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Music and Sound Art (Klang) / [Chet Baker (1929 - 1988) ... ]
« on: May 29, 2020, 07:22:59 PM »
Stan Getz, Chet Baker – Stan Meets Chet
Verve Records  MG V-8263
Vinyl, LP, Album, Mono - US 1958
https://youtu.be/yNGYr_ribPQ

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[...] ... Ich bin neulich fast gegen die Glaswand eines Bushäuschens geradelt, weil dort ein Plakat hing - tatsächlich noch immer hängt - mit dem auf eine TV-Sendung hingewiesen wird, die sich mit der Liebe in jedem, also auch im höheren Alter beschäftigt. Schöne Sache grundsätzlich, und das allein hätte mir natürlich nicht fast die Glassplitter ins Gesicht gejagt, sondern eher die Formulierungen "MILF" und "MISSY". Alter Scheiß, denken Sie jetzt, husch in die Urne, Milf, du bist ja noch nicht mal eine "Mother I'd like to Fuck*, du hast den Schuss schon wieder nicht gehört" - is' mir aber ega-ha-hal, denn es regt mich auf. Falsch, es verletzt mich. Ich rege mich über so einen Neandertaler-Flachwichser-Mist echt nicht mehr auf, das macht ja Falten, und ich will jetzt auch gar nicht mehr als nötig auf diese unterirdische Sendung eingehen. Denn let's face it: Joyn macht da nur, was andere Privatsender seit Jahren machen mit ihren Fleischbeschau-Formaten "Germany's Next Top Model", "Bachelor(ette)" oder "Nackte Pussys und Pimmel im Paradies", um nur einige zu nennen. Alles nur Jobbeschaffungsmaßnahmen und Karrierebooster, is' klar.

Bei der neuen Sendung "MOM - Milf oder Missy" ist es insofern noch schlimmer, als dass da nicht nur die übliche Warenbegutachtung stattfindet, nein, hier werden auch noch alte gegen junge Frauen aufgehetzt. Gemeinsam ist ihnen immerhin, dass sie den Partner noch lieber nehmen, wenn er ein bisschen was auf der hohen Kante hat (eine "Milf sagt: "So stelle ich mir das Leben vor, das ich führen sollte"), auch wenn die Frauen alle "top ausgebildet" sind und auf "Ich brauche keinen Mann" machen. Warum sind sie dann in der Show? Um sich gegenseitig früher oder später an den Extensions zu ziehen, im Schlamm zu catchen? Brot und Spiele, ... .

Normalerweise geht das im Fernsehen so: Ein Mann sucht unter vielen Frauen eine Lady zur weiteren Lebensgestaltung (manchmal auch umgekehrt) aus, und sei die folgende, gemeinsame Lebensgestaltungsphase dann auch noch so kurz; oder eine Modelmama sucht Model-"Meedchen", die man dann für Rasierer über die Klinge springen lässt oder in Joghurtwerbung vermanscht. Wie solch menschenverachtende Formate Frauen jemals nach vorne bringen sollen, wie Frauen so jemals sinnvolle Netzwerke, Respekt und eine Gleichheit in der Arbeitswelt erreichen wollen, bleibt schleierhaft. Wie rückständig man doch sein kann - als Sender und als Protagonist(in). Und wie schlecht soll ein Vorbild für jüngere Generationen denn bitte noch sein? Alles nur Spaß? Das ist kein Spaß, das ist scheinheiliger Dreck.

... Solange Frauen auf Bildschirmen sich hauptsächlich aber dadurch hervortun, dass sie kokett ihre Haare schmeißen, auf den Lippen rumbeißen oder den Lady-Di-Blick (unterwürfig von unten nach oben blicken, scheu) perfektionieren und Männer weiterhin die Welt erklären dürfen, und sei es auch nur anhand von Rotwein ("Die Flasche kostet 1500 Euro", gönnerhaftes Lächeln, Frau kreischt) sind wir noch weiter hinter dem Mond als in den Fünfzigerjahren. So lange Frauen meinen, dass sie "alt gegen jung" kämpfen müssen, so lange dürfen Männer Frauen tatsächlich weiterhin auf ihre Fuckability abchecken. ...


Aus: "One Woman Show Milf - Kompliment oder Frechheit?" Aus einer Kolumne von Sabine Oelmann (Mittwoch, 27. Mai 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/leben/Milf-Kompliment-oder-Frechheit-article21808108.html


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[...] BERLIN taz | Der Pestizidhersteller Monsanto hat viel mehr für Lobbyarbeit zur Wiederzulassung von Glyphosat gezahlt, als er im EU-Transparenzregister angegeben hatte. Das US-Unternehmen überwies der PR-Agentur FleishmanHillard für die Kampagne 2016/2017 rund 14,5 Millionen Euro, wie aus einem Bericht im Auftrag des Bayer-Konzerns hervorgeht, der Monsanto 2018 übernommen hat. Monsanto teilte dem amtlichen Register jedoch mit, man habe maximal 1,45 Millionen Euro für seine gesamte Lobbyarbeit von September 2016 bis August 2017 aufgewendet – genauso wie im Jahr danach.

„Monsanto hat die Öffentlichkeit irregeführt“, sagte Nina Holland, Rechercheurin bei Corporate Europe Observatory (CEO), am Dienstag der taz. Das Transparenzregister von EU-Kommission und Europaparlament soll offenlegen, wie Organisationen mit finanziellen und personellen Mitteln die Politik beeinflussen.

Ziel der Lobbykampagne von Monsanto war die Wiederzulassung von Glyphosat in der EU, was 2017 tatsächlich erfolgte – obwohl die Weltgesundheitsorganisation den weltweit meistverkauften Pestizidwirkstoff 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ einstuft.

FleishmanHillard legte Listen über insgesamt 1.500 Industrie- und Verbandsvertreter, Politiker, Lobbyisten und Journalisten in mehreren EU-Ländern an. Die Agentur sollte Argumentationen entwickeln und zum Beispiel Bauern helfen, in Briefen an Politiker für das Pestizid zu werben. An der Kampagne beteiligten sich 59 Lobbyisten von FleishmanHillard oder deren Sub-Auftragnehmer. All das veröffentlichten die Unternehmen erst, nachdem Medien 2019 auf die Datensammlungen der PR-Leute gestoßen waren.

„Es gab keinen Zweifel, dass die Summe von 14,5 Millionen Euro hätte offengelegt werden müssen“, sagte CEO-Aktivistin Holland. Den Regeln zufolge muss das Register jegliches Lobbying „zum Zweck der unmittelbaren oder mittelbaren Einflussnahme auf EU-Organe, unabhängig vom Ort, an dem die Tätigkeiten ausgeführt werden“, enthalten.

„Die Wiederzulassung von Glyphosat war eine EU-Entscheidung, mit einer endgültigen Abstimmung durch die EU-Mitgliedstaaten“, argumentiert die Aktivistin. FleishmanHillard habe gezielt Entscheider in Brüssel sowie in den EU-Ländern beeinflusst. Die Firmen hätten die Kosten in ihren Registereinträgen nennen müssen. „Das hätte der Öffentlichkeit und den Entscheidungsträgern ein realistischeres Bild der Lobbymacht der Pestizidindustrie vermittelt“, sagte Holland. Monsanto und FleishmanHillard müssten aus dem Register gestrichen werden – und dadurch den Zutritt zu Gebäuden des Europäischen Parlaments verlieren.

Das Sekretariat des Registers antwortete CEO, Monsanto habe nur die Kosten für das Lobbying in Brüssel, aber nicht die Tätigkeiten in den Mitgliedsländern gemeldet. Um Interpretationen in diesem Sinne künftig zu verhindern, werde man die Regeln ändern. Da Monsanto nach der Übernahme keinen eigenen Eintrag im Register mehr habe und Bayer die Zahlen schließlich veröffentlicht habe, seien keine weiteren Sanktionen nötig.

Die angekündigte Klarstellung begrüßte CEO. Aber „Strukturprobleme“ des Registers, weshalb zu geringe Angaben über Lobbyausgaben lange unentdeckt blieben, würden fortbestehen: Das Sekretariat habe zu wenig Personal, um die Daten zu prüfen, sagte Holland. Bayer-Sprecher Holger Elfes schrieb der taz, dass der Konzern „anders [als Monsanto] gehandelt und auch die Aktivitäten in den EU Mitgliedstaaten in seine Erklärung aufgenommen“ habe. „Wir werden selbstverständlich auch in Zukunft höchste Standards in Sachen Transparenz einhalten“, so Elfes.


Aus: "Pestizidhersteller Monsanto: Die heimlichen Glyphosat-Gelder" Jost Maurin (27. 5. 2020)
Quelle: https://taz.de/Pestizidhersteller-Monsanto/!5688629/

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[...] Die Wut bleibt, auch ohne Opferrolle. Geschichten von Betroffenen sexueller Gewalt können anders erzählt werden, findet unsere Autorin Gilda Sahebi.

In ihrem Buch „King Kong Theorie“ schreibt die französische Feministin Virginie Despentes darüber, wie sie mit 17 von drei Männern vergewaltigt wurde. Was sie über ihr Leben nach der Vergewaltigung erzählt, ist bei mir in besonderer Erinnerung. In unserer Gesellschaft, so Despentes, lernen Frauen, schwach zu sein, sobald sie angegriffen werden. Sie schreibt: „Eine Vergewaltigung hat als ein traumatisches Ereignis Spuren zu hinterlassen, die man möglichst sichtbar und dekorativ zur Schau trägt: Angst vor Männern, Angst vor Dunkelheit, Angst vor Unabhängigkeit.“

An diese Sätze denke ich, als ich das Video „Männerwelten“ sehe. 15 Minuten Länge, beste Sendezeit auf Pro7, Millionen Menschen haben dieses Video inzwischen im Netz gesehen; den Sendeplatz stellten die Entertainer Joko und Klaas zur Verfügung, waren aber an der Erstellung des Videos nicht beteiligt.

Das Video zeigt Frauen, die sexuelle Belästigung, Missbrauch, Vergewaltigung erlebt haben. Sie sind umgeben von Dunkelheit. Ich sehe bewegungslose Frauen, als seien sie starr vor Angst. Diese Frauen, in diesem dunklen Raum, in diesem Keller, fast wie Puppen. Starr vor Angst? Starr vor Wut? Ich sehe Frauen vor mir, die Opfer sind. Opfer von Männern. Die wohl älteste Erzählung der Geschichte. Einer Geschichte, die von Männern erzählt wird. Und wir glauben sie.

Für mich bringt es „Männerwelten“ wieder hoch: das Gefühl, Opfer zu sein. Ich spüre wieder diese Scham. Sie begleitete mich jahrelang, seit jenem Tag, an dem ich erlebte, was Sex sein kann. Ein Mittel der Gewalt. Ein Mittel der Demütigung. Ein Mittel der Macht. Scham. Sie kroch damals in mich hinein, in meinen Körper, in meinen Geist. Machte mich krank. Zahllose Krankenhausaufenthalte, ratlose Ärzte, ich galt als austherapiert, unheilbar. Ich wusste nicht, dass es das Gefühl war, der Welt ausgeliefert zu sein, und die Angst, die meinen Körper krank machten.

In dem Moment, in dem es passiert – sexueller Missbrauch, Belästigung, Hass –, sind wir Opfer. Aber wie lange sollen wir in der Rolle bleiben? Einen Monat? Ein Jahr? Ein ganzes Leben? So lange, wie es sich in unserer männerdominierten Gesellschaft gehört? Müssen wir die Opferrolle immer wieder reproduzieren?

Ich hatte der Erzählung geglaubt. Jahrelang. Ich bin Opfer von Männern. Opfer meiner Geschichte. Opfer meiner Umstände. Die bösen Männer. Sie bringen Scham, bringen Schmerz. Mein Glück, meine Gesundheit, meine Unversehrtheit hängen davon ab, was Männer tun, wie sie sich verhalten, ob sie Frauen respektieren oder nicht. Ich war wütend.

Ich war wütend, wenn ein Oberarzt uns Medizinstudentinnen alle „Uschi“ nannte, weil er keine Lust hatte, sich die Namen von uns Frauen zu merken, während die Männernamen ihm problemlos über die Lippen gingen. Ich war wütend, wenn ein Redakteur mir nächtliche Nachrichten von der Hotelbar schrieb, er denke an mich, er könne viel für mich und meine Karriere tun, wenn ich wollte.

Ich war wütend, wenn ein Mann im Park seinen Penis entblößte und mit ihm vor mir herumwedelte. Ich war wütend, wenn ein Journalist mir, der Praktikantin, abends in einer Bar betrunken die Zunge in den Hals steckte und ich ihn wegstoßen musste, damit er aufhört. Ich war wütend, empört, schockiert. Nur: Hinter all der Wut steckte stets das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Wütend zu sein, aber machtlos. Selbst wenn ich anderen davon erzählte. Selbst wenn ich mich wehrte. Ich blieb in der Opferrolle.

In unserer Gesellschaft wird von Frauen verlangt, dass sie sich auch wie Opfer verhalten, wenn sie Opfer geworden sind. Eine Frau die, wie Virginie Despentes, beim Trampen vergewaltigt wird und auch nach der Vergewaltigung weiter trampt? Unerhört. Sie hat keine Angst? Sie hat aber Angst zu haben.

Eine Frau, die sexuellen Missbrauch erlebt hat und weiter Lust auf Sex und Promiskuität hat? Unerträglich. Sie ist nicht erschüttert? Sie hat aber erschüttert zu sein. Eine Frau, die vergewaltigt wurde und vor Gericht nicht weint, nicht verängstigt, nicht traumatisiert auftritt? Unglaubwürdig. Sie ist nicht zerstört? Sie hat aber zerstört zu sein.

Eine „starke“ Frau ist eine Frau im Gegensatz dazu nur, wenn sie erfolgreich alle Rollen ausfüllt, die sie auszufüllen hat, und das, ohne sich zu beschweren. Aber warum brauchen wir überhaupt die Bilder von „starken“ Frauen? Warum benutzen wir das Wort „stark“ bei Männern nur, wenn wir sagen wollen, dass sie Muskeln haben? „Frau“ alleine reicht nicht, um mit Stärke in Verbindung gebracht zu werden. Sagen wir nur „Frau“, liegt der Gedanke an Schwäche näher als an Stärke. Das ist die Erzählung.

Als ich ganz unten, im Keller, in der Dunkelheit angekommen war, gezeichnet von Krankheit, lebensmüde, starr, bewegungslos, fragte ich mich: Was, wenn ich mich entscheide, dieser Erzählung nicht mehr zu glauben?

Ich möchte die Geschichten der Frauen hören, die dort unten im Keller der Männerwelten stehen. Ich bewundere sie für ihren Mut, dort zu stehen und ihre Geschichten zu erzählen. Ich fühle mich ihnen nah, auch wenn ich ihre Erlebnisse nicht nachfühlen kann, weil jeder Mensch ein solches Trauma anders fühlt, erlebt, spürt. Es ist wichtig, dass sie ihre Geschichten erzählen. Nicht nur damit jene sie hören, die sich den Alltag einer Frau in dieser Gesellschaft nicht vorstellen können. Nicht nur, damit sich etwas ändert. Sondern auch, um aus dem dunklen Keller herauszukommen, in dem wir unsere Geschichten jahrelang versteckt haben.

Ja, ich möchte die Geschichten dieser Frauen hören, aber nicht im dunklen Keller. Wir alle müssen uns diesen Geschichten stellen, wir müssen sehen, was in unserer Gesellschaft passiert. Aber wenn Frauen sich selbst aussuchen, wie sie ihre Geschichten sexueller Gewalt erzählen – wäre es wirklich auf diese Art und Weise? In Dunkelheit, in Stille, in Starre? Im Keller? Oder vielleicht doch lieber mit Kraft, mit Licht, mit Macht? Vielleicht mit dem Satz: Ich war Opfer. Aber ich lasse es nicht mehr zu, dass ihr mich immer und immer wieder zum Opfer macht.

Die Wucht ihrer Geschichten würde an nichts verlieren, im Gegenteil, wir würden sehen, wie viel Resilienz und wie viel Lebenswillen es bedarf, um nach einem solchen Trauma weiterzumachen. Wir brauchen keinen Keller und keine geisterhafte Aufmachung, keine Opferinszenierung, um das zu verstehen.

Es wäre ehrlicher gewesen, wenn Joko und Klaas selbst durch die Ausstellung geführt hätten. Es ist ihre Plattform. Ich sehe die Frauen in diesem Video durch einen männlichen Blick. Erstarrt, still, schockiert.

Und ich sehe, dass es niemandem auffällt, wie verstörend es eigentlich ist, was wir da sehen. Frauen als Opfer zu sehen ist für uns normal. Niemanden stört es, dass die Frauen im Halbdunkel stehen, sich nicht bewegen, starre Gesichter haben, fast geisterhaft wirken, als seien sie nicht mehr richtig lebendig aufgrund dessen, was ihnen angetan wurde. So normal ist es für uns alle, Frauen auf diese Weise zu sehen, dass es uns nicht einmal mehr auffällt.

Es ist nur mein eigenes Gefühl, das ich beschreiben kann. Jede Frau, die sexualisierte Gewalt erlebt hat, hat einen anderen Blick, sieht dieses Video anders, empfindet ihre Geschichte anders. Für mich aber war das Gefühl, Opfer zu sein, ein Gefängnis, in das ich mich selbst geschlossen hatte. Niemand hatte mich dazu gezwungen.

Was mir passiert ist, habe ich mir nicht ausgesucht. Aber ich hatte geglaubt, der Weg nach dem Missbrauch sei vorgezeichnet. Schließlich war es das, was ich überall sah, zu sehen bekam: Frauen, die sexuellen Missbrauch, Übergriff, Hass erleben, sind gezeichnet. Dieser eine Moment, diese furchtbare Zeit in ihrem Leben, diese traumatisierenden Erfahrungen prägen den Rest ihres Lebens, binden sie an den Täter, an die Männer. Das ist nicht wahr. Ich hörte auf, der Erzählung zu glauben.

Heute weiß ich, dass es genau das ist, was die Täter wollen: uns ein Leben lang zu Opfern zu machen. Uns in der Opferrolle zu wissen, ist für sie Genugtuung und Belohnung zugleich. Ich tue ihnen diesen Gefallen nicht mehr. Es war ein langer, schmerzhafter Weg, mich von diesem Opfergefühl zu befreien. Gesund zu werden, zu heilen. Zu verstehen: Es ist nicht meine Scham. Es ist die Scham der Täter. Und ich nehme sie ihnen nicht mehr ab.


Aus: "Sexuelle Gewalt an Frauen: Nicht meine Scham" Gilda Sahebi (28. 5. 2020)
Quelle: https://taz.de/Sexuelle-Gewalt-an-Frauen/!5685224/

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Walter Sobchak

Guter Artikel, der mir half zu verstehen, was (auch) ich an dem "Männerwelten"-Video kritikabel fand. Das ganze war stilistisch (zu) nah am Horrorfilm. Es scheint mir schon geboten, solchen Beiträgen eine Art Triggerwarnung vorweg zu stellen, aber bereits die Einleitung wirkte angsteinflößend. Der Versuch, dieser Atmosphäre ein paar resolut auftretende Frauen entgegenzustellen, die mutig den Keller der Abscheulichkeiten durchschreiten, war unglücklich und zum Scheitern verurteilt. So edel die Intention der MacherInnen gewesen sein mag, haben sie doch etwas erschaffen, was in seiner Bildsprache und der Vertonung eine Opferperspektive reproduziert. Das Kämpferische blieb leider hinter dem Devoten zurück. "Männerwelten" hätte ans Tageslicht gehört und - ja - vielleicht wäre es auch geschickter gewesen, Männer durch die Ausstellung führen zu lassen.


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[...] BERLIN taz/afp/rtr | Der Chemiekonzern Bayer hat sich im Rechtsstreit über Krebserkrankungen durch das Pestizid Glyphosat einem Medienbericht zufolge mit vielen Klägern geeinigt. Das Leverkusener Unternehmen habe Vereinbarungen mit 50.000 bis 85.000 der schätzungsweise 125.000 Kläger in den USA getroffen, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag unter Berufung auf Verhandlungskreise. Die Vereinbarungen müssten noch unterzeichnet werden.

Die Entschädigungen für die Kläger reichen von einigen Tausend Dollar bis zu einigen Millionen Dollar pro Fall. Laut Bloomberg wird Bayer der Vergleich rund 10 Milliarden Dollar kosten.

Bayer hatte 2018 den US-Saatguthersteller Monsanto übernommen, der auch glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel produziert. Die Kläger machen diese Pestizide für ihre Krebserkrankungen verantwortlich. Nach ersten Gerichtsentscheidungen begann ein Mediationsverfahren, in dem Möglichkeiten für einen Vergleich ausgelotet werden sollen. Laut Bloomberg sollen die nun erzielten Vereinbarungen im Juni bekannt gemacht werden. Der Aufsichtsrat von Bayer müsse zuvor noch zustimmen.

„Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass dieser Vergleich im Rechtsstreit über Glyphosat so abgeschlossen wird“, sagte Markus Mayer, Analyst von Chemieaktien bei der Baader Bank, der taz. Allerdings: „Wenn der Vergleich 10 Milliarden Dollar kosten wird, wird sich die Übernahme nicht rechnen. Sie wird mehr kosten, als sie einspielt. Meine Bewertungsmodelle zeigen, dass die Übernahme ohne die Glyphosat-Rechtsrisiken binnen 20 Jahren nur 5 bis 7 Milliarden Dollar Wertsteigerung bringen würde.“

Auch die Debatte über das mutmaßliche Krebsrisiko durch Glyphosat dürfte der Vergleich nicht beenden. „Das ist ein Zugeständnis an die Kläger“, sagte Helmut Burtscher-Schaden, Biochemiker der österreichischen Umweltorganisation Global 2000, der taz. In den bisher drei US-Prozessen sei Bayer zu hohen Schadenersatzzahlungen verurteilt worden, weil das Pestizid Tumore verursacht habe. Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufe Glyphosat nach wie vor als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner kritisierte, es sei widersinnig, dass Bayer in den USA Vergleiche mit Geschädigten schließen wolle und in der EU eine neue Zulassung für Glyphosat beantragt habe. Bayer-Aktien legten nach dem Bloomberg-Bericht um fast 7 Prozent auf 61,58 Euro zu. Ein Unternehmenssprecher erklärte lediglich, Bayer habe in den Mediationsgesprächen Fortschritte erzielt.

Aktionäre hatten den Monsanto-Kauf scharf kritisiert, weil der Aktienkurs verfiel. Bei der Hauptversammlung Ende April 2019 hatten sie deshalb Konzernchef Werner Baumann und dem Vorstand mehrheitlich die Entlastung verweigert. Der Aufsichtsrat stellte sich damals aber hinter den Vorstand. Glyphosat ist der weltweit meistverkaufte Pestizidwirkstoff. Umweltschützer machen ihn mitverantwortlich für das Aussterben von Pflanzen- und Tierarten.


Aus: "Einigung mit vielen Krebsklägern" Jost Maurin (25.5.2020)
Quelle: https://taz.de/Glyphosat-Prozesse-gegen-die-Bayer-AG/!5684927/

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Otto2 #9

Blackrock war der Strippenzieher. Der Vermögensverwalter verfügte über Anteile bei Bayer und Monsanto. Monsanto steckte mit Glyphosat in einer gewaltigen Klemme.
Die Idee: Bayer kauft Monsanto, zahlt neben dem Kaufpreis viele Mrd. Entschädigung und die Vermögen, die Blackrock verwaltet sind - wenn es gut geht - gerettet.
Fazit: Dieser Vermögensverwalter hat die Fähigkeit, selbst Weltkonzerne zu dirigieren - eine interessante Weiterentwicklung von Marktwirtschaft!
Lesen Sie dazu in der Süddeutschen Zeitung:

21. September 2016, 15:20 Uhr: Monsanto und Bayer:Bei Bayer und Monsanto reden auf beiden Seiten dieselben Investoren mit
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/monsanto-und-bayer-bei-bayer-und-monsanto-reden-auf-beiden-seiten-dieselben-investoren-mit-1.3170377


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Architektur (Bauwerk & Raum) [Verortung] / Stadtgeschichte - Berlin
« on: May 24, 2020, 10:56:58 PM »
Berlin » Stadtgeschichte - Die lange Nacht der Anarchie: 30 Jahre 1. Mai 1987
Martin Schwarzbeck, 30.04.2020
Die Kreuzberger Krawalle am 1. Mai 1987 waren eine Kreuzung aus Party und Bürgerkrieg, der weiträumigste Gewaltausbruch Nachkriegsberlins. Seit 30 Jahren versuchen Linksradikale, jene Nacht zu wiederholen – in der Klaus Kandt, von 2012 bis Februar 2018 Berliner Polizeipräsident, seinen Knüppel zerbrach. Wir haben sie rekonstruiert
https://www.zitty.de/die-lange-nacht-der-anarchie-30-jahre-1-mai-1987/

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[...] Update vom 13. Mai 2020: Der Sonderweg Schwedens in der Corona-Krise überraschte zu Beginn der Pandemie. Während die meisten Länder einen Lockdown verhängten, blieben in dem skandinavischen Land Gastronomie, Geschäfte und Schulen offen. Vielmehr sollte an das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung appelliert werden, selbstständig den Kontakt zu anderen Personen einzuschränken. Doch schnell stellte sich heraus, dass die Todeszahlen Schwedens höher waren, als vielerorts auf der Welt.

Gegenüber dem Stern berichtet nun ein Mediziner von einer Intensivstation aus einem Krankenhaus in Stockholm. Dr. Lars Falk sei demnach einer der führenden Mediziner des Landes. Auf seiner Station werden Patienten behandelt, die unter Sauerstoffmangel leiden und beispielsweise künstlich beatmet werden müssen. Wie Falk weiter berichtet, seien die Patienten auf die Geräte angewiesen. Sie würden bei einer gewöhnlichen Behandlung vermutlich innerhalb von 24 Stunden sterben.

Der Mediziner verdeutlicht, dass in Schweden rund 26.000 Personen offiziell positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Rund 523 Intensivbetten gebe es laut Stern dagegen. Aus diesem Grund sei die Station unter der Leitung von Dr. Falk aus Stockholm immer voll besetzt.

Der Mediziner erklärt weiter, dass aus diesem Grund sorgfältiger überlegt werden müsse, wer einen Platz auf der Station zugeteilt bekomme. „Die Plätze werden immer knapper“, verdeutlicht Dr. Falk. „Dabei müssen wir aber natürlich andere Patienten aussortieren. Das sind wirklich schwierige Entscheidungen, die nicht leicht fallen“, zitiert der Stern den Arzt.

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Update vom 24. Mai 2020:  Schwedens Sonderweg in der Corona-Krise gerät immer mehr in die Kritik. Annika Linde, ehemalige Staatsepidemiologin des Landes, hatte zwar anfangs ihren Nachfolger Anders Tegnell, der die schwedische Regierung in der Coronavirus-Krise berät, unterstützt. Da die Todeszahlen aber im Vergleich zu den Nachbarländern Dänemark, Norwegen und Finnland deutlich höher sind, hat sie nun ihre Meinung geändert. Mittlerweile denkt sie, dass in der Frühphase der Pandemie strengere Restriktionen hätten erlassen werden müssen.

„Ich denke, wir hätten mehr Zeit zur Vorbereitung benötigt. Hätten wir früh einen Lockdown gemacht, hätten wir in dieser Zeit sicherstellen können, dass wir das Notwendige zum Schutz der Schwachen tun können“, sagte sie gegenüber dem britischen Observer.

Laut dem Tagesspiegel hatte Schweden an zwei Tagen der vergangenen Woche im gleitenden Sieben-Tage-Durchschnitt die höchste Pro-Kopf-Todesrate der Welt. Schweden verzeichnet 392 Tote pro eine Million Einwohner. In Norwegen sind es beispielsweise nur 44. Deutschland verzeichnet 100 Verstorbenen pro eine Million Einwohner. Vor allem in Pflegeheimen fordert das Coronavirus viele Tote. Mehr als die Hälfte aller Todesfälle stammen aus solchen Heimen.

Staatsepidemiologe Tegnell und Ministerpräsident Stefan Löfven hatte zwar von Anfang an betont, dass besonders ältere Menschen geschützt werden sollten, gestanden aber mittlerweile ein, dass dies gescheitert sei. Tegnell erklärte am Sonntag im schwedischen Radio: „Es ist eine schreckliche Situation, in der wir gelandet sind, die unsere Gesellschaft wirklich herausfordert.“ Trotzdem glaube er nicht, dass ein Lockdown die Ausbreitung in den Heimen verhindert hätte. „Ich bezweifele, dass wir sehr viel mehr hätten tun können. Wie hätten wir das Pflegesystem in wenigen Wochen ändern können?“

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Aus: "Höchste Pro-Kopf-Todesrate der Welt - Lockdown Verschlafen: Schwedens Ex-Staatsepidemiologin kritisiert Sonderweg - Regierung gesteht Scheitern ein" (24.05.2020)
Quelle: https://www.merkur.de/welt/coronavirus-schweden-sonderweg-zahlen-kritik-todesrate-who-regeln-kritik-anders-tegnell-scheitern-zr-13746997.html

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[...] Schweden erreicht in der Coronavirus-Krise eine weitere traurige Höchstmarke: Die staatliche Gesundheitsbehörde hat am Sonntag 3998 Tote nach einer Covid-19-Erkrankung in dem Land mit rund 10,2 Millionen Einwohnern gemeldet. Da sonntags nicht alle Zahlen einlaufen, sondern Anfang der Woche nachgemeldet werden, dürfte die Marke von 4000 bereits überschritten sein.

Pro eine Million Einwohner verzeichnet Schweden 392 Tote, deutlich mehr als Norwegen (44), Dänemark (97) und Finnland (55), die sich alle für einen Lockdown entschieden hatten. Auch Deutschland hat mit 100 Verstorbenen pro eine Million deutlich weniger.

Großes Problem in Schweden sind die Senioren- und Pflegeheime. Mehr als die Hälfte aller Todesfälle werden aus solchen Einrichtungen gemeldet.

Die Situation in der Pflege ist inzwischen Gegenstand heftiger Debatten, zumal es wiederholt Berichte gab, dass nicht alle älteren Menschen die medizinische Versorgung bekommen, die sie benötigen. So soll beispielsweise älteren Bewohnern die Gabe von Sauerstoff verwehrt worden sein.

Die ehemalige Staatsepidemiologin Schwedens, Annika Linde, geht nun auf Distanz zu ihrem Nachfolger Anders Tegnell, der die schwedische Regierung in der Coronavirus-Krise berät und sich stets gegen einen Lockdown ausgesprochen hat. Nachdem Linde zuvor den Kurs Tegnells unterstützt hatte, ist sie wegen der hohen Todeszahlen im Vergleich zu den Nachbarländern nun der Meinung, dass die Behörden in der Frühphase der Pandemie strengere Restriktionen hätten erlassen müssen, um das Virus unter Kontrolle zu bringen.

„Ich denke, wir hätten mehr Zeit zur Vorbereitung benötigt. Hätten wir früh einen Lockdown gemacht, hätten wir in dieser Zeit sicherstellen können, dass wir das Notwendige zum Schutz der Schwachen tun können“, sagte Linde dem britischen „Observer“ und zuvor bereits der schwedischen Tageszeitung „Dagens Nyheter“. Linde war Schwedens Chefepidemiologin von 2005 bis 2013. In ihre Amtszeit fielen die Schweinegrippe und die Sars-Epidemie.

Regierung und Gesundheitsbehörde hatten seit Beginn der Pandemie auf die Vernunft der Bürger gesetzt und an die Bürger appelliert, soziale Kontakte zu minimieren und Abstand zu halten. Menschen über 70 sollen zu Hause bleiben. Kindergärten, Schulen für Kinder unter 16 Jahre und Geschäfte sind geöffnet. Dies gilt unter Auflagen auch für die Gastronomie.

Versammlungen sind bis zu 50 Personen erlaubt. Die Menschen sollen im Homeoffice arbeiten und bei Symptomen auf jeden Fall zu Hause bleiben. Strikt verboten sind dagegen seit Anfang April Besuche in Alten- und Pflegeheimen, von wo inzwischen der ganz überwiegende Teil der Todesfälle gemeldet wird.

Der schwedische Ansatz hat international Irritationen und Kritik ausgelöst. Auch im Land ist der Kurs der schwedischen Regierung längst nicht unumstritten; schon seit geraumer Zeit fordern zahlreiche Wissenschaftler einen radikalen Kurswechsel. Löfven und Tegnell wird vorgeworfen, das Leben vieler leichtfertig aufs Spiel zu setzen – unter anderem, um die Wirtschaft zu schützen, die wegen ihrer Abhängigkeit vom Export aber auch massiv von der Coronavirus-Krise betroffen ist.

Premier Löfven hatte zum zu erwartenden Ausmaß der Pandemie am 3. April der Zeitung DN gesagt, Schweden verfolge die Strategie, den Anstieg der Infektionsfälle zu verzögern, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. „Aber das beinhaltet zugleich, dass wir weitere Schwerkranke haben werden, die Intensivpflege benötigen, wir werden bedeutend mehr Tote haben. Wir werden mit Tausenden Toten rechnen müssen. Darauf sollten wir uns einstellen.“

Tegnell hatte, wie Löfven, zwar von Beginn an in der Krise betont, wie wichtig es sei, ältere Mitbürger besonders zu schützen. Beide gestanden aber inzwischen ein, dass dies gescheitert sei. Tegnell sagte am Sonntag im schwedischen Radio DN und dem Sender SVT online zufolge: „Es ist eine schreckliche Situation, in der wir gelandet sind, die unsere Gesellschaft wirklich herausfordert.“

Dass Schweden so viel mehr Tote zu beklagen habe als die Nachbarländer nannte Tegnell eine „extrem beklagenswerte Situation“. Gleichzeitig äußerte er die Hoffnung, dass die Pandemie die anderen Landesteile nicht so heftig treffen werde wie die Region der Hauptstadt Stockholm. Von dort wird mit 1936 knapp die Hälfte aller Todesfälle und mit rund 11.200 rund ein Drittel der insgesamt gut 33.500 bestätigten Infektionen des Landes gemeldet.

Über die Schwächen und Probleme des Pflegesystems in Schweden werde seit vielen Jahren diskutiert, sagte Tegnell. „Aber ich glaube nicht, dass sich jemand hätte vorstellen können, wie fürchterlich deutlich das werden würde.“

Wie genau es kommen konnte, dass die Heime in Schweden so stark betroffen sind, will die Regierung untersuchen lassen. Experten führen als einen Grund immer wieder fehlende Schutzkleidung zu Beginn der Coronavirus-Krise an. Sozialministerin Lena Hallengren hatte zudem bereits angedeutet, dass die vielen Zeitarbeiter und Aushilfskräfte, die in der Branche ohne feste Verträge arbeiten, eine Rolle dabei spielten, dass sich das Virus so stark ausgebreitet habe. Diese würden jeden Tag andere Ältere versorgen und könnten es sich nicht leisten, zu Hause zu bleiben, wenn sie etwas krank werden.

Tegnell sagte, er glaube nicht, dass ein Lockdown die Ausbreitung in den Pflegeeinrichtungen verhindert hätte. „Ich bezweifele, dass wir sehr viel mehr hätten tun können“, sagte er. „Wie hätten wir das Pflegesystem in wenigen Wochen ändern können?“ Es sei sehr einfach, jetzt mit der Kritik zu kommen, wenn ein Lockdown gemacht worden wäre, hätte man mehr tun können, sagte er mit Blick auf seine Vorgängerin Linde. „Wenn ich die Frage stelle, was genau wir hätten tun können, bekomme ich nicht mehr so viele Antworten.“


Aus: "Fast 4000 Coronavirus-Tote in Schweden „Wir sind in einer schrecklichen Situation gelandet“" Sven Lemkemeyer (24.05.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/fast-4000-coronavirus-tote-in-schweden-wir-sind-in-einer-schrecklichen-situation-gelandet/25855760.html

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lieselotta 18:40 Uhr

Leider haben die Menschen in Pflege- und Altersheimen wohl keine große Lobby mehr im Land. Und selbst können sie sich auch nicht mehr wehren. Aber wie sie mit ihren Schwächsten umgeht, daran erkennt man eine Gesellschaft. ...


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ach 17:53 Uhr

Was haben die Schweden eigentlich so falsch gemacht, daß man ständig jemanden sucht, der sie kritisiert?
Neulich der Journalist, der schon seit Jahren nicht mehr Schweden lebt. Heute Frau Linde.


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Hanebutt 18:49 Uhr

Antwort auf den Beitrag von ach 17:53 Uhr
Sie haben den Virus nicht wirklich ernst genommen, obwohl er spät kam. Sie haben sehr wenig getan, die besonders gefährdeten Einwohner zu schützen.
Hier habe ich meist nur lobende Worte über die Abgeklärtheit der Schweden gelesen. ...


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ach 19:21 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Hanebutt 18:49 Uhr
Kann man ja so sehen. Und wenn es zu vielen anderen Ländern jeweils auch Einzelartikel geben würde, wäre auch dieser hier in Ordnung.


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leuchtturmwart 19:32 Uhr

Antwort auf den Beitrag von ach 17:53 Uhr
Also ich habe viele Kontakte nach Schweden, zu Schweden. Ich sage Ihnen mal was: dort wird schon weit Wochen scharf diskutiert. Eigentlich ist die Information hierüber in Deutschland  extrem oberflächlich. Und viel zu moderat.Gerade die Ärzte und  Wissenschaftler sind mehrheitlich schon länger sehr skeptisch. ...


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[...] Update, 18.05.2020: Die gute Nachricht zuerst: Entgegen der Ankündigungen von Attila Hildman, in der Riege der Verschwörungstheoretiker berühmt gewordener Vegan-Koch, hat sich das Land seit dem 15. Mai 2020 nicht spürbar verändert. Zumindest nicht dahingehend, wie es Hildmann auf allen ihm zur Verfügung stehenden sozialen Medien orakelt hat.

Die „bösen Mächte“ aka Regierenden haben nicht ihre „Masken“ abgenommen und der bundesrepublikanischen Demokratie im Zuge der Corona-Krise ein Ende bereitet. Auch wenn er in einer Rede vor dem Berliner Reichstag am Samstag von dieser Vision nicht ablassen wollte.

„Liebe Freunde der Demokratie“, begrüßte der Koch jene Anhängerschaft, die - Applaus Applaus, „große Sorgen um die Zukunft dieses Landes“ hätte - „und diese Sorgen sind berechtigt.“

Was dann folgte, war das übliche Geschwurbel von einer „Pharmamafia“, die das Land regiere, von „kleinen Eliten“, die nur „Böses“ vorhätten. Natürlich auch von den düsteren Plänen eines Bill Gates und eigenlogisch von Meinungen, die man angeblich nicht sagen dürfe - obwohl insbesondere Hildmann seit Wochen nichts anderes tut.

„Wir sind schon mitten im Faschismus und in der Diktatur“, zog er seine Schlüsse. Wäre dem so, hätte er seinen kleinen Vortrag keine zwei Minuten halten können. Aber Widersprüche zu erkennen, war noch nie die Kernkompetenz von Verschwörungstheoretikern.

...


Aus: "Attila Hildmann, Bill Gates und die große Corona-Verschwörung" Katja Thorwarth (21.05.20)
Quelle: https://www.fr.de/meinung/attila-hildmann-corona-krise-koch-coronvirus-dreht-frei-13748885.html

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cashmerewolle

wie schade, dass wir hier nicht auch so eine tolle Einrichtung wie die Briten im Londoner Hyde-Park haben. 'Speakers Corner' heisst die Ecke, wo sich an jedem Sonntag, wer sich berufen fühlt, seine Ansichten kundtun kann. Dieser Koch, von dem die Frau Thorwarth hier berichtet, wäre dort sicher bestens aufgehoben. ;)


...

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[...] Seit sich immer weniger Menschen mit Corona infizieren, sind immer mehr Menschen überzeugt: Das ist doch ein Komplott. Die Verschwörungslust greift um sich, erfasst Rechte und Linke, Hippies und Nazis, Unternehmer und Juristen. Viele alte Bekannte sind dabei, von Pegida, Occupy und der AfD. Aber auch ganz neue.

Leute wie der Bad Homburger Unternehmer, dessen Name „keine Rolle spielt“, wie er sagt, der aber keine Scheu hat, mitten in Frankfurt am Main das Mikrofon zu ergreifen. „Ich selbst gehöre zu den Gewinnern des Systems“, so stellt sich der Mann mit graumeliertem Schopf vor, und man glaubt es ihm auf Anhieb: randlose Brille, hellblaues Hemd, kleiner schwarzer Rucksack.

Dutzende stehen vor ihm, manche im Che-Guevara-Shirt, manche in Batikkleidern, andere mit Glatzen und trainierten Muskeln. In hessisch gefärbtem Hochdeutsch erzählt der Mann, wie er Firmen mit Hunderten Mitarbeitern aufgebaut und an die Börse geführt habe. „Ich habe immer von diesem System profitiert“, sagt er, „aber ich kann für dieses System keinen Tag länger stehen.“

Jubel brandet auf, die Leute reißen ihre Hände hoch, der kleine grauhaarige Mann mit dem „IM Erika“-Schild genauso wie die Muslimin mit Kopftuch und Mundschutz, auf dem „Maulkorb“ geschrieben steht. Und dem Mann im Hemd bricht ein wenig die Stimme.

„Das berührt mich derartig emotional“, sagt er, und man kann nur ahnen, was sich in seiner Gefühlswelt abspielt: die Erleichterung, Gleichgesinnte gefunden zu haben, der schnell zu Kopf steigende Applaus, der Spaß, einer Menge einzuheizen.

Weitere Geständnisse: „Ich war komplett im Mainstream, meine Kinder sind durchgeimpft, ich bin durchgeimpft.“ Teilnahmsvolles Schweigen, der Mann holt Luft: Aber es sei doch „derartig offensichtlich, was hier passiert“.

Was es ist, was hier so offensichtlich passiert, darüber verliert der Unternehmer kein Wort. Sein Publikum braucht er von nichts mehr zu überzeugen. Eingeweihte unter sich.

Doch dem Mann ist schmerzlich bewusst, dass die Schar seiner Zuhörer nur eine Minderheit ist. Der Glaube ist zwar ansteckend, aber exponentiell verbreitet er sich nicht. Die meisten Deutschen sind immun gegen die Theorie, dass hinter der Pandemie ein großer Plan stehe.

Den Redner macht das unglücklich: „Selbst die nächsten Verwandten, die Freunde, die halten einen alle für verrückt, das habt ihr alle bestimmt auch gemerkt.“ Trotzige Rufe: „Jawoll.“

„Ich weiß gar nicht, ob man das hier sagen darf“, raunt der Geschäftsmann ins Mikrofon, und einige machen erregt einen kleinen Schritt nach vorn, um besser zu hören. Die geheime Botschaft: „Man muss sich Telegram installieren, danach weiß man mehr.“

Wieder frenetischer Applaus, der diesmal nicht nur dem smarten Unternehmer, sondern wohl auch einigen Helden des Publikums gilt. Es sind semiprominente Verschwörungstheoretiker wie der vegane Koch Attila Hildmann oder der apokalyptische Sänger Xavier Naidoo, die über den Nachrichtendienst Telegram ihre Ansichten verbreiten.

Der Mann müsste jetzt gemerkt haben, dass man das sagen darf. Er hat die Worte jedenfalls mitten in Frankfurt in ein Mikrofon gesprochen, erhöht vom Sockel des Gutenberg-Denkmals, so dass ihn auch sämtliche Polizisten, Journalisten und Gegenprotestler gut hören konnten. Passiert ist nichts.

Noch weniger als nichts regte sich im Gesicht der bronzenen Figur über ihm. Den Vater des Buchdrucks, Revolutionär der Massenkommunikation, bringt kein „Lügenpresse“-Gebrüll aus der Fassung.

Acht Wochen habe „der Prozess“ bei ihm gedauert, berichtet der Redner, und es klingt ein wenig nach den verschiedenen Stufen bei Scientology, die man da durchlaufen muss: den Widerstand aufgeben, „googeln“, „aufwachen“ und dann missionieren.

„Zieht die Leute in die Kanäle rein, aus denen ihr euch informiert!“, ruft der Unternehmer in die Menge. „Sagt: Ich kann nicht verlangen, dass du meine Meinung annimmst, aber investiere fünf Minuten.“ Diesen Freundschaftsdienst sei einem doch jeder Freund schuldig.

Als der Mann vom Sockel steigt, umringen ihn begeisterte Zuhörer. Wie kann man sich vernetzen, wie sich organisieren? Der Graumelierte winkt ab. „Danke Ihnen, toll!“, rufen zwei Damen. Und: „Wie heißen Sie?“ Brüsk: „Spielt keine Rolle.“

Enttäuscht zieht von dannen, wer hier schon den Anführer einer Bewegung geboren sah. Smart und eloquent, ja, aber offenbar noch nicht bereit für größere Aufgaben.

Plötzlich naht die Antifa, es wird unübersichtlich. Eine Pegida-Aktivistin brüllt in ein Megafon, ein Gegendemonstrant will es ihr entreißen, einer zeigt den Hitlergruß. Die Polizei greift sofort ein.

Dem Unternehmer, der eben noch im Licht der großen Bühne stand, wird es etwas zu bunt; er eilt in den Schatten.

Wer ist dieser Mann, der Erfolg und Familie hat und hier seiner Wut über die deutsche Corona-Politik Luft macht? Wer ihm eine Weile zuhört, der erfährt genug, um seinen Namen im Internet zu finden, und der kann sehen, dass er wirklich Firmen aufgebaut und an die Börse geführt hat. Was treibt so einen auf die Straße nach all den Jahren, in denen er, wie er sagt, immer zufrieden war?

Eine persönliche Antwort, das muss man gleich sagen, bekommt man von ihm nicht. Der Mann hat eine Mission, und wie es so ist bei Missionaren, kennen sie nur ein Thema. Deshalb legt er sofort los, spricht über „den kleinen Kreis an Leuten, der uns fremdbestimmt“, Merkel und Bill Gates, das große Geschäft mit der Zwangsimpfung.

„Wissen Sie, was 2014 passierte, als Gates seinen Tetanus-Impfstoff nach Afrika brachte?“ – „Haben Sie Bill Gates 2011 bei Lanz gesehen, als er ganz offen über seine wahren Ziele gesprochen hat?“

All diese Fragen muss man mit nein beantworten, wenn einem die Legenden der Verschwörungstheoretiker fremd sind. Es ist ein bisschen, als sprächen die Leute hier eine andere Sprache, und dass die meisten Menschen diese Sprache nicht verstehen, bestärkt den Unternehmer nur in seinem Eindruck, dass er als Einziger Bescheid wisse.

So ist der Mann überzeugt davon, dass Gates junge Afrikanerinnen massenweise mit seinem Tetanus-Impfstoff sterilisiert habe. Die Weltgesundheitsorganisation weist das Gerücht des unfruchtbar machenden Impfstoffs seit Jahrzehnten als falsch zurück. Und obwohl es keinerlei Belege für diese wilde Theorie gibt, wird sie seit dreißig Jahren immer wieder neu ausgegraben und in den verschiedensten Varianten befeuert.

Der Unternehmer behauptet: Gates habe das in seinem Interview mit Markus Lanz sogar zugegeben, habe dort ausgeplaudert, durch Impfungen das Bevölkerungswachstum verringern zu wollen.

Was Gates in der Sendung wirklich sagte: dass er mit den Impfkampagnen Kinder am Leben erhalten will. Dass er erst zurückhaltend war, weil er fürchtete, andere Probleme würden durch eine Überbevölkerung verschärft, dann aber feststellte, dass das Gegenteil der Fall ist: „Wenn man die Gesundheit verbessert, gründen die Eltern kleinere Familien, weil sie wissen, dass ihre Kinder auch wirklich aufwachsen und sie später unterstützen können.“

Vielleicht ist das schwer zu verstehen. Gates hat es ja zuerst auch nicht für möglich gehalten. Um daraus ein Beweisstück für Eugenikpläne zu machen, braucht es allerdings wirklich den Willen dazu.

Der Mann aus Bad Homburg aber ist wie beseelt von all diesen Dingen, die er neu gelernt hat: „Wissen Sie, was in den HPV-Impfstoffen drin ist?“ – „Wissen Sie, dass die Spanische Grippe die Folge eines riesigen Impfunfalls ist?“

Unzählige Faktenprüfer haben all diese Thesen als falsch entlarvt, doch Verschwörungstheoretiker recherchieren nach einer anderen Logik: Alles, was man im Netz finden kann, dient als Beleg. Alles, wovon nicht das Gegenteil bewiesen ist, gilt als wahr.

Wenn die Tageszeitungen über Pannen des Robert-Koch-Instituts berichten, werden die Artikel munter geteilt, nach dem Motto: Wenn das sogar die Systempresse schreibt, muss es ja stimmen. Wenn im Fernsehen die Zahlen der Covid-Toten bekanntgegeben werden, heißt es dagegen: alles Lügen.

Oft sind die Thesen so aus der Luft gegriffen, dass man sie weder widerlegen noch belegen kann. Nach juristischen Maßstäben heißt das: Die Vorwürfe würden nicht einmal für einen Anfangsverdacht ausreichen, den es braucht, damit etwa die Polizei oder der Staatsanwalt Ermittlungen aufnimmt.

Es ist ungefähr so logisch wie die Entwicklung der Demonstrationen. Je lockerer die Maßnahmen gegen das Virus werden, desto größer der Widerstand. Am Anfang, als sich die Toten in Bergamo stapelten, hielten sie still. Jetzt, da die Gefahr eingedämmt ist, sagen sie: Seht ihr, war doch alles gar nicht nötig.

So logisch auch, wie die Argumente des AfD-Lokalpolitikers in Lederhosen, der Faltblätter an Jugendliche verteilt und erklärt: „Merkel ist eine Marionette, aber sie weiß genau, was sie tut.“

Nur acht Wochen hat der Unternehmer aus Bad Homburg gebraucht, um sich alle diese Widersprüche anzueignen. „Ich war voll auf Linie, habe ARD und ZDF geschaut, die F.A.Z. und die ,Welt‘ gelesen“, berichtet er. Dann hat er ein Medium gefunden, das ihm noch besser gefällt. Was gibt es auf Telegram, das Menschen wie ihn plötzlich in einen solchen Sog zieht?

Der Bad Homburger empfiehlt „zum Einsteigen“ den Kanal von Eva Hermann. Das ist die ehemalige Tagesschau-Sprecherin, die damit anfing, die Familienpolitik der Nazis zu feiern, und mittlerweile die Anführerin einer Art Fake-News-Sekte ist. Hunderttausend Abonnenten hat ihr Kanal, und wer ihm beitritt, stellt fest: Eva Hermann zu folgen ist ein Vollzeitjob.

Im Fünfminutentakt kommen Links zu Artikeln von Russia Today und zu Büchern aus dem Kopp Verlag, Sprachnachrichten und Aufforderungen zum Gebet.

„Schon als Kind habe ich die Hohen Helfer des Lichtes im Himmel gesehen, jetzt weiß ich: Es gibt sie wirklich“, gesteht sie etwa in diesen nächtlichen Gebeten und kommt dann, wie so oft, auf den Ursprung ihrer Radikalisierung zu sprechen, ihre Urkränkung, als sie im Jahr 2007 von Johannes B. Kerner aus der Sendung geworfen wurde. Im Nachhinein ist das für sie ein göttliches Erweckungserlebnis.

„Wenn ihr euch einsam fühlt, als Opfer, hilflos“, so spricht sie als Gekränkte zu anderen Gekränkten, dann sei „im Rückblick immer eine Logik erkennbar“. Wer sich die Mühe macht, sich in dieses Wirrwarr einzuarbeiten, wird belohnt – mit Aufmerksamkeit, Trost und der angenehmen Gewissheit, genau zu wissen, wer Freund und Feind ist.

Bill Gates, der Feind des hessischen Unternehmers, könnte eigentlich auch sein großes Vorbild sein. Gates hat Microsoft gegründet, der Mann aus Bad Homburg immerhin ein paar kleinere Software- und IT-Unternehmen. Der eine hat mit seiner Frau Melinda eine milliardenschwere Stiftung, der andere setzt sich, ebenfalls gemeinsam mit seiner Frau, für hochbegabte junge Menschen ein.

Sucht man im Netz nach Spuren seiner Radikalisierung, wird man nicht fündig. Seine Frau und er scheinen nicht die Art von Menschen zu sein, die Hasskommentare absetzen, Videos drehen oder Verschwörungs-Blogs betreiben.

Man findet lediglich eine Handvoll Interviews und Berichte über den Unternehmer, in denen er etwa erklärt, wie er Deutschlands Marktführer bei Telefonsoftware werden will, über den neuen Trend zu „V-Commerce“ spricht oder seine Auszeichnung als innovativer Mittelständler.

Auch seine Freunde, die jetzt hinzukommen, sehen eher nach FDP-Wählern aus als nach Systemgegnern. Eine der beiden sportlichen Frauen stellt sich als seine Frau heraus.

„Und der hat mich mit den ersten Informationen versorgt“, stellt der Unternehmer sogleich ehrfürchtig seinen Freund vor, einen braungebrannten Mann mit Igelfrisur.

Der Dritte, mit kurzen Hosen und Poloshirt, stellt sich selbst vor: Er habe schon 2008 verstanden, dass „das System an die Wand fährt“. Ach nein, er korrigiert sich: „Mein eigentliches Erweckungserlebnis war der 11. September.“ Klar, stimmt ihm der andere sofort zu, „ein Gebäude bricht in sich zusammen, ohne dass ein Flugzeug reingeflogen ist“.

Die Frauen lauschen. Der Unternehmer gibt zu, das alles habe er nicht so verfolgt. Damals, erklärt er, „hab ich noch nicht kapiert, dass unsere Bundesregierung zu schwach ist, um dem ganzen Druck standzuhalten“. Und er fügt hinzu, indem er sich respektvoll an seinen Komplizen richtet: „Ich sage zu schwach, du bist einen Schritt weiter.“

Wundern sich die Freunde nicht, wer da mit ihnen zusammen demonstriert? Schulterzucken. Die Frau gibt zu bedenken: „Die Andrea ist ja auch ein bisschen alternativer als wir, weil sie sich mit dem Impfthema schon länger beschäftigt.“

Man merkt, dass Andrea für sie ist, was die Kollegen für den Unternehmer sind: jene Freunde, die schon länger dabei sind und nun ihre Bezugspersonen in der neuen Welt wurden.

Eine neue Welt, in der man sich erst einmal zurechtfinden muss. Der Unternehmer aus Bad Homburg mag Herausforderungen. An der Fachhochschule war er Jahrgangsbester, hat Karriere gemacht, eine Familie gegründet. Und jetzt?

Was kommt noch, wenn man fünfzig Jahre alt ist und alles erreicht hat, was man so erreichen kann in diesem Alter? Manche lernen eine neue Sprache oder beginnen zu töpfern. Andere entdecken Telegram.

Plötzlich streng, als störe ihn, dass jetzt alle mitreden: „Wir waren vorhin thematisch noch gar nicht ganz durch.“ Doch zu diesem letzten Kapitel in Sachen Verschwörungstheorien kommt es nicht mehr, weil plötzlich sechs Polizisten auf die Gruppe zusteuern. Sie machen Halt vor dem Kollegen in kurzen Hosen: „Ihren Personalausweis bitte.“

Die Freunde werfen sich entsetzte Blicke zu. Der Unternehmer braucht einen Moment, bis er seine Stimme wiederfindet: „Gucken Sie sich das an, wie der Staat die Meinung unterdrückt! Nur weil er letzte Woche ein Schild hochgehalten hat beim Spaziergang.“

Kurze Zwischenfrage: Weil die Demonstration nicht genehmigt war vielleicht? „Das war doch nur ein Spaziergang.“ Seit wann geht man mit Schildern spazieren? „Das hatte er halt noch von einer anderen Demo dabei.“

Die Beamten schirmen den Mann ein wenig ab. Die Freunde schauen alarmiert. „Das sind Zustände wie kurz vorm Dritten Reich“, presst der Unternehmer zwischen den Zähnen hervor. „Die ziehen den jetzt hier raus und nehmen ihn mit.“

Nach ein paar Minuten sind die Personalien vermerkt. Der Mann mit dem Poloshirt kehrt zu seinen Freunden zurück, vielleicht muss er ein Bußgeld zahlen. Die Polizisten verabschieden sich freundlich: „Danke.“


Aus: "Corona-Demos : Plötzlich abgedriftet" Livia Gerster (23.05.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wie-ein-erfolgreicher-unternehmer-verschwoerungstheorien-naeher-kommt-16782874.html

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[...] Für Italiens bis vor Ausbruch der Seuche in allen Umfragen strahlenden Oppositionsführer Matteo Salvini ist die Lega-regierte Lombardei von der Musterregion zum Mühlstein am Hals geworden. Salvinis Umfragewerte sind regelrecht abgestürzt, die Lega hat ein Drittel ihrer Wähler aus den Europawahlen verloren, liegt nur noch knapp vor den Sozialdemokraten (Partito Democratico).

Nur ein Beispiel für das Missmanagement in den Lega-geführten Regionen: In Mailand kennt jeder den Fall der großen Seniorenresidenz "Pio Albergo Trivulzio", in die man noch Anfang März auf Anordnung von Regionalfunktionären "leichte" Covid-19 Fälle verlegt hatte. Als der zuständige Heimarzt dagegen protestierte und dem Pflegepersonal Schutzbekleidung verordnete, wurde er fristlos entlassen, weil er angeblich "Panik stiftete". Heute weiß man, dass fast die Hälfte der Opferzahl in der Region in den Altenheimen und Residenzen vermeldet wurde.

Auch drei Monate nach Beginn der Seuche werden Infektionsketten nicht ordentlich nachverfolgt, müssen Angehörige eines Covid-19-Opfers - wie in Bergamo öffentlich geworden - 500 Euro Gebühren zahlen, um sich testen zu lassen.

Fast jede Familie in der Lombardei hat ein Opfer der Seuche zu beklagen; Tote oder Überlebende, die nun schwerkrank Pflege brauchen. Jeder Vierte als "geheilt" von der Intensivstation entlassene Covid-19 Patient muss in die Dialyse, weil die Nieren versagt haben. Die Lungen sind bei vielen dauerhaft geschädigt. Als "geheilt" entlassen zu sein, ist bei dieser Seuche nicht gleichbedeutend mit gesund sein. Auf Angehörige und das Gesundheitswesen kommt eine Nachwelle Zehntausender Schwerbehinderter zu.

Zu Beginn der Krise aber wollte sich niemand den Verhältnissen in der Lombardei befassen. Der erste Verdacht, den rechtsnationale Medien wie "Libero", "Il Giornale", aber auch das Staatsfernsehen Rai gleich zu Anfang März streuten, stellte die "Musterregion Italiens", mit dem mustergültigen Gesundheitssystem", "von der ganzen Welt bewundert", als Opfer des Auslands dar.

Als "Seuchenverbreiter" angeprangert wurden: "die Deutschen". In Deutschland habe es den "Patienten Null" gegeben, am 26. Januar in der bayrischen Firma Webasto, die auch in Italien Filialen habe. Dass der Fall Webasto in sich isoliert blieb, dass sich ein Virus nicht per Telefon verbreitet, dass es keinen körperlichen Kontakt zwischen der Webasto-Zentrale in Stockdorf und dem ersten offiziell als Covid-19-Patienten in Codogno am 20. Februar entdeckten "Mattia" gab - geschenkt!

In den Proben von 800 Blutspendern in Mailand fand man nun übrigens bei 4 Prozent dieser gesunden Spender bereits im Januar 2020 Antikörper auf das Virus. Das Virus war also bereits Anfang Januar in der Stadt, zwei Monate bevor es zum großen Ausbruch gekommen ist. Die Deutschen waren es nicht, wir sind noch einmal davongekommen.

Wahr ist dagegen, dass das vermeintlich großartige Gesundheitssystem der Lombardei für den Pandemie-Fall komplett falsch aufgestellt ist, wie es 13 Notärzte des Krankenhauses "Papst Johannes XXIII" von Bergamo in einem offenen Brief schon im März schrieben. "Alleingelassen", gezwungen, Patienten "nur noch palliativ behandeln zu können", "keinen Platz auch für Schwerkranke mehr": Der Zusammenbruch des angeblich so vorbildlichen Systems, trotz des übermenschlichen Einsatzes von Ärzten und Pflegepersonal, so schreiben die 13 Notärzte, liege am System selbst.

Die Katastrophe war eben nicht der von Fontana genannte "Tsunami", die Wasserwelle nach einem Erdbeben unter dem Meer, sondern die Folge menschengemachter Fehlaufstellung. Der Kern des Problems: Das Gesundheitssystem ganz Italiens ist "Krankenhaus-zentriert", ganz besonders in der Lombardei. Jede Art von Diagnostik, alle Spezialisten, arbeiten nur in Großkrankenhäusern. In riesigen Wartesälen wartet man stundenlang auf den Termin, muss zuerst die Zuzahlung leisten, pro Arztbesuch auch schon einmal 150 Euro, um dann wieder in langen Korridoren, immer dicht an dicht gedrängt, vor dem Arztzimmer zu warten. Das Krankenhaus als ideale Virenschleuder. Tatsächlich kam es zu den ersten Massenansteckungen in drei Krankenhäusern der Lombardei: in Nembro, Alzano Lombardo und Codogno.

"In dieser Krise rächte es sich, dass man uns Hausärzte, die Versorgung vor Ort, sträflich vernachlässigt hat", meint der Präsident der Hausärzte von Bergamo, Guido Marinoni. "Wir Hausärzte sind aus dem Gesundheitssystem herausgefallen, allein gelassen worden. Wir wurden zu Patienten gerufen, die schwerste Atemprobleme hatten, aber wir hatten keine Schutzausrüstungen. Wir bettelten in der Region um Masken, nichts kam. Wir haben uns im Baumarkt Schutzmasken gekauft, aber das hat bei vielen meiner Kollegen und Kolleginnen nicht gereicht. Von den 630 Hausärzten von Bergamo Stadt und Kreis haben sich 150 mit dem Virus infiziert und 28 sind gestorben."

Es gibt eine direkte Beziehung zwischen der Verfasstheit des lombardischen Gesundheitssystems zu Beginn der Pandemie und der Regionalregierung. Wenige Tage vor dem Virus-Ausbruch sagte der stellvertretende Lega-Vorsitzende Giancarlo Giorgetti, man könne auf die Hausärzte ("medici di famiglia") verzichten, sie seien überflüssig. Die Region setzt mehr als jede andere auf wenige große, die Leistungen konzentrierende öffentliche Kliniken sowie auf privatwirtschaftlich organisierte Häuser, die sich auf finanziell attraktive Behandlungen des Leistungskatalogs konzentrieren.

Dass es auch anders geht, beweist die Nachbarregion Venetien: auch sie unter Leitung eines Lega-Politikers, Luca Zaia. Der aber von Anfang von einem bekannten Virologen, Andrea Crisanti, beraten wurde, massenhaft testen ließ und vor allem in der "roten Zone" von Vo Euganeo 43 Prozent der asymptomatischen Träger entdecken konnte. Ein System ganz konzentriert auf Hausärzte, mit "nur" 1841 offiziell gezählten Covid-19-Opfern. Im Vergleich zum Lega-Parteifreund Fontana aus der Lombardei steht Zaia heute blendend da: Keine neuen Infektionen mehr im Veneto, aber am Donnerstag 316 Neuinfektionen in der Lombardei und 65 Tote.

Von den 114 Milliarden Euro öffentlichen Mitteln, die der staatliche, regional organisierte Gesundheitsdienst pro Jahr ausgibt, geht die Hälfte an private, gewinnorientierte Krankenhäuser. Deren Leistungen aber konzentrieren sich auf teuer abzurechnende Einzelleistungen, sehr viel weniger auf die allgemeine Gesundheitsvorsorge, schon gar nicht auf Notfallmedizin. Von den 5060 Intensivbetten in ganz Italien zu Jahresbeginn gab es weniger als 100 in den Privatkliniken.

...


Aus: "Italiens Corona-Katastrophe hat Verantwortliche" Von Udo Gümpel, Rom (Samstag, 23. Mai 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Italiens-Corona-Katastrophe-hat-Verantwortliche-article21799009.html

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Re: [FDP (Politik)...]
« on: May 23, 2020, 09:15:26 PM »
Regelsatz der Grundsicherung erhöhen, 14. Mai 2020
Mit ihrem Antrag fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Bundesregierung auf, den Regelsatz der Grundsicherung zu erhöhen, um Personen ärmerer Bevölkerungsschichten vor finanziellen Notlagen zu schützen.
Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wurde abgelehnt.
https://www.abgeordnetenwatch.de/bundestag/19/abstimmungen/regelsatz-der-grundsicherung-erhoehen

DIE GRÜNEN 67 Abgeordnete

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CDU/CSU 246 Abgeordnete

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SPD 152 Abgeordnete

    1 Dafür gestimmt
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FDP 80 Abgeordnete

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DIE LINKE 69 Abgeordnete

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AfD 89 Abgeordnete

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Re: [CDU (Politik)...]
« on: May 23, 2020, 09:15:10 PM »
Regelsatz der Grundsicherung erhöhen, 14. Mai 2020
Mit ihrem Antrag fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Bundesregierung auf, den Regelsatz der Grundsicherung zu erhöhen, um Personen ärmerer Bevölkerungsschichten vor finanziellen Notlagen zu schützen.
Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wurde abgelehnt.
https://www.abgeordnetenwatch.de/bundestag/19/abstimmungen/regelsatz-der-grundsicherung-erhoehen

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [SPD (Politik)... ]
« on: May 23, 2020, 09:14:50 PM »
Regelsatz der Grundsicherung erhöhen, 14. Mai 2020
Mit ihrem Antrag fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Bundesregierung auf, den Regelsatz der Grundsicherung zu erhöhen, um Personen ärmerer Bevölkerungsschichten vor finanziellen Notlagen zu schützen.
Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wurde abgelehnt.
https://www.abgeordnetenwatch.de/bundestag/19/abstimmungen/regelsatz-der-grundsicherung-erhoehen

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Regelsatz der Grundsicherung erhöhen, 14. Mai 2020
Mit ihrem Antrag fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Bundesregierung auf, den Regelsatz der Grundsicherung zu erhöhen, um Personen ärmerer Bevölkerungsschichten vor finanziellen Notlagen zu schützen.
Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wurde abgelehnt.
https://www.abgeordnetenwatch.de/bundestag/19/abstimmungen/regelsatz-der-grundsicherung-erhoehen

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"Türkisch-arabisches „Game of Series“: Geopo­litik auf der Lein­wand" von Ali Sonay (Ali Sonay ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Nahoststudien der Universität Basel. Im Anschluss an das Politikwissenschaft-Studium an der Universität Erlangen, hat er in Marburg promoviert und in Cambridge als Post-Doc gearbeitet. Seine Promotion wurde unter dem Titel Making Revolution in Egypt: The April 6th Youth Movement in a Global Context bei I.B. Tauris veröffentlich. Aktuell arbeitet er zur Politik von Fernsehserien in der Türkei und der arabischen Welt.) (2020)
Waren die Osmanen Tyrannen oder Heilsbringer für den arabischen Raum? Über diese historische Frage wird gegenwärtig in aufwendig produzierten Fernsehserien aus der Türkei einerseits und Saudi-Arabien und den Emiraten andrerseits gestritten. Dabei geht es um handfeste politische Rivalitäten. ... Die Politik mit Serien als eine Form von Soft Power ist Ausdruck einer Zeit, in der die Popu­la­rität von Fern­seh­dramen welt­weit zuge­nommen hat. Neben Global­playern wie Netflix und Amazon Prime versu­chen auch Produ­zenten im Nahen Osten und Nord­afrika den in der Region beliebten Fern­seh­markt zu bedienen. Dabei sind die Erwar­tungen der Zuschaue­rinnen durch die hohen Stan­dards erfolg­rei­cher Serien wie etwa Game of Thrones enorm gestiegen. ...
https://geschichtedergegenwart.ch/tuerkisch-arabisches-game-of-series-geopolitik-auf-der-leinwand/

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Hans-Georg Gadamer (* 11. Februar 1900 in Marburg; † 13. März 2002 in Heidelberg) war ein deutscher Philosoph. International bekannt wurde er durch sein für die philosophische Hermeneutik grundlegendes Werk Wahrheit und Methode (1960).
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Georg_Gadamer

Gadamer erzählt die Geschichte der Philosophie 1/6
https://youtu.be/V3ZgEtGmdSU


Hans-Georg Gadamer - "... und das Verstehen der Welt" (Vortrag)
Vortrag aus dem Jahr 1990: "Die Vielfalt der Sprachen und das Verstehen der Welt." Ausgehend von der Geschichte des Tumbaus zu Babel gelangt Gadamer in diesem Vortrag schliesslich zur Darstellung des Verstehens des Anderen, zur Verständigung der Kulturen.
Das Nachdenken über Sprache und Verstehen hat Hans-Georg Gadamer sein Leben lang beschäftigt. Der Begriff der Hermeneutik im Sinne einer Lehre von Deutung und Auslegung ist eng mit seinem Philosophieren verbunden. Dieser Vortrag, den der 90-Jährige in Heidelberg hielt, zeigt eindrucksvoll, mit welcher geistigen Klarheit und Brillanz der große Philosoph noch im hohen Alter sein Publikum fesselte (Tele Akademie).
https://youtu.be/FSTXlbLc6Rk

Hans-Georg Gadamer - Kunst im Zeitalter der Technik
"Wir können der Technik nicht ausweichen." Vortrag von Hans-Georg Gadamer (1900-2002). Wie stehen Kunst und Technik in unserer Kultur zueinander? ...
https://youtu.be/eLJrhzi0zyc

Hans-Georg Gadamer - Hegel. Der Idealismus der Freiheit (Vortrag)
Zum 150. Todestag von G.W.F. Hegel (Stuttgart 1981).
Siehe auch die Sammlung/Playlist "Hans-Georg Gadamer (Vorträge, Gespräche und ein Portrait)"
https://youtu.be/3FPjSZ0o8s4

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[...] Elon Musk ist immer für eine Kontroverse gut, mit einem aktuellen Tweet ist ihm aber etwas gelungen, was noch vor kurzem undenkbar schien: Mit einer Referenz auf den Begriff "Red Pill" hat er selbst manche seiner treuesten Fans verärgert. Handelt es sich dabei doch um einen Begriff, der sonst vor allem von Männerrechtlern und anderen Frauenhassern benutzt wird.

In der aktuellen Situation bedient Musk damit aber auch jene Gruppe von Verschwörungstheoretikern, die sich als die "Erleuchteten" inmitten einer durch eine liberale Elite geblendeten Mehrheit verstehen. Dass Ivanka Trump, Tochter von US-Präsident Donald, die Nachricht umgehend mit dem Hinweis, dass sie die rote Pille bereits genommen habe, retweetete, zeigt ebenfalls gut, in welchen Kreisen man ein solches Weltbild pflegt.

"Red Pill" ist eine Referenz auf den Science-Fiction-Film "Matrix". In einer zentralen Szene muss sich der Protagonist Neo zwischen der Realität und einer vorgespiegelten, aber bequemeren Simulation entscheiden muss. Eine der beiden Regisseurinnen des Films macht nun aber ziemlich unmissverständlich klar, dass sie ein Problem mit der Instrumentalisierung dieser Szene für solche politischen Zwecke hat.

"Fuck both of you", formuliert es Lilly Wachowski in einer Antwort auf Musk und Trump. In einem darunter geposteten Tweet ruft sie ihre eigenen Fans dann noch dazu auf, für die Brave Space Alliance zu spenden, eine Organisation, die sich für Trans- und nichtgenderkonforme Personen einsetzt.

Doch Wachowski ist nicht die einzige prominente Kritikerin von Musk. Auch aus dem direkten Umfeld des Space-X-Chefs gab es deutliche Worte. So reagierte Sandy Garossino, Mutter der Musikerin Grimes und damit von Musks aktueller Lebensgefährtin, ebenfalls ziemlich deutlich. In einem mittlerweile gelöschten Tweet warf sie die Frage auf, wie jemand, dessen Partnerin gerade erst eine schwierige Schwangerschaft hinter sich gebracht hat, auf Twitter "Männerrechtsscheiße" posten kann. (red, 22.5.2020)


""Red Pill" - "Matrix"-Regisseurin zu Elon Musk und Ivanka Trump: "Fuck both of you"" (22. Mai 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000117632248/matrix-regisseurin-zu-elon-musk-und-ivanka-trump-fuck-both

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[...] Elon Musk ist immer für eine Kontroverse gut, mit einem aktuellen Tweet ist ihm aber etwas gelungen, was noch vor kurzem undenkbar schien: Mit einer Referenz auf den Begriff "Red Pill" hat er selbst manche seiner treuesten Fans verärgert. Handelt es sich dabei doch um einen Begriff, der sonst vor allem von Männerrechtlern und anderen Frauenhassern benutzt wird.

In der aktuellen Situation bedient Musk damit aber auch jene Gruppe von Verschwörungstheoretikern, die sich als die "Erleuchteten" inmitten einer durch eine liberale Elite geblendeten Mehrheit verstehen. Dass Ivanka Trump, Tochter von US-Präsident Donald, die Nachricht umgehend mit dem Hinweis, dass sie die rote Pille bereits genommen habe, retweetete, zeigt ebenfalls gut, in welchen Kreisen man ein solches Weltbild pflegt.

"Red Pill" ist eine Referenz auf den Science-Fiction-Film "Matrix". In einer zentralen Szene muss sich der Protagonist Neo zwischen der Realität und einer vorgespiegelten, aber bequemeren Simulation entscheiden muss. Eine der beiden Regisseurinnen des Films macht nun aber ziemlich unmissverständlich klar, dass sie ein Problem mit der Instrumentalisierung dieser Szene für solche politischen Zwecke hat.

"Fuck both of you", formuliert es Lilly Wachowski in einer Antwort auf Musk und Trump. In einem darunter geposteten Tweet ruft sie ihre eigenen Fans dann noch dazu auf, für die Brave Space Alliance zu spenden, eine Organisation, die sich für Trans- und nichtgenderkonforme Personen einsetzt.

Doch Wachowski ist nicht die einzige prominente Kritikerin von Musk. Auch aus dem direkten Umfeld des Space-X-Chefs gab es deutliche Worte. So reagierte Sandy Garossino, Mutter der Musikerin Grimes und damit von Musks aktueller Lebensgefährtin, ebenfalls ziemlich deutlich. In einem mittlerweile gelöschten Tweet warf sie die Frage auf, wie jemand, dessen Partnerin gerade erst eine schwierige Schwangerschaft hinter sich gebracht hat, auf Twitter "Männerrechtsscheiße" posten kann. (red, 22.5.2020)


""Red Pill" - "Matrix"-Regisseurin zu Elon Musk und Ivanka Trump: "Fuck both of you"" (22. Mai 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000117632248/matrix-regisseurin-zu-elon-musk-und-ivanka-trump-fuck-both

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Music and Sound Art (Klang) / Beethoven (1770 - 1827)
« on: May 22, 2020, 11:40:57 AM »
Beethoven Symphony No.6 "Pastorale" And Egmont Overture Op.68 - London Philarmonic Orchestra
Collins Classics OFFICIAL  - Beethoven (FULL ALBUM)
Symphony No.6 "Pastorale" and Egmont Overture Op.68
https://youtu.be/fRg0K5rgXog

Beethoven - 7th Symphony (Complete)
https://youtu.be/7MqrBauptrE

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[...] Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Pharmaindustrie lehnt die Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab, einen Impfstoff gegen das Coronavirus als globales öffentliches Gut zur Verfügung zu stellen. „Es muss dabei bleiben, dass die Unternehmen Eigentümer ihrer Entwicklungen bleiben, schließlich haben sie Millionen dafür investiert“, sagte der Präsident des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Han Steutel, den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ (Dienstagsausgaben). Er versicherte aber, die Industrie werde einen Impfstoff zu bezahlbaren Preisen anbieten.

„Einige große Pharmaunternehmen haben bereits zugesichert, dass sie einen Impfstoff quasi zum Selbstkostenpreis abgeben werden. Das haben nicht alle getan, aber die Richtung ist damit vorgegeben“, so der VFA-Präsident weiter. Niemand in der Branche gehe „ernsthaft davon aus, dass er mit einem Corona-Impfstoff große Profite einfahren wird“. Eine staatliche Förderung der Pharmaforschung an Corona-Arzneimitteln und Impfstoffen sei nicht nötig. „Das stemmen die Firmen weitgehend allein, ohne öffentliche Unterstützung“, sagte Steutel den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“. Dringend erforderlich seien hingegen staatliche Investitionshilfen für den Ausbau der Impfstoffproduktion. Derzeit könnten weltweit etwa 1,5 Milliarden Dosen Impfstoff jährlich produziert werden, so der VFA-Präsident weiter. „Angesichts einer Weltbevölkerung von fast acht Milliarden Menschen ist die riesige Lücke zu erkennen. Hier sind öffentliche Hilfen wie Investitionszuschüsse nötig, um die Produktions-Kapazitäten sehr schnell massiv auszuweiten“, forderte Steutel.


Aus: "Pharmaindustrie will Corona-Impfstoff nicht als öffentliches Gut freigeben" (19. Mai 2020)
Quelle: https://www.oldenburger-onlinezeitung.de/nachrichten/pharmaindustrie-will-corona-impfstoff-nicht-als-oeffentliches-gut-freigeben-42087.html

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[...] Sie sind seit Jahren immer wieder Topthema in Männermagazinen. Das Internet liefert Bauanleitungen, Tipps und Tutorials für die richtige Einrichtung. Was früher als Bastelraum und Modelleisenbahn im Keller eher den Ruf piefiger Altherrenkultur hatte, ist mittlerweile unter dem sehr viel opulenter klingenden Begriff Man Cave zum popkulturellen Biotop gewachsen, das sogar die Wissenschaft interessiert. Wieso haben Männer, die ohnehin den mit Abstand größten Teil des öffentlichen Raums für sich beanspruchen, ein Bedürfnis, sich einen Rückzugsort zu schaffen? Um ihr langsam erodierendes Patriarchat zu schützen? Um weiter in Ruhe Zoten reißen zu können?

Das wollte auch Tristan Bridges wissen. Der Soziologe von der kalifornischen Universität in Santa Barbara erforscht seit fast fünf Jahren diese Kultstätten maskuliner Identität. Die zentrale Regel der Höhlen: Hier entscheidet allein der Mann über die Einrichtung und die Frage, wer reindarf und wer nicht. In der Man Cave findet der Mann einen Rückzugsort vor seiner Familie und darf ungezügelt er selbst sein – so preisen es zumindest die Herrenmagazine an, als habe der Mann sonst gar nichts mehr zu melden. Und dank sozialer Medien wird mit den Zimmern nicht mehr nur vor Bekannten geprahlt, sondern zunehmend auch vor der Öffentlichkeit des Internets.     

Bridges ist durch weite Teile der USA gereist, hat Dutzende Man Caves besichtigt. Er hat Flachbildfernseher größenwahnsinnigen Ausmaßes gesehen, Poster von nackten Models und Schilder mit der Aufschrift "keine Frauen erlaubt". "Einer riss im WC zu seiner Man Cave die Toilette raus und baute stattdessen ein Pissoir ein", erinnert sich der Soziologe. "Jetzt können hier nur noch Männer pinkeln!", begründete das der Eigentümer. Das Urinal hatte die Form von roten Frauenlippen. Man Caves stehen wegen solcher Geschichten häufig unter Sexismusverdacht.

Solch dumpfer Chauvinismus sei jedoch eine Seltenheit, sagt Bridges. Häufiger stoße er auf Männer, die mit ihrem Bild von Maskulinität ringen. Bridges unterscheidet drei Höhlentypen. Jeder von ihnen kann für eine eigene Weise stehen, wie Menschen mit dem Konzept Männlichkeit heute umgehen.

Die Man Caves älterer Herren sind für gewöhnlich bestimmten Hobbys gewidmet, die oft eher zu kleinen Jungs passen – Spielzeugautos, Modellflugzeuge. Einmal stand der Soziologe in einer Männerhöhle voll mit Puzzles. Als er nachhakte, ob er bereits in der Man Cave sei, antwortete der Eigentümer: "Machen Sie Witze? Natürlich! Meine Frau würde mich niemals so viele Puzzles rumliegen lassen." In so einer Umgebung lasse sich die Frage, was es bedeutet, ein erwachsener Mann zu sein, einfach verdrängen, sagt Bridges. 

Die zweite Gruppe bilden gleichgeschlechtliche Paare und Man Caves, die sich Frauen eingerichtet haben. Die Höhle ist hier meist ein ironisches Spiel mit Geschlechterstereotypen nach dem Muster: Wer sich mehr für Sport begeistert, ist offensichtlich der Mann in der Beziehung.

In der letzten, wohl stärksten Gruppe finden sich die Höhlen junger heterosexueller Männer. "Schreine für das Alleinsein" nennt sie der Wissenschaftler, obwohl sie oft so gestaltet werden, als würden bald viele Menschen zu Besuch kommen. Sie sind Symptom einer Orientierungslosigkeit. Die Man Caves sind meist unfertig und unbenutzt. So wie bei dem jungen Mann, der Bridges stolz die Bar in seiner Garage präsentierte. Doch alles, was der Forscher sah, waren zwei Mülltonnen mit einem Holzbrett obendrauf. Später erfuhr er von der Partnerin des Mannes: "Das sieht schon seit Jahren so aus."

Lange Zeit stand der Mann unangefochten an der gesellschaftlichen Spitze, hatte es sich dort bequem gemacht und keinen Anlass, das zu hinterfragen. Als Kopf der Familie, Firmenchef, Staatsoberhaupt. Dann kam die Emanzipation und zeigte ihm in den vergangenen Jahrzehnten, dass er seine Privilegien nicht mehr exklusiv für sich beanspruchen kann.

Um die Logik hinter der Man Cave zu verstehen, hilft ein Blick auf ihre Vorläufer, etwa auf den Playboy. Im Dezember 1953 erschien das Heft zum ersten Mal. Fälschlicherweise ausschließlich für ein Nacktmagazin gehalten, legten gleich die ersten Ausgaben neben den Bildern von Frauen den Schwerpunkt auf Inneneinrichtung, auf Teppichmuster und Beistelltischchen.

Der Einfluss war enorm, erklärt Bridges. Schlagartig stattete selbst der Durchschnittsvater aus der US-amerikanischen Mittelschicht seine Wohnungen mit avantgardistischen Möbelstücken aus. Die Architekturprofessorin Beatriz Colomina von der Princeton-Universität stellt die These auf, "Playboy hat mehr für die Verbreitung moderner Architektur in den Vereinigten Staaten getan als das Museum of Modern Art in New York und jede Art von Designmagazin".

Eigentlich war es den gängigen Rollenzuschreibungen der Fünfzigerjahre nach völlig undenkbar, dass sich ein heterosexueller Mann für Inneneinrichtung begeistert. Der Playboy umging die Stigmatisierung, indem er die Möbel immer mit Technologie, Alkohol oder Frauenverführung in Verbindung brachte – etwa indem er schicke Lautsprecher präsentierte oder eine Minibar. Und falls doch noch Zweifel an der Männlichkeit der Leserschaft aufkamen, lieferten die Nacktbilder im Heft das perfekte Alibi. "Die heterosexuelle Erotik garantierte, dass der Playboy kein Frauen- oder Schwulenmagazin war", schreibt der Queer-Theoretiker Paul Preciado in seinem Buch Pornotopia.

Bauten US-amerikanischer Designgrößen wie Ludwig Mies van der Rohe und Frank Lloyd Wright waren regelmäßig Thema im Magazin. Bauhaus-Gründer Walter Gropius gestaltete sogar einen Nachtclub im Auftrag von Playboy-Chef Hugh Hefner. 1956 veröffentlichte das Heft gar den Entwurf einer komplett für moderne Junggesellen eingerichteten Wohnung. "Der überwältigende Anteil der Heime wird von Frauen ausgestattet", beklagt der begleitende Artikel die Situation der damaligen Männer. Dem setzte Hefner großräumige Multifunktionszimmer entgegen, die wahlweise fürs Feiern, Homeoffice oder Sex nutzbar waren. Im Playboy-Penthouse könne der Leser endlich "in maskuliner Eleganz leben".

Vom kulturellen Einfluss des Magazins ist heute nur noch wenig zu spüren, die Auflage schwindet. Aber dessen Weltbild bildet die Grundlage für die Man Caves. Der Mann, der es gewohnt war, alles selbst zu gestalten, fühlte sich zu Hause in der Entscheidungsfreiheit beschnitten. Und wenn er schon nicht die gesamte Wohnung gestalten konnte oder wollte, so doch wenigstens den privaten, kleinen Rückzugsraum, der dann zur Männerhöhle wurde. Je mehr die Arbeitswelt und auch die sonstigen Gesellschaftsbereiche dank der Errungenschaften des Feminismus kein exklusives Vergnügen des Patriarchats mehr waren, desto mehr gewann dieser Raum an Bedeutung.

Bleibt die Frage, warum die Man-Cave-Projekte junger Männer trotzdem so oft unvollendet bleiben. Manchmal fehlt das Geld. Oft liegt es daran, wie Männer mit sozialen Beziehungen umgehen. Fast immer komme dieser peinliche Moment, sagt Höhlenforscher Tristan Bridges. Dann stelle sich heraus, dass die mit einer improvisierten Biertheke oder einem Heimkino für zig Personen ausgestatteten Räume noch nie benutzt wurden. Die Ausrede laute oft, dass die Man Cave ja noch nicht fertig sei. "Aber wenn ich fertig bin, wird das hier der Treffpunkt für all die Jungs in der Nachbarschaft", höre der Forscher häufig.

Der Soziologe kenne das Muster schon. "Welche Freunde genau werden kommen?", frage er danach für gewöhnlich. Stück für Stück komme dann heraus, dass diese Männer überhaupt keine Freunde haben. Weil sie sich entweder auf ihre Arbeit konzentrieren und deshalb keine Zeit haben. Weil sie sich um ihre Familie kümmern. Weil die alten Freunde aus der Schul- oder Unizeit irgendwann weggezogen sind und die Männer diese Lücke nie wieder schließen konnten. 

Einige der Man-Cave-Eigentümer suchen zumindest im Internet nach Kontakt. In Foren tauschen sich die Männer über ihre aktuellen Projekte aus. Ein Nutzer hat ein Foto seiner Garage geteilt. Alles was man sieht, ist ein von der Decke hängender Boxsack und ein Gartentisch. Darauf liegt eine Packung mit Dosenbier und eine zusammengeknüllte Flagge der Vereinigten Staaten. "Ich bin vor ein paar Monaten eingezogen", schreibt der Eigentümer. "Bald werde ich diesen Ort noch viel mehr badass machen." Ein anderes Zimmer ist komplett vollgestellt mit leeren Stühlen, jeder in einer anderen Farbe, einer ist aufblasbar. "Es ist nicht viel, aber nach einer zwölfstündigen Krankenhausschicht ist das mein Rückzugsort", kommentiert der Nutzer.

Alle diese Zimmer sind menschenleer.


Aus: "Einsame Höhlenbewohner" Markus Lücker (21. Mai 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-05/man-caves-moderne-maennlichkeit-sexismus/komplettansicht

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Betta-Splendens #9

Eine Kellerbar hatte in unserem Dorf praktisch jeder seit den 70er Jahren oder so. Die wurde halt für Geburtstagsfeiern, Fußball-WM oder sonstige Feieranlässe genutzt. Nicht eben ein tagesaktueller Trend.


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Die Alternative zur Alternative #7

Was dem Mann die Männerhöhle oder das Herrenzimmer ist der Frau das Glamourzimmer und das von ihr gestaltete und dominierte Wohnzimmer. So viel hat sich jetzt auch nicht geändert.


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Mgagre #13

Bei uns hieß das "Papas Arbeitszimmer".


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M.Aurelius #16

Diese stereotypen Dichotomien ala Mann vs. Frau nerven nur noch. Auf der einen Seite beklagt man die platten Geschlechterklischees, auf der Seite werden sie bei jeder sich bietenden Gelegenheiten aus der Schublade gezerrt, um das wohlige Gefühl der Bestätigung der einen und die Entrüstung der anderen zu erzeugen. Dabei ist das Resultat nur Langeweile, denn der Reigen der platten Artikel lässt sich fast unbegrenzt fortsetzen: warum Männer nicht kochen und Frauen nicht autofahren können, warum Männer dümmer, Frauen weniger schlau sind und warum Männer die besseren Frauen und Frauen die besseren Männer wären.


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