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[...] Stockholm/Wien – Das schwedische Parlament soll nach einer Debatte am Dienstag heute, Mittwoch, dem, seit Monaten europaweit für Aufsehen sorgenden, strengeren Sexualstrafrecht zustimmen. Das sogenannte Einwilligungsgesetz sieht dabei im Unterschied zur bisherigen Gesetzgebung vor, künftig jede sexuelle Handlung strafbar zu machen, die nicht im aktiven gegenseitigen Einverständnis geschieht – unabhängig davon, ob oder wie das Opfer seinen Widerstand zum Ausdruck gebracht hat. Es gehe vor allem darum, Passivität nicht länger als "stilles Einverständnis" interpretieren zu können. Die Beweislast werde dadurch jedoch nicht umgekehrt, sondern liege weiter beim Kläger, betonte das Justizministerium bereits Mitte Dezember. Das neue Gesetz soll ab Anfang Juli gelten und die Prozentzahl der Anklagen nach Vergewaltigungsanzeigen erhöhen.

Knapp 90 Prozent aller Anzeigen laufen bisher ins Leere. Neben der "weniger groben Vergewaltigung" sollen mit der Gesetzesnovelle künftig auch "unachtsame Vergewaltigung" und "unachtsamer sexueller Übergriff" als neue Strafbestände eingeführt werden. Zudem soll die Mindeststrafdauer bei schweren Vergewaltigungsfällen, beispielsweise bei Kindern, erhöht werden. "Sex sollte stets einvernehmlich sein. Ansonsten ist er illegal", bekräftigte Ministerpräsident Stefan Löfven den Vorstoß der rot-grünen Regierung. Die Gesetzesverschärfungen sollten einerseits mögliche Sexualstraftäter abschrecken, vor allem aber auch einen rücksichtsvolleren Umgang der Sexpartner miteinander erwirken. (APA; red, 23.5.2018)




Aus: "Sex nur noch nach aktiver Zustimmung in Schweden" (23. Mai 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000080190081/Sex-nur-noch-nach-aktiver-Zustimmung-in-Schweden

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"Die fantastische Hure" Maria Hasan
Sexarbeit Bestimmte Formen der Repräsentation verfestigen das Stigma, dem die Arbeiter_innen ausgesetzt sind
ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 638 / 15.5.2018
Sexarbeiter_innen haben unterschiedliche Lebensrealitäten; das einzige, was alle eint, ist das mit ihren Jobs verbundene Stigma. Das Hurenstigma bezieht sich vor allem auf die Sexualität von Frauen und ist eine Form des Slut Shaming. »Dieses Stigma erfahren Sexarbeiter_innen in unterschiedlichem Maße und auf unterschiedliche Art und Weise, aber es trifft sie alle. Das Besondere an dieser gesellschaftlichen Benachteiligung ist, dass sie zum einen degradierend und ausgrenzend ist und zum anderen eine Opferposition festschreibt«, schreibt P.G. Macioti. »Das Hurenstigma ist immer im Kontext mit anderen Machtverhältnissen zu betrachten. Die Beziehung ist kausal und wechselseitig. Ohne Sexismus, Heteronormativität oder Rassismus gäbe es kein Hurenstigma.« Diese Diskriminierungsformen bestimmen auch die Positionen der Arbeiter_innen in der Hierarchie. ...
https://www.akweb.de/ak_s/ak638/41.htm

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Erweiterte Gehirn Erkundschaftungen / Künstliche Intelligenz (KI)...
« Last post by Link on Yesterday at 07:12:15 AM »
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[...]  Mehr als 3.100 Mitarbeiter von Google sind gegen die militärische Nutzung ihrer KI. Ein offener Brief an den CEO Sundar Pichai wurde als Protest gegen Projekt Maven verfasst. Auch alteingesessene Mitarbeiter haben das Dokument unterschrieben.

... In einer Stellungnahme antwortet ein Google-Represäntant: "Google arbeitet an einem Teil von Maven - speziell Technik, die auf nichtoffensive Zwecke ausgelegt ist." Maven nutzt Machine Learning von Google, um Spionagebilder automatisiert auszuwerten und zu kategorisieren - etwa feindliche Stellungen oder Truppenbewegungen. Diese Informationen können schlussendlich genutzt werden, um Angriffe zu planen.

Neben Google sind auch andere große Unternehmen wie Amazon mit dem Bilderkennungssystem Rekognition for Defense und Microsoft mit Azure Government vertreten. Das wundert wenig, schließlich sind Militäraufträge oftmals sehr lukrativ und Langzeit-Service-Verträge dort sehr gut umsetzbar.


Aus: "Google-Mitarbeiter protestieren gegen Militärprojekt Maven" (9. April 2018)
Quelle: https://www.golem.de/news/maschinelles-lernen-google-mitarbeiter-protestieren-gegen-militaerprojekt-maven-1804-133733.html

https://www.golem.de/news/verhaltenskodex-google-verabschiedet-sich-von-don-t-be-evil-1805-134479.html

https://www.golem.de/news/tensorflow-das-us-militaer-nutzt-ki-systeme-von-google-1803-133194.html

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[...] Spotifys Algorithmen suchen nur nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Und fachen damit einen Darwinismus an, bei dem sich durchsetzt, was bei möglichst vielen Leuten möglichst schnell zündet. In den allermeisten Fällen ist das seichte und freundliche Musik, die in jede Playlist passt.

Hören Sie sich zum Beweis einmal durch einige der erfolgreichsten Spotify-Editionen: "Chillout Lounge", "Entspannter Abend" oder "Zuhause"; allesamt freundlich-harmlose Blümchentapeten in Klangform.

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oli h heute, 08:56 Uhr

3. Nicht so neu
Mir hatte mal jemand, der in der Musikindustrie arbeitet, vor bestimmt 15 Jahren schon gesagt, dass bei einem "Pop-Hit" nach 30 Sekunden der Refrain gekommen sein muss, sonst heisst es umschreiben, da der Radiohörer andernfalls die Aufmerksamkeit verliert. Anspruchsvollere Musik war aber vor Spotify schon ein Nischenmarkt.


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Mareius heute, 09:20 Uhr

13. Konstruierter Unsinn.

Früher gab es Charts und Radio. Das ist echte Monokultur, seit Generationen gepflegt. Alles andere blieb nur gut vernetzen Menschen oder Menschen mit viel Zeit für Recherche zugänglich, also Eliten. Spotify bringt in jedes kleine Dorf einen perfekt ausgestattetes Musikgeschäft. Für wenig Geld kann man ALLES hören und entdecken. Viel einfacher als zuvor. Ein bisschen Eigeninteresse gehört aber schon noch dazu. Dumpfe Algorithmen, die sich zudem in der Entwicklung befinden, zu kritisieren ist nicht zielführend. Gegenthese: Spotify holt die kleinen Labels aus der Nische und Menschen die niemals komplexere Musik gehört hätten, sind nur einen Mausclick weit weg. Das führt dazu, dass das Publikum, was nun den Weg aus der Monokultur heraus findet, wächst. Kritisieren mag man evtl. die Marktmacht, aber das ist ein ganz anderes Thema, da die Dienste nur durch ein vielfältiges Angebot attraktiv sein können. Ich sehe deshalb keine Gefahr der Monokultur für den Nutzer. Und mit Apple und Amazon gibt es auch genug potente Mitbewerber um die Spannung hoch zu halten. Also ein hoch auf das bezahlbare Musikstreaming.


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rstevens heute, 09:39 Uhr

21.

... Im Radio ist die Einschränkung noch deutlich krasser als bei Spotify. Im Radio wird ja gar nichts mehr gespielt, was irgendwie anecken könnte und Leute zum Umschalten bewegen könnte. Die wenigen Sendungen, die dazu eine Ausnahme bilden, laufen zu Randzeiten oder mitten in der Nacht.


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andy2012 heute, 09:48 Uhr

25. Monokultur der Musik

Das ist ein wirklich komischer Beitrag. Ich muss jeden Tag Radio hören und was da gespielt wird ist Monokultur. Ein paar Lieder in einer Endlosschleife, egal bei welchem Radiosender. Bei Spotify habe ich Künstler gefunden von denen ich auf anderen weg wohl nie erfahren hätte und habe ein neuen Musikstil für mich entdeckt. Zugegeben ich habe mir noch nie die Standardplaylists angeschaut, aber warum sollte man das auch? Spotify bietet viel bessere Möglichkeiten Musik zu finden. Ich nutze Spotify täglich und muss sagen, seit dem habe ich noch nie soviel Musik von so unterschiedlichen Künstlern gehört. Vielleicht sollte der Autor dieses Beitrags mal ein bisschen weiter schauen, als nur die Spotify Startseite an zu schauen. Oder ist das ein Problem was man bekommt, wenn man das optimistischerweise als Musikgeschmack bezeichnete "Pop" hört?


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id heute, 10:08 Uhr
34. So war das schon immer bei...
...bei Musik, Kunst, Kultur, wenn man tiefer in die Materie eintauchen will, dann muss man sich Zeit nehmen. Früher hat man sich 5-6 Platten gekauft und diese Stundenlang gehört, die Cover angeguckt und die Inlays gelesen. Man hat sich mehr mit Musik beschäftigt und ist dabei auf Dinge gestossen, die man vorher nicht entdeckt hat, aber trotzdem begeistern. Wenn man diese Zeit nicht hat oder nicht aufbringen will, dann bleibt einem nur das, was das Radio oder Spotify einem vorsetzt. Warum NIschenmusik ausstirbt, liegt nicht an Formaten wie Spotify (die bieten nur, was die Leute wollen) sondern am Konsumverhalten der Menschen. Wenn alles schnell gehen muss, muss man sich nicht wundern das nur noch gleichgeschalteter Müll bei rauskommt.


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romeov heute, 10:28 Uhr

43. Die Werbung für die Playlists ist grauenhaft
Ich nutze Spotyfy meist am Samstagmorgen zum Frühstück und höre halt meine Funk und Soul Sachen. Die Werbeeinblendungen drehen mir aber jedesmal den Magen rum ...


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Aus: "Wie Spotify Musik zur Monokultur macht" Dennis Pohl (21.05.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/musik/spotify-wie-der-streaming-gigant-musik-zur-monokultur-macht-a-1201972.html
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[...] Einst transportierte Pop Freiheitsversprechen. Die Musik sollte einen wegführen vom Starren und Begrenzten, hin zum Offenen. Bob Dylan, später dann Punk und, partiell, selbst noch Techno: Immer wurde behauptet, dass ein gutes, freies Leben möglich ist - als radikaler Eigensinn, als Negation, als weltverliebter Hedonismus. Misst man Pop nach wie vor an diesen Versprechen, zeugt der Erfolg von konservativen und rechten Pop-Ästhetiken, den der Kulturpublizist Georg Seeßlen in seinem neuen Buch "Is this the End" konstatiert, von einem großen Verlust.

Es sei nicht weniger als "eine Art Endkampf um die Hegemonie im Pop" entbrannt, schreibt Seeßlen. Gegeneinander treten an: die utopischen Restbestände, der Pop der neuen Rechten und der "Pop eines Mainstream, der mit Gewalt zur Indifferenz drängt und schon jetzt von nichts gewusst haben wird" - Letzterer wird in "Is this the End?" vor allem verkörpert durch Helene Fischer, neben dem Philosophen Antonio Gramsci die am häufigsten erwähnte Person dieses Buchs. Ein Lied wie "Atemlos" enthält laut Seeßlen kein Versprechen auf ein besseres Leben mehr, sondern erzählt davon, dass "man zugleich erotisch-abenteuerlich und bürgerlich-kontrolliert ('angepasst') sein kann".

Die Passagen, in denen Seeßlen den zunehmenden Erfolg einer rechten Pop-Ästhetik theoretisiert, gehören zu den klärendsten des Buches. Rechts heißt hier nicht "rechte Parolen" - sondern zuerst nur die komplett humorbefreite Feier des Bestehenden, die sich im Einklang mit der Herrschaft weiß.

Die zentralen Charakteristika des Pop werden in diesem Sinne besetzt und verwandelt. Das Versprechen auf Freiheit und Ungebundenheit scheint nicht mehr allzu glaubwürdig zu sein. In die Leerstelle rückt beispielsweise das Versprechen auf eine widerspruchsfreie nationale Identität. "Dass sich eine Gruppe wie Frei.Wild schon im Namen gleich zwei Begriffe unter den Nagel reißt, mit denen Rock'n'Roll einst magisch verbunden war, und dass sie diese Verbindung dann noch in einen heimatlich-völkischen Kontext rückt, könnte man als semantische Meisterleistung betrachten", schreibt Seeßlen. "Oder als Höhepunkt allgemeiner Verblödung, wie man es nimmt."

Der Erfolg von Frei.Wild hat ein Lebensgefühl zur Voraussetzung, das von der eigenen gefühlten Gängelung zehrt. Starre Identität als Antwort auf - na ja, auf was auch immer. Man weiß nicht so recht, worunter genau diese Leute leiden und ob überhaupt. Laut Seeßlen wiederum ist das Erstarken der Rechten das Symptom, der Neoliberalismus gleichsam der Endgegner - als die Form des Kapitalismus, die immer mehr Menschen in ständiger Unsicherheit hält und sie bis ins Innerste zu marktförmigen Subjekten formen möchte, statt nur schlicht ihre Arbeitskraft auszubeuten.

Zum Prekariat gehört nach Seeßlen in ökonomischer Hinsicht dann der freischaffende Popkritiker genauso wie die Bäckereiverkäuferin. Kulturell getrennt blieben sie, obwohl sie materiell in einer ähnlichen Lage sind. Unter anderem weil die eine, zum Beispiel, Helene Fischer und der andere zum Beispiel Animal Collective hört.

Eine Fragmentierung, die Beherrschbarkeit schafft: Das Prekariat definiert Seeßlen als "Klasse ohne Klassenbewusstsein, ohne Klassenstolz, ohne Klassenorganisation", eine Ansammlung von Individuen, die sich über kulturelle Vorlieben definiert - "die Erfüllung der feuchten Träume von Neoliberalen und Rechtspopulisten gleichermaßen". Man kann das Prekariat wesentlich leichter ausbeuten als Menschen, die sich miteinander über kulturelle Unterschiede hinweg solidarisieren.

So weit ist das alles nachvollziehbar. Nur wäre es erhellender, wenn diese Thesen argumentativ ausgeführt würden, anstatt vor allem gesetzt. Georg Seeßlen hat mit einer Vehemenz Sätze auf die Seiten gebrettert, die in der gern ironisch abgesicherten Popkritik nur selten zu finden ist. Die Familien heute sind "verunsicherte Scherbenhaufen", "wir amüsieren uns, indem wir die Welt töten", und in den "Bibi und Tina"-Filmen tropft "das Grauen der Indoktrination aus jeder Einstellung". Das erzeugt zuerst den Eindruck von Dringlichkeit, auf lange Strecke dann aber ein indifferentes Grundrauschen.

Einen ähnlichen Effekt kann die an manchen Stellen fehlende Sorgfalt haben, wenn es um Namen und Zitate geht. Beth Ditko heißt Beth Ditto, Yello Biafra nennt sich eigentlich Jello Biafra, und die Beatles wollten es "in the road" tun und nicht "on the streets". Wenn die Kleinigkeiten nicht stimmen, sind die großen Thesen vielleicht auch nicht durchgearbeitet.

Das mag stimmen, einerseits. Andererseits schreibt Seeßlen aber ohnehin in einer Weise, die gar nicht im engeren Sinne überzeugen will, sondern nach wirklicher Auseinandersetzung verlangt. Ein Angebot, Gedanken mitzudenken, die hier sozusagen ohne Geländer entfaltet werden. Verborgen hinter den kompromisslosen Sätzen wirkt eine Lust am dialektischen und das heißt hier eben auch am spielerischen Denken. Man läuft los, mit einem ganzen Ensemble von Widersprüchen im Gepäck, und schaut, wo man mit einer starken These ankommt, im besten Fall, ohne dass es sie aus der Kurve trägt.

"Is this the End?" ist so auch eine Aufforderung zur Repolitisierung des Nachdenkens über Popkultur. Ach, und zur Beantwortung der titelgebenden Frage: "Es gibt auch in der Popkultur und ihrer Geschichte keine Alternativlosigkeit", schreibt Seeßlen. Also nein: Das Ende ist noch nicht in Sicht.

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mucki007 heute, 11:17 Uhr

2. Nervig

Genau solche Artikel und Meinungen sind es, die heutzutage den Menschen auf die Nerven gehen. Kann ich denn nicht einfach mal Musik hören, egal welche Richtung, ohne alles gesellschaftskritisch zu hinterfragen? Einfach in der heutigen Zeit Spaß an irgendwas haben, ohne sich Gedanken über political Korrektness machen ?


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Das dazu heute, 11:30 Uhr

3. Wie sieht es im Hirn eines solchen Menschen nur aus?
Solch schräge Theorien, Argumente und Meinungen. Der Hr. Seeßlen sollte mal zu einem Doc gehen, wenn er hinter allem und jedem den Klassenkampf und die Unterdrückung vermutet. Man kann über Helene Fischer streiten, ist auch nicht meine Musik. Aber das sie die Aufgabe habe, den Menschen Zuversicht zu geben, ist extrem steil. Musiker wollen meit mit ihrer Musik die Menschen unterhalten. Und Geld verdienen. Beides schafft die Fischer gut. Mehr da rein zu interpretieren, ist krank.


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markrenton heute, 12:10 Uhr
4. ... alles andere ist nur Pop
Vor Jahren hat der ZDF in seiner Sendereihe History eine interessante Doku über deutschen Schlager (ca 1900 - 2009) herausgebracht, die sehr anschaulich das Wechselspiel zwischen Gesellschaft und Musik illustrierte. Wenn man diese Dynamik mit berücksichtigt, wird einem schnell klar wie kurzsichtig die hier dargestellten Beobachtungen sind. Schlager- und Popmusik lebt von einer hohen Verbreitung und guten Verkaufszahlen (daher MusikINDUSTRIE) dadurch kann sie auch zu einem identifikationsstiftenden Mittel werden: Die Musik der 60er, 70er, 80er und 90er war hedonistischer und freiheitssuchender, da die Leute einen Kontrast zu den noch vorherrschenden bürgerlichen Konventionen und den Schrecken des Kalten Krieges gesucht haben. Parallel dazu kann man sich auch die erfolgreichen Filme aus diesen Jahren ansehen, die sich analog entwickelten. Seit dem 11. September ist die Stimmung im Westen umgeschlagen und zusammen mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, hat sich eine art Neo-Biedermeier entwickelt, wo sich ein Großteil der Bevölkerung nur noch Stabilität und Sicherheit wünscht. Siehe dazu die Renaissance der sogenannten preussischen Werte und Nostalgie nach den 80ern und 90ern. Hinzukommt, dass die Gesellschaft so wie die Eltern - die alten Rebellern der 60er, 70er und 80er Jahre, nur wenig Potential liefern, um sich dagegen aufzulehnen. Zu verständnisvoll. Da helfen nur noch griffe in deren Taboo-Kiste (Frei.Wild, Kollega... etc) Was Herr Seßleen geflissentlich übersieht ist die hoher diversifikation des Musikangebots: Noch nie war es so einfach eigene Musik zu veröffentlichen oder an unbekannte Künstler heranzukommen - Musik wird individueller und spezifischer. Das dies gegen den überholten Klassengedanken (Den Brecht'schen Arbeiter ist ein Fabeltier) von Herrn Seßleen geht, ist schade. Kurzum... Nein, es ist nicht das Ende. Nur eine Phase. Musik spiegelt die Gesellschaft und liefert wie der Tamborine Man nur das, was wir wollen:) Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, Auf jeden Winter folgt auch wieder ein Mai. Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, Erst geht der Hitler und dann auch die Partei.


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ericstrip heute, 12:29 Uhr

7.

... Subkulturen entstanden vor allem, um einen Halt in einer gleichgesinnten Gruppe zu finden und sich von den Eltern abzugrenzen. Es geht bei Musik um das persönliche Gefühlsmanagement, nicht um die Revolution.


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Aus: "Eine Art Endkampf" Benjamin Moldenhauer (21.05.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/is-this-the-end-von-georg-seesslen-eine-art-endkampf-a-1205222.html
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Flüchtlingspolitik...
« Last post by Link on May 17, 2018, 04:22:22 PM »
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[...] Eine Auflistung des Finanzministers zeigt, wie viel Geld für die Flüchtlingsintegration gebraucht wurde. Auch Kosten der Bekämpfung von Fluchtursachen werden aufgeführt.

Der Bund hat laut einem Medienbericht im vergangenen Jahr rund 20,8 Milliarden Euro für die Bekämpfung von Fluchtursachen und die Versorgung der Flüchtlinge in Deutschland ausgegeben. Das zeige die jährliche Auflistung des Finanzministeriums über die Asyl- und Integrationskosten, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf den ihm vorliegenden Entwurf. Das Kabinett will den Bericht voraussichtlich am 30. Mai verabschieden.

14,2 Milliarden Euro wurden demnach vom Entwicklungs- und dem Außenministerium für die Bekämpfung von Fluchtursachen ausgegeben. Der zweite große Ausgabenposten ist mit 6,6 Milliarden Euro die Hilfe des Bundes für die Länder und Kommunen bei den Flüchtlings- und Integrationskosten – darunter sind beispielsweise Unterkunftskosten, der Ausbau der Kinderbetreuung und der soziale Wohnungsbau.

Die Summe an Unterstützungsleistungen für die Länder könnte sich dem Bericht zufolge noch erhöhen, weil sie bisher erst eine pauschale Abschlagszahlung des Bundes pro Asylbewerber enthält, die Detailabrechnung aber noch aussteht. Bei der letzten Detailabrechnung habe der Bund nachzahlen müssen. Forderungen der Länderfinanzminister nach umfangreicherer Hilfe lehne Finanzminister Olaf Scholz (SPD) in seinem Bericht aber ab, schreibt die Zeitung.


Aus: "Versorgung von Geflüchteten kostete Bund 6,6 Milliarden Euro" (17. Mai 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-05/bundesfinanzministerium-fluechtlinge-kosten-21-milliarden

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"Kiyaks Deutschstunde / Flüchtlingspolitik: Aufsprühen, wegwischen, fertig" Eine Kolumne von Mely Kiyak (23. Mai 2018)
Politische Sprache ist selten ehrlich. Wenn es aber um Flüchtlinge geht, fehlt es ganz besonders am Mut zur Wahrheit. ... Anker als Abkürzung für "Ankunft, Entscheidung, Rückführung" wirkt ziemlich bemüht. Ganz sicher hat man getüftelt, bis man etwas gefunden hat, was semantisch Schmusestimmung verbreitet. Klar, man hätte auch ABBA abkürzen können, für Abschiebehaft, das hätte die Intention aber zu deutlich zum Ausdruck gebracht.
In der Heute-Show im ZDF kalauerte Oliver Welke, dass man die Ankerzentren ursprünglich mit AZ abkürzen wollte. Vielleicht ist der Gag frech, er konterkariert aber sehr schön die Unverfrorenheit der Wortschöpfung, denn die Struktur der Einrichtung gleicht einem Internierungslager.
Da sind sie also wieder, die neuen alten Ideen. Der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier fiel vor dem österreichischen Parlament zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus in seiner Rede gleich mit der Tür ins Haus: "Bitte erwarten Sie nicht, dass ich mich dumm stelle." Im Nachbarland geben sie sich nämlich nicht so viel Mühe mit dem Verschleiern von Flüchtlingspolitik durch Sprache. Deshalb drohte Köhlmeier: "Wirst du es dir gefallen lassen, wenn ein Innenminister davon spricht, dass Menschen konzentriert gehalten werden sollen?" Darum geht es. Lässt man Sprache unkommentiert durchgehen? Erlaubt man es sich, sich dumm zu stellen?
Ankerzentrum klingt wohliger, nach Bootslack und Pfeifenduft in der Kajüte. Nach Ostfriesenmischung und knackendem Kandis zwischen den Zähnen. Im Wassersportlexikon heißt es, dass man den Anker fallen lässt, um eine gewisse Zeit sicher an einem Ort zu verbringen.
Bei den vom Innenminister im Koalitionsvertrag vereinbarten Ankerzentren handelt es sich um Orte ohne Besuchsrecht, ohne unabhängige Rechtsberatung, ohne Rechtsbeistand, mit einer Aussetzung der Schulpflicht für Kinder; die Liste der Dinge, die nicht vorgesehen sind, ist lang. Bis zu 1.500 Asylbewerber sollen in einem mit Stacheldraht umwickelten Gebäude Monate, vielleicht jahrelang ausharren, so lange, bis ihr Antrag auf Asyl abgewickelt wurde. In der Zwischenzeit werden sie immer wieder Angebote zur Ausreise bekommen. Das heißt dann staatliche Rückkehrberatung.
Man separiert Asylbewerber von der Bevölkerung, als handele es sich um Schwerstkriminelle und nicht um Menschen, die ihr Recht auf einen Asylantrag und eine Einzelprüfung wahrnehmen. ...
https://www.zeit.de/kultur/2018-05/fluechtlingspolitik-politische-sprache-metaphern-afd-ankerzentren/komplettansicht

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SchartinMulz #3

Ja, der Mut zur Wahrheit fehlt bei dem Thema.

Die Heuechelei, mit der aktuelle Flüchtlingspolitik betrieben wird, habe ich ja auch schon öftes kritisiert, auf der einen Seite wird das Refugees welcome-Schild weiterhin hochgehalten, während in der Realpolitik alles getan wird, um weitere Flühctlingsströme zu vermeiden, selbst wenn man dafür mit einem Erdogan Verträge machen muss, dem sonst sogar Fußballer nicht die Hand geben dürfen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, und das blendet Frau Kiyak total aus, dass, wenn ihre Vorstellung von Flüchtlingspolitik umgesezt würde, alle reinlassen, keinen abschieben, unser Land irgendwann kollabieren würde.


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Margot Melzer #3.4

Bleiben wir doch beim Thema:
Es geht hier nicht um die Bewertung der Flüchtlingspolitik, sondern um die damit verbundene Sprache.

Die einen verschleiern und verharmlosen, die anderen entmenschlichen. Ich habe den Artikel als Aufruf verstanden: Die Sprache muss ständig hinterfragt werden. Auch im Protest will ich mich hinter keinen Karren spannen lassen - ich bin kein Stimmvieh, keine Mitläuferin und keine Kollaborateurin von Extremisten.

Allerdings befürchte ich, dass Sprache immer schneller wirkt als Nachdenken. Nachdenken ist obendrein furchtbar anstrengend, vor allem, wenn es die eigene Meinung hinterfragt. Der "gesunde Menschenverstand" ist durch die ständigen Tabubrüche wertlos geworden; Das Nachdenken muss Logik und Werteverständnis zusammenführen.


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Wichtiger Hinweis #5

"In der Heute-Show im ZDF kalauerte Oliver Welke, dass man die Ankerzentren ursprünglich mit AZ abkürzen wollte." ...


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Flüchtlingspolitik...
« Last post by Link on May 17, 2018, 12:05:44 PM »
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[...] Schon im Wahlkampf hatte Donald Trump mit scharfer Rhetorik gegen Immigranten für Empörung gesorgt. Als US-Präsident setzt er die Diffamierung fort.  - US-Präsident Donald Trump hat sich erneut abfällig über Migranten geäußert und einige von ihnen als "Tiere" bezeichnet. "Es gibt Leute, die ins Land kommen oder versuchen ins Land zu kommen, und wir bringen die Leute wieder außer Landes", sagte Trump am Mittwoch bei einem Treffen mit Republikanern im Weißen Haus. "Man kann gar nicht glauben, wie schlimm diese Menschen sind, das sind keine Menschen, das sind Tiere, und wir bringen sie wieder außer Landes."

Demokratische Politiker verurteilten Trumps Äußerungen umgehend: "Einwanderer sind Menschen. Keine Tiere, keine Kriminellen, keine Drogendealer, keine Vergewaltiger. Sie sind Menschen", erklärte der Abgeordnete Jared Polis. Der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, warf Trump "Lügen" bei den Themen Einwanderung und Kriminalität vor.

Trump hat mit seiner harschen Anti-Immigranten-Rhetorik immer wieder Empörung ausgelöst. Im Wahlkampf brandmarkte er etwa Einwanderer aus Mexiko pauschal als "Vergewaltiger". (AFP)

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Schnatz 09:16 Uhr

Eine Bevölkerungsgruppe zur Bedrohung erklären und sie im gleichen Atemzug entmenschlichen - Trumps waffenverliebte Jünger dürften das Signal verstehen.


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chrispmam 09:10 Uhr

    US President Donald Trump has said immigrant gang members are "not people" but "animals".
    He was responding during a White House event to a point made by a
    California sheriff about the MS-13 gang, which was started in the 1980s
    by immigrants from Central America

BBC News. Nebsächliches Detail, wahrscheinlich, der Kontext.


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chrispmam 10:37 Uhr
Antwort auf den Beitrag von revaler 09:42 Uhr
... Ich halte allerdings das weglassen dieses Kontextes [gang members] für journalistisch problematisch.

Die Meldung "Gabriel bezeichnet Deustche als Pack" würde ich ähnlich problematisch sehen.


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Aus: "US-Präsident Trump schmäht Einwanderer als "Tiere"" (17.05.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/us-praesident-trump-schmaeht-einwanderer-als-tiere/22575088.html
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    Jetzt kann man sagen, Idioten gibt es immer, am besten ignorieren. Aber es sind ja eben nicht nur Worte. Sondern es gibt sie ja schon: die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Die Hasstiraden im Internet haben längst gruppendynamische Prozesse ausgelöst. Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist gestiegen. So kann es nicht weitergehen.“
     
    „Die Hasschreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. Wenn man also nicht der Meinung ist, dass
    alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun, dagegen halten, Mund aufmachen, Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen. Einige sehr verdienstvolle Blogs tun das schon, aber es sind noch zu wenige.“
     
    http://ze.tt/tagesthemen-kommentatorin-anja-reschke-haltung-gegen-hass/


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[....] Sie haben beide 2015 den Umgang mit der Flüchtlingskrise kritisiert, über Pegida und AfD aufgeklärt. Danach brach ein Shitstorm los, Sie wurden im Netz als „Eselfickerin“, „Systemschlampe“ und „Affenfotze“ beschimpft.

Reschke: Ich weiß noch, wie wir uns im Januar des vorherigen Jahres beim Fernsehpreis getroffen haben. Ich war überhaupt nicht in Stimmung, auf so eine Veranstaltung zu gehen. Alles war gerade übel, es schwappte nach der Silvesternacht in Köln wieder eine Wutwelle durchs Land – und dann traf ich Dunja in der Hotellobby. „Ach, mir geht’s auch nicht gut.“ Allein diese Worte, dieser Blick, das war total tröstend, nicht allein mit meiner Stimmung zu sein.

Fühlten Sie sich von anderen im Stich gelassen?

Reschke: Die Redaktion hat mich sehr unterstützt. Aber ich hatte plötzlich Angst: um die Familie, die Zukunft, um dieses Land. Das klingt so pathetisch. Mensch, wir haben es doch gut, haben so viel geschafft, warum zerstören wir das mutwillig?

Hayali: Diese Gefühlsebene kann nur jemand teilen, der einmal in der gleichen Situation war. Auch als Frau!

Reschke: Das hat mich fast noch mehr erschüttert. Dass es Fremdenhass und Rassismus gibt, das ist bekannt. Nur dachte ich, dass wir bei der Emanzipation weiter wären. Dass man versucht, mir als Frau den Mund zu verbieten, meine Stimme aus der Öffentlichkeit zu holen und mich als Frau zu erniedrigen, das fand ich schockierend. Kriegst du auch diese Fotos geschickt?

Hayali: Mit riesigen Schwänzen?

Reschke: Ja, Bildmontagen aus Pornos. Da ist mein Kopf auf die Frau montiert, dahinter steht ein schwarzer Mann mit einem Riesengemächt.

Hayali: Bei mir ist es etwas weniger geworden, nachdem mein Anwalt einen Schreiberling auf 250 000 Euro verklagt hat, wenn er es noch mal tun sollte. Seitdem sind die Leute vorsichtiger, aber subtiler in ihren Drohungen geworden.

Woher kommt der Hass gegen Frauen?

Reschke: Schauen Sie sich doch an, wer in Zukunft die meisten Privilegien abgeben muss: weiße Männer. Diese frauenfeindlichen Reaktionen kommen mir als letztes Aufbäumen vor. Unsere Frauen, unser Land, unsere Grenzen – das sind Vokabeln wie aus einem Heldenepos.

Hayali: In den sozialen Netzwerken greifen einen tatsächlich mehrheitlich Männer an. Aber als ich auf der AfD-Demo in Erfurt war ...

... Sie haben sich mit Mikrofon und Kamera an den Rand gestellt und wurden angefeindet …

Hayali: ... da fand ich die hasserfüllten Blicke der Frauen krasser als die der Männer. Weil ich die anders spürte. Dauernd wird dir zugeraunt: Wir finden raus, wo du wohnst, und vergewaltigen dich – und die Frauen stehen schweigend neben diesen Männern und unternehmen nichts.

Shitstorm

    Der Begriff findet sich erstmals 1948: in Norman Mailers Roman „Die Nackten und die Toten“. In deutschen Medien taucht er 2006 auf, als John Irving im „Spiegel“ über die SS-Vergangenheit von Günter Grass schrieb. Seitdem ist der Shitstorm laut Duden ein „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der mit Beleidigungen einhergeht“.

Frauen hassen anders?

Reschke: Die schreiben keine Vergewaltigungsfantasien. In den Mails von einigen Männern habe ich das Gefühl, das ist die Fantasie des Absenders.

Ab wann wird das gefährlich?

Reschke: Am meisten bedrückt mich dieses Halbversteckte. „Frau Reschke, ich bin überhaupt kein Rassist, aber was wollen diese ganzen Neger hier, die wollen sich doch nur mit der deutschen Rasse vermischen.“ Es schreiben viele, denen es gut geht. Ärzte, Anwälte, Betriebswirte, mit 55 frühverrentet, die ihr kleines Häuschen haben, das schildern sie mir ja alles in den Mails – und dann kommen sie mit solchen Sprüchen.

Hayali: Ich habe einmal jemandem geantwortet, der sich unter seinem echten Namen gemeldet hatte: „Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Tochter, die bekäme solch eine Mail, was würden Sie ihr als Vater raten?“ Der hat zurückgeschrieben, was wirklich selten passiert, wie leid es ihm täte, dass er sich in einen Wahn hineingesteigert hätte. Daraus ist ein kleiner Briefwechsel entstanden. Das ist einer von 100, der die Größe hat, seinen Fehler zuzugeben. Mir geht es nicht ums Recht haben oder Recht bekommen, sondern um die Art und Weise des Dialogs, wie Kritik formuliert wird.

Reschke: Mein Tiefpunkt kam nach der Jauch-Sendung ...

... im Oktober 2015 stritten Sie mit dem AfD-Politiker Björn Höcke in der Talkshow über Flüchtlinge …

Reschke: … die Reaktionen waren so schlimm, dass ich mich gefragt habe: Wohin würde ich denn fliehen, wenn die Stimmung in diesem Land kippt?

Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?

Reschke: Das war ganz schön schwierig. In Frankreich gibt es Le Pen, der ganze Osten kommt politisch nicht infrage, England nicht wegen der Brexit-Bewegung, in Amerika bahnte sich Trump an. Kanada? Ich wollte in Europa bleiben.

Hayali: Ich hätte nie für möglich gehalten, mich ernsthaft mit dieser Frage auseinandersetzen zu müssen. Das erinnerte mich an die frühen 90er Jahre, als es die ersten Anschläge auf Asylbewerberheime gab. Eine meiner besten Freunde hat zu mir gesagt: „Wenn es hart auf hart kommt, verstecke ich dich bei mir im Keller.“ Wir haben damals darüber gelächelt. Heute fühlt es sich realer, als mir lieb ist. Vielleicht würde ich irgendwo ans Meer gehen. Und warum das alles? Weil wir unseren Job machen und manche die Wahrheit nicht vertragen. Wir berichten, wir ordnen ein, wir kritisieren, und ja, wir sind eben auch Überbringer schlechter Nachrichten. Dadurch wird man selbst zur Zielscheibe. Das wirft kein gutes Licht auf unser Land.

... Über das Thema Flüchtlingskrise zerstreiten sich ganze Familien.

Hayali: Das schreiben mir zumindest immer wieder Zuschauer. Der schlimmste Brief, den ich bekommen habe, war von einem jungen Mädchen, das in einer Beziehung mit einem Mann war, der auf Pegida-Demonstrationen rannte und dort seine Fremdenfeindlichkeit ausgelebt hat, während sie gleichzeitig in Flüchtlingsheimen half. Sobald dieses Thema zu Hause aufkam, haben die sich nur gestritten. Was soll man da sagen?

... Melden Sie die beleidigenden Kommentare bei Facebook?

Hayali: Ha ha, guter Witz!

Reschke: Bei Panorama moderieren Redakteure die Kommentare. Alles, was Volksverhetzung ist, bekommen die Leser gar nicht zu sehen.

Dafür melden Sie diese der Polizei?

Reschke: Wenn Morddrohungen kamen, haben wir sie weitergeleitet.

Wie können Sie da abends den Kopf frei bekommen?

Reschke: Ich möchte solche Geschichten nicht öffentlich machen, damit ich Leute nicht auf die Idee bringe, wie sie mich treffen können.

Hayali: Das verstehe ich. Auch um die Familie zu schützen. Nur so viel: Wir sind Menschen, die solche Dinge nicht einfach in der Schublade im Büro lassen können.

Reschke: Eigentlich leben wir in einer spannenden, anstrengenden, jedenfalls nicht unpolitischen Zeit. Man könnte der AfD zugutehalten, dass sie Menschen zur Wahl gebracht hat, die jahrelang nicht gewählt haben. Ob einem das gefällt oder nicht.

Hayali: Und jene Menschen, denen diese Ansichten nicht gefallen, unternehmen etwas dagegen. Menschen sind parteiverdrossen, aber nicht politikverdrossen. ...

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Pat7 25.01.2017, 17:18 Uhr
Ich finde viele Kommentare gehen hier am Thema vorbei. Egal wo jemand politisch steht, oder den Wahrheitsgehalt der von den Damen moderierten Sendungen anzweifelt, die hier geschilderten verbalen Angriffe gehen überhaupt nicht. Was müssen das für erbärmliche Würstchen sein, die einer Frau mit Vergewaltigung drohen, weil sie offen und öffentlich ihre Meinung vertritt? Und noch erbärmlicher finde ich, sind die Frauen die so was hören ohne sich zu äußern. Sie gehen auf die Straße um deutsche Frauen vor den "wollüstigen" Muslimen zu "retten" und weisen den Kerl neben sich, vielleicht sogar Mann, Sohn oder Bruder nicht zu recht wenn er eine Frau sexuell bedroht. Was für Heuchler.

Ich bin eine Frau und ich fand das schlimm wie sich einige Journalistinnen über die Opfer der Kölner Silvesternacht geäußert haben oder wie lange es gedauert hat, das sich die Öffentlichen der Tragweite der Übergriffe bewusst waren.
Auch stimme ich oft nicht mit der Meinung der beiden Damen überein.

Vergewaltigungsandrohungen, Morddrohungen oder sogar verbale Angriffe auf Familienangehörige haben nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Oft wird dabei auch die rote Linie zur Straftat überschritten. Da gibt es absolut nichts zu relativieren oder zu verharmlosen. Jeder der wirklich für Demokratie und Meinungsfreiheit ist, sollte solche menschenverachtende Auswüchse verurteilen und vor allem selbst unterlassen.


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bikeraper 09.08.2017, 15:25 Uhr
Zwei tolle Damen mit mehr "Eier" als die meisten Männer. Respekt!


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wilhelm 26.01.2017, 08:56 Uhr

Erbärmlich

Wer wenig bis nichts weiß, wer wenig bis nichts kann, der holt sich sein Selbstwertgefühl in der Anonymität der digitalen Welt durch Gebrüll und Gewaltandrohungen. Wer mit Frauen in der analogen Welt nicht klar kommt, der versucht das auf eben diese Weise zu kompensieren.


...


Aus: "Dunja Hayali und Anja Reschke im Interview Die Wutprobe" Sonja Álvarez Christian Vooren Ulf Lippitz (22.01.2017)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/dunja-hayali-und-anja-reschke-im-interview-sie-zensieren-nackte-brueste-aber-keine-hakenkreuze/19282264-3.html
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Cinema (Movies and Art) / filme und deren bezugsquellen...
« Last post by Link on May 17, 2018, 10:05:18 AM »
Die absolut MEDIEN GmbH wurde im Herbst 1996 von Filmkunst-Kinoverleihern aus Berlin und München gegründet. Vom Konzept her für spezielle, unterschätzte, übersehene und vernachlässigte Filme/Themen angelegt, konnte sich der Verlag schnell zu einem der profiliertesten Label für gehobene Filmprogramme und sehenswerte Editionen entwickeln. absolut MEDIEN versucht, eine im Kino ehemals mögliche verlegerische Tradition im Kaufmedienmarkt fortzusetzen, verknüpft Filme zu thematischen Reihen und bedient sich der verlagsüblichen Mischkalkulation aus Hit und Flop.
Das Programm, inhaltlich anspruchsvoll und handverlesen, schielt nicht nach Hollywood, sondern ist ein lebendiger Beweis für die ausdrucksstarke europäische Tradition des Kunst- und Dokumentarfilms: Literatur, Kunst, Zeitgeschichte, Wissenschaft, Klassiker, Werkausgaben, Kompilationen, Stummfilm, Raritäten, Wiederentdeckungen: derzeit knapp 500 Titel. Der Schnelllebigkeit des Marktes wird eine offensive Repertoirearbeit entgegengesetzt, alle Titel sollen nach Jahren noch lieferbar sein.
https://absolutmedien.de/
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Daniele Ganser...
« Last post by Link on May 16, 2018, 06:15:13 PM »
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[...] Wer steckt hinter 9/11, wer beherrscht die Welt? Roger Schawinski auf den Spuren der Verschwörungstheoretiker.

Roger Schawinski, ein Schnellschreiber, Schnellsprecher und Schnelldenker, hat ein kluges, aufschlussreiches, ja brillantes Buch geschrieben, das mir gefällt – und mich ab und zu auch geärgert hat. Wer mich kennt, weiss, dass das durchaus als Kompliment zu verstehen ist. «Verschwörung!» lautet der Titel des Buches, das dieser Tage im Verlag NZZ Libro erschienen ist, und Schawinski kümmert sich vielleicht als einer der ersten bekannten Journalisten um ein Phänomen, von dem wir alle wissen, das wir manchmal belächeln, oft nicht ernst nehmen – und das wir aber je länger, desto mehr ernst nehmen sollten. Das überzeugend vermittelt zu haben, ist eines der grossen Verdienste des Buches.

Tatsächlich, das weist Schawinski nach, haben sich Verschwörungstheorien in der jüngsten Gegenwart stark verbreitet – und vor allen Dingen haben sie viel mehr Gewicht erhalten. Dass Schawinski glaubt, dass manche dieser Ansätze selbst bis ins Weisse Haus vorgedrungen sind und den amerikanischen Präsidenten Donald Trump befallen haben, gehört zu den Thesen des Buchs, die mich ärgern, weil sie so überzogen sind. Dennoch bleibt der Fakt richtig: Verschwörungstheorien geniessen eine beispiellose Hochkonjunktur – immer mehr Menschen vertrauen wildesten Erzählungen über wichtige Vorgänge in unserer Welt, immer häufiger lassen sich selbst gut informierte Zeitgenossen davon täuschen, immer mehr Bücher, Artikel, Filme mit kaum überprüftem, unwissenschaftlichem, ja tollkühnem und bösartigen Inhalt erscheinen und finden ein dankbares Publikum, das stetig wächst. Selbst intelligente Menschen, wie etwa der Basler Friedensforscher Daniele Ganser, sind inzwischen Teil und Akteur einer Informationsverseuchung, die nurmehr schwer zu bändigen ist.

Dem promovierten Historiker und Bestsellerautor Ganser widmet sich Schawinski ausführlich – und seine Recherche in dieser Hinsicht gehört zum Besten im Buch: Viel Neues und Bedenkliches erfahren wir – auch Deprimierendes. Dass nämlich Ganser, den ich als Diskussionspartner durchaus schätze, weil er den Widerspruch liebt und erträgt, sich dermassen verrannt hat, wenn es um die Interpretation der Anschläge auf das World Trade Center in New York im Jahr 2001 geht, ist für mich schwer nachzuvollziehen. Gewiss, jedes historische Ereignis wirft Fragen auf und lässt sich oft nicht bis ins letzte Detail klären, mit neuen Forschungsergebnissen ist stets zu rechnen – das gilt auch für 9/11. Dennoch wirkt es abstrus und fahrlässig, wenn Ganser allen Ernstes meint, hinter diesem Anschlag, dem rund 3000 Menschen zum Opfer gefallen sind, die Mehrheit davon Amerikaner, könnten die USA selber stecken, – seien es auch nur unbekannte Mitglieder ihrer Regierung oder Geheimdienste. Warum ist das abstrus? Weil einer solchen Interpretation eine Annahme zugrunde liegt, die den Kern vieler Verschwör.ungstheorien bildet: dass sehr, sehr wenige Leute eine gigantische Verschwörung planen und ausführen, ohne dass dies je jemand bemerkt und ohne dass je jemand nachher diese Sache verrät. Terrororganisationen wie die RAF oder Al-Qaida sind dazu in der Lage, hin und wieder, meistens scheitern auch sie, aber Regierungen oder Geheimdienste, also bürokratische, politisierte, in der Öffentlichkeit stehende Institutionen, wo Tausende von Menschen arbeiten und allenfalls involviert werden, sind dazu nie und nimmer imstande.

Also zu glauben, es lasse sich innerhalb der amerikanischen Regierung oder Verwaltung derart Monströses, Kriminelles und Komplexes entwerfen – und alle Beteiligten hielten nachher jahrzehntelang den Mund, hat etwas Surreales. Wenn man darüber hinaus daran denkt, wie ungeheuerlich ein solches Komplott wäre, wird klar, wie halluzinatorisch diese Theorie wirkt: Gibt es einen einzigen amerikanischen Staatsangestellten, der den Tod von Tausenden von Amerikanern in Kauf nehmen würde – allein deshalb, um einen Vorwand zu erhalten, einen Krieg im Nahen Osten auszulösen? Einen Krieg notabene, für den einen Anlass zu finden schon vorher jederzeit möglich gewesen wäre. Al-Qaida, das sich in Afghanistan unter dem Schutz der Taliban versteckte, hatte schon vorher Anschläge ausgeübt; Saddam Hussein hielt sich nicht an die Sanktionen der UNO, lange bevor in Manhattan Menschen starben. Kurz, es ist ein Fiebertraum, eine Fata Morgana, wirres Zeug, das Ganser und viele seiner Anhänger glauben, sodass ich mich frage, was ihnen den Verstand geraubt hat.

9/11 und die damit verbundene Verschwörungstheorie ist jedoch lange nicht die einzige Fata Morgana, mit der sich Schawinski befasst, im Gegenteil, man staunt, wie viel Unsinn kursiert. Ob die Angst, Impfungen könnten Autismus auslösen, was offenbar Trump befürchtet, oder die Erwartung, die Ausserirdischen würden uns irgendwann wieder einmal besuchen: Es sind der Fantasie wenig Grenzen gesetzt, was ja in Ordnung wäre, wenn die betreffenden Menschen wüssten, dass es sich um Fantasien handelt. So gesehen liest man Erich von Dänikens Märchen noch gerne, die Schawinski fast liebevoll darstellt, wohl weil sie so harmlos wirken im Vergleich zum Gift, das sonst neuerdings gemischt wird. Von Däniken, ein begnadeter Fabulierer, der so gut fabulierte, dass er sich wohl selber zu glauben begann, gehört offensichtlich einer anderen Epoche an. Denn davon geht Schawinski aus, und er dürfte recht haben: Die Verschwörungstheoretiker befinden sich im Aufschwung – und was sie auslösen, ist lange nicht mehr so kurios, sondern mitunter richtig gefährlich.

Warum hat die Neigung zugenommen, Verschwörungstheorien zu verfallen? Schawinski nennt zwei Ursachen: Zum einen sieht er in 9/11 ein Ereignis, das wie kein anderes zuvor den Verschwörungstheoretikern Stoff zum Spintisieren und Spekulieren verschafft hat, was nicht der Logik entbehrt, zumal 9/11 ein epochaler, unheimlicher Einbruch war, der die Ängste und Albträume aller Menschen beschäftigte. Zum anderen, so Schawinski, habe das Internet wie ein «Brandbeschleuniger» gewirkt. Ohne Frage hat er hier einen Punkt: Was vorher allein in gedruckten Zeitungen, Büchern oder Sendern ausgebreitet werden konnte, was immer gewisse empfindliche Anfangsinvestitionen erforderte, lässt sich seit dem Aufkommen des World Wide Web mit Leichtigkeit milliardenfach unter die Leute bringen. Schawinski: «Die Kombination einer neuen, unglaublich wirkungsvollen Verbreitungstechnologie mit einem sensationsträchtigen Ereignis [9/11] erwies sich als geradezu explosiv.»

Jedes Buch hat auch Schwächen, jeder Text birgt Ärgernisse. Schawinskis Befürchtungen hinsichtlich Trump habe ich angedeutet, sie hier zu vertiefen, macht keinen Sinn, wir streiten uns jeden Montag auf Radio 1 darüber.

Worin ich eine andere Schwäche sehe, ist eine gewisse Einseitigkeit. Schawinski räumt zwar ein, dass es Verschwörungstheorien auf der linken und der rechten Seite gibt, und er geht auch auf einige linker Provenienz ein, doch richtig zu beschäftigen scheint ihn das kaum, viel Raum gewährt er ihnen nicht – und wenn er vor Gefahren warnt, und das tut er engagiert, dann lauern die Gefahren in der Regel rechts. Ich halte dies nicht bloss für eine Schwäche, weil sie politisch motiviert wirkt und darum seine Ausführungen an Glaubwürdigkeit einbüssen, sondern auch aus analytischen Gründen. Wer hier den Beitrag der Linken zu wenig würdigt, begibt sich mancher Chance, diese neuartige intellektuelle Epidemie zu durchdringen.

Ganser zum Beispiel ist ein Linker – und deutet damit an, wie wichtig und wirkungsmächtig Verschwörungstheorien auf der Linken waren und nach wie vor sind. Der Marxismus ist im Grunde genommen nichts anderes als eine gross angelegte Verschwörungstheorie, in der die Bourgeoisie das Proletariat unterdrückt und alles, was der Staat und die Behörden unterlassen oder tun, nur diesem Zweck unterworfen ist. Die paranoide Angst mancher Verschwörungstheoretiker vor dem Staat, ja ihr Hass, und die Bereitschaft, den Behörden, insbesondere der Polizei und den Geheimdiensten, jedes Verbrechen zu unterstellen, geht nicht zuletzt auf die Paranoia von Karl Marx zurück. Dieses Phänomen bleibt bei Schawinski unterbelichtet.

Trotz dieser Einwände handelt es sich hier um ein kleines, schlankes Meisterwerk: gut, flüssig, zeitweise wie ein Krimi geschrieben, immer anregend und vor allem relevant, da ein Thema beleuchtend, das wir lange unterschätzt haben, lohnt sich die Lektüre des jüngsten Buches eines der produktivsten Journalisten unseres Landes auf jeden Fall.

Roger Schawinski: «Verschwörung! Die fanatische Jagd nach dem Bösen in der Welt», NZZ Libro, Zürich 2018, 192 Seiten. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.04.2018, 10:15 Uhr

556 Kommentare

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Andreas Müller

Was erreicht Somm mit diesem Artikel? Mehr Popularität für Dr. Daniele Ganser und seine brillianten Videos. ... Stehet Somm etwa auf der Gehaltsliste von Herr Dr. Ganser? Uiuiui da kommt schon die nächste Verschwörungstheorie. ;)


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Markus Schmid

Ich zitiere: "...aber Regierungen oder Geheimdienste, also bürokratische, politisierte, in der Öffentlichkeit stehende Institutionen..."
Welch ein Schwachsinn!!! Bitte, welche Geheimdienste stehen in der Oeffentlichkeit? ...


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Piotr Treichel

"Verschwörungstheorie" hin oder her: die Verwunderung des Autors darüber, dass niemand etwas je verraten habe, ist doch nicht wahr. Unliebsame verschwinden oder sie werden als Irre abgestempelt. Das nennt man mediale Hinrichtung. Und: wem nutzen die vielen bewiesenen(!) staatlichen Lügenstorys (angebliche Giftgaswaffen im Irak, getötete Brutkastenbabys in Kuweit, angeblicher Giftgasangriff in Syrien etc.)? Fazit: Vertrauen in den Staat ist stets fehl am Platze.


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David Rommel

Sehr geehrter Herr Somm
Etwas anstand und differenzierten respekt kritischen mitbürgern gegenüber würde ihnen gut stehen.
sie scheinen als journalist nicht gerade ein mann der recherche zu sein. Wenn ich mit solch schlitzohrigen schreibereien in kontakt komme denke ich still für mich:
Diese enge haltung und fiese, hochnäsige und hinterlistige verurteilung könnte im kontext mit der inquisition ebenfalls praktiziert worden sein. Genau wie heute einfach vor vielen hunderten jahren.
Das menschliche bewusstsein ist halt evolutionstechnisch gesehen etwas träge....beruhige ich mich dann gedanklich.
Ich wünsche ihnen gutes und frieden


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Tob Fluri

Das Problem ist: glaubt man nichts, glaubt man alles. Es gibt keine Zentralreferenz mehr, die die ins Kraut schießenden Phantasmen regulieren könnte.


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Iwan Gähler

Schawinskis Buch ist bitternötig. Sonst laufen noch mehr leichtgläubige Menschen dem Ganser hinterher. Dies stets in der Hoffnung, eine Erklärung bzw. einen Schuldigen zu finden für das eigene Unvermögen. Denn Ganser & Co. bieten - leider - für alles eine Erklärung. Auch wenn sie falsch ist.


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Daniel Bucher

Selbstverständlich gab es etliche Verschwörungen in welche die Geheimdienste involviert waren. Das ist eine belegte Tatsache. Spontan kommt mir da z.B. die "Strategie der Spannung (Italien)" (siehe wikipedia) in den Sinn. Der italienische Staat hat zusammen mit Rechtsradikalen Anschläge auf die eigene Bevölkerung verübt und sie linken Gruppiereungen unterstellt um so einerseit die Linke in Verruf zu bringen und um andererseits höhere Ausgaben für Militär und Geheimdienste im Volk zu legitimieren. Terroranschläge auf die eigene Bevölkerung unter Mitwirkung von staatlichen Stellen sind also eine bewiesene Tatsache und keine Verschwörungstheorie.


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Derek Lütcke

Um organisierte Verbrechen mit Tausenden Opfern zu begehen, braucht man keine große Verschwörung. Man benötigt nur die CIA und ein paar Regierungsmitglieder, wobei auf die letzteren wohl oft verzichtet wird. Menschenversuche, Folter, Ermordung, Ausbildung von Todesschwadronen, False-Flag-Aktionen, Unterstützung von Massenmördern und Islamisten, alles belegt, inzwischen alles bekannt. Zum Zeitpunkt des Terrors aber wahrscheinlich als "Lügen von Kommunisten" verschrieen. Das Problem heutiger ´Verschwörungsleugner´ ist, dass sie bei Verschwörung an geheime Treffen von Kuttenträgern in dunklen Gruften denken und vor allem, dass sie glauben, dass die Welt inzwischen lieb und gut und gerecht wäre. Und dass z.B. die Brutkastenlüge nur unabsichtlich zum Tod hunderttausender Menschen geführt hat.


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Daniel Steinmann

Was nicht sein darf, kann nicht sein! Herr Somm, dies ist ist leider zu einfach. Das kann ich als Papi meiner sechsjährigen Tochter erzählen. Sie als Journalist in einflussreicher Position sollten zumindest etwas recherchieren und sich mit Fakten befassen. Die Menschen da draussen wollen Antworten zu ganz realen Fragen. Und je genauer man hinschaut desto mehr werden die offen Fragen. Ein Geistesbeschwörer wie Sie bewirkt eher das Gegenteil.


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Ralph Künzle

Waren Menschen die vor Jahren "behaupteten" Privatbanken schöpfen Geld aus dem Nichts, nicht auch als "Verschwörungstheoretiker" abgestempelt? Und nun gibt man es unverholen zu, sagt man habe kein besseres System und wir dürfen bei der Vollgeldinitiative darüber befinden. Komische Welt... Kritiker braucht es... Es sind halt auch ein par verwirrte oder fehlgeleitete darunter, was eigentlich egal ist. Der gesunde Menschenverstand und die Wahrheit siegt am Ende immer.


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Pia Perren

Verschwörungstheorien haben heute Hochkonjunktur und entstehen m. E. dann, wenn was eintrifft, das mit dem gesunden Menschenverstand, entgegen allen Statements, nicht nachvollzogen werden kann. Der heutige Mensch ist aufgeschlossen, schnell vernetzt, er will wissen und nicht einfach mehr glauben. Und heute weiss er, dass hinter verschlossener Polittür so manches gesagt wird, was dann vor der Tür, anders ausgelegt wird, um zu manipulieren, zu irritieren - um Stimmen zu holen. Der heutige Mensch will nicht einfach mehr glauben, er will wissen, insbesondere die Wahrheit erfahren.


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Peter Lang

Verschwörungstheoretiker sind oftmals sehr naiv, unsicher und ungebildet. Sie suchen verzweifelt nach irgend etwas, um sich damit selbst zu erklären, warum es ihnen so schlecht geht.


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Hansruedi Tscheulin

Das gilt auch für die Verschwörungspraktiker.


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Christoph Kaufmann

Ich denke die wenigsten glauben Verschwörungstheorien. Aber sie glauben eben auch nicht den simplizistischen, tendenziösen offiziellen Darstellungen. Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur, weil sie Lücken und Ungereimtheiten in der offiziellen Darstellung blossstellen und die Leute darauf Antworten fordern.


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Egon Mage

Von den allermeisten West-Politikern, der Nato und Massenmedien (Bild!) werden wir permanent von Unwahrheiten berieselt, vor allem, wenn es um Russland geht.
Zum Beispiel der "Gas-Einsatz" in Syrien. Deshalb ist es logisch, dass es immer mehr "Verschwörungstheorien" gibt. ...


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Boris Laplace

You've made my day, Mr. Somm: "Der Marxismus ist im Grunde genommen nichts anderes als eine gross angelegte Verschwörungstheorie" (sic!) - und der wohl wirkungsmächtigste Denker des 19. Jhd., dem man diesen -ismus zuschreibt, damit nichts weiter als ein ach so verblendeter, zu vernünftigem Denken unfähiger Verschwörungstheoretiker... Ich bin tatsächlich erstaunt, "wie viel Unsinn" mit "unwissenschaftlichem, ja tollkühnem und bösartigen Inhalt" ein studierter Geisteswissenschaftler kursieren lässt. Dass das intellektuell unredlich ist, wissen Sie selber, Herr Somm. Die Logik dahinter ist wohl eher: Verschwörungstheorien sind schlecht; Marxismus ist eine Verschwörungstheorie; Daher schliesse: Marxismus ist schlecht - mit dieser Logik gehen Ihnen aber höchstens Feuilletonleser auf den Leim.


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Christian Weiss

Können Sie einen Nachweis liefern, dass Karl Marx mit irgendeiner seiner kruden Theorien richtig gelegen wäre?


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Boris Laplace

Ja (vgl. Kommentar von Max Bernard): Die Unterdrückung des Proletariats durch die Bourgeoisie ist keine Verschwörungstheorie, sondern leitet sich ökonomisch aus dem Privateigentum an Produktionsmittel ab. Dies ist nicht bloss dem bösen Willen der Kapitalbesitzer geschuldet (wie viele heutige Linke meinen), sondern dieses Unterdrückungsverhältnis ist eine zwangsläufige Folge der kapitalistischen Eigentums- und Produktionsverhältnisse. Was Marx über zyklisch wiederkehrende Crashs und die Zunahme ihrer Stärke sagt, ist übrigens auch heute noch topaktuell. Seine gedankliche Vorwegnahme der Globalisierung hat sich bewahrheitet. Geirrt hat er sich allerdings in der Voraussage der Entwicklung seiner ganzen teleologischen Gesellschaftstheorie - was anderen Erkenntnissen jedoch keinen Abbruch tut.


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Daniel Montefiori

Nach dem ersten Dutzend Kommentare mußte ich mit derer Lektüre angewidert aufhören: Ich hätte nicht für möglich gehalten, daß in einer seriösen Zeitung ein solches Ausmaß an Paranoia explodiert, und auch noch sich rechthaberisch selber feiert!


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Andreas Müller

Ok und das wars für mich mit der BaslerZeitung. Ab heute gehört ihr für mich in den Mülleimer der Geschichte. Mit diesem Artikel habt Ihr euch selbst ins Offsite manövriert. Anstatt die Qualität der Vorträge von Dr. Ganser einmal objektiv zu beurteilen druckt ihr den selben Schrott wie alle anderen sog. Qualitätsmedien. Mit mir verliert Ihr nicht einen 0815 Leser sondern einen aus der geistigen Elite der Schweiz. Zu der übrigens auch Dr. Ganser gehört. Aber das erkennt der durchschnittlich intelligente Journalist wahrscheinlich nicht. SCHADE.


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christoph knecht

Herr Somm monierte gerade bei der Besprechung des Buches von Herrn Schawinski am vergangenen Montag bei Radio 1, dass viele Leute frustriert sind von den Medien, weil die auf einfache Fragen keine seriösen Antworten geben und deshalb werden die Leser immer mehr empfänglich für Verschwörungstheorien. Bin voll einverstanden. Hier hätte Herr Somm nun die Möglichkeit eine einfache Frage zu beantworten. Warum ist das WTC7 Gebäude eingestürzt? Mit der Beantwortung der Frage würde Herr Somm die Glaubwürdigkeit der Journalisten wieder steigern. Fehlanzeige auf der ganzen Linie.


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Sebastian Lauener

Die Kommentarspalte zu diesem Artikel offenbart, dass Verschwörungstheorien, egal wie abstrus sie sein mögen, von einer beachtlichen Zahl locker geglaubt und auch eigene, phantastischen Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt werden. Aber die Gedanken sind frei. Jeder hat das Recht sich einzubilden was er will.


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Claudio Mennillo

....ich bin der Überzeugung, dass sowohl Herr Schawinski wie auch Herr Somm nicht an die offizielle Version des 9/11 glauben (im Privaten) Auf der anderen Seite, wäre ihr Dasein überflüssig, würden sie ihre innerliche, eigene Meinung verbreiten. Wer heute noch an diese Version glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Die Kunst ist, diese These noch lange am Leben zu halten und dafür sind Typen wie Schawinski und Somm geradezu ideal geschnitzt. Wofür sollten sie sonst noch bezahlt werden ?


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Dieter Ammann

Mennillo, Sie sind der lebende Beweis für den geistigen Verfall unserer westlichen Gesellschaft


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Misra Namana

Früher gingen solche abstrusen Verschwörungstheorieen um, dass die USA wegen dem Irak eine Schmierenkomödie abspiele. Diese Spinner glaubten echt, dass die USA nicht die Wahrheit erzählt. Immerhin konnte jeder am TV sehen, dass Colin Powell der eindeutige Beweis an der UNO versammlung vorbrachte.  ...


...


Aus: "Und erlöse uns von dem Bösen" Markus Somm (21.04.2018)
Quelle: https://bazonline.ch/kultur/buecher/und-erloese-uns-von-dem-boesen/story/12663583
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