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[...] Rassismus kanalisiert die Abstiegsängste sowie die Ohnmachtsgefühle und hilft der Kompensierung der vorangegangenen Selbstunterwerfung. Zumindest in der Imagination kann auf diese Weise die eigene soziale Positionierung aufrechterhalten werden. Es geht dabei nicht darum, ob das tatsächlich zutrifft, sondern darum, dass der Rassismus auf diese Weise Handlungsfähigkeit vorgaukelt. Tatsächlich produziert der Rassismus nur eine scheinbare Handlungsfähigkeit, die die realen Probleme der Subjekte überhaupt nicht tangieren. Vor dem Hintergrund der Logik von Hierarchisierung und Unterordnung verspricht er aber offenbar einen hinreichenden Gewinn, wenn aktiv daran mitgewirkt werden kann, andere auf ihre hinteren Plätze zu verweisen. In der Forschung wird hier von einer "rebellierenden Selbstunterwerfung" (Nora Räthzel) oder "konformistischer Rebellion" (Erich Fromm) gesprochen.

Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang die gebetsmühlenartig wiederholte Forderung nach Integration, die dem Nach-unten-Treten einen vermeintlich diskutablen politischen Anstrich verleiht. Die Forderung nach Integration bezeichnet aber in den wenigsten Fällen die Forderung nach Anerkennung von demokratischen Spielregeln oder die Maxime des Rechtsstaats, denn dieselben werden von den Fordernden häufig selbst nicht akzeptiert oder durch ihr Handeln ad absurdum geführt. Zahlreiche unter jenen, die "unsere" Frauen vor den angeblich zahlreichen und ihrer "Natur" entsprechenden Übergriffen von Flüchtlingen behaupten beschützen zu müssen, sind genau diejenigen, die gegen den "Genderwahn" polemisieren. Sie fürchten um ihre männlichen Privilegien. Diese Stimmen fanden Vergewaltigung in der Ehe bisher nicht der Rede oder der Verurteilung wert. Das Geschwätz vom "Genderwahn" trägt zudem zu jenen gesellschaftlichen Verhältnissen bei, die Österreich europaweit zur führenden Nation bei der Ermordung von Frauen gemacht hat.

Die Forderung nach Integration meint eben nicht die Anerkennung demokratischer Verfahren, sondern zuallererst die kulturelle und soziale Unterordnung sowie die Aufrechterhaltung eigener Privilegien – und dieselbe dementiert damit ihre vorgeblich demokratische Intention. Wenn wir dem rassifizierenden Subjekt keine Dummheit unterstellen, sondern von einem rationalen Kalkül ausgehen, dann gibt es also gute Gründe, an die Ressentiments und Unwahrheiten zu glauben. Dies erklärt, warum es mit Aufklärung über Vorurteile oder mit Bildungsanstrengungen allein nicht getan ist. Wenn es nicht eine andere, solidarische Erzählung (im Interview habe ich von einem "Gegenmythos" gesprochen) gibt, werden die real begründbaren Ängste und Fantasien weiterhin in Pseudoängste transferiert und mittels Rassismus in Stellung gebracht. Es bedarf einer Gegenerzählung, die dem Marktradikalismus, Utilitarismus, Kosten-Nutzen-Denken, instrumenteller Vernunft, ökologischer Verantwortungslosigkeit und dem Effizienzdenken die Idee einer anderen, sozialen und solidarischen Welt gegenüberstellt und vor allem besagt: Eine andere Welt ist möglich. Es muss wieder attraktiv sein, sich für Demokratie, Solidarität, gleiche Rechte, ökologische Verantwortung und friedliches Miteinander einzusetzen.

Wie das gehen kann, zeigt uns in diesen Wochen die in den Schulen entstehende #FridaysforFuture-Bewegung. Die hier zum Ausdruck kommende Aufbruchsstimmung ist das geeignete Gegenmittel gegen identitäre Gefängnisse und völkischen Wahn. Sie ist geprägt von globalem Verantwortungsbewusstsein und das Gegenmodell der Verteidigung von Privilegien, die aus einer ungerechten Weltwirtschaftsordnung resultieren. #FridaysforFuture steht für friedliches Miteinander, Verantwortung und Gerechtigkeit. Die sich auf "unsere Identität" und "unsere Kultur" berufenden Wortmeldungen befördern Gewaltfantasien, die auf ethnische Säuberungen zielen und in letzter Konsequenz Mord und Totschlag implizieren.

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Aus: "Rassismus gegen Migranten: Man will sich erhaben fühlen" Klaus Schönberger (21.3.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099803471/Rassismus-gegen-Migranten-Man-will-sich-erhaben-fuehlen
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [Forschender Blick nach rechts... ]
« Last post by Link on March 21, 2019, 07:55:22 PM »
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[...] Am Wochenende tauchten rechtsextremistische Morddrohungen in Wohnhäusern von Aktivisten in Neukölln auf. "9 mm für ..." stand in roter Sprühfarbe an zwei Hauswänden, gefolgt von den Klarnamen der Bedrohten. In zwei weiteren Fällen wurden Menschen mit Klarnamen beleidigt. Bei den Opfern handelt es sich nach Informationen des Tagesspiegels um Engagierte, darunter auch einen Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR). "Das sind Menschen, die die Rechtsextremen offenbar als ihre politischen Feinde betrachten", sagte Bianca Klose von der MBR.

Die gesprühten Morddrohungen waren am Donnerstag auch Thema in der Fragestunde des Abgeordnetenhauses. „Wir haben eine Ermittlungsgruppe eingesetzt und treffen uns mit Opfern dieser Anschläge. Aus Sicht des Landes handelt es sich um Anschläge, die durchaus als Terrorismus eingeschätzt werden können“, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) auf die Frage der Linkspolitikerin Anne Helm, was dem Senat zu den Morddrohungen bekannt sei. 

Auf die Frage, ob dem Staatsschutz bekannt sei, dass Opfer monatelang von Neonazis ausgespäht worden seien, antwortete Geisel: „Da laufen die Ermittlungen noch. Aus ermittlungstaktischen Gründen darf ich darüber öffentlich nicht sprechen.“ Die Berliner Ermittlungsbehörden haben mit der Generalbundesanwaltschaft Kontakt aufgenommen. Ob diese die Ermittlungen übernimmt, ist laut Geisel „noch offen“.

Die Drohungen in roter Sprühfarbe seien bereits aus früheren Fällen bekannt, erklärte Klose. So sei bei den Anschlägen der rechtsextremen Vereinigung "Nationaler Widerstand" zwischen 2010 und 2012 bereits die Formulierung "9 Millimeter für..." aufgetaucht. "Auch im Rahmen der aktuellen Anschlagsserie seit 2016 erkennen wir buchstäblich die gleiche Handschrift", sagte Klose.

Der Täterkreis sei vermutlich klein, erklärte sie. Dafür spreche auch die Art der Angriffe: Die Schmierereien an private Hauswände verbreiten Angst und sind hoch wirksam, brauchen aber gleichzeitig nicht viele Täter. Das interessante sei vor allem die Frage, wie die Täter an die Privatadressen kommen würden, sagte Klose.

Es sei unbegreiflich, "dass die Täter nach wie vor so selbstbewusst und ungestört agieren können", sagte sie. Dies deute daraufhin, dass die Täter sich sicher fühlen und keine Strafverfolgung befürchten würden. "Wir fordern endlich eine wirkliche Aufklärung der Taten", sagte Klose.

Seit 2010 kommt es in Neukölln immer wieder zu Anschlägen – auf Autos, auf Cafés, auf Wohnungen und auf Buchhandlungen. Seit 2016 wurden laut Bezirksamt 51 rechtsmotivierte Angriffe in Neukölln verübt, davon 16 Brandschläge. Allen Opfern gemein ist ihr Engagement gegen Rechtsextremismus.

Mehrfach wurden Menschenleben gefährdet, die Polizei vermutet die Täter in der Neonaziszene. Im Verdacht für mindestens einen der Anschläge auf das Auto des Linken-Politikers Ferat Kocak stehen ein ehemaliger NPD-Politiker sowie ein ehemaliges Mitglied des AfD-Kreisvorstandes, der die Partei mittlerweile verlassen hat.

Laut Informationen von taz und RBB sollen sowohl der Verfassungsschutz als auch das Berliner Landeskriminalamt bereits im Vorfeld von den Anschlägsplänen auf Kocak gewusst. Offenbar hatten die Behörden die Täter abgehört. Dennoch wurden keine Maßnahmen unternommen, um ihn und seine Familie zu schützen.

Wie berichtet, hat die Generalbundesanwaltschaft (GBA) die rechtsextreme Anschlagsserie zum "Gegenstand eines Beobachtungsvorgangs" erklärt. Zuvor hatten Betroffene und Bezirkspolitiker im Dezember die Behörde in Karlsruhe aufgefordert, die Serie von Brandanschlägen als rechten Terror einzustufen und die Ermittlungen zu übernehmen.

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Aus: "Rechte Attacken in Neukölln: Geisel schätzt Anschläge "als Terrorismus" ein" (21.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/rechte-attacken-in-neukoelln-geisel-schaetzt-anschlaege-als-terrorismus-ein/24129404.html
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"SPD : Atheisten dürfen keinen Arbeitskreis gründen" Klaus Max Smolka, Michael Ashelm (19.03.2019)
Wer nicht kirchlich orientiert ist, hat es schwer in der SPD: Die „Säkularen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen“ wollen einen Arbeitskreis in der Partei gründen – so wie Christen, Muslime und jüdische Genossen jeweils einen haben. Aber die weltlich Gesinnten dürfen nicht. Mehr noch: Generalsekretär Lars Klingbeil verbietet ihnen mit Hinweis auf die Parteijustiziarin, sich als „Sozialdemokraten“ auszugeben. „Das gilt auch für öffentliche Auftritte, zum Beispiel im Internet“ schreibt Klingbeil in einem Brief an die Gruppe, welcher der F.A.Z. vorliegt.
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/atheisten-duerfen-keinen-arbeitskreis-in-der-spd-gruenden-16096047.html

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[...] Seit Jahren versuchen religionsfreie Menschen in der SPD einen Arbeitskreis zu gründen, wie der hpd schon mehrfach berichtete. Erst im vergangenen Jahr wurde ihr Antrag erneut abgelehnt. Nun hat Generalsekretär Lars Klingbeil den "Säkularen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen" – kurz "Säkulare Sozis" – erneut eine Absage erteilt: Sie dürfen sich nicht "Sozialdemokraten" nennen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und beruft sich dabei auf einen Brief Klingbeils, den er am 5. März an die nicht-religiöse Vereinigung seiner Partei richtete.

Die "Säkularen Sozis" haben mehrere hundert Mitglieder, darunter prominente Personen aus der säkularen Szene wie die ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ingrid Matthäus-Maier und Lale Akgün, die sich für einen aufgeklärten Islam stark macht, sowie der ehemalige Staatsminister und Staatssekretär Rolf Schwanitz. Das nicht anerkannte Bündnis setzt sich für die Belange Konfessionsfreier und einen weltanschaulich neutralen Staat ein.

Andere Weltanschauungen haben Arbeitskreise, die von der Partei akzeptiert werden: Sowohl Christen, Menschen jüdischen Glaubens und seit 2014 auch Muslime. Der Antrag der Nicht-Religiösen zur Gründung eines Arbeitskreises wurde hingegen abgelehnt, der damalige Chef der SPD, Sigmar Gabriel, begründete dies seinerzeit damit, dass die strikte Trennung von Kirche und Staat das Kernanliegen der Laizisten, nicht aber Mehrheitsposition der SPD sei.

Aktuell existieren die "Säkularen Sozis" in erster Linie im Internet. Doch auch das will der Generalsekretär jetzt unterbinden: "Auch für öffentliche Auftritte, zum Beispiel im Internet" gilt das Verbot, die Bezeichnung "Sozialdemokraten" zu verwenden. Er verlangt Respekt für die "Entscheidung, dass der Parteivorstand keinen säkularen Arbeitskreis einrichten wird und dass Ihr daher den Namen 'SozialdemokratInnen' nicht weiter verwenden könnt."

Auf die Bitte des hpd um eine Stellungnahme, welche Gründe es dafür gibt, einen säkularen Arbeitskreis nicht zuzulassen und wie die Partei das mit ihrem Selbstverständnis und dem Gleichbehandlungsgrundsatz in Einklang bringt, kam bisher keine Antwort des Parteivorstands. Dass Konfessionsfreie in der SPD diskriminiert werden, ist jedoch nichts Neues: Im vergangen Jahr berichtete der hpd über einen Fall aus Augsburg, bei dem Aktionskünstler David Farago der Eintritt in die Partei verwehrt wurde – wegen seiner religionskritischen Haltung.


Aus: "Kein Platz für säkulare Interessen in der SPD" Gisa Bodenstein (20. Mär 2019)
Quelle: https://hpd.de/artikel/kein-platz-fuer-saekulare-interessen-spd-16625

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Bernd Kammermeier am 20. März 2019 - 13:57

Ich war einst, zu Zeiten von Willy Kniefall von Warschau Brandt, ein glühender Verehrer der SPD, die eine deutliche Alternative zur stockkonservativen CDU bot.
Doch ihr schleichender Niedergang scheint Parteiprogramm geworden zu sein. Selbstzerfleischung als Ausdruck der Entdeckung der christlichen Leidensphilosophie? Welchen Blumentopf will die SPD denn noch gewinnen? Den stetig schrumpfenden Teil der christlich konfessionellen Bevölkerung krallt sich so gut es geht die Union und die AfD. Dort kann die SPD immer schwerer Wähler herausquetschen, zumal auch die Grünen ihre Gottesaffinität entdeckt haben.

Der SPD bliebe doch nur der Weg, sich für die einzige deutlich wachsende Gruppe der Bevölkerung zu engagieren: für die Konfessionsfreien. Da ist die Zukunft Deutschlands, nicht ihm Geisterglauben aus einer glücklicherweise längst vergangenen Welt.

Ich wünschte mir die SPD zurück, die sich einst voller Tatendrang für die Gleichberechtigung von Mann und Frau gegen katholische Verbände, gegen CDU und FDP durchsetzte.

Ich wünschte mir eine SPD, deren Vorsitzende einen symbolischen Kniefall vor den konfessionsfreien Steuerzahlern hinbekommt, die noch immer - 100 Jahre nach Weimar - für die üppigen Bischofs- und Kardinalsgehälter aufkommen müssen.

Ich wünschte mir eine SPD, die sich die real existierende Kirche mit ihrer Unfähigkeit zu Reformen und Selbsterkenntnis genauer anschaut und sie entsprechen kritisiert.

Ich wünschte mir eine SPD zurück, die für alle Menschen da ist - und die ich irgendwann wieder wählen kann...


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Stefan Dewald am 20. März 2019

»Die Geschichte des Pfaffentums aller Nationen und aller Konfessionen ist ein ununterbrochener Kampf gegen den aufstrebenden menschlichen Geist, eine ununterbrochene Reihe von Attentaten gegen Vernunft und Humanität.«

Wilhelm Liebknecht (Mitbegründer der SPD)

»Die Religion der Liebe, die christliche, ist seit mehr als achtzehn Jahrhunderten gegen alle Andersdenkenden eine Religion des Hasses, der Verfolgung, der Unterdrückung gewesen.
Keine Religion der Welt hat der Menschheit mehr Blut und Tränen gekostet als die christliche, keine hat mehr zu Verbrechen der scheußlichsten Art Veranlassung gegeben; und wenn es sich um Krieg und Massenmord handelt, sind die Priester aller christlichen Konfessionen noch heute bereit, ihren Segen zu geben, und hebt die Priesterschaft der einen Nation gegen die feindlich ihr gegenüberstehende Nation flehend die Hände um Vernichtung des Gegners zu einem und demselben Gott, dem Gott der Liebe, empor.«

»Genau genommen ist aber ein Arbeiter, der Kloaken auspumpt, um die Menschen vor gesundheitsgefährdenden Miasmen zu schützen, ein sehr nützliches Glied der Gesellschaft, wohingegen ein Professor, der gefälschte Geschichte im Interesse der herrschenden Klassen lehrt, oder ein Theologe, der mit übernatürlichen transzendenten Lehren die Gehirne zu umnebeln sucht, äußerst schädliche Individuen sind.«

»Christentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser. Der sogenannte gute Kern im Christentum, den Sie, aber ich nicht darin finde, ist nicht christlich, sondern allgemein menschlich, und was das Christentum eigentlich bildet, der Lehren- und Dogmenkram, ist der Menschheit feindlich.«

August Bebel (Mitbegründer der SPD)



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Ernst-Günther Krause am 20. März 2019

Ich bin traurig über so viel Borniertheit in der SPD-Spitze.
Eine Partei, die säkular denkende Menschen, die mehr als ein Drittel der Bevölkerung bilden, auf eine solch intolerante Art und Weise ausschließt ...


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Gerhard Lein am 20. März 2019 - 14:35

1. Wir geben nicht auf.
2. Säkulare Bürger sind in unserem Land dabei die Mehrheit zu gewinnen. In vielen großen Städten sind sie es längst.
3. Der Sprecher*innerkreis des bundesweiten Netzwerkes säkularer Sozialdemokrat*innen trifft sich am 23.3. im SPD-Haus in Hannover.
4. Vorwärts!


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Rene Goeckel am 20. März 2019 - 16:09

Seltsam, wenn Parteien verkommen, wie einst auch die Grünen, dann immer in Richtung Religion. ...


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Bernhard Zaugg am 20. März 2019 - 23:05

So ein Armutszeugnis für eine einst große Partei! Die SPD ist tief im 20. Jahrhundert sitzen geblieben. ...


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Wir sind ein Kreis aus säkular orientierten SPD-Mitgliedern und nutzen unser Recht, uns auszutauschen und zu organisieren.
Wir wollen uns innerhalb von Partei, Politik und Gesellschaft für eine säkulare Religions- und Weltanschauungspolitik einsetzen.
(03/2019)
https://www.saekulare-sozis.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Laizismus_in_der_SPD
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Erweiterte Gehirn Erkundschaftungen / Variationen zur Gretchenfrage...
« Last post by Link on March 21, 2019, 11:26:27 AM »
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[...] Seit Jahren versuchen religionsfreie Menschen in der SPD einen Arbeitskreis zu gründen, wie der hpd schon mehrfach berichtete. Erst im vergangenen Jahr wurde ihr Antrag erneut abgelehnt. Nun hat Generalsekretär Lars Klingbeil den "Säkularen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen" – kurz "Säkulare Sozis" – erneut eine Absage erteilt: Sie dürfen sich nicht "Sozialdemokraten" nennen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und beruft sich dabei auf einen Brief Klingbeils, den er am 5. März an die nicht-religiöse Vereinigung seiner Partei richtete.

Die "Säkularen Sozis" haben mehrere hundert Mitglieder, darunter prominente Personen aus der säkularen Szene wie die ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ingrid Matthäus-Maier und Lale Akgün, die sich für einen aufgeklärten Islam stark macht, sowie der ehemalige Staatsminister und Staatssekretär Rolf Schwanitz. Das nicht anerkannte Bündnis setzt sich für die Belange Konfessionsfreier und einen weltanschaulich neutralen Staat ein.

Andere Weltanschauungen haben Arbeitskreise, die von der Partei akzeptiert werden: Sowohl Christen, Menschen jüdischen Glaubens und seit 2014 auch Muslime. Der Antrag der Nicht-Religiösen zur Gründung eines Arbeitskreises wurde hingegen abgelehnt, der damalige Chef der SPD, Sigmar Gabriel, begründete dies seinerzeit damit, dass die strikte Trennung von Kirche und Staat das Kernanliegen der Laizisten, nicht aber Mehrheitsposition der SPD sei.

Aktuell existieren die "Säkularen Sozis" in erster Linie im Internet. Doch auch das will der Generalsekretär jetzt unterbinden: "Auch für öffentliche Auftritte, zum Beispiel im Internet" gilt das Verbot, die Bezeichnung "Sozialdemokraten" zu verwenden. Er verlangt Respekt für die "Entscheidung, dass der Parteivorstand keinen säkularen Arbeitskreis einrichten wird und dass Ihr daher den Namen 'SozialdemokratInnen' nicht weiter verwenden könnt."

Auf die Bitte des hpd um eine Stellungnahme, welche Gründe es dafür gibt, einen säkularen Arbeitskreis nicht zuzulassen und wie die Partei das mit ihrem Selbstverständnis und dem Gleichbehandlungsgrundsatz in Einklang bringt, kam bisher keine Antwort des Parteivorstands. Dass Konfessionsfreie in der SPD diskriminiert werden, ist jedoch nichts Neues: Im vergangen Jahr berichtete der hpd über einen Fall aus Augsburg, bei dem Aktionskünstler David Farago der Eintritt in die Partei verwehrt wurde – wegen seiner religionskritischen Haltung.


Aus: "Kein Platz für säkulare Interessen in der SPD" Gisa Bodenstein (20. Mär 2019)
Quelle: https://hpd.de/artikel/kein-platz-fuer-saekulare-interessen-spd-16625

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Bernd Kammermeier am 20. März 2019 - 13:57

Ich war einst, zu Zeiten von Willy Kniefall von Warschau Brandt, ein glühender Verehrer der SPD, die eine deutliche Alternative zur stockkonservativen CDU bot.
Doch ihr schleichender Niedergang scheint Parteiprogramm geworden zu sein. Selbstzerfleischung als Ausdruck der Entdeckung der christlichen Leidensphilosophie? Welchen Blumentopf will die SPD denn noch gewinnen? Den stetig schrumpfenden Teil der christlich konfessionellen Bevölkerung krallt sich so gut es geht die Union und die AfD. Dort kann die SPD immer schwerer Wähler herausquetschen, zumal auch die Grünen ihre Gottesaffinität entdeckt haben.

Der SPD bliebe doch nur der Weg, sich für die einzige deutlich wachsende Gruppe der Bevölkerung zu engagieren: für die Konfessionsfreien. Da ist die Zukunft Deutschlands, nicht ihm Geisterglauben aus einer glücklicherweise längst vergangenen Welt.

Ich wünschte mir die SPD zurück, die sich einst voller Tatendrang für die Gleichberechtigung von Mann und Frau gegen katholische Verbände, gegen CDU und FDP durchsetzte.

Ich wünschte mir eine SPD, deren Vorsitzende einen symbolischen Kniefall vor den konfessionsfreien Steuerzahlern hinbekommt, die noch immer - 100 Jahre nach Weimar - für die üppigen Bischofs- und Kardinalsgehälter aufkommen müssen.

Ich wünschte mir eine SPD, die sich die real existierende Kirche mit ihrer Unfähigkeit zu Reformen und Selbsterkenntnis genauer anschaut und sie entsprechen kritisiert.

Ich wünschte mir eine SPD zurück, die für alle Menschen da ist - und die ich irgendwann wieder wählen kann...


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Stefan Dewald am 20. März 2019

»Die Geschichte des Pfaffentums aller Nationen und aller Konfessionen ist ein ununterbrochener Kampf gegen den aufstrebenden menschlichen Geist, eine ununterbrochene Reihe von Attentaten gegen Vernunft und Humanität.«

Wilhelm Liebknecht (Mitbegründer der SPD)

»Die Religion der Liebe, die christliche, ist seit mehr als achtzehn Jahrhunderten gegen alle Andersdenkenden eine Religion des Hasses, der Verfolgung, der Unterdrückung gewesen.
Keine Religion der Welt hat der Menschheit mehr Blut und Tränen gekostet als die christliche, keine hat mehr zu Verbrechen der scheußlichsten Art Veranlassung gegeben; und wenn es sich um Krieg und Massenmord handelt, sind die Priester aller christlichen Konfessionen noch heute bereit, ihren Segen zu geben, und hebt die Priesterschaft der einen Nation gegen die feindlich ihr gegenüberstehende Nation flehend die Hände um Vernichtung des Gegners zu einem und demselben Gott, dem Gott der Liebe, empor.«

»Genau genommen ist aber ein Arbeiter, der Kloaken auspumpt, um die Menschen vor gesundheitsgefährdenden Miasmen zu schützen, ein sehr nützliches Glied der Gesellschaft, wohingegen ein Professor, der gefälschte Geschichte im Interesse der herrschenden Klassen lehrt, oder ein Theologe, der mit übernatürlichen transzendenten Lehren die Gehirne zu umnebeln sucht, äußerst schädliche Individuen sind.«

»Christentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser. Der sogenannte gute Kern im Christentum, den Sie, aber ich nicht darin finde, ist nicht christlich, sondern allgemein menschlich, und was das Christentum eigentlich bildet, der Lehren- und Dogmenkram, ist der Menschheit feindlich.«

August Bebel (Mitbegründer der SPD)



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Ernst-Günther Krause am 20. März 2019

Ich bin traurig über so viel Borniertheit in der SPD-Spitze.
Eine Partei, die säkular denkende Menschen, die mehr als ein Drittel der Bevölkerung bilden, auf eine solch intolerante Art und Weise ausschließt ...


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Gerhard Lein am 20. März 2019 - 14:35

1. Wir geben nicht auf.
2. Säkulare Bürger sind in unserem Land dabei die Mehrheit zu gewinnen. In vielen großen Städten sind sie es längst.
3. Der Sprecher*innerkreis des bundesweiten Netzwerkes säkularer Sozialdemokrat*innen trifft sich am 23.3. im SPD-Haus in Hannover.
4. Vorwärts!


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Rene Goeckel am 20. März 2019 - 16:09

Seltsam, wenn Parteien verkommen, wie einst auch die Grünen, dann immer in Richtung Religion. ...


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Bernhard Zaugg am 20. März 2019 - 23:05

So ein Armutszeugnis für eine einst große Partei! Die SPD ist tief im 20. Jahrhundert sitzen geblieben. ...


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Music and Sound Art (Klang) / Pop Diskurs / Kulturtheorie ...
« Last post by Link on March 21, 2019, 10:55:05 AM »
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[...] Mit dem Versprechen, Benutzern den perfekten Soundtrack für jeden Moment ihres Alltags zu bieten, haben sich Spotify-Gründer Daniel Ek und sein Team vor einigen Jahren darangemacht, den Weltmarkt zu erobern. Es scheint zu funktionieren. Auch wenn Musikliebhaber, die den Streamingdienst als schier unerschöpfliche Suchmaschine schätzen, das thematische Playlisting als furchtbar mainstreamig empfinden.

... Während Nerds und Nischenhörer weiterhin für den bloßen Zugriff auf Daten bezahlen, möchte der Durchschnittskonsument heute scheinbar schlicht den passenden Mix: musikalisches Convenience-Food, digitale Fetenhits und Kuschelrock-Compilations.

"Indem sie beständig verringert, was wir noch zu tun bereit sind, wird die Benutzerfreundlichkeit zur Beschränkung," schrieb Tim Wu neulich in der New York Times. Besonders im Hightechbereich sei der Kampf um die einfachste Bedienbarkeit längst zum Kampf um Marktanteile geworden. Angetrieben durch die Macht der Gewohnheit und die Logik des Wachstums, führe unsere Vorliebe für alles Bequeme zu einer Art ökonomischen Gewaltspirale: "Je einfacher es ist, Amazon zu benutzen, desto mehr Zeit verbringen wir auf der Plattform – und desto einfacher erscheint uns wiederum die Bedienung." Bequemlichkeit ist kein Bonus mehr, sondern längst Must-have. Jedes erfolgreiche Tech-Unternehmen feilt scheinbar unentwegt an effizienteren, benutzerfreundlicheren Features.

Spotifys wichtigste Investition in Sachen Benutzerfreundlichkeit war der Erwerb von Echo Nest im Jahr 2014. Die US-amerikanische Music Intelligence Platform hatte sich als Forschungsprojekt am MIT Media Lab gegründet und auf die digitale Verstichwortung von Musik spezialisiert. In Söderströms Worten brachte man mit der Übernahme die besten Entwickler im Bereich der Musikkategorisierung mit Spotifys Daten zusammen, um gemeinsam am "bedeutendsten und größten Playlistingsystem der Geschichte" zu bauen. Ein Jahr zuvor hatte Spotify bereits die Onlineplattform Tuningo gekauft, die Playlists für bestimmte Stimmungen und Tätigkeiten des Alltags generierte. Mit Tuningo übernahm man rund 20 Musikredakteure, seither wächst das Team der "Kuratoren" beständig. Um dem Angebot eine menschliche Note zu geben, setzt Spotify neben Experten auf Crowdsourcing – und erfindet immer seltsamere Features.

 2016 hat es eine Zusammenarbeit mit der Dating-App Tinder gegeben, um potenzielle Partner nach Musikgeschmack zu matchen. Ende vergangenen Jahres kam die Cosmic-Playlist, eine Art musikalisches Horoskop, das eine Astrologin einmal im Monat für jedes Sternzeichen zusammenstellt. Gemeinsam mit AncestryDNA, einem US-Unternehmen, das gegen Speichelprobe und Bezahlung das Genom von Privatpersonen entschlüsselt, hatte man kurz zuvor bereits Playlists passend zum Erbgut seiner Kunden erstellt. Ob der US-Bürger mit neu entdeckten deutschen Wurzeln das Gefühl hat, sich dank Nena in der Tracklist selbst näherzukommen? Imagemäßig war das Projekt eine ziemliche Pleite. Aber neue Schlagzeilen und Nutzerdaten brachte es Spotify allemal.

Egal, was eine Playlist behauptet zu sein oder zu bieten, geht es am Ende natürlich um die Verfeinerung von Userprofilen. Während an der Benutzeroberfläche nur sichtbar ist, wie viele Abonnenten die Playlist hat, wird das Nutzerverhalten intern genau diagnostiziert: Was wird wie oft und zu welcher Uhrzeit gespielt? Wo wird weitergezappt? Was gelikt und in die eigene Bibliothek übernommen? Anders als ihr analoger Vorläufer, der Sampler, erlaubt die Playlist Streamingdiensten und Plattenfirmen, ihr Angebot akribisch zu testen. Netflix hat es vorgemacht und verordnet uns Filme mittlerweile fast medikamentös, auf Basis computergenerierter Microgenres wie "Feel-good Romantic Spanish-Language TV-Shows": Was häufig gesucht und geklickt wurde, wird irgendwann als Kategorie angeboten oder gleich on demand produziert. 

Spotifys Mechanismus basiert auf einer symbiotischen Verbindung von Mensch und Maschine: Jeder Nutzer, der selbst Playlists macht, gruppiert bestimmte Lieder und vergibt durch Headlines wie Happiness, Hymnen, Hatecore oder Symphonien fürs Frühstück Etiketten, von denen das ganze System profitiert. Weil wir alle unseren Teil dazu beitragen, die Performance der Plattform zu verbessern, sind wir, in Spotifys Sprache, "part of the band". Zumindest sind wir es, die der Plattform den Datenvorteil bescheren, auf dessen Basis sie auch anspruchsvollen Hörern erstaunlich gute Vorschläge macht.

 Tatsächlich gibt es kaum Spotify-Nutzer, die das recommendation-Feature des Streamingdienstes nicht großartig finden. Selbst wem die ungefragte Stilberatung zunächst so übergriffig vorkam, wie die einer Kaufhausangestellten in der Unterwäscheabteilung, war irgendwann bereit, ihren Wert murrend anzuerkennen. Besonders Nischenhörer haben den Anspruch, das eigene Repertoire immerfort zu erweitern. Manch einer mag sich der Zusammenstellung manueller Playlists heute mit derselben Hingabe widmen, mit der er früher mal Mixtapes gemacht hat. Aber natürlich wissen wir alle, dass die Zukunft des Musikhörens anders aussieht. Nämlich smart, vollautomatisch und präzise personalisiert. An die Stelle des alten Versprechens, körperliche Arbeit zu minimieren, ist die Aussicht auf Vermeidung jener mentalen Anstrengungen getreten, denen es bedarf, um Entscheidungen zu treffen.

Spotifys Entwickler haben sich das Prinzip der self-driving playlist bei Google Plus abgeguckt, sagt Produktchef Söderström. Während Apples iPhoto lange auf ein manuelles Sortiersystem setzte, machte man sich bei Google vergleichsweise früh die Fortschritte der Datenanalyse zunutze, um ein selbst sortierendes Bildarchiv zu programmieren. Der Ansatz ließ sich auf die Musik übertragen. Mittlerweile stellt Spotify seinen Nutzer neben Playlists und persönlichen Vorschlägen längst Widgets zur Verfügung, die händisches Sortieren scheinbar hinfällig machen. Das, was wir hören wollen, soll in den entsprechenden Fenstern künftig automatisch erscheinen und dabei ständig neue Entdeckungen liefern.

 Der persönliche Wochenmix Discover Weekly war Spotifys erste self-driving playlist, es folgten die Zeitkapsel, der Release Radar und eine Reihe individualisierter Mixtapes. Doch während wir am laufenden Band Lieder angeboten bekommen, bleibt uns immer weniger Zeit, sie zu hören.

Spotify hat sich längst darauf eingestellt, dass immer mehr Menschen eher beiläufig Musik hören, beim Trainieren, Arbeiten oder Einschlafen. Gleichzeitig trägt man mit musikalischen moodboards dazu bei, dass immer mehr Menschen sie als reines Beiwerk empfinden. Nachdem Streaming die Musik als Produkt grundlegend verändert hat, verändert Playlisting die Art und Weise, in der wir sie konsumieren. Im schlimmsten Fall verlernen wir, Dissonanzen zu schätzen.

Damit uns die digitale Welt mal überrascht, bedürfe es "Algorithmen für Disruption", schrieb Claudius Seidl kürzlich in der FAZ. Spotify arbeitet daran. Die Playlist B-Seite, die in der englischen Version Tastebreakers heißt, möchte unseren musikalischen Horizont mit Titeln und Genres erweitern, die wir sonst nicht hören – von denen der Algorithmus aber annimmt, sie könnten uns trotzdem gefallen. Meine tastebreakers sind Kraftwerk und Hildegard Knef, aber auch Musiker, von denen ich tatsächlich nie gehört habe. Vielleicht ein Anfang, obwohl – oder gerade weil – mir die meisten nicht auf Anhieb gefallen. Doch die Logik der Algorithmen bleibt gleich: survival of the hippest. Was nicht gleich gern gehört wird, wird aussortiert.

Auch in analogen Zeiten haben sich viele Alben wegen Hitsingles verkauft. Aber den Rest nahm man eben zwangsweise mit, ließ sich von hidden tracks erschrecken, hörte sich durch Dramaturgien – und dabei in so manchen Song hinein. Nicht alle Lieblingslieder haben auf Anhieb gefallen oder bieten sich an, um uns als Stimmungstapete durch den Tag zu begleiten. Längst nicht alle sind eingängig; viele wollen es bekanntlich nicht sein, andere brauchen Zeit. Letztere muss sich weiterhin nehmen, wer nicht in maschinenkuratierten Lebenssoundtracks eingelullt werden will.

...


Aus: "Playlist: Verloren in Musik" Anna Sinofzik (20. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/entdecken/2019-03/playlist-spotify-musik-streaming-track-hit/komplettansicht

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no-panic #1

Die "Brigitte" hatte mal Kochrezepte nach Sternzeichen geordnet/zugeordnet. Ich muss heute noch würgen, wenn ich daran denke, was mir als bestimmtem Sternzeichen schmecken sollte. ...


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Weil das Material nun in einem kleinen Kubus, einem Computer, Laptop oder Telefon verstaut ist, wird die Schande für Außenstehende zwar unsichtbar, das Elend der vollgestopften Seele jedoch nicht gelindert. ... Eine ungezügelte Musik-Libido ist sicherlich eine Form der Neugierde und der Vergnügungslust, womit sie der Sphäre des lebensbejahenden Eros zuzurechnen ist. Aber der Einfluss des Internets auf den Musikkonsum führt auch in die morbide Zone repetitiven Verhaltens. Der Archivierungstrieb hat einen neurotischen Aspekt: die Leugnung der Sterblichkeit. „Wir kaufen Bücher, weil wir glauben, wir kaufen die Zeit, sie zu lesen“, hat Warren Zevon in Anlehnung an eine Schopenhauer-Maxime gesagt. Das Gleiche gilt für Platten und MP3s. (Simon Reynolds, 21.03.2019)


Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/das-internet-als-archiv-wie-die-digitalisierung-unsere-musikkultur-veraendert/24125664.html
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Umweltgefährliche Stoffe (Ökotoxikologie)
« Last post by Link on March 21, 2019, 10:22:24 AM »
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[...] Schwarze Klumpen an Surfstränden, verklebte Vögel und sterbende Austern: An der westfranzösischen Küste erwarten die Menschen eine Ölpest. 330 Kilometer vor dem Festland ist vor wenigen Tagen das Containerschiff Grande America havariert. Dabei sind rund 2.000 Tonnen Schweröl ausgelaufen; Wellen und Strömungen im Atlantik werden bestimmen, wann der Dreck die Küste erreicht. Betroffen sein werden die Regionen, die im Sommer die meisten Touristen anziehen: die Strände nördlich von Biarritz, wo Surferinnen wellenreiten, die Vogelinseln vor Arcachon, die Stadt mit der höchsten Düne Europas, und die Bucht südlich von Bordeaux, in der Austern gezogen werden.

Die spektakuläre Havarie zeigt, dass der Schiffsverkehr in Europa und weltweit für das Meer insgesamt bedrohlich geworden ist. Mehr als 80 Prozent aller Waren werden inzwischen über das Meer transportiert, vor allem, weil es so günstig ist. Dabei wird alles immer größer, wie Zahlen des französischen Meereswirtschaftsinstituts ISEMAR zeigen. Heute ist ein durchschnittliches Frachtschiff 350 Meter lang und es transportiert 16.000 Container – viermal so viele wie noch vor 20 Jahren. Diese große Fracht wird von vergleichsweise wenigen Menschen begleitet, nur 16 Besatzungsmitglieder fahren durchschnittlich mit, die meisten stammen aus dem Exportland China. Weil die Lohnkosten dort niedrig sind, macht der lange Weg bei einem von China nach Deutschland transportierten Fernsehers oder Staubsaugers am Ende nur rund ein Prozent des Preises aus.

Der Preisdruck bringt zwei Gefahren mit sich. Erstens müssen kleine Crews mit immer größeren und oft auch brennbaren oder explosiven Ladungen fertig werden. Zweitens fahren die meisten Tanker mit Schweröl, das billig ist, aber besonders viele schädliche Abgase produziert.

Auch die Grande America fuhr mit Schweröl. Diese 2.000 Tonnen Schweröl aus dem Tank sind es auch, die nun an die Küsten gespült werden. Am 8. März war das Schiff um 3 Uhr nachts aus dem Hamburger Hafen ausgelaufen. Am Abend des 10. März brach ein Feuer aus. Die Löschung der haushohen Flammen dauerte nicht nur einen ganzen Tag, sie verursachte möglicherweise auch die Havarie des Bootes. Wahrscheinlich führten die vielen Kubikmeter Löschwasser erst zu einer Schlagseite und ließen das Boot schließlich auf den 4.600 Meter tiefen Grund des Atlantik sinken. Die 27 Männer und Frauen an Bord konnten gerettet werden, aber das Schiff und seine Ladung liegen nun im Meer.

Laut der italienischen Grimaldi Group, die das Schiff besitzt, bestand die Ladung aus 2.100 neuen und gebrauchten Fahrzeugen. Außerdem waren knapp 400 Container an Bord, davon 45 mit gefährlichen Stoffen. Details nannte sie nicht.

Dieser Informationsmangel ist typisch für die rasant wachsende Branche. Weder der Hamburger Hafen noch die Firma, die den Tanker beladen hat, weiß, welche Waren vor ihren Augen umgeschlagen wurden. Inzwischen hat die französische Präfektur bekannt gegeben, dass unter den gefährlichen Stoffen Salz und Schwefelstoffe waren. Die Grimaldi Group hingegen hatte ausgeschlossen, dass das Schiff korrosive Stoffe, zu denen Schwefel gehört, an Bord führte.

Ein offensichtlicher Widerspruch, die französische NGO Robin Hood fordert Aufklärung: "Wir verlangen von den französischen Behörden eine vollständige Liste der Stoffe", schreibt die Umweltorganisation. Die Organisation hatte zuvor bereits angekündigt, die Grimaldi Group wegen "Verschmutzung des Meeres und des Zurücklassens von Abfällen", zu verklagen. "Die Grande America war ein Schrottschiff, das Schrott transportierte", schreiben sie.

Tatsächlich lässt sich auf der Seite von Equasis, einer Seite, die Informationen über die Sicherheit der Schifffahrt sammelt und zur Verfügung stellt, nachvollziehen, dass bei der Grande America im Laufe der vergangenen Jahre zahlreiche Mängel festgestellt wurden. Vor allem mangelhafter Feuerschutz wird in der von der Europäischen Union gegründeten Datenbank immer wieder erwähnt.

Das scheint allerdings kein Grund gewesen zu sein, das Schiff aus dem Verkehr zu ziehen. Die Grande America habe vier- bis sechsmal pro Jahr im Hamburger Hafen angelegt, sagt Kai Gerullis, Sprecher der Hamburger Hafenbehörde, es habe keine besonderen Vorkommnisse gegeben.

Dass Unfälle von Containerschiffen zunehmen, kann das Havariekommando in Cuxhaven, das für Unfälle auf der Nord- und Ostsee zuständig, aus seinen Statistiken nicht erkennen. "Die Unfallzahlen schwanken stark – mal haben wir zwei, mal neun sogenannte komplexe Schadenslagen pro Jahr", sagt Simone Starke von der Bundesbehörde. Seit der Gründung des Havarkiekommandos vor 16 Jahren habe es 79 Schiffe in der Ostsee und der deutschen Nordsee bei Unfällen helfen müssen, bei denen Menschenleben und die Umwelt in Gefahr gewesen seien. Im Januar dieses Jahres verlor das Frachtschiff MSC Zoe 270 Container auf offener Nordsee; es dauerte Wochen, bis sie geborgen werden konnten. Doch nicht all diese Unfälle werden auch öffentlich bekannt. 

Viele Französinnen und Franzosen erinnern sich angesichts des Unfalls der Grande America heute an die Ölpest, die das vor der Bretagne gestrandete Ölschiff Erika 1999 verursachte. Monatelang sammelten damals Freiwillige Ölklumpen vom Strand, Zehntausende Tiere verendeten mit verklebten Gefiedern oder Kiemen. Dieses Mal, beschwichtigen die französischen Behörden, werde voraussichtlich dreimal weniger Öl angeschwemmt.

"So eine Havarie mit Schweröl an Bord ist aber in jedem Fall eine Katastrophe. Zuallererst für die Vögel", sagt der Meeresexperte Kim Detloff vom Naturschutzbund Nabu. Mehr als 130.000 Arten von Vögeln lebten in den möglicherweise betroffenen französischen Feuchtgebieten. Schon ein walnussgroßer Ölklumpen auf einem Vogel lasse ihn verenden, denn das Gefieder verliere dadurch seine isolierende Wirkung, die Tiere erfrören. Auch um die Blauwale der Region macht sich Detloff Sorgen. "Die Biskaya ist ein Hotspot für Blauwale und seltene Schnabelwale, weil das Land dort so tief absinkt."

Zwar baue die französische Marine derzeit Ölbarrieren auf, aber sie würden in dem riesigen Gebiet kaum helfen. Detloff ist pessimistisch. "Es ist nicht ein Unglück in einem gesunden System. Sondern eine ökologische Katastrophe in einem Meer, das ohnehin chronisch vergiftet ist." Die Schifffahrt wird laut Detloff viel zu wenig kontrolliert. "Zu Unrecht gelten Meeresfrachter als umweltfreundliches Transportmittel."

Tatsächlich existieren für die Schifffahrtsbranche bislang Sonderregeln. Bei der Weltklimakonferenz 2015 in Paris waren beispielsweise viele Expertinnen und Experten überrascht, wie es die Lobby der Transporteure und Handelskonzerne geschafft hatte, CO2-Einsparziele für Schiffe zu vertagen. Dabei gelten die Abgase der Schiffe nicht nur als schädlich für das Klima, sondern auch für die menschliche Gesundheit. Einige Studien (CEEH Scientific Report No 3, Jorgen Brandt et al., 2011) kamen zu dem Ergebnis, dass jährlich 50.000 Menschen in der Europäischen Union frühzeitig sterben, weil sie toxischen Abgasen der Schiffe in Küstengebieten ausgesetzt sind.

Der wichtigste Grund dafür ist das Schweröl im Tank, das eigentlich ein Abfallprodukt der Benzinindustrie ist und günstiger als Marineöl. Einige Häfen lassen Schiffe nur noch anlegen, wenn sie mit normalem Benzin fahren. Allerdings haben manche Reedereien dafür eine gemischte Lösung gefunden: Viele Schiffe fahren mit zwei Tanks, einem großen mit Schweröl für die offene See und einem kleineren mit gereinigtem Benzin für die Häfen. Die Abgase von der See erreichen die Städte trotzdem. Der Nabu hatte beispielsweise am Hamburger Hafen eine hundertmal höhere Belastung an Feinstaub gemessen, als gesundheitlich akzeptabel sei. Immerhin hat die Weltschifffahrtsorganisation IMO den erlaubten Schwefelgehalt im Schweröl ab 2020 von 3,5 auf 0,5 Prozent gesenkt. 


Aus: "Schifffahrt: Eine Havarie mit Schweröl ist immer eine Katastrophe" Eine Analyse von Annika Joeres (19. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-03/schifffahrt-schweroel-frankreich-container-transport-meere-verschmutzung/komplettansicht

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LoveIsTheLaw #6

In der Doku - schwarze Tränen des Meeres - , gesendet von ARTE, ging es um ein viel größeres Problem. Es liegen weltweit tausende Schiffe mit großen Mengen an Treibstoff und Kampfmitteln in den Meeren und Binnengewässern. Diese Altlasten stammen aus den vergangenen Weltkriegen. Ein besonders hervorzuhebenes Details ist die Schuld Deutschlands an dieser Misere. Jedoch ist derzeit ausschliesslich Norwegen dazu bereit auf eigene Kosten die Altlasten soweit noch möglich aus den Wracks die in norwegischen Gewässern liegen zu beseitigen. Deutschland ruht sich auf der Ausrede des Kriegsfalls aus und zieht sich somit aus der Affäre. Das in der Ost und Nordsee in Küstennähe schon zahlreiche Schiffe undicht sind und schleichend das Ökosystem töten spielt dabei offensichtlich keine Rolle. Ganz nach dem Motto, soll es doch die Zukunft von selbst richten. Ich würde mich sehr über eine Berichterstattung seitens deutscher Journalisten freuen, besser auch gleich offensiv auf die Politiker zugehen.  ...

[ [27.04.2017] Der Boden ist durch auslaufendes Schweröl aus dem Wrack kontaminiert. Eine Fläche, so groß wie 50 Fußballfelder, ist mittlerweile verseucht. Teilweise werden Umweltgrenzwerte für krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe um das Tausendfache überschritten. Insgesamt 450.000 Kubikmeter Meeresgrund müssten entsorgt werden. Und das Wrack der "Stuttgart" ist nur die Spitze eines gefährlichen Eisbergs. ... https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/schiffwracks-100.html ]


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xy1 #6.2

Man sollte auch die im Hafen von Murmansk in freier Luft oder in geringer Tiefe verrottenden Kernreaktoren aus den Altbeständen der Sowjetmarine nicht vergessen.


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Horst44a #12


Bei der Verarbeitung von Erdöl entsteht Schweröl als Rückstand der Destillation oder aus Crackanlagen. Es müßte aufwendig entsorgt werden oder aber, es wird in Seeschiffen zwecks Antrieb und Stromerzeugung als sehr kostengünstiger Kraftstoff verbrannt.
Kleiner Vergleich zum Thema Kreuzfahrt-Schwerölschiff:
Das neue (gefeierte!) größte Kreuzfahrtschiff der Welt befördert 9000 Passagiere. Nach Angaben von WDR2 benötigt es pro Tag 360.000 Liter Kraftstoff. Das bedeutet pro Passagier und Tag (nur) 40 Liter. Schweröl ist aber 2500-mal schwefelhaltiger als Straßenfahrzeug-Diesel. Also produziert jeder Passagier Schwefeldioxid-Abgase als würden 40 x 2500 Liter Normaldiesel verbrannt, am Tage dann also wie von 100.000 Liter Auto-Diesel ohne Abgasreinigung in die Umwelt gesetzt!
Schwefeldioxid ist giftig bei Einatmen und verursacht konzentriert Verätzungen der Haut und Augenschäden.
Beim Feinstaub sieht die Rechnung etwas anders aus. Schwerölabgase sind eher Grobstaub.
Die Kraftstoffqualität hat entscheidenden Einfluss auf die Schwefeldioxid-Anteile im Abgas. Die Binnenschifffahrt fährt nicht mit Schweröl sondern mit Schiffs-Diesel (Marinedieselöl). Dieser hat meist (nur) 100 mal so viel Schwefelanteile wie Auto-Diesel, bei See-Frachtern und Bespaßungs-Kreuzfahrtschiffen mit Schwerölantrieb ist bis zu dem 3500fachen erlaubt!

[ ... "Die Kreuzfahrtschiffe seien auf hoher See immer noch mit giftigem Schweröl unterwegs und deshalb dreckige Rußschleudern...."
QUELLE: https://www.abendblatt.de/hamburg/article108212711/Naturschutzbund-Aida-Schiffe-sind-schlimmste-Russschleudern.html ... ]


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Nachrichten|+Geheimdienste, etc.
« Last post by Link on March 21, 2019, 09:27:45 AM »
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[...] Das Bundesinnenministerium will dem Inlandsnachrichtendienst per Gesetz erlauben, potenzielle Straftäter besser zu überwachen. Das geht aus einem entsprechenden Gesetzentwurf hervor, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Demnach soll das Bundesamt für Verfassungsschutz das Recht bekommen, auch Daten von Kindern und Jugendlichen zu speichern. Bisher gilt eine Mindestaltersgrenze von 14 Jahren. Anlass soll offenbar unter anderem der Fall eines 12-Jährigen sein, der im November 2016 versuchte, einen Sprengstoffanschlag auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu verüben. Ebenso im Visier seinen die möglicherweise beeinflussten Kinder deutscher Dschihadisten, die aus Syrien nach Deutschland zurück kommen.

Mit dem Gesetz soll der Verfassungsschutz außerdem die Möglichkeit bekommen, Kommunikationswege besser zu überwachen. Dabei geht es beispielsweise um verschlüsselte Kommunikation über Messengerdienste wie WhatsApp oder Telegram. Um diese in begründeten Fällen mitlesen zu können, soll der Verfassungsschutz Trojaner einsetzen dürfen.

Zudem soll der Inlandsnachrichtendienst das Recht auf Online-Durchsuchungen bekommen, um beispielsweise Anschlagsplanungen rechtzeitig zu bemerken. Dabei können die Ermittler das Internetverhalten der betroffenen Person untersuchen oder auf gespeicherte Dokumente und Fotos zugreifen, ohne dass die Person es mitbekommt. Die G10-Kommussion des Bundestages muss dem jedoch zustimmen. 

Derzeit befindet sich der Gesetzentwurf noch in der Ressortabstimmung. Wie das ARD-Hauptstadtstudio unter Berufung auf Insider berichtet, lehnt die SPD den Entwurf in dieser Form ab. Der Gesetzentwurf enthalte alles, was man bei der letzten Erneuerung des Verfassungsschutzgesetzes bereits abgelehnt habe, heißt es. Nichts davon stehe im Koalitionsvertrag.


Aus: "Verfassungsschutzgesetz: Innenministerium fordert mehr Befugnisse für Geheimdienste" (21. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-03/verfassungsschutzgesetz-innenministerium-geheimdienste-ueberwachung

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rudolf s #2  —  vor 5 Stunden

Nach Maßen und dem Aktenschreddern vom NSU will ich BITTE nicht mehr Befungisse für den Verfassungschutz....


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Mephisto601 #2.1

Sie unterstützen nicht mehr Schutz für die Deutsche Bevölkerung durch Terror ?


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tiefstapler #2.2

Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/mf

Antwort auf #2.1 von Mephisto601


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tiefstapler #2.3

Die Menschen haben, wie es scheint, die Sprache nicht empfangen, um die Gedanken zu verbergen, sondern um zu verbergen, daß sie keine Gedanken haben.

Søren Aabye Kierkegaard (1813 - 1855)


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Silex23 #2.7

„Sie unterstützen nicht mehr Schutz für die Deutsche Bevölkerung durch Terror ?“

Wenn das kein Tippfehler war, finde ich diese. Satz großartig!


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JeepSRT8 #6

... "1984" kommt immer näher, wie sieht es dann mit der "Rechtsstaatlichkeit" aus? ...


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hardypeter #6.1

"1984" ist schon längst Realität, Sie haben es nur noch nicht mitbekommen. Denunziantentum, Gesinnungspolizei, das kaltstellen von Andersdenkenden, das Beobachten von Kindergarten-Kindern "Ene, mene, muh – und raus bist du" etc..

Bärbel Boley hat es bereits Anfang der Neunziger kommen sehen, „Alle diese Untersuchungen, die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen – um sie dann zu übernehmen.“ „Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“ (Quelle Chaim Noll)


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drms #8

"Mehr Befugnisse"? Die Frau eines Offiziers eines ausländischen Militärgeheimdienstes sagte mir mal: "Die machen alles!" In dem Fall wären mehr Befugnisse nur das Nachholen der Realität auf dem Papier.


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Flugboot #12

Jedes Stückchen Freiheit und Privatsphäre, das wir im Namen der Sicherheit aufgeben, ist ein Stückchen, das wir nicht mehr auf friedlichem Weg zurück bekommen würden.


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Last post by Link on March 20, 2019, 12:39:20 PM »
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[...]  Verschwörungstheoretiker und deren Gegner werden vielleicht gleichermaßen enttäuscht sein: Hier geht es nicht um die Bewertung einzelner Ereignisse der letzten Jahre, sondern um methodische Fragen zum Begriff "Verschwörungstheorie", der immer häufiger Verwendung findet. Dazu lohnt aber doch ein Blick auf ein Beispiel in der Vergangenheit.

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Aus: "Was bedeutet eigentlich Verschwörungstheorie?" Alexander Unzicker  (20. März 2019)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Was-bedeutet-eigentlich-Verschwoerungstheorie-4338293.html

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     XXBrain, 20.03.2019 09:48

Die Weihnachtsmannverschwörung und dazu die Sache mit dem Osterhasen sind doch exemplarisch. Wir lernen früh, an offensichtlich absurde Dinge zu glauben und besser den Mund zu halten, wenn es Zweifel gibt. Später werden die Meisten von uns freiwillig Teil dieser Verschwörung.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (20.03.2019 09:50).


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     AllesLuegen, 20.03.2019 08:55

Ein guter Artikel über Verschwörungstheorien und vor allem VT-Keulen

mit denen Andersdenkende und abweichende Meinungen diffamiert werden sollen. Meine Verschwörungstheorie ist, dass die besonders dummen VT's, z.B. flache Erde, Illuminaten, Echsenmenschen, No-Plane bei 9/11 usw. gezielt gestreut werden, um jeden vom Mainstream abweichenden Erklärungsansatz lächerlich zu machen.


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MIDI & Synths (DIY) / Fairlight (8bit sampler)
« Last post by Link on March 19, 2019, 04:20:28 PM »
Fairlight CMI IIx "Vinyl Sampling Demonstration" (24.06.2015)
https://youtu.be/B_fj7qO5V_o?list=RDqJGKbFVZsRs
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Architektur (Bauwerk & Raum) [Verortung] / Kiel Gaarden...
« Last post by Link on March 17, 2019, 05:42:09 PM »
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[...] Jetzt also die Kehrtwende. Der Iltisbunker in Gaarden behält sein weit über Kiel hinaus bekanntes Revolutionsgemälde! Pläne, das abblätternde Kunstwerk an der Preetzer Straße zu übermalen, sind vom Tisch. Dabei hatte die Stadt sogar einen offiziellen Wettbewerb gestartet und mit Piotr Nathan im Frühjahr 2018 schon einen Sieger gekürt. Doch dann flatterte dem städtischen Kulturamt ein Schreiben des Landesamtes für Denkmalpflege auf den Tisch.

Der Iltisbunker sei als Kulturdenkmal mit besonderem Wert vorgesehen für die Aufnahme in die landesweite Denkmalliste. Das hatte sofort praktische Folgen. Jegliche Veränderungen am Bunker und seinem Bild wurden genehmigungspflichtig. Die Erlaubnis erteilt die Untere Denkmalschutzbehörde – sie wiederum teilte gestern dem Kulturausschuss mit, wie sie sich die Zukunft des Bunkerbildes vorstellt.

Shahin Charmi hatte das Bilder-Opus zur Stadtgeschichte 1988 /  89 aus Anlass des 70. Jahrestages des Kieler Matrosenaufstandes in einem Projekt mit Arbeitslosen geschaffen. Porträts von Prominenten wie Rosa Luxemburg oder Gustav Noske finden sich im Gemälde neben meuternden Soldaten und Arbeitern. 30 Jahre lang allerdings nagte der Zahn der Zeit am Revolutionsbild. Sträucher und Bäume, die nicht gekappt wurden, setzen dem Kunstwerk ebenso zu wie Leitungen, die an der Außenwand entlangführten.

... Charmis Revolutionsbild darf mit denkmalgeschützter Genehmigung weiter abblättern. Theoretisch könnte der Künstler nach umfassender Betonsanierung sein Gemälde neu auftragen. Doch die Stadt hatte schon vor Jahr und Tag abgewunken. Angeblich verlangt Charmi 200 000 Euro für seine Arbeit – und auf diese Honorarforderung ging man im Rathaus nicht ein.


Aus: "Iltisbunker in Gaarden : Das abblätternde Kunstwerk" Udo Carstens (26. Februar 2019)
Quelle: https://www.shz.de/regionales/kiel/das-abblaetternde-kunstwerk-id22778937.html

"Restaurierung light fürs Bunkerbild?" Martin Geist (17.02.2019)
Prägnantes Motiv am Iltisbunker: Das 1987 entstandene Revolutionsbild von Shahin Charmi bleibt bis auf Weiteres so, wie es jetzt ist. ...
Quelle: http://www.kn-online.de/Kiel/Kieler-Kunstobjekt-Restaurierung-light-fuers-Bild-am-Iltisbunker
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