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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [Forschender Blick nach rechts... ]
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[...] Am Montagmorgen, knapp 24 Stunden nachdem Donald Trump das Spiel mit dem Feuer begonnen hatte, legte der amerikanische Präsident nach: „Wann werden die linksradikalen Kongressabgeordneten sich entschuldigen?“, fragte er auf Twitter. „Bei unserem Land, dem israelischen Volk und sogar beim Amt des Präsidenten.“ Dass er nach einer Entschuldigung der vier Parlamentarierinnen auch seine eigenen Äußerungen zurücknehmen werde, fügte er nicht an. Vielmehr war seine abermalige Provokation eine Botschaft ans eigene Lager, standhaft zu bleiben. Bislang schweigen die Republikaner zu dem Vorfall, bei dem der Präsident sich nicht nur nach Meinung der linksliberalen Öffentlichkeit offen rassistisch geäußert hatte.

Trump hatte am Sonntag auf Twitter ganz bewusst provoziert: Es sei sehr interessant zu sehen, dass „progressive Abgeordnete“, die aus Ländern stammten, deren Regierungen völlige Katastrophen seien, dem amerikanischen Volk, der großartigsten und mächtigsten Nation auf Erden, nun lauthals und bösartig sagten, wie das Land zu führen sei. Weiter schrieb er: „Warum kehren sie nicht heim und helfen dabei, die vollkommen kaputten und von Kriminalität befallenen Orte, aus denen sie gekommen sind, in Ordnung zu bringen?“ Gemeint waren Alexandria Ocasio-Cortez (gebürtige New Yorkerin, ihre Familie stammt ursprünglich aus Puerto Rico); die Afroamerikanerin Ayanna Pressley (geboren in Cincinnati); Rashida Tlaib (geboren in Detroit, ihre Familie ist palästinensischer Herkunft); und schließlich: Ilhan Omar, die einzige Abgeordnete der vier Vertreterinnen des linken Flügels der Demokraten, die tatsächlich nicht in den Vereinigten Staaten geboren wurde, sondern in Somalia.

Die vier Abgeordneten zählen zu Trumps schärfsten Gegnern im Kongress: Einige haben sich offen für ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn ausgesprochen, andere untersuchen das Finanzgebaren der Trump-Organisation. Allesamt sind sie vehemente Kritikerinnen seiner Migrationspolitik. Die Flüchtlingsunterkünfte nennen sie „Konzentrationslager“ – ein Vergleich, der nicht nur im Weißen Haus, sondern auch in Israel für Empörung gesorgt hatte. Um all das ging es Trump aber nicht. Der Präsident gab sein eigentliches Motiv zu erkennen, als er schrieb, auch Nancy Pelosi, die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses, wäre sicher erfreut, wenn die vier Abgeordneten sich in ihre Heimat aufmachten.

Hintergrund ist ein seit Wochen tobender Streit zwischen der demokratischen Kongressführung und den linken Wortführern über die Migrationspolitik. Es fing damit an, dass Pelosi sich auf Druck moderater Kräfte in ihrer Fraktion genötigt sah, einem Grenzschutz- und Nothilfepaket, das die Republikaner eingebracht hatten, zuzustimmen. Mit den bewilligten Geldern wird nicht nur die humanitäre Hilfe für Migranten finanziert, was die Moderaten zur Zustimmung bewogen hatte. Die Mittel dienen auch dazu, die Grenzbehörden besser auszustatten, weshalb der einflussreiche Büroleiter der Abgeordneten Ocasio-Cortez kürzlich auf Twitter den Vorwurf erhob, die Demokraten „ermöglichten ein rassistisches System“.

Diesen Konflikt wollte Trump durch seinen Tweet anheizen. Er bewirkte aber das Gegenteil. In einer ersten Reaktion sagte Pelosi, die Äußerung über „vier amerikanische Abgeordnete“ bestätige einmal mehr: Wenn Trump von „Make America great again“ rede, sei eigentlich gemeint: „Make America white again“. Er wolle Amerika nicht zu alter Größe führen, sondern die Vorherrschaft der Weißen wiederherstellen. Die Vielfalt sei aber Amerikas Stärke und die Einigkeit seine Macht.

Das bisherige Schweigen der Republikaner offenbart den zerbrechlichen Zustand der Präsidentenpartei: Zweieinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt hat Trump in weiten Teilen der Partei eine Atmosphäre geschaffen, in der jedwede Kritik an ihm als Verrat gilt. Wer das Wort gegen den Präsidenten erhebt, gilt sogleich als verweichlichter Liberaler. [...]


Aus: "Provokation auf Twitter : Trumps Spiel mit dem Feuer" Majid Sattar (15.07.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/twitter-trump-will-konflikte-unter-den-demokraten-schueren-16286419.html

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     Hauke Pütz (voliant), 16.07.2019 - 00:53

moderat ausgedrückt, könnte man herrn trump ja mal empfehlen sich in seiner eigenen genealogie schlau zu machen. herr trump ist wie alle weißen einwanderer
auch kein "ur-amerikaner". und als deutscher schäme ich mich für das verhalten eines auswanderers, der absolut nichts kennt als arroganz anderen gegenüber.


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Michael Conrad (Mtwain), 15.07.2019 - 23:25

Trump ist ein armer Kerl, der politische Diskurse nicht aushalten kann - diese Menschen mit sozialen Defiziten begeben sich gerne in Opferrollen (AfD) oder begeben sich in die Untiefen der Diskriminierung und Herabwürdigung anderer Menschen. Das ist der Antihumanismus der Art, die Menschen die Würde und das Leben absprechen will.


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Jen Long (treehugger), 15.07.2019 - 22:33

Ihre Meinung

Ich persoenlich finde die Demokraten spielen hier mit Feuer, indem sie die judenfeindlichen Kommentare ihrer neuen Abgeordneten nicht kritisieren. Vor allem Ilhan Omar und Rashida Tlaib, die sich auf Twitter ganz offen als Antisemiten outen. Trump haette sich in diesem Fall den Tweet sparen sollen. Obwohl ich ihm recht gebe, wie viele Amerikaner.


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     Arnd Stricker (astricker), 15.07.2019 - 22:26

Zu weit gedacht

Ich bin überzeugt, dass das zu weit gedacht ist. Trump ist ziemlich roh, nicht sehr reflektiert, erratisch und direkt. Deswegen sehe ich da weniger taktisches Kalkül gegenüber den Demokraten. Bei allen intellektuellen Abkürzungen, die Trump nimmt, hat er als Machtpolitiker ein gutes Bauchgefühl. Das stimmt für die Einschätzung Chinas als größte Bedrohung (auch wenn das Handeln nicht konsequent ist), das gilt aber auch für die Identitätspolitiker, die Teilhabe und Sonderrechte für ihre Gruppen nur aufgrund ihrer schieren Existenz fordern, ohne über Gegenleistung zu reden oder gar grundlegende Werte der gesamten Gesellschft rundheraus ablehnen. Mit seinen rassistischen Tweets zielt er genau dorthin; und trifft damit wahrscheinlich das ungute Bauchgefühl vieler Amerikaner, die nicht unbedingt das Thema tiefer durchdringen wollen (so wie Trump selbst)


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[...] Der US-Präsident will, dass mehrere Kongressabgeordnete in die Länder ihrer Familien zurückkehren. Das empört die Demokraten – und nun auch einige Republikaner.  ...  Omar sagte, Trump habe eine "eklatante rassistische Attacke" gegen die vier Abgeordneten gefahren. "Das ist die Agenda der weißen Nationalisten." ...


Aus: "USA: Auch Republikaner werfen Donald Trump Rassismus vor" (15. Juli 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-07/usa-kritik-republikaner-donald-trump-rassismus-demokraten

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useros #5

Trump bedient sein Klientel.


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Geitonas #7

Diese verbalen rassistischen Entgleisungen Donald Trumps dienen lediglich seiner ihm treu ergebenen stockkonservativen bis ebenso rassistischen Kern-Wählerschaft, bei der er sich offenbar am wohlsten fühlt. Die Aufgabe eines Präsidenten der USA ist es nicht, seine persönlichen Stammtische zu bedienen, sondern souverän für alle Amerikaner gleichermaßen zu sprechen. In dieser Verpflichtung und Aufgabe versagt Donald Trump. ...


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Für mehr nach vorne #8

Wir müssen es einfach sagen, wie es ist: So widerwärtig uns Trump vorkommt, er trifft den Nerv großer Teile der Amerikaner. ...


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BiggerBetterStronger #14

Trump trifft einen Nerv und spricht genau das aus, was viele denken. Wer Amerika nicht liebt, kann ja gehen. ...


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Fr3n3t1c #16

Seit wann ist es rassistisch, wenn man vorschlägt, das jemand der sich anmaßt ein Land zu verbessern erstmal mit gutem Beispiel vorangeht und es zuhause vorlebt?
Seit wann ist es rassistisch und sexistisch, Menschen mit Migrationshintergrund und Frauen zu kritisieren?
Wer sich den Text von Trump im Wortlaut statt die Interpretation der linksliberalen Medien durchliesst merkt schnell, das es schon eine gewisse Fantasie braucht, um hier Rassismus zu konstruieren.


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Kay-Ner #16.1

Die sind zuhause!


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Fr3n3t1c #16.2

Mag ja sein, trotzdem haben sie einen Migrationshintergrund. Es wird doch wohl noch legitim sein darauf hinzuweisen, das in deren ursprünglichen Vaterländern die Dinge nicht so gut laufen und wenn es ihnen in Amerika nicht gefällt, können sie gerne dorthin zurückgehen.
Das machen Grünradikale hier doch auch so gerne, sagen AfD Wählern sie solln bitte schön auswandern...
Wenn solche Kommentare hier kommen wird das schön stehen gelassen.
Einfach nur ne Doppelmoral.


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Hefti gegen Zensur #16.5

... Soll ich ihnen nun erklären, dass es nur eine Art von Staatsbürgern gibt? Soll ich ihnen erklären, dass jeder in einer zivilisierten Gesellschaft das Recht hat, u.a die Regierung zu kritisieren? Soll ich ihnen erklären, dass es rassistisch ist, wenn man Menschen aufgrund ihrer Aussehens, ihres Geburtsortes, des Geburtsortes seiner Eltern, für Bürger zweiter Klasse erklärt?

Oder muss ich sie ernsthaft fragen, ob ihnen nicht klar ist, wie rassistisch und rechtsstaatfeindlich es ist, wenn u.a. sie amerikanischen Bürgern bzw. Bürgerin ihre Staatsbürgerschaft absprechen indem sie unterstellen, dass ihr "zuhause" nicht die USA ist?

Nochmals, ihr Kommentar sieht so gekünstelt aus, dass ich nicht glaube, dass sie den Kram wirklich selber glauben. ...


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Fr3n3t1c #16.16

Klar ist das legitim. Aber genauso waren Trumps Worte legitim. Lest sie euch mal genau im Wortlaut durch, das wird mal wieder seitens der linken Medien absichtlich misinterpretiert - so eindeutig ist da kein Rassismus festzustellen.
Diese Meinung haben so sogar einige gemäßigte Demokraten auf Reddit vertreten.

"So interesting to see 'Progressive' Democrat Congresswomen, who originally came from countries whose governments are a complete and total catastrophe, the worst, most corrupt and inept anywhere in the world (if they even have a functioning government at all), now loudly and viciously telling the people of the United States, the greatest and most powerful Nation on earth, how our government is to be run.

Why don’t they go back and help fix the totally broken and crime infested places from which they came. Then come back and show us how it is done. These places need your help badly, you can’t leave fast enough. I’m sure that Nancy Pelosi would be very happy to quickly work out free travel arrangements!"


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Kay-Ner #16.17

"who originally came from countries whose governments are a complete and total catastrophe, the worst, most corrupt and inept anywhere in the world (if they even have a functioning government at all)"

Ja nochmal: original stammen die meisten der angesprochenen Personen aus den USA.
... leider betreibt der Präsident nur rechte Identitätspolitik. Biste nicht weiß, biste 2. Klassig...


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r.schewietzek #16.18

Sie wollen, dass Trump nach Deutschland übersiedelt? Bin ich gegen.
Übrigens müsste er dann wohl erst mal Melania nachhause schicken [Melania muss zurück, in deren Heimatland ist die Situation auch nicht prickelnd].


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Calvisius #16.25

Melania kommt aus Slovenien. Ich war da vor ein paar Jahren mal im Urlaub (am Bleder See und in Ljubljana). Es war ein wunderbarer Urlaub, und ich hatte nicht das geringste Gefühl, dass das Land in einer "nicht prickelnden" Situation wäre.


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Rollmann #16.27

Naja worüber er sich empört is ja folgendes:
Amerikaner der Gruppe A (Migrationshintergrund der Eltern) erdreistet sich Amerikanern der Gruppe B (Migrationshintergrund jenseits der Eltern) zu erzählen was in beider Gruppen Heimatland politisch falsch läuft.

Ich frage mich wie man da nicht ungläubig den Kopf schütteln kann?


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Renschenmann #16.28

"Seit wann ist es rassistisch, wenn man vorschlägt, das jemand der sich anmaßt ein Land zu verbessern erstmal mit gutem Beispiel vorangeht und es zuhause vorlebt?"

Die Demokratinnen sind in ihrem Zuhause, die USA ist ihr Zuhause, die Stadt in der sie leben ist ihr Zuhause. Von der Hautfarbe auf ein anderes Zuhause zu schließen ist Rassismus. Schade, dass Sie das in keinster Weise verstehen können. Vielleicht hilft ein Kurs zum Thema Rassismus.


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Renschenmann #16.29

Alle weißen US-Amerikaner sind Kinder von Migranten. Migranten, die mit Feuer und Schwert das Land von den rechtmäßigen Einwohnern Nordamerikas geraubt haben. Trumps Großvater war ein deutscher Auswanderer, der in den USA ein Bordell betrieben hat, ein Lude, ein Zuhälter. Sein Sohn, Trumps Vater, war ein mit der Mafia befreundeter Bauunternehmer. Jeder weiß, dass die Baubranche in den USA wie in Italien durchsetzt ist von der organisierten Kriminalität und Fred Trump gehörte dazu. Und der Enkel eines deutschen Zuhälters und Sohn eines mutmaßlichen Mafiosi wird zum Präsidenten gewählt und kritisiert amerikanische Staatsbürger, die eine andere Hautfarbe haben. ...


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Des Doktors Bruder #20

Wenn ZON es mir erlaubt wuerde ich gerne etwas direkt aus den USA dazu beitragen.
Alles begann mit einem innerparteilichen Streit zwischen Alexandria Ocasio-Cortez und Frau Pelosi.
AOC ( das ist die hier verwendete Abkuerzung) warf Frau Pelosi vor eine Rassistin zu sein, da diese eine alt, eingesessene und weisse Dame ist welche die neuen angeblich wegen deren Hautfarbe und Herkunft uebergeht (Partei-intern).

Soweit so gut.

Nun kommt der Schlingel Trump ins Spiel und unterstuetzt mit seiner Aussage Frau Pelosi.
Diese kann das natuerlich, da Oposition, absolut nicht auf sich sitzen lassen.
Also bezeichnet die bezeichnete Rassistin Trump ein Rassist zu sein.
Verwirrend? Nein liebe Leser das nennt sich schlicht Politik hier in den USA.
Nun wirft sich die komplette links/liberale Presse logischerweise natuerlich auf President Trump.
Aber was liebe Leser denken Sie wird der US-Waehler ueber dieses Schauspiel denken? ...


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FCKNZS7 #34

Trumps Rassismus hat eine lange Geschichte:

"Donald Trump’s long history of racism, from the 1970s to 2019" https://www.vox.com/2016/7/25/12270880/donald-trump-racist-racism-history

"Trump's Racism: An Oral History" https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2019/06/trump-racism-comments/588067/

"Trump’s Long History of Racism" https://www.rollingstone.com/politics/politics-features/trumps-long-history-of-racism-201446/

Etc. pp.


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viper_100 #38

Lustig, wie man hier anfängt, zu hyperventilieren.
Trump wird die Wahl gewinnen. Gut so.


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sonstwer #38.1

Lustig, diese substanzlosen Trollereien.


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Pagenotfound404 #38.3

Lustig die tiefbegabten.


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DieMenschheitIstGut #44

Und wieder einmal tönt es aus allen Ecken: Das war zu viel, Trump muss weg. Jetzt. Gleich. Und wieder einmal passiert: Nichts. Trump wird wiedergewählt werden, weil die Reps zwar pflichtschuldig meckern, ihn aber nicht wirklich nicht stoppen können / wollen. Und weil die Demokraten überwiegend charisma- und ideenlose Kandidaten haben, die sich dazu noch gegenseitig in die Pfanne hauen. Und das Volk, so wie ich es dort erlebe, nimmt lieber einen Trump hin, als "kommunistische Spinner" (wörtlich mehrfach genannt) à la Sanders etc. Zwar entspricht das Verhalten eines Machtmenschen wie Trump sicher nicht der deutschen Mentalität, weiten Teilen der US-Bevölkerung jedoch schon. Auch wenn ich persönlich Trump lieber sonstwo sähe als im White House, das sind die Tatsachen und nicht das, was man in Deutschland immer wieder dazu meint.


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Linnerk #45

Fast schon köstlich, die Debatte und Aufgeregtheit.
Es ist mir bekannt, dass im Anti-Trump-und-Antiamerikanismus-Deutschland folgende Einschätzungen nicht geteilt werden, aber Meinungsfreiheit oder sogar "freedom of speech" sind hohe Güter einer Demokratie, die ihren Namen auch verdient haben will.

Zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump:
Wie blöde muss die Öffentlichkeit eigentlich sein, wenn sie hysterisch versucht ihn über die "Rassismus"-Keule zu attackieren?
Genau das spielt ihm in die Hände und er nutzt es aus!
Seine Wähler und manche Unentschlossenen werden sich fragen:
>Inwiefern sollen die Äußerungen Donald Trumps denn rassistisch sein?<
>Darf man denn nicht sagen, was er von sich gegeben hat?<
>Liegt ein Kern Wahres in dem, was er postet?<
> Sind israelfeindliche/antizionistische Stellungnahmen der betreffenden demokratischen Abgeordneten teilweise nicht auch antisemtisch, also rassistisch?< (Genau diese Frage werden sich sogar liberale Demokraten stellen und Trump hat dann bei Ihnen gepunktet.)

Im Ergebnis wird er seine Anhänger eher hinter sich scharen und insbesondere auch bei undogmatischen, antihysterischen Liberalen Punkte sammeln.
Besonders in der Arbeiterschaft, bei Menschen in prekären Lebenssituationen und vielleicht sogar gemäßigten Liberalen mit Israelverbundenheit wird sein Zuspruch dadurch gestärkt werden, denke ich (und diese Gruppen sind nicht alles "Rassisten").
Tja, er weiß, ob's gefällt oder nicht, wie "Öffentlichkeit" geht.


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sonstwer #45.3

Rassismus bleibt Rassismus. Wahrheit bleibt Wahrheit und ist keine Frage irgendeiner politischen Taktik. Da können sie noch so sehr relativieren.
Und wenn sich seine ... Anhänger dadurch umso mehr hinter ihrem nackten Kaiser scharen: Who cares? Die müssen morgens in den Spiegeln schauen.

Es ist nichts daran hysterisch die Wahrheit zu sagen und ein rassistischer Tweet bleibt ein rassistischer Tweet. Nix mit Keule.


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Linnerk #45.6

ich habe nicht "relativiert", das ist eine Unverschämtheit.
ich habe (mögliche) Folgen der hysterischen "Rassismus"-Keule skizziert und zwar politisch-taktische.
Zu ihrem "Argument".
Rassismus ist eine Form von Diskriminierung und eine Art über andere Menschen zu denken, die sich von einem selbst oder von einer andere Gruppe von Menschen unterscheiden. (Eine ausführliche Definition erpspare ich uns jetzt). Rassismus ist abzulehnen.
Aber 'Rassismus' ist auch (nicht nur!) ein politisch-taktischer, agitatorischer Kampfbegriff geworden (ähnlich wie "Faschismus", "Gutmensch", ....). Das ist das Problem.
In der Auseinadersetzung mit Präsident Trump wird auch die agitatorische Karte gespielt.
Trump hat das (wahrscheinlich bewusst!) provoziert.
Und er erreicht (ganz dialektisch!) das, was er will, denke und befürchte ich.
[Wer den Rassismus-Begriff verwendet, könnte das auch in agitatorischer Absicht tun. ... Ich denke aber wirklich, dass Präsident Trump in seiner Gerissenheit (klassisch, im Sprachgebrauch in Anlehnung an Machiavellis auch 'Klugheit' genannt) nicht unterschätzt werden sollte. M.E. hat er seine Gegner bewusst provoziert und eine entsprechende Reaktion 'heraus gekitzelt'.
Es wird ihm eher nutzen als schaden!]


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[...] Donald Trump offenbart mit seiner Hetze gegen die vier farbigen Abgeordneten einmal mehr seine rassistische Weltsicht. Das mag schockieren, ist aber nicht neu. Vielmehr reihen sich die Äußerungen ein in eine lange Kette an Ausfällen und Taten, die bis in die Tage zurückreichen, als Trump in seinen Mietwohnungen Minderheiten diskriminierte. Dass nicht einmal die Fakten stimmen, darf auch nicht überraschen. Trump log genauso über Barack Obamas Herkunft, wie er nun den Eindruck erweckt, die verunglimpften Politikerinnen seien keine richtigen Amerikaner.

Schlimmer als Trumps dümmliches Gezwitscher ist das Schweigen der Republikaner und der Beifall seiner Anhänger. Beides normalisiert Rassismus im politischen Alltag der USA. In dem ethnisch bunten Land werden sich damit auf Dauer keine Mehrheiten finden lassen, aber für die nächsten Wahlen könnte es Trump helfen, genügend verängstigte Weiße an die Urne zu bewegen. Der Präsident weiß, wie stark die Mischung aus Angst und Hass mobilisieren kann. ...


Aus: "Kommentar über Trumps Tweets: Platte Hetze" Thomas Spang (15.07.2019)
Quelle: https://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/deutschland-welt-politik_artikel,-platte-hetze-_arid,1845072.html

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adagiobarber
am 15.07.2019, 22:12
that's america ...

showtime is showtime.
und ... primetime is also showtime.

alle wußten & wissen das:

- wilhelm II
- erich honecker
- eduard von schnitzler
- die liste ist lang ...

ich glaube, selbst dieter bohlen weiß es.


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [Forschender Blick nach rechts... ]
« Last post by Link on Yesterday at 07:49:59 PM »
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[...] Die deutschen Sicherheitsbehörden haben vor knapp zwei Jahren einen Anschlag auf Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) befürchtet – und zwar aus den eigenen Reihen. Kurz davor waren zwei Studenten wegen ihrer rechtsextremen Gesinnung aus der Bundeswehr entlassen worden. Wie die Welt am Sonntag berichtete, vermuteten die Behörden bei einem der zwei, dass er womöglich ein Attentat auf von der Leyen verüben könnte.

Eine Durchsuchung bei ihm brachte jedoch kein Ergebnis, die Ermittlungen wurden eingestellt. Doch laut Welt denken die Behörden, dass der Soldat die Razzia erwartet und entsprechende Schritte eingeleitet hat – es gilt die Unschuldsvermutung.

Bei dem damals Verdächtigen handelt es sich um T.L., ein Mitglied der Passauer Burschenschaft Markomannia Wien, wie dem STANDARD aus mehreren Quellen bestätigt wurde. Die hat beste Verbindungen nach Österreich: Sie war etwa im Mai 2018 zu Gast bei der Wiener Bruna Sudetia, die damals gerade wegen der Liederbuch-Affäre in den Schlagzeilen war. Passend dazu postete die Markomannia auf Facebook ein Liederbuch, um den Besuch zu illustrieren.

Ihr Obmann Herwig Götschober, der bei dem damaligen Verkehrsminister Hofer arbeitete, war bei dem Termin nicht anwesend. Die Markomannia war auch zu Besuch bei der Moldavia Wien, bei der Mitarbeiter der FPÖ aktiv sind. Ebenso gab es ein Treffen bei der Germania Ried, in der sich der damalige oberösterreichische Landesrat Elmar Podgorschek (FPÖ) engagiert. Der verdächtige T.L. dürfte bei diesen Reisen als führendes Mitglied der Markomannia mit dabei gewesen sein. Odin Wiesinger, der Lieblingsmaler von Parteichef Norbert Hofer (FPÖ), bot der Markomannia an, ein Sujet für sie zu gestalten; das likte auf Facebook der Neonazi Franz R. aus dem Umfeld von Gottfried Küssel.

Der einst verdächtigte Soldat T.L. ist mittlerweile bei der AfD aktiv. Die ursprünglichen Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt. Unklar ist aber, wie sehr T.L. unabhängig von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen noch auf dem Radar der Nachrichtendienste steht. Sein Fall dürfte durch das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages aufgekommen sein, an das der Bundesnachrichtendienst (BND), der Militärische Abschirmdienst (MAD) und der Verfassungsschutz berichten.

Die Causa fügt sich in eine Reihe von Vorfällen ein, die gemeinsam ein Netzwerk an rechtsextremen Soldaten und Polizisten konstituieren. Diese treffen oft Vorkehrungen für einen "Tag X" und legten Feindeslisten an. So gibt es einen zeitgleich mit T.L. entlassenen Bundeswehr-Studenten, der Nachrichten mit einer Person im Umkreis von Franco A. hatte. Letzterer war im Februar 2017 in Wien festgenommen worden, als er eine Pistole aus ihrem Versteck am Flughafen Schwechat holen wollte. Franco A., ein Berufssoldat, hatte sich heimlich als syrischer Flüchtling registrieren lassen. Der Fall hängt auch mit der Causa jener deutschen Polizisten zusammen, die kürzlich in Mecklenburg-Vorpommern verhaftet wurden. Sie hatten ebenfalls Feindeslisten angelegt und bereits den Erwerb von Leichensäcken geplant gehabt. (fsc, lalo, 15.7.2019)


Aus: "Rechtsextremismus: Behörden befürchteten Attentat auf von der Leyen durch Soldaten" Fabian Schmid, Laurin Lorenz (15. Juli 2019)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000106313935/behoerden-befuerchteten-attentat-auf-von-der-leyen-durch-soldaten?ref=article

https://www.welt.de/politik/plus196804049/Bundeswehr-Sicherheitsbehoerden-fuerchteten-Angriff-auf-von-der-Leyen.html

https://www.welt.de/politik/plus192653589/Fall-Franco-A-Das-rechte-Schattennetzwerk.html (30.04.2019)
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Grundrechte & Global Issues...
« Last post by Link on Yesterday at 05:10:47 PM »
"Welternährung: 820 Millionen Menschen hungern" Alexandra Endres (15. Juli 2019)
Dass bis 2030 kein Mensch auf der Erde mehr Hunger leidet, wird kaum noch zu schaffen sein. Im Gegenteil, warnt die FAO: Wirtschaftskrisen werden die Lage verschärfen. ,,, Bis zum Jahr 2030 soll niemand mehr Hunger leiden, das hatten sich die Vereinten Nationen vor vier Jahren vorgenommen. Ein großes Ziel – und es ist kaum noch zu erreichen, wie Wissenschaftler unter Federführung des Entwicklungsökonomen und UN-Sonderberaters Jeffrey Sachs erst kürzlich schrieben. Tatsächlich steigt die Zahl der Hungernden, statt zu sinken: Im Jahr 2018 waren es 820 Millionen Menschen. Das geht aus dem jährlichen, gerade aktuell veröffentlichten Bericht der UN-Welternährungsorganisation FAO zum Stand der weltweiten Nahrungsmittelsicherheit hervor. ... Zugleich, und das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch, nimmt die Zahl der Übergewichtigen und Fettleibigen zu. Im Jahr 2016 waren zwei Milliarden Erwachsene weltweit übergewichtig, das sind die neusten verfügbaren Daten. Etwa ein Drittel von ihnen galt als fettleibig. Die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen überstieg die 300 Millionen. ...
https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-07/welternaehrung-bericht-fao-hunger-nahrung-wirtschaftskrise
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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [CDU (Politik)...]
« Last post by Link on Yesterday at 09:31:22 AM »
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[...] Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat mit seiner Aussage "Ich bin vor dreißig Jahren nicht der CDU beigetreten, damit heute 1,8 Millionen Araber nach Deutschland kommen." auf Twitter einiges an Empörung verursacht. Gesagt hat Maaßen diesen Satz auf einer Veranstaltung des CDU-Ortsverbandes Weinheim. Auf Twitter reagieren viele User entsetzt. Einige fragen sich, wie dieser Mann mal Präsident des Verfassungsschutzes gewesen sein kann. Andere zweifeln, dass die CDU noch die richtige Partei für Maaßen ist. ...


Aus: "Twitter-Reaktionen: Maaßens Aussage zu Arabern: "Wie lange darf er sowas noch als CDU-Mitglied sagen?"" (02. Juli 2019)
Quelle: https://www.stern.de/politik/deutschland/hans-georg-maassen--das-sagen-twitter-user-zu-seiner--araber-aussage--8779874.html

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[...] Der frühere Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat am Dienstagabend mit einem Tweet eine heftige Debatte im Netz ausgelöst. Maaßen teilte einen Link zu einem Artikel der "Neuen Zürcher Zeitung" mit der Überschrift: "In deutschen Städten sieht die Mehrheitsgesellschaft ihrem Ende entgegen". Darin heißt es weiter: "Frankfurt am Main, Offenbach, Heilbronn, Sindelfingen - in diesen und anderen Städten sind Deutsche ohne Migrationshintergrund nur noch die grösste Gruppe, stellen aber keine absolute Mehrheit mehr dar." Maaßen schrieb dazu: "Für mich ist die NZZ so etwas wie "Westfernsehen".

Dafür erntete der 56-Jährige überwiegend Kritik - und zwar umgehend. Der Grünen-Politiker Volker Beck etwa erwiderte: "Wir haben also nach Ihrer Ansicht, geschätzter Herr Maaßen, in Deutschland Zensur und staatlich gelenkte Medien wie in der DDR? Habe ich Sie richtig verstanden, dass damit die FDGO [Anm. der Red.: freiheitliche demokratische Grundordnung], die Sie als Verfassungsschutzpräsident schützen sollten, Ihrer Meinung bereits außer Kraft ist?"

Maaßen twitterte zurück: "Wir haben zuviele Relotiusse". Damit warf er den deutschen Medien pauschal vor, in ihren Berichten weitgehend die Unwahrheit zu berichten. Der Journalist Claas Relotius war Ende des vergangenen Jahres damit aufgeflogen, dass viele seiner preisgekrönten Reportagen ganz oder teilweise erfunden waren. ...

Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz meinte: "Ein früherer Präsident des Verfassungsschutzes vergleicht die deutschen Medien mit der SED-Einheitspresse. Bisher brüllten nur die völkisch-nationalistische AfD und Pegida "Lügenpresse". Die sogenannte "'WerteUnion' verliert völlig die Orientierung."

Auch die von Maaßen gelobte "NZZ" wehrte sich gegen die Darstellung des früheren Verfassungsschützers. "Wir sind kein Westfernsehen", bezog die Schweizer Zeitung Stellung zum Maaßen-Tweet. "Dieser Vergleich ist unpassend und Geschichtsklitterung".

... Maaßen ist Mitglied der CDU und der "Werte-Union", die sich als konservative Strömung in der Union versteht. ... Als Folge seiner beschönigenden Aussagen zu rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz im September 2018 wurde Maaßen in den einstweiligen Ruhestand versetzt.


Aus: "Ex-Chef des Verfassungsschutzes: Maaßen vergleicht deutsche Medien mit DDR-Einheitspresse - gelobte "NZZ" distanziert sich" (10. Juli 2019)
Quelle: https://www.stern.de/politik/deutschland/hans-georg-maassen-vergleicht-deutsche-medien-mit-ddr-einheitspresse---gelobte--nzz--distanziert-sich-8792796.html

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"Provokation mit neuem Westfernsehen-Tweet Maaßen postet Hetz-Bericht von rechtsradikalem Medium" Alexander Fröhlich (14.07.201)
Erneut greift Ex-Verfassungsschutzespräsident Maaßen die deutschen Medien an. Diesmal beruft er sich auf ein Leitmedium der Neuen Rechten. ... Der frühere Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz Hans Georg Maaßen schreckt auch nicht mehr davor zurück, Inhalte eines Leitmediums der Neuen Rechte in Deutschland zu teilen. Am Sonntagvormittag twitterte er: „Sollte dieser Bericht zutreffen, ist Panorama jedenfalls kein Westfernsehen mehr.“ Verlinkt war ein Beitrag des rechtspopulistischen und AfD-nahen Portals „Journalistenwatch“ – kurz: JouWatch. ...  Maaßen ist Mitglied der CDU und der kleinen Parteigruppierung Werte-Union, die sich als konservative Strömung in der Union versteht. Hätte Maaßen am Sonntag genauer auf dem Internetportal nachgelesen, hätte er sicherlich noch andere Beiträge gefunden, wie diesen: „Berliner Antisemitismus-Beauftragter ,Bessermensch mit erhobenem Zeigefinger‘“. Oder einen Beitrag über den Wahlkampfauftakt der AfD in Cottbus, der mit vielen Videos praktisch Wahlwerbung für die AfD betreibt.
Nach dem Beitrag über die „Sea-Watch 3“ hat JouWatch auch gleich einen Beitrag über die Identitäre Bewegung auf die Homepage gestellt. Erst vor wenigen Tagen hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz die Identitären als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung“ eingestuft und zum Beobachtungsobjekt erklärt. Es war also jene Behörde, deren Präsident Maaßen bis November 2018 war.
Auf dem Portal "JouWatch", wo sich der frühere Behördenpräsident am Sonntag tummelte, darf sich der Chef der Identitären in Deutschland, Daniel Fiß, ausführlich in einem Interview zu äußern, dass seine Gruppierung nun amtlich rechtsextremistisch ist. Ebenfalls am Sonntag erschien auf der Homepage dann ein Bericht aus Berlin-Kreuzberg, der Titel: „Linke Männer haben keine Eier“.
Im Impressum von JouWatch, „Verein für Medienkritik und Gegenöffentlichkeit“, heißt es: „Der Anbieter übernimmt ausdrücklich keine Gewähr – weder ausdrücklich noch stillschweigend – für Richtigkeit, Vollständigkeit, Verlässlichkeit und Aktualität sowie für die Brauchbarkeit der abgerufenen Beiträge für den Nutzer.“
https://www.tagesspiegel.de/berlin/provokation-mit-neuem-westfernsehen-tweet-maassen-postet-hetz-bericht-von-rechtsradikalem-medium/24592608.html

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jotka26 08:42 Uhr
So langsam dürfte es Jedem dämmern, was für einen peinlichen, braunen Apokalyptiker sich die BRD-Land als "Verfassungsschutz-Präsidenten" ausgesucht hatte. ...


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [Forschender Blick nach rechts... ]
« Last post by Link on Yesterday at 09:31:05 AM »
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[...] Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat mit seiner Aussage "Ich bin vor dreißig Jahren nicht der CDU beigetreten, damit heute 1,8 Millionen Araber nach Deutschland kommen." auf Twitter einiges an Empörung verursacht. Gesagt hat Maaßen diesen Satz auf einer Veranstaltung des CDU-Ortsverbandes Weinheim. Auf Twitter reagieren viele User entsetzt. Einige fragen sich, wie dieser Mann mal Präsident des Verfassungsschutzes gewesen sein kann. Andere zweifeln, dass die CDU noch die richtige Partei für Maaßen ist. ...


Aus: "Twitter-Reaktionen: Maaßens Aussage zu Arabern: "Wie lange darf er sowas noch als CDU-Mitglied sagen?"" (02. Juli 2019)
Quelle: https://www.stern.de/politik/deutschland/hans-georg-maassen--das-sagen-twitter-user-zu-seiner--araber-aussage--8779874.html

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[...] Der frühere Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat am Dienstagabend mit einem Tweet eine heftige Debatte im Netz ausgelöst. Maaßen teilte einen Link zu einem Artikel der "Neuen Zürcher Zeitung" mit der Überschrift: "In deutschen Städten sieht die Mehrheitsgesellschaft ihrem Ende entgegen". Darin heißt es weiter: "Frankfurt am Main, Offenbach, Heilbronn, Sindelfingen - in diesen und anderen Städten sind Deutsche ohne Migrationshintergrund nur noch die grösste Gruppe, stellen aber keine absolute Mehrheit mehr dar." Maaßen schrieb dazu: "Für mich ist die NZZ so etwas wie "Westfernsehen".

Dafür erntete der 56-Jährige überwiegend Kritik - und zwar umgehend. Der Grünen-Politiker Volker Beck etwa erwiderte: "Wir haben also nach Ihrer Ansicht, geschätzter Herr Maaßen, in Deutschland Zensur und staatlich gelenkte Medien wie in der DDR? Habe ich Sie richtig verstanden, dass damit die FDGO [Anm. der Red.: freiheitliche demokratische Grundordnung], die Sie als Verfassungsschutzpräsident schützen sollten, Ihrer Meinung bereits außer Kraft ist?"

Maaßen twitterte zurück: "Wir haben zuviele Relotiusse". Damit warf er den deutschen Medien pauschal vor, in ihren Berichten weitgehend die Unwahrheit zu berichten. Der Journalist Claas Relotius war Ende des vergangenen Jahres damit aufgeflogen, dass viele seiner preisgekrönten Reportagen ganz oder teilweise erfunden waren. ...

Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz meinte: "Ein früherer Präsident des Verfassungsschutzes vergleicht die deutschen Medien mit der SED-Einheitspresse. Bisher brüllten nur die völkisch-nationalistische AfD und Pegida "Lügenpresse". Die sogenannte "'WerteUnion' verliert völlig die Orientierung."

Auch die von Maaßen gelobte "NZZ" wehrte sich gegen die Darstellung des früheren Verfassungsschützers. "Wir sind kein Westfernsehen", bezog die Schweizer Zeitung Stellung zum Maaßen-Tweet. "Dieser Vergleich ist unpassend und Geschichtsklitterung".

... Maaßen ist Mitglied der CDU und der "Werte-Union", die sich als konservative Strömung in der Union versteht. ... Als Folge seiner beschönigenden Aussagen zu rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz im September 2018 wurde Maaßen in den einstweiligen Ruhestand versetzt.


Aus: "Ex-Chef des Verfassungsschutzes: Maaßen vergleicht deutsche Medien mit DDR-Einheitspresse - gelobte "NZZ" distanziert sich" (10. Juli 2019)
Quelle: https://www.stern.de/politik/deutschland/hans-georg-maassen-vergleicht-deutsche-medien-mit-ddr-einheitspresse---gelobte--nzz--distanziert-sich-8792796.html

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"Provokation mit neuem Westfernsehen-Tweet Maaßen postet Hetz-Bericht von rechtsradikalem Medium" Alexander Fröhlich (14.07.201)
Erneut greift Ex-Verfassungsschutzespräsident Maaßen die deutschen Medien an. Diesmal beruft er sich auf ein Leitmedium der Neuen Rechten. ... Der frühere Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz Hans Georg Maaßen schreckt auch nicht mehr davor zurück, Inhalte eines Leitmediums der Neuen Rechte in Deutschland zu teilen. Am Sonntagvormittag twitterte er: „Sollte dieser Bericht zutreffen, ist Panorama jedenfalls kein Westfernsehen mehr.“ Verlinkt war ein Beitrag des rechtspopulistischen und AfD-nahen Portals „Journalistenwatch“ – kurz: JouWatch. ...  Maaßen ist Mitglied der CDU und der kleinen Parteigruppierung Werte-Union, die sich als konservative Strömung in der Union versteht. Hätte Maaßen am Sonntag genauer auf dem Internetportal nachgelesen, hätte er sicherlich noch andere Beiträge gefunden, wie diesen: „Berliner Antisemitismus-Beauftragter ,Bessermensch mit erhobenem Zeigefinger‘“. Oder einen Beitrag über den Wahlkampfauftakt der AfD in Cottbus, der mit vielen Videos praktisch Wahlwerbung für die AfD betreibt.
Nach dem Beitrag über die „Sea-Watch 3“ hat JouWatch auch gleich einen Beitrag über die Identitäre Bewegung auf die Homepage gestellt. Erst vor wenigen Tagen hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz die Identitären als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung“ eingestuft und zum Beobachtungsobjekt erklärt. Es war also jene Behörde, deren Präsident Maaßen bis November 2018 war.
Auf dem Portal "JouWatch", wo sich der frühere Behördenpräsident am Sonntag tummelte, darf sich der Chef der Identitären in Deutschland, Daniel Fiß, ausführlich in einem Interview zu äußern, dass seine Gruppierung nun amtlich rechtsextremistisch ist. Ebenfalls am Sonntag erschien auf der Homepage dann ein Bericht aus Berlin-Kreuzberg, der Titel: „Linke Männer haben keine Eier“.
Im Impressum von JouWatch, „Verein für Medienkritik und Gegenöffentlichkeit“, heißt es: „Der Anbieter übernimmt ausdrücklich keine Gewähr – weder ausdrücklich noch stillschweigend – für Richtigkeit, Vollständigkeit, Verlässlichkeit und Aktualität sowie für die Brauchbarkeit der abgerufenen Beiträge für den Nutzer.“
https://www.tagesspiegel.de/berlin/provokation-mit-neuem-westfernsehen-tweet-maassen-postet-hetz-bericht-von-rechtsradikalem-medium/24592608.html

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jotka26 08:42 Uhr
So langsam dürfte es Jedem dämmern, was für einen peinlichen, braunen Apokalyptiker sich die BRD-Land als "Verfassungsschutz-Präsidenten" ausgesucht hatte. ...


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Julian Assange / Wikileaks ...
« Last post by Link on July 13, 2019, 09:53:21 PM »
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[...] Ob Großbritannien den WikiLeaks-Gründer Assange wirklich an die USA ausliefert, entscheidet sich wohl erst im kommenden Jahr. Ein Gericht setzte die Verhandlung über das US-Gesuch für Ende Februar 2020 an.

Der britische Innenminister Sajid Javid hat die Auslieferung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange an die USA zwar bereits formell abgesegnet, die endgültige Entscheidung fällt aber voraussichtlich erst Ende Februar des kommenden Jahres.

 Ob der 47-jährige Australier wirklich an die US-Behörden übergeben wird, liegt nämlich bei der Justiz. Der Westminster Magistrates' Court legte nun das Datum für die Anhörung fest: Sie soll am 25. Februar beginnen und fünf Tage dauern.

Der im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh inhaftierte Assange war per Videostream in den Gerichtssaal geschaltet. Er wurde in Großbritannien zu 50 Wochen Gefängnis verurteilt, weil er mit der Flucht in die ecuadorianischen Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen hat. ...

Aus Belmarsh heraus kündigte Assange an, sich mit allen juristischen Mitteln gegen eine Auslieferung an die USA wehren zu wollen. Sein Anwalt, Mark Summers, bezeichnete das Gesuch der US-Behörden als "ungeheuerlichen und frontalen Angriff auf die Rechte von Journalisten". In der Verhandlungen im kommenden Jahr müsste "eine Vielzahl tiefgreifender Fragen" geklärt werden.

Assange fügte hinzu:

    "175 Jahre meines Lebens stehen gewissermaßen auf dem Spiel."

Damit bezog sich Assange auf die Höchststrafe, die ihm in den USA droht, sollte er in allen 18 Anklagepunkten schuldig gesprochen werden, die ihm dort vorgeworfen werden. Die USA legen Assange unter anderem einen Verstoß gegen Spionage-Gesetze sowie das Veröffentlichen von Geheimdokumenten zur Last.

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Aus: " WikiLeaks-Gründer Assange Verhandlung über Auslieferung erst 2020" (14.06.2019)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/assange-auslieferung-107.html

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„Eigentlich will ich nur in Ruhe anschaffen gehen“ von dissenspodcast (03.07.2019, Dissens Podcast)
Kritisieren was ist, heißt sagen, was geändert werden muss. Der wöchentliche Gesprächs-Podcast über Kapitalismus und das gute Leben. ... Seit zwei Jahren ist das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft. Das Gesetz verletze Grundrechte und dränge Sexarbeiter*innen in die Illegalität, sagt die Aktivistin Undine de Rivière vom Berufsverband Sexarbeit. Ein Gespräch über staatliche Bevormundung, Selbstverwirklichung in Gang-Bang-Parties und die Hurenbewegung. Der Dissens Podcast mit Lukas Ondreka.
https://blogs.taz.de/dissenspodcast/eigentlich-will-ich-nur-in-ruhe-anschaffen-gehen/
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Erweiterte Gehirn Erkundschaftungen / Timothy Leary...
« Last post by Link on July 09, 2019, 03:01:37 PM »
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[...] Boyle präpariert die drei Jahre 1962, 1963 und 1964, in denen mit Kennedys Ermordung die erste grundlegende Erschütterung des amerikanischen Selbstverständnisses nach 1945 liegt, aus Learys Lebenslauf heraus, der damals mit der Tätigkeit in Harvard seinen institutionellen Höhepunkt erlebte und später mit etlichen Verhaftungen eine ganze Serie von Tiefschlägen.  ...


Aus: "Sie schwören auf Sex, Drugs & Jazz" Andreas Platthaus (02.02.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/t-c-boyles-neuer-roman-das-licht-16014339-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_1

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[...] "Das Licht" ist ein Roman wie ein Rausch, ein famos nach allen Seiten ausuferndes Affentheater mit Menschen als Versuchspersonen – und LSD-Papst Leary mittendrin, der sich in Cambridge von Geisteszwergen umgeben fühlt, die sich wie zu Galileos Zeiten weigern, durch das Teleskop zu blicken, um neue Wege ins Innere abseits der Couch-Manie des österreichischen Psycho-Clowns zu erkunden.

"Das Licht" erzählt von den entscheidenden Jahren eines pharmazeutisch-psychedelischen Experiments, als Timothy Leary im mexikanischen Zihuatanejo und in Millbrook, US-Bundesstaat New York, einige Getreue um sich scharte, um mithilfe von LSD, Meskalin und Psilocybin in das Angesicht Gottes zu blicken. Als jeder mit jedem in der kleinen Kolonie ins Bett ging – weil es ohnehin in der Familie blieb. Als Menschen – Toxin in der Blutbahn und einen neuronalen Funkensturm im Kopf – mit geweiteten Pupillen an die Zimmerdecke starrten und "Das Licht! Das Licht" stammelten oder stundenlang den Putz beäugten, um dem Weiß an der Wand letzte Geheimnisse zu entlocken. Mit Lebensmittelfarbe wurde in der Wohngemeinschaft der Kartoffelbrei leuchtend grün eingefärbt, der Weißwein schwarz, der Kaffee rosarot koloriert, das Fleisch bananengelb glasiert.

Boyle, 70, ist ein Geschichte-Erzähler im besten Sinn. In seinen Romanen beschreibt er die absonderlichen Aggregatszustände der amerikanischen Historie – nicht als statisches Tableau, sondern, wie bereits der Märchen-Sammler Wilhelm Grimm wusste, als "Lehrstücke für die Gegenwart". Ein Lehrstück für die Buchbranche ist "Das Licht" schon jetzt: Der Roman erscheint diese Woche auf Deutsch – drei Monate vor der englischsprachigen Originalausgabe. Der Vorsprung erklärt sich unter anderem damit, dass in den USA der Buchfrühling tatsächlich im April beginnt – und nicht schon im Winter.

In "Das Licht" erzählt Boyle mit lässiger, jazziger Leichtigkeit von einer Zeit, in der man sich auf halluzinogener Abenteuerreise lustvoll den Gaukeleien des Gehirns hingab. Der Schriftsteller hütet sich vor retrospektiver Schlaumeierei und pseudoabgeklärter Billig-Ironie: Er lotet geschickt einen Echoraum der Geschichte aus, in dem bis heute relevante Fragen verhandelt wurden: Gemeinschaftsgefühl oder Egoismus? Treue oder Tabu? Schließlich: Wie gehen Politik und Privatleben zusammen?

Boyle, dem Großmeister kühner literarischer Bilder, dem Wortdrechsler und Metaphernschmied, kommen die galoppierenden Gemütszustände seiner von Hyperaufmerksamkeit geplagten Helden gerade recht. Ein Grinsen wird zum "Riss in der unteren Gesichtshälfte" und der Gesang einer Frau klingt nach einer "Überdosis Hustensaft mit Kodein". Dann wieder betritt ein Mann mit "einem Gesicht wie eine erhobene Axt" die Szenerie, während eine Frau unter LSD aussieht, "als hätte man sie aus einer Tube gedrückt". Boyle auf Poesie-Trip.

"Das Licht" setzt an einem historischen Wendepunkt ein. Besser wird es nicht werden. Nach der LSD-Achterbahnfahrt erscheinen die ersten Hippies am Horizont. In grellbunt bemalten Bussen, bewaffnet mit tibetanischen Räucherstäbchen, unter "All You Need Is Love"-Geheul.

Nur Fitz weiß nicht, wohin mit sich. Eine Schmeißfliege surrt während eines seiner Trips wütend gegen die Fensterscheibe, die zwischen ihr und der Eiablage steht. "Woher sollte dann die nächste Generation von Maden kommen?", rätselt Fitz. "War denn alles aus den Fugen?" Lang lebe der Exzess: "Für eine Weile war er die Fliege, und dann war er in der Fliege, ein Ei, das darauf wartete, in einem Haufen Scheiße heranzureifen."

T. C. Boyle: Das Licht. Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Hanser, 380 S.,


Aus: "Diagnose: Überdosis - T.C. Boyles "Das Licht"" Wolfgang Paterno (26.1.2019)
Quelle: https://www.profil.at/kultur/diagnose-ueberdosis-tc-boyle-das-licht-10615784

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[...] T.C. Boyle wählt jenen Umweg, den er schon im Roman „Dr. Sex“ über Alfred Kinsey einschlug: Und zeigt Leary im Spiegel der glänzenden Augen eines seiner Studenten, Fitz, sowie dessen Ehefrau Joanie. Mit ihrem Sohn leben die beiden in einer maroden Wohnung in Boston. Die ersten „Sessions“ führen sie hinaus aus dem engen, von Geldsorgen geplagten Alltag – und hinein in einen Rausch (zunächst mit Psilocybin), der ihnen den besten Sex ihres jungen Lebens schenkt. Im Dienste des Gruppenbewusstseins folgen sie ihrem Guru – „gepflegt, athletisch und mit dem breiten Grinsen, das sein Gesicht nie zu verlassen schien“ – erst nach Mexiko. Und später, nach Learys Rauswurf aus Harvard, in die gesponserte Villa: „Sie waren jetzt vereint in Körper und Geist, ja, so war es, sie brachen auf zu einem großen Abenteuer, und nichts konnte sie aufhalten.“

Boyle weiß, wie Drogen sich anfühlen, das hat er oft genug betont (und auch, dass heute das Schreiben sein einziges Rauschmittel ist). Die Schilderung der guten Trips scheinen so glaubwürdig wie farbenfroh, die miesen wirken vielleicht sogar noch selbsterlebter. Weit mehr als der Rausch aber interessiert Boyle die Dynamik der Gruppe. Was bedeutet es fürs eigene Leben, einem Guru zu folgen? So wandelt sich Joanie von einer Skeptikerin zur glühenden Anhängerin, aber nur so lange, bis Sohn Corey ins Spiel kommt: Dass der Teenager das Freie-Liebe-Prinzip mit der ebenfalls minderjährigen Nancy umsetzt, geht doch zu weit.

Überhaupt, die Liebe: Die schöne Idee von der Kollektivierung aller Leidenschaften endet dort, wo offenbar unausrottbare Besitzansprüche laut werden. Letztlich ist es die Sehnsucht nach Exklusivität, die sich – ohne zu viel verraten zu wollen – in ungeheuer bürgerlichen Eifersuchtsdramen Bahn bricht.

Die gut recherchierte, historisch-politisch fundierte Fiktion ist seit seinen erfolgreichen Anfängen eine Spezialität von T.C. Boyle – ob es um den Abenteurer Mungo Park in Afrika geht („Wassermusik“), um mexikanische Einwanderer („América“), um den Architekten Frank Lloyd Wright („Die Frauen“) oder den Kampf der Umweltschützer auf den Channel Islands vor Kalifornien („Wenn das Schlachten vorbei ist“). So unterschiedlich seine Themen sein mögen, ihr Kern lässt sich auf eine einzige, im bitterironischen Ton verkündete Wahrheit reduzieren: Der größte Feind des Menschen ist – er selbst.


Aus: "ROMAN: T.C. Boyle blickt in „Das Licht“ auf LSD-Guru Timothy Leary" Britta Heidemann (25.01.2019)
Quelle: https://www.wr.de/kultur/t-c-boyle-blickt-in-das-licht-auf-lsd-guru-timothy-leary-id216294655.html

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[...] Wegen seiner großen Fangemeinde in Deutschland stellte T.C. Boyle seinen neuen Roman nicht in den USA, sondern in Berlin vor. Es geht darin um Timothy Leary, der in den 60ern mittels LSD die Psychiatrie verändern wollte und dann zum Drogen-Guru wurde.

T.C. Boyle ist als dankbarer Autor nach Berlin gekommen. In Deutschland hat er eine große Fangemeinde, sie ist so groß, dass die Weltpremierenlesung seines neuen Romans in Berlin stattfindet, erst im Frühjahr erscheint "Das Licht" in seiner Heimat.

Boyle hat bewusst für diesen Abend kein wildes Outfit gewählt und auch seine Haare stehen ihm nicht mehr im Stile eines Punk zu Berge. Stattdessen nimmt er in einem schwarz-weiß-karierten Sakko Platz. Und er macht von Anfang an klar, dass es ihm mit seinem Buch nicht darum geht, möglichst wilde Geschichten über Drogenexperimente und exzessive Partys in den Sechzigerjahren zu erzählen.

Den Professor und Psychologen Timothy Leary, der in den frühen Sechzigerjahren an der Harvard Universität mit Drogen experimentierte und später LSD-Kommunen gründete, bescheinigt Boyle, damals eine große Entdeckung gemacht zu haben:

„Er war ein großer Charismatiker, er war brillant“, meint Boyle.

„Er entdeckte eine Droge, mit der er den ganzen Psychiatrie-Betrieb auf den Kopf stellen konnte. LSD war ein Schlüssel, um die Hierarchien zwischen dem Psychiater und seinem Patienten abzubauen. Leary sah die Zukunft in der partnerschaftlichen Beziehung zwischen Arzt und Patient, vereint im bewusstseinserweiternden LSD-Erlebnis. Aber schaut, was aus ihm geworden ist. Es wurde ein Krimineller aus ihm und dann ein Verrückter.“

Boyles Roman kreist um die Kultfigur Timothy Leary, doch die bleibt genau so unnahbar, wie man sich einen Guru vorstellt. Die LSD-Sessions und das Leben in den Kommunen werden aus der Sicht seines Gefolges beschrieben.

Ein junges Paar, er angehender Doktorand, sie die Frau an seiner Seite, die mit einem Bibliotheksjob ihren Mann finanziell unterstützt, erzählt eine Geschichte, die mit Aufbruch aus konventionellem Karrieredenken beginnt und mit dem Scheitern der Ehe endet.

Die Erlebnisse ihres ersten gemeinsamen Trips werden bei T.C. Boyles Lesung vom Schauspieler Florian Lukas auf Deutsch gelesen. Wie die Protagonisten seines Romans einem charismatischen Führer verfallen, wie sie einerseits in neue Bewusstseinssphären aufbrechen, aber sich auch in blinder Gefolgschaft ihres Gurus und dem Widerspruch zwischen Drogenkommune und Ego-Trip verlieren, genau das interessiert Boyle.

Und deshalb hat er sich die Anfangsjahre der psychedelischen Bewegung herausgepickt, eigentlich erst der Beginn einer spektakulären Reise, auf die sich dann Timothy Leary später noch begab. Als sein Wirken und seine Droge illegalisiert wurden, er im Knast landete, als Illegaler in Marokko, der Schweiz oder in Afghanistan untertauchte und später als exzentrischer Computer- und Internet-Begeisterter wieder auftauchte.

Es wäre ein Leichtes gewesen, Timothy Leary zu überzeichnen, ihn als Karikatur bloßzustellen. Doch Boyle, der als Erneuerer des historischen Romans gilt, fasziniert das Phänomen des charismatischen Führers und er hat solche Figuren der US-amerikanischen Geschichte bereits in anderen Romanen beschrieben – etwa den Cornflakes-Produzenten John Harvey Kellog oder den Sexualforscher Alfred Charles Kinsey.

Gegen Ende seiner Lesung weist Boyle darauf hin, dass jede Generation seine Verführer und seine Drogen hat. „Die Drogen unserer Zeit“, stellt Boyle nüchtern für sein Heimatland fest, „sind schmerzstillende Opiate, mit denen Menschen ihren harten Alltag vergessen machen.“


Aus: "T.C. Boyles neuer Roman „Das Licht“ Wie aus dem Charismatiker Leary ein Verrückter wurde" Steen Lorenzen (04.02.2019)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/t-c-boyles-neuer-roman-das-licht-wie-aus-dem-charismatiker.1013.de.html?dram:article_id=440169

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[...] Diese moralisch korrekte Geschichte hat man schon oft gelesen: Eine Generation will die Welt aus den Angeln heben und endet im Elend kaputter Ehen, entgleister Biografien und vernachlässigter Kinder. Die Überlebenden trollen sich geläutert zurück ins Körbchen. Der Roman, dessen große Stärke in der ausschweifenden historiografischen Rekonstruktion liegt, endet (ganz anders als Michael Pollans sehr viel neugierigeres Buch) mit der wenig überraschenden und absolut jugendfreien Pointe, dass solche Träume zu nichts führen.


Aus: "Die Jünger des LSD-Apostels"  Iris Radisch (6. Februar 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/2019/07/t-c-boyle-das-licht-drogenprofessor-rezension

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pizarro52 #2

Treffender Kommentar !
Boyle's Schreibstil ist zwar locker und flüssig, aber das war's dann auch schon.
Die zweifellos intensiven, aussergewöhnlichen Erfahrungen, die die LSD-Apostel machten, werden mit keiner Silbe erschlossen oder gar reflektiert. Der Roman liest sich so, als würde ein Wüstenbewohner bemüht, aber gelangweilt über die Unermesslichkeit des Meeres schreiben.
Fazit: Null Erkenntnisgewinn, dafür Langeweile wie aus einem Guss. Ein Buch für den hintersten Teil der Schublade, leider !


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56t-bird #6

Ich finde den nüchternen Stil hervorragend, die distanzierte Haltung von Boyle dankenswert. Anfang der 80er Jahre habe ich selbst als Student der Verhaltensbiologie Learys Behauptungen bzgl Bewusstseinerweiterung und psychiatrischen Anwendungen naiv unterstützt. Die neurochemische Modulation meines postpupertären Gehirns hatte wohl meinen Geist vernebelt, heute sehe ich das anders, ähnlich wie Boyle. In seinem Buch erschüttern die zynische Figur T Learys, seine Überheblichkeit der Wissenschaft gegenüber, und die naiven Jünger, deren Leben und Beruf schliesslich zerscherbeln. Der Erzähler beschreibt den Meccano mit dem genauen und untrüglichen Blick des Verhaltensforschers auf den Ameisenhaufen. Frau Radisch und andere (Thea Dorn im Lit Q) wünschen sich offenbar mehr Action beim Thema LSD. Könnte man fast ein bisschen postpubertär nennen, dies Bedürfnis.


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Julian Assange / Wikileaks ...
« Last post by Link on July 09, 2019, 01:34:57 PM »
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[...]  Redaktion (nachdenkseiten.de): Herr Bröckers, Sie bezeichnen Julian Assange als „Freiwild“. Warum?

Mathias Bröckers: Weil die Verfolgung Julian Assanges mit einem ordentlichen rechtstaatlichen Verfahren wenig bis nichts zu tun hat. Schon 2008 wurde im Pentagon eine Task-Force mit dem Ziel eingerichtet, Wikileaks und seinen Gründer unglaubwürdig zu machen und zum Schweigen zu bringen. Mit juristischen Mitteln war das schwer möglich, deshalb schlug Hillary Clinton 2016 bei einem Brainstorming vor: “Können wir den Kerl nicht einfach ‘drohnen’ ?” Sie konnte sich, darauf angesprochen, nicht erinnern, das gesagt zu haben, und wenn, dann sei es ein Scherz gewesen. Ihre Chefplanerin Ann-Marie Slaughter (sic) aber mailte anschließend ein Memo dieser Besprechung über „legal and non-legal strategies“ gegen Wikileaks. Die Vereinigten Staaten versuchten also mit allen Mitteln, Julian Assange mundtot zu machen und hatten ihn nicht nur im Scherz zum Abschuss freigegeben. Und sie übten ganz offensichtlich auf Teile der Justiz in Schweden und in Großbritannien ganz erheblichen Druck aus, deren Aktivitäten in den letzten Jahren man nur mit zwei zugedrückten Augen nicht als Rechtsbeugung sehen kann.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Dann kam der 3. Juni 2019.

Mathias Bröckers: An dem Tag hat ein schwedisches Gericht festgestellt, dass die Vorwürfe gegen Julian Assange wegen einvernehmlichem, aber ungeschütztem Sex mit zwei Frauen nicht für einen Haftbefehl ausreichen.

Redaktion (nachdenkseiten.de): 2012 sah das anders aus.

Mathias Bröckers: Richtig, kaum hatte er 2012 das Land verlassen – nachdem er in Schweden zu diesen Vorwürfen vernommen worden war und die Oberstaatsanwältin ihm beschieden hatte, dass seiner Ausreise nach London nichts mehr im Wege steht – erging aus Schweden eine „red notice“, ein internationaler Haftbefehl und ein Auslieferungsgesuch. Assange stellte sich der britischen Polizei und wurde während der Entscheidung über die Auslieferung mit Hausarrest und einer elektronischen Fußfessel belegt.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Dann ging es durch die Instanzen.

Mathias Bröckers: Seine Anwälte klagten durch drei Instanzen gegen die Auslieferung, weil der Antrag nicht von einem schwedischen Gericht, sondern von der Staatsanwaltschaft gestellt worden war. Doch der britische Supreme Court entschied, dem Antrag stattzugeben: zwar dürfe nach EU-Auslieferungsrecht nur eine „judicial authority“, also ein Gericht, eine Auslieferung beantragen, wenn man aber die französische Übersetzung – „autorité judicial“ – heranzöge, dürften das auch Staatsanwälte, lautete das Urteil. Dass Julian Assange angesichts derartiger Rechtsverdrehungen in die ecuadorianische Botschaft flüchtete, weil er das Vertrauen in ein faires Verfahren verloren hatte und befürchtete, von Schweden an die USA weitergereicht zu werden, ist absolut nachvollziehbar. Dass er jetzt wegen eines Meldevergehens zu 50 Wochen in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt wurde, zeigt ebenfalls, dass seine Verfolgung nur noch scheinbar dem Buchstaben des Gesetzes angemessen ist. Assange ist kein Krimineller, sondern ein politischer Gefangener.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Für alle Leser, die sich mit Assange noch nicht so richtig auseinandergesetzt haben: Können Sie uns etwas zu seiner Biografie sagen? Und: Wie wurde er überhaupt zum Chef von Wikileaks?

Mathias Bröckers: Julian Assange ist Australier und hat sich mit 14 Jahren auf dem „Commodore 64“ das Hacken selbst beigebracht. Wenige Jahre später war er mit zwei Freunden in der Lage, sich zu zahlreichen Rechnern von Universitäten, Banken, Behörden und Militär Zugang zu verschaffen und sich dort umzusehen. Irgendwann wurden die jugendlichen Hacker erwischt und Julian Assange als Kopf der „Bande“ angeklagt. Nach einem sich lange hinziehenden Verfahren bekannte er sich am Ende schuldig und wurde 1996 zu einer Geldstrafe von 2000 australischen Dollar verurteilt. Das Gericht begründete die milde Strafe damit, dass Assange nicht zum Zwecke persönlicher Bereicherung, sondern aus „intellektueller Neugier“ gehandelt habe.

Redaktion (nachdenkseiten.de): 2007 ging es dann mit Wikileaks los. Was würden Sie als die gewichtigsten Veröffentlichungen der Plattform bezeichnen?

Mathias Bröckers: Weltberühmt und berüchtigt wurde Wikileaks nach der Veröffentlichung des Videos „Collateral Murder“, das die Ermordung von einer Gruppe von sechszehn Zivilisten, inklusive Kindern, und zwei Reuters-Journaliste durch einen US-Kampfhubschrauber im Irak zeigt. Ein Verbrechen, für das bis dato niemand verantwortlich gemacht wurde – außer Julian Assange, der die Weltöffentlichkeit darüber informiert hat.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Das war 2010.

Mathias Bröckers: Aber schon 2007 hat Wikileaks die Standard Operating Procedures for Camp Delta, das Handbuch für Soldaten von Gefangenen in Guantanamo Bay, veröffentlicht, wodurch unter anderem ans Licht kam, dass Gefangene vor dem Komitee des Roten Kreuz versteckt wurden und sich unter den Gefangenen auch fünfzehnjährige Kinder befinden.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Was hat Wikileaks noch veröffentlicht?

Mathias Bröckers: 2010 und 2011 werden geheime Militärdokumente aus den Kriegen in Afghanistan und Irak publiziert, die belegen, dass die Zahl der Ziviltoten weitaus höher ist, als offiziell zugegeben wird. 2015 veröffentlicht Wikileaks das geheime »Investment-Kapitel« der TPP-Verträge, das supra-nationale Gerichtshöfe vorschlägt, bei denen multinationale Konzerne Länder verklagen können. 2016 dann die Emails von Mitarbeitern des Democratic National Congress (DNC), aus denen hervorgeht, wie die Parteizentrale Hillary Clinton in den Vorwahlen bevorteilte, obwohl Bernie Sanders bessere Aussicht auf einen Wahlsieg hatte. Die ebenfalls publizierten Emails von John Podesta zeigten unter anderem, wie Wallstreet-Banker die Mitglieder des Obama-Kabinetts ausgesucht haben. Im März 2017 wird »Vault 7« veröffentlicht, tausende interne CIA-Dokumente, die unter anderem über verdeckte Hacking-Programme und Spionagesoftware berichten, mit denen Mobiltelefone und Auto-Computer angegriffen werden können.
Das sind, neben den 2010/11 veröffentlichten 250.000 diplomatischen Depeschen des US-Außenministeriums, die vielleicht wichtigsten Wikileaks-Publikationen, die die USA betreffen. Aber es wurden in diesen Jahren auch viele Materialien aus anderen Ländern publiziert – von Korruption in Kenia, über den Bankenskandal in Island, der zur Inhaftierung zahlreicher Banker führte, bis zu den „Spy Files“ über die Überwachung in Russland.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Wikileaks wurden immer mehr Unterlagen zugespielt. Die Mitarbeiter konnten die Informationen selbst nicht mehr bewältigen, haben sich dann große Medien als Kooperationspartner gesucht. War das ein Fehler?

Mathias Bröckers: Im Nachhinein betrachtet würde ich sagen, dass es ein Fehler war. Aber was sollte Assange sonst tun? Einfach nur die vielen Dokumente zu publizieren, die Whistleblower auf Wikileaks hinterlegt hatten, machte wenig Sinn und erzeugte kaum Wirkung. Sie mussten in einen Kontext gestellt werden, was nur Fachleute können, die sich in den jeweiligen Ländern oder Zusammenhängen auskennen. Aber Wikileaks hatte sich mit der mächtigsten Instanz dieser Erde, der amerikanischen Kriegsmaschine, angelegt und konnte nicht einfach Stellenanzeigen aufgeben, ohne befürchten zu müssen, umgehend von Spitzeln und Agenten unterwandert zu werden. Und so blieb Assange und seinen wenigen Vertrauten eigentlich gar nichts anderes übrig, als sich an die großen Medien zu wenden. Bevor Wikileaks die diplomatischen Depeschen selbst publizierte, wurden sie dem „Guardian“ und der „New York Times“ zur Verfügung gestellt. Hier prallten dann zwei Welten aufeinander: Wikileaks mit seinem radikalen Transparenzprinzip, grundsätzlich alle Dokumente unbearbeitet zu veröffentlichen und nur die Namen völlig unbeteiligter Zivilpersonen zu schwärzen – und die Großmedien in ihrer Funktion als Schleusenwärter und Gatekeeper.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Unter den Materialien, die Wikileaks an den Guardian weitergab, waren auch Depeschen über die Kriminalität in Bulgarien. Wie ist der Guardian damit umgegangen?

Mathias Bröckers: Der „Guardian“ hat nur einen Bruchteil publiziert, ohne auf die Kürzungen hinzuweisen und sämtliche Namen weggelassen, unter Berufung auf das Risiko von presserechtlichen Klagen. In der Depesche berichtet der US-Botschafter sehr ausführlich nach Hause, von welchen organisierten Kriminellen die bulgarischen Behörden und die Regierung unterwandert sind – er benennt die Personen und ihre Geschäfte und Unternehmen. In den „Guardian“-Auszügen des Dokuments wird dann nur ein einziger Name genannt und die Passagen sind so zusammenstellt, als ob die berichtete Kriminalität und Unterwanderung allein auf diesen russischen Oligarchen zurückgeht. Das ist nur eines von vielen Beispielen, das den Widerspruch zwischen Wikileaks-Transparenz und Medien-Spin gut verdeutlicht. Und auch zeigt, dass die Berufung auf „Presserecht“ und „journalistische Verantwortung“ nur vorgeschoben ist und wie in diesem Fall zwar für Bulgaren, aber nicht für Russen gilt.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Wie bewerten Sie den Umgang der großen Medien mit den Informationen, die von Wikileaks kamen?

Mathias Bröckers: Das kann man am besten bewerten, wenn man sich den Umgang der Großmedien mit Whistleblower-Material anschaut, das nicht von Wikileaks kam – wie das ganze Material von Edward Snowden, von dem nur Bruchteile bekannt geworden sind. Er hatte es „The Intercept“ anvertraut, von wo jetzt gerade mitgeteilt wurde, dass für eine weitere Sichtung und Bearbeitung leider das Geld fehlt – dieser Laden wird von dem ebay-Milliardär Pierre Omidyar finanziert. Von den „Panama Papers“ wurden nur 2% publiziert – von einer Gruppe internationaler Medien unter Beteiligung der „Süddeutschen Zeitung“. Dass Wikileaks alle 250.000 diplomatischen Kabel unbearbeitet veröffentlichte, führte dann dazu, dass sich die Medien von Assange distanzierten; auch intern gab es Konflikte. Aber wie das Beispiel zeigt: nur das radikale Wikileaks-Prinzip, nach Überprüfung der Dokumente auf ihre Echtheit alles zu publizieren, garantiert einem Whistleblower, dass sein Material auch wirklich an die Öffentlichkeit kommt.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Welche Bedeutung hat Assange mit seiner Plattform für den investigativen Journalismus?

Mathias Bröckers: Wikileaks hat eine neue Dimension für investigativen Journalismus eröffnet, der de facto ja kaum noch stattfindet, da die Presse als „vierte Säule“ und Wachhund der Demokratie weitgehend zu einem Schoßhund der Mächtigen geworden ist. Chelsea (damals noch: Bradley) Manning hatte die Dokumente über die Kriegsverbrechen in Irak und Afghanistan ja zuerst der New York Times und der Washington Post angeboten, erst als diese nicht interessiert waren, wandte er sich an Wikileaks. Julian Assange hat mit dieser Plattform eine Möglichkeit geschaffen, die Whistleblowern Anonymität sichert, also mit technischen, kryptographischen Mitteln einen 100-prozentigen Quellenschutz garantiert, wie er Journalisten rechtlich ohnehin zusteht – und mit dem Transparenz-Prinzip auch sichergestellt, dass die übermittelten Materialien auch publiziert werden. Von den mehr als 1,5 Millionen Dokumenten, die Wikileaks veröffentlichte, hat sich kein einziges als Fälschung erwiesen. Das spricht im Zeitalter von Fake-News für die herausragende Qualität dieser publizistischen Institution – kein anderes unserer sogenannten Qualitätsmedien kann sich in Sachen Faktentreue und Wahrheitsgehalt mit Wikileaks messen.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Mittlerweile wird in der Berichterstattung der Medien Assange als eine ziemlich kontroverse Person dargestellt. Was ist Ihre Einschätzung?

Mathias Bröckers: Die wunderbare Caitlin Johnstone – ‚rogue journalist’ und Bloggerin in Julian Assanges Heimatland Australien – hat einen Artikel ausgearbeitet, in dem sie auf die zahlreichen Verleumdungen Julian Assanges eingeht und sie Punkt für Punkt widerlegt. Wie schon gesagt, wird seit mehr als zehn Jahren von Seiten der Vereinigten Staaten daran gearbeitet, den Ruf von Wikileaks und die Glaubwürdigkeit seines Gründers zu zerstören. Und das mit Erfolg, denn kaum fällt der Name, kommt meist sofort das große „Ja aber…“, gefolgt von Begriffen wie „Vergewaltiger“, „Trump-Fan“, „Putin-Agent“ usw.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Caitlin Johnstone hat 29 dieser Verleumdungen genauer betrachtet …

Mathias Bröckers: … und widerlegt! Es ist eine Schmierenkampagne sondergleichen, die dazu geführt hat, das Julian Assange als „kontroverse Person“ in den Medien dargestellt wird. Der Grund für alle diese Diffamierungen ist, vom Kern der Sache abzulenken.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Was ist denn der Kern?

Mathias Bröckers: Es geht bei der Verfolgung und Anklage gegen Julian Assange nicht um seine Person, es geht um die Institution Wikileaks, es geht um die unabhängige Publikation von Informationen, es geht um die Wahrheit über Kriegsverbrechen, Korruption und Kriminalität der Herrschenden.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Auch wenn Sie kein Anwalt sind, was meinen Sie: Wie viel Substanz haben die rechtlichen Vorwürfe gegen Assange?

Mathias Bröckers: Die Anklageschrift aus den USA umfasst 18 Punkte. Einer davon ist, dass er Chelsea Manning angestiftet und geholfen haben soll, „Collateral Murder“ und anderes Material von den Militärservern herunterzuladen. Chelsea Manning wurde nach der Begnadigung durch Präsident Obama jetzt zum zweiten Mal in Beugehaft genommen, um eine Zeugenaussage gegen Assange zu erzwingen. Sie weigert sich weiter, der Vorladung zu folgen und muss dafür eine Strafe von 500 Dollar pro Tag zahlen.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Eine Menge Geld.

Mathias Bröckers: Das sind Daumenschrauben. Sie erinnern an die Methoden der mittelalterlichen Inquisition – und zeigen, wie wenig die US-Justiz gegen Julian Assange letztlich in der Hand hat. Die anderen 17 Anklagepunkte betreffen allein die publizistischen Aktivitäten von Wikileaks, die Veröffentlichungen von als geheim eingestuften Dokumenten, was nach dem „Espionage Act“ von 1917 angeklagt ist. Es ist das erste Mal, dass ein Journalist nach diesem Gesetz angeklagt wird und die Staatsanwaltschaft des Court of Virgina fordert für Assange insgesamt 175 Jahre Haft. Rechtlich geht das nur, indem man den Angeklagten als „feindlichen Spion“ einstuft. Weil er aber in keiner Weise spioniert, sondern nur publiziert hat, steht diese Anklage meiner Einschätzung nach auf sehr tönernen Füßen.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Es wird immer gesagt, Assange sei kein Journalist. Wie sehen Sie das?

Mathias Bröckers: Das wird von seinen Verfolgern immer wieder behauptet, Außenminister Pompeo nannte Wikileaks einen „feindlichen Geheimdienst“, denn nur wenn man Assange den Status eines Publizisten abspricht, kann man eine solche Anklage konstruieren. Dass Assange Wikileaks einmal ironisch als „Geheimdienst des Volkes“ bezeichnet hat, nimmt die Anklageschrift gleich im ersten Satz allen Ernstes auf. Dass Wikileaks das genaue Gegenteil eines Geheimdiensts ist, weil alle gesammelten Informationen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden – derlei Subtilitäten sind den US-Anklägern offensichtlich entgangen. Sie verwenden die Definition, um aus Assange einen feindlichen Spion zu basteln und seine Aktivitäten von publizistischem, journalistischem Tun zu entfernen. Das ist notwendig, denn sonst müssten alle die Verleger und Journalisten von der New York Times abwärts, die Wikileaks-Material publiziert haben, ebenfalls als feindliche Spione angeklagt werden. Deshalb hatten die Juristen der Obama-Regierung der Anti-Wikileaks-Taskforce noch geraten, auf eine solche Anklage zu verzichten, weil davon der Verfassungsgrundsatz der Pressefreiheit berührt ist. Die Regierung Trump hat diese Bedenken nun fallengelassen und versucht, einen Präzedenzfall zu schaffen.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Warum ist die Frage, ob Assange als Journalist zu betrachten ist oder nicht, von Relevanz?

Mathias Bröckers: Wenn diese Anklage zu einer Auslieferung und Verurteilung Julian Assanges führt, kann künftig jeder verfolgt werden, der für das US-Imperium unangenehme Wahrheiten veröffentlicht. Es geht bei diesem Fall nicht um irgendeinen Freak, der Geheimdokumente ins Internet gestellt hat, es geht um einen Präzedenzfall, der die Grundlage demokratischer Verfassungen, die Pressefreiheit, außer Kraft setzt.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Was würde denn eine Auslieferung oder gar eine Verurteilung aufgrund dieser Anklage bedeuten?

Mathias Bröckers: Dann heißt das nichts anderes, als dass fortan jeder Publizist und jeder Verlag überall auf der Welt zur Loyalität gegenüber den Vereinigten Staaten und zur Verschwiegenheit gegenüber ihren Staatsgeheimnissen verpflichtet ist. Und dass als „Journalist“ nur noch gilt, wer von der künftigen „Reichsschrifttumskammer 2.0“ in Washington nicht als »feindlicher Spion« eingestuft und mit internationalem Haftbefehl zur sofortigen Auslieferung ausgeschrieben wird.
Edward Snowden hat gesagt: „Wenn das Aufdecken von Verbrechen wie ein Verbrechen behandelt wird, werden wir von Verbrechern regiert“ – der Ausgang des Verfahrens gegen Assange wird zeigen, ob wir definitiv schon so weit sind. Nils Melzer, der Sonderberichterstatter für Folter vom Hochkommissariat der Menschenrechte der Vereinten Nationen, der Julian Assange im Gefängnis mit zwei medizinischen Experten besuchen konnte, spricht von „psychologischer Folter“, der Assange seit Jahren ausgesetzt sei und die sofort beendet werden müsse. Er hat fast 10 Kilo abgenommen und befindet sich derzeit im Krankenhaus des Gefängnisses. Diese Torturen werden von der Öffentlichkeit nur hingenommen, weil Julian Assange der Status als Journalist abgesprochen wird. Stellen Sie sich vor, in Russland oder in China säße ein Kollege, der Dokumente über Kriegsverbrechen und Korruption veröffentlicht hat, wegen Verstoß gegen Meldeauflagen in Isolationshaft und das UN-Kommissariat konstatiert in einem Gutachten „Folter“. Was wäre da international in den Nachrichten los, was gäbe es für einen Alarm von Amnesty International, Reporter ohne Grenzen und aus der Politik ? Als der Springer-Journalist Deniz Yücel in der Türkei in Haft genommen wurde, war das monatelang ein Thema, von „taz“ über FAZ bis „Tagesschau“ bis hin zum Bundespräsidialamt.

Redaktion (nachdenkseiten.de): Was fällt Ihnen an der Berichterstattung hierzulande zu Assange auf?

Mathias Bröckers: Eben dieses penetrante, ignorante Schweigen. Bei dem ich aber nicht weiß, ob es allein aus Unterwürfigkeit gegenüber dem US-Imperium stattfindet oder weil die Branche einfach den Schuss nicht gehört und noch gar nicht gecheckt hat, dass von diesem Fall jede Journalistin, jeder Journalist, jeder Verlag, jede Webseite, alle, die „irgendwas mit Medien“ machen, betroffen sind. Und zwar nicht irgendwie, sondern im Kern. Wer Journalismus noch nicht als Teil einer internationalen Unterhaltungsindustrie versteht, sondern so, wie er in der Verfassung definiert und mit besonderen Rechten ausgestattet ist – als Wachhund und Kontrolleur der Mächtigen, der für den eigentlichen Souverän – das Volk – Transparenz und Öffentlichkeit herstellt – muss verhindern, dass mit der Verurteilung von Julian Assange ein Präzedenzfall geschaffen wird. Deshalb muss immer wieder klargestellt werden: Wikileaks hat keine Verbrechen begangen, sondern Verbrechen aufgedeckt! Julian Assange ist kein Spion, sondern Journalist und Publizist! Er darf nicht an die Vereinigten Staaten ausgeliefert und verurteilt werden, denn seine Tätigkeit ist von allen europäischen Verfassungen geschützt. Seine Verfolgung ist ein massiver Angriff auf die Pressefreiheit. Die Bundesregierung und die EU-Institutionen in Brüssel sind aufgerufen, dies klarzustellen und Julian Assange Asyl zu gewähren. Und wenn ich dort irgendetwas zu sagen hätte, würde ich ihn als Datenschutz- und Whistleblower-Beauftragten einstellen und ihn zusammen mit Chelsea Manning umgehend für den Friedensnobelpreis 2019 nominieren.


Aus: "Mathias Bröckers: „Julian Assange ist kein Spion, sondern Journalist und Publizist!“" (03. Juli 2019)
Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=52967

Buch: Bröckers, Mathias: "Don’t kill the messenger. Freiheit für Julian Assange".
Mit einem Beitrag von Caitlin Johnstone. Westend Verlag (2019)

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[...]  Julian Assange und die Pressefreiheit: Keiner von uns
Wir müssen die Pressefreiheit verteidigen – aber nicht Julian Assange. Wikileaks arbeitet wie ein Geheimdienst und unterstützt den Rechtsextremismus.

Von Jörn Schulz

Allzu schwer ist es eigentlich nicht. Selbst zwei ehemalige Tory-Minister sowie zwölf Baronessen und Lords haben es begriffen. Sie und knapp 60 weitere britische Abgeordnete forderten Mitte April in einem offenen Brief an den britischen Innenminister Sajid Javid und die Labour-Schatteninnenministerin Diane Abbott, »Schweden jede Unterstützung zu gewähren«, wenn die Ermittlungen gegen Julian Assange ­wegen Vergewaltigung wieder aufgenommen werden sollten. »Wir bitten Sie dringlich, an der Seite der Opfer sexueller Gewalt zu stehen und anzustreben, dass die Vorwürfe gegen Herrn Assange nun ordnungsgemäß untersucht werden können.«

So heruntergekommen die Labour Party sein mag – viele ihrer Abgeordneten und sogar einige Konservative sind in Sachen konsequenter Ermittlungen in Fällen sexueller Gewalt fortschrittlicher als ein beachtlicher Teil der Linken. Bei diesen, so Nesrine Malik im Guardian, gebe es die Tendenz zu einer »Hierarchie würdiger Themen«, oben stünden die USA und der Imperi­alismus, ganz unten rangierten »nervtötende Gender-Angelegenheiten, die die Solidarität mit Männern brechen«.

Auch Axel Berger und Felix Klopotek (Jungle World 21/2019) fordern nur kryptisch eine »Klärung« des Vergewaltigungsvorwurfs und referieren kritiklos die Rechtfertigungsstrategie des Verdächtigen: »Unter der Voraussetzung einer Nichtauslieferung an die USA hatte Assange stets angeboten, mit Schweden zu kooperieren.« Die bescheidene Forderung, mal eben das rechtsstaatliche Verfahren für Aus­lieferungen außer Kraft zu setzen, wird wohlwollend als Bereitschaft zur ­Zusammenarbeit gewertet. Tatsächlich aber hatte sich Assange in die ecuado­rianische Botschaft zurückgezogen, um sich nicht der schwedischen Justiz stellen zu müssen – nachdem er zuvor keine Bedenken gezeigt hatte, sich in Schweden aufzuhalten.

Ursprünglich warfen US-Ermittler Assange eine konkrete Straftat vor, nämlich einen digitalen Einbruch. Die Strafverfolgung nach dem »Espionage Act« stellt jedoch tatsächlich einen Angriff auf die Pressefreiheit dar, da hier die Veröffentlichung von Material kriminalisiert werden soll. Man sollte also gegen diese Strafverfolgung und eine Auslieferung an die USA opponieren, aber auch fordern, dass Assange sich einem schwedischen Gericht stellt. Für Solidarität (»unbedingtes Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele« oder »auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Eintreten füreinander sich gründende Unterstützung«, wie der Duden lehrt) mit Assange hingegen fehlen die Voraussetzungen – jedenfalls sollte es in der Linken so sein.

»Ich liebe Märkte«, offenbarte Assange zu Beginn seiner Karriere im Jahr 2010 dem Magazin Forbes. Aber »damit es einen Markt gibt, muss es Informa­tionen geben«, da sich sonst Monopole bildeten, und diese Informationen würden nicht immer freiwillig herausgegeben. »Wikileaks wurde geschaffen, um den Kapitalismus freier und ethischer zu machen.« Assange war damals ein Rechtslibertärer, und die Staatsfeindlichkeit der Rechtslibertären ist die der egoistischen Einzelkämpfer. Von dort ist der Weg zum Rechtsextremismus nicht weit, eine solche Entwicklung ist angelegt im Sozialdarwinismus, der staatliche Umverteilung, den Sozialstaat und Antidiskriminierungsgesetze grundsätzlich ablehnt, und in der Ansicht, man müsse bei der Verfolgung eigener Interessen keine Rücksicht auf Regeln, Mitmenschen und Kollateralschäden nehmen.

Rechtslibertäre sind zudem unfähig zur Analyse und glauben, das Problem der Politik seien schmutzige Geheimnisse. Das führt oftmals in die Verschwörungsideologie, weil die Enthüllung des zuweilen tödlichen, aber immer recht ­banalen Treibens der Herrschenden sie nicht zufriedenstellen kann und sie glauben, da müsse noch etwas viel Böseres, Schmutzigeres sein, so etwas wie »Pizzagate« – eine Verschwörungstheorie über einen von Hillary Clinton ­betriebenen Kinderpornoring.

Das schmutzige Geheimnis des Kapitalismus hat  bereits Karl Marx enthüllt, aber man kann es wohl nicht oft genug wiederholen: G-W-G‘. Sich auch mit jenen Formen der Herrschaftsausübung und Geschäftstätigkeit zu befassen, die vor der Öffentlichkeit verborgen werden sollen, ist keineswegs überflüssig. Es birgt aber die ­Gefahr, sich auf Skandale zu konzentrieren, die als moralische Verfehlungen in einem an sich guten System gesehen werden, das eben nur »freier und ethischer« ­gemacht werden müsse. Das Hauptangriffsziel der radikalen Linken sollte der Normalbetrieb des Kapitalismus sein.

Zudem bleibt ein Rätsel, was gemeint ist, wenn Berger und Klopotek behaupten, die Politik verlagere sich »immer mehr ins Arkane – in Geheimoperationen, Geheimverträge, Geheimverhandlungen«. Das Gegenteil ist der Fall. Das Leak ist integraler Bestandteil der Politik geworden, die Voraussetzungen für Geheimoperationen, die ihren Namen auch verdienen, sind durch die globale Verbreitung von Smartphones und Recherchenetzwerke wie Bellingcat geschwunden. Der Job von Whistle­blowern ist es, dringend benötigte ­Beweise für etwas zu beschaffen, das man längst weiß. Dass etwa Reiche Steuerbetrug begehen, ist keine Überraschung, aber es ist nützlich, dies belegen zu können. Überraschungen hatte auch Wikileaks nicht zu bieten. Selbst der wohl spektakulärste Coup, die Veröffentlichung des »Baghdad Airstrike«-Videos, enthüllte nichts. Unter Berufung auf Augenzeugen berichtete Reuters bereits am Tag des Massakers, dass ein US-Hubschrauber auf Journalisten und andere Zivilisten geschossen habe. Das Video brachte dann den Beweis.

Die Geheimnisse des Staates und der Konzerne aber erschöpfen sich nicht in vertuschten Massakern und »House of Cards«-kompatiblen Intrigen. Weitaus häufiger sind es die Geheimnisse der von der Staatsgewalt Betroffenen und der Lohnabhängigen, deren Veröffentlichung gefürchtet werden sollte. Die von Klopotek und Berger befürwortete ungefilterte Veröffentlichung (»radikale Öffentlichkeit gegen Arkanpolitik«) ist ein Verstoß gegen den ­Datenschutz, der sogar Menschenleben gefährdet, wenn es etwa um Homo­sexuelle in Saudi-Arabien oder Übersetzer des US-Militärs in Afghanistan geht.

Zudem arbeitet Wikileaks spätestens seit 2016 nicht mehr als allgemeine Enthüllungsplattform, sondern wie ein Geheimdienst mit politischer Agenda. Bereits im November des Vorjahres schrieb Assange an Wikileaks-Mitarbeiter, es sei »viel besser, wenn die GOP (Grand Old Party, die Republikaner, Anm. d. Verf.) gewinnt«. Dieser Vorgabe folgte Wikileaks im US-Wahlkampf. Tweets wie »Unsere Analyse zeigt, dass Trump bezüglich TPP recht hat« und »Trump hat recht, dass Libyen vor allem durch Clintons Handlungen zerstört wurde« zeigen, dass es nicht nur um die Diskreditierung der demokratischen Präsidentschaftskandidatin ging. Schwer zu glauben ist zudem, dass die Kommunikation von Wikileaks mit ­Donald Trump Jr. und Roger Stone, ­einem zeitweiligen Berater Trumps, nur ein unverbindlicher Meinungsaustausch war.

Beschafft wurden die Daten, die Clinton und die Demokraten diskreditieren sollten, nicht von Whistleblowern, sondern von Hackern des russischen Militärgeheimdiensts GRU, wie der Bericht des US-Sonderermittlers Robert Mueller feststellt. Assange deutete 2016 an, der nach Polizeiermittlungen einem Raubmord zum Opfer gefallene Seth Rich, ein Angestellter des Democratic National Committee, sei die Quelle der Enthüllungen gewesen; Wikileaks versprach eine Belohnung von 20 000 US-Dollar für Informationen, die zur Ergreifung des Täters führen – ein ­geradezu klassisches geheimdienstliches Ablenkungs- und Desinformationsmanöver.

Wikileaks hat die antidemokratischen Manipulationen der russischen Außenpolitik und den rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump unterstützt. Reaktionäre, frauenfeindliche und antisemitische Äußerungen Assanges und anderer Wikileaks-Mitarbeiter sind keine Ausrutscher verschrobener Nerds, sondern geben die ideologische Haltung wieder, die dieser Politik zugrunde liegt. Auf der Einhaltung rechtsstaatlicher Regeln muss die Linke bestehen, auch wenn es um ihre Feinde geht. Sie sollte aber auch deutlich sagen, dass Assange nicht viel mit Whistleblowern wie Can Dündar oder Alexander Nikitin gemein hat, sondern mehr mit Demagogen wie Steve Bannon.


Aus: "Julian Assange und die Pressefreiheit: Keiner von uns" Jörn Schulz (04.07.2019)
Quelle: https://jungle.world/artikel/2019/27/keiner-von-uns

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Pressemitteilung, Darmstadt, 14. Juni 2019. Das PEN-Zentrum Deutschland verurteilt die Entscheidung der britischen Regierung, Wikileaks-Gründer Julian Assange an die USA auszuliefern. Zugleich appelliert der PEN an die britischen Behörden, ihren Beschluss zu revidieren, und ruft die EU-Mitgliedstaaten wiederholt dazu auf, Assange Asyl zu gewähren.

„Der Fall Assange ist komplex, denn in der Tat ist er selbst kein Journalist, Wikileaks übernimmt ja keine redaktionelle Verantwortung für das, was veröffentlicht wird. Es geht hier, wie auch bei Manning, Snowden und anderen, um die komplexe Beziehung zwischen Journalisten und ihren Quellen. Ein Angriff auf den Schutz journalistischer Quellen wird gravierende Auswirkungen auf den Journalismus und die Pressefreiheit haben. Deshalb ist dieser Fall so eminent wichtig, bei aller Kritik, die man in anderer Hinsicht an der Person Assange haben kann“, so PEN-Präsidentin Regula Venske.

Die zuständigen Institutionen der EU müssen Assange gegen eine Ausweisung schützen. Sollte er an die USA ausgeliefert werden, wäre dies ein schwerer Schlag gegen die Freiheit des Wortes, die Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Medienberichten zufolge hat die britische Regierung dem Auslieferungsgesuch der USA gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange zugestimmt, nachdem die britischen Behörden den Antrag dazu am Mittwoch erhalten haben. Dem Whistleblower drohen bis zu 175 Jahre Haft.

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Leander Sukov
Vizepräsident und Writers-in-Exile Beauftragter


Aus: "Auslieferung von Julian Assange wäre Verrat an Freiheit des Wortes und Pressefreiheit" Veröffentlicht am 14.06.2019 von PEN-Zentrum   
Quelle: https://www.pen-deutschland.de/de/2019/06/14/auslieferung-von-julian-assange-waere-verrat-an-freiheit-des-wortes-und-pressefreiheit/

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[...] Das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hat eine Studie veröffentlicht, die Tötungsdelikte weltweit aufzeigt (Global Study on Homicide). Aus ihr geht hervor, dass 2017 weltweit 87.000 Frauen getötet wurden, 50.000 von ihnen wurden von ihrem Partner oder einem Familienangehörigen umgebracht.

"Viele werden von ihren aktuellen oder früheren Partnern getötet, aber auch von Vätern, Brüdern, Müttern, Schwestern und anderen Familienmitgliedern wegen ihrer Rolle und ihres Rangs", heißt es in dem Bericht. Wenn es sich um Partner oder Ex-Partner handle, seien die Taten meist nicht spontan, sondern stünden am Ende einer langen Gewaltspirale. Motive, die eine große Rolle spielten, seien Eifersucht oder Angst vor der Trennung. Verglichen mit 2012 ist die Zahl der Opfer leicht gestiegen.

Die meisten Fälle häuslicher Gewalt mit tödlichem Ausgang wurden 2017 in Asien verzeichnet: 20.000 Frauen wurden dort von ihren Partnern oder Familienangehörigen getötet. In Afrika wurden 19.000 Fälle gezählt, auf dem amerikanischen Kontinent 8.000, in Europa 3.000. Werden die jeweiligen Einwohnerzahlen der Regionen berücksichtigt, ist die Situation für Frauen in Afrika am gefährlichsten, in Europa dagegen vergleichsweise sicher.

Laut dem Bericht liegt die Gewalt gegen Frauen oft in stereotypen Ansichten zur autoritären Rolle des Mannes begründet. Wer glaube, der Mann habe das Recht auf Sex oder das Recht, die Frau zu dominieren, neige eher zu mitunter auch tödlicher Gewalt. Bei den Tätern seien geringe Bildung, Misshandlungen in der Kindheit, Alkohol und die Erfahrung niedriger Hemmschwellen zur Gewaltanwendung wichtige Faktoren.

Insgesamt sind 2017 weltweit 464.000 Menschen Opfer von Tötungsdelikten geworden. Durch Mord und Totschlag seien viel mehr Menschen gestorben als in allen bewaffneten Konflikten – das waren im selben Zeitraum 89.000. Banden wie die Mafia – also die organisierte Kriminalität – seien für 19 Prozent aller Tötungsdelikte verantwortlich.


Aus: "UN-Bericht: 87.000 Frauen wurden 2017 gewaltsam getötet" (8. Juli 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-07/un-bericht-toetungsdelikte-undoc-haeusliche-gewalt-verbrechensbekaempfung

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St.Expeditus #2

"Aus ihr geht hervor, dass 2017 weltweit 87.000 Frauen getötet wurden, 50.000 von ihnen wurden von ihrem Partner oder einem Familienangehörigen umgebracht.
Insgesamt sind 2017 weltweit 464.000 Menschen Opfer von Tötungsdelikten geworden. Durch Mord und Totschlag seien viel mehr Menschen gestorben als in allen bewaffneten Konflikten – das waren im selben Zeitraum 89.000."

Welche Schlüsse kann man daraus ziehen? ....


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 Statikus #26

Ich hätte mir zu diesem Artikel noch ein paar weitere Hintergrundinformationen gewünscht: Wenn von insgesamt 464.000 Opfern der Anteil der Frauen augenscheinlich bei knapp 20% liegt, wie ist die entsprechende Verteilung bei den Tätern? Bei wie vielen der Tötungsdelikte konnte die Tat aufgeklärt werden? Aber auch: Wenn bei den weiblichen Opfern genau ausgerechnet wird, dass dies 238 Todesfälle pro Tag sind (eine zugegebenermaßen erschreckende Zahl), warum wird nicht zumindest in einem Nebensatz erwähnt, dass die Zahl der männlichen Opfer mit mehr als 1.000 täglich eigentlich noch viel erschreckender ist? Wie sieht es in diesen Fällen mit der Motivlage aus?


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Havelock Vetinari #37

Vielleicht wären einige weiter Fakten dieses Berichts interessant, um das Informationsspektrum etwas zu erweitern:Globally, some 81 per cent of homicide victims recorded in 2017 were men and boys, and more than 90 per cent of suspects in homicide cases were men, according to the most recent estimates. ...

https://www.unodc.org/documents/data-and-analysis/gsh/Homicide_report_press_release.pdf


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Reinerkar #42


Die Aufsummierung auf die Kontinente erscheint schon etwas grob zu sein. Mich würde auch einmal interessieren, ob es entsprechende Aufschlüsselungen gibt, die sich mit der Kultur/Religion der jeweiligen Täter beschäftigen.

Ebenfalls würde mich interessieren, warum angesprochen wird, (so schrecklich das auch ist) das 87.000 Frauen Opfer von Morden wurden (87.000 zuviel).
Es wird aber nicht erwähnt, das in der gleichen Zeit (2017) 377.000 Männer ermordet wurden.
Selbst wenn wir annehmen, das die ganzen *Kriegsopfer* Männer waren, sind immer noch 288K zu 87K, also ungefähr 3 x so viele Männer ermordet worden, wie Frauen.
Wäre es hier nicht angebrachter, darüber entsetzt zu sein, das insgesamt fast eine halbe Million Menschen ermordet worden sind?


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allesmist #42.1

Ja aber diese Männer werden ja häufig von anderen Männern umgebracht. Sie gehören der gleichen Gruppe an und sind somit gewissermaßen "selbst schuld". So zumindest die Standardargumentation an dieser Stelle...


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AH-JA #43

Wie viele Frauen wurden in Deutschland getötet? Wie schlüsseln sich die Zahlen auf?

Ab 2012 stieg die Zahl der Morde (Frauen und Männer) deutlich an:

- Tiefststand 2012: 181 Morde
- Höchststand 2017: 405 Morde.
- Trendwende ab 2018: 386 Morde

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2229/umfrage/mordopfer-in-deutschland-entwicklung-seit-1987/

Die Welt der Gewalt ist häufiger männlich. Grausam sind beide Geschlechter.
https://www.rbb-online.de/taeteropferpolizei/themen/frauenkriminalitaet.html


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trockenpflaume #44

Jede Frau und jeder Mann sind ein Mensch zuviel. Aber was will uns diese Meldung sagen? Bei 464.000 Tötungsdelikten weltweit sind also 87.000 weibliche Opfer und 377.000 männliche Opfer. Es gibt schlimme Verbrechen an Frauen, aber Mann sein ist viel gefährlicher?!


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Atomickitten #44.1

Vielleicht weil es einfach noch perfider anmutet, wenn Frauen Opfer werden durch ihre eigenen (meist männlichen Angehörigen)? Ein interessanter Blog dazu:
http://kattascha.de/mord-ist-kein-beziehungsdrama/

Und ein Mann sehr selten einfach nur getötet wird, weil er ein Mann ist. Also nicht wegen seines Geldes. Einfach weil man ihn vergewaltigen will und/oder einen Hass auf Männer hat. Hassverbrechen wegen Religion, Rasse oder sexueller Orientierung werden auch als ganz besonders perfide und verachtenswert eingestuft.


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  matthias pietsch #48.7

Da Gewalt ja ohnehin ein Männerproblem ist, hält sich meine Verwunderung eher in Grenzen.


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Porkchop9111 #51.4


"A 2013 global study on homicide by the United Nations Office on Drugs and Crime found that men accounted for about 96 percent of all homicide perpetrators worldwide"
https://en.wikipedia.org/wiki/Homicide_statistics_by_gender

Gewalt ist eigentlich ein Problem von Männer für Männer. Aus dem Artikel der im eigentlichen Artikel verlinkt wird:

"Stefanie Leich: Die Gewalt gegen Frauen nimmt nicht ab, das Ausmaß hat sich seit 20 Jahren nicht verändert. Jede dritte bis vierte Frau erlebt in ihrem Leben Gewalt. Zwar hat sich im Opferschutz viel getan, an anderer Stelle dagegen nichts. Ich kann Gewalt gegen Frauen nur verhindern, wenn ich auch die miteinbeziehe, die die Gewalt ausüben. Stichwort Täterarbeit. Die ist aber vielerorts total banal: Bei uns in Hamburg gibt es beispielsweise genau eine Beratungsstelle, an die sich Täter oder Täterinnen wenden können. Wenn man nur auf die eine Hälfte schaut, kann man dauerhaft nichts verändern." https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-11/haeusliche-gewalt-taeterarbeit-hamburger-frauenhaus-opfer


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