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[...] „Leben heißt Veränderung“ – mit diesen Worten teilte der Eigentümer des Wohnhauses an der Lützowstraße/Ecke Genthiner Straße in Tiergarten seinen Mietern mit, dass er sich dazu entschlossen habe, die Mietwohnungen in Eigentum umzuwandeln. Außerdem wird das Haus umfassend saniert, so dass die Mieten danach um bis zu 74 Prozent steigen. Dabei werden Fassaden gedämmt, die Fenster erneuert und die Heizanlage modernisiert. Auch Asbest müsse entfernt werden, teilte der Investor mit. Die Mieter hat er aufgefordert, sich für die Zeit der Bauarbeiten eine Bleibe, zum Beispiel bei Verwandten, zu suchen, einige sind bereits ganz ausgezogen. Doch eine Gruppe von etwa 35 Bewohnern bleibt standhaft und weigert sich, ihr Zuhause zu verlassen. Unter ihnen: Wolfgang Hoth, 81, dessen Miete von knapp 800 auf fast 1250 Euro steigen soll.

Einer am 7. August vorgestellten Kurzstudie des Berliner Mietervereins zufolge ist Hoths Geschichte kein Einzelfall. Die Auswertung der Mieten von 200 Befragten, allesamt Mitglieder des Vereins, habe gezeigt, dass die Miete nach einer Modernisierung immens steige. Um annähernd 2,50 Euro pro Quadratmeter im Zeitraum zwischen 2013 und 2016. Damit sei die durchschnittliche Nettokaltmiete, gemittelt auf alle Bezirke auf 7,14 Euro pro Quadratmeter gestiegen.

Das ZDF-Magazin Frontal 21 hat die Bewohner des Hauses Lützowstraße/Ecke Genthiner Straße über ein Jahr im Kampf gegen den Investor begleitet. Der Beitrag lief am Dienstag im ZDF und ist jetzt in der Mediathek zu finden. Nach den Recherchen des Magazins wurde der in den 70er-Jahren errichtete Komplex mit 96 Sozialwohnungen im Jahr 2016 verkauft – kurz bevor die Sozialbindung auslief. Neuer Eigentümer wurde eine Firma namens „Bluerock Opportunities 3 Limited Partnership“, die ihren offiziellen Sitz in Manchester hat, de facto aber aus Liechtenstein und der Schweiz gesteuert wird. Die ZDF-Reporter fanden im Internet auch ein Angebot für einen Fonds, der damit wirbt, Mehrfamilienhäuser in Berlin zu kaufen, daraus Eigentumswohnungen zu machen und diese zu verkaufen. Genau das, was hier in Tiergarten und in vielen anderen Orten Berlins gerade passiert.

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Aus: "Mieter in Tiergarten werden durch Sanierung verdrängt" Laura Hofmann (15.08.2018)
Quelle: https://leute.tagesspiegel.de/mitte/macher/2018/08/15/53865/mieter-in-tiergarten-werden-durch-sanierung-verdraengt/

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[...] 40 Prozent mehr Miete als im Jahr 2014 bezahlen Düsseldorfer im Jahr 2017. Während der Quadratmeter im 1. Halbjahr 2014 noch bei 7,85 Euro lag, kostete er im 1. Halbjahr 2017 11 Euro. Das geht aus einer Analyse des Immobiliendienstleisters JLL hervor. Kein Wunder, dass immer mehr Haushalte damit kämpfen, die Miete zu bezahlen. Vor allem für Familien mit kleinerem Einkommen ist das ein Problem, weil ihnen sonst wegen der hohen Preise nicht genug Geld für den Alltag bleibt. Abhilfe könnten beziehungsweise sollten Sozialwohnungen schaffen. Das sind Wohnungen in staatlich geförderten Bauprojekten, die eine niedrige Miete bei gutem Wohnungsstandard garantieren. Doch während die Zahl derer wächst, die sich die Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt nicht leisten können, sinkt die Zahl der Sozialwohnungen in NRW. Wurde 2016 noch der Neubau von 9301 Sozialwohnungen gefördert, waren es 2017 nur noch 7230. Das entspricht einem Rückgang von 22 Prozent. Das geht aus einer Unterrichtung der Bundesregierung über die Verwendung der Kompensationsmittel für die soziale Wohnraumförderung im Jahr 2017 hervor.

Der Trend geht auch am Rheinland nicht vorbei. In Düsseldorf ist die Zahl der Sozialwohnungen seit 2010 um rund 67 Prozent zurückgegangen. ...

„Hauptgrund für diese Entwicklung ist, dass immer mehr Wohnungen aus der Bindung fallen“, sagt Thomas Nowatius, Leiter des Amtes für Wohnungswesen in Düsseldorf. Wer eine Sozialwohnung baut, der wird vom Staat gefördert. Das gilt für kommunale Wohnungsgesellschaften genauso wie für private Investoren. Im Gegenzug unterliegt die Wohnung bestimmten Vorgaben, an wen vermietet wird und wie hoch der Mietpreis maximal sein darf. Nach 15 bis 25 Jahren, läuft diese Bindung aus. Die Wohnung kann dann als normale Wohnung vermietet werden. Das Konzept geht also nur auf, wenn immer weiter Sozialwohnungen nachgebaut werden. „In der Vergangenheit sind jedoch mehr Wohnungen in Düsseldorf gebaut worden als heute“, sagt Nowatius. Düsseldorf ist nicht alleine betroffen.  ...



Gerhard Kuhn von der Universität Stuttgart beschäftigt sich hauptsächlich mit Fragen des sozialen Wohnungsbaus, und weiß warum die Städte versäumt haben, nachzubauen. „Die meisten Sozialwohnungen wurden in Deutschland in den 70er-Jahren gebaut. Es gab so viele, dass sie teilweise leer standen oder teurer waren, als Wohnungen auf dem freien Markt. Also wurde ab den 80ern immer weniger gebaut.“ Ende der 80er Anfang der 90er prognostizierten die Demographen auch noch einen Rückgang der Bevölkerungszahlen. „Entsprechend dachte man, dass die Wohnungsfrage geklärt sei und vernachlässigte die Wohnungspolitik.“ In der Folge war der Immobilienmarkt in Deutschland lang ziemlich entspannt. Sozialer Wohnungsbau war kein Thema. Um genau zu sein, war es sogar ein Thema, dass der Bund lieber loswerden wollte.

2006 stimmten Bundestag und Bundesrat der Föderalismusreform zu und entschieden damit, dass Sozialwohnungen ab sofort Ländersache sind. Die Förderungen dafür wurden zwar nicht abgeschafft. Nach der aktuellen Regelung sind sie aber nicht zweckgebunden. Das heißt, wenn NRW beispielsweise lieber Schulden abbauen will als Sozialwohnungen zu bauen, können mit der Förderung für Sozialwohnungen genauso gut Schulden getilgt werden. Von dieser Möglichkeit wurde deutschlandweit auch viel Gebrauch gemacht.

Leidtragende all dieser Versäumnisse sind die privaten Haushalte, denn die Nachfrage nach Sozialwohnungen sinkt nicht, sie steigt. „Die Dramatik liegt darin, dass das Mietproblem längst nicht mehr nur marginale Gruppen wie Senioren oder Kranke betrifft“, sagt Kuhn. „Krankenschwestern, Polizisten, Menschen mit normalen Einkommen eben können sich die aktuellen Mieten nicht mehr leisten.“

Fast vier von zehn Mieter-Haushalten in Deutschland müssen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Etwa jeder sechste Haushalt zahlt sogar mehr als 40 Prozent des Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete. ...



Aus: "Mangel in NRW: Wo sind die Sozialwohnungen hin?" Susanne Hamann (15. August 2018)
Quelle: https://rp-online.de/nrw/panorama/nrw-wo-sind-die-sozialwohnungen-hin_aid-24372401

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[...] Die Reportage aus der „Frontal“-Redaktion beschreibt die Gründe für die Explosion der städtischen Mieten und die Folgen für die Mieter. ... Im November letzten Jahres hat die ZDF-Reihe „37 Grad“ drei Familien vorgestellt, die sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten konnten; „Zu teuer, zu klein, schon weg“ hieß die Reportage. „Es ist überall dasselbe“, hieß es damals: „In den Metropolen spielen die Mietpreise verrückt. In den vergangenen Jahren sind sie geradezu explodiert.“ Die Redaktion von „Frontal 21“ reicht nun mit „Teurer Wohnen“ einen der Hauptgründe für eine Entwicklung nach, die vor dreißig Jahren eingesetzt hat. Damals begann die Regierung Kohl, sich aus dem sozialen Wohnungsbau zurückzuziehen. Die neoliberale Überzeugung, der Markt werde es schon richten, entpuppt sich im Nachhinein als fatale Fehlentscheidung, für die die Mieter, die auf Unterstützung angewiesen sind, nun büßen müssen.
Das Reporterteam rund um das federführende Autorenpaar Martina Morawietz und Michael Haselrieder hat zwölf Monate lang mehrfach die Bewohner eines Hauses in der Berliner Lützowstraße besucht. Nach vier Jahrzehnten ist dort 2017 die Mietpreisbindung gefallen; der Besitzer, eine Investorengruppe, darf jetzt die ortsüblichen Mieten verlangen. Das Haus im Bezirk Tiergarten und somit in bester Lage wird derzeit grundsaniert; anschließend werden die Mieten selbstredend erheblich steigen. „Leben heißt Veränderung“, heißt es fast schon zynisch im entsprechenden Schreiben an die Hausbewohner, die ein Modernisierungszuschlag von 74 Prozent erwartet.
Die Besitzer spekulieren darauf, dass die Wohnungen für „urbane Freigeister“ frei werden, wie es auf ihrer Website heißt. Als das „Frontal“-Team im Juni das letzte Mal in der Lützowstraße war, hatten die meisten Mieter das Haus bereits verlassen. Protagonisten der Reportage sind diejenigen, die sich nicht vertreiben lassen wollen; kein Wunder, dass sie mit ihrem Mut zum Widerstand an die unbeugsamen Gallier aus den „Asterix“-Comics erinnern.
Während sich „37 Grad“ sonst gern auf einzelne Schicksale konzentriert und das große Ganze dabei meist ausspart, sorgen Morawietz und Haselrieder auch für das nötige Hintergrundwissen. In anschaulichen Grafiken verdeutlichen sie die großstädtischen Entwicklungen der letzten Jahre: Die Mieten steigen, die Zahl der Sozialwohnungen nimmt ab. Gesprächspartner aus verschiedenen Fachbereichen erläutern, warum die politischen Gegenmaßnahmen verpuffen: weil beispielsweise die Mittel für die von der Bundesregierung ausgerufene „Wohnraumoffensive“ viel zu niedrig seien. Wirkungslos sei auch die sogenannte Mietpreisbremse.
Sie besagt, dass Mieten in einem angespannten Wohnungsmarkt höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen dürfe. Das könne aber nicht funktionieren, wenn sich viele Menschen schon diese Vergleichsmieten gar nicht leisten könnten. Als Alternative stellen Morawietz und Haselrieder das „Münsteraner Modell“ vor: In der ostwestfälischen Stadt werden städtische Grundstücke nur an Investoren vergeben, die eine niedrige Startmiete garantieren.
Bei allem Respekt vor dem Engagement der Autoren, die den Betroffenen in der Lützowstraße im Verlauf der diversen Besuche sicher näher gekommen sind, als das üblicherweise der Fall ist: Wie so viele Reportagen dieser Art enthält auch „Teurer Wohnen“ ein paar Aspekte, die überflüssig sind oder den optischen Erzählfluss stören. Ein Frühjahrsausflug an die Côte d’Azur zur Immobilienmesse in Cannes hat zwar sicher Spaß gemacht, aber sein Beitrag zur Wahrheitsfindung ist doch recht überschaubar.
Das völlig unergiebige Interview mit der zuständigen Wohnungsbausenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) hätte sich sicher auch in Berlin führen lassen und wäre dann womöglich ergiebiger gewesen. Immer wieder blödsinnig, aber als Stilmittel nicht auszurotten sind auch die gänzlich unnötigen Zwischenschnitte auf die Hände eines Gesprächspartners. Vermutlich sollen die Gesten für ein wenig optische Dynamik sorgen, deshalb werden Interviews auch gern beim Autofahren geführt. Das ging diesmal natürlich nicht, schließlich ist ja die Botschaft des Films, dass die Menschen ihre Wohnungen nicht verlassen wollen. Zum Glück gibt es noch so ein Versatzstück: die Zubereitung des Mittag- oder Abendessens.
Dabei hat die Reportage solche Tricks ebenso wenig nötig wie die Suggestivfragen („Und war das für sie ein Schock?“), denn einige der Mieter sind interessante Persönlichkeiten, deren Schicksal automatisch zur Empathie anregt. Die Maßnahmen der Hausverwaltung wirken ohnehin schikanös: Wer sich nicht vertreiben lassen wollte, musste damit leben, dass es regelmäßig kein Wasser gab oder dass im Winter die Heizung ausfiel; der Aufzug ist ohnehin ständig außer Betrieb. Kurz vor Weihnachten kam die Ankündigung, dass die Toiletten ab Januar nicht mehr benutzt werden dürften;  als Alternative haben die Hausbesitzer auf dem Parkplatz Dixie-Klos aufgestellt.



Aus: " „Teurer Wohnen“, ZDF „Für urbane Freigeister“" Tilmann P. Gangloff (13.08.2018)
Quelle: http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/tv-kritik/teurer-wohnen-zdf-fuer-urbane-freigeister-a-1562114

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Flüchtlingspolitik...
« on: August 15, 2018, 10:09:31 AM »
"Fluchtursachen Die paradoxe Wirkung der Hilfen" Stefan Sauer (15.08.2018)
Warum die Bekämpfung von Fluchtursachen Migration manchmal fördert statt sie zu begrenzen. ... Wenn es den Menschen gut geht, sehen sie keine Notwendigkeit, auszuwandern. In der aktuellen Zuwanderungsdebatte erscheint Entwicklungszusammenarbeit somit als Geschäft von allseitigem Nutzen: Die reichen Länder helfen den armen, den Menschen dort geht es besser, die Zahl der Flüchtlinge geht zurück. Neu ist dieser Gedanke nicht. Aber ist er auch richtig? Dieser Frage ist das Washingtoner Center for Global Development (CGD) in einer aktuellen Studie nachgegangen – mit bemerkenswerten Ergebnissen. Danach führen wachsender Wohlstand, bessere Bildung und geringere Kindersterblichkeit keineswegs automatisch zu einem Rückgang der Wanderungsbewegungen. Im Gegenteil bringt ein höherer Lebensstandard in armen Ländern zunächst einmal steigende Auswanderungszahlen mit sich. Demnach trüge die „Bekämpfung von Fluchtursachen“ faktisch zu mehr Migration bei anstatt sie zu begrenzen.Tatsache ist, dass Zuwanderung in vielen Fällen mit steigenden Entwicklungshilfeausgaben einhergeht. In einer Studie der Universität Cambridge konnten die Autoren Sarah Bermeo und David Leblang 2015 diesen Zusammenhang klar belegen: Jeder zusätzliche Einwanderer in eines der OECD-Länder bringt für das Herkunftsland im Schnitt eine um 242 US-Dollar höhere Entwicklungshilfe. Untersuchungen aus Spanien und den USA kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Steigt die Zuwanderung, steigen die Entwicklungshilfe-Zuwendungen an die Herkunftsländer mit dem Ziel, Wirtschaftswachstum, Bildung, Gesundheitsversorgung, Arbeitsangebote, Rechtstaatlichkeit und innere Sicherheit zu verbessern und damit den Migrationsdruck zu mindern.
Genau dies aber funktioniert so einfach nicht, wie die Washingtoner Wissenschaftler der CGD-Denkfabrik anhand internationaler Daten der UN zeigen: Erst oberhalb eines Pro-Kopf-Einkommens von rund 10 000 US-Dollar im Jahr führt weiterer Wohlstand dazu, dass mehr Menschen in ihrer Heimat bleiben. Bis zu dieser Grenze aber gehen wachsende Einkommen mit steigenden Auswandererzahlen einher.
In Ländern mit Pro-Kopf-Jahreseinkommen zwischen 5000 und 10 000 Dollar machen sich laut UN dreimal mehr Menschen auf den Weg in wohlhabendere Weltregionen als aus Ländern mit Pro-Kopf-Einkommen unter 2000 Dollar. Ähnlich verhält es sich mit der Kindersterblichkeit, die als Indikator für die Qualität der Gesundheitsversorgung gilt: Je weniger Kinder vor ihrem fünften Geburtstag in einem Land sterben, desto mehr Menschen wandern aus.
Für diese scheinbar paradoxen Befunde liefert die Studie mehrere Erklärungen. Auf der einen Seite mindern Wohlstand, Bildung und Gesundheit tatsächlich den Druck in der Bevölkerung, das Glück außerhalb der Landesgrenzen zu suchen. Auf der anderen Seite wachsen aber auch Informationsstand und Kommunikationsmöglichkeiten der potenziellen Auswanderer sowie ihre Erfolgsaussichten im Ausland. Erst steigende Einkommen versetzen viele Familien überhaupt in die Lage, ein Mitglied auf die weite Reise in den vermeintlich goldenen Norden zu schicken. „Die Familien begreifen Migration als Investition in die Zukunft, als Absicherung gegen Krisen in ihren Heimatländern“, heißt es in der Studie. Die sinkende Kindersterblichkeit hat einen weiteren Effekt, der die Migrationsneigung befördert: Die Zahl der Menschen, die das Erwerbsalter erreichen, steigt meist stärker als der Arbeitskräftebedarf der inländischen Wirtschaft. Wer keine Arbeit findet, geht.
Aus diesen Befunden leiten die CGD-Wissenschaftler nicht etwa ab, man müsse die Menschen möglichst großer Armut überlassen, um Zuwanderung zu verhindern. Zum einen könne mancher Fortschritt – höhere Sicherheit im Inneren, Beilegung von Konflikten, ausreichend Arbeit für die junge Generation – die Migrationsneigung tatsächlich verringern. Zum zweiten aber solle die Erwartung, mit Entwicklungshilfe wirkungsvoll „Fluchtursachen bekämpfen“ zu können, einer gesteuerten, auf beidseitigen Vorteil gerichteten Zuwanderungspolitik weichen.
http://www.fr.de/politik/flucht-zuwanderung/fluchtursachen-die-paradoxe-wirkung-der-hilfen-a-1563162


"Asylpolitik Häufiger Widerstand gegen Abschiebungen" Melanie Reinsch (15.08.2018)
Die schärfere Abschiebepraxis führt offenbar auch öfter zu Verfahrensfehlern. Laut Pro Asyl steigt die Ablehnung von Afghanen rapide an. ... München sei die Hauptstadt besonders radikaler Abschiebungen. Afghanistan sei seit Beginn der Abschiebungen „keineswegs sicherer“ geworden, erklärte Pro Asyl. Die Realität in Afghanistan ist diese: Erst vergangenen Freitag griffen rund 1000 Taliban-Kämpfer die Provinzhauptstadt Ghasni an, es gab rund 130 Tote, darunter Zivilisten. Eine Woche zuvor hatten sich zwei Selbstmordattentäter in einer schiitischen Moschee in der ostafghanischen Stadt Gardez in die Luft gesprengt. 35 Menschen starben. Laut Pro Asyl ist in den vergangenen beiden Jahren die Ablehnung afghanischer Asylsuchender rapide angestiegen – in der Regel begründet mit dem Hinweis, Verfolgte hätten an einem anderen Ort in Afghanistan Schutz finden können. ... Die Abschiebepraxis scheint zudem zu Fehlern zu führen, wie die jüngsten Verfahrensfehler des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zeigen. Da ist zum einen der Afghane Nasibullah S., der Anfang Juli nach Kabul abgeschoben wurde, obwohl sein Asylverfahren noch nicht beendet war. Er musste inzwischen auf BAMF-Kosten zurückgeholt werden. Oder der Fall des Uiguren, der offenbar wegen einer Behördenpanne rechtswidrig von Bayern nach China abgeschoben wurde – obwohl er dort in Lebensgefahr ist. Seitdem fehlt jede Spur von ihm. ...
http://www.fr.de/politik/flucht-zuwanderung/asylpolitik-haeufiger-widerstand-gegen-abschiebungen-a-1563119

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[...] Nach Polizeiangaben von Montag liefen die beiden, 35 und 36 Jahre alt, kurz nach 18 Uhr Hand in Hand aus dem U-Bahnhof Möckernbrücke, als sie von dem Unbekannten zunächst homophob beleidigt worden seien. Anschließend habe der Mann beide geschlagen, bevor er in den Park am Gleisdreieck flüchtete. Das Paar trug leichte Verletzungen davon; eine medizinische Behandlung lehnte es ab.  Die Frauen beschrieben den Tatverdächtigen als Nordafrikaner.


Aus: "Berlin-Kreuzberg: Frauen homofeindlich beleidigt und geschlagen" (13.08.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/berlin-kreuzberg-frauen-homofeindlich-beleidigt-und-geschlagen/22906020.html

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Pat7 13.08.2018, 11:39 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Kapitel 13.08.2018, 11:28 Uhr
Kennen Sie einen Kriminellen, der eine Tat begangen und dann auf die Polizei gewartet hat?

Hier geht es nicht um normale Kriminalität zum Zwecke des sich Bereicherns. Dessen Wesen ist nun mal die Anonymität und funktioniert nur auf die Weise.

Hier hat jemand ein Statement abgeliefert weil er welchen Hass auch immer auf Frauen hat die Händchen halten. Sich erst toll finden weil man es denen mal gezeigt hat aber nicht bereit sein zu seinen Ansichten zu stehen. Das ist Feigheit. Die selbe Feigheit wie im  Netz wenn andere wegen der politischen Meinung oder ihrer Lebensweise anonym bedroht, beleidigt und beschimpft werden oder man Bürgerbüros von Parteien mit Farbe und Parolen beschmiert oder Wahlkampstände angreift und dann abhaut.


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[...] ZEIT ONLINE: Herr Uscinski, gerade hört man viel von QAnon, einer Verschwörungstheorie, nach der Hollywoodschauspieler, Politiker der Demokraten und Beamte sowohl einen Kinderhändlerring betreiben und zugleich einen Putsch planten. Demnach arbeitet Robert Mueller im Auftrag von Präsident Donald Trump, um diesen Putsch zu verhindern. Warum glauben Leute an solche kruden Verschwörungstheorien?

Joseph Uscinski: Es gibt eine Vielzahl an Erklärungen, Psychologen, Politikwissenschaftler und Historiker haben alle unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Kurz gesagt: Jeder Mensch neigt unterschiedlich stark dazu, an solche Theorien zu glauben. Manche glauben vielleicht an ein oder zwei, andere an eine ganze Reihe, wieder andere glauben quasi an jede Verschwörungstheorie, die sie finden.

ZEIT ONLINE: Ist es einfacher für Verschwörungstheoretiker, wenn ein Land gespalten ist?

Uscinski: Zum Teil ja. In den USA ist die eine Hälfte republikanisch, die andere demokratisch. Leute auf der konservativen Seite glauben eher an Dinge wie die Birther-Theorie, die behauptet, Obama sei nicht in den USA geboren und habe seine Geburtsurkunde gefälscht. Demokraten hängen tendenziell eher der Idee an, dass George W. Bush die Zwillingstürme in New York in die Luft gejagt hat, um den Irakkrieg zu rechtfertigen.

... ZEIT ONLINE: Ist es im Zeitalter von Twitter und Facebook schwieriger, [Verschwörungstheorien] zu bekämpfen?

Uscinski: Ich bin nicht sicher, ob es überhaupt einen Versuch gab, sie wirklich zu bekämpfen, und ich glaube nicht, dass das heute anders ist als früher. Es ist grundsätzlich schwierig, irgendwen von seinem Glauben abzubringen. Sie können sich nicht für zehn Minuten mit einem Republikaner hinsetzen und ihn zu einem Demokraten machen. Leute sind bei Dingen, die ihnen wichtig sind, nicht besonders leicht zu beeinflussen. Wenn jemand überzeugt ist, dass der 11. September von der US-Regierung geplant wurde, dann ist er schwer davon abzubringen.

ZEIT ONLINE: Gibt es einen langfristigen Schaden durch solche Theorien?

Uscinski: Manchmal überschätzen wir deren Auswirkungen. Aber ich glaube schon, dass sie Schaden anrichten. Es ist in Ordnung, wenn Leute unterschiedlicher Meinung sind. Aber es ist schwer, darüber zu diskutieren, wenn es auf beiden Seiten den Verdacht gibt, der jeweils andere habe sich gegen einen verschworen. Von dieser Position aus kann man keinen Kompromiss finden. Im schlimmsten Fall führen die Verschwörungstheorien dazu, dass jemand glaubt, nur noch mit Gewalt reagieren zu können oder seine Kinder nicht mehr impfen lässt, weil er überzeugt ist, die Pharmabranche hat sich gegen sie verschworen.

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Aus: ""Trumps Koalition basiert auf Verschwörungstheorien"" Interview: Thorsten Schröder, New York  (14. August 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-08/qanon-verschwoerungstheorien-donald-trump-usa-joseph-uscinski/komplettansicht

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Luis Tränker #2.6

Diese Faktenresistenz findet sich sonst nur noch bei religiösen Menschen.

Und Homöopathen ;-)


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Yarx2017 #2.10

Das Problem liegt eher darin, daß auch inhaltlich nachvollziehbare Theorien als VT abgestempelt werden, um sie zu diskreditieren. ... Einiges, was lange als VT abgetan wurde stellte sich im Nachhinein als Realität heraus. NSA-Abhörpraxis z.b. CIA-Contra-Skandal ebenfalls. Nein, so einfach wie Herr Uscinski kann man sich es nicht machen.


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M. Silenus #10

Gut dass es keine Verschwörungen gibt, sondern immer alles hübsch so abläuft, wie es der Presse mitgeteilt wird. Ausnahmen gibt es keine. Wäre ja auch albern, dann kann man ja gleich an Reptiloiden oder die Hohlerde glauben.

Auch die Geschichte der Menschheit ist frei von Verschwörungen, über die man theoretisieren könnte. Nie gab es eine Kriegslist oder erfundene Kriegsgründe, schon gar keinen Mord an einer Führungsperson um irgendwelche verschwörerischen Ziele zu erreichen - warum auch.

Auch heute ist alles ist wahr und öffentlich. Alles andere ist für fehlgeleitete Spinner.


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Luis Tränker #10.3

Gut dass es keine Verschwörungen gibt, sondern immer alles hübsch so abläuft, wie es der Presse mitgeteilt wird. Ausnahmen gibt es keine.

Wer sagt das? Es wird doch durchaus darauf hingewiesen, dass es immer schon Verschwörungen gab, sei es bei einer "Konstantinischen Schenkung", "MK Ultra", "Operation Condor" in Lateinamerika, "Operation Gladio" ... bis hin zu, "Watergate" und der "NSA-Affäre".

Nur, weil es wahre Verschwórungen gibt, werden postlierte VTs nicht wahrer.


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New Rule: I, Q | Real Time with Bill Maher (HBO)
Real Time with Bill Maher, Am 10.08.2018 veröffentlicht
https://www.youtube.com/watch?v=OtXniAZL4jE



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"Müller und der Einschlag der Panzergranate" Rudolf Stumberger (13. August 2018)
Bevor wir allen, die jetzt schon angesichts des Trivialen bildungsbürgerlich die Nase rümpfen beziehungsweise sich erhaben fühlen und schon fahrig auf dem Tablet herumfingern, nicht einfach so recht geben wollen, erst einmal die harten Fakten. ... Den Hefte-Kuchen im deutschsprachigen Raum teilen sich ein paar Verlage weitgehend unter sich auf. Da ist zunächst die Bastei-Lübbe AG in Köln, sie ist seit 1953 im Groschenheft-Bereich vertreten. Die fast 600 Mitarbeiter bringen neben Büchern auch Woche für Woche an die 40 Titel an den Kiosk, darunter die Klassiker wie "Jerry Cotton" oder "Geisterjäger John Sinclair", die "erfolgreichste Horrorserie der Welt". Zehn Millionen Hefte beträgt die verkaufte Heftauflage pro Jahr.
Perry Rhodan erscheint im Pabel-Moewig-Verlag in Raststatt, der bis 2013 auch "Der Landser" herausbrachte. Die Druckauflage soll wöchentlich an die 80.000 Exemplare betragen.
Dann gibt es die beiden Hamburger Verlage Kelterer und Cora. Ersterer bringt vor allem Frauenromane auf den Markt, darunter "Dr. Norden" mit einer Auflage von 25.000 und "Der Bergpfarrer" mit einer Auflage von 22.000 Heften. Insgesamt soll die ausgelieferte Auflage pro Jahr sich bei mehr als 40 Millionen Hefte belaufen. Cora wiederum hat sich auf Romane im Kleinformat spezialisiert und bringt mit Titeln wie "Bianca" oder "Julia" an die 550 Titel pro Jahr heraus, mit einer Auflage von 15 Millionen.
Allein mit seinen Frauenromanen hat Bastei also eine monatliche Druckauflage von 715.000 Exemplaren. Pro Jahr werden von allen Verlagen zusammen mindestens 50 Millionen Hefte unter die Leute gebracht. Ein immer noch lukratives Geschäft. Doch warum lebt der Groschenroman auch im Zeitalter des Internets, während die Tageszeitung mächtig schwächelt?  ...
https://www.heise.de/tp/features/Mueller-und-der-Einschlag-der-Panzergranate-4134474.html

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     weshalb, 13.08.2018 23:58

blanker Neid

wir alle haben die wackeren Leute, die sich eine um die andere Folge irgendeines Fortsetzungsromanes aus den Knochen schmirgeln, immer beneidet, weil sie etwas für die Menschheit leisten, was man von euch nicht zweifelsfrei behaupten kann.
Perry Rhodan ist Held und Retter der Galaxie und Streiter an der vordersten Front der literararischen Imperianer und ihr verunglimpft ihn völlig zu Unrecht.
Er hat immer noch das Zeug zum beliebten National- und Volkshelden und es ist ihm ganz egal, wie sehr ihr ihn hasst, weil er das locker wegsteckt.
Auch ist vielen ein kalkulierbarer Groschenromanschreiber lieber als jemand, der uns unseren Perry wegnehmen will.
So ein Heft kann man wenigstens streicheln.


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     BOFH, 14.08.2018 09:07

Merkwuerdig ich hab schon ewig niemanden mehr Groschenromane lesen sehen. Und ich bin taeglich im oeffentlichen Nahverkehr unterwegs. Frueher war das ganz klar anders. Da hat man auch regelmaessig ausgelesene und zerfledderte Exemplare im Zug zwischen den Sitzen oder in der Gepaeckablage liegen sehen.
Ich kann also den Artikel so nicht reproduzieren. Im Gegenteil, ich habe den Groschenroman fuer tot gehalten. Umso mehr erstaunt mich das. ...


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Architektur (Bauwerk & Raum) [Verortung] / Straßenbahn ...
« on: August 14, 2018, 05:17:01 PM »
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[...] Deutschland tut sich schwer mit der Mobilitätswende. Dabei könnte es so einfach sein: Das Auto stehen lassen und zu Fuß gehen oder Fahrrad, Bus und Bahn nutzen. Doch wie können die Deutschen dazu gebracht werden, auf ihr Auto zu verzichten und den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen? Der Bund und fünf deutsche "Modellstädte" wollen am kommenden Dienstag in Berlin ihre Projekte vorstellen. Manche Städte im Ausland sind da schon weiter.

Estlands Hauptstadt Tallinn gilt als europäischer Vorreiter in Sachen kostenloser Nahverkehr. Im Kampf gegen tägliche Staus und Auto-Abgase hat die Stadtverwaltung 2013 einen Nulltarif in der ganzen Stadt eingeführt. Seither können die rund 450.000 gemeldeten Einwohner der Großstadt an der Ostsee die Busse und Bahnen umsonst nutzen. Dazu brauchen sie eine Chipkarte, mit der sie sich nach dem Einsteigen an den Lesegeräten identifizieren müssen.

Nach Angaben von Tallinns Bürgermeister Taavi Aas haben sich die Fahrgastzahlen auf den innerstädtischen Zugverbindungen vervielfacht, während Busse und Straßenbahnen etwa 10 Prozent mehr Passagiere beförderten. Finanziell sei das Ganze für die Stadt tragfähig. Die wegfallenden Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf seien kompensiert worden durch die zusätzlichen Steuereinnahmen von Bürgern, die sich wegen des Nulltarifs in Tallinn registrierten.

Nach dem erfolgreichen Pilotversuch in der Hauptstadt ist der Gratis-Nahverkehr auch im Rest des Landes eingeführt worden. Seit 1. Juli ist in 11 von 15 Regionen das Busfahren gratis. Mit den Freifahrten soll die Umwelt geschützt, die Mobilität der ärmeren Teile der Bevölkerung erhöht und die Landflucht gestoppt werden.

In der litauischen Hauptstadt Vilnius will ein Start-up mit einer App die urbane Mobilität verbessern. Über die gleichnamige Anwendung des Anbieters Trafi lassen sich in Echtzeit Informationen zu allen in der Stadt verfügbaren Verkehrsmitteln abrufen, diese über die App buchen und automatisch bezahlen. Nebenbei liefert die App Daten, die die Stadtverwaltung als Grundlage für ihre Verkehrsplanung nutzen kann.

Trafi bündelt die verschiedenen Verkehrsmittel in einer App. Tippt der Nutzer seine Zieladresse ein, zeigt das Smartphone mehrere Vorschläge mit verschiedenen Verkehrsmitteln an. Eine Stadtkarte zeigt außerdem die Positionen der Busse samt Wartezeiten. Und auch die aktuellen Standorte der verfügbaren Citybikes und Car-Sharing-Autos sind auf dem Display zu sehen. Auswählen, antippen, bezahlen – fertig.

"Im Prinzip ist es wie eine Suchmaschine für meine aktuell zur Verfügung stehenden Mobilitätsmöglichkeiten", sagt Martynas Gudonavicius, Mitgründer und Chef von Trafi. Dabei fließen auch Echtzeitendaten zu Staus, Baustellen oder zum Wetter in die Suche ein. Nach Angaben von Gudonavicius nutzen schon mehr als 100.000 der gut 540.000 Bewohner von Vilnius die App.

Wien macht das Autofahren durch viele Einbahnstraßen und wenige kostenlose Parkplätze immer unattraktiver. Zugleich bezuschusst die von einer rot-grünen Koalition regierten Millionenmetropole die Nutzung von Bussen und Bahnen mit rund 500 Millionen Euro im Jahr – das sind 40 Prozent der anfallenden Kosten. Die Folge: Inzwischen haben 760.000 Menschen eine im europäischen Vergleich günstige Jahreskarte für 365 Euro. Damit gibt es mehr Jahreskarten als zugelassene Autos.

Die meisten Wege werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt – kein Wunder bei einem tagsüber herrschenden Drei- bis Fünf-Minuten-Takt der U-Bahnen.

Die britische Regierung fördert den Kauf von Bussen mit Elektroantrieb und Hybridmotoren durch öffentliche Verkehrsbetriebe mit millionenschweren Förderprogrammen. Seit 2009 wurden dadurch insgesamt bereits 1600 Fahrzeuge mit umweltfreundlichem Antrieb auf die Straßen gebracht. In Schottland und Nordirland gibt es ähnliche Programme. (dpa) / (anw)


Aus: "Grüner Nahverkehr: So macht es das Ausland" (13.08.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Gruener-Nahverkehr-So-macht-es-das-Ausland-4134498.html


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Als QAnon oder Q wurde ein Verbreiter von Verschwörungstheorien bekannt, bei dem es sich um eine mutmaßlich US-amerikanische Einzelperson oder Personengruppe handelt, die auf Imageboards pseudonym aktiv ist und vorgibt, Zugang zu geheimen Informationen über Donald Trumps Präsidentschaft, dessen Kampf gegen einen vorgeblichen „Deep State“, sowie über Trumps Widersacher zu haben. ... Die Anhängerschaft QAnons wurde mit einer „geistesgestörten Verschwörungssekte“ verglichen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/QAnon  (12. August 2018)


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[...] Washington - Seit Amtsantritt von Donald Trump sind Verschwörungstheoretiker in Amerika im Aufwind. Auf diversen Internet-Plattformen schießen konspirative Erzählungen ins Kraut, die bereitwillige Abnehmer finden. Zwei gegenläufige Phänomene schreiben gerade besonders dicke Schlagzeilen: „QAnon“. Und Alex Jones.

Mit der „QAnon“-Bewegung haben die Anhänger krudester Thesen, wie etwa der, dass Trumps Vorgänger Barack Obama und die Demokratin Hillary Clinton Kindersex-Ringe leiten, eine neue Heimstatt gefunden. Hinter der auf mehrere Zehntausend Sympathisanten geschätzten Gruppe, die zuletzt bei Trumps Wahlkampf-Veranstaltungen mit T-Shirts auffiel, auf denen groß der Buchstabe „Q“ prangt, soll seit Herbst vergangenen Jahres ein anonymer Mitarbeiter der Regierung mit Zugang zu höchsten Geheimnissen stecken.

Der Anonymus hat bisher über 1800 Nachrichten auf dubiosen Web-Plattformen platziert, die alle um ein Thema kreisen: Der „deep state“, ein seit Jahrzehnten herbei fantsiertes Bündnis finsterer Technokraten in Regierung, Ämtern, Parteien, Wirtschaft, Medien und Militär, das versucht, Amerika zu unterjochen. Aber Trump, als Kämpfer für Freiheit und Vaterland stilisiert, wird die Bösewichte neutralisieren. „Potus (Kurzform für President of the United States) ist unser Retter“, heißt es in einem klassischen Beitrag. „Betet. Operationen sind im Gange. Wir sind im Krieg.“

„Q“ bedient sich dabei pseudo-wissenschaftlicher Versatzstücke, die oft wie schlecht gemachte Kopien aus den Illuminaten, Dan Brown-Büchern oder den Akten von Psychiatrie-Insassen wirken. Allerdings finden sie via Internet rasend Verbreitung und Anhänger. „Wohin einer von uns geht, gehen wir alle“, lautet der informelle Schlachtruf der Gruppe.

Was sich wie ein extremes Rand-Thema der Wohlstandsgesellschaft anhört, kriecht langsam, aber stetig in den Mainstream. Seit wenigen Tagen berichten viele Zeitungen und TV-Sender in den USA über „QAnon“ – und räumen ein, dass die ganze Chose nicht wirklich zu fassen ist. Mit Trump an der Spitze der Falschinformationskrieger werde der Glaube an noch so bizarre Thesen gesellschaftsfähig. Und gefährlich.

Erst vor wenigen Wochen hatte ein bewaffneter Q-Anhänger mit einem gepanzerten Kleinlaster am Hoover-Staudamm in Nevada für Angst und Schrecken gesorgt. Er forderte die Veröffentlichung eines (natürlich nicht existenten) Untersuchungsberichts des FBI, der Obama und Clinton als Kindersex-Händler outet.

Ähnlich krude unterwegs ist Alex Jones. Der heiser-kehlig keifende Betreiber der Fake-News-Plattform „Infowars“, den Trump persönlich mehrfach lobte („Dein Ruf ist fantastisch“), hat aus Hass und Hetze gegen Demokraten, Homosexuelle, Muslime und alles, was irgendwie links wirkt, ein Millionengeschäft gemacht.

Unter dem Schirm der in der US-Verfassung gesondert geschützten Meinungsfreiheit hat der bullige Demagoge unter anderem die Behauptung aufgestellt, die Terror-Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington seien von der Bush-Regierung initiiert worden.

Medienkritiker sehen in Leuten wie Jones, der mit rechtsradikaler Schlagseite Weltuntergangsstimmung verbreitet, einen Hauptgrund für das vergiftete gesellschaftliche Klima in den USA. Millionen bewegen sich unter seiner Anleitung mit eigenen Fakten und Wahrheiten in Paralleluniversen.

Seit wenigen Tagen bekommt Jones’ Imperium, das in einer unscheinbaren Industriehalle in Houston/Texas residiert, Risse. Große Internet-Dienstleister wie Facebook, Apple, Youtube und Spotify haben die vielfältigen Übertragungskanäle im Netz gekappt und bestehende Sendungen (Podcasts) in den digitalen Mülleimer geworfen. Stellvertretend für viele erklärte der Mega-Konzern mit dem Apfel als Logo: „Apple duldet keine Hassrede.“

Auslöser für die von Jones als „historische Zensur“ gebrandmarkte Aktion war dies: Der Lügenbaron hatte sich zum Wortführer der Spekulation gemacht, dass auch das Massaker an der Sandy Hook-Grundschule in Newtown vor sechs Jahren mit 26 Toten ... ein Akt des amerikanischen Staates gewesen sei. Adam Lanza, der schwer gestörte Todesschütze, der Kinder, Lehrer, seine eigene Mutter und dann sich selbst umbrachte, sei nur Staffage gewesen. Die Eltern des damals erschossenen Noah Pozner mochten sich diese Geschichtsklitterung nicht mehr antun. Weil sie von Jones persönlich angegriffen wurden, spürten Hetzer im Netz die Familie auf und bedrohten sie. Die Pozners zogen sieben Mal um, immer auf der Flucht vor Leuten, die Jones’ Tiraden für bare Münze nahmen. Wegen Verleumdung haben sie den Radio- und Fernsehmoderator nun verklagt und fordern Millionensummen als Entschädigung.

Jones schwänzte den Prozessauftakt und ließ erklären, dass man das Recht auf freie Meinungsäußerung niemals antasten dürfe. Facebook, Apple und Co. sehen das anders und haben ihm den Stecker gezogen. Nur auf Twitter ist noch kein Verbot ergangen. Twitter-Chef Jack Dorsey hat die Haltung des Kurznachrichtendienstes verteidigt. „Wir haben Alex Jones oder Infowars nicht gesperrt. Wir wissen, dass das für viele hart ist, aber der Grund ist einfach: er hat unsere Regeln nicht verletzt“, schrieb er.

Das Twittern hat Alex Jones also nach wie vor mit einem anderen Verschwörungstheoretiker gemein, der dort täglich mehrmals über 50 Millionen Menschen antextet: Donald Trump.




Aus: " In Zeiten von Trump US-Verschwörungstheoretiker haben Hochkonjunktur" Dirk Hautkapp (10.08.2018)
Quelle: https://www.rundschau-online.de/politik/in-zeiten-von-trump-us-verschwoerungstheoretiker-haben-hochkonjunktur-31090010


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"Wer kommt nach Alex?" Mathias Broeckers (12/08/2018)
Der Texaner Alex Jones ist ein “firebrand”,  ein politischer Hitzkopf und Zündler, ein konservativer Scharfmacher und Aufwiegler. Mit seiner Radio Show und der Website infowars.com erreicht er ein Millionenpublikum und gilt für den liberalen Mainstream als führender “Verschwörungstheoretiker” der USA. Er bezweifelt die offizielle 9/11-Legende, hält das Massaker an der “Sandy Hook”-Schule für eine Insenierung und unterstellte Hillary Clinton, mit pädophilen und satanischen Kreisen verbunden zu sein. Nicht erst seit Jones im Wahlkampf Donald Trump im Studio hatte  und dieser sein Programm lobte, pries Jones den Kandidaten als Retter der Nation, der angetreten sei, den “Sumpf” des elitären Washington endlich auszutrocknen. In seinen bisweilen stundenlangen Sendungen rastet Jones regelmäßig aus und schreit und brüllt seinen “Feinden” (Eliten, Globalisten, Neocons, Liberalen, Konzernmedien,  Kommunisten, Migranten, Muslimen, Chinesen usw.) wüste Drohungen über den Äther.Das erinnert bisweilen an die durchgeknallten TV-Prediger Amerikas, und auch wenn Jones statt mit der Bibel mit aktuellen Zeitungsartikeln fuchtelt, um sie als Fake-News und Teufelswerk zu verdammen, dankt er am Ende seiner Tiraden gern dem lieben Gott, lobt den Allmächtigen für die Größe Amerikas und beschwört den Sturm der wahren Patrioten, die das Böse alsbald hinwegfegen werden. Und fordert  seine Schäfchen sicherheitshalber auf, sich bis dahin im Onlineshop mit Vitaminen und anderem Überlebenswichtigen einzudecken.
Soweit, so typisch für die USA, wo es an charismatischen Predigern – ob für das allgemeine Seelenheil oder den hinterletzten Konsumartikel – noch nie gefehlt hat und jede Art von grobem Unfug durch die Meinungs,-und Religionsfreiheit gedeckt sind. Jetzt aber haben Facebook, Youtube, Apple und Spotify in konzertierter Aktion Alex Jones Videos und Podcasts auf ihren Seiten gesperrt und den ohnehin stets auf Hochtemperatur agierenden Dampfplauderer erst richtig in Rage gebracht.
Die Konzerne begründen die Verbannung mit Hinweisen auf die Regeln ihrer Plattformen, gegen die Jones verstossen würde. Und während der verbannte Infokrieger “Zensur” schreit, auf den ersten Artikel der Verfassung verweist und das Recht auf “freie Rede” einfordert, machen die Medien deutlich, dass es sich bei Facebook, Google & Co. um private Unternehmen handelt und von Zensur keine Rede sein kann. Das ist  richtig, aber doch nicht so ganz. Richtig, weil es diesen privaten Plattformen erlaubt ist, alles und jeden zu sperren oder zu verbannen und niemand die Gesetze dagegen bemühen kann, denn es gelten die Allgmeinen Geschäftsbedingungen der Konzerne.
Und dennoch ist diese Verbannung ein Akt der Zensur, der auf Druck des Staats und der Politik geschieht – Jones wurde nicht gesperrt, weil er rumbrüllt und schimpft, sondern weil er Partei ergreift: gegen Linke, gegen Liberale, gegen Waffenkontrolle, gegen Abtreibung, gegen Migranten. Er ist so etwas wie der “angry white man” in Reinkultur. Und wer etwas gegen reaktionäre Brüllaffen hat, kann die Sperrung von Jones zwar begrüßen, macht es sich damit aber auch ein wenig zu einfach.
... Worum geht’s bei dem Ganzen? Es geht um die Deutungshoheit über die Ereignisse. Es geht um die offiziellen Narrative und ihre Verteidigung. Es geht um die öffentliche Meinung und das Monopol auf ihre Herstellung und Manipulation. Es geht um Gegenöffentlichkeit und Dissidenz und darum wie mit Dissidenten umgegangen wird. Es geht um Freiheit, die niemals eine ist, wenn sie nicht auch die Freiheit Andersdenkender einschließt. Auch die von Horrorclowns wie Alex Jones…
https://www.broeckers.com/2018/08/12/wer-kommt-nach-alex/




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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [DIE LINKE (Politik) ... ]
« on: August 12, 2018, 11:43:32 AM »
"Einwanderungsgesetz: Sahra Wagenknecht will keine ausländischen Fachkräfte" (11. August 2018)
Die Fraktionschefin der Linken hat sich gegen das geplante Einwanderungsgesetz ausgesprochen. In einem Interview warb sie dafür, das heimische Bildungssystem zu stärken. ... Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hat sich gegen das von der Bundesregierung geplante Einwanderungsgesetz für Fachkräfte ausgesprochen. "Deutschland muss seine Fachkräfte selbst ausbilden", sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Es sei zynisch, junge Leute mit einem Numerus Clausus vom Studium abzuhalten und "dann die qualifizierten Fachkräfte aus armen Ländern zu holen". ... Die Bundesregierung will das Einwanderungsgesetz für Fachkräfte nach der Sommerpause im Kabinett verabschieden. Es ist Bestandteil der Einigung der Koalition im Asylstreit. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das Vorhaben im Juli als "zentrales Projekt" der großen Koalition bezeichnet. ... Der FAS sagte Wagenknecht, es gehe auch darum, abgewanderte Wähler von der AfD zu den linken Parteien zurückzuholen. Viele wählten die AfD aus Protest: "Das sind keine Rassisten, sondern Menschen, die sich von der Politik im Stich gelassen fühlen", sagte die Politikerin. Die Initiative "Aufstehen" stößt bei Grünen und SPD auf Vorbehalte, es gibt aber auch Unterstützung. Innerhalb der Linkspartei gibt es Befürchtungen, die neue Bewegung könne zu einer Spaltung führen.  ...
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-08/sahra-wagenknecht-einwanderungsgesetz-fachkraefte-ausland

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xy1 #28

Klassenkampf 2.0?
Die sozialistischen Parteien des 19. und 20.Jh hatten auf ihrem Banner die Losung "Proletarier aller Länder vereinigt euch", mit dem Zweck den Kapitalismus zu besiegen.
Im 21. Jh. stellt die arbeitende Klasse plötzlich fest, dass es ihr in den westlichen Ländern eigentlich ganz gut geht, dass ihr aber eine erhebliche Konkurrenz von Seiten der Bewohnern der Dritten Welt erwachsen ist. Fr. Wagenknecht versucht dieses Gefühl für ihre Ambitionen zu nutzen und schreit aus ihrer Sicht folgerichtig: das Boot ist voll, es darf niemand mehr einsteigen, sonst geht das Boot unter. So wird Soziales mit Nationalem verknüpft, in der Hoffnung bei den rechten Wählern zu punkten. ...


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1horn #28.1

Sie verkennen das ihre Position zutiefst Links ist, der Linke Internationalismus bedeutet eben gerade nicht das Abwerben der Mittelschicht anderer Länder, das zementiert die Verhältnisse bei uns die den Bedarf an billigen ausländischen Arbeitnehmern erst notwendig machten und schwächt die Heimatländer dieser Menschen nur immer mehr.


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geranie24 #38

Es ist eigentlich seit jeher Anliegen der Linken und der Gewerkschaftsbewegung, die angestammte Arbeitnehmerschaft vor Konkurrenz und Lohndrückerei zu schützen.
Leider ist das vor lauter Internationalismus und Antirassismus zwischenzeitlich komplett in Vergessenheit geraten.


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vor allen Dingen #38.1

Nö. Menschenrechte, Menschlichkeit und Solidarität sind weiterhin die Basis der gewerkschaftlichen Arbeit.


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mehrmut #46

Wer will Sahra Wagenknecht da widersprechen?

Die Idee, dass man Mangel an Personal in bestimmten Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft dadurch lösen kann, dass man ausländische Kräfte ins Land holt, ist nicht nur zynisch, sie führt zur völligen Erosion des sozialen Zusammenhalts und in den Abgrund.

Wenn man das dann noch als Dauerzustand haben will (das scheint ja der Fall zu sein, wenn Wagenknechts Äußerung als kontrovers angesehen wird), ist das völlige Abwesenheit von Gestaltungswillen in der Politik. Wozu brauchen wir eine Regierung, die nicht in den eigenen Nachwuchs investieren will?


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Zeitfremdling #52

Man kann Frau Wagenknechts Vorstellungen über den Arbeitsmarkt als rechstpopulistisch verurteilen, aber im Kern offenbart sie nur das Dilemma linker Ideologie. Für eine offene Gesellschaft, die ihren Wohlstand auf dem Boden marktwirtschaftlicher Prinzipien schöpft, sind Frau Wagenknechts Vorstellung eher Gift.
Ein Ablenkungsmanöver ist es sowieso in zweierlei Hinsicht. Zum einen suggeriert es, man könne dieses Problem durch nationale Schranken locker lösen; zum anderen verkennt es die substanziellen Probleme, von denen jeder Ausbilder ein Lied singen kann. Für die Heerscharen von Menschen, deren Ausbildungsniveau allerhöchstens für niedrigste Tätigkeiten in Frage kommt, ist diese ganze Diskussion eh belanglos und nichts weiter als Symbolpolitik.


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  kafkaesk77 #60

Frau Wagenknecht trifft den Nagel auf den Kopf. Die Ausrede "der Wirtschaft" nach Facharbeitern, ohne welche auszubilden, ist eine alte Leier ohne Sinn und Verstand. Die Ausbeutung der Nachbarländer auch innerhalb der EU ist nichts als peinlich!


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T Pol #66

ich höre immer die Mär vom Fachkräftemangel. Dabei hangeln sich unsere Jungen Leute
von Zeitvertrag zu Zeitvertrag. Jeder der Kinder hat oder Beruflich noch Aktiv ist, weiß das und erlebt es auch täglich. ...


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44 Beobachter #68

Ich bin der Auffassung, dass im Durchschnitt der Verdienst der Facharbeiter in Deutschland nicht schlecht ist. Es gibt allerdings einen völlig unterbezahlten Niedriglohnbereich und Teilbereiche, wo die Arbeitsbedingungen nicht gerade attraktiv sind oder keine Zukunftsperspektive haben. Das gilt z.B. für Bäcker oder Metzger.
In anderen Bereichen - Hotel- oder Gaststättengewerbe - sind die Bedingungen ebenfalls sehr schlecht. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass viele Dienstleistungs-, Handwerks- oder Handelsbetriebe gar nicht in der Lage sind höhere Löhne zu zahlen, weil sie bei den Kunden keine höheren Preise durchsetzen können. Dies gilt für einen großen Teil der (Klein- und Mittel-)Betriebe, die immer noch die meisten Menschen beschäftigen.
Manche Foristen glauben ernsthaft, dass alle Unternehmer sich auf Kosten der Beschäftigten eine goldene Nase verdienen. Manche verdienen sogar deutlich weniger als ihre Angestellten. Auch das sollte man einmal zur Kenntnis nehmen.


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Dr Matze #77

Migranten gegen Unterschicht. Der besonnene Politiker nutzt das und gießt Öl ins Feuer.
Zum ersten Mal will die Linke in Bildung investieren anstatt irgendwen zu alimentieren. ...


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amanita #79

Sie hat recht, denn die abgeworbenen Fachkräfte fehlen in ihren Herkunftsländern. Das ist seit Jahren in den ärmeren EU-Staaten zu beobachten. Wer jung ist und einigermaßen gut ausgebildet, geht weg - nach Deutschland, nach Großbritannien, nach Spanien. Zurück bleiben die Alten. Da leben ganze Landstriche in Rumänien vom Verdienst der Saisonarbeiter oder von dem heimgeschickten Geld. So geht jenen Ländern langfristig die Zukunft verloren und das kann eigentlich nicht im Sinne der EU als Kultur- und Lebensraum sein. Nur wenn man die Union in erster Linie als Wirtschaftsriesen betrachtet, der sich gegen China und die USA behaupten muss, ergibt das Sinn.


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dansdendan #81

Hmm ich wähle glaub links das nächste Mal, statt SPD.
Die Scheinheiligkeit der Sozialdemokraten und christsozialen schafft mich.


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Opeltyp #82

Die Linken - das sind die, die letztes Jahr beantragt haben dass alle Ausländer die länger als 5 jahre hier leben, das volle Wahlrecht bekommen sollen - und nun sind sie gegen die Einwanderung. Wendehälse, verlogene - nicht wählbar. ...


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green-L12 #83

"Sahra Wagenknecht will keine ausländischen Fachkräfte"

Die Überschrift bietet wirklich eine sehr differenzierte Zusammenfassung dessen, was Frau Wagenknecht zum Thema Migration meint. Da fühlt man sich richtig gut informiert.


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Gelbe Tulpe #97

Wagenknecht weiß halt als echte Linke, dass Wirtschaftsmigration die Löhne senkt und so die Armut der Einheimischen verstärkt.


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Brindisi #100

Was ich dieser Frau so hoch anrechne ist, dass sie diesen Gegenwind aus der eigenen Partei aushält.
Jeder andere bei den Linken hätte doch bei dem Vorwurf "der AFD in die Hände zu spielen" aus Angst um die Karriere schon längst opportunistisch den Schwanz eingezogen.


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Tom Hobbes #108

Schon allein das Wort "heimisch" ist so urkonservativ, dass ich schon erstaunt bin über Frau Wagenknecht. ...


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Allegorius #115

Eine völlig am Thema vorbei geführte Diskussion. Denn wie am Beispiel eines 19-jährigen Afghanen gestern auf ZON berichtet wurde, fehlen die Fachkräfte ÜBERALL. Aber insbesondere in ländlichen Gebieten. Die wenigsten (einheimischen) Menschen, gleich welcher Herkunft, wollen aufs Land. Sie verbinden Großstadt mit Luxus und Kultur.


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Liberalepolitik #140

... Würde man nur sachlich und wirtschaftlich denken, dann hätte Frau Wagenknecht völlig recht. Die Frage, die sich stellt, ist aber, ob zu einer modernen Demokratie Einwanderung
einfach dazu gehört, auch wenn die Wirtschaft und die Gesellschaft das eigentlich gar nicht braucht? Ich denke eigentlich schon, dass Kliniken und Unternehmen dazu verpflichtet wären, ihre Fachkräfte selbst auszubilden. ...


...

10
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[...] Schlief ein Junge mit einem Mädchen, verwandelte er sich in einen Helden und sie wurde zur Schlampe. Ihr Wert ging auf den Jungen über. Und Wert konnten wir gut gebrauchen, denn wir steckten offenbar in dem, was der Sozialpsychologe Rolf Pohl "Männlichkeitsdilemma" nennt: Jungs sollen selbstsicher und unabhängig sein, das starke Geschlecht. Gleichzeitig sind sie nicht nur erst einmal rundum abhängig von einer Mutter, sondern später auch von der Gunst der Mädchen, um die ihre tiefsten Wünsche kreisen und an denen die Bestätigung ihrer Männlichkeit hängt. Entsprechend hechelten viele von uns mit wachsender Bedürftigkeit den Mädchen hinterher, taten aber so, als sei das alles nur Schnickschnack. ... Dass in diesen weitverbreiteten Haltungen etwas tief Gestörtes lag, spürte ich mehr, als dass ich es dachte. Ein weiteres Dilemma verwirrte mich zusätzlich: Einerseits lag ein romantischer Schleier über dem Sex. Allein die Liebe machte den Geschlechtsakt menschenwürdig, und Liebe bedeutete nicht oberflächliches Verknalltsein, sondern Verantwortung – auch für möglicherweise entstehende Kinder. Diese in der katholischen Sexuallehre ausbuchstabierte Sichtweise las ich aus Worten und schwer greifbaren Haltungen meiner Mutter und anderer einflussreicher Personen heraus. Und es zeitigte Wirkung: Noch als Student, "verliebte" ich mich, wenn ich eine Frau einfach nur sehr attraktiv fand.

Frauen galten als dazu befähigt, Sex und Liebe zu verbinden, während Männer als dauerbrünftige Sexmonster betrachtet wurden. Männer wollten Sex und mussten deshalb lernen zu lieben. Frauen wollten Liebe und mussten deshalb lernen, auch Sex zu mögen. So weit, so old school. Andererseits lag der Geist der sexuellen Revolution in der Luft: Freier Sex macht freie Menschen. Niemand wollte ein verklemmter Spießer sein. Nur wer sich "locker machte" und sein wahres orgasmisches Potenzial auslebte, konnte seinen Körperpanzer aufbrechen und den inneren Fascho besiegen. Ich stand als Teenager also vor der Wahl, ein Triebtäter auf dem Weg ins Höllenfeuer oder ein Nazi zu werden. Mein männliches Geschlecht schien mich für beides zu prädestinieren. Ob es um Provinz-Revoluzzer ging oder um Kinder missbrauchende Geistliche – in einem herrschte Einigkeit: Die Sexualität des Mannes war das Hauptproblem. Entweder war sie zu aggressiv-verklemmt oder zu triebhaft-animalisch. Mit uns Typen stimmte etwas von Grund auf nicht. Um es vorweg zu nehmen: Die Pornografie zeigte mir keinen Ausweg.

Den ersten Pornofilm fand ich als 13-Jähriger durch Zufall auf der Videocassette des fünf Jahre älteren Nachbarsjungen. Ich sah den Film zunächst einmal allein und fand mich in einem Knäuel widersprüchlicher Empfindungen wieder, an denen ich bis heute hin und wieder herumnestele. Dann ging ich daran, den Film auf eine zweite Cassette zu kopieren. Auf dem Schulhof hatte ich schon mit indizierten Horrorfilmen wie Tanz der Teufel und Zombies im Kaufhaus für Furore gesorgt. Jetzt setzte ich noch einen drauf. Bald flogen mir weitere Filme zu, die ich meist mit anderen Jungen zusammen ansah. Ich fand diese Runden zwar ausgesprochen peinlich, machte aber trotzdem mit oder lud sogar zu ihnen ein. Mannwerden schien generell etwas damit zu tun zu haben, möglichst Dinge zu tun, die man eigentlich zunächst nicht tun wollte: saufen, rauchen, kloppen, cool sein, sich selbst und anderen wehtun.

Gleich in meinem ersten Pornofilm sagte die Frau, es tue ihr weh. Der Mann machte weiter. Ein anderer kam herein und fragte gelangweilt, ob er gleich auch mal dürfe. Dabei fragte er nicht die Frau, sondern den anderen Mann. Die Einstellungen wechselten zwischen Penetrationen in minutenlangen Nahaufnahmen und Totalen, in denen erst der eine, dann der andere Mann die Frau von hinten nahm. Dazu gab es herablassende Kommentare. Hin und wieder schlugen die Männer der Frau mit der flachen Hand auf eine Pobacke, als wollten sie ein Pferd antreiben. Das alles erschien mir voller Häme, als ob Sex vor allem die Schadenfreude von Männern befriedigte. Ich fand es fies, wie die Frauen in den Pornos behandelt wurden, aber es erregte mich auch. Und als ich zum ersten Mal Sex hatte, überprüfte ich immer wieder, ob es bei uns auch so aussah wie in den Nahaufnahmen.

Diese Filme brachten etwas an die Oberfläche, was schon vorher in mir virulent gewesen war: eine Verquickung von Grausamkeit und Geilheit. Schon als Grundschüler hatte ich manchmal von Frauen an Marterpfählen fantasiert. Natürlich wollte ich ihnen helfen, sie taten mir leid, wehrlose Opfer, die sie waren. Erst später fiel mir auf, dass ich die Rettungsfantasien ziemlich lange hinauszögerte, um vorher an mir herumzuspielen.

Pornofilme sind Übergriffe, vor allem gegenüber Kindern und Jugendlichen, die noch nicht wissen, was auf sie zukommt. Ich fühlte mich beim Sehen des ersten Pornofilms als Voyeur und Täter. Gleichzeitig wurde etwas mit mir gemacht. Die Darstellungen übertraten meine Grenzen: Ohne Scham hielten Menschen ihre erregten Geschlechtsteile in die Kamera. Privates wurde öffentlich. Wildfremde Menschen zogen mich hinein in ihr scheinbar Intimstes. In ihrer Welt wurde Sex omnipräsent, beliebig, unpersönlich, geil und leer.

Begehren (heiße Frau betritt den Raum) und Erfüllung (kniet sich hin und bläst) fallen im klassischen Pornofilm oft in eins. Das ist besonders attraktiv für Männer, die vom Werben um Frauen und der komplexen Kommunikation echten Liebesspiels frustriert sind. Der Konsum von Pornos ist eine schnelle Abkürzung zum Männlichkeitsgefühl, senkt aber die Frustrationstoleranz zusätzlich: alles, sofort, auf Knopfdruck, ohne emotionale Verpflichtung, Hingabe und eigene Verwundbarkeit. Echter Sex erscheint dadurch bald noch komplizierter und unbefriedigender. Pornografie wird als Ersatz wichtiger. Man braucht sie, weil man sich klein fühlt und fühlt sich klein, weil man sie braucht. Ein erstklassiges Geschäftsmodell: Es nutzt das Suchtpotenzial seiner Kunden so konsequent wie McDonald's seine leeren Trostkalorien und ist legaler als die meisten Drogen.

Aber worin genau besteht der Suchtfaktor? Warum gucken Männer überhaupt Pornos und befriedigen sich nicht einfach anhand eigener Fantasien? Weil das, was sie fantasieren, ja im Film echt stattfindet. Man ist dabei und doch außen vor. Man kann von der alles gewährenden Frau träumen und sie sich gleichzeitig vom Leib halten. Die Frau tut alles, was man will, wird zum Objekt, über das man verfügt wie über den eigenen Körper. Gleichzeitig kann sie einen nicht verlassen oder abwerten, weil sie selbst abgewertet ist.

Vielleicht ist das nur meine ganz persönliche Meise. Aber der Austausch mit anderen lehrt mich: Für viele Männer liegt der verborgene Reiz der klassischen Pornografie in der Sehnsucht nach einer bestimmten Art von Mutter und in der Angst genau vor dieser: die verschmelzende, narzisstisch missbrauchende Mutter. Als Verstärker des Reizes dient Demütigung. Es gilt als selbstverständlich, dass Männer Frauen erniedrigen, um sich selbst mächtiger zu fühlen. "Männerfantasie" heißt das dann manchmal, und man fragt nicht weiter nach.

Als jugendlicher Pornogucker verstand ich die Erniedrigung der Frau bereits darin, dass man sie nackt vorführte, denn dadurch verlor sie ja gemäß des Schlampenstigmas an Wert. Ich wollte auch als 13-Jähriger nicht kaltschnäuzig und egoistisch sein und Menschen zur eigenen Befriedigung benutzen. Gleichzeitig – und die Filme brachten es ans Licht – wollte ich genau das. Ich onanierte während bestimmter Szenen und hatte anschließend Mitleid mit den Frauen, weil ich sie zu Sexobjekten degradiert hatte. Dass die Charaktere der Männer auch nicht gerade tief gezeichnet waren, beschäftigte mich weniger. Mit ihnen hatte ich kein Mitleid, obwohl sie im Film ebenfalls reine Funktionsfiguren sind.

Auch wenn es nur eine Inszenierung war: Warum spielten die Frauen bei so etwas mit? Ihre Erniedrigung, die weltweit angeschaut werden konnte, war doch real. Ich verstand erst später: Demütigen und Gedemütigtwerden sind zwei Seiten derselben Medaille, die aus Verletzungen des Selbstwertgefühls und einer rituellen Wiederinszenierung als Geschlechtsakt geschmiedet wird. Pornos sind ein – oft geschmacklos inszenierter – Tanz um unsere tiefsten Wunden. Sicherlich, es gibt Pornos, die ganz anders sind – heute redet alle Welt von Erika Lust und Fair-Trade-Bio-Pornos mit garantiert glücklichen Darstellern. Manche schwören ja auch auf alkoholfreies Bier und vegane Würste. Aber viele gucken weniger freundliche Pornos nicht, obwohl sie so ein ungutes Gefühl zurücklassen, sondern gerade deswegen.

Ich hatte Glück. Ich wurde nicht pornosüchtig. Aber meine Fantasien wurden eindeutig durch die Filme mitgeprägt, die ich als Jugendlicher gesehen hatte. Spätere Erlebnisse konnten diese Prägung nicht völlig überschreiben. Bis heute stelle ich mir Fragen: Kann man noch aufwachsen, ohne dass Pornografie das eigene Begehren prägt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Pornografiekonsum und sexueller Gewalt? Bevor jemand "Quatsch" oder "aber sicher" ruft: Die wissenschaftliche Debatte dazu ist komplex, differenziert und womöglich auch für eindeutige Pornogegner und Pornobefürworterinnen noch ergiebig. Eine andere Frage: Haben etliche männliche Kommentatoren auf die #MeToo-Debatte so defensiv reagiert, weil sie fürchteten, ihre Fantasien würden an den Pranger gestellt? Müssen sich heute alle Männer für ihre sexuellen Wünsche schämen? Sollten wir darüber reden? Mit wem? Wie? Sehen wir innere Konflikte mehr als Bedrohung denn als Katalysatoren, die unsere Kreativität befeuern? Sind wir frei, wenn wir andere und uns selbst erniedrigen müssen? Unter uns, Jungs, die sexuelle Revolution hat gerade erst begonnen.

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MaggieSimpson83 #6

Man mag es unglaublich finden, aber (das sage ich als Frau) auch Frauen schauen sich Pornos an! Als Mädchen und auch als Erwachsene. Und die Palette ist ziemlich breit: es gibt ganz schlechte und gute Pornos. Es stimmt auch nicht, dass in allen Pornos Frauen gedemütigt werden. Manchmal ist es auch umgekehrt. Es gibt genug SM-Pornos, in denen Männer geschlagen werden usw. Und es gibt auch Pornos ganz ohne Männer. Mir scheint es, als ob der Autor die katholische Morale nie überwunden hätte. ...


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MDenner #12

Mich wundert die Rückständigkeit der Kinderzeit des Autors etwas. Ich bin einige Jahre älter, aber so verklemmt und verdreht ging es da nicht mehr zu.

Und ich glaube, dass unsere (männliche?) Sexualität mindestens 2 Seiten hat: die eher liebevolle in der Liebesbeziehung, und die eher rauhe, schmutzige, die in Pornos und zur schnellen Befriedigung vorkommt. ...


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jjkoeln #12.1

Zusätzlich mag ich auch Saures.

Die Verklemmtheit, mit der den Phantasien - eigenen und anderen - begegnet wird, erschüttert. Es ist immer ein Aushandeln zwischen den Menschen (die Zahl ist nicht aufw begrenzt), was erregt und gut ist. Wie oben schon gesagt, alles was Safe, Sane and Consensual ist, ist gut. Dann dürfen auch Schläge und Erniedrigung dabei sein, eben weil hier Schlüssel und Schloss passen und es freiwillig ist.

Erotik und Sex sind eben mehr als nur Vanille, auch wenn Vanilleeis durchaus gut schmecken kann.



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Trampelschlange #17

Ein offenes Gespräch über die sexuellen Fantasien kann Wunder bewirken


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Der Quotenwagnerianer #17.1

Es gab in den 70ern da mal zwei Bücher über die sexuellen Phantasien der beiden Geschlechter wo in Interviews Material gesammelt worden war.
Da waren schon Sachen dabei wo ich ganz schön große Augen gemacht habe im Buch über die der Frauen.


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Albrich21 #19

Meine SM-Phantasien habe ich seit meinem 10 Lebensjahr.
Die Auspeitsch-Szene im "Tiger von Eschnapur" hat es mir sehr angetan.
Mit 10 zwar nicht im Rahmen von Masturbation oder Sex (das kam später) aber in einer Art vorüubertärer Erregung stellte ich mir die Szene immer wieder vor.

Mein Fetisch auf bestimmte Textilien rührte auch aus dieser Zeit (würde jetzt alles zu weit führen)
Pornos, die ich mir aufgrund von Gewaltszenen oder glänzender Blusen/Unterwäsche aussuche kamen da erst weit später.
Dies als Hinweis, dass nicht Pornos einen Menschen sado-masochistisch oder gar schwul machen.


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ganz ruuuhig #22

"Unter uns, Jungs, die sexuelle Revolution hat gerade erst begonnen. "

Virtuelle Realität auch, die wird die Sexualität revolutionieren.


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4711-42-4 #25

Ich habe das Gefühl der Autor wurde nicht von Pornofilmen geschädigt, sondern von seinen Eltern. ...


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credentials22 #28

Super Artikel! Erinnert mich an das Buch: Why men hate women, das von einem englischen Psychotherapeuten geschrieben wurde, der ueber diese Dinge auch klug nachdachte. Ein Zeichen der Intelligenz.


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Meilenwald #33

Dabei ist der Trend in der Porno-Industrie, vor allem im asiatischen Raum in letzter Zeit extrem in Richtung Cuckold (Netorare) gewechselt. Die Ironie dabei ist, dass die Frauen nach wie vor schlecht behandelt werden aber hinzu kommt der nette Protagonist (Proxy), der ebenfalls zerbricht. Die Meinungen von Psychologen und Soziologen zu diesem Trend wäre sicher interessant.



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werweissesbesser #33.2

Na ja, in der US Pornoindustrie wird das Thema Cuckold links feministisch vermittelt: die weisse Frau, bisher unterdrückt von ihrem weissen Mann, verbündet sich mit ihrem schwarzen Lover , der auch als "the bull" bezeichnet wird. Und erniedrigt ihren weissen Mann indem sie ihm direkt vorführt, was der Lover alles drauf hat. In krassen Szenen , für die BDSM Fans die unbedingt leiden wollen, wird der erniedrigte weisse Mann genötigt Sexualpartner des schwarzen Lovers zu werden, wird also genauso unterdrückt, wie er vorher seine Frau unterdrückt hat. Da ist eine politische Botschaft enthalten, wer hätte das gedacht ? Im allgemeinen gibt es auch BDSM Pornos in denen Männer von Frauen gequält werden. In all den Jahrzehnten, von den ersten Printwerken dieses Genres bis heute , wo man ungefiltert über google jede sexuelle Absurdidät aufrufen kann, Jugend und Datenschutz völlig unwirksam sind, zeigte mir Porno nur , das auf dem Gebiet der Sexualität sich Mann und Frau nichts schenken. Wie auf allen anderen Gebieten tuen sich Menschen an was nur denkbar ist. Aber so ist das, selbst diese #metoo-Sache, positiv im Ansatz, hat doch wieder mehr Hass erzeugt.


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Polykanos #34

Ich habe nie den Wunsch gehabt und es auch nie als erregend empfunden, Frauen zu demütigen. Ich habe Mädchen, die Sex hatten oder Frauen, die mit vielen Männern Sex hatten oder haben, nie als Schlampen empfunden oder bezeichnet - und schon gar nicht hatte ich jemals die Vorstellung eine vergewaltigte Frau sei entehrt, beschmutzt oder nichts mehr wert.

Als ich noch ein junger Mann war, glaubte ich an die Einheit von Liebe und Sex - und mußte mich dafür von so mancher Frau auslachen lassen, die mir vorhielt, ich könne Liebe und Sex nicht trennen - ich konnte schon, aber ich wollte nicht!

...


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Zauberpferd #34.9

"Ich finde es ermüdend, wie Männer immer wieder in die gleiche Klischee-Schublade gesteckt werden"

Das haben Sie doch mit dem Satz davor auch mit Frauen gemacht, nur dass Sie da von Ihrer Lebenserfahrung sprechen. Irgendwas in Ihnen zieht solche Frauen an, was aber nicht heißt, dass alle so sind. Ich kenne sehr viele, die Machos zum Kotzen finden und niemals einen anfassen würden, weil sie nämlich genau auf solche Männer wie Sie stehen und auch mit einem solchen zusammen sind.


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GanzImGlück #38

Mein Rat: Weniger theoretisieren, mehr poppen. Und dabei mit dem Partner kommunizieren, um herauszufinden, wie die ganze Sache noch besser wird.


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karambo lage #45

genialer artikel. frustrierende kommentare.
autor selbstreflektiert, undogmatisch, schmerzhaft ehrlich, an der sache interessiert.
kommentatoren wissen schon alles und schlucken alles seit der geburt und so wird es auch bis zum ende bleiben + alle anderen sollten es gefälligst genauso machen.



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kemal_acaröz #53

+++ Frauen galten als dazu befähigt, Sex und Liebe zu verbinden, während Männer als dauerbrünftige Sexmonster betrachtet wurden. Männer wollten Sex und mussten deshalb lernen zu lieben. +++

Keine Ahnung wie der Autor sozialisiert wurde. Aber das liest doch mehr wie sein eigener Horizont. Und er sollte es tunlichst nicht verallgemeinern.
Spätestens wenn man als männlicher Jugendlicher das erste Mal richtig "verknallt" ist mit allem drum und dran, Rosarot obendrauf, dann merkt man aus meiner Erfahrung sehr wohl, dass man auch als Mann Liebe ziemlich "gut kann" (und ich meine Liebe, nicht Sex) - inklusive Herzklopfen und die Angebetete auf einem Podest im Herzen tragen.
Offensichtlich hat der Autor solche Erfahrung nicht gemacht. Anders kann ich mir die recht klischeehaften Ausführungen (Männer = nur Sexmonster) nicht erklären.


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gültiger Benutzername #56

War'n das noch Zeiten , als die drei Seiten Damenunterwäsche im Quelle-Katalog ausreichten um in Wallung zu kommen !


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7Daisy #62

Vielen Dank, Herr Neft, für Ihren mutigen Artikel und Ihr Angebot zum Reden an die Männer.
Uh, wie roh gleich alle reagieren.
Ja, es ist was im Argen, vielleicht sind ja deshalb alles so mies drauf?
Pornografie macht die Sinnlichkeit und die Sexualität kaputt.
Gut erklärt von Naomi Wolf in "Vagina".
Ein Satz in dem Buch hat mir besonders gefallen:
Sexualität und Sinnlichkeit lernt ein Kind zum Beispiel, wenn es morgens mit nackten Füssen durch taunasses Gras läuft.


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KeinBlattvorsHirn #73

Die Probleme des Autors haben wenig mit Pornos und viel mit seiner katholischen Erziehung zu tun. ...


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Mittagsfrau #94

Ich denke, der Autor spricht, auch jenseits vom Pornokonsum, ein grundsätzliches Problem an: Dass Frauen und ihre Sexualität oft noch als "Beute gesehen" werden und Frauen, die "leicht zu haben" wären (also einfach selbst Sex wollen) als "Schlampen". Ich erinnere mich auch noch an ein paar Jungen in der Klasse, die immer in die Umkleide der Mädchen zu kommen versuchten und dann damit rumprahlten, sie hätten von der oder der "die Titten gesehen" und dann dafür bewundert wurden, während es für die Mädchchen erstens peinlich und zweitens auch "entwertend" war, dass sie nackt gesehen wurden.


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Sandjup #94.1

Das Wort/Werturteil "Schlampe" äußern vor allem Frauen über ihre Konkurrenz.


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Aus: "Grausame Geilheit" Anselm Neft (25. März 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2018-03/pornografie-aufklaerung-sexualitaet-frauen-erniedrigung/komplettansicht

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Literatur (Zum ORT im wORT) / Autoren & Bücher (so durcheinander)...
« on: August 09, 2018, 02:37:28 PM »
" ... Es ist ein neuer Paragone, ein Widerstreit zwischen Bild oder – wie zu zeigen sein  wird  –  Foto und Wort, der Rolf Dieter Brinkmanns Poetologie der 1960er Jahre bestimmt. Auf der einen Seite stehen das Wort und die negativ konnotierten Attribute, mit denen es von Brinkmann assoziiert wird: Abstraktion, Reflexion, Begrifflichkeit, Vergangenheit. Dem  gegenüber sind dem Bild die positiv besetzten Begriffe der Sinnlichkeit, des konkreten Alltagsmaterials und der Gegenwart zu eigen. Vor dem Hintergrund dieser Polarisierung setzt sich Brinkmann von Anfang an als vehementer Verfechter einer neuen Bildlichkeit in Szene ... Bei der »hübschen Sache«, die zum Gegenstand der Darstellung wird, handelt es sich des weiteren nicht um eines der traditionellen Themen »hoher Literatur«, die durch intellektuelle Anstrengungen seitens des Autors in einen Begriff gefaßt werden, sondern um Material des Alltags, ja um den buchstäblichen Abfall, der dem Dichter zufällig in die Hände fällt: »Es gibt kein anderes Material als das, was allen zugänglich ist und womit jeder alltäglich umgeht, was man aufnimmt, wenn man aus dem Fenster guckt, auf der Straße steht, an einem Schaufenster vorbeigeht, Knöpfe, Knöpfe, was man gebraucht, woran man denkt und sich erinnert, alles ganz gewöhnlich, Filmbilder, Reklamebilder, Sätze aus irgendeiner Lektüre oder aus zurückliegenden Gesprächen, Meinungen, Gefasel, Gefasel, Ketchup, eine Schlagermelodie, die bestimmte Eindrücke neu in einem entstehen läßt.«
Indem der Alltag ins Zentrum des Interesses des Dichters rückt, kommt es zum doppelten Bruch mit der Vergangenheit: Einerseits ist Brinkmanns Interesse thematisch nicht mehr auf die Vergangenheit gerichtet, sondern auf die eigene unmittelbare Gegenwart und ihr »jetzt und jetzt und jetzt«. »Das Kurz-Zeit-Gedächtnis wird bevorzugt.«
... Der Fotografie ist für Brinkmann innerhalb dieses Paragones eine Potenzierung des Bild-Begriffs zu eigen. Ihre Bedeutung zeigt sich zunächst in einer Anspielung in »Der Film in Worten« auf den 1927 entstandenen »Photographie«-Aufsatz  Siegfried  Kracauers, der auch in der langen Liste der Widmungsträger der »ACID«-Anthologie auftaucht. Was später in Kracauers »Theorie des Films« – die Brinkmanns Auffassung vom fotografischen Medium sehr nahe kommt und die er 1966 las – als Vorzug der Fotografie hervorgehoben wird, wird hier noch gegen sie gewendet. In der Fotografie werden demnach stets nur materielle Äußerlichkeiten und diese nach dem Prinzip einer Oberfläche unterschiedslos abgebildet. Lediglich die »gegenwärtige menschliche Hülle« zeigt sich auf den Fotos, die Abgebildeten verwandeln sich in »Kostümpuppen«. Im Unterschied dazu operieren die Bilder des Gedächtnisses. Die  Speicherung erfolgt hier selektiv und damit fragmentarisch: Bewahrt wird nur, was Wahrheitsgehalt besitzt und bedeutungsvoll ist. Derartigen Gedächtnisbildern, die Kracauer auch  die »eigentliche Geschichte« des jeweils Dargestellten nennt, wird die Dimension der Tiefe zugeordnet – eine Dimension, die der Fotografie als Abbildung des rein Äußerlichen fehlt: »Unter der Photographie eines Menschen ist seine Geschichte wie unter einer Schneedecke vergraben.« ...
... Weil also das Objekt vor der Kamera bei Brinkmann ebenso in den Blickpunkt rückt wie das Subjekt dahinter, führen die Erkundungen des alltäglichen Materials gleichzeitig auch nach innen und werden als »Abenteuer des Geistes« zur »Eroberung des inneren Raums«. 1968, als Stanley Kubrick, einer der vielen Widmungsträger  der »ACID«-Anthologie, im Kino Astronauten bis zum Jupiter »and  beyond« schickte, die Menschen es in Wirklichkeit aber nur zum Mond schafften, durchdringen sich für Brinkmann Außen- mit Innenräumen. Denn es gilt, die Science-Fiction-Projektionen »auf uns hier, jetzt konkret« anzuwenden und zu einem »Vorstoß in die innere Dimension von uns selbst« zu machen, »die ebenso ein riesiger Raum ist wie der Weltraum, in den Raketen, Astronauten, Telestars, Mars-Sonden, Mondlandefahrzeuge hinauskatapultiert werden...«.
Logischerweise ist es dann auch die Figur des »Piloten« – so der Titel von Brinkmanns 1968 erschienenem  Gedichtband –, die zum Sinnbild für denjenigen wird, der sich auf diese  Mission ins Innere macht, zum  »Breakthrough in the Grey Room«, wie Brinkmann den US-Schriftsteller William S. Burroughs im »Film in Worten« zitiert.
Das Ende des letzten Gedichtes des »Piloten«-Bandes mit dem programmatischen Titel »Alle Gedichte sind Pilotengedichte« führt zudem ein zweites Symbol für den von Brinkmann angestrebten Zustand der gesteigerten Wahrnehmung ein ... das Motiv der Tür, die sich öffnet, gleichermaßen für einen Moment der intensiven Erfahrung als auch für eben jene Durchdringung der Räume. Ist doch die eingeforderte »neue  Sensibilität« des Subjekts für Brinkmann eine »nach innen und nach außen schwingende Tür«. Ja, der Moment des »snap-shots« selbst wird verglichen mit dem Moment, »wenn zwischen Tür und Angel, wie man so sagt, das, was man in dem Augenblick zufällig vor sich hat, zu einem sehr präzisen, festen, zugleich aber auch sehr durchsichtigen Bild wird, hinter dem nichts steht als scheinbar isolierte Schnittpunkte.« Für Brinkmann, der nicht zufällig immer wieder den Vers »Break on through to the other side« der »DOORS« zitiert, kennzeichnet somit neben den beiden anderen in den Aufsätzen propagierten bewußtseinserweiternden Mitteln, Pop- bzw. Rock-Musik und »Gras« – so der Titel von Brinkmanns letztem zu Lebzeiten 1970 publizierten Gedichtband – bzw. Drogen, die Fotografie eben diesen Augenblick des »Durchbruchs« als Ausbruch aus literarischen Traditionen. ..." | Aus: "Rolf Dieter Brinkmann - Die Foto-Texte der 1960er Jahre", Thomas von Steinaecker: Literarische Foto-Texte. Zur Funktion der Fotografien in den Texten Rolf Dieter Brinkmanns, Alexander Kluges und W.G. Sebalds. Bielefeld: transcript Verlag, 2007, http://kult-online.uni-giessen.de/archiv/2008/ausgabe-16/rezensionen/dialoge-zwischen-text-und-fotografie
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"NACKTHEIT- Ästhetische Inszenierungen im Kulturvergleich" Herausgegeben von Kerstin Gernig (2002)
" ...  Brinkmanns  Ästhetik der Entblößung situierte sich zweifellos schon von Anfang an in der Nähe des Pornographischen, aber diese Nähe wurde konkreter und expliziter, sobald sie sich auf das Bildmaterial zu beziehen begann, das im Zuge der medialen Freisetzung  der Nacktheit zunehmend aus dem Bereich klandestiner privater Lüste in die Öffentlichkeit zu wandern begann. An den Veränderungen von Brinkmanns Versuchen, zu einem bildhaften, an den Ausdrucksmöglichkeiten der Medien Film und Photographie orientierten Schreiben zu gelangen, läßt sich auch der Beschleunigungsprozeß ablesen, der die mediale Entsublimierung der öffentlichen Sphäre Ende der 60er Jahre kennzeichnete. ... Die 1968 veröffentlichte Gedichtsammlung "Godzilla" kann das Spannungsfeld besonders anschaulich machen, in das seine Poetik des "einfachen", sinnlich-sinnlosen Bildes geriet, sobald sie sich mit der Vermarktung der Sinnlichkeit  im  öffentlichen Raum  auseinanderzusetzen hatte. Ausgangspunkt sind in diesem Band bunte Illustriertenphotos von leicht bekleideten, nur in Ausschnitten dargebotenen, meist verführerisch lächelnden Frauen, die buchstäblich von der "dearty speach" pornographischer Phantasien überschrieben werden. Eine Überschreibung, die als doppelter BeschmutzungsVorgang angelegt ist: Als materielle Beschmutzung, weil  die bildlichen Unterlagen teilweise von schwarzen Lettern überdeckt werden und dadurch ihre Farbigkeit einbüßen; vor allem aber als symbolische Beschmutzung, weil die über die Schrift transportierten sexuellen Imaginationen durch ihre extreme Gewaltsamkeit schockierend wirken und in diesem Schock die verführerische Attraktion brechen, die von den erotischen Posen der reizenden Illustriertenschönheiten ursprünglich einmal ausgehen sollte.
Ein voyeuristischer Genuß der schönen Frauenkörper will sich nicht mehr einstellen, nachdem der pornographische Text entziffert wurde, der mit drastischer Eindeutigkeit auf der triebhaften Gewaltsamkeit sexuellen Begehrens insistiert und damit den Körper des Blickes ins Spiel bringt, der zum Funktionieren des voyeuristischen Dispositivs unsichtbar zu bleiben
hat. Die Worte des aus japanischen Science-Fiction-Filmen bekannten Monsters Godzilla konfrontieren das warenästhetische Versprechen nach sinnlicher Befriedigung, das von den überschriebenen Bildern ausgeht, brutaistmöglich mit der Todesverfallenheit des Körpers. Sie weisen auf das destruktive Triebpotential hin, das sich im hedonistischen Konsumrausch  fröhlichbesinnungslos auslebt. ..." 
https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/81908/Ehrlicher_Brinkmann.pdf

"NACKTHEIT- Ästhetische Inszenierungen im Kulturvergleich" Herausgegeben von Kerstin Gernig (2002),
Quelle: https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/81908/Ehrlicher_Brinkmann.pdf
https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/81908/Ehrlicher_Brinkmann.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Dieter_Brinkmann#Literatur


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[...] Washington - Unter den Anwälten Donald Trumps ist die größte Sorge in der Russland-Affäre seit Langem die: dass sich der Präsident vor lauter Wut auf Sonderermittler Robert Mueller öffentlich einmal um Kopf und Kragen redet. Genau das könnte Trump jetzt unterlaufen sein. Via Twitter lieferte er – offenbar unfreiwillig – das Eingeständnis, die Öffentlichkeit über Monate bewusst in die Irre geführt zu haben.

Dabei geht es um ein ominöses Treffen am 9. Juli 2016 in Trumps Hochhaus in New York. Dort hatten sich Trumps Sohn Donald Jr., Schwiegersohn Jared Kushner und der just wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung vor Gericht stehende Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja getroffen. Inzwischen verbriefter Anlass: Die Kreml-Vertraute bot inkriminierendes Material über Hillary Clinton an.

Als die Sache vor einem Jahr durch Recherchen der New York Times aufflog, schaltete Trump Junior auf Schadensbegrenzung. Das Treffen sei „20 Minuten Zeitverschwendung“ gewesen, erklärte er. Widerrechtliches sei selbstredend nicht geschehen. Man habe nur über ein Programm zur Adoption russischer Kinder gesprochen. Letzteres stammt aus einer offiziellen Stellungnahme Trump Juniors, von der man heute weiß, dass sie von Trump Senior persönlich diktiert worden war. Sein Anwalt Jay Sekulow sagte damals, der Präsident habe nichts mit dem Abfassen der Stellungnahme zu tun. Am Sonntag musste der Jurist zerknirscht Abbitte leisten.

Kurz zuvor hatte der Präsident in einer Reihe von unbeherrschten Twitter-Tiraden über die Begegnung seines Ältesten mit der Russin überraschend erklärt: „Das war ein Treffen, um Information über einen Gegner zu bekommen, was total legal ist und in der Politik die ganze Zeit gemacht wird – und es hat zu nichts geführt. Ich wusste davon nichts!“ Mit dem Eingeständnis, die Öffentlichkeit mit der Adoptions-Geschichte über Monate belogen zu haben, könnte sich Trump bei Sonderermittler Robert Mueller „selbst ans Messer geliefert haben“, spekulieren US-Kommentatoren. Weil es in den USA – anders als Trump behauptet – illegal ist, wenn eine Wahlkampagne Hilfe von einem Ausländer oder einer ausländischen Regierung akzeptiert, sehen Juristen den Tatbestand der Verschwörung erfüllt.

Gemeint ist das verbotene Zusammenwirken mehrerer Beteiligter mit der Intention, einen Dritten zu schädigen. Indem Trump Jr., Kushner und Manafort allein Interesse gezeigt hätten, auf Moskaus Hilfe zurückzugreifen, hätten sie sich vermutlich strafbar gemacht, sagen Experten. Erschwerend komme hinzu, dass Trump erneut erklärte, nichts davon gewusst zu haben. Sein Ex-Hausjurist Michael Cohen behauptet: Der Präsident sei Tage vor dem Meeting mit Weselnizkaja im Sommer 2016 gebrieft worden. Was ihn zum aktiven Teilnehmer der versuchten Schmutz-Kampagne gegen Clinton machen würde.


Aus: "US-Präsident belastet sich selbst: Hat Trump sich nun um Kopf und Kragen getwittert?" Dirk Hautkapp (07.08.2018)
Quelle: https://www.rundschau-online.de/politik/us-praesident-belastet-sich-selbst-hat-trump-sich-nun-um-kopf-und-kragen-getwittert--31073380

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[...] Die Internetkonzerne Apple, Facebook, Spotify und YouTube haben die Konten des amerikanischen Verschwörungstheoretiker Alex Jones gesperrt. Der rechtsgerichtete Radiomoderator und Internetseiten-Betreiber habe gegen die Richtlinien des Online-Netzwerks zu Hassrede verstoßen, erklärte Facebook am Montag. Jones habe auf seinen Seiten „Gewalt verherrlicht“ und in einer „menschenverachtenden Sprache“ über Transgender, Muslime und Einwanderer gesprochen.

Der 44 Jahre alte  Texaner betreibt die Internetseite „Infowars“, auf der er zahlreiche Verschwörungstheorien verbreitet: Er behauptet unter anderem, dass die amerikanische Regierung in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt war, und dass das Schulattentat an der Sandy-Hook-Schule 2012 vorgetäuscht war, um eine Verschärfung des Waffenrechts durchzusetzen. Im Wahlkampf 2016 unterstützte Jones den heutigen Präsidenten Donald Trump, der auch in seiner Show auftrat und Jones´ Reputation als „großartig“ beschrieb.

Jones steht momentan vor Gericht. Eltern von Opfern des Sandy-Hook-Massakers haben ihn wegen Diffamierung verklagt. Seine fortwährende Behauptung, sei seien gar keine richtigen Eltern sondern nur Schauspieler, hätten dazu geführt, dass sie von Jones´ Anhängern belästigt und bedroht würden. Eine Familie erzählte vor Gericht, sie habe mehrere Male umziehen müssen, weil ihre Adresse immer wieder auf rechten Internetseiten zirkuliert sei. Jones` Anwalt verteidigt seinen Mandanten unter Hinweis auf die Meinungsfreiheit.

Vor einigen Tagen hatte Facebook bereits mehrere Videos von Jones gelöscht. Der Moderator veröffentlichte aber neue Beiträge, weshalb Facebook nun seine vier wichtigsten Seiten sperrte, davon eine mit 1,7 Millionen Followern. Auch der Streamingdienst Spotify, der zuletzt mehrere Podcasts von Jones entfernte, hat seine Angebote nun vollständig gesperrt.

Auch Apple entfernte die meisten seiner Podcasts. Apple dulde keine Hassrede, sagte ein Unternehmenssprecher dem Internetportal „BuzzFeed“. YouTube hatte Jones schon Ende Juli für 90 Tage gesperrt und mehrere Videos gelöscht. Jones hatte daraufhin Live-Videos über andere YouTube-Kanäle verbreitet. Die Videoplattform sperrte nun alle mit Jones verbundenen Kanäle. Sein wichtigster YouTube-Kanal hatte 2,4 Millionen Abonnenten.

Jones verurteilte das Vorgehen der Internetkonzerne als „aufeinander abgestimmte Aktion in Kommunisten-Manier“. Unterstützung bekam er von anderen ultrakonservativen und rechtsgerichteten Internetportalen wie „Breitbart“.


Aus: "Facebook, Apple und Youtube sperren Konten von Alex Jones"  (07.08.2018)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/facebook-apple-und-youtube-sperren-konten-von-alex-jones-15726342.html

"Alex Jones Grelle Parallelwelt der Verschwörungstheorien" Martín Steinhagen (08.08.2018)
Facebook & Co. gehen gegen den rechten US-Moderator Alex Jones vor – doch längst breiten sich online neue Verschwörungstheorien unter Trump-Fans aus. ... Der Trump-Unterstützer sieht sich als libertär, als einer, der gegen einen überbordenden Einfluss des Staates kämpft, für das Recht auf freie Rede und darauf, Waffen zu tragen. In diesem Kontext hat er auch immer wieder behauptet, das Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule 2012 mit 26 Toten sei eine staatliche Inszenierung, um striktere Waffengesetze zu legitimieren. .Eltern eines damals getöteten Sechsjährigen sind nun in Jones’ Heimatstadt Austin vor Gericht gezogen – und sie sind nicht die einzigen, die sich jetzt juristisch wehren. Mehrmals mussten die Eltern nach dem Mord an ihrem Jungen umziehen, weil sie von Jones-Anhängern mit dem Tod bedroht wurden, berichtete ihr Anwalt Mark Bankston vergangene Woche vor Gericht.
Jones’ Anwalt Mark Enoch forderte die Einstellung des Verfahrens: Die Sendungen zeichneten sich vielleicht durch abseitige oder gar gefährliche Äußerungen aus, vor allem aber durch „rhetorische Übertreibung“ und seien als Meinungsäußerung von der Redefreiheit geschützt. Der zuständige Richter hat nun 30 Tage Zeit zu entscheiden, ob er eine Hauptverhandlung zulässt, die in den USA mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden würde. ...
http://www.fr.de/politik/alex-jones-grelle-parallelwelt-der-verschwoerungstheorien-a-1559445

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Olav Parnem

Ja, in den USA gab es schon immer erschreckend viele Leute, die an sonstwas glauben: schwarze UNO-Helikopter, Außerirdische und was sonst nicht alles.
ABER: man sollte nicht so hochnäsig daherkommen und so tun, als gäbe es das hier, in der typisch deutschen Variante, nicht auch:
- beim Thema NSU und die "bundesweite Verschwörung von Sicherheitsorganen auf allen Ebenen".
- der "tiefe Staat"
- dass Deutschland bis heute kein souveräner Staat ist - obwohl das nur daran liegt, dass sich unsere Politiker alles gefallen lassen.
- Außerirdische
- Gärtnern nach dem Mond.


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pantaletto64 --> Olav Parnem

Also wer sich fragt, warum deutsche VS-Behörden nach dem NSU körbeweise Akten vernichtet haben, ist in der gleichen Liga wie Irre die glauben sie würden auf einer flachen Erde leben und von Strahlen manipuliert, die aus einer New Yorker Pizzabude mit Pädophilen-Netzwerk gesteuert wird?
Das hätten Rechtsradikale mit VS-Auftrag gerne, dass Menschen auf so einen Billigen Kram herein fallen. ...


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anteater --> Olav Parnem

Vollkommen vergessen haben Sie freilich die Verschwörungstheorien zum Austausch des deutschen Volkes, die von der linken Regierung, jene welche, die besagt dass Leute, die sich verallgemeinernd rassistisch gegen Menschen mit ausländischen Wurzeln äußern keine Nazis und/oder Rassisten sind und viele mehr.


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Hans-Joachim --> Elflein Olav Parnem

Genau, alles was sich um den NSU rankt, ist/war nichts weiter als eine gigantische Verschwörungstheorie, angelegt durch die links-grün-versiffte-und-GEZ-finanzierte ANTIFA!
Genau wie die Klimawandel-Lüge! ...


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Julian Assange / Wikileaks ...
« on: August 08, 2018, 08:01:32 PM »
"Wikileaks-Gründer : Assange zu Aussage in Russland-Affäre bereit"  (08.08.2018)
Der Geheimdienstausschuss im amerikanischen Senat will Julian Assange zu seiner Rolle bei der Präsidentschaftswahl 2016 befragen. Der Wikileaks-Gründer könnte über brisante Informationen verfügen. ... Wikileaks zufolge erhielt der 47-Jährige dazu eine schriftliche Aufforderung des Geheimdienstausschusses im Senat. Den Brief stellte Wikileaks ins Netz. Weder die amerikanische Botschaft in London noch die Sprecherin des stellvertretenden Ausschussvorsitzenden Mark Warner wollten sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst zu dem Schreiben äußern.
Assange wird darin aufgefordert, sich einer Befragung zu stellen. Ort und Zeitpunkt des Treffens sollen demnach „beiderseitig akzeptabel“ sein. Wikileaks teilte mit, das Angebot werde geprüft, die Bedingungen müssten aber einem „hohen ethischen Standard“ entsprechen. Der Geheimdienstausschuss im Senat untersucht die mutmaßliche russische Einflussnahme auf die Präsidentschaftswahl 2016 und prüft dabei auch eine Verstrickung des Lagers von Präsident Donald Trump. ...
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/wikileaks-gruender-julian-assange-zu-aussage-vor-senatsausschuss-bereit-15728987.html



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Kunst (Art on the net) / kulturwissenschaft und medienrecycling...
« on: August 08, 2018, 07:35:25 PM »
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[...] Hans-Joachim Kulenkampff war ein Entertainer des westdeutschen Fernsehens, mit Ausstrahlung bis in die DDR. Seine Quiz-Show „Einer wird gewinnen“, sonnabends in der ARD von 1964 mit Unterbrechungen bis 1987, zog ein riesiges Publikum an.

Wenn nun in der ARD zu einer für Dokumentationen luxuriös frühen Zeit ein 90-Minuten-Film unter dem Titel „Kulenkampffs Schuhe“ angekündigt ist, sollte man erwarten, es ginge um diesen Showmaster. Doch die Regisseurin Regina Schilling erzählt vielmehr eine Geschichte der Männer der jungen Bundesrepublik.

Ausgehend von Kulenkampffs Aussage, er habe sich im Krieg vier erfrorene Zehen selbst amputiert, schaut Schilling ihm und seinen Zeitgenossen auf die Füße. Welchen Weg ist der 1921 in Bremen geborene Fernsehunterhalter gegangen? Und wie wurde der Vater der Regisseurin, mit dem sie im Wohnzimmer die Sendungen schaute, zu dem, der er war? Kulenkampff zog mit der Wehrmacht in die Sowjetunion, Schillings Vater, 1925 geboren, meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Was hat er gesehen, getan? Er habe nie über diese Zeit gesprochen, sagte die Mutter der Filmemacherin.

Stück für Stück arbeitet sie sich durch den Geist der Zeit. Fotos zeigen ihre Eltern in der eigenen Drogerie, die im Wirtschaftswunder wuchs und mit der freien Marktwirtschaft ins Straucheln kam. Zwischen Super-8-Filmschnipseln der Familie stehen Ausschnitte aus „Einer wird gewinnen“ und Szenen aus einem Fernsehfilm mit dem „Derrick“-Star Horst Tappert. Der spielte 1970 einen Drogisten, und so wie sich die Bilder ähneln, wird nochmals deutlich, wie allgemeingültig Schillings Spurensuche ist. Tappert, stellte sich später heraus, war bei der Waffen-SS. Der Fernsehproduzent Martin Jente, der den Butler in Kulenkampffs Show mimte, war SS-Hauptscharführer.

Ein anderer Fernsehheld jener Zeit, Hans Rosenthal, dessen Quiz-Show „Dalli Dalli“ 1971 zum ersten Mal auf Sendung ging, kam aus einer jüdischen Familie. Im selben Jahr geboren wie Regina Schillings Vater, erlebte er ab 1934 Ausgrenzung und Verbote. Die Demütigungen beschleunigten den frühen Tod der Eltern, sein Bruder wurde nach Riga deportiert und ermordet, er überlebte die letzten zwei Jahre von Hitlers Herrschaft im Versteck. Den Termin seiner 75. Sendung zu verlegen, gestattete man ihm nicht. Es war der 9. November 1978, 45 Jahre nach der Pogromnacht. Rosenthal trug Schwarz.

Durch die Folie der Unterhaltung zeichnet der Film ein eindrückliches Bild der frühen Jahre der Bundesrepublik. Als eine Protestwelle Ende der 60er-Jahre das Land durchzog, witzelte Hans-Joachim Kulenkampff in einer Talkshow über die Hippies. Seine Frau indes sagte, sie empfinde Sympathie für jene, die aufbegehrten.

Kulenkampffs Schuhe, 8.08.2018, 22.30 Uhr, ARD


Aus: "ARD-Dokumentarfilm „Kulenkampffs Schuhe“ Eindrückliches Bild einer jungen Republik" Cornelia Geißler (08.08.2018)
Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/kultur/medien/ard-dokumentarfilm--kulenkampffs-schuhe--eindrueckliches-bild-einer-jungen-republik-31077160

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[...] In dem Bestseller "Generation Golf" hat Florian Illies der Samstagabend-Seligkeit seiner Kindheit in den Achtzigerjahren ein Denkmal gesetzt: erst Badewanne und Playmobil-Schiff, dann "Wetten, dass..?". Regina Schillings Doku "Kulenkampffs Schuhe" schürft tiefer: Die Autorin, 1962 geboren, erinnert sich an ihre eigene Fernsehkindheit, die von den Vorgängern Frank Elstners geprägt war: Hans Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal und Peter Alexander.

Das Baderitual gehörte bei ihr auch schon dazu, doch sie empfand die Familienidylle vor dem Empfangsgerät nicht als ungetrübt: "Ein Schweigen, etwas Verschlossenes" habe ihren Vater umgeben, erzählt sie im Off-Kommentar.

Dies führt zum entscheidenden Twist ihres Films: Als Schilling vor ein paar Jahren erfährt, dass ihr einstiges Idol Kulenkampff (Jahrgang 1921) sich als Soldat im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront eigenhändig vier abgefrorene Zehen mit dem Taschenmesser amputiert hat, beginnt sie, die Biografien der Showmaster zu untersuchen - und zu der ihres früh verstorbenen Vaters (Jahrgang 1925) in Beziehung zu setzen. Denn auch der war in der Nazizeit Soldat gewesen, wenngleich darüber nie gesprochen wurde.

Wer hat damals eigentlich für wen Fernsehunterhaltung gemacht? Mit dieser Fragestellung hat Schilling Senderarchive und privates Super-8-Material durchforstet - und wurde überreich fündig. Dabei sind gar nicht alle von ihr zusammengetragenen Aspekte Neuigkeiten - aber dank ihrer virtuosen Montage und des feinsinnigen Kommentars erscheinen sie in neuem Licht, gewinnen neue Bedeutung.

Da ist der Holocaust-Überlebende Hans Rosenthal, der in der Quizshow "Dalli Dalli" Kandidaten zerbrochenes Porzellan in eine Maschine kippen lässt, aus der es heil wieder herauskommt. Und der dann für sein Publikum zum "Sie sind der Meinung, das war spitze!"-Sprung ansetzt. Da ist der ehemalige Flakhelfer Peter Alexander, der mit Caterina Valente (als Kind deportiert) den Wirtschaftswunderhit "Es geht besser, besser, besser" performt. Und da sind erstaunlich viele kleine Anspielungen auf Krieg, Russland und das Soldatsein in Kulenkampffs "Einer wird gewinnen"-Moderationen.

Was mag ihr Vater gedacht haben, wenn er Kulenkampff sah, fragt Regina Schilling: "Wie viele sind neben dir verreckt? Wie viele Menschen hast du auf dem Gewissen?" Wenn in einem anderen Ausschnitt der Showmaster sein Publikum mit den Worten begrüßt, man wolle jetzt "friedlich, gemütlich und richtig schön langweilig" die nächsten zwei Stunden miteinander verbringen, wirkt das auf einmal nicht mehr nur spießig, sondern wie ein Anzeichen für ein kollektives Ruhe- und Sedierungsbedürfnis.

Kriegstraumatisierte Showmaster halfen einem kriegstraumatisierten Publikum mit infantilen Spielchen beim Verdrängen. Zitat aus dem dritten Band der Romantrilogie "08/15", die später mit dem Ex-Fallschirmjäger Joachim Fuchsberger verfilmt wurde: "Im Grunde braucht Deutschland keine Befreier, sondern Ärzte. Denn die Menschen hier sind krank."

Wie nah und unverarbeitet Kriegserfahrung und Nazizeit in Wahrheit noch waren, schält Schilling auf vielen Ebenen heraus. Sie dokumentiert, wie sich ihr Vater mit 17 freiwillig zu den Fliegern meldete und in ein Ausbildungsregiment nach Belgien kam, später dann in ein Gefangenenlager am Rhein. Dass er nach dem Krieg eine Ausbildung zum Drogisten machte, wertet die Tochter auch als zeittypisch: "aufräumen, reparieren, Schädlinge bekämpfen, Wunden heilen" - darum sei es gegangen.

Meisterhaft, wie Schilling einerseits sehr persönlich erzählt - und gleichzeitig die Allgemeingültigkeit ihrer Beobachtungen belegt: Die Drogerie-These etwa stützt sie mit Ausschnitten aus dem Fernsehspiel "Industrielandschaft mit Einzelhändlern" (1970), in dem der spätere "Derrick"-Darsteller Horst Tappert, einst Mitglied der Waffen-SS, einen Drogisten im weißen Kittel spielt. Auch in den Produkten und Werbespots der Zeit macht sie deren Spuren fest: "Unsere weiße Weste verdanken wir Persil", warb der Waschmittelhersteller in einem Spot mit Pinguinen.

Die kindliche Begeisterung der Autorin fürs Unterhaltungsfernsehen endete jäh am 9. November 1978. Es war der Tag, an dem erstmals offiziell der Reichspogromnacht von 1938 gedacht wurde. Hans Rosenthal hatte zwar nicht durchsetzen können, die anstehende 75. Jubiläumsausgabe von "Dalli Dalli" zu verlegen, moderierte aber in Schwarz und ließ nur Opernmusik spielen. Und im Anschluss wurde zum ersten Mal Alain Resnais' dokumentarischer KZ-Film "Nacht und Nebel" im TV gezeigt.

Über Kulenkampffs Schuhe wird im Film übrigens nicht viel mehr gesprochen. Das ist aber auch nicht nötig. Mag sich jeder seinen eigenen Reim auf die polierten Hochglanztreter machen, unter denen sich so viel Versehrtheit verbarg. Fest steht: Man blickt nun einfach anders auf sie.


Aus: "Deutsches Wirtschaftswunderfernsehen Freie Fahrt ins Verdrängen" Peter Luley (08.08.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-doku-kulenkampffs-schuhe-freie-fahrt-ins-verdraengen-a-1221861.html

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[...] Kulenkampffs Schuhe läuft heute, Mittwoch 8. August, um 22.30 Uhr im Ersten. ...  Kulenkampff kokettiert später mit der von Kritikern monierten Harmlosigkeit seiner Sendung: „Mit acht Nationen einen friedlichen Abend verbringen, richtig schön langweilig“, das sei doch was angesichts der jüngeren deutschen Geschichte. In den besten Jahren erzielt er Einschaltquoten von neunzig Prozent. Die „EWG“-Kulisse mit den gemalten beleuchteten Hochhäusern, die nach New York aussieht, die internationalen Gäste, die Kindergeburtstagsspiele, die charmanten Anzüglichkeiten des Moderators, die Showtreppe und Stars wie Caterina Valente – all das ist, wie Schilling in ihrer höchst subjektiven, aber exemplarischen Untersuchung zeigt, weniger harmlos, als sie damals wissen kann. Insbesondere die späteren, aus Amerika importierten Quizshows bedienen das „Re-Education“-Kalkül der westlichen Siegermächte. Das ist bekannt. Lutz Dammbecks Grimme-Preis-nominierter Film „Overgames“ beispielsweise zieht die Einflusslinien bis hin zu Methoden der Behandlung von Psychiatriepatienten durch forensische Spiele in Amerika.

Kulenkampff kokettiert später mit der von Kritikern monierten Harmlosigkeit seiner Sendung: „Mit acht Nationen einen friedlichen Abend verbringen, richtig schön langweilig“, das sei doch was angesichts der jüngeren deutschen Geschichte. In den besten Jahren erzielt er Einschaltquoten von neunzig Prozent. Die „EWG“-Kulisse mit den gemalten beleuchteten Hochhäusern, die nach New York aussieht, die internationalen Gäste, die Kindergeburtstagsspiele, die charmanten Anzüglichkeiten des Moderators, die Showtreppe und Stars wie Caterina Valente – all das ist, wie Schilling in ihrer höchst subjektiven, aber exemplarischen Untersuchung zeigt, weniger harmlos, als sie damals wissen kann. Insbesondere die späteren, aus Amerika importierten Quizshows bedienen das „Re-Education“-Kalkül der westlichen Siegermächte. Das ist bekannt. Lutz Dammbecks Grimme-Preis-nominierter Film „Overgames“ beispielsweise zieht die Einflusslinien bis hin zu Methoden der Behandlung von Psychiatriepatienten durch forensische Spiele in Amerika.

Schillings Film streift das Thema zwar – „für meinen Vater waren diese Showmaster wie Therapeuten“. Der faszinierendste Befund ihrer Arbeit mit dem Fernseharchivmaterial, der durch private Super-8-Filme, zahlreiche Fotos und Dokumente gestützt und ergänzt wird (Montage Jamin Benazzouz), ist aber ein anderer. Kulenkampff etwa macht häufig Witze über den Krieg, was dem Mädchen damals entgeht. Hans Rosenthal, jüdischer Herkunft, überlebte im Versteck einer Berliner Laube, sein Bruder wurde deportiert und erschossen. Später schreibt und spricht Rosenthal darüber im Interview mit Joachim Fuchsberger. Selbst beim ewig lustigen Peter Alexander gibt es wehmütige Chansons über Ruinen und zerbombte Städte: „Berlin hat mich mit einem Teppich empfangen – einem Bombenteppich.“

Unter der Oberfläche der Harmlosigkeit dieser Unterhaltungsshows gibt es überall Bodenloses. Einiges sieht man erst durch Schillings Film. Manches ist vorher bekanntgeworden. Martin Jente, der als Butler Kulenkampff am Ende der Show stets hinauskomplimentiert und der auch Produzent von „EWG“ ist, diente als SS-Hauptscharführer und Adjutant im Führerhauptquartier, wie sich bei Sichtung seines Nachlasses herausstellt.

Auch Horst Tappert, der 1970 in einem Fernsehspiel einen Drogisten vor der Geschäftsaufgabe spielt –, die Parallelen zum imaginierten Leben von Schillings Vater sind evident – war Soldat bei der SS. Unter Kulenkampffs glänzendem Showschuh verbarg sich ein Fuß, dem vier erfrorene Zehen fehlten, die er sich als junger Soldat an der Ostfront mit dem Taschenmesser abgeschnitten hatte. Robert Lembke hatte einen jüdischen Vater. Einmal kommt in „Dalli Dalli“ eine Maschine zum Einsatz, die Porzellanscherben zusammenklebt. Die Mitspieler schaufeln am einen Ende Zerbrochenes hinein und ziehen am anderen Kannen und Tassen auf Tabletts heraus. Eine solche Art Maschine ist in „Kulenkampffs Schuhe“ auch die Nachkriegs-Unterhaltungsshow. ...


Aus: "„Kulenkampffs Schuhe“ in der ARD : Mach sie alle wieder ganz" Heike Hupertz (08.08.2018)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-dokumentation-kulenkampffs-schuhe-in-der-ard-15725292.html


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[...] Politikwissenschaftler Thomas Kliche: Gerade Menschen, die Politik und Medien misstrauen, haben klammheimlich ein schlechtes Gewissen: Sie wissen, dass sie Mitschuld an der Sache tragen, und suchen einen Sündenbock. Die Menschen wissen ja, sie haben genau diese Politik seit Jahren immer wieder gewählt, bis es keine andere Art von Politik mehr gab. Sie wissen, dass sie selbst zu faul für zeitraubende Ämter und ätzende Parteiarbeit sind. Die Menschen wissen auch, dass sie Medien, besonders Fernsehen, zur Steuerung ihrer Gefühle einsetzen: Sie wählen Sendungen und Formate, die ihnen ziemlich berechenbar bestimmte Stimmungen und eine Bestätigung ihrer Sichtweisen verschaffen. Wer seine Ruhe haben will, schaut Köche, Volksmusik oder Schmalzfilme. Wer die Welt vor lauter künstlicher Aufregung vergessen will, schaut Horror und Weltuntergang. Wer seine eigenen abgedrehten Ansichten bestätigen möchte, taucht unter Gleichgesinnte ins Internet ab, etwa in das Netz der Populisten. Die anstrengenden Einzelheiten der Wirtschaftspolitik zum Beispiel interessieren kaum jemanden, aber alle haben hohe Erwartungen und eine Meinung dazu. Die Verachtung für Politik und Medien hat also bei vielen Menschen auch mit der eigenen Faulheit und Wirklichkeitsvermeidung zu tun.

Womit haben sich, wenn man das so sagen kann, Politiker und Journalisten ihr schlechtes Ansehen erarbeitet?

Durch Feigheit, Kurzsichtigkeit und Betriebsamkeit. Sie haben den Menschen die grundlegenden Steuerungsprobleme der Gesellschaftsordnung schöngeredet, sie haben sich von Krise zu Krise gehangelt und sie haben bis heute einfach weitergemacht, als hätte niemand die Erdstöße gespürt. Aber alle wissen inzwischen halb und halb bewusst: So geht es nicht weiter. Die Pole schmelzen, Plastik vergiftet die Ozeane, Hormone und Gülle verpesten das Trinkwasser, Industriestaaten sind überschuldet, Dieselbetrüger oder Banken oder Digitalkonzerne machen sich über den Rechtsstaat lustig, unsere Klamotten kommen aus Kinderarbeit, unsere Waffenexporte erzeugen Flüchtlinge. Diesen Tiefenbeben ist das Klein-Klein in Medien und Politik offenkundig nicht gewachsen. ... Die Menschen sind auf der Suche, voller verschobener Angst, viele suchen neue Wege. Wenn ein Macron oder ein Trump kommt oder eine Fünf-Sterne-Bewegung, gibt es rasch mal einen Erdrutsch. Es fehlt ein solidarisches, nachhaltiges Politikprojekt, das Mehrheiten ansprechen kann. Medien bieten in dieser Lage Argumente und Orientierung an. Sie steuern, zusammen mit Wissenschaft und Recht, unseren Interdiskurs, also den geistigen Raum wahrheitsfähiger Aussagen in unserer Gesellschaft. Je verrückter die kleinen Deutungsinseln im Internet werden, je weniger politische und wirtschaftliche Bildung viele Menschen haben, desto unersetzlicher wird der Interdiskurs als große Linie der Orientierung für alle. Medien mögen also Vertrauen bei manchen verlieren, aber sie gewinnen an Gewicht als selbstverständliche Grundlage unserer gesellschaftlichen Verständigung. Das sollten sie weitermachen, aber ruhigere, informativere und weisere Formate dafür suchen. Damit experimentieren sie, aber da stehen wir alle am Anfang.

... Die Diskussion über die großen Talkshows ist seit zehn Jahren überfällig. Da lassen sich eitle Streithähne von eitlen Moderatoren aufeinanderhetzen. Die machen regelrecht Themen, zum Beispiel seit Jahren durch etwa eine Talkshow zu Migration pro Woche. Die vermeintlich neuen Formen von Orientierung im Internet sind auf der anderen Seite gar nicht neu. Das sind ja vor allem zwei: Der Blogger tritt an die Stelle des Meinungsführers im Dorf, als dort halt nur einer überhaupt eine Zeitung hatte. Und die Echokammer, wo alle der gleichen Meinung sind, tritt an die Stelle der Sekten und der vielen abgelegenen Täler der Ahnungslosen. Beides gab es ja bis zum Ersten Weltkrieg gar nicht knapp. Beides wurde überwunden. Und heute stehen wir wieder in einem Lernprozess, wie wir eigentlich Wissen sinnvoll organisieren, ohne von den ganzen Eindrücken und Informationen blöd oder angeödet zu werden.

... Wir hatten ein Jahrzehnt, in dem eine Mehrheit auf stabiles, ruhiges Wachstum und bequemen Wohlstand großen Wert gelegt hat. Und jetzt stellen die Menschen auf einmal fest, dass Deutschland dadurch Probleme verschleppt hat und den Anschluss verpassen könnte, weil die Politiker gar keine Lösungen in der Tasche haben. Jetzt wollen sie langfristige Entwürfe, aber sie haben ja gerade Politiker gewählt, die damit nix am Hut hatten, vor allem Angela Merkel. Da herrscht eine tiefe Ernüchterung, und viele müssen jetzt erst wieder realisieren, dass man die eigentlichen Entscheidungen in der Demokratie nicht an die Politiker abschieben darf, sondern selbst mit Engagement und Wahl die Weichen stellt.

... In der Demokratie haben Menschen das Recht auf Blödheit und Verbohrtheit. Wir müssen stattdessen vernünftige Auseinandersetzungen, Wahrheitsliebe und Verantwortungsbewusstsein stärken. Das ist eine langfristige Aufgabe, für uns alle, besonders für die Bildungseinrichtungen.

... Es gibt aber einen Unterschied zu früheren Generationen: Willy Brandt stand für ein geschichtliches Programm von Befreiung und Gerechtigkeit, für den demokratischen Sozialismus. Solche Programme haben wir uns abgewöhnt, und jetzt fehlen sie uns. Was die Sozialdemokratie mit dem Kapitalismus national geschafft hat, nämlich ihn zu zähmen, das brauchen wir in den kommenden Jahren international.

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momo

"Was die Sozialdemokratie mit dem Kapitalismus national geschafft hat, nämlich ihn zu zähmen, das brauchen wir in den kommenden Jahren international."
Diese Satz macht das gesamte - ansonsten gute Interview - total verwirrend. Die Sozialdemokratie hat überhaupt nichts gezähmt, sondern aus purem Opportunismus ihr letztes Stück Glaubwürdigkeit verloren. Das Finanzkapital hat weltweit alles unter Kontrolle und in Deutschland hat Schröder eben genau für dieses Finanzkapital Tor und Tür weit aufgemacht. Der Kanzler der Bosse wurde er aus gutem Grund genannt.


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NewBambus

Ich glaube, Sie haben das mißverstanden. Hier war die SPD bis in die Regierungszeit Schmidt gemeint. Damals waren Marktwirtschaft und Soziales in einer besseren Balance als später oder heute.
Rot-Grün unter Schröder hat dann Vieles falsch gemacht und zu Lasten der Menschen in vermeintlichem Reformeifer dem Kapital wieder viel Türen geöffnet, gerade aber für die Schwachen in der Gesellschaft viele geschlossen. Daran tragen wir noch heute.


...


Aus: " Medienkritik „Manche alten Formen erzeugen Brechreiz“" Bernhard Honnigfort (08.08.2018)
Quelle: http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/medien/medienkritik-manche-alten-formen-erzeugen-brechreiz-a-1558775

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [DIE LINKE (Politik) ... ]
« on: August 08, 2018, 11:28:27 AM »
"Sammlungsbewegung #aufstehen - Wagenknecht dringt auf Kurskorrektur in der Asylpolitik" Matthias Meisner (07.08.2018)
"Offene Grenzen" - nicht mit Sahra Wagenknecht. Mit ihrer Sammlungsbewegung will die Linke-Politikerin auch Geflüchtete gegen das deutsche Prekariat ausspielen. ... Wagenknecht hatte schon in der Vergangenheit immer wieder versucht, Geflüchtete gegen das deutsche Prekariat auszuspielen. Heftige Reaktionen löste im Juni ein Gastbeitrag von ihr in der "Welt" aus, in dem sie schrieb: "Weltoffenheit, Antirassismus und Minderheitenschutz sind das Wohlfühl-Label, um rüde Umverteilung von unten nach oben zu kaschieren und ihren Nutznießern ein gutes Gewissen zu bereiten." Es hagelte Kritik aus weiten Teilen der Partei, der Reformerflügel sprach damals von "Entgleisungen" und "Querschüssen" der Fraktionschefin. ...
https://www.tagesspiegel.de/politik/sammlungsbewegung-aufstehen-wagenknecht-dringt-auf-kurskorrektur-in-der-asylpolitik/22886654.html

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Glueckspiratin 09:47 Uhr
Einmal abgesehen davon, dass Frau Wagenknecht mit ihren Aussagen zum "offene Grenzen"-Wahnsinn natürlich RECHT hat und diese Position bei den allermeisten Menschen außerhalb linksradikaler Kreise weithin zustimmendes Kopfnicken auslösen dürfte:

    Mit ihrer Sammlungsbewegung will die Linke-Politikerin auch Geflüchtete gegen das deutsche Prekariat ausspielen.

"Will" sie das denn tatsächlich? Wo und bei welcher Gelegenheit soll sie diesen angeblichen "Willen" denn kundgetan haben?

Oder ist das etwa nur eine tendenziöse Interpretation des Autors? Dann müsste der Artikel allerdings unter der Rubrik "Meinung" erscheinen.

In einer normalen Meldung hat so eine Aussage, sofern nicht mit nachprüfbarem Originalzitat (etwa: "Ich, Sahra Wagenknecht, will mit der neuen Sammlungsbewegung vor allem eines: Geflüchtete gegen das deutsche Prekariat ausspielen!") belegt, eigentlich nichts verloren.

Die Behauptung, dass Frau Wagenknecht irgendetwas "will", sollte mit klaren, eindeutigen und dezidierten Willensbekundungen ihrerseits belegt werden - oder es ist frei erfunden a.k.a. FAKE NEWS.

Der Artikel ist wieder mal das x-te Beispiel für die zunehmende Verrohung des Journalismus und die sich in den Massenmedien leider immer weiter ausbreitende Unsitte, Nachrichten zur Meinungsmache zu missbrauchen - und dabei die Grenzen zwischen Nachricht und Meinung/Kommentar bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen zu lassen.

    Wagenknecht hatte schon in der Vergangenheit immer wieder versucht, Geflüchtete gegen das deutsche Prekariat auszuspielen.

"Immer wieder" hat sie das "versucht"? Wo denn? Und wann denn?

Merke: Viel Meinung in einem Journalistengehirn ersetzt keine Tatsachen. Und eine unbelegte Behauptung wird durch deren beharrliches Wiederholen kein bisschen wahrer.


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klauskuenstler 08:19 Uhr

    Mit ihrer Sammlungsbewegung will die Linke-Politikerin auch Geflüchtete gegen das deutsche Prekariat ausspielen.

Das deutsche Prekariat. Tja, vor 20 Jahren hats sowas in Deutschland noch nicht gegeben, da hatten wir noch eine breite Mittelschicht.
Liegt der eigentliche Skandal nicht darin, dass solche Überschriften heute möglich sind viele das als normal empfinden? Läuft da nicht doch einiges falsch bei uns?

Abgesehen davon ist die zitierte Aussage die persönliche Meinung des Autors. Inhaltlich ist sie falsch.


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jonnyrotten 07:10 Uhr

    Wer nur befristete Arbeitsverträge hat, wessen Rente zu klein ist und wessen Kinder keine anständige Schuldbildung mehr bekommen können, weil die öffentlichen Schulen vergammeln und Lehrerstellen unterbesetzt sind, der hat jeden Grund, auf ,die da oben' sauer zu sein."

Genauso ist es!


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Zeppi234 07.08.2018, 20:39 Uhr
Der Autor hat Unrecht. Nicht Sarah Wagenknecht spielt Flüchtlinge und hiesiges Präkariat gegeneinander aus - sondern genau das ist die Folge
der gegenwärtigen Flüchtlingspolitik der Regierung!

Wagenknechts Argument, daß eben
nicht die Ärmsten nach Deutschland kommen, sondern die jeweilige
Mittelschicht, stimmt wohl ebenfalls. Ihr deshalb das Label "AfD-nah" zu
verpassen, ist intellektuell schwach. Charakterlich auch.

Ein Umdenken ist erforderlich, leider scheint das bei Teilen der Linken und der Medien noch nicht erkannt worden zu sein. Man will so weiterwursteln wie bisher. Das wird aber nicht gehen, das ist keine Lösung!


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Tobias_Johst 07.08.2018, 20:24 Uhr
Ja und Nein:
Es ist notwendig auf Nicht-Wohlfühl-Themen wie Kinderarmut, Befristungen von Arbeitsverträgen, Mittellosigkeit durch ALG-II, Vereinsamung, die massive Schere zwischen Kapital- und Erwerbseinkünften sowie noch immer zwischen West und Ost, Mann und Frau, Wohnungslosigkeit usw. hinzuweisen.

Ich sehe allerdings nicht, wo Geflüchtete mit diesen Problemen ursächlich zusammenhängen.
Sicher: Viele dieser Menschen reihen sich ein in den Verteilungskampf der untersten 10%, während die untere Mittelschicht nicht völlig zu Unrecht Angst hat, da auch Teil werden zu können.

Aber es ist schwierig zu glauben, dass die für Asylbewerber ausgegebenen Mittel genau diesen oben genannten Deutschen zur Verfügung gestellt würden.
Es wirkt auch wenig glaubwürdig, für strukturelle Probleme in Deutschland genau die Menschen verantwortlich zu machen, die gerade erst angekommen sind und die mit Abstand geringste Macht besitzen.


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Undine 07.08.2018, 19:05 Uhr

... Links sein heißt für mich, sich anständig, fair und solidarisch zu verhalten, nicht auf Schwächere herabzublicken und sich nicht verächtlich über sie zu äußern, egal ob das deutsche Obdachlose, Arbeitslose, Schlechtverdiener oder fremde Migranten sind. Schon der Begriff "Abgehängte" hat mich gestört. Prekariat klingt auch danach, als hätte sich jemand diesen Platz in der Gesellschaft ausgesucht und wäre nicht von Staat und Wirtschaft dahin verwiesen worden.

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als unbefristete Arbeitsverträge und gute Einkommen die Regel waren, als noch niemand die Deregulierung der Arbeitsmärkte forderte.

Gegeneinander ausspielen geht überhaupt nicht. Ich glaube aber nicht, dass Sarah Wagenknecht das tut. Sie spricht einfach das aus, was sowieso jeder Mensch weiß, der noch alle Tassen im Schrank hat: 

Deutschland kann niemals allen Flüchtlingen und Migranten dieser Welt eine Zuflucht bieten. Dazu ist Deutschland ein geografisch zu kleines und politisch zu unbedeutendes Land.

Weder bieten "No Border"- noch "Abschotten/Ausweisen"-Optionen eine gute Grundlage für eine zielführende politische Debatte. Wenn man sich einmal auf diesen Minimalkonsens verständigt hat, bleibt immer noch genügend Diskussionsstoff.

Ich wünsche mir, dass diese Debatte ehrlicher geführt wird. Bisher kommt sie mir oft künstlich und interessengeleitet vor. Jede Partei versucht aus dem Migrationsthema politisches Kapital zu schlagen, als ob es keine anderen strittigen Themen gäbe. Diese Fixierung nützt vor allem der AfD.


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Westpreussen 07.08.2018, 20:52 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Undine 07.08.2018, 19:05 Uhr
@Undine

"Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als unbefristete Arbeitsverträge und gute Einkommen die Regel waren"

Ich nicht. Aber ich bin ja auch erst 50 Jahre alt und habe folglich nicht die in vielen Branchen bis in die Sechzigerjahre hinein übliche Sechs-Tage-Woche erlebt. Nicht zu vergessen der Lebensstandard einer bundesdeutschen Arbeiterfamilie der damaligen Zeit, der in etwa mit dem eines heutigen Hartz-IV-Haushaltes konkurrieren könnte. Ja, die gute alte Zeit.


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fritz 07.08.2018, 21:37 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Westpreussen 07.08.2018, 20:52 Uhr
Eine DM des Jahres 1960 hatte die Kaufkraft von 4 Euro heute.
1960 gab es 960.000 Empfänger von Sozialhilfe für die umgerechnet 613 Mio. Euro ausgegeben wurden, also 638 Euro pro Person und Jahr = 53 Euro im Monat.

2017 gab es 6 Mio Empfänger von Hartz IV.

Der durchschn. Arbeitslohn lag 1960 bei 260 Euro im Monat, davon konnte man sehr anständig leben, wobei damals nur 47 Prozent der Frauen berufstätig waren, viele Männer die Familie also allein ernährten.
Heute arbeiten etwa 75 Prozent der Frauen.
https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/220197/fuersorge-sozialhilfe & Statista

Beim Verdienst liegen Leiharbeitskräfte deutlich unter dem Durchschnitt. So betrug ihr Einkommen bei einer Vollzeitstelle Ende 2016 im Mittel 1816 Euro brutto im Monat - gegenüber 3133 Euro für Vollzeitbeschäftigte über alle Branchen hinweg.
Das teilte die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann der Deutschen Presse-Agentur unter Berufung auf Statistiken der Bundesagentur für Arbeit mit. Das sind 42 Prozent weniger.
Zudem müssen mehr Leiharbeiter mit staatlicher Hilfe aufstocken, weil sie wenig verdienen. Demnach ist der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die ergänzende Hartz-IV-Leistungen beziehen, in der Leiharbeit überdurchschnittlich hoch. Während im Juni 2017 über alle Branchen hinweg 2 Prozent der Beschäftigten Arbeitslosengeld II bezogen, lag dieser Anteil in der Leiharbeit bei 5 Prozent.
In Summe betraf dies in der Leiharbeit 41.638 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Der überwiegende Teil dieser Kräfte, die ergänzende Hartz-IV-Leistungen bezogen, war in Vollzeit beschäftigt: nämlich 71 Prozent.


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IchGlaubeGarNichtsMehr 07.08.2018, 17:55 Uhr
Deutschland ist ohne Zweifel eines der reichsten Länder Europas. Trotzdem sehe ich nur hier Rentner in Mülltonnen nach Pfandflaschen suchen. Weder in NL, BE, FR, GB, DK, AT, CH, ES, PT, LU, SE oder IT habe ich das gesehen.

Die Frage der Altersarmut trifft inzwischen flächendeckend viele. Meine Schwiegereltern (wohnen in Schleswig -Holstein) haben da auch genug Beispiele im Dorf und dem Städtchen in der Nähe beigetragen.

Und jetzt erkläre mal bitte diesen Flaschensammlern, dass der Staat jedes Jahr 40 Mrd. ausgibt für Leute die wahrscheinlich immer auf der Empfängerseite der Gesellschaft Leben werden, und das gleichzeitig kein Geld da ist um die Rente auf einem Niveau zu halten, das ein normalen Lebensabend ermöglicht.

Aber wenn eine Politikerin dies sagt kommt die Medienschelte und interpretiert etwas anderes hinein.

Herr Meisner: Wenn Sie wissen wollen, was da draußen so abgeht, dann kommen sie mal aus Ihrer Medien-Hauptstadt-Besserverdienenden-Blase und schauen sich mal um im Land. Wahrscheinlich werden Sie dann andere Artikel schreiben.

P.S.: Ich habe einen riesengroßen politischen Abstand zu allem was LINKS ist, aber werde immer frustrierter wenn ich sehe wie vernünftige Politik mit der Nazi/Rassismus/Sonstwas-Keule nieder gemacht wird.


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Westpreussen 07.08.2018, 18:15 Uhr
Antwort auf den Beitrag von IchGlaubeGarNichtsMehr 07.08.2018, 17:55 Uhr
@IchGlaube...

"Trotzdem sehe ich nur hier Rentner in Mülltonnen nach Pfandflaschen suchen"

Ich sehe auch immer wieder Menschen im Müll herumwühlen, die wenigsten davon sind Rentner.
_____

"Die Frage der Altersarmut trifft inzwischen flächendeckend viele."

Worauf stützt sich Ihre Behauptung? Auf Ihr subjektives Empfinden oder auf den ständigen Alarmismus, den einige Medien und bestimmte Parteien verbreiten?

Die Wahrheit ist kompliziert, aber auch besorgniserregend:
https://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/altersarmut-deutschland-politik-medien-armut-panik


Quote
kraftsportler 07.08.2018, 18:20 Uhr
Antwort auf den Beitrag von IchGlaubeGarNichtsMehr 07.08.2018, 17:55 Uhr
Evtl. gibts ja dieses Pfandsystem gar nicht in anderen Ländern?
Und..obses glauben oder nicht: ich sehe auch Leutchen, die echt nicht mit dem Cent rechnen müssen und sich trotzdem die Pfandflaschen aus den Mülleimern rausklauben..

Trotzdem bin ich bei Ihnen, was Altersarmut betrifft..nur, DIESE Leute haben keine Lobby..und ich kenne auch so manchen Alten, der würde sich eher erschießen als beim Amt vorstellig zu werden!


Quote
Westpreussen 07.08.2018, 18:49 Uhr
Antwort auf den Beitrag von kraftsportler 07.08.2018, 18:20 Uhr
@kraftsportler

"Trotzdem bin ich bei Ihnen, was Altersarmut betrifft..nur, DIESE Leute haben keine Lobby."

Na ja, die Diskussion ist doch schon seit Jahren in vollem Gange. Und es ist nicht gerade so, dass die Politik nicht versuchte, etwas gegen die bestehende bzw. drohende Altersarmut zu unternehmen. Die Frage ist immer, wie sinnvoll und nachhaltig die Mittel sind.
_____

"und ich kenne auch so manchen Alten, der würde sich eher erschießen als beim Amt vorstellig zu werden!"

Ein Problem, das nicht sein müsste. Der Tagesspiegel stellte vor einiger Zeit in einem sehr ausführlichen Artikel einen Rentner vor, der durchaus Anspruch auf Wohngeld oder Sozialhilfe hätte, aber darauf verzichtete, ohne dies näher zu erklären. Dabei wurden in der Grundsicherung schon einige vernünftige Reformen durchgeführt (z.B. was den Unterhalt durch die Kinder angeht).

Aber da geht noch mehr. Dr. Georg Cremer, Generalsekretär des Caritasverbandes, hat dies in seinem Buch "Armut in Deutschland" sehr anschaulich dargelegt. https://www.buecher.de/shop/deutschland/armut-in-deutschland/cremer-georg/products_products/detail/prod_id/44876937/


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Caladan 07.08.2018, 17:42 Uhr

    Mit ihrer Sammlungsbewegung will die Linke-Politikerin auch Geflüchtete gegen das deutsche Prekariat ausspielen.

Vielleicht hat sie auch erkannt, dass die derzeitige Zuwanderung, so, wie sie verläuft, vor allem dem "deutschen Prekariat" schadet.
Wer saturiert im Rotweingürtel der Städte oder im teuren Szenekiez lebt, kann ja derzeit noch recht entspannt sein.


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stell 07.08.2018, 18:50 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Caladan 07.08.2018, 17:42 Uhr
Ich lebe weder im Rotweingürtel noch im Szenekiez und bin absolut tiefenentspannt.


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Caladan 07.08.2018, 19:42 Uhr
Antwort auf den Beitrag von stell 07.08.2018, 18:50 Uhr
Das ist schön für sie.


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NeuBolle 07.08.2018, 17:35 Uhr

     "Offene Grenzen" - nicht mit Sahra Wagenknecht. Mit ihrer
    Sammlungsbewegung will die Linke-Politikerin auch Geflüchtete gegen das
    deutsche Prekariat ausspielen.


Sarah Wagenknecht braucht da gar nichts auszuspielen. Der deutsche Prekariatsangehörige weiß instinktiv, dass er mit den "Geflüchteten" um den gleichen Sozialkuchen wird konkurrieren müssen. Der kann auch nicht beliebig vergrößert werden; wir haben bereits eine der höchsten Abgabenquoten in Europa. Wenn der derzeitige Aufschwung zu Ende geht, werden sich die Verteilungskämpfe nicht mehr so einfach mit Geld zuschütten lassen, dann stehen unruhige Zeiten ins Haus.


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Robert_Rostock 07.08.2018, 17:32 Uhr
Dieser Artikel und noch mehr einige Diskussionsbeiträge sind geradezu ein Lehrbuchbeispiel für das, was Sascha Lobo mal treffend als "Entwederoderismus" bezeichnet hat:

    Wann immer Kritik an einer Position geäußert wird, wird sie als Parteinahme der radikalstdenkbaren Gegenposition betrachtet.

Wer also die derzeitige Praxis in der Asyl-und Flüchtlingsfrage kritisiert, der muss mindestens AfD-Propaganda machen, der will eigentlich endlich wieder an der Grenze auf Flüchtinge schießen. Also muss ich mich damit gar nicht beschäftigen, das kann nur finsterste Bösartigkeit sein.


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provinzler 07.08.2018, 17:21 Uhr
Als sogenannter armer Deutscher habe ich gar keine Angst vor Flüchtlingen, sondern mehr vor Deutschen, die angeblich wissen wovor ich Angst habe.


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Westpreussen 07.08.2018, 17:13 Uhr
Links-AfD wäre der passendere Name für diese angeblich linke "Sammlungsbewegung". 


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Schland 07.08.2018, 16:12 Uhr
Tabuthema Armut

Jeder hier soll froh sein, noch essen und wohnen zu dürfen, weil es woanders auch Menschen gibt, die das nicht haben. Darum sei es besser, das Thema gar nicht erst anzusprechen und so zu tun, als wäre Merkels heile Welt wirklich gegeben.

    Wer Armut in Deutschland anprangere, schüre Wut "auf ein System, das die eigenen Bürger angeblich in Armut vegetieren lässt", trage "weitere Unruhe in jene Teile der Bevölkerung, die wegen der Flüchtlingskrise ohnehin schon verunsichert sind", und treibe damit "denjenigen Wähler und Unterstützer zu, die einfache Antworten liefern", sprich: der AfD.

    Aus diesen Worten spricht die althergebrachte Angst der "besseren Kreise" vor dem ungebildeten und unberechenbaren Pöbel, vor Menschen, die nicht einsehen wollen, dass sie selbst an ihrem Elend schuld sind und stattdessen unverschämte Forderungen stellen. Der Pöbel soll sich mit den ihm zugedachten Almosen zufrieden geben und sich von Dingen fernhalten, von denen er keine Ahnung hat, Politik zum Beispiel.


Die Spaltung in Arm und Wohlhabend bis reich ist das Problem, entstanden spätestens durch die Agenda2010 der angeblich Linken SPD/Grünen. Heraus kommt wieder die hässliche Fratze des rechten Sozialdarwinismus:

Die Attribute, die "den Flüchtlingen" anfangs zugeschrieben wurden, waren durchwegs positiv. Das Attribut mit dem kürzesten Verfallsdatum war "hochgebildet". Weitgehend unbeschadet gehalten haben sich bis heute: "jung", "ehrgeizig", "hochmotiviert" und "übernormal gesund"...

Der Kontrast zu den als ungebildet, unmotiviert, kränklich und zu alt imaginierten Langzeitarbeitslosen könnte kaum größer sein: "sozial Schwache", deren relative Armut auf ihre eigenen Unzulänglichkeiten zurückzuführen ist, hier; echte Arme, die nur durch äußere Umstände an einer Bilderbuchkarriere gehindert wurden, dort. Endlich haben Göring-Eckhardt, die Sanktionen gegen Arbeitslose einst als "Bewegungsangebot" bezeichnete....



"Prekariat auf Abwegen" Hans-Dieter Rieveler (23. April 2016)
Warum wenden sich so viele Arbeitslose und Geringverdiener ausgerechnet der neoliberalen AfD zu?
https://www.heise.de/tp/features/Prekariat-auf-Abwegen-3224793.html?seite=all


...


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Julian Assange / Wikileaks ...
« on: August 07, 2018, 01:18:04 PM »
Quote
[...] Linke Abgeordnete aus dem Bundestag und dem Europaparlament haben sich für eine rasche Lösung des Asyl-Dramas um den Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, ausgesprochen.

Aus Anlass des jüngsten Besuchs des ecuadorianischen Präsidenten Lenín Moreno in Großbritannien und Äußerungen aus Quito zu dem Fall "drängen wir alle Seiten, vor allem aber die britische Regierung, eine rasche Lösung zu ermöglichen", heißt es in dem Dokument, das online verbreitet wurde. Zugleich kritisierten die Unterzeichner die "De-facto-Gefangenschaft in den engen Räumen der ecuadorianischen Botschaft in London" als eine "empörende Verletzung der Menschenrechte mitten in Europa".

Die Abgeordneten der Linkspartei erachten ein Gutachten des Interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte für wichtig, das den ecuadorianischen Staat verpflichtet, sich für das Wohlbefinden von Personen einzusetzen, die in diplomatischen Vertretungen Schutz gesucht haben. Man hoffe, "dass die ecuadorianische Regierung auf Basis der richterlichen Einschätzung ihrer humanitären und rechtlichen Verpflichtung weiterhin nachkommt, Julian Assange als politisch Verfolgtem uneingeschränkt Schutz zu gewähren, und ihn weder an Großbritannien, die USA oder alliierte Regierungen ausliefert", schreiben die Unterzeichner.

Die Kappung der Internet- und sonstigen Medienverbindungen von Julian Assange in den Räumen der Botschaft von Ecuador in London sehen sie als Verschärfung der ohnehin harten Bedingungen. "Wir halten die Beteuerungen von US-Justizminister Jeff Sessions für alarmierend, der die Festnahme Julian Assanges zu seinen 'Prioritäten' erklärt hat", fügen sie an.

Die Gefahr einer Auslieferung an eine unberechenbare Regierung in den USA sei größer denn je. "Dies wiegt umso schwerer, als die Arbeitsgruppe zum Thema willkürliche Inhaftierungen der Vereinten Nationen die verschiedenen Formen der Freiheitsberaubung, denen Julian Assange ausgesetzt wurde, als eine Form der willkürlichen Inhaftierung verurteilt hat, ohne dass Großbritannien oder andere Regierungen von EU-Mitgliedsstaaten daraus politische Konsequenzen gezogen hätten", bekräftigen die Abgeordneten.

"Premierministerin Theresa May und Präsident Lenín Moreno, wir appellieren an Sie: Sorgen Sie für die Freilassung und einen effektiven Schutz von Julian Assange", heißt es in dem Text, der von Sevim Dagdelen, Diether Dehm, Anke Domscheit-Berg, Sylvia Gabelmann, Heike Hänsel, Ulla Jelpke, Achim Kessler, Martina Michels, Amira Mohamed Ali, Zaklin Nastic, Sören Pellmann, Eva-Maria Schreiber, Petra Sitte, Evrim Sommer und Sahra Wagenknecht unterzeichnet wurde.

Julian Assange hatte Mitte 2012 um Asyl in der Botschaft von Ecuador in London ersucht. Nach dem Regierungswechsel in dem südamerikanischen Land versucht die Regierung von Präsident Moreno, den Aktivisten loszuwerden und drohte indirekt mit seinem Rausschmiss aus der Botschaft. In diesem Fall würde eine Auslieferung an die USA drohen.

Quote
     sebtanic, 07.08.2018 02:20

Leider "nur" Linke - Und was ist mit unseren sogenannten "christlichen" und "sozialdemokratischen" Abgeordneten?
Nach den Grünen frage ich schon gar nicht mehr...


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     zwi, 07.08.2018 08:01

Nach westlicher Auffassung gibt es politisch Inhaftierte nur in Russland. Oder noch deutlicher: Jeder Inhaftierte in Russland ist in Wahrheit ein politisch inhaftierter Dissident, während jeder US-Bürger, der westliche Missstände aufdeckt ein russischer Spion und Verräter ist und an die USA ausgeliefrt werden muss.


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     exkoelner, 07.08.2018 01:43


Der Treppenwitz der Asyldebatte der letzten 10 Jahre - Da gibts das ach so heilige Asylrecht der BRD, für Dissidenten, für politisch Verfolgte - und wem gewährt die BRD keins? Julian Assange und Edward Snowden ...


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Aus: "Abgeordnete aus Berlin und Brüssel fordern Lösung für Julian Assange" Christian Kliver (07. August 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Abgeordnete-aus-Berlin-und-Bruessel-fordern-Loesung-fuer-Julian-Assange-4130416.html


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Kapitalismus (...?)
« on: August 06, 2018, 10:19:56 AM »
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... Schulmeister entwickelte ein Modell langer politökonomischer Entwicklungszyklen moderner kapitalistischer Marktwirtschaften, in denen sich zwei gesellschaftliche Machtkonstellationen und darauf basierende Spielanordnungen ablösen: Realkapitalismus und Finanzkapitalismus. Der lange Aufschwung wird durch ein Interessenbündnis zwischen Realkapital und Arbeit gegen das Finanzkapital und ein darauf basierende „realkapitalistische“ Spielanordnung, der lange Abschwung durch ein Bündnis zwischen Real- und Finanzkapital gegen die Arbeit und eine darauf basierende „finanzkapitalistische“ Spielanordnung bestimmt. ...

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Schulmeister (14. Juni 2018)

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[...] Im deutschen Fernsehen wird jeden Abend das Publikum damit vertraut gemacht, was am Tage die Märkte so bewegt hat. Ist das sinnvoll?

Ökonom Stephan Schulmeister: Es ist ein Akt der Gegenaufklärung, der Entmündigung. Der Markt oder die Märkte werden zu einem Subjekt, das handelt, das etwas erwartet oder fürchtet. Vor 40 Jahren, als ich studiert habe, gab es eine solche Sprache nicht. Damals war der Mensch das Subjekt und der Markt sein Instrument, etwas zu erreichen. Heute gilt eher der Satz des Ökonomen Hayek: Die Menschen müssen sich den anonymen Kräften des Marktes unterwerfen.

Hayek argumentierte als Liberaler stets für die Freiheit der Menschen. Wie passt dazu die Aufforderung der Unterwerfung?

Das ist die Paradoxie des Neoliberalismus: Er predigt Freiheit durch Unterwerfung. Die Börsenberichte sind nur ein Teil dieses Systems – ein Teil einer Weltanschauung, in der der Einzelne den Kräften der Märkte ausgeliefert ist und er daher vor der „Tagesschau“ informiert wird, was diese anonymen Mächte heute so getrieben haben und was sie von uns erwarten.

Diese Erwartungen werden in Aktienindexpunkten formuliert und sind daher nicht besonders eindeutig.

Daher werden die Deuter dieser rätselhaften Mächte wichtiger – wie früher die Schamanen. Erster Schritt: Die Märkte werden zu einem höheren Wesen. Zweiter Schritt: Die Sprache der Märkte ist deutungsbedürftig. Was sagen sie uns? Dritter Schritt: Auftritt der Priester, die den Marktbewegungen einen Sinn ablauschen. Das hat man in der Euro-Krise gut sehen können: Den Märkten wurde eine Art Richterfunktion über Staaten wie Griechenland oder Irland zugewiesen – das waren allerdings die gleichen Märkte, die in den Jahren zuvor Südeuropa bedenkenlos Kredit zu geringen Zinsen gegeben haben. Noch heute werden die Zinsbewegungen an den Börsen gedeutet als das unbestechliche Urteil der Märkte über die Solidität von Regierungen.

Was sie aber nicht sind?

Nein. Es lässt sich zeigen, dass Aktienkurse, Wechselkurse, Rohstoffpreise und zum Teil auch Zinssätze dem Muster von Bullen- und Bärenmärkten folgen. Diesen von den Märkten selbst produzierten Trends rennen Anleger hinterher, wodurch diese Trends wiederum verstärkt werden. Es sind von der realen Ökonomie losgelöste Bewegungen. Da sie gefährlich sind, hat man dem Finanzsektor früher Beruhigungspillen in Form von strenger Regulation verabreicht, so wie einem psychisch Kranken. Schon der Ökonom und Finanzanleger John Maynard Keynes hat gesagt: Die Liebe zum Geld ist eine Krankheit.

Sie kritisieren nicht nur die Macht des Finanzsektors. Sie sprechen von einer ganzen „Spielanordnung Finanzkapitalismus“. Was meinen Sie damit?

Es ist ein System mit eigenen Regeln. Man muss sich klar machen: Es gibt drei Arten der Beteiligung am erwirtschafteten Ertrag: Für unternehmerisches Handeln gibt es Profit, für Arbeit den Lohn. Die dritte Kategorie sind Finanzanleger, aber auch Immobilienbesitzer. Quelle ihres Einkommens ist keine Leistung, sondern allein der Besitz. Diese Quelle des Einkommens gewinnt im Finanzkapitalismus an Bedeutung.

Was ist daran schlecht?

... Wenn Besitz, wie zum Beispiel Aktien, höhere Erträge abwirft als unternehmerisches Handeln, dann wird die Anreizstruktur verzerrt: Finanzspekulation lohnt sich mehr als das Schaffen echter Werte. Finanzkapitalismus heißt, dass das Gewinnstreben sich verschiebt von der Herstellung von Gütern zur Spekulation auf Bewertungsveränderungen. ... Normalerweise zerstört sich der Finanzkapitalismus selbst, da gibt es einige Beispiele in der Geschichte. Zum Beispiel nach den Hochkonjunkturen 1865 bis 1873 oder 1925 bis 1929. Stets folgte eine Depression. Denn eine finanzkapitalistische Spielanordnung produziert permanent riesige Finanzvermögen, die keine realwirtschaftliche Deckung haben. Das geschieht seit den siebziger Jahren wieder.

Von einer großen Depression ist allerdings bislang nichts zu sehen.

Die früheren großen Kapitalismuskrisen waren Keulenschläge. Derzeit erleben wir eher eine Strangulation – die Krise streckt sich über inzwischen 40 Jahre. Sie ist mittlerweile so eine Art Normalzustand und wirkt dadurch wie ein Sachzwang. Dadurch haben es die jungen Leute heutzutage gar nicht so leicht aufzubegehren. Sie haben gar keine Vorstellung mehr davon, dass es eine Welt geben kann, in der es zum Beispiel Vollbeschäftigung und sichere Jobs gibt – Dinge, die früher mal normal waren.

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Ontologix Pontifex minimus

... Ich hatte mir schon oft die Old Economy zurückgewünscht, in der es das Ziel eines Unternehmers war, gute Produkte herzustellen. Die New Economy der Wall Street predigt das Geldmachen, egal wie. Und die Politiker Thatcher, Reagan, Pinochet, Blair, Clinton und Bush schufen die politischen Rahmenbedingungen für diese Ausbeutung. [ROT/GRÜN (also Schröder/Fischer) nicht [zu] vergessen!] Traurige Zeiten.


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  rita momo

Schröder/Fischer sind doch nur in einem vorhandenen Strom mitgeschwommen. "Sie [die Krise] ist mittlerweile so eine Art Normalzustand und wirkt dadurch wie ein Sachzwang." Leider hatte damals kaum jemand den Weitblick, das zu erkennen, vor allem die Wähler nicht.


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kastner63

... Obendrein kann sich der Normalbürger dem gar nicht unterwerfen, sondern er wird mitgeschleift, denn der Normalbürger, der Bürger ohne Anlagen usw., ist kein Akteur der Märkte.



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MalteSehr

Gute Analyse, die zu denken gibt, sofern man nicht schon selbst darauf gekommen ist:

* In den Finanzmärkten wird das Geld durch Spekulation "verdient". Reale Werte stehen kaum dahinter, ebenso wenig wie z.B. bei der Blauen Mauritius, mit der man noch nicht einmal einen Brief versenden könnte. Daher sind diese Märkte so fragil wie Seifenblasen. ("Normalerweise zerstört sich der Finanzkapitalismus selbst.")

* Das Geld, was Finanzjongleure einkassieren, haben andere durch harte Arbeit in der Realwirtschaft verdient. Die Gewinne (wie auch die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft einen hohen Exportüberschuss aufweist) beruhen auf dem zu niedrigen Lohnniveau, um nicht zu sagen auf Dumping-Löhnen. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander, die Politik wirkt dem nicht entgegen. Einer, aber ein wichtiger Grund, warum immer mehr alternativ gewählt wird.

* Ursache für die heutige Situation ist die Liberalierung in den 1970er Jahren. ("Um die Vermehrung dieser Vermögen zu erleichtern, wurde der Finanzsektor liberalisiert.")


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Aus: "Finanzsystem „Wir erleben derzeit eine Strangulation“" (04.08.2018)
Quelle: http://www.fr.de/wirtschaft/finanzsystem-wir-erleben-derzeit-eine-strangulation-a-1556577,0#artpager-1556577-1

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"Prenzlauer Berg mit Hochhäusern" sunflower22a (12.07.2018)
New York war mal spannend, aufregend, the city that never sleeps, eine Katastrophe, ein Haufen Dreck, überall Kriminelle, Kulturmetropole, the center of the universe, die Stadt der Subkultur, ein Magnet für alle Kreativen, what have you. Aber eines, das war NY noch nie: langweilig. Durchschnitt. Jetzt, es ist soweit. Eine Stadt voller obszön reicher Leute und voller obszön armer Menschen. ...
https://sunflower22a.wordpress.com/2018/07/12/prenzlauer-berg-mit-hochhausern/

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Wagenburg Karlsruhe
[Stand: 2018:] Unter dem Motto “Raus aus der Innenstadt, weg von Beton, Asphalt und dicken Mauern. Das Leben selbst organisieren.” sind im Jahr 1992 vier Personen mit ihren Wägen auf eine Wiese am Stadtrand von Karlsruhe gezogen.
Es folgten 2 ½ Jahre politischer Auseinandersetzungen. Zunächst wollten sowohl die damals ach so liberale Stadtverwaltung, als auch OB Seiler die Wagenburg mit allen Mitteln verhindern. Einige Umzüge, Räumungen und eine „Zwangseinweisung“ auf den Landfahrerplatz. Diesem wilkürlichen Hin- und Hergeschubse und dem Versuch einer Art „Ghettoisierung“ von Menschen die mit unterschiedlichen Vorstellungen auf Rädern wohnen, wurde mit viel Kreativität, Durchhaltevermögen, Öffentlichkeitsarbeit, Charme, Witz und Frechheit erfolgreich begegnet. So konnte letztendlich mit Zustimmung des Gemeinderates und gegen den Willen des OBs eine Duldung der Wagenburg auf einem Platz in der Haid- und Neu- Straße erkämpft werden. Die Anzahl der Personen war zu diesem Zeitpunkt auf acht angestiegen.
Nun gab es endlich Zeit und Ruhe, die eigenen Ideen in die Tat umzusetzen. In einer Gemeinschaft aus ca. zehn Personen möchte man das alltägliche Leben in Eigenregie gestalten. Dabei spielen ökologische und ökonomische Aspekte eine große Rolle. Keine Anbindung an die öffentliche Strom- und Wasserversorgung, um einen sparsamen und direkten Umgang mit natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Heute wird das Brauchwasser aus einem Brunnen gepumt und der Strom über Solarenergie gewonnen. Selbst auf Fernsehen, Internet und Telefon muss nicht verzichtet werden. Die Gestaltung des Platzes, der Gemeinschaftswägen wie Küche, Bad-, und Klowagen sowie des Zusammenlebens werden in regelmäßigen Plena besprochen.
Und doch bleibt für jede einzelne Person die Möglichkeit den eigenen Wagen und Wohnraum individuell zu gestaltten. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Seit Neunzehn Jahren steht die Wagenburg jetzt in der Haid- und Neu- Str.. Momentan besteht unsere Gemeinschaft aus ca. 10 Personen unterschiedlichsten Alters, zwischen 1 und 50 Jahren. Auf einer Wiese mit angrenzendem kleine Waldstück, zwischen Bäumen und Feldern können wir den Alltag auf naturnahem Gelände genießen.
Um auch die nächsten 20 Jahre in der Haid-und Neu-Straße wohnen zu können, ist unser Durchhaltevermögen und Eure Unterstützung gefragt. Wir bleiben!
https://wabuka.wordpress.com/

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