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[...] Eine offizielle Untersuchung war nach Kennedys Tod zu dem Ergebnis gekommen, dass er von dem Einzeltäter Lee Harvey Oswald in Dallas erschossen wurde, der wiederum zwei Tage später von dem Nachtclub-Besitzer Jack Ruby getötet wurde. Die Version wurde vor allem von Verschwörungstheoretikern immer wieder angezweifelt. Es kursierten Gerüchte, dass vielleicht die Mafia die Fäden zog, Kuba, die Sowjets, der militärisch-industrielle Komplex, vielleicht auch der spätere Kennedy-Nachfolger Lyndon B. Johnson in Verbindung mit der CIA, dem organisierten Verbrechen und Ölinteressensgruppen. Durch den Aufsehen erregenden Film "JFK" des US-Regisseurs Oliver Stone war die Diskussion über die Hintergründe des Attentats 1991 wieder aufgeflammt. Ein Gesetz verfügte daraufhin ein Jahr später die Veröffentlichung von nahezu allen der rund fünf Millionen Dokumente zu Kennedys Tod. Nur ein Bruchteil fiel unter eine 25-jährige Geheimhaltungsfrist – diese läuft nun am 26. Oktober aus.

Noch vor 2013 – 50 Jahre nach Kennedys Tod – gaben in einer Umfrage nur 30 Prozent der Befragten an, dass sie Oswald für den alleinigen Verantwortlichen hielten. Die meisten anderen witterten irgendeine Art von Verschwörung. Hinzu kommt eine ganze Flut von mehr oder minder seriösen Büchern, deren Autoren zu der einen oder anderen Schlussfolgerung gekommen sind. Sie alle hoffen nun, dass die "JFK files" ihre Thesen oder Theorien bestätigen. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Akten keine explosiven Informationen oder konkrete weitere Aufschlüsse darüber geben, was damals genau geschehen ist. "Ich glaube nicht, dass es große Enthüllungen gibt", sagt etwa John Tunheim, Leiter eines 1992 vom Kongress eingesetzten Gremiums, das mit der Prüfung und Veröffentlichung der Unterlagen beauftragt war. "Ich glaube, wenn es jemals enthüllende Dokumente gegeben hätte, wären sie schon längst vernichtet worden", zitiert die Zeitung "Dallas Morning News" auch Buchautor Larry Sabato vom Center for Politics der Universität von Virginia.

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Aus: "Trump will Geheimakten zur Ermordung von John F. Kennedy freigeben" (22. Oktober 2017)
Quelle: https://derstandard.at/2000066462741/Trump-will-Geheimakten-zur-Ermordung-von-John-F-Kennedy-freigeben
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ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 631 / 17.10.2017
Klassenkampf ist Identitätspolitik - Diskussion Die Journalistin Laurie Penny über Feminismus, Antikapitalismus, den Aufstieg der Rechten und Liebesbeziehungen
Jetzt schreibst du im Vorwort, dass toxische Männlichkeit die Welt zerstöre. Ist die feministische Bewegung durch Menschen wie Donald Trump oder auch Organisationen wie die AfD in Deutschland um Jahrzehnte zurückgeworfen worden? Immerhin müssen wir nun wieder ganz von vorne anfangen und Männern erklären, dass es eben nicht okay ist, Frauen an ihre »pussy« zu fassen.
Laurie Penny: Das glaube ich nicht. Wir müssen zwar wieder von vorne anfangen und erklären, dass es nicht okay ist, Frauen sexuell zu belästigen. Aber ich glaube nicht, dass die ganze feministische Bewegung zurückgeworfen wurde, sondern nun Frauen im Allgemeinen wieder stärker verachtet werden. Es gibt eine heftige Gegenbewegung gegen den Feminismus, gegen die Freiheitsbewegung von People of Colour und queeren Menschen. Überall auf der Welt werden Feministinnen immer aktiver, und immer mehr Leute schließen sich der Bewegung an, weil sie sehen, dass wir auf dem Weg in eine Krise sind. Und das ist keine Krise des Feminismus, sondern eine Krise für alle Frauen. ...
Beke Schulmann: Ist die Linke mit schuld an diesem neuen Erstarken der Rechten? Gelingt es der Linken nicht, Arbeiterinnen und Arbeiter anzusprechen? Fehlen da die Ideen?
Laurie Penny: Nein! Wir haben darauf geachtet, auch Politik für die Arbeiterklasse zu machen. Das war immer Teil der linken Bewegung. Wenn Leute sagen, dass wir nicht genug auf die Arbeiterklasse geachtet haben, dann meinen sie damit, dass wir nicht genug auf die weiße Arbeiterklasse geachtet haben. Die Idee, dass die weiße Arbeiterklasse und vor allem die männlichen weißen Arbeiter von People of Colour und Frauen, die die Mehrheit der globalen Arbeiterklasse ausmachen, getrennt behandelt werden könnten oder sollten, ist gefährlich. Wo waren denn die Leute, die nach den Bedürfnissen der schwarzen Arbeiterklasse in den USA gefragt haben? Nirgends! Eine solche Identitätspolitik, die sagt, dass die Belange der weißen Arbeiterklasse vorne angestellt werden sollten, ist gefährlich, und dafür sollte man nicht der Linken die Schuld geben.
https://www.akweb.de/ak_s/ak631/22.htm

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"Laura Meritt im Interview "Rein, Raus, Spritz ist Blödsinn"" (21.10.2017)
In den achtziger Jahren startete Alice Schwarzer die PorNo-Kampagne, die in Deutschland ein Gesetz gegen Pornografie erwirken wollte. Steht PorYes im Widerspruch dazu?
Laura Méritt: Wir sehen uns eigentlich in einer Schwesternschaft. Mit der Analyse der PorNo-Kampagne stimmen wir überein. Zum Beispiel, dass 95 Prozent des Mainstream-Pornos diskriminierend sind. Sexismus und Rassismus ist alltäglich. Wir widersprechen aber bei der Lösung dieses Problems und setzen uns für andere Bilder ein, wir wollen über den Porno Sexualität verändern. Wir fragen nach: Wer bestimmt denn, wie das auszusehen hat? Für die Antwort darauf wollen wir Anregungen geben, wie das positiv gestaltet werden könnte. ... Ich wünsche mir, dass der Mainstream eine größere Vielfalt bringt und nicht mehr diese Kategorien hat wie "Mann", "Frau", "behaart", "rasiert" und so weiter. Faire Arbeitsbedingungen in der Pornoindustrie sollten zum Standard werden. Und das mehr über Sexualität geredet wird: Was wir wollen und was wir nicht wollen. In der Sexspielzeugindustrie hat sich sehr viel in so schneller Zeit geändert im Bezug auf weibliche Bedürfnisse. Ich bin da sehr positiv gestimmt. Der Bildersturm hat gerade erst begonnen! ...
http://www.tagesspiegel.de/kultur/laura-meritt-im-interview-rein-raus-spritz-ist-bloedsinn/20484652.html
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Last post by Link on October 19, 2017, 11:32:05 AM »
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[...] Vor 25 Jahren werden die Leichen der früheren Grünen-Abgeordneten Gert Bastian und Petra Kelly gefunden. Für die Ermittler ist schnell klar: Bastian hat sich und seine Lebensgefährtin getötet. Dennoch gibt es bis heute viele unbeantwortete Fragen. 

Sie waren Ikonen der Friedensbewegung, doch ein friedlicher Tod war ihnen nicht beschieden: Petra Kelly und Gert Bastian waren wochenlang nicht mehr gesehen worden, als eine Nachbarin am 19. Oktober 1992 abends im Bonner Reihenhaus der Grünen-Politiker nach dem Rechten schaut. Sie findet die Leiche des 69-jährigen Bastian vor der Schlafzimmertür, die 44-jährige Kelly liegt tot im Bett.

Wenige Stunden später sind die Ermittler sicher: Bastian erschoss seine Lebensgefährtin und danach sich selbst. Doch auch 25 Jahre später wirft die Tragödie um die Grünen-Mitbegründerin Kelly und den Ex-Bundeswehrgeneral Bastian noch Fragen auf.

War es eine doppelte Selbsttötung? Oder war Kelly womöglich nicht einverstanden mit dem gemeinsamen Tod? Was war letztlich der Auslöser des Dramas, das erst knapp drei Wochen nach den tödlichen Schüssen entdeckt wurde? Denn schon am 1. Oktober 1992 hatte Bastian späteren Ermittlungen zufolge Kelly mit einer Pistole der Marke Derringer in die Schläfe geschossen und anschließend sich selbst in die Stirn. Beide waren sofort tot, ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden.

Kelly und Bastian waren ein ungleiches Paar - hier die friedensbewegte Politologin, die in Washington und Amsterdam studiert und später bei der EU-Kommission in Brüssel gearbeitet hatte, dort der gelernte Buchbinder, der bei der Bundeswehr zum Kommandeur einer Panzerdivision aufgestiegen war.

... Bei der bewegenden Trauerfeier wurden auch Zweifel an der Theorie einer doppelten Selbsttötung laut. So bekannte damals der Schriftsteller Lew Kopelew, er glaube nicht an Suizid: Kelly und Bastian "wären nicht von uns gegangen, ohne es uns zu erklären".

Zugleich forderten Intellektuelle und Umweltschützer aus 13 Staaten eine gründliche Untersuchung der Todesfälle. In einem in Mexiko-Stadt veröffentlichten Aufruf verwiesen sie ausdrücklich darauf, dass die beiden Grünen-Politiker sich gegen Rechtsextremismus in Deutschland engagiert hätten - und dass sie deswegen Berichten zufolge Drohungen von Neonazibanden erhalten hätten.

Dass Bastian der Täter war, galt freilich schon kurz nach Entdeckung der Leichen als gesichert. Allerdings gab es in der Folgezeit immer wieder Zweifel daran, dass Kelly wirklich sterben wollte. Erschoss Bastian seine Lebensgefährtin ohne deren Einwilligung? Die letzte Wahrheit über seinen Tod nahm das Paar mit ins Grab.


Aus: "Offene Fragen nach 25 Jahren: Der rätselhafte Tod eines Politikerpaares" n-tv.de , Richard Heister, AFP (19. Oktober 2017)
Quelle: http://www.n-tv.de/panorama/Der-raetselhafte-Tod-eines-Politikerpaares-article20087811.html

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[:::] Schon am Tag nach dem Fund der Leichen erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn, Peter Iwand:

"Ich habe mich aber informieren lassen, dass mit Sicherheit eins ausgeschlossen werden kann: dass dritte Personen an dem Tode von Frau Kelly und von Herrn Bastian verantwortlich sind. Sodass Strafverfolgungsmaßnahmen nicht in Betracht kommen."

Kriminalhauptkommissar Hartmut Otto ergänzte:

"Die Todesursache bei Herrn Bastian und bei Frau Kelly sind jeweils ein Schuss in den Kopf."

Demnach…

"… muss man nach dem bisherigen Ermittlungsstand und den Untersuchungen der Rechtsmedizin und der Sachverständigen davon ausgehen, dass Frau Kelly erschossen worden ist und anschließend sich Herr Bastian erschossen hat. Es ist ein absoluter Nahschuss, ein sogenannter aufgesetzter Schuss, gewesen. Und da gibt’s einfach nur die Möglichkeit, entweder lag ein Einverständnis vor, oder es ist eben im Schlaf geschehen."

Bastian hatte Kelly umgebracht. Die Behörden vermochten bei dieser Pressekonferenz so wenig wie irgendjemand sonst zu sagen, ob Petra Kelly den Schuss gewünscht haben konnte.

... Bekannt, wie sie war, bekam sie auch bedrohliche Schreiben bis hin zu Morddrohungen. Sie begann, unter Angstzuständen zu leiden. Irgendwann wandte sich Gert Bastian an seinen Sohn, den Mediziner Till Bastian.

"Dann hat er uns mal besucht und sich schon deutlich darüber ausgelassen, dass er Petra für seelisch krank hält - womit er sicher recht hat, das war auch mein Eindruck -, und welche Therapie-Möglichkeiten es denn gäbe. Aber er hat das schon gemerkt, dass mit ihr was nicht in Ordnung war, um das so mal auszudrücken."

... Doch das wahre Unglück wohnte bei Kelly und Bastian zu Hause. Till Bastian berichtete schon bald nach dem Tod seines Vaters, dass die Beziehung eine Falle für beide gewesen sein muss. Aus dieser "symbiotischen Verstrickung", sagt Till Bastian, habe sein Vater, der Soldat, der meist eine geladene Waffe bei sich hatte, wahrscheinlich keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als sich zu töten  - und Kelly auch. Ein "Akt fürsorglicher Gewalttätigkeit", der ihn am Ende gar nicht so überrascht habe, erzählt er heute:

"Ich wusste sehr wohl, dass mein Vater ein problematischer Mensch ist, was seine Gewaltbereitschaft anbetrifft. Ich habe Petra Kelly oft genug sagen hören: ‚Wenn du mal nicht mehr lebst, will ich auch nicht mehr leben‘, und ‚ohne dich will ich nicht auf der Welt sein‘. Sodass sich bei meinem Vater diese Auffassung verdichtet haben könnte, wenn ich sterbe, dann ist es mit ihrem Leben auch vorbei."

Die Staatsanwaltschaft ging zum Abschluss ihrer Ermittlungen im Februar `93 von einem "erweiterten Suizid" aus: Bastian hatte Kelly getötet, weil er glaubte, sie könne ohne ihn nicht leben. In ihrer Presseerklärung schrieb die Behörde jedoch irreführend: Es gebe, Zitat, "keinen Anlass, an einem Selbstmord der beiden zu zweifeln".

Das habe man dann vielfach klarstellen, soll heißen: zurücknehmen müssen, erläutert die Bonner Staatsanwaltschaft heute. Denn niemand fand einen Hinweis, dass Kelly hatte sterben wollen: Ihr Terminkalender war voll, trotz vieler Rückschläge hatte sie Pläne, wie immer. Doch in den Tagen nach dem Tod, als Gerüchte aller Art ins Kraut schossen – selbst ein Mord durch Geheimdienste schien manchen denkbar -, saßen sogar grüne Freunde der These vom Doppelsuizid" auf.

... Lange Zeit haben die vielen Rätsel um Kellys Verfassung, um die fatale Beziehung und den Tod der beiden auch im grünen Gedächtnis den Blick auf die Leistungen Petra Kellys als erste grüne Globalaktivistin verstellt. Christa Nickels:

"Die Tatsache, dass sie sich dann eben mehrmals an den Rand eines Burn-outs oder auch in einen Burn-out brachte, den sie dann ohne Auszeit durchgewandert hat, ist kein Ausweis davon, dass sie – ich will es jetzt mal zugespitzt sagen – verrückt war. Niemand würde ja, weil Willy Brandt ein Alkoholproblem hatte, oder irgendwie viele Frauen hatte, ihm seinen Rang als Politiker streitig machen – oder die Verdienste, die er sich um Deutschland erworben hat, kleinreden."

Marieluise Beck glaubt, Kelly hätte Hilfe gebraucht – und Gert Bastian sei dafür eben der Falsche gewesen. ... Auch 25 Jahre später lässt sich der Tod von Petra Kelly und Gert Bastian im Oktober 1992 wenn überhaupt, dann wahrscheinlich aus der zerstörerischen Abhängigkeit der beiden voneinander erklären.


Aus: "Tod von Petra Kelly und Gert Bastian: Zwei Leichen, viele offene Fragen" (01.10.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/tod-von-petra-kelly-und-gert-bastian-zwei-leichen-viele.724.de.html?dram:article_id=397217
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Last post by Link on October 18, 2017, 04:16:28 PM »
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[...]  Der Tatort-Krimi Der rote Schatten, der am letzten Sonntag ausgestrahlt wurde, hat ein Verdienst. Er lenkt noch einmal die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass zahlreiche Widersprüche zur offiziellen Version der Todesumstände der RAF-Gefangenen am 18.Oktober 1977 in dem Isolationstrakt von Stammheim unaufgeklärt sind.

Denn in der Tatort-Fiktion war offen geblieben, ob sich die Gefangenen das Leben nahmen, vielleicht unter Aufsicht des Staates, oder ob sie ermordet wurden. Deshalb haben sich sofort die Bild-Zeitung und Stefan Aust zu Wort gemeldet und behauptet, in dem Tatort werde RAF-Propaganda verbreitet.

Die Bild-Zeitung bleibt da ihrer Linie treu. Sie hatte ja bereits vor über 40 Jahren Heinrich Böll und andere linksliberale Intellektuelle zu RAF-Sympathisanten erklärt. Und der öffentlich-rechtliche RAF-Erklärer Stefan Aust fürchtet um seine Deutungshoheit für die Geschichte der RAF und der Ereignisse in Stammheim, wenn plötzlich auch über die Widersprüche zu der Version der Stammheimer Todesnacht diskutiert würden, die Aust ja immer vertreten hat.

Der Publizist Willi Winkler hingegen weist Austs Vorwürfe in einem Interview im Deutschlandfunk zurück. Zu Aust erklärt Winkler nur knapp:

    Naja, soll ich mich jetzt wirklich zu Herrn Aust äußern? Der hat seine Karriere auf dem Mythos RAF aufgebaut. Und er hat die Vorlage geliefert für den Baller-Film "Der Baader Meinhof Komplex". Also: Wer ist er, um das zu sagen?
    Willi Winkler

 Obwohl er selbst an die Selbstmordversion glaubt, ist sich Winkler der vielen unaufgeklärten Widersprüche der Geschehnisse am 18.10.1977 in Stammheim bewusst. Er fordert von den staatlichen Stellen Transparenz und sieht in der Diskussion nach der Tatort-Fiktion etwas Positives:

    Wenn das jetzt Anlass dazu gibt, dass man die vorhandenen Akten offenlegt - nach 40 Jahren wäre das ja möglich, es wurde ja ausführlich die Geschichte eines V-Mannes behandelt, und es gab mehrere - das wäre doch kein schlechter Effekt, wenn die jetzt veröffentlicht werden müssten. Dann hätte es auch was Gutes.
    Willi Winkler

Tatsächlich könnte die Diskussion nach dem Tatort auch jüngeren Leuten deutlich machen, wie viel an den Geschehnissen vor 40 Jahren noch ungeklärt ist. Ein Nachgeborener, der seit Jahren dazu forscht, ist der IT-Spezialist Helge Lehmann, der 2011 seine Rechercheergebnisse in einem Buch unter dem Titel "Die Todesnacht von Stammheim" herausgegeben hat (vgl. dazu Helge Lehmann über blinde Flecken und Widersprüche. Zum vierzigsten Jubiläum der Ereignisse hat kaum jemand darauf Bezug genommen.

Telepolis sprach mit dem Autor, der sich wundert, warum niemand auch nur versucht hat, die von ihm benannten Widersprüche aufzuklären.
Am 18.10.2017 jährt sich die Todesnacht von Stammheim, an dem die RAF-Gefangenen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan Carl Raspe in ihren Zellen umgekommen sind, zum 40ten Mal. Kaum noch jemand bezweifelt die offizielle Selbstmordversion. Warum sind Sie da eine Ausnahme?

Helge Lehmann: Meine Zweifel rühren von meinen Recherchen zu der Todesnacht in Stammheim. Zahlreiche Punkte sind ungeklärt oder wurden nicht in die Untersuchung des Todesermittlungsverfahrens aufgenommen. Die Indizienpunkte aus meinem Buch, die mir bisher niemand widerlegt hat, machen es nicht schwer, den Selbstmord anzuzweifeln.

Telepolis: Sie beschreiben sich als anfangs unpolitischen Menschen und dann über 4 Jahre für Ihr im 2011 erschienenes Buch "Die Todesnacht von Stammheim" recherchiert. Wieso nahmen Sie sich die Zeit und wie finanzierten Sie sich und ihre Recherche?

Helge Lehmann: Wenn ich erkenne, dass es bei irgendeiner Sache mehr zu erfahren gibt, bzw. sich irgendwelche Thesen als unschlüssig zeigen, möchte ich es genau wissen. Das hat dann mal mehr, mal weniger zeitintensiver Recherche zur Folge. Die "Todesnacht in Stammheim" war extrem zeitintensiv, gefühlt unendlich viele Stränge gab es zu untersuchen. Da ich einen Job habe und hatte, konnte ich nur nach Feierabend, am Wochenende und an freien Urlaubstagen daran arbeiten.


Telepolis: Wie gingen Sie bei Ihrer Recherche vor?

Helge Lehmann: Da es keine Schemata gibt, begann ich logischerweise am Kernpunkt. Der Todesnacht selbst, sowie dem Auffinden der Toten und der verletzten Irmgard Möller. Schritt für Schritt sammelte ich Daten, holte mir in den verschiedenen Archiven verfügbare Akten und glich diese mit dem bereits vorhandenen Buchmaterial und dem Internet ab. So gelangte ich Schritt für Schritt voran und baute um die Todesnacht die Geschichte immer weiter aus. Dazu habe ich praktische Untersuchungen unternommen, wie beispielsweise die Lautstärke der Schüsse, um die Widersprüche aufzuzeigen.

Telepolis: Unmittelbar nach der Todesnacht von Stammheim bezweifelte ein großer Teil der Linken die Selbstmordthese. Ein Internationaler Untersuchungsausschuss versuchte Aufklärung. Haben Sie sich auf dessen Arbeit stützen können?

Helge Lehmann: Solche Untersuchungen habe ich im Nachgang mit meinen Recherchen abgeglichen. Hätte ich diese als Grundlage genommen, wäre ich in meiner Ausarbeitung beeinflusst worden. Das hätte ich als keine gute Herangehensweise gesehen.

Telepolis: Sie haben sich ausgiebig mit dem behaupteten Waffenschmuggel in das Gefängnis und dem angeblichen geheimen Kommunikationssystem der Stammheimer Häftlinge auseinandergesetzt. Zu welchem Resultat kommen Sie da?

Helge Lehmann: Nach meinen Untersuchungen, jeweils mit einem Versuchsaufbau, komme ich zu dem Ergebnis, dass der Waffenschmuggel nur möglich gewesen sein kann, wenn die untersuchenden Beamten grob fahrlässig und dilettantisch gearbeitet hätten. Da sich die Beamten bei einem Waffenschmuggel selbst in Gefahr gebracht hätten und da es vor jeder Durchsuchung intensive Vorbereitungen gab, erscheint mir die Wahrscheinlichkeit des Schmuggels mehrerer Waffen und Patronen sowie eine Kochplatte und anderer Gegenstände gleich null.

Telepolis: Wo sehen Sie einen weiteren zentralen Widerspruch in der offiziellen Version der Stammheimer Todesnacht? ... Sie schreiben, dass ihre Untersuchungen die Form "eines Indizienprozesses" gegen die offizielle Version angenommen hat. Wollen Sie damit zum Ausdruck bringen, dass sie keine Beweise haben?

Helge Lehmann: In der Rechtsprechung ist ein Beweis mehr als ein Indiz, die Summe der Indizien kann als Beweis gelten. Natürlich habe ich keinen Beweis. Ich war nicht dabei, keiner der beteiligten Beamten hat sich dahingehend geäußert. Jedes Gericht würde aufgrund dieser Indizienlage das Ergebnis Selbstmord nicht als das tatsächliche zweifelsfreie Ergebnis sehen.

Telepolis: Waren Sie über die öffentlichen Reaktionen auf Ihr Buch enttäuscht? Schließlich wird es im Jubiläums-Jahr kaum erwähnt und selbst in linken Zeitungen wird die Selbstmordthese kaum in Frage gestellt.

Helge Lehmann: Nein war ich nicht. Genauer gesagt habe ich damit gerechnet. Die Sieger schreiben die Geschichte.

Telepolis: Aber auch der ehemalige RAF-Gefangene Karl-Heinz Dellwo, der heute als linker Verleger und Aktivist tätig ist, erklärte später, die RAF-Gefangenen hätten über einen Selbstmord als selbstbestimmten Akt, um sich der staatlichen Verfolgung zu entziehen, gesprochen. Würde die offizielle Version zumindest im Grunde gestützt?

Helge Lehmann: Seine Darstellung widerlegt die von mir offengelegten Indizien und Widersprüche nicht.

Telepolis: Könnten die von Ihnen untersuchten Widersprüche nicht auch darauf hinweisen, dass ein Selbstmord unter staatlicher Aufsicht damit verschleiert wurde? Ein Beispiel, die schon immer stark bezweifelte Art des angeblichen Waffenschmuggels könnte verschleiern, dass die Waffen mit Wissen staatlicher Stellen ins Gefängnis gelangt sind?

Helge Lehmann: Ich beteilige mich nicht an Spekulationen. Ich kann nur auf die in meinem Buch vorgelegten Indizienpunkte hinweisen. Warum löste keiner die benannten Widersprüche auf oder versucht, diese zu erklären?

Telepolis: Gehen Sie davon aus, dass es noch eine Aufklärung der Todesumstände in Stammheim geben wird? Welche politischen Folgen hätte das?

Helge Lehmann: Das ist nicht absehbar. Das bisherige Interesse an der Aufklärung hält sich ja in Grenzen. Diskussionen sind wichtig, um das ganze Thema zu verstehen. Es wäre allerdings nötig, dass sich mehr Menschen für das Thema interessieren beginnen. Vielleicht kann der Tatort, den ich sehr gelungen fand, dazu beitragen.


Aus: "Stammheimer Todesnacht: Es bleiben zahlreiche Widersprüche" Peter Nowak (17. Oktober 2017)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Stammheimer-Todesnacht-Es-bleiben-zahlreiche-Widersprueche-3864072.html

"Hier sind ein paar Indizien, die gegen Selbstmord sprechen" (Friedensblick, 17.10.2017 19:53)
https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Stammheimer-Todesnacht-Es-bleiben-zahlreiche-Widersprueche/Hier-sind-ein-paar-Indizien-die-gegen-Selbstmord-sprechen/posting-31218088/show/

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Stammheimer-Todesnacht-Es-bleiben-zahlreiche-Widersprueche/Re-Hier-sind-ein-paar-Indizien-die-gegen-Selbstmord-sprechen/posting-31218528/show/

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     SvenV, 18.10.2017 01:43


Interview einer Zeitzeugin:
https://www.youtube.com/watch?v=mGYINRC_RUI

Man sollte meinen, dass diese Überlebende wissen muss, was wirklich geschehen ist?
Ein ausführlicheres Interview ist hier zu finden:
https://web.archive.org/web/20070529192730/https://www.rote-hilfe.de/publikationen/die_rote_hilfe_zeitung/1997/4/interview_mit_irmgard_moeller

Mag sich jeder selbst sein Urteil bilden. Ich halte diese Zeitzeugin für glaubwürdig.
Hätte sie sich der staatlich diktierten Darstellung angeschlossen, hätte sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht fast 23 Jahre Haft in weitgehender Isolation kassiert.
Bei ihrer Haftentlassung war sie die am längsten inhaftierte Frau im deutschen Strafvollzug. Zu ihrem Glück gab es damals noch keine "Sicherheitsverwahrung".


https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Stammheimer-Todesnacht-Es-bleiben-zahlreiche-Widersprueche/Interview-einer-Zeitzeugin/posting-31219092/show/

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[...]      Artur_B

mehr als 1000 Beiträge seit 09.09.2004
17.10.2017 22:22

Und was wäre das Motiv?

Fangen wir hinten an: die Morde an Herrhausen und Rohwedder wurden mit einem Fachwisssen und einer Kompetenz ausgeführt, wie man sie eigentlich nur bei Militärs findet. Herrhausen wollte die Entwicklungsländer entschulden und die den Umbau der DDR-Wirtschaft ganz qanders gestalten als er dann tatsächlich kam. Humaner würde ich sagen. Die, die danch kamen, hielten von Humanität erkennbar wenig. Ziemlich genau das Schema eines Gladio-Anschlags. Wofür auch spricht, dass trotz aller Fahndungsbemühungen kein Täter verhaftet werden konnte. Wenn die Verantwortlichen durch die moilitärische Geheimhaltung geschützt sind, dringt nie etwas nach außen. Jüngstes Beispiel die Geschichte um Franco A. Wir wissen keinen Deut mehr als am ersten Tag. Es wird nie einen Untersuchungsausschuss geben und wenn, erfährt er nichts. Geheimnisse verlassen die Kasernenmauern nie.

... Also das Grundmuster aller Gladio-Aktionen: Rechte begehen Anschläge, die als links motiviert dargestellt werden. Warum das? Nun, die RAF gab dem Staat die Legitimation für einen allseitigen Rollback und hier insbesondere den Radikalenerlass. Denjenigen, die '68 wieder zurück drehen wollten, konnte nichts besser in den Kram passen als die RAF.

... Gruß Artur


https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Stammheimer-Todesnacht-Es-bleiben-zahlreiche-Widersprueche/Und-was-waere-das-Motiv/posting-31218715/show/

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Last post by Link on October 18, 2017, 04:16:03 PM »
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[...] Der damalige Arbeitgeberpräsident Schleyer war nach sechswöchiger Geiselhaft im Oktober 1977 von der linksterroristischen Roten Armee Fraktion (RAF) erschossen worden. Zuvor war der Versuch gescheitert, mit der Entführung führende RAF-Mitglieder aus der Haft freizupressen. Andreas Baader und andere begingen daraufhin Selbstmord. "Viel zu lange hielt sich die Märtyrerlegende vom Justizmord an den Häftlingen", sagte Steinmeier. "Wahn und Lüge umgaben die RAF-Geschichte über Jahrzehnte."

... Zu der Veranstaltung im Schloss Bellevue waren auch Angehörige der Opfer und Terrorismusexperten wie der Autor Stefan Aust eingeladen.

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Am 18. Oktober 2017 um 13:13 von Moderation
Schließung der Kommentarfunktion

Liebe User,

wegen der hohen Anzahl der Kommentare auf meta.tagesschau.de kann diese Meldung nicht mehr kommentiert werden.
Wir bitten um Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen
Die Moderation



Aus: " Steinmeier-Rede "Tun wir genug? Nein"" (18.10.2017)
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/steinmeier-rede-terrorismus-101.html

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[...]  Dieter, Mittwoch, 04.Oktober 2017, 10:57 Uhr
4. Die RAF -Zeit

Die geschmähte Bonner Republik brachte den Deutschen nicht bloß den größten Wirtschaftswunder-Wohlstandsschub ihrer Geschichte. Zum ersten Mal formierte sich eine sozial verfasste Gesellschaft, ein Wohlfahrtsstaat, der seinesgleichen suchte. Man integrierte Millionen Vertriebener und Flüchtlinge und achtete auf sanften Ausgleich nach innen wie nach außen. Dieses Adenauer-Deutschland versöhnte sich mit allen Nachbarn und legte den Grundstein für ein neues Europa - die beste Idee, die man auf diesem geschundenen Kontinent seit Generationen hatte. ...

    Antwort von Leonia, Mittwoch, 04.Oktober, 12:15 Uhr

    Nicht das "Spießige" und "Miefige" der 50er und 60er war für den wirtschaftlichen Erfolg grundlegend, sondern die enorme Nachfrage nach Gütern aufgrund der weitreichenden Zerstörungen durch den selbst angezettelten Krieg. Zudem darf nicht vergessen werden, dass der Westen Deutschlands seine noch vorhandenen Industrieanlagen und verbliebene Infrastruktur wie Gleise weiterhin nutzen konnte und nicht wie der Osten, der sie als Reparationen an Russland verlor.
    Hätte nicht die Jugend damals von diesem Mief die Schnauze voll gehabt, hätte der die positive Entwicklung binnen kurzem erstickt. Es mangelte damals schon an Arbeitskräften, aber die Frauen mussten sich damals vom Ehemann bescheinigen lassen, dass sie Arbeit suchen durften und fehlten größtenteils dem Arbeitsmarkt. Während der ersten großen Koalition entstand die außerparlamentarische Opposition (APO). Nach der großen Koalition entwickelte sich die Friedensbewegung daraus und leider auch eine kleine extremistische Gruppe, die RAF.




Aus Kommentaren zu: https://www.br.de/nachrichten/raf-terror-deutscher-herbst-story-100.html

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[...]Der "Tatort: Der rote Schatten" hat die Geschehnisse rund um den sogenannten Deutschen Herbst und Todesnacht von Stammheim wieder aufgerollt. Hannes Jaenicke spielt im Krimi einen V-Mann für den Verfassungsschutz, der in den 1970er-Jahren gegen die RAF eingesetzt war. Tatsächlich war der in Frankfurt am Main geborene Schauspieler im Herbst 1977 zarte 17 Jahre jung. An die Zeit kann er sich trotzdem gut erinnern.

"Ich [war] längst politisiert, weil ich a) auf eine erzkonservative, komplett spaßbefreite Schule in Bayern ging und b) RAF, Alt-Nazis, Antisemitismus, Vietnamkrieg, Franz Josef Strauß et cetera Dauergesprächsthemen in meiner Familie waren", erinnert sich Jaenicke. Er habe das Glück gehabt, von Eltern großgezogen worden zu sein, "die durch und durch anständige Sozialdemokraten und engagierte Willy-Brandt-Unterstützer waren".

Für seine "Tatort"-Figur zieht Jaenicke eine nüchterne Bilanz. "Das Böse setzt sich nun mal leichter und schneller durch als das Gute", erklärt der 57-Jährige. "Es ist faszinierend, sich mit einem Charakter auseinanderzusetzen, der als Idealist anfing und als desillusioniertes, zynisches Wrack endet. Die Entwicklung dahin kann ich verstehen, den mangelnden Kampf dagegen nicht."

Über die "Todesnacht von Stammheim", auf die Regisseur Dominik Graf in seinem "Tatort" Bezug nimmt, möchte Jaenicke nicht spekulieren. "Ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien", sagt er. Doch er räumt ein, immer starke Zweifel am Wahrheitsgehalt dessen gehabt zu haben, "was Politik und Medien uns seit 1977 über die RAF, deren Selbstmorde und Attentate kommuniziert haben".


Aus: "Jaenicke über RAF-"Tatort": "Das Böse setzt sich leichter durch"" (16. Oktober 2017)
Quelle: http://www.n-tv.de/leute/Das-Boese-setzt-sich-leichter-durch-article20084939.html

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[...] "Der rote Schatten" nahm sich die Bilder, die allbekannt die 1970er-Jahre illustrieren, die Auseinandersetzung zwischen Staat und RAF, um sie schneller zu schneiden, elliptischer das Material zu durchforsten, damit der Authentizitäts-Retro-Grusel, der noch von jedem wieder abgedruckten RAF-Fahndungsplakat ausgeht, nicht wohlig den Rücken runterrauscht. Sondern damit die Frage gestellt werden kann, was uns an diesen Bildern interessiert, heute noch, was sie eigentlich erzählen.

Über die sogenannte "Nacht von Stammheim" etwa, als Baader, Ensslin, Raspe starben nach der Befreiung der Lufthansamaschine "Landshut": War es Mord, war es Selbstmord? Oder kann so etwas nur geschehen, wenn sich die verfeindeten Blöcke – der Staat und seine Feinde – besser kennen, als es nach außen scheinen mag? Und der Selbstmord etwas ist, von dem der Staat zumindest wusste? Dies legt "Der rote Schatten" jedenfalls auf spekulativ interessante Weise nahe. ...

Nach der Ausstrahlung formulierte Stefan Aust harsche Kritik an Dominik Grafs "Tatort": Der Film betreibe "Propaganda für die RAF". Wir haben bei Brigitte Dithard nachgefragt, die beim SWR als Filmredakteurin seit vielen Jahren für den "Tatort" verantwortlich ist. Die Kritik treffe sie nicht, sagte sie im Deutschlandfunk Kultur. Dies liege schon am Begriff "Propaganda". "Wer Propaganda betreibt, beansprucht die eindeutige Deutungshoheit über ein bestimmtes Faktum und lässt andere Deutungen nicht zu." Doch der Film "diskutiert mehrere Thesen. ... Der Film entscheidet sich nicht für eine ganz konkret." Dadurch lasse der Film viel offen. "Das ist das Gegenteil von Propaganda", so Dithard.


Aus: ""Tatort" von Dominik GrafKein RAF-Retro-Grusel" Matthias Dell (16.10.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunkkultur.de/tatort-von-dominik-graf-kein-raf-retro-grusel.2150.de.html?dram:article_id=398309

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[...] Stuttgart - Der Journalist und RAF-Experte Stefan Aust hat die Darstellung der Todesnacht von Stammheim im Stuttgart-«Tatort» als RAF-Propaganda kritisiert. Im «Tatort» am Sonntagabend war die Frage offen geblieben, ob die Terroristen der «Roten Armee Fraktion (RAF) sich 1977 im Gefängnis das Leben nahmen - oder doch ermordet wurden. «Es gibt keine ernstzunehmenden Zweifel daran, dass es Selbstmord war», sagte Aust der «Bild»-Zeitung. Im «Tatort» «Der rote Schatten» wurde der Mord an den Gefangenen der RAF in zwei Versionen inszeniert, auch als Mord durch eine geheime Truppe. «Das wird bei den Zuschauern hängen bleiben», kritisierte Aust, Autor des Buches «Der Baader-Meinhof-Komplex». «Ich halte das für sehr problematisch. Das ist RAF-Propaganda.»

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Oliver M. vor 2 Tagen
Und da wundert man sich, warum in Deutschland ansonsten langweiliges Kino und Fernsehen die Normalität ist. Weil Leute wie Stefan Aust die Mehrheit bilden. Schaut man nach Hollywood, wird dort oft mit fiktionalen Elementen ein historischer Stoff verwoben. Ginge es jedoch nach Aust, wären Filme wie JFK - Tatort Dallas, Forest Gump, Malcom X kaum möglich. Für mich ist das typisch deutsches /...gekürzt, bitte bleiben Sie sachlich, die Mod./


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Freddy K., vor 3 Tagen
Wenn in einem Film das Ende offen bleibt, ist das problematisch? Weil das "hängenbleibt"?
Also darf der Zuschauer nur DIE EINE Version sehen, die staatlich freigegeben und als unbedenklich eingestuft wird?
Selber denken verboten, oder wie?




Aus: "Darstellung im RAF-"Tatort" ist "gefährlicher Unsinn"" (16.10.2017)
Quelle: https://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article169667682/Darstellung-im-RAF-Tatort-ist-gefaehrlicher-Unsinn.html

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[...] 40 Jahre nach dem Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) will der Stuttgarter «Tatort» eine Auseinandersetzung mit dem «Deutschen Herbst» anstoßen. In «Der rote Schatten» setzt der SWR auch dokumentarische Aufnahmen aus dem Jahr 1977 ein. Für Regisseur Dominik Graf wurde das Thema nicht genug aufgearbeitet, wie er im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagt.

Frage: Der neue Stuttgart-«Tatort» befasst sich mit der RAF-Zeit. Was hat sie daran gereizt?

Antwort Dominik Graf: Ein Polizeithriller handelt immer von Ermittlungen und Nachforschungen. Kommissaren beim Nachforschen im Bereich der RAF zuzusehen finde ich extrem interessant.

Frage: Wie intensiv muss das Thema noch aufgearbeitet werden? Hat man das bisher nicht hinreichend genug getan?

Antwort Dominik Graf: Das Thema wurde überwiegend einseitig aufgearbeitet. Viel zu viel Schlamperei und Vertuschung der staatlichen Behörden wurde und wird bei uns nach wie vor unter den Teppich gekehrt. Man muss zum Thema RAF eine völlig neue Qualität in die Perspektive der Geschichtsschreibung und in die Analyse der Ereignisse einführen. Man muss verstehen, dass sich im Nachkriegs-Westdeutschland zwei Generationen als Todfeinde gegenüberstanden. Die alten Nazis, überall noch präsent, und die nächste Generation, die eine Utopie hatte.

Frage: Wie haben Sie selbst diese Zeit erlebt?

Antwort Dominik Graf: Ich habe ständig Faschismus im Alltag erlebt. Manche Lehrer, viele Beamte, fast das ganze damalige Staatspersonal bis hin zum Zugschaffner und Hausmeister, alles autoritäre Kettenhunde. Auf der Straße, in der Schule. Ich habe damals den Aufstand der Jungen gegen das Establishment der Bundesrepublik Deutschland (BRD) völlig verstanden. Gewalt aber hätte ich selbst nie anwenden können.

Frage: Der RAF-Terror ist 40 Jahre her. Ist das Thema angesichts der jüngsten Anschläge dennoch aktueller denn je?

Antwort Dominik Graf: Das Thema RAF wird niemals un-aktuell, weil es eben letztlich ungeklärt ist. Es geht um die konkrete Schuld der staatlichen Organe einerseits, und es geht darum, eine neue Mentalitätsgeschichte dieser Revolte zu erforschen, die dann mal bitte nicht von den Regierenden und ihren Vasallen geschrieben wird.

Frage: V-Männer wie im aktuellen «Tatort» sind ein umstrittenes Thema. Sollte der Staat gemeinsame Sache mit Straftätern machen? Oder sind V-Leute letztlich unverzichtbar?

Antwort Dominik Graf: Ermittlungstechnisch gesehen sind V-Leute im kriminellen Milieu weltweit unverzichtbar, glaube ich. Radikal ändern müssen sich aber die Behörden, die offenbar jede Art von Größenwahn und krimineller Energie ihrer Mitarbeiter und auch ihrer V-Mann-Führer dulden oder sogar unterstützen. Beamte im Höhenrausch müssen verschwinden.



Aus: "Interview: «Tatort»-Regisseur Dominik Graf über die RAF-Zeit" (13. Oktober 2017)
Quelle: http://www.stern.de/kultur/tv/interview--tatort--regisseur-dominik-graf-ueber-die-raf-zeit-7659908.html

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Last post by Link on October 18, 2017, 10:37:26 AM »
"„Die wollen uns umbringen“: Chemtrail-Gläubige öffnen Zeit-Redakteur die Augen"
Verfasst von Bernd Harder 10. Oktober 2017   in Blogs & Medien, GWUP, Verschwörungen und Wissenschaft.
Der Zeit-Redakteur Alard von Kittlitz bringt zwei Chemtrail-Gläubige mit dem Physiker Prof. Joachim Curtius (Experimentelle Atmosphärenforschung, Institut für Atmosphäre und Umwelt an der Goethe-Universität Frankfurt) und dem Triebwerksingenieur Dr. Jörg Sieber (MTU Aero Engines GmbH) zusammen.
Am Ende der wirklich spannenden doppelseitigen Geschichte wirkt Curtius “frustriert” und Kittlitz hält die beiden Chemmies schlicht für “verloren”.
Außerdem extrahiert der Journalist aus der persönlichen Begegnung mit den zwei Verschwörungstheoretikern exakt die Hauptgefahren von solchen Phantastereien:
Das Problem für die demokratische Gesellschaft ist unterdessen, dass alle, die sich in das Randständige verabschiedet haben, für das ernsthafte Ringen um eine bessere Welt verloren sind […]     Als das Experiment begann, dachte ich noch: Vielleicht doch auch okay, wenn man an Märchen glaubt. Und ich gönne beiden Probanden den Trost, den ihnen ihre Weltbilder spenden.
Zugleich aber glaube ich inzwischen, dass ihre Einflüsterer [zum Beispiel Werner Altnickel] nicht nur selbst ernannte Gegner unserer Gesellschaftsform sind, sondern deren ernst zu nehmende Feinde. Nebelwerfer, die von echten Problemen ablenken.” Die ganze Geschichte “Die wollen uns umbringen” gibt es auch als Audiodatei (zirka 26 Minuten). ...
https://blog.gwup.net/2017/10/10/die-wollen-uns-umbringen-chemtrail-glaubige-offnen-zeit-redakteur-die-augen/

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[...] Der mysteriöse Tod des einstigen UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld ist vermutlich durch den Abschuss seines Flugzeugs über Zentralafrika verursacht worden. Nach einer Auswertung geheimer Unterlagen aus mehreren Ländern, darunter Deutschland, gelangte ein Bericht für die UN-Spitze zu dem Schluss, dass es "plausibel" sei, dass der Absturz des Flugzeugs von Hammarskjöld 1961 auf "einen Angriff oder eine Bedrohung von außen" zurückzuführen sei. Ursprünglich war von einem Pilotenfehler die Rede gewesen.


Aus: "Flugzeug von UN-Generalsekretär 1961 vermutlich doch abgeschossen" (18.10.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/neuer-bericht-zu-mysterioesem-todesfall-flugzeug-von-un-generalsekretaer-1961-vermutlich-doch-abgeschossen/20470512.html

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New York – Der mysteriöse Tod des einstigen UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld ist vermutlich durch den Abschuss seines Flugzeugs über Zentralafrika verursacht worden. Nach einer Auswertung geheimer Unterlagen aus mehreren Ländern, darunter Deutschland, gelangte ein Bericht für die UN-Spitze zu dem Schluss, dass es "plausibel" sei, dass der Absturz des Flugzeugs von Hammarskjöld 1961 auf "einen Angriff oder eine Bedrohung von außen" zurückzuführen sei. Ursprünglich war von einem Pilotenfehler die Rede gewesen.

Der UN-Generalsekretär war damals auf dem Weg nach Afrika, um einen Waffenstillstand für die an Bodenschätzen reiche Region Katanga in der heutigen Demokratischen Republik Kongo auszuhandeln. Sein Flugzeug stürzte im September 1961 bei Ndola in Nordrhodesien ab, dem heutigen Sambia.

In dem Untersuchungsbericht wird nun darauf verwiesen, dass die Rebellen in Katanga mehr Flugzeuge zu ihrer Verfügung hatten als bisher bekannt. Zuvor war die Theorie, dass die Rebellen das Flugzeug des UN-Generalsekretärs abgeschossen haben könnten, verworfen worden. Nun wird davon ausgegangen, dass die Rebellen mindestens drei französische Fouga-Flugzeuge und ein westdeutsches Flugzeug zur Verfügung hatten.

In dem Fall drängt Schweden, das Heimatland des damaligen UN-Generalsekretärs, seit Jahren auf Aufklärung. Der nun neu erstellte Bericht für UN-Generalsekretär Antonio Guterres, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag (Ortszeit) bei den Vereinten Nationen vorlag, wurde von dem Juristen Mohamed Chande Othman aus Tansania erstellt. Es sollen weitere Untersuchungen folgen.

Othman konnte nach eigenen Angaben eine Reihe von Fragen in dem mysteriösen Fall, der sich inmitten des Kalten Krieges abspielte, nicht lösen. So habe ein belgischer Pilot 1967 angegeben, er habe das Flugzeug von Hammarskjöld abgeschossen. Informationen wurden auch in Südafrika angefordert, das Unterlagen zu einer "Operation Celeste" haben soll, einem angeblichen Mordkomplott gegen Hammarskjöld. (APA, 18.10.2017)


Aus: "Neuer Bericht könnte mysteriösen Tod von Dag Hammarskjöld aufklären"
Flugzeug von UN-Generalsekretär 1961 vermutlich doch abgeschossen" (18. Oktober 2017)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000066234393/neuer-bericht-koennte-mysterioesen-tod-vondag-hammarskjoeld-aufklaeren


Dag Hjalmar Agne Carl Hammarskjöld (* 29. Juli 1905 in Jönköping, Schweden; † 18. September 1961 bei Ndola/Sambia) war ein parteiloser schwedischer Staatssekretär unter sozialdemokratisch geführten Regierungen und von 1953 bis zu seinem Tode 1961 der zweite Generalsekretär der Vereinten Nationen. Kurz nach seinem Tode wurde ihm der Friedensnobelpreis zugesprochen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Dag_Hammarskj%C3%B6ld

https://de.wikipedia.org/wiki/Flugunfall_des_UNO-Generalsekret%C3%A4rs_Dag_Hammarskj%C3%B6ld

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[...] Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges starb UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld bei einem Flugzeugabsturz. Ein Unfall, so die offizielle Lesart. Nun wecken neue Akten alte Zweifel an der Rolle westlicher Geheimdienste.

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Johannes_F #4

Wenn die ZEIT 56 Jahre braucht, einen als Verschwörungstheorie diskreditierten möglichen Komplott als solchen zu bezeichnen - was heißt das eigentlich für die Gegenwart? Geht das heutzutage schneller? Langsamer? Gar nicht?



Aus: "Dag Hammarskjöld: War es doch Mord?" Wolfgang Bauer (13. Juni 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/2017/25/dag-hammarskjoeld-flugzeugabsturz-kalter-krieg-geheimdienste



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"Bezirksbürgermeister kämpft gegen Verwahrlosung: Der grüne Tabubrecher von Berlin-Mitte" Werner van Bebber (14.10.2017)
Ein Obdachlosencamp, ein Mord, Müll und Prostitution: Der Berliner Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel will aus der Gefahrenzone im Berliner Tiergarten wieder einen Park machen. ... Längst findet im Tiergarten Europa-Politik statt. „Seit vier, fünf Jahren haben alle Ordnungsämter zunehmend Probleme mit aggressiven Obdachlosen aus Mittel- und Osteuropa“, sagt Dassel. „Die sind in einer Verfassung und einer Stimmung, die das Handling unmöglich macht.“ Eine Mitarbeiterin sei mit Urin aus einer Bierflasche bespritzt worden. Andere lagerten am Hansaplatz nördlich des Tiergartens und pöbelten Passanten an, sagt Dassel. Er höre von Menschen, die dort seit 50 Jahren wohnten, dass sie den Platz nun nicht mehr betreten würden. ...
http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/bezirksbuergermeister-kaempft-gegen-verwahrlosung-der-gruene-tabubrecher-von-berlin-mitte/20454790.html

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"Haarige Beine: Model mit Vergewaltigung bedroht" (9. Oktober 2017)
Welche Ausmaße Hass im Netz gegenüber Menschen, die Normen in Frage stellen, annehmen kann, zeigen die Reaktionen auf einen Spot von Sportartikelhersteller Adidas. Darin ist die schwedische Künstlerin Arvida Byström mit unrasierten, dunkel behaarten Beinen zu sehen. Sie spricht im Video über Weiblichkeit, dass jeder Mensch feminin sein könnte. Und dass es in unserer Gesellschaft davor große Angst herrsche. Auf Instagram beschreibt sie nun, dass sie seit der Veröffentlichung des Videos auf Youtube eine Vielzahl böser Kommentare als Reaktion bekommen habe, darunter Drohungen, sie zu vergewaltigen.
Die 26-jährige Byström ist Fotografin und Model und bekannt dafür, Körpernormen und die Sexulaisierung des weiblichen Körpers in Frage zu stellen. Anfang des Jahres veröffentlichte sie gemeinsam mit Molly Soda das Buch "Pics or It Didn't Happen: Images banned from Instagram" – darin werden 270 Bilder gezeigt, die von Instagram entfernt wurden, weil sie angeblich die Community-Richtlinien verletzt hätten. Darunter jenes der Künstlerin Rupi Kaur, die 2015 ein Bild von sich auf Instagram hochgeladen hatte, das sie in einer mit Menstruationsblut befleckten Jogginghose zeigte. Das Bild wurde von Instagram entfernt und – nachdem sie es nochmals gepostet hatte – wiederum gelöscht.
https://derstandard.at/2000065605817/Haarige-Beine-Model-mit-Vergewaltigung-bedroht

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Bluediver, 9. Oktober 2017, 20:09:20
Ein Wunder, dass unsere Gesellschaft immer noch funktioniert und nicht längst in Chaos und Wahnsinn versunken ist.
Erschreckend, dass schon behaarte Beine bei manchen Leuten solche Aggressionen erzeugen. Wie sieht das erst bei echten Problemen aus?


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Mort52, vor 9 Stunden
Ich mag sie. Win Win Win Situation.

Werbung für sie, für Adidas und Rollenbilder und Klischees aufgebrochen.
Wobei die Nachricht, dass Frauen nicht nur Haare am Kopf wachsen, so manchem sein Weltbild zerstört zu haben scheint.
Also auch von pädagogischem Wert, das Filmchen.


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Anton Jesus Poster, vor 19 Stunden
Stillos und ungepflegt zu sein war immer schon ein Ausdruck feministischer Selbstbestimmung


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Black Mary, vor 14 Stunden
(Natürliche) Behaarung muss weder stillos, noch ungepflegt sein. Sie offenbaren gravierende intellektuelle Defizite.


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Ronald Tekener, vor einem Tag
Irgendwie finde ich es seltsam, dass jemand, der behaarte Beine als abstoßend empfindet, diese Person dann auch noch vergewaltigen will.


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flatline, vor einem Tag
Schon ein wenig witzig, unsere Gesellschaft. Männer schauen aus wie Wookies und schimpfen auf Frauen die sich auch nicht rasieren. Scherz bei Seite. Die Gesellschaftlichen zwänge denen man sich freiwillig unterwirft. Ich finde Frauen mit haarigen Beinen voll Okay. Generell sind Körperhaare nicht ekelhaft wenn man sich regelmäßig wäscht. Und ja ich kenn diese Diskussionen im Freundeskreis. Die meisten mögens Rasiert und Glatt. (Frau & Mann). Ich werde dann auch immer sehr komisch angeschaut wenn ich sage das ich keine Probleme mit Frauen habe die unrasiert sind. Die blicken mich an ob ich ein Wilder bin XD.


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Frijid Pink, vor einem Tag
ich find haare an den beinen und sonstwo sehr erotisch...


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Gehirnamputierter NC-Flüchtling, vor einem Tag
sie kann ruhig machen was sie will. Es bleibt trotzdem ekelig


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Black Mary, vor 14 Stunden
Der Psychotherapeut Ihres Vertrauens hilft Ihnen!


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Gredl, vor 20 Stunden
Habe diese Sportler von einem Plakat vor einigen Jahren, alle ganz haarlos auf der Brust, eklig gefunden.


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athos, vor 15 Stunden
empfinde ich beides so.
Mir gefallen männer mit haaren am körper und frauen ohne oder mit wenig.


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cogitatum, vor einem Tag
was ist an Natürlichkeit ekelig?


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Steverino, vor einem Tag
Nur ein Bein rasieren reicht eigentlich.


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ildiko1905, vor 2 Tagen
Ich finde rasierte Beine unappetitlich. Passt für ein Baby oder Kleinkind aber doch nicht für eine erwachsene Frau.


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Mercalli Sieberg, vor 2 Tagen
Während die Moslems die Frauen unterdrücken sind Frauen des Westens freilich von jedem Zwang befreit.


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Mercalli Sieberg, vor 2 Tagen
Willkommen im Jahr 2017


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Dampf Hans, vor 2 Tagen
Wieder mal im Glauben, für die total gute Sache und Feminsmus und so einzutreten, betreibt der Standard Werbung für Adidias. Dass der Journalismus in seinem Eifer dümmer ist, als die Werbeindustrie, ist beschämend.


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No1ino, vor 2 Tagen
Achsel- und Schambehaarung ist schon längst back. Es reicht, wenn ein paar Hollywood-Stars sich nicht mehr rasieren und die Schönheitsideale drehen sich um 180 Grad.


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nutzer modernster theologie, vor 3 Tagen
Als meine Mama 1990 in NYC war hat sie immer die Frauen mit den Beinhaaren nach dem Weg gefragt. Das waren nämlich die Deutschen und die hätten immer einen Stadtplan dabei...


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Julian Assange / Wikileaks ...
« Last post by Link on October 12, 2017, 10:14:32 AM »
"Julian Assange Marks 5.5 Years Inside Ecuadorean Embassy as UK & US Refuse to Confirm Arrest Warrant" (Democracy Now!, October 10, 2017)
As we speak with WikiLeaks founder and editor-in-chief Julian Assange, he shares an update on when he may be able to leave the Ecuadorean Embassy in London, where he has sought refuge and political asylum for more than five years. Earlier this year, Swedish prosecutors have dropped an investigation into allegations of sexual misconduct by Assange, which he denies and calls a pretext for his ultimate extradition to the United States to face prosecution under the Espionage Act. ...
AMY GOODMAN: This is Democracy Now!, democracynow.org, The War and Peace Report. I’m Amy Goodman. We’re talking to Julian Assange, who has taken refuge, got political asylum in the Ecuadorean Embassy in London, for the last five-and-a-half years has lived in this tiny embassy in London. Julian, talk about the status of your case. In fact, you were holed up there so that you wouldn’t be extradited to Sweden, fearing then you would be extradited to the United States. But Sweden has dropped its case against you. ...
https://www.democracynow.org/2017/10/10/julian_assange_marks_55_years_inside
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Last post by Link on October 11, 2017, 10:13:06 AM »
"Rätselhaft und bizarr: Vor 30 Jahren starb der Politiker Barschel" (10.10.2017)
... „Aus meiner Sicht sind einige seiner Besuche in der DDR und CSSR (Tschechoslowakei) unerklärbar. Sie passen schlicht und einfach nicht in die Verhaltensweise eines westdeutschen Ministerpräsidenten zur Zeit des Kalten Krieges“ - so zitieren die Autoren den früheren Kieler SPD-Bundestagsabgeordneten und Verteidigungsexperten Norbert Gansel. „Er hatte Kontakte zu Geheimdiensten und war eingebunden in den internationalen Waffenhandel“, schreiben sie. „Doch ob daraus ein Motiv für einen Mord erwächst, bedarf des Beweises.“ Ein konkretes Motiv oder einen Tatverdächtigen kann bis heute niemand benennen. ...
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/raetselhaft-und-bizarr-vor-30-jahren-starb-der-politiker-barschel/20421134.html

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"Suizid oder Mord? - Die letzten Rätsel um CDU-Politiker Uwe Barschel" Bettina Mittelacher (30.09.2017)
Wieso war Barschel überhaupt in Genf? Nach seinem Rücktritt war er mit seiner Frau zunächst nach Gran Canaria gereist. Von dort buchte er einen Flug für sich allein in die Schweiz. Laut seiner Witwe Freya Barschel wollte er dort einen Informanten treffen, von dem er sich Entlastungsmaterial und wichtige Fotos in der Bespitzelungsaffäre erhofft habe. Einem Chefermittler, der später die Todesumstände untersucht, erscheint diese Erklärung zwar nicht ausgeschlossen. Genauso gut sei aber möglich, so Generalstaatsanwalt Erhard Rex, dass Barschel schon seinen Suizid geplant habe. Sicher ist, dass er an jenem Abend aus seinem Hotelzimmer mehrere Telefonate führt. Und fest steht auch, dass er sich eine Flasche Rotwein bestellt, die ihm ein Kellner wenig später aufs Zimmer bringt. Danach hat niemand mehr Barschel lebendig gesehen.
... Suizid oder Mord, das sind nach Überzeugung aller die einzig wahrscheinlichen Alternativen. Die in Deutschland zuständige Staatsanwaltschaft Lübeck überlässt das Ermittlungsverfahren zunächst den Schweizer Behörden. Bei den polizeilichen Untersuchungen gibt es jedoch Pannen. So stellt die Schweizer Polizei im Hotelzimmer Verpackungen von Medikamenten sicher, die später jedoch unauffindbar sind. Vermutlich wurden sie von den Ermittlern versehentlich entsorgt.
Zudem stellt sich die polizeiliche Kamera, mit der der Tatort fotografiert wurde, im Nachhinein als defekt heraus. Die Folge: Alle Bilder sind unscharf. Die einzigen verwertbaren Fotos, die es nun noch vom ursprünglichen Zustand des Leichnams und des Hotelzimmers gibt, sind die, die der Reporter des "Sterns" geschossen hat. ...
... Bei Barschel werden insgesamt acht Medikamente gefunden. Unter diesen befinden sich das Barbiturat Cyclobarbital, ferner ein Schlafmittel, dazu Diazepam und ein stark sedierendes Antihistaminikum, also ein Mittel, das Übelkeit und Brechreiz verhindern soll. Die Genfer Staatsanwaltschaft geht im Ergebnis davon aus, dass Barschel, der zudem seit 1980 in offenbar immer stärkeren Dosierungen das Beruhigungsmittel Tavor konsumiert hat, alle diese Mittel selbst eingenommen hat. Anschließend, so die Überzeugung der Schweizer Ermittler, hat sich der Politiker bekleidet in die gefüllte Badewanne gelegt, ist dort eingeschlafen und schließlich, nach mehreren Stunden im Wasser, an den stark überdosierten Schlafmitteln gestorben. Im Ergebnis also ein Suizid.
... Jedenfalls sind Barschels Witwe Freya und sein Bruder Eike überzeugt, dass die Schlussfolgerung, es handele sich bei Uwe Barschel um Suizid, nicht stimmen könne. Sie wollen "weiterhin nach der Wahrheit forschen", wie sie betonen. "Die Familie wollte nach Bekanntwerden der Schweizer Ergebnisse unbedingt eine zweite wissenschaftliche Meinung einholen und die Grundlage dafür durch eine Nachsektion schaffen, also eine zweite Leichenöffnung", so Püschel. "Die Frage war, welche Experten über besonders umfangreiche Erfahrungen mit solchen Nachsektionen und Nachbegutachtungen verfügen.
Die Wahl fiel auf Prof. Werner Janssen in Hamburg, der sich schon wiederholt als Mann für diffizile Fälle herausgestellt hatte, etwa bei Untersuchungen im Zusammenhang mit der Baader-Meinhof-Gruppe und mit Todesfällen an der innerdeutschen Grenze. Der Leichnam von Uwe Barschel wurde aus der Schweiz ins Institut für Rechtsmedizin am UKE gebracht. Dann haben wir, das heißt Janssen, der Toxikologe Achim Schmoldt und ich als Oberarzt, die Nachsektion durchgeführt. Als spezielle Vertrauensperson der Familie Barschel war ein weiterer Rechtsmediziner aus Kiel dabei."
Sie seien damals "ein sehr gutes Team gewesen", hebt Püschel hervor. "Institutsleiter Janssen galt als der richtige Mann für schwierige Fälle. Mein Kollege Schmoldt war seinerzeit für mich der beste Toxikologe überhaupt. Und ich selbst habe als leitender Oberarzt alle Untersuchungsmaßnahmen koordiniert und dokumentiert." Wie muss man sich eine derartige Nachsektion vorstellen? Nach dem Abschluss der Leichenöffnung werden die inneren Organe in den Körper zurückgegeben, abgesehen von all jenen Gewebeteilen und Körperflüssigkeiten, die für weiterführende mikroskopische und chemisch-toxikologische, möglicherweise auch ­DNA-technische und sonstige molekular-biologische oder biochemische Untersuchungen noch benötigt werden.
"Im Fall von Barschel hatten die Schweizer Rechtsmediziner Material für derartige Untersuchungen zurückbehalten. Nicht benötigte Rückstellproben haben sie für die Untersuchungen in Hamburg zur Verfügung gestellt. Die Schweizer hatten eine routinemäßige Sektion mit den vorgeschriebenen Untersuchungen aller innerer Organe durchgeführt. Das Untersuchungsausmaß haben wir im Rahmen der Nachsektion erheblich ausgedehnt. Eine Obduktion dauert üblicherweise zwei bis drei Stunden. Hier haben wir mehr als doppelt so lang gebraucht. Unter anderem lang das daran, dass wir sehr umfangreiche Untersuchungen im Bereich Haut, Unterhautfettgewebe, Muskeln, Sehnen und Knochen vorgenommen haben. Wir sind quasi quadratzentimeterweise vorgegangen und haben gezielt nach möglichen Verletzungen wie Hämatomen oder auch Einstichstellen gesucht. Ich bin mir sicher, dass uns auch nicht die kleinste Verletzung entgangen ist.
Auch die Untersuchung der Organe hat länger gedauert als üblich. Zunächst mussten wir die Arbeit der Schweizer Rechtsmediziner nachvollziehen und dann weitere detaillierte Untersuchungen etwa in toxikologischer Hinsicht vornehmen. So haben wir zum Beispiel Flüssigkeit aus dem Wirbelkanal gesichert, weil es darum ging, nicht nur in den Organen, sondern auch in den Körperflüssigkeiten etwaige chemische Substanzen nachzuweisen. Alle Vorgänge wurden zudem sehr ausführlich protokolliert und fotografiert, was auch viel Zeit in Anspruch genommen hat."
Bei Barschel wird erneut ein ganzer Medikamenten-Cocktail nachgewiesen, einerseits Psychopharmaka, andererseits auch weitere Substanzen in tödlicher oder potenziell tödlicher Konzen­tration. Ein sehr langes Protokoll – Ergebnis der neuerlichen Untersuchung des Leichnams in Hamburg – ergibt, dass zweifelsfrei "todesursächlich" das Schlafmittel Cyclobarbital und die Beruhigungstabletten Pyrithyldion gewesen sind. Prof. Püschel: "Der Brechreizhemmer Diphenhydramin und das Neuroleptikum Perazin haben die Wirkung verstärkt. Eine versehentliche Überdosierung bei einem bewusstseinsklaren Menschen ist angesichts der nachgewiesenen Substanzmengen nicht denkbar; ebenso unwahrscheinlich ist die Möglichkeit einer unbemerkten Beibringung."
Die Auffindesituation in der Badewanne sei zudem vereinbar mit diesbezüglichen Hinweisen von Sterbehilfeorganisationen, die eine gestaffelte Medikamenteneinnahme vorschlagen: erst ein Mittel zur Entspannung und zum Verhindern eines Erbrechens, dann die tödliche Substanz. "Darüber hinaus waren ausdrücklich kombinierte Einwirkungen beschrieben, um sicherzugehen. Dazu gehört insbesondere, sich in die mit Wasser gefüllte Badewanne zu legen, um zusätzlich einen Ertrinkungsvorgang herbeizuführen. Zum Untersinken des Körpers von Barschel ist es allerdings nicht gekommen. Man sieht auf dem Foto, dass die Atemöffnungen über der Wasseroberfläche liegen. Ertrinkungsbefunde wurden nicht erhoben. Uwe Barschel hat noch stundenlang im Wasser gelegen. Er hat im komatösen Zustand, gewissermaßen im Sterben, noch eine Bronchitis und eine beginnende Lungenentzündung entwickelt."
Das Ergebnis dieser ausgesprochen gründlichen Untersuchung, detailliert aufgeführt auf 55 Seiten, teilen die Hamburger Experten ausschließlich der Familie Barschel mit. Die Untersuchungsbefunde und Schlussfolgerungen der Hamburger Rechtsmedizin werden später – "sicher nicht von uns", betont Püschel – zuerst scheibchenweise in verschiedenen Medien und dann auch zusammenhängend öffentlich gemacht: zum Beispiel in einer Dokumentation des Generalstaatsanwalts von Schleswig-Holstein, Erhard Rex, und in einem Buch des Leiters der Lübecker Staatsanwaltschaft und Chefermittlers in Sachen Uwe Barschel, Heinrich Wille.
Doch auch schon lange vor dem Erscheinen dieser Veröffentlichungen sind Erkenntnisse aus der Hamburger Expertise lanciert worden, mit denen Vertreter der Mordtheorie ihren Standpunkt zu untermauern versuchen: Bei der Nachobduktion seien zum Beispiel "zwei weitere Hämatome entdeckt worden, am Hinterkopf und am Rücken Barschels". Unterschiedliche Autoren schreiben daraufhin, die Verletzungen seien "Zeichen ­äußerer, unnatürlicher Gewalteinwirkungen", zum Beispiel mit einem Sandsack, und führten zur Bewusstlosigkeit des Politikers durch Schläge auf den Kopf. Die Schweizer Mediziner hätten diese Verletzungen übersehen und folglich geschlampt.
"Aus unserem Gutachten geht ganz klar hervor, dass diese Verletzungen erst nach dem Tod entstanden sind, durch die Präparation sowie bei der anschließenden Lagerung und beim Transport des Leichnams", erläutert Püschel. "Wir haben das bekannt gegeben, um wilden Spekulationen entgegenzuwirken, und haben damit nur eindeutige Fehlinterpretation und Falschmeldungen zurechtgerückt. Die ursprüngliche Veröffentlichung der Ergebnisse kam definitiv nicht von unserer Seite."
Gleichwohl bekommen die Befürworter der Mordthese Unterstützung. Sie haben schon lange Zweifel an der Version, dass es ein Suizid war, vor allem, weil es am Tatort eine unklare Spurenlage gab. So ist unter anderem nach dem Tod des Politikers die Flasche Wein unauffindbar, die Barschel noch am Abend beim Zimmerservice bestellt hat. Zudem wird im Flur des Hotelzimmers ein ausgerissener Hemdknopf gefunden, mit Garn in allen vier Knopflöchern. Auch die Position von Barschels Schuhen, die in getrennten Räumen stehen, einer geschnürt, einer nass und offen, erscheint auffällig. Und schließlich wird bei der Obduktion der Leiche ein Hämatom auf der rechten Stirnseite festgestellt, von dem es heißt, es könnte durch Gewaltanwendung entstanden sein.
Ein Schweizer Gutachter weist jedoch darauf hin, dass Ursache für diese oberflächliche Verletzung am Kopf Barschels ein Krampf während des Komas gewesen sein könnte. Und auch für alle anderen angeblichen Ungereimtheiten gibt es nach Überzeugung von erfahrenen Ermittlern plausible Erklärungen, die jedenfalls nicht gegen Suizid sprechen. Auch mögliche Motive für einen Freitod im Sinne von Ehrverlust, verlorenem Einfluss und Ansehen erscheinen diesbezüglich befragten Psychiatern und Suizidforschern denkbar.
Befürworter der Mordthese hingegen verweisen auf Gerüchte, nach denen Barschel komplizierte Geschäftsbeziehungen in den Nahen oder Mittleren Osten unterhalten und auch im Waffenhandel mit dem Iran eine Rolle gespielt habe. Ein ehemaliger Agent des israelischen Geheimdienstes Mossad hat behauptet, Barschel sei Opfer eines Mossad-Tötungskommandos gewesen. Und wieder andere haben wegen zahlreicher Reisen des Politikers in die damalige DDR spekuliert, er könnte sich die Stasi zum Feind gemacht haben – was allerdings nicht belegt wird.
Dennoch nährt der reichliche Medikamenten-Cocktail, der in Barschels Magen, Blut und Urin nachgewiesen worden ist, die Spekulationen, östliche Geheimdienste könnten seinen Tod mit verursacht haben. Denn eines der Präparate gab es seit Jahren nicht mehr in Westeuropa zu kaufen. Doch Barschel ist, wie Ermittlungen unter anderem über die letzten Tage seines Lebens ergeben, durchaus kreativ darin gewesen, sich stattliche Mengen von Medikamenten zu verschaffen. Er hat schon lange diverse Beruhigungs- und Schlafmittel konsumiert, unter anderem offenbar immer stärkere Dosierungen von Tavor, einem Medikament mit angstlösender und sedierender Wirkung.
... Zweifel am Selbstmord Barschels werden insbesondere vom Zürcher Toxikologen Prof. Hans Bran­den­berger geäußert, den die Familie Barschel mit einer weiteren Begutachtung betraut hat. Der Experte hat alle Untersuchungsergebnisse und die restlichen Asservate zur Verfügung gestellt bekommen. Die nachgewiesenen Drogenkonzentrationen hat Brandenberger bestätigt.
"Von Prof. Brandenberger wurde allerdings geäußert, eine der nachgewiesenen tödlichen Drogen, Cyclobarbital, ein stark wirksames Schlafmittel aus der Gruppe der Barbiturate, sei zeitlich gesehen erst deutlich später eingenommen worden als die anderen Substanzen", erläutert Püschel. "Seiner Meinung nach konnte man die Konzentrationsverhältnisse nur erklären, wenn diese Substanz nachträglich aufgenommen wurde, zeitlich deutlich abgesetzt von anderen Substanzen, die da schon weitgehend resorbiert waren. Prof. Brandenberger behauptete, Uwe Barschel müsse da schon bewusstlos gewesen sein, und schlussfolgerte, man habe dem Bewusstlosen das letztlich tödliche Gift nachträglich mittels Magensonde zugeführt. Wobei es von den Sektionsbefunden her keine Anhaltspunkte gab, dass bei Barschel jemals eine Magensonde gelegt wurde. Da haben andere von uns beschriebene Magenschleimhautveränderungen willkürlich und ohne Sachverstand fehlinterpretiert."
Nach Überzeugung der anderen hiermit befassten Toxikologen aus Genf, Hamburg, aus Lübeck und München können die Konzentrationsverhältnisse der nachgewiesenen Substanzen im Blut, im Mageninhalt und im Urin durchaus auch so erklärt werden, dass Barschel die Einnahme selbst zeitlich gestaffelt vorgenommen hat – wie von Sterbehilfeorganisationen empfohlen.
Prof. Werner Janssen hat das später folgendermaßen beschrieben: "Es war Suizid", sagte Janssen in der Wochenzeitung "Die Zeit". "Für eine andere Annahme gab es keine Anhaltspunkte." Die Sektion habe sechs bis acht Stunden gedauert, erinnert sich der heute 93-Jährige: "Dreimal so lange wie üblich." Aufgrund dieser Hinweise stellte Barschels Bruder Eike Strafanzeige gegen den Rechtsmediziner. Eike Barschel warf Janssen die Verletzung von Privatgeheimnissen beziehungsweise der ärztlichen Verschwiegenheitspflicht vor.
Die vielen detaillierten Untersuchungen werden von noch mehr Literatur ergänzt. Der Fotograf des berühmten Fotos, der damalige "Stern"-Reporter Knauer, hat Originaldokumente abgedruckt. Der damalige ermittelnde Oberstaatsanwalt Heinrich Wille gibt ebenfalls nach seinen eigenen Worten einen "präzisen detaillierten Bericht" über die Untersuchung der Beweismittel als "Chefermittler". Später veröffentlicht er das Buch "Ein Mord, der keiner sein durfte".
Auch der Generalstaatsanwalt des Landes Schleswig-Holstein, Erhard Rex, hat in der Schriftenreihe des Generalstaatsanwalts eine ausführliche Dokumentation des Barschel-Verfahrens herausgegeben. Rex sagt dazu: "Mysteriöse Mordtheorien brechen bei nüchterner Betrachtung zusammen. Der Tod von Dr. Uwe Barschel bleibt rätselhaft. Es kommt auf Fakten an, keine Interpretationen." Mit dem Fall befasste Psychiater haben seinerzeit den Tod Uwe Barschels als klassischen Suizid eines gescheiterten, schwer narzisstischen Menschen in einer ausweglosen Situation bezeichnet.
Doch an dem Fall Barschel scheiden sich bis heute die Geister. "Wie bei John F. Kennedy oder Marilyn Monroe gibt es immer wieder Todesfälle, bei denen der Tod auch noch nach Jahrzehnten in der Grauzone bleibt", fasst Püschel zusammen. "Man überlegt, ob es neuere Untersuchungsmöglichkeiten geben kann, die Licht in das Dunkel bringen. Im Fall Barschel sehe ich dies nicht, weil keine Spuren oder Überreste vorhanden sind, die mit neueren Methoden noch gründlicher untersucht werden könnten."
Und noch einer Sache ist sich Püschel sicher: "Für einen Rechtsmediziner zählen als eindeutige Beweismittel nur die Fakten, für mich persönlich vor allem die eigenen Sektionsergebnisse, mikroskopische Untersuchungsbefunde und Laboranalysen. Die sonstigen äußeren Umstände eines Falls sind manipulierbar und interpretierbar. Die Zeugenangaben aus dem persönlichen Nahbereich sind unter Umständen subjektiv gefärbt. Und sonstige Spekulationen, zum Beispiel über politische Verwicklungen, verwischen den Blick auf das wesentliche Ergebnis der Sektion und der toxikologischen Analytik."
https://www.abendblatt.de/region/article212095109/Die-letzten-Raetsel-um-den-CDU-Politiker-Uwe-Barschel.html
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