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[...] ZEIT ONLINE: Die Wirtschaftskrise durch Corona trifft auch die Mittelschicht. Spiegelt sich das in der Zusammensetzung der Menschen wider, die zu den Tafeln kommen?

Kirkhart: Ja, absolut. Ich schätze, dass etwa 40 Prozent derjenigen, die durch die Pandemie neu zu unseren Verteilungsstellen kamen, nie zuvor auf Essensspenden angewiesen waren. Aber sie wussten sich nicht mehr anders zu helfen. Sie müssen wissen, die Menschen hier in Appalachia sind stolz. Viele haben geweint, als sie zum ersten Mal zur Lebensmittelverteilung kamen, ihre Kinder hinten im Auto. Sie sagten Dinge wie: "Ich würde das hier eigentlich nicht tun, aber ich habe Kinder." Es hat viel Zuspruch unsererseits gebraucht, um zu vermitteln: Es ist in Ordnung, das hier sind außergewöhnliche Umstände, niemand konnte das vorhersehen. Es ist wichtig, das so würdevoll wie möglich zu gestalten.

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Aus: "Hunger in den USA: "Viele haben geweint"" Interview: Johanna Roth, Huntington (20. Oktober 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-10/ngo-facing-hunger-west-virginia-armut-cynthia-kirkhart-usa-lebensmittelverteilung/komplettansicht

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taxonix #8

Die USA haben eines der höchsten BIP pro Kopf der Welt, und trotzdem sind dort Menschen auf Lebensmittelspenden angewiesen. Das kapitalistische System erweist sich ein weiteres Mal als völlig ungeeignet, die grundlegendsten Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen, aber das soll es vermutlich auch gar nicht. Es soll die Reichen einfach immer noch reicher machen, und noch reicher, und noch reicher. Und das klappt schließlich super, auch in Corona-Zeiten.


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mounia #8.1

Vor allem in Corona Zeiten.


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lilaa #56

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https://www.theguardian.com/business/2020/sep/17/wealth-of-us-billionaires-rises-by-nearly-a-third-during-pandemic

Dass es in den USA so wenig Aufstände gibt, wundert mich mittlerweile wirklich.


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stegie1 #23

Amerika weiss das und will das so.


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Ende Gelände #49

Bitte nicht immer dieser herablassende Blick auf die USA. Ja, es gibt Probleme und ja, dort ist nicht alles Gold was glänzt. Nur sollten wir nicht vergessen, dass es dort vielen besser geht als in den meisten anderen Länder auf der Welt. Und das es immer noch das Sehnsuchtsland Nr. 1 für Auswanderer auf der Welt ist und es wohl immer bleiben wird. Im Hinblick auf die momentane dt. Hochnäsigkeit gilt weiter der Spruch: Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall."


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Quer- und Weiterdenker #53

Jeder kann es schaffen in Amerika - bettelarm zu werden und zu verhungern. Das ist der amerikanische (Alb)Traum. Während andere Länder schon seit vielen Jahren einen funktionierenden Sozialstaat aufgebaut haben, bauen die US-Amerikaner ihre jüngsten Schritte in Richtung einer allgemeinen Gesundheitsfürsorge, Obamacare, ab. Den verhungernden Evangelikalen bleibt da noch der Glaube an ein Leben im Paradies nach dem Tod, allen anderen bleibt gar nichts. Außer den Superreichen natürlich, die machen fetten Gewinne mit Spekulationen an der Börse. Deren Vorratskammern sind voll und vor der Einfahrt parkt der neue Ferrari, schon der fünfte Neue dieses Jahr. Aber jeder kann es schaffen, man muss nur besonders fleißig, nicht wahr liebe Amerikaner?


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Sublime85 #72

... liebe ZEIT, wenn ihnen dieser Hunger eine Topplatzierung wert ist, wann wird genauso prominent eine Reportage über eine der anderen hungernden Bevölkerungen gemacht, welche, wohl wahr nicht in der nördlichen Hemisphäre leben. Jeden Tag hungern weltweit über 600 Mio Menschen, mehr als es Amerikaner gibt. Von denen habe ich in letzter Zeit bei ihnen nicht viel gehört.

Quelle: https://www.actionagainsthunger.org/world-hunger-facts-statistics


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DrkdD #72.1

Allerdings sind das meistens keine Hungernden aus einem reichen Land. Es sind die Länder die arm sind oder korrupte Regierungen haben. Oder beides. Dann ist eine hungernde Bevölkerung so gut wie sicher......


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  R4mbo #75

Hauptsache dem Aktienmarkt geht's gut.


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HH1960 #87

Es ist schon bitter, was sich die letzten 10-20 Jahre nicht nur in den USA zum Schlechten verändert hat. Auch bei uns sind ähnliche Tendenzen zu erkennen.

Arme gab es immer, aber einen solches Ausmaß wohl kaum. Tafeln hier wie dort, prekäre Arbeitsverhältnisse zuhauf. In den USA zusätzlich noch schlechte Schulen und viele Menschen ohne Krankenversicherung.

Gleichzeitig ist das BIP, die Aktienkurse und das
Vermögen der Reichen exorbitant gestiegen.
Wenn dann die Rede von höheren Spitzensteuersätzen oder einer Vermögensteuer ist, schallt einem das Wort „Sozialismus „ entgegen.

Dabei sieht ein Blinder, dass das System so nicht weitergehen kann.


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princline #93

"Viele haben geweint"
Auf der ganzen Welt weinen Menschen denen es noch viel schlechter geht als denen in Trumps Land. Afrika, Lateinamerika, Mexiko, Indien wie in Diktaturen in Asien.

Pandemie stürzt in Lateinamerika 45 Millionen in Armut.


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Lobotominho #93.1

Können wir uns darauf einigen, Arme nicht gegen andere Arme auszuspielen? ...


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schorndruck #113

Das Essen scheint dazu sein, nur fehlt das Geld um Essen kaufen zu können. Ich mag den Kapitalismus so sehr, dass ich manchmal kotzen könnte.


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Erweiterte Gehirn Erkundschaftungen / Thanatos (Todestrieb)
« Last post by Link on Yesterday at 04:45:09 PM »
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Veiel, der ursprünglich Psychologie studiert hat, lässt Eros und Thanatos, Freuds Sexual- und Todestrieb, das Schicksal der drei Protagonisten steuern. «Liebe verwirklicht sich erst durch den Tod», sagt Ensslin in Anlehnung an den von ihr verehrten Schriftsteller Hans Henny Jahnn irgendwann, und: «Durch Gewalt, durch Mord wird es erst möglich, dass Sexualität gelebt wird.» ...

... Zum andern, und das ist weitaus verstörender, lassen Andres Veiels Figuren erkennen, dass die Protagonisten der späteren RAF weit mehr mit ihrer Elterngeneration teilen als gemeinhin wahrgenommen. Sie alle besitzen diesen Absolutheitsanspruch, bewundern Stärke, betonen Konsequenz und verordnen sich Härte gegen die eigenen Gefühle – sie sind auf Mission. Ensslin, Baader und auch Vesper haben alle einen Auftrag, wie sie selbst sagen. ...


Aus: "Zwischen Klischee und verstörenden Einblicken" Franziska Meister (Nr. 34/2011 vom 25.08.2011)
Quelle: https://www.woz.ch/-1d37
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Erweiterte Gehirn Erkundschaftungen / Re: Sigmund Freud ...
« Last post by Link on Yesterday at 04:38:02 PM »
"Freuds vielfältige Ansichten über Liebe und Sexualität" Bernd Nitzschke
Archiv / Frühere Ausgaben / Essays / Nr. 6, Juni 2019 / Schwerpunkt: Emotionale Ambivalenzen der Liebe und Sexualität
Der „Begriff des Sexuellen umfaßt in der Psychoanalyse weit mehr [als im herkömmlichen Sprachgebrauch – B. N.]; er geht nach unten [Soma, Trieb – B. N.] wie nach oben [Psyche, Geist – B. N.] über den populären Sinn hinaus. […] Wir sprechen darum auch lieber von Psychosexualität, legen also Wert darauf, daß man den seelischen Faktor des Sexuallebens nicht übersehe und nicht unterschätze. Wir gebrauchen das Wort Sexualität in demselben umfassenden Sinne, wie die deutsche Sprache das Wort ‚lieben‘. Wir wissen auch längst, daß seelische Unbefriedigung mit allen ihren Folgen bestehen kann, wo es an normalem Sexualverkehr nicht mangelt […]“ (Freud 1910k, S. 120).  ...
https://literaturkritik.de/freuds-vielfaeltige-ansichten-ueber-liebe-und-sexualitaet,25775.html
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[...] Seit dem 20. November findet man die reine Frauenverbindung auf Facebook, der erste Eintrag zeigt einen Fackelmarsch an der Münchner Ruhmeshalle. Auf den ersten Blick wirkt alles wie bei einer traditionellen Burschenschaft, die in Deutschland seit über 200 Jahren in altertümlichen Uniformen Trinkgelage veranstalten und teilweise deutschtümelnde bis rechtskonservative Gesinnungen vertreten. Auch die Burschenschaft Molestia trägt schwarz-weiß-gelbe Couleur. Doch spätestens beim Wappentier – einer Muräne – wird klar, dass hier einiges anders – und unterhaltsamer – laufen dürfte als bei anderen Verbindungen.

Therese von Bayern, die die Verbindung angeblich bereits 1871 in München gegründet hat, habe insbesondere Nasenmuränen erforscht, die als Männchen zur Welt kommen und im Laufe ihres Lebens eine Geschlechtsumwandlung zum Weibchen durchliefen, heißt es auf der Facebook-Seite.

... Die Molestia (zu Deutsch: Belästigung) lehnte eine Interviewanfrage von VICE ab, sie stehe nicht für Pressegespräche zur Verfügung. "Die vermehrten Berichte über die Urburschenschaft Hysteria haben leider gezeigt, dass die Presse massiv mit Fake News arbeitet, und die Burschenschaft als Satire- oder Kunstprojekt bezeichnet", schreibt die Verbindung in einer Mail. Auch unser verzweifelter Verweis auf die in Paragraph 143 der Frankfurter Reichsverfassung erklärte Pressefreiheit konnte die deutschen Herzen der Burschenschafterinnen nicht erwärmen.

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Aus: "Verbindungen - "Heil Molestia!": Deutschland hat jetzt eine feministische Burschenschaft" Tim Geyer, Rebecca Baden (30 November 2017)
Quelle: https://www.vice.com/de/article/wjzen9/heil-molestia-deutschland-hat-jetzt-eine-feministische-burschenschaft

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[...] Molestia ist Teil eines internationalen „Korporationsrings“ weiblicher Burschenschaften. Die erste war die „Hysteria“ zu Wien, zu der die bekannte österreichische Künstlerin und Autorin Stefanie Sargnagel gehört. Inzwischen gibt es in Deutschland und Österreich zahlreiche „Schwesternburschenschaften“: In Berlin und Innsbruck („Furia“), Leipzig („Lascivia“), Frankfurt („Gynokratia“), Jena („Lethargia“), Linz („Infamia“) und Klagenfurt („Paracelsia“).

Aber was machen die Burschenschaftlerinnen eigentlich? Die Ziele sind ganz klar formuliert: Die Herbeiführung des goldenen Matriarchats und das Beschützen des schwachen Geschlechts – unserer Männer. In der Tradition des Matriarchats und des Männerschutzes werden immer wieder Kameradschaftsaufmärsche, Kneipenabende, Informationsveranstaltungen und andere Aktionen veranstaltet.

Zur Verabschiedung des Polizeiaufgabengesetzes schreiben sie: „Liebe Polizei, ihr seid sicher, wir beschützen euch!“ und posieren stramm vor einem Polizeiauto. Zu CSU-Klausurtagung schreiben sie einen offenen Brief an Karin Seehofer und Karin Baumüller-Söder und appellieren: „Männerschutz ist jetzt wichtiger denn je!“. Von einem Artikel der VICE distanzieren sie sich mit den Worten „Der Mann darf bei uns ganz Mann sein; er darf sich endlich wieder dem widmen was er am besten kann: seine Frau im geschützten Bereich des Häuslichen verwöhnen!“.

Und die Affäre um den Verfassungsschutz im letzten Jahr kommentiert die Burschenschaft Hysteria nur mit „Männer sind für politische Tätigkeiten schlichtweg ungeeignet und benötigen dringend weibliche Führung.“ Zur Wahl in Österreich verteilen sie in Wien Flyer mit der Aufschrift „Nein zum Männerwahlrecht!“.

All das mutet satirisch an, aber die Burschenschaftlerinnen verneinen diese Annahme immer wieder vehement: Wenn sie zum Beispiel Presseanfragen ablehnen, weil sie zu oft fälschlicherweise als Satire- oder Kunstprojekt bezeichnet worden seien. Die Burschenschaft habe schließlich eine uralte Tradition, die es zu respektieren gelte.

Damit fordern die Burschenschaftlerinnen letztlich einfach nur das selbe Maß an Toleranz an, dass ihren männlichen Pendants in Deutschland und Österreich heute – im Patriarchat – zukommt. Das ist vielleicht Satire, aber vielleicht auch einfach konsequent.

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Aus: "Molestia: Münchens erste Burschenschaft für Frauen" Johanna Warda (2019)
Quelle: https://muenchen.mitvergnuegen.com/2019/molestia-burschenschaft-frauen/

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[...] "Du bist dem Ruf der Scheide gefolgt", rufen die Aktionistinnen der Burschenschaft Molestia zu Anfang. Sie tragen schwarzes Jacket und Hose, weißes Hemd, dazu gelbe Schärpe und die für Burschenschaften obligatorische Schirmmütze. "Nun stehst Du am Tor zum Scheideweg", sagen sie und weiter: "Bereit für die Reise zum reinigenden Feuer des Matriarchats." Die BesucherInnen der Aktion seien Auserwählte, denen von der Burschenschaft Molestia die wahre Welt vor Augen geführt werde.

Drei Stunden dauert die Performance, eine Mischung aus Aktionskunst und Gesamtkunstwerk, der Vermischung von Wahrheit und Schauspiel zu Diensten. Auf dem Programm stehen neun Stationen, darunter ein Orakel, das Vulva-Futura, die Weise des Matriarchats, spricht: Sie sitzt im Schneidersitz auf der Ladefläche eines Transporters und blickt mithilfe eines Hoden-Pendels, einer Menstruationstasse oder mittels Karten in die Zukunft der Auserwählten.

Die Performances wechseln ab mit professioneller Beratung für den Umgang mit Verschwörungstheorie-AnhängerInnen von Kira Ayyadi, einer Expertin für Rechtsextremismus. Sie wird aus der Juristischen Bibliothek des Münchener Rathauses zugeschaltet. Darauf folgt eine Gedenkfeier für ermordete Frauen in Südamerika oder im Iran, ein Hodenreinigungsritual mit Menstruationsseife und allerhand Volkshygienetipps am Brunnen vor der Bayerischen Akademie der Wissenschaften oder eine Bierpause in den Maximiliansanlagen.

Anfangs jedoch muss frau sich erst einmal am Alten Südfriedhof am Rand des Glockenbachviertels einfinden. Es gelte, so die Aktionistinnen, erst einmal die "Rache und Stärke der Ahninnen wahrzunehmen" - Energien, die man gut gebrauchen könne, schließlich gehe es auf dem Scheideweg um nichts weniger als um eine neue Weltordnung im Zeichen eines goldenen Matriarchats. So lassen es die Anschubkräfte der Münchener Burschenschaft Molestia, einem reinen Frauenbündnis übrigens, verlauten. Ihr Motto, in Frakturschrift geschrieben, lautet "Blut und Hoden".

Ansonsten ist der Ablauf des Stationenspektakels minuziös durchgeplant und perfekt inszeniert: Stramme Ordnung wie es sich für Burschenschaften gehört, wird hier parodiert, unterstützt von gelegentlichen "Heil Molestia"-Rufen der weiblichen Burschenschaftler.

Wappentier der Burschenschaft Molestia ist übrigens eine zähnefletschende Muräne. Im Fokus steht bei diesem Verein naturgemäß die Zerstörung des Patriarchats. Allmählich entsteht während der Performance ein Parcours zwischen Aktions-, Konzept- und Multimediakunst zur Rekrutierung von Kämpferinnen Klitorias.

Für jeden sogenannten "Scheidepunkt" ist zudem ein Passwort aufzusagen: "Operation Östrogenia", "Hygiene- Demo" oder "Ehre, Freiheit, Vatermord" lauten sie. Auf den Wegen zwischen den Stationen leuchten Audiofiles, die frau sich zuvor aufs Smartphone laden konnte, die Abgründe von Verschwörungstheorien und Gerüchteküchen aus.

Molestia zelebriert also das Pathos männerbündischer Auftritte. Der von Burschenschaften vertretene Sexismus wird überspitzt formuliert und ins Gegenteil verkehrt. Die Aktivistinnen greifen zudem die Ästhetisierung der Politik durch Rechte auf und unterwandern ebenso spielerisch wie klug rechtsradikale Redeweisen und Rituale: Parodie als Kritik an der Macho-Gesellschaft.

Bei der Aktion "Blut und Hoden. Die Welt am Scheideweg" geht es auch um aktuelle Verschwörungs-Szenarien – mal humorvoll, mal ernst, immer an der Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst. Molestia schafft mit Performance, Ernst, fröhlicher Groteske und Ironie Raum für wirkliches, für aufrichtiges Engagement.

Am Ende des Scheidewegs, nach kräftigendem Körpertraining steht schlussendlich dann ein Feuerritual. Alle Auserwählten bekommen eine schwarze, brennende Kerze in die Hand gedrückt: Das Feuer des Matriarchats, raunen die Molestia-Macherinnen verschwörerisch, sei nun entfacht. "Geh hin und verbreite die neue Weltordnung", empfehlen sie noch und karikieren damit das christlich-abendländische Missionsgebahren. ...


Aus: ""Blut und Hoden": Feministinnen gründen "Burschenschaften"" Christine Hamel (23.06.2020)
Quelle: https://www.br.de/nachrichten/kultur/blut-und-hoden-feministinnen-gruenden-burschenschaften,S2czS98
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[...] Wie Instagram, nur nackter. So oder so ähnlich wird die Plattform Onlyfans oft beschrieben. Denn obwohl das Unternehmen versucht, vom Porno-Image Abstand zu nehmen, wird Onlyfans vor allem von Menschen genutzt, die hier freizügige Bilder und Videos gegen Geld anbieten. Inzwischen ist die 2016 gestartete Plattform im Mainstream angekommen. Spätestens, seit Beyoncé im Remix von Megan Thee Stallions Song Savage (2020) sang: „She might start an Onlyfans.“

Tatsächlich funktioniert Onlyfans ähnlich wie Instagram: Menschen teilen Bilder und Videos in ihrem Feed. Followers können die Inhalte liken, kommentieren und privat mit den Anbieter*innen kommunizieren. Der entscheidende Unterschied: Bei Onlyfans muss man für jeden Inhalt zahlen. Nur wer für ein Abo im Schnitt 14 Dollar pro Monat zahlt, hat Zugriff auf den jeweiligen Feed und kann Nachrichten an die Anbieter*innen verschicken. Besonders pikante Bilder und Videos kosten in der Regel extra – und je mehr man zahlt, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt man von den Urheber*innen.

Auf diese Art und Weise verdienen in Deutschland laut Angaben von Onlyfans momentan knapp 4.000 Menschen Geld – und manche ihren gesamten Lebensunterhalt. Eine davon ist die 22-jährige Yma Louisa Nowak, die seit Februar 2020 auf Onlyfans aktiv ist. Heute gehört sie zu den erfolgreichsten zwei Prozent weltweit. Nach eigenen Angaben verdient sie zwischen 1.500 und 5.000 Euro im Monat. In einem Interview mit dem Spiegel bezeichnete Nowak OnyFans als einen Ort der Selbstbestimmung. Dass sie über Onlyfans mit Nacktaufnahmen Geld verdient, sei für sie Ausdruck eines modernen und sexpositiven Feminismus. Auf Instagram habe sie immer wieder mit Sperrungen und Einschränkungen zu kämpfen gehabt, da ihre Bilder zu viel nackte Haut zeigten.

Im Gegensatz zum Mainstream-Porno sind die Inhalte auf Onlyfans diverser. Queere Personen, People of Color, Menschen mit Behinderung oder jene, die gängigen Schönheitsidealen nicht entsprechen, werden hier nicht zu nischigen Kategorien gemacht und fetischisiert. Sie sind nicht länger auf Agenturen oder Managements angewiesen, sondern können selbst Inhalte anbieten und sich eine Fanbase aufbauen. Durch die Chatfunktion können sie direkt mit ihrer Followerschaft kommunizieren; die Anonymität von Pornhub oder Youporn weicht hier einer nahezu intimen digitalen Beziehung. Sie können selbst entscheiden, wem sie was für welchen Preis zeigen wollen, sie können übergriffige Personen blockieren. Außer ihnen profitiert nur die Plattform finanziell.

Diese Vorteile haben im Zuge der Corona-Pandemie und des Tätigkeitsverbots auch viele Sexworker*innen und Pornodarsteller*innen zu Onlyfans gebracht, die zuvor eher offline arbeiteten. Im April dieses Jahres – als die Arbeitslosenzahlen in der Branche in die Höhe schnellten – stiegen die Neuanmeldungen bei Onlyfans nach Angaben des Unternehmens um 75 Prozent. Auch die Nachfrage stieg durch Social Distancing und Lockdown enorm: Im Mai meldeten sich täglich 200.000 neue User an.

Wie immer, wenn es um Sexarbeit und Feminismus geht, gibt es aber auch starke Einwände. Denn selbstverständlich geht es auch bei Onlyfans vor allem darum, dass Frauen ihren Körper Männern gegen Geld zur Verfügung stellen. Wer das per se unfeministisch findet, der wird auch Onlyfans keine emanzipatorische Nuance abgewinnen können. Es wird zudem zu Recht hinterfragt, wie selbstbestimmt die Arbeit wirklich ist, solange das Unternehmen saftige 20 Prozent des Umsatzes einkassiert.

Der sehr einfache Einstieg in die Plattform kann außerdem dazu führen, dass junge Menschen auf der Suche nach schnellem Geld unbedacht beginnen, pornografische Inhalte zu teilen – ohne sich der Risiken und der Stigmatisierung bewusst zu sein. Wer einmal auf Onlyfans erfolgreich ist, der kann nur schwer in eine andere Branche zurück. Und obwohl Onlyfans bei der Registrierung nach einem Ausweisdokument fragt, ist es einer BBC-Recherche zufolge für unter 18-Jährige nicht allzu schwer, sich anzumelden.

Auch Piraterie ist ein Thema, denn Inhalte von Onlyfans tauchen nicht selten gratis auf Plattformen wie PornHub oder Reddit auf. Man muss also damit rechnen, digitale Spuren zu hinterlassen, die nicht mehr gelöscht werden können. Außerdem sind viele finanziell abhängig von der Plattform: Ändert Onlyfans die Nutzungsbedingungen, dann kann das Existenzen bedrohen.

Genau das ist im August geschehen, als der ehemalige Disney-Kinderstar Bella Thorne Onlyfans beitrat. Innerhalb eines Tages verzeichnete die 23-Jährige einen Umsatz von einer Million Dollar – nach einer Woche waren es zwei Millionen. Das Problem: Anders als angekündigt gab es auf Thornes Onlyfans-Account gar keine Nacktbilder, sondern lediglich Bikinifotos zu sehen – für 200 Dollar pro Foto. Tausende Menschen wollten ihr Geld zurück.

Anschließend verschärfte das Unternehmen ohne Ankündigung die Nutzungsbedingungen: Für exklusive Fotos darf man nun maximal 50 Dollar verlangen; Trinkgelder können maximal 100 Dollar betragen. Zuvor gab es keine Limitierung. Außerdem behält Onlyfans nun die Umsätze von Nutzer*innen für 30 Tage ein. Für viele Anbieter*innen war das existenzbedrohend – und entsprechend groß war die Wut auf Bella Thorne. Onlyfans selbst dementierte später, dass Thorne der Grund für die Verschärfungen gewesen sei.

Die Schauspielerin selbst entschuldigte sich und erklärte, sie habe Aufmerksamkeit für die Plattform generieren wollen, um so das Stigma um Sexarbeit abzubauen. Die Anmeldung auf der Plattform sei außerdem Teil der Vorbereitung für einen Film gewesen, den sie bald drehe – sie habe eine authentische Erfahrung als Onlyfans-Neuling angestrebt. Dass diese für einen Ex-Disney-Star nicht besonders repräsentativ ausfällt, bemerkte sie wohl spätestens, als die erste Million auf ihrem Konto landete.

Diese Gentrifizierung von Onlyfans durch prominente Personen mit großer Anhängerschaft – wie beispielsweise auch die 90er-Pop-Sensation Aaron Carter oder Rapperin Cardi B – wird von nicht prominenten Anbieter*innen seither kritisch diskutiert und verurteilt. Je mehr Menschen mit großen Followerzahlen auf anderen Plattformen wie Instagram oder Tiktok zu Onlyfans strömen, desto härter wird der Wettbewerb für die, die finanziell wirklich von der Plattform abhängig sind. Onlyfans selbst übernimmt bisher keine Verantwortung für die Gentrifizierung der Plattform und die Folgen – und dürfte glücklich darüber sein, dass sich die Wut vor allem gegen die prominenten Nutzer*innen richtet.

Mit knapp 30 Millionen Nutzer*innen weltweit ist Onlyfans zwar im Vergleich zu Facebook (2,5 Milliarden) oder Instagram (500 Millionen) noch mikroskopisch klein, doch es scheint erfolgreich zwei Tendenzen zu vereinen, die auch auf allen anderen Social-Media-Plattformen eine Rolle spielen: sexuelle Enttabuisierung und die konstruierte Authentizität und Nahbarkeit der klassischen Influencer*innen. Heraus kommt eine neue Art von Intimfluencer*innen, die der Anonymität und Unpersönlichkeit des klassischen Pornos ein Ende setzen. Ist diese Entwicklung Ausdruck einer neuen sexuellen Befreiung, die Sexworker*innen mehr Autonomie ermöglicht und sie aus der Anonymität holt? Oder handelt es sich um eine erneute, noch radikalere Objektifizierung von (Frauen-)Körpern? Wir sollten uns drauf einstellen, diese Diskussion nun öfter zu führen.


Aus: "Nackte zahlen" Johanna Warda (Ausgabe 42/2020 )
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/jowa/nackte-zahlen

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Terror als Themenfeld...
« Last post by Link on Yesterday at 09:43:00 AM »
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[...] PARIS taz | Zehntausende von Menschen sind am Sonntagnachmittag in zahlreichen Städten Frankreichs zusammengeströmt, aus Solidarität mit dem Lehrer Samuel Paty, der am Freitag von einem jungen Tschetschenen ermordet worden war. Dazu aufgerufen hatten Gewerkschaften und auch die Redaktion von Charlie Hebdo.

Am Freitag gegen 17 Uhr hatte die Kriminalpolizei auf der Straße im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine einen Mann mit einem blutigen Küchenmesser entdeckt. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd wurde er gestellt. Auf die Aufforderung der Polizei hin, seine Stichwaffe auf den Boden zu legen, habe der Mann aggressiv reagiert und die Beamten auch mit einer Schusswaffe bedroht, so die Polizei, die ihn daraufhin erschoss. Nicht weit entfernt, vor der Mittelschule von Conflans-Sainte-Honorine, machten die Polizisten dann einen makabren Fund: Die Leiche des erstochenen und enthaupteten Geschichtslehrers Paty.

Der Schock darüber sitzt tief, und die Aufmärsche sollen auch zum Ausdruck bringen, dass man sich nicht einschüchtern lassen will. Neben Schildern, auf denen „JeSuisSamuel“ in Anlehnung an „Ich bin Charlie“ steht, trugen viele Demons­tran­ten Kartons mit der Aufschrift „Je suis Enseignant“ oder „Je suis Professeur“ (Ich bin Lehrer). Ist allein die Tatsache, in einer Schule zu unterrichten, heute ein Grund, buchstäblich den Kopf zu riskieren, weil der offizielle Lehrplan irgendwelche Fanatiker empört?

Solche Gedanken bewegten die Demonstrierenden am Sonntag auf der Place de la République. Ihnen ist bewusst, dass es nicht um ein terroristisches Verbrechen unter vielen geht. Das Attentat von Conflans-Sainte-Honorine ist wie die Attacke auf Charlie Hebdo im Januar 2015 ein Test für die Grundrechte und im Speziellen für die Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit, die in Frankreich explizit das Recht auf Blasphemie einschließt. Doch zunächst geht es darum, etwas an sich Unbegreifliches zu verstehen.

Dazu wird die Persönlichkeit des Täters unter Lupe genommen. Der 2002 in Moskau geborene Tsche­tsche­ne Abdoullakh Anzorov war mit seiner Familie nach Frankreich geflüchtet und genoss politisches Asyl. Weder seine Angehörigen noch die Behörden wussten offenbar etwas von seiner islamistischen Radikalisierung: Er war nicht als Extremist in der „S-Datei“ potenzieller Staatsfeinde registriert. Die Polizei kannte ihn wegen kleinerer Delikte in Evreux. Ein Nachbar verriet der Sonntagszeitung Journal du di­manche nachträglich: „Er sprach mit niemandem, er machte mir Angst.“

Der junge Anzorov war weder ein ehemaliger Schüler von Samuel Paty, noch kannte er diesen persönlich. Er hatte auf dem Internet von einer Polemik in einer Schule in Conflans-Sainte-Honorine gehört. Auf Twitter bekannte er sich zu seiner Tat, mit der er den Propheten zu „rächen“ suchte. Er war dafür am Freitag aus Evreux angereist. Inzwischen ist auch bekannt, dass er mehrere Stunden vor der Mittelschule wartete und Jugendliche fragte, wer unter den herauskommenden Erwachsenen Samuel Paty sei.

Begonnen hatte alles mit einer Unterrichtstunde über Meinungsfreiheit. Zu diesem Zweck wollte der Lehrer als Beispiel unter anderem zwei Mohammed-Karikaturen aus Charlie Hebdo zeigen. Da er wusste, dass dies einige Muslime unter seinen Schülern stören konnte, sagte er ihnen, sie sollten wegschauen oder kurz das Klassenzimmer verlassen. Am Tag darauf kam eine Mutter in die Schule und beschwerte sich, weil ihre Tochter „wegen ihres Glaubens“ aus der Klasse verwiesen worden sei. Auf Wunsch der Schulleitung organisierte Paty eine Aussprache und entschuldigte sich sogar.

Doch im Viertel wurde die Geschichte verdreht. In einer anonymen empörten Mail an die Schule war von einem „islamophoben Klima“ die Rede. Und am selben Tag veröffentlichte Brahim C., der Vater einer Schülerin, die nicht in Patys Klasse war, auf Facebook einen feindseligen Appell gegen den Lehrer. Später nannte er sogar Patys Namen und Wohnadresse. Er befindet sich deswegen heute zusammen mit zehn anderen Personen zur Befragung in Polizeigewahrsam.

Schnell verbreitete sich die islamistische Version der Geschichte über Conflans-Sainte-Honorine hinaus. Wie genau sie Anzorov zu seiner Bluttat anstiftete, ist noch nicht klar. Verantwortlich für die Eskalation könnte nach Polizeiangaben mit seinen denunzierenden Aufrufen der ebenfalls festgenommene marokkanische Prediger Abdelhakim S. sein, der wegen seiner Nähe zu Islamisten registriert ist. Paty sei ein „Schurke, der die Meinungsfreiheit instrumentalisiere“, sagte er der Schulleitung, die ihn vergeblich zu einem Treffen mit Paty eingeladen hatte.

Paty, der sich bedroht fühlte, reichte Klage wegen Verleumdung ein. Inzwischen war die Sache auch den Sicherheitsbehörden bekannt, die indes nicht reagierten. In diesem Zusammenhang fordern jetzt die demonstrierenden LehrerInnen, dass ihre Hinweise ernster genommen werden als bisher.


Aus: "Trauer um ermordeten Lehrer bei Paris: Der Lehrer und die Hetze" Rudolf Balmer (18. 10. 2020)
Quelle: https://taz.de/Trauer-um-ermordeten-Lehrer-bei-Paris/!5720050/
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Terror als Themenfeld...
« Last post by Link on Yesterday at 09:35:29 AM »
Thomas Pany (17. Oktober 2020): “ … Der Lehrer für Geschichte und Geografie, Mitte Vierzig, unterrichtete seit vielen Jahren Schüler über Religionen. Eine Unterrichtsstunde, die er Anfang Oktober am Collège du Bois-d’Aulne in dem genannten Ort Conflans-Saint-Honorine gab, sorgte für Aufregung. Es ging um Meinungsfreiheit. Das Thema wollte der Lehrer anhand der Mohammed-Karikaturen erläutern [https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed-Karikaturen]. Dazu fragte er die Schüler danach, wer muslimischen Glaubens ist und erklärte ihnen, dass sie den Unterrichtsraum verlassen können, wenn sie wollen. …“ https://www.heise.de/tp/features/Der-gekoepfte-Lehrer-4931243.html

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[...] In Frankreich laufen nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty zahlreiche Polizeieinsätze gegen Islamisten. Sie würden sich gegen "Dutzende Personen" aus dem radikalisierten Milieu richten, sagte Innenminister Gérald Darmanin. Derartige Polizeieinsätze würden auch in den kommenden Tagen fortgesetzt.

Die Islamisten stünden "nicht unbedingt in Verbindung" mit dem Mord an dem Lehrer, sagte Darmanin. Die Einsätze zielten vielmehr darauf ab, "eine Botschaft zu vermitteln: nicht eine Minute Aufschub für die Feinde der Republik".

Darmanin ordnete zudem an, eine Moschee in einem Vorort von Paris zu schließen. Die Moschee habe bei Facebook ein Video geteilt, in dem der Unterricht des getöteten Lehrers angeprangert wurde, sagte der Minister. Dem Imam der geschlossenen Moschee im Pariser Vorort Pantin warf der Minister vor, den Lehrer bedroht und die Adresse der Schule veröffentlicht zu haben.

Eine Gruppe namens BarakaCity, gegen die die französischen Behörden ebenfalls vorgehen wollen, warf dem Innenminister beim Onlinedienst Twitter vor, "verrückt" zu werden und eine Tragödie auszunutzen. Die Gruppe beschreibt sich selbst als humanitäre Organisation.

Im französischen Verteidigungsrat unter Vorsitz von Präsident Emmanuel Macron war am Sonntagabend beschlossen worden, stärker gegen Radikalisierung vorzugehen und auch den Hass im Netz stärker in den Blick zu nehmen.

Seit der Ermordung des Lehrers seien rund 80 Beschwerden gegen die Verbreitung von Hass im Internet eröffnet worden, sagte der Minister. Es handele sich dabei etwa um Nachrichten, die die Tat verherrlicht hätten.

Darmanin sprach auch davon, dass der Mann, der im Netz gegen den Lehrer mobilisiert hatte, und andere, "eine Fatwa gegen den Lehrer erlassen" hätten. Es gebe kein anderes Wort, sagte Darmanin. Eine Fatwa ist im Islam eine Rechtsauskunft, um ein religiöses oder rechtliches Problem zu klären. Weltweit negative Schlagzeilen machte der Begriff, als der iranischen Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini 1989 eine Todesdrohung gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie wegen Gotteslästerung aussprach.

Der Lehrer war am Freitagvormittag in einem Vorort von Paris ermordet worden. Der Täter mit russisch-tschetschenischen Wurzeln wurde von der Polizei erschossen. Kurz nach der Tat hatte dieser im Netz damit geprahlt und geschrieben, der Pädagoge habe den Propheten Mohammed herabgesetzt.

Der 47-jährige Geschichtslehrer Samuel Paty hatte zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt. Daraufhin hatte der Vater einer Schülerin massiv im Netz gegen ihn mobilisiert. Macron nannte die Tat einen islamistischen Terrorakt.

Die Bundesregierung zeigte sich entsetzt von dem Anschlag. Es handele sich um die "Tat eines islamistischen Fanatikers" und einen "grauenhaften Mord", der weit über Frankreich hinaus Entsetzen ausgelöst habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Opfer habe über Meinungsfreiheit und die Freiheit, zu glauben oder nicht zu glauben, unterrichtet. Damit habe der Lehrer "ganz den Werten Frankreichs, Deutschland, unseres gemeinsamen Europas" entsprochen.

Es sei bewegend gewesen, zu sehen, wie am Sonntag in Paris die Menschen in Trauer und Erinnerung an den Getöteten für diese Werte demonstrierten, sagte Seibert weiter. "Die Bundesregierung steht an ihrer Seite gegen islamistische Gewalt, gegen Hass in jeder Form." Das Mitgefühl gelte der Familie des Ermordeten. Zehntausende hatten am Sonntag in ganz Frankreich an Trauerkundgebungen für Samuel Paty teilgenommen.


Aus: "Polizeieinsätze nach Enthauptung von Lehrer in Paris" (19. Oktober 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-10/frankreich-enthauptung-lehrer-islamismus-polizeieinsaetze

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Malteserkreutz #5
"Der Geschichtslehrer Samuel Paty hatte zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt."

Schlimm, wenn die Ausübung von Aufklärung inzwischen mit Todesgefahr verbunden ist. Den militanten Feinden der Freiheit muss auch in Deutschland mit mehr Härte begegnet werden und es muss unterbunden werden, dass sie das Freiheitsrecht der Religionsausübung so missbrauchen.

Monsieur Paty, es tut mir sehr leid!


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LinuxSchurke #5.2

Enthauptung fällt aber nicht unter „Freiheitsrecht der Religionsausübung“


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Terror als Themenfeld...
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[...] Die Tat war grauenhaft, dennoch oder gerade deshalb wird der Täter gefeiert. „Darf ich vorstellen: der Löwe aus Frankreich“, schreibt ein deutscher Nutzer des Messengerdienstes Telegram über den jungen Islamisten, der vergangenen Freitag im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine den Lehrer Samuel Paty enthauptet hat.

Nichts anderes als die Ehre des Propheten Mohammed „bewegte sein eifersüchtiges Herz“, postete ein anderer Muslim bei Telegram, „möge Allah dich zu seinen Shuhada zählen. Wahrlich bist du zu beneiden für deine Tatkräftigkeit.“ Shuhada ist im Arabischen der Plural für „Märtyrer“.

Die Polizei hatte den 18-jährigen Mörder kurz nach der Tat erschossen, als er die Beamten, die ihn festnehmen wollten, bedrohte. Für militante Islamisten ist der russisch-tschetschenische Attentäter Abdullah Anzorov ein Idol. Und ein Vorbild, dem womöglich weitere junge, radikalisierte Muslime nacheifern werden.

Wie gefährlich dieses Milieu in Deutschland ist, zeigt schon ein Blick auf einschlägige Straftaten. Im März 2011 verübte der gerade 21 Jahre alte gewordene Kosovare Arid Uka das erste tödliche islamistische Attentat in der Bundesrepublik. Uka erschoss am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzte zwei weitere schwer. In der Nacht vor der Tat hatte sich der schon länger in Deutschland lebende Mann mit islamistischen Videos aufgeputscht.

Im Juli 2006 stellten zwei in Deutschland studierende Libanesen, 20 und 21 Jahre alt, im Kölner Hauptbahnhof zwei Bomben in Regionalzügen ab. Die Passagiere blieben nur wegen eines technischen Defekts bei den in Trolleys versteckten Sprengsätzen von einer Katastrophe verschont. Tatmotiv der Libanesen war die Wut über den Nachdruck der verhassten Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen, darunter dem Tagesspiegel.

Ein ähnliches Motiv hatte jetzt der Mörder des Lehrers in Frankreich. Samuel Paty hatte im Unterricht beim Thema Meinungsfreiheit die Karikaturen angesprochen. Zunächst wurde Paty im Internet bedroht und beschimpft, dann stach der junge Flüchtling Abdullah Anzorov auf ihn ein.

Wie die Sicherheitsbehörden warnt auch Claudia Dantschke, eine der führenden Islamismus-Expertinnen aus dem Spektrum der Nichtregierungsorganisationen (NGOs), „das kann in Deutschland genauso passieren“. Dantschke leitet die 2011 gegründete Beratungsstelle „Hayat“ (Leben), die sich mit den härtesten Islamsten, den Salafisten, und deren Angehörigen befasst.

Zur Klientel zählen auch Dschihadisten, die Anhänger von Terrororganisationen wie dem „Islamischen Staat“ und Al Qaida. Das Bild, das Dantschke im Laufe der Jahre von den selbsternannten „Löwen“ gewonnen hat, ist allerdings jämmerlich.

„Meistens haben die keine Ahnung vom Islam“, sagt sie und spricht spöttisch von „Passmuslimen“. Das Gros der Männer im Milieu sei zwischen 17 und 27 Jahre alt. Die Jungs, die nach Syrien und Irak zum IS gereist sind, „waren zwischen 18 und 21“, sagt Dantschke. Die Frauen seien noch jünger gewesen, „von 16, 17 Jahren bis 21“.

Mädchen stiegen früher in die salafistische Szene ein, „schon mit 13 oder 14“. Warum? Mädchen seien „früher entwickelt“, sagt Dantschke. Aber sie bescheinigt auch den jungen Salafistinnen „ganz, ganz naive Vorstellungen vom islamischen Leben“. Der „Mudschahid“, der islamistische Kämpfer, sei für die jungen Frauen „ein Popstar wie Justin Bieber“.

Wie groß das Milieu junger radikalisierter muslimischer Männer und Frauen ist, lässt sich für Dantschke nicht seriös beziffern. Offensichtlich ist allerdings, dass es sich um eine kleine Minderheit handelt.

In der Bundesrepublik leben mindestens viereinhalb Millionen Muslime, der Verfassungsschutz stellt bei der Salafistenszene etwas mehr als 12.000 Männer und Frauen fest. Das Wachstum verlief rasant, 2011 waren es erst 3800. Der Anteil der Frauen sei auf über 13 Prozent gestiegen, heißt es im Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz für 2019. Die Behörden tröstet nur wenig, dass die Szene, wie es in Sicherheitskreisen heißt, in diesem Jahr offenbar stagniert.

Weder der Verfassungsschutz noch Dantschke signalisieren Entwarnung. Die Ursachen für Radikalisierung verschwinden nicht. „Es gibt Jugendliche, die kommen aus sehr autoritären Familien und haben keinen Freiraum“, berichtet Dantschke.

„Und es gibt die Jugendlichen aus eher losen Familien, wo der Halt fehlt.“ Die Jungen und Mädchen aus beiden Familientypen „suchen jemanden, der sie wahrnimmt, der sie ernst nimmt, der ihnen eine Lebensperspektive bietet“. Dantschke hat die Erfahrung gemacht, „die sind nicht auf der Suche nach dem Islam, die sind auf der Suche nach Orientierung, nach Aufmerksamkeit“. Und landeten bei den Salafisten.

Aus Sicht von Dantschke ist die Situation in Frankreich allerdings noch bedrohlicher als in Deutschland. Die soziale Ausgrenzung junger Muslime aus den „Banlieues“, den Hochhaussiedlungen am Rande von Paris und weiteren Großstädten, sei härter als in der Bundesrepublik. Der französische Staat reagiere auf Protest meist mit Repression, „das geht nicht an die Ursachen ran“. Deutschland sei mit dem staatlich geförderten Netzwerk der Prävention besser aufgestellt.


Aus: "Für sie ist der Mörder aus Frankreich ein Idol" (19.10.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/radikalisierte-muslime-in-deutschland-fuer-sie-ist-der-moerder-aus-frankreich-ein-idol/26288138.html

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Music and Sound Art (Klang) / Elektronische Musik ...
« Last post by Link on October 19, 2020, 01:53:24 PM »
Tangerine Dream (deutsch „Mandarinentraum“) ist eine Musikformation aus Deutschland, die vor allem wegen ihrer Pionierarbeit auf dem Gebiet der elektronischen Musik bedeutsam ist. So gilt die Band neben Ash Ra Tempel und Agitation Free als Wegbereiter der sogenannten Berliner Schule, während die frühe Phase der Gruppe auch zum Krautrock gezählt wird. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Tangerine_Dream

Tangerine Dream - Rubycon [Full Album] (1975)
https://youtu.be/jd6XL_IOS3I

Tangerine Dream - Stratosfear [Full Album]
https://youtu.be/f3hueHdzYSI
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Music and Sound Art (Klang) / Elektronische Musik ...
« Last post by Link on October 19, 2020, 01:48:30 PM »
Elektronische Musik bezeichnet Musik, die durch elektronische Klangerzeuger (Generatoren) hergestellt und mit Hilfe von Lautsprechern wiedergegeben wird. ... In der elektronischen Musik begegnen sich zwei gegensätzliche Sphären menschlichen Schaffens: die künstlerisch-ästhetische der Musik und die naturwissenschaftliche der Physik und Elektrotechnik. Daher muss die Entwicklung ihrer Voraussetzungen aus einem ideengeschichtlichen und einem technischen Blickwinkel heraus betrachtet werden. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Elektronische_Musik

Klaus Schulze (* 4. August 1947 in Berlin) ist ein deutscher Komponist, Musiker und Produzent. Er gilt als wichtiger Vertreter der elektronischen Musik und als Wegbereiter der Berliner Schule. ... Im Jahre 2006 war Schulze mehrmals in Filmausschnitten sowie als Interviewpartner in der sechsteiligen Serie „Kraut und Rüben“ im WDR zu sehen. Am 17. März 2006 zeigte das WDR-Programm ein ausführliches Interview mit Schulze sowie Ausschnitte eines seltenen Konzertes im Rahmen einer ausführlichen Dokumentation über die Entstehung der bekannteren Richtungen der elektronischen Musik in Deutschland, in der auch andere Synthesizer-Pioniere wie Edgar Froese, Michael Rother, Mitglieder der Gruppen Kraftwerk, La Düsseldorf, Neu!, Cluster, Popol Vuh, der Rockmusiker Achim Reichel und andere zu Wort kommen. Diese Serie befasste sich mit der deutschen Rock- und Popgeschichte in den 1970er Jahren. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Schulze

Klaus Schulze - Timewind (1975)
Recorded - March/June 1975, Berlin
https://youtu.be/qBn0Jnf7_3M

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