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[...] Rassismus kanalisiert die Abstiegsängste sowie die Ohnmachtsgefühle und hilft der Kompensierung der vorangegangenen Selbstunterwerfung. Zumindest in der Imagination kann auf diese Weise die eigene soziale Positionierung aufrechterhalten werden. Es geht dabei nicht darum, ob das tatsächlich zutrifft, sondern darum, dass der Rassismus auf diese Weise Handlungsfähigkeit vorgaukelt. Tatsächlich produziert der Rassismus nur eine scheinbare Handlungsfähigkeit, die die realen Probleme der Subjekte überhaupt nicht tangieren. Vor dem Hintergrund der Logik von Hierarchisierung und Unterordnung verspricht er aber offenbar einen hinreichenden Gewinn, wenn aktiv daran mitgewirkt werden kann, andere auf ihre hinteren Plätze zu verweisen. In der Forschung wird hier von einer "rebellierenden Selbstunterwerfung" (Nora Räthzel) oder "konformistischer Rebellion" (Erich Fromm) gesprochen.

Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang die gebetsmühlenartig wiederholte Forderung nach Integration, die dem Nach-unten-Treten einen vermeintlich diskutablen politischen Anstrich verleiht. Die Forderung nach Integration bezeichnet aber in den wenigsten Fällen die Forderung nach Anerkennung von demokratischen Spielregeln oder die Maxime des Rechtsstaats, denn dieselben werden von den Fordernden häufig selbst nicht akzeptiert oder durch ihr Handeln ad absurdum geführt. Zahlreiche unter jenen, die "unsere" Frauen vor den angeblich zahlreichen und ihrer "Natur" entsprechenden Übergriffen von Flüchtlingen behaupten beschützen zu müssen, sind genau diejenigen, die gegen den "Genderwahn" polemisieren. Sie fürchten um ihre männlichen Privilegien. Diese Stimmen fanden Vergewaltigung in der Ehe bisher nicht der Rede oder der Verurteilung wert. Das Geschwätz vom "Genderwahn" trägt zudem zu jenen gesellschaftlichen Verhältnissen bei, die Österreich europaweit zur führenden Nation bei der Ermordung von Frauen gemacht hat.

Die Forderung nach Integration meint eben nicht die Anerkennung demokratischer Verfahren, sondern zuallererst die kulturelle und soziale Unterordnung sowie die Aufrechterhaltung eigener Privilegien – und dieselbe dementiert damit ihre vorgeblich demokratische Intention. Wenn wir dem rassifizierenden Subjekt keine Dummheit unterstellen, sondern von einem rationalen Kalkül ausgehen, dann gibt es also gute Gründe, an die Ressentiments und Unwahrheiten zu glauben. Dies erklärt, warum es mit Aufklärung über Vorurteile oder mit Bildungsanstrengungen allein nicht getan ist. Wenn es nicht eine andere, solidarische Erzählung (im Interview habe ich von einem "Gegenmythos" gesprochen) gibt, werden die real begründbaren Ängste und Fantasien weiterhin in Pseudoängste transferiert und mittels Rassismus in Stellung gebracht. Es bedarf einer Gegenerzählung, die dem Marktradikalismus, Utilitarismus, Kosten-Nutzen-Denken, instrumenteller Vernunft, ökologischer Verantwortungslosigkeit und dem Effizienzdenken die Idee einer anderen, sozialen und solidarischen Welt gegenüberstellt und vor allem besagt: Eine andere Welt ist möglich. Es muss wieder attraktiv sein, sich für Demokratie, Solidarität, gleiche Rechte, ökologische Verantwortung und friedliches Miteinander einzusetzen.

Wie das gehen kann, zeigt uns in diesen Wochen die in den Schulen entstehende #FridaysforFuture-Bewegung. Die hier zum Ausdruck kommende Aufbruchsstimmung ist das geeignete Gegenmittel gegen identitäre Gefängnisse und völkischen Wahn. Sie ist geprägt von globalem Verantwortungsbewusstsein und das Gegenmodell der Verteidigung von Privilegien, die aus einer ungerechten Weltwirtschaftsordnung resultieren. #FridaysforFuture steht für friedliches Miteinander, Verantwortung und Gerechtigkeit. Die sich auf "unsere Identität" und "unsere Kultur" berufenden Wortmeldungen befördern Gewaltfantasien, die auf ethnische Säuberungen zielen und in letzter Konsequenz Mord und Totschlag implizieren.

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Aus: "Rassismus gegen Migranten: Man will sich erhaben fühlen" Klaus Schönberger (21.3.2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099803471/Rassismus-gegen-Migranten-Man-will-sich-erhaben-fuehlen

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[...] Am Wochenende tauchten rechtsextremistische Morddrohungen in Wohnhäusern von Aktivisten in Neukölln auf. "9 mm für ..." stand in roter Sprühfarbe an zwei Hauswänden, gefolgt von den Klarnamen der Bedrohten. In zwei weiteren Fällen wurden Menschen mit Klarnamen beleidigt. Bei den Opfern handelt es sich nach Informationen des Tagesspiegels um Engagierte, darunter auch einen Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR). "Das sind Menschen, die die Rechtsextremen offenbar als ihre politischen Feinde betrachten", sagte Bianca Klose von der MBR.

Die gesprühten Morddrohungen waren am Donnerstag auch Thema in der Fragestunde des Abgeordnetenhauses. „Wir haben eine Ermittlungsgruppe eingesetzt und treffen uns mit Opfern dieser Anschläge. Aus Sicht des Landes handelt es sich um Anschläge, die durchaus als Terrorismus eingeschätzt werden können“, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) auf die Frage der Linkspolitikerin Anne Helm, was dem Senat zu den Morddrohungen bekannt sei. 

Auf die Frage, ob dem Staatsschutz bekannt sei, dass Opfer monatelang von Neonazis ausgespäht worden seien, antwortete Geisel: „Da laufen die Ermittlungen noch. Aus ermittlungstaktischen Gründen darf ich darüber öffentlich nicht sprechen.“ Die Berliner Ermittlungsbehörden haben mit der Generalbundesanwaltschaft Kontakt aufgenommen. Ob diese die Ermittlungen übernimmt, ist laut Geisel „noch offen“.

Die Drohungen in roter Sprühfarbe seien bereits aus früheren Fällen bekannt, erklärte Klose. So sei bei den Anschlägen der rechtsextremen Vereinigung "Nationaler Widerstand" zwischen 2010 und 2012 bereits die Formulierung "9 Millimeter für..." aufgetaucht. "Auch im Rahmen der aktuellen Anschlagsserie seit 2016 erkennen wir buchstäblich die gleiche Handschrift", sagte Klose.

Der Täterkreis sei vermutlich klein, erklärte sie. Dafür spreche auch die Art der Angriffe: Die Schmierereien an private Hauswände verbreiten Angst und sind hoch wirksam, brauchen aber gleichzeitig nicht viele Täter. Das interessante sei vor allem die Frage, wie die Täter an die Privatadressen kommen würden, sagte Klose.

Es sei unbegreiflich, "dass die Täter nach wie vor so selbstbewusst und ungestört agieren können", sagte sie. Dies deute daraufhin, dass die Täter sich sicher fühlen und keine Strafverfolgung befürchten würden. "Wir fordern endlich eine wirkliche Aufklärung der Taten", sagte Klose.

Seit 2010 kommt es in Neukölln immer wieder zu Anschlägen – auf Autos, auf Cafés, auf Wohnungen und auf Buchhandlungen. Seit 2016 wurden laut Bezirksamt 51 rechtsmotivierte Angriffe in Neukölln verübt, davon 16 Brandschläge. Allen Opfern gemein ist ihr Engagement gegen Rechtsextremismus.

Mehrfach wurden Menschenleben gefährdet, die Polizei vermutet die Täter in der Neonaziszene. Im Verdacht für mindestens einen der Anschläge auf das Auto des Linken-Politikers Ferat Kocak stehen ein ehemaliger NPD-Politiker sowie ein ehemaliges Mitglied des AfD-Kreisvorstandes, der die Partei mittlerweile verlassen hat.

Laut Informationen von taz und RBB sollen sowohl der Verfassungsschutz als auch das Berliner Landeskriminalamt bereits im Vorfeld von den Anschlägsplänen auf Kocak gewusst. Offenbar hatten die Behörden die Täter abgehört. Dennoch wurden keine Maßnahmen unternommen, um ihn und seine Familie zu schützen.

Wie berichtet, hat die Generalbundesanwaltschaft (GBA) die rechtsextreme Anschlagsserie zum "Gegenstand eines Beobachtungsvorgangs" erklärt. Zuvor hatten Betroffene und Bezirkspolitiker im Dezember die Behörde in Karlsruhe aufgefordert, die Serie von Brandanschlägen als rechten Terror einzustufen und die Ermittlungen zu übernehmen.

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Aus: "Rechte Attacken in Neukölln: Geisel schätzt Anschläge "als Terrorismus" ein" (21.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/rechte-attacken-in-neukoelln-geisel-schaetzt-anschlaege-als-terrorismus-ein/24129404.html

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"SPD : Atheisten dürfen keinen Arbeitskreis gründen" Klaus Max Smolka, Michael Ashelm (19.03.2019)
Wer nicht kirchlich orientiert ist, hat es schwer in der SPD: Die „Säkularen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen“ wollen einen Arbeitskreis in der Partei gründen – so wie Christen, Muslime und jüdische Genossen jeweils einen haben. Aber die weltlich Gesinnten dürfen nicht. Mehr noch: Generalsekretär Lars Klingbeil verbietet ihnen mit Hinweis auf die Parteijustiziarin, sich als „Sozialdemokraten“ auszugeben. „Das gilt auch für öffentliche Auftritte, zum Beispiel im Internet“ schreibt Klingbeil in einem Brief an die Gruppe, welcher der F.A.Z. vorliegt.
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/atheisten-duerfen-keinen-arbeitskreis-in-der-spd-gruenden-16096047.html

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[...] Seit Jahren versuchen religionsfreie Menschen in der SPD einen Arbeitskreis zu gründen, wie der hpd schon mehrfach berichtete. Erst im vergangenen Jahr wurde ihr Antrag erneut abgelehnt. Nun hat Generalsekretär Lars Klingbeil den "Säkularen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen" – kurz "Säkulare Sozis" – erneut eine Absage erteilt: Sie dürfen sich nicht "Sozialdemokraten" nennen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und beruft sich dabei auf einen Brief Klingbeils, den er am 5. März an die nicht-religiöse Vereinigung seiner Partei richtete.

Die "Säkularen Sozis" haben mehrere hundert Mitglieder, darunter prominente Personen aus der säkularen Szene wie die ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ingrid Matthäus-Maier und Lale Akgün, die sich für einen aufgeklärten Islam stark macht, sowie der ehemalige Staatsminister und Staatssekretär Rolf Schwanitz. Das nicht anerkannte Bündnis setzt sich für die Belange Konfessionsfreier und einen weltanschaulich neutralen Staat ein.

Andere Weltanschauungen haben Arbeitskreise, die von der Partei akzeptiert werden: Sowohl Christen, Menschen jüdischen Glaubens und seit 2014 auch Muslime. Der Antrag der Nicht-Religiösen zur Gründung eines Arbeitskreises wurde hingegen abgelehnt, der damalige Chef der SPD, Sigmar Gabriel, begründete dies seinerzeit damit, dass die strikte Trennung von Kirche und Staat das Kernanliegen der Laizisten, nicht aber Mehrheitsposition der SPD sei.

Aktuell existieren die "Säkularen Sozis" in erster Linie im Internet. Doch auch das will der Generalsekretär jetzt unterbinden: "Auch für öffentliche Auftritte, zum Beispiel im Internet" gilt das Verbot, die Bezeichnung "Sozialdemokraten" zu verwenden. Er verlangt Respekt für die "Entscheidung, dass der Parteivorstand keinen säkularen Arbeitskreis einrichten wird und dass Ihr daher den Namen 'SozialdemokratInnen' nicht weiter verwenden könnt."

Auf die Bitte des hpd um eine Stellungnahme, welche Gründe es dafür gibt, einen säkularen Arbeitskreis nicht zuzulassen und wie die Partei das mit ihrem Selbstverständnis und dem Gleichbehandlungsgrundsatz in Einklang bringt, kam bisher keine Antwort des Parteivorstands. Dass Konfessionsfreie in der SPD diskriminiert werden, ist jedoch nichts Neues: Im vergangen Jahr berichtete der hpd über einen Fall aus Augsburg, bei dem Aktionskünstler David Farago der Eintritt in die Partei verwehrt wurde – wegen seiner religionskritischen Haltung.


Aus: "Kein Platz für säkulare Interessen in der SPD" Gisa Bodenstein (20. Mär 2019)
Quelle: https://hpd.de/artikel/kein-platz-fuer-saekulare-interessen-spd-16625

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Bernd Kammermeier am 20. März 2019 - 13:57

Ich war einst, zu Zeiten von Willy Kniefall von Warschau Brandt, ein glühender Verehrer der SPD, die eine deutliche Alternative zur stockkonservativen CDU bot.
Doch ihr schleichender Niedergang scheint Parteiprogramm geworden zu sein. Selbstzerfleischung als Ausdruck der Entdeckung der christlichen Leidensphilosophie? Welchen Blumentopf will die SPD denn noch gewinnen? Den stetig schrumpfenden Teil der christlich konfessionellen Bevölkerung krallt sich so gut es geht die Union und die AfD. Dort kann die SPD immer schwerer Wähler herausquetschen, zumal auch die Grünen ihre Gottesaffinität entdeckt haben.

Der SPD bliebe doch nur der Weg, sich für die einzige deutlich wachsende Gruppe der Bevölkerung zu engagieren: für die Konfessionsfreien. Da ist die Zukunft Deutschlands, nicht ihm Geisterglauben aus einer glücklicherweise längst vergangenen Welt.

Ich wünschte mir die SPD zurück, die sich einst voller Tatendrang für die Gleichberechtigung von Mann und Frau gegen katholische Verbände, gegen CDU und FDP durchsetzte.

Ich wünschte mir eine SPD, deren Vorsitzende einen symbolischen Kniefall vor den konfessionsfreien Steuerzahlern hinbekommt, die noch immer - 100 Jahre nach Weimar - für die üppigen Bischofs- und Kardinalsgehälter aufkommen müssen.

Ich wünschte mir eine SPD, die sich die real existierende Kirche mit ihrer Unfähigkeit zu Reformen und Selbsterkenntnis genauer anschaut und sie entsprechen kritisiert.

Ich wünschte mir eine SPD zurück, die für alle Menschen da ist - und die ich irgendwann wieder wählen kann...


Quote

Stefan Dewald am 20. März 2019

»Die Geschichte des Pfaffentums aller Nationen und aller Konfessionen ist ein ununterbrochener Kampf gegen den aufstrebenden menschlichen Geist, eine ununterbrochene Reihe von Attentaten gegen Vernunft und Humanität.«

Wilhelm Liebknecht (Mitbegründer der SPD)

»Die Religion der Liebe, die christliche, ist seit mehr als achtzehn Jahrhunderten gegen alle Andersdenkenden eine Religion des Hasses, der Verfolgung, der Unterdrückung gewesen.
Keine Religion der Welt hat der Menschheit mehr Blut und Tränen gekostet als die christliche, keine hat mehr zu Verbrechen der scheußlichsten Art Veranlassung gegeben; und wenn es sich um Krieg und Massenmord handelt, sind die Priester aller christlichen Konfessionen noch heute bereit, ihren Segen zu geben, und hebt die Priesterschaft der einen Nation gegen die feindlich ihr gegenüberstehende Nation flehend die Hände um Vernichtung des Gegners zu einem und demselben Gott, dem Gott der Liebe, empor.«

»Genau genommen ist aber ein Arbeiter, der Kloaken auspumpt, um die Menschen vor gesundheitsgefährdenden Miasmen zu schützen, ein sehr nützliches Glied der Gesellschaft, wohingegen ein Professor, der gefälschte Geschichte im Interesse der herrschenden Klassen lehrt, oder ein Theologe, der mit übernatürlichen transzendenten Lehren die Gehirne zu umnebeln sucht, äußerst schädliche Individuen sind.«

»Christentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser. Der sogenannte gute Kern im Christentum, den Sie, aber ich nicht darin finde, ist nicht christlich, sondern allgemein menschlich, und was das Christentum eigentlich bildet, der Lehren- und Dogmenkram, ist der Menschheit feindlich.«

August Bebel (Mitbegründer der SPD)



Quote

Ernst-Günther Krause am 20. März 2019

Ich bin traurig über so viel Borniertheit in der SPD-Spitze.
Eine Partei, die säkular denkende Menschen, die mehr als ein Drittel der Bevölkerung bilden, auf eine solch intolerante Art und Weise ausschließt ...


Quote

Gerhard Lein am 20. März 2019 - 14:35

1. Wir geben nicht auf.
2. Säkulare Bürger sind in unserem Land dabei die Mehrheit zu gewinnen. In vielen großen Städten sind sie es längst.
3. Der Sprecher*innerkreis des bundesweiten Netzwerkes säkularer Sozialdemokrat*innen trifft sich am 23.3. im SPD-Haus in Hannover.
4. Vorwärts!


Quote

Rene Goeckel am 20. März 2019 - 16:09

Seltsam, wenn Parteien verkommen, wie einst auch die Grünen, dann immer in Richtung Religion. ...


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Bernhard Zaugg am 20. März 2019 - 23:05

So ein Armutszeugnis für eine einst große Partei! Die SPD ist tief im 20. Jahrhundert sitzen geblieben. ...


...

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Wir sind ein Kreis aus säkular orientierten SPD-Mitgliedern und nutzen unser Recht, uns auszutauschen und zu organisieren.
Wir wollen uns innerhalb von Partei, Politik und Gesellschaft für eine säkulare Religions- und Weltanschauungspolitik einsetzen.
(03/2019)
https://www.saekulare-sozis.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Laizismus_in_der_SPD

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Erweiterte Gehirn Erkundschaftungen / Variationen zur Gretchenfrage...
« on: March 21, 2019, 11:26:27 AM »
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[...] Seit Jahren versuchen religionsfreie Menschen in der SPD einen Arbeitskreis zu gründen, wie der hpd schon mehrfach berichtete. Erst im vergangenen Jahr wurde ihr Antrag erneut abgelehnt. Nun hat Generalsekretär Lars Klingbeil den "Säkularen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen" – kurz "Säkulare Sozis" – erneut eine Absage erteilt: Sie dürfen sich nicht "Sozialdemokraten" nennen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und beruft sich dabei auf einen Brief Klingbeils, den er am 5. März an die nicht-religiöse Vereinigung seiner Partei richtete.

Die "Säkularen Sozis" haben mehrere hundert Mitglieder, darunter prominente Personen aus der säkularen Szene wie die ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ingrid Matthäus-Maier und Lale Akgün, die sich für einen aufgeklärten Islam stark macht, sowie der ehemalige Staatsminister und Staatssekretär Rolf Schwanitz. Das nicht anerkannte Bündnis setzt sich für die Belange Konfessionsfreier und einen weltanschaulich neutralen Staat ein.

Andere Weltanschauungen haben Arbeitskreise, die von der Partei akzeptiert werden: Sowohl Christen, Menschen jüdischen Glaubens und seit 2014 auch Muslime. Der Antrag der Nicht-Religiösen zur Gründung eines Arbeitskreises wurde hingegen abgelehnt, der damalige Chef der SPD, Sigmar Gabriel, begründete dies seinerzeit damit, dass die strikte Trennung von Kirche und Staat das Kernanliegen der Laizisten, nicht aber Mehrheitsposition der SPD sei.

Aktuell existieren die "Säkularen Sozis" in erster Linie im Internet. Doch auch das will der Generalsekretär jetzt unterbinden: "Auch für öffentliche Auftritte, zum Beispiel im Internet" gilt das Verbot, die Bezeichnung "Sozialdemokraten" zu verwenden. Er verlangt Respekt für die "Entscheidung, dass der Parteivorstand keinen säkularen Arbeitskreis einrichten wird und dass Ihr daher den Namen 'SozialdemokratInnen' nicht weiter verwenden könnt."

Auf die Bitte des hpd um eine Stellungnahme, welche Gründe es dafür gibt, einen säkularen Arbeitskreis nicht zuzulassen und wie die Partei das mit ihrem Selbstverständnis und dem Gleichbehandlungsgrundsatz in Einklang bringt, kam bisher keine Antwort des Parteivorstands. Dass Konfessionsfreie in der SPD diskriminiert werden, ist jedoch nichts Neues: Im vergangen Jahr berichtete der hpd über einen Fall aus Augsburg, bei dem Aktionskünstler David Farago der Eintritt in die Partei verwehrt wurde – wegen seiner religionskritischen Haltung.


Aus: "Kein Platz für säkulare Interessen in der SPD" Gisa Bodenstein (20. Mär 2019)
Quelle: https://hpd.de/artikel/kein-platz-fuer-saekulare-interessen-spd-16625

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Bernd Kammermeier am 20. März 2019 - 13:57

Ich war einst, zu Zeiten von Willy Kniefall von Warschau Brandt, ein glühender Verehrer der SPD, die eine deutliche Alternative zur stockkonservativen CDU bot.
Doch ihr schleichender Niedergang scheint Parteiprogramm geworden zu sein. Selbstzerfleischung als Ausdruck der Entdeckung der christlichen Leidensphilosophie? Welchen Blumentopf will die SPD denn noch gewinnen? Den stetig schrumpfenden Teil der christlich konfessionellen Bevölkerung krallt sich so gut es geht die Union und die AfD. Dort kann die SPD immer schwerer Wähler herausquetschen, zumal auch die Grünen ihre Gottesaffinität entdeckt haben.

Der SPD bliebe doch nur der Weg, sich für die einzige deutlich wachsende Gruppe der Bevölkerung zu engagieren: für die Konfessionsfreien. Da ist die Zukunft Deutschlands, nicht ihm Geisterglauben aus einer glücklicherweise längst vergangenen Welt.

Ich wünschte mir die SPD zurück, die sich einst voller Tatendrang für die Gleichberechtigung von Mann und Frau gegen katholische Verbände, gegen CDU und FDP durchsetzte.

Ich wünschte mir eine SPD, deren Vorsitzende einen symbolischen Kniefall vor den konfessionsfreien Steuerzahlern hinbekommt, die noch immer - 100 Jahre nach Weimar - für die üppigen Bischofs- und Kardinalsgehälter aufkommen müssen.

Ich wünschte mir eine SPD, die sich die real existierende Kirche mit ihrer Unfähigkeit zu Reformen und Selbsterkenntnis genauer anschaut und sie entsprechen kritisiert.

Ich wünschte mir eine SPD zurück, die für alle Menschen da ist - und die ich irgendwann wieder wählen kann...


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Stefan Dewald am 20. März 2019

»Die Geschichte des Pfaffentums aller Nationen und aller Konfessionen ist ein ununterbrochener Kampf gegen den aufstrebenden menschlichen Geist, eine ununterbrochene Reihe von Attentaten gegen Vernunft und Humanität.«

Wilhelm Liebknecht (Mitbegründer der SPD)

»Die Religion der Liebe, die christliche, ist seit mehr als achtzehn Jahrhunderten gegen alle Andersdenkenden eine Religion des Hasses, der Verfolgung, der Unterdrückung gewesen.
Keine Religion der Welt hat der Menschheit mehr Blut und Tränen gekostet als die christliche, keine hat mehr zu Verbrechen der scheußlichsten Art Veranlassung gegeben; und wenn es sich um Krieg und Massenmord handelt, sind die Priester aller christlichen Konfessionen noch heute bereit, ihren Segen zu geben, und hebt die Priesterschaft der einen Nation gegen die feindlich ihr gegenüberstehende Nation flehend die Hände um Vernichtung des Gegners zu einem und demselben Gott, dem Gott der Liebe, empor.«

»Genau genommen ist aber ein Arbeiter, der Kloaken auspumpt, um die Menschen vor gesundheitsgefährdenden Miasmen zu schützen, ein sehr nützliches Glied der Gesellschaft, wohingegen ein Professor, der gefälschte Geschichte im Interesse der herrschenden Klassen lehrt, oder ein Theologe, der mit übernatürlichen transzendenten Lehren die Gehirne zu umnebeln sucht, äußerst schädliche Individuen sind.«

»Christentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser. Der sogenannte gute Kern im Christentum, den Sie, aber ich nicht darin finde, ist nicht christlich, sondern allgemein menschlich, und was das Christentum eigentlich bildet, der Lehren- und Dogmenkram, ist der Menschheit feindlich.«

August Bebel (Mitbegründer der SPD)



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Ernst-Günther Krause am 20. März 2019

Ich bin traurig über so viel Borniertheit in der SPD-Spitze.
Eine Partei, die säkular denkende Menschen, die mehr als ein Drittel der Bevölkerung bilden, auf eine solch intolerante Art und Weise ausschließt ...


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Gerhard Lein am 20. März 2019 - 14:35

1. Wir geben nicht auf.
2. Säkulare Bürger sind in unserem Land dabei die Mehrheit zu gewinnen. In vielen großen Städten sind sie es längst.
3. Der Sprecher*innerkreis des bundesweiten Netzwerkes säkularer Sozialdemokrat*innen trifft sich am 23.3. im SPD-Haus in Hannover.
4. Vorwärts!


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Rene Goeckel am 20. März 2019 - 16:09

Seltsam, wenn Parteien verkommen, wie einst auch die Grünen, dann immer in Richtung Religion. ...


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Bernhard Zaugg am 20. März 2019 - 23:05

So ein Armutszeugnis für eine einst große Partei! Die SPD ist tief im 20. Jahrhundert sitzen geblieben. ...



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Music and Sound Art (Klang) / Pop Diskurs / Kulturtheorie ...
« on: March 21, 2019, 10:55:05 AM »
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[...] Mit dem Versprechen, Benutzern den perfekten Soundtrack für jeden Moment ihres Alltags zu bieten, haben sich Spotify-Gründer Daniel Ek und sein Team vor einigen Jahren darangemacht, den Weltmarkt zu erobern. Es scheint zu funktionieren. Auch wenn Musikliebhaber, die den Streamingdienst als schier unerschöpfliche Suchmaschine schätzen, das thematische Playlisting als furchtbar mainstreamig empfinden.

... Während Nerds und Nischenhörer weiterhin für den bloßen Zugriff auf Daten bezahlen, möchte der Durchschnittskonsument heute scheinbar schlicht den passenden Mix: musikalisches Convenience-Food, digitale Fetenhits und Kuschelrock-Compilations.

"Indem sie beständig verringert, was wir noch zu tun bereit sind, wird die Benutzerfreundlichkeit zur Beschränkung," schrieb Tim Wu neulich in der New York Times. Besonders im Hightechbereich sei der Kampf um die einfachste Bedienbarkeit längst zum Kampf um Marktanteile geworden. Angetrieben durch die Macht der Gewohnheit und die Logik des Wachstums, führe unsere Vorliebe für alles Bequeme zu einer Art ökonomischen Gewaltspirale: "Je einfacher es ist, Amazon zu benutzen, desto mehr Zeit verbringen wir auf der Plattform – und desto einfacher erscheint uns wiederum die Bedienung." Bequemlichkeit ist kein Bonus mehr, sondern längst Must-have. Jedes erfolgreiche Tech-Unternehmen feilt scheinbar unentwegt an effizienteren, benutzerfreundlicheren Features.

Spotifys wichtigste Investition in Sachen Benutzerfreundlichkeit war der Erwerb von Echo Nest im Jahr 2014. Die US-amerikanische Music Intelligence Platform hatte sich als Forschungsprojekt am MIT Media Lab gegründet und auf die digitale Verstichwortung von Musik spezialisiert. In Söderströms Worten brachte man mit der Übernahme die besten Entwickler im Bereich der Musikkategorisierung mit Spotifys Daten zusammen, um gemeinsam am "bedeutendsten und größten Playlistingsystem der Geschichte" zu bauen. Ein Jahr zuvor hatte Spotify bereits die Onlineplattform Tuningo gekauft, die Playlists für bestimmte Stimmungen und Tätigkeiten des Alltags generierte. Mit Tuningo übernahm man rund 20 Musikredakteure, seither wächst das Team der "Kuratoren" beständig. Um dem Angebot eine menschliche Note zu geben, setzt Spotify neben Experten auf Crowdsourcing – und erfindet immer seltsamere Features.

 2016 hat es eine Zusammenarbeit mit der Dating-App Tinder gegeben, um potenzielle Partner nach Musikgeschmack zu matchen. Ende vergangenen Jahres kam die Cosmic-Playlist, eine Art musikalisches Horoskop, das eine Astrologin einmal im Monat für jedes Sternzeichen zusammenstellt. Gemeinsam mit AncestryDNA, einem US-Unternehmen, das gegen Speichelprobe und Bezahlung das Genom von Privatpersonen entschlüsselt, hatte man kurz zuvor bereits Playlists passend zum Erbgut seiner Kunden erstellt. Ob der US-Bürger mit neu entdeckten deutschen Wurzeln das Gefühl hat, sich dank Nena in der Tracklist selbst näherzukommen? Imagemäßig war das Projekt eine ziemliche Pleite. Aber neue Schlagzeilen und Nutzerdaten brachte es Spotify allemal.

Egal, was eine Playlist behauptet zu sein oder zu bieten, geht es am Ende natürlich um die Verfeinerung von Userprofilen. Während an der Benutzeroberfläche nur sichtbar ist, wie viele Abonnenten die Playlist hat, wird das Nutzerverhalten intern genau diagnostiziert: Was wird wie oft und zu welcher Uhrzeit gespielt? Wo wird weitergezappt? Was gelikt und in die eigene Bibliothek übernommen? Anders als ihr analoger Vorläufer, der Sampler, erlaubt die Playlist Streamingdiensten und Plattenfirmen, ihr Angebot akribisch zu testen. Netflix hat es vorgemacht und verordnet uns Filme mittlerweile fast medikamentös, auf Basis computergenerierter Microgenres wie "Feel-good Romantic Spanish-Language TV-Shows": Was häufig gesucht und geklickt wurde, wird irgendwann als Kategorie angeboten oder gleich on demand produziert. 

Spotifys Mechanismus basiert auf einer symbiotischen Verbindung von Mensch und Maschine: Jeder Nutzer, der selbst Playlists macht, gruppiert bestimmte Lieder und vergibt durch Headlines wie Happiness, Hymnen, Hatecore oder Symphonien fürs Frühstück Etiketten, von denen das ganze System profitiert. Weil wir alle unseren Teil dazu beitragen, die Performance der Plattform zu verbessern, sind wir, in Spotifys Sprache, "part of the band". Zumindest sind wir es, die der Plattform den Datenvorteil bescheren, auf dessen Basis sie auch anspruchsvollen Hörern erstaunlich gute Vorschläge macht.

 Tatsächlich gibt es kaum Spotify-Nutzer, die das recommendation-Feature des Streamingdienstes nicht großartig finden. Selbst wem die ungefragte Stilberatung zunächst so übergriffig vorkam, wie die einer Kaufhausangestellten in der Unterwäscheabteilung, war irgendwann bereit, ihren Wert murrend anzuerkennen. Besonders Nischenhörer haben den Anspruch, das eigene Repertoire immerfort zu erweitern. Manch einer mag sich der Zusammenstellung manueller Playlists heute mit derselben Hingabe widmen, mit der er früher mal Mixtapes gemacht hat. Aber natürlich wissen wir alle, dass die Zukunft des Musikhörens anders aussieht. Nämlich smart, vollautomatisch und präzise personalisiert. An die Stelle des alten Versprechens, körperliche Arbeit zu minimieren, ist die Aussicht auf Vermeidung jener mentalen Anstrengungen getreten, denen es bedarf, um Entscheidungen zu treffen.

Spotifys Entwickler haben sich das Prinzip der self-driving playlist bei Google Plus abgeguckt, sagt Produktchef Söderström. Während Apples iPhoto lange auf ein manuelles Sortiersystem setzte, machte man sich bei Google vergleichsweise früh die Fortschritte der Datenanalyse zunutze, um ein selbst sortierendes Bildarchiv zu programmieren. Der Ansatz ließ sich auf die Musik übertragen. Mittlerweile stellt Spotify seinen Nutzer neben Playlists und persönlichen Vorschlägen längst Widgets zur Verfügung, die händisches Sortieren scheinbar hinfällig machen. Das, was wir hören wollen, soll in den entsprechenden Fenstern künftig automatisch erscheinen und dabei ständig neue Entdeckungen liefern.

 Der persönliche Wochenmix Discover Weekly war Spotifys erste self-driving playlist, es folgten die Zeitkapsel, der Release Radar und eine Reihe individualisierter Mixtapes. Doch während wir am laufenden Band Lieder angeboten bekommen, bleibt uns immer weniger Zeit, sie zu hören.

Spotify hat sich längst darauf eingestellt, dass immer mehr Menschen eher beiläufig Musik hören, beim Trainieren, Arbeiten oder Einschlafen. Gleichzeitig trägt man mit musikalischen moodboards dazu bei, dass immer mehr Menschen sie als reines Beiwerk empfinden. Nachdem Streaming die Musik als Produkt grundlegend verändert hat, verändert Playlisting die Art und Weise, in der wir sie konsumieren. Im schlimmsten Fall verlernen wir, Dissonanzen zu schätzen.

Damit uns die digitale Welt mal überrascht, bedürfe es "Algorithmen für Disruption", schrieb Claudius Seidl kürzlich in der FAZ. Spotify arbeitet daran. Die Playlist B-Seite, die in der englischen Version Tastebreakers heißt, möchte unseren musikalischen Horizont mit Titeln und Genres erweitern, die wir sonst nicht hören – von denen der Algorithmus aber annimmt, sie könnten uns trotzdem gefallen. Meine tastebreakers sind Kraftwerk und Hildegard Knef, aber auch Musiker, von denen ich tatsächlich nie gehört habe. Vielleicht ein Anfang, obwohl – oder gerade weil – mir die meisten nicht auf Anhieb gefallen. Doch die Logik der Algorithmen bleibt gleich: survival of the hippest. Was nicht gleich gern gehört wird, wird aussortiert.

Auch in analogen Zeiten haben sich viele Alben wegen Hitsingles verkauft. Aber den Rest nahm man eben zwangsweise mit, ließ sich von hidden tracks erschrecken, hörte sich durch Dramaturgien – und dabei in so manchen Song hinein. Nicht alle Lieblingslieder haben auf Anhieb gefallen oder bieten sich an, um uns als Stimmungstapete durch den Tag zu begleiten. Längst nicht alle sind eingängig; viele wollen es bekanntlich nicht sein, andere brauchen Zeit. Letztere muss sich weiterhin nehmen, wer nicht in maschinenkuratierten Lebenssoundtracks eingelullt werden will.

...


Aus: "Playlist: Verloren in Musik" Anna Sinofzik (20. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/entdecken/2019-03/playlist-spotify-musik-streaming-track-hit/komplettansicht

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no-panic #1

Die "Brigitte" hatte mal Kochrezepte nach Sternzeichen geordnet/zugeordnet. Ich muss heute noch würgen, wenn ich daran denke, was mir als bestimmtem Sternzeichen schmecken sollte. ...


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Weil das Material nun in einem kleinen Kubus, einem Computer, Laptop oder Telefon verstaut ist, wird die Schande für Außenstehende zwar unsichtbar, das Elend der vollgestopften Seele jedoch nicht gelindert. ... Eine ungezügelte Musik-Libido ist sicherlich eine Form der Neugierde und der Vergnügungslust, womit sie der Sphäre des lebensbejahenden Eros zuzurechnen ist. Aber der Einfluss des Internets auf den Musikkonsum führt auch in die morbide Zone repetitiven Verhaltens. Der Archivierungstrieb hat einen neurotischen Aspekt: die Leugnung der Sterblichkeit. „Wir kaufen Bücher, weil wir glauben, wir kaufen die Zeit, sie zu lesen“, hat Warren Zevon in Anlehnung an eine Schopenhauer-Maxime gesagt. Das Gleiche gilt für Platten und MP3s. (Simon Reynolds, 21.03.2019)


Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/das-internet-als-archiv-wie-die-digitalisierung-unsere-musikkultur-veraendert/24125664.html

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[...] Schwarze Klumpen an Surfstränden, verklebte Vögel und sterbende Austern: An der westfranzösischen Küste erwarten die Menschen eine Ölpest. 330 Kilometer vor dem Festland ist vor wenigen Tagen das Containerschiff Grande America havariert. Dabei sind rund 2.000 Tonnen Schweröl ausgelaufen; Wellen und Strömungen im Atlantik werden bestimmen, wann der Dreck die Küste erreicht. Betroffen sein werden die Regionen, die im Sommer die meisten Touristen anziehen: die Strände nördlich von Biarritz, wo Surferinnen wellenreiten, die Vogelinseln vor Arcachon, die Stadt mit der höchsten Düne Europas, und die Bucht südlich von Bordeaux, in der Austern gezogen werden.

Die spektakuläre Havarie zeigt, dass der Schiffsverkehr in Europa und weltweit für das Meer insgesamt bedrohlich geworden ist. Mehr als 80 Prozent aller Waren werden inzwischen über das Meer transportiert, vor allem, weil es so günstig ist. Dabei wird alles immer größer, wie Zahlen des französischen Meereswirtschaftsinstituts ISEMAR zeigen. Heute ist ein durchschnittliches Frachtschiff 350 Meter lang und es transportiert 16.000 Container – viermal so viele wie noch vor 20 Jahren. Diese große Fracht wird von vergleichsweise wenigen Menschen begleitet, nur 16 Besatzungsmitglieder fahren durchschnittlich mit, die meisten stammen aus dem Exportland China. Weil die Lohnkosten dort niedrig sind, macht der lange Weg bei einem von China nach Deutschland transportierten Fernsehers oder Staubsaugers am Ende nur rund ein Prozent des Preises aus.

Der Preisdruck bringt zwei Gefahren mit sich. Erstens müssen kleine Crews mit immer größeren und oft auch brennbaren oder explosiven Ladungen fertig werden. Zweitens fahren die meisten Tanker mit Schweröl, das billig ist, aber besonders viele schädliche Abgase produziert.

Auch die Grande America fuhr mit Schweröl. Diese 2.000 Tonnen Schweröl aus dem Tank sind es auch, die nun an die Küsten gespült werden. Am 8. März war das Schiff um 3 Uhr nachts aus dem Hamburger Hafen ausgelaufen. Am Abend des 10. März brach ein Feuer aus. Die Löschung der haushohen Flammen dauerte nicht nur einen ganzen Tag, sie verursachte möglicherweise auch die Havarie des Bootes. Wahrscheinlich führten die vielen Kubikmeter Löschwasser erst zu einer Schlagseite und ließen das Boot schließlich auf den 4.600 Meter tiefen Grund des Atlantik sinken. Die 27 Männer und Frauen an Bord konnten gerettet werden, aber das Schiff und seine Ladung liegen nun im Meer.

Laut der italienischen Grimaldi Group, die das Schiff besitzt, bestand die Ladung aus 2.100 neuen und gebrauchten Fahrzeugen. Außerdem waren knapp 400 Container an Bord, davon 45 mit gefährlichen Stoffen. Details nannte sie nicht.

Dieser Informationsmangel ist typisch für die rasant wachsende Branche. Weder der Hamburger Hafen noch die Firma, die den Tanker beladen hat, weiß, welche Waren vor ihren Augen umgeschlagen wurden. Inzwischen hat die französische Präfektur bekannt gegeben, dass unter den gefährlichen Stoffen Salz und Schwefelstoffe waren. Die Grimaldi Group hingegen hatte ausgeschlossen, dass das Schiff korrosive Stoffe, zu denen Schwefel gehört, an Bord führte.

Ein offensichtlicher Widerspruch, die französische NGO Robin Hood fordert Aufklärung: "Wir verlangen von den französischen Behörden eine vollständige Liste der Stoffe", schreibt die Umweltorganisation. Die Organisation hatte zuvor bereits angekündigt, die Grimaldi Group wegen "Verschmutzung des Meeres und des Zurücklassens von Abfällen", zu verklagen. "Die Grande America war ein Schrottschiff, das Schrott transportierte", schreiben sie.

Tatsächlich lässt sich auf der Seite von Equasis, einer Seite, die Informationen über die Sicherheit der Schifffahrt sammelt und zur Verfügung stellt, nachvollziehen, dass bei der Grande America im Laufe der vergangenen Jahre zahlreiche Mängel festgestellt wurden. Vor allem mangelhafter Feuerschutz wird in der von der Europäischen Union gegründeten Datenbank immer wieder erwähnt.

Das scheint allerdings kein Grund gewesen zu sein, das Schiff aus dem Verkehr zu ziehen. Die Grande America habe vier- bis sechsmal pro Jahr im Hamburger Hafen angelegt, sagt Kai Gerullis, Sprecher der Hamburger Hafenbehörde, es habe keine besonderen Vorkommnisse gegeben.

Dass Unfälle von Containerschiffen zunehmen, kann das Havariekommando in Cuxhaven, das für Unfälle auf der Nord- und Ostsee zuständig, aus seinen Statistiken nicht erkennen. "Die Unfallzahlen schwanken stark – mal haben wir zwei, mal neun sogenannte komplexe Schadenslagen pro Jahr", sagt Simone Starke von der Bundesbehörde. Seit der Gründung des Havarkiekommandos vor 16 Jahren habe es 79 Schiffe in der Ostsee und der deutschen Nordsee bei Unfällen helfen müssen, bei denen Menschenleben und die Umwelt in Gefahr gewesen seien. Im Januar dieses Jahres verlor das Frachtschiff MSC Zoe 270 Container auf offener Nordsee; es dauerte Wochen, bis sie geborgen werden konnten. Doch nicht all diese Unfälle werden auch öffentlich bekannt. 

Viele Französinnen und Franzosen erinnern sich angesichts des Unfalls der Grande America heute an die Ölpest, die das vor der Bretagne gestrandete Ölschiff Erika 1999 verursachte. Monatelang sammelten damals Freiwillige Ölklumpen vom Strand, Zehntausende Tiere verendeten mit verklebten Gefiedern oder Kiemen. Dieses Mal, beschwichtigen die französischen Behörden, werde voraussichtlich dreimal weniger Öl angeschwemmt.

"So eine Havarie mit Schweröl an Bord ist aber in jedem Fall eine Katastrophe. Zuallererst für die Vögel", sagt der Meeresexperte Kim Detloff vom Naturschutzbund Nabu. Mehr als 130.000 Arten von Vögeln lebten in den möglicherweise betroffenen französischen Feuchtgebieten. Schon ein walnussgroßer Ölklumpen auf einem Vogel lasse ihn verenden, denn das Gefieder verliere dadurch seine isolierende Wirkung, die Tiere erfrören. Auch um die Blauwale der Region macht sich Detloff Sorgen. "Die Biskaya ist ein Hotspot für Blauwale und seltene Schnabelwale, weil das Land dort so tief absinkt."

Zwar baue die französische Marine derzeit Ölbarrieren auf, aber sie würden in dem riesigen Gebiet kaum helfen. Detloff ist pessimistisch. "Es ist nicht ein Unglück in einem gesunden System. Sondern eine ökologische Katastrophe in einem Meer, das ohnehin chronisch vergiftet ist." Die Schifffahrt wird laut Detloff viel zu wenig kontrolliert. "Zu Unrecht gelten Meeresfrachter als umweltfreundliches Transportmittel."

Tatsächlich existieren für die Schifffahrtsbranche bislang Sonderregeln. Bei der Weltklimakonferenz 2015 in Paris waren beispielsweise viele Expertinnen und Experten überrascht, wie es die Lobby der Transporteure und Handelskonzerne geschafft hatte, CO2-Einsparziele für Schiffe zu vertagen. Dabei gelten die Abgase der Schiffe nicht nur als schädlich für das Klima, sondern auch für die menschliche Gesundheit. Einige Studien (CEEH Scientific Report No 3, Jorgen Brandt et al., 2011) kamen zu dem Ergebnis, dass jährlich 50.000 Menschen in der Europäischen Union frühzeitig sterben, weil sie toxischen Abgasen der Schiffe in Küstengebieten ausgesetzt sind.

Der wichtigste Grund dafür ist das Schweröl im Tank, das eigentlich ein Abfallprodukt der Benzinindustrie ist und günstiger als Marineöl. Einige Häfen lassen Schiffe nur noch anlegen, wenn sie mit normalem Benzin fahren. Allerdings haben manche Reedereien dafür eine gemischte Lösung gefunden: Viele Schiffe fahren mit zwei Tanks, einem großen mit Schweröl für die offene See und einem kleineren mit gereinigtem Benzin für die Häfen. Die Abgase von der See erreichen die Städte trotzdem. Der Nabu hatte beispielsweise am Hamburger Hafen eine hundertmal höhere Belastung an Feinstaub gemessen, als gesundheitlich akzeptabel sei. Immerhin hat die Weltschifffahrtsorganisation IMO den erlaubten Schwefelgehalt im Schweröl ab 2020 von 3,5 auf 0,5 Prozent gesenkt. 


Aus: "Schifffahrt: Eine Havarie mit Schweröl ist immer eine Katastrophe" Eine Analyse von Annika Joeres (19. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-03/schifffahrt-schweroel-frankreich-container-transport-meere-verschmutzung/komplettansicht

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LoveIsTheLaw #6

In der Doku - schwarze Tränen des Meeres - , gesendet von ARTE, ging es um ein viel größeres Problem. Es liegen weltweit tausende Schiffe mit großen Mengen an Treibstoff und Kampfmitteln in den Meeren und Binnengewässern. Diese Altlasten stammen aus den vergangenen Weltkriegen. Ein besonders hervorzuhebenes Details ist die Schuld Deutschlands an dieser Misere. Jedoch ist derzeit ausschliesslich Norwegen dazu bereit auf eigene Kosten die Altlasten soweit noch möglich aus den Wracks die in norwegischen Gewässern liegen zu beseitigen. Deutschland ruht sich auf der Ausrede des Kriegsfalls aus und zieht sich somit aus der Affäre. Das in der Ost und Nordsee in Küstennähe schon zahlreiche Schiffe undicht sind und schleichend das Ökosystem töten spielt dabei offensichtlich keine Rolle. Ganz nach dem Motto, soll es doch die Zukunft von selbst richten. Ich würde mich sehr über eine Berichterstattung seitens deutscher Journalisten freuen, besser auch gleich offensiv auf die Politiker zugehen.  ...

[ [27.04.2017] Der Boden ist durch auslaufendes Schweröl aus dem Wrack kontaminiert. Eine Fläche, so groß wie 50 Fußballfelder, ist mittlerweile verseucht. Teilweise werden Umweltgrenzwerte für krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe um das Tausendfache überschritten. Insgesamt 450.000 Kubikmeter Meeresgrund müssten entsorgt werden. Und das Wrack der "Stuttgart" ist nur die Spitze eines gefährlichen Eisbergs. ... https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/schiffwracks-100.html ]


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xy1 #6.2

Man sollte auch die im Hafen von Murmansk in freier Luft oder in geringer Tiefe verrottenden Kernreaktoren aus den Altbeständen der Sowjetmarine nicht vergessen.


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Horst44a #12


Bei der Verarbeitung von Erdöl entsteht Schweröl als Rückstand der Destillation oder aus Crackanlagen. Es müßte aufwendig entsorgt werden oder aber, es wird in Seeschiffen zwecks Antrieb und Stromerzeugung als sehr kostengünstiger Kraftstoff verbrannt.
Kleiner Vergleich zum Thema Kreuzfahrt-Schwerölschiff:
Das neue (gefeierte!) größte Kreuzfahrtschiff der Welt befördert 9000 Passagiere. Nach Angaben von WDR2 benötigt es pro Tag 360.000 Liter Kraftstoff. Das bedeutet pro Passagier und Tag (nur) 40 Liter. Schweröl ist aber 2500-mal schwefelhaltiger als Straßenfahrzeug-Diesel. Also produziert jeder Passagier Schwefeldioxid-Abgase als würden 40 x 2500 Liter Normaldiesel verbrannt, am Tage dann also wie von 100.000 Liter Auto-Diesel ohne Abgasreinigung in die Umwelt gesetzt!
Schwefeldioxid ist giftig bei Einatmen und verursacht konzentriert Verätzungen der Haut und Augenschäden.
Beim Feinstaub sieht die Rechnung etwas anders aus. Schwerölabgase sind eher Grobstaub.
Die Kraftstoffqualität hat entscheidenden Einfluss auf die Schwefeldioxid-Anteile im Abgas. Die Binnenschifffahrt fährt nicht mit Schweröl sondern mit Schiffs-Diesel (Marinedieselöl). Dieser hat meist (nur) 100 mal so viel Schwefelanteile wie Auto-Diesel, bei See-Frachtern und Bespaßungs-Kreuzfahrtschiffen mit Schwerölantrieb ist bis zu dem 3500fachen erlaubt!

[ ... "Die Kreuzfahrtschiffe seien auf hoher See immer noch mit giftigem Schweröl unterwegs und deshalb dreckige Rußschleudern...."
QUELLE: https://www.abendblatt.de/hamburg/article108212711/Naturschutzbund-Aida-Schiffe-sind-schlimmste-Russschleudern.html ... ]


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Nachrichten|+Geheimdienste, etc.
« on: March 21, 2019, 09:27:45 AM »
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[...] Das Bundesinnenministerium will dem Inlandsnachrichtendienst per Gesetz erlauben, potenzielle Straftäter besser zu überwachen. Das geht aus einem entsprechenden Gesetzentwurf hervor, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Demnach soll das Bundesamt für Verfassungsschutz das Recht bekommen, auch Daten von Kindern und Jugendlichen zu speichern. Bisher gilt eine Mindestaltersgrenze von 14 Jahren. Anlass soll offenbar unter anderem der Fall eines 12-Jährigen sein, der im November 2016 versuchte, einen Sprengstoffanschlag auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu verüben. Ebenso im Visier seinen die möglicherweise beeinflussten Kinder deutscher Dschihadisten, die aus Syrien nach Deutschland zurück kommen.

Mit dem Gesetz soll der Verfassungsschutz außerdem die Möglichkeit bekommen, Kommunikationswege besser zu überwachen. Dabei geht es beispielsweise um verschlüsselte Kommunikation über Messengerdienste wie WhatsApp oder Telegram. Um diese in begründeten Fällen mitlesen zu können, soll der Verfassungsschutz Trojaner einsetzen dürfen.

Zudem soll der Inlandsnachrichtendienst das Recht auf Online-Durchsuchungen bekommen, um beispielsweise Anschlagsplanungen rechtzeitig zu bemerken. Dabei können die Ermittler das Internetverhalten der betroffenen Person untersuchen oder auf gespeicherte Dokumente und Fotos zugreifen, ohne dass die Person es mitbekommt. Die G10-Kommussion des Bundestages muss dem jedoch zustimmen. 

Derzeit befindet sich der Gesetzentwurf noch in der Ressortabstimmung. Wie das ARD-Hauptstadtstudio unter Berufung auf Insider berichtet, lehnt die SPD den Entwurf in dieser Form ab. Der Gesetzentwurf enthalte alles, was man bei der letzten Erneuerung des Verfassungsschutzgesetzes bereits abgelehnt habe, heißt es. Nichts davon stehe im Koalitionsvertrag.


Aus: "Verfassungsschutzgesetz: Innenministerium fordert mehr Befugnisse für Geheimdienste" (21. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-03/verfassungsschutzgesetz-innenministerium-geheimdienste-ueberwachung

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rudolf s #2  —  vor 5 Stunden

Nach Maßen und dem Aktenschreddern vom NSU will ich BITTE nicht mehr Befungisse für den Verfassungschutz....


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Mephisto601 #2.1

Sie unterstützen nicht mehr Schutz für die Deutsche Bevölkerung durch Terror ?


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tiefstapler #2.2

Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/mf

Antwort auf #2.1 von Mephisto601


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tiefstapler #2.3

Die Menschen haben, wie es scheint, die Sprache nicht empfangen, um die Gedanken zu verbergen, sondern um zu verbergen, daß sie keine Gedanken haben.

Søren Aabye Kierkegaard (1813 - 1855)


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Silex23 #2.7

„Sie unterstützen nicht mehr Schutz für die Deutsche Bevölkerung durch Terror ?“

Wenn das kein Tippfehler war, finde ich diese. Satz großartig!


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JeepSRT8 #6

... "1984" kommt immer näher, wie sieht es dann mit der "Rechtsstaatlichkeit" aus? ...


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hardypeter #6.1

"1984" ist schon längst Realität, Sie haben es nur noch nicht mitbekommen. Denunziantentum, Gesinnungspolizei, das kaltstellen von Andersdenkenden, das Beobachten von Kindergarten-Kindern "Ene, mene, muh – und raus bist du" etc..

Bärbel Boley hat es bereits Anfang der Neunziger kommen sehen, „Alle diese Untersuchungen, die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen – um sie dann zu übernehmen.“ „Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“ (Quelle Chaim Noll)


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drms #8

"Mehr Befugnisse"? Die Frau eines Offiziers eines ausländischen Militärgeheimdienstes sagte mir mal: "Die machen alles!" In dem Fall wären mehr Befugnisse nur das Nachholen der Realität auf dem Papier.


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Flugboot #12

Jedes Stückchen Freiheit und Privatsphäre, das wir im Namen der Sicherheit aufgeben, ist ein Stückchen, das wir nicht mehr auf friedlichem Weg zurück bekommen würden.


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[...]  Verschwörungstheoretiker und deren Gegner werden vielleicht gleichermaßen enttäuscht sein: Hier geht es nicht um die Bewertung einzelner Ereignisse der letzten Jahre, sondern um methodische Fragen zum Begriff "Verschwörungstheorie", der immer häufiger Verwendung findet. Dazu lohnt aber doch ein Blick auf ein Beispiel in der Vergangenheit.

....


Aus: "Was bedeutet eigentlich Verschwörungstheorie?" Alexander Unzicker  (20. März 2019)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Was-bedeutet-eigentlich-Verschwoerungstheorie-4338293.html

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     XXBrain, 20.03.2019 09:48

Die Weihnachtsmannverschwörung und dazu die Sache mit dem Osterhasen sind doch exemplarisch. Wir lernen früh, an offensichtlich absurde Dinge zu glauben und besser den Mund zu halten, wenn es Zweifel gibt. Später werden die Meisten von uns freiwillig Teil dieser Verschwörung.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (20.03.2019 09:50).


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     AllesLuegen, 20.03.2019 08:55

Ein guter Artikel über Verschwörungstheorien und vor allem VT-Keulen

mit denen Andersdenkende und abweichende Meinungen diffamiert werden sollen. Meine Verschwörungstheorie ist, dass die besonders dummen VT's, z.B. flache Erde, Illuminaten, Echsenmenschen, No-Plane bei 9/11 usw. gezielt gestreut werden, um jeden vom Mainstream abweichenden Erklärungsansatz lächerlich zu machen.


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MIDI & Synths (DIY) / Fairlight (8bit sampler)
« on: March 19, 2019, 04:20:28 PM »
Fairlight CMI IIx "Vinyl Sampling Demonstration" (24.06.2015)
https://youtu.be/B_fj7qO5V_o?list=RDqJGKbFVZsRs

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Architektur (Bauwerk & Raum) [Verortung] / Kiel Gaarden...
« on: March 17, 2019, 05:42:09 PM »
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[...] Jetzt also die Kehrtwende. Der Iltisbunker in Gaarden behält sein weit über Kiel hinaus bekanntes Revolutionsgemälde! Pläne, das abblätternde Kunstwerk an der Preetzer Straße zu übermalen, sind vom Tisch. Dabei hatte die Stadt sogar einen offiziellen Wettbewerb gestartet und mit Piotr Nathan im Frühjahr 2018 schon einen Sieger gekürt. Doch dann flatterte dem städtischen Kulturamt ein Schreiben des Landesamtes für Denkmalpflege auf den Tisch.

Der Iltisbunker sei als Kulturdenkmal mit besonderem Wert vorgesehen für die Aufnahme in die landesweite Denkmalliste. Das hatte sofort praktische Folgen. Jegliche Veränderungen am Bunker und seinem Bild wurden genehmigungspflichtig. Die Erlaubnis erteilt die Untere Denkmalschutzbehörde – sie wiederum teilte gestern dem Kulturausschuss mit, wie sie sich die Zukunft des Bunkerbildes vorstellt.

Shahin Charmi hatte das Bilder-Opus zur Stadtgeschichte 1988 /  89 aus Anlass des 70. Jahrestages des Kieler Matrosenaufstandes in einem Projekt mit Arbeitslosen geschaffen. Porträts von Prominenten wie Rosa Luxemburg oder Gustav Noske finden sich im Gemälde neben meuternden Soldaten und Arbeitern. 30 Jahre lang allerdings nagte der Zahn der Zeit am Revolutionsbild. Sträucher und Bäume, die nicht gekappt wurden, setzen dem Kunstwerk ebenso zu wie Leitungen, die an der Außenwand entlangführten.

... Charmis Revolutionsbild darf mit denkmalgeschützter Genehmigung weiter abblättern. Theoretisch könnte der Künstler nach umfassender Betonsanierung sein Gemälde neu auftragen. Doch die Stadt hatte schon vor Jahr und Tag abgewunken. Angeblich verlangt Charmi 200 000 Euro für seine Arbeit – und auf diese Honorarforderung ging man im Rathaus nicht ein.


Aus: "Iltisbunker in Gaarden : Das abblätternde Kunstwerk" Udo Carstens (26. Februar 2019)
Quelle: https://www.shz.de/regionales/kiel/das-abblaetternde-kunstwerk-id22778937.html

"Restaurierung light fürs Bunkerbild?" Martin Geist (17.02.2019)
Prägnantes Motiv am Iltisbunker: Das 1987 entstandene Revolutionsbild von Shahin Charmi bleibt bis auf Weiteres so, wie es jetzt ist. ...
Quelle: http://www.kn-online.de/Kiel/Kieler-Kunstobjekt-Restaurierung-light-fuers-Bild-am-Iltisbunker

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [Tierschutz ... ]
« on: March 17, 2019, 11:02:29 AM »
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[...] Wegen Tierquälerei in der Massentierhaltung ist am Freitag ein Schweinezüchter vom Amtsgericht Ulm zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Aufgrund der katastrophalen Zustände in seinen Ställen in Merklingen seien Hunderte Schweine verendet oder mussten wegen Verletzungen auf Weisung des Veterinäramtes getötet werden, hieß es zur Begründung des Urteils. Der Richter sprach von einer "Massentierhölle".

Insgesamt kamen in den Ställen mehr als 1.600 Schweine um. Zwei verletzte Tiere soll der 56-jährige Angeklagte mit einem Vorschlaghammer erschlagen haben.

Tierschützer nannten das Urteil historisch. "Zum ersten Mal wurde in Deutschland ein industrieller Tierhalter wegen Tierquälerei zu einer Gefängnisstrafe verurteilt", sagte der Gründer und Vereinsvorsitzende von Soko Tierschutz, Friedrich Mülln. "Endlich hat es ein Richter gewagt, ein Tabu zu brechen und Missstände in der industriellen Tierhaltung hart zu bestrafen."

Die Zustände in dem Stall waren 2016 von dem Verein aufgedeckt worden. Aktivisten hatten in den Ställen gefilmt. Das gegen sie wegen unerlaubten Zutritts eröffnete Verfahren war nach Zahlung einer Strafe von 100 Euro eingestellt worden. Die Ställe wurden geschlossen. Die Produkte des Züchters waren zuvor EU-weit mit diversen Gütesiegeln im Handel, beispielsweise mit "Qualität aus Baden-Württemberg" oder von der Initiative Tierwohl.


Aus: "Ulm: Schweinezüchter muss wegen Tierquälerei ins Gefängnis" (16. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-03/ulm-tierquaelerei-schweinezuechter-merklingen-massentierhaltung-urteil

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Inoagent #3

Erstaunlich, dass dieses Urteil zustande kam. Nun werden die Lobbyisten aber rotieren. Und das die richterlich beanstandete Tierhaltung als "Tierwohl" zertifiziert ist, wird die Landwirtschaftsministerin in Bedrängnis bringen. ...


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contradore #3.1

"Und das die richterlich beanstandete Tierhaltung als Tierwohl zertifiziert ist, wird die Landwirtschaftsministerin in Bedrängnis bringen."

Nicht wirklich - frau klöckner wird für haftstrafen auf freiwilliger basis plädieren.



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Allodien #7

ENDLICH! Endlich wird dem Leid mal eine Grenze gesetzt.
Ich hatte schon fast die Hoffnung verloren...


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Gustav Mahler #8

"Die Zustände in dem Stall waren 2016 von dem Verein aufgedeckt worden. Aktivisten hatten in den Ställen gefilmt."

Und dem zuständigen Amtstierarzt sind die Zustände bei seinen Kontrollen nicht aufgefallen?


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exxkoelner #10

"Die Produkte des Züchters waren zuvor EU-weit mit diversen Gütesiegeln im Handel, beispielsweise mit "Qualität aus Baden-Württemberg" oder von der Initiative Tierwohl."

Da fehlt wohl noch: ausgezeichnet worden.

Aber egal, DAS zum Thema "Gütesiegel" in der Nahrungsmittelbranche. ...


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[...] In seinem 87-seitigen Manifest spottet der möglicherweise gleiche Täter: Spyro, ein kleiner violetter Videospieldrache, habe ihn zum Ethnonationalismus konvertiert. Er bedroht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Tod. Sie sei "die Mutter aller anti-weißen und anti-germanischen Dinge, ganz oben auf der Liste". Wenige hätten so viel getan, um Europa zu schädigen. Die Passage endet mit den Worten: "KILL ANGELA MERKEL, KILL ERDOGAN, KILL SADIQ KHAN."

Mit Ironie und bewusster Provokation will er offenbar emotionale Reaktionen beim Publikum auslösen. So wird es fast unmöglich, sein Weltbild aus seinem Pamphlet zu rekonstruieren. Darüber hinaus will sich T. keiner bestimmten rechtsextremen Gruppe zuordnen. Lediglich gegenüber anderen Attentätern, darunter Dylann Roof und Anders Breivik, empfindet er eine Art ideologische Verbundenheit. Das Manifest des norwegischen Massenschützen sei seine "wahre Inspiration" gewesen.


Aus: "Rechtsextremismus: Was trieb den Attentäter von Christchurch an?" Patricia Zhubi (15. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-03/rechtsextremismus-terrorattentat-christchurch-pewdiepie-youtuber

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spiegelwechsler #4

Was trieb ihn an?
Der Attentäter ist nicht richtig im Kopf.
Für sowas gibt es keine Rechtfertigungen.


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ah-jun #4.1

"Der Attentäter ist nicht richtig im Kopf"

Also straffrei ab in die Klappse?


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Best Friend Tabitha #4.5

Ach die Rechten sind ja nie richtig im Kopf, wenn sie Leute umbringen. Alle anderen natürlich schon. ...


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Der freundliche Waran #4.16

Weil vom Standpunkt eines normalen Menschen aus "schlicht und einfach irre" zu sein keine geeignete Kategorisierung ist, um schwerste Verbrechen richtig einordnen zu können. Gut ein Drittel der Bevölkerung erkrankt irgendwann im Laufe des Lebens psychisch, kaum jemand begeht deswegen dann Straftaten. Umgekehrt gibts kaum Mordfälle, in denen eine psychische Erkrankung juristisch relevant ist - das ist sie nur dann, wenn jemand durch die Erkrankung die Fähigkeit verliert, seine Taten steuern zu können. Das passiert nur durch schwerste Wahnvorstellungen, "die Stimmen haben es befohlen" usw.
Bei den meisten Mördern ist das nicht der Fall und auch hier gingen die Täter wohl zu planvoll und systematisch vor, um davon auszugehen, dass es zutreffen könnte.

Was machen wir dann mit der Mehrheit der Mörder, die zwar irgendwie nicht mehr ganz sauber ticken, deren Taten sich aber nicht durch einen Verlust ihrer Steuerungsfähigkeit erklären lassen? Nun, wir sehen uns an, was sie sonst noch für Motive haben. Denn nur so finden wir heraus, warum sie nicht z.B. wie andere narzisstisch Gestörte ein unauffälliges Leben führen, in dem sie nur gelegentlich mal rumbrüllen, wenn man sie kränkt.

Nur außerhalb des pathologischen Teils ihrer Persönlichkeit finden wir den wahren Grund, warum sie Täter geworden sind. Am Ende steht bei einem steuerungsfähigen Menschen immer die Entscheidung, Täter zu werden. Die Frage ist, was zu dieser Entscheidung führt.

In diesem Fall ist es übrigens Faschismus.


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mineyanoor #4.24

Der ist genau so wenig verrückt wie alle anderen Fanatiker. ...


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vincentvision #9

Menschen wurden bewusst getötet und verletzt, nur weil sie eine andere Religion leben - damit unterscheiden sich solche Taten nicht im Mindesten von denen islamistischer Attentäter, die angeblich Ungläubige töten wollen.

Und damit geht einmal mehr die Saat derjenigen auf, die täglich gegen Menschen hetzen und sie ausgrenzen.

Und deren Hetze man größtenteils unwidersprochen lässt.

Dass es dann zu solchen Taten führt, ist keine Überraschung.

Denn seit den alltäglichen Salonrassisten ist aber genau diese Hetze unter bürgerlich-braunem Mäntelchen normal und intelligente Differenzierung bei gewissen Mitbürgern nicht mehr en vogue. ...


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AH-JA #19

Dummheit, abgrundtiefer Hass, politische Verblendung, Selbstüberschätzung und Gewaltbereitschaft werden zusammengerührt und führen zu diesen terroristischen Mordexzessen. Ein unheilvolles Gebräu von Menschenverachtung.


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GrosMorse #24

Habe das Manifest gelesen. Das ist so ein Haufen Mist, da weiß man gar nicht wo man anfangen soll. Der Mann feiert darin andere Massenmörder wie den Quebec Mosque Shooter oder den Killer von Charleston. Er schreibt außerdem, dass er Europa mit der Tat einen Gefallen getan hat und tut dies im Namen von Millionen Europäern. Er ist überzeugt, er sollte außerdem für den Friedensnobelpreis nominiert werden.
Im Manifest sind außerdem Bilder von Blonden Frauen und Kindern enthalten, die völlig verquert mit Bildern von martialischen Soldaten gemischt sind. Nordische Mythologie ist natürlich auch mit dabei.

Er nutzt die gleiche Rhetorik die die Identitäre Bewegung, Front National, Britain First und andere Rechte Bewegungen in Europa nutzen. Außerdem redet er von einem Völkermord in Europa an der weissen Bevölkerung durch die niedrigen Geburtenraten. Daher ruft er zum Mord an allen Nicht-Europäern in Australien, Europa, Argentinien, Nordamerika und Neuseeland auf. Das sind ihm zu Folge nach Bruderländer.
Die Kapitalisten sollen außerdem Millionen billig Arbeitskräfte importieren um die Kultur zu zerstören und Gewinn zu machen.
Außerdem müssen wir die Umwelt schützen um unseren ethnisch reinen Staat zu bewahren und die Kultur, die mit der Natur verbunden ist, mehr schätzen.

Das ganze Manifest ist so unfassbar rassistisch, menschenverachtend und lehnt alle Werte und Normen der westlichen Zivilisation ab.


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HelloDarknessMyOldFriend #30

Hat sich der Autor mit dem "Manifest" eigentlich überhaupt beschäftigt? Es ist wirklich eckelhaft das so vor diesen Hintergrund zu schreiben, aber das meiste davon ist ein Witz. Was aber daraus klar wird sind die Intentionen des Mörderers. Er will den "Culture War" beschleunigen. ...


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[...] ZEIT ONLINE: Herr Neumann, was wissen wir über die Motivation des Attentäters von Christchurch?

Peter Neumann: Das Manifest des Täters, das er offensichtlich vor der Tat geschrieben und veröffentlicht hat, legt nahe: Das war ein rassistischer, rechtsextrem motivierter Anschlag. Er speist sich aus einer Kombination von neuer und alter rechter Ideologie. In dem Manifest stehen krude rassistische Dinge, die ich eher der Neonaziszene zurechnen würde, aber auch viele neurechte Elemente, die man eher bei Identitären finden würde. Der Titel des Manifests lautet: "Der große Austausch". Dieser angebliche Bevölkerungsaustausch ist die bekannteste Verschwörungstheorie der Neuen Rechten.

ZEIT ONLINE: In seinem Manifest nimmt der Täter auch Bezug auf Anders Breivik, den rechtsextremen Attentäter aus Norwegen. Er behauptet sogar, er habe den Segen von Breivik erhalten und mit ihm in Kontakt gestanden. Glauben Sie ihm?

Neumann: Das sollte man mit Vorsicht genießen. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass der Täter mit Breivik Kontakt hatte. Vielleicht hat er ihm einen Brief geschrieben. Mehr nicht. Aber dass er das schreibt, zeigt, wie sehr er sich in der Tradition von Breivik und seinem Anschlag von 2011 sieht. Sowohl in der Ausführung als auch ideologisch hat sich der Attentäter als Nachfolger von Anders Breivik gesehen. Das sieht man auch im Format des Manifests. Das ist zum Teil ein Interview mit sich selbst. Wie bei Breivik. Es ist auch ähnlich geschrieben, ähnlich aufbereitet. Und wenn er seine Vorbereitungen beschreibt, die angeblich zwei Jahre gedauert haben, dann ist das auch ähnlich wie bei Breivik, der sich angeblich auch zwei Jahre auf seinen Anschlag vorbereitet hat. Breivik hat diese ganze Ideologie der Kreuzritter geschaffen und ihr mit seiner Tat die Strahlkraft verliehen. Der Täter von Christchurch sah sich in der Tradition dieser Idee und war dadurch nicht nur irgendein Loser, sondern Teil einer großen historischen Bewegung. Das ist für Terroristen immer wichtig. Denn niemand will ein einzelner Loser sein. Jeder will etwas sein, das groß ist und bedeutend. Der Kreuzritter-Mythos, den Breivik geschaffen hat, das ist für solche Terroristen wie in Christchurch entscheidend.

ZEIT ONLINE: War der Attentäter also gar nicht der Einzeltäter, zu dem er nun gemacht wird?

Neumann: Doch, es sieht so aus, als sei er ein Einzeltäter gewesen. Doch es gibt einen Unterschied, der sich in den nächsten Tagen noch klären wird: Breivik war wirklich ein einsamer Wolf, der relativ wenig mit anderen Leuten kommuniziert hat. Bei diesem Täter kann ich mir gut vorstellen, dass er ziemlich intensiv in virtuellen Subkulturen unterwegs war, in Internetforen wie Reddit oder 8Chan, wo er sich mit anderen Leuten ausgetauscht hat.

ZEIT ONLINE: Der Täter hat die Tat dort sogar angekündigt und sie dann auf Facebook live übertragen.

Neumann: Er hat alle medialen Mittel genutzt, die ihm zur Verfügung stehen. Er hat das Manifest online gestellt, versucht, die Tat live zu übertragen, einen Mythos um die eigene Person zu schaffen. Und so andere zu ähnlichen Taten anzustiften.

ZEIT ONLINE: Der Täter hatte offenbar sogar eine GoPro-Kamera am Helm.

Neumann: Das passierte nicht zum ersten Mal. Der Erste, der das versucht hat, war Mohamed Merah, der 2011 in Toulouse sieben Menschen erschossen hat und sich dabei auch eine GoPro an den Helm schnallte, um seine Taten live zu übertragen. Da hat es technisch aber nicht funktioniert. Aber seit dem Anschlag haben viele Leute immer wieder davor gewarnt, dass das irgendwann passieren wird.

ZEIT ONLINE: Das heißt, die Mittel der Inszenierung werden von Islamisten wie von Rechtextremen gleichermaßen verwendet?

Neumann: Das halte ich für einen wichtigen Punkt. Was Taktik angeht, Inszenierung angeht, befruchten sich die verschiedenen extremistischen Bewegungen gegenseitig. Dschihadisten und Rechtsextreme haben überhaupt kein Problem damit, voneinander zu kopieren. Breivik selbst hat in seinem Manifest zugegeben, dass er sich die Taktik von Al-Kaida abgeschaut hat. Es ist also nicht überraschend, dass der Täter sich auch hier gewissermaßen vom eigenen Feind inspirieren ließ.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet diese neue Art der Inszenierung von Terrorismus für die Sicherheitsbehörden?

Neumann: Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Staaten, beobachten die Sicherheitsbehörden die offen rechtsextreme Szene ziemlich genau und wissen, was da vor sich geht. Wenn man aber in die virtuellen Subkulturen geht, in 8chan oder in Reddit, dann sind die Behörden da noch nicht wirklich präsent. Ich glaube, sie haben noch nicht verstanden, wie wichtig diese Subkulturen für die rechte Szene sind. Dieser Anschlag ist ein Hinweis darauf, dass man sich damit genau so beschäftigen muss wie mit einer Kneipe im Erzgebirge oder einer Kameradschaft bei einem Aufmarsch.


Aus: "Christchurch: "Der Kreuzritter-Mythos ist für solche Terroristen entscheidend"" Interview: Fritz Zimmermann (15. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-03/christchurch-terroranschlag-rechtsextremismus-nachfolger-anders-breivik-kreuzritter/komplettansicht

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spiegelwechsler #1

Werden bei einem islamistischen Anschlag auch so viele Artikel über die angeblichen Gründe geschrieben?


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Dundoril #1.16

... Bei muslimischen anschlaegen endet das fuer viele halt leider meist bei "so sind die Muslime wir sollten die alle loswerden"...


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Elitezigeuner #2

Es ist letztlich müßig, darüber die Zeitungen vollzuschreiben. Spinner, Wahnsinnige, Psychopathen, Rassisten und Gewaltverbrecher wird es immer geben. Und zwar unter den Angehörigen jeder Religion, Rasse, Nationalität, Hautfarbe. Hass und Gewalt sterben nie aus, face reality, wir stammen letztlich alle von Gewaltverbrechern ab, man muss in der Evolution einfach nur weit genug zurückgehen ....


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Mumblik #2.2

Billige Relativierungsversuche hat es in diesem Forum schon immer gegeben.


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wush #11

Gutes Interview. Hier noch einige Fakten:

Der Täter filmte vom Einstieg in sein Auto an und kommentierte dabei in lakonischem, leicht ironischem Ton. Er hörte, laut hörbar für seine Opfer, mehrere Musikstücke, je eines davon mit Bezug zur Wehrmacht und zur britischen Armee, ein islamophobes Lied aus dem Umfeld des Jugoslawienkrieges sowie eine Art Technolied ohne Text.

Bei der Tat selbst ging er auffällig ruhig, berechnend und kaltblütig vor. Er legte Wert darauf zielsicher zu feuern, auch bereits verletzte Opfer mit gezielten Schüssen zu töten und dies geradezu cineastisch zu inszenieren.

Er wollte ganz offensichtlich den Eindruck eines professionellen, von seiner Sache patriotisch überzeugten Soldaten erwecken, welcher sich auf einer gut geplanten und zielgerichtet ausgeführten Operation befindet. Bei seinen Opfern wollte er u.a. durch die Musik sowie sein geradezu ruhiges, methodisches Vorgehen maximale Angst erzeugen. ...


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CarlitoJ #11.5

... Das Video wurde vom Täter zu eine, bestimmten Zweck gedreht: Propaganda für potenzielle Nachahmer.


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Schnitzel mit Bratwurst und Schweinsbraten #11.12

Es ist die ''Wahrheit'' aus der Perspektive des Täters.

Ein Video aus der Opferperspektive, die auch zur ''Wahrheit'' gehört, würde wohl deutlich weniger konsumiert werden.


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Max Pe #18

Vor diesem Anschlag hat kein Mensch grossartig über 'weisses Kreuzritterdenken' von Breivik gesprochen. Der feuchte Traum eines kranken Mörders.
Desweiteren wieso Manifest und nicht Bekennerschreiben wie bei anderen Terroristen auch?

Sicher, dass hier nicht versucht wird etwas künstlich zu erschaffen/aufzublähen was gut klingt und sich gut verkauft?
Zumindest wird hier viel zur sogenannten 'Mythosbildung' beigetragen.


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DingoEurope #31

Ich finde es doch immer wieder erstaunlich, wie unsere Gesellschaft immer atheistischer wird, und sich dennoch hier immer mehr Leute (gefühlt) das christliche Abendland auf die Fahne schreiben.


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Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland) sind am 15. März 2019 mindestens 49 Menschen getötet und weitere 40 Menschen verletzt worden. Die Tat ist nach Zahl der Todesopfer das schwerste Verbrechen in der Geschichte Neuseelands. ... (Stand: 16.03.2019)
https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_zwei_Moscheen_in_Christchurch

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[...] Als in den Jahren 2016 und 2017 eine Welle islamistischen Terrors über Westeuropa schwappte, waren sie blitzschnell: AfD-Politiker wie Beatrix von Storch, Alice Weidel, Jörg Meuthen oder Stephan Brandner reagierten oft innerhalb von Minuten. Mit einer Mischung aus Betroffenheit und Wut auf jene, die aus ihrer Sicht mit ihrer Politik dem Terror den Weg bereitet haben, kommentierten führende Köpfe der Partei die ersten Eilmeldungen. Teilweise wurde die Betroffenheit auch übersprungen. Etwa, als der damalige NRW-Chef Marcus Pretzell noch am Abend des Anschlags vom Breitscheidplatz schrieb, es seien "Merkels Tote". Oder, als Beatrix von Storch, kurz nachdem ein Mann in Münster mehrere Menschen überfahren hatte, in Anspielung auf das berühmte Zitat von Kanzlerin Angela Merkel twitterte, "Wir schaffen das!" Inzwischen steht fest: Münster war eine Amokfahrt. Was umso deutlicher zeigt, wie übereilig AfD-Politiker Gewalttaten dieser Größenordnung kommentieren und einordnen.

 Als am Freitag mehrere vermutlich rechtsextreme Angreifer 49 Menschen in zwei Moscheen in Neuseeland erschossen haben - darunter mehrere Kinder - hüllte sich nahezu die komplette AfD über Stunden in vielsagendes Schweigen. Ist es aus Sicht der Partei, der gesamten neurechten Szene weniger verabscheuungswürdig, wenn ein weißer Attentäter Muslime tötet?

Zweifel an dieser These lassen sich beim Blick in AfD-nahe Niederungen kurz nach dem Anschlag nicht ausräumen, in Facebook-Gruppen und den Kommentarspalten der Medien, in denen die Partei üblicherweise viel Zuspruch bekommt. "Rein zahlenmäßig" sei der Anschlag ja "Peanuts verglichen damit, was Moslems Andersgläubigen angetan haben", schreibt einer. Ein anderer antwortet: "Weniger ist mehr". In einer anderen Gruppe wird ein Foto des Attentäters mit "Unser Held" überschrieben. Garniert mit einem Zwinker-Smiley schreibt einer: "Nicht jeder Moslem wird gepudert und verwöhnt, manche kriegen das Gesetz auch eingeprügelt." Unter einem Artikel der AfD-nahen Wochenzeitung "Junge Freiheit" schreibt ein Leser: "Wo Islam ist, dort existiert Hass und der gebiert Gegenhass" - die kleine muslimische Minderheit in Neuseeland sei also selbst schuld. Leser des rechten Hetzportals "PI News", dem AfD-Politiker immer wieder gerne ausführliche Interviews geben, schreiben "mir egal", "was soll's" oder "die eigene Medizin schmecken, ist eben bitter".

 Die Parteispitze der AfD müsste darüber eigentlich bestens Bescheid wissen. Eine klare Positionierung hätte schnell zumindest eine formale Distanz zu dem menschenverachtenden Gerede herstellen können, es hätte den Versuch geben können, diesen Diskussionen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch die Parteichefs Meuthen und Gauland, sowie Fraktionschefin Weidel ziehen es vor abzuwarten.

Andere Akteure der Partei schweigen nicht und verbreiten ihre eigene Interpretation der Ereignisse. Harald Laatsch etwa, der für die AfD im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, hat sich offenbar von einer Schlagzeile von "PI News" inspirieren lassen und schreibt bei Twitter, der Mörder habe seine Tat mit "Überbevölkerung und Klimaschutz" gerechtfertigt und gibt im gleichen Atemzug "Klimapanikverbreitern" wie der 16-jährigen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg eine Mitschuld. Diverse Kreisverbände der AfD verbreiten die Theorie, der Täter sei eigentlich ein "Linksextremer", ein "grüner Öko-Terrorist". Andre Poggenburg, bis vor kurzem noch Landeschef der AfD in Sachsen-Anhalt, jetzt aber mit neuer Partei unterwegs, sieht keinen Anlass für Mitgefühl. Er kommentiert: "Klar ist aber auch: Muslime, die deutsche Frauen angreifen, greifen auch uns alle an und das schon seit Jahren mittlerweile."

 Über vier Stunden nach den ersten Meldungen, nachdem sich alle anderen Parteien und Politiker rund um den Globus zu dem schrecklichen Anschlag geäußert haben, schreibt dann Parteichef Jörg Meuthen ein paar Zeilen und verurteilt die Tat. Rund zwei Stunden später tritt AfD-Außenexperte Armin-Paul Hampel vor die Kamera, drückt den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus und fordert einen Diskurs über die Verrohung der Gesellschaft. Auch Alice Weidel schreibt mehr als 24 Stunden später einen kurzen Beitrag bei Facebook, bekundet Beileid. Und zwei, die üblicherweise zu den schnellsten gehören, wenn es darum geht, Nachrichten, die das Narrativ der AfD erfüllen, zu verbreiten, halten beim Anschlag in Neuseeland bis jetzt an ihrem Schweigen fest: Beatrix von Storch und Stephan Brandner. Und auch vom Chefideologen des ultrarechten Flügels, Björn Höcke, gibt es bis jetzt keinen Kommentar.

Das Schweigen der AfD im Anschluss an das Blutbad von Christchurch war keineswegs ein Zufall und die darin liegende Botschaft ist nicht zu überhören. Das wirft Fragen nach dem Menschenbild der Rechtspopulisten auf. Es ist kein Geheimnis, dass der Islam zu den größten Feindbildern der Partei gehört. Jetzt jedoch müssen sich Vertreter der Partei, und jeder, der ihr seine Stimme gibt, auch die Frage gefallen lassen müssen, ob Moslems in den Augen der AfD minderwertige Menschen sind, die weniger Mitgefühl verdient haben.


Aus: "Kommentar: Klare Botschaft zu Christchurch Das Schweigen der AfD ist nicht zu überhören" Ein Kommentar von Benjamin Konietzny (16. März 2019)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Das-Schweigen-der-AfD-ist-nicht-zu-ueberhoeren-article20911085.html


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Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland) sind am 15. März 2019 mindestens 49 Menschen getötet und weitere 40 Menschen verletzt worden. Die Tat ist nach Zahl der Todesopfer das schwerste Verbrechen in der Geschichte Neuseelands. ... (Stand: 16.03.2019)
https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_zwei_Moscheen_in_Christchurch

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[...] Ein übergroßer weißer Schutzanzug, breiter Hüftgurt und Handfesseln: der mutmaßliche Massenmörder von Christchurch wurde am Samstagmorgen Ortszeit dem Richter vorgeführt. Nur Medien waren im Gerichtssaal zugelassen, für die Öffentlichkeit waren die Räumlichkeiten aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Der Australier wurde offiziell des Mordes angeklagt. Eine Entlassung auf Bewährung beantragte er nicht. Am 5. April muss er erneut vor dem Gericht erscheinen. 49 Menschen, die eben mit dem Freitagsgebet begonnen hatten, soll der 28-jährige Australier am Freitag in zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch erschossen haben. Unter ihnen seien auch Kinder, so Premierministerin Jacinda Ardern. Das jüngste Todesopfer war zwei Jahre alt, das älteste 60.

39 weitere Gläubige befinden sich noch in Krankenhäusern. 11 liegen mit lebensgefährlichen Verletzungen auf der Intensivstation. Der Täter hatte seinen Amoklauf gefilmt und live im Internet gezeigt. In einem 74 Seiten starken "Manifest" bekannte er sich zu rechtsextremem Gedankengut und seinem Hass gegen Muslime und Einwanderer.

Ardern meinte, der mutmaßliche Amokläufer sei nur 36 Minuten nach dem ersten Alarm von der Polizei festgenommen worden. Laut Polizei hatte er fünf Waffen bei sich, darunter zwei halbautomatische und zwei umgebaute Gewehre. Er sei unterwegs gewesen, um weitere Menschen zu ermorden, so Ardern. "Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen".

Der Täter gefiel sich offenbar auch darin, sich auf historische Ereignisse zu beziehen, darunter die Wiener Türkenbelagerung. In einem TV-Bericht des niederländischen Senders RTL Nieuws mit Aufnahmen vom Tatort ist beispielsweise ein Schriftzug mit dem Namen "Ernst Rüdiger von Starhemberg" und die Zahl "1683" zu sehen. Der Feldmarschall hatte 1683 die Verteidigung Wiens geleitet. In einer von ihm angefertigten Liste von "Bruderstaaten" wird an zweiter Stelle auch Österreich genannt. Zudem werden in dem im Internet kursierenden Video auch Bezüge auf frühere christliche Kreuzzüge gezeigt. Außerdem seien auf der Tasche des Verdächtigen Neonazi-Symbole gefunden worden, so der Bericht.

... In der australischen Stadt Gosford, wo der Attentäter aufgewachsen war, herrschte auch am Samstag ungläubiges Entsetzen. Der mutmaßliche Massenmörder war dort in einer Arbeiterfamilie groß geworden. Er sei ein unauffälliger und generell angenehmer Mitschüler gewesen, so einige seiner ehemaligen Klassenkameraden gegenüber dem australischen Fernsehen. Später arbeitete der Australier als Fitness-Trainer. Laut seiner ehemaligen Chefin im Fitness-Club, Tracey Gray, war ihr Mitarbeiter "sehr professionell und zuverlässig – ein sehr guter Trainer". ... In dem von der Polizei noch nicht als sein Werk bestätigen Hass-Manifest bezeichnet sich der Australier als weißen Nationalisten der Einwanderer hasse. Immigranten bezeichnet er als "Invasoren". Der Mann warnt mehrfach, europäisch stämmige Menschen mit christlichem Glauben würden ihren Platz an Muslime verlieren. Auch erklärte er, dass er keiner bestimmten Organisation angehöre und die Attacken in Christchurch in den vergangenen drei Monaten geplant habe. Laut der Tageszeitung The Australian soll er schon 2011 im Internet Andeutungen über seine Gesinnung gemacht haben: "Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel", so der spätere mutmaßliche Massenmörder. Dass sich der Mann rechtsextremem Gedankengut verschrieben hatte, wurde auch im Video ersichtlich, das der Täter mit Hilfe einer auf seinem Helm montierten Kamera gedreht und ins Internet gestellt hatte. Darin sind neben den historischen Bezügen auch weitere rassistische Parolen und Symbole zu sehen, die er auf seine Waffen gemalt hatte. Eines der Vorbilder des Attentäters scheint Donald Trump zu sein. Der amerikanische Präsident sei für ihn "das Symbol einer erneuerten weißen Identität", schreibt er im Manifest. (ergänzt durch die Redaktion, 16.3. 2019)


Aus: "Der Attentäter von Christchurch war auf dem Weg zur nächsten Bluttat" Urs Wälterlin (16. März 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099657800/Der-Attentaeter-von-Christchurch-war-auf-dem-Weg-zur-naechsten

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Umerziehungsberechtigter

Irgendwie total krank. Ein Abkömmling von Einwanderern nach Australien, den die Aborigines sicher nicht eingeladen haben, will Einwanderer bekämpfen.


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Briaftroga

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung wird erwähnt das bisherige rechtsextreme Amokläufer immer als lokales Phänomen gesehen wurden aber anscheinend ist dem nicht mehr so. ...


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Turbolaser

Das ist Religion. Das ist Wahnsinn. Wann beenden wir endlich das staatliche Hofieren semi-krimineller Terrororganisationen, die unter dem Deckmantel der Nächstenliebe Lügen zur Selbstbereicherung verbreiten? Die Aufklärung war vor 300 Jahren. Wir wissen, dass es keine Götter gibt und trotzdem erhalten wir die Lügen aufrecht - dass ist das Resultat unserer Tatenlosigkeit. Die Verbreitung religiöser Lügen gehört endlich unter Strafe gestellt!

Für eine Gesellschaft der Fakten und Wissenschaft!


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[...] Am 3. Februar 2017 nimmt einer der bizarrsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre seinen Lauf. Franco A., ein Soldat der deutschen Bundeswehr, wird auf dem Wiener Flughafen festgenommen, als er eine geladene Waffe aus einem Versteck in der Behindertentoilette holen will. Als der Verdächtige überprüft wird, entdecken die Beamten, dass sich dieser mit einer zweiten Identität als syrischer Flüchtling in Deutschland registrieren ließ. Bei einer Hausdurchsuchung finden sie Todeslisten und offensichtlich Vorbereitungen auf einen Terroranschlag, den der deutsche A. vermeintlich als syrischer Flüchtling ausführen wollte. Was damals noch niemand ahnt: Franco A. ist nur ein Teil eines rechtsextremen Netzwerks aus aktiven und ehemaligen Soldaten und Polizisten, die sich in Chatgruppen miteinander über den Tag X austauschen – jenen Tag, an dem die staatliche Ordnung zusammenbricht. Folgt man ihren Spuren, landet man bei einem Verein für ehemalige Elitesoldaten, beim deutschen Verfassungsschutz, einem merkwürdigen Ritterorden in Österreich – und beim heimischen Verteidigungsministerium, wie Recherchen von STANDARD, Taz und Schweizer WOZ zeigen.

Im Zentrum des Netzwerks steht ein ehemaliger deutscher Elitesoldat namens André S., besser bekannt als "Hannibal". Er gründete gemeinsam mit einem Verfassungsschützer den Verein Uniter, der Sicherheitsdienste anbietet und global vernetzt ist. Außerdem war er Administrator geheimer Chatgruppen, in denen sich Soldaten, Polizisten und Security-Mitarbeiter über "sichere Häuser", Bedrohungsszenarien und Fluchtrouten unterhielten. Eine solche Chatgruppe gab es auch für Österreich, wie aus Zeugenbefragungen der deutschen Ermittler hervorgeht. Einige Mitglieder der Chatgruppen entwendeten Waffen und Munition aus den Beständen der Bundeswehr und legten einen Ordner mit Feindlisten von Politikern und Personen aus der linken Szene an. Am Tag X sollten diese Personen dann zusammengerottet, an Straßensperren vorbeigeschmuggelt und eliminiert werden, sagte ein Zeuge zu den deutschen Ermittlern. Von den rechtsextremen Tendenzen in der deutschen Bundeswehr wussten auch die Attentäter von Neuseeland Bescheid, die am Freitag 49 Menschen in zwei Moscheen ermordeten. Ein mutmaßlicher Terrorist, der das berüchtigte Manifest verfasste, verlinkte noch am Mittwoch zu zwei Artikeln des deutschen Auslandssenders "Deutsche Welle", in denen 2017 etwa von Franco A. und anderen Rechtsextremen berichtet wurde. Damals war zwar bekannt, dass die deutsche Bundeswehr ein großes Problem mit Rechtsextremismus in den eigenen Reihen hat – dass Franco A. und andere sich über geheime Chatgruppen austauschten, wurde jedoch erst später enthüllt. Noch ist unklar, ob die neuseeländischen mutmaßlichen Attentäter diese Informationen auch wahrgenommen haben. In seinem Manifest schreibt der mutmaßliche Terrorist jedenfalls davon, dass es in Europas Armee hunderttausende nationalistische Soldaten gäbe.

Zurück zu Franco A.: Der Soldat war im Februar 2017 zum zweiten Mal binnen weniger Tage nach Wien gereist. Ein paar Tage vor seiner Festnahme hatte er gemeinsam mit Freunden den Ball der Offiziere besucht. In seiner Vernehmung gibt er an, bei einer Beisltour durch Wien in einem Gebüsch eine Pistole gefunden zu haben. Er schlief mit der Pistole bei seinem Freund Maurice R., der im siebenten Bezirk wohnt. Nach seiner Übernachtung entdeckte Franco A. angeblich vor dem Security-Check am Flughafen Wien, dass er die Waffe noch eingesteckt hatte. Er geriet in Panik und versteckte sie auf der Behindertentoilette, dann reiste er ab. Am 3. Februar, dem Tag des Akademikerballs, kehrte A. nach Wien zurück. Die Pistole war zwischenzeitlich von einer Putzfrau gefunden worden, die Polizei hatte eine Videofalle installiert. Als A. die Pistole wieder an sich nehmen will, wird er verhaftet. Die Affäre nimmt ihren Lauf, Ermittler entdecken ein weitverzweigtes Netzwerk im deutschsprachigen Raum, das auch nach Wien führt. In den Chatgruppen sind mindestens einige Dutzend Personen aktiv, genaue Informationen dazu sind nicht öffentlich. Deutsche Ermittler fragen bei ihren Vernehmungen zu dem Fall etwa immer wieder, ob Zeugen Franco A.s Wiener Gastgeber Maurice R. kennen. Die österreichischen Behörden führen auf Bitten ihrer deutschen Kollegen eine Hausdurchsuchung in Wien durch. R. ist in Wien gut vernetzt: Der ehemalige deutsche Bundeswehrsoldat studiert Psychologie, und er treibt sich in Burschenschafter-Kreisen herum. Zu seinem Umfeld gehören auch zwei Mitarbeiter des österreichischen Verteidigungsministeriums. Bekannt ist er auch mit der Familie Gudenus. Ein Foto, das dem STANDARD vorliegt, zeigt Maurice R. und Clemens Gudenus, Bruder von FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus und derzeit FPÖ-Bezirkspolitiker in Wien-Wieden, gemeinsam auf einer Couch sitzend. Clemens Gudenus sagt dem STANDARD, dass Maurice R. "nur einer von 2800 Facebook-Freunden" sei. Franco A. kenne er nicht. Parallel zur Hausdurchsuchung in Wien versuchen die Mitglieder der geheimen Chatgruppen, ihre Spuren zu löschen. Als André S., also "Hannibal", erfährt, dass die Medien über die Vorwürfe gegen Franco A., ein Mitglied der Chatgruppe "Süd", berichten, gibt er die Anweisung, alle Chats zu löschen. Das sagt S. zu deutschen Ermittlern. Er wolle damit verhindern, dass Beamte, Soldaten und Richter in den Chatgruppen beruflichen Schaden davontragen. Wer ist dieser ominöse "Hannibal"? André S. war lange "Auskunftsperson" des Militärischen Abschirmdienstes in Deutschland (MAD). Der MAD ist das deutsche Pendant des Heeresabwehramts, also genau jene Institution, die sich um verfassungsfeindliche Tendenzen innerhalb des Militärs kümmern sollte. Vor dem Amtsgericht Köln beginnt am Mittwoch ein Prozess gegen Hannibals Kontaktmann beim MAD. Ihm wird vorgeworfen, "Hannibal" vor anstehenden Razzien gewarnt zu haben.

Das ist nicht die einzige Verbindung, die zeigt, dass "Hannibals" Schattennetzwerk mit genau jenen Behörden verbunden zu sein scheint, die eigentlich um die Aufklärung seiner Aktivitäten bemüht sein sollten. Die taz hat diese Woche aufgedeckt, dass ein Beamter des baden-württembergischen Landesamts für Verfassungsschutz Gründungsmitglied des Vereins Uniter war. Auch "Hannibal" war bis zur vergangenen Woche stellvertretender Vorsitzender des Vereins, laut Recherchen der NZZ sitzt er noch im Präsidium. Der Verein Uniter soll ehemaligen Elitesoldaten dabei helfen, sich wieder im "echten Leben" zurechtzufinden. Der 2012 gegründete Verein vernetzt sie mit Polizisten und anderen Personen aus der "Sicherheitsbranche". Nach außen hin wirbt er mit karitativen Aktivitäten, parallel dazu baut er jedoch eine Abteilung "Defence" auf. Offiziell dementiert Uniter, mit der Prepper-Szene zu tun zu haben; also mit jenen Personen, die sich militärisch oder organisatorisch auf ein Horrorszenario vorbereiten. Doch in einem Newsletter an seine Mitglieder sprach Uniter schon vor vier Jahren von "Auffangcamps im Ausland" und anderen Mitteln, um sich zu präparieren. Wie die Taz dieses Wochenende berichtet, soll Uniter versuchen, weltweit als Dienstleister im Sicherheitsgewerbe Fuß zu fassen. Vereinsmitglieder bieten Trainings für Sicherheitskräfte, aber auch für Zivilisten an – etwa auf den Philippinen, wo Streitkräfte des autoritären Präsidenten Rodrigo Duterte von Uniter instruiert worden sind.

Wer dem Verein Uniter folgt, landet bald in Österreich. Uniter war als gesamter Verein Mitglied eines Pseudo-Ritterordens namens Lazarus Union, der auf der Burg Kreuzenstein bei Wien seinen Sitz hat. Hannibal, also André S., wurde auch selbst zum Ritter geschlagen. Ein Video zeigt, wie er letztes Jahr im Beisein des niederösterreichen Alt-Landeshauptmanns Erwin Pröll (ÖVP) und des ehemaligen Verteidigungsministers Werner Fasslabend (ÖVP) an einer Investitur in der Theresianischen Militärakademie Wiener Neustadt teilnahm. In dieser Zeremonie mussten die Herrschaften mit ihrer Ehre auf die Leitsätze der Lazarus Union schwören und versichern, ihren Korpsgeist zu bewahren. André S. ist laut Vereinsregister Vizepräsident der Lazarus Union. Nach eigenen Angaben wirkt die Lazarus Union als karitative Organisation und besitzt einen Sonderberaterstatus bei den Vereinten Nationen. Der Schweizer Ableger von Uniter betont in einer Presseaussendung, im Zusammenhang von UN-Mandaten international tätig zu sein, und verweist gegenüber der Schweizer WOZ auf die Lazarus Union. Der Präsident der Lazarus Union, Wolfgang Steinhardt, betont gegenüber dem STANDARD, dass seine Organisation über keine UN-Mandate verfüge und dementiert jegliche Aktivitäten durch oder mit Uniter. "Bis die Vorwürfe entkräftet sind", hat Steinhardt die Gruppenmitgliedschaft von Uniter und Hannibals Funktion als Vizepräsident vor zwei Wochen ruhend gestellt. Was aber bewegt einen Verein, der sich laut Statuten für Veteranen aus Spezialeinheiten engagiert und klandestin paramilitärische Strukturen im In- und Ausland aufbaut, prominentes Mitglied in einem österreichischen Ritterorden zu werden? Uniter gibt auf Anfrage des STANDARD dazu keine Antwort. Auch zu gemeinsamen Projekten wolle man "zum beiderseitigen Schutz der Mitglieder" keine Angaben machen. "Hannibal" hat noch eine weitere Verbindung nach Österreich: Vor zwei Wochen tauchte er mit Namensschild auf der Waffenmesse Enforcetek in Nürnberg auf – und zwar am Stand einer österreichischen Firma, der High Profile Protection GmbH aus Kärnten. Die verlinkt unter dem Namen "Tacticalbros" auf Facebook immer wieder auf Uniter. Firmenmanager Klaus Anton Stöckl dementiert auf Anfrage des STANDARD, sich bei Uniter zu engagieren. Man habe André S., also "Hannibal", bei dem Stand auf der Messe eine "Plattform geboten", um einen Kaffee namens Black Ops Coffee zu bewerben. Diesen Kaffee, der "sehr gut schmecken" soll, habe man auch selbst im Einsatz. Verbindungen zu Uniter habe man keine, dessen Mitglieder seien lediglich potenzielle Kunden. Tacticalbros bietet neben unterschiedlichen Waffen auch "Ausbildungen" an. Etwa eine Woche in der Slowakei "absolut bestes Training für Scharfschützen und Spotter" mit Ausbildern, die laut Beschreibung Veteranen der Spezialeinheiten und der Nato sind. Über Uniter selbst wurden auch schon Veranstaltungen in Österreich organisiert. Angaben zu Partnern will der Verein aber "aus Datenschutzgründen" nicht machen. Der Verein postet immer wieder Fotos aus Österreich, etwa vom Abflug eines Eurofighters. Uniter wird derzeit vom deutschen Generalbundesanwalt als Beobachtungsvorgang geführt. Der Verfassungsschutz im deutschen Bundesland Baden-Württemberg, wo Uniter seinen Sitz hat, schloss eine Beobachtung vorerst aus. Die deutschen Grünen und die Linkspartei befürchten nun, dass die Behörden abermals ein rechtes Netzwerk vertuschen wollten, wie etwa bei der Terrorgruppe NSU. Österreichs Behörden geben sich ebenfalls bedeckt. Das Verteidigungsministerium sagt nur, dass man "alle Entwicklungen innerhalb und außerhalb Österreichs beobachtet, die Auswirkungen auf die Sicherheit des Bundesheers haben könnten". Aus dem Innenministerium heißt es, dass man zu "laufenden Verfahren nicht Stellung" nimmt. Das Schattennetzwerk und seine Mitglieder bleiben also auch hierzulande noch im Verborgenen. So ist nicht bekannt, ob die heimischen Behörden die Protokolle der geheimen Chatgruppe für Österreich erhalten haben oder wissen, wer ihre Mitglieder waren. Bekannt ist nur, dass die deutschen Mitglieder am Tag X Richtung Süden flüchten wollen – also Richtung Alpenraum. (Fabian Schmid, Laurin Lorenz, 15.03. 2019)


Aus: "Christchurch-Attentäter bezog sich auf rechte Soldaten in Bundeswehr – deren Netzwerk führt nach Österreich" (15.03. 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099600939/Spuren-nach-Oesterreich-bei-rechtem-Netzwerk-deutscher-Soldaten

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[...] Die Behörden haben im vergangenen Jahr beinahe 2000 Straftaten gegen Flüchtlinge und Asylbewerberunterkünfte registriert. Diese wurden ganz überwiegend rechtsmotivierten Tätern zugeordnet, die Ermittlungen reichen von Beleidigung über Sachbeschädigung bis hin zu gefährlicher Körperverletzung und versuchtem Mord. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Damit liegt die Zahl der Übergriffe deutlich unter denen der Jahre 2016 und 2017 - Nachmeldungen sind aber noch möglich.

Die meisten Übergriffe richteten sich mit 1775 gegen Geflüchtete außerhalb von Unterkünften; davon stuften die Behörden 1736 als rechtsmotiviert ein. 173 Straftaten zielten auf Unterkünfte ab; darunter 170 dem rechten Spektrum zugeordnete. Insgesamt 315 Menschen wurden verletzt.

2017 gab es nach den Statistiken zur politisch motivierten Gewalt 1903 Übergriffe auf Asylbewerber und Flüchtlinge und 312 Angriffe gegen Unterkünfte. Im Jahr 2016 waren es 2561 Attacken auf Personen und 995 auf Wohneinrichtungen.

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Aus: "Übergriffe gegen Flüchtlinge: Fast 2000 Straftaten gegen Asylbewerber" (16.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/uebergriffe-gegen-fluechtlinge-fast-2000-straftaten-gegen-asylbewerber/24111348.html

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Slavoj Žižek on Synthetic Sex and "Being Yourself" (07.06.2015)
https://youtu.be/7xYO-VMZUGo

"Slavoj Žižek on Why You’re Never Really Alone With Your Sexual Partner" (23.03.2015)
Slavoj Žižek draws from examples in literature, film, and advertising to explain a phenomenon in which no sexual liaison is complete without a third element -- an intruder, something like a fantasy. He also dishes out on topics including feminist crime fiction, 20-year-old British beer commercials, and the Taco Bell Quesarito.
https://youtu.be/cE6_6DFNsVk

Slavoj Žižek - Sex and the Failed Absolute (Nov. 2018)
We will tackle straight on the old metaphysical topic: is it possible for us, finite and mortal humans, to achieve some kind of contact with the Absolute? After a brief overview of the traditional and modern answers (ecstatic religious union with the Absolute, immersion into the primordial Void, identification with the destructiveness of nature, intellectual intuition, transcendental-historical reflection, etc.), we will propose the Lacanian answer: sexuality is our primordial brush with the Absolute – sexuality as our basic experience of failure, of impossibility. This becomes palpably clear in our historical moment when this status of sexuality is under threat. In deploying this thesis, we will pass through many particular topic: Beckett’s art of abstraction; neurotheology; sexbots; fake news; quantum physics; posthumanity.
https://youtu.be/vB-A_tYwUZI


"Slavoj Žižek, Mladen Dolar, and Alenka Zupančič: The Politics of Sexual Difference" (Deutsches Haus, 06.12.2017 veröffentlicht)
The German Department and Deutsches Haus at NYU present "The Politics of Sexual Difference" with Slavoj Žižek, Mladen Dolar, and Alenka Zupančič as part of NYU Skirball's ongoing series SKIRBALL TALKS. This public event consists of three half-hour talks, and is presented on the occasion of two new publications: Incontinence of the Void by Slavoj Žižek, and What IS Sex? by Alenka Zupančič. Monday, November 13th, at 6:30PM in Skirball Center for Performing Arts, 60 Washington Square South Slavoj Žižek is a senior researcher at the Institute for Sociology and Philosophy at the University of Ljubljana, Global Distinguished Professor of German at New York University, and international director of the Birkbeck Institute for the Humanities of the University of London. Mladen Dolar taught for 20 years in the Department of Philosophy at the University of Ljubljana, Slovenia, where he now works as a Senior Research Fellow. He is the author of a number of books, most recently (with Slavoj Žižek) Opera’s Second Death and Voice and Nothing More. Alenka Zupančič, a Slovenian psychoanalytic theorist and philosopher, teaches at the European Graduate School, and is a researcher at the Institute of Philosophy at the Slovenian Academy of Sciences and the Arts. She is the author of The Shortest Shadow: Nietzsche’s Philosophy of the Two and The Odd One In: On Comedy, both in the Short Circuits series, published by the MIT Press. "The Politics of Sexual Difference" ft. Slavoj Žižek, Mladen Dolar & Aleka Zupančič is a DAAD-sponsored event.
https://youtu.be/4R7SCY5zVLg

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[...] Der Kampf gegen echten (und angeblichen) Sexismus geht schon lange ans Eingemachte. So fordern Feministinnen mittlerweile, dass wir aufhören sollten, die weibliche Brust zu fetischisieren. Ausgerechnet sie! Stattdessen solle man die Brust als einen normalen Teil des weiblichen Körpers ansehen. Für diesen Kampf der befreiten Nippel nehmen Frauen in grösseren Städten sogar barbusig an Protestmärschen teil. Das Ziel ist hier ganz offensichtlich die Ent-Erotisierung, ja die Re-Normalisierung des weiblichen Körpers.

Wenn wir diese Denklogik weitertreiben, kommen wir zu einer neuen Forderung: Das sexuelle Objekt soll an sich entmystifiziert werden. Das kann man etwa an den Büchern von Laura Dodsworth beobachten: Nachdem die Fotografin zwei Werke mit Porträts von Penissen und Brüsten publiziert hatte, fotografierte sie nun in ihrem neuen Buch 100 Vulvas. «Mit der Vulva wird häufig nur die sexuelle Aktivität verbunden», sagt Dodsworth, «dabei haben wir über so viele Bereiche geredet, die eher ‹unsexy› sind: Monatszyklen, Menopause, Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten, Abtreibungen, Schwangerschaft, Geburt, Krebs.»

Bald wird «Vagina: A Re-education» erscheinen, ein Buch der britischen Autorin Lynn Enrights. Liv Strömquists Bestseller «Fruit of Knowledge» (Untertitel: «Vulva vs. Patriarchy and with stabs at Freud») beschäftigt sich mit der Vulva und der Menstruation. Es gibt ein britisches Musical mit dem Namen «Vulvarine». Live-Events, in denen der Körper positiv zurückerobert wird, erfreuen sich grosser Beliebtheit: von «Body-Positivity»-Kursen im Aktzeichnen bis hin zu «Muschi-Erkundungs-Workshops».

Ist dies wirklich ein Fortschritt? Wenn ja, dann sollten wir diesen Gedanken konsequent zu Ende führen und auch Exkremente entmystifizieren und entfetischisieren. Einige von uns erinnern sich sicher noch an die Szene aus Buñuels «Le fantôme de la liberté», in der die Funktionen von Essen und Ausscheiden vertauscht werden: Menschen sitzen um einen Tisch herum auf ihren Toiletten, unterhalten sich nett, und wenn sie etwas essen wollen, fragen sie ganz leise und verschämt die Haushälterin: «Wo ist denn das Esszimmer?»

Das Argument, das hinter diesem Phänomen steckt, ist klar: Die männliche Fetischisierung der Vagina als das ultimativ mysteriöse Objekt der (männlichen) Begierde muss überwunden werden. Anstelle dessen soll die Vulva für Frauen zurückerobert werden, in all jener Komplexität, die frei ist von sexistischen Mythen.

Was ist falsch daran? Gehen wir zurück zu Buñuel: Es gibt eine ganze Reihe von Filmen, in denen dasselbe Motiv behandelt wird, in Buñuels eigenen Worten: «die unerklärbare Unmöglichkeit, ein einfaches Bedürfnis zu befriedigen». In «L’Age d’or» will etwa ein Pärchen Sex haben, was aber immer wieder durch unsinnige Unfälle verhindert wird; in «Ensayo de un crimen» will der Held einen Mord begehen, aber alle Versuche scheitern; in «El ángel exterminador» schafft es eine Gruppe junger reicher Menschen nach einer Party nicht, die Türschwelle zu übertreten, um das Haus zu verlassen; in «Cet obscur objet du désir» wird schliesslich das paradoxe Verhalten einer Frau gezeigt, die durch unterschiedliche Tricks immer wieder das freudige Wiedersehen mit ihrer alten Liebe verschiebt.

Was ist all diesen Filmen gemein? Es ist unmöglich, eine einfache Alltagshandlung auszuführen, wenn die Handlung den unmöglichen Ort des (erhabenen) «Dings» besetzt und also anfängt, das sublime Objekt der Begierde zu verkörpern. Sobald das Objekt jedoch den verbotenen, leeren Raum des Anderen einnimmt, entsteht ein ganzer Haufen von unüberwindlichen Hürden. Das Ding bleibt unerreichbar.

Hier sollten wir uns Jaques Lacans Definition der Sublimierung ins Gedächtnis rufen: Es wird «ein Objekt zur Würde des Dings erhoben». Eine gewöhnliche Sache oder Handlung erscheint in einer Art Kurzschluss plötzlich als Erscheinung des unmöglichen realen Dings. Deswegen reicht – umgekehrt – im intensiven erotischen Spiel ein falsches Wort, eine falsche Geste aus, um eine gewaltvolle Ent-Sublimierung auszulösen. Wir fallen von einem Moment auf den anderen aus der erotischen Spannung ins vulgäre Kopulieren.

Man stelle sich vor, dass man, von der erotischen Leidenschaft getrieben, einen genauen Blick auf die Vagina der geliebten Frau wirft, zitternd, weil das Vergnügen wie erwartet gleich eintrifft. Aber dann passiert etwas: Als ob man den Kontakt zu ihr verloren hätte, fällt man aus der erotischen Lust heraus, und das Fleisch vor den Augen erscheint plötzlich in seiner ganzen vulgären Realität, mit dem Geruch von Urin und Schweiss (man kann sich die gleiche Szene gendergerecht auch mit einem Penis vorstellen). Was passiert hier also?

Die Vagina hört auf, ein Objekt zu sein, «das zur Würde des Dings erhoben wurde», und wird wieder Teil der gewöhnlichen Realität. In diesem präzisen Sinne ist Sublimierung nicht das Gegenteil von Sexualisierung, sondern dasselbe.

Auch im Erotischen ist es deshalb zwischen dem Erhabenen und dem Lächerlichen nur ein kleiner Schritt. Der sexuelle und der komische Akt schliessen sich wechselseitig aus. Der sexuelle Akt steht für die intime Beschäftigung schlechthin, für eine Situation, in der das teilnehmende Subjekt niemals die Haltung des ironischen, externen Betrachters annehmen kann. Und aus diesem Grund kann der sexuelle Akt auch für diejenigen, die nicht direkt darin involviert sind, nur lächerlich erscheinen. Der komische Effekt kommt von der Diskrepanz zwischen der Intensität des Aktes und der gleichgültigen Ruhe des Alltags.

Das bringt uns zurück zu den Versuchen, die Vulva zu «entmystifizieren». Um ein altes Sprichwort zu verwenden: Jene, die dies tun, merken nicht, dass sie das Kind mit dem Bade ausschütten. Die Attacke der Feministinnen auf die Idee der Vagina als ein fetischisiertes Objekt der männlichen Begierde ist also auch eine Attacke auf die Grundstruktur der Sublimierung, ohne die es das Erotische gar nicht gäbe – was dann noch bleiben würde, wäre eine langweilige gewöhnliche Welt, in der keine erotische Spannung mehr zwischen Menschen existierte. Die «entfetischisierten» Organe würden die Feministinnen dann als das ausgeben, was sie sind: Körperorgane.

Der Moment, in dem wir die willkürliche Natur der Sublimierung erkennen (jedes einfache Objekt kann auf die Stufe des unmöglichen Dings gehoben werden), macht auch klar, dass sexuelle Sublimierung ganz einfach von der angeblich patriarchalen Mystifizierung befreit werden kann. Was wir anstelle dieser neuen Sphäre des Erotischen bekommen, ist jedoch eine Version von etwas, was Adorno und Horkheimer – die beiden Meister des Marxismus der Frankfurter Schule – «repressive Ent-Sublimierung» nannten: Das Ergebnis ist nicht eine neue Freiheit, sondern die graue Realität, in der Sex vollkommen unterdrückt wird. Ist es das, was wir wollen?

Aus dem Englischen übersetzt von Judith Basad.


Aus: "Soll denn nun auch alles Erotische entzaubert werden? In was für langweiligen Zeiten leben wir eigentlich?" Slavoj Žižek (14.3.2019)
Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/slavoj-zizek-feministinnen-rauben-dem-weiblichen-koerper-den-reiz-ld.1462142

Quote
ClaudiaZettel @ClaudiaZettel
Hahaha. Es ist so unendlich lustig, wie irgendwelche Männer immer noch glauben, Frauen seien auf die Welt gekommen, um für sie sexy zu sein. Und wie einseitig kann man eigentlich Erotik verstehen.

2:02 nachm. · 14. März 2019


https://twitter.com/ClaudiaZettel/status/1106178695557992448
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Quote
blastjarna @blastjarna
Antwort an @ClaudiaZettel
Hab ich das jetzt richtig verstanden? Wenn man Frauen als ganz normale Menschen mit ganz normalen Körpern betrachtet und nicht als mystische Objekte, sind sie nicht mehr erotisch?

Hilfe......

3:33 nachm. · 14. März 2019


https://twitter.com/blastjarna/status/1106201682269167617
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Lena Doppel-Prix @lenadoppel

Er hätt auch einfach „Wenn ich ficken will, dann seid‘s ihr immer noch der Nebenwiderspruch, Mädels“ schreiben können und sich (und uns) das ganzen psycho-philosophische Bramborium sparen können. Natürlich weiß ich, worauf er hinauswill. I am just so not interested. #zizek

2:00 nachm. · 15. März 2019


https://twitter.com/lenadoppel/status/1106540584179810306

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Hannah Hübner @hannah__vibe @Slavojiek

asks women to stop demystifying the #vulva as it would take #eroticism off the #female body and in turn repress #sex. Well, what about you leave talking about female bodies to us women? And dude please, how limited is your idea of sex? #misogyny #mansplaining #zizek


1:39 vorm. · 15. März 2019


https://twitter.com/hannah__vibe/status/1106354271413506049

...

18
Erweiterte Gehirn Erkundschaftungen / Slavoj Žižek ...
« on: March 15, 2019, 06:48:32 PM »
Slavoj Žižek on Synthetic Sex and "Being Yourself" (07.06.2015)
https://youtu.be/7xYO-VMZUGo

"Slavoj Žižek on Why You’re Never Really Alone With Your Sexual Partner" (23.03.2015)
Slavoj Žižek draws from examples in literature, film, and advertising to explain a phenomenon in which no sexual liaison is complete without a third element -- an intruder, something like a fantasy. He also dishes out on topics including feminist crime fiction, 20-year-old British beer commercials, and the Taco Bell Quesarito.
https://youtu.be/cE6_6DFNsVk

Slavoj Žižek - Sex and the Failed Absolute (Nov. 2018)
We will tackle straight on the old metaphysical topic: is it possible for us, finite and mortal humans, to achieve some kind of contact with the Absolute? After a brief overview of the traditional and modern answers (ecstatic religious union with the Absolute, immersion into the primordial Void, identification with the destructiveness of nature, intellectual intuition, transcendental-historical reflection, etc.), we will propose the Lacanian answer: sexuality is our primordial brush with the Absolute – sexuality as our basic experience of failure, of impossibility. This becomes palpably clear in our historical moment when this status of sexuality is under threat. In deploying this thesis, we will pass through many particular topic: Beckett’s art of abstraction; neurotheology; sexbots; fake news; quantum physics; posthumanity.
https://youtu.be/vB-A_tYwUZI


"Slavoj Žižek, Mladen Dolar, and Alenka Zupančič: The Politics of Sexual Difference" (Deutsches Haus, 06.12.2017 veröffentlicht)
The German Department and Deutsches Haus at NYU present "The Politics of Sexual Difference" with Slavoj Žižek, Mladen Dolar, and Alenka Zupančič as part of NYU Skirball's ongoing series SKIRBALL TALKS. This public event consists of three half-hour talks, and is presented on the occasion of two new publications: Incontinence of the Void by Slavoj Žižek, and What IS Sex? by Alenka Zupančič. Monday, November 13th, at 6:30PM in Skirball Center for Performing Arts, 60 Washington Square South Slavoj Žižek is a senior researcher at the Institute for Sociology and Philosophy at the University of Ljubljana, Global Distinguished Professor of German at New York University, and international director of the Birkbeck Institute for the Humanities of the University of London. Mladen Dolar taught for 20 years in the Department of Philosophy at the University of Ljubljana, Slovenia, where he now works as a Senior Research Fellow. He is the author of a number of books, most recently (with Slavoj Žižek) Opera’s Second Death and Voice and Nothing More. Alenka Zupančič, a Slovenian psychoanalytic theorist and philosopher, teaches at the European Graduate School, and is a researcher at the Institute of Philosophy at the Slovenian Academy of Sciences and the Arts. She is the author of The Shortest Shadow: Nietzsche’s Philosophy of the Two and The Odd One In: On Comedy, both in the Short Circuits series, published by the MIT Press. "The Politics of Sexual Difference" ft. Slavoj Žižek, Mladen Dolar & Aleka Zupančič is a DAAD-sponsored event.
https://youtu.be/4R7SCY5zVLg

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[...] Der Kampf gegen echten (und angeblichen) Sexismus geht schon lange ans Eingemachte. So fordern Feministinnen mittlerweile, dass wir aufhören sollten, die weibliche Brust zu fetischisieren. Ausgerechnet sie! Stattdessen solle man die Brust als einen normalen Teil des weiblichen Körpers ansehen. Für diesen Kampf der befreiten Nippel nehmen Frauen in grösseren Städten sogar barbusig an Protestmärschen teil. Das Ziel ist hier ganz offensichtlich die Ent-Erotisierung, ja die Re-Normalisierung des weiblichen Körpers.

Wenn wir diese Denklogik weitertreiben, kommen wir zu einer neuen Forderung: Das sexuelle Objekt soll an sich entmystifiziert werden. Das kann man etwa an den Büchern von Laura Dodsworth beobachten: Nachdem die Fotografin zwei Werke mit Porträts von Penissen und Brüsten publiziert hatte, fotografierte sie nun in ihrem neuen Buch 100 Vulvas. «Mit der Vulva wird häufig nur die sexuelle Aktivität verbunden», sagt Dodsworth, «dabei haben wir über so viele Bereiche geredet, die eher ‹unsexy› sind: Monatszyklen, Menopause, Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten, Abtreibungen, Schwangerschaft, Geburt, Krebs.»

Bald wird «Vagina: A Re-education» erscheinen, ein Buch der britischen Autorin Lynn Enrights. Liv Strömquists Bestseller «Fruit of Knowledge» (Untertitel: «Vulva vs. Patriarchy and with stabs at Freud») beschäftigt sich mit der Vulva und der Menstruation. Es gibt ein britisches Musical mit dem Namen «Vulvarine». Live-Events, in denen der Körper positiv zurückerobert wird, erfreuen sich grosser Beliebtheit: von «Body-Positivity»-Kursen im Aktzeichnen bis hin zu «Muschi-Erkundungs-Workshops».

Ist dies wirklich ein Fortschritt? Wenn ja, dann sollten wir diesen Gedanken konsequent zu Ende führen und auch Exkremente entmystifizieren und entfetischisieren. Einige von uns erinnern sich sicher noch an die Szene aus Buñuels «Le fantôme de la liberté», in der die Funktionen von Essen und Ausscheiden vertauscht werden: Menschen sitzen um einen Tisch herum auf ihren Toiletten, unterhalten sich nett, und wenn sie etwas essen wollen, fragen sie ganz leise und verschämt die Haushälterin: «Wo ist denn das Esszimmer?»

Das Argument, das hinter diesem Phänomen steckt, ist klar: Die männliche Fetischisierung der Vagina als das ultimativ mysteriöse Objekt der (männlichen) Begierde muss überwunden werden. Anstelle dessen soll die Vulva für Frauen zurückerobert werden, in all jener Komplexität, die frei ist von sexistischen Mythen.

Was ist falsch daran? Gehen wir zurück zu Buñuel: Es gibt eine ganze Reihe von Filmen, in denen dasselbe Motiv behandelt wird, in Buñuels eigenen Worten: «die unerklärbare Unmöglichkeit, ein einfaches Bedürfnis zu befriedigen». In «L’Age d’or» will etwa ein Pärchen Sex haben, was aber immer wieder durch unsinnige Unfälle verhindert wird; in «Ensayo de un crimen» will der Held einen Mord begehen, aber alle Versuche scheitern; in «El ángel exterminador» schafft es eine Gruppe junger reicher Menschen nach einer Party nicht, die Türschwelle zu übertreten, um das Haus zu verlassen; in «Cet obscur objet du désir» wird schliesslich das paradoxe Verhalten einer Frau gezeigt, die durch unterschiedliche Tricks immer wieder das freudige Wiedersehen mit ihrer alten Liebe verschiebt.

Was ist all diesen Filmen gemein? Es ist unmöglich, eine einfache Alltagshandlung auszuführen, wenn die Handlung den unmöglichen Ort des (erhabenen) «Dings» besetzt und also anfängt, das sublime Objekt der Begierde zu verkörpern. Sobald das Objekt jedoch den verbotenen, leeren Raum des Anderen einnimmt, entsteht ein ganzer Haufen von unüberwindlichen Hürden. Das Ding bleibt unerreichbar.

Hier sollten wir uns Jaques Lacans Definition der Sublimierung ins Gedächtnis rufen: Es wird «ein Objekt zur Würde des Dings erhoben». Eine gewöhnliche Sache oder Handlung erscheint in einer Art Kurzschluss plötzlich als Erscheinung des unmöglichen realen Dings. Deswegen reicht – umgekehrt – im intensiven erotischen Spiel ein falsches Wort, eine falsche Geste aus, um eine gewaltvolle Ent-Sublimierung auszulösen. Wir fallen von einem Moment auf den anderen aus der erotischen Spannung ins vulgäre Kopulieren.

Man stelle sich vor, dass man, von der erotischen Leidenschaft getrieben, einen genauen Blick auf die Vagina der geliebten Frau wirft, zitternd, weil das Vergnügen wie erwartet gleich eintrifft. Aber dann passiert etwas: Als ob man den Kontakt zu ihr verloren hätte, fällt man aus der erotischen Lust heraus, und das Fleisch vor den Augen erscheint plötzlich in seiner ganzen vulgären Realität, mit dem Geruch von Urin und Schweiss (man kann sich die gleiche Szene gendergerecht auch mit einem Penis vorstellen). Was passiert hier also?

Die Vagina hört auf, ein Objekt zu sein, «das zur Würde des Dings erhoben wurde», und wird wieder Teil der gewöhnlichen Realität. In diesem präzisen Sinne ist Sublimierung nicht das Gegenteil von Sexualisierung, sondern dasselbe.

Auch im Erotischen ist es deshalb zwischen dem Erhabenen und dem Lächerlichen nur ein kleiner Schritt. Der sexuelle und der komische Akt schliessen sich wechselseitig aus. Der sexuelle Akt steht für die intime Beschäftigung schlechthin, für eine Situation, in der das teilnehmende Subjekt niemals die Haltung des ironischen, externen Betrachters annehmen kann. Und aus diesem Grund kann der sexuelle Akt auch für diejenigen, die nicht direkt darin involviert sind, nur lächerlich erscheinen. Der komische Effekt kommt von der Diskrepanz zwischen der Intensität des Aktes und der gleichgültigen Ruhe des Alltags.

Das bringt uns zurück zu den Versuchen, die Vulva zu «entmystifizieren». Um ein altes Sprichwort zu verwenden: Jene, die dies tun, merken nicht, dass sie das Kind mit dem Bade ausschütten. Die Attacke der Feministinnen auf die Idee der Vagina als ein fetischisiertes Objekt der männlichen Begierde ist also auch eine Attacke auf die Grundstruktur der Sublimierung, ohne die es das Erotische gar nicht gäbe – was dann noch bleiben würde, wäre eine langweilige gewöhnliche Welt, in der keine erotische Spannung mehr zwischen Menschen existierte. Die «entfetischisierten» Organe würden die Feministinnen dann als das ausgeben, was sie sind: Körperorgane.

Der Moment, in dem wir die willkürliche Natur der Sublimierung erkennen (jedes einfache Objekt kann auf die Stufe des unmöglichen Dings gehoben werden), macht auch klar, dass sexuelle Sublimierung ganz einfach von der angeblich patriarchalen Mystifizierung befreit werden kann. Was wir anstelle dieser neuen Sphäre des Erotischen bekommen, ist jedoch eine Version von etwas, was Adorno und Horkheimer – die beiden Meister des Marxismus der Frankfurter Schule – «repressive Ent-Sublimierung» nannten: Das Ergebnis ist nicht eine neue Freiheit, sondern die graue Realität, in der Sex vollkommen unterdrückt wird. Ist es das, was wir wollen?

Aus dem Englischen übersetzt von Judith Basad.


Aus: "Soll denn nun auch alles Erotische entzaubert werden? In was für langweiligen Zeiten leben wir eigentlich?" Slavoj Žižek (14.3.2019)
Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/slavoj-zizek-feministinnen-rauben-dem-weiblichen-koerper-den-reiz-ld.1462142

Quote
ClaudiaZettel @ClaudiaZettel
Hahaha. Es ist so unendlich lustig, wie irgendwelche Männer immer noch glauben, Frauen seien auf die Welt gekommen, um für sie sexy zu sein. Und wie einseitig kann man eigentlich Erotik verstehen.

2:02 nachm. · 14. März 2019


https://twitter.com/ClaudiaZettel/status/1106178695557992448
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blastjarna @blastjarna
Antwort an @ClaudiaZettel
Hab ich das jetzt richtig verstanden? Wenn man Frauen als ganz normale Menschen mit ganz normalen Körpern betrachtet und nicht als mystische Objekte, sind sie nicht mehr erotisch?

Hilfe......

3:33 nachm. · 14. März 2019


https://twitter.com/blastjarna/status/1106201682269167617
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Lena Doppel-Prix @lenadoppel

Er hätt auch einfach „Wenn ich ficken will, dann seid‘s ihr immer noch der Nebenwiderspruch, Mädels“ schreiben können und sich (und uns) das ganzen psycho-philosophische Bramborium sparen können. Natürlich weiß ich, worauf er hinauswill. I am just so not interested. #zizek

2:00 nachm. · 15. März 2019


https://twitter.com/lenadoppel/status/1106540584179810306

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Hannah Hübner @hannah__vibe @Slavojiek

asks women to stop demystifying the #vulva as it would take #eroticism off the #female body and in turn repress #sex. Well, what about you leave talking about female bodies to us women? And dude please, how limited is your idea of sex? #misogyny #mansplaining #zizek


1:39 vorm. · 15. März 2019


https://twitter.com/hannah__vibe/status/1106354271413506049

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19
Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Julian Assange / Wikileaks ...
« on: March 14, 2019, 12:11:43 PM »
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Die ehemalige Wikileaks-Informantin Chelsea Manning ist am Freitag in Beugehaft genommen worden, weil sie sich weigert, vor der Grand Jury eines Gerichts im amerikanischen Bundesstaat Virginia auszusagen. Manning müsse so lange in Haft bleiben, bis sie sich anders entscheide, so die Staatsanwaltschaft. Mannings Anwalt hatte vor Gericht Hausarrest für seine Klientin beantragt. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt und Manning in die Justizvollzugsanstalt von Alexandria gebracht.

In Erwartung ihrer Verhaftung hatte Manning bereits am Donnerstag erklärt, sie mache mit der Aussageverweigerung ihre verfassungsmäßigen Rechte geltend. Sie sprach sich gegen den geheimen Charakter von Grand Jurys aus, die Zeugen in Abwesenheit ihrer Anwälte befragen dürfen. „In Solidarität mit vielen Aktivisten, die gegen Ungerechtigkeit kämpfen, bleibe ich meinen Prinzipien treu“, bekräftigte Manning. Sie wolle alle rechtlichen Mittel ausschöpfen. Wikileaks verurteilte Mannings Verhaftung als „Angriff auf die Pressefreiheit“. „Whistleblower werden jetzt gezwungen gegen Journalisten auszusagen und ins Gefängnis gesteckt, wenn sie nicht kooperieren“, prangerte die Enthüllungsplattform im Kurzbotschaftendienst Twitter an.

Die Grand Jury – ein mit weitreichenden Ermittlungsvollmachten ausgestattetes Geschworenengremium – ist mit dem Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange befasst. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte 2010 und 2011 hunderttausende geheime Militärdokumente der Vereinigten Staaten über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie vertrauliche Diplomatendepeschen veröffentlicht. Quelle war die vor einer Geschlechtsumwandlung damals noch als Soldat Bradley Manning lebende Manning, die das Material von Militärrechnern herunterlud und Wikileaks zuspielte.

Manning wurde 2010 festgenommen und im August 2013 wegen Spionage zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt. Durch einen Gnadenerlass des damaligen demokratischen Präsidenten Barack Obama kam Manning 2017 vorzeitig frei. Obamas republikanischer Nachfolger im Weißen Haus, Donald Trump, hatte sie als „Verräterin“ bezeichnet, die das Gefängnis „niemals“ hätte verlassen dürfen.


Aus: "Frühere Wikileaks-Informantin : Chelsea Manning in Beugehaft genommen" (09.03.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/fruehere-wikileaks-informantin-chelsea-manning-festgenommen-16079920.html

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Verfahren-gegen-Wikileaks-Whistleblowerin-Manning-muss-in-Beugehaft-4329974.html

Quote
     Tino Schwarze, 08.03.2019 18:32

Respekt!

Jemand, der zu seinen Prinzipien steht!



Quote
     mordsDing boa eh, 08.03.2019 22:46

Snowden, Manning und andere haben ihr Land verraten, so klang eine der vielen Verlautbarungen aus den Kreisen der Geheimdienste und des Militärs. Auch die Politik tönte in diesem Chor.

Ich sehe das anderes. Snowden, Manning und andere haben jene verraten, die ihr Land verraten. Und ihnen liegen Land und Demokratie mehr am Herzen als den meisten Politikern und den Geheimdiensten.

Manning beweist mir ihrer Haltung mehr Rückgrat als ein täglich dumm, arrogant und niederträchtig daherschwätzender maligner Narzisst, den ein Haufen latent aggressiver, moralisch korrupter, selbstgerechter Vollidioten zum Präsidenten gemacht haben.

Und es ist beschämend für die europäische Politik, dass sie Leuten wie Manning, Snowden oder Assange keinen Schutz bieten kann.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (08.03.2019 22:47).


https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Verfahren-gegen-Wikileaks-Whistleblowerin-Manning-muss-in-Beugehaft/forum-421641/

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20
Quote
[...] Es gibt sie noch: Die Journalisten, die wirklich recherchieren dürfen, deren Zeitungen stark genug sind, sie nicht nur für Recherchen freizustellen, sondern ihnen auch den Rücken freihalten und am Ende auch noch Zeit geben, die Recherchen in ein dickes Buch zu packen. Und wenn man das Buch in der Hand hat, ahnt man, was drei Jahre Recherche im Netzwerk der Neuen Rechten bedeuten.  ...

Je mehr Facetten die beiden Autoren zeigen, umso deutlicher wird, dass diese Überschneidungen mit den Rechtsextremisten kein Zufall sind, sondern Teil einer durchdachten Strategie, zu der die Aktionen in den „social media“ (samt Shitstorms, Memes und Trollen) genauso gehören wie die Übernahme originär linker Protestformen, die die Auftritte der Rechten auf einmal hipp, unkonventionell und jung aussehen ließen. Obwohl selbst die medialen Produkte, die sie im Netz offerieren, geradezu gespenstisch kleinkariert wirken.

Denn am Weltmodell, das sie vertreten, hat sich ja seit 100 Jahren nichts geändert. Auch wenn an die Stelle des Rasse-Begriffs die „Identität“ getreten ist, manchmal auch „Kultur“ oder „christliches Abendland“. Schon Heinrich Heine hat sich ja über diese Spätromantiker bitter lustig gemacht, die das Heil der Welt in der Rückkehr in als idyllisch beschriebene Vorstellungen von Heimat, Familie, Kirche und strenger Hierarchie sahen. Das geht jetzt über das Buch hinaus, denn genau dieses Problem kann so eine Recherche ja nur antippen, denn irgendetwas an diesen mittelalterlichen Vorstellungen muss ja auch die Wähler ansprechen, ihnen wie eine heile Welt vorkommen in einer Moderne, die sie als heillos empfinden.

Und die augenscheinlich ansprechbar sind mit simplen Erklärmustern, die all ihre Überforderung mit einer kulturellen Überwältigung erklären, gar „Überfremdung“ oder gar „Volksaustausch“. Erklärungen, die umso wirksamer sind, wenn sie auch noch in allen Medien thematisiert werden und ein ganzes Land statt über die Lösungen der Gegenwart über Ausländer und „Masseneinwanderung“ debattiert.

Das Buch macht sehr schön sichtbar, wie die intellektuellen Strategien hinter all dem funktionieren, wie sich die Köpfe dieses Netzwerks gegenseitig die Bälle zuspielen und wie sie systematisch auch daran arbeiten, sich mit nationalistischen Bewegungen in anderen Ländern zu vernetzen. Und zur Konsequenz dieser Strategie gehört natürlich auch, unsere Demokratie selbst wie eine Diktatur erscheinen zu lassen, zu suggerieren, da gäbe es eine „politische Elite“ aus „Altparteien“, die es zu vertreiben gelte. Politik ist zum größten Teil immer Psychologie, ein Spiel mit Bildern. Die Phrase „Lügenpresse“ und die Diskreditierung kritischer Medien gehören genauso dazu, verbunden mit der Selbstinszenierung als echter „Widerstandskämpfer“.

Wenn man diese grauhaarigen „Widerstandskämpfer“ dann in den Parlamenten sitzen sieht, wird einem schon mulmig im Bauch. Erst recht, wenn Fuchs und Middelhoff sehr akribisch aufarbeiten, wie eng die Verbandelungen mit alten und nicht ganz so alten Kadern aus rechtsextremen Parteien und Kameradschaften sind.

Das Buch ist gespickt mit Geschichten, Namen, aufgedeckten Querverbindungen. Es zeichnet eine fast überwältigende Fülle von Vereinen, Magazinen, Agenturen und Netzwerkern auf, die alle an ein und demselben Projekt arbeiten: Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit wieder hoffähig zu machen und ihre Vorstellungen einer „geschützten Heimat“ in die Köpfe zu bekommen. Einer Gesellschaft, die all die liberalen Errungenschaften seit 1968 wieder einkassiert und durch Wertevorstellungen ersetzt, die aus Kaisers Zeiten stammen.

Und die vor allem – so besonders von Götz Kubitschek formuliert – den Riss vertiefen will, der durch die Gesellschaft geht, also das Gegenteil einer offenen Debatte erreichen will, sondern genau das, was auch die Weimarer Republik zerrissen hat. Wenn nämlich nur noch die Extreme aufeinander einprügeln, bleibt vom offenen und respektvollen Gespräch, von dem eine Demokratie lebt, nichts mehr übrig.

Und so verzeichnet selbst das Bundestagsprotokoll seit Einzug der AfD immer öfter ein hämisches Lachen genau aus dieser Fraktion, mit dem sie auch ihre Verachtung für alles zum Ausdruck bringt, was die anderen sagen. Diese Verachtung kennen wir schon. Es ist die alte Weise, die sich nur wieder neu lackiert hat. Das Buch kommt zum richtigen Zeitpunkt und es beantwortet viele Fragen zum Zustand unserer Gesellschaft und dazu, wer davon profitiert.

Christian Fuchs; Paul Middelhoff Das Netzwerk der Neuen Rechten, Rowohlt Polaris, Reinbek bei Hamburg 2019


Aus: "Das Netzwerk der Neuen Rechten: Drei Jahre Recherche kompakt in einem Buch" Ralf Julke (14. März 2019)
Quelle: https://www.l-iz.de/bildung/buecher/2019/03/Das-Netzwerk-der-Neuen-Rechten-Drei-Jahre-Recherche-kompakt-in-einem-Buch-263860


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