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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Last post by Link on June 19, 2020, 11:21:49 AM »
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[...] Seine Botschaften werden immer hasserfüllter. Er beschimpft Gegner als “Parasiten” und “Untermenschen”, feiert sich selbst als “deutschen Nationalisten”. Dazu verbreitet er einen kruden Mix aus antisemitischen Verschwörungsmythen, nach denen Juden etwa den Holocaust mitfinanziert hätten. Diese “Zionisten” - laut Hildmann handelt es sich dabei um einen “Judenstamm” - versuchten schon lange, “die deutsche Rasse auszulöschen”.

Vor Wochen war der Berliner Kochbuchautor Attila Hildmann noch für seine wirren Theorien ausgelacht worden, hinter Corona stecke ein teuflischer Plan von Microsoft-Gründer Bill Gates.

Die Lügengeschichten, die er nun übers Internet streut, kursieren sonst unter Neonazis und Holocaustleugnern. Zum Beispiel: Weil sich der "Judenstamm" der Zionisten für ein “auserwähltes Volk” halte, wollte er Deutschland bereits nach dem Ersten Weltkrieg durch Reparationsforderungen zerstören.

Vor diesem Angriff habe Adolf Hitler die Deutschen lediglich zu schützen versucht. Im Vergleich zu Angela Merkel sei Hitler “ein Segen” gewesen, schreibt Hildmann.

Der “Judenstamm” der Zionisten habe dann den Holocaust  mitfinanziert, nach dem Krieg habe er weiter daran gearbeitet, “die deutsche Rasse" zu vernichten. Zu diesem Zweck habe er auch Angela Merkel als Kanzlerin installiert, die ebenfalls Jüdin sei. Sie gehöre demselben Stamm an wie George Soros, Mark Zuckerberg, die Rothschilds und Warburgs sowie Helmut Kohl. Aktuell planten diese Juden einen globalen Völkermord.

Neben seinen antisemitischen Ausfällen verbreitet Hildmann verstärkt Reichsbürger-Ideologie: Deutschland habe im Zweiten Weltkrieg überhaupt nicht kapituliert, sei heute kein souveräner Staat, sondern besetztes Gebiet. Zudem bewirbt Hildmann auf seinem Kanal das extrem rechte, vom Verfassungsschutz beobachtete “Compact”-Magazin. Einer Sprachnachricht gab er den Titel  “Mein Kampf”.

In einer zweiten Telegram-Gruppe, in der Hildmann seine Anhänger diskutieren lässt, wird ebenfalls wüst gehetzt. Dort wird etwa die antisemitische Lügenschrift “Protokolle der Weisen von Zion” zur Lektüre empfohlen. Keiner schreitet ein.

Seine Entgleisungen haben für Hildmann reale Konsequenzen. Sämtliche Händler haben seine Energy-Drinks aus den Regalen verbannt, Mitarbeiter wandten sich ebenso von ihm ab wie die Firma, die seine Flaschen abfüllte. Auch das Musikportal, bei dem Hildmann als Sponsor auftrat, will nicht mehr mit ihm in Verbindung gebracht werden.

Mittlerweile sind bei der Polizei mehrere Strafanzeigen gegen Hildmann eingegangen. Der Staatsschutz habe die Prüfung übernommen, erklärt die zuständige Polizei Brandenburg. Dort lebt der Mann. Zudem erhielt er eine Unterlassungsaufforderung von SAP-Gründer Dietmar Hopp, den Hildmann zuvor beleidigt hatte.

Seine Hoffnung, er würde Anführer einer großen Bewegung gegen die Bundesregierung und ihre Corona-Maßnahmen, hat sich ebenfalls zerschlagen. Die Teilnehmerzahlen seiner Demonstrationen dümpeln vor sich hin, ja sind verschwindend gering im Vergleich zu den Protesten von "Black Lives Matter" oder der "Seebrücke". Von Bewegung keine Spur.

Zur Not müsse er eben wieder alleine protestieren, schrieb Hildmann neulich. Dabei hatte er vor kurzem noch großspurig verkündet, er werde schon bald das Amt des deutschen Staatschefs übernehmen.

Zudem gerät er inzwischen selbst in den Fokus der Verschwörungsideologen und ihrer wirren Theorien. Manche behaupten, Hildmann sei vom deutschen Geheimdienst geschickt worden, um die Bewegung der Corona-Skeptiker durch sein peinliches Auftreten ins Lächerliche zu ziehen. Andere werfen ihm vor, er sei Mitglied des Islamischen Staats. Schließlich habe er bei Reden mehrfach den Zeigefinger gen Himmel gereckt. So geht das Erkennungszeichen der Terroristen.

Treu zu ihm hält immerhin noch Sänger Xavier Naidoo, der jüngst ebenfalls durch judenfeindliche Entgleisungen aufgefallen ist. Den Zentralrat der Juden beschimpft Naidoo als “Zentralrat der Lügen”. Die dort Engagierten seien gar keine echten Juden: “Wenn Ihr Juden seid, bin ich ein Koreaner.” Außerdem verkündete Naidoo, die Erde sei kein Globus.


Aus: "Attila Hildmann gibt Juden die Schuld – und verteidigt Hitler" Sebastian Leber (19.06.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/antisemitismus-im-netz-attila-hildmann-gibt-juden-die-schuld-und-verteidigt-hitler/25930880.html

https://www.tagesspiegel.de/politik/von-der-alu-bommel-bis-zur-zwangsimpfung-was-die-derzeit-gaengigen-verschwoerungsmythen-bedeuten/25854566.html

https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/liebling-der-rechten-und-verschwoerungstheoretiker-der-verstoerende-absturz-des-xavier-naidoo/25775006.html

https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/auftritt-in-der-zitadelle-geplant-xavier-naidoo-konzert-fuehrt-zu-debatte-im-rathaus/25898650.html

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J.Feder 10:04 Uhr

Menschen wie Hildmann, Naidoo und Ken Jebsen sind irgendwie verlorengegangen. ... Die Gesellschaft braucht eine „Firewall“ und aktiven „Virenschutz“ gegen die Hildmanns, Naidoos, Kens, Eva Hermans und so weiter.


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YvonneD 09:57 Uhr

Sollte vegane Ernährung etwa Hirnschäden verursachen...?


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Westpreussen 09:34 Uhr

Und trotzdem ist Hildmanns Imbiss in der Charlottenburger Schillerstraße weiterhin stark frequentiert. Verstehe einer die Menschen.


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Pat7 09:55 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Westpreussen 09:34 Uhr

Es gibt ja genug, die genauso ticken.


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DocFloppy 08:59 Uhr

Ganz ehrlich gesagt glaube ich, dass der Mann dringend psychologische Hilfe benötigt. Kein Mensch radikalisiert sich derart in ein paar Wochen und zerstört so bewusst alles was er sich aufgebaut hat bzw. dreht derart durch. Hildmann war sicherlich nie ein sonderlicher Sympath in der Öffentlichkeit, das hier ist allerdings etwas gänzlich anderes. Ich tippe eher darauf, dass bei ihm eine Schizophrenie ausgebrochen ist. ( ja ja, ich bin nur ein Küchenpsychologe, aber das ist hier schon sehr abnormal )


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Manni2 10:09 Uhr

Antwort auf den Beitrag von klaus14513 09:04 Uhr

... Zwar bin ich auch nur Küchenpsychologe, doch habe ich im privaten und beruflichen Umfeld mehrmals erlebt, wie Mitmenschen der Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren (da tritt diese Krankheit gehäuft auf) quasi von jetzt auf gleich in die geistige Umnachtung einer Schizophrenie abdrehten.


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tempus_fugit 07:55 Uhr

Mist, er hat alles herausgefunden! Wie konnte er das nur schaffen? Bestimmt hatte er Hilfe von den Brokkolianern und Karrottanern!
Jetzt muss ich schnell zu meiner Flugscheibe und Großimperator McDonald Bericht erstatten, dass die Invasion verschoben werden muss. Mal schauen, ob ich Agentin Merkel noch unterwegs aufgabeln kann, Helmut Kohl macht sich immer so breit auf der Rückbank.


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Artist.a 07:54 Uhr

Irre Behauptungen, wirr und gefährlich. Wie im Mittelalter, als Juden in der Pest-Zeit als Brunnenvergifter bezichtigt und tödlich verfolgt wurden.


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prokrastes 07:50 Uhr

Liebert tsp: Bitte verwendet doch bei der Berichterstattung über diesen Herrn nicht die Berufsbezeichnung "Kochbuchautor".
Hassprediger wäre angemessener.


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Geschichte (Bruhstuecke) ...
« Last post by Link on June 18, 2020, 02:40:14 PM »
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[...] Es hilft, den Satz "Wir sind rassistisch" nicht als Selbstanklage zu verstehen, sondern als nüchterne Feststellung. Wir sind rassistisch geprägt durch unzählige Bilder und Erzählungen, die wir von Kindheit an aufgesogen haben. In Geschichtsstunden, in Filmen, Werbespots, Fernsehnachrichten, Zeitungen. Ich meine damit gar nicht die alten Bücher oder Artikel, in denen Schwarze noch mit dem N-Wort bezeichnet wurden, oder die Wirtschaftswunder-Kinohits wie Toxi über niedliche, aber störende damals sogenannte "Mischlingskinder". Ich rede von unserem Welt- und Selbstbild als aufgeklärte, ihrer Vergangenheit bewusste Europäer.

Rassismus wird man nicht los durch Schweigeminuten für seine Opfer oder umgestürzte Denkmäler – so wichtig oder berechtigt solche Aktionen auch sind. Einer solchen Ideologie tritt man erst dann ernsthaft entgegen, wenn man willens ist, die Dimension ihrer Geschichte zu begreifen. Das haben wir bislang weder in Deutschland noch in Europa ernsthaft versucht.

Seltsam, denn eigentlich gilt historisches Bewusstsein als nationale und europäische Primärtugend. Als Säule eines demokratischen Deutschlands nach der NS-Zeit und der Schoah. Als Fundament der Aussöhnung nach zwei Weltkriegen und damit der Europäischen Union. Allerdings hört diese Tugend an deren Küsten auf. Europas Vergangenheit jenseits des Mittelmeers und des Atlantiks liegt hinter einem Schleier aus Verdrängung und Geschichtsklitterung. Warum? Weil die Geschichte des Rassismus auch die Geschichte des Kolonialismus und damit unseres Wohlstands ist. Über die Wurzeln des Rassismus zu reden, geht also ans Eingemachte. Aber vielleicht wird genau das gerade möglich – angeschoben durch eine ganze Reihe von Entwicklungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, akut beschleunigt durch unsere Reaktionen auf den Mord an dem Schwarzen George Floyd durch einen Polizisten. Manchen erscheint eine solche Auseinandersetzung über die Entstehung unserer Privilegien als Bedrohung in ohnehin bedrohlichen Zeiten. In Wahrheit ist es eine Chance.

In Europa geht es konkret um die Überwindung zweier kollektiver Lebenslügen. Die erste ist eine spezifisch deutsche: Demnach haben wir mit der "Erinnerungskultur" zu Holocaust und der Nazi-Diktatur genug zur Aufarbeitung vergangener Verbrechen beigetragen – und beim Kolonialismus waren wir gar nicht wirklich dabei. Die Menschen in den ehemaligen deutschen "Schutzgebieten" sehen das anders. In Kamerun, Togo, Tansania und vor allem in Namibia, wo die Völker der Ovaherero und Nama, nach kolonialer Ideologie "minderwertige Rassen", Anfang des 20. Jahrhunderts Opfer des ersten deutschen Genozids wurden.

Diese deutsche Lebenslüge liegt gut eingebettet in einer europäischen. Demnach war der Kolonialismus eine raue Angelegenheit, ist aber schon lange her. Außerdem haben "die da unten" in Afrika, Asien und Lateinamerika Eisenbahn, Schulen und die Anleitung zum Nationalstaat bekommen. Also die Türöffner zur Moderne. Oder um es im Fall Großbritanniens mit Boris Johnson zu formulieren: den "Segen des britischen Imperiums".

Das ist eine beachtliche Verdrängungsleistung, zumal Historikerinnen und Publizisten seit Jahrzehnten das Ausmaß der Gewalt und der Ausbeutung des Kolonialismus freilegen. Die offenen Adern Lateinamerikas, der Klassiker des uruguayischen Journalisten Eduardo Galeano stammt aus dem Jahr 1971, Frantz Fanons Die Verdammten dieser Erde über die Folgen der europäischen Plünderungen in Afrika erschien 1961. Das Menschheitsverbrechen des Sklavenhandels ist ausführlich, wenn auch noch lange nicht erschöpfend dokumentiert, ebenso die Gräueltaten britischer, italienischer, deutscher, belgischer oder niederländischer Kolonialbehörden.

Aber dieses Wissen blieb lange in der Nische der Postcolonial Studies hängen, es wurde durch die ideologischen Kämpfe des Kalten Krieges überschattet und nach dessen Ende durch die Hybris des vermeintlichen Sieges des (weißen) Westens. Erst die noch junge Debatte um Europas Museen – in Deutschland vor allem um das Humboldt-Forum – traf diesseits des Atlantiks zum ersten Mal den historischen Nerv. Die Einsicht, dass unsere Museen voller Raubgüter aus den ehemaligen Kolonien sind, hat lange gebraucht. Jetzt führt sie uns, ob wir es wollen oder nicht, zur Frage, was sich Europa außer Masken, Speeren, Statuen und Menschenschädeln noch aus seinen Kolonien geholt hat. Die Antwort: materiell fast alles, was es für seinen Aufstieg, also für den Anbruch des europäischen, westlichen, weißen Zeitalters brauchte. Kautschuk, Gold, Silber, Kupfer, Elfenbein, Baumwolle, Zucker. Und Millionen Sklaven.

Wie gesagt, das Wissen darum ist seit Langem mit ein paar Mausklicks verfügbar. Aber noch ist es nicht Bestandteil unserer europäischen Erzählung. Die müsste so lauten: Unsere technischen und geistesgeschichtlichen Errungenschaften – ob Industrialisierung oder Aufklärung – wären ohne die Plünderung der Kolonien, ohne Tod und Versklavung von Millionen Menschen nicht möglich gewesen. Rassismus als Ideologie ist keine Spielart von Gruppenhass, den es auf der Welt immer schon gegeben hat. Er wurde passend zum europäischen Raubzug in den Kolonien entwickelt. Ein weißes Eliteprojekt des 18. Jahrhunderts, in dem Biologen, Mediziner, Philosophen und Theologen die Hierarchisierung von Menschen in und "Höher- und Minderwertige" pseudo-wissenschaftlich wie moralisch zu untermauern versuchten. Und damit auch den Aufstieg Europas und des Westens zur "zivilisierenden" Macht. "Das Taufbecken unserer Moderne" – so hat der kamerunische Philosoph Achille Mbembe den Sklavenhandel und die Plantagenwirtschaft einmal beschrieben. Das anzuerkennen, ist der erste Schritt, um dem Rassismus der Gegenwart auf den Grund zu gehen.

Vielleicht setzen wir gerade dazu an. In Deutschland wie in Europa. Das Wort "Rasse" aus dem Grundgesetz zu streichen, ist dabei ebenso überfällig wie in Bronze gegossene Sklavenhändler vom Sockel zu holen oder Straßen und Gebäude umzutaufen, die immer noch nach deutschen "Helden" der afrikanischen Kolonien benannt sind. Paul von Lettow-Vorbeck, Adolph Woermann, Adolf Lüderitz. Nur dürfen sie eben nicht aus unserem kollektiven Gedächtnis verschwinden. Im Gegenteil: Sie sind Teil einer gemeinsamen Geschichte Europas, Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Die verlangt auch einen neuen Blick auf unsere historischen Lichtgestalten. "Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen … die Neger sind weit tiefer." Der Satz stammt von Immanuel Kant, Philosoph der Aufklärung, aber eben auch ein Vertreter der europäischen Ideologie des Rassismus. Das eine schloss das andere nicht aus.

Da kommt also einiges ins Wanken, wenn wir es ernst meinen mit dieser politischen Archäologie. Nicht nur unsere vorbehaltlose Verehrung europäischer Denker, sondern auch unser hartnäckiges, schon zu Kants Zeiten geformtes Narrativ von Afrika als geschichtslosem Kontinent, der wechselweise ohne weiße Hilfe verloren oder ohne Afrikaner besser dran wäre. Mit den Bildern schwarzer Kinder, die von weißen Helfern gefüttert und geknuddelt werden, während erwachsene Schwarze als hilflose Statisten daneben stehen, werden wir bis heute überflutet. Und falls die Frage jetzt tatsächlich auftaucht: Ja, die Infantilisierung ganzer Gesellschaften und die eigene Überhöhung zum weißen Retter, egal wie gut gemeint, ist ein rassistisches Stereotyp. Das Gleiche gilt für das Klischee von Afrika als "unberührter Wildnis" mit möglichst vielen Löwen und möglichst wenig Afrikanerinnen und Afrikanern, bis heute reproduziert in TV-Serien und Naturfilmen. Viele der spektakulären afrikanischen Nationalparks gehen auf die koloniale Praxis (auch der Deutschen) zurück, Landstriche gewaltsam zu entvölkern und zu "Naturschutz- und Jagdgebieten" zu erklären – natürlich nur für die weißen Herren. Zumindest so viel sollte man wissen, bevor man in Post-Corona-Zeiten die nächste Safari bucht.

Eine ehrliche Auseinandersetzung mit Kolonialismus und Rassismus führt allerdings nicht nur zu einem anderen Fernsehprogramm, sondern unweigerlich zur Frage der Entschädigung und Reparationen.

Die Ovaherero und Nama fordern sie, ebenso die Überlebenden britischer Folterlager im kolonialen Kenia oder die Angehörigen von Opfern niederländischer Massaker in Indonesien. Einigen wurde in den vergangenen Jahren Geld zugesprochen – meist beschämend kleine Summen, die man in europäischen Schadenersatzprozessen für eine gebrochene Nase festlegen würde. Aber die afrikanischen und asiatischen Kläger waren schlicht froh, dass die Verbrechen überhaupt juristisch anerkannt wurden.

Kommt bei der Debatte um koloniale Verbrechen und Ausbeutung materielle "Wiedergutmachung" mit ins Spiel, hört man vonseiten der ehemaligen Kolonialmächte schnell den Einwand: Warum? Wir überweisen "denen im Süden" doch seit Jahrzehnten Entwicklungshilfe. Auch die Bundesregierung hat so immer wieder gegen die Forderungen der Ovaherero und Nama im heutigen Namibia argumentiert. Es ist ein lang erprobter Abwehrreflex, der allerdings immer weniger funktioniert, je stärker sich Vertreter des globalen Südens in die Debatte um die shared history, die gemeinsame Geschichte des Kolonialismus einschalten.

Die Behauptung, vor allem Afrikanerinnen und Afrikaner ritten auf dem Kolonialismus herum, um vom eigenen Versagen nach der Unabhängigkeit abzulenken, ist dabei eine sehr weiße Anmaßung. In so gut wie jedem Land des globalen Südens waren und sind soziale Bewegungen gegen Korruption, Verelendung und Autoritarismus aktiv. Intellektuellen wie Aktivisten – von Textilarbeiter-Gewerkschaften in Bangladesch über Journalistenverbände in Mali bis zu Bauernkooperativen in Bolivien – geht es nicht darum, den reichen Ländern die gigantische und endgültige Rechnung für den Kolonialismus zu präsentieren. Es geht ihnen vor allem um eine neue Aufteilung der Kosten unseres Wohlstands.

Denn alle antikolonialen Befreiungskämpfe, alle Denkmalstürze und Anti-Diskriminierungsgesetze haben an einem nichts geändert: Europa und Nordamerika lagern seit 500 Jahren die Kosten ihres Wohlstands weitgehend aus. Längst haben China und andere asiatische Staaten zu unserem Club aufgeschlossen, was nichts an dem Umstand ändert, dass wir bis heute von diesem kolonialen Erbe profitieren. Die sozialen und ökologischen Kosten für unsere Ernährung (ob mit oder ohne Bio-Stempel), unsere erschwingliche Kleidung, unsere billigen elektronischen Geräte und deren Entsorgung zahlen immer noch "die anderen" – Menschen im globalen Süden. Der Soziologe Stephan Lessenich hat in seinem Buch Neben uns die Sintflut dafür den Begriff der "Externalisierungsgesellschaft" geprägt und bezieht ihn nicht nur auf die brachiale Ausbeutung asiatischer Näherinnen, deren Jeans für 29,90 Euro auf deutschen Grabbeltischen landen. Er meint mit Externalisierung auch unsere kollektive Fähigkeit, diese Zusammenhänge und das damit verbundene Elend zu verdrängen.

Das geht nun nicht mehr so einfach, seit uns mit der Klimakrise die Kosten unserer Lebensweise zum ersten Mal auch vor die eigenen Füße fallen. Wobei diese Krise eben nicht ausgleichend wirkt, sondern das Machtgefälle, das vor ein paar Jahrhunderten entstanden ist, verschärft. Die Weltgegenden, die am meisten für Europas und Amerikas Aufstieg bluten mussten, zahlen jetzt in der Klimakrise wieder doppelt und dreifach extra: mit ungleich schlimmeren Folgen der Erderwärmung infolge eines fossilen Booms, von dem sie am allerwenigsten profitiert haben.

Auch diese Fakten sind mit ein paar Mausklicks abrufbar. Die Frage ist, ob und wie sehr wir uns von ihnen in unserem Selbst- und Weltbild im besten Sinne des Wortes erschüttern lassen. Denn wir haben die Klassifizierung von Menschenleben noch lange nicht aufgegeben. Natürlich sprechen wir nicht mehr von "Rassen", von "Minderwertigen" oder "Höherwertigen". Aber wir denken bewusst oder unbewusst in Kategorien wie "kostbar", "weniger wertvoll" und "entbehrlich". Je dunkler die Hautfarbe, desto tiefer die Einstufung, desto hinnehmbarer die niedrigsten Löhne, die höheren Krankheitsraten, die niedrigere Lebenserwartung, der Verlust von Acker, Land und Wasser. Auch das zählt im Jahr 2020 zum Erbe des kolonialen Rassismus.

Die Debatten und Kämpfe, die jetzt durch die rassistische Polizeigewalt in den USA auch bei uns eine neue, enorme Wucht erfahren haben, sind anstrengend, bitter, verunsichernd, oft auch hässlich. Zumal wir weiße Europäerinnen und Amerikanerinnen Tempo und Richtung nicht mehr vorgeben. Unsere Epoche wird oft als Ende des westlichen Zeitalters beschrieben. In Wahrheit befinden wir uns mitten im "langen Abschied von der weißen Dominanz", wie es die Publizistin Charlotte Wiedemann in ihrem jüngst erschienenen Buch mit ebendiesem Titel beschreibt. Dagegen können wir uns mit Gewalt wehren, was einige jetzt schon tun und in naher Zukunft womöglich noch mehr Menschen tun werden. Aber eines können wir nicht mehr verhindern: dass andere unseren Status und all die Privilegien infrage stellen, die wir bislang für selbstverständlich hielten.

Und was passiert jetzt mit Immanuel Kant? Es gebe seiner drei, schrieb Achille Mbembe vor einigen Jahren in der ZEIT: den Kant, der den Menschen als Wesen mit souveräner Vernunft erkannt habe; den Kant des Ewigen Friedens, "der der Menschheit als Weltgesellschaft einen Horizont eröffnete, auf den wir gemeinsam zugehen müssen". Und den Kant, der in seinen europäischen und deutschen Vorurteilen stecken blieb und den Universalismus verriet. Auf die ersten beiden, sagt Mbembe, könne die Menschheit nicht verzichten. Schon gar nicht in diesen Zeiten.




Aus: "Wir ewigen Rassisten" Aus einem Essay von Andrea Böhm (18. Juni 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-06/rassismus-in-europa-kolonien-geschichte-verdraengung-sklaverei

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DrGrundig #39

'Wir sind rassistisch.' hat sich für mich gleich wie eine nüchterne Feststellung angefühlt. Und genau das ist es auch. Ich BIN rassistisch, und die meisten anderen jungen, deutschen Frauen sicher ebenso. Auch wenn es keine von ihnen gern zugeben wird.
Wie ich es merke? Es fühlt sich für mich einfach anders an, wenn ich z.B. in der S-Bahn in einer Gruppe weißer Menschen sitze als in einer Gruppe schwarzer Menschen. Für mich kommt nich Sexismus dazu. Eine Gruppe weißer Frauen fühlt sich anders an als eine Gruppe weißer Männer, Schwarze Frauen anders als schwarze Männer.
Wobei dann noch soziale Kategorien hinzukommen, also 'weniger Bildung/mehr Bildung', 'weniger oder mehr finanzielle Ressourcen' etc.
Also ja: ich bin rassistisch. Ich bin sexistisch.
Jeder und jede, die von sich selbst behauptet, er oder sie mache da keine Unterschiede, sollen noch mal in sich gehen, ob es wirklich so ist.
Finde ich das gut so? Nein, natürlich nicht!
Aber das Bewusstsein darüber ist ein erster Schritt.


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Biatt #7

Danke für dieses Essay! Ein wichtiger Beitrag. Koloniale Geschichte fand beinahe überhaupt nicht in meinem Abitur trotz Geschichte Leistungskurs statt. Ein kritischer Blick wurde kaum gewagt, meist wurde die Erzählung nur von Bismarck und "dem Platz an der Sonne" geprägt.

Ich hätte aber einen kleinen Verbesserungsvorschlag: Das Bild [im Artikel: Ein Kolonialoffizier in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi, Ruanda und ein Teil Mosambiks) vergnügt sich mit einem gezähmten Zebra, circa 1910] reproduziert genau das, was im Artikel kritisiert wird. Es ist ein klassisches Beispiel für koloniale Propaganda, die bisher das europäische Afrikabild prägt. Ein Weißer Mann bezwingt das Wilde.


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nachdenklich30 #11

Danke für diesen Artikel.

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Freie Räume. Eine Geschichte der Jugendzentrumsbewegung (D 2020; Regie: Tobias Frindt)
https://filmgazette.de/2020/06/07/freie-raeume-eine-geschichte-der-jugendzentrumsbewegung/

Die Studentenrevolte, der Aufbruch, die sexuelle Revolution, das lossagen vom Nachkriegsdeutschland der Täter und Mitwisser, das alles wurde in den letzten Jahren auf vielen Ebenen breit thematisiert, es wurde geforscht und unzählige Bücher und Filme hatten die „68er“ Bewegung zum Thema. Man kann sagen, mittlerweile gehört 1968 zum Gründungsmythos der Berliner Republik.
Weithin unbekannt ist jedoch, dass nur kurze Zeit später, die Ideen und Forderungen der 68er sich in einer anderen Jugendbewegung manifestieren sollten. In den frühen 70er Jahren versuchten tausende von Jugendlichen in Westdeutschland in ihren Städten und Gemeinden selbstverwaltete Jugendzentren und Jugendhäuser zu etablieren, um sich eigene Treffpunkte zur Freizeitgestaltung ohne Konsumzwang und ohne Kontrolle durch die Elterngeneration zu schaffen.
Mit Parolen wie “Was wir wollen: Freizeit ohne Kontrollen” gingen sie auf die Straßen, sammelten Unterschriften und stritten sich mit KommunalpolitikerInnen. Anknüpfend an die 68er-Revolte hatten sich in einer Vielzahl von Städten und Gemeinden Initiativgruppen Jugendlicher gebildet.
Mit der Jugendzentrumsbewegung und der Einrichtung hunderter selbstverwalteter Jugendzentren kam es auch in der „Provinz“ zu politisch-kulturellen Aufbrüchen, die politisierte Jugendkultur der Zeit breitete sich in ländlich-kleinstädtischen wie in suburbanen Räumen aus. Freie Räume geht dieser von der Geschichtsschreibung fast vergessenen Bewegung nach und versucht darüberhinaus herauszufinden, was von ihr übrig geblieben ist.
https://freieraeume-film.de/
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Der Hansaplatz ist ein Platz im Berliner Ortsteil Hansaviertel des Bezirks Mitte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hansaplatz_(Berlin)

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[...] „Ich versteh dich voll, Mann, so geht’s einfach nicht.“ Der hagere Mann presst je eine Flasche Klaren und Cola an sich und nickt dem Sicherheitsdienst zustimmend zu. Der hat gerade S. von seinem Stammplatz vor dem Supermarkt verwiesen. Lautstark zieht S. ab, wo er saß, hinterlässt er einen Teppich aus Essensresten und Müll. Auch die anderen Obdachlosen, die eben noch in der Passage auf dem Hansaplatz in Mitte um ein paar Cent bettelten, verlassen das Gelände. „Immer wieder werden wir hier vertrieben“, erzählt Arwi M., der seit drei Jahren mit seiner Frau auf der Straße lebt.

Wieder der Bezirk Mitte, wieder geht es um Obdachlose, wieder geht es um den Vorwurf der Verdrängung. Bereits seit Jahren lässt der Bezirk im Tiergarten und anderen Parks immer wieder entstehende Camps räumen und erntet dafür teils heftige Kritik von Ak­teu­r*in­nen der Obdachlosenhilfe. Diesmal schlagen die Straßensozialarbeiter von Gangway Alarm: Seit einigen Wochen gibt es am Hansaplatz eine Platzordnung, die obdachlose Menschen verdrängen soll.

Der Skandal aus Sicht der Streetworker: Das von einem Sicherheitsdienst kontrollierte Gebiet, auf dem die Platzordnung gilt, umfasst sowohl Privatgelände als auch den öffentlichen Platz; der Bezirk beteiligt sich zu 40 Prozent an den Kosten. „Das verstößt gegen das Grundgesetz“, sagt Andreas Abel, seit acht Jahren Straßensozialarbeiter im Bereich des nahe gelegenen Bahnhofs Zoo und immer wieder vor Ort auf dem Hansaplatz. Vor zwei Wochen schrieb Gangway eine Beschwerde an den Bezirk.

Auf Nachfrage meldet sich der Bezirksbürgermeister persönlich zu Wort. „Kennen Sie den Platz?“, fragt Stephan von Dassel (Grüne). „Wissen Sie, was da los ist?“

Der Hansaplatz entstand Ende der 1950er Jahre im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Interbau als Zen­trum einer Mustersiedlung, der „Stadt von morgen“, damals State of the Art. Nach Verlassen der U-Bahn-Station befindet man sich auch heute noch direkt im sogenannten Einkaufszentrum, einem Ensemble aus einem Dutzend niedrig überdachter Läden.

Alles hier ist seit 1995 denkmalgeschützt – jede Gehwegplatte, auf der man steht, das abblätternde Türkis an den Metallträgern, die dunkelbraunen Holzpaneelen an der Decke, die das Licht jedes noch so hellen Tages schlucken. Linker Hand sind die Türen des Grips Theaters wegen Corona seit Wochen verschlossen, geradeaus befindet sich die Filiale einer Bäckereikette. Hier hängen sie im Schaufenster: die Platzregeln. Ein weiteres Exemplar prangt vor dem verrammelten Späti, der wohl wegen krummer Geschäfte schließen musste, ein dritter Aushang klebt am Schaufenster der Apotheke.

Die Platzordnung untersagt unter anderem das Trinken von Alkohol, Betteln, Hausieren, Nächtigen, Urinieren und unnötigen Aufenthalt. Eine Karte verzeichnet das Gebiet, auf dem die Platzordnung gilt. Ende letzten Jahres gab es eine Testphase, in der ein Sicherheitsdienst an 6 Tagen in der Woche vor Ort war. Seit einigen Wochen sind es nun regelmäßig 3 Tage, an denen die Männer das Gebiet überwachen.

Die Federführung hat der Eigentümer des Einkaufszentrums, unterstützt wird er vom Bezirk. „Es gibt hier eine sehr aktive Gruppe von Gewerbetreibenden und Anwohnern“, sagt Streetworker Andreas Abel, „die wollen die obdachlosen Menschen vom Hansaplatz vertreiben.“ Früher sei der Hansaplatz tatsächlich einmal ein sogenannter kriminalitätsbelasteter Ort gewesen. „Aber das ist er schon lange nicht mehr. Es handelt sich um ein persönliches Unsicherheitsempfinden und verfestigte Vorurteile“, sagt Abel.

Ulrich Greiner betreibt mit seiner Frau seit 30 Jahren die Apotheke im Einkaufszentrum. „Wir hatten hier immer schon Obdachlose, das war kein Pro­blem, die haben wir mit durchgefüttert“, sagt er. Aber seit fünf, sechs Jahren gebe es eine so massive Aggressivität, dass man im Alltag einfach nicht damit zurechtkomme. Greiner ist Mitglied im Bürgerverein Hansa­viertel, der sich 2004 gründete, um die Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des Hansaviertels 2007 vorzubereiten.

Eigentlich ging es dem Verein um die Wahrung des Bau- und Gartendenkmals, man strebt die Anerkennung als Weltkulturerbe an. Doch seit Jahren, so erzählt Vorsitzende Brigitta Vogt, geht es immer wieder auch um die Obdachlosen am Hansaplatz. Gerade die älteren Bewohner, von denen viele in den 90ern hier Eigentumswohnungen gekauft haben, hätten Angst, in das Einkaufszentrum zu gehen. Der Grund seien vor allem obdachlose Menschen aus anderen EU-Ländern, die kein Deutsch sprächen und von denen einzelne extrem aggressiv auftreten. „Es gibt ein Fremdheitsgefühl“, sagt Vogt. „Warum kann man die, die hier Stress machen, nicht zurückschicken?“, fragt der Apotheker.

Ladenbesitzer, Anwohner und der Bürgerverein berichten von Fäkalien, von Müll, von Pöbeleien und Drohungen, von eingeschlagenen Scheiben, auch von Gewalttätigkeit. Von einzelnen Obdachlosen, die alte Leute vor dem Supermarkt so lange auf den Kieker nehmen, bis diese ihnen Geld geben. Die Menschen anspucken, ihre Genitalien entblößen und Kindern Angst machten. Auf diese Erfahrungen beruft sich auch der zuständige Bezirksbürgermeister von Dassel und verteidigt die Entscheidung, dass der Sicherheitsdienst neben den privaten auch öffentliche Flächen kon­trol­liert. Der sogenannte Platzdienst sei geschult, mehrsprachig, kultursensibel. Es gehe nicht um Verdrängung, sondern um Gewaltprävention.

„Platzdienst im Auftrag des Bezirksamts“, steht auf dem Schild an der Brust von Pete H. Er ist es, der an dem Nachmittag auf dem Hansaplatz S., Arwi M. und die anderen Obdachlosen zum Gehen auffordert. Er spricht Russisch und Polnisch und arbeitet auch auf einem anderen Platz im Bezirk. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich mir hier Respekt erarbeitet habe, aber jetzt hören sie auf mich.“ Er erzählt, wie er einem Alkoholiker geholfen habe, der auf Krücken lief, mit einem „völlig vergammelten Bein“. Der sei zu allen aggressiv gewesen. „Aber ich habe zu ihm gesagt, wenn du wirklich willst, helfe ich dir.“ Die Sozialarbeiter des Bezirks habe er gerufen, die hätten sich um Entgiftungskur und alles gekümmert. Neulich sei der Mann gekommen, keine Krücken mehr, ordentliche Klamotten, trocken, wollte sich bedanken. „Ich habe gesagt, bedank dich bei dir selbst.“

Aber es gebe ein paar, nicht viele, die machten immer wieder Stress. Und wegen denen dürfe leider nun auch der „total höfliche Straßenzeitungsverkäufer“ hier nicht mehr stehen. Bis zu 10 Mal, erzählt Pete H., schicke er zum Beispiel S. von seinem Platz vor dem Supermarkt fort. Der habe schon über 200 Anzeigen, sei im Gefängnis und in der Psychiatrie gewesen. „Aber da wollen sie ihn auch nicht, zu aggressiv.“ Nur morgens, wenn er noch nüchtern sei, könne man mit S. reden, erzählt der Apotheker. Jetzt ist es Nachmittag. „Komm her oder ich komm zu dir“, brüllt S. durch die Passage, als er die Reporterin sieht, wie sie mit zwei der obdachlosen Menschen spricht. Es klingt nicht einladend. „Lieber nicht“, sagt auch Arwi M. und schüttelt den Kopf.

„Ja, es gibt hier ernste Probleme, aber Vertreibung war die denkbar schlechteste Lösung“, sagt Philipp Harpain, Leiter des Grips Theaters, vor dessen Türen die Zone der neuen Platzordnung beginnt. Harpain hat vor 18 Jahren sein erstes Stück am Grips Theater inszeniert – über Obdachlosigkeit. Bei der Feier zum 50-jährigen Jubiläum des Hansaviertels hätten am Ende die Obdachlosen den Platz gefegt. „So sauber war der noch nie“, erzählt Harpain. Man habe doch nicht immer wieder mit Politik, Polizei und Gewerbetreibenden zusammengesessen, damit diese Menschen jetzt alle über einen Kamm geschert und vertrieben werden. „Kontakte und Schnorren sind doch nicht das Problem“, sagt Harpain und wünscht sich Begegnung auf diesem Platz, der einst genau dafür gestaltet wurde.

Das wünschen sich auch die Streetworker von Gangway, die das Vorgehen des Bezirks juristisch prüfen lassen wollen und denen der Bezirksbürgermeister mangelnde Kooperation vorwirft. „Wir lassen uns nur nicht für Sicherheitszwecke instrumentalisieren“, sagt Abel. Man prüfe die Bedenken von Gangway, verspricht der Bezirksbürgermeister.

Wenn der Platzdienst da ist, sei Ruhe, freuen sich dagegen die Ladenbesitzer und fordern noch mehr Engagement vom Bezirk. Denn sobald Pete H. und seine Kollegen verschwinden, kommen die Menschen zurück, die auf dem Hansaplatz um ein paar Cent betteln, schlafen, hausen. „Was sollen wir auch sonst machen“, sagt Arwi M.


Aus: "Verdrängung von Obdachlosen in Berlin: Betteln und hausieren verboten" Manuela Heim, Berlin (18. 6. 2020)
Quelle: https://taz.de/Verdraengung-von-Obdachlosen-in-Berlin/!5689870/
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Migration & Flüchtlingspolitik...
« Last post by Link on June 18, 2020, 10:42:18 AM »
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[...] Die griechische Küstenwache setzt einem Medienbericht zufolge Bootsflüchtlinge im Mittelmeer auf aufblasbaren Rettungsinseln aus. Report Mainz, Lighthouse Reports und der Spiegel berichten über ein Video vom 13. Mai, das zeigt, wie die Küstenwache die Flüchtlinge in der Ägäis zurücklässt. Oft würden die Menschen anschließend nach stundenlanger Verzögerung von der türkischen Küstenwache gerettet.

Die Medien berichteten zudem von Angriffen durch maskierte Männer in der Ägäis, über die Flüchtlingsaktivisten und Migranten seit Jahren klagten. Dabei werde oft der Motor der Flüchtlingsboote beschädigt und so die Ankunft der Menschen auf den griechischen Inseln verhindert.

Unklar sei bislang gewesen, wer die maskierten Männer sind. Mithilfe forensischer Untersuchungen und dutzender Bildvergleiche konnten Report Mainz, Lighthouse Reports und der Spiegel nach eigenen Angaben nun erstmals die Männer in einem Fall der griechischen Küstenwache zuordnen. Am 4. Juni attackierten demnach maskierte Männer in der Ägäis ein Flüchtlingsboot. Dabei benutzten sie ein graues Schlauchboot. Aufgrund verschiedener Merkmale hätten die Journalisten das Boot "zweifellos" einem griechischen Küstenwachenschiff zuordnen können.

Die griechische Küstenwache bestreite die Vorwürfe, berichteten die Medien. Die Beamten würden keine Masken tragen und sich stets an geltendes Recht halten. Auf das Video vom 13. Mai ging die Küstenwache den Angaben zufolge in ihrer Stellungnahme nicht ein.
Griechische Medien hatten vergangene Woche ein Video einer türkischen Polizeidrohne veröffentlicht, das zeigt, wie die griechische Küstenwache zwischen der Insel Lesbos und der türkischen Küste einem Flüchtlingsboot den Motor abnimmt und es dann mit den Menschen an Bord im Meer zurücklässt. Auf der Mittelmeerroute sind in den vergangenen Jahren jeweils Tausende Menschen ertrunken.


Aus: "Griechische Küstenwache setzt offenbar Flüchtlinge aus" (17. Juni 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-06/migration-mittelmeer-kuestenwache-griechenland-fluechtlinge
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [CDU (Politik)...]
« Last post by Link on June 18, 2020, 10:36:07 AM »
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[...] Philipp Amthor - Schon zu Schulzeiten trat der heute 27-Jährige der CDU bei und wurde Mitglied der Jungen Union. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Greifswald. 2012 wurde er Kreisvorsitzender der Jungen Union Vorpommern-Greifswald und 2014 Mitglied im Kreistag Vorpommern-Greifswald. 2017 zog er in den Bundestag ein, er ist der zweitjüngste Parlamentarier derzeit. Amthor kandidiert als Einziger für den CDU-Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Prominenz der Adresse ist kaum zu überbieten: New York, One World Trade Center, das Gebäude mit der (laut Eigenwerbung) "besten Aussicht der Welt". Hier, im 77. Stockwerk, residiert die Firma Augustus Intelligence auf rund 600 Quadratmetern. Die Geschäfte scheinen gut zu laufen. Erst im Februar hat man die neuen Räume bezogen, das frühere Büro lag im 45. Stock und war nur halb so groß. Von oben hat man tatsächlich einen spektakulären Blick. Ganz Manhattan liegt einem zu Füßen.

Den Empfangsdamen im One World Trade Center zufolge ist aber schon länger niemand mehr in den Büros von Augustus Intelligence gewesen. Vielleicht seien die Mitarbeiter wegen der Pandemie im Homeoffice, vermuten sie. Es gibt eine Mobilnummer für Notfälle, aber wer dort anruft, landet bei einer automatischen Ansage der Telefongesellschaft: Der Teilnehmer sei gerade nicht erreichbar.

Die frühere Adresse von Augustus Intelligence, unter der das Unternehmen ins Register der US-Börsenaufsicht eingetragen wurde, ist weit weniger beeindruckend. Ein Gebäude in der 23. Straße, dritter Stock, über einer Filiale von Kung Fu Tea und der Praxis eines Physiotherapeuten. Der Portier ist sich nicht sicher, ob Augustus Intelligence hier noch residiert. Wenn man klopft, öffnet niemand die Tür. Eine Firma wie ein Schatten. Wie ein Gerücht.

Ausgerechnet diese Firma steht im Mittelpunkt einer der seltsamsten deutschen Politikaffären der jüngeren Zeit. Es geht um Philipp Amthor, 27 Jahre alt, seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags und so etwas wie ein Hoffnungsträger der CDU. Amthor soll beim Bundeswirtschaftsminister um politische Unterstützung für Augustus Intelligence geworben und dafür, so legen es Recherchen des Spiegels nahe, Aktienoptionen der Firma bekommen haben, was ihm nun den Vorwurf der Käuflichkeit einträgt. Es geht aber auch um ein Netzwerk ehemaliger Politiker und Staatsdiener des Landes, das Augustus Intelligence um sich herum aufgebaut hat und bei dem unklar ist, ob da ehedem bedeutende Menschen sich nur ihrer Bedeutung versichern wollten – oder ob sie wirklich Bedeutendes tun.

Und es geht um Augustus Intelligence selbst, eine Firma mit bestenfalls unklarem Geschäftsmodell. Offiziell beschäftigt sich das Unternehmen mit künstlicher Intelligenz und einer Software zur Gesichts- und Objekterkennung. Aber wie viel an Augustus ist echt? Und was wäre eigentlich, wenn das Zentrum dieser Affäre, über die ein aufstrebender Politiker stolpern könnte, weil er womöglich gegen das Abgeordnetengesetz verstoßen hat, wenn also der unternehmerische Kern des Ganzen nur aus heißer Luft bestünde? Einem Nebel aus Angeberei, Versprechungen und Bling-Bling? Einem Nichts?

Über die Frage, wie groß dieses Nichts tatsächlich ist, liefert sich die Firma einen Rechtsstreit mit zwei ehemaligen Managern. Die Klageschrift liegt der ZEIT vor. Die beiden Ex-Angestellten behaupten, man habe sie damit gelockt, dass die Firma über "üppige Investorengelder" sowie "allerneueste Technologie" verfüge. Tatsächlich sei das Investorenkapital nicht vorhanden gewesen, ebenso wenig Produkt, Kunden oder Umsatz, heißt es in der Klage. Augustus hat dem widersprochen. Das Verfahren ruht, weil die beiden Parteien eine gütliche Einigung suchen.

Eine wichtige Rolle in dieser seltsamen Angelegenheit spielt Karl-Theodor zu Guttenberg, 48 Jahre alt, ehemaliger Wirtschafts- und Verteidigungsminister, seit seinem Rückzug aus der Politik in der Beratungsszene aktiv. Guttenbergs Unternehmen Spitzberg Partners, das er 2013 gründete, ist ebenfalls im One World Trade Center gemeldet. Bis 2017 hatte Spitzberg, ähnlich wie Augustus, ein typisches New Yorker Ein-Zimmer-Büro in Soho, alter Baubestand, ein halbes Dutzend kleiner Firmen auf einem Stockwerk. Dann zog man ins One World Trade Center um.

Guttenberg war bis vor Kurzem "President in charge of General Affairs" bei Augustus – ein Titel von maximaler Unklarheit. Aber seine Kontakte scheinen nützlich gewesen zu sein: Guttenberg sprach zum Beispiel August Hanning an, den früheren Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND) und ehemaligen Staatssekretär im Bundesinnenministerium. So bestätigt es Hanning im Gespräch mit der ZEIT.

Hanning sagt, man habe ihm erklärt, dass Augustus eine Technik entwickelt habe, mithilfe von künstlicher Intelligenz aus relativ wenig Daten relevante Schlüsse zu ziehen. Er könne das "nicht alles im Einzelnen beurteilen", aber sein Eindruck sei: "Das ist ein reelles Unternehmen." Es gebe auch schon Kunden, habe man ihm gesagt.

Zwischen Augustus Intelligence und August Hanning besteht seither eine schriftliche Vereinbarung, es gehe um "Beratung, wenn man so will", sagt der ehemalige BND-Präsident. Dafür erhielt er – wie offenbar auch Amthor – Aktienoptionen. Es gebe allerdings "keine enge Beziehung", und er sei "nicht besonders aktiv", so Hanning. Er habe keine Papiere für Augustus verfasst und keine Kontakte vermittelt. Die Aktienoptionen seien zudem "überschaubar" und "im Augenblick nichts wert". Es sei üblich, dass Start-ups so verfahren – ein preisgünstiges Instrument, um sich bei jemandem erkenntlich zu zeigen. Amthor habe er einmal am Rande einer Jagd getroffen, sagt Hanning. Da sei es kurz auch um Augustus gegangen, "aber nicht vertiefend".

Zu dem Netzwerk, das Augustus aufbaute, zählen neben Guttenberg und Hanning noch weitere Männer aus dem konservativen Milieu, der ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen etwa oder August François von Finck, Spross einer der reichsten Familien Deutschlands. Hanning wie Maaßen standen einmal im Zentrum des politischen Geschehens. Nun wirkt vor allem Maaßen so, als sehne er sich nach einer Anschlussverwendung: Er arbeitet als Berater der Medienkanzlei Höcker, ist eines der Gesichter der CDU-nahen Werte-Union und lässt sich von Augustus einspannen. Von Finck investierte laut Spiegel rund 11,2 Millionen US-Dollar in Augustus. Dass sein Name in Verbindung mit den Geschäften konservativer Prominenter auftaucht, ist wenig überraschend: Seit Jahrzehnten investiert der Vater von August François, August senior, Millionenbeträge in libertäre und nationalkonservative Parteien und Thinktanks. Laut dem Magazin pumpte er 4,3 Millionen Euro in die Anti-Euro-Partei Bund Freier Bürger, zahlte sechs Millionen Euro an den "Bürgerkonvent", der sich für einen Rückbau des Staates einsetzte. Im Jahr 2009 bescherte der ältere Finck der FDP mit Spenden von mehr als einer Million Euro die Mövenpick-Affäre.

Seit einigen Jahren widmet sich Finck senior offenbar einem neuen Projekt: der AfD. Immer wieder wird sein Name in Zusammenhang mit der Partei genannt; die Rede ist von möglichen verdeckten Spenden und der unklaren Finanzierung eines AfD-Unterstützervereins. August von Finck schweigt zu alledem. Auch sein Sohn, dessen Name in Zusammenhang mit der aktuellen Affäre aufgetaucht ist, äußerte sich auf Anfrage der ZEIT nicht.

Es ist ein mehr als illustres Umfeld, in das sich Philipp Amthor begeben hat. Was all diese Männer an Augustus interessiert haben könnte, was sie bewogen haben mag, sich für eine Firma zu engagieren, die in ihrem Innersten kaum mehr zu sein scheint als ein schwarzes Loch, das ist einstweilen rätselhaft.

Seit Anfang der Woche prüft die Bundestagsverwaltung, ob Amthor gegen die Verhaltensregeln für Parlamentarier verstoßen hat. Konkret geht es um drei Reisen im Jahr 2019: Amthor war zweimal zu Gesprächen mit Augustus-Mitarbeitern nach New York geflogen, auf einer weiteren Reise traf er sich auf Korsika und in St. Moritz mit Vertretern der Firma. Amthor hatte bei Augustus eine Art Aufsichtsratsposten inne. Diese Nebentätigkeit hat er als Abgeordneter auch offiziell beim Bundestag angegeben.

Laut den Regeln des Parlaments müssen Abgeordnete anmelden, wenn sie im Rahmen ihrer Nebentätigkeit einen "geldwerten Vorteil" erwirtschaften. Dazu können auch von Unternehmen bezahlte Reisen zählen. Sollte Amthor sich nicht in seiner Funktion als Aufsichtsratsmitglied, sondern als CDU-Abgeordneter einladen haben lassen, könnte es sich um eine Spende gehandelt haben. Auch diese hätte möglicherweise gemeldet werden müssen.

Kommen die Beamten nach der Prüfung zu dem Schluss, dass Amthor die Regeln verletzt hat, drohen ihm Konsequenzen: Wird sein Vergehen als schwerwiegend bewertet, könnte das eine Geldstrafe nach sich ziehen.

Neben den Reisen befasst sich die Bundestagsverwaltung mit dem Brief Amthors, der Anfang Oktober 2018 bei Wirtschaftsminister Peter Altmaier einging. Darin warb der Abgeordnete für das Unternehmen, in dessen Aufsichtsrat er wenig später berufen wurde. Auch hier prüfen die Beamten, ob Amthor die Regeln verletzt hat. Die schreiben vor, dass Parlamentarier bei der Ausübung einer Nebentätigkeit keine "Briefköpfe mit dem Bundesadler" verwenden dürfen – genau der aber prangt mindestens über dem Entwurf von Amthors Brief an Altmaier.

Amthor hatte sich vor einiger Zeit selbst bei der Bundestagsverwaltung danach erkundigt, ob er die Aktienoptionen, die er für seine Tätigkeit im Auftrag von Augustus erhalten hat, auf seiner Website als Nebeneinkunft hätte vermelden müssen. Da Amthor die 2817 Aktienoptionen aber nicht verkauft und damit kein Einkommen erwirtschaftet hat, äußerten die Beamten keine Bedenken. Die Reisen kamen zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht zur Sprache.

Und die CDU? In der Partei machen Beschwichtigungsformeln die Runde: Hier sei ein junger Mann aus einfachen Verhältnissen dem Glamour von New York oder St. Moritz erlegen und den Lockrufen von zu Guttenberg sowie der Autorität des früheren Verfassungsschutzchefs Maaßen gefolgt. Amthor habe am Ende niemandem geschadet außer sich selbst und die Aktienoptionen doch nicht eingelöst. Wenn er Reue zeige, mal ein Jahr lang etwas in der Deckung bleibe – dann könne er mit einer kleinen Image-Delle davonkommen. Seinen Posten im Untersuchungsausschuss zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz gab Amthor bereits auf; vor dem Ausschuss soll Maaßen im Herbst als Zeuge aussagen. Aber in der innenpolitischen Arbeitsgruppe der Fraktion am Dienstagmorgen dieser Woche trat Amthor auf, als sei nichts gewesen, mit frischen Vorschlägen zur Wahlrechtsreform.

"Konservative Politik", so hatte Amthor im Frühjahr in einem Interview gesagt, beginne für ihn "zuallererst damit, dass man sich anständig benimmt". Erst einmal in der Deckung zu bleiben scheint aber auch nicht der Plan zu sein. Am Montagabend beschloss der erweiterte Kreisvorstand der CDU Mecklenburgische Seenplatte mit nur einer Gegenstimme, man wolle an ihm als Kandidaten für den CDU-Landesvorsitz festhalten. Am Freitag entscheidet der Landesvorstand. Die Personaldecke der CDU in Mecklenburg-Vorpommern ist dünn. Aber kann die Partei in einem der ärmsten Bundesländer der Republik einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl nominieren, der sich für ein Unternehmen aus New York eingesetzt hat, von dem niemand so genau zu sagen vermag, was es eigentlich macht?

Philipp Amthor war trotz mehrmaliger Nachfragen nicht zum Gespräch mit der ZEIT bereit.


Aus: "Philipp Amthor: War's das?"  Marc Brost, Heike Buchter, Mariam Lau, Paul Middelhoff und Yassin Musharbash (17. Juni 2020 DIE ZEIT Nr. 26/2020, 18. Juni 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/2020/26/augustus-intelligence-philipp-amthor-karl-theodor-zu-guttenberg/komplettansicht

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Ostseebär #164

Einen Skandal kann ich hier nicht erkennen, höchstens eventuell ein Fehlverhalten. Welcher Mensch macht keine Fehler? - Aber einige Leute scheinen sich immer zu freuen, auf jemanden mal losgehen zu können. In diesem Fall sind es wohl hauptsächlich die eher Linksgrünen. - Nebenverdienste und Lobbyismus finde ich auch schlimm. Aber wenn, dann müsste man mal alle Bundestagsabgeordnete ansehen. Nebentätigkeiten dieser Art sind doch dort nicht die Ausnahme sondern die Regel. Dabei werden diese Abgeordneten üppig bezahlt und erwarten auch nach kurzer Amtszeit eine hohe Rente bzw. Pension. Dennoch haben sehr viele von ihnen Zeit für Nebentätigkeiten, d.h. sie sind im Job gar nicht ausgelastet. - Diese Verhältnisse sollten insgesamt geändert werden, größere Nebentätigkeiten gar nicht zugelassen werden. Aber das wird wohl nicht passieren. Ähnliche Auswüchse gibt es im EU-Parlament, wo die Abgeordneten hohe Sitzungsgelder auch bei Abwesenheit kassieren. Herr Amthor ist da nur ein ganz kleiner Fall - vielleicht wird dieser Fall aufgebauscht, weil (oh welch Skandal) er mal mit Herrn Maaßen auf einem Foto war.


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Runkelstoss #164.2

In diesem Fall sind es wohl hauptsächlich die eher Linksgrünen.

die korrekte Bezeichnung lautet "linksgrün Versiffte", soviel Zeit sollte sich auch ein besorgter Bürger nehmen.


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DrkdD #56

"Konservative Politik", so hatte Amthor im Frühjahr in einem Interview gesagt, beginne für ihn "zuallererst damit, dass man sich anständig benimmt".

Ich bin ja ein ausgewiesener Fan von Real-Satire. ...


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Meister der Provokation #91

Philipp Amthor ist Deutchlands Zukunft.
Die CDU braucht diesen Mann, um auch die U70 zu erreichen.
Gebt ihm noch eine Chance, er ist noch jung.


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Amali #91.1

Sie machen Ihrem User Namen alle Ehre;-)


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abdurchdiemitte #98.1

Die Predigt von Moral und Anstand gilt ausschliesslich dem "Fussvolk" ...


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Arthur.Minkley #121

Mit gewisser Lebenserfahrung möchte ich kurzgefasst sagen, Philipp A. fehlt es an sittlicher Reife. Dabei vor allem wie seinem sozialdemokratisches "Gesicht" Kevin K. , an ausserpolitischen Begegnungen. Dies führt zu ständigen altklugen Belehrungen in der jeweiligen der roten und schwarzen Blase. Seine Überzeugungen sind mehr oder weniger vom Blatt abgelesen.

Meine eher menschlich gemeinte Empfehlung dabei, es wäre am besten , 5 Jahre Beruf und Familie, und die Politik etwas weniger ehrgeizig und unbedingt angehen.


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Fatigue #121.1

Ach Sie Langweiler*in! Was wäre uns da an staatstragenden Posen entgangen. ...  [  .... Fände es schade, wenn er in der Versenkung verschwände. Ich mag einfach diese herrlichen, gestellten Bilder von ihm, mein Favorit: der verträumte Blick aufs Grundgesetz auf dem Balkongeländer. Hätte Michelangelo nicht besser hinbekommen! ...]


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PanB #130

Wenn Amthor die Antwort ist, wie war denn wohl die Frage???


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"Wer hat Amthor verpfiffen? Wer und was hinter Augustus Intelligence steckt" Benjamin Konietzny (Donnerstag, 18. Juni 2020)
Guttenberg soll es dem Bericht zufolge auch gewesen sein, der zwei Managern der Firma im Dezember vergangenen Jahres die Kündigung ausgesprochen habe. Der Vorwurf gegen Marco Pacelli und Ed Crump lautete demnach: Sie hätten eine Konkurrenzfirma aufgebaut. Seither überziehen sich beide Seiten mit Klagen. Guttenberg soll die beiden als "Diebe" und "Feinde" bezeichnet haben. Die beiden Ex-Manager nennen ihren ehemaligen Arbeitgeber demnach "erpresserisch und betrügerisch". Und dieser Streit könnte letztlich auch Amthor zum Verhängnis geworden sein. ...
https://www.n-tv.de/politik/Wer-und-was-hinter-Augustus-Intelligence-steckt-article21852794.html

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Migration & Flüchtlingspolitik...
« Last post by Link on June 18, 2020, 09:47:03 AM »
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[...] Die Zahl der Menschen auf der Flucht steigt weltweit immer weiter. Ende vergangenen Jahres war rund ein Prozent der Weltbevölkerung wegen Kriegen, Gewalt, Konflikten oder Angst vor Verfolgung aus ihrer Heimat vertrieben.

Insgesamt waren 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Donnerstag in seinem Bericht zum Weltflüchtlingstag (20. Juni) mitteilte. Das waren fast so viele Menschen wie Deutschland Einwohner hat (83,2 Millionen). Die Coronakrise und damit verbundene Armut betroffener Bevölkerungen dürfte die Flucht Richtung Europa verstärken, sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi in Genf.

Die Zahl war ein neuer Rekord in der fast 70-jährigen Geschichte des UNHCR. Sie hat sich zwischen 2010 mit gut 40 Millionen und 2019 fast verdoppelt. Der neue Anstieg ist mit fast neun Millionen oder gut zwölf Prozent rasant. Das liegt aber auch daran, dass das UNHCR Venezolaner im Ausland erstmals in einer neuen Kategorie zählte.

Schuld am Mangel von Lösungen seien auch Länder, die eigene Interessen in Konfliktgebieten verfolgten und Konfliktlösungen behinderten. Während in den 90er Jahren im Durchschnitt jedes Jahr 1,5 Millionen Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehrten, waren es in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt weniger als 400.000 im Jahr.

„Das ist ein Anzeichen für die Hartnäckigkeit von Konflikten, für neue Konflikte, und die Lähmung der internationalen Gemeinschaft“, sagte Grandi. Dazu zähle der Weltsicherheitsrat, der nicht in der Lage sei, Konflikte zu lösen und Bedingungen zu schaffen, damit Flüchtlinge heimkehren könnten. Das UNHCR könne sich nur um die humanitären Folgen von Konflikten kümmern und bei der Rückkehr von Flüchtlingen helfen, wenn die Bedingungen dafür geschaffen seien.

Das UNHCR hat erstmals Venezolaner, die vor der Misere im eigenen Land geflohen sind, in einer eigenen Kategorie gezählt. Die 3,6 Millionen Venezolaner, die seit 2015 überwiegend in Nachbarländer flüchteten, haben zwar größtenteils keinen Flüchtlingsstatus beantragt. Sie brauchen aber nach UNHCR-Angaben trotzdem Schutz und dürften zum Beispiel nicht abgeschoben werden.

Aber auch ohne die Venezolaner waren mehr Menschen auf der Flucht als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Flüchtlinge außerhalb des eigenen Landes blieb mit 26 Millionen zwar praktisch konstant. Aber die Zahl der im eigenen Land Vertriebenen stieg von 41,3 Millionen Ende 2018 auf 45,7 Millionen. Auch die Zahl der Asylsuchenden stieg, von 3,5 auf 4,2 Millionen. Weil darunter auch Migranten sind, die letztlich nicht als Flüchtlinge anerkannt werden, listet das UNHCR sie gesondert auf.

Drei Viertel der Flüchtlinge leben Ende 2019 in der Nähe ihrer Heimat. In Europa waren weniger als zehn Prozent derjenigen, die ins Ausland geflohen waren. Mit 1,1 Millionen Flüchtlingen war Deutschland nach der Türkei, Kolumbien, Pakistan und Uganda das fünftwichtigste Aufnahmeland. Hinzu kamen in Deutschland nach der UNHCR-Statistik gut 309.000 Asylsuchende, über deren Status noch nicht entschieden war.

Die Coronakrise habe aber auch internationale Solidarität gezeigt, sagte Grandi. Aufnahmeländer hätten Flüchtlinge größtenteils in ihre Gesundheitsversorgung einbezogen. Spendenaufrufe seien erfolgreich gewesen. Das UNHCR habe von Unternehmen und Einzelpersonen in diesem Jahr schon 15 Prozent mehr Geld und Sachspenden erhalten als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr, sagte Grandi. Die jüngste Spendenkampagne zum muslimischen Fastenmonat Ramadan habe acht Millionen Dollar zusammengebracht, 250 Prozent mehr als 2019. (dpa)


Aus: "Zahl der Geflüchteten steigt auf Rekordhoch" (18.06.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/fast-80-millionen-menschen-aus-heimat-vertrieben-zahl-der-gefluechteten-steigt-auf-rekordhoch/25927284.html
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Extraterrestrial (UFO-Pop und ferne Welten) / Extraterrestrial signs and ufopop...
« Last post by Link on June 17, 2020, 11:25:24 AM »
"Forscher vermuten 36 Zivilisationen in unserer Galaxie" (16.06.2020)
"Wenn wir feststellen, dass intelligentes Leben häufig ist, würde das aufzeigen, dass unsere Zivilisation deutlich länger als ein paar Jahrhunderte existieren kann", erläuterte Conselice. "Anderenfalls, wenn wir feststellen, dass es keine aktiven Zivilisationen in unserer Galaxie gibt, ist das ein schlechtes Zeichen für unsere eigene dauerhafte Existenz." ...
https://www.forschung-und-lehre.de/forschung/forscher-vermuten-36-zivilisationen-in-unserer-galaxie-2864/


The Astrobiological Copernican Weak and Strong Limits for Intelligent Life
Tom Westby and Christopher J. Conselice Published 2020 June 15
https://iopscience.iop.org/article/10.3847/1538-4357/ab8225
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Music and Sound Art (Klang) / Frank Zappa (1940-1993)
« Last post by Link on June 17, 2020, 09:48:13 AM »
Frank Zappa & The Mothers, live on Mother's day at the Fillmore East (May 9th 1970), full concert.
https://www.youtube.com/watch?v=oe0ZoQrxiEs

Frank Zappa (unreleased) Fillmore East 1970-11-13 concert
https://www.youtube.com/watch?v=yikRiiMSymo

Frank Zappa and The Mothers Of Invention 15th December 1970. Palais Gaumont, Paris, France
https://www.youtube.com/watch?v=AtgKgxmOcbQ

Frank Zappa - We Don't Mess Around - Circus Krone Munchen 1978
https://www.youtube.com/watch?v=dG4J9N_tzu0

Frank Zappa - Buffalo (full album)
Memorial Auditorium, Buffalo, NY - October 25, 1980
https://www.youtube.com/watch?v=Yyr2cJHOi80
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Music and Sound Art (Klang) / Frank Zappa (1940-1993)
« Last post by Link on June 17, 2020, 09:46:57 AM »
Frank Vincent Zappa (* 21. Dezember 1940 in Baltimore, Maryland; † 4. Dezember 1993 in Laurel Canyon, Kalifornien) war ein amerikanischer Komponist und Musiker. Er veröffentlichte zu Lebzeiten 62 Musikalben. ... Typisch für seine Spielweise ist die große Experimentierfreude, mit der Zappa zu Werke ging. Ein Merkmal ist außerdem die für die Rockmusik ungewöhnliche Länge seiner Soli. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Zappa

Frank Zappa's musical language
A study of the music of Frank Zappa by Kasper Sloots, containing many note examples, transcriptions and midi files.
https://www.zappa-analysis.com/

FRANK ZAPPA
https://www.zappa.com/

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The Grand Wazoo ist ein Jazzrock-Album von Frank Zappa aus dem Jahr 1972. Es folgt stilistisch den Jazzrock-Alben Hot Rats aus dem Jahr 1969 und Waka/Jawaka, das im selben Jahr veröffentlicht wurde. Es wurde auch als Hot Rats 3 bezeichnet.
https://youtu.be/C6peaCMIFyI

FRANK ZAPPA - WAKA JAWAKA 1972 COMPLETO/FULL
https://youtu.be/6SE_pO8jGag

Frank Zappa - Pygmy Twylyte/The Idiot Bastard Son/Dickie’s Such An Asshole (Live at The Roxy 1973)
https://youtu.be/5D7w0aHjUGE

One Size Fits All - Frank Zappa (Full Album) 1975
https://youtu.be/KRH3GwmyWPg
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