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REALITY.SERVICES [REALITAETS.DIENSTE] => Erweiterter Machtdiskurs (Politik) => Topic started by: Link on August 20, 2008, 09:15:04 PM

Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on August 20, 2008, 09:15:04 PM
Kategorien: Politische Strategie, Kriminalität, Gewalt

"Väter, ihre Anwesenheit oder Abwesenheit, Stärke oder Schwäche sind Schlüssel im Radikalisierungsprozess." (Aus einem Artikel von Ahmad Mansour (' Extremismusbekämpfung in der Haft:Fremd und doch so nah ' 16.11.2020 | https://taz.de/Extremismusbekaempfung-in-der-Haft/!5725150/ (https://taz.de/Extremismusbekaempfung-in-der-Haft/!5725150/))
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" ...
Michel Friedman: So. Wenn Sie sagen, Sie haben über den Freitod Ihres Vaters nicht reflektiert, das ist doch bemerkenswert.
Horst Mahler: Ja, das ist bemerkenswert.
..."
Aus: "So spricht man mit Nazis" Interview von Michel Friedman mit Horst Mahler (11. September 2007)
Quelle: http://www.vanityfair.de/articles/gesellschaft/politik/horst-mahler/2007/09/11/0/09724/
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"Die meisten Opfer islamistischen Terrors sind Moslems" - Jürgen Becker in der ARD-Sendung „Sabine Christiansen“ am 1. Oktober 2006

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Quote
[...] „Anders ist von frühester Kindheit an mit zwei weiblichen Erziehungspersonen und ohne Vater aufgewachsen“, berichtete Neraal, der darauf verwies, dass der spätere Terrorist bereits im Alter von vier Jahren erhebliche Spannungen mit seiner Mutter gehabt habe. ...


Aus: "Die Inkarnation des Bösen? - Terje Neraal analysiert Taten des norwegischen Terroristen Anders Behring Breivik" (07.06.2014)
Quelle: http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/die-inkarnation-des-boesen_14207704.htm (http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/die-inkarnation-des-boesen_14207704.htm)

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Der Terror (lateinisch der Schrecken, von terrere - in Schrecken versetzen) ist die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch...
http://de.wikipedia.org/wiki/Terror

Staatsterrorismus bezeichnet Gewaltakte die als terroristisch eingestuft und durch die ausübende Staatsgewalt z.B. Militär, Polizei, Justiz vollzogen oder durch eine souveräne Regierung...
http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsterrorismus

Der Ausdruck Strategie der Spannung (englisch: strategy of tension, italienisch: strategia della tensione) bezeichnet einen Komplex aus verdeckten Maßnahmen zur Destabilisierung des gesellschaftlichen Gefüges oder Verunsicherung von Bevölkerungsteilen, einer Region oder eines Staates, ausgeführt oder gefördert durch staatliche Organe. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung (https://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung)

Eine Todesschwadron ist eine paramilitärische oder terroristische Gruppe, die im Auftrag des Staates oder mit dessen Billigung oder Duldung politische oder religiöse Gegner verfolgt und ermordet....
http://de.wikipedia.org/wiki/Todesschwadron

Desaparecidos (span. Die Verschwundenen) ist eine in vielen Ländern Mittel- und Südamerikas übliche Bezeichnung für Menschen, die von Sicherheitskräften verhaftet oder verschleppt wurden....
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verschwundenen

Kurzer Prozess heißt die Verhängung und Vollstreckung einer Strafe ohne hinreichende Beweismittel-Erhebung...
http://de.wikipedia.org/wiki/Kurzer_Prozess

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Nato Kriminell - Die Dunkle Seite des Westens (15.11.2008)
Daniele Ganser - Schweizer Historiker und Friedensforscher Dozent am Historischen Seminar, Universität Basel
http://www.danieleganser.ch/Nato_Kriminell_Die_Dunkle_Seite_des_Westens_1231350532.html | http://www.danieleganser.ch/

http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio

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https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Rechtsterrorismus (https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Rechtsterrorismus)

https://de.wikipedia.org/wiki/Linksextremismus (https://de.wikipedia.org/wiki/Linksextremismus)

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Islamistischer_Terrorismus_in_Deutschland (https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Islamistischer_Terrorismus_in_Deutschland)

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[Notizen zum Terror... ]
LASER#17::TEXTFRAKTALE BRUCHSTUECKSAMMLUNG
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,193.0.html
Title: notizen zum terror...
Post by: Link on November 16, 2011, 12:19:55 PM
Quote
Der Krieg gegen den Terror (engl. „War on Terror“) oder Krieg gegen den Terrorismus (engl. „War on Terrorism“ bzw. „Global War On Terrorism“, GWOT) war ein vor allem von der ehemaligen US-Regierung unter George W. Bush verbreitetes politisches Schlagwort, das eine Bandbreite politischer, militärischer und juristischer Schritte gegen den als Problem identifizierten internationalen Terrorismus zusammenfasst. ...

... Kritiker sind der Meinung, dass es ein Widerspruch sei, eine Kriegserklärung abzugeben, ohne einem Staat den Krieg zu erklären. Der „Krieg gegen den Terrorismus“ bewirke damit die Schaffung eines permanenten Ausnahmezustandes und schaffe einen rechtsfreien Raum, in dem sogenannte ungesetzliche Kombattanten unter Missachtung der Genfer Konventionen interniert werden können – wie zum Beispiel in Guantánamo Bay. Auch hochrangige amerikanische Institutionen wie der Supreme Court beziehen hierzu eine kritische Position (vgl. die Grundsatzentscheidungen Rasul gegen Bush und Hamdan gegen Rumsfeld).

Zudem sei unklar, unter welchen Bedingungen der „Krieg gegen den Terrorismus“ je ein Ende finden könne: Terrorismus sei kein klar abgegrenzter Feind, sondern eine Methode, um politische Ziele durchzusetzen. Diese Begrifflichkeit berge die Gefahr, verbindliche Rechtsrahmen aufzuweichen. ...

http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_gegen_den_Terror (November 16, 2011)

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Polizeigewalt (Kriminologie)
Der Begriff Polizeigewalt wird in der Kriminologie und den Medien verwendet, um körperliche und psychische Gewalt zu beschreiben, die von Polizisten ausgeübt wird. Die Anwendung von Gewalt ist nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt und dann nur in einem verhältnismäßigen Ausmaß. Sind die Voraussetzungen gegeben und das richtige Ausmaß gewahrt, ist sie rechtmäßig, andernfalls rechtswidrig. Fälle von unrechtmäßiger Polizeigewalt werden auch Polizeiübergriffe genannt.[1] Teilweise wird bei unrechtmäßiger Dienstausübung von Polizeibeamten auch der Begriff Polizeiwillkür verwendet.[2][3] Betroffen sind zumeist Drogenabhängige, Obdachlose, Prostituierte, Angehörige ethnischer Minderheiten sowie Demonstranten und Journalisten. Strafanzeigen gegen Polizisten in Deutschland führen selten zu einem Verfahren und fast nie zur Verurteilung der Beschuldigten.[4] Im UN-Menschenrechtsrat wurde Deutschland unter anderem die Einrichtung unabhängiger Beschwerdestellen empfohlen. [5]
https://de.wikipedia.org/wiki/Polizeigewalt_(Kriminologie) (https://de.wikipedia.org/wiki/Polizeigewalt_(Kriminologie))
Title: Notizen zum Terror...
Post by: Link on November 03, 2015, 07:24:39 PM
"Warum Krieg?" - Eine ungewöhnliche Annäherung im Golem - 03.11.2015 (20:00)
Am 03. November gründet sich der Psychoanalytische Salon Hamburg, bei dem Psychoanalytiker, geladene Gäste und auch das Publikum zu aktuellen Themen der Zeit in ein förderliches Gespräch kommen wollen. Der erste Salon wird sich mit dem auch in Europa wieder sehr aktuellen Thema „Krieg“ befassen und der Frage nachgehen, wie Menschen immer wieder für Kriege zu motivieren sind. ...
http://www.dpg-psa.de/oeffentliche-veranstaltungen-outreach/warum-krieg-eine-ungewoehnliche-annaeherung-im-golem.html

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"Anschläge in Westeuropa Jahrzehnte des Terrors" Oliver Georgi (18.07.2016) 
Der Anschlag von Nizza führt auf traurige Weise vor Augen, wie alltäglich der Terror in Westeuropa geworden ist. Ein Blick in die Statistik belegt, wie sehr Frankreich mittlerweile im Fokus der Attentäter steht. ... Ein Blick auf die Global Terrorism Database der Universität von Maryland, die seit Jahren alle Terroranschläge weltweit seit dem Jahr 1970 auswertet, zeigt indes: Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten war die Zahl der Opfer in Westeuropa in den vergangenen Jahren vergleichsweise gering – so hoch sie uns derzeit auch erscheinen mag und so beklagenswert jedes einzelne Opfer ist. Besonders zwischen 1970 und 1990 war das Risiko, in Westeuropa Opfer eines Terroranschlags zu werden, demnach deutlich höher: Allein 1988, im Jahr des Lockerbie-Attentats, starben 437 Menschen durch Terrorattacken (alle Zahlen ohne Täter) – die höchste Zahl seit 1970. Auch 1980, als unter anderem die Anschläge in Bologna (85 Tote) und auf dem Münchner Oktoberfest (13 Tote) stattfanden, wurden insgesamt 404 Menschen durch Terrorangriffe getötet. 1974, auf dem Höhepunkt des Nordirland-Konflikts, starben bei Anschlägen unter anderem in Großbritannien, Irland und Italien insgesamt 403 Menschen. Demgegenüber sind die Zahlen der vergangenen Jahre deutlicher geringer: 2016 starben bei Terroranschlägen wie in Brüssel und jetzt in Nizza bislang 118 Menschen. 2015, im Jahr der Anschläge auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ im Januar und auf das Stade de France und das „Bataclan“ im November, wurden in Westeuropa insgesamt 160 Menschen getötet. 2011, als der psychopathische Massenmörder Anders Behring Breivik in Oslo und auf der norwegischen Insel Utøya einen grausamen Amoklauf beging, starben insgesamt 80 Menschen. 2004, im Jahr des Anschlags auf einen Zug in Madrid, wurden 195 Menschen getötet. Die Statistik der „Global Terrorism Database“ zeigt indes noch eine weitere, bestürzende Auffälligkeit: Zwischen 1970 und 2014 war Frankreich lediglich ein Anschlagsziel unter vielen, in dem meistens keine vergleichsweise wenige Opfer zu beklagen waren. Die meisten Menschen wurden in Frankreich 1986 getötet – unter anderem durch eine Bombe, die Attentäter eines pro-iranischen Terrornetzwerks vor einem Kaufhaus in Paris zündeten.
In den vergangenen beiden Jahren waren verheerende Anschläge in Frankreich hingegen für den weitaus größten Anteil an allen Terror-Opfern in Westeuropa verantwortlich: Von 160 Getöteten im Jahr 2015 starben 148 bei den Anschlägen in Paris. In diesem Jahr wurden von bislang 118 Menschen 86 bei Terroranschlägen in Frankreich getötet.
http://www.faz.net/aktuell/politik/kampf-gegen-den-terror/frankreich-im-fokus-des-terrors-nach-anschlag-in-nizza-14345986.html


"Georgensmünd: Der merkwürdige "Reichsbürger" P." (19. Oktober 2016)
http://www.sueddeutsche.de/bayern/georgensmuend-der-merkwuerdige-reichsbuerger-p-1.3213633


"Georgensgmünd: Polizist nach Schießerei mit "Reichsbürger" gestorben" (20. Oktober 2016)
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-10/georgensgmuend-reichsbuerger-polizist-schuesse


"Asylunterkünfte: BKA zählt fast 800 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte" (19. Oktober 2016)
Seit Beginn des Jahres hat es laut einem Bericht 797 Angriffe gegen Asylunterkünfte gegeben. Auch versuchte Mordanschläge durch Rechte nahmen zu.
http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-10/asylunterkuenfte-angriffe-800-straftaten-fluechtlingsheime

Title: Notizen zum Terror...
Post by: Link on November 12, 2016, 05:30:48 PM
Kategorie:Terroranschlag
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Terroranschlag


Liste von Terroranschlägen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Terroranschl%C3%A4gen


Liste terroristischer Ereignisse (Islamischer Staat)
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_terroristischer_Ereignisse_(Islamischer_Staat)


Liste von Anschlägen in Paris
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Anschl%C3%A4gen_in_Paris


Terroranschläge am 13. November 2015 in Paris
https://de.wikipedia.org/wiki/Terroranschl%C3%A4ge_am_13._November_2015_in_Paris


Kategorie:Islamistischer Terroranschlag
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Islamistischer_Terroranschlag


Die Liste von Anschlägen auf Juden und jüdische Einrichtungen im deutschsprachigen Raum nach 1945 umfasst antisemitische und antisemitisch motivierte Straftaten oder solche, bei denen man aufgrund der Tatumstände von ebendiesem Zusammenhang ausgeht, und beinhaltet auch Angriffe auf israelische Institutionen oder auf Gedenkstätten des Holocaust.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Anschl%C3%A4gen_auf_Juden_und_j%C3%BCdische_Einrichtungen_im_deutschsprachigen_Raum_nach_1945


Als Ceska-Mordserie bezeichnet man eine deutschlandweite Serie von Tötungsdelikten an Männern mit Migrationshintergrund, die in den Jahren 2000 bis 2006 in verschiedenen Großstädten Deutschlands aus mutmaßlich völkisch-rassistischen Motiven[1] verübt wurden. Die Opfer waren neun Kleinunternehmer, die alle am Arbeitsort hinrichtungsartig erschossen wurden, von denen acht aus der Türkei und einer aus Griechenland stammten. Die erste bekannte Tat ereignete sich am 9. September 2000, die letzte am 6. April 2006. Seit November 2011 werden die Verbrechen der rechtsextremen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zugerechnet, weshalb man auch von NSU-Mordserie spricht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ceska-Mordserie

Als NSU-Prozess wird das Gerichtsverfahren gegen mehrere Personen bezeichnet, die angeklagt sind, an den Taten der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) beteiligt bzw. Mitglied dieser in Deutschland agierenden terroristischen Vereinigung gewesen zu sein. Der Prozess findet seit dem 6. Mai 2013 in München vor dem 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts München statt, der auch als Staatsschutzsenat bezeichnet wird. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/NSU-Prozess

Kategorie:NSU-Prozess
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:NSU-Prozess

Als Rechtsterrorismus wird ein besonders gewaltbereiter Teil des Rechtsextremismus bezeichnet, der zur Verwirklichung seiner Ziele bewusst geplante und durchgeführte Sprengstoffanschläge, Morde oder andere Formen terroristischer Gewalt einsetzt. Eine allgemein anerkannte Definition gibt es nicht, gemeinsame handlungsbezogen Merkmale definieren diesen Terrorismus als „Formen von politisch motivierter Gewaltanwendung, die von nicht-staatlichen Gruppen gegen eine politische Ordnung in systematisch geplanter Form mit dem Ziel psychischen Einwirkens auf die Bevölkerung durchgeführt werden und dabei die Möglichkeit des gewaltfreien und legalen Agierens zu diesem Zweck als Handlungsoption ausschlagen sowie die Angemessenheit, Folgewirkung und Verhältnismäßigkeit des angewandten Mittels ignorieren.“ ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsterrorismus


Rote Armee Fraktion
Die Rote Armee Fraktion (RAF) war eine linksextremistische terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie war verantwortlich für 34 Morde an Führungskräften in Politik, Wirtschaft und Verwaltung, deren Fahrern, an Polizisten, Zollbeamten und amerikanischen Soldaten sowie für die Schleyer-Entführung, mehrere Geiselnahmen, Banküberfälle und Sprengstoffattentate mit über 200 Verletzten. Durch Fremdeinwirkung, Suizid oder Hungerstreik kamen 24 Mitglieder und Sympathisanten der RAF ums Leben. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Armee_Fraktion

Kategorie:Rote Armee Fraktion
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Rote_Armee_Fraktion

Kategorie:Linke bewaffnete Untergrundorganisation (Deutschland)
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Linke_bewaffnete_Untergrundorganisation_(Deutschland)


Title: Notizen zum Terror...
Post by: Link on June 07, 2017, 09:49:47 AM
"Ausnahmezustand in Frankreich: Das Außergewöhnliche wird Alltag" Annika Joeres (7. Juni 2017)
Schwer bewachte Dorffeste, Tausende Wohnungsdurchsuchungen, Verdächtige unter Hausarrest: Nirgendwo in Europa ist die Antwort auf den Terror so radikal wie in Frankreich. ... Das Außergewöhnliche gehört inzwischen für französische Bürger zum Alltag. Der Antiterrorplan Vigipirate erinnert mit einem roten Dreieck an öffentlichen Gebäuden an die ständige Terrorgefahr. Weniger sichtbar dagegen ist der sogenannte Ausnahmezustand, den Frankreich nach den Terroranschlägen in Manchester und nun London zum fünften Mal bis zum 1. November verlängert hat. Damit gibt Frankreich seinen Ermittlern und Polizisten besonders hohe Befugnisse. ...
http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-06/frankreich-ausnahmezustand-terrorbekaempfung-sicherheitspolitik/komplettansicht


"Großbritannien: May zu Einschränkung von Menschenrechten bereit" (7. Juni 2017)
Premierministerin May hat angekündigt, im Antiterrorkampf härter gegen Gefährder vorzugehen. Nach den Anschlägen in Manchester und London gab es erneut Festnahmen. ... Bei dem Anschlag durch den Selbstmordattentäter Salman Abedi bei einem Konzert der US-amerikanischen Popsängerin Ariana Grande am 22. Mai in Manchester waren 22 Menschen getötet worden, darunter Kinder. Mehr als Hundert Menschen wurden verletzt. Insgesamt 19 Menschen wurden im Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen, zwölf wurden inzwischen wieder freigelassen. In Libyen sitzen außerdem Abedis Vater und Bruder in Haft.
Bei dem Anschlag in London am vergangenen Samstag waren sieben Menschen getötet und 48 verletzt worden. Die drei mutmaßliche Attentäter, Khuram Shazad Butt, Rachid Redouane und Youssef Zaghba, waren auf der London Bridge mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast. Anschließend griffen sie im angrenzenden Borough Market Menschen mit Messern an. Sie wurden von der Polizei getötet. ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-06/grossbritannien-festnahmen-irland-terror-theresa-may

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"Politik Rechtsextremismus Mehr als 25.000 Personen auf rechten Feindeslisten" Thoralf Cleven/RND (30.07.2018)
Von 25.000 auf Feindeslisten Rechtsextremer aufgetauchter Personen wurden 2017 von Bundesbehörden lediglich 3 informiert. Der Rest sei Ländersache, heißt es in Berlin. Auf eine gemeinsame Datei verzichten Bund und Länder.
Berlin - Die deutschen Sicherheitsbehörden haben seit 2011 bei Razzien und Festnahmen in der rechtsextremen Szene Listen gefunden, auf denen mehr als 25.000 Personen mit Namen, Telefonnummern und Adresse als „Feinde“ markiert worden sind. Die entsprechenden Schriftstücke oder Datensätze seien vor allem bei den Ermittlungen gegen den rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), gegen die Rechtsextremisten Franco A., Maximillian T. und Mathias F. im vergangenen Jahr sowie – ebenfalls 2017 – gegen Mitglieder der rechten Prepper-Gruppierung „Nordkreuz“ beschlagnahmt worden. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.
Bei den NSU-Ermittlungen hätte das Bundeskriminalamt (BKA) aus den beschlagnahmten Adressen und Telefonlisten eine Gesamtliste von etwa 10.000 Datensätzen erstellt, heißt es. „Eine verlässliche Zuordnung, bei welchen Datensätzen, Adressen und Markierungen es sich um ein potenzielles Anschlagsziel gehandelt haben könnte, ist nicht möglich.“ Im Verfahren gegen Franco A. seien 32 Personen auf sogenannten Feindeslisten aufgetaucht.
Die meisten bedrohten Personen fanden sich bei beschlagnahmten Daten im Zuge der Ermittlungen gegen die „Nordkreuz“-Prepper. „Deren Auswertung führte bislang zur Feststellung von etwa 25.000 Personen“, so Christian Lange, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium. In weiteren Verfahren gegen Rechtsextreme seien keine weiteren Listen mit Namen bedrohter Politiker gefunden worden.
Umstritten ist, wer und wie auf diesen Listen vermerkte Frauen und Männer informiert. Die Bundesregierung sagt, das BKA hätte 2011 im Zuge der NSU-Ermittlungen die zuständigen Länderpolizeien „über die Adresslisten in Kenntnis gesetzt“, heißt es weiter in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Linken. Das träfe auch auf die Personen zu, die auf den Listen von Franco A. aufgetaucht seien.
„Die Information der betroffenen Personen erfolgte durch die Länder in eigener Zuständigkeit beziehungsweise durch die Abteilung Sicherungsgruppe (SG) des BKA. Die Abteilung SG des BKA informierte jeweils am Tag des Bekanntwerdens zwei betroffene Personen am 28. April 2017 und eine Person am 2. Mai 2017.“ Dabei hätte es sich um Personen in Zeugenschutzprogrammen gehandelt.
Im „Verfahren Nordkreuz“ wäre schließlich ebenfalls eine Auflistung der verzeichneten Personen sowie eine vom BKA zeitnah erstellte Gefährdungsbewertung an die für die Gefahrenabwehr zuständigen Länder übermittelt worden. „Entsprechend der Gefährdungsbewertung des BKA ist eine Unterrichtung der auf der Liste aufgeführten Personen durch die Bundesbehörden nicht erfolgt.“
Aus der Antwort der Bundesregierung geht hervor, dass es keine gemeinsame Datei von Bund und Ländern über bedrohte Personen auf diesen „Feindeslisten“ gebe. „Eine Zentraldatei oder Verbunddatei mit Personen im Sinne der Fragestellung wird nicht geführt“, heißt es. „Entsprechende Daten werden in Ermittlungsdateien oder Amtsdateien beziehungsweise Fallakten von den zuständigen Behörden erfasst. Es werden jedoch zweckgebunden nur Personendaten gespeichert, die im Rahmen der jeweiligen Aufgabenwahrnehmung festgestellt wurden. Eine übergreifende beziehungsweise generelle Speicherung erfolgt nicht.“
Die Rechtsextremismus Expertin der Linke-Fraktion, Martina Renner, wirft der Bundesregierung vor, die rechtsterroristische Gefahr zu ignorierten. „Anders ist es nicht zu erklären, dass das Bundeskriminalamt von mehreren zehntausend Betroffenen nicht mal eine Hand voll informiert und sich sonst ausschweigt“ so Renner gegenüber dem RND.
„Es ist völlig irrwitzig, wenn der Generalbundesanwalt Terrorverfahren führt, aber die gefährdeten Personen letztlich nicht vom BKA selbst informiert werden. Man stelle sich vor, auf solch einer Liste zu stehen und im Unklaren gelassen zu werden.“ Renner fordert auch eine zentrale Datei für die „Feindeslisten“. „Spätestens seit dem Auffliegen des NSU-Netzwerks müssten beschlagnahmte Feindeslisten zentral erfasst werden. Rechte Morde und Anschläge sind eine ganz reale Bedrohung.“
http://www.kn-online.de/Nachrichten/Politik/Mehr-als-25.000-Personen-auf-rechten-Feindeslisten

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"Rechte Prepper-Gruppe Nordkreuz: Munition verschwunden? Egal" Christina Schmidt, Sebastian Erb (12. 5. 2020)
Der Kopf der Prepper-Gruppe Nordkreuz hatte tausende Patronen aus Behördenbeständen gehortet. Berlin zeigt kein Interesse an Aufklärung. ... Die Patronen waren im Sommer 2017 und Sommer 2018 bei Razzien gefunden worden, insgesamt hatte der Polizist Marko G. 55.000 Schuss Munition besessen. Darunter waren tausende Patronen von Polizeibehörden in mindestens sieben Bundesländern, von der Bundespolizeieinheit GSG 9, der Bundeswehr oder auch dem Zoll. Das Besondere daran: In fast allen Fällen kam die Munition von Einheiten, die auf einem Schießplatz in Mecklenburg-Vorpommern trainierten, zu dem auch Marko G. Zugang hatte – zunächst als SEK-Polizist, dessen Einheit den Platz ebenfalls nutzte, später dann sogar als Trainer für ziviles Schießen.
Marko G. ist aber nicht nur Polizist und einfacher Sportschütze. Er war auch Administrator der rund 30-köpfigen Prepper-Gruppe Nordkreuz, in der auch zwei Männer Mitglied waren, denen die Bundesanwaltschaft die Planung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorwirft: Sie sollen vorbereitet haben, am Tag X, dem Eintritt eines Katastrophenzustands, Menschen aus dem politisch linken Spektrum zu töten. ...
https://taz.de/Rechte-Prepper-Gruppe-Nordkreuz/!5684701/

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"Ich weiß alles, aber kann es nicht sagen" Johanna Henkel-Waidhofer (25.07.2018)
Seit 13 Monaten wartet der zweite NSU-Ausschuss auf den Bericht des früheren grünen Bundestagsabgeordneten und Sonderermittlers Jerzy Montag. Die 300 Seiten werden den Abgeordneten hartnäckig vorenthalten, was nur einen Schluss nahe legt: Die Brisanz muss erheblich sein. ...
... In "Ende der Aufklärung" stellen der Soziologe Vincent Gengnagel und der Politikwissenschaftler Andreas Kallert den Gesamtzusammenhang her. Es gehe nicht nur um die restriktive Haltung des PKG, sondern generell um die "Grenzen von Aufklärung im NSU-Komplex im Kontext einer Staatsraison, die ein abstraktes Staatswohl über die Verhinderung und die Aufklärung einer rechtsterroristischen Mordserie stellt – allen Versprechen von Bundeskanzlerin Merkel zum Trotz ('Wir tun alles, um die Morde aufzuklären und die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken und alle Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Daran arbeiten alle zuständigen Behörden in Bund und Ländern mit Hochdruck.')". Es seien "bei weitem nicht nur "'Pannen' und 'Fehler' der Behörden als vielmehr die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des Staates sowie das sogenannte Staatswohl, die die Aufklärung des NSU-Komplexes behindern". ...
https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/382/ich-weiss-alles-aber-kann-es-nicht-sagen-5236.html

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Title: Notizen zum Terror...
Post by: Link on September 20, 2018, 08:04:57 AM
Quote
[...] Der Filmemacher Erik Poppe hat es gewagt, den Massenmord 2011 auf der norwegischen Insel Utøya zu verfilmen. Damit die Wunde endlich heilen kann, sagt er. Am 22. Juli 2011 zündete der norwegische Rechtsextreme Anders Breivik in Oslo eine Bombe, durch die acht Menschen starben. Wenig später tötete er auf der nahegelegenen Insel Utøya weitere 69 Menschen, 33 verletzte er. Die meisten von ihnen nahmen an einem Ferienlager der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei teil. Der Täter kam gegen 17 Uhr als Polizist verkleidet auf die Insel. Um 18.27 Uhr wurde er von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Genau so lange wie das Massaker dauert auch der Spielfilm "Utøya 22. Juli", den der norwegische Filmemacher Erik Poppe nun aus dem Attentat gemacht hat.

ZEIT ONLINE: Herr Poppe, welchen Stellenwert haben die Ereignisse vom 22. Juli 2011 heute in der norwegischen Gesellschaft?

Erik Poppe: Norwegen hatte sich zunächst mit dem Täter beschäftigt und ihn vor Gericht gebracht. Dann gab es lange Diskussionen, wie man die Innenstadt von Oslo nach der Bombenexplosion wieder aufbauen und wo die Gedenkstätte hin soll für all die jungen Menschen, die auf Utøya umgebracht wurden. Und schließlich hat sich natürlich Anders Breivik, der Terrorist, permanent neue Sachen einfallen lassen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Wir werden im öffentlichen Diskurs immer wieder an die Ereignisse vom 22. Juli erinnert. Sie sind nach wie vor eine große, offene Wunde.

ZEIT ONLINE: Warum haben Sie für Ihren Film so eine ungewöhnliche Form gewählt: 72 ungeschnittene Filmminuten allein aus der Perspektive der Opfer?

Poppe: Als ich mein Filmvorhaben der Opfer-Organisation vorstellte, kam eine Mutter zu mir und sagte: "Wenn Sie an irgendeinem Punkt diese Geschichte sentimentalisieren und einen Unterhaltungsfilm über den Tod meiner Tochter machen, werde ich Ihnen das nie verzeihen." Mir war klar, dass wir den Film so wahrhaftig wie möglich gestalten mussten. Deshalb wurden die Überlebenden als Berater für das Skript, während der Proben und des Drehs eng eingebunden. Viele der Überlebenden erzählten immer wieder, dass sich diese 72 Minuten des Angriffs wie eine Ewigkeit angefühlt haben. Deshalb war es für mich wichtig, dass die Zeit eine eigene Figur im Film wird. Es ging nicht darum zu zeigen, was für tolle Filmemacher wir sind. Es ist gar nicht so schwer einen Film in einem Take zu drehen. Aber wir wollten das Publikum so nah wie möglich an die Situation und die Gefühle derer heranführen, die diese schrecklichen Ereignisse durchleben mussten. Deshalb gibt es keinen Schnitt und keine Musik.

ZEIT ONLINE: Was heißt diese gestalterische Prämisse für die Gewaltdarstellung im Film?

Poppe: Wir haben mehr als vierzig Überlebende jeweils ein bis zwei Tage lang interviewt. Viele dieser Gespräche waren, was die Gewalt angeht, sehr explizit. Aber mir ging es nicht um eine möglichst drastische, sondern um die wahrhaftigste Version der Ereignisse. Wir wollten ja keinen Horrorfilm drehen. Viele denken, dass die Gewalt im Mittelpunkt des Filmes steht. Aber im Grunde sieht man auf der Leinwand keine direkte Gewalt. Die Gewalt spielt sich eigentlich allein auf der Tonspur ab in Form von den Schüssen, die die Jugendlichen hören. Mir war es wichtig, dass der Film für Zuschauer zugänglich bleibt, die keine Gewalt sehen möchten. Natürlich ist es dennoch emotional schwer sich das Ganze anzuschauen. Aber es ist eben auch ein Akt der Loyalität zu den Menschen, die diesen schrecklichen Erlebnissen ausgesetzt waren.

ZEIT ONLINE: Warum kommt der Täter nur einmal kurz und schemenhaft ins Bild?

Poppe: Ich habe keine feste Regel aufgestellt, dass der Täter nicht gezeigt werden darf. Das hat sich direkt aus der Erzählperspektive ergeben. Ich wollte nur so viel von ihm zeigen, wie die meisten Jugendlichen auf der Insel von ihm gesehen haben. Ein klassisches Film-Setup würde wahrscheinlich zwischen den Jugendlichen und dem Täter hin und her schneiden. Aber ich wollte mit diesem Film hundertprozentig auf der Seite der Opfer bleiben. Also habe ich alles nur so gezeigt, wie sie es erlebt haben.

ZEIT ONLINE: Ist das auch ein Statement gegen die Berichterstattung, die sich mehr für die Täter als die Opfer zu interessieren scheint?

Poppe: In der medialen Wahrnehmung solcher Ereignissen geht es ja eher um unsere eigene Beziehung zur Gefahr. Wir interessieren uns für das Böse und die dunklen Mächte. Natürlich ist eine Auseinandersetzung mit dem Täter und seinen Motiven wichtig. Wir müssen herausfinden, was ihn antreibt, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht. Aber trotzdem stellt sich die Frage: Warum lernen wir den Täter, aber nie die Opfer kennen?

ZEIT ONLINE: Anders Breivik hat die mediale Aufmerksamkeit ja auch gezielt genutzt, um sein rechtsextremes Gedankengut zu verbreiten ...

Poppe: Ja und ich stimme den Leuten zu, die sagen, dass man diesem Mann nicht noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit zukommen lassen sollte. Aber Fakt ist: Jedes Mal, wenn wir über den 22. Juli sprechen, bekommt er genau diese Aufmerksamkeit. Dieses Dilemma müssen wir akzeptieren. Denn wenn wir über die Ereignisse nicht reden, haben wir schon verloren. Unsere Gesellschaft muss durch diesen Heilungsprozess gehen.

ZEIT ONLINE: Welche politischen Konsequenzen hatten diese Anschläge in Norwegen?

Poppe: Die Anschläge waren nicht das Werk eines Verrückten, sondern ein politisch motivierter Terrorakt. Doch der rechtsextreme Hintergrund Breiviks wurde kaum diskutiert. In den Tagen nach dem 22. Juli sind im kleinen Norwegen eine halbe Millionen Menschen aus allen politischen Richtungen auf die Straße gegangen. Daraus ist jedoch keine wirksame Bewegung gegen den erstarkenden Rechtsextremismus entstanden. Der damalige Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat gesagt, dass wir auf die Anschläge nicht mit Angst reagieren, sondern eine noch offenere Gesellschaft erschaffen werden. Aber genau das ist nicht geschehen. In Norwegen herrscht heute genau das gleiche kalte, politisch-rhetorische Klima wie im restlichen Europa.

ZEIT ONLINE: Wie stark sind rechtsextreme Parteien und Gruppierungen heute in Norwegen?

Poppe: In ganz Skandinavien lässt sich ein Aufstieg von rechtsextremen Bewegungen beobachten: Das reicht von militanten und kriminellen Gruppen, die immer stärker und professioneller agieren, bis hin zu populistischen Parteien. Wir haben in Norwegen eine konservative Regierungskoalition, an der auch die rechtspopulistische Fortschrittspartei beteiligt ist. Sie versuchen sich moderater zu geben, propagieren aber ein zynisches Programm, das selbst für die Konservativen inakzeptabel ist. Dennoch ist es besser sie im Parlament zu haben und zu zeigen, wie schwach ihre politischen Positionen sind, als sie auszugrenzen. Ausgrenzung führt nur dazu, dass sie noch stärker und gewalttätiger werden. Das hat der Fall Breivik ja deutlich gezeigt. Wir müssen dem Rechtsextremismus mit Argumenten begegnen und ihn in politischen Debatten offen bekämpfen.

ZEIT ONLINE: Sie haben früher als Fotojournalist gearbeitet. Was kann das Kino, was der Journalismus nicht kann?

Poppe: In einem Kinofilm kann man mit Emotionen anders arbeiten als in einer Nachrichtensendung. Man kann die Zuschauer leichter dazu bringen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Allerdings arbeiten die journalistischen Medien heute auch immer mehr mit den Mitteln des Entertainments. Die Art, wie eine Story strukturiert wird, folgt zunehmend Richtlinien, nach denen auch ein Drama erzählt würde. Das ist eine sehr problematische Entwicklung, weil es zunehmend mehr um Narrative als um die eigentlichen Fakten geht.



Aus: ""Utøya 22. Juli": "Alles so, wie sie es erlebt haben"" Interview: Martin Schwickert  (19. September 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/film/2018-09/utoya-22-juli-norwegen-erik-poppe-kino-film (https://www.zeit.de/kultur/film/2018-09/utoya-22-juli-norwegen-erik-poppe-kino-film)

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HUMAN0ID #2

Das sind Erlebnisse, die Überlebende nie wieder aus dem Kopf bekommt.
Nicht mit Traumatherapie, EMDR, Hypnose, Meridian Tapping... es bleibt.
Es lässt sich triggern, es gibt Flashbacks.. Ein Film heilt (löscht) NICHTS.


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Kecke Krokette #5

Eine unfassbare Tat. Unmenschlich. Allerdings habe ich kein Bedürfnis einen Kinofilm mit Popcorn und Cola darüber anzusehen. Vorher in der Werbung wird der nächste Superhelden Blockbuster angekündigt. Nein danke. Im Übrigen auch keinen über Bataclan in Paris oder den Berliner Weihnachtsmarkt.

Als Angehöriger höchstwahrscheinlich noch weniger.
Nur meine persönliche Meinung.


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IT-Guy-Admini #5.1

Unterschreibe ich so.
Der Täter ist evtl. sogar stolz darauf...


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simie #7

Diese generelle Kunstfeindschaft, die in den bisherigen Kommentaren zum Ausdruck kommt, ist schon irritierend.
Es wurde noch jedes wichtige Ereignis in der Kunst verarbeitet. Und das ist auch völlig legitim, ja sogar notwendig.
Neben der soziologischen und historischen Aufarbeitung benötigt man auch eine künstlerische. Manchmal ist die künstlerische in ihren Auswirkungen sogar spürbarer als die wissenschaftliche Aufarbeitung.
Daher ist jede Diskussion, ob jetzt ein einzelnes Werk einem Ereignis angemessen ist, höchstwillkommen, eine generelle Ablehnung, wie hier in einigen Kommentaren zu spüren jedoch schon irritierend.


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Emil Galotti #8

Welche Themen dürfen verfilmt werden und welche nicht? Darf es Tabus geben, und wenn ja welche?
Man ist immer ein wenig hin und her gerissen, bei diesem Thema. Springt der Regisseur nur auf einen fahrenden Zug auf und bereichert er sich am Unglück anderer?
Nein, ich denke, es sollte keine Tabus geben,die Freiheit auch mit bedenklichen Themen umzugehen, sollte in deiner gestandenen Gesellschaft möglich sein, auch kritische Inhalte müssen angepackt werden.

Der Zuschauer können dann selber entscheiden, ob bestimmter Content für sie erträglich sind oder nicht.
Fallen die Kritiken negativ aus, verschwindet der Film sowieso in der Versenkung, gerade auch in dieser schnelllebigen Zeit.
Andererseits kann er aber auch späteren Generationen als historisches Dokument dienen, wenn der Schrecken der Tat schon längst in der Vergangenheit verblasst ist.
So wie wir heute einen Spielfilm über den Holocaust oder über die Sklaverei in Amerika sehen und beurteilen, werden unserer Urenkel auch über diesen Film reden,wenn er denn in Erinnerung aufgrund seiner Güte bleibt!


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Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on September 27, 2018, 10:00:34 AM
"Interaktive Karte Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit der Wiedervereinigung" Frank Jansen Heike Kleffner Johannes Radke Toralf Staud (27.09.2018)
Nach Tagesspiegel- und Zeit-Online-Recherchen wurden seit 1990 mindestens 169 Menschen von extrem Rechten getötet. Die interaktive Karte stellt die Fälle dar. Die Zahl der Todesopfer rechter Gewalt seit der Wiedervereinigung ist deutlich höher als von der Bundesregierung gemeldet. Diese hatte im Juni in der Antwort auf eine Anfrage von Bundestagspräsidentin Petra Pau (Linke) von 83 Toten seit der Wiedervereinigung gesprochen. Recherchen des Tagesspiegels und von „Zeit Online“ ergaben, dass seit 1990 in Deutschland mindestens 169 Menschen von Neonazis und anderen extrem Rechten getötet wurden. Bei weiteren 61 Todesopfern gibt es zumindest Indizien für ein rechtes Motiv des Täters. Auf dieser interaktiven Karte sind im Folgenden alle Fälle verzeichnet und kurz beschrieben. ...
https://www.tagesspiegel.de/politik/interaktive-karte-todesopfer-rechter-gewalt-in-deutschland-seit-der-wiedervereinigung/23117414.html

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[...] Serap Güler ist Mitglied im CDU-Bundesvorstand und Staatssekretärin für Integration im Kabinett Laschet in Düsseldorf.

Seit dem Einzug der AfD in einige Landesparlamente, spätestens aber seit der vergangenen Bundestagswahl liegt uns offenbar besonders viel daran, die „Wutbürger“ und „Protestwähler“ dieser Nation zu verstehen. Etliche Stunden haben wir als etablierte Parteien damit verbracht, uns Gedanken zu machen, wie wir diese Wähler (wieder)gewinnen können. Schließlich seien das nicht alle Rechtsradikale.

Lange mag das tatsächlich zutreffend gewesen sein. Doch allerspätestens nach den Ereignissen in Chemnitz und Köthen, wo der tragische Tod zweier Menschen dazu missbraucht wird, rechtsextremes Gedankengut offen auszuleben, um Hass und Hetze zu verbreiten, wo auf inszenierten „Trauermärschen“ der Hitlergruß gezeigt wird und auf denen Schulter an Schulter Rechtsradikale mit führenden AfD-Politikern marschieren, allerspätestens jetzt muss allen klar sein, dass jeder, der diese Partei noch wählt, sich als mündiger Bürger mitverantwortlich für die Verbreitung von Hass und Hetze macht. Die Rechtfertigung „aus Protest“ darf nicht mehr gelten. Das Verständnis muss ein Ende haben.

Denen, die das nicht verstehen, möchte ich kurz etwas über meine Mutter erzählen, eine der stärksten Frauen, die ich kenne und die ich für ihren Mut immer bewundert habe. Emanzipiert genug, um sich in den sechziger Jahren in Anatolien zuzutrauen, ihr Kind allein zu erziehen und sich von ihrem Mann zu trennen; mutig genug, um sich als Frau in den Siebzigern als Gastarbeiterin in einem fremden Land zu bewerben; und auch stark genug, um mit einer Diagnose wie Hirntumor umzugehen, und anderen, die Angst um sie hatten, Mut zu machen. Diese starke Frau habe ich ganze zwei Mal in Angst erlebt. 1993 und – jetzt.

Waren Rostock, Hoyerswerda oder sogar Mölln noch weit weg, so war Solingen doch um die Ecke, so nah am Ruhrgebiet; auf einmal wurde nämlich deutlich: Hass kann uns alle treffen, „uns“, also die, die anscheinend immer noch fremd in diesem Land waren. Meine Mutter war gewiss nicht allein mit dieser Angst. Viele Türken, viele Ausländer hatten Angst – Angst vor Hass, denn dieser Hass war bereit zu töten. Ich erinnere mich noch gut daran, dass es einige türkische Familien in unserer Arbeitersiedlung gab, die ernsthaft überlegten zurückzukehren. „Irgendwann erwischen sie uns alle – die Nazis“ war ein Satz, der in jenen Tagen häufig fiel.

Heute ist diese Angst wieder da. Während der Ausschreitungen in Chemnitz waren meine Eltern in einem Kurort siebzig Kilometer davon entfernt. Vor dem ersten Septemberwochenende rief mich meine Mutter an und erzählte mir, dass sie sich unwohl fühle. Mehr noch: Sie habe Angst. Da war es wieder: Chemnitz sei „so nah“, deshalb habe sie sich mit meinem Vater dazu entschieden, die Klinik an dem Wochenende nicht zu verlassen. Ich war nicht in der Lage, ihr aus der Ferne Mut zu machen. Ich hatte Sorge um sie. Die Sorge um einen Menschen, dem Angst im Leben eigentlich etwas Fremdes war.

Meine Mutter ist hier nur ein Beispiel. Es gibt viele Menschen in unserem Land, ob nun mit oder ohne Migrationsgeschichte, die sich durch die aktuellen Ereignisse an die Brandanschläge Anfang der neunziger Jahre erinnert fühlen und Angst haben oder diese nun allmählich bekommen – nicht nur Angst um ihr Leben, sondern auch Sorge, dass sich der Hass wieder verbreitet, von Stadt zu Stadt springt und in einem Inferno endet. Diese Sorge scheint mir berechtigt. Denn im Unterschied zu den neunziger Jahren sitzt heute eine Partei im Bundestag, die tagtäglich den Hass befeuert, die Hitlergrüße als „unappetitlich“ banalisiert und nicht davor zurückschreckt, mit Rechtsextremen und Pegidisten gemeinsam zu marschieren. Darauf angesprochen, fällt dieser Partei nichts Besseres ein, als auf den Linksextremismus hinzuweisen. Doch Extremismus bekämpft man nicht mit Extremismus. Wer nach links schielt, darf nicht blind auf dem rechten Auge sein; und wer diesen Extremismus wählt, rechten oder linken, der macht sich mitschuldig, wenn er sich verbreitet. Keine Wut, kein Ärger über etablierte Parteien rechtfertigt Hass und Hetze auf Menschen, die fremd aussehen oder an etwas anderes glauben. Dafür darf es kein Verständnis geben.

Deshalb wird es allerhöchste Zeit, sich den anderen Ängsten und Sorgen zu widmen: den Ängsten von Menschen wie meiner Mutter und den Sorgen der Demokraten, dass es hier im Grunde nicht um Befindlichkeiten oder Begrifflichkeiten geht, sondern um einen Angriff auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Es ist an der Zeit, sich mit der Stimme dagegen zu erheben.


Aus: "Was gibt’s da zu verstehen?: Die AfD gehört zum Hass-Kartell" Serap Güler (27.09.2018)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/das-verstaendnis-fuer-die-afd-muss-ein-ende-haben-15808343.html (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/das-verstaendnis-fuer-die-afd-muss-ein-ende-haben-15808343.html)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on September 28, 2018, 10:08:59 AM
Hans-Joachim Klein (* 21. Dezember 1947 in Frankfurt am Main) war Mitglied der Revolutionären Zellen (RZ). 1975 beteiligte er sich an der OPEC-Geiselnahme. Danach sagte er sich vom Terrorismus los und lebte bis zu seiner Verhaftung 1998 im Untergrund in Frankreich. 2001 wurde er zu neun Jahren Haft verurteilt und 2003 auf Bewährung entlassen. Seitdem lebt er wieder in Frankreich. ... 1998 wurde Klein nach fast 25 Jahren im Untergrund von zwei Beamten der französischen Polizei in Begleitung zweier BKA-Beamten in seinem Stammlokal in Frankreich festgenommen. Seinen Aufenthaltsort hatte die Polizei ermittelt, indem sie die Telefone einer Journalistin des Stern überwachte, die Kontakt zu Klein hatte. Ein Mobilfunkanschluss und zwei Festnetzanschlüsse der Journalistin und ihres Ehemannes waren auf Anordnung eines deutschen Amtsgerichtes von Februar bis September 1998 überwacht worden, die dabei anfallenden Verbindungsdaten führten die Polizei zu Kleins Versteck. Die Journalistin klagte später gegen diese Überwachung vor dem Bundesverfassungsgericht, ihre Beschwerde wurde jedoch 2003 abgewiesen.
... Klein wurde 2000 in Deutschland vor Gericht gestellt. Neben Cohn-Bendit traten als weitere ehemalige Frankfurter Weggefährten auch Joschka Fischer und Matthias Beltz als Entlastungszeugen auf. Aufgrund der Kronzeugenregelung wurde Klein am 15. Februar 2001 wegen dreifachen vollendeten Mordes, Mordversuchs und Geiselnahme nicht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe, sondern zu neun Jahren Haft verurteilt. Seine öffentliche Lossagung vom Terrorismus sowie sein Mitwirken an der Aufklärung von Straftaten wertete das Gericht positiv.
... Veröffentlichungen: Rückkehr in die Menschlichkeit. Appell eines ausgestiegenen Terroristen. Mit einem Nachwort von Daniel Cohn-Bendit. Rowohlt, Reinbek 1979, ISBN 3-499-14544-8
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Joachim_Klein_(Terrorist) (https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Joachim_Klein_(Terrorist))

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[...] Es gab keinen Mob in Chemnitz, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Es gab auch keine Hetzjagden in Chemnitz, zumindest keine belastbaren Hinweise auf solche, sagte der inzwischen abberufene Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen.

Nun, was es offenbar gab in ­Chemnitz, das ist eine siebenköpfige rechtsextreme Terrorgruppe, die Anschläge auf Ausländer und politisch Andersdenkende plante und bereits dabei war, sich halbautomatische Schusswaffen zu besorgen, um diese Pläne auch in die Tat umzusetzen. Schon Mitte September, während halb Deutschland die semantischen Feinheiten des Begriffs „Hetzjagd“ ­diskutierte, wurde ganz praktisch ­geübt für die zum Tag der Deutschen Einheit am kommenden Mittwoch geplante Tat: Mit Quarzhand­schuhen, Glasflaschen und einem Elektroschocker ausgestattet, zogen die Mitglieder der selbst ernannten Bürgerwehr nach einer rechtsextremen Demonstration von „Pro Chemnitz“ zur Chemnitzer Schlossteich­insel, spielten sich bei einer Ge­burtstagsfeier als Ausweiskontrolle auf und griffen anschließend eine iranisch-pakistanische Gruppe an.

So lauten die Erkenntnisse der Bundesanwaltschaft, die am Montag die Festnahme der mutmaßlichen Rechtsterroristen veranlasste. Die Ermittlungen stehen noch am Anfang, und doch lassen sich schon Parallelen ziehen etwa zu den Rechtsterroristen aus Freital, die 2016 festgenommen wurden: Rassistische Mobilisierungen und rechtsextreme Demonstrationen stellen eben nicht nur unmittelbar für den jeweiligen Tag des Geschehens eine Gefahr dar. Sie sind, und zwar gerade, wenn sie als legitime Meinungsäußerung verharmlost werden, immer auch Ermutigung und Nährboden für eine weitergehende Radikalisierung. Umsturzfantasien sind in der rechten Szene insbesondere in Ostdeutschland allgegenwärtig – wenn es mit den Aufmärschen so gut läuft, warum nicht auch einen Schritt weiter gehen?

Was den Bundesverfassungsschutz angeht, gibt es angesichts der jüngsten Erkenntnisse wieder nur die zwei Möglichkeiten, die schon beim Terrornetzwerk NSU galten: Entweder hat er nichts gewusst, oder er hat die Öffentlichkeit bewusst getäuscht. Eine Daseinsberechtigung für die Behörde ergibt sich aus keiner Variante. ...


Aus: "Kein Mob, sondern Rechtsterroristen" Kommentar von Malene Gürgen (1. 10. 2018)
Quelle: http://www.taz.de/Kommentar-Terrorrazzia-in-Chemnitz/!5536672/ (http://www.taz.de/Kommentar-Terrorrazzia-in-Chemnitz/!5536672/)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on January 04, 2019, 02:45:14 PM
"Rechtsextremismus: Tatwaffe Auto" Henrik Merker  (4. Januar 2019)
Das Auto als Waffe? Viele verbinden damit islamistische Anschläge. Doch auch deutsche Rechtsextreme haben seit 1985 Autos für Angriffe benutzt. Ein Überblick
https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-01/tatwaffe-auto-rechte-szene

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Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland) sind am 15. März 2019 mindestens 49 Menschen getötet und weitere 40 Menschen verletzt worden. Die Tat ist nach Zahl der Todesopfer das schwerste Verbrechen in der Geschichte Neuseelands. ... (16.03.2019)
https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_zwei_Moscheen_in_Christchurch

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Terroranschl%C3%A4gen_im_Jahr_2019

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[...] Ein übergroßer weißer Schutzanzug, breiter Hüftgurt und Handfesseln: der mutmaßliche Massenmörder von Christchurch wurde am Samstagmorgen Ortszeit dem Richter vorgeführt. Nur Medien waren im Gerichtssaal zugelassen, für die Öffentlichkeit waren die Räumlichkeiten aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Der Australier wurde offiziell des Mordes angeklagt. Eine Entlassung auf Bewährung beantragte er nicht. Am 5. April muss er erneut vor dem Gericht erscheinen. 49 Menschen, die eben mit dem Freitagsgebet begonnen hatten, soll der 28-jährige Australier am Freitag in zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch erschossen haben. Unter ihnen seien auch Kinder, so Premierministerin Jacinda Ardern. Das jüngste Todesopfer war zwei Jahre alt, das älteste 60.

39 weitere Gläubige befinden sich noch in Krankenhäusern. 11 liegen mit lebensgefährlichen Verletzungen auf der Intensivstation. Der Täter hatte seinen Amoklauf gefilmt und live im Internet gezeigt. In einem 74 Seiten starken "Manifest" bekannte er sich zu rechtsextremem Gedankengut und seinem Hass gegen Muslime und Einwanderer.

Ardern meinte, der mutmaßliche Amokläufer sei nur 36 Minuten nach dem ersten Alarm von der Polizei festgenommen worden. Laut Polizei hatte er fünf Waffen bei sich, darunter zwei halbautomatische und zwei umgebaute Gewehre. Er sei unterwegs gewesen, um weitere Menschen zu ermorden, so Ardern. "Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen".

Der Täter gefiel sich offenbar auch darin, sich auf historische Ereignisse zu beziehen, darunter die Wiener Türkenbelagerung. In einem TV-Bericht des niederländischen Senders RTL Nieuws mit Aufnahmen vom Tatort ist beispielsweise ein Schriftzug mit dem Namen "Ernst Rüdiger von Starhemberg" und die Zahl "1683" zu sehen. Der Feldmarschall hatte 1683 die Verteidigung Wiens geleitet. In einer von ihm angefertigten Liste von "Bruderstaaten" wird an zweiter Stelle auch Österreich genannt. Zudem werden in dem im Internet kursierenden Video auch Bezüge auf frühere christliche Kreuzzüge gezeigt. Außerdem seien auf der Tasche des Verdächtigen Neonazi-Symbole gefunden worden, so der Bericht.

... In der australischen Stadt Gosford, wo der Attentäter aufgewachsen war, herrschte auch am Samstag ungläubiges Entsetzen. Der mutmaßliche Massenmörder war dort in einer Arbeiterfamilie groß geworden. Er sei ein unauffälliger und generell angenehmer Mitschüler gewesen, so einige seiner ehemaligen Klassenkameraden gegenüber dem australischen Fernsehen. Später arbeitete der Australier als Fitness-Trainer. Laut seiner ehemaligen Chefin im Fitness-Club, Tracey Gray, war ihr Mitarbeiter "sehr professionell und zuverlässig – ein sehr guter Trainer". ... In dem von der Polizei noch nicht als sein Werk bestätigen Hass-Manifest bezeichnet sich der Australier als weißen Nationalisten der Einwanderer hasse. Immigranten bezeichnet er als "Invasoren". Der Mann warnt mehrfach, europäisch stämmige Menschen mit christlichem Glauben würden ihren Platz an Muslime verlieren. Auch erklärte er, dass er keiner bestimmten Organisation angehöre und die Attacken in Christchurch in den vergangenen drei Monaten geplant habe. Laut der Tageszeitung The Australian soll er schon 2011 im Internet Andeutungen über seine Gesinnung gemacht haben: "Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel", so der spätere mutmaßliche Massenmörder. Dass sich der Mann rechtsextremem Gedankengut verschrieben hatte, wurde auch im Video ersichtlich, das der Täter mit Hilfe einer auf seinem Helm montierten Kamera gedreht und ins Internet gestellt hatte. Darin sind neben den historischen Bezügen auch weitere rassistische Parolen und Symbole zu sehen, die er auf seine Waffen gemalt hatte. Eines der Vorbilder des Attentäters scheint Donald Trump zu sein. Der amerikanische Präsident sei für ihn "das Symbol einer erneuerten weißen Identität", schreibt er im Manifest. (ergänzt durch die Redaktion, 16.3. 2019)


Aus: "Der Attentäter von Christchurch war auf dem Weg zur nächsten Bluttat" Urs Wälterlin (16. März 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099657800/Der-Attentaeter-von-Christchurch-war-auf-dem-Weg-zur-naechsten (https://derstandard.at/2000099657800/Der-Attentaeter-von-Christchurch-war-auf-dem-Weg-zur-naechsten)

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Umerziehungsberechtigter

Irgendwie total krank. Ein Abkömmling von Einwanderern nach Australien, den die Aborigines sicher nicht eingeladen haben, will Einwanderer bekämpfen.


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Briaftroga

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung wird erwähnt das bisherige rechtsextreme Amokläufer immer als lokales Phänomen gesehen wurden aber anscheinend ist dem nicht mehr so. ...


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Turbolaser

Das ist Religion. Das ist Wahnsinn. Wann beenden wir endlich das staatliche Hofieren semi-krimineller Terrororganisationen, die unter dem Deckmantel der Nächstenliebe Lügen zur Selbstbereicherung verbreiten? Die Aufklärung war vor 300 Jahren. Wir wissen, dass es keine Götter gibt und trotzdem erhalten wir die Lügen aufrecht - dass ist das Resultat unserer Tatenlosigkeit. Die Verbreitung religiöser Lügen gehört endlich unter Strafe gestellt!

Für eine Gesellschaft der Fakten und Wissenschaft!


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[...] Am 3. Februar 2017 nimmt einer der bizarrsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre seinen Lauf. Franco A., ein Soldat der deutschen Bundeswehr, wird auf dem Wiener Flughafen festgenommen, als er eine geladene Waffe aus einem Versteck in der Behindertentoilette holen will. Als der Verdächtige überprüft wird, entdecken die Beamten, dass sich dieser mit einer zweiten Identität als syrischer Flüchtling in Deutschland registrieren ließ. Bei einer Hausdurchsuchung finden sie Todeslisten und offensichtlich Vorbereitungen auf einen Terroranschlag, den der deutsche A. vermeintlich als syrischer Flüchtling ausführen wollte. Was damals noch niemand ahnt: Franco A. ist nur ein Teil eines rechtsextremen Netzwerks aus aktiven und ehemaligen Soldaten und Polizisten, die sich in Chatgruppen miteinander über den Tag X austauschen – jenen Tag, an dem die staatliche Ordnung zusammenbricht. Folgt man ihren Spuren, landet man bei einem Verein für ehemalige Elitesoldaten, beim deutschen Verfassungsschutz, einem merkwürdigen Ritterorden in Österreich – und beim heimischen Verteidigungsministerium, wie Recherchen von STANDARD, Taz und Schweizer WOZ zeigen.

Im Zentrum des Netzwerks steht ein ehemaliger deutscher Elitesoldat namens André S., besser bekannt als "Hannibal". Er gründete gemeinsam mit einem Verfassungsschützer den Verein Uniter, der Sicherheitsdienste anbietet und global vernetzt ist. Außerdem war er Administrator geheimer Chatgruppen, in denen sich Soldaten, Polizisten und Security-Mitarbeiter über "sichere Häuser", Bedrohungsszenarien und Fluchtrouten unterhielten. Eine solche Chatgruppe gab es auch für Österreich, wie aus Zeugenbefragungen der deutschen Ermittler hervorgeht. Einige Mitglieder der Chatgruppen entwendeten Waffen und Munition aus den Beständen der Bundeswehr und legten einen Ordner mit Feindlisten von Politikern und Personen aus der linken Szene an. Am Tag X sollten diese Personen dann zusammengerottet, an Straßensperren vorbeigeschmuggelt und eliminiert werden, sagte ein Zeuge zu den deutschen Ermittlern. Von den rechtsextremen Tendenzen in der deutschen Bundeswehr wussten auch die Attentäter von Neuseeland Bescheid, die am Freitag 49 Menschen in zwei Moscheen ermordeten. Ein mutmaßlicher Terrorist, der das berüchtigte Manifest verfasste, verlinkte noch am Mittwoch zu zwei Artikeln des deutschen Auslandssenders "Deutsche Welle", in denen 2017 etwa von Franco A. und anderen Rechtsextremen berichtet wurde. Damals war zwar bekannt, dass die deutsche Bundeswehr ein großes Problem mit Rechtsextremismus in den eigenen Reihen hat – dass Franco A. und andere sich über geheime Chatgruppen austauschten, wurde jedoch erst später enthüllt. Noch ist unklar, ob die neuseeländischen mutmaßlichen Attentäter diese Informationen auch wahrgenommen haben. In seinem Manifest schreibt der mutmaßliche Terrorist jedenfalls davon, dass es in Europas Armee hunderttausende nationalistische Soldaten gäbe.

Zurück zu Franco A.: Der Soldat war im Februar 2017 zum zweiten Mal binnen weniger Tage nach Wien gereist. Ein paar Tage vor seiner Festnahme hatte er gemeinsam mit Freunden den Ball der Offiziere besucht. In seiner Vernehmung gibt er an, bei einer Beisltour durch Wien in einem Gebüsch eine Pistole gefunden zu haben. Er schlief mit der Pistole bei seinem Freund Maurice R., der im siebenten Bezirk wohnt. Nach seiner Übernachtung entdeckte Franco A. angeblich vor dem Security-Check am Flughafen Wien, dass er die Waffe noch eingesteckt hatte. Er geriet in Panik und versteckte sie auf der Behindertentoilette, dann reiste er ab. Am 3. Februar, dem Tag des Akademikerballs, kehrte A. nach Wien zurück. Die Pistole war zwischenzeitlich von einer Putzfrau gefunden worden, die Polizei hatte eine Videofalle installiert. Als A. die Pistole wieder an sich nehmen will, wird er verhaftet. Die Affäre nimmt ihren Lauf, Ermittler entdecken ein weitverzweigtes Netzwerk im deutschsprachigen Raum, das auch nach Wien führt. In den Chatgruppen sind mindestens einige Dutzend Personen aktiv, genaue Informationen dazu sind nicht öffentlich. Deutsche Ermittler fragen bei ihren Vernehmungen zu dem Fall etwa immer wieder, ob Zeugen Franco A.s Wiener Gastgeber Maurice R. kennen. Die österreichischen Behörden führen auf Bitten ihrer deutschen Kollegen eine Hausdurchsuchung in Wien durch. R. ist in Wien gut vernetzt: Der ehemalige deutsche Bundeswehrsoldat studiert Psychologie, und er treibt sich in Burschenschafter-Kreisen herum. Zu seinem Umfeld gehören auch zwei Mitarbeiter des österreichischen Verteidigungsministeriums. Bekannt ist er auch mit der Familie Gudenus. Ein Foto, das dem STANDARD vorliegt, zeigt Maurice R. und Clemens Gudenus, Bruder von FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus und derzeit FPÖ-Bezirkspolitiker in Wien-Wieden, gemeinsam auf einer Couch sitzend. Clemens Gudenus sagt dem STANDARD, dass Maurice R. "nur einer von 2800 Facebook-Freunden" sei. Franco A. kenne er nicht. Parallel zur Hausdurchsuchung in Wien versuchen die Mitglieder der geheimen Chatgruppen, ihre Spuren zu löschen. Als André S., also "Hannibal", erfährt, dass die Medien über die Vorwürfe gegen Franco A., ein Mitglied der Chatgruppe "Süd", berichten, gibt er die Anweisung, alle Chats zu löschen. Das sagt S. zu deutschen Ermittlern. Er wolle damit verhindern, dass Beamte, Soldaten und Richter in den Chatgruppen beruflichen Schaden davontragen. Wer ist dieser ominöse "Hannibal"? André S. war lange "Auskunftsperson" des Militärischen Abschirmdienstes in Deutschland (MAD). Der MAD ist das deutsche Pendant des Heeresabwehramts, also genau jene Institution, die sich um verfassungsfeindliche Tendenzen innerhalb des Militärs kümmern sollte. Vor dem Amtsgericht Köln beginnt am Mittwoch ein Prozess gegen Hannibals Kontaktmann beim MAD. Ihm wird vorgeworfen, "Hannibal" vor anstehenden Razzien gewarnt zu haben.

Das ist nicht die einzige Verbindung, die zeigt, dass "Hannibals" Schattennetzwerk mit genau jenen Behörden verbunden zu sein scheint, die eigentlich um die Aufklärung seiner Aktivitäten bemüht sein sollten. Die taz hat diese Woche aufgedeckt, dass ein Beamter des baden-württembergischen Landesamts für Verfassungsschutz Gründungsmitglied des Vereins Uniter war. Auch "Hannibal" war bis zur vergangenen Woche stellvertretender Vorsitzender des Vereins, laut Recherchen der NZZ sitzt er noch im Präsidium. Der Verein Uniter soll ehemaligen Elitesoldaten dabei helfen, sich wieder im "echten Leben" zurechtzufinden. Der 2012 gegründete Verein vernetzt sie mit Polizisten und anderen Personen aus der "Sicherheitsbranche". Nach außen hin wirbt er mit karitativen Aktivitäten, parallel dazu baut er jedoch eine Abteilung "Defence" auf. Offiziell dementiert Uniter, mit der Prepper-Szene zu tun zu haben; also mit jenen Personen, die sich militärisch oder organisatorisch auf ein Horrorszenario vorbereiten. Doch in einem Newsletter an seine Mitglieder sprach Uniter schon vor vier Jahren von "Auffangcamps im Ausland" und anderen Mitteln, um sich zu präparieren. Wie die Taz dieses Wochenende berichtet, soll Uniter versuchen, weltweit als Dienstleister im Sicherheitsgewerbe Fuß zu fassen. Vereinsmitglieder bieten Trainings für Sicherheitskräfte, aber auch für Zivilisten an – etwa auf den Philippinen, wo Streitkräfte des autoritären Präsidenten Rodrigo Duterte von Uniter instruiert worden sind.

Wer dem Verein Uniter folgt, landet bald in Österreich. Uniter war als gesamter Verein Mitglied eines Pseudo-Ritterordens namens Lazarus Union, der auf der Burg Kreuzenstein bei Wien seinen Sitz hat. Hannibal, also André S., wurde auch selbst zum Ritter geschlagen. Ein Video zeigt, wie er letztes Jahr im Beisein des niederösterreichen Alt-Landeshauptmanns Erwin Pröll (ÖVP) und des ehemaligen Verteidigungsministers Werner Fasslabend (ÖVP) an einer Investitur in der Theresianischen Militärakademie Wiener Neustadt teilnahm. In dieser Zeremonie mussten die Herrschaften mit ihrer Ehre auf die Leitsätze der Lazarus Union schwören und versichern, ihren Korpsgeist zu bewahren. André S. ist laut Vereinsregister Vizepräsident der Lazarus Union. Nach eigenen Angaben wirkt die Lazarus Union als karitative Organisation und besitzt einen Sonderberaterstatus bei den Vereinten Nationen. Der Schweizer Ableger von Uniter betont in einer Presseaussendung, im Zusammenhang von UN-Mandaten international tätig zu sein, und verweist gegenüber der Schweizer WOZ auf die Lazarus Union. Der Präsident der Lazarus Union, Wolfgang Steinhardt, betont gegenüber dem STANDARD, dass seine Organisation über keine UN-Mandate verfüge und dementiert jegliche Aktivitäten durch oder mit Uniter. "Bis die Vorwürfe entkräftet sind", hat Steinhardt die Gruppenmitgliedschaft von Uniter und Hannibals Funktion als Vizepräsident vor zwei Wochen ruhend gestellt. Was aber bewegt einen Verein, der sich laut Statuten für Veteranen aus Spezialeinheiten engagiert und klandestin paramilitärische Strukturen im In- und Ausland aufbaut, prominentes Mitglied in einem österreichischen Ritterorden zu werden? Uniter gibt auf Anfrage des STANDARD dazu keine Antwort. Auch zu gemeinsamen Projekten wolle man "zum beiderseitigen Schutz der Mitglieder" keine Angaben machen. "Hannibal" hat noch eine weitere Verbindung nach Österreich: Vor zwei Wochen tauchte er mit Namensschild auf der Waffenmesse Enforcetek in Nürnberg auf – und zwar am Stand einer österreichischen Firma, der High Profile Protection GmbH aus Kärnten. Die verlinkt unter dem Namen "Tacticalbros" auf Facebook immer wieder auf Uniter. Firmenmanager Klaus Anton Stöckl dementiert auf Anfrage des STANDARD, sich bei Uniter zu engagieren. Man habe André S., also "Hannibal", bei dem Stand auf der Messe eine "Plattform geboten", um einen Kaffee namens Black Ops Coffee zu bewerben. Diesen Kaffee, der "sehr gut schmecken" soll, habe man auch selbst im Einsatz. Verbindungen zu Uniter habe man keine, dessen Mitglieder seien lediglich potenzielle Kunden. Tacticalbros bietet neben unterschiedlichen Waffen auch "Ausbildungen" an. Etwa eine Woche in der Slowakei "absolut bestes Training für Scharfschützen und Spotter" mit Ausbildern, die laut Beschreibung Veteranen der Spezialeinheiten und der Nato sind. Über Uniter selbst wurden auch schon Veranstaltungen in Österreich organisiert. Angaben zu Partnern will der Verein aber "aus Datenschutzgründen" nicht machen. Der Verein postet immer wieder Fotos aus Österreich, etwa vom Abflug eines Eurofighters. Uniter wird derzeit vom deutschen Generalbundesanwalt als Beobachtungsvorgang geführt. Der Verfassungsschutz im deutschen Bundesland Baden-Württemberg, wo Uniter seinen Sitz hat, schloss eine Beobachtung vorerst aus. Die deutschen Grünen und die Linkspartei befürchten nun, dass die Behörden abermals ein rechtes Netzwerk vertuschen wollten, wie etwa bei der Terrorgruppe NSU. Österreichs Behörden geben sich ebenfalls bedeckt. Das Verteidigungsministerium sagt nur, dass man "alle Entwicklungen innerhalb und außerhalb Österreichs beobachtet, die Auswirkungen auf die Sicherheit des Bundesheers haben könnten". Aus dem Innenministerium heißt es, dass man zu "laufenden Verfahren nicht Stellung" nimmt. Das Schattennetzwerk und seine Mitglieder bleiben also auch hierzulande noch im Verborgenen. So ist nicht bekannt, ob die heimischen Behörden die Protokolle der geheimen Chatgruppe für Österreich erhalten haben oder wissen, wer ihre Mitglieder waren. Bekannt ist nur, dass die deutschen Mitglieder am Tag X Richtung Süden flüchten wollen – also Richtung Alpenraum. (Fabian Schmid, Laurin Lorenz, 15.03. 2019)


Aus: "Christchurch-Attentäter bezog sich auf rechte Soldaten in Bundeswehr – deren Netzwerk führt nach Österreich" (15.03. 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099600939/Spuren-nach-Oesterreich-bei-rechtem-Netzwerk-deutscher-Soldaten (https://derstandard.at/2000099600939/Spuren-nach-Oesterreich-bei-rechtem-Netzwerk-deutscher-Soldaten)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on March 26, 2019, 09:21:29 AM
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[...] Der frühere Linksterrorist Cesare Battisti hat eine Schuld an vier politischen Morden Ende der 1970er Jahre in Italien eingestanden und die Angehörigen der Opfer um Entschuldigung gebeten. Er empfinde eine „tiefe Beklommenheit wegen des ganzen Schmerzes“, den er verursacht habe, erklärte der Italiener nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa am Montag. Der 64-Jährige verbüßt wegen der Morde in Italien eine lebenslange Haftstrafe, zu der ihn ein Gericht bereits 1993 in Abwesenheit verurteilt hatte.

Battisti verbrachte 40 Jahre lang auf der Flucht in unterschiedlichen Ländern, bevor er im Januar dieses Jahres in Bolivien festgenommen und nach Italien ausgeliefert wurde. Zuvor hatte Battisti zwar die Teilnahme am Untergrundkampf mit der Gruppe „Bewaffnete Proletarier für den Kommunismus“ zugegeben, die Morde jedoch bis dato bestritten.

Innenminister Matteo Salvini kommentierte Battistis Geständnis und Entschuldigung am Montag per Tweet: „Ich erwarte, dass sich auch die Pseudo-Intellektuellen der Linken entschuldigen, die ihn viele Jahre gedeckt, verteidigt und verwöhnt haben.“ Der Rechtsaußen-Politiker bezog sich darauf, dass Battisti lange mit Duldung linker Regierungen in Frankreich und Brasilien gelebt hatte. Zwischenzeitlich arbeitete er als Roman-Autor.

Seinen letzten Wohnort Brasilien verließ er Richtung Bolivien, nachdem der neu gewählte rechte Präsident Jair Bolsonaro seine Auslieferung als „kleines Geschenk“ an Italien angekündigt hatte. Auch Bolsonaro reagierte auf Twitter am Montag. Nachdem „Terroristen“ das Land jahrelang als politisches Exil genutzt hätten, habe Brasilien eine neue Botschaft an die Welt: „Wir werden nicht länger das Paradies der Banditen sein!“ (dpa)


Aus: "Cesare Battisti gesteht vier Morde in Haft" (26.03.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/italienischer-linksterrorist-cesare-battisti-gesteht-vier-morde-in-haft/24144664.html (https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/italienischer-linksterrorist-cesare-battisti-gesteht-vier-morde-in-haft/24144664.html)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on April 10, 2019, 12:15:31 PM
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[...] Seit 2010 haben die deutschen Sicherheitsbehörden offenbar 13 Terroranschläge verhindert. Das berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf Angaben des Bundeskriminalamts (BKA). Es habe sich dabei ausschließlich um geplante Angriffe mit einem islamistischen Hintergrund gehandelt.

Unter anderem in Düsseldorf, Bonn, Köln, Chemnitz, Ludwigshafen, Schwerin, Niedersachsen, Karlsruhe und im Raum Frankfurt seien Anschläge geplant gewesen. Zudem habe es weitere Anti-Terror-Einsätze gegeben. Über deren Anzahl wolle das BKA jedoch aus einsatztaktischen Gründen keine weitere Auskunft geben, schreibt die Zeitung.

Zurzeit bestehe kein konkretes Anschlagsrisiko. Dennoch sei die Terrorgefahr in Deutschland weiterhin hoch. „Es gibt keinen Grund für eine Entwarnung. Im Gegenteil. Anschläge können von allen Seiten kommen. Nicht nur von Islamisten, sondern auch von Linksautonomen und Rechtsextremen wie gerade erst in Neuseeland“, sagte Michael Mertens, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei der Rheinischen Post. (Reuters, Tsp)


Aus: "BKA zählt 13 verhinderte Anschläge seit 2010" (10.04.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/kein-grund-fuer-entwarnung-bka-zaehlt-13-verhinderte-anschlaege-seit-2010/24202156.html (https://www.tagesspiegel.de/politik/kein-grund-fuer-entwarnung-bka-zaehlt-13-verhinderte-anschlaege-seit-2010/24202156.html)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on April 26, 2019, 11:32:36 AM
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Freund-Feind-Den·ken
/Freúnd-Feínd-Denken/
Substantiv, Neutrum [das] (Soziologie)

    schematische Klassifizierung von Mitmenschen unter dem alleinigen Gesichtspunkt der Freundschaft oder der Feindschaft


https://www.google.com/search?q=freund+feind+denken (https://www.google.com/search?q=freund+feind+denken)

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[...] Radikale Islamisten betrachten Sufisten wegen ihrer Toleranz auch anderen Religionen gegenüber als Feinde. Die Sicherheitsvorkehrungen an den Moscheen wurden der Polizei zufolge erhöht. ...


Aus: "Drahtzieher der Anschläge in Sri Lanka soll tot sein" (26.04.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/islamistenchef-hashim-drahtzieher-der-anschlaege-in-sri-lanka-soll-tot-sein/24259574.html (https://www.tagesspiegel.de/politik/islamistenchef-hashim-drahtzieher-der-anschlaege-in-sri-lanka-soll-tot-sein/24259574.html)

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"Religionsfreiheit: Nennt die Christenverfolgung beim Namen" Ein Kommentar von Ulrich Ladurner (25. April 2019)
Die Anschläge in Sri Lanka stehen in einer Reihe von Angriffen auf Christen. Dass sie vielerorts ermordet und verdrängt werden, wird oft nicht deutlich genug benannt.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-04/religionsfreiheit-christenhass-attentat-sri-lanka-christenverfolgung-osterfest

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Sendepause #22.8

Ich verfolge aus professionellen Gründen die Berichtererstattung über das Thema, und es war sehr auffällig, dass die meisten Berichte in den gängigen Medien Ereignisse aus Afrika und Asien stets als "ethnische Konflikte" präsentiert haben.

Das war zwar nie ganz falsch, da Religionszugehörigkeit oft ethnisch begründet ist, aber eben doch sehr halbwahr.

Vor 1-2 Jahren erst hat, wenn mich mich recht erinnere, ein detaillierter Beitrag hier auf ZON aufzeigen wollen, dass die Liquidierung christlicher Dörfer in Nigeria durch ihre Fulani-Nachbarn "eigentlich" ein ethnischer Konflikt ist. Das hat mich damals schockiert, denn die ganze Gewalt-Rhetorik der Fulani ist durchsetzt mit radikalem Islamismus, und ihre Vernichtungswut richtet sich dezidiert gegen Christen, weil sie befürchten, dass diese ihre Töchter heiraten und dem Islam "entfremden".


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Talano68 #23

Es stimmt, das ganz gezielt Christen angegriffen werden und das das auch auf uns Europäer abzielt.
Aber Ungläubige, also Atheisten sind genau so betroffen und gemeint. Sie sind nur schwerer zu treffen, da es keine atheistisch Kulthandlungen gibt. Als solche kann man aber Konzerte, Partys und ähnliches betrachten und diese werden ja ebenfalls gezielt angegriffen.
Und die größten Opferzahlen des islamistisch motivierten Terrors haben Muslime zu beklagen.
Politiker vermeiden es deshalb von Christen, Atheisten zu sprechen um die Spaltung, Separierung, die die Attentäter erzielen wollen zu vermeiden.


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El-Ahrairah #23.1

Muslime werden deshalb von Islamisten angegriffen, da sie vorher durch die Rechtshandlung der "takfir" zu Ungläubigen erklärt werden.


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Die andere Stimme der Vernunft #25

Ein überfälliger Artikel, der gerne noch etwas pointierter hätte ausfallen können.

Schlimm genug, wenn man zwar die Kirchen nach Gusto kritisieren und lächerlich machen kann, aber selbst bei sachlicher Kritik am Islam mal schnell als islamophob bezeichnet oder gar unter Polizeischutz gestellt wird.

Dass sich jedoch viele Verteidiger von Muslimen, denen in unseren Breiten ja herzlich wenig Gefahr droht, angesichts der deutlich konkreteren Gefahren für Christen wegducken - übrigens auch viele Kleriker - ist nicht besser. Um diese Inkonsistenz, ja Heuchelei zu benennen, muss man kein Christ sein.


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Flugbenzin #28

Immer wieder sind die Religionen der Auslöser für grausame Verbrechen.
Wann merken die Menschen endlich, das diese Art des Glaubens eine Gesellschaft nicht weiterbringt?


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alllivesmatter #28.1

Sie sind nicht der Auslöser, sondern die Bemäntelung für grausame Verbrechen.


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Freigeist_1974 #33

Selbstverständlich erfährt man davon, wenn Christen auf Grund ihrer Religion verfolgt und ermordet werden. Darüber wird ausgiebig berichtet.
Vergleichsweise wenig berichtet wird dagegen über die Verfolgung und Diskriminierung von Atheisten in islamischen und auch christlichen Ländern.
Hier einer der wenigen, deutschprachigen Artikel zu dem Thema:

"Religion: In Gottes Namen" (24.12.2015)
Rasch verbreitet sich die Gottlosigkeit auf der Welt – und der Widerstand dagegen: Atheisten werden zensiert, diskriminiert, getötet. ...
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-140604381.html

Wenn solche Dinge passieren, geht es nicht um einen Kampf Moslems gegen Christen oder umgekehrt. Es geht um Menschenrechte und individuelle Freiheiten.
Und genau deswegen ist es falsch, solche Dinge auf einzelne Religionen zu reduzieren. Denn das impliziert, es gäbe nur die Wahl zwischen der einen, oder der anderen totalitären Ideologie. Und das ist Unfug.


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Lescaramouche #69

"Wenn Attentäter Christinnen am Osterfest in Sri Lanka oder in anderen scheinbar entfernten Regionen töten, dann meinen sie auch uns Europäer. Sie wollen eine Wurzel der europäischen Zivilisation zerstören."

Ach, das christlichen Abendland wieder. Die Wurzel der heutigen europäischen Kultur ist für mich die Aufklärung (inkl. der Menschenrechte). Die mich auch gelehrt hat, das Religiöse Privatsache sein zu lassen und mich meines Verstandes zu bedienen. Der mir sagt, genau diese Form der Tribalisierung, der Gruppenbildung, des Gegeneinanders, und sei es zunächst nur in der Sprache, ist ein Ziel jeden Terrors.
Von "Gläubigen" zu sprechen - wobei doch wirklich jeder wusste, dass es christliche Gläubige waren - , finde ich weise, weil es das, was viele Menschen verbindet, betont, nicht das, was sie voneinander trennt.

Was nicht bedeutet, dass man Christen und andere Minderheiten, dort wo sie bedroht sind, nicht besonderen Schutz zukommen lassen soll. Man muss nicht wegsehen, nein, aber man kann so darüber sprechen, dass diese Welt nicht noch mehr auseinanderdriftet, nicht noch mehr Gegeneinander entsteht.


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Sendepause #69.1

Die aufgeklärte Vorstellung, dass Religion letztlich persönlich ist, wurzelt im paulinischen Christentum. Alle anderen Kulturen, ob theistisch oder dezidiert nicht-religiös, haben seit je her ihre Ideologie zur Staatsdoktrin erklärt.
Die dogmatische Unterscheidung zwischen "weltlicher" und "kirchlicher" Macht hat das antike Christentum und sogar das Mittelalter geprägt. Die säkulare Aufklärung speist sich aus dieser Denke.

Weder in den Naturreligionen, noch in der antiken Polis, noch in den modernen Gott-ist-Tot-Regimes rechter und linker Couleur des 20 Jh. wurde die Unterscheidung zwischen persönlichem Denken/Glauben und Staatsräson zugelassen, sondern in Konzentrationslagern "kuriert". Denken Sie mal darüber nach.


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dudelsackpfeife #72

Religionen und fanatische Ideologien sind die schlimmste Krankheit des Planeten. Wenn Vernunft, Logik und Rationalität diesen Stellenwert hätten, gäbe es nur noch den eigentlichen Kern dieser konflikte wie Ungleichheit, Ungerechtigkeit und territorialansprüche. Wenn das Argument der göttlichen Bestimmung oder religiöser Freiheit nicht wäre die Welt noch nicht gut, aber deutlich besser.
Leider funktioniert der Mensch eher emotional und schaufelt sich so sein Grab.


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JeanLuc7 #98

Christenverfolgung? Sehe ich nicht - wohl aber die Verfolgung allen Denkens, das anders ist als radikal islamistisch. Ich glaube kaum, dass Atheisten von den Attentätern wohl gelitten wären. Selbst Schiiten gelten als Ketzer.

Man sollte mit dem Wort "Christenverfolgung" vorsichtig umgehen - um eine Verfolgung von Staats wegen, wie es sie wohl im alten Rom gegeben hat, handelt es sich hierbei nicht.


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Harlem #79

Terrorismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wenn wir daraus jetzt einen Krieg Christen gegen Moslems machen, haben die Terroristen ein wichtiges Ziel erreicht.


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Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on June 26, 2019, 09:10:13 AM
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[...] Der tatverdächtige Stephan E. soll den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gestanden haben. Das berichteten Teilnehmer aus einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Innenausschusses unter Berufung auf Generalbundesanwalt Peter Frank.


Aus: "Stephan E. soll Mord an Walter Lübcke gestanden haben" (26. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-06/stephan-e-soll-mord-an-walter-luebcke-gestanden-haben (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-06/stephan-e-soll-mord-an-walter-luebcke-gestanden-haben)

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[...] Der politische Mörder glaubt sich weder vor dem Gesetz noch vor dem Staat verantworten zu müssen, sondern vor der Geschichte, wenn nicht gar vor metaphysischen Größen wie den Göttern oder der Zukunft. Die Gesellschaft, die Regierung, das System – was immer der Täter mit seiner Handlung bekämpfte – ist in seiner Erzählung für ihn nicht zuständig.

... Der politische Mord geschieht [ ] in drei Sphären: als Praxis (Ausschaltung eines Gegners), als Symbol (Vernichtung einer Repräsentation) und als Affekt (Angst und Schrecken verbreiten, Lust und Triumph erzeugen). Dass die Grammatik des politischen Mordes also doch etwas komplizierter ist, als es auf den ersten Blick erscheint, erkennt man daran, wie sehr die Beziehung von Subjekt (Täter), Prädikat (Tat) und Objekt (Opfer) variabel ist. Jedes der drei Elemente hat eine spezifische Bedeutung, und manchmal verschwinden, wie bei einem anonymen Terroranschlag oder einer internen "Hinrichtung", Elemente vollkommen aus dem Blickfeld.

... Beim führerlosen Terrorismus neuerer Prägung, wie er sich beim Mord an Walter Lübcke und zuvor bei den Taten des NSU zeigte, könnte man nun aber von einer Verflüssigung der Grammatik der politischen Gewalt sprechen. Dieser Form des Terrorismus ist es zum Beispiel gleichgültig, ob er von einem intelligenten Psychopathen oder von der Kaputt-Variante eines nützlichen Idioten durchgeführt wird. Der Effekt – es wird keine heroische Tat behauptet, am Werk war gewöhnliche, tückische Mordlust – läuft auf etwas hinaus, was dem einstigen Terrorismus von links diametral entgegensteht: Die Reaktionen des Staates und der Gesellschaft soll nicht dessen und deren vermeintliche oder reale Brutalität aufzeigen, sondern im Gegenteil dessen und deren Schwäche.

... Der führerlose Terrorismus und der Mord ohne Bekenntnis entbehren zwar jeder heroischen Überhöhung, jeder noch so krausen Vorstellung von Ehre, sie erzeugen aber ein offenes, ungreifbares politisches Täter-Subjekt. Kein "Ich" soll Walter Lübcke umgebracht haben. Sondern "es" soll ihm recht geschehen sein.


Aus: "Mordfall Walter Lübcke: Entsichert" Aus einem Essay von Georg Seeßlen (25. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2019-06/walter-luebcke-mordfall-politischer-mord-rechte-gewalt (https://www.zeit.de/kultur/2019-06/walter-luebcke-mordfall-politischer-mord-rechte-gewalt)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on July 01, 2019, 02:14:14 PM
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[...] Knapp vier Monate nach dem Anschlag in einer Straßenbahn in Utrecht hat sich der mutmaßliche Täter öffentlich zu der Tat bekannt. "Ich bin kein Verdächtiger, ich habe die Tat gestanden", sagte der 37-Jährige im Gerichtssaal in Utrecht. Er wird verdächtigt, im März in einer Straßenbahn vier Menschen erschossen und mehrere verletzt zu haben.

Nach der Anhörung im Utrechter Bezirksgericht veröffentlichte die Staatsanwaltschaft eine Erklärung, in der sie aus einem handschriftlichen Brief des 37-jährigen zitiert. Darin schreibt der Angeklagte, er habe die Tat für seine Religion begangen.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass es deutliche Hinweise auf terroristische Motive für die Tat gebe. Sie verwies dabei auf ein Bekennerschreiben, demzufolge der Angeklagte im Namen des Islams gehandelt haben will.

Vor Gericht berief sich der Mann zunächst auf sein Schweigerecht. Doch sagte er auf die Frage nach seinen Motiven, der Prophet werde lächerlich gemacht. "Niederländische Soldaten töten Muslime im Ausland, ihr seid minderwertig." Er erklärte, dass er das Gericht ablehne. "Ich bin kein Demokrat, ich erkenne eure Gesetze nicht an und eure Gerichte auch nicht."

Der Verdächtige wurde am 18. März Stunden nach der Tat festgenommen. Bei der Attacke waren drei Männer und eine Frau erschossen worden. Zwei weitere Personen waren schwer verletzt worden.

Beim ersten Gerichtstermin ging es zunächst um den Stand der Ermittlungen. Das Hauptverfahren soll voraussichtlich erst im nächsten Jahr beginnen.


Aus: "Niederlande: Verdächtiger gesteht Anschlag in Utrecht" (1. Juli 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-07/niederlande-utrecht-anschlag-strassenbahn-taeter-gestaendnis (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-07/niederlande-utrecht-anschlag-strassenbahn-taeter-gestaendnis)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on October 06, 2019, 12:35:40 PM
Liste islamistischer Anschläge in Frankreich
... Am 3. Oktober 2019 erstach ein zum Islam konvertierter Mitarbeiter der französischen Polizei drei Männer und eine Frau, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde.[30] Der Mann hatte zuvor jahrelang als Informatiker für die Polizei gearbeitet, Kontakte zu radikalen Salafisten unterhalten und einem Kollegen gegenüber Zustimmung zu dem Anschlag auf das Magazin Charlie Hebdo geäußert. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_islamistischer_Anschl%C3%A4ge_in_Frankreich (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_islamistischer_Anschl%C3%A4ge_in_Frankreich) (5. Oktober 2019)

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[...] Nach der tödlichen Messerattacke von Paris hat die französische Regierung Schritte zur besseren Aufdeckung von Radikalisierung innerhalb der Polizei angekündigt. Es werde zwei Aufklärungsmissionen geben, sagte der französische Premierminister Édouard Philippe der Zeitung Le Journal du Dimanche am Samstag. Der mutmaßlich terroristisch motivierte Messerangriff eines Polizeimitarbeiters auf Kolleginnen und Kollegen in Paris hatte in dem Land Entsetzen ausgelöst.

Zum einen soll bis Ende Oktober untersucht werden, ob die internen Mechanismen für den Fall einer Radikalisierung von Mitarbeitern bei der Pariser Polizei umgesetzt wurden. Zum anderen sollen bei den Geheimdiensten, die mit der Terrorbekämpfung betraut sind, bis Jahresende die internen Prozesse zur Aufdeckung radikaler Mitarbeiter überprüft werden. Für Frankreichs Geheimdienste habe die "Erkennung interner Bedrohungen absolute Priorität", sagte Philippe. Anzeichen für eine mögliche Radikalisierung dürften niemals "ohne Antwort bleiben".

Ein 45-jähriger langjähriger Mitarbeiter des Pariser Polizeipräsidiums hatte am Donnerstag in der Polizeipräfektur auf der Seine-Insel Île de la Cité vier seiner Kollegen erstochen und zwei weitere verletzt, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde. Er war vor 18 Monaten zum Islam übergetreten. Nach Angaben des Chefermittlers der Antiterrorstaatsanwaltschaft, Jean-François Richard, war er ein Anhänger des radikalen Islam mit Kontakten zur ultrakonservativen Salafistenbewegung. Er arbeitete seit 2003 im Polizeipräsidium.

Laut Richard hat der Mann vor der Tat per Mobiltelefon ausschließlich religiöse Nachrichten mit seiner Ehefrau ausgetauscht. Diese tauche aber nicht in der Datei für islamistische Gefährder auf. Unmittelbar vor der Tat habe der Mann zwei Messer gekauft. Er sei mit extremer Gewalt vorgegangen. Seine Tat habe nur wenige Minuten gedauert, bis er von einem Polizisten erschossen worden sei. "Die Ermittlungen werden nun fortgesetzt, um die Gründe für diese Tat und die Persönlichkeit des Täters genauer zu bestimmen", kündigte der Chefermittler an.

Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle erschüttert. Dabei sind bislang mehr als 250 Menschen ums Leben gekommen. Vor wenigen Monaten hat ein 24-jähriger IS-Anhänger einen selbst gebauten Sprengsatz vor der Filiale einer Bäckereikette in einer Einkaufsstraße von Lyon platziert. Mehr als ein Dutzend Menschen wurde verletzt.

Für Dienstag ist laut der Regierung eine Gedenkfeier in der Polizeipräfektur mit Präsident Emmanuel Macron geplant.


Aus: "Frankreich will Polizei auf Radikalisierung untersuchen" (6. Oktober 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-10/terrorismus-frankreich-polizei-geheimdienste-radikalisierung-untersuchung (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-10/terrorismus-frankreich-polizei-geheimdienste-radikalisierung-untersuchung)

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destination #2

"Laut Ricard hatte der Mann vor der Tat per Mobiltelefon ausschließlich religiöse Nachrichten mit seiner Ehefrau ausgetauscht."

In der französischen Presse wird berichtet, dass der Attentäter seine Frau in einer sms über den Kauf der Messer informiert habe. Darauf habe die Frau geantwortet: "Gott allein wird dich richten" . Das kan man als Mitwisserschaft interpretieren und der Gewissheit, dass er sterben werde. Die Rolle der Ehefrau wird noch geprüft und deren Untersuchungshaft wurde verlängert.


Quote
Nihad #2.1

"Die Rolle der Ehefrau wird noch geprüft"

Im Islam hat die Ehefrau nicht viel zu sagen und hat sich unter den Willen ihres Mannes unterzuordnen.
Das gilt umso mehr im radikalen Islam. ...


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Ashurnasirapli #2.2

Die übliche Pauschalisierung. Es gibt nicht "den Islam", sondern eine Bandbreite, wie streng der Koran befolgt wird. Wie auch im Christentum.

Es gibt emanzipierte Muslima. Fangen wir mit Ilhan Omar oder Rashida Tlaib an.


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Super Greg #2.4

"Wie auch im Christentum."

Schon klar, die Kreuzzuege...

"Es gibt emanzipierte Muslima. Fangen wir mit Ilhan Omar oder Rashida Tlaib an."

Und Omar ist mit ihren Eltern von wo genau gefluechtet?


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E. Burke #2.5

Herr Gott, lesen Sie einfach mal den Koran. Da hat die Frau deutlich mehr Rechte als man es ihnen im ach so aufgeklärten Europa bis weit ins zwanzigste Jahrhundert verwehrt hatte.

Der Islam ist und war nie das Problem, es ist die vorsichtig ausgedrückt sehr einseitige Auslegung durch religiöse Fanatiker, die sich so Macht über andere Menschen verschaffen wollen. Und da liegt auch die Parallele zum Christentum.


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Super Greg #2.6

"Der Islam ist und war nie das Problem, es ist die vorsichtig ausgedrückt sehr einseitige Auslegung durch religiöse Fanatiker, die sich so Macht über andere Menschen verschaffen wollen."

Muss man dazu den Koran lesen - oder reicht es einfach aus, sich die Stellung der Frau in allen muslimischen Laendern anzuschauen? Dann wuerden Sie aber mit Ihrer Behauptung der fanatischen Auslegung ziemlich im Regen stehen. ...


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Xander v. D. #2.7

In Frankreich kann die Ehefrau sehr wohl den Notruf wählen und die Polizei informieren, sich scheiden lassen und allein weiter leben!


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Ragnar56 #2.9

Das ist ein Witz, nicht war? Omar und Tlaib sind Uboote, nichts weiter.


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hitd #4

Sehr ungewöhnlich. Als salafistischer Terrorist nehme ich mir Opfer vor, die Kollegen sind, zu denen ich eine Beziehung habe ?


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William S. Christ #4.1

Religiöse Fanatiker können einen völligen Wandel ihrer vorigen Persönlichkeit und ihres Verhaltens durchmachen.

Es gibt immer wieder Geschichten von, meistens aber eher jungen Männern, die in ihrem Umfeld als Partylöwen mit viel Alkohol und Drogen bekannt waren, als Weiberhelden...

Und dann haben sie ,,zur Religion gefunden", wurden hochmoralisch, kritisierten ihre ehemaligen Freunde und Mitstreiter, kritisierten ihre Familien, die ,,zu westlich leben"...

Man erlebt eine regelrechte Gehirnwäsche. Was zählt, ist nur noch der jeweilige Glaube, was zählt, ist ausschließlich das, was in einem Buch steht oder der Imam oder der radikale Pastor sagt.
Die ehemaligen Kollegen werden zu verachtenswerten Ungläubigen im Denken des Fanatikers.

Das alles ist aber ein Prozess, niemand wacht plötzlich morgens auf und läuft Amok.


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Dogwalker #11

Was hier verwundert ist nicht die Radikalisierung an sich, sondern die Hinwendung zum radikalen Islam.
Wenn sich Ordnungskräfte ansonsten radikalisieren, driften sie eher in die rechtsextreme Szene ab.


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Kocks #11.4

Hunderte Menschen sind in Paris getötet worden- nein, nicht durch radikalisierte Rechte.
Sorry für ihr Weltbild.


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E. Burke #11.7

Die Unterschiede zwischen Rechtsextremismus und Islamismus sind letztendlich minimal. Im Prinzip könnte man den Islamismus problemlos bei rechtsextremen Strömungen einsortieren.


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Frau Frühling #11.9

Und wo ist ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen radikalen Rechte, Linken oder Islamisten?
Alle kennen nur Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, Hiltler, Stalin, Mao und jetzt eben Islamisten.


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Hannah L. #15

Die terroristische Strategie ist, größtmögliche Verunsicherung zu verbreiten - es gab vor einer Weile einen Mord an einem Polizistenpaar in dessen Wohnung, vor den Augen ihres kleinen Kindes, nun Morde im Innern des Apparats.....!
Erschreckend, und leider ist das so gewollt!


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Hardanger #22

Es ist schon erstaunlich: Immer wird die religiöse Ideologie außen vor gelassen. Dreißig Jahre Krieg zwischen Protestanten und Katholiken, Nordirland, Jemen, Afghanistan.... , 9/11, Madrid Bataclan... Warum beziehen sich die grausamen Täter auf eine religiöse Ideologie? Doch weil die „heiligen Bücher“ (Bibel, Koran...) ihnen eine Rechtfertigung bieten! Als ganz junger Mann ist der Schauspieler Horst Tappert Mitglied der SS geworden. Als das rauskam, war es um ihn geschehen. Wohlgemerkt: Er hat sich in einem faschistischen Staat, in dem die nationalsozialistische Ideologie Mainstream war, dieser Organisation angeschlossen. Heute entscheiden sich junge Frauen und Männer in einem demokratischen Rechtsstaat (!) für eine Organisation, die nur ein Buchstabe von der SS unterscheidet: für den IS. Al -Quaida, Taliban, Boko Haram, Abu Sayaaf, Ansar al-Sharia, Jays al-Islam...alle berufen sich auf den Koran! Aber auch die Verfechter von Kopftuch, Zwangsheirat, Frauenverachtung, Homophobie usw. in demokratischen Rechtsstaaten berufen sich auf ihre religiöse Ideologie. ( Dass die christliche Ideologie heute etwas besser dasteht, verdankt sie nur der Philosophie der Aufklärung!). Warum entschuldigen wir die religiöse Ideologie („Missverständnisse“) und brandmarken (zu Recht!) die nicht-religiöse (stalinistische, faschistische usw.) Ideologie? Wehe, jemand kritisiert ein „heiliges“ Buch! Aber diese Kritik wird noch lebensnotwendig sein, im wahrsten Sinn des Wortes!


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Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on October 23, 2019, 11:13:13 AM
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[...] Die Sicherheitsbehörden in Deutschland haben nach Angaben des Chefs des Bundeskriminalamts, Holger Münch, seit dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 sieben Anschläge verhindert. Heute könne eine Tat wie die von Anis Amri so nicht mehr passieren, sagte er der „Rheinischen Post“.

Drei wesentliche Schwachstellen habe es damals gegeben. „Erstens: Das ausländerrechtliche Verfahren gegen den Täter Anis Amri war nicht konsequent zum Ziel geführt worden. Das würde so heute nicht mehr passieren“, sagte Münch. Zweitens seien die Strafverfahren gegen Amri in den verschiedenen Bundesländern nicht zusammengeführt worden.

Und drittens verfolge man heute konsequent einen personenorientierten Ansatz. Man schaue also sich nicht nur auf den konkreten Gefährdungssachverhalt, sondern auch auf die Person und deren Gefährlichkeit.

„2016 gab es Hinweise auf einen möglichen Anschlag von Amri mit Schnellfeuergewehren. Dieser Verdacht erhärtete sich nicht. Heute würde nicht nur dieser Sachverhalt, sondern die Person Amri stärker in den Fokus genommen werden“, sagte Münch.

Die Zahl islamistischer Gefährder habe sich seit 2013 mehr als verfünffacht - auf heute rund 680, sagte Münch.

Drohungen von rechts im Netz bezeichnete Münch als „demokratiegefährdend“. Gleichzeitig kündigte er eine „Zentralstelle für Hasskriminalität im Netz“ an.

„Wir müssen stärker gegen Hasskriminalität im Netz vorgehen. Das Internet scheint manchmal wie die letzte Bastion des Wilden Westens zu sein“, sagte er der Zeitung. „Wenn Drohungen von rechts außerdem dazu führen, dass Kommunalpolitiker nicht mehr zu Wahlen antreten und Ehrenamtliche sich aus ihrem Engagement zurückziehen, dann ist das auch demokratiegefährdend.“ (dpa)


Aus: "BKA-Chef Münch: Behörden verhinderten seit Breitscheidplatz-Attentat sieben Anschläge" (23.10.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/bka-chef-muench-behoerden-verhinderten-seit-breitscheidplatz-attentat-sieben-anschlaege/25144684.html (https://www.tagesspiegel.de/politik/bka-chef-muench-behoerden-verhinderten-seit-breitscheidplatz-attentat-sieben-anschlaege/25144684.html)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on November 20, 2019, 09:03:11 AM
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[...] Die Zahl der weltweiten Todesopfer durch Terroranschläge ist im vergangenen Jahr das vierte Mal in Folge gesunken. Das geht aus dem Globalen Terrorismusindex der Denkfabrik IEP (Institute for Economics and Peace) hervor.

Demnach starben 2018 durch Terrorismus weltweit 15.952 Menschen. Verglichen mit 2014, dem bislang schlimmsten Jahr, ist das ein Rückgang um mehr als 50 Prozent. Im Jahr 2017 kamen noch 25.673 Menschen durch Terrorismus ums Leben.

Auch in Europa, inklusive der Türkei, gab es 2018 erheblich weniger Terrortote als im Vorjahr. Starben 2017 noch mehr als 200 Menschen durch Terroristen, waren es 2018 noch 62.

Erstmals seit 2003 war der Irak im vergangenen Jahr nicht mehr das am stärksten betroffene Land. Dort sank die Zahl der Terroropfer um 75 Prozent auf 1.054. Am höchsten ist die Zahl nun in Afghanistan: Dort starben im vergangenen Jahr 7.379 Menschen durch Terrorismus, knapp 60 Prozent mehr als 2017. Damit ist nicht mehr die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) für die meisten Opfer verantwortlich, sondern die Taliban.

Auch in Nigeria, Mali und Mosambik verschlechterte sich die Situation. Nigeria verzeichnete im vergangenen Jahr 2.040 Terroropfer. In Subsahara-Afrika wurden damit erstmals mehr Terroropfer registriert als in der Region Naher Osten und Nordafrika.

Zudem stieg die Bedrohung durch rechtsextremistischen Terrorismus. In den vergangenen fünf Jahren verdreifachte sich die Zahl der terroristischen Angriffe durch rechtsextreme Täter in Europa, Nordamerika und Ozeanien, also Australien und Neuseeland. Im Jahr 2018 starben 26 Menschen weltweit durch rechtsextremen Terrorismus. Im laufenden Jahr bis Ende September waren es bereits 77 Tote. Trotzdem ist der Anteil rechtsextremer Terroropfer an der Zahl der weltweiten Terrortoten noch immer gering. Für die meisten Opfer waren islamistische Gruppen verantwortlich.

Der wirtschaftliche Schaden, der 2018 durch Terrorismus entstanden ist, wird von dem Institut auf 33 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 29,7 Milliarden Euro) geschätzt.


Aus: "Weltweite Zahl der Terroropfer sinkt weiter" (20. November 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-11/terror-index-terroropfer-weltweit-gesunken-is-taliban (https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-11/terror-index-terroropfer-weltweit-gesunken-is-taliban)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on December 22, 2019, 10:24:49 PM
"Terrorabwehr: Deutsche Behörden verhindern neun islamistisch motivierte Anschläge" (22. Dezember 2019)
Vor drei Jahren raste ein Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Zahlreiche weitere Terroranschläge sind laut BKA seitdem abgewendet worden.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-12/terrorabwehr-bka-islamistische-anschlaege-praevention-breitscheidplatz (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-12/terrorabwehr-bka-islamistische-anschlaege-praevention-breitscheidplatz)

Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on September 03, 2020, 09:17:45 AM
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[...] Zwölf Menschen wurden beim Anschlag vor fünf Jahren auf die Redaktion von Charlie Hebdo getötet. Zum Prozessauftakt reagiert das Satiremagazin mit einem Sonderheft.

„Charlie Hebdo“ veröffentlicht anlässlich des Pariser Strafprozesses um den tödlichen Terroranschlag gegen das Satiremagazin erneut Mohammed-Karikaturen. Das Sonderheft mit der Titelzeile „Tout ça pour ça“ (etwa: „Viel Lärm um nichts“) solle am Mittwoch erscheinen, teilte das Blatt am Dienstag auf Twitter mit.

Am Mittwoch beginnt in Paris auch der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Anschlagsserie rund um „Charlie Hebdo“ im Januar 2015. Insgesamt wurden 12 Menschen getötet, auch die drei islamistischen Täter wurden erschossen.

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin nannte den Prozess historisch. Das Land wird seit Jahren von islamistisch motivierten Terrorakten erschüttert - mehr als 250 Menschen kamen dabei ums Leben.

„Wir werden niemals kuschen. Wir werden niemals aufgeben“, erklärte „Charlie-Hebdo“-Herausgeber und Karikaturist Laurent Sourisseau alias Riss laut französischer Nachrichtenagentur AFP.

In einem Editorial des Blattes heißt es, dass alle Zeichnungen, die ursprünglich im Jahr 2005 von der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ veröffentlicht und ein Jahr später von „Charlie Hebdo“ übernommen wurden, auf die Titelseite der neuen Ausgabe gehoben wurden.

Daneben zeige das Heft auch eine Karikatur des islamischen Propheten, die vom Zeichner Cabu stamme, der bei dem Terroranschlag 2015 getötet wurde. Mohammed-Karikaturen galten damals als Hintergrund der Attacke auf die Redaktion. (dpa)



Aus: "Satiremagazin „Charlie Hebdo“ veröffentlicht erneut Mohammed-Karikaturen" (01.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/zum-prozessbeginn-des-terroranschlags-satiremagazin-charlie-hebdo-veroeffentlicht-erneut-mohammed-karikaturen/26149038.html (https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/zum-prozessbeginn-des-terroranschlags-satiremagazin-charlie-hebdo-veroeffentlicht-erneut-mohammed-karikaturen/26149038.html)

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LagoBlanco 02.09.2020, 12:28 Uhr
Die Beschriftung auf der neuen Karikatur auf der aktuellen Titelseite lautet:

    mahomet débordé par les integristes
    c´est dur d´etre aime par des cons


Muhammad von Fundamentalisten überwältigt.
Es ist schwer, von Idioten geliebt zu werden.


...
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on September 03, 2020, 10:21:22 AM
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[...] Berlin - In den Jahren 1971 und 1972 gehörte ich der Roten Hilfe Westberlin an. Mit erheblicher Sympathie kümmerten wir uns damals um die Gefangenen der 1970 gegründeten Terrororganisationen „Rote Armee Fraktion“ (RAF) und „Bewegung 2. Juni“: Wir bezeichneten die Häftlinge als politische Gefangene, sprachen von „Isolationsfolter“, schrieben Briefe, sammelten Geld und besuchten – parteiisch-solidarisch erregt – die Prozesse. Auch kamen illegale Aktionen vor, etwa das Waschen von Geldscheinen, die offensichtlich aus Banküberfällen stammten. Von solchen Dingen wollen die allermeisten heute noch lebenden, zumeist arrivierten einstigen Genossinnen und Genossen nichts gewusst haben. Schreibt man allerdings darüber, wie ich das vor zwölf Jahren in dem Buch „Unser Kampf“ getan habe, gilt man sofort als Verräter. Diese Art von Selbstgerechtigkeit im Hinblick auf totalitäre und heute gewiss peinliche Selbstermächtigung erbten nicht wenige Alt-68er von ihren Alt-33er Vätern. Auch sie hatten nichts gesehen oder gewusst – und schwiegen.

... Die von Horst Mahler so hartnäckig vorgelebte Fusion von linkem und rechtem Radikalismus hätte aufmerksamen Beobachtern früh auffallen können. Aber es wird noch verrückter. 1967 hatte sich Mahler zusammen mit Heinz Galinski, Max Horkheimer, Fritz Bauer und wenigen anderen dafür eingesetzt, die damals als Schullandheim genutzte Wannsee-Villa in einen Ort zur Erforschung der nationalsozialistischen Verbrechen umzuwandeln. 1964 war die NDR-Journalistin Ulrike Meinhof die „erste Person in der Bundesrepublik“, die, am Ende unter Tränen, von Marcel Reich-Ranicki „aufrichtig und ernsthaft wünschte“, über dessen „Erlebnisse im Warschauer Ghetto informiert zu werden“. Als sie sich dann 1976 im Gefängnis erhängte, wählte sie ausgerechnet die Nacht vom 8. zum 9. Mai. „Wäre es denkbar“, fragte Reich-Ranicki später, dass es zwischen der deutschen Vergangenheit und dem Weg zum Terror „einen Zusammenhang gibt“?

Kurz nach der RAF gründete sich in Westberlin die zweite terroristische Vereinigung: die Gruppe „Bewegung 2. Juni“. Mitglieder dieser politkriminellen Vereinigung ermordeten im November 1974 den Präsidenten des Kammergerichts Günter von Drenkmann; dreieinhalb Monate später entführten sie den CDU-Spitzenkandidaten für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus Peter Lorenz. Sie nahmen ihn als Geisel, um fünf inhaftierte Terroristen freizupressen. Die Regierung gab nach. Einen der auf diese Weise in den Jemen ausgeflogenen Terroristen kannte ich aus München sehr gut, es war der hochbegabte, 1967/68 noch dem Liberalen Studentenbund angehörende Jurist Rolf Pohle. Er starb 2004.

Die 1980 wegen der Lorenz-Entführung gefällten Strafurteile bewegten sich zwischen 10 und 15 Jahren Gefängnis. Im Fall des Mordes an Günter von Drenkmann konnte die Strafkammer niemandem die Tat nachweisen. Heute noch leben in Berlin und sonst wo mindestens 25 mehr oder weniger direkt beteiligte Altterroristen und -terroristinnen, die genau wissen, wer welches Verbrechen begangen hat. Sie schweigen wie ihre Naziväter und -mütter. Aller Wahrscheinlichkeit nach nehmen sie ihre mörderischen Geheimnisse selbstgerecht und deutsch-rechthaberisch mit ins Grab.

Hansgeorg Bräutigam ruft die Details ins Gedächtnis zurück, die jeder Heroisierung der politisch verblendeten Mördergruppen entgegenstehen. Bei der Entführung drohten sie Peter Lorenz mehrfach: „Denk an Drenkmann!“ Im Prozess beschimpfte der Angeklagte Till Meyer die Richter als „faschistische Todesschweine“. 1986 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen, arbeitete dann als Redakteur bei der „taz“. Dort bespitzelte er im

Auftrag der Stasi seine Kollegen und zudem die linke Westberliner Szene. Am 1. Mai 2007 rechtfertigte der 1980 zu 15 Jahren Haft verurteilte Ralf Reinders die politischen Morde an Generalbundesanwalt Siegfried Buback und an Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer und erntete dafür den Beifall seiner linksradikalen Kreuzberger Zuhörer. Der wegen derselben Taten verurteilte Roland Fritsch fand das offenbar auch. Im Prozess hatten beide ihre Richter als „Schafskopf“, „Du Sau“ oder „Paragraphenschlafmützen“ beleidigt und allerhand seltsames Theater aufgeführt.

Ich aber verbeuge mich vor Hansgeorg Bräutigam, dem Autor des hier besprochenen und vielfach zitierten Buches, und vor den seinerzeit zuständigen Strafrichtern, Staatsanwälten und Polizisten. Sie wurden damals vielfach und massiv persönlich bedroht. Dennoch wahrten sie im Großen und Ganzen die rechtsstaatlichen Prinzipien und drängten den mörderischen Terrorismus der RAF und der Bewegung 2. Juni entschlossen zurück.

Das Buch

Hansgeorg Bräutigam:
Terroristen vor dem Kammergericht. Drei Berliner Strafprozesse nach 1968,
Berlin Story Verlag 2020,
144 Seiten



Aus: "Der Rechtsstaat und seine Grenzen: Späte Einblicke in die Berliner RAF-Prozesse" Götz Aly (2.9.2020)
Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/aufrecht-gegen-linken-terror-li.101278 (https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/aufrecht-gegen-linken-terror-li.101278)

Götz Haydar Aly (* 3. Mai 1947 in Heidelberg) ist ein deutscher Politikwissenschaftler, Historiker und Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind nationalsozialistische Rassenhygiene, Holocaust und Wirtschaftspolitik der nationalsozialistischen Diktatur sowie Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Aly (https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Aly)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on September 10, 2020, 03:26:03 PM
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[...] Die IS-Fanatikerin ist Elina F. nicht mehr anzusehen. Statt der Vollverschleierung, in der sie jahrelang das Haus verließ, trägt sie an diesem Morgen eine blassrosa Bluse und kräftiges Make-up, die blondierten Haare stecken unverhüllt in einem Zopf. Sie sieht wieder aus wie damals als Jugendliche, als sie in Tonndorf lebte und im Einzelhandel arbeitete, als sie am Wochenende mit Freundinnen zum Tanzen ging. Eine Angeklagte, sagt die Vorsitzende Richterin am Oberlandesgericht, die das Gegenteil der Frau ist, die sie zwischenzeitlich war. Sieben Jahre lang war Elina F. in Syrien beim IS. Der Staatsschutzsenat verurteilt sie dafür zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und setzt die Strafe zur Bewährung aus.

Elina F., die Angeklagte, wächst in Hamburg auf. Sie geht zur Schule, macht ihren Abschluss, hat anschließend einen festen Job. Mit 19 Jahren lernt sie Serkan E. kennen. Er ist ihre große Liebe. Ein Mann, der damals polizeibekannt ist, er ist Mitglied bei den Hells Angels. Doch Serkan E. macht eine erstaunliche Wandlung: Er entdeckt den Islam für sich, wird von der Rotlichtgröße zum Glaubensbruder. Elina F. macht diese Wandlung mit.

Sie konvertiert zum Islam. Heiratet Serkan E. in einer Moschee am Steindamm, geht regelmäßig zum Gebet. Die beiden radikalisieren sich immer mehr. So sehr, dass sie sich 2013 entschließen, in den Dschihad zu ziehen, den heiligen Krieg. Serkan E. reist nach Syrien aus, Elina F. kommt zwei Monate später hinterher.

An dieser Stelle beginnt das Kapitel ihres Lebens, mit dem sie rückblickend so schnell wie möglich abschließen will. Deshalb akzeptiert sie auch das Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts sofort. Sie will keine Rechtsmittel mehr, nur noch ein neues Leben. Nach dem Urteil weint sie vor Erleichterung, mit einer Bewährungsstrafe davongekommen zu sein. Dann öffnet Elina F., umringt von Freundinnen und ihrer Mutter, vor dem Gerichtsgebäude mit lautem Knall einen Sekt.

Die heute 30-Jährige hat sich endgültig vom IS abgewandt. Und sie hat ausgepackt. Sie hat nichts beschönigt, sondern eingeräumt, sogar Propaganda für das Leben im IS-Kalifat gemacht zu haben. Das betont die Vorsitzende Richterin, und sie begründet damit, wieso Elina F. mit einer Bewährungsstrafe davongekommen ist. Das ist ungewöhnlich in einem solchen Fall. Anderen Syrien-Rückkehrerinnen drohen viele Jahre Gefängnis. So auch Omaima A., der Witwe des früheren Rappers und späteren IS-Kämpfers Denis Cuspert alias Deso Dogg, die zurzeit parallel in Hamburg angeklagt ist. Für sie hat der Oberstaatsanwalt am Montag vier Jahre und zehn Monate Haft verlangt.

Das Geständnis und die Abkehr unterscheiden den Fall Elina F. fundamental von anderen. Viele Syrien-Rückkehrerinnen geben sich vor Gericht ganz naiv, als hätten sie kaum gewusst, dass der IS Menschen terrorisiert. Sie behaupten, nur ihrem Mann den Haushalt geführt zu haben, mehr nicht. Auch Omaima A., die Cuspert-Witwe, hat vor Gericht nur zögerlich über ihr Leben in Syrien ausgesagt. Der Staatsanwalt bedauerte in seinem Plädoyer am Montag, dass sie keine Lebensbeichte abgelegt habe. "Sie sind mit einzelnen Taten des IS nicht einverstanden," sagte er. "Aber Sie haben sich nicht grundsätzlich distanziert."

Anders Elina F. Sie hat einen hohen Preis für ihren Fanatismus bezahlt. 2014 kam ihr Mann Serkan E. bei Kämpfen in Syrien ums Leben, als sie im sechsten Monat schwanger war. Anschließend lebte sie weiter im sogenannten Kalifat, "wie eine Prinzessin", wie sie selbst sagt: als Märtyrerwitwe war sie hoch angesehen. Dann aber heiratete sie erneut, war der Gewalt ihres Mannes ausgesetzt, floh mit ihm und den inzwischen zwei Kindern aus Rakka, als die Bombardierungen dort zunahmen. 2017 kam auch ihr zweiter Ehemann ums Leben. Elina F. ließ sich von Schleusern an die türkische Grenze bringen. Dort landete sie in einem kurdischen Gefangenenlager. Zwei Jahre lang lebte sie dort unter katastrophalen Bedingungen, wie die Richterin sagt, und wollte nur noch weg: Zurück nach Hause. Nach Hamburg.

Diesen Januar wurde sie ausgewiesen. Mitte des Monats kam sie mit den Kindern auf dem Flughafen Fuhlsbüttel an. Ihre Anwältin Ina Franck hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, schließlich hatte sich auch das Auswärtige Amt für die Frau und ihre beiden Kinder eingesetzt. Das sei keine Selbstverständlichkeit, sagt die Richterin: "Bei einer selbst gewählten Ausreise zum IS gibt es keine Rückholgarantie."


Aus: "Ehefrau von IS-Kämpfer: Radikal ehrlich"  Elke Spanner, Hamburg (10. September 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/hamburg/2020-09/ehefrau-is-kaempfer-hamburg-urteil-gericht-familie (https://www.zeit.de/hamburg/2020-09/ehefrau-is-kaempfer-hamburg-urteil-gericht-familie)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on September 20, 2020, 08:20:06 PM
Aus: "Opfer des Terroranschlags von Hanau: „Wir wollen Gerechtigkeit“"
In einem offenen Brief fordert ein Bündnis mehr Hilfe für die Familien der Opfer. Bund und Land reagieren verhalten.
Quelle: https://taz.de/Opfer-des-Terroranschlags-von-Hanau/!5714888/ (https://taz.de/Opfer-des-Terroranschlags-von-Hanau/!5714888/)

"Prozess zum Nazi-Anschlag von Halle: Der Schmerz der Opfer"  Konrad Litschko, Redaktion Inland (15.9.2020)
Im Prozess um den Anschlag in Halle offenbart der Vater des erschossenen Kevin S., wie die Tat sein Leben veränderte. Eine Aussage führt zu Applaus.

"Gedenken an Enver Şimşek: Jena benennt Platz nach NSU-Opfer" (18.9.2020)
Enver Şimşek war der erste Mensch, den der NSU ermordete. Die Stadt Jena hat nun einen Platz nach ihm benannt.
https://taz.de/Gedenken-an-Enver-imek/!5714905/ (https://taz.de/Gedenken-an-Enver-imek/!5714905/)


""Rohwedder": Mord mit Hintergründen" Eine Rezension von Matthias Dell (24. September 2020)
Netflix startet seine erste deutsche True-Crime-Serie. "Rohwedder" verhandelt den ungeklärten Mord an dem Treuhandchef – und berührt dabei große Fragen des Kapitalismus.
Was den Fall betrifft, haben die Filmemacher nichts Neues zu erzählen. Aufgeklärt ist das Verbrechen bis heute nicht. O-Ton-Geber in Rohwedder wie der einstige Bundesfinanzminister Theo Waigel und der BKA-Mann Rainer Hofmeyer haben schon in anderen Formaten zum selben Thema rumgesessen, stellenweise fast wortgleich (Wolfgang Schäuble konnte dagegen nicht gewonnen werden); der RAF-Erklärer Winfried Ridder hat auf seiner – zuletzt offenbar nicht mehr aktualisierten – Website sogar eigens seine Filmografie aufgelistet. Doch die RAF-Theorie ist nun die, von der die neue Serie Rohwedder am wenigsten hält. Das merkt man daran, dass sie zuerst verhandelt wird, als die am wenigsten spannende.
Es folgt die zweite Möglichkeit: Ex-Stasi-Leute könnten aus Hass oder aus Sorge, die Treuhand käme ihren durch Ex-DDR-Außenhandelsfirmen veruntreuten Vermögen auf die Spur, von ihrer Ausbildung Gebrauch gemacht haben. Und schließlich die dritte Version: Rohwedder wurde westdeutschen Machtinteressen geopfert, um die Kritik an der Treuhand zu erschweren und mit Birgit Breuel als seiner Nachfolgerin zugleich den Kurs zu ändern (Privatisierung! Privatisierung! Privatisierung!). ...
https://www.zeit.de/kultur/film/2020-09/rohwedder-doku-serie-netflix-duesseldorf-verbrechen-mord-deutschland/komplettansicht
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on September 27, 2020, 05:07:56 PM
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[...] Als Motiv habe er die erneute Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen durch "Charlie Hebdo" genannt, die er "nicht ertragen" habe.

Vor dem einstigen Sitz der "Charlie Hebdo"-Redaktion hatte ein Angreifer am Freitag zwei Journalisten einer Agentur mit einem Hackmesser attackiert und schwer verletzt. Kurze Zeit später wurde der Hauptverdächtige in der nähe des Tatorts festgenommen. Nach eigenen Angaben ist er 18 Jahre alt und kommt aus Pakistan.

... Sie wurden im Gesicht schwer verletzt. Der Angriff war unglaublich gewalttätig“, sagte Hermann. „Es gab eine echte Bereitschaft zum Töten.“ Hermann kritisierte, dass das Gebäude während des seit Anfang September laufenden Prozesses gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Januar 2015 nicht geschützt wurde.

...


Aus: "Verdächtiger gesteht Messerattacke in Paris" (26.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/er-habe-die-mohammed-karikaturen-nicht-ertragen-verdaechtiger-gesteht-messerattacke-in-paris/26219180.html (https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/er-habe-die-mohammed-karikaturen-nicht-ertragen-verdaechtiger-gesteht-messerattacke-in-paris/26219180.html)

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Firebird 15:51 Uhr
Antwort auf den Beitrag von mcgyver 26.09.2020, 19:11 Uhr

    Ich verstehe auch nicht, warum Charlie Hebdo nun zum zweiten Mal diese Karikaturen veröffentlicht. Es war doch absehbar, dass wieder ein Anschlag stattfinden würde und vielleicht war das nicht mal der letzte. 

Hm, so haben die Attentäter wohl auch gedacht.


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countrylover 26.09.2020, 16:47 Uhr

    Als Motiv habe er die erneute Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen durch "Charlie Hebdo" genannt, die er "nicht ertragen" habe.

Ein guter Grund für europäische Tageszeitungen wie z.B. dem TSP nun erst recht die Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen und damit Solidarität mit den schwerverletzten Redakteuren in Paris zu zeigen.


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Pumpi-macht-Stress 26.09.2020, 14:02 Uhr

Ideologien/Religionen vertragen schwer die Freiheiten in einer westlich-pluralistischen und demokratischen Gesellschaft. Einge der Foristen werden natürlich wieder die erneute Veröffentlichung der Karikaturen kritisieren: Ach, man muss nicht erneut Öl ins Feuer gießen.  Aber das Öl, ein heilsames Balsam, ist nicht das Problem - Feuer hat nicht nur Bücher verbrannt sondern au f den Scheiterhaufen religiöser Fanatiker brannten Menschen, bizarrerweise auch Tiere. Ach ja, Religionen sind was feines - sie geben uns Halt im morden, verbrennen, erstechen, hängen.


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mansfield 26.09.2020, 16:07 Uhr
Antwort auf den Beitrag von ZyanKarli 26.09.2020, 15:13 Uhr

    Oder können Sie sich an aktuelle  Attentate von in ihrem Glaubensempfinden verletzten Buddhisten/Juden/Christen erinnern?

Na ja, z.B. als Gynaekologe, der Abtreibung vornimmt, wuerde ich mich in den USA sehr unsicher fuehlen. Was aber nicht von der Tatsache ablenkt, dass ich den Safalfismus als sehr gefaehrlich empfinde.


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Pumpi-macht-Stress 26.09.2020, 18:20 Uhr
Antwort auf den Beitrag von ZyanKarli 26.09.2020, 15:13 Uhr

    Warum nehmen Sie alle Gläubige in Sippenhaft?

Sie sollten auf die Nuancen achten: Ich spreche von Ideologien/Religionen die "letzte Wahrheiten" verkünden, nicht von Gläubigen, die mal mehr oder weniger angefasst sind wenn es Kritik hagelt.


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Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on October 17, 2020, 11:10:26 AM
"Mann nahe Paris enthauptet: Neun Festnahmen - Macron spricht von islamistischem Terroranschlag" (17.10.2020)
Der Lehrer war am Freitag auf offener Straße ermordet worden. Anti-Terror-Fahnder gehen von einem Zusammenhang mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus. In der Nähe von Paris ist ein Geschichtslehrer offenbar im Zusammenhang mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen auf offener Straße enthauptet worden. Nach der Tat am späten Freitagnachmittag nahe einer Schule in Conflans Saint-Honorine schaltete sich die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ein. Der von der Polizei angeschossene mutmaßliche Täter starb nach Angaben aus Justizkreisen später. ... Bei dem Mordopfer handelt es sich nach Polizeiangaben um einen Geschichtslehrer, der seinen Schülern im Rahmen seines Unterrichts über Meinungsfreiheit die Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Die Polizei war nach Ermittlerangaben zu der Schule nordwestlich der französischen Hauptstadt gerufen worden, weil Augenzeugen einen Verdächtigen in der Nähe beobachtet hatten. Als die Beamten vor Ort eintrafen, fanden sie die Leiche des Lehrers. ... Laut „Le Monde“, die sich auf Polizeikreise beruft, behandelt der Lehrer in seiner Klasse das Thema Meinungsfreiheit im Zusammenhang mit den Karikaturen Mohammeds. Dieser Aspekt sei der Grund, weshalb die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen habe. ... Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert – dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Erst vor einigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäudes des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ eine Messerattacke gegeben. Als Motiv hatte der Täter die erneute Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen genannt, die er „nicht ertragen“ habe. (Tsp, dpa, AFP)
https://www.tagesspiegel.de/politik/mann-nahe-paris-enthauptet-neun-festnahmen-macron-spricht-von-islamistischem-terroranschlag/26283278.html (https://www.tagesspiegel.de/politik/mann-nahe-paris-enthauptet-neun-festnahmen-macron-spricht-von-islamistischem-terroranschlag/26283278.html)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on October 20, 2020, 09:17:50 AM
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[...] Die Tat war grauenhaft, dennoch oder gerade deshalb wird der Täter gefeiert. „Darf ich vorstellen: der Löwe aus Frankreich“, schreibt ein deutscher Nutzer des Messengerdienstes Telegram über den jungen Islamisten, der vergangenen Freitag im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine den Lehrer Samuel Paty enthauptet hat.

Nichts anderes als die Ehre des Propheten Mohammed „bewegte sein eifersüchtiges Herz“, postete ein anderer Muslim bei Telegram, „möge Allah dich zu seinen Shuhada zählen. Wahrlich bist du zu beneiden für deine Tatkräftigkeit.“ Shuhada ist im Arabischen der Plural für „Märtyrer“.

Die Polizei hatte den 18-jährigen Mörder kurz nach der Tat erschossen, als er die Beamten, die ihn festnehmen wollten, bedrohte. Für militante Islamisten ist der russisch-tschetschenische Attentäter Abdullah Anzorov ein Idol. Und ein Vorbild, dem womöglich weitere junge, radikalisierte Muslime nacheifern werden.

Wie gefährlich dieses Milieu in Deutschland ist, zeigt schon ein Blick auf einschlägige Straftaten. Im März 2011 verübte der gerade 21 Jahre alte gewordene Kosovare Arid Uka das erste tödliche islamistische Attentat in der Bundesrepublik. Uka erschoss am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzte zwei weitere schwer. In der Nacht vor der Tat hatte sich der schon länger in Deutschland lebende Mann mit islamistischen Videos aufgeputscht.

Im Juli 2006 stellten zwei in Deutschland studierende Libanesen, 20 und 21 Jahre alt, im Kölner Hauptbahnhof zwei Bomben in Regionalzügen ab. Die Passagiere blieben nur wegen eines technischen Defekts bei den in Trolleys versteckten Sprengsätzen von einer Katastrophe verschont. Tatmotiv der Libanesen war die Wut über den Nachdruck der verhassten Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen, darunter dem Tagesspiegel.

Ein ähnliches Motiv hatte jetzt der Mörder des Lehrers in Frankreich. Samuel Paty hatte im Unterricht beim Thema Meinungsfreiheit die Karikaturen angesprochen. Zunächst wurde Paty im Internet bedroht und beschimpft, dann stach der junge Flüchtling Abdullah Anzorov auf ihn ein.

Wie die Sicherheitsbehörden warnt auch Claudia Dantschke, eine der führenden Islamismus-Expertinnen aus dem Spektrum der Nichtregierungsorganisationen (NGOs), „das kann in Deutschland genauso passieren“. Dantschke leitet die 2011 gegründete Beratungsstelle „Hayat“ (Leben), die sich mit den härtesten Islamsten, den Salafisten, und deren Angehörigen befasst.

Zur Klientel zählen auch Dschihadisten, die Anhänger von Terrororganisationen wie dem „Islamischen Staat“ und Al Qaida. Das Bild, das Dantschke im Laufe der Jahre von den selbsternannten „Löwen“ gewonnen hat, ist allerdings jämmerlich.

„Meistens haben die keine Ahnung vom Islam“, sagt sie und spricht spöttisch von „Passmuslimen“. Das Gros der Männer im Milieu sei zwischen 17 und 27 Jahre alt. Die Jungs, die nach Syrien und Irak zum IS gereist sind, „waren zwischen 18 und 21“, sagt Dantschke. Die Frauen seien noch jünger gewesen, „von 16, 17 Jahren bis 21“.

Mädchen stiegen früher in die salafistische Szene ein, „schon mit 13 oder 14“. Warum? Mädchen seien „früher entwickelt“, sagt Dantschke. Aber sie bescheinigt auch den jungen Salafistinnen „ganz, ganz naive Vorstellungen vom islamischen Leben“. Der „Mudschahid“, der islamistische Kämpfer, sei für die jungen Frauen „ein Popstar wie Justin Bieber“.

Wie groß das Milieu junger radikalisierter muslimischer Männer und Frauen ist, lässt sich für Dantschke nicht seriös beziffern. Offensichtlich ist allerdings, dass es sich um eine kleine Minderheit handelt.

In der Bundesrepublik leben mindestens viereinhalb Millionen Muslime, der Verfassungsschutz stellt bei der Salafistenszene etwas mehr als 12.000 Männer und Frauen fest. Das Wachstum verlief rasant, 2011 waren es erst 3800. Der Anteil der Frauen sei auf über 13 Prozent gestiegen, heißt es im Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz für 2019. Die Behörden tröstet nur wenig, dass die Szene, wie es in Sicherheitskreisen heißt, in diesem Jahr offenbar stagniert.

Weder der Verfassungsschutz noch Dantschke signalisieren Entwarnung. Die Ursachen für Radikalisierung verschwinden nicht. „Es gibt Jugendliche, die kommen aus sehr autoritären Familien und haben keinen Freiraum“, berichtet Dantschke.

„Und es gibt die Jugendlichen aus eher losen Familien, wo der Halt fehlt.“ Die Jungen und Mädchen aus beiden Familientypen „suchen jemanden, der sie wahrnimmt, der sie ernst nimmt, der ihnen eine Lebensperspektive bietet“. Dantschke hat die Erfahrung gemacht, „die sind nicht auf der Suche nach dem Islam, die sind auf der Suche nach Orientierung, nach Aufmerksamkeit“. Und landeten bei den Salafisten.

Aus Sicht von Dantschke ist die Situation in Frankreich allerdings noch bedrohlicher als in Deutschland. Die soziale Ausgrenzung junger Muslime aus den „Banlieues“, den Hochhaussiedlungen am Rande von Paris und weiteren Großstädten, sei härter als in der Bundesrepublik. Der französische Staat reagiere auf Protest meist mit Repression, „das geht nicht an die Ursachen ran“. Deutschland sei mit dem staatlich geförderten Netzwerk der Prävention besser aufgestellt.


Aus: "Für sie ist der Mörder aus Frankreich ein Idol" (19.10.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/radikalisierte-muslime-in-deutschland-fuer-sie-ist-der-moerder-aus-frankreich-ein-idol/26288138.html (https://www.tagesspiegel.de/politik/radikalisierte-muslime-in-deutschland-fuer-sie-ist-der-moerder-aus-frankreich-ein-idol/26288138.html)

Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on October 20, 2020, 09:35:29 AM
Thomas Pany (17. Oktober 2020): “ … Der Lehrer für Geschichte und Geografie, Mitte Vierzig, unterrichtete seit vielen Jahren Schüler über Religionen. Eine Unterrichtsstunde, die er Anfang Oktober am Collège du Bois-d’Aulne in dem genannten Ort Conflans-Saint-Honorine gab, sorgte für Aufregung. Es ging um Meinungsfreiheit. Das Thema wollte der Lehrer anhand der Mohammed-Karikaturen erläutern [https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed-Karikaturen (https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed-Karikaturen)]. Dazu fragte er die Schüler danach, wer muslimischen Glaubens ist und erklärte ihnen, dass sie den Unterrichtsraum verlassen können, wenn sie wollen. …“ https://www.heise.de/tp/features/Der-gekoepfte-Lehrer-4931243.html (https://www.heise.de/tp/features/Der-gekoepfte-Lehrer-4931243.html)

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[...] In Frankreich laufen nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty zahlreiche Polizeieinsätze gegen Islamisten. Sie würden sich gegen "Dutzende Personen" aus dem radikalisierten Milieu richten, sagte Innenminister Gérald Darmanin. Derartige Polizeieinsätze würden auch in den kommenden Tagen fortgesetzt.

Die Islamisten stünden "nicht unbedingt in Verbindung" mit dem Mord an dem Lehrer, sagte Darmanin. Die Einsätze zielten vielmehr darauf ab, "eine Botschaft zu vermitteln: nicht eine Minute Aufschub für die Feinde der Republik".

Darmanin ordnete zudem an, eine Moschee in einem Vorort von Paris zu schließen. Die Moschee habe bei Facebook ein Video geteilt, in dem der Unterricht des getöteten Lehrers angeprangert wurde, sagte der Minister. Dem Imam der geschlossenen Moschee im Pariser Vorort Pantin warf der Minister vor, den Lehrer bedroht und die Adresse der Schule veröffentlicht zu haben.

Eine Gruppe namens BarakaCity, gegen die die französischen Behörden ebenfalls vorgehen wollen, warf dem Innenminister beim Onlinedienst Twitter vor, "verrückt" zu werden und eine Tragödie auszunutzen. Die Gruppe beschreibt sich selbst als humanitäre Organisation.

Im französischen Verteidigungsrat unter Vorsitz von Präsident Emmanuel Macron war am Sonntagabend beschlossen worden, stärker gegen Radikalisierung vorzugehen und auch den Hass im Netz stärker in den Blick zu nehmen.

Seit der Ermordung des Lehrers seien rund 80 Beschwerden gegen die Verbreitung von Hass im Internet eröffnet worden, sagte der Minister. Es handele sich dabei etwa um Nachrichten, die die Tat verherrlicht hätten.

Darmanin sprach auch davon, dass der Mann, der im Netz gegen den Lehrer mobilisiert hatte, und andere, "eine Fatwa gegen den Lehrer erlassen" hätten. Es gebe kein anderes Wort, sagte Darmanin. Eine Fatwa ist im Islam eine Rechtsauskunft, um ein religiöses oder rechtliches Problem zu klären. Weltweit negative Schlagzeilen machte der Begriff, als der iranischen Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini 1989 eine Todesdrohung gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie wegen Gotteslästerung aussprach.

Der Lehrer war am Freitagvormittag in einem Vorort von Paris ermordet worden. Der Täter mit russisch-tschetschenischen Wurzeln wurde von der Polizei erschossen. Kurz nach der Tat hatte dieser im Netz damit geprahlt und geschrieben, der Pädagoge habe den Propheten Mohammed herabgesetzt.

Der 47-jährige Geschichtslehrer Samuel Paty hatte zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt. Daraufhin hatte der Vater einer Schülerin massiv im Netz gegen ihn mobilisiert. Macron nannte die Tat einen islamistischen Terrorakt.

Die Bundesregierung zeigte sich entsetzt von dem Anschlag. Es handele sich um die "Tat eines islamistischen Fanatikers" und einen "grauenhaften Mord", der weit über Frankreich hinaus Entsetzen ausgelöst habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Opfer habe über Meinungsfreiheit und die Freiheit, zu glauben oder nicht zu glauben, unterrichtet. Damit habe der Lehrer "ganz den Werten Frankreichs, Deutschland, unseres gemeinsamen Europas" entsprochen.

Es sei bewegend gewesen, zu sehen, wie am Sonntag in Paris die Menschen in Trauer und Erinnerung an den Getöteten für diese Werte demonstrierten, sagte Seibert weiter. "Die Bundesregierung steht an ihrer Seite gegen islamistische Gewalt, gegen Hass in jeder Form." Das Mitgefühl gelte der Familie des Ermordeten. Zehntausende hatten am Sonntag in ganz Frankreich an Trauerkundgebungen für Samuel Paty teilgenommen.


Aus: "Polizeieinsätze nach Enthauptung von Lehrer in Paris" (19. Oktober 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-10/frankreich-enthauptung-lehrer-islamismus-polizeieinsaetze (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-10/frankreich-enthauptung-lehrer-islamismus-polizeieinsaetze)

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Malteserkreutz #5
"Der Geschichtslehrer Samuel Paty hatte zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt."

Schlimm, wenn die Ausübung von Aufklärung inzwischen mit Todesgefahr verbunden ist. Den militanten Feinden der Freiheit muss auch in Deutschland mit mehr Härte begegnet werden und es muss unterbunden werden, dass sie das Freiheitsrecht der Religionsausübung so missbrauchen.

Monsieur Paty, es tut mir sehr leid!


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LinuxSchurke #5.2

Enthauptung fällt aber nicht unter „Freiheitsrecht der Religionsausübung“


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Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on October 20, 2020, 09:43:00 AM
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[...] PARIS taz | Zehntausende von Menschen sind am Sonntagnachmittag in zahlreichen Städten Frankreichs zusammengeströmt, aus Solidarität mit dem Lehrer Samuel Paty, der am Freitag von einem jungen Tschetschenen ermordet worden war. Dazu aufgerufen hatten Gewerkschaften und auch die Redaktion von Charlie Hebdo.

Am Freitag gegen 17 Uhr hatte die Kriminalpolizei auf der Straße im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine einen Mann mit einem blutigen Küchenmesser entdeckt. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd wurde er gestellt. Auf die Aufforderung der Polizei hin, seine Stichwaffe auf den Boden zu legen, habe der Mann aggressiv reagiert und die Beamten auch mit einer Schusswaffe bedroht, so die Polizei, die ihn daraufhin erschoss. Nicht weit entfernt, vor der Mittelschule von Conflans-Sainte-Honorine, machten die Polizisten dann einen makabren Fund: Die Leiche des erstochenen und enthaupteten Geschichtslehrers Paty.

Der Schock darüber sitzt tief, und die Aufmärsche sollen auch zum Ausdruck bringen, dass man sich nicht einschüchtern lassen will. Neben Schildern, auf denen „JeSuisSamuel“ in Anlehnung an „Ich bin Charlie“ steht, trugen viele Demons­tran­ten Kartons mit der Aufschrift „Je suis Enseignant“ oder „Je suis Professeur“ (Ich bin Lehrer). Ist allein die Tatsache, in einer Schule zu unterrichten, heute ein Grund, buchstäblich den Kopf zu riskieren, weil der offizielle Lehrplan irgendwelche Fanatiker empört?

Solche Gedanken bewegten die Demonstrierenden am Sonntag auf der Place de la République. Ihnen ist bewusst, dass es nicht um ein terroristisches Verbrechen unter vielen geht. Das Attentat von Conflans-Sainte-Honorine ist wie die Attacke auf Charlie Hebdo im Januar 2015 ein Test für die Grundrechte und im Speziellen für die Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit, die in Frankreich explizit das Recht auf Blasphemie einschließt. Doch zunächst geht es darum, etwas an sich Unbegreifliches zu verstehen.

Dazu wird die Persönlichkeit des Täters unter Lupe genommen. Der 2002 in Moskau geborene Tsche­tsche­ne Abdoullakh Anzorov war mit seiner Familie nach Frankreich geflüchtet und genoss politisches Asyl. Weder seine Angehörigen noch die Behörden wussten offenbar etwas von seiner islamistischen Radikalisierung: Er war nicht als Extremist in der „S-Datei“ potenzieller Staatsfeinde registriert. Die Polizei kannte ihn wegen kleinerer Delikte in Evreux. Ein Nachbar verriet der Sonntagszeitung Journal du di­manche nachträglich: „Er sprach mit niemandem, er machte mir Angst.“

Der junge Anzorov war weder ein ehemaliger Schüler von Samuel Paty, noch kannte er diesen persönlich. Er hatte auf dem Internet von einer Polemik in einer Schule in Conflans-Sainte-Honorine gehört. Auf Twitter bekannte er sich zu seiner Tat, mit der er den Propheten zu „rächen“ suchte. Er war dafür am Freitag aus Evreux angereist. Inzwischen ist auch bekannt, dass er mehrere Stunden vor der Mittelschule wartete und Jugendliche fragte, wer unter den herauskommenden Erwachsenen Samuel Paty sei.

Begonnen hatte alles mit einer Unterrichtstunde über Meinungsfreiheit. Zu diesem Zweck wollte der Lehrer als Beispiel unter anderem zwei Mohammed-Karikaturen aus Charlie Hebdo zeigen. Da er wusste, dass dies einige Muslime unter seinen Schülern stören konnte, sagte er ihnen, sie sollten wegschauen oder kurz das Klassenzimmer verlassen. Am Tag darauf kam eine Mutter in die Schule und beschwerte sich, weil ihre Tochter „wegen ihres Glaubens“ aus der Klasse verwiesen worden sei. Auf Wunsch der Schulleitung organisierte Paty eine Aussprache und entschuldigte sich sogar.

Doch im Viertel wurde die Geschichte verdreht. In einer anonymen empörten Mail an die Schule war von einem „islamophoben Klima“ die Rede. Und am selben Tag veröffentlichte Brahim C., der Vater einer Schülerin, die nicht in Patys Klasse war, auf Facebook einen feindseligen Appell gegen den Lehrer. Später nannte er sogar Patys Namen und Wohnadresse. Er befindet sich deswegen heute zusammen mit zehn anderen Personen zur Befragung in Polizeigewahrsam.

Schnell verbreitete sich die islamistische Version der Geschichte über Conflans-Sainte-Honorine hinaus. Wie genau sie Anzorov zu seiner Bluttat anstiftete, ist noch nicht klar. Verantwortlich für die Eskalation könnte nach Polizeiangaben mit seinen denunzierenden Aufrufen der ebenfalls festgenommene marokkanische Prediger Abdelhakim S. sein, der wegen seiner Nähe zu Islamisten registriert ist. Paty sei ein „Schurke, der die Meinungsfreiheit instrumentalisiere“, sagte er der Schulleitung, die ihn vergeblich zu einem Treffen mit Paty eingeladen hatte.

Paty, der sich bedroht fühlte, reichte Klage wegen Verleumdung ein. Inzwischen war die Sache auch den Sicherheitsbehörden bekannt, die indes nicht reagierten. In diesem Zusammenhang fordern jetzt die demonstrierenden LehrerInnen, dass ihre Hinweise ernster genommen werden als bisher.


Aus: "Trauer um ermordeten Lehrer bei Paris: Der Lehrer und die Hetze" Rudolf Balmer (18. 10. 2020)
Quelle: https://taz.de/Trauer-um-ermordeten-Lehrer-bei-Paris/!5720050/ (https://taz.de/Trauer-um-ermordeten-Lehrer-bei-Paris/!5720050/)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on October 22, 2020, 08:59:26 PM
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[...] BERLIN taz | In Dresden wurde offenbar ein islamistischer Terrorakt verübt. Am 4. Oktober stach ein bislang unbekannter Mann in Dresden mit einem Messer auf zwei Touristen aus Nordrhein-Westfalen ein. Einer der beiden, ein 55-jähriger Mann aus Krefeld, wurde dabei tödlich verletzt und starb im Krankenhaus. Sein 53-jähriger Begleiter wurde verletzt.

Am Dienstagabend, über zwei Wochen nach der Tat, wurde der 20-jährige mutmaßliche Täter festgenommen und Haftbefehl wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung erlassen. Am Dienstag wurden DNA-Spuren des Verdächtigen am Tatort gefunden. Die Generalbundesanwaltschaft hat mittlerweile die Ermittlungen an sich gezogen, im Raum steht ein islamistisches Tatmotiv.

Der Verdächtige kam im Oktober 2015 als Asylsuchender aus Syrien nach Deutschland, und wandte sich offenbar in Dresden dem Islamismus zu. Seit dem 31. August 2017 führten die Behörden ihn als islamistischen Gefährder und hielten „politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung“ für möglich.

Der 20-Jährige war den Behörden also einschlägig bekannt, saß zudem bis vor Kurzem in Haft. Verurteilt wurde er unter anderem wegen Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie des Werbens für die islamistische Terrororganisation „Islamischer Staat“ zu mehr als zwei Jahren Haft. Diese saß er bis zum 29. September dieses Jahres in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen ab – bis fünf Tage vor der Tat also.

In der Haft sei an einer Deradikalisierung des Verdächtigen gearbeitet worden, jedoch ohne Erfolg, wie Petric Kleine, Präsident des sächsischen Landeskriminalamts, am Donnerstagnachmittag mitteilte. Noch am 17. Juli sei die Gefahr weiterer islamistisch motivierter Straftaten als „hoch“ eingeschätzt worden, entsprechend wurden ihm strenge Auflagen erteilt.

Der Verdächtige musste sich mehrfach in der Woche persönlich bei der Polizei melden, der Besitz von Hieb- und Stichwaffen sowie eines internetfähigen Telefons wurde ihm verboten. Diesen Auflagen kam er zunächst offenbar nach. Eine 24-Stunden-Observation sei laut Dirk-Martin Christian, Präsident des sächsischen Landesamts für Verfassungsschutz, rechtlich nicht möglich gewesen.

Und doch beobachtete sein Landesamt den Tatverdächtigen. In den beiden Tagen vor dem und sogar am Tattag selbst hätten punktuelle Observationen stattgefunden, am 9. Oktober noch eine Gefährderansprache. Weder den Kauf eines Messers, mutmaßlich in einem Dresdner Kaufhaus, noch die Tat selbst konnte dadurch verhindert werden. Dies liege, so Christian, an der Art der Tat. „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit“, bedauert der Verfassungsschützer.

Auch die politische Debatte um den Fall beginnt hochzukochen. Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) kritisierte die nicht mögliche Abschiebung des Tatverdächtigen nach Syrien. Bereits am 27. November 2019 wurde dessen Ausweisung aus Deutschland wegen dessen Straffälligkeit angewiesen. Da Deutschland aufgrund der unsicheren Lage nicht nach Syrien abschiebt, kam es hierzu nicht. „Die Sicherheit der Bevölkerung geht eindeutig vor“, schrieb Wöller bei Twitter. Politiker der AfD forderten ebenfalls Abschiebungen.

„Abschiebungen nach Syrien sind rechtlich nicht möglich“, entgegnet Ferdinand Dürr von der Nichtregierungsorganisation Adopt a Revolution. Er verweist auf systematische Folter des syrischen Regimes und den nach Syrien gereisten deutschen Islamist*innen. „Innenminister Wöller will offenbar vom Versagen seiner Sicherheitsorgane ablenken“, so Dürr.


Aus: " Messerattacke in Dresden: Verdächtigter wurde beobachtet"  Kevin Čulina ( 22.10.2020)
Quelle: https://taz.de/Messerattacke-in-Dresden/!5720528/ (https://taz.de/Messerattacke-in-Dresden/!5720528/)

"Mann in Dresden erstochen Islamist wurde am Tag der Tat observiert" (Donnerstag, 22. Oktober 2020)
https://www.n-tv.de/politik/Islamist-wurde-am-Tag-der-Tat-observiert-article22118049.html (https://www.n-tv.de/politik/Islamist-wurde-am-Tag-der-Tat-observiert-article22118049.html)

"Anschlag in Dresden: Behörden verschweigen offenbar Homophobie als mögliches Tatmotiv" Von Tillmann Warnecke  (1. November 2020)
Der Attentäter von Dresden könnte sein Opfer aus homofeindlichen Gründen getötet haben. Die Ermittlungsbehörden sagen dazu nichts. Die Wut in queeren Verbänden ist groß.
https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-11/anschlag-dresden-homophobie-hintergrund-messerattentat-islamismus-kritik-behoerden-terror (https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-11/anschlag-dresden-homophobie-hintergrund-messerattentat-islamismus-kritik-behoerden-terror)

Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on October 27, 2020, 09:20:31 AM
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[...] die These vom verwirrten Einzeltäter gilt schon lange nicht mehr: Der Mord an Samuel Paty hat noch einmal fast lehrbuchartig vor Augen geführt, dass es ohne ein breites ideologisches Umfeld solche Taten nicht geben kann: Ein Vater, der mit Unterstützung eines landesweit bekannten Islamisten in der Schule seiner Tochter die Strafversetzung eines Lehrers fordert und im Internet gegen ihn hetzt – obwohl die Tochter in besagter Geschichtsstunde gar nicht anwesend war.

Ein islamistischer Prediger, der in der Großen Moschee von Pantin walten darf, auf deren Facebook-Seite das Hetzvideo des Vaters gegen den Lehrer verbreitet wird. Ein Video, das den Täter erst auf den Lehrer aufmerksam macht. Bis hin zu einer Studentin, die in den sozialen Medien die Tötung Patys gutheißt. Sie wurde zu drei Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Ja, das mag symbolisch sein; ja, nur mit Verboten lässt sich dem Problem nicht beikommen, das seine Wurzeln auch darin hat, dass viele junge Leute mit Migrationshintergrund in Frankreich sozial abgeschlagen sind.

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Aus: "Macron nimmt den Kampf mit den geistigen Brandstiftern auf" Aus einer Kolumne von Andrea Nüsse (27.10.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/mehr-solidaritaet-mit-frankreich-macron-nimmt-den-kampf-mit-den-geistigen-brandstiftern-auf/26309512.html (https://www.tagesspiegel.de/politik/mehr-solidaritaet-mit-frankreich-macron-nimmt-den-kampf-mit-den-geistigen-brandstiftern-auf/26309512.html)

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[...] Murat Kayman ist Jurist und war von 2014 bis 2017 Koordinator der Landesverbände des islamischen Dachverbands Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib). Nach der Affäre um die Spitzeltätigkeit von Imamen in Deutschland legte er sein Amt nieder. In diesem Gastbeitrag, der auf einem längeren Blogeintrag basiert, setzt er sich nach dem Attentat auf den Pariser Lehrer Samuel Paty kritisch mit der Haltung muslimischer Verbände und vieler Muslime zur Gewalt auseinander. Kayman ist Mitbegründer der Alhambra Gesellschaft, einem Zusammenschluss von Musliminnen und Muslimen, die sich als Europäer begreifen, und Mitglied des Podcasts "Dauernörgler".

Der Lehrer Samuel Paty wurde nur 47 Jahre alt. Er war damit in meinem Alter. Er musste sterben, weil er seinen Schülern am Beispiel der Mohammed-Karikaturen die Bedeutung von Meinungsfreiheit erklären wollte.

"Musste sterben" ist angesichts der tatsächlichen Umstände der Mordtat eine Verharmlosung. Wir müssen, gerade als Muslime, deutlicher beschreiben, wie er umgebracht wurde. Samuel Paty wurde nicht erschlagen oder erstochen. Er wurde nicht erdrosselt oder erschossen. Die Art und Weise seiner Ermordung haben muslimische Extremisten bei ähnlichen Taten in der Vergangenheit als "Schlachtung" ihres Opfers bezeichnet. Die Täter vollziehen ihre Tat dabei unter Anrufung Gottes. Es ist zu vermuten, dass auch der Mörder Samuel Patys seinem Motiv und seiner Tat die Bedeutung einer religiösen Rache oder einer stellvertretend vollzogenen göttlichen Strafe verleihen wollte.

Lehrer. Meinungsfreiheit. "Schlachtung". Aufgrund dieser besonderen Konstellation habe ich gewartet und mich gefragt, was die muslimischen Gemeinschaften und Dachverbände in Deutschland zu diesem Mordanschlag in Paris sagen werden.

Als Muslim meint und hofft man, die öffentlich präsenten muslimischen Dachverbände auf Bundesebene, wie die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) oder der Islamrat, hätten gerade wegen dieser Konstellation das Bedürfnis, in diesem Fall nicht zu schweigen, so wie oft. Denn welchen Wert hat es, zu behaupten, man erfülle die Merkmale einer Religionsgemeinschaft, als die man vom deutschen Staat anerkannt werden will, wenn in den entscheidenden Momenten unseres Zusammenlebens diese Behauptung nicht mit Wort und Tat bestätigt wird?   

Doch außer ein paar spärlichen Tweets oder Einträgen auf Facebook war nichts zu lesen oder zu hören. Selbst das wenige, das gesagt wurde, folgte einer Dramaturgie, die mittlerweile wie eine ritualisierte Betroffenheitsfolklore wirkt. Fast schon genervt klangen diese Erklärungen. Man habe doch all die Jahre immer und immer wieder erklärt, dass solche Taten nichts mit dem Islam zu tun haben! Am Ende des Tages bedeutet Islam Frieden und Allah allein weiß, weshalb Menschen plötzlich auf die Idee kommen, anderen die Kehle durchzuschneiden. Ich kann diesen öffentlich reproduzierten ignoranten Fatalismus der muslimischen Dachverbände nicht mehr hören.

Dabei gäbe es nach einem solchen Anschlag vieles zu bereden. Und viele Fragen. Ob etwa ein Zusammenhang zwischen einem solchen Mord und dem islamischen Opferritus bestehen könnte. Das jährliche Opferfest wird als Pflichterfüllung und Segen angepriesen. Kaum jemand stellt dies infrage oder fordert, die Schlachtung vielmehr als mahnende Erinnerung an das menschliche Gewaltpotenzial wahrzunehmen; als einen Tabubruch, nämlich der Tötung eines von Gott erschaffenen Wesens, das an die Anmaßung des Menschen erinnern und ihm Demut abverlangen soll.

Stattdessen wird der Akt des Tötens, konkret des Schlachtens eines dem Menschen hilflos ausgelieferten Lebewesens mittels Kehlschnitt als Normalität der Dominanz des Überlegenen gegenüber dem Unterlegenen – dem vielleicht Minderwertigen? – etabliert. Eine Dominanz, die sich in den eingangs geschilderten extremistischen Morden als Tathergang wiederholt.

In Freitagspredigten mag noch so häufig wiederholt werden, dass Islam Frieden bedeutet. Aber es gibt im religiösen Alltag der Muslime, in den Verbänden und Gemeinschaften bis ins unterste Glied strukturelle Probleme und jene, die vorgeben, uns Muslime zu vertreten und sich gerne als "Großverbände" präsentieren, sind mit ihrer Verdrängungshaltung ein gewichtiger Teil dieser Probleme. Es geht um ein Vorleben, um Denk- und Handlungsmuster, die von den Dachverbänden bis in die Gemeinden hinein ein Klima der Abwertung und Hierarchisierung schaffen. Es herrschen Bedingungen, in denen sich der Einzelne mit seinem individuellen Verhalten stets einer kollektiven Akzeptanz unterordnet und sich einer widerspruchslosen Duldung und Befürwortung durch die religiöse Gemeinschaft vergewissert.

Alle Religionen, so auch der Islam, tragen ein Friedenspotenzial und ein Gewaltpotenzial in sich. Das, was die Glaubensgemeinschaften als religiös konforme Haltung vorleben und tradieren, prägt ganz wesentlich die Frage, in welche Richtung sich insbesondere junge Muslime entwickeln.

Wenn also die muslimischen Verbandsvertreter frustriert und desinteressiert darauf hinweisen, dass das alles nichts mit dem Islam zu tun hat, müssen wir ihnen entgegnen: Es hat was mit uns Muslimen zu tun. Die von Muslimen verübte Gewalt hat sehr viel mit dem zu tun, was Muslime in ihren Gemeinschaften als akzeptabel dulden, was sie unterstützen, was sie nicht zum Anlass für Widerspruch nehmen, was sogar eine gemeinsame Identität fördert und was das Gefühl von Zugehörigkeit festigt. Denn auch der Mörder Samuel Patys wird für sich in Anspruch genommen haben, als "guter Muslim" zu handeln. Die muslimischen Dachverbände schulden uns Muslimen und der gesamten Gesellschaft eine Antwort auf die Frage, warum er seine Tat nicht als Widerspruch zu diesem Anspruch erlebt hat.

Dabei kann ich nicht die Augen davor verschließen, was wir in unseren muslimischen Gemeinschaften unwidersprochen hinnehmen und als wiederkehrende Verhaltensmuster akzeptieren. Es geht nicht darum, dass Gewalt ausdrücklich befürwortet wird, aber sehr wohl gibt es unter Muslimen eine unkritische Haltung zur Gewalt und eine Militanz des Denkens und Glaubens, die nicht mehr hinterfragt wird und nicht als Widerspruch zum Islam wahrgenommen wird.

In unseren muslimischen Gemeinschaften hat Gewalt einen viel zu häufig akzeptierten, als gesellschaftliche Normalität hingenommenen Platz. In der Kindererziehung, im Verhältnis von Mann und Frau oder als Muster kollektiver, politischer oder identitärer Auseinandersetzungen.

Weit verbreitet ist zum Beispiel in der religiösen Pädagogik noch die Vorstellung von Autorität und Unterordnung, die im Zweifel auch mit körperlicher Züchtigung einhergehen kann – die körperliche Herrschaft über das physisch unterlegene Kind wird als legitim angesehen. Oder suchen muslimische Frauen, die seelische oder körperliche Gewalt in der Ehe erfahren, Rat bei muslimischen Gemeinden und Verbänden, kommt es nicht selten vor, dass ihnen Geduld und stillschweigendes Ausharren empfohlen wird. Nicht die Gewalt des Mannes gilt als religiöse Verfehlung oder gesellschaftliches Stigma, sondern vielmehr der Status einer geschiedenen Frau.

In den muslimischen Dachverbänden ist nicht selten die Vorstellung verbreitet, die eigenen Gemeinschaften seien Festungen des Islam in einem antimuslimischen Europa; seien wehrhafte Wagenburgen des Anstandes und der Moral in einer ethisch verderbten Gesellschaft, die sich dem Hedonismus, der Promiskuität, der Homosexualität und ganz allgemein der Lasterhaftigkeit hingegeben hat. Weil die Außenwelt derart schädlich ist, ist der innere Zusammenhalt besonders wichtig.

Zur Rhetorik gehört deshalb häufig die Reminiszenz an die Schlacht von Uhud im Jahre 625. Sie gilt als metaphorische Warnung vor Pflichtvergessenheit und Leichtsinn. In dieser historischen Schlacht standen die muslimischen Kämpfer in Medina kurz vor einem Sieg gegen ihre Angreifer. Jedoch verließen die muslimischen Bogenschützen, getrieben von der Aussicht auf reiche Beute, eine strategisch wichtige Anhöhe und verloren damit den sicher geglaubten Sieg. Die Verbandsfunktionäre werden nicht müde, das Bild der Uhud-Bogenschützen zu beschwören, wenn sie die eigenen Reihen schließen und zur bedingungslosen Loyalität aufrufen wollen.

Wenn eine solch militarisierte Sprache gepflegt und historische Schlachten zitiert werden, um zu demonstrieren, dass man bald auch in Deutschland siegreich sein werde, dann muss man sich nicht wundern, dass es in hiesigen Moscheegemeinden nicht als pädagogische Entgleisung wahrgenommen wird, wenn Kleinkinder mit Uniform und Spielzeuggewehr unter dem Applaus ihrer begeisterten Eltern an Inszenierungen von historischen Kriegen und Tod teilnehmen.

Bis heute ist das Verständnis von Erfolg und Macht mit der Eroberung ehemals muslimisch beherrschter Gebiete oder Symbolbauten verwoben. Eine besondere Funktion erfüllt dabei die al-Aqsa-Moschee in Jerusalem. Ihre regelmäßig geforderte "Befreiung" richtet sich gegen Juden, die im Rahmen antisemitischer Stereotype als übermächtiger Feind und Ränkeschmied imaginiert werden.

Die Rollenverteilung im Nahostkonflikt hat mittlerweile eine quasireligiöse Ersatzfunktion eingenommen: Die Haltung zu diesem Konflikt gilt als Nachweis der eigenen Frömmigkeit. Als "guter Muslim" ist es völlig klar, wie die Antwort auf die Gretchenfrage kollektiver muslimischer Identität "Wie hältst du es mit Israel?" lauten muss. Der Antisemitismus unter Muslimen ebnet damit den Weg zur Wahrnehmung und letztlich auch zur Legitimation von Gewalt als Reaktion auf erlittenes Unrecht. Er gilt als gegenwärtiger Vergewisserungsanker für historische Gewalt an Muslimen – und damit als moralische Entschuldigung eines religiösen Tabubruchs: der Tötung eines anderen Menschen.

Es gehört zum Wesen einer jeden Religion, dass sie exklusivistische Züge trägt. Wir halten unsere eigene Erzählung von Gott und der Schöpfung nur deshalb für glaubwürdiger als die vieler anderer alternativer Erzählungen, weil wir mit ihr aufgewachsen sind. Jede Religion hält jedoch für ihre Angehörigen auch die Zumutung von Irrationalität bereit. Diese Bruchstellen sorgen im Idealfall dafür, dass der Wahrheitsanspruch der eigenen Religion stets einen Hauch des Selbstzweifels erhält. Unser Glaube fordert uns dazu heraus, den eigenen Wahrheitsanspruch nicht nur zu behaupten, sondern durch gute Taten für alle unter Beweis zu stellen.

Jemand, der Gewalt gegen andere ausübt, will diesen mittelbaren Wahrheitsbeweis nicht antreten. Er will der Herausforderung, in einer widersprüchlichen Welt gläubig zu sein, durch die Vernichtung des anderen ausweichen. Ein wahrhaft gläubiger Mensch kann sich indes nie im Besitz einer vollständigen Wahrheit– und damit im Zustand der Vollkommenheit – wähnen. Vollkommenheit ist ein göttliches, kein menschliches Attribut.

Wer sich als Muslim im täglichen Gebet nur Gott hingibt und sich nur vor ihm beugt, im Gebet geradezu körperlich, darf eigentlich von keinem anderen Menschen erwarten, dass dieser sich der Glaubensüberzeugung und der Meinung eines Muslims zu beugen habe.

Wer aber in Kategorien von Überlegenheit und Unterordnung glaubt, ist anfällig dafür, andere Menschen abzuwerten. Jene, die einen solchen Weg einschlagen, können irgendwann auch zu der Überzeugung gelangen, dass menschliches Leben unterschiedlich viel wert ist, je nachdem, was einer denkt und meint.

Wir müssen als Muslime deshalb aufhören, andere Lebensweisen und Glaubensauffassungen in eine Rangfolge der Glaubwürdigkeit oder Werthaltigkeit einzuordnen. Wir müssen aufhören, solche Abwertungs- und Ausgrenzungserzählungen in unseren Gemeinschaften zu dulden. Wir müssen aufhören, Rassismus, Antisemitismus und Misogynie als hinnehmbare Haltung, ja gar als kollektive Identitäten stiftende Merkmale eines "normalen" oder "guten" Muslims wahrzunehmen.

Der Islam ist eine Idee davon, was Gott und was der Zweck seiner Schöpfung sein mögen. Wir Muslime entscheiden täglich darüber, wie wir diese Idee leben und damit auch darüber, ob sie uns zur Gewalt oder zum Frieden führt.


Aus: "Mord an Samuel Paty: Das hat was mit uns Muslimen zu tun" Ein Gastbeitrag von Murat Kayman (26. Oktober 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-10/samuel-paty-mord-islamismus-islam/komplettansicht (https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-10/samuel-paty-mord-islamismus-islam/komplettansicht)

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Now we have the salad #9

Nur ein Satz: Danke für diesen wichtigen und aus meiner Sicht längst überfälligen Beitrag, Herr Kayman.


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Dialog 2.0 #1.2

Finde den Text [ ] sehr gut. Er könnte sogar als Paradetext im Ethikunterricht für alle großen Religionen sinnvoll sein. Wenn man die richtigen Stellen ersetzt so passt vieles ebenso auf das Christentum oder das Judentum...


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A dream within a dream #1.7

Und da man als nichtgläubiger Mensch bei Gläubigen oft auf taube Ohren stößt hat man vor allem auch die Hoffnung dass Argumente aus deren eigenen Reihen besser wirken.
Es lässt mich z.B. auch leise hoffen dass der Papst mit seinen kürzlichen Aussagen zu Homosexuellen in LGBT-feindlichen, katholischen EU Ländern eher ankommt als die Kritik aus nichtgläubigen oder andersgläubigen Kreisen. Er wird zwar selbst in seinem Amt nicht zu allen durchdringen (angeblich wird er von den Hardlinern als zu liberal kritisiert) aber ich denke doch eher als jemand der komplett außerhalb der Kirche steht.
Von daher freue ich mich besonders über solche guten Texte die aus der gläubigen Community selbst kommen, sei es die muslimische, christliche oder sonstige. Es steigert die Hoffnung dass es doch einige zum Nachdenken bringt.
Es empfiehlt sich z.B. auch immer wieder bei Reizthemen wie dem Urknall oder der Evolution usw. auf gläubige Wissenschaftler zu verweisen - ansonsten hat man bei einigen überhaupt keine Chance bei dem Thema überhaupt durchzuringen. Gibt leider immer noch zu viele die aus Glaubensgründen Wissenschaft verleugnen.


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NormanRae #7

Ein guter und wichtiger Kommentar gegen den Chor der Relativierung dieses scheußlichen Verbrechens, der in den letzten Tagen auf verschiedensten Ebenen bereits angestimmt wurde.


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fiete.hansen #10

"Der Islam ist eine Idee davon, was Gott und was der Zweck seiner Schöpfung sein mögen. Wir Muslime entscheiden täglich darüber, wie wir diese Idee leben und damit auch darüber, ob sie uns zur Gewalt oder zum Frieden führt."

Ein klarer und betont unpolemischer Artikel mit einer Zusammenfassung, die für alle fundamentalistischen Religionen und deren Angehörigen gelten sollte.

Nur befürchte ich, dass die Ratio nicht bei Fanatisten ankommt.


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mcurmel #12

Ein sehr guter Beitrag.
Leider dürfte Herr Kaymann aber der sprichwörtlich einsame Rufer in der Wüste sein.


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Carina Si-Fi #12.1

...so einsam ist er nicht, nur das Problem - Muslime, die es so sehen wie Kayman werden diffamiert und bedroht, brauchen nicht selten Personenschutz.


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olaola #20

Danke für den Artikel. Zwischen Rechten die so gerne "Murat den Messerstecher" heraufbeschwören und Linken bei welchen Islamophobie einzig ein politisches Kampfwort ist, brauchen wir mehr Debatte über dieses Thema!


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Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on October 29, 2020, 03:22:10 PM
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[...] Ein neuer schwerer Terroranschlag hat Frankreich getroffen. Ein Mann ist am Donnerstagvormittag kurz vor neun Uhr in die Kirche Notre-Dame de l’Assomption im Zentrum von Nizza eingedrungen und hat mehrere Menschen mit einem Messer angegriffen, wie die Polizei mitteilte. Zwei Frauen und ein Mann starben, mehrere wurde verletzt. Eine der Frauen wurde enthauptet. Der Attentäter, der mehrfach „Allahu Akbar“ (Allah ist groß) rief, wurde beim Einsatz der Sicherheitskräfte durch Schüsse schwer verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.

Nach französischen Medienberichten wurden zudem in Avignon am Vormittag ein mit einem Messer bewaffneter Mann von der Polizei erschossen. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.

Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm am Donnerstagvormittag die Ermittlungen zum Fall in Nizza. Dabei gehe es unter anderem um den Vorwurf des Mords in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben, bestätigte die Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur. Frankreich rief die höchste Terror-Warnstufe aus. Sie gilt landesweit, wie Regierungschef Jean Castex am Donnerstag in Paris mitteilte. Castex verurteilte die „ebenso feige wie barbarische Tat, die das ganze Land in Trauer versetzt“.

Nach Angaben des Bürgermeisters von Nizza, Christian Estrosi, wurden die Opfer in seiner Stadt auf die „abscheulichste Art“ getötet; der Attentäter wollte offenbar ähnlich wie beim Angriff auf den Lehrer Samuel Paty vorgehen, sagte Estrosi, der am 16. Oktober bei einer Schule in der Nähe von Paris von einem Terroristen erstochen und enthauptet wurde. Zwei Opfer starben noch in der Kirche, es handelt sich um den Küster und um eine 70 Jahre alte Frau. Das dritte Opfer, eine 40 Jahre alte Frau, konnte sich in eine Bar in der Nähe flüchten, erlag dort jedoch ihren Verletzungen.

Der Bürgermeister von Nizza forderte im Radio eine Verstärkung der Polizeipräsenz an allen Kirchen Frankreichs. „Einmal mehr bezahlen die Franzosen durch ein barbarisches Verbrechen einen hohen Preis“, sagte Estrosi. Nizza ist am 14. Juli 2016 von einem schweren Terroranschlag heimgesucht worden, als ein Attentäter mit einem Lastwagen 86 Menschen tötete. Seitdem gab es zahlreiche Anschläge mit tödlichen Folgen in Frankreich. Am 26. Juli 2016 drangen zwei Islamisten in der kleinen Gemeinde Saint-Étienne-du-Rouvray in Nordfrankreich in die Kirche ein und töteten den Priester Jacques Hamel mit einem Messer.

Bürgermeister Estrosi sagte am Mittwoch, Frankreich befinde sich in einem Krieg und müsse mit allen Mitteln gegen die Feinde der Republik vorgehen. Es könne nicht angehen, dass aufgrund von Datenschutz-Bedenken die elektronische Gesichtserkennung nicht genutzt werde, dass man Ausländer, die bekanntermaßen gefährlich seien, nicht ins Ausland abschiebe und dass man Franzosen mit hohem terroristischem Gefährdungspotential in den Gefängnissen nicht konsequent isoliere.

Präsident Macron traf am frühen Nachmittag in Nizza ein. Er hatte am Vormittag bereits einen Krisenstab im Innenministerium in Paris besucht, der rasch einberufen worden war. Macron wird unter anderem von Innenminister Gérald Darmanin, Justizminister Éric Dupond-Moretti und dem Anti-Terrorstaatsanwalt Jean-François Ricard begleitet, hieß es am Donnerstag aus Élyséekreisen. Macron wollte etwa mit Sicherheitskräften und dem Bürgermeister Estrosi sprechen.

Vor dem französischen Konsulat im saudi-arabischen Dschedda wurde am Donnerstagvormittag indes eine Wachperson, die für eine Sicherheitsfirma arbeitet, mit einem Messer angegriffen und verletzt. Ein Mann wurde in diesem Zusammenhang verhaftet, wie die Botschaft Frankreichs in Saudi-Arabien mitteilte. Der Mann sei um die 40 Jahre alt und habe den Wächter mit einem „scharfen Werkzeug“ angegriffen, sagte Polizeisprecher Mohammed al-Ghamdi demnach. Die genauen Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar.

Die französische Botschaft in Riad sprach in einer Mitteilung von einer „Messerattacke“. Der verletzte Wachmann sei bei einer Sicherheitsfirma angestellt, erklärte die Botschaft, ohne dessen Staatsangehörigkeit zu nennen. Saudische Sicherheitskräfte hätten den Täter unmittelbar nach dem Angriff überwältigt. Die Botschaft verurteilte die Attacke scharf. Man habe das Vertrauen in saudische Behörden, die französische Gemeinde im Land zu schützen. Franzosen in Saudi-Arabien wurden zugleich zu „höchster Wachsamkeit“ aufgerufen.


Aus: "Drei Tote und mehrere Verletzte bei Messerattacke in Nizza" Christian Schubert, Paris (29.10.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/drei-tote-und-mehrere-verletzte-bei-messerattacke-in-nizza-17025489.html (https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/drei-tote-und-mehrere-verletzte-bei-messerattacke-in-nizza-17025489.html)

Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on October 31, 2020, 01:27:30 PM
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[...] PARIS taz | Am Tag nach dem Attentat auf die Basilika Notre-Dame de l’Assomption in Nizza, bei dem zwei Menschen getötet und drei verletzt wurden, herrscht in Frankreich „höchste Alarmstufe“. Denn weitere Anschläge solcher Einzeltäter sind zu befürchten. Zwei Wochen zuvor hatte ein Tschetschene den Lehrer Samuel Paty, der Mohammed-Karikaturen im Unterricht behandelt hatte, enthauptet. Am 25. September hatte ein Pakistaner vor den früheren Büros der Satirezeitung Charlie Hebdo an der Rue Appert in Paris zwei Menschen mit einem Fleischerbeil schwer verletzt.

Bei dem Täter von Nizza handelt es sich um den 21-jährigen Tunesier Brahim A., der laut italienischen Behörden am 20. September mit ande­ren afrikanischen Geflüchteten auf der ­italienischen Insel Lampedusa angekommen und zwei ­Wochen später von den Behörden nach Bari weitergeschickt worden sei. Am Freitag bekannte sich eine tunesische Terrorgruppe namens „Die An­hän­ger von Mehdi“ zu dem Attentat. Offensichtlich war Brahim A. in ihrem Auftrag unterwegs.

Vorgehen und Profil der Täter weisen Parallelen auf. Neben den ideologischen Motiven, die sich mehr oder weniger explizit auf Appelle islamistischer Terrororganisationen wie den „Islamischen Staat“ (IS) oder al-Qaida zum „Dschihad“ beziehen, ist die Herkunft dieser Attentäter ins Zentrum der politischen Diskussionen gerückt. Als Erste stellte die Parteichefin des ausländerfeindlichen Rassemblement national (Ex-FN), Marine Le Pen, einen Zusammenhang zwischen Terror und Migration her. Sie forderte eine „Kriegsgesetzgebung“, um die Terroristen adäquat zu bekämpfen.

Aber auch ein Wortführer der konservativen Partei Les Républicains, der Abgeordnete Bruno Retailleau, erklärte unter Hinweis auf die Täter der jüngsten Anschläge: „Es besteht eine Verbindung zwischen einer unkontrollierten Immigration in Frankreich und der Islamisierung.“ Er forderte, dass die Regierung dem deutlich Rechnung trage: „Die Attentate werden nicht aufhören, solange der Unordnung der Migration kein Ende gesetzt wird.“

Sein Parteikollege Eric Ciotti forderte die Einrichtung eines „Guantánamo à la française“ zur präventiven Inhaftierung radikaler Islamisten: „Wir brauchen eine administrative Verwahrung für diejenigen, die bei uns als potenzielle Staatsfeinde registriert sind. Für die Gefährlichsten unter ihnen, um sie zu isolieren und unschädlich zu machen.“

Eine Inhaftierung ohne Gerichtsurteil ist illegal und widerspricht dem Rechtsempfinden in Frankreich. Soll Frankreich genau die Freiheiten und Bürgerrechte einschränken oder gar infrage stellen, welche die Republik gegen den Obskurantismus von Fanatikern verteidigen muss?

Bei einer Sitzung des Verteidigungsrats zur nationalen Sicherheit unter Leitung von Präsident Emmanuel Macron wurde beschlossen, 4.000 zusätzliche Militärs im Rahmen der Operation „Vigipirate“ einzusetzen. Bereits seit der Anschlagsserie von 2015 gehören die mit Maschinenpistolen bewaffneten und in den Städten patrouillierenden Uniformierten zum Straßenbild. Daran gewöhnt hat sich die Bevölkerung nicht.

Macrons Präsidentschaft wird, schrieb Libération am Freitag, zu einem „permanenten Notstand“. Seine Autorität und Popularität wird dadurch aber nicht gestärkt. Denn die Restriktionen im Alltag zur Bekämpfung des Terrorismus, aber auch zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie und der Bekämpfung der Wirtschaftskrise werden zu einem schwer zu akzeptierenden Dauerzustand.


Aus: "Terror in Frankreich: Eine Art von Guantánamo" Rudolf Balmer (30.10.2020)
Quelle: https://taz.de/Terror-in-Frankreich/!5722058/ (https://taz.de/Terror-in-Frankreich/!5722058/)

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[...] TUNIS taz | „Wieder einer von uns!“ So lautet eine der vielen Schlagzeilen tunesischer Medien am Tag nach dem Attentat von Nizza, bei dem drei Menschen getötet und zwar verletzt worden waren. In Tunesien, einem Land mit elf Millionen Einwohnern, wird mit Schock und Erstaunen aufgenommen, das nun bereits der dritte große Anschlag der vergangenen Jahre in Europa von einem jungen Tunesier verübt wurde.

Angeblich war Brahim Aissaoui Mitglied der bisher unbekannten Terrorgruppe „Söhne des Mahdi“. Auch wenn das Bekenntnis des Anführers, eines ehemaligen Drogendealers aus der Industriestadt Gafsa, eine Fälschung sein könnte – die vielen positiven Reaktionen von Sympathisanten auf sozialen Medien zeigen: das Vorzeigeland des arabischen Frühlings hat ein Terrorproblem. Mit der andauernden Migration nach Italien ist dieses Phänomen nun auch ein europäisches. 6000 junge Tunesier, so viele wie aus keinem anderen Land, waren nach 2011 in den Krieg nach Syrien und Libyen gezogen. Der Wunsch, sich dem Islamischen Staat oder Milizen anzuschließen, hatte oft finanzielle Gründe.

Seit der Niederlage des IS in Libyen und Syrien bleibt nur noch die Migration nach Europa, um der aktuellen Wirtschaftskrise und der Stagnation in der tunesischen Provinz zu entfliehen.

Nach Recherchen des Radiosenders Mosaique FM hatte sich Brahim Aissaoui aus der Hafenstadt Sfax zusammen mit anderen Migranten per Boot auf den Weg nach Lampedusa gemacht. Am 20. September waren 21 Boote auf der 130 Kilometer von Sfax entfernten italienischen Insel angekommen. Wahrscheinlich machte sich der 21jährige dann mithilfe tunesischer Schlepper auf den Weg nach Frankreich.

Fast 10.000 meist junge Tunesier sind in diesem Jahr auf einer ähnlichen Route nach Italien gekommen. Brahim Aissaoui wurde in Bari ein Bescheid übergeben, der ihn zum Verlassen Italiens auf eigene Kosten und innerhalb von sieben Tagen aufforderte. Doch wer sich aus den Hafenstädten Zarzis oder Sfax auf die Reise in den Schengen-Raum macht, weiß: Er wird so gut wie nie Asyl erhalten und sich in der Illegalität mithilfe von Netzwerken, oft Bekannte aus der Heimatstadt, durchschlagen müssen.

Zusammen mit seiner Familie lebte der 21 Jährige zuletzt in der Hafenstadt Sfax. Sein Vater arbeitet als Polizist, seine Mutter kümmert sich um seine neun Geschwister, seit zwei Jahren interessiere sich Brahim für Religion, berichteten die beiden am Freitag angereisten Journalisten.

Den tunesischen Behörden sind keine Straftaten oder radikalen Ansichten von Aissaoui bekannt. Ihre Aussagen gleichen denen der Eltern der anderen Attentäter aufs Wort. Wie sich ihre Söhne in scheinbar in kurzer Zeit radikalisiert hatten, blieb ihrem engsten Umfeld scheinbar verborgen.

Dass erfolgreiche politischen Reformen und die Radikalisierung vieler junge Männer aus marginalisierten Regionen kein Gegensatz sind, liegt an dem starken sozialen Gefälle in der Gesellschaft. Doch statt mit Investitionen die Situarion zu verbessern, setzt der tunesische Staat auf Polizeigewalt wie zu Zeiten der Ben Ali Diktatur.

In Tunesien ist selbst das Hochladen von Inhalten radikaler Gruppen strafbar. Tausende junge Männer sitzen in Gefängnissen, weil sie Videos radikaler Gruppen auf ihren Facebookseiten geteilt oder angesehen haben. Das Innenministerium führt nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als 100.000 Tunesier als Gefährder. Wer unter dem verdacht steht ein militanter Islamist zu sein, findet keinen Arbeitsplatz und kann keine Wohnung mieten.

Auch Verwandte der Betroffenen erhalten regelmäßig Besuch von den Sicherheitsbehörden. In Gefängnissen radikalisieren sich viele junge Männer, die wegen Bagatelldelikten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt sind.

Brahim Aissaoui war zwar nicht als Gefährder eingestuft, jedoch nach Recherchen tunesischer Journalisten einige seiner Freunde. Auch die in Tunesien scharf geführte Debatte über die Mohamed-Karikaturen könnte Brahim Aissaoui radikalisiert haben.

Ein Abgeordneter des tunesischen Parlamentes hatte mit seiner positiven Reaktion auf den Mord an dem Pariser Lehrer Patrick Paty für Empörung gesorgt. Rached Khiari war letztes Jahr für die religiös-radikale Karama-Partei gewählt worden und schrieb auf seiner Facebook Seite, dass die Beleidigung des Boten Gottes das größte aller Verbrechen sei. „Jeder, der dieses Verbrechen begehe, müsse mit Konsequenzen rechnen.“

Die tunesische Regierung verurteilte den Mord an Paty und das Attentat von Nizza scharf. Die Anti-Terror-Behörde ermittelt gegen Aissaoui und verhört derzeit dessen Eltern und eine unbekannte Zahl von Verwandten. Die Wirtschaftskrise durch die Covid-Pandemie wird auch die Gräben in der Gesellschaft weiter vertiefen. 10 Jahre nach dem Ende der Diktatur steht Tunesien vor den wohl größten Herausforderungen seit der Unabhängigkeit.


Aus: "Tunesien und die Bluttat in Nizza: „Wieder einer von uns!“" Mirco Keilberth (30.10.2020)
Quelle: https://taz.de/Tunesien-und-die-Bluttat-in-Nizza/!5724917/ (https://taz.de/Tunesien-und-die-Bluttat-in-Nizza/!5724917/)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on November 03, 2020, 10:53:02 AM
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[...] Wien – Bei einem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt sind am Montagabend, zu Allerseelen, vier Zivilisten – zwei Männer und zwei Frauen – sowie ein mutmaßlicher Täter getötet worden. 17 Menschen wurden verletzt, darunter ein 28-jähriger Polizist. Der Anschlag nahm gegen 20 Uhr in der Seitenstettengasse, nahe einer Synagoge, seinen Ausgang, insgesamt gab es sechs Tatorte in der Innenstadt. Die Polizei erschoss einen der mutmaßlichen Attentäter.

Der mutmaßliche Täter sei ein Sympathisant der Terrormiliz IS gewesen, mit Sturmgewehr und Sprengstoffattrappe ausgestattet, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen. Man führe intensive Ermittlungen im Umfeld des Täters durch.

Ob es einen oder mehrere weitere Angreifer gibt, ist nach Informationen der Polizei Wien noch Gegenstand der Ermittlungen. Für Dienstagvormittag wurde ein Sonderministerrat und ein Parteien-Krisentreffen einberufen.

... Der Terrorakt erstreckte sich auf sechs Tatorte. In der Seitenstettengasse fielen erste Schüsse, in unmittelbarer Nähe der Synagoge. In einem "zeitlichen Zusammenhang", so die Polizei, gab es dann Vorfälle an weiteren fünf Innenstadtorten, alle in räumlicher Nähe zum Ausgangspunkt. Die weiteren Orte waren nach Angaben von Harald Sörös, Sprecher des Innenministeriums, der Morzinplatz, das Salzgries, der Fleischmarkt, der Bauernmarkt und der Graben. Berichte über eine Geiselnahme in einem Lokal auf der Mariahilfer Straße erwiesen sich als falsch.

... Die Hintergründe des Anschlags waren lange unklar. Dienstagfrüh wurde ein islamistischer Hintergrund von Innenminister Nehammer bestätigt. Das auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen SITE hatte bereits im Vorfeld auf seiner Homepage einen Jihadisten zu dem mutmaßlichen Anschlag in Wien zitiert: "Jihadist sagt, der Angriff in Wien ist 'Teil der Rechnung' für die österreichische Beteiligung an der US-geführten Koalition", hieß es dort in einem Satz.

Ein Video zeigte dramatische Szenen aus der Seitenstettengasse. Ein mit einer Langwaffe bewaffneter Mann läuft die Gasse entlang und schießt auf einen vor einem Lokal stehenden Mann, der daraufhin zusammenbricht. Kurz darauf kehrt der Täter zurück und schießt mit einer Pistole aus kurzer Distanz ein zweites Mal auf den am Boden liegenden Mann.

... Die Schüsse vor der Synagoge in der Wiener Innenstadt wecken schreckliche Erinnerungen an den Sommer im Jahr 1981, als zwei palästinensische Terroristen von der Abu-Nidal-Gruppe jüdische Gläubige vor der Synagoge in der Seitenstettengasse mit Handgranaten und Maschinenpistolen angriffen. Zwei Personen starben, 18 Menschen, darunter drei Kinder, wurden damals verletzt. (red, APA, 3.11.2020)



Aus: "Terroranschlag in Wien: Ein Überblick" (3. November 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000121392028/terroranschlag-in-wien-mit-mindestens-zwei-toten-ein-ueberblick (https://www.derstandard.at/story/2000121392028/terroranschlag-in-wien-mit-mindestens-zwei-toten-ein-ueberblick)

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[...] Der Attentäter, der nach dem Anschlag in der Wiener Innenstadt von der Polizei erschossen worden ist, war 20 Jahre alt, hatte nordmazedonische Wurzeln und war einschlägig wegen Mitgliedschaft in einer terroristischer Vereinigung vorbestraft. Das teilte Österreichs Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) der Nachrichtenagentur APA am Dienstag mit. Der Attentäter besaß nach Angaben von Nehammer neben der österreichischen auch die nordmazedonische Staatsbürgerschaft. „Er war mit einer Sprengstoffgürtel-Attrappe und einer automatischen Langwaffe, einer Faustfeuerwaffe und einer Machete ausgestattet, um diesen widerwärtigen Anschlag auf unschuldige Bürgerinnen und Bürger zu verüben“, sagte der Innenminister. Wie Nehammer weiter erklärte, habe es umfangreiche Razzien im Umfeld des Täters gegeben. Dabei seien mehrere Personen festgenommen worden.

Österreich ehrt die Opfer des Terrorakts vom Montagabend mit einer dreitägigen Staatstrauer. Das beschloss der Sonder-Ministerrat am Dienstag in Wien. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern, den Verletzten und den Angehörigen in diesen besonders schweren Stunden für die Republik Österreich“, sagte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) vor dem Kabinett. Die Staatstrauer gilt bis einschließlich Donnerstag. Die Ereignisse hätten das Land schwer erschüttert und betroffen gemacht. Es handele sich bei der Attacke um eine „abscheuliche Tat“ und „einen Anschlag auf die Freiheit und Demokratie der Republik Österreich“, sagte Kurz. Am Dienstag, dem ersten Tag der Staatstrauer, sollte um 12 Uhr eine „Minute des stillen Gedenkens“ eingehalten werden. Die Schulen sollen zu Beginn des Unterrichts am Mittwoch eine Gedenkminute einhalten.

Zuvor hatten Medien berichtet, dass der Mann dem österreichischen Geheimdienst bekannt sei, weil er einer von 90 österreichischen Islamisten gewesen sei, der nach Syrien reisen wollte, schrieb der Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung „Falter“ Florian Klenk auf Twitter. Die Eltern des Verdächtigen seien aus Nordmazedonien und in Sachen Islamismus unauffällig. Dass er in Wien einen Terroranschlag geplant habe, habe die Polizei ihm nicht zugetraut, schrieb Klenk.

Der Attentäter hatte am Montagabend vier Menschen in der Innenstadt getötet. Der Schütze – vielleicht waren es auch mehrere – feuerte wahllos auf Passanten und Gäste in Restaurants. Zwei Frauen und zwei Männer starben. 14 wurden verletzt, sechs von ihnen schwer, Sie werden in Wiener Krankenhäusern behandelt. Zu den Schwerverletzten gehört ein 28 Jahre alter Polizist. Er versah seinen Streifendienst in der Innenstadt, als er dem Schützen begegnete und von ihm angeschossen wurde.

Ein Täter wurde durch Schüsse der Polizei getötet – nach Angaben des Wiener Polizeipräsidenten wurde er um 20:09 Uhr „neutralisiert“, rund zehn Minuten nachdem die ersten Schüsse gefallen waren. Er war mit einem Sturmgewehr, einer Pistole und einer Machete bewaffnet und trug die Attrappe eines Sprengstoffgürtels. Der erschossene Täter konnte durch die Behörden nach offiziellen Angaben identifiziert werden. Er sei ein islamistischer Terrorist und „Sympathisant der Terrormiliz IS“ gewesen, sagte Innenminister Karl Nehammer am frühen Dienstagmorgen.

In Medienberichten war auch davon die Rede, dass der Mann auf Instagram seine Tat angekündigt und sich mit IS-Symbolen umgeben habe. Die Polizei gab an, man habe die Wohnung des Mannes aufgesprengt und durchsucht. Die Frage einer Wiener Zeitung, ob dies die Explosion im Arbeiterstadtteil Simmering gewesen sei, über die Leser berichtet hätten, blieb auf der morgendlichen Pressekonferenz des Innenministers und zweier Polizeigeneräle unbeantwortet.

Unklar ist auch noch, ob es Zufall war oder einem antisemitischen Motiv entsprang, dass die ersten Schüsse offenbar in jener Gasse gefallen sind, in der auch die Israelitische Kultusgemeinde ihren Sitz und eine Synagoge hat. Jedenfalls befinden sich dort auch Restaurants, auf deren Gäste der Täter sein Feuer gerichtet hatte – so wie es dann auch in den umliegenden Gassen geschah. Am Montag war der letzte Abend vor der pandemiebedingten Schließung der Gastronomie in Österreich. Zudem war mildes Wetter. Daher konnte mit vielen Gästen und Passanten in der Gegend um den Schwedenplatz gerechnet werden, die als Kneipenviertel scherzhaft auch als das „Bermudadreieck“ bezeichnet wird.

Nicht ganz sicher erscheint am Dienstagmorgen, ob es weitere Mordschützen am Schauplatz gegeben hat. Innenminister Nehammer sprach von „mindestens“ einem Attentäter. Zeugenberichte vom Abend schienen darauf hinzudeuten, dass es mehr als einen gebe. Auch war von sechs Schauplätzen die Rede, an denen geschossen wurde. Allerdings befinden sich die genannten Orte sämtlich in einem kleinen Radius, der unter Umständen auch von einer Person zu Fuß abgedeckt werden könnte. Die Polizei rechnet offenbar weiterhin damit, dass es weitere gegeben haben könnte, und sucht mit Hochdruck nach ihnen.

Die Wiener Innenstadt bleibt eine Zone, die gemieden werden soll. U-Bahnen halten dort seit Betriebsbeginn am Morgen allerdings wieder an allen Stationen. In der Nacht nach dem Anschlag wurden die Haltestellen im ersten Bezirk vorerst ausgelassen, Straßenbahnen wurden umgeleitet. In der ganzen Stadt soll man jedoch weiterhin möglichst zu Hause bleiben. Die Wiener Schüler erhielten am Dienstag schulfrei.


Aus: "20 Jahre alter Attentäter war einschlägig vorbestraft" (03.11.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/wien-islamistischer-anschlag-vor-dem-corona-lockdown-17033399.html (https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/wien-islamistischer-anschlag-vor-dem-corona-lockdown-17033399.html)
Title: Terror als Themenfeld...
Post by: Link on November 25, 2020, 09:57:28 AM
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[...] Der Vorfall geschah kurz vor 14 Uhr im Manor an der Piazza Dante, wie sowohl die Tessiner Kantonspolizei als auch die Stadtpolizei Lugano meldeten. Die Angreiferin - Schweizerin mit Wohnsitz in Lugano - griff zwei Frauen an.

Gemäss der Mitteilung packte sie die erste Frau mit den Händen am Hals und verletzte die zweite mit einem Messer. Eine der Frauen erlitt gemäss der Polizei schwere, aber nicht lebensbedrohliche Verletzungen, die andere wurde leicht verletzt. Wie das Online-Portal tio.ch schrieb, hatte die Täterin beim Angriff «Allahu Akbar» («Gott ist gross») gerufen. Diese Angaben sind aber noch nicht verifiziert. Der Tessiner Staatsratspräsident Norman Gobbi (Lega) und Kantonspolizeikommandant Matteo Cocchi sagten an der Medienkonferenz, diese Information werde noch untersucht.

Die Angreiferin konnte von Kunden überwältigt und schliesslich von der Polizei verhaftet werden, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Die Kantonspolizei schliesse terroristische Motive nicht aus und arbeite eng mit dem Bundesamt für Polizei fedpol, der Polizei der Stadt Lugano und anderen Behörden zusammen.

... Auch die muslimische Menschenrechtsaktivistin Saïda Keller-Messahli kommentierte das Drama von Lugano. «Die Täterin ist vermutlich eine zum Islam konvertierte und radikalisierte Schweizerin. In den Moscheen wird notabene um die Wette konvertiert...», schreibt die tunesisch-schweizerische Bürgerin.


Aus: "Tessin
Islamistischer Terror in Lugano?" Gerhard Lob (24.11.2020)
Quelle: https://www.bzbasel.ch/schweiz/islamistischer-terror-in-lugano-28-jaehrige-attackiert-zwei-frauen-mit-messer-taeterin-war-polizeibekannt-139983785 (https://www.bzbasel.ch/schweiz/islamistischer-terror-in-lugano-28-jaehrige-attackiert-zwei-frauen-mit-messer-taeterin-war-polizeibekannt-139983785)
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[...] Eine Frau mit möglichen Sympathien für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat in Lugano im Schweizer Kanton Tessin zwei Passantinnen in einem Warenhaus mit einem Messer angegriffen. Nach Polizeiangaben wurde eine der Frauen schwer, die andere leicht verletzt. Beide befinden sich demnach nicht in Lebensgefahr.

Die Polizei nahm die Täterin fest. Demnach handelt es sich um eine 28-jährige Schweizerin mit Wohnsitz in Lugano. Nach Angaben des Kommandanten der Tessiner Kantonspolizei, Matteo Cocchi, war sie der Polizei bekannt.

Inzwischen hat die Schweizer Bundesanwaltschaft Ermittlungen wegen Terrorverdachts aufgenommen. Die Bundespolizei Fedpol teilte mit, es handele sich um einen "mutmaßlichen terroristisch motivierten Angriff".

Gegen die Täterin wird wegen des Verdachts der versuchten vorsätzlichen Tötung, der schweren Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Verbot der extremistischen Gruppierungen Al-Kaida und IS ein Strafverfahren eröffnet. Die Polizei gehe Hinweisen nach, wonach die Frau Sympathien für den IS geäußert haben soll.

Mit Verweis auf regionale Medien berichtet die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), die Täterin habe während des Angriffs "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen, eine religiöse Formel des Islam, die der IS als Schlachtruf gebraucht. Der NZZ zufolge habe die Frau eines der Opfer am Hals gepackt und die andere Passantin mit einer Stichwaffe am Hals verletzt. Das Messer habe sie demnach aus der Haushaltsabteilung des Kaufhauses entwendet. Vor der Festnahme habe ein Paar die Täterin gestoppt.


Aus: "Terrorermittlungen nach Messerangriff einer Frau in der Schweiz" (24. November 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-11/terrorismus-verdacht-messerattacke-lugano-schweiz-islamischer-staat (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-11/terrorismus-verdacht-messerattacke-lugano-schweiz-islamischer-staat)

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Langdon #7

Ich frage mich ja immer, was ausgerechnet Frauen sich vom Märtyrertod erhoffen.
72 junge Männer?


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Snake Plissken #7.2

72 Informatikstudenten im achten Semester ;-)


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DasImperiumSchlägtZurück #7.7

Ah ja. Ich bin verwirrt. Ist das Gender 2.0?


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Korkensammelstelle #15

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/sh


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no-panic #15.1

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.


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Korkensammelstelle #16

Löschorgie hier.
Diskussion nicht möglich.
Gute Nacht.


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OlgaWolke #16.1

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/sh


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tschicks_freundin #26

Es hat etwas gedauert. Aber heute gab es dann endlich eine erste offene Diskussion über das Thema, die ich so sehr in den letzten Wochen vermisste; im ZDF, bei "Lanz", gab es erste Ansätze, Herr Lanz wirkte ziemlich "upgedated", es kam auch das Attentat auf das schwule Paar in Dresden zur Sprache.

Auch, wenn es im Politik-Talk mit Robert Habeck eher als eines von vielen Themen auftauchte, es taucht (endlich) auf.

Es wird sich keine Partei leisten können, dieses Thema auszusparen, gut wäre das ohnehin, um rechten Kräften, egal welcher Art, die das Thema instrumentalisieren (der AfD bleibt ja gerade kaum mehr), nicht weiter Aufwind zu geben.

Zu diesem Terror selber fehlen mir. fast, die Worte. Ich kann nur hoffen, dass die Frauen, die Angehörigen und Freunde das irgendwie überstehen, die mit diesem Schmerz und Wahn einer Frau "konfrontiert" wurden, es "verarbeiten" können.

Es klingt zynisch, aber, aus therapeutischer Sicht, weiß ich wovon, ich spreche in Bezug auf das, was solche "Erfahrungen" für Auswirkungen haben, auf lange lange Sicht.

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