk: Mutterschaft als Zumutung, Scheidung als Befreiung" Michel Wurmitzer (7. Mai 2020)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000117320471/rachel-cusk-mutterschaft-als-zumutung-scheidung-als-befreiung

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Secrets of Perfection, 7. Mai 2020, 14:00:10

Klingt nach Wohlstandsverwahrlosung im Endstadium.  ...


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[...] Man muss Cusks düsteren Analysen nicht ins Letzte folgen, um ihrem Versuch, „aus dem Leid zu lernen“ und der ewigen Unzulänglichkeit alles Menschlichen gerecht zu werden, höchste Achtung zu zollen. Danach ist ohne Zweifel ein Meisterwerk des autofiktionalen Essays, das mehr schmerzt, als man es wahrhaben möchte, das aber an Stellen versöhnt, an denen man es am wenigsten vermuten würde.


Aus: "Der Ehemann ist nackt" Tom Wohlfarth (Ausgabe 17/2020)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/tom-wohlfarth/der-ehemann-ist-nackt

« Last Edit: May 20, 2020, 12:06:54 PM by Link »

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[...] Sie sind seit Jahren immer wieder Topthema in Männermagazinen. Das Internet liefert Bauanleitungen, Tipps und Tutorials für die richtige Einrichtung. Was früher als Bastelraum und Modelleisenbahn im Keller eher den Ruf piefiger Altherrenkultur hatte, ist mittlerweile unter dem sehr viel opulenter klingenden Begriff Man Cave zum popkulturellen Biotop gewachsen, das sogar die Wissenschaft interessiert. Wieso haben Männer, die ohnehin den mit Abstand größten Teil des öffentlichen Raums für sich beanspruchen, ein Bedürfnis, sich einen Rückzugsort zu schaffen? Um ihr langsam erodierendes Patriarchat zu schützen? Um weiter in Ruhe Zoten reißen zu können?

Das wollte auch Tristan Bridges wissen. Der Soziologe von der kalifornischen Universität in Santa Barbara erforscht seit fast fünf Jahren diese Kultstätten maskuliner Identität. Die zentrale Regel der Höhlen: Hier entscheidet allein der Mann über die Einrichtung und die Frage, wer reindarf und wer nicht. In der Man Cave findet der Mann einen Rückzugsort vor seiner Familie und darf ungezügelt er selbst sein – so preisen es zumindest die Herrenmagazine an, als habe der Mann sonst gar nichts mehr zu melden. Und dank sozialer Medien wird mit den Zimmern nicht mehr nur vor Bekannten geprahlt, sondern zunehmend auch vor der Öffentlichkeit des Internets.     

Bridges ist durch weite Teile der USA gereist, hat Dutzende Man Caves besichtigt. Er hat Flachbildfernseher größenwahnsinnigen Ausmaßes gesehen, Poster von nackten Models und Schilder mit der Aufschrift "keine Frauen erlaubt". "Einer riss im WC zu seiner Man Cave die Toilette raus und baute stattdessen ein Pissoir ein", erinnert sich der Soziologe. "Jetzt können hier nur noch Männer pinkeln!", begründete das der Eigentümer. Das Urinal hatte die Form von roten Frauenlippen. Man Caves stehen wegen solcher Geschichten häufig unter Sexismusverdacht.

Solch dumpfer Chauvinismus sei jedoch eine Seltenheit, sagt Bridges. Häufiger stoße er auf Männer, die mit ihrem Bild von Maskulinität ringen. Bridges unterscheidet drei Höhlentypen. Jeder von ihnen kann für eine eigene Weise stehen, wie Menschen mit dem Konzept Männlichkeit heute umgehen.

Die Man Caves älterer Herren sind für gewöhnlich bestimmten Hobbys gewidmet, die oft eher zu kleinen Jungs passen – Spielzeugautos, Modellflugzeuge. Einmal stand der Soziologe in einer Männerhöhle voll mit Puzzles. Als er nachhakte, ob er bereits in der Man Cave sei, antwortete der Eigentümer: "Machen Sie Witze? Natürlich! Meine Frau würde mich niemals so viele Puzzles rumliegen lassen." In so einer Umgebung lasse sich die Frage, was es bedeutet, ein erwachsener Mann zu sein, einfach verdrängen, sagt Bridges. 

Die zweite Gruppe bilden gleichgeschlechtliche Paare und Man Caves, die sich Frauen eingerichtet haben. Die Höhle ist hier meist ein ironisches Spiel mit Geschlechterstereotypen nach dem Muster: Wer sich mehr für Sport begeistert, ist offensichtlich der Mann in der Beziehung.

In der letzten, wohl stärksten Gruppe finden sich die Höhlen junger heterosexueller Männer. "Schreine für das Alleinsein" nennt sie der Wissenschaftler, obwohl sie oft so gestaltet werden, als würden bald viele Menschen zu Besuch kommen. Sie sind Symptom einer Orientierungslosigkeit. Die Man Caves sind meist unfertig und unbenutzt. So wie bei dem jungen Mann, der Bridges stolz die Bar in seiner Garage präsentierte. Doch alles, was der Forscher sah, waren zwei Mülltonnen mit einem Holzbrett obendrauf. Später erfuhr er von der Partnerin des Mannes: "Das sieht schon seit Jahren so aus."

Lange Zeit stand der Mann unangefochten an der gesellschaftlichen Spitze, hatte es sich dort bequem gemacht und keinen Anlass, das zu hinterfragen. Als Kopf der Familie, Firmenchef, Staatsoberhaupt. Dann kam die Emanzipation und zeigte ihm in den vergangenen Jahrzehnten, dass er seine Privilegien nicht mehr exklusiv für sich beanspruchen kann.

Um die Logik hinter der Man Cave zu verstehen, hilft ein Blick auf ihre Vorläufer, etwa auf den Playboy. Im Dezember 1953 erschien das Heft zum ersten Mal. Fälschlicherweise ausschließlich für ein Nacktmagazin gehalten, legten gleich die ersten Ausgaben neben den Bildern von Frauen den Schwerpunkt auf Inneneinrichtung, auf Teppichmuster und Beistelltischchen.

Der Einfluss war enorm, erklärt Bridges. Schlagartig stattete selbst der Durchschnittsvater aus der US-amerikanischen Mittelschicht seine Wohnungen mit avantgardistischen Möbelstücken aus. Die Architekturprofessorin Beatriz Colomina von der Princeton-Universität stellt die These auf, "Playboy hat mehr für die Verbreitung moderner Architektur in den Vereinigten Staaten getan als das Museum of Modern Art in New York und jede Art von Designmagazin".

Eigentlich war es den gängigen Rollenzuschreibungen der Fünfzigerjahre nach völlig undenkbar, dass sich ein heterosexueller Mann für Inneneinrichtung begeistert. Der Playboy umging die Stigmatisierung, indem er die Möbel immer mit Technologie, Alkohol oder Frauenverführung in Verbindung brachte – etwa indem er schicke Lautsprecher präsentierte oder eine Minibar. Und falls doch noch Zweifel an der Männlichkeit der Leserschaft aufkamen, lieferten die Nacktbilder im Heft das perfekte Alibi. "Die heterosexuelle Erotik garantierte, dass der Playboy kein Frauen- oder Schwulenmagazin war", schreibt der Queer-Theoretiker Paul Preciado in seinem Buch Pornotopia.

Bauten US-amerikanischer Designgrößen wie Ludwig Mies van der Rohe und Frank Lloyd Wright waren regelmäßig Thema im Magazin. Bauhaus-Gründer Walter Gropius gestaltete sogar einen Nachtclub im Auftrag von Playboy-Chef Hugh Hefner. 1956 veröffentlichte das Heft gar den Entwurf einer komplett für moderne Junggesellen eingerichteten Wohnung. "Der überwältigende Anteil der Heime wird von Frauen ausgestattet", beklagt der begleitende Artikel die Situation der damaligen Männer. Dem setzte Hefner großräumige Multifunktionszimmer entgegen, die wahlweise fürs Feiern, Homeoffice oder Sex nutzbar waren. Im Playboy-Penthouse könne der Leser endlich "in maskuliner Eleganz leben".

Vom kulturellen Einfluss des Magazins ist heute nur noch wenig zu spüren, die Auflage schwindet. Aber dessen Weltbild bildet die Grundlage für die Man Caves. Der Mann, der es gewohnt war, alles selbst zu gestalten, fühlte sich zu Hause in der Entscheidungsfreiheit beschnitten. Und wenn er schon nicht die gesamte Wohnung gestalten konnte oder wollte, so doch wenigstens den privaten, kleinen Rückzugsraum, der dann zur Männerhöhle wurde. Je mehr die Arbeitswelt und auch die sonstigen Gesellschaftsbereiche dank der Errungenschaften des Feminismus kein exklusives Vergnügen des Patriarchats mehr waren, desto mehr gewann dieser Raum an Bedeutung.

Bleibt die Frage, warum die Man-Cave-Projekte junger Männer trotzdem so oft unvollendet bleiben. Manchmal fehlt das Geld. Oft liegt es daran, wie Männer mit sozialen Beziehungen umgehen. Fast immer komme dieser peinliche Moment, sagt Höhlenforscher Tristan Bridges. Dann stelle sich heraus, dass die mit einer improvisierten Biertheke oder einem Heimkino für zig Personen ausgestatteten Räume noch nie benutzt wurden. Die Ausrede laute oft, dass die Man Cave ja noch nicht fertig sei. "Aber wenn ich fertig bin, wird das hier der Treffpunkt für all die Jungs in der Nachbarschaft", höre der Forscher häufig.

Der Soziologe kenne das Muster schon. "Welche Freunde genau werden kommen?", frage er danach für gewöhnlich. Stück für Stück komme dann heraus, dass diese Männer überhaupt keine Freunde haben. Weil sie sich entweder auf ihre Arbeit konzentrieren und deshalb keine Zeit haben. Weil sie sich um ihre Familie kümmern. Weil die alten Freunde aus der Schul- oder Unizeit irgendwann weggezogen sind und die Männer diese Lücke nie wieder schließen konnten. 

Einige der Man-Cave-Eigentümer suchen zumindest im Internet nach Kontakt. In Foren tauschen sich die Männer über ihre aktuellen Projekte aus. Ein Nutzer hat ein Foto seiner Garage geteilt. Alles was man sieht, ist ein von der Decke hängender Boxsack und ein Gartentisch. Darauf liegt eine Packung mit Dosenbier und eine zusammengeknüllte Flagge der Vereinigten Staaten. "Ich bin vor ein paar Monaten eingezogen", schreibt der Eigentümer. "Bald werde ich diesen Ort noch viel mehr badass machen." Ein anderes Zimmer ist komplett vollgestellt mit leeren Stühlen, jeder in einer anderen Farbe, einer ist aufblasbar. "Es ist nicht viel, aber nach einer zwölfstündigen Krankenhausschicht ist das mein Rückzugsort", kommentiert der Nutzer.

Alle diese Zimmer sind menschenleer.


Aus: "Einsame Höhlenbewohner" Markus Lücker (21. Mai 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-05/man-caves-moderne-maennlichkeit-sexismus/komplettansicht

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Betta-Splendens #9

Eine Kellerbar hatte in unserem Dorf praktisch jeder seit den 70er Jahren oder so. Die wurde halt für Geburtstagsfeiern, Fußball-WM oder sonstige Feieranlässe genutzt. Nicht eben ein tagesaktueller Trend.


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Die Alternative zur Alternative #7

Was dem Mann die Männerhöhle oder das Herrenzimmer ist der Frau das Glamourzimmer und das von ihr gestaltete und dominierte Wohnzimmer. So viel hat sich jetzt auch nicht geändert.


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Mgagre #13

Bei uns hieß das "Papas Arbeitszimmer".


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M.Aurelius #16

Diese stereotypen Dichotomien ala Mann vs. Frau nerven nur noch. Auf der einen Seite beklagt man die platten Geschlechterklischees, auf der Seite werden sie bei jeder sich bietenden Gelegenheiten aus der Schublade gezerrt, um das wohlige Gefühl der Bestätigung der einen und die Entrüstung der anderen zu erzeugen. Dabei ist das Resultat nur Langeweile, denn der Reigen der platten Artikel lässt sich fast unbegrenzt fortsetzen: warum Männer nicht kochen und Frauen nicht autofahren können, warum Männer dümmer, Frauen weniger schlau sind und warum Männer die besseren Frauen und Frauen die besseren Männer wären.


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[...] Elon Musk ist immer für eine Kontroverse gut, mit einem aktuellen Tweet ist ihm aber etwas gelungen, was noch vor kurzem undenkbar schien: Mit einer Referenz auf den Begriff "Red Pill" hat er selbst manche seiner treuesten Fans verärgert. Handelt es sich dabei doch um einen Begriff, der sonst vor allem von Männerrechtlern und anderen Frauenhassern benutzt wird.

In der aktuellen Situation bedient Musk damit aber auch jene Gruppe von Verschwörungstheoretikern, die sich als die "Erleuchteten" inmitten einer durch eine liberale Elite geblendeten Mehrheit verstehen. Dass Ivanka Trump, Tochter von US-Präsident Donald, die Nachricht umgehend mit dem Hinweis, dass sie die rote Pille bereits genommen habe, retweetete, zeigt ebenfalls gut, in welchen Kreisen man ein solches Weltbild pflegt.

"Red Pill" ist eine Referenz auf den Science-Fiction-Film "Matrix". In einer zentralen Szene muss sich der Protagonist Neo zwischen der Realität und einer vorgespiegelten, aber bequemeren Simulation entscheiden muss. Eine der beiden Regisseurinnen des Films macht nun aber ziemlich unmissverständlich klar, dass sie ein Problem mit der Instrumentalisierung dieser Szene für solche politischen Zwecke hat.

"Fuck both of you", formuliert es Lilly Wachowski in einer Antwort auf Musk und Trump. In einem darunter geposteten Tweet ruft sie ihre eigenen Fans dann noch dazu auf, für die Brave Space Alliance zu spenden, eine Organisation, die sich für Trans- und nichtgenderkonforme Personen einsetzt.

Doch Wachowski ist nicht die einzige prominente Kritikerin von Musk. Auch aus dem direkten Umfeld des Space-X-Chefs gab es deutliche Worte. So reagierte Sandy Garossino, Mutter der Musikerin Grimes und damit von Musks aktueller Lebensgefährtin, ebenfalls ziemlich deutlich. In einem mittlerweile gelöschten Tweet warf sie die Frage auf, wie jemand, dessen Partnerin gerade erst eine schwierige Schwangerschaft hinter sich gebracht hat, auf Twitter "Männerrechtsscheiße" posten kann. (red, 22.5.2020)


""Red Pill" - "Matrix"-Regisseurin zu Elon Musk und Ivanka Trump: "Fuck both of you"" (22. Mai 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000117632248/matrix-regisseurin-zu-elon-musk-und-ivanka-trump-fuck-both

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[...] Die Wut bleibt, auch ohne Opferrolle. Geschichten von Betroffenen sexueller Gewalt können anders erzählt werden, findet unsere Autorin Gilda Sahebi.

In ihrem Buch „King Kong Theorie“ schreibt die französische Feministin Virginie Despentes darüber, wie sie mit 17 von drei Männern vergewaltigt wurde. Was sie über ihr Leben nach der Vergewaltigung erzählt, ist bei mir in besonderer Erinnerung. In unserer Gesellschaft, so Despentes, lernen Frauen, schwach zu sein, sobald sie angegriffen werden. Sie schreibt: „Eine Vergewaltigung hat als ein traumatisches Ereignis Spuren zu hinterlassen, die man möglichst sichtbar und dekorativ zur Schau trägt: Angst vor Männern, Angst vor Dunkelheit, Angst vor Unabhängigkeit.“

An diese Sätze denke ich, als ich das Video „Männerwelten“ sehe. 15 Minuten Länge, beste Sendezeit auf Pro7, Millionen Menschen haben dieses Video inzwischen im Netz gesehen; den Sendeplatz stellten die Entertainer Joko und Klaas zur Verfügung, waren aber an der Erstellung des Videos nicht beteiligt.

Das Video zeigt Frauen, die sexuelle Belästigung, Missbrauch, Vergewaltigung erlebt haben. Sie sind umgeben von Dunkelheit. Ich sehe bewegungslose Frauen, als seien sie starr vor Angst. Diese Frauen, in diesem dunklen Raum, in diesem Keller, fast wie Puppen. Starr vor Angst? Starr vor Wut? Ich sehe Frauen vor mir, die Opfer sind. Opfer von Männern. Die wohl älteste Erzählung der Geschichte. Einer Geschichte, die von Männern erzählt wird. Und wir glauben sie.

Für mich bringt es „Männerwelten“ wieder hoch: das Gefühl, Opfer zu sein. Ich spüre wieder diese Scham. Sie begleitete mich jahrelang, seit jenem Tag, an dem ich erlebte, was Sex sein kann. Ein Mittel der Gewalt. Ein Mittel der Demütigung. Ein Mittel der Macht. Scham. Sie kroch damals in mich hinein, in meinen Körper, in meinen Geist. Machte mich krank. Zahllose Krankenhausaufenthalte, ratlose Ärzte, ich galt als austherapiert, unheilbar. Ich wusste nicht, dass es das Gefühl war, der Welt ausgeliefert zu sein, und die Angst, die meinen Körper krank machten.

In dem Moment, in dem es passiert – sexueller Missbrauch, Belästigung, Hass –, sind wir Opfer. Aber wie lange sollen wir in der Rolle bleiben? Einen Monat? Ein Jahr? Ein ganzes Leben? So lange, wie es sich in unserer männerdominierten Gesellschaft gehört? Müssen wir die Opferrolle immer wieder reproduzieren?

Ich hatte der Erzählung geglaubt. Jahrelang. Ich bin Opfer von Männern. Opfer meiner Geschichte. Opfer meiner Umstände. Die bösen Männer. Sie bringen Scham, bringen Schmerz. Mein Glück, meine Gesundheit, meine Unversehrtheit hängen davon ab, was Männer tun, wie sie sich verhalten, ob sie Frauen respektieren oder nicht. Ich war wütend.

Ich war wütend, wenn ein Oberarzt uns Medizinstudentinnen alle „Uschi“ nannte, weil er keine Lust hatte, sich die Namen von uns Frauen zu merken, während die Männernamen ihm problemlos über die Lippen gingen. Ich war wütend, wenn ein Redakteur mir nächtliche Nachrichten von der Hotelbar schrieb, er denke an mich, er könne viel für mich und meine Karriere tun, wenn ich wollte.

Ich war wütend, wenn ein Mann im Park seinen Penis entblößte und mit ihm vor mir herumwedelte. Ich war wütend, wenn ein Journalist mir, der Praktikantin, abends in einer Bar betrunken die Zunge in den Hals steckte und ich ihn wegstoßen musste, damit er aufhört. Ich war wütend, empört, schockiert. Nur: Hinter all der Wut steckte stets das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Wütend zu sein, aber machtlos. Selbst wenn ich anderen davon erzählte. Selbst wenn ich mich wehrte. Ich blieb in der Opferrolle.

In unserer Gesellschaft wird von Frauen verlangt, dass sie sich auch wie Opfer verhalten, wenn sie Opfer geworden sind. Eine Frau die, wie Virginie Despentes, beim Trampen vergewaltigt wird und auch nach der Vergewaltigung weiter trampt? Unerhört. Sie hat keine Angst? Sie hat aber Angst zu haben.

Eine Frau, die sexuellen Missbrauch erlebt hat und weiter Lust auf Sex und Promiskuität hat? Unerträglich. Sie ist nicht erschüttert? Sie hat aber erschüttert zu sein. Eine Frau, die vergewaltigt wurde und vor Gericht nicht weint, nicht verängstigt, nicht traumatisiert auftritt? Unglaubwürdig. Sie ist nicht zerstört? Sie hat aber zerstört zu sein.

Eine „starke“ Frau ist eine Frau im Gegensatz dazu nur, wenn sie erfolgreich alle Rollen ausfüllt, die sie auszufüllen hat, und das, ohne sich zu beschweren. Aber warum brauchen wir überhaupt die Bilder von „starken“ Frauen? Warum benutzen wir das Wort „stark“ bei Männern nur, wenn wir sagen wollen, dass sie Muskeln haben? „Frau“ alleine reicht nicht, um mit Stärke in Verbindung gebracht zu werden. Sagen wir nur „Frau“, liegt der Gedanke an Schwäche näher als an Stärke. Das ist die Erzählung.

Als ich ganz unten, im Keller, in der Dunkelheit angekommen war, gezeichnet von Krankheit, lebensmüde, starr, bewegungslos, fragte ich mich: Was, wenn ich mich entscheide, dieser Erzählung nicht mehr zu glauben?

Ich möchte die Geschichten der Frauen hören, die dort unten im Keller der Männerwelten stehen. Ich bewundere sie für ihren Mut, dort zu stehen und ihre Geschichten zu erzählen. Ich fühle mich ihnen nah, auch wenn ich ihre Erlebnisse nicht nachfühlen kann, weil jeder Mensch ein solches Trauma anders fühlt, erlebt, spürt. Es ist wichtig, dass sie ihre Geschichten erzählen. Nicht nur damit jene sie hören, die sich den Alltag einer Frau in dieser Gesellschaft nicht vorstellen können. Nicht nur, damit sich etwas ändert. Sondern auch, um aus dem dunklen Keller herauszukommen, in dem wir unsere Geschichten jahrelang versteckt haben.

Ja, ich möchte die Geschichten dieser Frauen hören, aber nicht im dunklen Keller. Wir alle müssen uns diesen Geschichten stellen, wir müssen sehen, was in unserer Gesellschaft passiert. Aber wenn Frauen sich selbst aussuchen, wie sie ihre Geschichten sexueller Gewalt erzählen – wäre es wirklich auf diese Art und Weise? In Dunkelheit, in Stille, in Starre? Im Keller? Oder vielleicht doch lieber mit Kraft, mit Licht, mit Macht? Vielleicht mit dem Satz: Ich war Opfer. Aber ich lasse es nicht mehr zu, dass ihr mich immer und immer wieder zum Opfer macht.

Die Wucht ihrer Geschichten würde an nichts verlieren, im Gegenteil, wir würden sehen, wie viel Resilienz und wie viel Lebenswillen es bedarf, um nach einem solchen Trauma weiterzumachen. Wir brauchen keinen Keller und keine geisterhafte Aufmachung, keine Opferinszenierung, um das zu verstehen.

Es wäre ehrlicher gewesen, wenn Joko und Klaas selbst durch die Ausstellung geführt hätten. Es ist ihre Plattform. Ich sehe die Frauen in diesem Video durch einen männlichen Blick. Erstarrt, still, schockiert.

Und ich sehe, dass es niemandem auffällt, wie verstörend es eigentlich ist, was wir da sehen. Frauen als Opfer zu sehen ist für uns normal. Niemanden stört es, dass die Frauen im Halbdunkel stehen, sich nicht bewegen, starre Gesichter haben, fast geisterhaft wirken, als seien sie nicht mehr richtig lebendig aufgrund dessen, was ihnen angetan wurde. So normal ist es für uns alle, Frauen auf diese Weise zu sehen, dass es uns nicht einmal mehr auffällt.

Es ist nur mein eigenes Gefühl, das ich beschreiben kann. Jede Frau, die sexualisierte Gewalt erlebt hat, hat einen anderen Blick, sieht dieses Video anders, empfindet ihre Geschichte anders. Für mich aber war das Gefühl, Opfer zu sein, ein Gefängnis, in das ich mich selbst geschlossen hatte. Niemand hatte mich dazu gezwungen.

Was mir passiert ist, habe ich mir nicht ausgesucht. Aber ich hatte geglaubt, der Weg nach dem Missbrauch sei vorgezeichnet. Schließlich war es das, was ich überall sah, zu sehen bekam: Frauen, die sexuellen Missbrauch, Übergriff, Hass erleben, sind gezeichnet. Dieser eine Moment, diese furchtbare Zeit in ihrem Leben, diese traumatisierenden Erfahrungen prägen den Rest ihres Lebens, binden sie an den Täter, an die Männer. Das ist nicht wahr. Ich hörte auf, der Erzählung zu glauben.

Heute weiß ich, dass es genau das ist, was die Täter wollen: uns ein Leben lang zu Opfern zu machen. Uns in der Opferrolle zu wissen, ist für sie Genugtuung und Belohnung zugleich. Ich tue ihnen diesen Gefallen nicht mehr. Es war ein langer, schmerzhafter Weg, mich von diesem Opfergefühl zu befreien. Gesund zu werden, zu heilen. Zu verstehen: Es ist nicht meine Scham. Es ist die Scham der Täter. Und ich nehme sie ihnen nicht mehr ab.


Aus: "Sexuelle Gewalt an Frauen: Nicht meine Scham" Gilda Sahebi (28. 5. 2020)
Quelle: https://taz.de/Sexuelle-Gewalt-an-Frauen/!5685224/

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Walter Sobchak

Guter Artikel, der mir half zu verstehen, was (auch) ich an dem "Männerwelten"-Video kritikabel fand. Das ganze war stilistisch (zu) nah am Horrorfilm. Es scheint mir schon geboten, solchen Beiträgen eine Art Triggerwarnung vorweg zu stellen, aber bereits die Einleitung wirkte angsteinflößend. Der Versuch, dieser Atmosphäre ein paar resolut auftretende Frauen entgegenzustellen, die mutig den Keller der Abscheulichkeiten durchschreiten, war unglücklich und zum Scheitern verurteilt. So edel die Intention der MacherInnen gewesen sein mag, haben sie doch etwas erschaffen, was in seiner Bildsprache und der Vertonung eine Opferperspektive reproduziert. Das Kämpferische blieb leider hinter dem Devoten zurück. "Männerwelten" hätte ans Tageslicht gehört und - ja - vielleicht wäre es auch geschickter gewesen, Männer durch die Ausstellung führen zu lassen.


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[...] ... Ich bin neulich fast gegen die Glaswand eines Bushäuschens geradelt, weil dort ein Plakat hing - tatsächlich noch immer hängt - mit dem auf eine TV-Sendung hingewiesen wird, die sich mit der Liebe in jedem, also auch im höheren Alter beschäftigt. Schöne Sache grundsätzlich, und das allein hätte mir natürlich nicht fast die Glassplitter ins Gesicht gejagt, sondern eher die Formulierungen "MILF" und "MISSY". Alter Scheiß, denken Sie jetzt, husch in die Urne, Milf, du bist ja noch nicht mal eine "Mother I'd like to Fuck*, du hast den Schuss schon wieder nicht gehört" - is' mir aber ega-ha-hal, denn es regt mich auf. Falsch, es verletzt mich. Ich rege mich über so einen Neandertaler-Flachwichser-Mist echt nicht mehr auf, das macht ja Falten, und ich will jetzt auch gar nicht mehr als nötig auf diese unterirdische Sendung eingehen. Denn let's face it: Joyn macht da nur, was andere Privatsender seit Jahren machen mit ihren Fleischbeschau-Formaten "Germany's Next Top Model", "Bachelor(ette)" oder "Nackte Pussys und Pimmel im Paradies", um nur einige zu nennen. Alles nur Jobbeschaffungsmaßnahmen und Karrierebooster, is' klar.

Bei der neuen Sendung "MOM - Milf oder Missy" ist es insofern noch schlimmer, als dass da nicht nur die übliche Warenbegutachtung stattfindet, nein, hier werden auch noch alte gegen junge Frauen aufgehetzt. Gemeinsam ist ihnen immerhin, dass sie den Partner noch lieber nehmen, wenn er ein bisschen was auf der hohen Kante hat (eine "Milf sagt: "So stelle ich mir das Leben vor, das ich führen sollte"), auch wenn die Frauen alle "top ausgebildet" sind und auf "Ich brauche keinen Mann" machen. Warum sind sie dann in der Show? Um sich gegenseitig früher oder später an den Extensions zu ziehen, im Schlamm zu catchen? Brot und Spiele, ... .

Normalerweise geht das im Fernsehen so: Ein Mann sucht unter vielen Frauen eine Lady zur weiteren Lebensgestaltung (manchmal auch umgekehrt) aus, und sei die folgende, gemeinsame Lebensgestaltungsphase dann auch noch so kurz; oder eine Modelmama sucht Model-"Meedchen", die man dann für Rasierer über die Klinge springen lässt oder in Joghurtwerbung vermanscht. Wie solch menschenverachtende Formate Frauen jemals nach vorne bringen sollen, wie Frauen so jemals sinnvolle Netzwerke, Respekt und eine Gleichheit in der Arbeitswelt erreichen wollen, bleibt schleierhaft. Wie rückständig man doch sein kann - als Sender und als Protagonist(in). Und wie schlecht soll ein Vorbild für jüngere Generationen denn bitte noch sein? Alles nur Spaß? Das ist kein Spaß, das ist scheinheiliger Dreck.

... Solange Frauen auf Bildschirmen sich hauptsächlich aber dadurch hervortun, dass sie kokett ihre Haare schmeißen, auf den Lippen rumbeißen oder den Lady-Di-Blick (unterwürfig von unten nach oben blicken, scheu) perfektionieren und Männer weiterhin die Welt erklären dürfen, und sei es auch nur anhand von Rotwein ("Die Flasche kostet 1500 Euro", gönnerhaftes Lächeln, Frau kreischt) sind wir noch weiter hinter dem Mond als in den Fünfzigerjahren. So lange Frauen meinen, dass sie "alt gegen jung" kämpfen müssen, so lange dürfen Männer Frauen tatsächlich weiterhin auf ihre Fuckability abchecken. ...


Aus: "One Woman Show Milf - Kompliment oder Frechheit?" Aus einer Kolumne von Sabine Oelmann (Mittwoch, 27. Mai 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/leben/Milf-Kompliment-oder-Frechheit-article21808108.html


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[Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)... ]
« Reply #187 on: June 07, 2020, 04:02:50 PM »
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[...] Ich weiß, wir sind in der Vergangenheit eher selten dazu gekommen, aber ich würde mit Ihnen gerne über Penisse sprechen. Das mag jetzt nicht unbedingt das unverfänglichste Thema sein, aber mit 85 Kolumnen im Rücken können wir schon mal die Hosen runterlassen und uns anschauen, was Sache ist. Mich macht das neugierig. Genauer gesagt möchte ich wissen, wo all die Schwanzbilder herkommen, mit denen Frauen ungebeten im Internet überschwemmt werden, wer sie anfertigt und vor allem: warum? Wieso halten es Männer für eine gute Idee, Dick Pics an Frauen zu versenden, die daran vorher kein Interesse hatten? Denn Interesse scheint mir dabei das entscheidende Kriterium zu sein.

Was erwachsene Menschen auf Tinder oder anderswo in gegenseitigem Einvernehmen an Sexting und Nacktfotoaustausch betreiben, um sich gegenseitig anzuheizen, geht niemanden etwas an und bedarf auch keiner Bewertung. Ob das jetzt meine oder Ihre Kragenweite wäre, ist vollkommen unerheblich. Aber der Umstand, dass laut Umfragen 41 Prozent der Frauen zwischen 18 und 36 Jahren ungebetene Dick Pics erhalten, zugleich aber nur fünf Prozent der Männer gleichen Alters zugeben, dass sie ungefragt Bilder von ihrem Penis an Frauen verschicken, ist dann doch schon ziemlich interessant.

    Despite 46% of 18-36 year old women saying they have ever been sent a “dick pic”, only 22% of men the same age say they have sent one (and only 5% confess to having sent an unsolicited penis photo) https://t.co/tK7ig3eiWh pic.twitter.com/OkjCUadd0k
    — YouGov (@YouGov) February 16, 2018



Vor allem vor dem Hintergrund der Tatsache, dass das unaufgeforderte Versenden von Schwanzbildern zumindest in Deutschland als "Verbreitung von pornografischen Schriften" gewertet wird und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet wird.

Es steht also schon etwas auf dem Spiel. Zumal wenn man in Betracht zieht, dass seinen Dödel zu entblößen womöglich nicht die erfolgversprechendste Strategie ist, um einen sexuellen Kontakt zu initiieren. Oder dass die meisten von uns im realen Leben sehr viel Wert auf ihre Privatsphäre legen und nicht wollen würden, dass man Bilder ihrer Genitalien an Freund*innen, Verwandte oder Arbeitskolleg*innen weiterleitet.

Aber selbst wenn wir annehmen, dass sich so ein Penisknipser anonym und sicher fühlt, bleibt die Frage nach dem Warum. Dazu existieren einige wissenschaftliche Spekulationen und Befragungen, die nahelegen, dass es den einen Grund nicht gibt. Einige Männer geben an, dass sie der Akt des Fotografierens und die Vorstellung der Reaktion erregen. Andere sehen ein Dick Pic als Möglichkeit, einer längeren Konversation vorzubeugen, von der sie sich von Anfang an erhoffen, dass sie ausschließlich auf Sex hinausläuft.

Sie wählen quasi die Penisabkürzung, weil ihnen Texten zu anstrengend ist – egal wie wenig erfolgversprechend die Option ist. Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass der Selbstversuch einer jungen Frau, den Spieß einmal umzudrehen und Männer unaufgefordert mit Vulvabildern einzudecken, daran scheiterte, dass das mehrheitlich nicht als Bedrohung oder Belästigung aufgefasst wurde. Von 40 Männern haben drei nicht reagiert und 37 wollten sich umgehend treffen.

Es gibt aber noch ein Motiv, und das scheint mir für die nicht enden wollende Würstchenparade in den Mailboxen von Frauen, die sich in sozialen Netzwerken aufhalten, das ausschlaggebende zu sein. Eine kürzlich erschienene Studie belegt, dass die Schwanzbildfreunde sich grundsätzlich sehr viel narzisstischer und sexistischer verhalten als Männer, die keine ungebetenen Dick Pics versenden.

Es geht also nicht nur um ein Kommunikationsmissverständnis oder um einen angeborenen beziehungsweise anerzogenen Unterschied in der Wahrnehmung von Sexualität zwischen Männern und Frauen. Sondern es geht – wie so oft – um Dominanz, Kontrolle und Einschüchterung. Genitalpräsentation als Drohgebärde und Imponierverhalten. Als Machtdemonstration: Hier ist mein Schwanz, was sagst du jetzt! Es ist eine bewusst eingesetzte Belästigungsstrategie. Eine sexualisierte Zermürbungstaktik, die Betroffenen unmissverständlich klarmachen soll, wer den Längeren und das Sagen hat. Mit Sex hat das nichts zu tun. 2016 stellte die Künstlerin Whitney Bell 200 Dick Pics in einem Raum aus, der ihrem Schlafzimmer nachgebildet war.

    'Whitney Bell: I didn't ask for this: A Lifetime Of Dick Pics' at @ThinkTankDTLA pic.twitter.com/EHFME4MS4b
    — Curate LA (@curate_LA) October 7, 2017



Auch um zu verdeutlichen, dass sie vor dieser Form von Belästigung selbst als Alleinlebende in den eigenen vier Wänden nicht sicher ist. Sie stellt klar, dass es sich dabei nicht um Flirten handelt: "Es ist, als würdest du eine Frau aus dem Auto heraus anschreien. Du tust es, weil du es kannst und weil die Welt dir beigebracht hat, dass es okay ist." Das Erstaunlichste an diesem Verhalten ist die Illusion von Kontrolle. Während Männer damit beschäftigt sind, Frauen Abbilder ihrer Penisse ins Gesicht zu drücken, merken sie gar nicht, dass ihre Schwänze eigentlich mit ihnen wedeln. Denn Belästigung, Übergriffigkeit und Gewalt sind und bleiben die erbärmlichste Version von Kommunikation. (Nils Pickert, 7.6.2020)


Aus: "Dick Pics: Männer und ihre Penisporträts" Nils Pickert (7. Juni 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000117904069/dick-pics-maenner-und-ihre-penisportraets

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PurpleWood
7. Juni 2020, 11:24:21
Das ist kein neues "Problem", sondern ist schon länger so. Gabs schon weit vor Tinder und betrifft nicht nur "die Jugend".

War vor über 10 Jahren mal bei einer Singleplattform registriert. Da waren sie noch halbwegs seriös. Bekam trotzdem ab und zu ungefragt schon mit der ersten Anfragemail Dick Pics. Oder mal wen auf einer After Work Party kennengelernt, Tage später ein Date (Essen + Spazieren), danach kam ein Dick Pic.

Diese Typen sind für mich lächerliche Trotteln.


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StopptÖxitOxen

Weiterleiten - Sollte jemand so etwas unbestellt bekommen, dann handelt es sich mit Sicherheit um ein Versehen. Eigentlich war es für den Arbeitgeber bestimmt. Bitte weiterleiten!


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kreuz100

Entweder sind solche Typen pubertierende Idioten oder psychiatrische Fälle, wenn die schon Erwachsen sind. Unfassbar jedenfalls, was für bullshit Frauen offenbar ertragen müssen.


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Brillenschlange01

meiner geht glatt als Rüssel eines Babyelefanten durch :)


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HomerJ
Guy Incognito 5

grau und verrunzelt?


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stoaschädlerin

So schen is des net
würd ich zrückschreiben


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zuter

Nur Anfänger verschicken die Fotos vom Eigenen:-)
Spaß beiseite, wie kommt man nur auf die Idee, dass dies irgendwer sehen will?


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bixente uhudla

Dass nur 5% der Männer zugeben, dass sie ungefragt Dick-Pics versenden finde ich nicht verwunderlich, weil ich denke, das das nur ein solche kleine Minderheit ist, die das macht-die dann aber öfters und wahrscheinlich auch ziemlich wahllos...

das war/ist ja bei klassischen Exbhitionisiten die sich in der Öffentlichkeit entblössen auch das gleiche, dass da auf einen Täter oft viele bis dutzende Opfer kommen, bis die mal erwischt werden...

Aber zum Rechtfertigen und Schönreden gibt es da nichts, solche Leute gehören in psychiatrische Behandlung und wenn abgesehen davon zurechnungsfähig auch ordentlich bestraft...


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Anton Szanya

"Klar ist, mit Sex hat das nichts zu tun – vielmehr soll es unmissverständlich klarmachen, wer das Sagen hat"
Ein Verhalten wie bei den Pavianen. Wieder ein Beweis mehr, dass der Mensch vom Affen abstammt.


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ratschkattl 62

Das stimmt, glaube ich, so nicht. Wir stammen nicht vom Affen ab, sondern sind selbst welche und haben die gleichen Vorfahren wie die sog. Menschenaffen. So zumindest mein Wissensstand.

Alter Witz dazu: "Papa, heut hamma in der Schule gelernt, dass der Mensch vom Affen abstammt."
"Ja, du vielleicht. Aber i nit. "


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LiebeFreiheitSolidarität

Meine Tochter bekommt regelmäßig solche Fotos von in etwa Gleichaltrigen zugeschickt seit sie 14 ist. Die wollen damit tatsächlich anbandeln. Was ist bloß in der Sozialisation bei solchen Burschen fehlgelaufen, wenn sie meinen, dass sie damit Erfolg haben könnten. So ein Foto zu schicken ist Ausschließungsgrund Kontakt haben zu wollen Nummer Eins. Meine Tochter lacht kopfschüttelnd und klickt sie weg.


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LiebeFreiheitSolidarität

Die Wahrheit ist, man kann sich als Frau nicht ohne Belästigung durch den öffentlichen Raum bewegen, weder virtuell noch real. Schon gar nicht, wenn man so hübsch wie meine Tochter ist. Sie braucht nur in Shorts in den Supermarkt zu gehen und 50-jährige spechteln ihr mit geilem Blick hinterher. Sie braucht nur eine Einkaufsstraße entlang gehen, und sie wird von jungen Männern angesprochen. ...


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margoll

Fakt ist, dass das Versenden von Dick-Pics ist in Österreich nicht strafbar ist - im Gegensatz zu Deutschland nach §184 StGB Verbreitung pornographischer Schriften.

Es wäre allerdings ein spannendes soziales Experiment, eine Plattform zu schaffen, auf der Frauen, die ohne ihre vorherige Einwilligung mit Fotos belästigt werden, diese hochladen könnten.


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Ancalagon the Black
Trollosaurus Rex 69

Für alle, die nicht ganz kapieren (wollen), worum es im Artikel geht:
Es geht nicht *generell* um dick pics.
Das Austauschen intimer Bilder ist etwas, das heute in - nennen wir es mal gewisse Situationen - normal und in solchen Situationen auch beiderseitig gewollt ist.
Hier geht es um *unaufgefordert* versendete Bilder.


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J.J. Gittes

Problem bei der Sache - wenns ums unaufgefordert geht kann ein Mann halt lang warten beim Dating wenn er nicht aktiv ist, eine Frau kann sich oft finden lassen, als Mann funktioniert das nur in absoluten Ausnahmefällen.


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twatcharlie

Wenn Sie als Lösung für dieses Dilemma anfangen, Dick Pics zu verschicken, werden Sie noch länger warten.


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Ancalagon the Black
Trollosaurus Rex 69

Also ich bin da vielleicht ein wenig altmodisch, aber in meiner Jugend war es ja auch nicht üblich, dass man gleich in der Disco die Hosen runter ließ um dem Hauptinteresse des jeweiligen Abends den Schwanz zu zeigen.

Das erste mal gegenseitig nackt zu sehen kam natürlich vor, manchmal ging das auch relativ schnell, aber es war immer einvernehmlich, immer beiderseitig und für beide Beteiligten immer ein intimer und aufregender Moment. ...


Quote
J.J. Gittes

Wenn Frauen in Sachen Anbahnung so aktiv sein und soviel Aufwand hineinstecken müssten wie Männer würden sie noch viel abstrusere Sachen machen und zumindest die Vaginapics nur so fliegen. In der Hinsicht wissen Frauen gar nicht wie gut sie es haben.


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illegitimate

Sind sie ein so genannter Incel?


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recouvrer_la_raison

Wieder einer, der das unaufgeforderte Schicken von Schwanzfotos außerhalb von Datenplattformen (und selbst dort teilweise ein No-Go) als "Flirten" absichtlich missversteht. Jämmerlich.


Quote
J.J. Gittes

Wieder so eine die das senden von Schwanzfotos als Machtgehabe missversteht.


Quote
recouvrer_la_raison

Wieder so einer, der nichts verstanden hat.


Quote
Makeluv Notwar

Die Frauen sollten froh sein! Da ist die Katze gleichmal ausm Sack
Würde man mir vorab Nippel und Vagina zeigen, wüsste ich gleich ob ich noch weiter interssiert bin.

So muss man sich durch Date und blabla quälen nur um dann festzustellen, mit diesen brustwarzen kann ich nicht!


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Leilani

D.h. an einer Frau sind einzig Nippel und Vagina interessant?  ...


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andix222

Ich versteh das Problem nicht. Es wird doch keine erwachsene Frau traumatisiert sein von einem Dickpic.
Manchen Frauen taugt das, solche Bilder zu erhalten, wird wahrscheinlich nicht die Mehrheit sein.

Falls sich Frau bei der Einschätzung eines Flirts vertan hat, und ein Dickpic erhält, kann sie ja immer noch den Kontakt abbrechen. Vielleicht sollte sie sogar froh sein, so einen eindeutigen Grund erhalten zu haben...

Ich glaub eher es geht den Frauen rein um Empörung und Effekthascherei. Darf er das denn? Vielleicht nicht, er machts trotzdem. That's life.


Quote
Abiona

Was viele hier offenbar nicht verstehen: Wenn 41% aller Frauen schon solche Bilder ungefragt bekommen haben, und der Großteil dieser das nicht leiwand findet, ja sogar grausig und als Übergriff, dann ist es nicht nützlich, wenn Männer hier im Forum (und dann vor allem im richtigen Leben) davon schwafeln, dass das alles nicht so tragisch ist, man könne es ja ignorieren, oder man solle halt einfach was zurückschreiben, oder die sind einfach nur intellektuell benachteiligt - man solle sich also als Frau nicht so anstellen.

Niemand von euch muss sich verteidigen, denn ich denke, dass die allermeisten hier im Forum niemals sowas verschicken würden. Es würde also reichen, zu sagen, das ist scheiße und sollte Frauen nicht passieren. Fertig.


Quote
KelAdo

"Es geht den Frauen rein um Empörung und Effekthascherei..."

Klar, die Frauen sind wieder einmal schuld. Gut, dass Sie das bei ihrem Post untergebracht haben. Gratuliere.


Quote
andix222

Bitte um Erläuterung. Was is so arg wenn sich Leute Dickpics schicken? Manchen taugt das, den meisten nicht. So what?
Ich kenn auch Männer, die Dickpics schicken und damit "Erfolg" haben.
Es gibt auch Leute die Pornodarsteller sind.


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MiliTant

Haben Sies nicht verstanden? Oder reiten Sie per amüsement ein totes Pferd?


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Mr. You Dont Say

Ist nicht so schwer eigentlich...
Konsens ist der springende Pkt.
Vorher darüber reden dann erst schicken.
Denk mal drüber nach.


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Mr. You Dont Say

... Ich frag mich warum is die Hemmschwelle zu fragen (was auch immer) größer als ein Bild von seinem Schwanz zu schicken? Das versteh ich nicht.


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andix222

Ich vertseh auch nicht, warum manche Leute das tun. Aber sich drüber aufzuregen, finde ich eben ein bisserl heuchlerisch. Einerseits wollen manche Frauen lieber den prolligen Fitnesscenter-Idioten, der ist hald bisserl deppert und schickt ihnen Dickpics. Den sensiblen Literaturstudenten, der ihnen ein Gedicht schickt, den ignorieren sie lieber, weil er ein "Schlappschwanz" ist. Also was jetzt?


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Es gibt kein Gut und Böse

Bitte nicht von ein paar Trotteln auf alle Männer schließen, danke. ...


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Muhkuh die Göttliche

Schwanzbilder sind lustig find ich. Aber das ist sicher nicht was die Absender bezwecken wollen...


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J.J. Gittes

ich hoffe einmal, dass sich Frauen die sich über Penisbilder aufregen selbst nie versuchen über die Schiene der sexuellen körperlichen Reize zu kommen.
Ich kenne aber auch keine Frau die sich über das Eehalten von Penisbildern ernsthaft aufregt muss ich sagen.


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Muhkuh die Göttliche

Wir Frauen finden das furchtbar lächerlich. Das ist eigentlich alles.


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BKA1010

Sie wissen, was alle Frauen denken? Eine erstaunliche Gabe!


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Muhkuh die Göttliche

Naja, die meisten halt...
Und zumindest alle die ich kenne. Ja, wir Frauen reden über sowas. XD


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dieNausikaa

Das unterschreib ich.


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Marinelli

Ich muss sagen, dass ein dickpick für mich eher weniger eine Drohung darstellt. Ein Mann, der mir sowas schickt, macht sich halt absolut uninteressant und lächerlich. Und ich frag mich auch, warum viele Männer den Eindruck, den ihr Penis auf Frauen macht, so dermaßen maßlos ueberschaetzen. Nichts für ungut, aber es gibt interessantere Dinge zum Anschauen


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MerlinZauberer

Es wird geschrieben, dass Männer nichts dagegen haben, soche Fotos von Frauen zu erhalten.
Evtl. ist dies auch der Grund, warum sie solche Fotos an Frauen senden.. Vielleicht verstehen es Männer garnicht, dass Frauen dazu abgeneigt sind. Das ganze Machtdemonstrationsblabla, immer wieder zurück auf Unterdrückung und Ungleichberechtigung der Frauen, das wirkt auf mich schon etwas nervend und ausgelutscht.
Natürlich wird es Fälle geben, wo das zutrifft, aber so zu verallgemeinern finde ich etwas daneben.
Komisch auch, warum Männer nicht anderen Männern ihre Dickpics schicken um klarzumachen, wer den größeren hat und somit Macht zu demonstrieren...


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Je m'appelle Mirabelle L.

Nach dem Motto: ein Penis sagt mehr als 1000 Worte?


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erhengl

Einfach nur unnötig! Das ganze Thema und der Artikel im Besonderen!


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Joe_Chip

Eh, wenn es nicht so viele erbärmlich deppen geben würde die so etwas machen bräuchte es keinen Artikel.


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Cookie_

"unmissverständlich klarmachen, wer das Sagen hat"
So läuft das sicher immer ab: "hier, schau mal" - "wow, jetzt habe ich großen Respekt vor dir und du hast das sagen"

Also ich glaube nicht mal Typen die so hirnverbrannt sind und ungefragt dick pics schicken, glauben, dass sie damit in irgendeiner Form Dominanz beweisen. Viel mehr sind das wohl ein bisschen sozial zurückgebliebene, die sich erhoffen dadurch den Weg des Flirtens abzukürzen und Interesse beim Gegenüber zu wecken. Dass das halt nach hinten losgeht, checken die Affen wohl nicht.


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Abiona

Ich liebe das, wenn Männer sich gegenseitig entschuldigen mit "mah, Mänmer sind einfach ein bissi dumm, die verstehen das halt nicht".


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Canonista66

20 jahre im internet - nie ein dic-pic erhalten - was mache ich falsch?


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ländliche Genreszene

herr pickert hat vergessen einen versuch zu starten dick pics ungefragt an männer zu versenden .. wie da wohl die reaktion ausfallen könnte? ..


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shapeshifting is my hobby 12

es gab da auch mal im tv einen versuch, wo jeweils ein attraktiver mann und eine attraktive frau 10 gegengeschlechtliche menschen angesprochen und gefragt haben, ob sie sofort unverbindlichen sex mit ihnen haben wollten.

10 frauen - 0 ja
10 männer - 8 ja, 2 "leider nein, bin schwul."


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BernhardvonAosta

Wenn ein Mann das gerne macht wird er diese Bilder nicht nur einer einzigen Frau schicken, sonder immer wieder verschiedenen.
Wenn 5 von 100 Männern jetzt jeweils 10 Dickpicks an verschiedene Frauen schicken, dann sind das 50 Frauen.

Und mit ein bisschen logischem Nachdenken ist die Diskrepanz gar nicht mehr so interessant wie sie der Autor darstellt.


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Leilani

Egal, wie wenige Männer es machen:
Aus Sicht von Empfängerinnen IST es ein Massenphänomen.


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(°)(°)
Snjezana Pron 8

das wird sich aufhören sobald die schwanzerkennungssoftware online geht ...


...

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« Reply #188 on: June 16, 2020, 10:15:06 AM »
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Yannah Alfering: Du beschreibst, wie du als Jugendliche wegen deines Klamottenstils gemobbt wurdest. Wie war das damals für dich?

Katja Krasavice: Normale Mädchen tragen irgendein Oberteil, eine Hose und Schuhe. Ich hatte halt keine Sneaker oder Flipflops an sondern High Heels. Ich trug meistens bauchfrei und einen Minirock. Das fand keiner cool: weder die Lehrer, noch meine Mitschüler. Aber mich hat mein Look glücklich gemacht. Ich fand es schon früher fake, mich anzupassen, nur damit mich andere mögen.
In der Schule haben sich die anderen manchmal abgesprochen, mich wochenlang zu ignorieren. Es gab Tage, an denen keiner mit mir geredet hat. Und wenn doch, wurde ich beleidigt. Diese Erfahrung hat mich auf jeden Fall geprägt. Ich bin stärker geworden. Hate prallt an mir ab. Trotzdem fühle ich mich manchmal noch wie das kleine Mädchen von früher, das sich nicht schön findet und gemobbt wird.

...

Yannah Alfering: Bist du Feministin?

Katja Krasavice: Ich möchte, dass Frauen endlich ernstgenommen werden und machen können, was sie wollen. Andererseits bin ich total antifeministisch, weil ich mich als Sexobjekt darstelle. Ich kenne mich mit Feminismus nicht so gut aus, aber viele Feministinnen sagen mir, dass ich mich nicht so sexy zeigen soll. Das finde ich sehr schade, weil eine Frau soll ja eigentlich machen, was sie gerade geil findet.

Yannah Alfering: Ich finde es eigentlich sehr feministisch, einfach dein Ding zu machen.

Katja Krasavice: OK, gut. Dann bin ich vielleicht viel feministischer, als ich dachte.

...


Aus: "Wir haben Katja Krasavice gefragt, warum sie eine "Bitch Bibel" geschrieben hat" (09 Juni 2020)
Quelle: https://www.vice.com/de/article/bv8nea/wir-haben-katja-krasavice-gefragt-warum-sie-eine-bitch-bibel-geschrieben-hat

Katja Krasavice
https://de.wikipedia.org/wiki/Katja_Krasavice
« Last Edit: June 16, 2020, 11:51:54 AM by Link »

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« Reply #189 on: June 16, 2020, 11:59:03 AM »
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[...] Empörung - Eine vermeintlich sexistische Werbung bringt Kritiker auf die Palme. Müsste man es nicht feiern, wenn ältere Frauen als begehrenswert dargestellt werden?

Feministische Kritik an Datingshows hat so ihre Tücken. Das zeigt die Empörung über die Sendung M.O.M. des Streaming-Senders Joyn, die derzeit die sozialen Netzwerke überschwemmt. Das Akronym steht für „Missy oder MILF“. In der Show dürfen sich zwei Männer, 57 und 28 Jahre alt, aus insgesamt 14 Frauen „die Richtige“ heraussuchen – fürs Bett, für einen Luxus-Kurzurlaub, fürs Leben? Wer weiß. Natürlich werden hier furchtbare Rollenklischees dargestellt: Sie bietet Körper, er bietet Geld. Natürlich ist diese Form der Unterhaltung so seicht, dass jedes Bordsteinrinnsal mehr Tiefgang verspricht. Aber wer erwartet bei einem solchen Format schon tiefgründige Unterhaltung?

Empörend ist für Kritikerinnen nicht nur das Hahn-im-Korb-Prinzip, dass also viele Frauen um die Gunst eines Mannes werben, wobei der Mann weniger durch Persönlichkeit als vielmehr durch monetäre Möglichkeiten überzeugen muss. Oder die Darstellung von Rollenklischees, bei denen Frauen geldgeile Luder sind, die sich vor Kamera und Kerl quasi prostituieren. Das kennt man ja. Wirklich schlimm erscheint den Kritikerinnen die Rolle der sogenannten MILFs. Sie, die früher nur ein Nischendasein als Fetisch-Kategorie auf einschlägigen, ähm, Internetseiten fristeten, haben sich einen Platz im popkulturellen Mainstream erarbeitet. Die „Mom I’d like to fuck“, die Mutter, die man gerne mal beschlafen würde, muss übrigens gar keine Mutter sein, nur eine deutlich ältere Frau (aus Sicht des Mannes), die theoretisch seine Mutter sein könnte. Eine klassische MILF ist also keine junge Frau, die ein Kind hat.

Müsste man die Tatsache, dass „ältere“ Frauen (die älteste Frau bei M.O.M. ist 46) als begehrenswerte Wesen dargestellt werden, nicht feiern? Nein, schreien die Kritiker. Hier werden Mütter respektive ältere Frauen zu Sexualobjekten degradiert! Nun ist es aber das Wesen jedes Begehrens, dass man den anderen zum Objekt macht. Aber doch nicht in Corona-Zeiten, wo Mütter schon so viel Bullshit ertragen müssen! Warum denn nicht? Sexueller Eskapismus könnte der beste Weg des Umgangs mit der Krise sein. Vielleicht entspannt Mutti auch gerne vor dem TV-Gerät und träumt davon, von einem metrosexuellen Mann umgarnt zu werden? Beim Blick auf Vati im Feinripphemd vielleicht verständlich? Verbirgt sich hinter der Wut auf die Sendung am Ende gar die verdrängte Einsicht – oh Graus –, dass auch die eigene Mutter ein sexuelles Wesen sein könnte? Das wäre dann wohl ein Fall für Sigmund Freud. Dem übrigens widmet sich aktuell eine Netflix-Serie.


Aus: "Heikler Verdacht: Sind Mütter sexuelle Wesen?" Marlen Hobrack (Ausgabe 24/2020)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/marlen-hobrack/heikler-verdacht-sind-muetter-sexuelle-wesen

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Lacrima | Community

Das Viktorianische Zeitalter feiert seine Wiedergeburt :-) und wie schon damals toben im Vordergrund die MoralistInnen, während im Hintergrund alle mehr oder weniger machen, was sie wollen. Nur auffallen darf es damals wie heute nicht.


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« Reply #190 on: June 29, 2020, 06:18:18 PM »
"Geködert und manipuliert: Deutsche Porno-Aussteigerin packt zur Branche aus" (29. Juni 2020)
Unter falschen Tatsachen wurde die damals 18-Jährige in die Industrie gelockt – vieles, aber nicht alles bereut sie heute. Lou Nesbit war mehrere Jahre in der deutschen Pornoindustrie tätig und rechnet nun mit Teilen der Branche ab. Die 21-Jährige kündigte kürzlich auf Instagram unter Tränen ihren Ausstieg an. Gegenüber dem NDR-Reporagemagazin STRG_F schildert die ehemalige Darstellerin ferner, wie sie teilweise zu Dingen gezwungen und überredet wurde, die sie so eigentlich gar nicht wollte. Von so manchen Szenen hätte sie ein tiefes Trauma davongetragen. ... Lou Nesbit ist nicht die einzige ehemalige Pornodarstellerin, die ihre aktive Zeit am liebsten vergessen würde. Etliche Frauen in den USA beklagen, dass sie ähnliches im Zusammenhang mit der Plattform "Girls Do Porn" erlebten. Unter falschen Tatsachen wurden sie zu einem Dreh überredet, bei denen ihnen 5.000 Dollar für 30 Minuten Sex angeboten wurde. Der Dreh dauerte dann zumeist länger und das Material konträr zu dem Versprechen im Netz veröffentlicht. Eigentlich sollte der Film nämlich nur an "Sammler" gehen.
... Eine Klage zieht Lou Nesbit offenbar nicht in Betracht. Nach der Veröffentlichung des Videos von STRG_F stellte sie klar, dass sie nicht die komplette Industrie kritisieren wollte. Sie habe auch schöne Zeiten gehabt und sei nach wie vor mit ihrem Freund – einem Darsteller – liiert. Zugleich betonte sie, dass es auch in der Pornobranche eben nicht nur Schwarz-Weiß gebe. Trotzdem wollte sie eine Botschaft senden – sich aber nicht in Selbstmitleid baden, wie sie auf Instagram schildert.
... Die Geschichten von Nesbit und "Girls Do Porn" sind kein Einzelfall. In der Netflix-Doku "Hot Girls Wanted" wird aufgezeigt, wie junge Frauen in die Pornobranche gelockt werden und dort dann Dinge vor der Kamera tun müssen, die sie so eigentlich nicht wollen. Viele bereuen den Schritt, vor allem, weil ihre intimen Szenen für Ewigkeit im Netz zu finden sind. (red, 29.6.2020)
https://www.derstandard.at/story/2000118392960/gekoedert-und-manipuliert-deutsche-porno-aussteigerin-packt-zur-branche-aus

https://youtu.be/-nRsaNxjt5g

https://youtu.be/VIYlqY8DyVU

https://youtu.be/HNdw2uY9oHY

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« Reply #191 on: June 29, 2020, 10:11:22 PM »
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[...] Wie "Heute" berichtete, kam es bei einer Kurden-Türken-Demonstration in Favoriten zwischen mehreren Männern zu einer Auseinandersetzung, die völlig außer Kontrolle geriet. Eine Massenschlägerei von bis zu 30 Beteiligten war die Folge, die Polizei stand im Großeinsatz. ...


Aus: "Videos zeigen Eskalation bei Türken-Kurden-Demo in Wien" (24.06.2020)
Quelle: https://www.heute.at/s/video-zeigt-eskalation-bei-tuerken-kurden-demo-in-wien-100088741

https://www.vienna.at/wien-favoriten-sachbeschaedigungen-nach-zusammenstoessen-tuerkischer-gruppen/6658656

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[...] Gestern Nacht griffen türkische Rechtsextreme eine Frauenkundgebung am Reumannplatz in Wien-Favoriten an. Regelmäßig schüchtern die ultra-nationalistischen „Grauen Wölfe“ Minderheiten ein. Wie die selbsternannten „Wächter von Favoriten“ organisiert sind und warum türkischer Faschismus für in Österreich geborene Jugendliche überhaupt attraktiv ist, erklärt Sozialwissenschafterin Zeynep Arslan. Zeynep Arslan ist Sozialwissenschaftlerin, Autorin und Aktivistin.

Der Lärm der Polizeihubschrauber war gestern bis spät in die Nacht zu hören. Lange kehrte keine Ruhe auf den Straßen von Wien-Favoriten ein. Begonnen hatte alles mit einer Kundgebung einer kurdischen Frauenorganisation, die im Ernst Kirchweger Haus (EKH) angesiedelt ist. Die Teilnehmerinnen wollten auf die steigende Anzahl der Frauenmorde in der Türkei und in Österreich hinweisen. Sie wollten zeigen, was die Auswirkungen einer frauenfeindlichen Politik sind, wie sie sich unter anderem in der Privatisierung und Zerschlagung der Frauenhäuser in Salzburg zeigt.

Dann wurden die Frauen von einer Gruppe faschistischer Männer angegriffen. Binnen kürzester Zeit tauchten rund hundert Rechtsextreme auf, es kam zu einem Großeinsatz der Polizei. Die Frauen flohen ins EKH und mussten dort aus Sicherheitsgründen für Stunden ausharren.

Es war nicht der erste Übergriff im Bezirk. Auch am 1. Mai kam es zu ähnlichen Vorfällen am Rande einer Kundgebung am Keplerplatz. Und es zeigt sich ein Muster: Die rechtsextreme Gruppe junger Männer scheint keinerlei Scheu vor den Sicherheitskräften zu haben, die letzte Nacht sogar durch zwei Polizeihubschrauber unterstützt wurden.

Aus zwei bis drei Jugendlichen können binnen Minuten fünfzig bis hundert werden. Sie treten als Eigentümer und Wächter Favoritens auf und wollen ihren Bezirk beaufsichtigen. Sie verbieten Anrainer*innen und Veranstaltungsbesucher*innen, dass sie während des muslimischen Fastenmonats Ramadan Alkohol konsumieren. Kurdische Musik und Sprache versuchen sie aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Gerne hetzen sie auch die Polizei auf türkisch-kurdische Teilnehmer*innen von Veranstaltungen – mit der Unterstellung, dass sie Anhänger*innen der PKK (Kurdische Arbeiterpartei) seien. Selbstbewusst beschuldigen sie die Polizei und den österreichischen Staat, einer Terrororganisation den öffentlichen Raum zu überlassen. Sie mobilisieren einander über ihre Handys und gliedern sich in hierarchische Rollen.

Das Weltbild der Gruppe ist von den politischen Ideen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geprägt. Sie positionieren sich als seine Verteidiger und scheuen nicht davor zurück, in Anwesenheit der Polizei den in Österreich verbotenen Wolfsgruß (als Erkennungszeichen türkischer Faschisten mit dem Hitlergruß vergleichbar) zu machen.

Wie kann es sein, dass junge Menschen, die in Wien und Österreich zur Welt gekommen sind, dermaßen unreflektiert rassistisches türkisches Gedankengut und pauschalisierten Hass leben? Leider begünstigt die allgegenwärtige Diskriminierung in Österreich die Propaganda der türkischen Rechtsextremen. Jugendliche, die regelmäßig Ausschlüsse nach dem Motto „Du bist und kannst mit uns (sein), jedoch wirst du niemals einer von uns sein“ erleben, können sich nie gleichberechtigt und gleichbehandelt fühlen. Dieser strukturelle und institutionelle Rassismus verhindert ein gemeinsames, pluralistisches Demokratieverständnis über die kulturellen und national(istisch)en Zugehörigkeiten hinweg.

Das männliche „Wir“-Narrativ à la Erdoğan bietet diesen Jugendlichen eine Identität, auch wenn sie konstruiert und künstlich ist. Die entsprechenden Botschaften und die Kriegspropaganda aus der Türkei erreichen sie täglich – und werden von ihnen unkritisch und unreflektiert aufgenommen. Wenn sie von anderen wegen ihrer Angriffe konfrontiert werden, erklären sie, dass sie trotz Staatsbürgerschaft und perfektem Deutsch für immer und ewig die Ausländer*innen bleiben werden. Ihre Orientierungslosigkeit bietet der rechtsextremen Propaganda einen fruchtbaren Boden.

Die in Österreich geborenen Jugendlichen übernehmen den Größenwahn des „Türkentums“ über die Grenzen hinweg. Demokratische Grundrechte haben darin offenbar keinen Platz. Deshalb attackieren sie marginalisierte Gruppen aus dem vermeintlichen „eigenen“ Kulturkreis: Kurd*innen, Alevit*innen und Frauen. Deren Rechte sind für sie Teil der „verdorbenen christlichen Fremde“, in der sie ihrer Meinung nach leben. Erst in der Gruppe scheinen sie ein Gefühl des Dazugehörens gefunden zu haben. In der Gruppe fühlen sie sich stark – aber schon eine Kundgebung gegen Gewalt an Frauen wird ihnen unerträglich und bedroht ihr männliches Machtgehabe.

Wir haben es also mit einem aggressiven Minderwertigkeitskomplex zu tun. Seine Wurzel ist eine konstruierte Identitäts-Legitimation, die sich auf die türkische Geschichte beruft. Sie beginnt in den Steppen Zentralasiens, geht über die Invasion Anatoliens bis hin zum Zerfall des Osmanischen Imperiums und zur Migration in die europäische Diaspora. Auch diverse Massaker, Genozide und Verleumdungen im Zuge der türkischen Nationalstaatsbildung vor gut hundert Jahren sind Teil dieser Legitimation.

Die türkische Staatsdoktrin verleiht ihnen den internationalen Privilegiertenstatus “Türke-Türkisch-Sunnitisch-Muslim-Mann”. Zur Verteidigung von Führer und Vaterland ist selbst weit entfernt von der Türkei jegliche Gewaltanwendung gerechtfertigt. Das zeigt sich auch in gewaltsamer Wut gegen Frauen.

Vergangene Nacht konnten die selbsternannten „Wächter von Favoriten“ vor der österreichischen Öffentlichkeit ihre zweite Aktion in diesem Jahr durchführen. Zuvor richtete sich ihre Attacke gegen die 1.-Mai-Kundgebung am Keplerplatz. Diese Entwicklungen können nicht weiter ignoriert werden. Hinter ihnen steckt ein politisches Machtgefüge, das transnational agiert. Die jungen Männer sind nur vorgeschoben. Die Strukturen und Ideologien hinter ihnen reichen bis in die Türkei. Eine Verharmlosung der aktuellen Vorfälle wäre Verantwortungslosigkeit für die Zukunft.

Es braucht ein mutiges Vorgehen gegen jegliche Form von Rassismus, der Hand in Hand geht mit Sexismus – egal aus welcher Ecke dieser kommen mag. Jeder und jede von uns muss sich demokratisch einbringen und Verantwortung für die gemeinsame Zukunft übernehmen. Die Weltbilder, die eine männerdominierte Ideenwelt weiter stabilisieren, gehören aufgebrochen. Die Muster und Motivation für rassistische und sexistische Gewalt und Hetze sind stets gleich: Die Täter wollen das eigene Minderwertigkeitsgefühl und die damit verbundene Existenzangst kompensieren. So stark und mutig, wie sie selbst glauben, sind die jungen Rechtsextremen nämlich nicht.


Aus: "Was hinter den „Grauen Wölfen“ von Favoriten steckt" Zeynep Arslan (25. Juni 2020)
Quelle: https://mosaik-blog.at/graue-woelfe-favoriten/

« Last Edit: June 29, 2020, 10:43:45 PM by Link »

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« Reply #192 on: June 29, 2020, 10:26:19 PM »
Quote
[...] Kritik an Instagram-Zensur

Sichtlich überrascht zeigt sich unsere FOM über die Löschung des Beitrages „Sex, Gender, and Pastafarianism“ von Instagram. „Les Femmes Farfalles“ sprechen sich im Rahmen des Pride Month für Sexpositivity und gegen die Diskriminierung von LGBTIQA*-Personen und Frauen aus. Im Beitrag wird festgehalten, dass sich die „Benachteiligung der Frauen wie ein roter Faden durch die Geschichte fast aller Religionen zieht“ und dass die Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse unter Voraussetzung von Konsens im Pastafarianismus ausdrücklich erwünscht ist.

Der angebliche Grund für die Löschung: Das Bild zum Text zeige „Nacktheit bzw. sexuelle Aktivität“.

Auf dem Bild sind aber die Brüste wie auch der Intimbereich von den Händen und dem Glaubenstext des Pastafarianismus vollständig bedeckt. Keineswegs handelt es sich dabei um Pornografie, sondern um körperlichen Ausdruck mit künstlerischem und gesellschaftspolitischem Anspruch.

Die Zensur durch Instagram zeigt einmal mehr die Verquickung religiös motivierter und antifeministischer Unterdrückung der freien Meinungsäußerung.


Aus: "Kritik an Instagram-Zensur" Nadja Entner (25.06.2020)
Quelle: https://pastafari.at/kritik-an-instagram-zensur/

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Sunder Martin Preradovic

Leben wir wieder in den Fünfziger Jahren?


...


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[...] Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich (KdFSMÖ) verlautbart die Gründung des feministischen Frauenordens „Les Femmes Farfalles“. Es ist, heutzutage, nicht unüblich, dass auf einem Piratenschiff auch Piratinnen ihren Dienst leisten. Unser Nudeliges Monster hat unserem Propheten Bobby, dem Physiker außerdem folgendes mitgeteilt:

„Am liebsten wäre mir, wenn ihr die Leute nicht danach beurteilen würdet, wie sie aussehen oder wie sie sich anziehen oder wie sie reden. Seid einfach nett zueinander, okay? Ach, und kriegt es endlich in eure Dickschädel: Frau = Mensch. Mann = Mensch. Gehüpft wie gehoppelt. Das eine ist nicht besser als das andere. Es sei denn, es geht um Mode, denn die habe ich exklusiv den Frauen sowie ein paar Männern überlassen, die den Unterschied zwischen Veilchenblau und Violett kennen.“

Und: „Am liebsten wäre mir, wenn ihr euch die verklemmten, frauenfeindlichen Vorstellungen anderer nicht auf nüchternen Magen anhören würdet. Esst etwas, dann macht euch über die Idioten her“.

Ich habe die feministischen Piratenschwestern interviewt.

Als pastafarianischer Prieser freue ich mich sehr, die Gründung des feministischen Frauenordens „Les Femmes Farfalles“ bekanntgeben zu können. Zu diesem Anlass hat die Fast Oberste Maccherona (FOM) meiner Kirche ein äußerst schönes und sehr spirituelles Foto (siehe Bild links) samt einem aussagekräftigen Text veröffentlicht:

    Monsterseidank gibt es mittlerweile den Pastafarianismus! In dieser Religionsgemeinschaft sind Frauen, Männer und alle anderen Geschlechter, sowie alle Menschen egal welcher sexuellen Orientierung, subsumiert unter LGBTIQA* laut Glaubenslehre absolut gleichberechtigt. Im Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters wird das ganz klar und präzise erläutert. Ganz besonders schön und erwähnenswert ist, dass die Pastafaris versuchen, das in der Praxis so zu leben und umzusetzen, auch wenn das nicht immer einfach ist.


Jener Blogartikel wurde dann auf den üblichen sozialen Netzwerken geteilt, um die Welt zu erleuchten und zu erretten. Jedoch gefiel dieses sexpositive Bild dem Zensurcomputer bei Instagram nicht.

    Sichtlich überrascht zeigt sich unsere FOM über die Löschung des Beitrages „Sex, Gender, and Pastafarianism“ von Instagram. „Les Femmes Farfalles“ sprechen sich im Rahmen des Pride Month für Sexpositivity und gegen die Diskriminierung von LGBTIQA*-Personen und Frauen aus. Im Beitrag wird festgehalten, dass sich die „Benachteiligung der Frauen wie ein roter Faden durch die Geschichte fast aller Religionen zieht“ und dass die Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse unter Voraussetzung von Konsens im Pastafarianismus ausdrücklich erwünscht ist.

Nicht nur deswegen, sondern auch weil wir gerade das Pride Month feierten, habe ich meine Schwestern vom eher anhermetischen Orden der Piratinnen gebeten, mir einige Fragen zu beantworten.

MJ: Wie kam es, dass ihr den pastafarianischen Glauben angenommen habt?

Eva: Also, bei mir war das so, dass ich in den Medien von den Kämpfen um religiöse Gleichberechtigung des Pastafarianismus mitbekommen hab. Ich glaub, das war 2017, als das mit dem Führerscheinfoto und der Anerkennung öfters in den Zeitungen vorgekommen ist. Ich war vorher Atheistin, aber das Fliegende Spaghettimonster hat sofort meine wissenschaftliche Seite angesprochen. Auch das Argument mit dem Zusammenhang zwischen Klimawandel und Pirat*innen hab ich großartig gefunden. Der Pastafarianismus ist die einzige Religion, die wirklich zeitgemäß ist, das hab ich sofort gemerkt. Und seitdem fühle ich mich immer von den langen Nudeln des Monsters gehalten. Ich bin sofort online Mitglied geworden und hab auch meine Katzen pastafarisch getauft und großgezogen.

MJ: Eben. Jeder muss an etwas glauben. Als ich jund und dumm war, war ich auch Atheist. Und mit Korrelation kann man alles beweisen. Aber ich wusste nicht, dass wir auch Tiere spirituell betreuen. Bis du aktiv geworden bist, hat es noch ein bisschen gedauert, oder?

Eva: Ja, lange haben nur meine engsten Familienmitglieder und Freund*innen von meiner Religion gewusst. Ich hatte Angst davor, ausgelacht zu werden, oder mich ständig rechtfertigen zu müssen, was ich unfair finde. Wie oft werden Katholikinnen denn aufgefordert, zu erklären, wie genau ihr Gott Eva aus Adams Rippe geformt hat, oder was es da alles gibt? Ich glaube, dass viele Frauen durch diese Diskriminierungen abgeschreckt werden. Ich bin durch meine Schulpraktika im Lehramtsstudium zum aktiven Mitglied geworden. Überall Kreuze, an den Wänden, an den Kettchen von Kolleg*innen… Ich hab mich richtig provoziert gefühlt und mir noch am selben Tag die nächste Versammlung in den Kalender eingetragen und mir ein Kettchen mit dem FSM-Symbol bestellt.

Nadja: Im Jahr 2011 habe ich „Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters” gelesen https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_des_Fliegenden_Spaghettimonsters. Danach war ich von tiefem Glauben erfüllt und wollte von nun an unbedingt Pastafari sein und die frohe Botschaft des FSM verbreiten. Daraufhin habe ich versucht, weitere Pastafari in Österreich zu suchen und wurde erfreulicherweise fündig. Insgeheim glaube ich sogar, dass ich schon in meiner Kindheit ganz unbewusst eine echte Piratin war. Ich nehme an, dass das Fliegende Spaghettimonster schon damals Seine Nudeligen Tentakel im Spiel hatte, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch kein Mensch wusste, dass es den Pastafarianismus überhaupt gibt. Ich deute das als wahres Wunder und als eindeutiges Zeichen dafür, dass es das FSM tatsächlich geben könnte. ...

MJ: Wahnsinn! Gepriesen sei das Nudelige Moster! Wie kam es zur Gründung des Frauenordens Les Femmes Farfalle?

Eva: Bei der ersten Versammlung, bei der ich teilnahm, wurden die Mitgliederzahlen nach Geschlecht vorgestellt, und ich habe mich gewundert, warum der Frauenanteil so klein war, auch bei der Versammlung selber, und hab das angesprochen. Den ganzen Rest der Arbeit mit der Gründung haben unsere tolle FOM und die anderen länger Aktiven gemacht. Das musst du dann erzählen, Nadja. Ich hab ursprünglich an eine gezielte Werbekampagne für weibliche Mitglieder oder so gedacht. Dass es jetzt einen ganzen Orden gibt, übertrifft alle Erwartungen. Feminismus und LGBTIQA*-Rechte spielen in meinem Leben grundsätzlich eine große Rolle, und dass die Themen in meiner Religion so super aufgenommen werden, freut mich extrem. Ich bin sicher, in keiner anderen Religion fühlt man sich als Frau so ernstgenommen.

MJ: Ja, unsere Religion ist schon sehr OK und modern; obwohl wir auch schon eine lange Tradition haben. Nadja, wie kamst du auf die Idee mit diesem Foto?

Nadja: Juni ist weltweit PRIDE Monat! PRIDE steht für Würde, Gleichheit und erhöhte Sichtbarkeit der LGBTIQA*-Community. Wir Pastafari möchten besonders diese Personengruppe und Frauen unterstützen und sprechen uns gegen die Diskriminierung dieser Menschen aus. Aus diesem Grund habe ich den Beitrag „Sex, Gender, und Pastafarianismus“ geschrieben https://pastafari.at/sex-gender-and-pastafarianism/. Die Idee mit dem Foto kam dann durch eine höhere Eingebung durch das Fliegende Spaghettimonster.

MJ: Ramen.

Nadja: Ramen.


MJ: Eva, du schreibst ja an einer feministischen Analyse unserer Gospel, …

Eva: Genau! Teil eins ist schon in unserer Online-Kirchenzeitung zu lesen https://pastafari.at/von-nudeln-fleischbaellchen-und-male-strippers-eine-queerfeministische-analyse-der-gospel-of-the-flying-spaghetti-monster-unseres-propheten-bobby-henderson-teil-1/. Es geht darum, dass ich unsere Nudelige Schrift von vorn bis hinten untersuche: Was steht da zu Frauenrechten? Zu Schwulen und Lesben? Zu Sex und Beziehungen? Welche Geschlechterklischees gibt es vielleicht? Das Gute dabei ist, dass es ein religiöser Text ist, da hat man gleich viel mehr Interpretationsmöglichkeiten …

MJ (lacht): Jaha, in der Tat …

Eva: Wenn da zum Beispiel steht, dass Frauen einen besseren Modegeschmack haben, dann denk ich mir: Was will uns das Monster wirklich damit sagen? Vielleicht mag es mich mal wieder daran erinnern, diese Kategorien zu hinterfragen. Eine Jüdin steinigt auch nicht ihren Nachbarn, der am Samstag arbeitet, nur weil das wörtlich in der Tora steht.

MJ: Und wie kann man beim Frauenorden Les Femmes Farfalle beitreten?

Nadja: Man schreibt einfach eine E-Mail an mich: (Kontakt siehe Link oben). Es dürfen übrigens auch Männer und überhaupt alle Menschen unserem Frauenorden beitreten, wenn sie das möchten. Auch in dieser Hinsicht sind wir sehr flexibel.

MJ: Gut, meine Lieben. Gibt es noch irgendwas, das ihr der Welt mitteilen müsst?

Nadja: Ich möchte nochmals auf die Vorzüge meiner Religion eingehen: Es gibt im Pastafarianismus keine Dogmen. Nach dem Tod kommen gläubige Piraten in den Bierhimmel. Dort befindet sich ein Biervulkan und eine StripperInnenfabrik. Der Pastafarianismus fördert wissenschaftliche Weltanschauungen. Pastafari befürworten alles was gut ist und lehnen alles ab, was nicht gut ist. Toleranz, Glaubensfreiheit, Gleichberechtigung sind Werte, die uns Pastafari sehr wichtig sind. Der Pastafarianismus ist die friedlichste Religion, die es gibt.

Eva: So ist es.

MJ: Ja, so ist es. Ramen.


Aus: "Die Gründung eines pastafarianischen Frauenordens und Internetzensur sexpositiver Inhalte" Michael Jachan (29. Juni 2020)
Quelle: https://www.ruhrbarone.de/die-gruendung-eines-pastafarianischen-frauenordens-und-internetzensur-sexpositiver-inhalte/187230

https://pastafari.at/sex-gender-and-pastafarianism/

https://pastafari.at/wer-wir-sind/les-femmes-farfalles/

https://pastafari.at/von-nudeln-fleischbaellchen-und-male-strippers-eine-queerfeministische-analyse-der-gospel-of-the-flying-spaghetti-monster-unseres-propheten-bobby-henderson-teil-1/

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« Reply #193 on: July 03, 2020, 03:03:36 PM »
Prostituiertenverfolgung in Bremen 1933–1939
Ein maßnahmenstaatliches Experiment
Dr. Julia Hörath
Published Online:Feb 2020
Employing Ernst Fraenkel’s model of the dual state, this article examines the persecution of prostitutes in Bremen during the early Nazi years. As a city-state with an administration that closely cooperated with the regime, Bremen quickly developed a multi-stage system for confining sex workers. Newly enacted policies built on calls for preventive policing and strict legislation proposed long before 1933. The Reichstag Fire Decree marked a significant shift, since suspending fundamental rights enlarged the perpetrators’ scope of action. By legitimizing campaigns against prostitutes with the state of emergency, Bremen’s authorities contributed to a radicalization of the regime’s persecution policy.
https://doi.org/10.13109/gege.2019.45.4.597

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Geschlechterbeziehungen und "Volksgemeinschaft" (Klaus Latzel, Elissa Mailänder, Franka Maubach
Wallstein Verlag, 17.09.2018 - 287 Seiten) Herausgegeben von Klaus Latzel, Elissa Mailänder, Franka Maubach
Welchen Einfluss nahm der Nationalsozialismus auf die geschlechtlichen Beziehungen? Der Ort von Frauen in der NS-Gesellschaft und ihre Beteiligung an der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Mordpolitik wird seit geraumer Zeit ausgelotet. Daneben hat eine kritische Männlichkeitsforschung stereotype Bilder soldatischer Männlichkeit untersucht. Gleichwohl haben sich beide Forschungsstränge bislang hauptsächlich mit Frauen und Männern "unter sich" beschäftigt, weit seltener wurde die "Volksgemeinschaft" als "Geschlechtergemeinschaft" in den Blick genommen. Die Beiträgerinnen und Beiträger fragen, welche geschlechtsspezifischen Erwartungen an Männer, Frauen und Paare in der "Volksgemeinschaft" gerichtet wurden, welche Handlungsräume sich ihnen eröffneten oder verschlossen und welche Dynamiken die gedachten wie gemachten Ordnungen freisetzten. Das rassistische Potenzial der Geschlechterordnung rückt dabei ebenso in den Fokus wie Beziehungen am Rande oder jenseits der "Volksgemeinschaft". ...
https://books.google.de/books?id=-Ex3DwAAQBAJ&pg=PA109&lpg=PA109&dq=mirjam+schnorr+prostitution&source=bl&ots=yti1Y_KY87&sig=ACfU3U2j8zfNXMyPw_XljfNlu9r3vHG9Tw&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwie67LGvK_qAhVL06YKHXkODIMQ6AEwEHoECAgQAQ#v=onepage&q&f=false
https://www.amazon.de/s?k=9783835342668&i=stripbooks&linkCode=qs

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« Reply #194 on: July 06, 2020, 11:43:08 AM »
Frau Spunktpunkt (05.07.2020): “ … Ich habe gestern erfahren, dass mein Mann sich in eine andere Frau verliebt hat. Wie fragil das Glück ist. Und wie schnell alles vorbei sein kann. …“

Antigone to @Spunktpunkt: “ … Meine Freundin hat nach 8 Jahren glücklicher Beziehung, Ehe und 2 Kindern eine Affäre begonnen und mich vor 84 Tagen nach einem halben Jahr lügereien verlassen. Ja, das Glück ist fragil. …“

MiraMond @Spunktpunkt: “ … Ach verflucht. Das ist ein böser Schmerz! …“

// Quelle: https://twitter.com/Spunktpunkt/status/1279804084955099136

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Kathrin Weßling @ohhellokathrina
Übrigens ist "alle Frauen stehen auf Arschlöcher" ein misogyner Mythos, der suggerieren soll, dass Frauen es lieben schlecht behandelt zu werden und dein "ich bin so super nett und kenne nur Frauen die auf Bad Boys stehen, mich will keine" ist genau das gleiche Johannes.
https://twitter.com/ohhellokathrina/status/1279403202975338496

Chris Cherry blossom @DXNVSTY Replying to @ohhellokathrina
Männer haben Angst vor intelligenten Frauen, ganz einfach.
https://twitter.com/DXNVSTY/status/1279403590440845312

Bonifazius @DeFlatulenza Replying to @DXNVSTY and @ohhellokathrina
Dumme Männer haben Angst vor intelligenten Frauen. Ansonsten fängt Gleichberechtigung ja wohl beim intellektuellen Miteinander an. Begegnung auf Augenhöhe und so weiter....
Intelligente Frauen sind sexy! (Männer vermutlich auch 'Winking face')
https://twitter.com/DeFlatulenza/status/1279493714730192901

Matthias Sohn @00sohn Replying to @DXNVSTY and @ohhellokathrina
Haben intelligente Frauen Lust auf minder intelligente Männer?
https://twitter.com/00sohn/status/1279660787326476293

usw.

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