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REALITY.SERVICES [REALITAETS.DIENSTE] => Journalismus - Nachrichten, Netz.Magazine, Medienkritik, etc. ... => Topic started by: Link on August 04, 2008, 01:48:45 PM

Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on August 04, 2008, 01:48:45 PM
Mittels Medienkritik verständigt sich eine Gesellschaft über ihre (Massen-)Medien, über deren Inhalte sowie deren Rezeption. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Medienkritik

Medienjournalismus thematisiert "die Medien" oder die Medien betreffende Sachverhalte, Ereignisse, Entwicklungen, Voraussetzungen usw.
http://de.wikipedia.org/wiki/Medienjournalismus

"Zur Kritik der Medienkritik" - Medien geben Orientierung. Medienkritik schafft Orientierung über diese Orientierungen. Sie bringt sie zur Sprache, deckt ihre Entstehungskontexte auf. In einer Gesellschaft, in der Weltanschauungen und Erlebnisweisen von Medien geprägt sind, ist die öffentliche Medienkritik ein unverzichtbares Medium gesellschaftlicher Verständigung und Selbstreflexion ... (Weiß, Ralph (Hrsg.) (2005): Zur Kritik der Medienkritik. Wie Zeitungen das Fernsehen beobachten. Berlin: Vistas.)
https://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/kmw-weiss/forschung-ausgewaehlte-themenfelder/medienkritik/

https://www.hans-bredow-institut.de/de/forschung/zur-kritik-medienkritik



"Marcus Klöckner - Medienkritik: Zu den Verwerfungen im journalistischen Feld"
ISBN 978-3-95788-057-4 (Heise Medien, 2016)
Die Rolle der Medien als "Hauptwirklichkeitsdeuter" der Gesellschaft ist zerbrochen, ihr Welterklärungsmonopol ist in weiten Teilen aufgebrochen. Mediennutzer setzen sich mit der Berichterstattung teilweise im Detail auseinander, markieren die Schwachstellen und scheuen sich nicht, auf die blinden Flecke bei der Nachrichtenproduktion hinzuweisen. ... Wenn etwa die Medienwissenschaftlerin Cornelia Mothes zu dem Ergebnis kommt, dass Journalisten im Umgang mit Informationen längst nicht immer Objektivität als Maßstab anlegen, dann wird verständlich, dass Kritik der Mediennutzer am Objektivitätsverständnis von Journalisten nicht aus der Luft gegriffen ist. Wenn der Politikwissenschaftler Thomas Meyer sagt, dass die große Meinungsvielfalt in der deutschen Presse Geschichte sei, dann erscheint auch die Kritik in einem anderen Licht, die ebenfalls immer wieder von einer zu einheitlichen Berichterstattung spricht. Der Schweizer Zeithistoriker Kurt Gritsch beleuchtet die Sphären des politischen Einflusses auf die Medien und erklärt: "Im Nachrichtengeschäft geht es um Interessen, nicht um Wahrheit." Eine Medienkritik, die tiefer schaut und die Bruchstellen im journalistischen Feld aufzeigt, ist dringend notwendig. An dieser Stelle setzt das Buch an. ...
http://www.heise.de/tp/ebook/ebook_27.html

resources for media theorists and analysts...
http://www.media-studies.ca/

Disinfopedia, a collaborative project to produce a directory of public relations firms, think tanks, industry-funded organizations and industry-friendly experts that work to influence public opinion
http://www.disinfopedia.org/ (http://www.disinfopedia.org/)

"FAIR, the national media watch group, has been offering well-documented criticism of media bias and censorship since 1986"
http://www.fair.org/

SourceWatch is a free encyclopedia of public relations firms, front groups, industry-friendly experts and think tanks that try to manipulate public opinion.
http://www.sourcewatch.org

"Code of Ethics" (Journalists should...)
Society of Professional Journalists // "Seek Truth and Report It"
http://www.spj.org/ethics_code.asp

Initiative Nachrichtenaufklaerung
Rangliste vernachlaessigter Themen und Nachrichten...
http://www.nachrichtenaufklaerung.de/

Medienpsychologie
Stichpunkte / Einordnung einer Disziplin (Prof. Hentrich)
http://www.uni-koeln.de/ew-fak/psycho/Petzold/material/medienpsychologie.pdf

Wikipedia: Journalist
"Journalist ist, wer Informationen sammelt, auswertet oder prueft sowie..."
http://de.wikipedia.org/wiki/Journalist

Investigativer Journalismus
"Investigativer Journalismus ist jener Zweig des Journalismus, der sich gewoehnlich auf ein sehr spezielles Thema..."
http://de.wikipedia.org/wiki/Investigativer_Journalismus

jonet - Das Journalistennetz: Forum zum Austausch von Informationen, Ideen und Meinungen für alle sein, die in den Medien arbeiten oder ein nachhaltiges Interesse an den Medien besitzen.
http://www.jonet.org/

Wie viel Staat ist nötig, wie viel privates Angebot? Schliessen sich demokratische Transparenz und schlauer Geschäftssinn aus? Ist die Epoche der Abonnenten vorbei? Jene der digitalen Medien auch schon Mittelalter? Zuletzt: Wo holen wir uns Wissen im Kampf gegen die Manipulation? Wie bilden wir uns morgen noch eine eigene Meinung? ...
http://medienkritik-schweiz.ch/


BILDblog - Notizen ueber eine grosse deutsche Boulevardzeitung
http://www.bildblog.de/

Stefan Niggemeier - Blogger und Journalist (Berlin)
http://stefan-niggemeier.de/blog/

SpiegelKritik
...die Manipulation sind viel subtiler. «Bild» ist dagegen der Holzhammer....
http://spiegelkritik.de/

Schaut man den SPIEGEL und dessen Ableger genauer an, so zeigt sich, dass viele Berichte faktisch nicht haltbar sind oder kritikwürdige Aussagen transportieren. Auch kommt es vor, dass der SPIEGEL zentral wichtige Informationen außer Acht lässt. SPIEGELblog möchte als journalistisches Internetangebot darauf aufmerksam machen
http://www.spiegelblog.net/

Magazin zum Thema
http://www.onlinejournalismus.de/

"MediaChannel is a media issues supersite, featuring criticism, breaking news, and investigative reporting from hundreds of organizations worldwide"...
http://www.mediachannel.org/

"Media Theory and Criticism" By Steve Hoenisch
http://www.criticism.com/md/index.html

Transparency - Media criticism by Ken Sanes
http://www.transparencynow.com/

"Journalisten unterliegen haeufig Fremdbestimmung" ( Medien/Kommunikation; pressetext.de; pte/23.03.2006)
Wien (pte030/23.03.2006/14:26) - Nur 15,3 Prozent der österreichischen Journalisten fühlen sich in ihrer Arbeit völlig unabhängig und frei. Die Mehrheit unterliegt, zumindest teilweise, der Einflussnahme von Außen, wie der "Journalistenbarometer 2006" von Marketagent.com http://www.marketagent.com und Ecker & Partner http://www.eup.at zeigt. 26,8 Prozent geben an, unter stärkerer oder starker Fremdbestimmung bei der Wahl ihrer Themen zu stehen. 1,2 Prozent der Journalisten sind völlig an Vorgaben gebunden. ...
http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=060323030

"Lügen und Wahrheiten im Krieg"
Wissenschaftler zeichnen die Geschichte der Kriegsberichterstattung nach Von Brigitte Baetz (Dradio; 2006)
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/politischeliteratur/505503/

Pressefreiheit in Deutschland ist ein Online-Magazin und Watchblog zum Thema Pressefreiheit. Hier werden – Beitrag für Beitrag – sämtliche relevante Fragen zum vielfältigen Thema der Pressefreiheit behandelt. ...
http://pressefreiheit-in-deutschland.de/

"KRIEG DER KÖPFE"
Medien als Waffe im Kampf um Meinungen, Haltungen und Ideologien | Dissertation von Sascha Carl (12. Dezember 2004); pdf 524 Seiten
https://athene-forschung.unibw.de/doc/85349/85349.pdf

SpinWatch
Government and corporate propaganda are increasingly seen as a serious problem that is undermining trust in democracy...
http://www.spinwatch.org/

"News War"
In a four-part special series, News War, FRONTLINE examines the political, cultural, legal, and economic forces challenging the news media today and how the press has reacted in turn...
http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/newswar/view/

Title: Medien / Journalismusforschung...
Post by: Link on February 13, 2013, 09:35:15 AM
Übermedien  (Boris Rosenkranz, Stefan Niggemeier)
Übermedien berichtet, Überraschung: über Medien. Über Fernsehen, Radio, Zeitungen, Zeitschriften, das Internet. Übermedien ist kritisch, unterhaltend, unabhängig. Übermedien ist kein Hobby und kein Blog, sondern ein professionelles Angebot von ausgebildeten Journalisten, finanziert vom Publikum. Wir machen das nicht nebenbei vom Sofa aus. Wir sitzen auf Stühlen an Tischen, wir gehen raus, berichten, reportieren, analysieren. ... Das Vertrauen in Medien ist dramatisch gesunken. Es gibt viele Belege dafür, dass die Beziehung zwischen Publikum und Journalisten gestört ist. Auf der einen, der Zuschauer-Seite, wuchern Pauschalurteile über die vermeintliche „Lügenpresse“; die andere Seite reagiert darauf oft mit Trotz.
Etablierte Medien tun sich schwer, mit Kritik umzugehen. Medienkritik stößt wegen Eigeninteressen, redaktionellen Befindlichkeiten oder mangelnder Bereitschaft zu Selbstkritik regelmäßig an Grenzen. Wir wollen uns frei machen von derlei Rücksichtnahme, indem wir uns von Verlagen und Sendern unabhängig machen. Wir setzen uns genau und kritisch mit Medien auseinander – und, wenn nötig, natürlich auch mit der Kritik an ihnen.
Denn was Medien produzieren, beschäftigt die Menschen. Es prägt unser Bild von der Welt. Es ärgert uns, es unterhält und amüsiert uns. Übermedien will deshalb nicht nur wütend machen (wo es nötig ist), sondern auch Spaß (wo es möglich ist). Wir sind nicht griesgrämig, sondern angriffslustig und gut gelaunt (oder wenigstens unterhaltsam schlecht gelaunt).

http://uebermedien.de/

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"Slavoj Zizek | Screening Thought - The Medias Problem With Philosophy" Länge 1 Std. 33 Min.  (Veröffentlicht am 23.06.2015)
Increasingly, intelligence is only tolerated in pre-approved and reassuringly non-challenging forms – deprecatory humor (Stephen Fry), decaffeinated reasoning (Alain de Botton), or suspiciously grand narratives (Simon Schama). Žižek himself is constantly pigeonholed by such media clichés as ‘the Elvis of cultural theory’ and ‘the Marx Brother’. This event sets out to question ‘what can be done?’ by serious thought in a culture of sound bites. Is the best that media philosophers can hope for to ‘Try again, fail again, fail better’?...
https://youtu.be/vnEnnnQOnBc

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Charakteristisch für Propaganda ist, dass sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt. Wer Propaganda betreibt, möchte nicht diskutieren und mit Argumenten überzeugen, sondern mit allen Tricks die Emotionen und das Verhalten der Menschen beeinflussen, beispielsweise indem sie diese ängstigt, wütend macht oder ihnen Verheißungen ausspricht. Propaganda nimmt dem Menschen das Denken ab und gibt ihm stattdessen das Gefühl, mit der übernommenen Meinung richtig zu liegen.
https://propagandaschau.wordpress.com/

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Journalismusforschung:"Ganz auf Linie mit den Eliten"
Marcus Klöckner 11.02.2013
Eine neue Studie analysiert die Berichterstattung von deutschen Spitzenjournalisten
Wie eng verbunden sind deutsche Spitzenjournalisten mit anderen Eliten unserer Gesellschaft? Und spiegelt sich die Verbundenheit zwischen Top-Journalisten und anderen Eliten auch in der Berichterstattung wieder?
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38515/1.html

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Der vorliegende Band zeigt anhand der Balkankriege und auf der Grundlage der Analyse von 157 Verträgen zwischen ex-jugoslawischen Kunden und amerikanischen PR-Agenturen exemplarisch, wie mit Hilfe von Public Relations Krisen- und Kriegskommunikation betrieben wird. Dabei untersuchen die Autoren, wie es mittels PR-Strategien als quasi privatisierter Propaganda gelingt, geschlossene Kommunikationskreisläufe zwischen Politik, Militär, Medien, NGOs und think tanks herzustellen, in denen die immer gleichen Kernbotschaften zirkulieren. ... „Nach der Lektüre dieses Buches weiß der Leser einmal mehr: Nichts ist, wie es scheint. Gerade im Hinblick auf die immer undurchschaubareren und ausgefeilteren Verflechtungen und das Verschwimmen der Grenzen zwischen Journalismus und PR sind kritische Bücher dieser Art von höchster Wichtigkeit.“(Norman Paech, Mitglied des Deutschen Bundestages und außenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE) ...
Prof. Dr. Jörg Becker, Mira Beham, 2. Auflage 2008, 134 S., Broschiert, ISBN 978-3-8329-3591-7
http://www.nomos-shop.de/Becker-Beham-Operation-Balkan-Werbung-Krieg-Tod/productview.aspx?product=493


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"Geleaktes CIA-Dokument belegt Kriegspropaganda" Jens Wernicke (22.06.2015)
"Krieg und Frauen haben sich medial endlich versöhnt!". Der Politikwissenschaftler Jörg Becker über Feminismus und junge Mädchen in der politischen Propaganda zur Erhöhung der Kriegsbereitschaft ... Der Council on Foreign Relations hatte eine Denkschrift über die neuen Aufgaben der cultural diplomacy angesichts des Krieges gegen den Terror vorgelegt. Auf den Punkt gebracht formulierte dieser Bericht die folgenden Erkenntnisse: Es gibt kein Land, in dem die USA beliebt sind. Um das zu ändern, müssten die USA mit den Mitteln der cultural diplomacy - Konferenzen, Kulturaustausch, Zeitungen, Radio, Fernsehen, Familien-, Städte-, Regional- und Länderpartnerschaften usw. - in anderen Ländern bevorzugt folgende Zielgruppen ansprechen: Frauen und Jugendliche. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45221/1.html

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"Frances Stonor Saunders: Wer die Zeche zahlt ... Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg" (19.03.2001)
Mit wachsendem Abstand zur Epoche des Kalten Krieges vermehren sich, vor allem in den USA und in Großbritannien, aufschlussreiche, solide recherchierte Innenansichten des Kalten Krieges. Dazu gehört eine 1999 bei Granta Books in London erschienene und alsbald mit einem Preis der Royal Historical Society ausgezeichnete Arbeit der britischen Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin Frances Stonor Saunders über den Kalten Krieg in der Kultur. Ihr Titel "Who Paid the Piper?" wurde in der soeben erschienenen deutschen Übersetzung treffend als "Wer die Zeche zahlt ..." wiedergegeben. Der Untertitel "Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg" lässt keine Missverständnisse darüber aufkommen, wer da als Zahler gemeint ist.
Merkwürdigerweise ist diese deutsche Ausgabe im konservativen Berliner Siedler Verlag herausgekommen und nicht, wie eher zu erwarten gewesen wäre, in einem linken Haus. Die Autorin vergeht nämlich nicht gerade vor Bewunderung für den kulturell organisierten Antikommunismus, dessen Spuren sie vor allem in US-amerikanischen Archiven und durch Befragung von überlebenden Zeugen jener Aktivitäten nachgegangen ist. Nun scheinen linke Einrichtungen in Deutschland zur Zeit vorwiegend mit der eigenen Nabelschau und mit Ritualen des Abschwörens beschäftigt zu sein, so dass es wiederum seine Logik hat, wenn eine an Zeitgeschichte und nicht an linken Verdauungsbeschwerden interessierte Arbeit in einem konservativen Verlag erscheint.
Im Mittelpunkt des Interesses von Frances Stonor Saunders steht jener 1950 in Westberlin gegründete "Kongress für kulturelle Freiheit", der erst vor kurzem von der Frankfurter Publizistin Ulrike Ackermann wieder mit einem runderneuerten Heiligenschein versehen wurde. Ihr von ahnungslosen deutschen Rezensenten mit Lob überhäuftes Buch "Sündenfall der Intellektuellen" erweist sich nun im Licht der Untersuchung der britischen Autorin als total überholt und vollkommen wertlos. Seine Kernaussage schrumpft zur lachhaften Märchenerzählung. ... Das Buch "Wer die Zeche zahlt... Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg" breitet seinen gewissenhaft erarbeiteten, zeitgeschichtlich äußerst lehrreichen Stoff auf eine angenehm unterhaltsame Weise aus. Es wimmelt von wissenswerten Anekdoten aus der Zeit des Kalten Kriegs, die noch nirgendwo zu lesen waren. ...
http://www.deutschlandfunk.de/frances-stonor-saunders-wer-die-zeche-zahlt-der-cia-und-die.730.de.html?dram:article_id=101548


Der Kongress für kulturelle Freiheit (Congress for Cultural Freedom, CCF) war von 1950 bis 1969 eine in Paris ansässige Kulturorganisation, die von der CIA beeinflusst und finanziert wurde. Seinem Selbstverständnis nach war der CCF eine Sammlung linksliberaler Intellektueller gegen den Totalitarismus.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kongress_f%C3%BCr_kulturelle_Freiheit


Das Ziel, die Verteidigung der Freiheit,  sei  zweifellos  richtig  gewesen,  aber die Wahl der Mittel zumindest „fragwürdig“. Kern der Untersuchung ist die Frage, in  welcher  Weise  der  US-Geheimdienst  die Kulturpolitik beeinflußte. Dahinter formieren sich weitere Detailfragen: Warum ließen sich Intellektuelle  und  Linke  überhaupt  für  den Kalten  Krieg  instrumentalisieren  oder  welche Auswahl traf der Geheimdienst unter den Intellektuellen.  Brisant  sind  natürlich  auch die  Fragen,  inwiefern  die  Instrumentalisierung  Einfluß  auf  das  künstlerische  Ergebnis gewann und ob der Geheimdienst politische Stromlinienförmigkeit vor künstlerische Qualität forderte. Die Praxis der kulturellen Kriegsführung, schreibt Saunders in der Einleitung, werfe zwangsläufig solche „beunruhigende Fragen“ auf. ...
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezbuecher&id=899&view=pdf (3 Seiten Einführung)

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"Medien: Wie die “Fünfte Gewalt“ Zustimmung der Menschen für Kriege herbeiführt - Kriegspropaganda im modernen Medienzeitalter" Dr. Sabine Schiffer (22. Juni 2015)
1990 hat ein böser Schurke (Saddam Hussein) ein völlig unschuldiges Opfer (Kuwait) überfallen, das der selbstlose Held (USA) retten musste. Diese märchenhafte Vorstellung ließ einen Krieg gegen die Iraker legitim erscheinen. Ausgeblendet blieben die komplexen Zusammenhänge und die nicht militärischen Alternativen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Horrorgeschichte von den tyrannischen irakischen Soldaten, die Brutkastenbabys an die Wand geschleudert hätten, von der PR-Agentur Hill & Knowlton erfunden worden war, um die moralische Verpflichtung zum „Eingreifen“ noch zu verstärken. ...
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15223


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Was Journalisten verdienen
➸ Was bekommst Du?
Bitte mitmachen und Honorar-Erfahrungen einreichen...
http://wasjournalistenverdienen.tumblr.com/

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"Uwe Krüger: Meinungsmacht" 16.09.2013
Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten - eine kritische Netzwerkanalyse
Reihe des Instituts für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung
...
Köln (Herbert von Halem Verlag) 2013
378 Seiten, 29,50 Euro, ISBN 978-3-86962-070-1
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58687

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on March 20, 2014, 08:16:47 PM
"Pressekodex: Schluss mit der Selbstzensur" Horst Pöttker (2. Oktober 2013)
Der Pressekodex muss geändert werden: Journalisten sollten die Herkunft von Straftätern nennen dürfen.
http://www.zeit.de/2013/41/pressekodex-straftaeter-herkunft

"Journalistische Korrektheit: Lieber politisch korrekt als politisch falsch" Canan Topçu  (24. Oktober 2013)
In der Berichterstattung die Herkunft von Straftätern zu nennen liefert keine Erklärung für die Tat – eine Replik
http://www.zeit.de/2013/44/berichterstattung-straftaeter-herkunft/komplettansicht

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"Chaos bei Zeit Online: Mal gilt der Ethik-Kodex, mal gilt er nicht"
Marcus Klöckner und Paul Schreyer 20.03.2014
Redaktion trennt sich von Autor, der für Russland Heute geschrieben hat - und misst mit zweierlei Maß ... Der Chefredakteur des Onlinemediums hat am 8. März kurzen Prozess gemacht und die Zusammenarbeit mit einem freien Autor beendet. Grund: Der ehemalige Russland-Korrespondent Moritz Gathmann, der für die Redaktion über die Ereignisse in der Ukraine berichtete, hatte auch für die vom Kreml finanzierte Publikation Russland Heute geschrieben. Zeit Online sah darin einen Interessenkonflikt und im Besonderen einen Verstoß gegen den hausinternen "Code of Ethics". Das Problem ist, dass der Ethik-Kodex bei Zeit Online offenbar nur selektiv Anwendung findet. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/41/41289/1.html


"Kurzer Prozess: »Zeit Online« und der geschasste 150-Euro-Reporter"
Es geht also nur und ausschließlich ums Prinzip. »Zeit Online« hat es vorher verschlafen, sich darum zu kümmern, ob der Reporter den Verhaltenskodex erfüllt, erzwingt diesen Verhaltenskodex aber im Nachhinein gnadenlos. ...
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/kurzer-prozess-zeit-online-und-der-geschasste-150-euro-reporter/

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Quote
25. März 2014 09:51
Interessante Berichterstattung in deutschen Medien
cooregan

Während heise den Hinweis darauf, dass sich für nicht-US-Bürger am
Überwachtwerden genau gar nichts ändert, sehr deutlich platziert,
findet sich dieser in einem Großteil der 'Leitmedien' bestenfalls am
Rande oder gar nicht. Beim Überfliegen des Textes könnte der hiesige
Leser den Eindruck gewinnen, auch für ihn wäre damit dieser Angriff
auf seine Grundrechte vorbei.

Und ich behaupte, dass das voll beabsichtigt ist. Denn das sind die
gleichen Leitmedien, die uns seit Wochen mit ihrer Berichterstattung
zur Ukraine einreden wollen, dass 'wir' zusammen mit den USA die
Guten seien, und nur der rote Russe der Böse.

Auch diese Berichterstattung passt wunderbar in die
Propagandamaschinerie der Transatlantiker, die mit dem Aufwärmen des
alten Feindbildes ihre eigenen Sauereien zudecken und dem MIK seine
absurd hohen Gelder sichern wollen.

Schön, dass sich heise - v.a. auch durch die sehr viel ausgewogenere
und pluralistischere Berichterstattung zur Ukraine auf telepolis - so
wohltuend von Tagesschau, Spiegel, Süddeutscher und Zeit abhebt.

gruß
cooregan


http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Interessante-Berichterstattung-in-deutschen-Medien/forum-276953/msg-24978634/read/

Quote
25. März 2014 12:20
Aber es besteht Hoffnung!
badera

"Der ZDF-Staatsvertrag ist in Teilen mit dem Grundgesetz unvereinbar.
Das entschied das Bundesverfassungsgericht und schränkte den Einfluss
von Staat und Parteien auf die Gremien des ZDF erheblich ein."

> http://www.tagesschau.de/inland/zdf-karlsruhe102.html
> http://www.heise.de/newsticker/meldung/Karlsruhe-schraenkt-Einfluss-der-Politik-aufs-ZDF-ein-2154181.html

http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Aber-es-besteht-Hoffnung/forum-276953/msg-24979653/read/


-.-

"Auf Kriegsfuß mit den Lesern" Paul Schreyer (15.04.2014)
Die Leitmedien verlieren in der Russland-Berichterstattung den Kontakt zur Bevölkerung - und wundern sich nun darüber. Was steckt hinter dem seltsamen Bruch mit dem eigenen Publikum?
http://www.heise.de/tp/artikel/41/41507/1.html


Title: ...
Post by: Link on April 15, 2014, 09:42:41 AM
"NSA-Skandal: Pulitzer-Preis für Snowden-Reporter" (15.04.2014)
Für die Enthüllung des NSA-Skandals haben die US-Ausgabe des britischen Guardian und die Washington Post den renommierten Pulitzer-Preis in der prestigeträchtigsten Kategorie "Dienst an der Öffentlichkeit" erhalten. Die beiden Zeitungen veröffentlichten Auszüge der von Edward Snowden gesammelten Geheimdienst-Dokumente und eröffneten damit die seit Monaten anhaltende internationale Debatte um die totale Kommunikationsüberwachung durch westliche Geheimdienste. Um zwei Blätter ehren zu können, war eigens die wichtigste der 21 Preiskategorien geteilt worden.
Die Washington Post bekomme den Preis für "die Enthüllung der weitreichenden Überwachung durch die National Security Agency (NSA), besonders die maßgeblichen und aufschlussreichen Berichte, die der Öffentlichkeit halfen, den größeren Rahmen zu verstehen". Beim Guardian klingt die Formulierung fast genau so. Hier wird hervorgehoben, dass die Zeitung "mit ihrer streitlustigen Berichterstattung geholfen hat, einen Funken an die Debatte um staatliche Überwachung und den Widerspruch zwischen Sicherheit und Privatsphäre zu legen".
Edward Snowden sagte in einer schriftlichen Reaktion, die Preise erinnerten daran, dass eine freie Presse das bewirken könne, wozu kein Einzelner alleine imstande sei. "Meine Anstrengungen wären ohne Einsatz, Engagement und Können dieser Zeitungen bedeutungslos gewesen", schrieb Snowden auf der Webseite der Freedom of the Press Foundation. Er gratulierte den Journalisten. Trotz außerordentlicher Einschüchterungen wie die erzwungene Zerstörung journalistischen Materials sowie eine unangemessene Anwendung der Terrorismusgesetze hätten sie mutig weitergearbeitet. ...

http://www.heise.de/newsticker/meldung/NSA-Skandal-Pulitzer-Preis-fuer-Snowden-Reporter-2169955.html

Quote
bernhardv, 15. April 2014 08:28
Doppelt gut dass es ja sogar ein US-amerikanischer Preis ist!

Dies macht den Preis in diesem Fall ja noch besser!

http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Doppelt-gut-dass-es-ja-sogar-ein-US-amerikanischer-Preis-ist/forum-278118/msg-25084409/read/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on April 25, 2014, 03:07:08 PM
22. April 2014 um 13:51 Uhr
Wie kam es zum neuen Ost-West-Konflikt und wie sich Medien auf der “Hauptstraße” aufführen
Verantwortlich: Albrecht Müller   
Wir haben vor Ostern in mehreren Beiträgen beschrieben, wie die Idee einer europäischen Friedensordnung zerstört wird. In den letzten Tagen gab es eine Reihe interessanter Beiträge zum Thema und dann auch wieder Belege für die Kampagne der Medien auf der „Hauptstraße“. Diese Medien sorgen sich bzw. sind empört darüber, dass das Volk mehrheitlich so widerspenstig ist, auf die Kampagnen gegen Russland zum Beispiel nicht hereinfällt und sich in Foren medienkritisch äußert. Medienkritik – wo gibt’s denn so was!
http://www.nachdenkseiten.de/?p=21493

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"Mediale Einseitigkeiten und Verlautbarungsjournalismus" Jochen Mitschka (29.04.2014)
Deutschland benötigt dringend neutrale und erklärende Nachrichten mit Reichweite - ein Kommentar
http://www.heise.de/tp/artikel/41/41621/1.html

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Bei der Berichterstattung über den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland gäbe es "entlarvende Automatismen", erklärt die Dozentin für Journalistik, Gabriele Krone-Schmalz.
NDR / ZAPP - 16.04.2014 23:20 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=22VfEe1RkH8


Verlautbarungsjournalismus
Kolumne, Dr. Sabine Schiffer (30.11.2012)
Bis zu 60 Prozent unserer täglichen Nachrichten sollen aus Pressemitteilungen
stammen. Je höher angesehen das Unternehmen, die Behörde oder eine Stiftung ist,
umso wahrscheinlicher ist der Abdruck oder das Senden der gewünschten Botschaft.
Dabei gehen Journalisten, die ihr Handwerk gelernt haben, oft genug mit dem
Mindeststandard journalistischen Arbeitens an die Sache heran: sie holen eine
zweite, möglichst gegenteilige Meinung ein. Dennoch sind sie schnell gefangen im
Agendasetting der interessegeleiteten Kommunikation. Immer seltener ist es
möglich, eigene Themen zu bestimmen, überhaupt darüber nachzudenken, was
wichtig und relevant wäre – von unabhängigen, sprich unverfärbten, Recherchen
kann man da fast nur noch träumen. ...

http://www.medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2009/10/20121130_IMV-Schiffer_Verlautbarungsjournalismus.pdf

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"Welttag der Pressefreiheit: Medien massiv unter Druck" (02.05.2014)
Um die "4. Gewalt" steht es international sehr schlecht: Die US-Organisation "Freedom House" konstatiert in ihrem Jahresbericht 2014 zum UN-Welttag der Pressefreiheit am Samstag einen neuen Tiefstand ihres Pressefreiheits-Index. Nur noch 14 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, denen Freedom House eine "freie" Berichterstattung attestiert. 44 Prozent leben demnach in Ländern, die als "unfrei" gelten, 42 Prozent in Staaten mit dem Stempel "teils frei". In einem Drittel der 197 untersuchten Länder wird demnach die Pressefreiheit mit Füßen getreten. ....
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Welttag-der-Pressefreiheit-Medien-massiv-unter-Druck-2181862.html


Quote
2. Mai 2014 19:22
China und Russland halten die Medien fest im Griff
mibome

Zitat: "China und Russland halten dem Report zufolge die Medien fest
im Griff und versuchen, unabhängige Sichtweisen ... zu unterdrücken."

Wenn man sich die deutsche Presse ansieht (z.B. letztens erst wieder
zur Ukraine-Krise), so hat man doch dasselbe Gefühl über die Medien
in DE. Nur linientreue Hofberichtserstattung, bis hin zur
unverhohlenen Propaganda, in JEDEM Medium, also nicht nur in Welt,
Speigel und GEZ-Staatsfunk, sondern praktisch überall. ...

http://www.heise.de/newsticker/foren/S-China-und-Russland-halten-die-Medien-fest-im-Griff/forum-278982/msg-25164664/read/

Title: ...
Post by: Link on May 12, 2014, 11:57:41 AM
"Das Netzwerk der transatlantischen Journalisten" Daniel Bröckerhoff (05.05.2014)
... Mit der Skepsis von Medienkonsumenten gegenüber der Berichterstattung im Fall der Ukraine-Krise haben sich auch schon meine Zapp-Kollegen Bastian Berbner und Sandra Aid beschäftigt. Der Film thematisiert zwar nicht die interessengeleiteten Verstrickungen, nennt aber andere Gründe dafür, dass deutsche Medien berichten, wie sie berichten...
http://www.carta.info/72357/das-netzwerk-der-transatlantischen-journalisten/

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Quote
[...] Verbindungsinformationen spielten im System des Geheimdienstes eine wichtige Rolle, da mit ihrer Hilfe detaillierte Profile angelegt und Betroffene gegebenenfalls auf "No-Fly"- oder sogar "Kill"-Listen landeten. Zu Zielen würden Ausgespähte zwar nicht "automatisch" rein mithilfe maschineller Auswertungen erklärt. Trotzdem kritisierte Binney das Verfahren scharf als "Schlächterei per Zufallsgenerator", was international als Schwerverbrechen angesehen werde. ...
Aus: "Ehemaliger NSA-Technikchef: "Der NSA gehört das Netzwerk"" (14.05.2014)
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ehemaliger-NSA-Technikchef-Der-NSA-gehoert-das-Netzwerk-2188605.html (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ehemaliger-NSA-Technikchef-Der-NSA-gehoert-das-Netzwerk-2188605.html)

Quote
deafdumbblind, 14. Mai 2014 08:31
Merkel bei Obama

Wenn Schröder und Putin zusammentreffen, empört sich der Boulevard.
Wenn jedoch Merkel mit dem Schwerverbrecher Obama innige Umarmungen
austauscht, ist das völlig in Ordnung.
Heuchelei pur.
http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Merkel-bei-Obama/forum-279531/msg-25217660/read/ (http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Merkel-bei-Obama/forum-279531/msg-25217660/read/)

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"Die nützliche Erfindung der "Pro-Russen"" Stefan Korinth (16.05.2014)
Seit Beginn des Ukraine-Konflikts zeigen die deutschen Medien mit dem Finger auf Moskau. Innerukrainische Erklärungen für den Konflikt spielen hingegen kaum eine Rolle. Als nützlichste Medien-Erfindung erweisen sich dabei die "Pro-Russen". Die Konfliktparteien in der Ukraine als "pro-russisch" und "pro-westlich" zu bezeichnen, hatte sich seit Beginn der Auseinandersetzung medial eingebürgert. Jedoch beschreiben solche Begriffe die beiden Lager mit all ihren Ausprägungen und inneren Widersprüche nur ungenügend und zum Teil auch falsch. So war Janukowitschs Politik lange positiv auf die EU ausgerichtet und Brüssel galt er als legitimer Verhandlungspartner. Wohingegen die Partei Swoboda und andere rechtsradikale Gruppen lieber eine national-souveräne als eine europäisch-integrierte Ukraine wollen. Schon im Dezember 2013 konnten diese Dinge jedem Journalisten mit ein wenig Recherche klar sein. ... die Identität dieser "pro-russischen Kräfte" bleibt auch medial im Ungefähren. Vielleicht sind sie aus dem großen Nachbarland eingesickert, um für ein imperiales Großreich zu kämpfen? Vielleicht sind sie ethnische Russen, die in der Ukraine leben und der russischen TV-Propaganda alles glauben? Nur eins dürfen sie nicht sein: Bewohner der Ukraine mit dem berechtigten Anspruch, Akteure innerukrainischer Debatten zu sein.
Für Spiegel-Autorin Christiane Hoffmann sind die Bewaffneten dort "Gesindel", für Welt-Kommentator Florian Eder "als einheimische Demonstranten verkleidete Unruhestifter" und für ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf einfach "Terroristen". Die Bewaffneten in der Westukraine bezeichnete kein Journalist so. Ganz klar: Professionelle Neutralität geht anders.  ...

http://www.heise.de/tp/artikel/41/41787/1.html

Title: ...
Post by: Link on May 19, 2014, 12:18:12 PM
"Ukraine: Der Qualitätsjournalismus versagt" Stefan Korinth (31. Januar 2014)
Redaktionen hätten zudem die Pflicht, bestimmte Sachverhalte des derzeitigen Konfliktes inhaltlich zu erläutern. Das ginge vor allem mit Recherche. Doch seit Beginn der Berichterstattung gibt es hierbei nur wenige Fortschritte. Ein Beispiel: Auslöser der Kiewer Demonstrationen war die präsidiale Weigerung das Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterschreiben. Doch was beinhaltet der Vertrag eigentlich? Welche „Reformen“ verlangt die EU? Was wären die Folgen für das Land? Was leistet die EU dabei? Und was genau ist das russische Gegenangebot der Zollunion? Warum kann die Ukraine nicht beide Verträge unterzeichnen? Der deutsche Medienkonsument wird allein gelassen. ... In deutschen Medien erläutern keine Politologen oder Osteuropaexperten, welches der Wahlbündnisse konservative, wirtschaftsliberale oder eher soziale Politik-Ziele verfolgt. Mehr als die Wikipedia-Lebensläufe der Führungsfiguren finden sich auch in den „Hintergrundinformationen“ selten. Kein Experte erzählt beispielsweise davon, dass es in der Ukraine an fortschrittlichen linken Parteien mangelt. Für die Einschätzung der Lage wäre es zudem gut zu wissen, welche wichtigen Gesetzesänderungen Janukowitschs „Partei der Regionen“ in den letzten Jahren vorgenommen und wer finanziell davon profitiert hat. Oder was eigentlich unter der „Orangenen Regierung“ passierte. Dass Vorgängerpräsident Juschtschenko 2010 mit einem Ergebnis von fünf Prozent abgewählt wurde. Oder woher Vitali Klitschkos junge Partei „Ukrainische demokratische Allianz für Reformen“ kommt. In Deutschland wissen die wenigsten, wie die Programmpunkte des früheren Boxers lauten. Dabei könnte die Konrad-Adenauer-Stiftung hierbei sogar Antworten in deutscher Sprache liefern. ... Der Unterschied zwischen PR-Leuten und Journalisten ist, dass Letztere sich um Neutralität und Aufklärung bemühen. Von Kiew aus verbreiten deutsche Korrespondenten jedoch eine erkennbar einseitige Sichtweise und machen sich damit zum Handlanger politischer Interessen. ... Die mit der Ukraine befassten Journalisten waren über mehr als zwei Monate hinweg nicht in der Lage, sich einen größeren Überblick über die Situation im Land zu verschaffen. Bei den wenigen existierenden Reportagen und Info-Blöcken reproduzierten sie meist nur Oberflächlichkeiten. Schließlich gehen sie Informationen nur einseitig nach, spielen problematische Sachverhalte wohlwollend herunter oder verschweigen sie ganz. Eine an qualitativen Kriterien orientierte Berichterstattung – differenziert, tiefgründig und neutral – findet nicht statt. Der von seinen Machern viel besungene Qualitätsjournalismus versagt. ...
http://www.nachdenkseiten.de/?p=20542

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Journalismus auf der #rp14
Von Markus Beckedahl (18.05.2014)
In vielen Vorträgen und Diskussionen auf der re:publica´14 ging es um Jornalismus und neue Öffentlichkeiten. Eine kleine Auswahl als Empfehlung für ein zeitsouveränes Anschauen habe ich hier zusammengestellt. ...
https://netzpolitik.org/2014/journalismus-auf-der-rp14-sehr-sehr-geiles-publikum/

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"Leitartikler und Machteliten" Marcus Klöckner (23.05.2014)
Leitende Redakteure der Wochenzeitung DIE ZEIT haben über Jahre deutsche Politiker zu verschwiegenen Bilderberg-Konferenzen eingeladen, darunter auch Helmut Kohl. Auch Spitzenjournalisten von anderen großen Medien sind in diversen Elitenetzwerken aktiv. Seitdem die Satire-Sendung "Die Anstalt" vor einem Millionenpublikum auf die Netzwerke deutscher "Alpha-Journalisten" aufmerksam gemacht hat, brodelt es hinter den Kulissen.  ... Herausgeber der ZEIT beschwert sich beim ZDF - Satire-Sendung "Die Anstalt" erhält Unterlassungserklärungen. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/41/41841/1.html

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"Berichterstattung über die Krim-Krise Blick aus der Blase" Hannah Beitzer (19. März 2014)
Machen es sich Medien damit zu einfach? Das jedenfalls glauben nicht wenige Experten und Journalisten, die nun die Berichterstattung rund um die Themen Ukraine und Krim kritisieren. Im Guardian schreibt etwa der australische Journalist Antony Loewenstein: "Niemand kann die Brutalität Putins bezweifeln. Aber die Art und Weise, wie westliche Medien über den Konflikt berichten, wirft doch einige Fragen auf." ...
http://www.sueddeutsche.de/politik/berichterstattung-ueber-die-krim-krise-blick-aus-der-blase-1.1914499

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"Kriegspropaganda: Eine Kiewer Ente im deutschen Blätterwald" Stefan Korinth (19.08.2014)
Hiesige Leitmedien bringen eine offensichtliche Falschmeldung von Petro Poroschenko über einen zerstörten russischen Panzerkonvoi. ... Dass deutsche Medien immer wieder Schwierigkeiten haben, eine professionelle Haltung gegenüber der Kiewer PR einzunehmen, ist mit vernunftbetonten Denkansätzen nicht erklärbar. Es scheint häufig nur darum zu gehen, Behauptungen unreflektiert zu vervielfältigen, damit westliche Polit-Eliten permanent Drohungen aussprechen können. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/42/42557/1.html

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"Déjà-Vu nach 13 Jahren" Stefan Korinth (11.09.2014)
Das Scheitern vor allem der Leitmedien an journalistischen Idealen wie Objektivität, Neutralität, Unabhängigkeit, kritischer Distanz, Sorgfalt oder Ergebnisoffenheit ist dabei mehr als nur eine Parallele zwischen 9/11 und dem Ukraine Konflikt. Die bedingungslos unkritische Unterstützung der nationalen Regierungslinie sowie der Einsatz für konkret nie benannte "westliche Werte" ist quasi die verbindende Konstante der Auslandsberichterstattung von damals bis heute und gleichzeitig eine Bankrotterklärung an das eigene Berufsethos. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/42/42732/1.html

Quote
[...] Berthold Bricht,  11. September 2014 09:16
Das Dilemma der vierten Säule

... Das Deja-Vu Erlebnis, das
hier beschrieben wird ist mitnichten die Bezichtigung eines
Bösewichtes ohne Beweise, sondern die unkritische und vorauseilende
Berichterstattung, die die normative Kraft des scheinbar Faktischen
benutzt um fragliche, weil auch komplexe Zusammenhänge in einfache
Aussagen umzuformen.

Dabei wird von den Medienhäusern immer wieder das Argument
eingebracht, Qualitätsjournalismus zu betreiben, was nicht nur ein
Euphemismus ist, sondern schlichtweg Irreführung, denn die Qualität
der Nachrichten läßt sich vom Empfänger nicht verifizieren. ...

http://www.heise.de/tp/foren/S-Das-Dilemma-der-vierten-Saeule/forum-285353/msg-25783860/read/

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"Einspruch unerwünscht – wie sich die Mainstream-Medien von ihren Lesern entfremden"
Jens Berger (10. September 2014)
Die FAZ erlaubt unter Online-Artikeln zum Themenkomplex Ukraine/Russland schon seit längerem keine Leserkommentare mehr. SPIEGEL Online geht da selektiver vor und schließt den Kommentarbereich erst dann, wenn die Leser die Artikel zu kritisch bewerten. Am konsequentesten ist jedoch die Süddeutsche, die ihren Kommentarbereich gleich ganz abgeschafft hat und Leserkommentare nun auf die sozialen Netzwerke auslagert. Währenddessen erreichen uns nahezu täglich Mails von Lesern, die uns darauf hinweisen, dass in den Kommentarbereichen nahezu aller großen Portale Leserkommentare mit Links auf die NachDenkSeiten nicht veröffentlicht oder meist kommentarlos gelöscht werden. Leserkritik ist bei den Mainstream-Medien offenbar unerwünscht. Doch das eigentliche Problem ist tiefgreifender. ... Wer sich am letzten Sonntag den ARD-Presseclub angeschaut hat, kam sich vor wie in einer Parallelwelt. Dort debattierten vier einflussreiche Journalisten mit dem nicht minder einflussreichen ARD-Programmdirekter Volker Herres über den NATO-Gipfel und waren sich eigentlich in allen wesentlichen Punkten einig – Russland sei voll und ganz für die Eskalation in der Ukraine verantwortlich, Putin ein Aggressor und die NATO ein friedliebender Garant der Demokratie und der Menschenrechte … man kennt diese Argumentationsmuster ja zu genüge. Den Part des Nonkonformisten durfte ausgerechnet Ines Pohl von der in außen- und sicherheitspolitischen Themen nur all zu konformistischen taz übernehmen. Wer die Sendung verpasst hat, hat eigentlich nichts verpasst. Beim Themenkomplex Ukraine/Russland sind sich die großen deutschen Medien in allen Punkten einig – allenfalls im Grad der Anti-Russland-Haltung gibt es feine Nuancen. ...
http://www.nachdenkseiten.de/?p=23220

Title: ...
Post by: Link on September 29, 2014, 01:11:38 PM
"Ukraine-Berichterstattung Rebellion der Leser" David Goeßmann (10.05.2014)
Eine grundlegende Kursänderung ist in der deutschen Berichterstattung bisher nicht zu erkennen. Putins "Griff nach der Ukraine" ist weiter Subtext vieler Schlagzeilen und Artikel. Kritische Stimmen zum Vorgehen der ukrainischen Übergangsregierung in der Ostukraine, zur eskalierenden Rolle des Westens und zu den ökonomischen und militärischen Interessen von USA und EU bleiben Mangelware. Die "Rebellion unter den Lesern", wie es die "Neue Zürcher Zeitung" nennt, wird in den Kommentarforen wohl weiter anhalten. ...
http://www.deutschlandfunk.de/ukraine-berichterstattung-rebellion-der-leser.761.de.html?dram:article_id=285010&dram:audio_id=276232&dram:play=1


Es gibt keinen Grund, sich für Fehler zu entschuldigen oder in der Berichterstattung nun gar “gegenzusteuern”.
http://blog.tagesschau.de/2014/09/29/zwischenbilanz-der-ukraine-konflikt-in-der-tagesschau/
Aber nicht doch, mein Herr! Natürlich nicht! Wo kämen wir da hin!
Quelle: http://blog.fefe.de/?ts=aad55b58


Dr. Kai Gniffke: "Zwischenbilanz: Der Ukraine-Konflikt in der Tagesschau" (29. September 2014)
http://blog.tagesschau.de/2014/09/29/zwischenbilanz-der-ukraine-konflikt-in-der-tagesschau/

Franck - Kommentar 340 (!):
2. Oktober 2014 um 09:49 Uhr
Die ÖR Medien haben zur Ukraine falsch, unkritisch und intentionell berichtet und sind damit implizit Mitschuld an der gewaltsamen Eskalation der Krise in der Ukraine. Eine Krise, die es ohne das EU Assoziationsabkommen so gar nicht geben würde.
Nun war wohl das abweichende Zuschauerfeedback nicht mehr zu ignorieren. Einen Fehler (waren ja eigentlich ein paar mehr…) einzugestehen ist zwar ein erster Schritt, aber dieser ist leider wohl eher nicht aus Selbsterkenntnis sondern nur durch öffentlichen Druck geschehen.
Und vor allem ziehen sich die fehlende kritische Distanz, die Einseitigkeit, die Auslassungen und die Diffamierungen ja auch durch viele weitere Nachrichtenthemen (Euro, AfD, Einwanderung, Kriminalität, Islam, …) und enden nicht bei Tagesschau (oder auch “heute”) sondern finden ihre Fortsetzung in Magazinsendungen, Talkshows oder der gar der Lindenstraße. ARD und ZDF haben für mich weitestgehend ihre Glaubwürdigkeit und damit auch ihre Berechtigung verloren. ...
http://blog.tagesschau.de/2014/09/29/zwischenbilanz-der-ukraine-konflikt-in-der-tagesschau/


[Journalismus (ARD-aktuell) #8... ]
Category: Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / Tag: ARD-aktuell, Mit rund 30 Redakteurinnen und Redakteuren haben wir ...
http://www.subf.net/fraktallog/?p=11147


Dr. Kai Gniffke: "Noch einmal: Ukraine-Berichterstattung" (1. Oktober 2014)
http://blog.tagesschau.de/2014/10/01/noch-einmal-ukraine-berichterstattung/


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Am 28. Februar 2014 gründeten interessierte und kritische MediennutzerInnen in Leipzig den Verein „Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien“ und legten damit den Grundstein für den Aufbau einer unabhängigen, demokratischen Kontroll- und Beschwerdeinstanz für die öffentlich-rechtlichen Medien.
https://publikumskonferenz.de/blog/

Ständige Publikumskonferenz der öff.-rechtl. Medien
http://forum.publikumskonferenz.de/

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"Undercover" Christiane Schulzki-Haddouti 24.08.1998
Der BND und die deutschen Journalisten - Erich Schmidt-Eenboom, Geheimdienstkritiker und Direktor des Forschungsinstituts für Friedenspolitik in Weilheim, erforschte in zweieinhalbjähriger Kleinstarbeit die Hintergründe einer ominösen Liste mit "Pressesonderverbindungen". Am 20. August wurde sein Buch "Undercover - Der BND und die deutschen Journalisten" im Verlag "Kiepenheuer & Witsch" veröffentlicht. ... 230 Journalisten waren mit Deckname und "Presseverbindungsführern" auf der BND-Liste registriert. Darunter Rowohlt-Verlagschef Michael Naumann (NORDDORF), die Herausgeberin der ZEIT Marion Gräfin Dönhoff (DOROTHEA), Stern-Gründer Henri Nannen (NEBEL), Ex-BILD-Chefredakteur und Kanzlerfreund Peter Boenisch (BONGERT), ZDF-Intendant Karl Holzamer (HUPPERZ), Springer-Kolumnist Mainhardt Graf Nayhauß (NIENBURG), Gerhard Löwenthal vom ZDF (LOEBEN) und der Intendant der Deutschen Welle Walther Steigner (STEFFEL). Eingeteilt wurden die Journalistenkontakte je nach Grad ihrer Intensität und Qualität in drei verschiedene Kategorien ...
http://www.heise.de/tp/artikel/2/2441/1.html

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“Lüge in Kriegszeiten” Mathias Bröckers (29.07.2014):
Am Beispiel des Ersten Weltkriegs formulierte Arthur Ponsonby 1928 die Strukturgesetze der Kriegspropaganda – sie gelten, wie die aktuelle Berichterstattung über die Ukraine zeigt, noch immer … In seinem 1928 veröffentlichten Buch “Falsehood in Wartime” (“Lüge in Kriegszeiten”) versuchte Ponsonby auch die Strukturelemente dieser Lügen und Fälschungen zu beschreiben, wie er sie am Beispiel des Ersten Weltkriegs beobachtet hatte …
http://www.heise.de/tp/artikel/42/42386/1.html (http://www.heise.de/tp/artikel/42/42386/1.html)

Title: ...
Post by: Link on October 07, 2014, 09:38:25 AM
"Ukraine-Konflikt im WDR Falsches Panzer-Bild "eine reine Unaufmerksamkeit""
04.10.2014 13:38 Uhrvon Matthias Meisner
Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Tom Buhrow, hat eine Programmbeschwerde wegen der Verwendung eines falschen Panzer-Bildmotives zur Illustrierung des Ukraine-Konflikts zurückgewiesen. Er gibt in einem Schreiben an die Beschwerdeführerin Maren Müller aus Leipzig allerdings zu, "dass hier in der Tat ein Fehler passiert ist, den die Redaktion außerordentlich bedauert". Zugleich stellt er fest, dass die Verwendung des dpa-Fotos, "durch die der falsche Eindruck entstanden ist, auf eine reine Unaufmerksamkeit zurückgeht". ...
http://www.tagesspiegel.de/medien/ukraine-konflikt-im-wdr-falsches-panzer-bild-eine-reine-unaufmerksamkeit/10792768.html
   

"Auch das ZDF behauptete, “pro-russische Bewaffnete” seien für die Toten in Krasnoarmeysk verantwortlich"
Posted by Dok in ZDF (02 Donnerstag Okt 2014)
Nicht nur die ARD hat den tödlichen Zwischenfall in Krasnoarmeysk benutzt, um im Umfeld des Referendums gezielte Stimmung gegen die Ostukrainer und ihr Votum über die eigene Unabhängigkeit zu verbreiten. Wie uns Maren Müller von der “Ständigen Publikumskonferenz” dankenswerterweise mitgeteilt hat, wurde auch am 12.5.2014 im ZDF Mittagsmagazin (ab 2:00min) von Anne Gellinek die gleiche völlig verdrehte Darstellung verbreitet, es seien “pro-russische Bewaffnete” gewesen, die das Wahllokal stürmten und dann in die Menge schossen.
Gellinek benutzt diese falsche Darstellung, um das Referendum zu diskreditieren und skandalisiert anschließend auch die Tatsache, dass in anderen Wahllokalen teilweise bewaffnete Bürger anwesend waren. Dass die genau deshalb nötig waren, weil faschistische Banden des Rechten Sektors im Land unterwegs waren, um das Referendum zu stören, versteht der durch ARD und ZDF desinformierte Zuschauer so selbstverständlich nicht – wenn er sich nicht anderweitig informiert. Da schon die ARD den Lügenbeitrag von Udo Lielischkies über die Vorgänge in Krasnoarmeysk aus der Mediathek gelöscht hat, haben wir auch den Beitrag des Mittagsmagazins gesichert und den kurzen Ausschnitt bei myvideo hochgeladen ...

https://propagandaschau.wordpress.com/2014/10/02/auch-das-zdf-behauptete-pro-russische-bewaffnete-seien-fur-die-toten-in-krasnoarmeysk-verantwortlich/


"ARD: Chefredakteur Gniffke gesteht Lügengeschichte ein – die wir vor über 4 Monaten gemeldet haben"
Posted by Dok in ARD (01 Mittwoch Okt 2014)
ARD Chefredakteur Gniffke meldet sich erneut im Blog der Tagesthemen, um dort jetzt auch die Lügengeschichte über die Toten von Krasnoarmeysk einzugestehen – mehr als 4 Monate, nachdem die Propagandaschau über den Fall berichtet und die ARD schriftlich in einer Mail am 22.5. auf den Skandal aufmerksam gemacht hatte. ...
https://propagandaschau.wordpress.com/2014/10/01/ard-chefredakteur-gniffke-gesteht-lugengeschichte-ein/
Title: ...
Post by: Link on October 07, 2014, 10:14:37 AM
"Josef Joffe, Jochen Bittner ./. ZDF - Die Anstalt"
Markus Kompa 26.09.2014
Satire vor dem Landgericht Hamburg ...
http://www.heise.de/tp/news/Josef-Joffe-Jochen-Bittner-ZDF-Die-Anstalt-2404378.html

Quote
do_nym, 26.09.2014 18:08
Der Witz ist, die glauben vermutlich wirklich, die hätten einen "Ruf" zu verlieren :D
Da lacht sogar das ZDF-Publikum und das will was heißen.
http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Josef-Joffe-Jochen-Bittner-ZDF-Die-Anstalt/Der-Witz-ist/posting-2173876/show/


"Zwei bekannte ZEIT-Journalisten und ihr Kampf gegen die Pressefreiheit" (23.9.14)
Vor einigen Wochen habe ich über ein gerichtliches Vorgehen von ZEIT-Herausgeber Josef Joffe und ZEIT-Redakteur Jochen Bittner gegen die Satiresendung “Neues aus der Anstalt” des ZDF berichtet. Interessanterweise gab es hierzu äußerst wenig Berichterstattung in klassischen Medien, obwohl das Vorgehen der ZEIT-Journalisten als informationsverfälschend angesehen werden muss, was nachfolgend näher erläutert werden soll. ...
http://www.internet-law.de/2014/09/zwei-bekannte-zeit-journalisten-und-ihr-kampf-gegen-die-pressefreiheit.html


Rechtsprechung: LG Hamburg, 03.06.2014 - 324 O 315/14
http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=324%20O%20315/14


"ZDF: Einstweilige Verfügung gegen "Die Anstalt" aufgehoben" (06.10.14)
http://www.abendblatt.de/kultur-live/tv-und-medien/article132980094/Einstweilige-Verfuegung-gegen-Die-Anstalt-aufgehoben.html

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"Journalismus wäre genug" Stefan Aigner | 13.10.2014
Wer vom „Wandel des Journalismus“ redet, der sollte auch den Status Quo zur Kenntnis nehmen. Zum Beispiel die Tatsache, dass es selbst bei Journalisten der großen Leitmedien zum Teil am elementaren Handwerkszeug – Recherche – oder schlicht am Berufsethos – der Redlichkeit – fehlt. Belegt wird das etwa tagtäglich auf Bildblog, wo man sich zwischenzeitlich zunehmend mit Medien abseits der Bildzeitung und deren Fehlleistungen beschäftigt. Wie sehr die Glaubwürdigkeit dieses Berufs gelitten hat, zeigen diverse Untersuchungen. Die Mehrheit der Deutschen hält Journalisten nach einer Umfrage von Transparency International für „korrupt oder sehr korrupt“. In Glaubwürdigkeits-Rankings streiten sich Journalisten mit Versicherungsvertretern, Werbern und Politikern um die letzten Plätze.
Wer vom „Wandel des Journalismus“ redet, sollte sich darüber Gedanken machen, wie man diesen verlorenen Boden wieder gutmachen und Glaubwürdigkeit zurückerlangen kann. Er sollte sich darüber Gedanken machen, wie man Leser, Hörer oder Zuschauer wieder dazu bringt, die journalistische Arbeit wertzuschätzen. ...

http://www.carta.info/74907/journalismus-waere-genug/

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"Stefan Niggemeier - Die Wahrheit über die Lügen der Journalisten" (24.10.2014)
Der ehemalige FAZ-Redakteur Udo Ulfkotte behauptet, dass Pressefreiheit in Deutschland nur eine Illusion ist. Sein "Enthüllungsbuch" über angebliche Medien-Manipulationen verkauft sich bestens, ist aber selbst voller Übertreibungen, Verdrehungen und Unwahrheiten.  ... Journalisten tricksen, täuschen und missverstehen; sie schreiben voneinander ab, lassen sich instrumentalisieren und verschleiern Interessenskonflikte. Tatsächliches journalistisches Versagen, Einzelfälle und systematische Missstände, bereiten den Boden, auf dem dann auch die wilden Theorien von Ulfkotte und anderen Kritikern wuchern.
Aber bei aller berechtigten Kritik am Zustand des deutschen Journalismus: Ulfkotte ist weder ein verlässlicher Zeuge noch ein brauchbarer Chronist. ...

https://krautreporter.de/46--die-wahrheit-uber-die-lugen-der-journalisten

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"Medienkompetenz für Einsteiger: Deutsche Wirtschafts Nachrichten"
von Markus Beckedahl am 10. April 2014
Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten sind der Kopp-Verlag für “irgendwas mit Wirtschaft”. Das Geschäftsmodell ist einfach erklärt: Möglichst hysterische Untergangsszenarieren an die Wand malen, damit unbedarfte Leserinnen und Leser auf allen Kanälen alle ihre Kontakte darauf hinweisen, die das wiederum anklicken (sollen) und damit wird dann mit wenig Aufwand viel Werbung verkauft. Je reißerischer, je mehr Weltuntergang und Verschwörungstheorie dabei ist, umso besser verkauft sich eine Geschichte.
Das ist alles recht geschickt gemacht, nur leider ist an den Geschichten meistens nicht viel dran. Es werden Tatsachen verdreht und dass der Weltuntergang dann doch nicht kommt, geht leider in der Regel unter. Vielleicht weil in der Zwischenzeit der nächste bevorstehende Weltuntergang kommuniziert wird. Der Elektrische Reporter erklärt in dieser Woche Medienkompetenz für Einsteiger und hat die Deutschen Wirtschafts Nachrichten besucht. ...

https://netzpolitik.org/2014/medienkompetenz-fuer-einsteiger-deutsche-wirtschafts-nachrichten/

Quote
cervo 10. Apr 2014 @ 10:59

“Medienkompetenz für Einsteiger” ist vielleicht nicht der perfekte Titel aber trotzdem vielen Dank für den Artikel. Die “Deutschen Wirtschafts Nachrichten” bedienen exakt das populistische und denkfaule Empörungsklientel. Die Herausgeber kann man, wie so viele Medienschaffende, als zynisch aber geschäftstüchtig bezeichnen.

Ich denke, ein wichtiger Schritt zur Medienkompetenz ist der Wille zum persönlichen Vergleich verschiedener Medien (und deren Rhetorik) und der Wille zur entemotionalisierten Analyse.

https://netzpolitik.org/2014/medienkompetenz-fuer-einsteiger-deutsche-wirtschafts-nachrichten/#comment-1271716

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"Warum wir keine Interviews für Russia Today (RTdeutsch) geben"
von Markus Beckedahl am 17. November 2014
Wir bekommen ja regelmäßig Interview-Anfragen von Russia Today und dem Partner-Radiosender. Wir haben uns aber dafür entschieden, Propaganda-Sendern keine Interviews zu geben, um uns nicht instrumentalisieren zu lassen. Außerdem möchten wir mit unseren Themen und Positionen nicht neben irgendwelche Rechtsaußen einsortiert werden. Wir bitten auch darum, uns keine Links von RTdeutsch als Quellen zu schicken. Wie wir zu unserem Urteil kommen? Gesunder Menschenverstand und Quellenrecherche. ...
https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/

Quote
Michael 17. Nov 2014 @ 12:10
... (“Medienkompetenz” = “die richtigen Medien” konsumieren?).

... Liebe Netzpolitik.org-Redaktion: Ich lese euch schon lange und kommentiere eher selten. Euch obliegt die Entscheidung, wem ihr ein Interview gebt oder auch nicht. Bitte lasst aber von der Tendenz ab, Medienpolizei zu spielen. Medienkompetenz heißt eben auch, alle Quellen zu lesen und den Hintergründen auf den Grund zu gehen. Ich finde diese Hochnäsigkeit die aus diesem Artikel trieft unerträglich. Nein, ich glaube nicht an Chemtrails, ich lese nicht Kopp und glaube auch nicht an die große Gleichschaltung. Dennoch befinden sich unsere Medien im Moment in einem dürftigen Zustand. Und ich verallgemeinerne hier absichtlich: Klar gibt es auch ausgewogene Beiträge, aber diese sind halt zu selten und zu wenige ... . Da liegt natürlich der Verdacht nahe, dass einige Spin-Doktoren das Narrativ zu mindestens zum Teil prägen. Darum finde ich es auch wichtig, die andere Seite zu Wort kommen zu lassen. Auch wenn dies Propaganda ist. Ein kritischer Bürger sollte in der Lage sein, damit fertig zu werden.

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1645393


Quote
Antifa Aktivist 17. Nov 2014 @ 12:18

Gut so, Russland und Putin sind schließlich Gegner eines freien Internets und dieser RT Verschwörungspropaganda darf man nun wirklich keine Plattform bieten um sie zu legitimieren. Gerade im Rechten Spektrum ist RT ja sehr beliebt, bei AfD und NPD und so. Da handelt Netzpolitik schon richtig wenn sie sich dem verweigern und sich nicht mit Spinnern auf eine Stufe stellen.

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1645400

Quote
Jens Mander 17. Nov 2014 @ 12:24

Dass zu “RTdeutsch” jetzt jede/r und sein Hund seinen/ihren Senf dazu geben muss, ist an sich schon wieder suspekt. Mit welchem Ziel? Momentan sind das Anfänger ohne Budget und journalistische Kompetenz (wie man hoffentlich auch bemerkt ohne Medien-Professor zu sein). Diese mangelnde Relevanz wäre doch Grund genug keine Interviews zu geben, ohne gleich die Propaganda-Keule rauszuholen und einen extra Artikel zu schreiben. Das impliziert Relevanz – woraus soll die konkret bestehen?

Fakt ist: Grundsätzlich können die (wie z.B. auch FOX in den USA) alles schreiben, was von der Pressefreiheit gedeckt ist (tatsächlich auch homophoben Mist) – ob es einem passt oder nicht. Es kann nicht sein, dass jetzt (augenscheinlich) kompetente Blogs anfangen, den Lesern anhand von Einzel-Beispielen zu erklären, dass es auch weniger kompetente & relevante Blogs/News-Sites/Fernsehsender/Radiosender gibt. Das lernt man in der Schule und wer die nicht besucht hat, schaut vermutlich nicht oft auf netzpolitik.org.

Somit halte ich den Artikel für überflüssig, suspekt und kontraproduktiv (ich habe deshalb heute zum ersten Mal besagte News-Site überhaupt besucht!).

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1645406

Quote
A. Nonymous 17. Nov 2014 @ 12:46

Es ist natürlich Eure Sache wem ihr Inteviews gebt und wem nicht, und wenn ihr das weiter still so gehandhabt hättet wäre es auch kein problem gewesen.

Mit diesem Beitrag habt ihr aber nun (bedauerlicherweise) ein ideologisch/poltisches Statement gesetzt.

Natürlich ist Russia Today nicht objektiv. Aber das sind unsere Mainstreammedien, z.B. die Springerpresse genauso wenig. Gerade bei der Ukraine-Berichterstattung wurde das deutlich, so deutlich, daß sie sich dafür sogar (halbherzig) entschuldigen mußten. Die einen machen Propagande für Putin, die anderen für Merkel und Obama.

Wenn man öffentlich verkündet, den einen Propagandaorganen Interviews zu geben den anderen aber nicht, bezieht man Position, in diesem Fall pro-NATO, pro-Regierung und anti-Rußland. Und das ist etwas was ich von netzpolitik.org eigentlich nicht möchte. Hier sollte es um Netzpoltik gehen und nicht darum bei der Bevölkerung Akzeptanz für den dritten Weltkrieg zu fördern.

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1645435

Quote
Walter 17. Nov 2014 @ 13:06

Es ist für mich durchaus nachvollziehbar, wenn man RTdeutsch kein Interview geben möchte. Das was ich gesehen habe, wirkt ja auch eher wie Schüler-TV und überraschend unprofessionell. Aber dass Du das Russia Today nicht einfach sagst, sondern zum wiederholten Mal einen Blogartikel schreibst, in dem Du andere überflüssigerweise attackierst, ist sicherlich nicht im Interesse von netzpolitik.org.

Medienkompetenz bedeutet doch nicht, dass Du uns vorschreibst, wer die Guten und wer die Bösen sind. Falls Du es nicht mitbekommen hast: Das Vertrauen in deutsche Medien ist nachhaltig beschädigt. Das Ausmaß der Propaganda in den letzten Monaten auch durch ARD, ZDF, Deutschlandfunk usw ist erschütternd. Dies zu erkennen, ist Medienkompetenz.

Ich bin froh über jedes Projekt, dass ähnlich propagandaschau.wordpress.com die Lügen unserer oder ausländischer Medien aufdeckt. Und wenn RTdeutsch das gelingt, ist es eine Bereicherung. Die Motivation ist dabei völlig egal. Sollte RTdeutsch Lügen verbreiten, kann man es genauso offenlegen. Es gibt genug, die nur auf Fehler oder Lügen von denen warten.

Wie bereits im folgenden Artikel in den Kommentaren erwähnt, würde ich es schaden finden, wenn Ihr Eure gute Netzpolitik-Arbeit der letzten Jahre wegen solchen überflüssigen und offenbar eher persönlichen Stellungnahmen beschädigt.

https://netzpolitik.org/2014/russland-baut-propaganda-in-berlin-aus/

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1645459

Quote
Frank Reich 17. Nov 2014 @ 14:34

Die schlimmste Form der Zensur ist die Selbstzensur.

Mich nur aus dem Grunde, da mir eine Position nicht gefällt oder ich mit der Auwahl interviewter Personen nicht einverstanden bin, zu verweigern, ist die wohl dümmlichste Begründung. Denn sie impliziert, was schon nahezu als größenwahnsinnig zu bezeichnen wäre, dass der Verweigerer glaubt, im Besitz der einzig wahren und vollkommenen Erleuchtung / Wahrheit zu sein.

Der so immer enger werdende legitime Meinungskorridor verkommt irgendwann zum Tunnel und zu einer nahezu religiös besetzten Dogmatik. ....

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1645547

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Blizzz 17. Nov 2014 @ 17:00

Völlige Zustimmung. Möchte man seriös bleiben, kann man sich nicht genug von Kopp, RT & Co distanzieren.

Allerdings, den Deutschlandfunk als Quelle zu bennenen ist schon ironisch. Das ist ein ebenso staatlicher Sender, bei dem die leitenden Angestellten auch zugegeben haben, einschlägige politische Positionen zu transportieren (= Propaganda).

> Wichtige Entscheider wie der Intendant Tom Buhrow und der Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, beide aus dem WDR, werben intern offensiv für eine redaktionelle Linie, die sich darauf konzentriert, die “westlichen Positionen zu verteidigen”, hieß es aus der ARD gegenüber Telepolis.

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42784/1.html

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1645663


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Markus Beckedahl 17. Nov 2014 @ 17:05

    Allerdings, den Deutschlandfunk als Quelle zu bennenen ist schon ironisch. Das ist ein ebenso staatlicher Sender, bei dem die leitenden Angestellten auch zugegeben haben, einschlägige politische Positionen zu transportieren (= Propaganda).

Wir reden in der Regel beim Deutschlandfunk nicht mit den Intendanten, sondern mit Redakteuren, von denen wir eine Menge persönlich kennen. Die arbeiten journalistisch und nicht als Propagandandisten.

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1645665

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Wadabum 17. Nov 2014 @ 23:16

Schenkelklopfer, warum lernt ihr dann nicht einfach auch ein zwei Redakteure von rtdeutsch persönlich kennen?

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1646000

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ts 17. Nov 2014 @ 17:23

Hallo Markus,
du hast ja eine Ausdauer, Respekt ;) Die ganze Diskussion unter dem Artikel erinnert mich stark an einige Kommentarspalten zu HoGeSa-Artikeln in der Presse (Das sind ja alles keine Nazis! Erfindung der Mainstreammedien! Die trauen sich wenigstens die Wahrheit zu sagen!).
Es ist imho auch ein schönes Zeichen dafuer, dass Netzpolitik ein Thema ist welches Menschen unabhängig vom politischen Spektrum anspricht – der Mobilisierungsgrad eines bestimmten Typus ist aber ungleich höher. Ich denke daher, dass das hier noch eine Weile so weiter geht.

Viele Grüße

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1645682


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Martin 17. Nov 2014 @ 17:28

Hey Leute, lasst die Jungs und Mädels von netzpolitik doch in ihren Blog schreiben, was sie möchten. Das gilt auch für die Auswahl ihrer Gesprächspartner.
Markus & Co., macht weiter so und lasst euch nicht beirren von den Krakelern.

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1645688

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teilerr 17. Nov 2014 @ 23:17

nun, das ist euer gutes Recht. Sympathiepunkte sammelt ihr bei mir persönlich eher nicht. Die Punkte, die ihr gegen RT vorbringt sind doch eher mau. Das unterbieten Focus, Bild oder Spiegel mühelos. Ich vermute da eher eine politische Voreingenommenheit bei euch. Ich finde solche von außerhalb gesteuerten Sender leisten einen dringend notwendigen Beitrag zur Pluralität, die bei “unseren” Medien sekündlich geringer wird. Nur wenn man gegensätzliche Standpunkte hört, bekommt man ein komplettes Bild. Und ich glaube übrigens weder an Illuminaten, Chemtrails noch Echsenmenschen.

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1646002

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Sven Kässler 18. Nov 2014 @ 0:04

Gute und sehr nachvollziehbare Entscheidung, RT keine Interviews zu geben. Wer deren Programm hier ernsthaft mit ARD und ZDF vergleicht, hat ganz offensichtlich entweder das eine oder das andere noch nie gesehen. Vor allem die deutsche RT-Sendung ist derart unglaublich einseitig, dass man nur noch schreien will. Selbst eindeutig dokumentierte Lügen werden nicht korrigiert, in jeder einzelnen Sendung wird übertrieben und verfälscht.

Der Versuch, die ebenfalls nicht fehlerfreien deutschen Medien auf eine Stufe mit dieser grotesken Hetze zu stellen, zeigt aber, dass die Propaganda trotz allem funktioniert.

https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/#comment-1646031

Title: ...
Post by: Link on November 18, 2014, 11:39:09 AM
"Super-Symbolbilder: „Putin, einsam und verlassen“" (16 Nov 14)
Gestern, 20 Uhr, die „Tagesschau“ berichtet vom G20-Gipfel in Brisbane. Der Korrespondent sagt:
„Beim Barbecue am Mittag, wie symbolisch, Putin, einsam und verlassen.“ ... Ein Blick ins Ausgangs-Material von Reuters verrät allerdings, dass Putin gar nicht alleine am Tisch sitzt. Links am Tisch, na sowas: Dilma Rousseff, die Präsidentin Brasiliens.  ...

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/19865/super-symbolbilder-putin-einsam-und-verlassen/

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Sascha says:   
16. November 2014 um 15:35
Sehr sehr spannende Beiträge hier auf diesem Blog, wie auch im WDR und der FAZ.

Herr Niggemeier, darf man fragen wie Sie selbst Ihre Rolle im Haifischbecken des modernen deutschen Journalismus beschreiben würden?

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Stefan Niggemeier says:   
16. November 2014 um 15:37

@Sascha: Ich hätte jetzt reflexartig „zwischen allen Stühlen“ geantwortet, aber das beißt sich mit Ihrer Haifisch-Metapher.


"Putin einsam oder nicht einsam?" (2014/11/17/)
Die Berichterestattung deutscher Medien über den Ukraine-Konflikt ist ja seit Monaten Diskussionsthema in Print-, Online-, TV- und Hörfunkredaktionen. Fast hatte ich schon die Sorge, dass die ARD mit dem Putin-Interview von gestern in den Verdacht geraten könnte, Russland-Versteher zu sein. Da stellt Stefan Niggemeier unser Weltbild wieder vom Kopf auf die Füße. Wir sind und bleiben die heimlichen Unterstützer der NATO, die täuschen, fälschen und verdrehen. ...
http://blog.tagesschau.de/2014/11/17/putin-einsam-oder-nicht-einsam/

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Klaus Scharff:
17. November 2014 um 18:05 Uhr
ach , herr gniffke ……
nachdem sie mit gutem beispiel vorangegangen sind mache ich es mal genauso undifferenziert und sprachlich falsch wie sie: ihre replik ist unterirdisch und peinlich .


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Oliver Rau:
17. November 2014 um 19:07 Uhr

Wäre es nicht viel besser, die ARD würde einfach solche manipulativen Texte wie “einsam und verlassen” unterlassen? Welchen Wert hat es für die politische Einordnung von Putin, ob er bei einem Bankett alleine, zu zweit oder zu fünft am Tisch sitzt? Ich würde mir wünschen, die ARD würde einfach objektiv über die Entscheidungen und Handlungen des russischen Staatenlenkers berichten. Wir, die Zuschauer, sind mündig genug, die selbst zu bewerten. Mit wem Putin diniert, tut dabei nichts zur Sache. Das ist “Brisant”-Niveau (und die Existenz dieser Bewegtbilder-Gala-Variante beschmutzt die journalistische Reputation der Öffentlich-Rechtlichen schon genug, das muss nicht auch noch in die tagesschau).


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Silke:
17. November 2014 um 19:19 Uhr

@ Hr. Gniffke:

Von einem Chefredakteur erwarte ich ein wenig mehr Professionalität, sowohl im Umgang mit Informationen als auch mit Kritik. Ihre Reaktion auf den Beitrag von Hr. Niggemeier ist das exakte Gegenteil von professionellem Journalismus: sie ist anmaßend, persönlich und trieft förmlich vor persönlicher Kränkung. Das geht wirklich besser.


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Stefan Geiss:
17. November 2014 um 19:55 Uhr

Putin wurde ganz offensichtlich, das berichten so ziemlich alle Journalisten weltweit, beim Gipfeltreffen arg kritisiert war mit seiner Ukraine Politik komplett isoliert. Er ist sogar früher vom Gipfel zurück geflogen! Das Bild ist als “Symbol” für die Isoliertheit super geeignet.

Es ist daher völlig unerheblich, ob sich vielleicht irgendwann jemand zu Putin an den Tische gesetzt hat. Das Symbol ist es, was in diesem Fall zählt und die wahre Nachricht wunderbar transportiert. Die Kritiker hier im Forum verstehen das leider nicht.


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Peter:
17. November 2014 um 20:01 Uhr

Ob mir wohl jemand verraten könnte was es dort zu essen gab?


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Martin Schmidtner:
17. November 2014 um 20:13 Uhr

“Da stellt Stefan Niggemeier unser Weltbild wieder vom Kopf auf die Füße. Wir sind und bleiben die heimlichen Unterstützer der NATO, die täuschen, fälschen und verdrehen.”….schreiben Sie oben.

Herr Niggemeier tut exakt das, was er immer und mit allen Medien macht – er schaut journalistischer Arbeit kritisch auf die Finger. Peinlich und zum erbärmlich finde ich aber Ihre Reaktion darauf: die Kritik zum Anlass zu nehmen, Herrn Niggemeier in die Putin-Ecke zu drängen und diskreditieren zu wollen.
Haben Sie das wirklich nötig?!

Stehen Sie zu Ihrer Berichterstattung oder machen Sie es das nächste Mal besser, aber reagieren Sie doch nicht so getroffen und um sich schlagend auf Kritik!

Und “Fast hatte ich schon die Sorge, dass die ARD mit dem Putin-Interview von gestern in den Verdacht geraten könnte, Russland-Versteher zu sein. ” – das kann ich ja nur noch als Selbstironie auffassen!


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Nauru:
17. November 2014 um 21:58 Uhr

Mein Gott wie schlimm.

Da wird ein Bild gewählt, was symbolisch Putins Isoliertheit auf dem Gipfel darstellt.

Beim Fußball wird auch immer ein Bild ausgewählt, was symbolisch für die Partie steht. Das ist dann aber keine Meinungsmache!

Auch von anderen Staatsoberhäuptern, wie Angela Merkel, wird passend zur Meldung ein Bild rausgesucht. Bei Merkels Russland Rede finden Sie zum Beispiel ein Bild, wo Frau Merkel den Mund offen hat und mahnend den Zeigefinger hebt.

Das würde sich anders Verhalten, wenn das Bild eine falsche Tatsache darstellen würde. Tut es aber nicht!
Putin war bei diesem Gipfel isoliert. Punkt, Ende, Aus.

Die ARD gibt Putin sogar Raum um seine Sicht der Dinge darzustellen und hinterfragt kritisch das Vorgehen des Westens. Da kann nicht die Rede von Meinungsmache sein!
Würde Russia Today Obama interviewen?

Die Kritik die sich der Autor dieses Textes jedoch gefallen lassen muss, ist seine sprachliche Ausdrucksweise und Formulierung.


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usch:
17. November 2014 um 23:10 Uhr

Guten Tag Herr Dr. Gniffke,

1) Der ARD meine Anerkennung dafür, ein ca 30 minütiges Interview mit Putin ausgestrahlt zu haben. Selbst für so etwas scheint man heute ja schon Mut zu brauchen.

2) Die Berichterstattung der westlichen Medien, inklusive ARD, inkl. TS und TT, seit Zuspitzung der Ukraine-Krise war teilweise unterirdisch schlecht, weil zuweilen klar erkennbar manipulativ!

3) Das Vertrauen vieler Zuschauer, welches dadurch weitestgehend ZERSTÖRT wurde, führt nachvollziehbarerweise dazu, dass nun viele Dinge auf die Goldwaage gelegt werden, über die man vorher – und sofern es Einzelfälle geblieben wären – ohne Weiteres hinweggesehen hätte.

4) Nicht Ihre Verantwortung, aber schon die Anmoderation von G.Jauch gestern war übel, weil klar tendenziös.

...


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Marga:
18. November 2014 um 03:16 Uhr

Schade Herr Gniffke, dass Sie die Kritik Ihres Programmbeirates so wenig reflektiert und konstruktiv verarbeitet haben. Natürlich wissen Sie um die Macht der Bilder und ihre Wirkung und setzen diese gezielt im Sinne des Mainstreams ein. Ihr flapsig lockerer Hinweis auf das Interwiew mit Putin mit der “Befürchtung” nun in die Reihe der “Putinversteher” eingeordnet zu werden, ist anbiedernd und zeugt von wenig professionellem Selbstverständnis bzgl. der Aufgabe von Medien in einer offenen Demokratie. Das Interview selbst war, dank Herrn Seipel, informativ, sachlich und erfreulich unaufgeregt. Danke, Herr Seipel! Auf die flache, phrasenhafte Jauch Runde möchte ich hier nicht eingehen. Die Beiträge im Forum sollten Ihnen zu denken geben und sprechen für sich.

...


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Emmanuel Goldstein:
18. November 2014 um 06:21 Uhr

Ja, ja Herr Gniffke,

ich kann mir vorstellen, dass es für Sie und Ihre Clique ein schmerzhafter Prozess ist, dabei zusehen zu müssen wie Ihnen Stück für Stück die Deutungshoheit entgleitet. Dank dem Neuland-Internet kann man jetzt nicht mal mehr Bilder zufällig so schneiden und auswählen, dass sie zu der gewünschten Aussage passen. Wo doch alles nur im Dienste der politischen Information und Aufklärung passiert. So was Blödes! Früher – als sich ARD&ZDF noch als „Qualitätsmedien“ darstellen konnten – war alles besser. ...



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Silvio Duwe kloppt in der Telepolis auf Ken Jebsen

Quote
Mon Nov 17 2014

... Ich beobachte in letzter Zeit einen Trend, den ich besorgniserregend finde. Journalisten bekämpfen sich gegenseitig mit einer Härte und Schärfe, dass ich mich an irgendwelche apokalyptischen Scifi-Filme wie Running Man erinnert fühle. Aktuelles Beispiel: Silvio Duwe kloppt [Artikel von Silvio Duwe: http://www.heise.de/tp/autor/silvioduwe/8.html] in der Telepolis auf Ken Jebsen [https://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Jebsen (https://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Jebsen)] ein.

Ich habe dieses Phänomen vor einer Weile mal als "Niggemeiern" bezeichnet, aber vielleicht brauchen wir da mal einen ordentlichen Namen für. Vor allem brauchen wir da mal eine Analyse für. Ist das gerade sowas wie Reise nach Jerusalem? Die Journalisten merken alle, dass das Geschäftsmodell, das ihr Leben finanzieren sollte, am Erodieren ist? Und daher kloppen sie aufeinander ein, in der Hoffnung, dass sie dann am Ende wenigsten besser dastehen als die, die sie mit Dreck beworfen haben?

Früher hatten wir mal sowas wie Meinungspluralismus. Das war kein Systemfehler, wenn Leute andere Meinungen, andere Herangehensweisen, andere Ergebnisse und generell andere Weltbilder hatten. Das war im Gegenteil etwas Positives! ...

http://blog.fefe.de/?ts=aa94f261


"Ken Jebsen droht Marieluise Beck mit Post vom Anwalt"
Silvio Duwe 17.11.2014
... Tatsächlich könnte es für Marieluise Beck schwer werden, mit ihrer Beschreibung Jebsens als "rechtsradikalem Gesellen" auch vor Gericht Bestand zu haben. Jebsens Äußerungen sind oft populistisch-vereinfachend und teils demokratiefeindlich.  ...
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43348/1.html

Quote
Federführer, 17. November 2014 18:18
Überschrift schlecht gewählt

Wie wäre es mit:

"Schaut mal wieviel Schlechtes man Jebsen anhängen kann"

Auch wenn ich einige der Kritikpunkte nachvollziehen kann, halte ich
Jebsen dennoch die Stange. "KenFM im Gespräch" ist immer wieder hoch
interessant und eine echte Bereicherung für die deutschen Medien.
Dass er auch mal daneben greift verbuche ich unter "Wer viel macht,
macht auch mal Fehler".

http://www.heise.de/tp/foren/S-Ueberschrift-schlecht-gewaehlt/forum-288407/msg-26096676/read/

Quote
Irwisch, 17. November 2014 20:44
Mit seriöser Berichterstattung haben Sie's nicht so, Herr Duwe?

Sehr geehrter Herr Duwe,
was Sie hier abgeliefert haben, hat mit seriöser Berichterstattung
absolut nichts mehr gemein. Sie bedienen sich zweifelhafter Gerüchte
und etablierter Vorurteile, um einen unliebsamen Journalisten zu
diskreditieren. Ihre fragwürdigen Interpretationen von Aussagen des
Ken Jebsen lassen eigentlich nur zwei Schlüsse zu, die Ihnen beide
kaum schmeicheln dürften:

Entweder sind Sie nicht ausreichend intelligent, um die
Zusammenhänge, die Jebsen darstellt, zu begreifen
oder Sie sind bösartigerweise darum bemüht, begriffene Zusammenhänge
absichtlich falsch darzustellen.

... "Ulfkotte, der hinter den Veröffentlichungen in den westlichen Medien das Wirken von
Geheimdiensten wittert". Wie der Schweizer Historiker Daniele Ganser
in seinem Buch "NATO Geheimarmeen in Europa" deutlich macht, wirken
die US-Geheimdienste, insbesondere die CIA, seit Ende des Zweiten
Weltkriegs nicht nur auf die gesamte europäische Presse in ihrem
Interesse ein, sondern ebenso auf die Regierungen und lokalen
Geheimdienste. Und zu guter Letzt soll nicht unerwähnt bleiben, daß
die von US-Interessen gesteuerten transatlantischen Vereine, in denen
zahlreiche Journalisten und Herausgeber Mitglied sind, tatsächlich
existieren und keine Hirngespinste eines angeblich abstrusen
Verschwörungstheoretikers darstellen. ...

...

http://www.heise.de/tp/foren/S-Mit-serioeser-Berichterstattung-haben-Sie-s-nicht-so-Herr-Duwe/forum-288407/msg-26097624/read/

Quote
18. November 2014 01:20
Sehr geehrter Herr Christian Heise,
greco (149 Beiträge seit 25.01.07)

Ich fordere die sofortige Einführung einer
Artikel-/Autoren-Bewertung.

http://www.heise.de/tp/foren/S-Sehr-geehrter-Herr-Christian-Heise/forum-288407/msg-26098690/read/

Quote
17. November 2014 21:06
Da musste sich wohl jemand richtig auskotzen! (Editiert vom Verfasser am 17.11.14 um 21:41)
g.reiher (38 Beiträge seit 24.01.14)

Zugegeben, ich kenne Ken Jebsen noch nicht lange. Ich habe einige
Interviews gesehen, die er mit interessanten Leuten gemacht hat,
zuletzt diese mit Albrecht Müller von den Nachdenkseiten:

Teil1:  https://www.youtube.com/watch?v=IGWEWeeE_uA
Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=B7WA89Y7q20,

Mit dem "abstrusen Verschwörungstheoretiker" Mathias Bröckers:
https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=6NMZcz0pTi0

Auch als TP-Autor bekannt, mit dem ehemaligen
CDU-Bundestagsabgeordneten Willy Wimmer, ebenfalls TP-Autor:
https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=DT592MYWNA8

und dieses mit dem Schweizer Friedensforscher Daniele Ganser:
https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=tO8OkrOxNOA

Ich bin dem Autor dieses Artikels, Silvio Duwe, sehr dankbar dafür,
dass er mich darüber aufgeklärt hat, auf wen ich mich da eingelassen
habe. Dieser Strolch scheint sich ja perfekt zu tarnen, interviewt
Leute, die ich schätze, versteht es perfekt, seine finsteren Ab- und
Ansichten zu verbergen, sogar vor Politprofis, die ihr ganzes Leben
im politischen Geschäft verbracht haben und doch jede Finte kennen
sollten.

Na gut, wenn man genau hinhört und sieht, merkt man natürlich schon,
dass diese Leute allesamt keine Freunde der Nato und der derzeitigen
US-Politik sind und die westliche Ukraine- und Russlandpolitik für
verlogen und gefährlich halten...

So sehen heute also  ausgewiesene Rechtsradikale und wirre
Verschwörer  aus! Sie vermuten sogar das Wirken westlicher
Geheimdienste in unserer veröffentlichten Meinung, wie etwa der
CDUler Wimmer. Dass mir das nicht schon eher aufgefallen ist...

Vielen Dank, Herr Duwe, dass Sie mein Weltbild wieder zurecht gerückt
haben. ...

http://www.heise.de/tp/foren/S-Da-musste-sich-wohl-jemand-richtig-auskotzen/forum-288407/msg-26097753/read/

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Quote
Die deutschen Putin-Fans aus der Verschwörungstheoretikerszene sind gesellschaftliche Außenseiter, die sich einbilden, Avantgarde einer schweigenden Mehrheit zu sein. Putins Russland ist für sie Sehnsuchtsort und Projektionsfläche. Wenn das die ‚fünfte Kolonne‘ des Kremls sein sollte, hat die ‚freie Welt‘ wohl gerade nochmal Glück gehabt. ...


Aus: "Zu Gast bei deutschen Putin-Fans" Von Krzysztof W. Rath (September 1, 2014)
Quelle: http://www.vice.com/de/read/zu-gast-bei-deutschen-putin-fans-montagsdemos-rt-711 (http://www.vice.com/de/read/zu-gast-bei-deutschen-putin-fans-montagsdemos-rt-711)

Quote
Knut Kiesewetter
Das ist also Vice Niveau. Naive arrogante Milchbubis spielen Schülerzeitung. ... Die armen Hipster, die so was lesen müssen. ... Hilfe!!!


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"KenFM und der Sozialismus der dummen Kerle" Patrick Gensing (2014)
Posted by Publikative.org seit dem 23. November 2014
Ist Ken Jebsen kein Antisemit? Das meint offenkundig der ehemalige Radiomoderator des RBB und vermeintliche Vorkämpfer der freien Rede über sich – und geht daher rechtlich gegen die Antilopen Gang vor. ...
http://www.publikative.org/2014/11/23/kenfm-und-der-sozialismus-der-dummen-kerle/

...

Ken Jebsen (* 29. September 1966 als Moustafa Kashefi) ist ein deutsch-iranischer Fernseh- und Radiomoderator und seit 2011 als freischaffender Reporter auf dem Portal KenFM tätig. Nachdem er verschwörungstheoretische Positionen vertreten hatte und der Vorwurf des Antisemitismus gegen ihn erhoben worden war, wurde er vom RBB entlassen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Jebsen

http://kenfm.de/ | https://www.youtube.com/user/wwwKenFMde/videos

...

Title: Das hat uns gerade noch gefehlt...
Post by: Link on November 19, 2014, 12:36:46 PM
"RT Deutsch - Das hat uns gerade noch gefehlt" Carsten Luther (19. November 2014)
Quote
... Der staatliche russische Propaganda-Kanal RT ist seit Kurzem mit einem deutschen Angebot auf dem Markt. Es ist erschreckend, wie dort gelogen und verbogen wird. ... Wenn Millionen aus dem Kreml hineingesteckt werden, kann nur Propaganda herauskommen. Das Misstrauen gegenüber dem deutschen Ableger des staatlichen russischen Auslandsfernsehens RT (ehemals Russia Today) war groß, bevor auf der Seite rtdeutsch.com Anfang November auch nur ein Artikel oder Video erschienen war. ... Schon der Muttersender erschafft mit seinem wilden Mix aus gezielten Manipulationen, obskuren Theorien und fragwürdigen Experten ein Paralleluniversum, das mit der Realität wenig gemein hat und dazu dient, die Sicht der russischen Regierung durchzusetzen oder Zweifel an anderen zu wecken. Nicht alles ist gelogen und verbogen, manch kritischer Beitrag hat seine Berechtigung, das sei vorweg gesagt. Echte Nachrichten und Analysen neben irrelevant Buntem und purem Unsinn – das macht diese Art der Propaganda aus. Insgesamt ist es haarsträubend, was dort als Journalismus verkauft wird, nun auch auf Deutsch. ...  Der fehlende Part, mit der RT noch einmal mehr den Anspruch erhebt, zu senden, "was andere nicht sagen, was andere nicht zeigen". Weil es RTs erklärtes Ziel ist, einen Gegenstandpunkt zu "einem einseitigen und oft interessengetriebenen Medien-Mainstream" zu setzen, kommt noch hinzu: sprechen mit Gästen, die andere nicht einladen. ... Dazu gehört etwa aktuell Ken Jebsen, der in der Ausgabe vom 17. November lediglich als unabhängiger Journalist anmoderiert wird. 2011 kündigte der Rundfunk Berlin-Brandenburg ihm wegen antisemitischer Äußerungen und kruder Verschwörungstheorien, das Repertoire reicht bis zur Andeutung, die US-Regierung könnte die Anschläge vom 11. September inszeniert haben. Sein publizistisches Projekt ist seither der Kampf gegen die "gleichgeschalteten Medien", er gilt als Gesicht und Stimme der Berliner Montagsdemos, eng verbunden ist er mit dem rechtspopulistischen Publizisten Jürgen Elsässer, Chefredakteur von Compact. ...
http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen

Quote
    icethoem
    vor 5 Stunden 8 Minuten

Meinungsfreiheit

Die Weltsicht von RT wird eine plurale Gesellschaft aushalten müssen. Propaganda wird hier wie dort betrieben, jüngst mit dieser plumpen Putin allein Geschichte. Bei RT ist wenigstens die Moderatorin hübsch.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen/seite-3?commentstart=25#cid-4112693

Quote
    LaGioconda
    vor 5 Stunden 4 Minuten

Carsten Luther...

... ist mir unvergesslich mit einem in meinen Augen ganz schlimmen Artikel kurz nach dem (unaufgeklärten) Abschuss der MH17: "Keine Sanktion ist zu hart". Der Artikel beginnt folgendermaßen: "Sind das die westlichen Werte, von denen dieser Tage immer die Rede ist? Man kann also einfach so ein ziviles Flugzeug mit 298 Menschen vom Himmel holen, ohne schwerwiegende Folgen befürchten zu müssen? "

Ich frage mich, ob Herr Luther angesichts eines derartigen "Journalismus" die richtige Person ist, über Kollegen zu urteilen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen/seite-3?commentstart=33#cid-4112710

Quote
    auch.das.noch
    vor 4 Stunden 57 Minuten

weil nicht sein kann, was nicht sein darf

So halte ich es auch nach der Berichterstattung der letzten Zeit. Wenn man bedenkt, dass selbst ein Herr Steinmeier die Medien kritisiert und dann unisono totgeschwiegen wird, halte ich das für ebenso entlarvend wie bedenklich.
Woher ich das weiss?
http://meedia.de/2014/11/15/aussenminister-steinmeier-bei-leadawards-konformitaetsdruck-in-den-koepfen-der-journalisten/

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen/seite-3?commentstart=41#cid-4112716

Quote
    bayert
    vor 4 Stunden 55 Minuten

Bin ich froh, dass wir den ÖR haben

weder die Tagesschau noch Heute würde auf die Idee kommen, Beiträge zu manipulieren bzw. zu verzerren.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen/seite-3?commentstart=41#cid-4112722

Quote
    BergoSachsa
    vor 4 Stunden 57 Minuten

Gelegenheit verpaßt

Herr Luther hat leider eine der Gelegenheiten verpaßt, sich einmal mit der Begrifflichkeit Journalismus an sich auseinanderzusetzen.

Anstatt wenigstens einmal zu hinterfragen, warum Journalismus immer mehr zu einer Form der Systempresse und zum Sprachrohr weniger verkommt, schmeißt er mitten im Glashaus wild mit Felsbrocken.

Bedenkt man aber Sätze wie diesen; "Die freien Medien erfüllen einen wichtigen Auftrag zur Erhaltung der demokratischen Gesellschaftsstruktur in Deutschland.", kann man hierüber nur den Kopf schütteln.

Herr Luther, ein älterer Herr bemerkte letztens in einer Gesprächsrunde zu der Aussage "Die Propaganda ist bald schlimmer als früher." nur folgendes, "Nein, Schreibstil und Grammatik haben doch erheblich gelitten".

Haben Sie etwas bemerkt? Die Ausrichtung der Medien (hier der deutschen) als Propagandainstrument wird hier nicht mehr in Frage gestellt. Dies mehr als zurecht.

...

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen/seite-3?commentstart=49#cid-4112727

Quote
    Tacere-Aurum
    vor 4 Stunden 54 Minuten

Man lese die Head Line!

"Das hat uns gerade noch gefehlt '' . Eigentlich ein publizistischer Offenbarungseid.

Es zeigt die Verzweiflung des Autors schon in der Überschrift. Er kann mit " uns '' nur den deutschen Journalismus meinen.

...

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen/seite-3?commentstart=65#cid-4112749


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"Leserkommentare abschalten?" Paul Schreyer (14.11.2014)
Immer mehr führende Journalisten äußern sich zur Vertrauenskrise der Medien in Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt. Einige schlagen nun sogar vor, Leserkommentare ganz abzuschaffen ...
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43319/1.html

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Quote
... Manipulieren die Nachrichten die Nachrichten? Hetzt die Presse gegen Putin? Lassen sich Journalisten kaufen? Die Kritik an den Medien in Blogs und Büchern wird immer exzessiver und aggressiver. ... Entsprechend werden unbestreitbare journalistische Fehlleistungen kommentiert und interpretiert, und was aus berechtigter Medienkritik bei völligem Verlust jedes Grundvertrauens und Wohlwollens wird, kann man auf Seiten wie dem Blog „Propagandaschau“ verfolgen. ... Seit einiger Zeit dringen führende deutsche Medien und Politiker gleichermaßen und teilweise gemeinsam darauf, dass Deutschland eine aktivere Rolle auch in kriegerischen Auseinandersetzungen übernehmen soll. Von vielen Kritikern werden die Journalisten dabei als Verbündete der Politik wahrgenommen, nicht als kritische und distanzierte Kontrolleure, und der Eindruck ist nicht abwegig. ... Bei der „Tagesschau“ gibt es immerhin so etwas Ähnliches wie die Ahnung einer Andeutung von Selbstkritik. „Möglicherweise sind wir zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt“, schrieb Chefredakteur Kai Gniffke im Blog zur Sendung. „Vielleicht hätten wir rechte Gruppierungen in der Ukraine früher thematisieren sollen . . . Wir hätten evtl. die NATO-Position noch kritischer hinterfragen können.“ Er räumte sogar ein, dass man „eher“ ein anderes Wort für die dubiose Gruppe von westeuropäischen Militärs, die im April in der Ostukraine festgehalten wurde, hätte wählen können, als „OSZE-Beobachter“. Im Sommer hatte Gniffke in einer Antwort auf eine Programmbeschwerde diese irreführende Bezeichnung noch als „richtig“ bezeichnet, weil sie „im Einklang mit dem Wording von Nachrichtenagenturen und Qualitätszeitungen“ gestanden habe, was eine der traurigstmöglichen Rechtfertigungen ist und vielleicht ein guter Hinweis darauf, wo ein Problem des Medien-Mainstreams liegt.

In seiner Selbstkritik konnte sich Gniffke aber den Satz nicht verkneifen, dass man es sich nicht zu einfach machen wolle und „alles als gesteuerte Kampagnen und Spielwiese für Verschwörungstheoretiker abtun (obwohl das zum Teil der Fall ist)“. Kritiker wie Albrecht Müller von den „Nachdenkseiten“ empfanden das nachvollziehbarerweise als unterschwellige „bösartige Attacke“.

Viele der seriösen Medien scheinen noch nicht zu ahnen, wie groß die Erosion des Vertrauens in ihre Arbeit ist und dass dieses Vertrauen die Grundlage für alles ist. ...


Aus: "Medienschelte Journalismus unter Verdacht" Stefan Niggemeier (02.11.2014)
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/journalismus-unter-verdacht-vom-wachsenden-populaeren-misstrauen-gegenueber-der-presse-13242833-p3.html

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"Wir wurden gleich mit der Propaganda-Keule begrüßt"
Harald Neuber 24.11.2014
Der Chefredakteur von RT Deutsch, Iwan Rodionow, über deutsche Kollegen, Demagogie und den "fehlenden Part"
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43388/1.html

Quote
Goerlitzer, 24. November 2014 07:23
Die weitgehende Eintönigkeit in der deutschen Medienlandschaft....

...hat tp zum Erfolg verholfen und verschafft rtdeutsch überhaupt
erst eine Marktnische und Existenzberechtigung.

Die Empörung vieler Bürger über die Medien, speziell im Zusammenhang
mit der Ukraine-Krise, beruht doch nicht darauf, dass man in der
Tagesschau oder der Regionalzeitung sich öfter mit Beiträgen
konfrontiert sieht, die nicht der eigenen Einschätzung entsprechen.
Zum gesellschaftlichen Ärgernis wurde die Berichterstattung doch
erst, als die Bürger realisierten, dass so gut wie alle Medien
inzwischen auf den Propaganda-Modus umgepolt wurden und bemüht sind,
sie insbesondere durch eine strikte Nachrichten-Selektion zu
manipulieren.

Das nun neben einigen kleineren Alternativmedien ausgerechnet von
einem von Russland finanzierten Portal ein Beitrag zur
Wiederherstellung der Medienvielfalt in Deutschland erwartet wird,
ist für die deutsche Journalistenschar so peinlich wie die legendäre
Merkel-Pressenkonferenz von 2009, als es einem holländischen
Journalisten vorbehalten war zu fragen, ob
100.000-DM-im-Umschlag-Schäuble wirklich die richtige Person für das
Amt des Finanzministers ist.
https://www.youtube.com/watch?v=XaWE8K2nRVs

http://www.heise.de/tp/foren/S-Die-weitgehende-Eintoenigkeit-in-der-deutschen-Medienlandschaft/forum-288670/msg-26127127/read/

Quote
Dros, 24. November 2014 05:21
Kommentare freischalten!

Wenn auf RT deutsch die Kommentarfunktion unter den Artikeln frei
geschaltet wird, glaube ich, dass es RT ernst ist mit seinem
Anspruch. Das war bei meinem letzten Besuch dort noch nicht der Fall.
Noch ein Propagandageschütz braucht in der Tat niemand.

http://www.heise.de/tp/foren/S-Kommentare-freischalten/forum-288670/msg-26127069/read/

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"Wegen “anti-westlichen Ansichten”: Britische Zensurbehörde droht Russia Today mit Lizenz-Entzug"
Von Wilhelm von Pax - Am 04. Mrz. 2015 - unter Medien
Laut Berichten des Enthüllungs-Journalisten Glenn Greenwald, soll die britische Medienaufsichtsbehörde “Office of Communications” (kurz: OFCOM) dem russischen Staatssender Russia Today mit Lizenz-Entzug gedroht. Er beschreibt, wie Ofcom das russische RT jüngst wiederholt drangsalierte, weil es „antiwestliche Ansichten“ geäußert habe. ...
http://www.neopresse.com/medien/wegen-anti-westlichen-ansichten-britische-zensurbehoerde-droht-russia-today-mit-lizenz-entzug/

"UK Media Regulator Again Threatens RT for “Bias”: This Time, Airing “Anti-Western Views”"
By Glenn Greenwald (02.03.2015)
Today, Ofcom announced a new “bias” investigation into RT. The offense this time, according to the Guardian, is the broadcasting of “anti-western comments in a late-night discussion on Ukraine.” Specifically, “the programme is understood to have featured a number of anti-Western views in the discussion between the presenter and three studio guests.” ...
https://firstlook.org/theintercept/2015/03/02/uk-media-regulator-threatens-rt-bias-airing-anti-western-views/


"Russia Today faces inquiry over anti-western comments in Ukraine debate"
http://www.theguardian.com/media/2015/mar/02/russia-today-anti-western-ukraine-crosstalk-kremlin

Title: ...
Post by: Link on December 09, 2014, 12:25:46 PM
"Im Namen des Kreml" Jan Pfaff (08.12.2014)
Polit-PR Das russische Staatsfernsehen RT sendet seit Mitte November auch auf Deutsch. Es sorgt sich nämlich um Meinungsvielfalt.  ... Man legt Wert darauf, gerufen worden zu sein, um dem „einseitigen und oft interessengetriebenen Medien-Mainstream“ etwas entgegenzusetzen. Erklärtes Ziel ist es, „eine Gegenöffentlichkeit herzustellen“. Im Auftrag des Kreml wird also versucht, einen Begriff zu okkupieren, der in den 70er Jahren in der Bundesrepublik entstand. In der Auseinandersetzung mit der Springer-Presse, die die 68er und ihre Nachfolger diffamierte, setzte sich in linken Kreisen die Überzeugung durch, dass man andere Medien braucht, wenn man die Gesellschaft verändern will. Bei der Gründung alternativer Zeitungen stand nicht möglichst ausgewogener Journalismus im Vordergrund, es ging um einen klaren linken Standpunkt. ...

Quote
Malvoisine 08.12.2014 | 15:56

Pseudo-Selbstkritik und Feindpropaganda
In seinem Anti-RT-Artikel hat Herr Pfaff einen wesentlichen Aspekt vergessen:
Bei RT weiß jeder, von welcher Seite es kommt und kann die Artikel und Informationen entsprechend einordnen.
Die NATO-Propagandaartikel dagegen werden der Bevölkerung einfach untergejubelt, der Leser wird über den transatlantischen Hintergrund der Journalisten nicht informiert, zunächst entsteht hier der Anschein unabhängiger Berichterstattung!

Jüngstes Beispiel hierfür:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-12/russland-ukaine-putin-aufruf-ruprecht-polenz

Herr Polenz ist ein Transatlantiker, wie er im Buche steht:
"Darüber hinaus war Ruprecht Polenz von 1996 bis 2006 Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft."

http://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_Polenz

Niemand würde sich beschweren, stünde als Name des Mediums nicht ZEIT ONLINE, sondern NATO-TODAY oder US-TODAY, wodurch man das Medium sofort einordnen könnte und der Leser automatisch eine kritische Distanz zu den Inhalten einnähme.

Bei RT besteht dieses Problem nicht - und im Vergleich u.a. auch zum Freitag empfinde ich deren Berichterstattung eher noch als neutral.

Zudem - Herr Pfaff - ist es wenig überzeugend, wenn man hier etwas pseudomäßige Selbstkritik übt und als nächstes wieder auf den "Feind" einschlägt.

Ich glaube, Sie haben wie viele Medienschaffende nicht im Ansatz verstanden, wie tief der Vertrauensverlust der Leser inzwischen ist - verursacht durch diese offensichtlich einseitige russlandfeindliche Haltung und damit verbundene die mit Lügen und bewussten Weglassungen durchsetzte Berichterstattung.


Quote
salvo 09.12.2014 | 09:10
btw die meisten Journalisten, auch die herrschaftskritischen, werden niemals zugeben, dass der 'Journalismus' an sich unter den heutigen Bedingungen einer zunehmenden Ungleichheit, also einer wachsenden Machtasymmetrie zwischen oben und unten, zu einem Herrschaftsinstrument geworden ist, ebensowenig wie ein 'Politiker' zugeben wird, dass Politik unter solchen Bedingungen nichts mit dem Prinzip demokratischer Repräsentanz zu tun hat. Das sind nur noch Simulakren, die der herrschende Diskurs reproduziert, um Herrschaft zu legitimieren.


Kommentar zu https://www.freitag.de/autoren/jan-pfaff/im-namen-des-kreml (https://www.freitag.de/autoren/jan-pfaff/im-namen-des-kreml)

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Der FREITAG: “Im Namen des Kreml” (08.12.2014)
Der Artikel des FREITAG-Redakteurs Jan Pfaff, in dessen Vorfeld auch einige Fragen an die Propagandaschau gestellt wurden, ist heute veröffentlicht worden: “Im Namen des Kreml” ist sicher nicht der glücklichste Titel, aber inhaltlich ist es durchaus lesenswert und – zumindest was den PS-Blog betrifft – weitestgehend fair. ... Unfair – und ganz und gar nicht zutreffend – ist hingegen die Unterstellung hinsichtlich RT-Deutsch ...
http://propagandaschau.wordpress.com/2014/12/08/der-freitag-im-namen-des-kreml/

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Quote
... Natürlich erinnert die heutige Berichterstattung zur Ukraine an den vorauseilenden Gehorsam, die Hierarchiegläubigkeit und den archaisch anmutenden Nationalstolz, der im Kaiserreich als „Byzantinismus“ verhöhnt wurde. Auch heute erleben wir diese „kriecherische Schweifwedelei“ all derer, die sich von der übergroßen Nähe zu den Reichen und Mächtigen für sich selbst eine exzeptionelle Stellung versprechen und an eine „nationale Aufgabe“ der Presse glauben (Peter Limbourg, DW). Byzantinismus und unabhängiger, kritischer Journalismus sind eben nicht unter einen Hut zu bringen, schließen einander kategorisch aus.

...


Aus: "RTdeutsch und der Mainstream"
Medienkritik - Eine Antwort an Jan Pfaff und seinen Artikel „Im Namen des Kreml“ vom 8.12.2014
Ein Nutzerbeitrag von Bilito
https://www.freitag.de/autoren/bilito/rtdeutsch-und-der-mainstream

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"ZDF heute-journal: Kleber-Interview mit Merkel als Paradebeispiel für Agitation und Propaganda" (09.12.2014)
http://propagandaschau.wordpress.com/2014/12/09/zdf-heute-journal-kleber-interview-mit-merkel-als-paradebeispiel-fur-agitation-und-propaganda/

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Quote
... Kann oder soll man RT Deutsch wirklich ernst nehmen? Der Journalist Olaf Sundermeyer, der nach einigem Zögern die Einladung zu «Der fehlende Part» angenommen hatte, erklärte gegenüber der MEDIENWOCHE, er empfinde den russischen Sender als «bedrohlich». Und: «Ich teile die Auffassung von Reporter ohne Grenzen, dass RT Deutsch die Pressefreiheit gefährde.» Nach seiner Erfahrung habe «RT Deutsch» mit Journalismus nichts mehr zu tun, sondern sei vielmehr «knallharte Staats-Propaganda», deren Zweck es sei, Zweifel und Irritation unter den Zuschauern zu erzeugen. Damit würden diese Leute bestärkt, die glauben, dass es bei den Medien sowieso nicht mit rechten Dingen zugehe.

Sicher ist – RT Deutsch bietet deutschsprachigen Verschwörungstheoretikern ein Forum. Ob diese teils plumpe Art der Suggestion, der Pauschalurteile und der Faktenverdrehung wirklich im deutschsprachigen Raum ein grösseres Publikum erreicht, ob sich die bereits Medienverdrossenen radikalisieren werden, ist heute noch nicht abzusehen.


Aus: "Viel Suggestion, einseitige Faktenauswahl" Jens Mattern (28. November 2014)
Quelle: http://medienwoche.ch/2014/11/28/viel-suggestion-einseitige-faktenauswahl/ (http://medienwoche.ch/2014/11/28/viel-suggestion-einseitige-faktenauswahl/)

Quote
ueli brunner, 2. Dezember 2014, 10:50

Von welcher PR-Agentur stammt dieser Artikel? Die machen echt gute Arbeit!


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"60 Prominente gegen den Krieg sind keine Nachricht für ARD und ZDF" (08 Dez 2014)
Am Freitag haben mehrere Dutzend Prominente, darunter ein ehemaliger Bundespräsident, ein ehemaliger Bundeskanzler, mehrere ehemalige Ministerpräsidenten und Bundesminister und viele bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Publizistik, einen Appell für eine „neue Entspannungspolitik“ und einen Dialog mit Russland veröffentlicht: „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“
Falls Sie davon gehört haben, dann nicht aus den Fernseh-Nachrichten von ARD und ZDF. Die haben darüber nämlich nicht berichtet.
Der Aufruf wurde vom früheren Kanzlerberater Horst Teltschik (CDU) initiiert, der zur Motivation sagte: „Uns geht es um ein politisches Signal, dass die berechtigte Kritik an der russischen Ukraine-Politik nicht dazu führt, dass die Fortschritte, die wir in den vergangenen 25 Jahren in den Beziehungen mit Russland erreicht haben, aufgekündigt werden.“ Die Unterzeichner richten sich nicht nur an Regierung und Parlament, sondern auch an die Medien ...

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/19983/60-prominente-gegen-den-krieg-sind-keine-nachricht-fuer-ard-und-zdf/

Title: ...
Post by: Link on December 18, 2014, 10:07:22 PM
TagesWoche: "Das Publikum weiß mehr als wir"
Marcus Klöckner 18.12.2014
Schweizer Zeitung stellt 5 Thesen zum Misstrauen gegen Medien auf...
http://www.heise.de/tp/news/TagesWoche-Das-Publikum-weiss-mehr-als-wir-2502412.html


"5 Thesen zum Misstrauen gegen die Medien"
Thom Nagy und Matthias Oppliger, 8.12.2014, 16:56 Uhr
Unmoralisch, manipulativ, käuflich: Klassische Medien sehen sich im Netz mit Kritik in nie gekannter Schärfe konfrontiert. Wir gehen dem Thema auf den Grund – und brauchen dazu Ihre Hilfe.  ....
http://www.tageswoche.ch/de/2014_49/leben/674384/5-thesen-zum-misstrauen-gegen-die-medien.htm

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Infratest-Umfrage: Deutsche trauen Medien immer weniger
Peter Mühlbauer 17.12.2014
NDR-Magazin Zapp will sich heute mit den Ursachen der Glaubwürdigkeitskrise beschäftigen - Einer im Auftrag des NDR-Medienmagazins Zapp vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap durchgeführten Umfrage nach trauen inzwischen stolze 63 Prozent der Deutschen den Medien nicht mehr, wenn es um die Darstellung der Ukrainekrise geht. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43658/1.html

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"Fast jeder Zweite misstraut den Medien" (22. Dezember 2014)
Nur 40 Prozent der Deutschen halten die Presse für objektiv. Vor allem Gebildete und Gutverdienende glauben, die Berichterstattung sei einseitig und politisch gelenkt. ... Auffallend sind zudem die Differenzen je nach Parteipräferenzen. So ist der Anteil derjenigen, die die Medien für einseitig und nicht objektiv halten, unter den Anhängern der Linken und der AfD mit jeweils 63 Prozent und der FDP mit 59 Prozent deutlich höher als bei den Anhängern von Union, SPD und Grünen.
Ebenso bemerkenswert: Das Misstrauen in die Medien und in den Westen nimmt mit der Höhe des Bildungsabschlusses und des Einkommens zu. Am höchsten ist die Zahl derjenigen, die die Medienberichterstattung für einseitig und politisch gelenkt halten, bei den Befragten mit Abitur und Hochschulabschluss sowie dem höchsten Monatseinkommen. ... Für die Umfrage wurden zwischen dem 19. und 22. Dezember 1.043 Personen befragt. ...

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-12/umfrage-medien-russland-putin-kriegsgefahr

Quote
    messokrat
    vor 6 Stunden 41 Minuten

4. Hmmmm

"Das Misstrauen in die Medien und in den Westen nimmt mit der Höhe des Bildungsabschlusses und des Einkommens zu. Am höchsten ist die Zahl derjenigen, die die Medienberichterstattung für einseitig und politisch gelenkt halten, bei den Befragten mit Abitur und Hochschulabschluss sowie dem höchsten Monatseinkommen. Tendenziell ähnlich ist es bei der Frage, ob der Westen oder Putin für den Konflikt mit Russland hauptverantwortlich ist"

ist das nicht zufällig die Leserschaft der ZEIT, SPIEGEL, FAZ und Süddeutsche? Woher kommt das nur?



Quote
    SchwereInnereVerletzung
    vor 6 Stunden 41 Minuten

5. Ach..., sowas aber auch.

>>>Vor allem Gebildete und Gutverdienende glauben, die Berichterstattung sei einseitig und politisch gelenkt.<<<

Aus gutem Grund.
Wird dieser Verdacht doch immer wieder bestätigt.


Quote
    akutan_zero
    vor 6 Stunden 45 Minuten

15. Predigt

"Ebenso bemerkenswert: Das Misstrauen in die Medien und in den Westen nimmt mit der Höhe des Bildungsabschlusses und des Einkommens zu."

Und das mit gutem Grund. Aber in den Redaktionen glaubt man sich immer noch im Besitz der Wahrheit und predigt fleissig weiter, im Stil der alten Vorbeter-Predigten für die geistig Armen und wundert sich, wieso einem langsam aber sicher der Boden unter den Füssen wegbröckelt. Dass gerade Gebildete und Gutverdienende es vorziehen, dass man MIT ihnen redet anstatt nur ÜBER sie sollte nicht weiter wundern. Im alten obrigkeitsstaatlichen Denken das nicht nur in der Politik sondern auch in der staatstragenden Presse stark verankert ist, ist diese Erkenntnis aber noch nicht angekommen. Willkommen im 21. Jhdt!


Quote
    krudeTheorienKiller
    vor 6 Stunden 43 Minuten

17. Diesen Ruf haben sich die Medien redlich verdient

...


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    lezteul
    vor 6 Stunden 41 Minuten

19. Kein Wunder, denn ...

... man gewinnt den Eindruck, dass über die Medien versucht wird dem Volk das Gehirn zu waschen. Was soll sonst die stetige Wiederholung von der "Rentenlücke", dem "Fachkräftemangel" oder neuerdings auch "Generationenwandel" bedeuten? Wenn man in den Printmedien neben einem Artikel über Altersarmut eine Anzeige der Union-Invest findet, wird doch mehr als deutlich wessen Interessen da verfolgt werden.


Quote
    zoon politicon
    vor 6 Stunden 39 Minuten

23. Lenkung

Ich denke nicht, dass die Medien gelenkt werden, das ist doch eine Verschwörungstheorie. Vielmehr erscheint es mir plausibel, dass eine Lenkung überhaupt nicht notwendig ist;
Worauf in anderen Kontexten ja gerne hingewiesen wird, ist, dass Menschen andere Menschen dann fördern, wenn deren Weltanschauungen mit ihren eigenen übereinstimmen. Heißt: Die Medien als gesellschaftliches Subsystem ziehen Menschen mit einander tendentiell ähnlichen Weltanschauungen an. Dazu kommt, dass sich die Eliten verschiedener Subsysteme (Medien, Politik, Wirtschaft, Sport,..) tendentiell ähneln, weil der Aufstieg in den Subsystemen nach ähnlichen Logiken funktioniert. Damit sind sich die Eliten verschiedener Subsysteme weltanschaulich näher als die Eliten den Nicht-Eliten ihres jeweiligen Subsystems.
Das führt dann notwendigerweise zu der zurecht beklagten einseitigen und nur oberflächlich kritischen Berichterstattung. Mit Lenkung hat das nichts zu tun, das ist eine soziale Logik. Das macht es allerdings im Ergebnis auch nicht besser. ...


Quote
    Sonderling
    vor 6 Stunden 40 Minuten

32. Der große, für alle ersichtliche Sündenfall

war in Österreich, wie in Deutschland die völlig einseitige Ukraine-Berichterstattung.
Seither sind die bisher gutgläubigen Leser hellhöriger und kritischer geworden.

K.Raddatz ,früherer Feuilletonchef der ZEIT, meinte einmal sinngemäß:

"...Journalisten tun groß, Herr Kohl soll das tun, Herr Mitterand muss das lassen,... in Wahrheit sind das kleine Leute, die sich Sorgen machen um die Raten für ihr Reihenhaus."

Herr Bittner und Herr Joffe müssen sich in dieser Hinsicht natürlich keine Sorgen mehr machen, nur unabhängig und frei sind die auch nicht.

Und das ist nicht gut so !



Quote
    roland_s
    vor 6 Stunden 38 Minuten

38. Reflektion

Es ist immer leicht, bei Anderen oder ganz weit weg nach der Verantwortung zu suchen. Mich würde aber mal interessieren, was so in den Köpfen der Zeit vor sich geht, wenn Sie solche Umfragen liest. Es ist an dieser Stelle hier nämlich viel sinnvoller zu schauen, wie sich das für die Zeit und das Verhältnis zu den Lesern verhält.

Ich bin kein Putin-Versteher, kein Linker, finde Pegida und AfD höchst bedenklich - und dennoch würde ich, wenn man mich hier konkret fragen würde, antworten: Ja, ich misstraue der ZEIT.

Weil die Zeit, vor allem, aber nicht nur ZEIT-Online in den letzten Jahren sehr stark nachgelassen hat! (Weshalb mich die Zeit-Print als regelmäßiger Leser, ja zeitweise Abonnent auch verloren hat)

Die Zeit ist eine Wochenzeitung. Da erwarte ich gute Recherche und ausgewogene Berichterstattung. Die findet man aber immer weniger, in einigen wichtigen Bereichen gar nicht mehr. Investigativer Journalismus? Extreme Mangelware. Auch stand die ZEIT auch einmal für ein Verteidigen von Werten. Stattdessen findet man überwiegend eine schon an die Grenze zur Hörigkeit gehende Einstellung zur Wirtschaft und - leider - zu den USA! In den entscheidenden Themen Sicherheitswahn, Überwachung, Unterordnung wichtiger Lebensbereiche unter das Dogma (meist amerikanischer) Großkonzerne hinkt die Zeit hinterher! Hier müsste eine Zeitung, von der ich auch gesellschaftliche Diskussionen erwarte, mal Verantwortung übernehmen! ...


Quote
    TUS1
    vor 6 Stunden 41 Minuten

43. Dieses Ergebnis sollte

zum Nachdenken bei der Presse führen.
Hat man den Eindruck, dass die Berichterstattung nur von Auflagenzahlen und Einschaltquoten diktiert wird und andererseits Journalisten in Kriegsgebieten ihr Leben aufs Spiel setzen, klafft zwischen diesen Phänomenen eine große Lücke ... ich nenne diese "unabhängigen Journalismus". Man muss sich nur die Folge der ZDF Satire Sendung "die Anstalt" vom April diesen Jahres nochmal ansehen, in dem sehr offen gezeigt wird, inwieweit die Journalistischen Führunggremien unabhängig handeln.
Beklagte sich jüngst (ich glaube bei Phoenix) ein unabhängiger Fotoreporter, der aus Krisengebieten berichtet, dass seine Fotos teilweise sinnenstellt verwendet werden, muss man sich fragen, ob es tatsächlich so ist, dass Nachrichten entweder vergewaltigt werden oder auf Teufel komm raus fremdprostituiert werden, um einen anderem Zweck, als einer objektiven Berichterstattung zu dienen.
Der kritische Umgang mit der Politik fehlt. Viele schreibende Journalisten hinterlassen den Eindruck von der Politik domestiziert zu sein. Es fehlt der Biss, es fehlt der Mut auch mal gegen den Mainstream zu berichten.


Quote
    Pudels.poodle
    vor 6 Stunden 40 Minuten

47. Dass die Berichterstattung in den Medien voreingenommen

und tendenziös ist, ist doch seit Ewigkeiten bekannt. Presseerzeugnisse und Fernsehsender stehen politischen Parteien und Ideologien nahe, und wer dort ohne das passende Parteibuch einsteigen will, kann gleich wieder gehen. Das hängt auch nicht mit "für oder gegen Putin" zusammen (was für'n Quatsch, schon so eine Formulierung!). Die Menschen, die sich heute leichter zusätzlich informieren können, haben halt so ihre negativen Erfahrungen mit den Medien, besonders schlimm: auch mit den öffentlich-rechtlichen! Dass den Menschen aber inzwischen ein überall gleichlautender Einheitsbrei als Wahrheit serviert wird (mainstream), wirkt auf wache Zeitgenossen besonders besorgniserregend.

Interessant zu wissen wäre, ob die Medien irgendeine Konsequenz aus dem Mißtrauen der Menschen ihnen gegenüber ziehen. Z.B. umfassender und wahrheitsgemäßer zu berichten. Natürlich kann man ebenso versuchen, noch perfekter zu manipulieren. Und schließlich ist auch ein Weg, die Leute noch konsequenter zu verdummen, damit sie leichter alles Vorgesetzte glauben und den gewünschten Weg gehen. Ich bin jedenfalls pessimistisch.


http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-12/umfrage-medien-russland-putin-kriegsgefahr?commentstart=1#comments

Title: ...
Post by: Link on January 15, 2015, 09:22:11 AM
"Die Wahrheit ist nur eine Fußnote der Geschichte" Sascha Pommrenke (15.01.2015)
Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, zeigt in einem Rant im Blog der Tagesschau, das Differenzierung und Selbstkritik sein Ding nicht sind. Auch wenn er mit der Distanz von einem Tag und großer medialer Resonanz relativiert. Anstatt, wie es dpa und Reuters getan haben, so etwas Ähnliches wie Einsicht zu zeigen - "unglückliche Situation" -, ist Gniffke der Meinung, dass Kritik seine Grenzen kennt. ... Warum der Streit um ein inszeniertes Bild am Kern der Kritik vorbeigeht ...
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43861/1.html | http://blog.tagesschau.de/2015/01/13/die-verschwoerung-von-paris/



"Die Kunst der Gehirnwäsche # 119: Alles eine Frage der Perspektive (Marche Republicaine, Paris, 11. Januar 2015)"
http://welteninwelten.blogspot.de/2015/01/die-kunst-der-gehirnwasche-119-alles.html


"Bild von Kundgebung in Paris Ein gestelltes Foto darf Geschichte schreiben" Gerhard Matzig (13. Januar 2015)
Die Ikonographie der politischen Sphäre ist ein fester Bestandteil der Bildgeschichte. ...
http://www.sueddeutsche.de/politik/bild-von-kundgebung-in-paris-ein-gestelltes-foto-darf-geschichte-schreiben-1.2302160

Quote
Interessant ist übrigens auch, dass die SZ zwar darauf hinweist, dass das Foto von der Frontreihe führender Politiker dieser Welt in Paris zwar gestellt ist, aber die SZ MUSS hinzufügen, >>an der Aufrichtigkeit der Geste ändert das jedoch nichts.<<

... Unter Aufrichtigkeit verstehe ich, dass man sich nicht inszeniert oder inszenieren lässt.


https://klausbaum.wordpress.com/2015/01/13/kunstlerische-sicht-auf-die-presse/


"Die „Tagesschau“. Wo man schöne Inszenierungen nicht blöd hinterfragt"
Ich kann verstehen, dass Menschen das ärgert, wenn sie das erfahren. Wenn sie Grund haben anzunehmen, dass Journalisten ihnen etwas vormachen und Komplizen bei einer Inszenierung sind, anstatt diese Inszenierung kenntlich zu machen. Natürlich ist jede Auswahl eines Fotos oder eines Filmausschnittes eine subjektive Entscheidung. Es ist aber nicht die Aufgabe von Journalisten, den Aufmarsch von mehreren Dutzend Staats– und Regierungschefs durch eine geschickte Wahl der Perspektive besonders eindrucksvoll wirken zu lassen. ...
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20186/die-tagesschau-wo-man-schoene-inszenierungen-nicht-bloed-hinterfragt/


"Trauermarsch in Paris Staatenlenker posierten nicht in Seitenstraße" Nik Afanasjew (13.01.2015)
Das Foto der Spitzenpolitiker, die Hand in Hand in Paris für die Freiheit marschierten, ist jetzt schon historisch. Nun gibt es aber Verwirrung um das Bild. ...
http://www.tagesspiegel.de/politik/trauermarsch-in-paris-staatenlenker-posierten-nicht-in-seitenstrasse/11225488.html

Quote
     von HelgaCharly
    14.01.2015 19:23 Uhr

Mehr als ein schaler Beigeschmack, es war Manipulation
Schade, dass so viele Journalisten und Massenmedien diese Selbst-Inszenierung der Politik unkritisch mitgemacht und zT gefördert haben. Im Ergebnis war es Täuschung, kein Qualitätsjournalismus.
Vorsätzliche Täuschung der Leser und Zuschauer durch Journalisten großer Zeitungen und der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender? Die Frage muss man stellen in einer Zeit, in der es ohnehin um die Glaubwürdigkeit von Politikern und Medien / Presse geht.


Es wurde der falsche Eindruck erweckt - DIESE Bilder gingen massenmedial um die Welt - diese Politiker wären mit dem Volk (mit Sicherheitsabstand, dafür wäre Verständnis aufzubringen)von Beginn bis Ende im Demonstrationszug marschiert.

Sie kamen jedoch in den Limousinen mit staatsbedienstetem Fahrer zum Foto-Termin für die Weltpresse, Frau Merkel in der Mitte auf allen Bildern. Und stiegenn dann wieder in die Limousinen, während Hunderttausende aus Solidarität marschierten. Nach 250 Metern Foto-Termin.

Die Bitterkeit liegt in meinen Worten, die ich empfinde.


Quote
     von wocker
    13.01.2015 18:32 Uhr

KEINE "Verwirrung" um das Bild
sondern der Bild-Beweis der Täuschung des werten Publikums.

Andere Zeitungen, z.B. die britische INDEPENDENT, berichten ausführlich mit Bildmaterial über die Vortäuschung falscher Tatsachen.
Auch Bilder können lügen - in unsrerem bildmächtigen Zeitalter besonders.

Paris march: TV wide shots reveal a different perspective on world leaders at largest demonstration in France’s history
http://www.independent.co.uk/news/world/europe/paris-march-tv-wide-shots-reveal-a-different-perspective-on-world-leaders-at-largest-demonstration-in-frances-history-9972895.html



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Lügenpresse ist ein polemisch gebrauchter und diffamierend gemeinter Begriff für mediale Erzeugnisse, der sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisen lässt. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCgenpresse


"Begriffsklärung zum Unwort des Jahres" (13.01.2015)
„Lügenpresse“ Wer sich aus dem Sprachfundus des Dritten Reichs bedient, braucht sich über den Widerspruch der Anständigen und Geschichtsbewussten nicht zu wundern ...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/zum-aufstand-gegen-die-luegenpresse-eine-begriffsklaerung

Quote
W.Biermann 13.01.2015 | 17:02
Der Begriff ist problematisch, sicher.  Die Anständigen und Geschichtsbewussten haben Recht im Wortsinn.
Was ist mit unseren Medien los? Mit denen, die vielleicht nicht direkt lügen, sondern Teile der Information verschweigen? Mit denen, welche uns aus falsch verstandener Fürsorge vorgekaute Nachrichten servieren und anschließend noch erklären wollen, wie es (nur!) zu verstehen ist?
Gerade weil wieder Halbwahrheiten verkauft werden sollen, ist das Unwort vielleicht besser als "Wort des Jahres" zu ehren! Ihr Journalisten sollt uns umfassend informieren, wir sind keine Kinder, denen an sagt, was sie glauben sollen.
Obwohl ich Klemperer gelesen habe, bin ich entsetzt, wer sich heute als "Anständig und Geschichtsbewusst" verkaufen will. ...

Quote
30sec 14.01.2015 | 10:16

Ein geflügeltes Wort lautet "Lügen wie gedruckt".
In der FC erschienen: Spiegel lügt wie gedruckt.
Am bekanntesten war jahrzehntelang "BILD lügt wie gedruckt". Bis die "seriöse" Presse und auch ARD-Tagesschau und ZDF-Heute nach und nach das Lügenblatt - so Wallraff alias Hans Esser - als Referenz für Meldungen angaben. Springer-Chef Mathias Döpfner hat Hans Esser  mittlerweile lieb und für Wallraff ist unterdessen Freiheit immer die Freiheit von Radio Luxemburg.

Journalisten, die nach bestem Wissen und Gewissen berichten oder eigene Meinung kundtun, müssen sich vom Vorwurf "Lügenpresse" überhaupt nicht betroffen fühlen. Andere hingegen, die propagandistisch für Politik, Militär, Wirtschaft oder sonstige Interessen unterwegs sind, müssen sich auch über ätzende Kritik  nicht wundern.

Die PEGIDAs allerdings sollten sich an die eigene Pinocchionase fassen, haben sie doch ihre eigenen Hetzer und Wortverdreher.

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""Lügenpresse" - ein böses Wort?" Arno Klönne (14.01.2015)
Kritisches über die diesjährige Warnung vor einem "Unwort"...
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43850/1.html

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"PEGIDA-Anhänger glauben Lügenpresse nicht, dass "Lügenpresse" Unwort des Jahres ist" (Dienstag, 13. Januar 2015)
Dresden, Darmstadt (dpo) - Mehrere tausend PEGIDA-Anhänger haben heute in den sozialen Netzwerken erklärt, der Lügenpresse nicht zu glauben, dass der Begriff "Lügenpresse" zum Unwort des Jahres gewählt wurde. Zuvor berichteten zahlreiche Medien, darunter etwa Spiegel Online und tagesschau.de, übereinstimmend über die Entscheidung einer Jury aus Sprachwissenschaftlern an der TU Darmstadt. ... Die Lügenpresse lügt doch schon wieder wie gedruckt!!!!1!", schreibt etwa ein empörter Besucher auf der PEGIDA-Facebook-Seite. Immerhin sei auffällig, dass die Nachricht in nahezu allen "gleichgeschalteten Systemmedien" aufgetaucht sei ...
http://www.der-postillon.com/2015/01/pegida-anhanger-glauben-lugenpresse.html
Title: ...
Post by: Link on January 18, 2015, 03:44:16 PM
"Die erste Macht im Staate - Ein kurzer Überblick über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Massenmedien" Tomasz Konicz (17.01.2015)
"Lügenpresse" ist zu einem beliebten Schlagwort der Neuen Deutschen Rechten avanciert, die überall Verschwörungen von Journalisten wittert. Dabei haben Manipulationen, gedruckte Halbwahrheiten und verzerrte Berichterstattung in der Medienbrachen leider System, wie ein Blick auf Vergangenheit und Gegenwart der Meinungsindustrie offenbart. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43761/1.html

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"Amerikas Fernsehkultur: Wenn Witzfiguren Nachrichten machen" Nina Rehfeld, Phoenix (17.02.2015)
Amerikas Fernsehen macht einen irre: Die Nachrichten sind eine Farce, ernsthafte Satiriker geben auf. Was bleibt, ist Polit-Klamauk. ...
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-amerikanische-fernsehkultur-politik-klamauk-und-co-13432256-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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"Begehrt, bemängelt, geschmäht – Journalismus" Hans-Jürgen Arlt (19.02.2015)
Fünf Eigenschaften seiner Mitteilungen (unzensiert, unparteiisch, relevant, richtig, aktuell) unterscheiden den Journalismus von anderen Formaten öffentlicher Kommunikation wie Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Unterhaltung. Journalistische Veröffentlichungen werden seit jeher bemängelt, ja verdammt, weil sie aus der Sicht ihrer Kritiker diese Eigenschaften nicht oder nur unzureichend erfüllen. Über kaum einen Beruf wird so viel Hohn und Spott ausgeschüttet. ...
http://www.carta.info/77297/begehrt-bemaengelt-geschmaeht-journalismus/

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"Medienhack: Neo Magazin Royale und der Varoufakis-Stinkefinger"
von Markus Beckedahl am 18. März 2015
TV kann doch noch subversiv sein. Das Neo Magazine Royale behauptet, den Stinkefinger von Varoufakis als Medienhack bei Günther Jauch platziert zu haben. Am Sonntag echaufierte sich Günther Jauch über einen Stinkefinger, den der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis vor zwei Jahren uns Deutschen gezeigt haben soll. Varoufakis erklärte noch in der Sendung, dass das ein Fake sei, was ihm aber kaum jemand glaubte. Die Macht der Bilder eben. Es folgten mehrere Tage voller Skandalisierung, vor allem durch die BILD-Zeitung in Richtung Griechenland. Jan Böhmermann erklärt jetzt in einem Youtube-Video als Vorab-Ausschnitt des kommenden Neo Magazin Royale, dass seine Redaktion das Video gefälscht und den Stinkefinger eingebaut habe. ...
https://netzpolitik.org/2015/medienhack-neo-magazin-royale-und-der-varoufakis-stinkefinger/

""Stinkefinger"-Affäre beim Jauch-Talk Jan Böhmermann will Varoufakis-Video gefälscht haben" (03/2015)
http://www.tagesspiegel.de/medien/stinkefinger-affaere-beim-jauch-talk-jan-boehmermann-will-varoufakis-video-gefaelscht-haben/11525570.html

"I faked the Yanis Varoufakis middle-finger video, says German TV presenter"
Agence France-Presse in Berlin, Thursday 19 March 2015
http://www.theguardian.com/world/2015/mar/19/i-faked-the-yanis-varoufakis-middle-finger-video-says-german-tv-presenter

"Varoufakis bei Jauch und in Zagreb: Kontext? Bitteschön!" Rüdiger Rossig (17.03.2015)
Zuletzt wurde viel über Varoufakis' Stinkefinger-Geste gestritten. Unser Autor war auf der Konferenz, auf der das gefilmt wurde. Eine Erinnerung.
http://taz.de/Varoufakis-bei-Jauch-und-in-Zagreb/!156588/

"Böhmermann-Beitrag zu Varoufakis war Satire" (19. März 2015)
Eigentlich wollte das Böhmermann-Team die Auflösung erst am Abend liefern, schreibt die Bild-Zeitung. Doch das ZDF sah sich gezwungen, die Verwirrung schneller aufzuklären. Auch Böhmermann hat ein Statement abgegeben zum "Fake Fake Fake-Fake-Fake". ...
http://www.zeit.de/kultur/film/2015-03/zdf-jan-boehmermann-yanis-varoufakis-stinkefinger-guenther-jauch

"Schnappatmung einstellen: ZDF erklärt Böhmermanns #Varoufake-Coup offiziell zur Satire" (19.03.2015)
ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler versucht auch ein bisschen lustig zu sein und sagte gegenüber Spiegel Online: “Wir sehen uns gezwungen, das Neo Magazin Royale zukünftig als Satiresendung zu kennzeichnen. Für die Moderation des “heute journals” wird Jan Böhmermann sicherheitshalber vorerst ausgeschlossen.”...
http://meedia.de/2015/03/19/schnappatmung-einstellen-zdf-erklaert-boehmermanns-varoufake-coup-offiziell-zur-satire/2/

"Böhmermann und der Varoufakis-Finger - Eine Aspirin, bitte!" Paul Wrusch (19.03.2015)
Hat Jan Böhmermann gefälscht – oder nicht? Das ZDF sagt: alles Satire. Aber letztlich ist das egal, denn die Geschichte liefert einige wichtige Erkenntnisse. ... Man bekommt Kopfschmerzen. Zweifelt plötzlich an allem. Fake? Oder Fake eines Fakes? Medien-Coup? Oder Medien-Gau? Oder beides? War der Mittelfinger von Varoufakis echt? Hat ihn ZDF-Moderator Jan Böhmermann gefälscht? Oder ist die Fälschung falsch? Was ist wahr und was ist Lüge? Es bleiben einige wichtige Erkenntnisse über Medien, Recherche, Aufmerksamkeit und Erregung.  ... Die grandiose Aktion hält uns allen einen Spiegel vor. Sie zeigt, wie einfach die mediale Erregungsspirale heute in Bewegung zu setzen ist. Wie schnell sich Journalisten lieber auf Nebensächlichkeiten wie einen Stinkefinger stürzen, als über die wahren und komplexen Probleme der Eurokrise zu berichten. Ein Mittelfinger ist eben eindeutiger einzuordnen als Hilfspakete und Schuldenschnitte. ...
http://www.taz.de/Boehmermann-und-der-Varoufakis-Finger/!156730/

"Böhmermann legt noch mal nach: Ein Fake ist ein Fake ist ein Fake" (19.03.2015)
Jetzt legt Böhmermann noch einmal nach. In einem neuen Video-Statement heißt es wörtlich: "Unser Video ist zu 100 Prozent echt. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Lügner. Als Entschuldigung und Zeichen des guten Willens gegenüber unseren europäischen Freunden sollten Günther Jauch und die Redaktion der 'Bild'-Zeitung umgehend die Eurozone freiwillig verlassen. Die Unterstellung, dass das Video ein von uns manipulierter Fakefake-Fakefakefake sei, ist absolut haltlos. Niemals würden wir die notwendige journalistische Debatte über einen zwei Jahre alten, aus dem Zusammenhang gerissenen Stinkefinger und all diejenigen, die diese Debatte ernsthaft öffentlich führen, derart skrupellos der Lächerlichkeit preisgeben."...
http://www.spiegel.de/kultur/tv/stinkefinger-von-giannis-varoufakis-jan-boehmermann-zu-varoufake-a-1024386.html

"Varoufakis’ Mittelfinger Die Lüge der echten Bilder" Harald Staun (22.03.2015)
Jan Böhmermanns Satire war also nur ein Witz. Nur leider haben viele Journalisten noch immer nicht begriffen, dass man nicht lügen muss, um die Unwahrheit zu sagen. ... Wie gering das Bewusstsein ihre Doktorspielchen in Teilen der Massenmedien ist, auch das zeigte sich am vergangenen Donnerstag beispielhaft. Ein Großteil der Berichterstatter ließ sich auch von der notorisch unzuverlässigen Natur ihrer Quelle nicht davon abbringen, die Ereignisse im Duktus eines Tatsachenberichts zu beschreiben: Böhmermann „behauptet“, hieß es zunächst, er habe das Video gefälscht, dann wurde die offizielle „Enttarnung“ vermeldet, es fehlte nur noch, dass irgendjemand ein Dementi verlangt hätte.
So clever der Beitrag des „Neo Magazins“ auch gemacht war – für wie dumm will ein Journalist seine Leser verkaufen, der behauptet, ein Satiriker würde irgendetwas „behaupten“? Noch über die Lektion in Kontextualisierung berichteten manche ohne Rücksicht auf den Kontext, allen voran natürlich die „Bild“-Zeitung, die noch vor der ZDF-Stellungnahme „exklusiv“ verkündete, dass es sich bei der Satire um eine Satire handle. Was Böhmermanns Coup vor Augen führte, das war eben nicht nur die banale Erkenntnis, dass man den Bildern im Zeitalter ihre Virtualisierung nicht mehr trauen sollte. Es war vor allem die Demonstration der fundamentalen Beschränktheit eines Journalismus, ... der seine Probleme nicht einmal dann erkennt, wenn er über sie berichtet, eines Journalismus, der sich nur für die Lüge hinter der Satire interessiert statt für ihre Wahrheit. Es ist ein Journalismus, der für die täglichen Verdrehungen vermeintlicher Fakten und Tatsachen gar keine Kategorien, keine Sprache, kein Bewusstsein hat. ...

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/varoufakis-mittelfinger-und-andere-luegen-13495506.html

"Griechenland: Günther Jauch sollte entlassen werden" Matthias Knecht (23.3.2015)
Die Aufnahme von 2013 trifft den Nerv: Hier die disziplinierten deutschen Zahlmeister, dort die faulen Griechen, die ihre Retter auch noch beleidigen. Kein Wunder, schlugen die Bilder in Deutschland wie eine Bombe ein, zumal Varoufakis seit seinem Amtsantritt im Januar seine europäischen Partner oft vor den Kopf stiess. Doch das Video ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Zwar ist es echt (auch wenn eine Satiresendung im ZDF anderes behauptete). Aber Varoufakis’ obszöne Geste reflektiert nicht seine Meinung über Deutschland. Das kann jeder nachvollziehen, der sich im Internet die komplette Aufnahme ansieht. Auch Starjournalist Jauch hätte das tun können und müssen. Sein Beitrag ist darum kein Coup, sondern übelster Kampagnenjournalismus, der das verkorkste Verhältnis zwischen Berlin und Athen zusätzlich belastet. Die ARD sollte darum Jauch vor die Tür setzen, weil er gegen fundamentale journalistische Standards verstossen hat. Nebenbei würde das helfen, die deutsch-griechischen Beziehungen zu verbessern. ...
http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/guenther-jauch-sollte-entlassen-werden-1.18507272

"Bild, Günther Jauch: Der Griechen-Teufel mit dem Einzack" Mats Schönauer (18.3.2015)
Varoufakis hat „uns“ den Finger gar nicht gezeigt. Also faktisch schon, aber gemeint war er bloß hypothetisch („hätte ihn zeigen sollen“), und zwar nicht in Richtung der deutschen Steuerzahler, sondern der deutschen Banken. Und er bezog sich nicht auf die Gegenwart, sondern auf 2010, als Varoufakis noch gar nicht Minister war und Griechenland noch keine Kredite bekommen hatte. Letzteres ist insofern wichtig, als „Bild“ und andere Medien gerne suggerieren, der Finger sei eine Reaktion auf die Hilfspakete gewesen, nach dem Motto: Wir geben denen Milliarden — und kriegen dafür den Stinkefinger! Was Varoufakis aber (vereinfacht gesagt) eigentlich meinte, ist: Wenn man Euch den Finger damals gezeigt hätte, hättet Ihr womöglich gar nicht erst so viele Milliarden ausgeben müssen. Das alles fanden die Redaktion von „Günther Jauch“ und die „Bild“-Zeitung aber entweder zu kompliziert oder zu unknallig für ihre Zuschauer und Leser, darum erweckten sie den Eindruck, die „drastische Geste“ („Bild“) beziehe sich auf die Gegenwart oder solle Deutschland beleidigen. Womöglich haben sie die Sache auch ganz bewusst verzerrt dargestellt, um Varoufakis schlecht dastehen zu lassen, was zumindest für „Bild“ bei Weitem nicht das erste Mal wäre. ...
http://www.bildblog.de/63553/der-griechen-teufel-mit-dem-einzack/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on April 13, 2015, 04:34:14 PM
"Meine Bild für Nerds" By John F. Nebel (31.03.2015)
10 Jahre Fefe. Und das Netz kocht über von Verrissen. Angesichts der Tatsache, dass die mittlerweile sehr heterogene und schwächelnde Netzbewegung neben Netzpolitik.org über kaum schlagkräftige Medien verfügt, scheint das mehr als dumm. Man kann das Linkschleuder-Blog von Fefe als vereinfachend, polarisierend, beleidigend, arrogant, mackerhaft, boulevardesk und was weiß ich was bezeichnen. Da ist manchmal was dran. Aber festzustellen ist auch: Da macht jemand, was ihm gefällt. Und war das nicht mal der Kern des Bloggens?... Ich mag Fefe, weil sein Herz am richtigen Fleck schlägt. Weil ich immer wieder den Wunsch nach Gerechtigkeit und einer anderen, besseren Gesellschaft heraushöre. Weil das Blog seit 10 Jahren unermüdlich für Grundrechte und gegen Überwachung kämpft. ...
http://www.metronaut.de/2015/03/meine-bild-fuer-nerds/

"Einführung in den Fefismus." Michael Seemann (31/03/2015)
... ich halte sein publizistisches Schaffen für ein Problem ... Ich lese Fefe nicht und zwar wegen seiner mangelnden journalistischen, moralischen und diskursethischen Integrität. Wer ihn dennoch liest, kann von mir nicht erwarten, dass ich sie oder ihn noch irgendwie ernst nehme. ... Es wird Zeit, dass es in ihr zu einer Form der Selbstaufklärung kommt. Nein, ihr seid keine Genies, weil ihr Euren Kernel selbst kompiliert. Nein, ihr habt die Welt nicht verstanden, weil ihr wisst, wie man eine Playstation hackt. Nein, ihr habt nicht den Durchblick, weil ihr die Welt in eure Schablonen presst. Nein, ihr seid nur ignorante, reaktionäre Arschlöcher wenn ihr das glaubt und dann seid ihr das Problem und nicht die Lösung. ...
http://mspr0.de/?p=4272

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Was in anderen Ländern Gang und Gäbe und bereits seit längerer Zeit institutionalisiert ist, wurde in Deutschland im Jahr 2001 zivilgesellschaftlich initiiert. “der braune mob e.V.” war Deutschlands erste Schwarze media-watch-Organisation, gegründet von professionell Medienschaffenden, Künstler*nnen, Aktivist*nnen und  Jurist*nnen, die eine diskriminierungsfreie deutsche Medienöffentlichkeit erreichen wollten. In den ersten zehn Jahren verfolgten wir unsere Ziele in erster Linie mit den Mitteln der Aufklärung. Wir haben Informationen gesammelt, erarbeitet und bereitgestellt. Wir haben Prozesse angestoßen und viele Streits gewonnen. Unser Name ist natürlich bewusst provokativ gewählt. Zum einen persifliert er die koloniale Angewohnheit der Annektierung eines Gruppen-Namens. Auch kann der Name daran erinnern, dass Rassismus vorrangig nicht etwa ein Problem mit “rechtsextremen Skinheads” ist, sondern eines der Mitte der Gesellschaft; eine Tatsache, die in Deutschland dermaßen negiert wird, dass selbst die UN-Sonderberichterstatter dies in Berichten über Deutschland seit dem Jahr 2010 regelmäßig herausstellen.
Wenn Menschen durch andauernde Platzzuweisung, erzieherische Grausamkeiten, gesellschaftliches Mobbing, institutionellen Rassismus und das Zusammenspiel verschiedener Diskriminierungsformen von ihrem eigenen Potenzial abgeschnitten werden, wenn dadurch ihr Alltag geprägt ist, dann sind sie in ganz besonderem Maße angewiesen auf Unterstützung aus der Community und auf freundschaftliche und solidarische Rückenstärkung. ...

http://www.derbraunemob.info/ | http://blog.derbraunemob.info/

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Quote
Tom Orrow, 12.05.2015

Ach übrigens...

Vielen Dank für diesen Artikel, Herr Biermann!


http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-05/bnd-nsa-milliarden-metadaten?commentstart=177#cid-4764298

Quote
[...] craax, 12.05.2015

Danke, Kai Biermann, für einen weiteren ausgezeichneten Artikel.
Bei Ihnen habe ich das Gefühl, Sie vertreten meine (wie unser aller) Interessen.

Leider sind Sie nicht wählbar.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-05/bnd-nsa-milliarden-metadaten?commentstart=33#cid-4763235

Zu:  "BND-SpionageaffäreBND liefert NSA 1,3 Milliarden Metadaten – jeden Monat"
Selektoren? Die sind nicht das einzige Problem der BND-Affäre. Der Dienst sammelt für die USA auch Milliarden Metadaten. Und niemand prüft, was die NSA damit macht. von Kai Biermann (12. Mai 2015)
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-05/bnd-nsa-milliarden-metadaten

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"Kratzer am Spiegel-Lack"  Andreas Förster (19.05.2015)
Eine Studie beleuchtet die enge Zusammenarbeit des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ mit dem BND und dem Bundeskanzleramt in den Sechziger- und Siebzigerjahren.
Nüchtern und knapp kündigte das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel in seiner Ausgabe vom 8. März 1971 eine kleine Sensation an. „In diesem Heft beginnt eine Serie über den Bundesnachrichtendienst, an der die Spiegel-Redakteure Hermann Zolling und Heinz Höhne seit Ende 1968 gearbeitet, für die sie recherchiert, interviewt, studiert und analysiert haben“, hieß es in der „Hausmitteilung“, dem jeder Ausgabe des Magazins vorangestellten Editorial. 15 Wochen lang schilderte die Serie „Pullach intern“, die später Grundlage eines gleichnamigen Buch-Bestsellers wurde, Arbeitsweise, Erfolge und Pannen des deutschen Auslandsgeheimdienstes.
Ein Scoop, der Freund wie Feind elektrisierte und zu hitzigen Debatten in Bundesregierung und Parlament führte. Und der einmal mehr den Ruf des Spiegel als kritisches und unabhängiges Magazin zu unterstreichen schien, als wahres „Sturmgeschütz der Demokratie“. ... Eine jetzt veröffentlichte Studie der Unabhängigen Historikerkommission, die die Geschichte des BND erforscht, kratzt nun ein wenig am Spiegel-Lack. Nach Erkenntnissen des Marburger Historikers Jost Dülffer, der die BND-Akten über die Serie aus den Jahren 1969 bis 1972 auswerten konnte, hat das Magazin seinerzeit nicht so unabhängig agiert wie bislang vermutet. So gab es sowohl bei der Recherche als auch bei der Schlussredaktion von „Pullach intern“ eine enge Kooperation zwischen BND, Bundeskanzleramt und Spiegel. Jeden Fortsetzungsartikel der Serie leiteten die Autoren vor der Drucklegung dem BND zu, um Korrekturwünsche auch des Kanzleramtes umzusetzen. „Sowohl das Kanzleramt als auch der BND meldeten inhaltlichen Widerspruch an, der zu einem beträchtlichen Teil vom Spiegel berücksichtigt wurde“, bilanziert Historiker Dülffer. ... Die Spiegel-Serie „Pullach intern“, das macht die Studie deutlich, war eine journalistische Gratwanderung zwischen unabhängiger Aufklärung und politischer Einflussnahme. Für die Verfasser und das Hamburger Magazin spricht, dass sie damals bei allen Zugeständnissen einen kritischen Blick bewahrten und bis zu einem gewissen Grad Missstände im Dienst ansprachen. Der Entstehungsprozess der Serie ist dennoch ein Lehrbeispiel dafür, wie journalistische Unabhängigkeit geopfert wird, wenn man einen publizistischen Erfolg erreichen kann. Ein Konflikt, der auch im heutigen Journalismus noch aktuell ist.

http://www.berliner-zeitung.de/medien/bnd-zusammenarbeit--kratzer-am-spiegel-lack,10809188,30736112.html

"Gespiegelter BND" Markus Kompa (20.05.2015)
Einfluss des BND auf den SPIEGEL war umfangreicher als bekannt... Die enge Kooperation zwischen dem Bundesnachrichtendienst und dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in den Nachkriegsjahrzehnten gehört nach wie vor zu den unaufgearbeiteten Kapiteln deutscher Pressegeschichte.  ...In welchem Ausmaß der BND dem SPIEGEL bei seiner Außenwahrnehmung noch heute behilflich sein könnte, lässt sich dann wohl in 40 Jahren beurteilen. ...
http://www.heise.de/tp/news/Gespiegelter-BND-2659058.html

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""Wenn man den Mächtigen nach dem Maul schreibt, bekommt man die besseren Honorare"" Marcus Klöckner (20.05.2015)
Harald Schumann über die Medien und seine Dokumentation "Macht ohne Kontrolle - Die Troika" ... "Wir haben genau die Medien, die wir verdienen", sagt der Journalist Harald Schumann im Interview mit Telepolis. Schumann, der 2004 beim Spiegel kündigte, nachdem eine Geschichte von ihm zum Thema Energiepolitik nur in veränderter Form erscheinen sollte, geht im Telepolis-Interview auf die aktuelle Kritik an den Medien ein und erzählt, was er bei seiner Arbeit zu der viel beachtenden Dokumentation "Macht ohne Kontrolle - Die Troika" erlebt hat. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/44/44936/1.html

Quote
RexCarnifex, 20. Mai 2015 18:24
Harald Schumann ist ein Journalist !!

Zwar erstaunlich, dass der Satz schon ein Ereignis ist.
Diese 'Ausnahme' sollte eigentlich normal sein. Pustekuchen

H.Schumann hat noch eine gute Reportagen gemacht:
'Staatsgeheimnis Bankenrettung':
> https://www.youtube.com/watch?v=IAV_zwee4TU (https://www.youtube.com/watch?v=IAV_zwee4TU)

Die im Artikel erwähnte Doku 'Macht ohne Kontrolle'
gibts auch bei youtube:
> https://www.youtube.com/watch?v=htxVHN_hUUQ (https://www.youtube.com/watch?v=htxVHN_hUUQ)


http://www.heise.de/tp/foren/S-Harald-Schumann-ist-ein-Journalist/forum-294785/msg-26760633/read/

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"Russische Medien über die Einseitigkeit der westlichen Medien" Florian Rötzer (20.05.2015)
Russische Staatsmedien, die man durchaus Mainstreammedien nennen kann, machen sich Sorgen um die westliche Medienlandschaft. Hier würden Mainstreammedien einseitig über Russland und den Ukrainekonflikt berichten, womit man durchaus eine Stimmung vor allem in Deutschland traf. ... Einseitig wird es aber vor allem dadurch, dass die russische Seite "weggeschnitten" oder der "fehlende Part" ist, interessant wäre ja auch gewesen, ob die russischen Bürger offen für alternative Sichtweisen sind, die nicht von den staatlichen Medien kommen. 60 Prozent der Menschen in Europa und den USA seien "offen für alternative Perspektiven", inklusive russischen, so das Ergebnis, am stärksten die Griechen mit 81 Prozent.
Bei den Amerikanern, Briten und Deutschen sind es um die 55 Prozent, bei den Franzosen 49 Prozent. Keine Ahnung also, was die Menschen unter alternativ verstehen, wirklich unabhängige Medien, rechte oder linke Medien, Berichte von Einzelnen oder was auch immer. Man weiß auch nicht, ob den Menschen alternative Perspektiven fehlen oder ob sie gegenüber diesen nur offen sind. ...

http://www.heise.de/tp/artikel/44/44984/1.html

Quote
20. Mai 2015 10:21
Die andere Hälfte der Wahrheit
Joshi (439 Beiträge seit 26.06.01)

Ich kann die Kritik nur bedingt nachvollziehen - Herr Rötzer weist
hier meiner Meinung nach auf etwas hin, das so trivial ist, dass es
der grossen Mehrheit der Russia Today-Leser längst bewusst ist:

Nämlich dass natürlich auch Russia Today & Co. in ihrer
Berichterstattung etwas einseitig, nämlich tendenziell "pro-russisch"
sind.

Zumindest mein Eindruck ist, dass das den meisten Russia Today-Lesern
völlig bewusst ist, und diese Leute schlicht die Realität akzeptieren
haben, dass es auf der Welt nicht das eine einzige Nachrichtenmedium
gibt, das die Reinkarnation der reinen Wahrheit ist, sondern
letztlich jedes Medium eine gewisse Agenda verfolgt, und dadurch
nicht 100%ig ausgewogen berichtet.

Der moderne Russia Today-Leser ist eher so etwas wie ein weiser, auf
Gerechtigkeit bedachter Richter, der im Konflikt zweier Streithähne
(Russland und USA bzw. "Westen") die Argumente beider Seiten hören
möchte, bevor er sich seine Meinung bildet.

Während westliche Medien bislang weiter unbeirrt an dem Narrativ
festhalten, russische Medien würden ja quasi nur
"Kreml-Lügen-Propaganda" verbreiten, sie hingegen
"Qualitätsjournalismus", finde ich da das Verhalten von Russia Today
viel ehrlicher: Sie erklären die Gegenseite weniger als notorische
Lügner und sich zu den Verkündern der einen reinen Wahrheit, sondern
positionieren sich eher als gleichberechtigte, aber alternative
Sichtweise.

http://www.heise.de/tp/foren/S-Die-andere-Haelfte-der-Wahrheit/forum-294781/msg-26759773/read/

Quote
20. Mai 2015 10:07
Vorsicht Falle
Diogenius (673 Beiträge seit 16.10.08)

In Sachen Informationskrieg müssen die Russen noch viel lernen, aber
schon jetzt hat RT in den USA mehr Zuschauer als CNN, dort klappt es
offensichtlich schon besser. Natürlich weiß jeder halbwegs denkende
Bürger inzwischen, mit welchen Methoden unsere Qualitätspresse
arbeitet. Auf den belasteten Begriff „Lügenpresse“ sollte man aber
verzichten, „Qualitätspresse“ reicht inzwischen völlig.

http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2014.pdf

...

http://www.heise.de/tp/foren/S-Vorsicht-Falle/forum-294781/msg-26759743/read/

Quote
Gotan, 20. Mai 2015 10:55
Natürlich ist RT ähnlich einseitig wie westliche Medien ...

... nur kommt RT erstens gar nicht mit dem Anspruch daher "neutral"
zu sein, während unsere Blättchen und sonstigen Medien uns dauernd
einreden wollen "unabhängig und überparteilich" zu sein. Auch haben
wir ja schon immer gesagt bekommen (von unseren westlichen Medien),
dass russische Medien eh alle einseitig und komplett staatsgesteuert
seien, daher erwartet man das halb und "verzeiht" es auch leichter.

Es ist sehr geschickt von RT den Anspruch in den Vordergrund zu
stellen, nur eine "alternative Sicht" zu bieten, der Einseitigkeit
westlichen "Mainstreams" nur eine weitere Seite beistellen zu wollen.
So stolpern sie nicht über ihren eigenen Anspruch.

Zudem kommt RT vor allem nicht so völlig plump daher wie z.B. BILD &
Co., die Einseitigkeit bei RT läuft vorwiegend über die Auswahl der
Themen und die Auswahl der Quellen. Das ist ja durchaus mit dem
Anspruch "den fehlenden Part" präsentieren zu wollen vereinbar (wobei
da natürlich auch nur *ein* sorgfältig ausgesuchter Part ist, es gibt
durchaus noch einen ziemlich großen Part den uns weder "westlicher
Mainstream" noch RT "zumuten" wollen).

Allerdings sollte man beim Lesen von RT eben nicht vergessen, dass
auch diese Quelle einseitig ist.

Nur läuft das eben unter Medienkompetenz: sich aus verschiedenen
Quellen ein Bild zusammenzubasteln.

Früher konnte man dazu "linke" und "konservative" Zeitungen zu Rate
ziehen, während die Medien des Ostblocks für ihre Einseitigkeit
verschrien waren. Durch Zusammenlegungen, Einsparungen von
Redaktionen, Konzentration von Verlagen in den Händen Weniger,
Ausrichtung der Zeitungen an finanziellem Druck ist es aber auch bei
westlichen Mainstreammedien zu genau der Gleichschaltung gekommen die
den Medien des Ostblocks immer vorgeworfen wurde, Kapitalismuskritik
gibt's da bestenfalls als Feigenblatt.

Mohn (Bertelsmann) und Springer betreiben nur noch Massenverblödung,
und die geben sich nichtmal sonderlich Mühe dabei. Vor ein paar
Jahren fand ich Fox-News und deren plumpen Antikommunismus und
kapitalistische Linientreue noch lächerlich, etwa auf dem Niveau der
BILD. Inzwischen kommen aber deutsche Medien mit Qualitätsanspruch
genauso plump daher. Leider sind das auch nicht nur Welt und FAZ,
sondern längst auch Süddeutsche und TAZ. Die Gleichschaltung die den
Medien des Ostblocks immer vorgeworfen wurde hat auch hier längst
stattgefunden. Nur sind es hier nicht die Funktionäre eines Staates
die bestimmen, was der Leser/Zuschauer vorgesetzt bekommt, sondern
die des Kapitals.

Unterm Strich ist RT somit eine Bereicherung. Indem so westlichem
"Mainstream" der Spiegel vorgehalten wird kommen nicht nur
zusätzliche Themen und Standpunkte ins Spiel, viel wichtiger ist,
dass die Rezipienten sich daran wieder Medienkompetenz erarbeiten
können.

tl,dr:
Es lohnt sich dank RT wieder, mal verschiedene "Nachrichtenquellen"
zu vergleichen. Was man davon hat sollte jeder für sich rausfinden.


http://www.heise.de/tp/foren/S-Natuerlich-ist-RT-aehnlich-einseitig-wie-westliche-Medien/forum-294781/msg-26759846/read/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on May 24, 2015, 11:22:32 AM
"Kampf gegen russische Propaganda: Deutschland hilft im baltischen Fernsehkrieg" Andreas Theyssen (23.05.2015)
Lettland bringt mehr russischsprachige Sendungen ins Programm und hat - ebenso wie Litauen - auch ein Kooperationsabkommen mit der Deutschen Welle abgeschlossen. Estland stampft gerade einen kompletten russischsprachigen Sender aus dem Boden, Ende September soll er starten.
DW-Intendant Limbourg ist von der deutschen Mission im Baltikum überzeugt: "Mit unseren Programmlieferungen in russischer Sprache tragen wir dazu bei, dass die Menschen Informationen russischer Medien besser einordnen können." ...

http://www.spiegel.de/politik/ausland/baltikum-fernsehsender-kaempfen-gegen-russische-propaganda-a-1035009.html

Quote
23.05.2015, 22:16 von innajjanni
ach so die Einen machen böse Propaganda und die Anderen versuchen durch ehrliche, journalistische Arbeit dieser gegen zu steuern. Jetzt habe ich es verstanden.
http://www.spiegel.de/forum/politik/kampf-gegen-russische-propaganda-deutschland-hilft-im-baltischen-fernsehkrieg-thread-295996-2.html#postbit_29313334

Quote
23.05.2015, 22:19 von exigent-x
Tausch
Dann gibt es jetzt also in den baltischen Ländern anstatt angeblich "vom Kreml gleichgeschalteter russischer TV-Sender" die real vom Westen gleichgeschalteten Nato-Sender.

http://www.spiegel.de/forum/politik/kampf-gegen-russische-propaganda-deutschland-hilft-im-baltischen-fernsehkrieg-thread-295996-2.html#postbit_29313411

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""Die große Meinungsvielfalt in der deutschen Presse ist Geschichte"" Marcus Klöckner (02.06.2015)
Wie vielfältig ist die Berichterstattung der großen Medien in Deutschland? Für Thomas Meyer, emeritierter Professor für Politikwissenschaft, sind die Zeiten, in denen Journalisten mit völlig unterschiedlichen Meinungen in ihren Medien Grundsatzdebatten geführt haben, lange vorbei. Im Interview mit Telepolis stellt der Chefredakteur und Mitherausgeber der Zeitschrift "Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte" fest: "Eine wechselseitige Kritik der Journalisten untereinander, sei es politisch, kulturell, ideologisch, findet nicht mehr statt." In seinem neuen Buch "Die Unbelangbaren" analysiert er die problematische Entwicklung, dass Journalisten ihre Position immer häufiger nutzen, um in der politischen Arena mitzumischen. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45077/1.html

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"MH-17: Spiegel muss mangelnde Sorgfalt bei Schuldzuweisung einräumen" Florian Rötzer (05.06.2015)
Groß aufgemacht hatte man die von den Bellingcat-"Experten" Belege für Fotomanipulationen herausgestellt, die sich als "Kaffeesatzleserei" herausstellten, über die Gründe will man nicht sprechen. Der Spiegel hat immerhin seine reißerische Story über die "Experten" des "Recherchenetzwerks" Bellingcat, auch zur "unabhängigen Investigativplattform" hochgelobt, bedauert. Unter dem Titel "Forensische Analyse: Kreml hat offenbar Satellitenfotos zu MH17-Absturz gefälscht" wurden ohne größere Überprüfung, wahrscheinlich weil es ins Weltbild passte, die "Analyseergebnisse" der zu Experten mutierten Bildanalyseamateure, wiedergegeben. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45119/1.html

"Interview zu angeblichen MH17-Manipulationen: "Bellingcat betreibt Kaffeesatzleserei"" Ein Interview von Benjamin Bidder (03.06.2015)
http://www.spiegel.de/politik/ausland/mh17-satellitenbilder-bellingcat-betreibt-kaffeesatzleserei-a-1036874.html

"Was wir aus der Berichterstattung über den Bellingcat-Report lernen" Florian Harms (04.06.2015)
So endete der Text mit der Formulierung im Indikativ: "Doch nun haben die Experten von Bellingcat eben diese Aufnahme als Fälschung enttarnt." In dieser Eindeutigkeit widerspricht der Satz unseren Prinzipien von journalistischer Sorgfalt. Das trifft ebenso auf eine zweite Meldung zu, die wir am selben Tag auf unserer Startseite veröffentlichten und deren Überschrift lautete "Wie Russland die MH17-Beweise manipulierte" (inzwischen haben wir die Überschrift geändert). Auch hier hätten wir von Beginn an vorsichtiger formulieren und klarmachen müssen, dass es zwar den Vorwurf der Fälschung gibt, dieser aber nicht zweifelsfrei bewiesen ist. ... Selbstkritisch müssen wir festhalten: Diese professionelle Skepsis im Umgang mit der Quellenlage, das Hinterfragen der Quelle hätten wir bereits in den vorherigen Artikeln stärker zum Ausdruck bringen sollen. Wir lernen daraus und nehmen uns vor, dies in künftigen Fällen zu beherzigen. Denn wir wollen Sie, liebe Leserinnen und Lesern, so aufrichtig und transparent wie möglich über die Weltgeschehnisse informieren. Und natürlich bleiben wir am Thema MH17 dran. ...
http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelblog/bellingcat-bericht-zu-mh17-was-wir-lernen-a-1037135.html


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Unternehmerunternimmtwas 04.06.2015
So geht es doch schon seit zwei Jahren. Eine Meldung gegen Russland wird mit großer Schlagzeile herausposaunt und irgendwann in aller Stille kleinlaut wieder zurück genommen. Das nennt man Propaganda unter Einhaltung minimaler Pressestandards.

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hyperlord 04.06.2015
Löblich, wenn man eigene Fehler einräumt - aber das hilft nicht, wenn man vorher die halbe Startseite mit diesen fehlerhaften und tendenziösen Schlagzeilen zukleistert und dann die quasi Gegendarstellung mehr oder weniger im Kleingedruckten bringt. Glaubwürdigkeit gewinnt man so nicht zurück.

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"MH17Kreml manipulierte mit Photoshop" (1. Juni 2015)
Die russische Regierung hat Satellitenbilder zum Absturz des Fluges MH17 manipuliert, um eine Schuld der ukrainischen Regierung zu belegen. Das ist das Ergebnis einer Analyse von unabhängigen Investigativjournalisten. Die forensische Analyse habe "eindeutig und unzweifelhaft" ergeben, dass die Satellitenfotos falsch datiert und digital verändert wurden, heißt es in dem Untersuchungsbericht. ... Das Team der Plattform Bellingcat hat zwei Satellitenfotos des russischen Verteidigungsministeriums untersucht, die beweisen sollten, dass die ukrainische Luftabwehr am Tag des Absturzes in der Gegend aktiv war. Die russische Regierung hatte die Bilder im vergangenen Juli, eine Woche nach dem Absturz der Maschine, auf einer Pressekonferenz präsentiert. ...
http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/mh17-absturz-bericht-bellingcat-manipulation

[Stand 25.06.2015: 971 Kommentare]

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    FriederFi
    06. Juni 2015 21:01 Uhr

955. KEINE Korrektur der ZEIT, trotz höchster Relevanz :-(

selbst jetzt (06.Juni 2015, ca 21h), also 5 Tage nach dem betreffenden Artikel in DIE ZEIT, ist unter Suchwort "Bellingcat" keine Korrektur der Meldung und der neuen Entwicklungen zu finden. ... WÄRE die ZEIT ein Qualitätsmedium, dann hätte sie UMGEHEND eine Korrektur und die neuen Infos hinterher geschickt. Es geht im Umfeld von MH17 um ein Thema von höchster historischer und weltpolitischer Bedeutung.
Wenn jemand derart unsauber recherchiert und mit einer klaren politischen Stoßrichtung formuliert, dann ist das unterstes BILD-Zeitungs-Niveau. Aber tatsächlich haben spätestens seit der Ukraine-Krise viele unserer Medien dieses Niveau erreicht. Und an Zufall mag man da nicht glauben.


http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/mh17-absturz-bericht-bellingcat-manipulation?commentstart=953#cid-4845008

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"MH17-Absturz: Bellingcat kontert Kritik mit neuen Satellitenbildern" (12. Juni 2015)
Die Recherchegruppe ist für den Vorwurf, Russland habe Fotos manipuliert, scharf kritisiert worden. Jetzt legt Bellingcat weitere angebliche Belege dafür vor. ... Die Plattform Bellingcat hat mit der Veröffentlichung von weiteren Satellitenbildern auf Kritik an ihren Recherchen reagiert. Die Fotos sollen den Vorwurf untermauern, Russland habe bei einer Pressekonferenz versucht, mit falsch datierten Satellitenbildern den ukrainischen Streitkräften die Schuld für den Abschuss von Flug MH17 zu geben. ... Damit reagiert Bellingcat auf Kritik, die nach der Veröffentlichung von angeblichen Beweisen für russische Fälschungen geäußert worden war. In dem Bericht hatte die Gruppe Anfang Juni unter anderem behauptet, die russischen Fotos seien mit Photoshop bearbeitet und falsch datiert worden. Zahlreiche deutsche Medien, darunter ZEIT ONLINE, berichteten darüber.
Experten kritisierten anschließend die Vorgehensweise der Rechercheure zum Beispiel bei der fotoforensischen Auswertung. Auch der Vorwurf der Manipulation mit Photoshop lässt sich nicht eindeutig beweisen. Die Metadaten der russischen Fotos belegen zwar, dass sie mit dem Programm bearbeitet worden sind, allerdings ist nicht klar, was verändert wurde. Photoshop kann ausschließlich dazu benutzt worden sein, die Bilder für die Veröffentlichung im Internet zu verkleinern.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/bellingcat-russland-mh17-satellitenfotos-manipulation

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    Privatökonom, 12. Juni 2015 21:06 Uhr

45. Hauptsache gegen Russland - egal was!

"Damit reagiert Bellingcat auf Kritik, die nach der Veröffentlichung von angeblichen Beweisen für russische Fälschungen geäußert worden war."

Die Fakes von Bellingcat werden auf ZON veröffentlicht, für die kritische Auseinandersetzung mit derartigen Beweisen wird auf einen Blog verlinkt.
Ich finde es eine Schande, dass es im deutschsprachigen Raum alle Medien wie im Chor zweifelhafte Materialien unkritisch veröffentlichen, wenn es inhaltlich gegen Russland geht.

Diese sogenannten Aktivisten haben enge Verbindungen zu US Thinktanks. Ich denke es ist kein Zufall, dass die USA lieber eine unbekannte Gruppe wegen des MH17 Abschusses vorgeschickt hat.

Falls Amerika tatsächlich belastbare Beweise gegen die Separatisten oder gar Russland vorlegen könnten, würden sie dann den Fall einer Gruppe vormals Arbeitsloser Couchpotatos übergeben?

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/bellingcat-russland-mh17-satellitenfotos-manipulation?commentstart=41#cid-4865943

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    Platschboehm
    12. Juni 2015 22:08 Uhr

73. Keine Sanktionen wegen MH17

...  die Sanktionen wurden wegen der Krim verhängt. Die dritte Stufe der Sanktionen wurde bereits deutlich vor dem Abschuss der MH17 angekündigt. Das ist Beschlusslage. ... Im Übrigen wurde mit der dritten Sanktionsstufe die Unschuldsvermutung seitens der EU nicht gekippt. Sie ist nach wie vor ein wichtiger Rechtsgrundsatz der jedoch den Verdacht nicht ausschließt.

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    Jabadabadu
    13. Juni 2015 9:28 Uhr

Leider falsch! Es gab Sanktionen wegen MH17

"Die EU-Außenminister beraten wegen des Absturzes des Fluges MH17 über eine Verschärfung der EU-Sanktionen gegenüber Russland und den Separatisten in der Ostukraine." schrieb u. a. die ZEIT (http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/eu-aussenminister-sanktionen-flugzeugabsturz (http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/eu-aussenminister-sanktionen-flugzeugabsturz)). Dass zuvor bereits weitere Sanktionen angedroht worden waren, ändert nichts an der Tatsache, dass MH17 dann als Auslöser zur Verhängung selbiger benutzt wurde. So viel zur von Ihnen behaupteten Unschuldsvermutung seitens der EU.



http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/bellingcat-russland-mh17-satellitenfotos-manipulation?commentstart=73#cid-4866127

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    Prime, 13. Juni 2015 9:34 Uhr

Doppelmoral

Ich finde es immer witzig zu sehen, nach welchen Kriterien in der "Alternativ-Medien-Szene" gute journalistische Arbeit von schlechter sortiert wird.
Kritisiert ein Hobbyjournalist (KenFM zb.) die "Lügenpresse", ist er ein Held der Wahrheit, kritisieren Hobbyjournalisten (Bellingcat) etwa Russland und sind damit auf Linie, wird vor allem deren (Un-)Kompetenz mit ad hominems attackiert. Scheinbar wird die Qualität nur danach beurteilt, ob jemand das sagt was man glaubt zu wissen und hören will.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/bellingcat-russland-mh17-satellitenfotos-manipulation?commentstart=201#cid-4867070

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    Wahrheit kann weh tun, 12. Juni 2015 20:37 Uhr

27. Die Erwähnung des Wortes Bellingcat soll unter Fotoforensikern stets für Erheiterung sorgen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/bellingcat-russland-mh17-satellitenfotos-manipulation?commentstart=25#cid-4865863

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    bezuidenhout
    14. Juni 2015 0:11 Uhr

Bellingcat

Bellingcat ist Eliot Higgins,
"ein arbeitsloser Engländer aus Leicester ohne Fremdsprachenkenntnisse. Der 34-Jährige hat ein abgebrochenes Medienstudium hinter sich, seinen Job bei einer Wohltätigkeitsorganisation für obdachlose Asylbewerber hat er vor zwei Jahren verloren. So kümmert er sich zu Hause um die knapp dreijährige Tochter, während seine türkische Frau in einem Postamt arbeitet. Nebenbei surft er im Internet."

„Meine (Waffen)Kenntnisse stammen von Filmen mit Arnold Schwarzenegger und Rambo.“

http://www.taz.de/!5035731/ (http://www.taz.de/!5035731/)

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/bellingcat-russland-mh17-satellitenfotos-manipulation?commentstart=241#cid-4869933

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    Ayreon
    12. Juni 2015 20:42 Uhr

31. Fast egal

Eigentlich fast egal, ob die Bellingcat-Analyse der Wahrheit entspricht oder nicht. Ich möchte nicht, dass die Frage von Krieg oder Frieden (und das hier ist ein Sachverhalt, der je nach tatsächlicher Wahrheit in die eine oder andere Richtung dazu beitragen kann) von einem zweifelhaften Hobbyjournalisten abhängig gemacht wird.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/bellingcat-russland-mh17-satellitenfotos-manipulation?commentstart=25#cid-4865876

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    SethusC.
    12. Juni 2015 22:17 Uhr

76. Nur mal angenommen,

Bellingcat wäre eine russische Internet-Plattform und hätte auf die gleiche Weise "bewiesen", dass die Ukrainer die Maschine abgeschossen hätten, wäre uns allen klar, dass es sich um billige Propaganda handelt.

Da es aber eine westliche Internet-Plattform handelt, glauben wir ihr? ...

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/bellingcat-russland-mh17-satellitenfotos-manipulation?commentstart=73#cid-4866153

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    Reverend Wicks Cherrycoke
    12. Juni 2015 22:26 Uhr

83. Die ZEIT kann...

...sich zwar nicht wie der SPIEGEL zu einer ausdrücklichen Entschuldigung durchringen, aber der umsichtige Gebrauch des Konjunktivs und der letzte Absatz kommen einer solchen gleich.

Der Fall MH-17 wird auf Gabriele Wolffs Blog ausführlich und kenntnisreich diskutiert -- so, wie man es sich bei einem Ereignis von einer derartigen Tragweite von unseren sogenannten Qualitätsmedien wünschen würde:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/05/24/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-4/

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/bellingcat-russland-mh17-satellitenfotos-manipulation?commentstart=81#cid-4866175

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sol1 says:   
3. Juni 2015 um 10:48

Gabriele Wolff wird deshalb nicht ernstgenommen, weil sie völlig verbohrt ist. Wer auf ihrer Website sich kritisch äußert, wird zuerst angefeindet und dann gelöscht.

Das Ergebnis ist eineSchar von Jüngern, die sich an allen möglichen Truther-Quatsch berauschen.


http://www.stefan-niggemeier.de/blog/21225/falschen-wolken-ueber-der-ukraine-die-photoshop-arbeiten-des-kreml-und-die-fehler-der-bellingcat-analyse/#comment-1676139


"Angebliche Bildmanipulation Fachleute kritisieren Bellingcat-Analyse zu Russland" (04.06.2015)
http://www.faz.net/aktuell/politik/angebliche-bildmanipulation-fachleute-kritisieren-bellingcat-analyse-zu-russland-13629383.html

"Falsche Wolken über der Ukraine? Die Photoshop-Arbeiten des Kreml und die Fehler der Bellingcat-Analyse"
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/21225/falschen-wolken-ueber-der-ukraine-die-photoshop-arbeiten-des-kreml-und-die-fehler-der-bellingcat-analyse/

https://de.wikipedia.org/wiki/Bellingcat

""Es ist eine Lüge über einen Mord an 298 Menschen"" Carsten Luther (2. Juli 2015)
Eliot Higgins tritt mit dem Bellingcat-Netzwerk russischer Propaganda entgegen, etwa zum MH17-Abschuss in der Ukraine. Trotz Kritik hält er an seinen Vorwürfen fest. ...
ZEIT ONLINE: Sie und ihre Mitstreiter des Bellingcat-Recherchenetzwerks haben viel geleistet, um russische Propaganda und Falschinformationen zu entlarven. Wie gut lügt der Kreml? ...
http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/mh17-bellingcat-eliot-higgins-russland-propaganda


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    Dr.Katzenberger, 02.07.2015

Ich habe den Verdacht das derartige "Artikel/Interviews" Pflicht sind.
Es ist gut möglich das dies von der Geschäftsleitung der Zeit vorgegeben ist.

Interessant wäre sicherlich eine Studie die erforscht, welche "Meinungen" in welchen Intervallen zu bestimmten Themen publiziert werden - verbunden mit der "politisch-multimedialen" Lage?

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/mh17-bellingcat-eliot-higgins-russland-propaganda?commentstart=105#cid-4940660

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on June 17, 2015, 03:10:42 PM
"Elmau: Putin gehört nicht dazu" Ein Kommentar von Steffen Dobbert (5. Juni 2015)
Die Stimmen werden lauter, die eine Rückkehr des russischen Präsidenten in die G 8 fordern. Das wäre jedoch ein völlig falsches Signal für den Friedensprozess in Europa. ...
http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/elmau-wladimir-putin-russland-angela-merkel-auschluss

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    Peter Berger, 06.06.2015

...Der ganze Kommentar ist so einseitig, dass er das Gegenteil bewirkt. Ich Frage mich nur, warum die "Zeit" so etwas veranstaltet.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/elmau-wladimir-putin-russland-angela-merkel-auschluss?commentstart=1#cid-4842465

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    Paulie Gualtieri, 06.06.2015

Matthias Platzeck: "Kein Mensch ist beim Einmarsch der Amerikaner im Irak auf die Idee gekommen, die USA aus G8 auszuschließen."

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/elmau-wladimir-putin-russland-angela-merkel-auschluss?commentstart=1#cid-4842450

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    EineMeinunguntervielen2, 06.06.2015

Völkerrecht

"Die westlichen Staaten teilen dabei demokratische Werte. Dazu zählt auch die Anerkennung des Völkerrechts. Solange Putin dieses bricht, muss ihm die Bühne eines G-8-Gipfels verwehrt bleiben."

Ich glaube kaum, dass es hier um Völkerrecht geht. Ansonsten dürften die USA sicherlich auch nicht teilnehmen. Der Drohnenkrieg, mit Unterstützung der Bundesregierung (Ramstein) ist nach Expertenmeinung eindeutig völkerrechtswidrig.

Und wie erwartet man bitte einen Friedensprozess ohne Dialog mit Russland zu führen? ...

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/elmau-wladimir-putin-russland-angela-merkel-auschluss?commentstart=1#cid-4842454

Quote
    stabilobox, 06.06.2015

[Es ist so ein schöner, kerniger, einleuchtender, klarer Satz: Wer miteinander spricht, schießt nicht aufeinander. Zusammengefasst lässt sich so das wichtigste Argument jener umschreiben, die in Deutschland unmittelbar vor dem G-7-Treffen auf Schloss Elmau wieder einen roten Teppich ausrollen wollen für den Mann, der die Hauptverantwortung für den jüngsten Krieg in Europa trägt. Für Wladimir Putin.]

Herr Dobbert,
ich schmunzele über ihr simples Weltbild. Ihr erster Satz ist richtig und wichtig. Der Rest danach die übliche simplifizierte Schuldzuweisung: Putin ist an allem Schuld. Fertig. Als ob der Konflikt in der Ukraine erst mit der Annexion der Krim entstanden ist. Als ob die NATO nicht seit Jahrzehnten Politik gegen Russland statt mit Russland betreibt. Als ob die ukrainische Seite in diesem Krieg eine weiße Weste hätte. Als ob die politische Führung der Ukraine ein Musterbeispiel an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aufzeigen würde. Als ob wir hier Probleme hätten, Diktatoren zu hofieren, solange sie nur auf "unserer" Seite sind.

Diese Heuchelei und Bigotterie geht mir gehörig auf die Ketten.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/elmau-wladimir-putin-russland-angela-merkel-auschluss?commentstart=9#cid-4842488

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...  Sie schreit, sie kreischt, sie keucht beim Versuch, dem Zugriff der BKA-Beamten zu entkommen: Die 22-jährige Mainzer Medizinstudentin Fagr Eladly – bekannt geworden als die Frau, die während einer Pressekonferenz im Kanzleramt dem ägyptischen Präsidenten "Er ist ein Mörder" entgegenschleuderte. Während Beamte auf sie einreden, schmettert sie Al-Sissi "Faschist" entgegen und ruft mit sich überschlagender Stimme auf Arabisch: "Nieder mit der Militärherrschaft", dann schieben Sicherheitsleute Eladly aus dem Blickfeld der Kameras, hinein in einen Fahrstuhl, wo der keuchenden Aktivistin ein "O Gott" und "Ui jui jui" entfährt – wohl überrascht von der eigenen, nahezu übermenschlichen Energie.

Al-Sissi und die Kanzlerin haben den Tumult in Begleitung von Personenschützern längst verlassen. Im Saal zurück bleiben ägyptische Journalisten – größtenteils Al-Sissi-Claqueure – sie skandieren "Ägypten ist groß" und ergreifen damit Partei für einen Präsidenten, der ohne Parlament regiert und weltweit wegen seiner Gewaltherrschaft Kritik ausgesetzt ist. Spätestens jetzt ist klar: An diesem Mittwoch ist im Kanzleramt nichts wie sonst. ...

... Günstlingsgesten sind unter Journalisten verpönt: Der Versuch eines deutschen Korrespondenten in Brüssel, auf einer Pressekonferenz seine Kollegen zu einem gemeinsam intonierten Geburtstagsständchen für Kanzlerin Merkel zu bewegen, wurde zu einem der peinlichsten Vorfälle der vergangenen Jahre.

Den Tumult, den Al-Sissis Anhänger verursacht haben, ist nach Einschätzung des Verbandes bisher einzigartig. "Al-Sissi hatte offenbar journalistische Speichellecker im Gepäck", kritisiert DJV-Sprecher Zörner. Das Problem sei, dass Propagandajournalisten zuvor nicht ohne Weiteres als solche erkennbar sind. 


Aus: " Al-Sissi bei Merkel: Wie es zu den "Mörder"-Rufen im Kanzleramt kam"  Tilman Steffen und Tahir Chaudhry (5. Juni 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-06/merkel-al-sissi-kanzleramt-fagr-eladly-moerder-protest (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-06/merkel-al-sissi-kanzleramt-fagr-eladly-moerder-protest)

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    tsitsinotis08, 05.06.2015

Wie Jean Ziegler in München sagte:

Nicht die Regierungen regieren, sondern folgen den Anweisungen von Großkonzernen.

Hier hat sich Siemens anscheinend einen Staatsbesuch gekauft.
Deutschland empfängt einen blutbefleckten General mit Tschingderassabum und Gauck.

Meine Hochachtung für Frau Eladly! ...


http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-06/merkel-al-sissi-kanzleramt-fagr-eladly-moerder-protest?commentstart=9#cid-4840189

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"beitragsfinanzierten Kampagnenjournalismus"
Tagesthemen markieren neuen Tiefpunkt des beitragsfinanzierten Kampagnenjournalismus (Dr. Norbert Häring, 15.06.2015 )
Ein Finanzminister macht sich lächerlich, nur weil er in Deutschland auftritt ... Zum Inhalt der gescheiterten Verhandlungen erfahren wir in einem langen Tagesthemen-Bericht [ ] sehr wenig, und das bisschen ist auch noch falsch. Die Gegenseite wird dabei konsequent nicht angehört. Journalismus? ... Es bleibt unklar, warum der „längst entmachtete“ Finanzminister in diesem Zusammenhang so ausführlich „gewürdigt“ wird, ebenso wodurch er sich „lächerlich gemacht“ hat, wer diejenigen sind, in deren Augen er sich lächerlich gemacht hat, und was er gesagt hat. Varoufakis wird in dem ganzen Tagesthemen-Beitrag nicht noch einmal erwähnt. Es bleibt auch im Dunkeln, ob er an den gescheiterten Gesprächen in Brüssel beteiligt war. Dass Varoufakis entmachtet sei, haben er und sein Regierungschef bereits mehrfach dementiert. Hauptstation von Varoufakis war Berlin, wo er mit Schäuble sprach und bei einer Podiumsdiskussion des WÄirtschaftsforschungsinstituts IMK auftrat. Lächerlich? Wessen Vertrauen in die Fähigkeit welcher griechischen Instanz in welche Art von Reformen bei wem Varoufakis wodurch nicht geweckt hat, bleibt ebenfalls Henzes wohlgehütetes Geheimnis. ...
http://norberthaering.de/de/27-german/news/401-tagesthemen


Otto Schulmeister (* 1. April 1916 in Wien; † 10. August 2001 ebendort) war Publizist und über rund drei Jahrzehnte Chefredakteur sowie Herausgeber der österreichischen Tageszeitung Die Presse. Er galt als Doyen des Journalismus und als einer der wichtigsten, aber auch umstrittensten Chefredakteure der Nachkriegszeit. ... Im April 2009 erscheint im Nachrichtenmagazin profil ein Artikel, der den Beleg der Tätigkeit Schulmeisters für die CIA durch den Wissenschafter und Zeithistoriker Siegfried Beer dokumentiert. Beer ist Leiter des "Austrian Center for intelligence, propaganda and security studies". Akten zufolge, die von der CIA bereits im Jahr 2006 freigegeben wurden, hatte Schulmeister den Decknamen GRCAMERA erhalten und, laut profil, "seine Leitartikel fallweise argumentativ nach den Wünschen der CIA ausgerichtet, Geschichten unterdrückt, wenn sie dem US-Standpunkt schadeten, und Informationen aus Hintergrundgesprächen mit österreichischen Politikern und Ostblock-Botschaftern preisgegeben", wobei die letzte Eintragung in dem CIA-Dossier aus dem Jahr 1983 stammen soll. ... (06/2015)
https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Schulmeister

""Ex-"Presse"-Chef im Dienste der CIA: Otto Schulmeister agierte für den Geheimdienst"  Christa Zöchling  (18.4.2009)
Otto Schulmeister, der Doyen des österreichischen Journalismus, einst Chefredakteur und Herausgeber der "Presse", hat sich nach Akten der CIA in den sechziger Jahren dem amerikanischen Geheimdienst dienstbar gemacht. Der Fall zeigt, wie die CIA mit der veröffentlichten Meinung umging. ...
http://www.profil.at/home/ex-presse-chef-dienste-cia-otto-schulmeister-geheimdienst-239634


The Saudi Cables: Over half a million cables and other documents from the Saudi Foreign Ministry. A total of 61214 published so far
"Buying Silence: How the Saudi Foreign Ministry controls Arab media"
On Monday, Saudi Arabia celebrated the beheading of its 100th prisoner this year. The story was nowhere to be seen on Arab media despite the story's circulation on wire services. Even international media was relatively mute about this milestone compared to what it might have been if it had concerned a different country. ...
https://wikileaks.org/saudi-cables/buying-silence

"Saudileaks: Zehn Milliarden Dollar für Mubaraks Freiheit" Gudrun Harrer (21. Juni 2015)
Die Medien des Königreichs waren am Wochenende voll von Berichten über den Besuch des saudischen Vizekronprinzen und Verteidigungsministers Mohammed bin Salman in Russland. Saudileaks hingegen war kein Thema. (Gudrun Harrer, 21.6.2015)
http://derstandard.at/2000017800003/SaudileaksZehn-Milliarden-fuer-Mubaraks-Freiheit

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... Das Hauptthema wird vom gut verlinkten AbuKhalil bereits angesprochen: die Kontrolle der arabischen und westlichen Medien durch Saudi-Arabien. "Wie man Schweigen erkauft" [https://wikileaks.org/saudi-cables/buying-silence (https://wikileaks.org/saudi-cables/buying-silence)], heißt ein interessantes Auswertungsgebiet der Saudi-Depeschen auf der WikiLeaksseite.

Saudi-Arabien kontrolliert sein Image durch die Überwachung von Medien und das Bezahlen von Loyalitäten von Australien bis Kanada und überall dazwischen.

Auch das ist prinzipiell keine neue Erkenntnis. Wenn das allerdings mit Details, Abmachungen und Plänen breit und dicht vorgeführt und veranschaulicht wird, bekommt das schon eine politische Dimension. ...


Aus: "Saudi-Leaks: Einblick in die Aktivitäten eines großen Meinungsmanipulators" Thomas Pany (22.06.2015)
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45242/1.html


Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on June 25, 2015, 05:08:24 PM
"Zeit-Umfrage: Sinkendes Vertrauen in die Medien" Marcus Klöckner (24.06.2015)
Insgesamt ist das Vertrauen in die Medien so schlecht wie lange nicht mehr. Haben im April 2012 noch 40 Prozent der Befragten angegeben, großes oder sehr großes Vertrauen zu den Medien zu haben, sind es jetzt, im Dezember 2014, nur noch 29 Prozent. ...
http://www.heise.de/tp/news/Zeit-Umfrage-Sinkendes-Vertrauen-in-die-Medien-2725609.html


"Medienkritik: Deutsche haben wenig Vertrauen in die Medien" (24. Juni 2015)
Fehlinformation, Einseitigkeit, schlechte Recherche – das sind laut einer Umfrage der ZEIT einige Kritikpunkte an der politischen Berichterstattung. Das Vertrauen sinkt. ... Die Kritikpunkte derjenigen, die der Berichterstattung der Medien misstrauen, sind vielseitig: Vor allem geht es um bewusste Fehlinformation und Manipulation (27 Prozent), aber auch um Einseitigkeit (20 Prozent) und handwerkliche Fehlleistungen wie etwa schlechte Recherchen (15 Prozent). Rund jeder zehnte der Befragten bemängelte außerdem die vermeintlich fehlende Unabhängigkeit der Medien. ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/2015-06/medienkritik-journalismus-vertrauen

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    schulzholger, 24.06.2015

Willkommen in der Wirklichkeit - in der selbst erzeugten. Mitleid mit den Medienleuten muss man nicht haben, die wollten das so, haben sich immer darauf verlassen, dass Demokratie nicht ohne Medien funktioniert.

Die interessante Frage ist jedoch: Kann unsere Demokratie mit DIESEN Medien überleben?


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Borghes, 24.06.2015

Die Medien sind heutzutage genau so gut oder schlecht wie früher. Durch das Auftreten des Internets und vor allem der sozialen Medien gelingt es ihnen aber nicht mehr ihren ehedem ungefährdete Meinungs- und Deutungshoheit durchzusetzen. ...


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    Ayreon, 24.06.2015

Das habt ihr euch verdient

Das haben sich die Massenmedien, Zeit/Zeit Online eingeschlossen, redlich verdient. Ihr müsst doch glauben, die Leute lassen sich gerne an der Nase herumführen. Gerade die journalistischen Fehlleistungen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt sind erschütternd; diese Berichterstattung hat mit Sicherheit verstärkt zur Vertrauenserosion beigetragen. Teils wird hier kaum verhohlene antirussische Hetze verbreitet, auch wenn die entsprechenden Artikel als "Kommentar" gekennzeichnet sind. Die Menschen möchten sich eben nicht so gerne ein abgestandenes Feindbild vorsetzen lassen, das dazu geeignet ist, einen Krieg zu ermöglichen. Verantwortungslosigkeit wird hier groß geschrieben, Neutralität und Objektivität sind Fehlanzeige.

Bevor der Einwand kommt: ja, in Russland sieht es mit der Einseitig/Propaganda noch weitaus schlimmer aus, aber das macht hiesige Zustände nicht besser.

Von prinzipiellen Sachen wir den gerne gebrauchten Etiketten "Rechtspopulist", "Neoliberaler" oder "Verschwörungstheoretiker" für die Diskreditierung unliebsamer Meinungen ganz zu schweigen.


Quote
    Flatho, 24.06.2015

Staatsfunk

"Laut der Umfrage beziehen die Deutschen ihre politischen Informationen nach wie vor hauptsächlich aus dem Fernsehen, und zwar mit weitem Abstand vor allem von ARD und ZDF."

Anscheinend ist den Leuten einfach nicht bewusst, dass "öffentlich-rechtliche Sendeanstalten" nur ein Synonym für "Staatsfernsehen - bzw. -rundfunk" ist.
Und wer meint, man könne sich in 15 min "Tagesschau" oder 30 Min "Tagesthemen" umfassend über das Weltgeschehen informieren - naja, der hat wahrscheinlich sowieso kein wirkliches Interesse an Hintergründen oder Zudsammenhängen.


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    Zivilisationswächter, 24.06.2015

Nur jeder Zehnte?

>>Rund jeder zehnte der Befragten bemängelte außerdem die vermeintlich fehlende Unabhängigkeit der Medien.<<

"Vermeintlich fehlend" ist ja schon wieder geeignet, einem die Tränen in die Augen zu treiben ^^

Ich sag jetzt mal Springer, Bertelsmann, Gruner&Jahr und...Holtzbrinck, zum Beispiel. Da hat man schon einen ziemlich großen Anteil der deutschen Medienlandschaft erschlagen.

Ich erinnere auch gerne an diese Sendung "Die Anstalt" - das war, über die man sich bei der Zeit so aufgeregt hat.
Ich hatte da auch schon mal was zu geschrieben. Von wegen "Gleichschaltung" muß ja nicht zwingend auf politischem Druck von oben beruhen.

Die Nummer mit "unabhängig, überparteilich" löst also beim geneigten Leser dann doch gerne mal so ein Kratzen im Hals aus.

Ich mag neue Medienformen wie Krautreporter sehr. Die Fragen eines Tilo Jung von Jung&Naiv auf den Bundespressekonferenzen werden komischerweise von den anderen Medienvertretern nie gestellt. Allein sowas ist oft sehr erhellend.

Verehrte Red.: Was immer deutsche Medien sind - "unabhängig" ist nicht so das Wort, das einem da direkt in den Sinn kommt.


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    nas90, 24.06.2015

... Meines Erachtens fehlt es den Medien an Objektivität, Tiefe und somit der Qualität. Als arabisch, russisch, Französisch und natürlich des Englisch sprechender Mensch finde ich vor allem im Fernsehen immer öfter falsch verwendete Bilder. (Z.b. Demonstartionsschilder, die in einem völlig falschen Zusammenhang gezeigt werden.)

Nach dem NSA Skandal, dem Krieg in der Ukraine, die Informationssituation der EU über zukunftsrelevante Entscheidungen dürfte es niemanden mehr wundern, wenn die Medien einen so schlechten Ruf haben. 1984 grüßt mit seinem Ministerium für Wahrheit. Ich wäre gerne bereit Geld für Informationen zu geben, die objektiv, fundiert, länger recherchiert, tiefer in der Materie und einen längeren Text als eine viertel Seite beinhalten.


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    Hinster-Bender, 24.06.2015

Da lobt man sich doch die gute alte Bild-Zeitung mit ihrer Sportberichterstattung ...  Oder zu soziologischen Themen: "Angst vorm Frühjahrsputz. Hausfrau erschlug sich mit Hammer"

Das waren noch Zeiten...


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    titanicus, 24.06.2015

„Nastücher des Teufels“

Als im 18. Jahrhundert die ersten Zeitungen und Zeitschriften regelmäßig erschienen, wurden sie von ihren Kritikern „Nastücher des Teufels“ genannt. Die Medienkritik ist so alt wie die Medien selbst. Wer die eigene Meinung nicht darin findet, wittert sofort eine Verschwörung. Die Kritik erschöpft sich darin, die subjektive Wahrnehmung zum alleinigen Maßstab zu machen. Es wäre interessant zu erfahren, ob die „Lügenpresse“-Propagandisten die „Junge Freiheit“ und ähnliche rechtsgestrickte Postillen ebenfalls für „unglaubwürdig“ halten.

Eine sachliche Medienkritik sähe anders aus. Sie bezöge sich auf die Konzentration auf dem Markt oder wendete sich gegen den Kampagnenjournalismus z. B. der Bild-Zeitung, der in den letzten Wochen vor allem Griechenland traf. Hier aber bleibt der Aufschrei aus, da die Griechenhatz der Bild-Zeitung die eigene Meinung trifft. Sollten die Medien unglaubwürdig geworden ein, so sind es deren Kritiker in den Internetforen noch viel mehr. Es ist nur das Herummosern der beleidigten Leberwurst ohne jeden Sinn.



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    bitboy, 24.06.2015

Unabhängig

Zum Teil liegt es an der schnellen Vergleichbarkeit die das Internet bietet. Medien betrachten sich ja selbst gern als unabhängig und objektiv. Wenn aber zu einem Ereignis 2 verschiedene Artikel rauskommen, dann ist das nicht mehr gegeben. Und schon steht der Propagandavorwurf (teils zurecht) im Raum. Befeuert wird diese durch die Wortwahl. Warum wird bei reichen Russen oder Griechen von "Oligarchen" gesprochen während westliche Reiche "Wohlhabende" sind? Zu jedem Thema, dem mehr als 2 Artikel gewidmet werden findet man solche wiederkehrenden, stimmungsmachenenden Wortergüsse.

Differenzierungen findet man eher selten, Inhalte werden oft ohne Prüfung übernommen. Warum werden soviele Artikel überhaupt abgedruckt, die einem Faktencheck (siehe Bellingcat) kaum standhalten? Weil man hinterher immer noch eine Korrektur veröffentlichen kann? Von einer verantwortungsvollen Redaktion würde ich erwarten, das son Blödsinn einfach nicht veröffentlicht wird oder wenigstens erstmal geprüft und bei zweifeln diese auch ausformuliert werden. Das Problem ist nur bis dahin hat sich oft ein sachlich falscher Gedanke festgesetzt (siehe Eisengehalt von Spinat). Wenn man als Leser über einen längeren Zeitraum das Gefühl hat mit falschen, oder tendenziösen Informationen versorgt zu werden, dann sinkt eben das Vertrauen. ....

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    Oliribus, 24.06.2015

Zu diesem Befund hat die ZEIT

und ihr Online-Portal beigetragen. Die Ukraine -Berichterstattung war und ist eine Katastrophe, das Russlandbild allzu platt, die Berichte über Eurorettung und Eurokrise viel zu unkritisch gegenüber der Politik, die Meinungen zu gesellschaftspolitischen Themen (Energiewende/ Asylpolitik etc.) sind zu einseitig, der Umgang mit Andersdenkenden oft diffamierend.

Positiv: Das Forum und all jene, die sich dort engagieren. Vielen Dank.


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    Toranaga San, 24.06.2015

Großes Vertrauen

Da haben immer noch 40% Vertrauen oder großes Vertrauen in die Medien??? Nach allem, was uns in den letzten Jahren da aufgetischt wurde? Das ist ja unglaublich. Das beweist, dass man den Leuten einfach ALLES erzählen kann. Postitiv ausgedrückt: deren Gottvertrauen möchte ich haben.


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    Ignaz Panter, 24.06.2015


"Journalismus heisst, etwas zu drucken,von dem jemand will, dass es nicht gedruckt wird. Alles andere ist Public Relations."

Dazu passte auch: Nicht , was eine Zeitung druckt, sondern was sie nicht druckt, ist interessant


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"Diesmal ist Berlin richtig zornig" Rudolf Stumberger (06.07.2015)
Die Griechenland-Krise und die Gleichrichtung der Medien - Was bei dem Griechenland-Drama passierte, war das Gleiche wie zuvor bei dem Konflikt in der Ukraine, bei der Bombardierung Libyens, bei dem Einmarsch im Irak. Die Welt wird simpel aufgeteilt in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse. Und wenn das Böse erst einmal durch Leitmedien wie die Bildzeitung definiert ist, dann folgen die Medien diesen Mainstream, und dann ist es mit journalistischem Hopfen und Malz, mit Differenzierung und das Hören der anderen Seite, mit der kompetenten Behandlung von komplexen Problemen vorbei. Was dann folgt, ist die mediale Hetzjagd, bis das Opfer gestellt ist. Er ist unverkennbar, dieser Trend in deutschen Medien hin zur Personalisierung und Boulevardisierung.
Beim Ukraine-Konflikt konnte man bereits mit Erschrecken feststellen, dass diese Personalisierung einen Grad erreicht hatte, der nur noch mit Dämonisierung zu beschreiben ist. Mit dem griechischen Finanzminister Varoufakis war ein ähnliches Opfer ausgemacht, wer das besagte heute-journal gesehen hatte, konnte glauben, der Mann würde innerhalb der nächsten 24 Stunden in das Irrenhaus eingewiesen.
Unterstützt wird diese persönliche Denunziation in den Online-Auftritten der Medien durch die Auswahl entsprechender Fotos, die den Mann so unvorteilhaft wie nur möglich zeigen: mit rollenden Augen, mit Sturzhelm, ohne Sacco, in grotesken Verrenkungen. Für seinen Parteikollegen Tsipras fanden sich ähnliche Bilder: der Verschlagene, der Höhnische, der Verführer der Massen. Wie sehr sich diese Personalisierung in den Medien eingenistet hat, zeigt folgende Schlagzeile der "Süddeutschen" zur Griechenland-Krise, die man früher verbal jedem Volontär um die Ohren gehauen hätte: "Diesmal ist Berlin wirklich zornig." Mit individualpsychologischen Begriffen wie "Zorn" wird die politische Reaktion der Bundesregierung beschrieben – es ist unglaublich. ...

http://www.heise.de/tp/artikel/45/45364/1.html

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6. Juli 2015 18:34
Schon auffällig
J. Fox (mehr als 1000 Beiträge seit 27.08.12)

Journalisten der Mainstream-Medien geben sich seit Jahren derart, dass sie jederzeit den Sprung zum Regierungssprecher ohne Einschränkung machen könnten (sollten sie denn dafür berufen werden). Kein regierungskritisches Wort soll das Wässerchen trüben. Jedenfalls sollte die journalistische Tätigkeit in keinem Fall hinderlich sein, um an gut dotierte Stellen zu kommen ... Selbst Medienvertreter, denen man derartiges nicht zugetraut hätte,
kommen auf diese Schiene (s. aktuelle Vorgänge bei der Taz).


http://www.heise.de/tp/foren/S-Schon-auffaellig/forum-295168/msg-26819970/read/

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Roman Huber 6. Juli 2015 18:30

... [Unsere Qualitätsmedien sind] mittlerweile ja auch nicht mehr als ein gut alimentierter Kindergarten, welcher sich bereits im Ton seiner "Berichterstattung" selbst blossstellt. Was in privaten Diskussionen durchaus zu amüsanten Situationen führt, wenn man seine Gesprächspartner mal mit Fakten (wirtschaftliche Kennzahlen, Umschuldung, aktuell Wikileaks-Enthüllungen) konfrontiert: Entweder es entwickelt sich ein interessantes Gespräch oder das Gegenüber verliert irgendwann die Nerven.
Und genau da muss man seine Mitmenschen abholen. In dem man aufzeigt das ein Diskurs nicht darin besteht wer am lautesten schreit, sondern
wer die besseren Argumente bringt. Meinen Erfahrungen nach hat das mit der Zeit automatisch den Effekt das die meisten Bekannten/Verwannten sich immer stärker ob der Qualitätsmedien gruseln. Was, imho, absolut logisch ist. Denn wenn man sich mal mit der Materie vertraut gemacht hat, dann macht das ganze Gebrabbel nicht mehr wirklich viel Sinn.


http://www.heise.de/tp/foren/S-Lasst-sie-doch-einfach-sterben/forum-295168/msg-26819961/read/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on July 07, 2015, 05:49:24 PM
"“Alles Lüge?” – Wie unsere Leser auf unseren Schwerpunkt zum Vertrauen in Medien reagiert haben"
von Götz Hamann am 7. Juli 2015 um 10:01
http://blog.zeit.de/fragen/2015/07/07/alles-luege/

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kamau   
07.07.2015 um 12:55 Uhr

Weit entfernt

Auch heute noch ist die “ZEIT” was einen entspannten Umgang mit Leserkommentaren angeht im Vergleich zu britischen Zeitungen weit entfernt: Humor darf, auch Satire und weshalb auch nicht eine Prise Zynismus! Was die Leser nicht wollen ist Gourvenantenhafte Bevormundung! Würde Tucholsky heute Leserbriefe schreiben, würde in der “ZEIT” kein einziger gedruckt


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Götz Hamann
07.07.2015 um 13:07 Uhr

Tucholsky

@kamau ein guter Punkt. Ich bin aber überzeugt. Jemanden von der Sprachmacht Tucholskys würden wir veröffentlichen.


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Mylady_Fox   
07.07.2015 um 13:17 Uhr
Verschont uns doch bitte endlich mit Eurem Gebettel um unsere “Gunst”. Versucht es einfach mal,wieder mit Journalismus.


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andreas
07.07.2015 um 13:18 Uhr
"Die Zeit" gibt es nicht mehr....

Liebe Redaktion,
wenn ich mir Ihre Live- Bericherstattung (Griechenland, Ukraine etc etc etc) und die Kommentare der User ansehe, die Sie hier angelockt haben (muss die Bild-Zeitung Leserschaft sein), kann ich mich nur freuen, dass ich DE verlassen habe. So viel Hass, Ignoranz, Überheblichkeit und Scheinheiligkeit, hätte nie gedacht… Habe über Jahrzehnten die Zeit gelesen, aber die Herren Naumann und Joffe haben es einfach zerstört.. die Zeit, eine Art The Times of Murdoch, but even worse…


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Nerazberiha   
07.07.2015 um 13:24 Uhr
Überschrift

-> Wie erwartet beschäftigen sich viele Leser auch mit der Russland-Berichterstattung. Ratlos machen uns diejenigen, die unterstellen, es gäbe so etwas wie eine Verschwörung DER Journalisten gemeinsam mit DER deutschen Regierung GEGEN Russland. Da können wir nur sagen: Nein, die gibt es nicht.

Dass es eine massiv einseitige Berichterstattung gab/gibt ist nicht zu leugnen, da helfen auch die angeführten Rechtfertigungen, dass die RF ja eigentlich ein imperialer Unrechtsstaat sei, nicht weiter. Weil das ja auf die USA gleichermaßen zutrifft, mit dem imperial agierenden Unrechtsstaat.
Ich verweise hier nochmal auf Chomsky, u.a. “Manufactering Consent” oder dieses kleine Essay:
http://hauptwort.at/2010/02/22/warum-die-mainstreammedien-mainstream-sind-von-noam-chomsky/

Dort steht sehr anschaulich, wie Medien, wie Journalisten in “freien” Systemen funktionieren, wie diese die Meinung der Eliten auch ganz ohne gesetzlichen Zwang übernehmen, meist aus banalen Opportunismus und Mitläuferei.

Ebenso entspricht es auch den Tatsachen, dass über Griechenland sehr tendenziös berichtet wurde.
Ich anerkenne durchaus, dass es sehr gute Artikel zu dem Thema gab, das Problem ist aber, dass auf einen informativen Artikel, gefühlt 10 mit systemtragender Desinformation gab.
Ich will auch nochmal anmerken, dass bereits die unkritische Übernahme von Regierungs-Neusprech (“Hilfsprogramme”; “Rettungsmaßnahmen”, “Reformen”) DESINFORMATION ist, weil Begriff, allgemeine Bedeutung und tatsächlicher Inhalt nicht übereinstimmen und es sich um sprachliche Manipulationen handelt.
Hätte der dt. Qualitäts-Journalismus z.B. von Anfang an darauf hingewiesen, dass die “Griechenland-Rettung” eine verdeckte Bankenrettung ist, oder was hinter den gefordeten “Reformen” steckt, wären die nationalistisch-chauvinistischen Ressentiments keineswegs derart geweckt worden, wie sie geweckt wurden.

Hier liegt ein erhebliches mediales Versagen vor, zu dem sich noch überhaupt nicht geäußert wurde.

Dann noch eine Anmerkung:
Ich würde diese Feedback-Geschichte nicht als Blogform machen, hier wird bei anzunehmend reger Beteiligung die Kommentarfunktion einfach völlig unübersichtlich.
Ich bitte daher, dass künftig als normalen Artikel einzustellen, wo ich als User alle Möglichkeiten der normalen Kommentarfunktion (die ich als Vorbildlich erachte) nutzen kann.


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Harmannus   
07.07.2015 um 13:28 Uhr

Rattenfänger

Zitat: “Weiter beklagt Florian Kennet, es gebe zu wenige Journalisten in deutschen Medien, die Putin freundlich gesinnt seien.” Zitatende

In dem von Ihnen zitierten Kommentar kommt das Wort Putin nicht einmal vor. Für mich ist das wieder so ein Punkt, wo der Leser missachtet wird. Nach meinem Verständnis ging es Florian nicht darum, Putin freundlich gesinnt zu sein, sondern darum, dass die Krim-Annexion/Sezession differenziert betrachtet wird – OHNE sich in den “Gefangenen” – Chor der Putin-Verächter einzustimmen. Viele Fragen des Ukraine-Konfliktes sind noch offen und werden es wohl ewig bleiben. Hätte die NATO klare Beweise, lägen sie schon lange auf den Tisch. So wenig, wie Putin ein lupenreiner Demokrat ist, ist die NATO ein nicht-aggressives Friedensbünsnis: Es geht auf beiden Seiten um Interessen und es wäre schön, wenn die einmal gegenüber gestellt werden würden.

Wie viele andere Medien auch scheint die ZON gefangen zwischen Meinungsmache (wer immer dahinter stecken mag) und Umsatzsteigerung (wo es schon eher klar ist, wer da dahinter steckt). So gesehen fällt es mir schwer zu glauben, dass das Leser Forum ein ernsthaft gemeinter Dialog mit den Lesern ist. Vielemehr vermute ich, dass es um Leserbindung geht. Mich treibt es immer wieder auf ZON, weil hier vergleichsweise freizügig kommentiert werden kann. Den meisten Nutzwert ziehe ich dann auch aus den Kommentaren, die eben genau diese differenzierte Betrachtung erlauben. Die jeweiligen Artikel dazu werden offenbar selten gelesen und dienen bestenfalls als Stichwortgeber.


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roland_s   
07.07.2015 um 13:30 Uhr
34. Vergleichsweise dürftig

Ich empfinde diese Reaktion weitgehend leider als dürftig. Die Ausgangsfrage war, warum das Vertrauen in die Medien sinkt. Selbstkritik? Fehlanzeige. Die bisherige Bilanz ist eigentlich:
– die Kommentatoren / Leser sind Schuld, sie schmähen zum Teil bösartik (dieser Punkt hat nur marginal mit der Ausgangsfrage zu tun, ist aber geeignet als Totschlagargument, frei nach dem Motto: Wenn Ihr euch nicht benehmen könnt; wir armen Journalisten…)
– das Vertrauen sinkt, weil sonst etwas mit dem Leser nicht stimmt
– die Kritik ist unberechtigt und wird als solche abgewiesen (heißt, der Leser sieht das falsch)
– die Kritik ist in marginalen Punkten berechtigt, aber…. (heißt, der Leser sieht das im Gesamtbild falsch)
– … die anderen Dinge ignorieren wir einfach

Es ist bisher überraschend viel Aufwand in der Sache betrieben worden – aber kein einziges, echtes, selbstkritisches Statement! Das müsste anders laufen, wenn man es ernst meint.

...


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de la diva   
07.07.2015 um 13:32 Uhr

Wie ernst darf man das nehmen?

Eigentlich sollte man sich freuen wenn die Journalisten die Kritik ihrer Leser/Kommentatoren aufgreifen.
Leider musste man beim ersten “Artikel mit ‘Diskussion'” schon feststellen, dass es den Journalisten der ZEIT nicht ganz ernst damit ist. Selbstreflektion gab es nur minimalistisch und es las sich eher als “Selbstbemitleidung” – auch in den wenigen Antworten…..

Dann möchte ich aber noch das Beispiel mit “Bellingcat” anführen – hier – auch bei ZON – wurden diese “Bürgerjournalisten” für so toll befunden ( damit diskreditiert ihr eure eigene Berufsgruppe!) ...


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truthdigger
07.07.2015 um 13:57 Uhr

Beispiele für einseitige Berichterstattung von ZON

Hinsichtlich Russland scheint ZON ziemlich uneinsichtig zu sein. Ich möchte ihnen daher noch ein paar Beispiele für ihre einseitige Berichterstattung geben: 1.) die Modernisierung von 40 russ. Atomsprengköpfen sehen sie als Provokation – ein Jahr vorher konnte man bei ZON lesen, dass 250 US-Atomsprengköpfe in Europa modernisiert werden. 2.) der Mord an Nemzow hat zahlreiche Berichte gefüllt mit einer Fülle an Spekulationen – der Mord an zahlreichen Oppositionellen Politikern in der Ukraine war SPON nur eine Randnotiz wert. 3.) es wurden wiederholt Versuche unternommen, eine militärische Beteiligung von Russland in der Ostukraine nachzuweisen (teilweise mit fragwürdigen Methoden, z.B. mit Bildern von russ. Panzern vor der (russ.) Stadt Donezk, der Bericht suggerierte aber, dass es in der Ukraine war) – von den Interessen und Machenschaften von US Think Tanks und NGOs aus der EU in der Ukraine findet sich dagegen keine Spur in ihrer Berichterstattung, ebenso wird die Anwesenheit von Nato-Militär und Lieferung von Waffen durch ZON anscheinend kritiklos unterstützt. 4.) über die Annexion der Krim kann man sich streiten. Allerdings hat Russland seit langem den Stützpunkt auf der Krim, dadurch Zugang zum Mittelmeer und es bestand die Gefahr, dass dieser durch den Umsturz in der Ukraine durch einen Nato-Stützpunkt ersetzt wird – daneben gibt es zweifelsohne zahlreiche weitere Nato-Stützpunkte in der direkten Nachbarschaft zu Russland – daher hatte Russland m.E. ein berechtigtes Interesse daran, den Stützpunkt zu behalten – und ich behaupte mal der NATO wäre die territoriale Integrität von Kuba auch ziemlich egal, wenn die Gefahr bestände, dass dort ein russ. Militärstützpunkt errichtet würde – wann setzt sich ZON mal kritisch mit der NATO auseinander oder versucht mal Russland zu verstehen?


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SethusC.   
07.07.2015 um 14:02 Uhr

Nicht überzeugend

Die Rechtfertigungen der ZEIT können mich nicht überzeugen.

– Zur Zusammensetzung der Redaktionen:
Das Problem sehe ich tatsächlich nicht. Jeder weiß, wo Zeitschriften jeweils politisch verortet sind. Jahrelang reichte es ja, sowohl die Welt als auch die ZEIT zu lesen, um beide Seiten mitzubekommen. Das Problem sehe ich heute eher darin, dass es zu bestimmten Themen kaum noch abweichende Meinungen gibt.

– Zu Russland. Sicher eins der meistdiskutierten Themen. An eine “Verschwörung” glaube ich nicht, trotzdem sind sich westliche Poltiiker und Medien in einem Maße einig, dass man einfach misstrauisch werden MUSS. Dass man in den Foren Menschen, die versuchen, den Konflikt auch aus Russlands Sicht zu betrachten oder die auch auf Fehler der westlichen Seite aufmerksam machen, ungehindert als bezahlte Schreiberlinge Moskaus, Putin-Trolle etc beschimpfen darf, ist mehr als ein Beleg dafür, dass die Medien hier nicht neutral sind.

– Bei Griechenland, da muss ich Ihnen zustimmen, hat das doch funktioniert. Da konnte man verschiedene Blickwinkel kennenlernen. Warum nicht beim Ukraine-Konflikt?


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ungut   
07.07.2015 um 14:04 Uhr

Miteinander reden

“Wenn aber ein autoritärer Präsident dann einen militärischen Konflikt mit seinem westlichen Nachbarn eingeht, wen wundern da kritische Berichte?”

Mich verwundert weniger wer kritisiert wird, sondern wer nicht kritisiert wird.

Dss Russland Soldaten in den Donbass entsendet hat, darüber darf man gerne berichten.Genauso darf man aber auch darüber berichten, daß die Maidanregierung undemkratisch und verfassungswidrig war, das sie Panzer geschickt hat um auf Demonstranten zu schiessen, das die ukrainische Regierung rechtsradikale Freiwilligenverbände in der Ostukraine wüten lässt, das sie tausende Zivilisten abgeschlachtet hat und über eine halbe Millionen ukrainischer Bürger aus dem eigenen Land vertrieben hat.

Diese Tatsachen wurden kaum bis ganricht berichtet und in Kolumnen zumeist ignoriert. Stattdessen bekommen wir immer wieder vorgebetet: “Russland ist der alleinige Aggressor.”

Nur weil ihr ein Problem mit der russischen Innenpolitik habt heisst das nicht, daß ihr eure Objektivität vergessen solltet. In der Ostukraine sterben und leiden sehr viele unschuldige Menschen. Da sollte kein Platz sein für eure Berufseitelkeit.
Ihr solltet die ukrainische Regierung und ihre westlichen Hinterleute genauso kritisieren, wie ihr es mit Russland macht.
Ihr braucht keine wissentschaftlichen Analysen, um das Brett vor eurem Kopf zu finden.

Ihr könntet auch einfach mal konkret auf Leserfragen eingehen, unter den Artikeln unter denen sie gestellt werden.

Wenn Bittner, Joffe, Luther und co. uns mal wieder vorpredigen, warum Russland für sein Völkerrechtvergehen sanktioniert wird, warum erklären uns diese Herrschaften dann nicht einmal, warum westliche Länder, allen vorran die USA, nicht für Völkerrechtsvergehen bestraft werden sollen? Diese Fragen werden von den Lesern IMMER gestellt und sie werden NIE beantwortet. ...


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HellasKöpfchen
07.07.2015 um 14:07 Uhr

Gefangen in der Matrix

Sehr geehrter Herr Hamann

Wie soll man Vertrauen in (gewisse) Medien entwickeln, wenn die Berichterstattung dieser Medien wichtige Fakten nur lückenhaft erarbeitet oder gänzlich darüber schweigt.

Im Fall Ukraine war es ja geradezu gespenstisch, mit welcher Schärfe der Konflikt mit Russland herbeigeschrieben wurde. ...

Wer sich auch in ausländischen Medien weiterführend informieren konnte, war erheblich im Vorteil. Es war offensichtlich, dass eine politische Leitlinie verfolgt wurde, die einen Bruch mit Russland verursachen sollte. Das erste was mir einfielt war: so funktioniert Proaganda. Erstmals konnte ich erahnen, wie es zu politischen Veränderungen in den 1930 Jahren gekommen war und wie wichtig freie Medien für die Demokratie sind.

Die Realität ist eben nicht eine virtuelle, die man nach Belieben “resetten” kann, wenn man die Aufgabe nicht gemeistert hat.


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Bürgerin Jedermann
07.07.2015 um 14:08 Uhr

Unparteiischer Journalismus

Ich mag Ihre Initiative, mit Ihren Lesern in Kontakt zu kommen. Auch die Kommentare finde ich meistens gut moderiert.

Dass der Journalismus in Deutschland unparteiisch ist, würde ich nicht bestätigen.
In Deutschland hat man gelernt, die Meinung dadurch zu manipulieren, dass einige Themen beachtet werden und andere Themen bekommen ganz sicher keine Aufmerksamkeit.

Angela Merkel macht die extreme Variante dieses Verhaltens vor. Ursprünglich stammt die Methode aus der Verhaltenstherapie. Durch Nicht-Beachtung soll unerwünschtes Verhalten gelöscht werden. Durch Aufmerksamkeit werden Verhaltensweisen verstärkt und treten häufiger auf. Das mag auch so funktionieren. Im Alltag oder gar im politischen Miteinander hat diese Methode aber nichts zu suchen. Das nutzen nur hochmanipulative Politiker, die die Grundsätze unserer Verfassung nicht verstanden haben und die nicht bereit sind, mit dem Souverän eine Debatte auf Augenhöhe zu führen, – etwas, was in einer Demokratie eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Insofern würde ich mir manchmal eine klare Position in der Berichterstattung wünschen. Man kann nicht nicht manipulieren. Ich wünsche mir in Deutschland wieder eine offene und freie Debatte. Ich mache mir weniger Sorgen um die Medien in Deutschland. Mehr Sorgen mache ich mir um unsere Demokratie und um unsere Freiheit. Die sehe ich durch das ´Verhalten der Regierenden (Wie oft sollen wir Bürger noch nach Karlsruhe ziehen, um unsere Verfassung zu verteidigen? Danke an dieser Stelle an die freien Bürger, die aktuell die Klage gegen das BKA-Gesetz führen.) und durch die Machenschaften der Geheimdienste in Gefahr.

Da brauchen wir meiner Meinung nach etwas anderes als unparteiische Journalisten, auch wenn das in Deutschland Neuland ist. Ich wünsche mir in dieser Zeit mehr deutliche und klare Stimmen für unsere Demokratie, gerade von den Medien.

Ich bin gespannt auf die weitere Diskussion zu diesem Thema.

Ihre Bürgerin Jedermann


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HSViking   
07.07.2015  um 15:22 Uhr

Liegt das an mir?

Ich verstehe die Kritiker nicht:
Ein kostenloses Angebot, das man nicht verpflichtend lesen muss, wird dafür kritisiert, dass es die Meinung einiger – nennen wir sie – kritischen Geister nicht darstellt oder besser: vertritt.

Berichterstattung war schon IMMER tendenziös.
Die Minnesänger haben aus Siegfried den Helden gemacht, hat mal jemand an den Drachen gedacht?

Weil die Berichterstattung auf Basis einer redaktionelle Agenda entsteht konnten und können so viele überregionale Zeitungen bestehen.
Journalisten können gar nicht objektiv und Tendenz frei berichten, sie sind Menschen, mit Meinungen und ja auch Fehlern.

Es geht in der gesamten Diskussion daher auch nicht wirklich um die Berichterstattung, sondern um die Herrschaft über die Informationen, um Macht.

Wenn man ca. 45 Millionen Klicks für ZON im Mai 2015 (laut Statista.com) heranzieht und die bezahlten Trolle raus rechnet, sind die “kritischen Geister” nicht so viele.

Ich finde es daher umso bewundernswerter, dass sich die Redaktion mit dieser Minderheit auseinandersetzt. Vielen Dank dafür an die beteiligten Redakteure.
Leider ist es genauso bedauernswert, dass diese Bemühungen von so vielen Kritikern nur Hohn und Spott erntet.

Martin Möller


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Adam

07.07.2015 um 15:37 Uhr

Licht, Schatten und ein Informationsloch

Von Zeit zu Zeit finde ich tatsächlich Perlen des Journalismus bei ZO: Artikel von Autoren wie Gero von Randow (dessen Meinung ich nicht immer teile, der aber brilliant schreibt und argumentiert), Patrick Beuth, Hauke Friedrichs, oder auch einigen anderen (Gast-) Autoren. Allesamt haben gemeinsam, dass sie bestens wissen, worüber sie schreiben. Sie legen Wert auf relevante Informationen und Ausgewogenheit und sie scheuen (wohl gerade deshalb) nicht die Diskussion. Außerdem sind sie nicht zu stolz, ihre Meinung auch mal öffentlich zu korrigieren oder gar zu revidieren.

Dann gibt es aber auch Artikel über die ich gedanklich das Banner “Polemik”, “interessengesteuert”, “belehrend” oder “tendenziös” hänge: Artikel von Josef Joffe gehören definitiv dazu. Im Laufe der Ukraine-Krise z.B. habe ich bewusst eine Woche lang die Berichterstattung auf ZO verfolgt: Jeden Morgen (!) gab es unter den ersten fünf Artikeln einen Artikel, den man getrost unter “Stimmungsmache” verbuchen konnte. Dieses Phänomen erinnerte mich an das Niveau von Tageszeitungen aus einem bis 2011 diktatorisch regierten Land im Maghreb, in dem ich eine Weile gelebt habe. Mit diesem Land unterhielt übrigens Frankreich, die USA aber auch Deutschland exzellente, freundschaftliche Beziehungen (meine Kritik am Messen mit zweierlei Maß wird Ihnen hoffentlich nicht entgangen sein). Wenn jemand (zu Recht!) die Menschenrechtslage in Russland anprangert, dann müsste mit großer Regelmäßigkeit auch über die USA, Frankreich, GB oder Deutschland bzw. ihre Partner und deren wirtschaftliche, politische und militärische Praktiken kritisiert werden. Werden sie aber nicht (bzw. nur in einem isolierten “Alibi-Artikel”).

Zu guter letzt gibt es aber auch die Artikel und Meldungen, die es erst gar nicht auf ZO oder generell in die deutschen Medien schaffen. Wenn ich die französisch- und englischsprachige Nachrichtenwelt, dazu noch Blogs und Twitter anschaue, dann rauscht eine ganze Menge an Berichtenswertem an uns in Deutschland vorbei. Das könnte auch ein Grund dafür sein, warum in deutschen Medien (und in vielen Kommentaren) so oft so wenig Horizont zu erkennen ist.


...
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on July 10, 2015, 10:44:13 AM
Quote
[...] Nie war der Bedarf an Aufklärung größer als heute. Und nie war man einsamer in seinem Unternehmen, sich aufklären zu müssen, als in diesen Tagen. Allein gelassen vor allem von denjenigen, denen die Aufgabe eigentlich zufällt, den Medien nämlich. Jeder von uns hat diese Aufgabe inzwischen selbst zu leisten, denn wir leben unter einer Glocke der Propaganda.

Es geht im Folgenden darum, darüber nachzudenken, wie es dazu kommen konnte. Wir leben in keiner politischen Diktatur, es gibt kein Propagandaministerium und keine Gesetze zur Gleichschaltung. Dennoch: Der Journalismus in Deutschland funktioniert nicht mehr.
Er kann seine Kernfunktion nicht mehr erfüllen, ist kein Mittel der Aufklärung mehr. Sicherlich, der Journalismus unterliegt keinem politischen Diktat, einem ökonomischen allerdings schon. ...

Die Protagonisten sind verdammt dazu, zunächst ihr eigenes wirtschaftliches Fortkommen im Blick zu haben. Das gilt sowohl für den Einzelnen Redakteur und Journalisten, als auch für die Medienkonzerne als Ganzes. Doch dadurch kann der deutsche Journalismus seinen Anspruch ein aufklärerisches Regulativ in einer demokratischen Gesellschaft zu sein, nicht mehr erfüllen. Er verliert notwendig jede Vielfalt und die Fähigkeit zu substantieller Kritik.
Erstaunlicherweise fand die Zurichtung auf Marktmechanismen selbst dort statt, wo die Mechanismen des Marktes in der Idee zugunsten der Unabhängigkeit aufgehoben werden sollten. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird Marktdruck und Anpassungszwang, das Gift unabhängigen Journalismus’ via Zeitverträge und Scheinselbstständigkeit eingeführt, obwohl der öffentlich-rechtliche-Rundfunk durch die Zwangsabgabe aller Haushalte sich den Luxus von finanziell und vertraglich gut abgesicherten Mitarbeitern nicht nur leisten könnte, sondern auch müsste. Doch gerade hier wird darauf verzichtet. Alle Formate werden von freien Mitarbeitern geschaffen. Festanstellungen gibt es erst ab Ressortleiter. Ein bisher völlig unerkannter Skandal. Mit den GEZ-Milliarden sollten wenigstens sichere Arbeitsstellen verbunden sein, die unabhängigen Journalismus und zumindest auch den ein oder anderen Streit in den Redaktionen ermöglichen, ohne dass eine Meinungsdifferenz mit dem Vorgesetzten gleich den Verlust der Arbeitsplatzes mit sich zu bringen droht.

Das Ergebnis dieser Entwicklung ist ein marktkonform zugerichteter Journalismus, der nicht die Information der Leser und Zuschauer zum Ziel hat, der sich nicht einem ethischen Wertekanon verpflichtet sieht, sondern der über Seilschaften, Netzwerke, Andienern und Stillhalten funktioniert und ausschließlich das Befördern der eigenen Karriere zum Mittelpunkt hat, beziehungsweise die Sorge um ein Absinken und ein Ausgeschlossen werden.
Das Ergebnis lässt sich täglich in Print und Fernsehen bewundern und treibt einen immer tieferen Keil zwischen Journalisten einerseits und deren Lesern und Rezipienten andererseits. Diese können sich mit ein paar Mausklicks von der Einseitigkeit, der schlechten Qualität, der Unterkomplexität der Berichterstattung überzeugen. Die Inhalte sind dank Internet überprüfbar geworden, in den Leserkommentaren verbirgt sich dann oft der bessere Journalismus, weshalb sie vielerorts auch abgeschaltet wurden.

... Wenn Journalismus im Kern zur Umschmeichelung der Eliten verkommt, weil dies die Karriere am besten befördert oder auch einfach nur den Status Quo sichert, dann ist Einseitigkeit vorprogrammiert. Marktkonformer Journalismus schließt Qualität und Vielfalt schlicht aus.
Die aktuelle Berichterstattung über Griechenland liefert hierzu das beste Beispiel. Hier sieht man deutlich wie eine Gleichschaltung über die Mechanismen des Marktes funktioniert, auf ein Propagandaministerium wie im dritten Reich kann dann getrost verzichtet werden. Die Gleichschaltung erledigt die Struktur des Markttotalitarismus.
Jeder, der sich außerhalb der deutschen journalistischen Käseglocke informiert, bemerkt zügig eins: Es ist unstrittig, dass die Austeritätspolitik gescheitert ist. Das den Griechen diktierte Rezept des radikalen Sparens in der Krise wird niemals funktionieren. Darin sind sich selbst die Vertreter widerstreitender ökonomischer Schulen einig.
Daraus lässt sich weiterhin ableiten, dass es unstrittig ist, dass Merkel und Schäuble in die Geschichte als diejenigen eingehen werden, die mit ihrem Beharren auf eine gescheiterte Politik Europa nachhaltig beschädigt haben werden.
Allerdings finden sich diese Positionen in der deutschen Berichterstattung nicht einmal ansatzweise wieder. Dieser Mangel an Vielfalt, dieses Aufspringen auf eine Meinung und der Versuch sich wechselseitig im Gleichklang zu überbieten, sind die Folgen eines Totalitarismus der gesellschaftlichen Durchökonomisierung, die hier im Journalismus sichtbar wird.
Wenn sich jeder Journalist zunächst nur selbst der nächste ist, dann geht es eben nicht mehr um Information, dann geht es nur noch um Karriere und Konformität. ...


Aus: "Der totale Journalismus – Wie die Durchökonomisierung zum Rechtsruck führte" Gert Ewen Ungar (6. Juli 2015)
Quelle: http://logon-echon.com/2015/07/06/der-totale-journalismus-wie-die-durchokonomisierung-zum-rechtsruck-fuhrte/

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"Twitter-Trend #forsafragen: "Macht Merkel einen guten Job, oder soll dieses süße Kätzchen sterben?"" (15. Juli 2015, 13:52 Uhr)
Die Meinungsforscher von Forsa sagen: 75 Prozent der Grünen-Anhänger finden Merkels Griechenlandpolitik dufte. ...  Forsa ist ein Meinungsforschungsinstitut, das regelmäßig für den Stern die Deutschen befragt. Das hat es jetzt wieder getan. Mit - sagen wir - überraschenden Ergebnissen:
Angeblich nämlich finden 75 Prozent der Anhänger der Grünen die Griechenland-Politik von Kanzlerin Angela Merkel gut, sind mit ihrer Arbeit "zufrieden". So meldet es der Stern.
75 Prozent. Donnerlüttchen. Umso erstaunlicher ist, dass Merkel unter ihren eigenen Partei-Anhängern deutlich weniger Fans hat. Nur "66 Prozent der Sympathisanten der Unionsparteien CDU/CSU sind mit Merkel zufrieden", schreibt der Stern. Die Anhänger der SPD finden Merkels Griechenland-Politik immer noch zu 62 Prozent toll. Selbst die Linken-Sympathisanten würden in der Griechenland-Frage zu 53 Prozent Merkel wählen.
Da kann doch was nicht stimmen, oder? Dachte sich auch Grünen-Fraktionssprecher Andreas Kappler und fragte auf Twitter nach, welche konkrete Frage denn zu diesem Ergebnis geführt hat ... Die Frage war [ ] nicht, wie zufrieden die Menschen mit Merkels Politik sind. Sondern ob sie es besser finden, wenn Merkel auf einem Grexit bestanden hätte. Oder - wie ja geschehen - auf neue Kredite mit strengen Auflagen. Daraus abzuleiten, dass 75 Prozent der Grünen-Anhänger zufrieden mit Merkels Politik seien, ist schon einigermaßen bizarr. ...

http://www.sueddeutsche.de/politik/twitter-trend-forsafragen-macht-merkel-einen-guten-job-oder-soll-dieses-suesse-kaetzchen-sterben-1.2567292

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"Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ - Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements"
Vortrag an der Christian Albrechts Universität Kiel, am 22.06.2015:
Warum schweigen die Lämmer? Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement.
Prof. Dr. Rainer Mausfeld - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Der Vortrag beschäftigt sich mit einem oftmals als ‚Paradoxon der Demokratie‘ bezeichneten Spannungsverhältnis zwischen Volk und Eliten: Demnach könne es in einer Demokratie beispielsweise passieren, daß, wie Aristoteles bemerkte, „die Armen, weil sie die Mehrheit bilden, das Vermögen der Reichen unter sich teilen.“ Aus Sicht der jeweils herrschenden Eliten sind Demokratien daher mit einem besonderen ‚Stabilitätsproblem‘ behaftet....
https://www.youtube.com/watch?v=Rx5SZrOsb6M


"Warum schweigen die Lämmer? – Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement" (15. Juli 2015 um 12:46 Uhr)
Hinter diesem Titel verbirgt sich der bemerkenswerte Vortrag des Kieler Psychologieprofessors Dr. Rainer Mausfeld. Es lohnt sich, diesen Vortrag anzuhören/anzuschauen, und es empfiehlt sich, Freunde, Nachbarn und Familie zur Diskussion einzuladen. Mausfeld nimmt uns, soweit noch vorhanden, die letzten Illusionen zum Zustand der Demokratie, zum Missbrauch unserer Sympathie für Demokratie und zur Gewalttätigkeit unserer westlichen „Werte“gemeinschaft. Desillusionierung schadet nicht. Außerdem: Der Vortrag ist aktuell – wegen Griechenland, wegen der spürbaren Bereitschaft zu militärischen Auseinandersetzungen, wegen der alltäglichen Gewalt. ...
http://www.nachdenkseiten.de/?p=26804

http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150715-zusammenfassung-warum-schweigen-die-laemmer-1.pdf

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"Propaganda: Wir sind umzingelt"
Im Zeitalter der Massenmedien nutzen Herrscher Propaganda stärker denn je – auch in Demokratien von Gero von Randow (24. Juli 2015)
http://www.zeit.de/2015/30/propaganda-theorie-medien-herrscher-demokratie

http://www.zeit.de/2015/30/propaganda-theorie-medien-herrscher-demokratie#comments


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"Medien: "Auch in einer liberalen Demokratie wird Propaganda gemacht"" Interview: Johannes Dudziak und Elisabeth Niejahr (24. Juli 2015)
Schon Begriffe können Meinungen beeinflussen, sagt der amerikanische Philosoph Jason Stanley. Besonders manipulativ seien Sender wie Fox News und Russia Today.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-07/propaganda-jason-stanley-interview

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-07/propaganda-jason-stanley-interview#comments


Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on August 02, 2015, 12:47:41 PM
"Ukrainekrise: Wer versteht den Schurken?"

Quote
    Bianca Vormbrock
    gestern 14:12 Uhr

56. "Wer versteht den Schurken?"

Kann mir jemand erklären, was diese Überschrift soll? Damit ist ja wohl von vornherein klar, für welche Seite sich ZON positioniert.

Und dann wundern sich die Medien, weshalb sich der Leser über einseitige Berichterstattung beschwert.

"Ich selbst fand die Berichterstattung zur Ukraine ausgezeichnet..."; alles klar Herr Schlögel ...

Herrn Baberowskis Aussage ".....dass dieses Misstrauen gegenüber den Medien mit der Ukraine nichts zu tun hat..." muss ich persönlich etwas widersprechen.
Das Misstrauen fing mit der Krim-Berichterstattung an, steigerte sich, als über Sotchi - fast - nur Negatives berichtet wurde, und als über den Absturz von MH17 fast am nächsten Tag für den Westen der Schuldige ausgemacht war. Die Berichte über die Ukraine waren/sind nur der - vorläufige? - Höhepunkt.
(Ich bin mir aber sicher, das ist noch ausbaufähig ....)


Quote
    prropagandajägggerr
    gestern 14:06 Uhr

52. """Die Ukraine hat die Öffentlichkeit gespalten. Wir wissen nun: Zwei Drittel der Deutschen trauen der Berichterstattung nicht. Woran liegt das?"""

Wissen Sie es nicht? Putin hat die 2/3 der Deutschen durch FSB Agenten ersetzt, damit den Eindruck erweckt wird, dass 2/3 der Deutschen der westlichen Presse nicht glauben. Komisch das die westliche Presse bis heute nicht damit argumentiert hat :)



Quote
neuronet,  31. Juli 2015 17:59 Uhr

Es kann ihnen vielleicht geholfen werden

"Schlögel: Der Maidan hat damit begonnen, dass Studenten zusammengeschlagen wurden, niemand hat einen Umsturz geplant"

[Ukraine Conflict: "It Began with the Coup d'Etat in Kiev"]
https://www.youtube.com/watch?v=Z_Frxfvtxz8

[Ray McGovern Interview: The CIA and Propaganda vs. Reality on Ukraine]
https://www.youtube.com/watch?v=lJ2ZenOV5qg

[http://weltnetz.tv/ueber (http://weltnetz.tv/ueber)]

"Baberowski: Die Bevölkerung hat einen Gauner aus dem Land gejagt, der es ausgeplündert hatte und den sich auch in der Ostukraine niemand mehr als Präsidenten wünschte"

Es ist allgemein bekannt. dass die Bevölkerung den "Gauner" demokratisch gewählt hat. Neue Wahlen standen kurz bevor, wo die Bevölkerung ihn abwählen konnten. Leider hat man einen Putsch bevorzugt.

Als Stütze kann man den Herren nur empfehlen, darüber nachzudenken ob es wirklich ein ukrainischer Konflikt ist der von den beiden postuliert wird.

Ist der Ansatz falsch, ist folgerichtig auch das Nachfolgende falsch.
Daher hab ich nur die 1. Seite halb gelesen und vieles Unrichtiges gelesen.

Wenn man sich erst seit dem 11. September mit der Problematik auseinandersetzt kann man natürlich nicht viel erwarten.

"Wer versteht den Schurken"

Das sagt alles über die Wahrnehmung und Inhalt des Beitrages aus. Schon da ist es sinnlos weiter zu lesen.


Quote
    Jonn
    gestern 15:19 Uhr

93. Blinde Flecken

Erstaunlich ist die Fokussierung im Konflikt auf Russland und die Ukraine, als wäre es ein zwischenstaatlicher Konflikt. Es ist aber ein geopolitischer Konflikt. Wer das nicht berücksichtigt, kommt automatisch zu falschen Schlüssen. Auch die einfache Darstellung des Maidan, als wollten nur ein paar Ukrainer den Kleptokraten verjagen, verkennt warum es überhaupt soweit kam und warum Janukowitsch das EU-Abkommen auf Eis legte. Verkannt wird die EU-Bedingung Frau Timoschenko freizulassen und verkannt wird die Bedeutung die Frau Timoschenko für die Interessen der westlichen Energiewirtschaft hatte. Kein Wort darüber, wem z.b. die Gazprom gehört, in welcher Weise sich Frau Timoschenko mit dem Gasabkommen ihrer Regierungszeit selbst bereicherte zum Nachteil der Ukraine und kein Wort über die US-amerikanischen Interessen an diesem Deal, der nämlich insbesondere US-Banken und Exxon Mobil begünstigte. Kein Wort auch über Brzsinskis Buch "The Grand Chessboard". Wenn man schon von deutschen Historikern keine wirtschaftspolitische Analyse verlangen kann, so sollten doch wenigstens die Grundlagen der Geopolitik bekannt sein.


Quote
    Zeikreix
    gestern 14:02 Uhr

48. Fakten als Nebensache

Von Historikern hätte ich erwartet, dass sie Fakten bringen und diese emotionslos analysieren sowie Entwicklungen/Folgerungen ableiten oder erklären. Stattdessen werden bekannte Klischees und moralische Beurteilungen geboten.
Wie wäre es mit folgenden zu diskutierenden Fakten:
- Die UKR ist zu mehr als 60% vom Handel mit RU abhängig, dazu von Gas
- Aus Sowjetzeiten befindet sich ein grosser Militärkomplex in der Ostukraine
von dem 30% der russischen strategischen Verteidigung abhängen (Raketenleitsysteme, Hubschrauberteile usw.)Quelle: Thinktank in GB RUSI.org
- Der UKR-EU-Vertrag enthielt ein ausführliches Kapitel über mitilärische Zusammenarbeit
-Laut der US-Vertreterin"Fuck-the-EU" hat die USA 5 Mia$( !!) in die Politik der UKR investiert. Wo u. Folgen davon?


Kommentare zu: http://www.zeit.de/2015/29/ukraine-krise-osteuropa-russland-wladimir-putin (http://www.zeit.de/2015/29/ukraine-krise-osteuropa-russland-wladimir-putin)

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"Russland: Und ... Action!" Michael Thumann (DIE ZEIT Nº 30/2015)
Schlagworte Medien | Russland | Wladimir Putin | Propaganda | Ukraine | Nachrichtensendung
" ... Als die Maschine des Flugs MH17 im Sommer 2014 über einem ukrainischen Feld abstürzte, gab es nur eine Ursache, aber viele Vermutungen. Die Staatskanäle konzentrierte sich auf Letzteres. Als der Schreck der ersten Minuten vergangen war, besprach Dmitri Kisseljow mit dem Kreml das Vorgehen. Sodann schossen Sputnik und RT wie ein Katjuscha-Raketenwerfer im Sekundentakt immer neue Varianten dessen heraus, wie es vielleicht gewesen sein könnte. Die Ukrainer steckten dahinter; ein Flugzeug; eine Rakete der Ukrainer; oder doch die Nato? Vielleicht Außerirdische? Alles möglich! Nur die eine überaus naheliegende Möglichkeit, dass es eine russische Buk-Rakete gewesen sein könnte, die das Flugzeug vom Himmel holte, ging im Geschichtencocktail unter. Und das war Absicht. Das war der "russische Standpunkt". ... Telling the untold – das Unerzählte erzählen: So lautet das Motto von Sputnik. Man bereitet wilde Vermutungen, Falschmeldungen, Verschwörungstheorien zu einer Nachricht auf. Der Sender arbeitet an multiplen Wahrheiten: Er meldet erfundene Neuigkeiten, etwa dass US-Soldaten in der Ukraine kämpfen, wartet darauf, dass westliche Medien die Falschmeldung übernehmen und korrigiert sie dann nicht. Irgendetwas wird schon hängen bleiben. Er zielt auf den Eindruck ab, dass irgendwie alle Schurken sind. Widersprüche? Macht nichts. ..."
http://www.zeit.de/2015/30/russland-medien-propaganda-putin

Quote
    Palivec, 09.08.2014

7. [empty]

Bei dem Artikel stellt sich mir die Frage: ist das jetzt selbstironisch oder ernst gemeint?
Man lese einfach mal den Absatz über den Umgang der russischen Medien mit dem Absturz von MH-17 und lasse dann den Umgang "unserer" Medien damit Revue passieren. Welches Urteil muß der geneigte Leser da wohl bekommen.

http://www.zeit.de/2015/30/russland-medien-propaganda-putin/seite-2?commentstart=1#cid-5085030

Quote
    no2, 09.08.2014
   
59. Am besten, man schaut sich beide Meinungen an.

Sputnik News lese ich auch öfters, sowie eben hauptsächlich die Zeit, auch den Spiegel, und auch RT Deutsch, die aber tatsächlich öfters etwas propagandamäßig sind, aber anderseits oft Dinge bringen, ebenso wie Sputnik, die man z.B. in den TV- Nachrichten hier gar nicht sieht, bzw. die einfach nicht erwähnt werden. Stimmt manchmal schon nachdenklich. Zum Beispiel, die Hintergründe aus Russischer Sicht, warum Frankreich nicht die Mistral-Schiffe an Russland verkaufte.
Es gibt eben immer zwei Seiten , wobei es gut ist, alle beiden Seiten anzusehen und abzuwägen.

http://www.zeit.de/2015/30/russland-medien-propaganda-putin?commentstart=57#cid-5085213

Quote
    deep_franz, 09.08.2014

111. Absolut

"Propaganda machen immer nur die Anderen! :)"
Ja, da können Sie jeden fragen ;o)

http://www.zeit.de/2015/30/russland-medien-propaganda-putin?commentstart=105#cid-5085376

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"NATO-Tagung: "Offene und effektive Beziehungen zu den Medien"" Marcus Klöckner (03.08.2015)
Militärs und Journalisten treffen sich im November zu einer Strategiebesprechung ... Aus den Vorabinformationen zur Konferenz geht auch hervor, dass es dem Konferenzausrichter nicht nur um einen Austausch mit Medienvertretern geht. Vielmehr ist eines der Ziele herauszufinden, wie Fehlkommunikationen zwischen Medien und PR-Experten der NATO aus dem Weg geräumt und so eine "stärkere gemeinsame Perspektive" aufgebaut werden kann. Die Veranstalter der Konferenz betrachten "eine offene und effektive Beziehung zu den Medien in einer Demokratie als eine Notwendigkeit", heißt es in einem Flyer zur Tagung. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45618/1.html

Quote
3. August 2015 19:25
Wenn jemand Ende November die Teilenehmerliste leaken könnte,
roko (mehr als 1000 Beiträge seit 10.05.01)

dann wüssten wir, welche Medien man in Zukunft definitiv meiden
sollte.

Und sollten Vertreter des ÖRR dabei sein, wäre das ein Grund mehr,
die Zahlung des Rundfunkbeitrags zu verweigern.

lg,
roko

http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-jemand-Ende-November-die-Teilenehmerliste-leaken-koennte/forum-295423/msg-26866473/read/

Quote
3. August 2015 19:25
Noch effektiver?
ichwersonst (mehr als 1000 Beiträge seit 24.04.02)

Wir hatten in letzter Zeit doch schon sehr effektiv 'den bösen
Giftgas-Assad', den 'skrupellosen auf unbewaffnete Demonstranten
schießendenden Gaddafi' und den 'verwerflichen Ruski-Putin, der
gleich Morgen bei uns vor der Tür steht' oder die 'besorgten Maidan
Bürger' mit Hakenkreuz und SS Runen an der Ausrüstung.

Und das ist nur eine kleine Auswahl seit 2011. Das scheint mir schon
sehr effektiv zu sein, was die NATO und ihre Weisungsgeber da
veranstalten - freilich treffen sie dabei auch auf eine äusserst
willige Presse, für die Recherche, Kritik oder gar Investigativität
nur noch Fremd-, vielfach sogar Schimpfworte sind, aber eigentlich
gehört die Arbeit eines jedes 'ausgesuchten Journalisten', der bei
dieser Tagung aufschlägt, mit dem Vermerk versehen 'Bitte
berücksichtigen sie bei der Interpretation des Artikels, dass der
Autor eng mit der NATO zusammenarbeitet. Dies könnte Einfluss auf
Darstellung und Wahrheitsgehalt der getätigten Aussagen haben'

http://www.heise.de/tp/foren/S-Noch-effektiver/forum-295423/msg-26866471/read/


Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on August 09, 2015, 08:05:53 PM
"Erst als es wichtig wurde, kamen die Männer" Rudolf Stumberger (09.08.2015)
Benjamin Ruß, ein Sprecher des Bündnisses "Stop G7", über die Erfahrungen in der Pressegruppe der Gegner des G7-Gipfels...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45624/1.html

Quote
9. August 2015 01:01
Danke für das sehr interessante Interview
McGyver777 (mehr als 1000 Beiträge seit 25.03.02)

Ich finde es spannend, zu lesen, wie jemand wie der Herr Ruß, also
jemand aus einer Generation etwa zwei Jahrzehnte jünger als ich, von
sich aus dieselben gesellschaftlichen Beobachtungen macht, wie meine
Generation sie noch zur Studentenzeit ebenfalls machen konnte, wobei
damals teilweise noch viel mehr und härter "debattiert" wurde als
heute. Man hatte zumindest immer ein wenig echtes Arbeitsethos, und
einfach oft mehr Zeit. Das glaubwürdige Ethos ist bei Herrn Ruß
(nebst Kollegen) ganz klar vorhanden. Dazu noch die
freundlich-entspannte, selbstkritische und gänzlich un-eitle
Sachlichkeit der Darlegungen des Herrn Ruß. Sehr sympathisch.
Respekt! (und vielen Dank an Herrn Stumberger, und an Heise natürlich
ebenfalls)

Zum Thema: mir ist gar nicht wohl bei dem Gedanken, daß wir
heutzutage tatsächlich keine echte, wirklich rundweg nach
journalistischen Grundsätzen arbeitende Presse mehr haben. Vereinzelt
zwar schon noch, aber nicht mehr insgesamt.

Die Meinungsmedien benötigen scheinbar nur noch das: Meinungsdrohnen
und schmierige Interview-Handelsvertreter.

Mc

http://www.heise.de/tp/foren/S-Danke-fuer-das-sehr-interessante-Interview/forum-295467/msg-26873942/read/

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"Die unrühmliche Rolle der FAZ in der Netzpolitik-Affäre"Mikael in den Fahrt (05 Aug 2015)
Solidarität ist etwas, das man freiwillig gibt. Manchmal, weil man jemanden mag, manchmal, weil es strategisch wichtig ist und manchmal, weil man sich selbst betroffen oder angegriffen sieht. Die Ermittlungen gegen die Journalisten von Netzpolitik.org wegen Landesverrat sind so ein Fall. Sie haben als Frontalangriff auf die Pressefreiheit eine Welle der Solidarität ausgelöst – in fast allen Medien. Die FAZ ist eines der wenigen Medien, die sich in der Netzpolitik-Affäre nicht solidarisch zeigt und die Berichterstattung auf ein Minimum beschränkt. Und nicht nur das...
http://www.metronaut.de/2015/08/die-unruehmliche-rolle-der-faz-in-der-netzpolitik-affaere/


"Von wegen keine Agenda: Reinhard Müller von der FAZ und die Vorratsdatenspeicherung" Mikael in den Fahrt (09 Aug 2015)
Ich hatte ja unlängst über die unrühmliche Rolle der FAZ in der Netzpolitik-Affäre geschrieben. Neben der Bezeichnung von Beckedahl und Meister als “Blogwarte” oder “Trolle”, wurde den investigativen Bloggern zum Vorwurf gemacht, sie hätten eine Agenda, seien Lobbyisten, Aktivisten und gar keine Journalisten. Doch welche Agenda hat zum Beispiel ein Reinhard Müller von der FAZ? Ich habe mir nur mal fünf Artikel des Blogwart-Erfinders zum Thema Vorratsdatenspeicherung angeschaut. ...
http://www.metronaut.de/2015/08/reinhard-mueller-von-der-faz-und-die-vorratsdatenspeicherung/


Nun ja, die FAZ zählt sicher zu staatskonformeren Medien (mit Ausnahme einiger weniger Autoren). Insofern muss ich dem Autoren recht geben.
Zur Erinnerung: Platz 1 der hilflosesten NSA/BND Apologeten:Jasper von Altenbockum/FAZ
https://machtelite.wordpress.com/2015/05/02/die-hilflosesten-nsabnd-apologeten-im-uberblick-jasper-von-altenbockum/

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Bestätigungsfehler - Der Begriff Bestätigungsfehler (confirmation bias) bezeichnet in der Kognitionspsychologie die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu suchen und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. Unbewusst ausgeblendet werden dabei Informationen, die eigene Erwartungen widerlegen (disconfirming evidence). Die betreffende Person unterliegt dann einer Selbsttäuschung oder einem Selbstbetrug. Die erste Theorie zu dieser kognitiven Verzerrung stammt von Peter Wason (1968). ... Ein Element des Phänomens Bestätigungsfehler ist eine positive Teststrategie. Die Suche nach Daten, welche die eigene Hypothese bestätigen, wird intuitiv häufiger angewandt als die Suche nach Daten, die die eigene Hypothese falsifizieren würden. ... Wer bereits eine feste Meinung zu einem Thema hat, erinnert sich nach einer Diskussion darüber besser an die plausiblen Argumente für die eigene Position und an die unsinnigen Argumente für die gegnerische Position. ... (08/2015)
https://de.wikipedia.org/wiki/Best%C3%A4tigungsfehler


"Debatte über Meinungsmache - Wenn Medienkritiker unkritisch werden" Markus Reiter (11.08.2015)
... Seit über zwei Jahrzehnten bin ich als Journalist und Publizist tätig. In dieser Zeit habe ich auf meine Artikel und Kommentare viele Reaktionen von Leserinnen und Lesern erhalten, früher per Post, heute im Internet und den sozialen Netzwerken.
Sie fallen fast alle in zwei Kategorien: Manche Leser loben mich. Sie fanden meinen Beitrag großartig – und im Übrigen seien Sie voll und ganz meiner Meinung. Andere beschimpfen mich. Mein Beitrag sei eine Schande für den ganzen Berufsstand des Journalismus. Diese Menschen sind stets anderer Meinung als ich.
Es gibt einzelne Fälle, in denen Leser meinen Beitrag loben, obwohl sie meine Ansicht nicht teilen. Man kann sie an den Fingern einer Hand abzählen. Noch nie aber hat sich irgendein Leser beschwert, mein Beitrag sei zwar ein mieses, manipulatives Stück Journalismus. Sie seien aber ganz meiner Meinung. Ich finde: Genau so ein dialektisches Urteil wäre richtig gute Medienkritik.
Ich verlange es von keinem normalen Leser. Professionellen Medienkritikern aber stünde es wohl an. Was beobachten wir stattdessen? Medienblogger und Medienjournalisten jammern vorwiegend darüber, dass bestimmte Medien ihre politischen Ansichten nicht teilen. Und sie ignorieren Fehlleistungen, wenn die Beiträge ihrer eigenen politischen Meinung entsprechen. ...
Eher linksgerichtete Medienkritiker haben ausführlich kritisiert, dass die Redaktion der Talkshow von Günter Jauch ein Video eines Vortrags des damaligen griechischen Finanzministers Yannis Varoufakis arg verkürzt hatte. Dabei entstand der Eindruck, Varoufakis habe mitten in den Verhandlungen um ein Rettungspaket dem deutschen Volk den Stinkefinger gezeigt. Die Kritik an der journalistischen Bearbeitung des Videos war durchaus berechtigt.
Die gleichen Medienkritiker schwiegen jedoch, als ein zusammengekürztes Video des NDR auf Youtube und anderen sozialen Netzwerken für Aufregung sorgte. Der Zweieinhalb-Minuten-Zusammenschnitt zeigt, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Zusammentreffen mit einem weinenden Flüchtlingsmädchen scheinbar hartherzig und uneinsichtig reagiert.
Wer allerdings das zehn Minuten lange Gesamtvideo gesehen hat, vermag einen ganz anderen Eindruck zu gewinnen. Ein Fall also für die Medienkritik! Leider mögen die Medienkritiker Angela Merkel nicht.
Wir wissen aus der Psychologie, dass alle Menschen zur sogenannten "confirmation bias" neigen. Das heißt: Sie lassen sich am liebsten bestätigen, was sie ohnehin schon denken. Ein professioneller Medienkritiker sollte dieser allzu menschlichen Neigung bewusst entgegenarbeiten. ...
http://www.deutschlandradiokultur.de/debatte-ueber-meinungsmache-wenn-medienkritiker-unkritisch.1005.de.html?dram:article_id=327928

Quote
Robert • vor 6 Tagen

Herr Reiter hat insofern Recht, als viele Medienkritiker (wen genau meint er eigentlich? Er nennt keinen einzigen Namen.) nicht voreingenommen an ihre Themen herangehen. Das Problem ist allerdings, dass Herr Reiter selbst unter der vom ihm beschriebenen "Confirmation Bias" leidet. Denn seine beiden Beispiele zeigen, dass es wieder mal die bösen linken (Kultur)Kritiker sind, die durch Unfairness beim öffentlichen Diskurs auffallen.
Abgesehen davon ist das TTIP-Beispiel in seiner Argumentation verquer: Nur weil es in den Medien eine deutliche Mehrheitsmeinung gegen das Abkommen gibt, muss dies ja nicht von vornherein sachlich falsch, d.h. Folge gezielt tendenziös-verzerrender Recherche und Darstellung sein. Vorsicht, Herr Reiter, damit begeben Sie sich in gefährliche Nähe derer, die über die so genannte Lügenpresse herziehen.


Quote
Carolina Purgold • vor 6 Tagen

Ab wann sind Medien und Journalisten denn als "unpolitisch" oder "unparteilich" zu betrachten? Meines Erachtens liegt es am Leser/Zuschauer sich bewusst zu sein, dass bei jeder Berichterstattung die (politische) Wertung des Journalisten und/oder des Formats in den Bericht einfließt.


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Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on August 26, 2015, 10:31:16 AM
"Der Journalismus produziert seine Kritiker und Gegner selbst" Marcus Klöckner 25.08.2015
Wolfgang Storz im Interview über seine Studie zur "Querfront" und die Entstehung einer Gegenöffentlichkeit ... Bereits nach dem 11. September ist eine Art Glaubwürdigkeitsbruch entstanden. Mediennutzer haben einfach die Deutungsnarrative zu 9/11, wie sie von den großen Medien produziert wurden, abgelehnt und sich alternativen Formaten, die im Internet zu finden waren, zugewendet. Bereits damals hat sich eine Gegenöffentlichkeit formiert. Sie war nur thematisch eher auf 9/11 begrenzt. Doch diese Gegenöffentlichkeit hat sich weiterentwickelt. Sie ist nicht mehr thematisch eng begrenzt. Sie fokussiert auf ein immer breiteres Spektrum an Themen. ... Was ich feststelle: Mindestens große Teile dieser Gegenöffentlichkeiten gehen von der These aus, wir haben es hier in Deutschland mit keiner Demokratie mehr zu tun. Es herrschen Eliten, die im Bündnis mit den Medien, die wiederum nicht frei sind, versuchen, die Wahrheit zu unterdrücken und im Zweifel gegen das Volk regieren. Was diese Öffentlichkeiten auch eint, nach meiner Bewertung: Es handelt sich hier fast ausschließlich um Akteure mit einem inhaltlich-politischen Anliegen, die mit journalistischen Instrumenten arbeiten. Aber sie arbeiten nicht als Journalisten. Ihr Ziel ist es ja, der eigenen Deutung Gehör zu verschaffen. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45798/1.html

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""Lügenpresse"-Vorwürfe: Schwedens Rechte gestärkt" Anne Rentzsch aus Stockholm (25. August 2015)
"Frisieren" Schwedens Medien die Wahrheit, vor allem beim sensiblen Thema Migration? Die Diskussion dieser Frage war bislang einschlägigen Foren im Internet vorbehalten. Jetzt ist sie zum Leitartikel-Thema der größten Zeitungen aufgestiegen. ...
http://derstandard.at/2000021200516/Luegenpresse-VorwuerfeSchwedens-Rechte-gestaerkt

Quote
mans zelmerlöw, 25.08.2015

... Die somalier waren keine schwedischen staatsbürger und dennoch wollten die medien vermitteln dass es schweden waren.


Quote
Meinungsführer, 25.08.2015

Wenn man ein Medium konsumiert, möchte man ja umfassende Information.
Einige Medien scheinen aber zu glauben, der Konsument möchte einen Nachrichtenfilter bzw. Desinformation oder Teilinformation - je nach Blattlinie.
Dass da die bisherigen Medien nach der Reihe eingehen, als "Lügenpresse" bezeichnet und eine Abwanderung Richtung alternativer Medien bzw. zu Social Media stattfindet, ist nur logisch.
Wenn dann der Wunsch nach Einschränkung der Pressefreiheit als Antwort kommt, dann ist dies eine Bankrotterklärung der ehemaligen 4. Macht im Staat, die diesen Titel wahrlich nicht mehr verdient.


Quote
Helmut Wolff, 25.08.2015
Das nennt man heutzutage "Gatekeeper, der Nachrichten sichtet, bewertet und in den richtigen Zusammenhang stellt"
Früher nannte man das halt einfach Zensor


Quote
Kara Mustafa, 25.08.2015
Die Weglassungen, Beschönigungen und Halbwahrheiten
in der "Qualitätspresse", egal ob freiwillig oder aufgrund irgendwelcher Pressekodizes, sind kontraproduktiv.
Beschreiben Sie (das gilt auch für den "Standard") einfach, was passiert ist. Was, wann, wo, wer, ggf. warum. Wenn irgendwas daran Vorurteile "bestätigt", dann ist das so. Versuchen Sie nicht, Fakten deswegen zurückzuhalten. Dinge sind so, wie sie sind, egal ob uns das gefällt oder nicht.
Es wird auch Meldungen geben, in denen Vorurteile auch wieder erschüttert werden. ...


Quote
si ba, 25.08.2015

jedes blatt bedient sein klientel. kann mich noch gut ans bundesheer erinnern, da gabs auch eine stunde quasi ethikunterricht vom militärpfarrer, der uns burschen gesagt hat, dass man unterschiedliche zeitungen lesen soll und nicht nur jene, die vom format praktisch fürs klo wären. damit hatte er vollkommen recht.
als beispiel die 8-köpfige bande aus tschetschenen, die vor ca. 2 wochen ausgehoben wurde und in versch. wiener bezirken mit äußerster brutalität raubüberfälle an passanten verübt haben.
auf orf stand was von einer gruppe, die nicht miteinander verwandt wären, dazu keine herkunft.
auf österreich stand, dass es sich um tschetschenen handelt.
beim standard garkein artikel dazu.
man muss halt alles lesen, um informiert zu sein.


Quote
    PRO Vorratsgedankenspeicherung, 25.08.2015

"Die Überzeugung, Schwedens traditionelle Medien unterschlügen "als Handlanger des Etablissements" missliebige Fakten, ..."
Bei unseren heimischen Medien hat man ja eher den Eindruck, daß sie bei den Politikern erst garnicht nachfragen. Ich habe noch Träger dicker Hornbrillen vor Augen, die Politikern die unangenehmen Fragen stellten, die das Volk interessierte. Reporter, die abgegebenen Versprechen nachgingen und ggf. die Personen später auch daran erinnerten. Heute scheint es, daß nur noch willig offizielle Mitteilungen kopiert werden. Die Kontrollfunktion (4. Macht) haben die Medien zugunsten der Förderungen vermutlich aufgegeben. Es interessiert sie nicht mehr, was Politiker tun oder warum sie etwas nicht tun, was nötig wäre.


Quote
Wyle E. Koyote,  25.08.2015

"Verantwortungsbewusstsein ist Voraussetzung für Meinungs- und Pressefreiheit. Werden diese Freiheiten missbraucht, können sie beschnitten werden."

hätte in der prawda auch stehen können....


Quote
Meinungsführer, 25.08.2015

Halbwahrheiten sind die schlimmsten Lügen


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"Selbstzensur: "Aktenzeichen"-Posse um schwarzen Vergewaltiger" (21.08.15)
Die Polizei sucht einen Vergewaltiger. Ein "Aktenzeichen XY"-Beitrag zum Fall sollte zunächst nicht gesendet werden – wegen der Hautfarbe des Verdächtigen. Doch die Aktion geht nach hinten los. ...
http://www.welt.de/vermischtes/article145484123/Aktenzeichen-Posse-um-schwarzen-Vergewaltiger.html

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on August 27, 2015, 11:21:44 AM
"Querfront Ausgrenzung stiftet Identität" Steven Geyer (16. August 2015)
Die "Querfront"-Anhänger sind nicht mehr für den Dialog erreichbar, sagt der Sozialwissenschaftler Wolfgang Storz. Sein Eindruck: Die Akteure bestätigen sich nur noch gegenseitig in einem Weltbild, das mit der Gesamtgesellschaft nichts mehr zu tun hat. ...
http://www.fr-online.de/politik/querfront--ausgrenzung-stiftet-identitaet,1472596,31477388.html

https://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/2015_08_12_AP18_Querfront.pdf

"Feinderklärungen in den Medien" Rudolf Walther (20.8.2015)
Der Publizist Wolfgang Storz hat Medien rechter Gruppen untersucht. Er befürchtet die Demontage der demokratischen Öffentlichkeit. ... Der mediale Betrieb wird geprägt von begrifflichen Unschärfen. Von zentraler Bedeutung für kommunikative Wirrnisse sind Begriffe wie „Populismus“ und „Querfront“. Der Publizist, langjährige Redakteur und Kommunikationsberater Wolfgang Storz hat für die Otto-Brenner-Stiftung eine Kurzstudie erstellt, die auf diesem Feld für etwas mehr Klarheit sorgt: „‘Querfront’. Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks“.
Die empirische Grundlage für die von dem Autor als „Recherche-Studie“ verstandene Arbeit bildet ein rundum rechtslastiges Netzwerk, das sich selbst ebenso jenseits des Links-rechts-Schemas ansiedelt wie jenseits aller Institutionen (Parteien, Verbände, Interessengruppen) und medialen Einrichtungen. Die politischen Akteure verstehen sich als Sprachrohr des „Volkes“ bzw. als Antwort auf „die“ Politik, „die“ Parteien, „die“ Presse und „die“ Medien, mit denen man nichts mehr zu tun haben wolle. ...
https://www.taz.de/!5225006/

"Die Otto-Brenner-Stiftung und ihre Kritiker: wenn Meinungen zu Studien werden" Stefan Winterbauer  (26.08.2015)
In der so genannten “Kurz Studie” “Querfront – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks” setzt sich der Otto-Brenner-Mitarbeiter und frühere Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz, mit verschiedenen Akteuren einer Gegenöffentlichkeit auseinander. Das sind Leute wie der frühere Radiomoderator Ken Jebsen, dem einige Leute antisemitische Äußerungen vorwerfen, der Publizist Jürgen Elsässer, der die im verschwörungstheoretischen Milieu angesiedelte Zeitschrift Compact herausgibt, oder eben der allseits berüchtigte Kopp-Verlag mit seinem breiten Repertoire an verschwörungstheoretischer Literatur.
Storz’ Papier bietet in der Auflistung solcher Akteure und deren Wirken sowie in der Herausarbeitung und Auflistung gemeinsamer Wertvorstellungen durchaus einen Erkenntnisgewinn und darum lesenswert. ... Storz’ “Querfront”-Papier ist hilfreich, wenn man sich mit einigen Akteuren der alternativen Medienszene und Gegenöffentlichkeit befassen möchte. Es ist aber halt keine Wissenschaft. Würde die Brenner-Stiftung solche Veröffentlichungen “Analysen” oder “Hintergrundmaterial” nennen oder es bei dem Begriff “Arbeitspapier” belassen, wäre das ehrlicher und würde viel Kritik den Wind aus den Segeln nehmen. So aber bedient sich die Brenner-Stiftung einer verzerrenden Kommunikation, wie sie sie bei anderen Medien und Akteuren so gerne kritisiert. ...
http://meedia.de/2015/08/26/die-otto-brenner-stiftung-und-ihre-kritiker-wenn-meinungen-zu-studien-werden/

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Jens Berger sagt:   
26.08.2015 um 14:32

Zitat: “[…] dass das Internetportal Alternativ.TV eben doch nicht mit Weltnetz.TV kooperiert und darum auch nicht zum Umfeld von “Alpenparlament”, Klagemauer.TV, “News 23” und “PI-News“ gehört”

Nein, umgekehrt ist es richtig. Weltnetz.tv gehört nicht zum Netzwerk. Aber das ist ja genau das Problem. Viel zu viele Journalisten schreiben da über Sachen, mit denen sie sich nicht richtig beschäftigt haben.


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Stefan Winterbauer sagt:   
26.08.2015 um 16:22

Wurde korrigiert, danke.

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"Den Mainstream in den Medien erweitern" Wolfgang Storz (24.08.2015)
Ken Jebsen ist ein politischer Aktivist, der mit journalistischen Instrumenten arbeitet, um seine Deutung der Welt zu stärken, schreibt der Publizist Wolfgang Storz. Trotzdem müssten Medien ihren Mainstream erweitern. Ein Gastkommentar.
Hier entsteht jenseits und gegen die klassischen Medien mit wachsendem Erfolg eine Gegenöffentlichkeit; ihr schadet die Ausgrenzung nicht, sie ist im Gegenteil in hohem Maße identitätsstiftend.
http://www.tagesspiegel.de/meinung/juergen-elsaesser-ken-jebsen-und-co-den-mainstream-in-den-medien-erweitern/12221496.html

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     Sonntagsfahrer
    24.08.2015 19:20 Uhr

Es lebe die Meinungsvielfalt
Das Internet ist heute so interessant wie früher das Fernsehen und die Presse, vielleicht sogar interessanter. Hier findet man die Meinungsvielfalt, die in Artikel 5 Grundgesetz gemeint ist.

Früher konnte man nebeneinander das zdf-magazin, den schwarzen kanal, panorama, monitor etc. sehen und sich selbst eine Meinung bilden. Einfach war das nicht. Aus bestimmten Themen wurde man einfach nicht schlau, weil kaum ein Journalist die Hintergründe benennen wollte oder konnte.

Heute ist es möglich, online die zeit, die sueddeutsche, die faz, die bild, die welt, die nzz etc. - ja natürlich auch den tagesspiegel - neben KenFM, Nachdenkseiten, Bröckers, telepolis, kritisches netzwerk, deutsche wirtschaftsnachrichten, propagandaschau usw. zu lesen. Fernsehen lohnt kaum noch. Leider! Dort gibt es nur noch den Einheitsbrei, und ausgerechnet dafür muss man neuerdings eine Zwangsabgabe zahlen.

Wer will, weiß sogar, welche Journalisten wie vernetzt sind. Wir sind eben alle sehr transparent geworden. Es kommt früher oder später alles heraus, durch das Internet sogar eher früher. Inzwischen weiß man nahezu in Echtzeit, was läuft.

Dass die Presse dabei so abstürzt, ist aus nostalgischen Gründen schade. Ein Kiosk nach dem anderen macht dicht oder wird ein Späti.

Für eine gut gemachte, wirklich informative Zeitung/Zeitschrift würde ich immer noch einige Euro locker machen. Die Maßstäbe setzt aber jetzt das Internet - werbefrei, wenn man entsprechende Blocker einsetzt. Dazu noch ein paar politische Sachbücher und man ist besser informiert denn je. ...


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    alterschwede
    24.08.2015 17:13 Uhr

KenFM: Was er macht, das macht er, um seine Deutung der Welt zu stärken,...

Das ist ja wirklich schockierend! Gott sei Dank, dass das die Mainstreammedien ja überhaupt nicht machen - puh, welche Erleichterung, da wär man ja fast auf einen "Feind der freiheitlich-demokratischen Grundordnung" (oder, wie zu Karl Radeks Zeiten, auf einen "Volksfeind") reingefallen!


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"Verteilungskampf der Etablierten" Daniel Hermsdorf (26.08.2015)
Ein Kommentar zum Querfront-Gutachten
Alternative Öffentlichkeit ist das Thema der Studie Querfront – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks, die Wolfgang Storz für die "Otto-Brenner-Stiftung" erstellt hat. Es geht darin hauptsächlich um die Zeitschrift "Compact", den Kopp Verlag und Ken Jebsen alias KenFM sowie die "Montagsmahnwachen". ... "Es handelt sich jedoch eindeutig um interessengeleitete Publizistik, die politischen Zielen dient." Das kann man sagen, weil eine Studie, die die Otto-Brenner-Stiftung der "IG Metall" bei dem Publizisten und Berater Storz in Auftrag gegeben hat, in ihrer Ausrichtung dazu angetan ist, den Mainstream zu verteidigen. Sie gesteht zähneknirschend ein, dass Compact & Co. immer mehr Leser und Zuschauer gewinnen und versucht, einen Rest jener Ausgrenzung aus dem angeblich Akzeptablen und Professionellen aufrechtzuerhalten, die bisher so reibungslos funktionierte. ... Es ist schon richtig, dass mit dem Putinverstehen bei Jürgen Elsässer, Mathias Bröckers und anderen das Pendel einmal zur anderen Seite ausschlägt. Auf Seiten des Mainstreams steht es stramm mit der Hand der Hosennaht neben den Kampfeinsätzen der NATO, die teilweise etwa mit eingestandenermaßen erlogenen Massenvernichtswaffen begründet wurden. Storz beurteilt hingegen in den alternativen Medien "viele" Informationen als "Behauptungen, die keiner nachvollziehbaren seriösen Qualitäts- und Quellenkontrolle unterzogen werden." Es wird also schlicht das eine ausgeklammert und mit zweierlei Maß gemessen. ... Dass viele der angesprochenen Inhalte auch im Online-Magazin Telepolis kontinuierlich angesprochen und von vielen Lesern aktiv diskutiert werden, erfährt bei Storz keine einzige Erwähnung. Die Grenze wird von ihm gezogen hin zu denen, die sich an manchen Stellen auffälliger ‚rechtspopulistischer‘ Argumente bedienen, Wahlempfehlungen geben oder die sich, wie KenFM, mit voraussetzungsreichen und missverständlichen Aussagen punktuell in den Verdacht der Holocaust-Leugnung brachten.
Es findet auch nicht in allgemeinen Andeutungen eine Bewertung statt, ob die Warnungen eines Udo Ulfkotte vor Islamisierung und migrantisch geprägtem Gewaltpotenzial sachliche Grundlagen haben oder reine Propaganda sind – und für wen? Storz muss einräumen, dass Leser Ulfkottes Buch "Gekaufte Journalisten" (2014) zum Bestseller machen, während die ‚Gekauften‘ selbst dazu schweigen. ...
Die professionellen Standards der Etablierten sind mittlerweile an zu vielen Stellen unauffällig erodiert. Die Differenz in Bildauflösung, gestalterischer und konzeptueller Aufbereitung und Zugänglichkeit schwinden. Es kommt auf gut gerüstete Leser und Zuschauer an, die hier wie dort ihr Hirn einschalten, um kritischen Diskurs von Manipulation und Desinformation zu unterscheiden. Welche Voraussetzungen Medienkompetenz hat und welche Spielräume ihr auf den elementaren Lebensgrundlagen bleiben, ist noch eine ganz andere Frage.
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45770/1.html

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"Die „Querfront-Verschwörung“ – Wie die Otto-Brenner-Stiftung sich um ihre Glaubwürdigkeit bringt"
von RT Deutsch-Redakteur Florian Hauschild (25. August, 2015)
Stolz präsentierte Wolfgang Storz am 15. August seine Studie „‚Querfront‘ – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks“ als Projekt der zur IG Metall gehörenden Otto-Brenner-Stiftung. Auf 55 Seiten versucht Storz Brisantes aufzudecken, konstruiert und „belegt“ ein vermeintliches „Querfront-Netzwerk“ in den Medien und arbeitet sich vor allem an Jürgen Elsässers Compact-Magazin ab. Andere nicht in den Mainstream eingebettete Journalisten werden dabei gezielt diskreditiert, allen voran Ken Jebsen, politischer Aktivist und Betreiber des Internet-Portals KenFM. Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung weist der Arbeit grobe methodologische und inhaltliche Mängel nach.
http://www.rtdeutsch.com/29838/meinung/die-querfront-verschwoerung-wie-die-otto-brenner-stiftung-sich-um-ihre-glaubwuerdigkeit-bringt/

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Kristana
25. August, 2015 at 16:54

„mit der Konstruktion eines nicht näher definierten „Querfront-Netzwerkes“, das drauf und dran sei die öffentliche Ordnung der Bundesrepublik zu gefährden“

Da krieg ich Gänsehaut beim Lesen. Der Grund dieser Pseudo-Studie ist nicht Angst vor den alternativen Medien, sondern ein weiterer gezielter Schritt zur perfekten Diktatur. Wer diese alternativen Medien liest, gefährdet die öffentliche Ordnung und ist im nächsten Schritt zu verhaften und zu deportieren. DARAUF läufts raus.

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"Das Kapital im Blick" Von Sebastian Carlens (Ausgabe vom 26.08.2015)
Eine Studie nimmt sich des Querfront-Phänomens an, krankt aber an fehlender Aktualität – und an totalitarismustheoretischen Versatzstücken ... »Die Akteure handeln für sich, sind jedoch auch als ein publizistisch-politisches Netzwerk anzusehen«, heißt es in der Studie. Politisch sehen sich diese Kräfte »überwiegend jenseits klassischer Rechts-links-Schemata«, als Teil eines Milieus, dessen Angehörige »einen möglichst homogenen Nationalstaat und tradierte Lebensweisen wertschätzen und demokratisch-liberale Gesellschaftsentwürfe ablehnen«. So weit eine klassisch kulturpessimistische, »wertkonservative« Weltsicht. Ähnliche Meinungen finden sich auch an der Basis der CDU oder in der Bild, die vom  »Netzwerk« gern als Feinde bezeichnet werden. Doch andere Aspekte kommen hinzu: »Der ebenfalls identitätsstiftende ›Feind‹ sind ›die da oben‹, also herrschende nationale und internationale Eliten«. Dies wiederum sind Elemente, die als links wahrgenommen werden: Herrschafts- und Kapitalismuskritik.
Hier wird es problematisch, weil die Studie in der Totalitarismustheorie, also der Gleichsetzung von Faschismus und Sozialismus, gefangen bleibt und »positive Anmerkungen über die heutigen Verhältnisse« und »positive Bekenntnisse« zur herrschenden Gesellschaftsordnung zum Prüfstein erhebt. Doch die benannten Kräfte üben keine radikale Kapitalismuskritik. »Nationale Eliten« werden gerade nicht attackiert, höchstens dann, wenn sie als dem US-Kapital hörig eingestuft werden. Deutschland wird durchgehend als »nicht souverän«, als kolonialisiert dargestellt, dementsprechend ist bei Jebsen wie Elsässer nicht die Bourgeoisie der Gegner, sondern deren angebliche »Fremdsteuerung« durch die USA. Mit Kapitalismuskritik hat das nichts zu tun. Diese Rhetorik dockt an »nationalbolschewistische« Argumentationsfiguren der 20er Jahre an, die ebenfalls die nationale vor die soziale Frage hieven wollten – und meist in der Propagandamaschine der NSDAP landeten. Eine Abgrenzung zwischen antikapitalistischer Herrschaftskritik und rechter (Sozial-)Demagogie wäre seitens der Forscher notwendig gewesen. ...
https://www.jungewelt.de/2015/08-26/001.php


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"Medien - „Nachdenkseiten“ Die fragwürdige Anti-Lügenpresse-Front"  Steven Geyer (03.11.2015)
Die fragwürdige Allianz derer, die gegen „Lügenpresse“ und „Nato-Huren“ anschreiben, wächst derweil. ... Berauscht von steigenden Klickzahlen und Verkaufserfolgen wenden sich immer mehr Online-Projekte, Nischen-Publizisten und Polit-Aktivisten an ein wachsendes, diffuses Publikum. Das kommt aus gegensätzlichen politischen Lagern, ist aber geeint darin, dass es klassische Medien als „Lügenpresse“ oder „Nato-Netzwerk“ ablehnt, als „gleichgeschaltet“ oder „gekauft“ tituliert. ...  Der rechtspopulistische Autor Udo Ulfkotte (55) warnt seit Jahren vor Islamisierung und einem Bürgerkrieg in Deutschland. Seine Anklage gegen „gekaufte Journalisten“ hat nun Fans bei Pegida wie bei den angeblich friedensbewegten „Mahnwachen“. Der einstige taz-Journalist Mathias Bröckers (61) verkauft heute seine Bestseller über den 11. September 2001 als Terrorwerk der US-Regierung und seine „Ansichten eines Putinverstehers“ an Linken- wie AfD-Anhänger. ... Wenn der Ex-Radiomoderator Ken Jebsen (49) – heute auf seinem eigenen Internetkanal sowie im Kreml-Sender „RT deutsch“ als Russlandverteidiger und Kritiker einer „amerikanisch-israelischen Lobby“ erfolgreich – schreibt, dass hinter 9/11 wie hinter dem Anschlag auf Charlie Hebdo wohl die Nato steckte, verbreiten das auch die „Nachdenkseiten“. ... Das eint die Macher der neuen Gegenöffentlichkeit: Hinter Fehlern, aber auch hinter Einschätzungen, die sie nicht teilen, sehen sie sofort Absprachen und Manipulationen, befohlen von ganz oben. Wer Fakten recherchiert, die nicht in ihr Weltbild passen, hat sie erfunden. Beobachtungen, die ihnen missfallen, sind „schon vorher ausgedacht“. Und wer anderer Meinung ist, lügt. ...
http://www.berliner-zeitung.de/medien/-nachdenkseiten--die-fragwuerdige-anti-luegenpresse-front-,10809188,32317668.html

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Mediatore • vor 8 Stunden

Statt sich über unangenehme Meinungen zu echauffieren, sollten die Verantwortlichen in den Redaktionen vielleicht lieber einmal ihr Geschäftsmodell unter die Lupe nehmen. Nur wer wirklich reinen Herzens von sich sagen kann, eine in jeder Hinsicht objektive und ausgewogene Berichterstattung zu liefern, darf sich über die Vorwürfe aufregen. Alle anderen sollten erst einmal ihre Hausaufgaben erledigen und versuchen, etwas Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.


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Teufelsabbiss • vor 5 Stunden

Achje, die Querfront.
Ein ziemlich mieser Versuch, besonders Linke zu diffamieren, wobei auch besonders gerne sich links nennende angebliche Zeugen heran gezogen werden, die, wie mir scheint, auch immer nur weiter geben, was sie von Anderen gehört haben.
Teile und herrsche, die bekannte Strategie.
Sobald eine Bewegung gegen die Machtverhältnisse "zu stark" wird, wird sie diffamiert, wenn das Totschweigen nicht gelingt.
Wie ausführlich und wie oft wurde die 250 000 Menschen starke Anti-TTIP-Demo in den Medien behandelt? Lächerlich im Vergleich zu dem Interesse und Verständnis, das Pegida entgegen gebracht wurde/wird.
Einfach mal die Interviews auf KenFM anhören, anstatt Diffamierungen nach zu plappern.
Und zweifeln darf man jetzt auch schon nicht mehr, wenn es um 9/11 geht? Huibuih, kein Grund nach Iran-Mossadegh, Tonkin-Vorfall, Irak-Brutkasten und Chemiewaffen-Lüge und was es da noch so alles gibt an politischen Morden, an denen die CIA beteiligt war. doch mal genauer schauen zu wollen, was es da alles an Ungereimtheiten gibt??!
Sind wir eine USA-Glaubensgemeinschaft, die ein Bush-Glaubensbekenntnis ablegen muss, der ja schon kurz nach dem Anschlag die Welt warnte, nicht irgendwelchen Verschwörungstheorien zu glauben. Wie kommt er denn darauf.
Was mich an Müller in der letzten Zeit stört, ist eher seine Selbstbeweihräucherung, ja und manchmal finde ich einige Thesen auch etwas überschießend.
Aber was die bürgerliche Presse da in Bezug auf Bürgerbeschimpfung sich leistet mit diesen Querfront-Unterstellungen, empfinde ich als übler. Hier soll eine demokratische Bürgerbewegung im Ansatz zerstört werden.
Das war bei der Friedensbewegung und der Demo in Berlin überdeutlich.
Deswegen rede ich dennoch nicht von Lügenpresse, aber es gibt bestimmte Themen, bei denen ich schon an den Formulierungen erkenne, dass ich nicht mit sachlicher Information zu tun habe, sondern mit Manipulation. Mein privates Gespräch mit Journalisten über bestimmte Themen und deren Tabus, die schnell erkennbar waren, lassen mich zu der Überzeugung kommen, dass die glauben, dass sie den besten Zugang haben, dass sie die Deutungshoheit haben und dass sie wirklich überzeugt sind von dem, was sie sagen und schreiben.


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Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on August 27, 2015, 04:57:13 PM
"Unsere Haltung beim Thema Flüchtlinge" Dr. Kai Gniffk (24. August 2015)
Seit Wochen berichten wir intensiv über die große Zahl von Flüchtlingen, über die Frage ihrer Unterbringung in Deutschland, über Demonstrationen gegen Flüchtlingsunterkünfte und über Solidaritätsaktionen mit Flüchtlingen. Tun wir das wertfrei? ... Wir dürfen die Abschiebung eines abgelehnten Asylbewerbers nicht als menschenverachtende Maßnahme einer kaltherzigen Bürokratie darstellen. Ein gerechtes Asylverfahren in einem weltoffenen Land lässt sich nur aufrechterhalten, wenn rechtmäßig zustande gekommene Abschiebebeschlüsse auch in die Tat umgesetzt werden. Hier sind Journalisten in der Versuchung, für diese unglücklichen Menschen Partei zu ergreifen. Deshalb sollten wir in unserer Berichterstattung die Welt nicht in gut und böse einteilen – unsere Meinung darf keine Rolle spielen. Auf der Basis unseres Auftrags und unserer Haltung ist es aber legitim, dass wir ein besonderes Augenmerk auf all die Menschen und Institutionen legen, die sich um Lösungen für das Flüchtlingsthema bemühen. Das Thema wird uns noch lange begleiten.
http://blog.tagesschau.de/2015/08/24/unsere-haltung-beim-thema-fluechtlinge/

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... JH: Selbsternannte „Alternativmedien“ wie „KenFM“, „RT-Deutsch“ oder „Compact TV“ erreichen beachtliche Klickzahlen auf Youtube. Diese bieten sich offensiv als Gegenmodell zu „Lügenpresse“, „Staatsfunk“ und „Mainstream-Medien“ an. Dabei erscheint das Angebot zunächst sehr heterogen. Auf S. 97 des Buches sagen Sie jedoch: „Das Etikett, das sich das einzelne ‚Alternative Medium‘ aufklebt, ob nun konservativ oder rechts, liberal oder libertär, ist fast schon egal. Man erkennt sich an den gemeinsamen Forderungen.“ Worin besteht die gemeinsame Linie der Medien des „Primitivbürgertums“?

CG: Die eklatanten Gemeinsamkeiten bei deutlichen Unterschieden im Detail finden sich nicht nur bei den Medien der neuen Rechten, sondern bei der Szene an sich: Man gibt sich zwar betont demokratisch, argumentiert aber autoritär; man gibt vor, die offene Gesellschaft verteidigen zu wollen, nutzt diese Tarnstrategie allerdings, um Fremdenfeindlichkeit und Homophobie zu propagieren. Schuld sind am Ende immer die USA und Israel, das heißt, die genannten Medien eint ein eindeutig antiwestlicher Impuls. Da wundert es auch kaum noch, dass Putins Russland als Hort der Freiheit gefeiert wird, wo es keine Verbote von Mentholzigaretten und Glühbirnen gibt, dafür aber Homosexuellen und anderen Minderheiten das Leben zur Hölle gemacht wird.

JH: Ken Jebsen, Jürgen Elsässer und Götz Kubitschek verbindet eine verkürzte, antiwestliche Kapitalismuskritk. Libertäre Autoren wie der Verschwörungstheoretiker Oliver Janich oder der eigentümlich-frei-Herausgeber André Lichtschlag streben demgegenüber eine dezidiert kapitalistischen Gesellschaftsordnung an. Müssten sich diese Lager des „gefährlichen Bürgertums“ nicht gegenseitig bekämpfen?

CG: Es gab vor einigen Jahren einen interessanten Meinungsaustausch zwischen Kubitschek und Lichtschlag, bei dem die Differenzen durchaus deutlich wurden, man sich allerdings durchaus einig war darin, dass man für den Moment, gewissermaßen im Kampf gegen das System, die gleichen Interessen hat. Zu einem späteren Zeitpunkt dürfte sich das dann auseinander dividieren. Insofern: Ja, eigentlich müssten sie sich gegenseitig bekämpfen. Aber derzeit scheint das Mantra zu gelten „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Es ist ja nicht das erst Mal in der Geschichte, dass sich komische Allianzen gegen einen gemeinsamen Gegner bilden.

JH: Sie legen ein besonderes Augenmerk auf die Zeitschriften wie die „Sezession“ und die „Blaue Narzisse“, die deutlich von den Denkern der Konservativen Revolution beeinflusst sind. Welche Rolle spielen die deutschen Vertreter der Nouvelle Droite für das Aufkommen der Pegida-Aufmärsche und den schnellen Einzug der AfD in die Landtage?

CG: „Sezession“, „Blaue Narzisse“, aber auch „Compact“ und viele Online-Szenemedien haben, unterstützt von zahlreichen Büchern, von Sarrazin über Pirinçci bis Ulfkotte eine Stimmung im vorpolitischen Raum geschaffen, die die Basis für den zwischenzeitlichen Erfolg der AfD und von Pegida gelegt hat. Rechtsradikales Gedankengut existiert in einer Gesellschaft immer, aber in der Regel ist die soziale Kontrolle des Umfeldes dieser Leute stark genug, um den öffentlichen Ausbruch des Menschenhasses zu verhindern. Das passiert nur, wenn der Hass auf ein Gefühl der Stärke trifft, auf das Gefühl, die Gesellschaft – gerne „das Volk“ genannt – im Rücken zu haben. Übrigens sollte man auch den Anteil von etablierten Journalisten an dieser Entwicklung nicht unterschätzen. Michael Klonovsky, ein Islamhasser beim Focus oder Matthias Matussek mit Texten wie „Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so“ bei der Welt fungieren durchaus als Tabubrecher. Dabei, und das ist interessant, wollen sie am Ende gar nicht weniger Tabus, sondern einfach nur andere.

JH: Neben Klonovsky und Matussek werfen Sie auch dem Cicero-Kulturchef Alexander Kissler „neurechtes Gedankengut“ vor. Dabei berufen Sie sich auf seine Artikel in der rechtslibertären Zeitschrift „eigentümlich frei“ und einen gemeinsamen Auftritt mit Götz Kubitschek Anfang 2011. Reicht diese „Kontaktschuld“ Kisslers aus, um ihn in eine Reihe mit den Feinden der offenen Gesellschaft zu stellen?

CG: Es sind ja noch ein paar andere Beispiele im Buch genannt, die schon eine Geisteshaltung erkennen lassen. Etwa seine Angriffe auf die ZEIT-Beilage „Christ & Welt“, als diese sich weigerte, einen Kongress zu bewerben, bei dem mit in neurechten Kreisen beliebten Vokabeln gespielt wurde. Oder die Attacke auf Bischof Zollitsch, als dieser vor der AfD warnte. Aber natürlich darf man das auch anders sehen. Wir haben ja auch nicht die absolute Wahrheit für uns gepachtet. „Gefährliche Bürger“ ist explizit ein Debattenbuch. ...

Aus: "„Gefährliche Bürger. Die neue Rechte greift nach der Mitte“- Christoph Giesa im Interview"
In Politik | Am 3. September 2015 | Von Julius Hagen
http://www.ruhrbarone.de/gefaehrliche-buerger-die-neue-rechte-greift-nach-der-mitte-christoph-giesa-im-interview/113110

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"Linke, Nichtwähler und AfDler bei RT Deutsch" Harald Neuber (22.09.2015)
Umfrage des Online-Portals über soziale Netzwerke. Politische Mitte praktisch nicht vertreten. Chefredakteur nennt Ergebnisse "krass", sieht sich aber bestätigt ... Die Mini-Umfrage wirft ein Schlaglicht auf das vom russischen Staat finanzierte Medienprojekt RT Deutsch, das von etablierten Redaktionen umgehend nach Start zum Paria degradiert wurde. Nur wenige Redaktionen setzten sich wie der Berliner Tagesspiegel in einem offenen Gespräch mit dem redaktionellen Konzept und den Strukturen eines Auslandsmediums auseinander, das sich von der Ausrichtung her nicht wesentlich von der Deutschen Welle unterscheidet (Propaganda machen immer nur die anderen). ...
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46051/1.html

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22. September 2015 12:10
Wenn man im zweiten Weltkrieg eine Umfrage gestartet hätte...
Joshi (578 Beiträge seit 26.06.01)

...was für Leute das sind, die ihren "Volksempfänger" heimlich
manipuliert haben, um neben der gleichgeschalteten Inlands-Presse
auch ausländische Sender zu hören, wo viele Sachen eben ganz anders
dargestellt wurden, um sich ein ausgewogeneres Bild zu machen - dann
hätte man ebenfalls festgestellt, dass das kaum Leute aus der
systemtreuen, autoritätsgläubigen "Mitte" waren, die sich noch mehr
oder weniger mit der Regierung identifizierten.

Sondern eben die Leute, die gegenüber der gleichgeschalteten
Nazi-Presse längst misstrauisch geworden oder sogar offen zu
"Feindbildern" erklärt worden waren und sich daher nach anderen
Informationsquellen sehnten. Die waren sich vermutlich durchaus
bewusst, dass auch die Auslandssender "Propaganda" verbreiten - aber
es lieferte eben trotzdem ein ausgewogeneres Bild der tatsächlichen
Lage als der alleinige Konsum der hiesigen Presse...

http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-man-im-zweiten-Weltkrieg-eine-Umfrage-gestartet-haette/forum-295863/msg-26947175/read/

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22. September 2015 10:49
Ich schaue nicht RT
albibi (876 Beiträge seit 27.07.14)

Wundere mich aber nicht über das Ergebnis dieses Nutzerbildes. Die
Schlussfolgerungen die natürlich gleich wieder gezogen werden
(RT-Nutzer seien Anti-demokratisch, indoktriniert, verblendet,
VT'ler, überhaupt das Letzte, noch unter RTL2-Sehern, und überhaupt
Kommunisten, etc.) sind natürlich die üblichen Hassparolen derer, die
glauben ihre Heile Welt sei durch RT-Kucker gefährdet (anstatt zu
realisieren, woher die wirkliche Gefahr für ihren Lebensstil
herkommt).

Völlig außerhalb dieses Fokus liegt nämlich die Frage, ob sich die
Leute NUR durch RT informieren, oder ob sie in Wahrheit einfach einen
GRÖßEREN Informationspool nutzen als es der gemeine
Tagesschauseher/Radionachrichtenhörer/Bildzeitungsleser tut. Ich
vermute nämlich, dass sich RT-Kucker zusätzlich noch andere Quellen
ansehen. Das sind nämlich genau die Leute, die das Mantra erfunden
haben:

Informiere dich selbst, nutze alle möglichen Quellen, bilde dir deine
eigene Meinung.

Die, die schon immer gegen RT (und andere Alternativmedien) gehetzt
haben (und der aktuelle Skandal um die (mittelbare) Verleumdung
einiger Personen als Teil eines Querfrontneztwerkes durch
W.Storz/Otto-Brenner-Stiftung gärt ja noch) können eben nicht
akzeptieren, dass sie öffentlich durch Politik und Medien belogen
werden. Klar, ein solcher Gedanke könnte manchem einen guten Schlaf
rauben. ...

http://www.heise.de/tp/foren/S-Ich-schaue-nicht-RT/forum-295863/msg-26947036/read/

Quote
22. September 2015 11:35
Wenn der deutsche Staat
hanslimaa (mehr als 1000 Beiträge seit 14.02.10)

Fernsehsender wie ARD und ZDF finanziert, die Zusammensetzung der
obersten Gremien definiert und auch mal unliebsame Chefredakteure
absetzt, nennt man das unabhängig und neutral.

> http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/absetzung-von-zdf-chefredakteur-brender-deutschland-ist-jetzt-berlusconi-land-a-663699.html

Wenn der russische Staat das selbe tut ist das natürlich übelste Propaganda. ...


http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-der-deutsche-Staat/forum-295863/msg-26947115/read/

...

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Pflichttextbausteine
Hoss_Cartwright heute, 14:45 Uhr
die Aussagen wie "wahllos bombardiert" und "oftmals wurden Zivilisten getroffen" und "Terroristen" in Anführungsstrichen (wie früher "DDR") werden wir jetzt standardmäßig in jedem Artikel lesen, der über russische Angriffe in Syrien verfasst wird. Es handelt sich um unbedingt zu verwendende Propaganda Zwangs-Texbausteine der Agenturen Reuters/AFP, vorgegeben durch die zuständigen Agenturen in den USA. Muss ich mich eigentlich mit so einem Mist noch abgeben? ...

http://www.spiegel.de/forum/politik/syrien-krieg-russische-luftwaffe-bombardiert-ziele-palmyra-thread-364134-3.html#postbit_35609099

Quote
Armutszeugnis
aufdenpunktgebracht heute, 14:46 Uhr
Gut, daß uns SPON neuerdings als Propagandaorgan der Regierung aufklärt, wer denn nun die Bösen und wer die Guten sind. Damit das auch ja jeder mitbekommt und sich daran halten muß, werden die Foren bei westlichen Kriegseingriffen in Ländern wie Afghanistan und Syrien gar nicht mehr freigeschaltet. Es lebe die Demokratie und die freie Meinungsäußerung!
http://www.spiegel.de/forum/politik/syrien-krieg-russische-luftwaffe-bombardiert-ziele-palmyra-thread-364134-3.html#postbit_35609183

Quote
39.
peterbond2 heute, 15:03 Uhr
Das ehemalige Nachrichten Magazine Spiegel ist voll auf Atlantikbrücken Linie. Was erwarten sie?

http://www.spiegel.de/forum/politik/syrien-krieg-russische-luftwaffe-bombardiert-ziele-palmyra-thread-364134-4.html#postbit_35610702

Quote
50.
stonecold heute, 15:25 Uhr
[Zitat von LeonLanis]werden uns die "gemäßigten" Rebellen nie vorgestellt, war Ihre berechtigte Frage. Diese Frage richtet sich an alle Medien und an alle Foristen, die ähnlich argumentieren. Wie heißen die ? Wer sind ihre Anführer? Wo sind sie stationiert? Und welche politischen Ziele verfolgen sie? Jeder politische Journalist, der diese Bezeichnung verdient, müsste eigentlich darauf brennen, über diese Fragen sachlich zu informieren, zumal alle Medien bis vor ca. 6 Wochen berichteten, gemäßigte Rebellen gebe es in Syrien kaum noch. Allerdings wären konkrete Angaben zu den "moderaten" Rebellen natürlich verifizierbar, und das scheint ein Problem zu sein ...
Die sind dann prompt wieder aufgetaucht, um als Opfer russischer Luftschläge zu dienen. Ziemlich makaber, das Ganze.
http://www.spiegel.de/forum/politik/syrien-krieg-russische-luftwaffe-bombardiert-ziele-palmyra-thread-364134-6.html#postbit_35612690

Kommentar zu: "Syrienkrieg: Russische Luftwaffe bombardiert Ziele in Palmyra" (06.10.2015)
http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-russland-soll-is-in-palmyra-angegriffen-haben-a-1056441.html

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"Krone-Schmalz kritisiert mangelnde Pressefreiheit in Deutschland" Stefan Korinth 15.10.2015
Frühere Moskau-Korrespondentin wirft deutschen Medien permanente Dämonisierung Russlands vor - Die frühere ARD-Osteuropakorrespondentin Gabriele-Krone Schmalz hat bei einer Buchvorstellung in Hannover vor demokratieschädigenden Tendenzen in der deutschen Medienlandschaft gewarnt. Andere als extrem russlandkritische Positionen kämen dort kaum vor. Sie warb für eine verstehende Haltung gegenüber Russland und forderte professionelleren Journalismus hierzulande. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46276/1.html
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on October 25, 2015, 12:28:52 PM
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21. Oktober 2015
Früher war auch mehr Lichterkette: Wie alte Aufnahmen in einen aktuellen "Tagesschau"-Film kamen
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/22163/frueher-war-auch-mehr-lichterkette-wie-alte-aufnahmen-in-einen-aktuellen-tagesschau-film-kamen/
| "Die ARD hat eingeräumt, einen Bericht in der 'Tagesschau' über
| eine Lichterkette für Flüchtlinge in Berlin manipuliert zu haben."
| So berichtet es die rechte Wochenzeitung "Junge Freiheit" in ihrem
| Online-Auftritt.

23.10.2015
ARD-Tagesschau: Aufnahmen mit Wirklichkeitsbruch
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46350/1.html
| Erneut muss sich das Nachrichtenflaggschiff den
| Vorwurf gefallen lassen, die Realität zu verzerren
|
| "Auch wenn die Gesamtaussage dieses Nachrichtenfilms den Tatsachen
| entsprach, hätte die Verwendung der kurzen Archivbildsequenz natürlich
| unterbleiben müssen. Dieses Versäumnis bedauern wir." Mit diesen
| Worten zitiert Focus Kai Gniffke, den Chefredakteur von ARD-aktuell.
| Hintergrund: Der Tagesschau wird vorgeworfen, erneut eine fragwürdige
| Bildauswahl vorgenommen zu haben. Worum geht es?

| Am vergangenen Samstag zeigte die Tagesschau einen Bericht über eine
| Lichterkette für Flüchtlinge in Berlin. Allerdings waren in dem
| Beitrag auch Bilder einer Lichterkette aus dem Jahr 2003 zu sehen, die
| von Menschen gebildet wurde, um ein Zeichen für Frieden und gegen den
| bevorstehenden Krieg im Irak zu setzen, wie der medienkritische
| Journalist Stefan Niggemeier auf seiner Webseite erläutert
--
Gruss
Frank

Diese Mail wurde über die öffentliche Diskussions-Mailingliste des
Arbeitskreises gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur)
verschickt.



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"Kennste einen Bombenangriff, kennste alle: Das „heute journal“ nimmt’s in Syrien nicht so genau" Stefan Niggemeier (23 Okt 15)
Am vergangenen Freitag berichtete das „heute journal“, wie die russische Luftwaffe in Syrien nicht nur Stellungen des IS bombardiert, sondern auch Städte, die von der oppositionellen Freien Syrischen Armee kontrolliert werden. ... Für mich ganz ohne Zweifel erweckt der „heute journal“-Beitrag den Eindruck, der Mann kommentiere den Angriff vom 14. Oktober, mit dem der Film beginnt. Es ist die klassische Abfolge eines Nachrichtenfilms: Wir sehen zuerst die Flieger. Dann den Bombeneinschlag. Dann, wie Opfer geborgen werden. Dann wütende oder verzweifelte Kommentare von Augenzeugen. Dass der Augenzeuge in diesem Fall einen anderen Angriff kommentiert, der an einem anderen Tag möglicherweise in der Nähe stattfand, kann der Zuschauer nicht ahnen. ...
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/22180/kennste-einen-bombenangriff-kennste-alle-das-heute-journal-nimmts-in-syrien-nicht-so-genau/

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"Geld für Medien: Europa tritt gegen Putins Propaganda an" Von Markus Becker, Brüssel (30.10.2015)
In dem Dokument geht es um das "Strategische Kommunikationsteam Ost" des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EEAS). Um "Russlands laufenden Desinformationskampagnen entgegenzuwirken", hatten die EU-Staats- und Regierungschefs am 20. März die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini mit der Erstellung eines "Aktionsplans über strategische Kommunikation" beauftragt. Ein zentraler Bestandteil: die "East StratCom Task Force" unter Leitung des Briten Giles Portman, die am 1. September ihre Arbeit aufgenommen hat. Der Sinn der strategischen Kommunikation, so steht es ganz offen in Mogherinis Aktionsplan, sei das "Vorantreiben der politischen EU-Ziele in der östlichen Nachbarschaft". Dazu sollen "das gesamte Medienumfeld" gestärkt werden und "unabhängige Medien unterstützt werden". EU-Informationen sollen insbesondere in russischer Sprache verbreitet, Journalisten aus- und fortgebildet werden. ...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-europaeische-union-tritt-gegen-putins-propaganda-an-a-1060182.html

http://www.spiegel.de/forum/politik/geld-fuer-medien-europa-tritt-gegen-putins-propaganda-a-thread-374620-1.html

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"Propaganda machen immer nur die anderen" Harald Neuber (30.07.2015)
Über die Deutsche Welle, Russland und den neuen europäischen Medienkrieg - Die Aufstockung des Budgets der Deutschen Welle Anfang des Jahres war begleitet von Konflikten und kritischen Kommentaren über die neue politische Ausrichtung des Auslandssenders. Inzwischen lassen sich Tendenzen und Zusammenhänge erkennen, die bestehende Befürchtungen weitgehend bestätigen: Der Ausbau der Deutschen Welle steht offensichtlich im Zusammenhang mit außenpolitischen Frontstellungen der EU. Ausmachen lässt sich das vor allem - wenn auch nicht nur - am Verhältnis zu Russland und zum Ukraine-Konflikt. Dabei ist die Neuausrichtung der Deutschen Welle in eine gesamteuropäische Medienstrategie gegen Moskau eingebunden. Der diskursive Einfluss russischer Akteure soll über politische Gegenprogramme eingedämmt werden, aber auch durch restriktive Maßnahmen gegen regierungsnahe Journalisten. Das von Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg formulierte Ansinnen, russischen Medien "Paroli zu bieten" ist also Teil eines umfassenden Medienkrieges um die Köpfe der Menschen in West und Ost. Hier ein Zwischenresümee ...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45583/1.html

""Unabhängige Medien" und Medienvertreter im Dienste des "Strategischen Kommunikationsteams Ost"" Marcus Klöckner (30.10.2015)
EU-Task Force will gezielt Netzwerke mit Journalisten aufbauen ... Gerade im Kontext der Ukraine-Krise gehen die Staaten der Nato davon aus, dass Russland einen Informationskrieg gegen den Westen führt. Umgekehrt wirft Russland auch "dem Westen" vor, an einem Informationskrieg beteiligt zu sein. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46431/1.html

"Die Propaganda-Offensive der EU wird das Misstrauen gegenüber den Medien stärken" Florian Rötzer (30.10.2015)
Gegen die "Desinformationspolitik" Russlands soll mit einer "strategischen Kommunikation" für die Politik und die Werte der EU geworben werden ... Das Auswärtige Amt machte klar, dass ein als "Russland Taskforce" benanntes "Strategisches Kommunikationsteam Ost" die Ziele in der "östlichen Nachbarschaft" (Ukraine, Georgien, Republik Moldau, Belarus, Armenien, Aserbaidschan) und in Russland verfolgt: "eine wirksame Kommunikation von und Werben für EU-Politiken und —Werten in der östlichen Nachbarschaft, Stärkung des Medienumfelds insgesamt inklusive Unterstützung für unabhängige Medien und verbessertes öffentliches Bewusstsein von Desinformationsaktivitäten seitens Dritter und verbesserte EU-Reaktionsfähigkeit darauf". Dahinter stehen der "Aktionsplan für strategische Kommunikation" vom Juni 2015 gegen die "russischen Desinformationskampagnen" und der Aufbau einer EU EAST STRATCOM Task Force. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46430/1.html

Quote
gsxr1000, 31. Oktober 2015 08:41
Rötzer, dein Beitrag stärkt mein Misstrauen gegen Russenland

Wie kann ein Russland.Ru Schreiberling davon ablenken, dass es in
Russland keine freie Presse gibt und das kritische Journalisten gerne
auch mal eingesperrt und umgebracht werden:
Er konstruiert das Gebilde einer gesteuerten Presse.
Es ist sicherlich kein Zufall dass die Pegidademonstranten mit exakt
den gleichen Themen argumentieren.
Der Begriff Lügenpresse wurde übrigens von den Nazis erfunden. Das
sollte euch Putintrolle mal zu denken geben

http://www.heise.de/tp/foren/S-Roetzer-dein-Beitrag-staerkt-mein-Misstrauen-gegen-Russenland/forum-296223/msg-27006765/read/

Quote
Bartträger, 30. Oktober 2015 19:33

"P.S. Dieser Text wurde weder von der Nato noch von Sigmar Gabriel in Auftrag gegeben."

Laut Google hat Philipp Jessen früher für Bild gearbeitet. In den
Arbeitsverträgen des Axel Springer Verlags muss "Die Unterstützung
des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der
freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von
Amerika" vom Unterzeichnenden zugesichert werden.
https://www.axelspringer.de/artikel/Grundsaetze-und-Leitlinien_40218.html
http://nachhaltigkeit.axelspringer.de/de/grundsaetze/unternehmensgrundsaetze.html

Das ist so gut wie eine Mitgliedschaft bei der Atlantik Brücke. Dass
man solchen Leuten keine Befehle geben muss, wie sie über Nato- und
insbesondere Kriegsangelegenheiten zu denken und zu schreiben haben,
ist einigermaßen selbsterklärend.

Dass diese Leute immer speziell darauf abheben, dass ihnen niemand
"Befehle erteile" oder "zuflüstere", ist für sich schon auffällig.
Gleiches war bei Tom  Buhrow (Mitglied der Atlantik Brücke) vor
einigen Tagen beim ARDcheck zu bewundern, als eine Frau im Publikum
auf den bemerkenswert anderen Ton in Berichten zu sprechen kam, wenn
Nato-Staaten Kriesgbeteiligte sind.

http://www.heise.de/tp/foren/S-P-S-Dieser-Text-wurde-weder-von-der-Nato-noch-von-Sigmar-Gabriel-in-Auftrag/forum-296223/msg-27006514/read/

Quote
Lahme Ente, 31. Oktober 2015 11:57

Als alter Mann, der noch das Dritte Reich in seiner Jugend
und die Bundesrepublik vom ersten Tag an erlebt hat, sehe ich,dass
wir seit dem Regimewechsel in der Ukraine von fast allen Medien nicht
objektiv informiert werden. Ich erinnere mich, an einen Satz des
Herrn Kleber in "Heute" wo er sagte "es gibt keine Nazis" in der
Ukraine. Eine Viertelstunde früher zeigte der selbe Sender Bilder
über das Batallion Asow mit Hakenkreuzen an dem Stahlhelm, der
sogenannnten "SS-Wolfsrune" an den Ärmeln und das zeigen des
"Deutschen Grusses" duch die Bewaffneten. Un so zieht sich das durch
alle Medien.Alles was mit Russland zu tun hat wird grundsätzlich nur
aus der transatlantischen Sichtweisekomentiert. Eine sachlich und
objektive Berichterstattung ist nicht mehr gegeben. Ganz schlimm ist
in meinen Augen, das die einst seriöse Blätter FAZ, Spiegel mit SPON
und die Zeit zu billigsten Propagandeschleudern verkommen sind. Nicht
nur werden Ereignisse verdreht, sondern es wird dazu erfunden und
erlogen. Haupsache Putin (Russland) ist an allem schuld. Das
Russlandbashing nimmt schon groteske Züge an. Auch bei den Öffentlich
Rechtlichen kommt keiner mehr zu Wort, der nur im  leisesten objektiv
über Russland berichten könnnte. Sicher es gibt genügend das in
Russland nicht so ist, wie ich es mir vorstellen würde, aber da ich
seit Jahren nach Russland komme, erstmalig 1974,  kann ich mir
wirklich ein eigenes Bild darüber machen, was dort abgeht. Was Putin
seitdem er Präsident  dort geleistet hat ist schon erstaunlich.
Vergleichbar mit unserem Wirtschaftswunder. Die etwa 85% Zustimmung
der Bevölkerung zu Putins Politik kommt nicht von ungefähr. Auch sehe
ich mich von russischen Medien jedenfalls objektiver unterrichtet als
durch unsere. Und was dort über die Politik der USA verbreitet wird
ist ja wohl keine Propaganda.Es ist ja Tatsache das die USA wohl bei
jedem Konflikt seit 1945 gezündel haben und es purer Zynismus, wenn
die Politiker dort über Freiheit, Demokratie und Menschenrechte
faseln, die sie selbst mit Füssen treten. Allein auch die Arroganz
bei uns, von den westlchen Werten zu reden. Die nur dann zum tragen
kommen wenn damit Geld zu verdienen ist, ansonsten sch... wir darauf.
 Und jetzt noch diese neue Propagandinniative der EU und der NATO .
Wenn ich schon lese,russischsprachige TV Sender im Baltikum. "Radio
Freies Europa" und "Radio Liberty", die amerikanischen Hetzsender des
Kalten Krieges lassen grüssen.
Das Positive ist nur, dass solange hier das Internet noch nicht
zensiert wird, kann sich jeder politisch Interessierte seine
Informationen aus dem Web holen und sich seine eigene Meinung bilden.
Jedenfalls haben unser Medien nicht mehr die Deutungshoheit und da
helfen alle propagandistischen Anstrengungen nichts.

http://www.heise.de/tp/foren/S-Als-alter-Mann-der-noch-das-Dritte-Reich-in-seiner-Jugend/forum-296223/msg-27006873/read/

Quote
Leam, 30. Oktober 2015 15:26

Dabei würde schonungslose Ehrlichkeit IMHO funktionieren

Warum sagen sie nicht einfach es geht um Macht, Einfluss
und Geld? Köhler hat es damals versucht: es geht darum
unsere wirtschaftlichen Interessen auch mit Gewalt
durchsetzen zu können. Unsere Werte haben wir gesund
geschrumpft: Gier

Und schon passt die Berichterstattung wieder zur Realität.
Und mal ehrlich, nach dieser Realität funktionieren nicht
nur unsere gesamte Wirtschaft sondern so funktionieren
doch auch die meisten Privatleute? So what?

Wir sind nicht die Guten, die Amis sind nicht die Guten,
die Russen sind nicht die guten, wir versuchen nur uns
ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu sichern.

Alternativ können wir uns ja dann überlegen ob wir das
ändern wollen. Aber gut, da haben wir den Knackpunkt,
genau diese Diskussion soll ja verhindert werden...

http://www.heise.de/tp/foren/S-Dabei-wuerde-schonungslose-Ehrlichkeit-IMHO-funktionieren/forum-296223/msg-27006165/read/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on November 03, 2015, 05:25:43 PM
Quote
[...] Auch die beste Nachrichtenredaktion ist nur ein Mensch und macht schon einmal Fehler. Das macht aus uns aber nicht die "Lügenpresse". "Grundgesetzpresse", so dürfen Sie uns allerdings gerne nennen. Mit sachlicher Kritik haben wir kein Problem und doch wächst der Eindruck, dass wir nicht mehr alle Menschen im Land erreichen können. In der DLF-Nachrichtenredaktion bekommen wir viele Reaktionen auf unsere Arbeit. Lob und Zuspruch sind das eine. Fragen und Kritik, das andere. Normal und gut so. Manchmal wird es aber irrational oder aggressiv, hin und wieder sogar beides. Genau davon möchte ich heute berichten.

Wir freuen uns enorm, dass unsere Arbeit im Radio und im Netz derart stark wahrgenommen wird. Zur Wahrnehmung gehört, dass die Menschen sich kritisch mit dem befassen, was sie Monat für Monat mit ihrem Rundfunkbeitrag finanzieren. Das ist selbstverständlich. "Warum haben Sie andere Teilnehmer-Zahlen von der Demonstration als die Organisatoren?" "Wieso berichten Sie nicht über die Wahlen in Honduras?" "Weshalb gibt es zu viele oder zu wenige Meldungen aus Sport, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft?" Zu all dem und immer wieder auch zur Nachrichtensprache stehen wir Rede und Antwort. Immer wieder haben wir (leider) auch Anlass, für Fehler um Entschuldigung zu bitten. Dann können wir Lehren daraus ziehen. Kritik macht auch uns in der Regel besser.
Das alles ist eine Menge und das ist auch das Allermeiste. Heute geht es um eine andere Art von Vorwürfen. Die "sieben Todsünden der Nachrichten", so wie sie einige Menschen empfinden. Sie werden sehen, es gibt zwischen den verschiedenen "Todsünden" Überschneidungen. Und je nachdem, ob gerade die Ukraine-Krise dominiert, Griechenland oder die Flüchtlingsfrage, verändert sich auch das Mischungsverhältnis bei den Angriffen.

... Hier die Liste der Punkte - mit unseren Anmerkungen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

... Todsünde 1: "Ihr seid alle links", "Ihr seid alle rechts"
... Todsünde 2: "Ihr macht doch alles, was die Regierung will"
... Todsünde 3: "Ihr macht doch alles, was "das System" will!"
... Todsünde 4: "Ihr macht doch alles, was "die Amerikaner" oder "die EU" wollen!"
... Todsünde 5: "Ihr seid alle gegen Russland!"
... Todsünde 6: "Ihr berichtet doch gar nicht über und für die einfachen Menschen!"
... Todsünde 7: "Ihr seid die Lügenpresse!"

...


"Aus der Nachrichtenredaktion - Die "sieben Todsünden" der Nachrichten" Marco Bertolaso (02.11.2015)
http://www.deutschlandfunk.de/aus-der-nachrichtenredaktion-die-sieben-todsuenden-der.1818.de.html?dram%3Aarticle_id=335641

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on November 30, 2015, 10:46:37 AM
"Kolumne: Drei Lügen über die Meinungsfreiheit" Carsten Pilger (27. Nov 2015)
BERLIN. (hpd) Deutschland sei nicht frei und wer das sagt, wird schnell als Verschwörungstheoretiker abgestempelt. "Eine kleine Medienelite gibt den Takt vor, unerwünschte Subjekte werden entfernt" – das hat hpd-Kolumnist Carsten Pilger "in diesem Internet" immer öfter gehört. Eine Replik. ...
http://hpd.de/artikel/12468

Thomas Niesse, am 27. November 2015 - 13:31
Lieber Herr Pilger, eine doch recht oberflächliche Darstellung der derzeitigen problematischen Medienlamdschaft mit eindeutig "eingebetteten" Journalisten- kreisen vor allem im sogenanntn
Alpha-Journalismus von FAZ, Zeit, Süddeutschen und Co. Auf den nachdenkseiten wieder die Thematik schon länger klarer und differenzierter dargestellt... Siehe u.a.hier, mit den interessanten Kommentaren von Bernd Ulrich ( die Zeit):
25. November 2015 um 11:37 Uhr: Der Politikchef der „Zeit“ bestätigt das „ journalistische Eingebettetsein“ von Journalisten in „amerikanische Denkart der Außenpolitik“ - Verantwortlich: Albrecht Müller ... Am 20. und 21.März 2014 haben die NachDenkSeiten über die Forschungen von Uwe Krüger berichtet. Er hatte 2013 beschrieben, wie und welche deutschen Medien und Journalisten auf US-nahen Kurs gebracht werden, wie sie über verschiedene Organisationen wie die Atlantikbrücke vernetzt sind. „Die Anstalt“ hatte das Thema zum Gegenstand ihrer Sendung vom 29. April 2014 gemacht. Dort ab Minute 35. Darüber gab es dann einen juristischen Disput mit zwei Vertretern der „Zeit“, Joffe und Bittner. Umso mehr werden wir überrascht von Äußerungen des stellvertretenden Chefredakteurs der „Zeit“, Bernd Ulrich, in seinem Buch „Sagt uns die Wahrheit!“. Dort finden sich auf den Seiten 45 bis 49 bemerkenswerte Erkenntnissen. ...
http://www.nachdenkseiten.de/?p=28997
Viele grüße aus Hamburg, Thomas Nieße, GBS Hamburg
http://hpd.de/comment/9977#comment-9977

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"Der Provokateur: Bundespressekonferenz hadert mit Tilo Jung" Daniel Bouhs (29.11.2015)
Die BPK mischt Jung [ ] regelmäßig auf - mit naiven, teils regelrecht penetranten Fragen an die Vertreter der Bundesregierung und mit Videomitschnitten der Veranstaltung, die er in seinem Youtube-Kanal veröffentlicht. ... Der Regierung wirft Jung im ZAPP-Interview vor, sie habe bisweilen "wenig Interesse an Aufklärung". Seine Mission: Transparenz. ... Am Rande der Tagung "Formate des Politischen", bei der die Hauptstadtpresse in der BPK über ihr Tun diskutiert, berichtet Jung ZAPP nun jedenfalls von kritischen Anmerkungen zu seinen Auftritten, die ihn zunehmend erreichten: "Das hört sich für mich ein bisschen so an, als ob [Regierungssprecher Steffen] Seibert so ein bisschen signalisiert: Sorgt irgendwie mal dafür, dass ihr den Jung einschränkt und die ganze BPK einschränkt, weil sonst kommen wir nicht mehr." ... Auch auf der Tagung ist Jung auch Thema - auf dem Panel "Beobachtungen zur Institution der Bundespressekonferenz". Phoenix-Journalistin Anke Plättner berichtet vom Unmut gegen Jung, der sich unter Regierungssprechern breitmache ("Kommen Sie gerne?" - "Wissen Sie, da stellt jetzt jemand immer so komische Fragen."). Sie fragt den Provokateur: "Warum stellen Sie Fragen, die manch andere vielleicht nicht stellen?" Für Jung ist das eine - für die Etablierten selbstentlarvende - Steilvorlage. Er sagt, was er dann auch ZAPP sagt: Er wolle Grundsätzliches von der Regierung hören, er wolle Politik verstehen und das für alle dokumentieren. ...
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/blog/Der-Provokateur-Bundespressekonferenz-hadert-mit-Tilo-Jung,tilojung102.html

Quote
Gibert Kuhn schrieb am 03.12.2015 12:09 Uhr:

Die Bundespressekonferenz ist ein Verein, dessen einzige Aufgabe es ist, Pressekonferenzen zu veranstalten und diese zu leiten. Das war in Bonn so, und das hat sich - laut ihren Staturen - auch in Berlin nicht geändert. Der jeweils die Veranstaltung leitende Vorsitzende zensiert weder die Fragen noch die Antworten, achtet jedoch darauf, dass bestimmte Formen gewahrt bleiben. Das gilt nicht dem Inhalt, sondern - beispielsweise - der Wortwahl, der prinzipiellen Höflichkeit, dem Vermeiden von Beleidigungen usw. Das schließt Kritik auf dieser oder jener Seite nicht aus; ich weiß aus jahrelanger, teilweise leitender Mitgliedschaft in der Bundespressekonferenz, wovon ich rede. Beispielsweise von einem ordentlichen Zusammenstoß mit einem Bundeskanzler. Was den eigenen Berufstand anbelangt: Beileibe nicht alle Fragen waren (und sind es gewiss auch heute noch) immer das Gelbe vom Ei. Es gab (und gibt) immer auch Kollegen, deren Wortmeldung erkennbar nicht der Infomationssuche galt, sondern der Selbstdarstellung oder dem Versuch, einen Lacher zu provozieren. Das ging mitunter bis an die Grenze der Peinlichkeit, bzw. überschritt diese auch. Unbabhängig vom hier vorliegenden Fall: Keineswegs immer bedeutet Kritik an einem Journalisten gleich einen Angriff auf die Pressefreiheit...


Quote
Tim Lutherer schrieb am 03.12.2015 13:56 Uhr:

Herr Jung macht genau das, was Aufgabe ALLER Journalisten wäre !


...

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"Russische Manipulationsvorwürfe gegen das ZDF - Verheddert im Gestrüpp der Propaganda"  Ivo Mijnssen (2.2.2016)
Es erscheint unerklärlich, weshalb das Team des deutschen Senders, dem der ehemalige Russlandkorrespondent Dietmar Schumann vorstand, derart unkritisch Material von Bobkow übernahm. Der Verdacht drängt sich auf, dass man nicht so genau hinschaute, da der junge Mann gut als Illustration für die übergeordnete Erzählung taugte. Allerdings wäre genau dies bei einem derart heiklen Thema die Aufgabe von Qualitätsmedien – gerade auch deshalb, um sich von der billigen Propaganda des russischen Staatsapparats abzusetzen, statt diesem zusätzliches Futter zu liefern. ...
http://www.nzz.ch/international/europa/russische-manipulationsvorwuerfe-gegen-das-zdf-verheddert-im-gestruepp-der-propaganda-ld.4785

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"Die NZZ-Studie" (Eine Studie von Swiss Propaganda, Januar 2016)
Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ist die führende Schweizer Tageszeitung für internationale Themen. Doch wie objektiv und kritisch berichtet die NZZ über geopolitische Konflikte? Um dies zu überprüfen, wurden während je eines Monats alle NZZ-Berichte zur Ukraine-Krise  und zum Syrienkrieg analysiert und anhand des Modells von Professor Anne Morelli auf Muster von Kriegspropaganda hin ausgewertet. ... Die vorliegende Untersuchung kam anhand des Propaganda-Modells von Ponsonby-Morelli zum Ergebnis, dass die NZZ bei geopolitischen Konflikten überwiegend Propaganda der Konfliktpartei USA/NATO verbreitet, Propaganda nur auf der Gegenseite identifiziert, unausgewogene und teilweise wenig transparente Drittquellen verwendet und damit insgesamt einseitig und wenig objektiv berichtet und kommentiert. Als Erklärung für diesen Befund wurde eine Kombination aus ideologischer Ausrichtung, transatlantischer Eliten-Netzwerke, und militärisch-politisch-ökonomischer Abhängigkeit der Schweiz vorgeschlagen. ...[/i]
http://antikrieg.com/aktuell/2016_02_08_dienzzstudie.htm

https://swisspropaganda.wordpress.com/
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on January 13, 2016, 04:47:46 PM
Quote
[...] David Goeßmann, geboren 1969, ist freier Journalist. Er arbeitet unter anderem für den Deutschlandfunk, den WDR und SWR. Von 2005 bis 2007 war er freier Auslandskorrespondent in Boston/USA, davor Parlamentsreporter und CvD der Deutschen Fernsehnachrichten Agentur. 2009 gründete er zusammen mit dem Dramatiker und Journalisten Fabian Scheidler das unabhängige TV-Nachrichtenmagazin Kontext TV. 2010 deckte er den Missbrauch von „Fake TV News“ in deutschen TV-Nachrichtensendungen auf.

... Herr Goeßmann, auch Sie sind mit einem Beitrag im gerade erschienenen Buch „ARD & Co.: Wie Medien manipulieren“ vertreten. Und ich dachte immer, der Vorwurf, Medien würden manipulieren, käme „von rechts“ – Sie aber erheben ihn auch als Journalist. Wie kommt es dazu? Wogegen richtet sich Ihre Kritik?

Lassen Sie es mich mit einem der größten investigativen Journalisten des letzten Jahrhunderts sagen. Der US-Journalist I. F. Stone hatte bei seiner Arbeit ein ehernes Prinzip: Reporter sollten mit der Voraussetzung an ihre Arbeit gehen, dass mächtige Institutionen lügen und nicht damit, dass sie die Wahrheit sagen. „Governments lie“, war seine Devise. In den 1950er Jahren wollte jedoch keine Zeitung den angesehenen Journalisten anstellen. Er stand auf schwarzen Listen der US-Regierung.

1953 gründete er das berühmte I.F. Stone Weekly, einen Newsletter, aus der Not geboren. Der „muckraking journalist“ Stone war damit eine Art Pionier-Blogger, Vorbild für unabhängige Journalisten wie Michael Moore, Glenn Greenwald oder Jeremy Scahill. Während New York Times, CBS und Co. in den Vereinigten Staaten einfach Regierungspropaganda weiterreichten, opponierte Stone bereits früh gegen den Vietnamkrieg, gegen Diskriminierung und politische Repression. Sein journalistischer Stil war schmucklos:

    ”Ich habe mich nie für Insider-Kram interessiert. (…) Ich versuchte vielmehr Informationen bereitzustellen, die belegt werden können, so dass die Leser sie selbst überprüfen können. Ich bemühte mich, die Wahrheit aus Anhörungen, offiziellen Mitschriften und Regierungsdokumenten so akkurat wie möglich freizulegen. (…) In jeder Ausgabe habe ich versucht, Fakten und Meinungen, die sonst nirgends in der Presse aufzufinden sind, zu bieten.“

Stone war es auch, der dem US-Präsidenten Lyndon B. Johnson nachwies, dass er zum Vorfall im „Golf von Tonkin“ gelogen hatte, veröffentlicht in seinem „one-man“ Weekly. Die millionenschweren US-Mainstreammedien von New York Times und Washington Post mit besten Kontakten in die gesellschaftlichen Schaltzentralen schwiegen dazu.

Mit der gleichen Skepsis, die I.F. Stone der Regierung entgegenbrachte, sollte man auch an die Berichterstattung der Mainstreammedien herangehen. Denn auch sie stellen mächtige Institutionen dar. Wer sich anschaut, wer die Medien besitzt, finanziert, managt, den notwendigen Strom an Informationen und Nachrichten täglich bereitstellt oder sie mit „Gegenfeuer“ beeinflussen und disziplinieren kann, der sollte die Zeitung morgens mit einer tiefen Grundskepsis aufschlagen oder die Nachrichten anschalten. Die Frage sollte im Kopf immer lauten: Sieht die Welt wirklich so aus? Erhalten wir das volle Bild über relevante Ereignisse? Wer erhält ein großes Forum und wer nicht? Wo wird verzerrt, gelogen, weggelassen, ausgeblendet und mit doppelten Standards berichtet?

... Es gibt bereits einen enormen Korpus an fundierter, gut belegter Medienkritik und -analyse. Und auch viele Journalistinnen und Journalisten tragen täglich dazu bei, uns eine andere, zum Schweigen gebrachte Welt zu präsentieren, fast immer jedoch außerhalb der klassischen medialen Öffentlichkeit. Sehr beindruckend, sehr progressiv, sehr inspirierend. Das ist der Keim für die allerorts so dringend notwendige Veränderung.

... Wer in den 60er Jahren den Vietnamkrieg und die Rolle westlicher Medien kritisierte, wurde als „antiamerikanisch“ diskreditiert. Wer den offiziellen Diskurs über die „Angriffe auf den Wohlfahrtsstaat“ attackiert, ob nun als Agenda 2010 oder „Griechenlandrettung“ maskiert, dem werden ideologische Kreuzzüge unterstellt. Bei der Ukraine-Krise landet man schnell neben Putin und Menschenrechtsverletzungen, früher waren es Stalin und der Gulag. Bei der Kritik an den Massakern der israelischen Regierung im Gazastreifen und deren medialer Präsentation wird rituell eine neue „Welle von Antisemitismus“ ausgemacht. Und wer nach 9/11 in Vorbereitung auf den US-geführten Luftkrieg gegen Afghanistan nur leicht vom offiziellen Meinungskurs abwich, fand sich als Terroristen-Versteher einsortiert.

Wir erinnern uns noch an die Demutsgeste, die der damalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert machen musste, weil er es gewagt hatte, in einem Interview auf die Bush-Kritik der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy hinzuweisen. Die damalige CDU-Vorsitzende Angela Merkel stellte in der Bild-Zeitung daraufhin fest, dass Wickert damit „absolut nicht mehr tragbar als Nachrichtenmoderator im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“ sei. Wickert hatte schlicht missverstanden, dass eine im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Zeitung publizierte “Außenansicht“, noch lange nicht bedeutet, dass solche Meinungen auch zitierfähig sind.

Und heute eben der Verweis auf Lügenpresse, Pegida, Deutschnationale oder rechte Verschwörungstheoretiker. Alles nicht überraschend und schon gar nicht neu. Die wirksamste Waffe ist aber, unangenehme Medienkritik einfach zu ignorieren..

... Um nicht missverstanden zu werden: Es ist nicht so, dass Journalisten sich hinsetzen und sagen: So, jetzt manipulieren wir mal die Ereignisse, die Realität. Ich denke nicht einmal, dass man das Journalisten der Prawda zu Zeiten der Sowjetunion vorwerfen könnte. Jedenfalls sind bewusste Manipulationen nicht das Kernproblem.

Journalisten der Medienunternehmen und Rundfunkanstalten berichten im Prinzip, was sie vor Augen haben, durchaus professionell und objektiv. Aber sie tun das nicht im luftleeren Raum, sondern in einem sehr engen ideologischen Rahmen. Wie gesagt, die Massenmedien haben eine institutionelle Schlagseite. Und diese Schlagseite funktioniert wie ein Set von Filtern, durch das die Informationen und Meinungen hindurchgehen. Und die Filter sind so beschaffen, dass nicht alle Informationen, Meinungen, Hintergründe und Stimmen die gleiche Chance haben zu passieren, die gleiche Aufmerksamkeit erhalten, auch wenn ihre Relevanz für das Verständnis von Ereignissen essentiell ist.

... Die SZ hat über den ganzen Krisenverlauf hinweg aus der Perspektive der deutschen Regierung, der Troika-Politik, der „Gläubiger“ berichtet. Als die Syriza-Partei Anfang 2015 an die Macht kam, legte sie schließlich alle journalistischen Manieren ab und bezeichnete die griechischen Verhandlungspartner Varoufakis und Tsipras als „Hassadeure“ und irre „Achterbahnfahrer“, die mit einer „Harakiri-Politik“ eine „Vertrauensimplosion“ mit einem „Maximalschaden für die Menschen“ erzeugen wollten. Chef-Kommentator Stefan Kornelius betitelte den „irren Kurs“ der Syriza-Regierung mit den Worten „Ins Graos“. Der vermeintlich „irre Kurs“ von Syriza bestand dabei vor allem daraus, Wirtschaft und Beschäftigung ein wenig beleben zu wollen, um überhaupt eine Basis für die Rückzahlung der Schulden zu schaffen. Grund genug für die SZ, mehr irrationale Troika-Politik zu fordern und ein „Graos“ an die Wand zu malen!

Natürlich macht es ökonomisch überhaupt keinen Sinn, eine Volkswirtschaft in einer tiefen Rezession durch Kürzungen aus der Krise führen zu wollen. Weder in der Theorie noch in der Praxis. Deutschland selbst oder auch die USA haben das in der Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008 daher auch nicht getan, im Gegenteil: Sie befeuerten die Volkswirtschaft mit einem massiven Konjunkturprogramm, finanziert mit neuen Schulden. Im Guardian, der New York Times oder der Financial Times rieben sich ob der ideologischen Fixierung Deutschlands im Falle Griechenlands dann auch Nobelpreisträger verwundert die Augen. In der SZ wurde diese Kritik jedoch schlicht als „politischer Aktivismus“ abgestempelt. Nur einige wenige Journalisten in deutschen Zeitungen schrieben gegen diesen offensichtlichen deutschen Irrsinn an. So etwa Harald Schumann vom Tagesspiegel, Ulrike Herrmann von der taz und Wolfgang Münchau von Spiegel Online.

Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig Diskussionen hier zugelassen wurden und wie rigide gefiltert und auch direkt manipuliert worden ist….

... moderne Massenmedien tendieren dazu, Stimmen der Macht zu sein. Wenn die Eliten sich auf einen politischen Kurs geeinigt haben, dann ist es die Aufgabe von Massenmedien, um Zustimmung dafür zu werben.

Und natürlich haben Medien auch unterschiedliche Funktionen. Sie bieten zum Beispiel auch Unterhaltung und Information. Das ist auch gemeinhin bekannt. Über das aber, was Edward Herman und Noam Chomsky in ihrem Klassiker „Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media“ als Propagandafunktion bezeichnen, wird standhaft geschwiegen. Und das, obwohl die These schlüssig ist, mit vielen empirischen Fallstudien gut belegt werden kann und weitreichende Konsequenzen hat. Wenn man so will, ist dieses Schweigen eine Bestätigung des sogenannten Propaganda-Modells der beiden genannten Wissenschaftler auf einer weiteren Ebene.

...


Aus: "Wenn Regierungen lügen und Medien mitmachen" Jens Wernicke (11. Januar 2016)
Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=30135 (http://www.nachdenkseiten.de/?p=30135)

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"Die Medien tragen demokratische Verantwortung" Reinhard Jellen (21.01.2016)
Jörg Becker: " ... Gerade bei einem schwierigen Feld wie dem der Kriegsberichterstattung käme es [] auf ein umfassendes Bild an. Und hier lassen sich immens viele Dimensionen denken, die verbessert werden könnten und müssten, die aber fast nie berücksichtigt werden. Kriege kennen nicht nur Freund und Feind, sondern stets mehrere Freunde und mehrere Feinde mit jeweils recht unterschiedlichen Interessen.
Kriege sollten also wenigstens aus zwei, besser noch aus vier oder fünf Perspektiven geschildert werden. Warum gibt es kaum O-Töne von "Feinden"? Hinzuhören und hinzusehen hätten deutsche Journalisten auf die Zivilgesellschaft und die Opfern und nicht nur auf die Eliten, die lokalen und nicht nur die nationalen Eliten, arbeiten müssten deutsche Journalisten direkt, konkret und vor Ort und hätten sich jeglichem militärischen embedment zu verweigern. ..."
http://www.heise.de/tp/artikel/47/47171/1.html


"Medien im Krieg - Krieg in den Medien" Author: Jörg Becker,  ISBN 978-3-658-07477-7 (2016)
Das Thema Medien und Krieg wird in diesem Buch aus einer vierfachen Perspektive heraus behandelt. Es geht zum einen um die Frage nach der Berichterstattung über Kriege, zum zweiten um die Rolle von Medien im Krieg, drittens geht es darum, welche strukturellen Bedingungen von Krieg und Gesellschaft die Inhalte der Medien wie prägen und viertens um eine friedensstiftende Sicht auf diese Zusammenhänge. Das Fazit: Definitorisch gibt es kaum noch einen Unterschied zwischen medialer Kommunikation und Krieg.
https://www.springer.com/in/book/9783658074760

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"Wahl-Fernsehduelle: AfD darf nicht teilnehmen - SWR und MDR schließen die rechte Partei von den Elefantenrunden aus" Thomas Pany (20.01.2016)
Es wäre interessant gewesen, wie SPD und Grüne auf eine souveräne Entscheidung reagiert hätten, zumal der Sender ja die Abwesenheit der Spitzenkandidaten von SPD und Grünen mit deren Erklärungen begründen hätte können. Bei den Zuschauern wäre das Verhalten der Parteien wahrscheinlich nicht gut angekommen, dagegen hätte der Sender Unabhängigkeit demonstriert.
Das wäre eine Möglichkeit zur Kante gegen Vorwürfe gewesen, die den Öffentlich-Rechtlichen eilfertigen Gehorsam gegenüber politischen Vorgaben unterstellen. Mit der Entscheidung, die AfD nicht einzuladen, nähren die Sender die Vorwürfe weiter, ganz sicher nicht zum Schaden der AFD.  ...

http://www.heise.de/tp/artikel/47/47162/1.html

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Quote
[...] Der Druck ist groß. Selbst die größte Sendeanstalt im ARD-Verbund, der Westdeutsche Rundfunk (WDR), kann die massive Kritik an „zu großer Staatsnähe“ und einer „tendenziösen politischen Ausrichtung“ nicht mehr ignorieren. Erst recht, nachdem die WDR-Journalistin Claudia Zimmermann in dem niederländischen Radiosender L1 ungewollt als Zeugin der Anklage auftrat und zu Protokoll gab: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist mit seiner Gebührenfinanzierung so ausgerichtet, eher in Richtung Regierung und nicht aus Oppositionssicht zu berichten.“

Auch sei man angehalten, „Merkels Willkommenskultur positiv zu unterstützen“. Dass die WDR-Korrespondentin ihre Klage umgehend als „Unsinn“ widerrief, macht den Vorwurf nicht unglaubwürdiger. Eher entstand der Eindruck, die freie Mitarbeiterin Zimmermann habe auf Druck von oben Reue gezeigt, um ihre Aufträge nicht zu verlieren. WDR-Moderator Frank Plasberg sah sich sogar genötigt, den öffentlichen Manipulationsvorwurf in seiner jüngsten Debattenrunde von „Hart aber fair“ einzuspielen. So viel Selbstkritik ist selten im deutschen Fernsehen.

Die Behauptung der WDR-Journalistin, am rot-grünen Gängelband laufen zu müssen, ist zwar Wasser auf die Mühlen derer, die im Kölner Sender schon immer den „schlimmsten Rotfunk“ sahen und den Medien insgesamt gezielte Manipulationen vorwerfen; doch sie führt gleichwohl in die Irre. Als in Nordrhein-Westfahlen eine schwarz-gelbe Koalition (2005-2010) regierte, war der WDR alles andere als „regierungsnah“. Auch sind wir in Deutschland weit entfernt von Verhältnissen wie in Putins Russland, Erdogans Türkei oder neuerdings in Polen, wo die Medien mit harter Hand auf Linie gebracht werden.

Offiziell gilt in Deutschland Artikel 5 im Grundgesetz: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Dass, je nach Umfrage, bis zu zwei Drittel der Bevölkerung den gegenteiligen Eindruck haben, liegt an einem Teil der Journalisten selbst. ...


Aus: "Medienkritik: Die halbe Wahrheit kann eben auch eine Lüge sein" Wolfgang Bok (24. Januar 2016)
Quelle: http://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein-am-sonntag/medienkritik-die-halbe-wahrheit-kann-eben-auch-eine-luege-sein-id12540286.html (http://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein-am-sonntag/medienkritik-die-halbe-wahrheit-kann-eben-auch-eine-luege-sein-id12540286.html)
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on February 16, 2016, 04:28:17 PM
"Die Ganser-Verschwörung" Andreas Maurer, Redaktor bei der «Schweiz am Sonntag». (Samstag, 14. Februar 2015)
Im Gegensatz zur Medienpräsenz in der Schweiz hat Ganser in Deutschland inzwischen Mühe, in etablierten Medien zu Wort zu kommen. In Deutschland hat Ganser dafür ein neues Publikum in alternativen Online-Medien gefunden. Mit der Ukraine-Krise haben diese an Bedeutung gewonnen. Auf Youtube-Kanälen wie «KenFM» erklären Experten in langen Interviews, dass die Realität anders sei, als man meine. Manche Talkgäste wirken plump bei der Präsentation ihrer Verschwörungen. Ganser ist anders. Politikwissenschafter Linden, der diese Online-Medien untersucht, sagt über Ganser: «In dieser Szene ist er der Beste.» ...
http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/basel/die_ganser-verschwoerung/

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PD Dr. Markus Linden (geb. 1973) ist Politikwissenschafter im Forschungszentrum Europa an der Universität Trier (Bereich Partizipation und Ungleichheit). Zuletzt erschien von ihm das Buch «Einschluss und Ausschluss durch Repräsentation. Theorie und Empirie am Beispiel der deutschen Integrationspolitik» (Baden-Baden 2014). Seit 2014 publiziert er über die Attraktivität neuer Alternativmedien.

... In Opposition zu den traditionellen Medien ist im Internet eine höchst kritische Szene von alternativen Plattformen entstanden. Deren Existenz ist ein Krisenzeichen, das ernst zu nehmen ist. ... Die Anziehungskraft einer gegen die politische Klasse per se gerichteten Rhetorik ist ein Krisenzeichen. Im Vergleich zu anderen Alternativmedien ist die Relevanz der fundamental systemkritischen Szene in Deutschland stark gewachsen. Bisweilen verschwimmt die Grenze zwischen Verschwörungstheorie und legitimer Kritik. Das ist das Problem. ... Star der Szene ist der Schweizer Wissenschafter Daniele Ganser, ein Meister des Subtextes, der es rhetorisch brillant versteht, gerade keine geschlossene Verschwörungstheorie zu präsentieren. Im Gegensatz zu anderen bleibt Ganser stets an Fakten orientiert. Im deutschen Fernsehen ist er dennoch nicht präsent, wohl auch, weil er jeden Moderator vor Probleme stellen würde. ... Das vorgebliche Märtyrertum ist bei den neuen Alternativmedien ebenso ausgeprägt wie der missionarische Eifer. Es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den Akteuren. Präsentiert werden Sichtweisen mit verschwörungstheoretischem Charakter. Dass es sich bei den Terroranschlägen vom 11. September um einen «Insidejob» handelte, gilt als gesetzt. Die Position setzt sich in Bezug auf weitere Ereignisse fort. Dabei beschränken sich die intelligenteren Protagonisten auf das «Stellen unangenehmer Fragen», während die Kommentarleisten der Anhängerschaft von einer Parallelwelt zeugen, in der das US-Imperium im Verbund mit Medien und Geheimdiensten die Welt manipuliert.
Gemeinhin beklagt werden zudem eine fehlende Souveränität des «US-Vasallen» Deutschland sowie die Aushöhlung der Volkssouveränität. Der Finanzmarktkapitalismus wird ebenso abgelehnt wie die Medienlandschaft. Das Spektrum reicht von faktenorientierter Kritik, für die etwa das Buch von Mathias Bröckers und Paul Schreyer steht («Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers»), bis hin zur pauschalen Schelte mit den Mitteln der subjektiven Addition von Einzelfällen (Udo Ulfkotte: «Gekaufte Journalisten»).
Souveränität, Wahrheit, Lügenpresse – das sind die Schlagworte in dieser Welt, die zur Parteienlandschaft nur an den Rändern Bezüge aufbaut und oft identitärdemokratischen Idealen folgt, also der Idee einer Identität zwischen Herrschern und Beherrschten. Den eingeforderten Pluralismus hat man selbst nicht internalisiert, sondern man glaubt an die Existenz eines unterdrückten Gemeinwillens. Dementsprechend finden sich auf den Portalen kaum Sendungen mit diskursivem Charakter. Dargeboten werden Bestätigungsrituale. ... Zwei weitere Aspekte sind für die Entstehung des skizzierten Feldes verantwortlich: 1. Alternativmedien offerieren eine vermeintlich realistische Sichtweise der internationalen Ordnung. Diese interessenfixierte Herangehensweise mag oft nicht zutreffend sein, ist jedoch in Deutschland wissenschaftlich und medial zu wenig präsent. 2. Die Attraktivität des Verschwörungsdenkens und des personalisierten Netzmessianismus geht schliesslich auch auf verfehlte Heils- und Ganzheitserwartungen an die Politik zurück. Für die ist keine ideologische Anknüpfung mehr zu finden, was im Umkehrschluss ein tumbes Wahrheitsgefasel und den Glauben an diktatorische Netzwerke in der Demokratie befördert. ...

Aus: "Alternativmedien: Die Stimmen des digitalen Untergrunds"  Markus Linden (10.10.2015)
http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/die-stimmen-des-digitalen-untergrunds-1.18627359


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hamu66 Andreas Steiner • vor 4 Monaten
Ganser sagt, er wäre bereits vor seinen Recherchen über 9/11 von Kollegen gewarnt worden und nach der Publikation eines Artikels im Tages-Anzeiger kam es zum Eklat und Proteste seitens der US-Botschaft. Heute arbeitet er für die Uni Basel, wobei offenbar explizit vereinbart wurde, dass 9/11 kein Thema sein dürfe. Das ist eine klare Beschneidung der akademischen Freiheit. ...
Seine Dissertation über die Nato-Geheimarmeen war die Erste Publikation über dieses Thema und er gehört zu den sehr seltenen Forschern, die solche Themen überhaupt wissenschaftlich behandeln. Die meisten anderen schauen einfach weg, um keine Probleme zu kriegen.


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Paul Hansen • vor 4 Monaten
... Zur Wortwahl: „Alternativmedien“ ist genauso eine Augenwischerei wie „Alternativmedizin“. Ein Medium ist ein Medium, egal was darüber vermittelt wird. Papier bleibt Papier, egal ob da Focus oder Compact drauf steht. Der Unterschied zwischen etablierten Medien und den sogenannten „Alternativmedien“ ist, daß Letztgenanntere lediglich Meinungen und Interpretationen verbreiten. Diese ganzen „Alternativmedien“ können mangels Infrastruktur (Korrespondentennetzwerk in aller Welt, direkt vor Ort) gar keine Nachrichten präsentieren, sie können nur auf Nachrichten der so geschmähten Mainstreammedien zurückgreifen, diese interpretieren und damit Meinung machen. Verbunden mit der Aufforderung an die Konsumenten, eben jene Medien, aus denen sie sich bedienen, zu meiden, ist das perfide an dieser Meinungsmache.


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Mara Podolski • vor 4 Monaten
Neue Medien. Schön, dass man bei NZZ auf das Thema zu sprechen kommt. Lange hat es gedauert. Der Politikwissenschaftler Dr. Markus Linden hat mit seinem Beitrag dazu auch eine recht akzeptable Arbeit abgegeben. Offensichtlich, so Linden, deckten die etablierten Medien das Meinungs- und Interessenspektrum der Bevölkerung nicht mehr ausreichend ab, was als Grund für die Alternativmedien im digitalen Untergrund erkannt wird. Damit darf man noch gleicher Meinung sein, an Lindens Wortwahl ist jedoch bereits die Unzulänglichkeit seiner Stellungnahme auszumachen. Prangert er die für die neuen Sprachrohre im Internet Schlagwörter wie Lügenpresse, Mainstream-Medien, Parteidiktatur und ähnliches mehr an, so verwendet er sie im gleichen Atemzug Ausdrücke wie alternativ, radikal, polemisch oder fundamental. Schon mit dem Titel werden die neuen Medien in eine Ecke gedrängt: Untergrund: Wer verbindet damit Gutes? Die Schubladisierung ist somit bereits erfolgt. Hierin liegt des Pudels Kern.

Die hohe Anziehungskraft kontroverser politischer und sozialer Plattformen im Netz ist demnach nicht wie Linden behauptet, ein Zeichen der Krise, im Gegenteil, es ist der Ausdruck der gelebten Demokratie, ein Manifest der Informationsfreiheit. Freilich gibt es unter den neuen Medien auch höchst fragwürdige Plattformen. Keine Frage. Internet-Aktivisten aber, die eine Aushöhlung der Volkssouveränität feststellen, auf das sinnenentleerte Wesen des Finanzmarktkapitalismus hinweisen oder die Unausgewogenheit der Berichtserstattung in den etablierten Medien bemängeln, bewegen sich noch lange nicht im Untergrund. Es gibt darunter auch sehr viele Zeitgenossen, die bereit sind, selbständig zu denken. Menschen, die nicht gewillt sind, einfach hinnehmen , was ihnen vorgesetzt wird. Denn man wisse: Die Wahrheit wurde im Interesse einiger weniger längst politisiert.


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Peter Schmid • vor 4 Monaten

"1. Alternativmedien offerieren eine vermeintlich realistische Sichtweise der internationalen Ordnung. Diese interessenfixierte Herangehensweise mag oft nicht zutreffend sein,..."

Es gibt auch andere Stimmen, welche dem widersprechen und dies begründen:
"Wir können mit Gewissheit die Schlussfolgerung ziehen, dass der einzig ehrliche Journalismus in den Vereinigten Staaten durch alternative Medien und das Internet betrieben werden."
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Dr. Paul Craig Roberts, 31.03.2015: Mexikos Presseclub zeichnet mich mit Internationalem Preis für exzellenten Journalismus aus

... Gerald Celente bezeichnet Journalisten in den USA als „Presstitutes“, ein Begriff, der sich aus dem Wort „Presseprostituierte“ zusammensetzt.  Um es in anderen Worten auszudrücken, hat sich das Gros der Journalisten in den USA zu Prostituierten der Regierung und der Konzernunternehmen degradiert.

Die wenigen echten Journalisten, die noch verbleiben, ziehen sich verstärkt zurück. Im vergangenen Jahr hat auch Sharyl Attkisson, eine 21-jährige Reporterveteranin in Diensten von CBS, ihren Dienst aufgegeben, mit der Begründung, dass es zu einem zu großen und energieraubenden Kampf geworden sei, über wahre Begebenheiten zu berichten. Sie war frustriert, dass CBS die eigene Rolle der Berichterstattung in einer Art und Weise definierte, die sich allein am Schutz der Interessen der Mächtigen ausrichtete. Für Kritik gibt es also keinen Raum mehr.

Kürzlich gab auch Peter Osborne, politischer Chefkommentator des britischen Daily Telegraph zum Besten, was ihn dazu bewegte, seine journalistische Tätigkeit aufzugeben. Osbornes Berichte über die Missetaten des Bankengiganten HSBC wurden nicht veröffentlicht, weil HSBC einer der wichtigsten Werbetreibenden für den Daily Telegraph ist. Osborne sagt: Die Berichterstattung über die Machenschaften bei HSBC im britischen Telegraph sind nichts anderes als Betrug an der eigenen Leserschaft. Wenn große Tageszeitungen Konzernunternehmen erlauben, deren Berichterstattung zu beeinflussen, weil sie aus Furcht vor Anzeigenverlusten auf diese Art und Weise handeln, befindet sich die Demokratie an sich in großer Gefahr. ...
http://www.cashkurs.com/kategorie/wirtschaftsfacts/beitrag/mexikos-presseclub-zeichnet-mich-mit-internationalem-preis-fuer-exzellenten-journalismus-aus/

Warum kommen in den Medien praktisch nur Experten zu Wort, welche das Narrativ Washingtons unterstützen und Putin in ein schlechtes Licht stellen? Hochrangige Experten, Insider usw. welche dem Narrativ widersprechen werden nicht berücksichtigt: Paul Craig Roberts, Ray McGovern, Jürgen Scholz, Robert Parry und viele andere mehr.

Bezeichnend, dass Daniel Ganser seine Stelle an der Universität verlor. Damit ist allen klar, was ihnen blüht, wenn sie nicht-konforme Thesen vertreten.

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jonumber1 Peter Schmid • vor 4 Monaten

"Paul Craig Roberts, Ray McGovern, Jürgen Scholz, Robert Parry und viele andere mehr."

Einige von ihnen haben aber eine enorme Medienpraesens.

"Bezeichnend, dass Daniel Ganser seine Stelle an der Universität verlor. Damit ist allen klar, was ihnen blüht, wenn sie nicht-konforme Thesen vertreten."

Hatte er einen befristeten Vertrag oder wurde sein Vetrag gekuendigt? Es gibt fast keine unbefristeten Vertraege mehr.

Ich sehe die "Alternative Medien" positiv. Wobei sie das Recht haben, genauso kritisch betrachtet zu werden wie die "alten" Medien. Das Wort "alternativ" ist allerdings nicht angebracht, da man jetzt schon sieht, dass sie die gleichen Fehler machen und Maengel haben wie die "alten" Medien. Sobald etwas neu scheint, ist es eben schon wieder alt.


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hamu66 jonumber1 • vor 4 Monaten

"Einige von ihnen haben aber eine enorme Medienpraesens."

Nicht in den traditionellen Medien.

"wurde sein Vetrag gekuendigt?"

Bei der ETH kam es zum Eklat, hat also schon eine politische Dimension.



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Peter Schmid • vor 4 Monaten

Man findet überall Problematisches bezüglich Wahrheitsgehalt, Vorgehen usw. Die Verantwortung der offiziellen Medien ist aber entsprechend grösser und entsprechend folgenschwer irreführende Informationen. Entsprechend kritischer sollte man die offiziellen Medien betrachten. Dazu ein wichtiger Artikel:

... Wer nur ein bisschen überlegt, was die Zeitungen unkritisch abdrucken, der kann ihnen kein Glauben mehr schenken. Die Lügen im Vorfeld des 2. Irakkrieges, welche die Journalisten unkritisch verbreiten halfen und die als Konsequenz 1 Mio Tote und ein zerstörtes land zur Folge hatten, sollten eine Lehre sein. Man erinnere sich auch an die Schlagzeile "Russland marschiert in die Ukraine ein". Wo blieb hier der kritische Journalismus? Das Phänomen alternativer Medien ist die Folge eines schwerwiegenden Versagens der offiziellen Medien, welche, das haben viele Menschen erkannt, nicht mehr informieren sondern indoktrinieren.

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Robert Häberli Peter Schmid • vor 4 Monaten

Einspruch: Russland ist tatsächlich in die Ukraine einmarschiert (August 14), sonst wäre der 'Aufstand' dort schon längst 'erledigt', waren doch die ukrainischen Truppen zu diesem Zeitpunkt gerade daran, 'tabula rasa' zu machen.
In diesem Punkt haben die offiziellen Medien anders versagt: statt Ross und Reiter beim Namen zu nennen, wurde dauernd im Konjunktiv berichtet, wo eh alles mit den grünen Männchen klar war. Dass dann Korrespondenten auch noch die Geschichte von den Russen,die Urlaub machen, z.T. unkritisch übernahmen, ist ein Tiefpunkt journalistischer Demagogie bzw., wäre es nicht wahr, man könnte es nicht glauben.



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[...]Am 14. Februar vergangenen Jahres erschien in der "Schweiz am Sonntag" ein Bericht über "Die Ganser-Verschwörung". In der Polemik ging es um den Schweizer Friedensforscher Daniele Ganser, der als "smarter Wissenschaftler" auftrete, zu "fast allen" Konflikten "etwas zu sagen habe" und Verschwörungen "wittert". Der Makel des promovierten Historikers: Er hinterfragt die offiziellen Versionen der aktuellen Geschichte, wie etwa bei 9/11, den Anschlägen auf Charlie Hebdo oder beim Ukraine-Konflikt.

Seine Doktorarbeit hat er über die Nato-Geheimarmee geschrieben und ist bisher unwiderlegt. Im Zeitungsartikel wird angeführt, Ganser habe schon mal auf einem Kongress des umstrittenen Sektenpredigers Ivor Sasek referiert, der auch Holocaust-Leugnern eine Plattform biete. Und er sei in YouTube-Kanälen wie "KenFM" präsent.

Im Oktober zieht dann die "Neue Zürcher Zeitung" mit einem Artikel über "Die Stimmen des digitalen Untergrunds" nach. Hier wird Ganser als "Star" einer Szene "radikaler Systemkritik" bezeichnet, als "Meister des Subtextes", der es aber "rhetorisch brilliant" verstehe, "gerade keine geschlossene Verschwörungstheorie" zu präsentieren.

Warum Ganser, zwar "stets an Fakten orientiert", aber "jeden Moderator" des deutschen Fernsehens "vor Probleme stellen würde", bleibt in dem Artikel unklar. Stattdessen auch hier der Verweis auf die Sasek-Veranstaltung. Der ganze Tenor des Artikels zielt darauf ab, mediale Äußerung außerhalb des etablierten Mainstreams in die Verschwörungsecke zu stellen.  ...


Aus: "Die Quer- und Queerfront" Rudolf Stumberger (16.02.2016)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/47/47386/1.html (http://www.heise.de/tp/artikel/47/47386/1.html)

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hanslimaa, 16. Februar 2016 14:30
OT: Liste mit wahren verschwörungstheorien

Hat hier vielleicht jemand eine Link zu einer Auflistung angeblicher
Verschwörungstheorien die sich im Nachhinein als wahr herausgestellt
haben?

http://www.heise.de/tp/foren/S-OT-Liste-mit-wahren-verschwoerungstheorien/forum-297260/msg-27132809/read/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on February 16, 2016, 04:57:04 PM
Weitere Kommentare zu:
http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/die-stimmen-des-digitalen-untergrunds-1.18627359

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Andreas Steiner Heinrich Frei • vor 4 Monaten

Meiner Meinung nach sind Alternativmedien, wenn überhaupt, dann nur als ergänzende Medien brauchbar. Das meiste ist tendenziös und schlicht und einfach unprofessionell, was sich insbesondere im fahrlässigen Umgang mit Fakten äussert. Die meisten Alternativmedien sind genau keine "Alternativen", sondern Sprachrohre spezifischer Ideologien, die generell Freiheit (insbesondere Meinungs- und Pressefreiheit) mit "Beliebigkeit" verwechseln. Die heute zur Verfügung stehenden Alternativmedien sind gut zur Rückbestätigung vorgefasster Meinungen, aber denkbar ungeeignet als Informationsquellen um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Das Internet ist aber noch jung. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Medienangebote als auch die Medienkonsumenten mit den Jahren reifer werden.
KenFM ist für mich übrigens ein Paradebeispiel eines qualitativ auf sehr tiefem Niveau arbeitenden Journalismus, höchst tendenziös und unprofessionell auf verschiedensten Ebenen. Als gefährlich stufe ich dies aber nicht ein, da irrelevant in der realen Welt und längerfristig selbsteliminierend.

Quote
hamu66 Andreas Steiner • vor 4 Monaten

"Das meiste ist tendenziös und schlicht und einfach unprofessionell, was
sich insbesondere im fahrlässigen Umgang mit Fakten äussert."

Gilt nicht minder für die traditionellen Medien, ganz im Gegenteil: dort ist die Propaganda meist noch viel unverfrorener.

"Die meisten Alternativmedien sind genau keine "Alternativen", sondern
Sprachrohre spezifischer Ideologien"

Jedes Individuum und somit auch Medium ist ideologisch geprägt. Manche sind sich dessen bewusst, andere nicht.

"Die heute zur Verfügung stehenden Alternativmedien sind gut zur
Rückbestätigung vorgefasster Meinungen, aber denkbar ungeeignet als
Informatiosquellen um sich eine eigene Meinung bilden zu können."

Gilt für praktisch alle Medien. Deshalb ist die Vielfalt essenziell.

"Ich kann mir gut vorstellen, dass die Medienangebote als auch die Medienkonsumenten mit den Jahren reifer werden."

Sie werden reifer, indem sie sich vielfältiger informieren.





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Andreas Steiner hamu66 • vor 4 Monaten

Alternativmedien bieten keine Vielfalt, sondern zeichnen sich genau aus durch ihre kleine Anzahl von äusserst simplistischen Erklaerungsmustern wie Verschwoerungen von Organisationen gegen die Allgemeinheit, Antiamerikanismus, Antikapitalismus.

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hamu66 Andreas Steiner • vor 4 Monaten

"Äusserst simplistisch" ist Ihre Wahrnehmung der Alternativmedien, die Sie ganz offensichtlich nur oberflächlich kennen.



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"Beck mag kein Feed Back" Markus Kompa (22.02.2016)
Grüne Marieluise Beck will Fernsehkritikerin Geheimdienst schicken ... Nun will die Berufspolitikerin Marieluise Beck (Bündnis 90/Die Grünen) die Ständige Publikumskonferenz vom Verfassungsschutz bespitzeln lassen. Dem Deutschlandfunk sagte sie:
"Was noch nicht belegt ist und wo ich hoffe, dass der Verfassungsschutz endlich nachhakt, ist die Frage, wer die ominöse "Maren Müllers ständige Publikumskonferenz" ist, die jede Redaktion bombardiert mit Briefen, Protestbriefen, und so systematisch zu einer gewissen Einschüchterung sogar in den Öffentlich-Rechtlichen führt." ...
http://www.heise.de/tp/news/Beck-mag-kein-Feed-Back-3114848.html

Marieluise Beck (* 25. Juni 1952 in Bramsche) ist eine deutsche Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen. Sie ist Mitglied des Bundestags und Sprecherin für Osteuropapolitik ihrer Partei. Sie war von 2002 bis 2005 parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und von 1998 bis 2005 Ausländerbeauftragte der Bundesregierung. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Marieluise_Beck
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on March 01, 2016, 07:54:04 AM
"Unser Ruf steht auf dem Spiel" Giovanni di Lorenzo (29. Februar 2016)
Das Vertrauen in die Medien schwindet, nicht nur bei Pegida und der AfD. Es ist Zeit für Selbstkritik – und jede Menge Mut! Die "Dresdner Rede" ... Während wir Journalisten selbst uns weiterhin als "vierte Gewalt" verstehen, sind wir neuerdings mit einem Vorwurf konfrontiert, der diesem Selbstverständnis diametral gegenübersteht und besonders ehrenrührig ist: "Lügenpresse!" oder "Systemmedien!" werden wir jeden Montag vor allem hier auf Dresdens Straßen beschimpft, von Plakaten, aber auch in Onlinekommentaren und manchmal sogar live bei Veranstaltungen. Die Beleidiger wollen unsere Integrität und damit nicht weniger als das Fundament unserer Arbeit infrage stellen. Es handelt sich bei ihnen vor allem um Menschen, die sich längst in einer Parallelwelt bewegen: Ihre Informationen suchen sie sich selbst zusammen und bedienen sich dafür dort, wo sie ihre eigene Meinung bestätigt sehen. Und auch auf Facebook – dem Algorithmus sei Dank! – werden ihnen nur noch Texte angeboten, die zu ihrer Weltsicht passen. Unsere Medienwelt haben diese Leute längst verlassen, wenn sie da vorher überhaupt jemals waren. ... Was mich aber beunruhigt, ist, dass die Zweifel an unserer Integrität mittlerweile weitere Teile der Gesellschaft haben. Sie reichen bis in das Umfeld von Menschen, die unsere Zeitung durchaus lesen, die wir kennen, mit denen wir vielleicht sogar befreundet sind. Ich bin sicher, Sie wissen, wovon ich spreche. Wenn Sie wüssten, wie viele Zuschriften von Lesern und Abonnenten uns wöchentlich erreichen, in denen ganz vernünftig erscheinende Schreiber den Verdacht begründet sehen, dass wir in irgendeiner Art und Weise "gesteuert" seien, wahlweise von der aktuellen Regierung, Dax-Unternehmen oder den USA, Sie würden wie ich erschaudern. ...
http://www.zeit.de/kultur/2016-02/dresdner-rede-dresden-giovanni-di-lorenzo

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TSF #20 

Mich hat diese Rede beeindruckt.
Zu dem Absatz "...Wir selbst sind zum Thema geworden und müssen uns dem Bedürfnis nach mehr Verständnis widmen. Was also können wir in Zukunft besser tun?" wäre meine Antwort: Nicht die persönliche Meinung des Autors ist immer das was interessant, sondern Zahlen, Fakten, Belege, Aufklärung. Weniger Betroffenheit und Pauschalierungen. Nicht in der Überschrift die Antwort verkaufen, suggestiv ala "Warum diese oder Jenes Richtig ist" sondern hinterfragen, ob es richtig sein kann... und wie ich schon einmal sagte, nicht den Versuch zu unternehmen als 2. Regierungssprecher zu agieren...


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Neutraler Bürger2 #21

"Lügenpresse!" oder "Systemmedien!"
Das hat die Presse bzw. Journalisten bis ins Mark getroffen. Man hätte sicherlich auch "nettere" Begriffe" anwenden können, aber die Kernaussage ist nicht so falsch. Gefälligkeitsjournalismus wäre sicherlich konzilianter gewesen. Mit den Vorwürfen muss die Presse leben. ...


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Jean Petit #21.3 

Früher in den 60er/70er Jahren fand ich es beim "Internationalen Frühschoppen" (mit Wein) spannend und interessant, wenn unter den eingelandenen Journalisten auch jemand aus dem damaligen Ostblock (z.B. der Sowjetunion) dabei war. Dann gab es immer einen offenen und kritischen Dialog.

Heute - im Pressclub - sitzen oftmals Journalisten am Tisch (ohne Wein), die mehr oder minder, offen oder verdeckt die gleiche (hiesige/westliche) Anschauung über die Welt und den Gang der Dinge teilen. ...

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Poncho43 #21.5

und Tabak, bis Moderator und Gäste für die Zuschauer nicht mehr sichtbar waren. Das waren noch Zeiten!




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deep_franz #23

Meines Erachtens der Kernsatz
"So zum Beispiel, dass eine Nachricht Informationen zusammenfasst, ein Kommentar aber ein Meinungsstück ist, das ruhig polarisieren und nicht Allwissenheit demonstrieren soll!"
Das entspricht ziemlich genau dem, was ich als Kritik schon etliche male geäußert habe, nur daß Herr di Lorenzo es genau in den umgekehrten Zusammenhang stellt, wenn er den Satz "Viele Menschen heute kennen den Unterschied zwischen verschiedenen journalistischen Formaten nicht mehr." voranstellt. Das ist mit Sicherheit richtig, bloß scheint es mir, daß auch etliche im Journalismus tätige Menschen diesen Unterschied nicht mehr kennen oder böse gedacht nicht kennen wollen.
Ein Bericht sollte m.E. eher frei sein von allzu blumigen Adjektiven und dem Format der drehbuchhaft auf verschiedenen Handlungsebenen erzählter Geschichten.
Dem so gekennzeichneten Kommentar hingegen ist alles erlaubt. Das Wort "Kommentar" ist die Absolution dafür nicht faktisch zu berichten sondern Meinung zu äußern.
Ich glaube, Journalisten und Redakteure sollten sich bei allen Artikeln sehr genau selbst prüfen, in welchem Format sie sich eigentlich gerade ausdrücken. Daß es dann trotzdem Leser gibt, die einen Bericht nicht von einem Kommentar unterscheiden können, ist dann nachgelagertes Künstlerpech, aber erstmal liegt in der Pflicht des Schreibenden, dieses deutlich zu machen.
Wenn man missverstanden wird, sollte man sich in erster Linie fragen, ob dies nicht am eigenen Ausdruck liegt.



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K. Hofer #29

Eine gleichermaßen gute und tiefgründige Rede von Herrn di Lorenzo, die es an der gebotenen Selbstkritik gegenüber der " vierten Gewalt " nicht fehlen ließ.

Meiner Wahrnehmung nach beruht die zunehmende Skepsis gegenüber den Medien nicht nur auf der von Herrn di Lorenzo zu recht angesprochen Neigung zur Skandalisierung auch in seriösen Medien. Sie beruht in erster Linie darauf, daß sich viele Jouranalisten nicht mehr mit ihrer primären Aufgabe als Berichterstatter begnügen, sondern - auch außerhalb von Kommentaren - eine Berichterstattung häufig mit wertenden Botschaften verknüpfen. Daß bei manchen, zumal hochpolitischen Themen die gebotene Selbstbeschränkung auf eine reine Sachberichterstattung schwer fallen mag, sei koinzidiert; sie sollte jedoch dem ureigenen journalistischen Selbstverständnis geschuldet sein.


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Runkelstoss #33

Haarsträubende Theorien über eine Steuerung der Medien "von oben"

Das ist sicher haarsträubend, aber 'Groupthink' ist es nicht. Ich habe das mehrfach in meinem Leben erlebt. Zunächst in der Zeit der Anti-Vietnam Demonstrationen, dann in der Zeit der Ant-AKW Bewegung, dann in den Jahren in denen wir alle eine neoliberale Gehirnwäsche verpasst bekamen und Geldanlagen am neuen Markt ein Muss waren.

Gruppendenken mag nicht vermeidbar sein. Aber wenn die Mehrheit der Medien immer und immer wieder in die gleiche Kerbe haut, die gleichen Argumente vorbringt, dann sollte man mißtrauisch werden, vor allem als Journalist und als Bürger sowieso. Darüber hinaus gilt mehr denn je, die herrschenden Medien sind die Medien der Herrschenden.


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Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on March 31, 2016, 01:17:23 PM
"Sind Medien Komplizen der Terroristen?" Thomas Stadler (23.3.16)
Medien sind Komplizen der Terroristen schreibt Florian Rötzer auf Telepolis und ich habe mich spontan gefragt, ob man das wirklich so sehen kann und ob die Medienberichterstattung nach Anschlägen wie denen in Brüssel den Terroristen in die Hände spielt.
Richtig an der These Rötzers ist sicherlich, dass Terroranschläge in europäischen oder westlichen Metropolen ungleich mehr mediale Aufmerksamkeit erzeugen, als vergleichbare Anschläge im Irak, in Afghanistan oder einem afrikanischen Staat. Selbst die Terroranschläge von Ankara und Istanbul verursachen in der westlichen Welt nicht annähernd das mediale Echo, wie die Anschläge in Brüssel oder Paris.
An der geographischen Nähe alleine kann es nicht liegen, denn New York ist weiter entfernt von München oder Berlin als es Istanbul oder Ankara sind. Das Kriterium ist also die Zugehörigkeit des betroffenen Staates zur westlichen Welt, zu der man die Türkei wohl nur bedingt zählt. Die Medien interessieren sich umso mehr für Terroranschläge und die Öffentlichkeit fühlt sich umso mehr unmittelbar betroffen, als es sich um Anschläge innerhalb des eigenen Kulturkreises handelt, zu dem man primär die Staaten der EU und die USA zählt.
Und es gibt offensichtlich einen Zusammenhang zwischen intensiver und alarmistischer Berichterstattung, die zwangsläufig auch die Angst der Menschen steigert, einerseits und dem Anreiz für Islamisten andererseits,Terroranschläge gerade in westlichen Großstädten zu verüben. ...
http://www.internet-law.de/2016/03/sind-medien-komplizen-der-terroristen.html

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"B.Z. dokumentiert "Böhmermann Gedicht": So erklärte Böhmermann den Unterschied zwischen Schmähkritik und Satire" (11. April 2016 18:54, Aktualisiert 12.04.2016)
Sein Schmähgedicht über Recep Tayyip Erdogan (62) in der ZDF-Sendung „Neo Magazin Royale“ vom 31. März sorgt für diplomatische Verwerfungen und wird allerorten kontrovers diskutiert. Doch der Vortrag der unflätigen Zeilen über den türkischen Präsidenten stand nicht für sich allein.
Ihm voran ging ein Dialog zwischen Jan Böhmermann und seinem TV-Partner Ralf Kabelka, in dem er klarmacht, was er beabsichtigt. Auch nach dem Gedicht unterstreicht er noch einmal seine Absichten. Lesen Sie selbst! ...

http://www.bz-berlin.de/deutschland/so-erklaerte-boehmermann-den-unterschied-zwischen-schmaehkritik-und-satire


"Jan Böhmermann: Der Saboteur im Maschinenraum"
Der Satiriker Jan Böhmermann bekommt den Grimme-Preis. Stets stellt er den Medienbetrieb bloß und bleibt Herr des Verfahrens. Jetzt scheint es ihm erstmals zu entgleiten.
http://www.zeit.de/kultur/film/2016-04/jan-boehmermann-zdf-grimme-erdogan/komplettansicht

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Denkerman #24

Das Gedicht war wirklich keine Sternstunde von JB.

Daß es eine Staatsaffaire auslöst hätte ich aber nicht gedacht.

Bleibt zu hoffen, dass der Sultan nicht JBs Auslieferung fordert. Ich bin mir nicht mehr sicher ob Merkel dies ablehnen könnte.


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ngo42 #42


Jan Böhmermann ist und bleibt Herr des Verfahrens, die Bundesregierung muss erst einer Strafverfolgung zustimmen, da es sich um die Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes handelt, Altmeier geht nicht ohne Grund auf Tauchstation, denn die Bundesregierung hat sich selbst in eine Zwickmühle gebracht, entweder sie schützt einen deutschen Satiriker oder sie hilft einem Despoten. Sollte es tatsächlich zu einem Prozess oder gar zur einer Verurteilung kommen, wäre Böhmermann geadelt, Merkel aber vollständig demaskiert, als opportunistische Helferin eines islamistischen Gewaltherrschers.

"In Paragraf 104a des Strafgesetzbuches ist unter anderem geregelt, dass Straftaten gegen ausländische Staaten nur dann verfolgt werden, wenn die Bundesrepublik Deutschland zu dem betroffenen anderen Staat diplomatische Beziehungen unterhält, ein Strafverlangen der ausländischen Regierung vorliegt und die Bundesregierung die Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilt." Tagesschau.de



"Wie Böhmermann alle an die Wand spielt" Hilmar Klute (9. April 2016)
 Triumph der Satire: Von der Wirkung, wie sie Böhmermanns Schmähgedicht verursacht hat, können andere Fernsehkabarettisten nur träumen. ... Ist es geschmacklos, rassistisch oder einfach nur frecher, schamverletzender Humor, der das Publikum herausfordert? Fest steht jedenfalls: Jan Böhmermann hat mit seinem Gedicht auf den türkischen Staatspräsidenten Erdoğan viele Gemüter erhitzt. Moralisten und kulturelle Anstandshüter fordern eine Entschuldigung für die unerhörte Böhmermann-Volte.
Inzwischen ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft gegen den Komiker, außerdem ist seine Satire zum Fall für die Diplomatie geworden, denn sogar die Bundeskanzlerin schaltet sich ein und nennt Böhmermanns Gedicht "absichtlich verletzend". ...
http://www.sueddeutsche.de/medien/satire-in-deutschland-wie-boehmermann-alle-an-die-wand-spielt-1.2941348

http://www.sueddeutsche.de/leben/essay-ueber-jan-boehmermann-triumph-der-satire-1.2937851?reduced=true


"Wir haben Türken in Istanbul das Böhmermann-Gedicht vorgelesen" Çiğdem Akyol (April 8, 2016)
http://www.vice.com/de/read/wir-haben-tuerken-in-istanbul-das-boehmermann-gedicht-vorgelesen-264

Dennis Knickel ·
Deutschlands erster Straßenleser at Dennis Knickel
Ein Artikel zum Fremdschämen.

Kai Koistinen ·
Karlsgymnasium Bad Reichenhall
Hm, dieser - sorry - extrem dämliche "investigative" Versuch zeigt, dass die Autoren und Urheber dieser Idee offenbar noch nicht einmal im Ansatz begriffen haben, worum es bei der ganzen Aktion ursprünglich ging.Und nicht eine der Reaktionen derjenigen, denen nun allein das Gedicht vorgeleßen wurde, ist auch nur ein klein wenig überraschend. Der ist so unfassbar daneben, euer Artikel, das ist echt erschütternd. Erinnert mich von der ganzen Herangehensweise an RTL exklusiv Weekend.

...


Was darf die Satire? Sehr viel, und manchmal sogar: alles.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/jan-boehmermann-wenn-die-grenzverletzung-die-botschaft-ist-a-1086338.html


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... "Ein Kunstwerk", urteilt Döpfner über Bömermanns Aktion - und stellt fest:

    "In Deutschland brach eine Art Staatskrise aus, nur weil Sie Herrn Erdogan als 'Ziegenficker' bezeichnet haben."

Döpfner schließt seinen offenen Brief mit den Worten:

    "Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen. Vielleicht lernen wir uns auf diese Weise vor Gericht kennen."


"Schmähgedicht-Affäre: Springer-Chef fordert "Solidarität mit Jan Böhmermann!"" (10.04.2016)
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/jan-boehmermann-springer-chef-mathias-doepfner-fordert-solidaritaet-a-1086381.html


"Erdogan, Böhmermann und die Satire Der beste Witz, das sind wir selbst" Jost Müller-Neuhof (08.04.2016)
Satire muss manchmal mit dem Recht brechen, wenn sie gut sein will. Jan Böhmermann hat beides geschafft. Ein Kommentar
Herr Böhmermann hat das Recht zu schweigen, aber alle Witze, die er jetzt noch reißt, können gegen ihn verwendet werden. Der Entertainer aus dem ZDF ist da, wo er hin wollte, Beschuldigter in einem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren. Die einen mögen das komisch finden, anderen wird dabei komisch. Die Frage lautet: Ist es komisch? Sollen wir lachen?
Hoffentlich am Ende. Der politische Witz, und um ihn geht es hier, hat zuweilen katastrophale Folgen. Das Attentat auf die Karikaturisten von Charlie Hebdo zeigt seine Wirkkraft wie die Welle von Solidarität und Mitgefühl, welche die Bundeswehr mit ihrem syrischen Anti-IS-Einsatz bis in den ersten Bündnisfall der europäischen Geschichte getragen hat. Ein Dutzend islamkritischer Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung genügten vor zehn Jahren für eine weltweite Erschütterung, die bis heute jedenfalls in der arabischen Welt zu spüren ist.
Jetzt Präsident Erdogan und die Türkei – ausgerechnet jenes Land, das die Kanzlerin in einer gewagten flüchtlingspolitischen Volte vom Paria zum Partner erkor. Und wie bedanken wir uns? Mit Extra Drei und Böhmermann. ...
Es muss Grenzen geben, grummelt vielstimmig ein Chor aus FAZ und Facebook, taz und Twitter. Klar, aber: Wo liegen sie? Im Rechtsverstoß, brummen Staatsträger weise, nur geben sie damit eine Antwort, die keine ist. Denn das Recht kennt die Grenzen nicht. Entgegen landläufiger Ansicht gibt es in Deutschland keine Satire, die „verboten“ wäre, auch wenn Böhmermann seine viele empörenden Erdoganverse so ankündigt. Es gibt nur Satire, und zwar einige, die tatsächlich gerichtlich verboten wird, weil sie Persönlichkeitsrechte oder Strafgesetze verletzt.
Jedem steht es frei, sich darauf einzulassen und auszutesten, wann die Rechts- und Staatsanwälte auf den Plan treten. Die Meinungsfreiheit ist, alles in allem, eine gut begehbare Zone, die allerdings an ihren Rändern in leuchtendem Grau erstrahlt. Wer einen anderen Menschen tötet, schlägt oder bestiehlt, wird wegen eben dieser Delikte bestraft. Andere kritisieren, sie zu attackieren, zu schmähen oder gegen sie zu hetzen, spiegelt dagegen einen Ausschnitt aus der Vielfalt menschlicher Äußerungsformen, die prinzipiell alle unter dem Schutz des Grundgesetzes stehen. Die konkrete Rechtsverletzung ist eine Frage der Umstände und des Einzelfalls, des Inhalts und Zusammenhangs, kurz: Wer auch nur annähernd eine Wertung angeben möchte, ob eine Aussage „verboten“ werden sollte/könnte/müsste, kommt mit der Formel, dass es irgendwo Grenzen gibt, nicht weiter. ...

http://www.tagesspiegel.de/politik/erdogan-boehmermann-und-die-satire-der-beste-witz-das-sind-wir-selbst/13418440.html


"Verbalnote an die Bundesregierung Türkei will Strafprozess gegen Jan Böhmermann" Stephan-Andreas Casdorff (10.04.2016)
Die türkische Regierung erwartet eine Strafverfolgung des Komikers Jan Böhmermann wegen dessen Erdogan-Satire im ZDF. Die Bundesregierung will nun den Inhalt einer Verbalnote des türkischen Botschafters "sorgfältig prüfen". ...
http://www.tagesspiegel.de/politik/verbalnote-an-die-bundesregierung-tuerkei-will-strafprozess-gegen-jan-boehmermann/13426558.html


"Böhmi und die großen Fragen der Verfassung"  Gedankenprotokolle (09.04.2016)
Eine rechtliche Analyse Ein Beitrag über Böhmi und die Grenzen der Meinungsfreiheit: Wann wird Satire zur Beleidigung? Der Fall Böhmermann führt unmittelbar zu Fragen über Staat und Verfassung ... Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Gedankenprotokolle
https://www.freitag.de/autoren/gedankenprotokolle/boehmi-und-die-grossen-fragen-der-verfassung

"Böhmermann-Identität / Böhmermann-Kimlik" Heinrich Schmitz (9. April 2016)
Hätte Böhmermann nur und ohne jedes Drumherum sein von ihm selbst so angekündigtes „Schmähgedicht“ vorgetragen, läge ziemlich sicher eine Beleidigung vor. Über den schmähenden, ehrverletzenden Inhalt des Gedichtes bräuchte man gar nicht zu streiten. Was den reinen Text angeht, hat Frau Merkel mit ihrer Meinung, dass es sich um   “bewusst verletztenden Text handelt” ja durchaus Recht. Das Gedicht enthält so ziemlich alle stereotypen türkenfeindlichen Beleidigungen, die man seit Jahrzehnten so von früher schon besorgten Bürgern, Türkenhassern und manchem Schulhof kennt. Böhmermann hat aber eben nicht einfach  nur diesen Text vorgetragen. Er hat ihn in einer Rechtskunde ähnlich anmutenden Form, mit ironischem Blick als Beispiel für eine gerade nicht erlaubte Schmähkritik vorgelesen. Können diese Augen  die Wahrheit sagen? Und er hat ihn eben nicht in einem journalistischen Format vorgetragen, sondern in  einer – wie er das selber nannte – Quatschsendung. Das dürfte juristisch nicht so einfach sein, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch die Wertung der Kanzlerin, dass es sich bei Böhmermanns Stück um einen “bewusst verletzenden Text” handelte, hilft nicht wirklich, da „der Text“ als solcher ja nur Teil der Inszenierung war. Bewertet werden muss aber das Gesamtpaket und nicht nur ein Teil davon. ... Nein, Satire darf nicht alles, aber sie darf eine ganze Menge. Ob die Grenzen des Erlaubten überschritten wurden, kann man nicht so hopplahopp feststellen. Das bedarf eine gründlichen Analyse, ganz losgelöst von Aufgeregtheiten. ... Wollte er wirklich Erdogan beleidigen? War der wirklich der Adressat des Beitrags?  Oder richtete seine „Präsidentenbeschimpfung“ sich nicht vielmehr gegen diejenigen deutschen Kommentatoren und Politiker, die in der Woche zuvor angesichts des extra3-Beitrages „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ und der damit verbundenen Einladung oder Einbestellung des deutschen Botschafters in der Türkei, vollmundig  und mit dicker Hose das hohe Lied der deutschen Meinungsfreiheit gesungen hatten. ... Wie fragil das auch in Deutschland alles ist, hat Böhmermann mit Ansage eindrücklich vorgeführt. Wenn – und davon gehe ich jetzt zunächst einmal aus – das ZDF hier nicht einfach mitgespielt hat und die Löschung des Beitrages zur vorher abgesprochenen Gesamtperformance gehörte, dann ist auch der Arbeitgeber ZDF dem „Clown“ Böhmermann übers Stöckchen gesprungen. Dann haben ihm alle, die sich zu dieser schrägen Nummer geäußert haben, einschließlich der Kanzlerin, bewiesen, dass die Meinungs- aber auch die Kunstfreiheit in Deutschland auch nicht schrankenlos ist, dass auch hier Regeln gelten, die dazu führen können, dass ein „Äußerer“ im schlimmsten Fall im Gefängnis landen könnte. Und dass das von aktuellen außenpolitischen Umständen und Befindlichkeiten  abhängen könnte. Dass es hier zwar andere Regeln gibt als in der Türkei oder andernorts, dass diese aber auch nicht ohne sind. ... Warum wir uns hier in Deutschland einen besonderen Ehrenschutz z.B. für Kim Jong-un, den feinen Herrn Assad oder den neuen Euro-Türsteher gönnen, kann ich auch nicht sagen und wenn Gideon Böss die Abschiebung des § 103 StGB in die Türkei fordert, schließe ich mich dem gerne an. Warum soll die Beleidigung dieser  Menschen einen höheren Unrechtsgehalt haben, als die Beleidigung von Herrn Hinz oder Frau Kunz? Müssten nicht die normalen Menschen einen viel größeren Schutz erhalten als die Mächtigen dieser Welt?...
http://diekolumnisten.de/2016/04/09/die-boehmermann-identitaet/


Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on April 11, 2016, 11:05:56 PM
"Muss man jetzt Böhmermann gut finden? Leider ja." Sören Heim (10. April 2016)
Wie dem auch sei: Die Reaktionen von Merkel und Erdo, dem streitend vereinigten Pressezirkus und den Menschen auf der Straße und vor allem im Netz machen aus Jan Böhmermann tatsächlich den großen Gesellschaftskritiker unserer Zeit. Das ist so traurig, dass man fast drüber lachen möchte. Hoffen wir mal, dass wenigstens, wenn es hart auf hart kommt, sich deutsche Gerichte so weise zeigen werden, ihn nicht durch eine Verurteilung quasi Heiligenstatus zu verleihen. Sonst marschieren am Ende wirklich demnächst Birkenstocks zu Ramstein durch Berlin, um den Böhmermann aus Tegel oder Moabit freizusprengen. ...
http://diekolumnisten.de/2016/04/10/muss-man-jetzt-boehmermann-gut-finden-leider-ja/

"Jan Böhmermann Spießbürger oder Nervensäge?"  Antonia Baum  (10.04.2016)
... Ein bezahlter Rebell wird von einer Institution, die ihn bezahlt und als Rebell installiert hat, gemaßregelt, nachdem dieser, mit Ansage, etwas falsch gemacht hat, das man in der Bundesrepublik Deutschland nicht falsch machen soll. Woraufhin die Regierung öffentlich sagt, dass jener Rebell da wirklich etwas falsch gemacht habe, die Staatsanwaltschaft, weil er mutmaßlich etwas falsch gemacht hat, aktiv wird und die Presse von ihrer Pressefreiheit Gebrauch macht, indem sie darüber streitet, ob der Rebell nun tatsächlich etwas falsch gemacht hat. Und die jungen Menschen Deutschlands (die Zielgruppe des ZDFs) zusätzlich und für nur 17,50 Euro das für das Erwachsenwerden so wichtige Gefühl geschenkt bekommen, ihnen stehe ein echter Rebell vor. Es läuft alles einwandfrei hier. ...
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/spiessbuerger-nervensaege-wer-ist-jan-boehmermann-14169789.html

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Böhmermanns Sendungen
Tobias Steinke  - 11.04.2016 10:53

Die Analyse krankt vor allem daran, dass die Autorin sich offensichtlich nur punktell mit den Sendungen von Böhmermann beschäftigt hat. Um dem Charakter näher zu kommen, müsste man schon auch seine Talkshows und Radioshows gesehen bzw. gehört haben. Und natürlich möglichst viele Sendungen vom Neo Magazin (Royal) und seine zahlreichen YouTube-Videos. So wirkt dieser Artikel doch letztlich nur wie eine Mischung aus "die letzten drei Sendungen gesehen" und "ein paar Internetkommentare gelesen".

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Vielen Dank!
Michael Schulz  (Nikedeimos) - 11.04.2016 08:33

Ich habe eher selten über meinen humoristischen Geschmack reflektieren wollen, aber dieser Artikel bot einen ausgezeichneten Anlass. Was Herrn Böhmermann fehlt ist das Theater, das Kaffeehaus und der Debattierklub. Es gibt keine Diversität an Rollen, wenn man nur sich selbst spielt und nur direkt an das Publikum und dessen Zeitgeist appelliert. So spiegelt er auch, was seiner Zielgruppe fehlt - Selbstreflektion, die Fähigkeit einen überzeugenden advocatus diaboli zu spielen und die unterschwellige Ausgrenzung anderer, indem man ihnen menschliche Qualitäten von vornherein aberkennt. Was Herrn Böhmermann meiner bescheidenen Meinung nach fehlen, sind die Chiffre und auch vielleicht ein paar Abstraktionsebenen, bevor man es als intelligent bezichnen sollte. Es ist die Schläue eines Selbstdarstellers und nicht die Kunst eines Schauspielers, die hierzulande allzu viel Beifall erfährt. Ich danke für diese Erkenntnis!


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Diese ganze Diksussion bleibt fuer mich aus einem Grund heuchlerisch
Christoph Panitz  - 11.04.2016 09:04

Was waere hier los gewesen, wenn beispielsweise ein Politiker der AfD mit einem solchen Text bedacht worden waere? Ein grosser Teil der AfD-nahen Leser erklaert den Text zur Satire, um den Angriff auf das Feindbild Tuerkei rechtfertigen zu koennen. Ob das Satire ist, ist ihm schnuppe. AfD und Satire, das ist eine contradictio in adjecto, ein Widerspruch in sich selbst. Der nicht AfD- nahe Teil sollte mal ueberpruefen, ob selbst Satire alles darf. Da gibt es bekanntlich einige Tabus. Bei sensiblen Themen (Holocaust, Juden, Bundeswehr) ist nix mit Tucholksy, der hier oefters zitiert wird.

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Analyse geht nach hinten los
Simon Koch  (s.koch) - 11.04.2016 03:07

Was soll denn nun die Aussage des Textes sein? Die wahren Rebellen sind eigentlich die von AfD und pegida und in Deutschland soll Rassismus nicht wie in "be deutsch" ausgegrenzt werden? Satire darf angeblich alles, aber sobald ein Beitrag mal nicht harmlos und konventionell aufbereitet ist verfallen alle in Panik. Bei der Analyse von Frau Baum habe ich das Gefühl, dass der Text von jemandem verfasst wurde, der Böhmermann schlicht nicht ausstehen kann, bzw. eine Abneigung gegen eine ganze Generation zu haben scheint, wie die sehr platte "Beschreibung" der Millenials zu verstehen gibt. Der Versuch Böhmermann auf polemische Art und Weise zu diskreditieren scheitert jedoch für mich.


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Schlingensief, Kim jong un, Böhmermann, Erdogan, Orwell
Dominik Lorenz  (DomiLorenz) - 11.04.2016 01:25

Ein Blick in die Vergangenheit: Schlingensief ging gegen Möllemann auf volle Konfrontation: "Tötet Möllemann" so lautete sein Theater Stück. Ermittlungen ja, doch wurde das Verfahren eingestellt, es war Kunst. Die Veröffentlichung des Films "The Interview", der Böhmernanns Schmähgedicht in nichts nachsteht, wurde in der FAZ als Beglaubigung unserer Grundwerte gefeiert. Wenn interessiert schon den Despoten aus Pjöngjang? Doch wo liegt der Unterschied zu Böhmermann? Es lohnt sich dieser Tage wieder einmal den Essay George Orwells zur Pressefreiheit durchzulesen: "Die derzeit herrschende Orthodoxie verlangt die unkritische Bewunderung Sowjet-Rußlands." Die UdSSR war ein wichtiger Verbündeter in WK2 , Erdogan scheint es für uns heute zu sein. Anders kann man es sich nicht erklären, denn Böhmermann betritt mit seinem Gedicht eine Metaebene, nimmt eine Art Kunstfigur ein und gibt sich zum Inhalt eher distanziert. Nichts zählt mehr, die Freiheit der Kunst wird zur politischen Feilschware.


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Böhmermann ist ein Hofnarr
Thomas Schmidt  (erzwodezwo) - 10.04.2016 23:42

Ein Hofnarr liegt immer dann richtig, wenn die Mächtigen sich gegen ihn wenden und das Establishment ihn verspottet. Demnach hat Böhmermann mal wieder alles richtig gemacht. Vielleicht sogar so gut, dass es jetzt für ihn gefährlich wird.



"Jan Böhmermann: Erdoğan stellt offiziell Strafantrag gegen Böhmermann" (11. April 2016)
Der türkische Staatspräsident Erdoğan stellt einen Strafantrag wegen Beleidigung. Vize-Ministerpräsident Kurtulmuş spricht von "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". ... Die Parteichefin der Grünen forderte unterdessen, den Paragrafen zur Beleidigung von Vertretern ausländischer Staaten aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Ein Paragraf zur "Majestätsbeleidigung" sei nicht mehr zeitgemäß. Es könne nicht sein, "dass andere Länder darüber urteilen, wie wir Meinungs- und Pressefreiheit deuten."
Unterstützung erhielt Böhmermann auch vom ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis. Der twitterte, Europa habe in der Flüchtlingskrise seine Seele verloren, nun verliere es seinen Humor. Seine Forderung: "Hände weg von @janboehm".  ...
http://www.zeit.de/politik/2016-04/jan-boehmermann-tuerkei-ermittlungen-schmaehgedicht-menschlichkeit

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h.w.benning #10.1

naja..Erdogan kann auch Satire :)


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Butterland #14

Das sei ein schweres Verbrechen, das bestraft werden müsse.

Mit einem Gegengedicht.


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Calmao #18

Böhmermann ist ein klarer Fall für Den Haag. Und wenn Merkel jetzt diesen Völkermörder nicht der internationalen Justiz ausliefert, riskiert sie als Komplizin ebenfalls empfindliche Konsequenzen.


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Stimme aus Wien #20

Ich frage mich - wie würde man in Deutschland reagieren, wenn der Vatikan alle Satiren auf Ratzinger - und die waren sehr zahlreich - als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" benannt hätte?


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moeld1103 #20.1

Ich würde mir noch mal mein altes "Titanic"-Cover anschauen und still in mich hinein lächeln...


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life_is_short #29

In der Zwischenzeit hat Böhmermann einen zweiwöchigen Urlaub in der Türkei gebucht...


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kemanci #44

Interessant, hier werden kulturhistorische Unterschiede sehr deutlich. Man muss einfach sehen, dass in der Geschichte der modernen Türkei als auch in der des osmanischen Reiches Satire und Spott gegen die Mächtigen nie stattgefunden haben. Wer das wagte, wurde wieauchimmer hart bestraft. Wie sollen die Menschen dort das jetzt auf einmal verstehen? Die hatten halt keine Spötter wie Voltaire, keinen Eulenspiegel, keine Narrentradition im besten Sinne. ...


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Lena Meyer Lansky #46.1

"Es ist daher zu verlangen, daß verunglimfende Äußerungen mit Beleidigungscharakter beweisbar, anderenfalls strafbar sind."

Ernsthaft? Erdogan soll beweisen, dass er keine Schrumpelklöten hat?


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Papoutsia #54

Also wie man das Gedicht so verstehen kann, dass nicht Erdogan persönlich, sondern das türkische Volk gemeint gewesen ist, das ist auch irgendwie Kunst.
Persönlicher geht doch gar nicht mehr :D
Und ich kann beim besten Willen nicht eine Zeile finden, die nicht 100% persönlich gegen Erdogan ging :D


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dacapo #58


"Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagt der Vizeministerpräsident. Weiterhin behauptet er, dass durch diese Schmäh-Satire 78 Millionen Türken beleidigt worden seien. Wie kann dieser Herr für alle Türken sprechen? Wenn diese Äußerung keine Satire ist, dann heiße auch ich Erdogan.


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Demokläs #65

Erdogan und seine gesamte Regime und seiner Jünger sind eine Beleidigung für alle denkenden Menschen.



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no thanks #70 

Böhmermann macht seine Sache als Satiriker schon gut, aber Herr Kurtulmuş spielt noch einmal in einer ganz anderer Liga. Die Türkei führt in den kurdischen Gebieten einen erbarmungslosen Krieg auch gegen die Zivilbevölkerung, schaltet nach und nach alle noch verbliebenen unabhängigen Medien gleich, sperrt inzwischen schon routinemäßig Erdogans Kritiker ein, bestellt nach dem Gusto der AKP Urteile bei der Justiz, bereichert sich massiv an den Geldern der türkischen Steuerzahler... und und und. Aber hey, wenn der Klassenclown Böhmermann ein albernes Gedicht vorliest: "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Soll man darüber jetzt lachen oder weinen?


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König_Etzel #82

"Türkei nennt Gedicht "Verbrechen gegen die Menschlichkeit""

Wieder so ein Tag, wo man als Türke sich schämt Zeitung zu lesen.
Ich weiß das ist schwer in letzte Zeit darauf zu glauben aber es gibt noch Türken die mit so einem Regierung nichts am Hut haben wollen!


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Helmut Mayr #92


Es wirkt der Streisand-Effekt. Jan Böhmermann hat sonst nicht einmal eine Mio. Zuschauer, die das Gedicht hörten. Jetzt weiss ganz Europa davon.


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Minderheitling #94

Ich hoffe, dass die Mehrzahl der deutsch-türkischen Bürger versteht, dass keiner von ihnen beleidigt worden ist, und sich nicht vor Erdogan stellen! Sondern vor unsere Satirefreiheit.


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OguzHan
#151  —  vor 1 Stunde
7

A:
Dr. Lale Akgün(Sozialdemokratin türkische Abstammung)
Die Performance von Böhmermann hat einige Dinge so klar ausgeleuchtet, dass man ihm dafür danken muss.
1. Die meisten Leute haben nicht verstanden, dass dieses sich höchst pubertär anhörende Gedicht nur ein Teil der Performance war, sie sollte den Unterschied zwischen Satite und einem Billo-Schmähgedicht aufzeigen. Nicht von ungefähr lacht Böhmermann über seine eigenen albernen Worte, während er vorträgt. Sind wir nicht mehr in der Lage, exponentiell zu denken? Warum plappern so viele Leute über dieses Gedicht, ohne sich die ganze Sendung angeschaut zu haben?
2. Das ZDF hat falsch entschieden, indem es die Sendung aus der Mediathek entfernt hat. Vorauseilender Gehorsam gehört sich nicht für die öffentlich-rechtlichen Sender!
3. Erdogan und seine Mannen sind wie Pawlowschen Hunde. Man muss nur auf den Knopf drücken und schon kommt die Reaktion. Das ist gefährlich und komisch zugleich, gefährlich, weil sie nicht reflektieren können und sofort zubeißen; komisch, weil man so auf politischer Ebene einen konditionierten Reflex hervorrufen kann.

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karamellisiertes Fallobst #160


"schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Damit empfiehlt sich Erdogan als brillianter Satiriker. Ganz im Gegensatz zu Böhmermann, der mit seinem Fäkal-Humor genau diesem Prädikat nicht genügen kann. Daher für mich persönlich eine Genugtuung.



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http://www.theguardian.com/world/2016/apr/11/turkey-germany-prosecute-comedian-jan-bohmermann-erdogan-poem

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"Der Fall Böhmermann: Wenn die Kunst Verbotenes tut" Christiane Peitz (12.04.2016)
Böhmermann, Erdogan, das Schmähgedicht - Worum geht es eigentlich, um Satire oder Verunglimpfung? Über die Beleidigung nicht nur von Staatsoberhäuptern und die Kunst vor deutschen Richtern. ... „Was jetzt kommt, das darf man nicht machen“: Das Erdogan-Gedicht trug Böhmermann dann als Lehrbeispiel dafür vor, was auch in Deutschland justiziabel ist. Zeilen wie: „Am liebsten mag er Ziegen ficken und Minderheiten unterdrücken, Kurden treten, Christen hauen und dabei Kinderpornos schauen.“ Geht gar nicht, fügte er hinzu, schüttelte verneinend den Kopf, Kabelka pflichtete ihm bei. Kabelka betonte schon vorab, bestraft könne werden, „wenn du Leute diffamierst, wenn du einfach nur so untenrum argumentierst“. Schimpfen, die Privatperson in den Dreck ziehen, heikle Sache – nicht klatschen!
Nach dem Gedicht erörterten die beiden, dass die Verse vom ZDF aus der Mediathek entfernt werden könnten (was mit Böhmermanns Zustimmung geschah), und empfahlen Erdogan, sich für seine Klage einen guten Anwalt zu nehmen, am besten Christian Schertz (der jetzt Böhmermann vertritt). Die Schmähverse sind also eindeutig in eine medienkritische Performance integriert. Die Diffamierung steht in Anführungsstrichen, ist als Zitat inszeniert, als Fiktion. Und anders als beim Extra 3“-Spot „Erdowie, Erdowann, Erdogan“, auf den die ZDF-Comedians sich explizit bezogen, zielt Böhmermann weniger darauf, den Despoten und Zensor Erdogan per Überzeichnung bloßzustellen, als dem deutschen TV-Publikum die Sache mit der Satire und den Persönlichkeitsrechten zu verklickern. Was den Fall noch vertrackter macht. ...
http://www.tagesspiegel.de/kultur/der-fall-boehmermann-wenn-die-kunst-verbotenes-tut/13437766.html

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on April 13, 2016, 10:19:27 AM
"Fall Böhmermann: Was darf Satire?" Thomas Stadler (12.4.16)
Die Schilderung von schwerwiegenden Sexualstraftaten und die Gleichsetzung mit zwei der perversesten Sexualstraftätern und sei es auch im satirischen Gewand zur Veranschaulichung einer heftigen Schmähkritik, berührt den Kern dessen, was wir als die Würde des Menschen betrachten. Das Gedicht Böhmermanns ist auch unter Berücksichtigung des Kontexts und des satirischen Ansatzes persönlichkeitsverletzend.
Man muss sich bei dieser Fragestellung auch etwas von den Personen Erdogan und Böhmermann lösen. Denn die Sympathie für Böhmermann und/oder die Ablehnung von Erdogan, sind nicht der richtige Beurteilungsmaßstab.
In strafrechtlicher Hinsicht gehe ich davon aus, dass die Voraussetzungen von § 185 StGB (Beleidigung) vorliegen. Nachdem Erdogan offenbar auch direkt bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag gestellt hat, halte ich eine Anklage oder einen Strafbefehl für durchaus naheliegend. ...
http://www.internet-law.de/2016/04/fall-boehmermann-was-darf-satire.html

"Erlaubte Schmähkritik? Die verfassungsrechtliche Dimension der causa Jan Böhmermann" Alexander Thiele (Mo 11 Apr 2016)
Die Bestimmung der Reichweite der Meinungsfreiheit bildet ein beliebtes Thema im juristischen Staatsexamen. Denn wenngleich es (mittlerweile) ganz unumstritten ist, dass den in Art. 5 GG genannten Grundrechten eine überragende Bedeutung für die demokratische Grundordnung zukommt („schlechthin konstituierend“), sind diese – ebenso unumstritten – nicht grenzenlos gewährleistet. Auf Tucholsky ist folglich jedenfalls für das Grundgesetz zu antworten: Satire darf in Deutschland nicht alles, aber fast alles und jedenfalls sehr viel. ... Mit seinem Gedicht macht Böhmermann diese Grenze hingegen anschaulich deutlich – und zwar nicht nur für den türkischen Staatspräsidenten, sondern auch für die breite Öffentlichkeit –, dass ein Beitrag wie derjenige von extra-3 weit von unzulässiger Schmähkritik entfernt ist. Dass letztlich erst völlig unsachliche Inhalte strafrechtlich relevant sind, dürfte insofern nur Wenigen bekannt gewesen sein. Ein sachlicher Kontext ist insofern durchaus erkennbar. Dass das Vorgehen Böhmermanns als Debattenbeitrag völlig ungeeignet wäre, wird man im Übrigen kaum behaupten können – der Blick in die Tagespresse genügt. ...
http://verfassungsblog.de/erlaubte-schmaehkritik-die-verfassungsrechtliche-dimension-der-causa-jan-boehmermann/


"Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0: Schmähgedicht und Rezeptionstheorie" (18.4.2016)
Eine Verantwortung für das bewusste Missverstehen eines aus dem Kontext gelösten Inhalts kann man Böhmermann aus literaturwissenschaftlicher Sicht nicht zuweisen.  ...
http://www.internet-law.de/2016/04/schmaehgedicht-und-rezeptionstheorie.html

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"Unausgewogen und oberflächlich - die deutsche Berichterstattung zur griechischen Staatsschuldenkrise"
31.03.2016 / 16:55    sonar, bermuda.funk - Freies Radio Rhein-Neckar, Audio 13:27 min, 31 MB, mp3, 320 kbit/s, Stereo (44100 kHz)
Upload vom 30.03.2016 / 15:13
Stark regierungsgeprägt, mehrheitlich meinungsorientiert, unausgewogen, wertend und oberflächlich - so berichteten deutsche Zeitungen über die Saatsschuldenkrise in Griechenland. Das ergab nun eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler Stiftung. Ein Autor der Studie ist der Journalist und Prof. Dr. Kim Otto von der Redaktion des Magazins "Monitor". Wir sprachen mit ihm über die Berichterstattung zur Schuldenkrise und den Reformen in Griechenland. Zunächst erklärt er, was die Motivation hinter der Studie war. ...
https://www.freie-radios.net/76018

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"Kopp, Sputnik, Epoch Times & Co: Nachrichten aus einem rechten Paralleluniversum" Stefan Winterbauer (03/2016)
Manche nennen sie alternative Medien, manche nennen sie Verschwörungstheoretiker oder Russen-Propaganda. Eine Reihe von Internet-Medien jenseits etablierter Kanäle hat einen erstaunlichen Erfolg beim Publikum und kommt gerade im Social Web auf hohe Reichweiten. Bekannte Vertreter sind etwa Kopp Online, RT Deutsch oder Compact. MEEDIA hat sich zehn der erfolgreichsten der so genannten alternativen Medien genauer angeschaut und beleuchtet die Hintergründe.
http://meedia.de/2016/03/18/kopp-sputnik-epoch-times-co-nachrichten-aus-einem-rechten-paralleluniversum/

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Don sagt:   
22.03.2016 um 08:22

Das ist schön. Wir brauchen eben einfach viel mehr solche Medien mit den ganzen Verschwörungstheorien. Bei mir haben die endlich diese Frauenzeitschriften beim Friseur abgelöst, da sie einfach viel unterhaltsamer sind!


Quote
H. Mueller sagt:   
20.03.2016 um 17:44

@ Stefan Winterbauer
Vielleicht sollte sich Winterbauer mal mit der Geschichte seines „Mediums“ befassen – da gibts genug vom „extrem rechten Universum“.
WIKI: Meedia gehört zum Handelsblatt und damit zur Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien).
Dieter ist der Sohn des Georg von Holtzbrinck, der das Medienunternehmen 1931 gegründet und in der Zeit des Nationalsozialismus zu Erfolg geführt hatte.
Der Grundstein der Verlagsgruppe war der von Georg von Holtzbrinck bereits seit 1931 betriebene Aufbau eines Zeitschriften- und Buchwerbungsgeschäfts. Dessen Erfolg ermöglichte ihm 1936 den Erwerb der Deutschen Verlagsexpedition (Devex), die einen Vertrag mit der Deutschen Arbeitsfront (DAF) abschloss. Seine NSDAP-Mitgliedschaft seit 1933 und Beziehungen eines Verwandten zur Privatkanzlei Hitlers waren dabei hilfreich. Die Devex übernahm für zwei Jahre den Vertrieb der DAF-Zeitschriften Schönheit der Arbeit und Freude und Arbeit.


Quote
Sommer sagt: 18.03.2016 um 14:18

Ich bin 52, leite ein mittelständiges Unternehmen, habe Abitur und abgeschlossenes Hochschulstudium. Mir sind Extreme supsekt, deswegen habe ich in meinem ganzen leben bisher weder Links, noch grün noch Rechts gewählt. Bis zum September letzten Jahres war ich regelmässiger Leser von „Spiegel“, „stern“, „Spiegel Online“. „Die Zeit“ und immer wieder gerne auch mal die BILD-Zeitung.
Alle diese Nachrichtenquellen, die mich die Jahrzehnte meines Lebens begleitet, sind nun weg. Mißtrauisch wurde ich durch die absurde, SED-mässige Berichterstattung über die „invasion“ (ja, so nenne ich das. Punkt). Dann wurde es mit Kommentaren von Augstein und Co immer abstruser Kein normal intelligenter mensch, kann sowas ertragen. Schnitzler 2.0. Dann begannen die Mainstream-Onlinemedien ihre Kommentarfunktionen zu schliessen. Angst vor dem leser ? Dann begann der herr Jörges im stern seine Kommentarseite zu mißbrauchen für eine inhaltsleere Abrechnung mit seinen leserbriefen, in dem er eine für mich unsäglich agressive Sprachwahl gebrauchte.
Und dann fragte ich mich: für sowas zahl ich Geld ? Bin ich vielleicht ein masochist ?

Seitdem bin ich bei „Kopp Online“ und den anderen hier gennanten medien.
Das was früher der „Spiegel“ leistete, übernimmt heute Kopp-Online.
Während nach Silvester im Spiegel tagelang geschwiegen wurde und man sich lieber aufs Bashing von Xavier Naidoo konzentrierte als Nachrichten zu melden, war Kopp-Online das erste Medium, das die Ereignisse von Silvester bereits am 2.1. redaktionell aufbereite.

irgendwas stimmt hier nicht bei uns. Kopp Online berichtet darüber – und hat deshalb mein Vertrauen gewonnen.

Grundsätzlich sind die Bösen nicht Jene, die die Wahrheit sagen, sondern jene, die sie verschweigen.
Ganz nach brecht.


Quote
Uli sagt:   
18.03.2016 um 14:37

Könnten Sie freundlicherweise noch hinzufügen, welche „ehemaligen NPD-Funktionäre“ bei KOPP-Online schreiben?
Vielen Dank!


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Jens sagt:   
18.03.2016 um 15:22

Zitat:
„Die Artikel bei Sputnik stellen russische Politik stets in positivem Licht dar und diffamieren westliche Staaten, insbesondere die USA.“

Ich bin täglicher Sputnik Leser und diese pauschale Einschätzung ist definitiv falsch ! Die Nachrichten Meldungen auf Sputnik, die in der Regel zu 90% in Westmedien Nicht vorkommen und Totgeschwiegen werden, sind in der Regel sehr Neutral gehalten . Die angebliche Diffamierung bezieht sich in der Regel immer auf veröffentlichte Fakten , die der US-Propagandalinie und der westlichen Darstellung der USA zuwiederlaufen . Veröffentlichte Fakten werden von Meedia.de aber völlig irreführend als Meinungen umgedeutet.
Natürlich verschweigt Meedia ebenso , das es nicht nur rechtslastige Internet-Auftritte unter den Alternativen Medien gibt , man versucht dies dem Leser aber zu suggerieren , Alternativ = Rechts/Kremlpropaganda ! Die Einschätzung ist ebenso komplett falsch , es gibt auch sehr viele weit verbreitete Alternativen die nicht Rechts sind , wie zb. Telepolis , Nachdenkenseiten , KenFM usw. Die Propagandaschau ist darunter eher noch eine Nische , die nicht so große Verbreitung hat. Die Nichterwähnung von empfehlenswerten Alternativen hat natürlich System , Meedia.de ist Teil des Medien-Establishments und gehört laut Wikipedia der Handelsblatt-Holzbrink Medien Gruppe. Die sind die Letzten , die Uns Leser mit der Nase auf empfehlenswerten Alternativen stupsen würden.


Quote
Anja Böttcher sagt:   
18.03.2016 um 21:51

Ich finde es auch putzig, dass die Tatsache, dass ein russischer Staatssender natürlich schwerpunktmäßig den Standpunkt der gewählten russischen Vertretung zu vermitteln versucht, zu seiner Wertung als rechtes Tendenzmedium führt, ohne dass diese Wertung in einer differenzierten Analyse belegt wird. Das kommt durch die dümmliche Formel, dass eine positive Einstellung zu Russland Erweis einer rechten Gesinnung sei. (Historisch unsinnig: Die deutsche Russophobie war immer mit der extremen Rechten identisch – von Hugenberg bis Hitler.)

Das heißt: Ein russischer Sender wäre nur dann nicht rechts, wenn er anti-russisch wäre. Die Logik erkläre mir mal jemand! Denn was ist der Sinn von Auslandssendern? Für eine besonders kritische Haltung zur deutschen Regerung ist mir die Deutsche Welle nun auch nie aufgefallen. Erwartet man von Russland bei seiner medialen Selbstvertretung einen Masochismus, den man keinem anderen Land zumutet?

Typisch auch hier wieder: Belegt wird nichts, gar nichts. Es wird eine Liste von Medienbrands abgedruck und mit Deklassierungsformeln versehen. Die Botschaft soll sein: Pfui, guckt da bloß nicht rein! Denkverbot! Ein neuer McCarthyism der übelsten Sorte, der selbst das Gegenteil zu sein beansprucht, da er sich selbst autoritativ das linksliberale Etikett anheftet. Nur hat der neue Transatlantismus, der sich totalitär gebärdet (& nicht umsonst die neue Totalüberwachung so vehement mit einem Gefahren-Alarmismus legitimiert, den früher die extreme Recte im Munde führte) weder irgendetwas mit linkem Denken noch mit Liberalismus zu tun. Denn die Kultur des „kritischen Raisonnements“ (Habermas) wurde abgeschafft.

Wenn die neuen Herren & Damen, die sich selbst trotz der Einförmigkeit ihrer stereotypen Denkweise für „kritisch“ halten, mit dem Finger auf etwas zeigen & laut „pfui!“ rufen, dann hat das Publikum im Chor laut mitzupfeifen & sein Verstand stillzustehen. Wer dann immer noch nicht stramm steht, der ist zur lustigen Diffamierung freigegeben. Die Un=Kultur des An=den=Pranger=Stellens feiert Urstände. Eine wahrhaft „linksliberale“ Streitkultur!

Das ist so erbärmlich, so beschämend, für die, die es betreiben, dass einem denkenden Menschen nur schlecht werden kann.

Wie die SPD erst aufwachen wird, wenn sie für den Verrat an ihrer eigenen politischen Tradition unterhalb der 5-Prozent-Hürde gelandet ist, so die autoritären Gralshüter der neuen unfreien veröffentlichten Meinung, wenn keines ihrer Blätter mehr Leser findet.

Bis dahin werden die sozial exklusiven Gralshüter der transatlantischen Parallelwelt sich einbilden, die vielen erbosten Leser würden für die Kundgabe ihres Frusts vom vermeintlich doch durch die erfolgreiche Sanktionierung des deutschen Mittelsands so klammen Kreml bezahlt.

Sancta incapabilitas!


Quote
DennSoIsses sagt:   
18.03.2016 um 16:38

Ich verstehe den Kampf unter den Journalisten nicht.
Die Vielfalt von links nach rechts ist doch begrüßenswert. Ich kann mich zu einem Thema über den Spiegel, die Bild, den Stern bishin zu Epoch Times, Kopp oder RT informieren. Schon allein aufgrund der Quellenangaben, der Neutralität, der inhaltlichen Aufbereitung und der Faktenangabe kann sich dann jeder selbst seine Meinung bilden. Und hier zeigen sich dann doch deutliche Unterschiede, vor allem in den jeweiligen online Angeboten. Die Printauflagen sind noch unterschiedlicher. Vergleiche ich eine Ausgabe der Jungen Freiheit mit einer Stern Ausgabe, so habe ich am Ende doch mehr Inhalt statt Werbung, habe mehr Neutralität statt Stimmungsmache. Am schlimmsten jedoch empfinde ich die Überheblichkeit einzelner Journalisten oder Chefredakteure welche den Lesern das eigene Denken abnehmen wollen um sie zu beeinflussen. Kein Wunder also, dass Auflagen, Abos und Online Klicks dort sinken wo dies der Fall ist.
Herr Winterbauer, wer ordentliche Arbeit abliefert, der wird auch gekauft und gelesen. Und solange eine journalistische Neutralität Fakten aufbereiten und obejktiv vermitteln kann, ist es mir egal ob sie von linken, rechten, braunen oder grünen Geschäftsleuten finanziert und betrieben wird.


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Tanathos sagt:   
18.03.2016 um 17:54

In der Aufzählung fehlen noch die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ (sic!).


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Konfuzikuntz sagt:   
17.04.2016 um 19:51

Es ließen sich noch ergänzen preussische-allgemeine.de, rolandtichy.de, russia-insider.com und zellerzeitung.de


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Hans Kolpak sagt:   
18.04.2016 um 15:48

Ist das hier ein Honigtopf?

Wie auch immer, es wird langsam Zeit, den Begriff „Logenpresse“ zu etablieren. „Lügenpresse“ ist langsam ausgelutscht und zunehmend einem Bedeutungswandel unterworfen. Neusprech macht es möglich.

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"Ermittlungen gegen Böhmermann eingestellt" (4. Oktober 2016)
Die Staatsanwaltschaft Mainz hat dem ZDF-Moderator keine strafbaren Handlungen nachweisen können. Geklagt hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. ... In der Begründung hieß es, die Ermittlungen hätten strafbare Handlungen nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen können. Die Ermittlungen hätten auch keine hinreichenden Anhaltspunkte für strafbare Handlungen anderer an der Entstehung oder Ausstrahlung des Beitrages beteiligte Personen ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Der TV-Satiriker und Grimme-Preisträger Böhmermann hatte sein Gedicht Schmähkritik Ende März in seiner Sendung Neo Magazin Royale vorgetragen. ... Die Staatsanwaltschaft argumentierte, Böhmermanns Schmähgedicht sollte "als Beispiel für eine Überschreitung der Meinungsfreiheit dienen". Zudem sei eine Karikatur oder Satire keine Beleidigung, wenn "die Überzeichnung menschlicher Schwächen" keine "ernsthafte Herabwürdigung der Person" enthalte.
Die Staatsanwaltschaft Mainz hatte wegen Verdachts auf Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts ermittelt. Zunächst hatte Erdoğan nach Paragraf 185 des Strafgesetzbuches geklagt. Im Anschluss hatte die Bundesregierung die Ermächtigung zur Strafverfolgung wegen des Vorwurfs der Beleidigung von Vertretern ausländischer Staaten nach Paragraf 103 erteilt. Davon unabhängig hat Erdoğan auch noch eine Privatklage gegen Böhmermann eingereicht. Sie wird ab 2. November in Hamburg vor Gericht kommen. Vor der Zivilkammer des dortigen Landgerichts Hamburg geht es in mündlicher Verhandlung noch einmal um Böhmermanns Gedicht. Der türkische Präsident will erreichen, dass der gesamte Text verboten wird. Auf seinen Antrag hatte das Hamburger Landgericht bereits im Mai eine einstweilige Verfügung gegen Böhmermann erlassen. Der ZDF-Moderator darf demnach den größeren Teil seines Gedichts nicht wiederholen. Bei dem Beschluss ging es um Passagen, die Erdoğan dem Gericht zufolge angesichts ihres schmähenden und ehrverletzenden Inhalts nicht hinnehmen müsse. ...
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-10/ermittlungen-gegen-boehmermann-wegen-erdo-an-beleidigung-eingestellt
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on May 02, 2016, 03:16:49 PM
"Studie: Deutsche halten Nachrichtenmedien für gelenkt" (2. Mai 2016)
Die Mehrzahl der Menschen in Deutschland hält Nachrichtenmedien laut einer Studie für gelenkt, zu einseitig berichtend und zu wenig lösungsorientiert. Sechs von zehn Befragten sind sicher, dass auf Nachrichtenmedien Einfluss genommen werde, worüber oder auf welche Art sie berichten sollen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts TNS Emnid für die Medienforschung des Bayerischen Rundfunks.
Nur gut ein Drittel der Befragten (34 Prozent) hält die Berichterstattung der deutschen Nachrichtenmedien für wirklich unabhängig. Als Handelnde im Hintergrund gelten insbesondere Regierung und Parteien und Wirtschaft – über Lobbyverbände und über den Druck von Werbekunden.
Eine gesellschaftliche Kontrollfunktion im Sinne einer vierten Gewalt wird der Erhebung zufolge am ehesten Wochenzeitungen und Nachrichtenmagazinen, öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Tageszeitungen zugestanden.
Die Forscher bilanzieren in der Studie, es gebe ein allgemeines "Unbehagen gegenüber Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Eliten, das sich im Zuge der Krisen der vergangenen Jahre nun auch offensiv manifestiert". ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen

Quote
J-M,  #2.4


... Die ganze Diskussion scheint mir auf dem Verdrängen eines simplen ontologischen Zusammenhangs zu beruhen: Es gibt keine positiven Wahrheiten. Daher kann auch niemand "die Wahrheit" sagen, bestenfalls auf die Unwahrheit hinweisen.

Weite Teile der Gesellschaft scheinen eine schrecklich infantile Vorstellung von Diskurs und Wahrheit zu haben. Auf der einen Seite steht die reine, klare Objektivität, die jedem, der mit zwei Augen sehen und mit dem berühmten "gesunden Menschenverstand" denken kann offen liegt. Dementsprechend kann es auf der anderen Seite nur eins geben: Die intentionale Unwahrheit aka die "Lüge". Wer also die die objektive Wahrheit (aka meine subjektive Meinung) nicht vertritt, muss ein Lügner und von irgendwem gesteuert sein.

Diese Menschen scheinen mir noch nie die hochgekrempelten Arme in die trübe Brühe zwischenmenschlicher Vermittlung gesteckt zu haben. Ich rate jedem mal zu dem Besuch eines Diskutierclubs. Da lernt man recht schnell, dass alles mindestes 100 Seiten hat und Objektivität nur der feuchte Traum Halbgebildeter ist.


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590836#cid-6590836

Quote
Suryo #2.10

Dasselbe könnte man wiederum an der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung kritisieren. Oder glaubt irgendwer ernsthaft, diese sei gut informiert, interessiert und denke in komplexen Zusammenhängen?

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6591067#cid-6591067

Quote
Gismo834 #2.14 

Ein Indikator für gelenkte Bericht Erstattung ist doch die Zusammen Setzung des Aufsichtsrat des öffentlich rechtlichen Fernsehens. Dort sitzen Politiker! D.h diejenigen die kontrolliert werden sollen kontrollieren sich selber. Wie kann es z.b sein das zur besten Sendezeit arbeitslosen zahlen gefeiert werden, die überhaupt nicht der Realität entsprechen, da schön gerechnet. Da hört man dann in der Tagesschau kein kritisches Wort. Warum wird nicht schon lange im heute Journal von der kommenden Rentner Armut berichtet. Ist alles schon lange bekannt. Aber nein , man will ja die Bürger nicht verun sichern. Weglassen von relevanten Informationen ist auch Täuschung.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6591477#cid-6591477

Quote
Mainte, #3

Man kann die Parteilichkeit der Medien leicht an einem aktuellen und nicht so brisante Themen nachweisen. Der einseitigen Berichterstattung darüber, dass Gerichte die illegale Beteiligung der Verleger an den VG Wort Einnahmen der Autoren stoppen.
Kein Wort der Entschudligung über den Raubzug, statt dessen eine flächendeckende Urteilsschelte.
Artikel ist etwas polemisch, trifft es aber ganz gut. Konklusio: Wer schon bei solchen Bagatellen einen PR Kriegszug los tritt, der wird bei den ganz großen Fragen dann objektiv sein? Wohl kaum ...

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590472#cid-6590472

Quote
Naseschwarz #7

Darüberhinaus geht eine Mehrheit (60 Prozent) der Befragten davon aus, dass Medien berechtigte Meinungen ausblendeten, die sie für unerwünscht hielten.

Ist schon ne Weile her, dass ich z.B. bei Themen der Aussenpolitik (und hier ist die Berichterstattung besonders zweifelhaft) einen Artikel gelesen habe, bei dem zwei Meinungen gegenüber gestellt wurden. Eine solche Form der Berichterstattung (Meinung A gegen Meinung B) mit nennung möglichst vieler Fakten, ist aber die beste Möglichkeit für den Medienkonsument, sich eine Meinung zu bilden. Was ich in 99% der Fälle lese ist Meinung A oder Meinung B, wobei Meinung B meist nur in ausländischen Medien zu finden ist.

Und deshalb wundert es mich nicht, dass die Befragten so antworten. Denn flächendeckend nur eine Meinung zu lesen über längere Zeit, macht schon stutzig. Vorallem, wenn diese Meinung dann der offiziellen Meinung der Regierung entspricht.

Aber immerhin ist Medienkritik wieder mehrheitsfähig. Das spricht für die Medienkonsumenten.


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590491#cid-6590491

Quote
mamlu #8

Zu diesen Thema nochmal die Panama-Papers: ein von US-Interessengruppen finanziertes Journalistennetzwerk wertet "exklusiv" die Panama-Papers aus, mit folgenden Ergebnis: ein Großteil der Daten wird NIE veröffentlicht, man versucht Putin ans Bein zu pinkeln (der Name Putin taucht in den Daten nicht auf) und nach 2-3 Meldungen versanden die Papers im Nachrichten-Nirvana.

Da lobe ich mir doch Wikileaks. Jedenfalls bracht kein Mensch "Gatekeeper" für Informationen.
Die Panama-Papers waren keine Sternstunde des Journalismus...

Quote
jaba #8.1

> Die Panama-Papers waren keine Sternstunde des Journalismus...
Das sehen die »System-Journalisten« natürlich ganz anders. ;-)
(Wer die Papers damals schon als [gezielten] Rohrkrepierer bezeichnete, wurde wegen Unsachlichkeit wegmoderiert.)


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590506#cid-6590506

Quote
Mainte #10

Oder mal ganz simpel: Meine Gattin hält die SZ im Abo - Tolles Blatt. In der Wochenendausgabe im Hauptteil etwa sechs Artikel mit Anti-Russischer und PRO Nato bzw Pre Wertegemeinschaft Tendenz (um es mal freundlich zu sagen) Das kann man ohne Frage so machen und man darf die Welt auch so sehen. Ich sehe sie allerdings nicht so und es ärgert mich kolossal, dass wir dieses Blatt mit etwa 800 Euro im Jahr unterstützen. Ich will da keinen Skandal draus machen: Die Mainmedien haben eben ihre Agenda und meine Ansichten kommen nicht drin vor. Ärgerlich wird es nur, weil man arrogante GEZ Volk zwangs alimentieren muss ...

Quote
Claude C. #10.1

Wäre es nur die SZ, könnte man auch noch andere große Zeitungen lesen. Aber es wird überall die gleiche Grundposition vertreten. Und das ist den meisten Lesern nicht verborgen geblieben, wie die Umfrage zeigt


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590524#cid-6590524

Quote
NETSUBJEKT #17

DIE MEHRHEIT DER JOURNALISTEN KANN MAN NICHT LENKEN

Wenn die Medien versagen, oder ihren Auftrag nicht mehr im traditionellen
Sinne erfüllen können, liegt das zuerst an der veränderten Kultur des Verlagswesens und der Redaktionsarbeit. Zu wenig Zeit und zu wenig Geld, dafür eine höhere "Schlagzahl". Und der Druck auf Journalisten, von denen nur noch wenige eine feste Anstellung haben: Das alles verführt zur Oberflächlichkeit und zum "abschreiben". Kennste die Nachrichten einer Zeitung/OnlineMedium kennste alle.
In diesem Klima sind Journalisten auch anfälliger für die Informationen aus "gut unterrichteten Kreisen". Man kann Medien nicht "per Order di Mufti" steuern, sondern deren Autoren desinformieren oder eine interne verlagseigene politische Grundlinie festlegen. Wer von dieser Grundlinie ausschert wird "aus Platzgründen" ebend nicht gedruckt und so lernt schnell dazu, wenn er seinen Lebensunterhalt verdienen muß.
Auch Leser tragen dazu bei, indem sie von "ihrer" Zeitung eine bestimmte politische Haltung erwarten. So wird Journalismus auch zu einer Information, wie sie vermeintlich erwartet wird.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590611#cid-6590611

Quote
chagall1985 #28

Meine persönliche Meinung:
Volker Pispers Ansicht, dass Medien dafür da sind uns mit unbedeutenden Skandalen und Schwachsinn zu beschäfftigen um ernsthafte Debatten über Gesellschaft und echte Problemlösungen zu unterbinden ist Faktenbasiert (durch den Schwachsinn der berichtet und diskutiert wird) aber falsch.
Das eigentliche Problem ist, das Journalismus von Journalisten betrieben wird.
Also per Definition von studierten Menschen der Oberschicht die überhaupt kein Interesse daran haben, dass sich etwas ändert oder gerechter wird genausowenig wie die Eigner der Zeitungen die zu 80% 5 Familien gehören die allesamt Milliardäre oder Multimillionäre sind.

Unser System versagt und steuert von Kollaps zu Kollaps und produziert unvorstellbare Ungleichheit in der Gesellschaft.
Es wird nichts aber auch gar nichts ernsthaftes in den Leitmedien diskutiert um dieses System in Frage zu stellen.
Musterbeispiel für mich sind immer die Arbeitslosenzahlen!
Jeder Journalist mit einem Restfunken Anstand im Körper müsste sich übergeben oder lachen wenn er solche Zahlen ernsthaft und unkommentiert berichtet.
Arbeitslos ist jeder der nicht in der Lage ist mit seiner eigenen Arbeit ein menschenwürdiges Leben mit Partizipation am gesellschaftlichen Leben zu führen.

Das sind in Deutschland mindestens 10 Millionen die das nicht mehr selbstständig können.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590720#cid-6590720

Quote
Garfield1 #35

Ich als "Putinversteher" beklage ja spätestens seit dem Umgang der EU mit der Syriza-Regierung in Griechenland die massive Einseitigkeit der hiesigen Medien. Die "Berichterstattung" über die Vorgänge auf der Krim waren da "nur" noch der Gipfel der Manipulation - und ja: der einseitigen Propaganda (wie z.B ständig den Menschen eine "Annexion" eingehämmert wird, und die Lüge durch hundertfache Wiederholung zur "Wahrheit" geworden ist - aber lassen wir das hier mal beiseite, da schon ausreichend diskutiert).
Allerdings würde ich nicht unbedingt sagen, dass die Nachrichtenmedien GELENKT sind - jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne, wo man sich eine SED vorstellt, die den Nachrichtensprechern und Redakteuren in den Block diktiert.
Diese Einseitigkeit hat andere und mehrere Ursachen, ich würde sogar sagen, der Einfluss der Politik ist eher der geringere. Viel gewichtiger sind die - selten direkten Vorgaben von Medieneignern oder Chefredakteuren, welche "Schreibe" im Hause goutiert wird und welche nicht. Mit anderen Worten: wer sich bei Springer bewirbt, weiß durchaus, in welche Richtung die zu erwartenden Beiträge zielen sollen. Die angesprochenen Werbekunden haben natürlich auch enormen Einfluss. Und schließlich kommt eine Verflachung bei den Journalisten selber hinzu, die oft genug nur Agenturmeldungen abschreiben und bestenfalls "garnieren". Der Papageien-Effekt ist enorm. Die wenigsten recherchieren selber nach, ob z.B. die "Annexion" der Definition standhält usw.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590778#cid-6590778

Quote
mounia #36

Wess Brot ich ess dess Lied ich sing...war schon immer so.Hut ab vor den wenigen Journalisten,die sich nicht kaufen lassen.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590793#cid-6590793

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Sinnsuche #46

Was ich heute bei den meisten Nachrichtenmedien vermisse ist echter kritischer Journalismus. Kritik wird meist sehr selektiv ausgeübt und richtet sich häufig gegen Russland und China (bereits seit Olympia 2008), selten aber gegen westeuropäische Staaten oder die USA. Dabei gibt es überall Missstände.

Wenn ich sehe, wie Verdi-Streikende bei RTL immer als böse Quälgeister dargestellt werden, die kein Recht hätten, gegen niedrige Löhne anzukämpfen, wird mir ganz übel. Da kann mir keiner erzählen, dass hier nicht bewußt Meinungsmache betrieben wird...

Quote
Dieter Drabiniok #46.1

Was will man von Sendern anderes erwarten, deren Finanziers Wirtschaftskonzerne sind und deren Zielgruppe hauptsächlich AfDler und Single-Bauern sind?



http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-05/studie-medien-deutsche-sinkendes-vertrauen-luegen?cid=6590953#cid-6590953

...
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on May 24, 2016, 09:22:32 AM
Quote
[...]       Estrella de Levante, 23.05.2016 19:41

Hacker stahlen mehr als 20 GByte Daten bei Schweizer Rüstungsbetrieb Alle Heise-Foren > heise online > News-Kommentare

[ Offiziell gibt es zur Herkunft der Cyberspionage-Attacken keine Angaben. Angesichts der andauernden Untersuchung werde sie sich nicht über die Urheberschaft des Angriffs äussern, ließ die Schweizer Regierung verlauten. Umlaufende Vermutungen deuten auf Urheber in Russland. Die Bundesanwaltschaft hatte am 25. Januar 2016 eine Strafuntersuchung gegen Unbekannt eingeleitet. ]


Umlaufende Vermutungen

"deuten auf Urheber in Russland"?
Umlaufende Vermutungen deuten auf Urheber bei der NSA. Nach allem, was Snowden in Umlauf gebracht hat.
Überhaupt, "Umlaufende Vermutungen" ist ja mal eine schöne Alternative zu "Quellen" oder "informierten Kreisen". :D

Quote
     Stasi, 23.05.2016 19:48

Re: Umlaufende Vermutungen

    Überhaupt, "Umlaufende Vermutungen" ist ja mal eine schöne Alternative zu "Quellen" oder "informierten Kreisen". :D

 [...] "Umlaufende Vermutungen" scheint die neueste Abwandlung von "wie allgemein bekannt" zu sein, was - wie allgemein bekannt ;) - eines der Grundbausteine der Meinungsmanipulation darstellt.



...


Quelle: http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Hacker-stahlen-mehr-als-20-GByte-Daten-bei-Schweizer-Ruestungsbetrieb/Umlaufende-Vermutungen/posting-28656291/show/ (http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Hacker-stahlen-mehr-als-20-GByte-Daten-bei-Schweizer-Ruestungsbetrieb/Umlaufende-Vermutungen/posting-28656291/show/)


Quote
     Sapientist, 23.05.2016 23:25

Meine Mama sagte immer, dass "umlaufende Vermutung" ebenso wie "aus vertrauenswürdigen Quellen" ein Synonym ist für "das haben wir uns ausgedacht, weil es unserer Agenda dient".

Mein Jura-Dozent sagte hingegen, dass "umlaufende Vermutung" ein Synonym ist für üble Nachrede, ein Straftatbestand in Deutschland.


http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Hacker-stahlen-mehr-als-20-GByte-Daten-bei-Schweizer-Ruestungsbetrieb/Meine-Mama-sagte-immer/posting-28657014/show/

Quote
     Mephi2k, 24.05.2016 08:35

Der Artikel ist ja ... BILD !

Sorry aber wie schon im Forum bemerkt, Golem.de hat den viel besseren Artikel, das sind nicht nur Meilen sonder Lichtjahre unterschied.



Kommentare zu: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Hacker-stahlen-mehr-als-20-GByte-Daten-bei-Schweizer-Ruestungsbetrieb-3216344.html (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Hacker-stahlen-mehr-als-20-GByte-Daten-bei-Schweizer-Ruestungsbetrieb-3216344.html)

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Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on June 23, 2016, 12:37:43 PM
"Aufklärung oder Animationsarbeit? Zur Deformation des Journalismus" Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz (08.06.2016)
Das Geschäftsmodell vieler Medienhäuser basiert längst nicht mehr auf dem Verkauf von Information, sondern auf dem Verkauf von Aufmerksamkeit. Dies zu vertuschen und weiter darauf zu bestehen, hier werde journalistische Arbeit geleistet, liegt im ureigenen Interesse dieser Unternehmen. ... Dass der Journalismus dort bis zur Unkenntlichkeit eingeengt oder gar abgeschafft wird, wo er politisch den Primat machtfixierter Parteilichkeit stört, beispielsweise in herrschaftlich-autoritären oder diktatorischen Regimes, das gehört zum Allgemeinwissen. Gefährdet oder behindert auch der Primat der Wirtschaftlichkeit den Journalismus? Eindeutig ja.
Journalismus als unverzichtbarer professioneller Sprecher einer demokratischen Öffentlichkeit funktioniert nur in Arbeitsstrukturen, die anhaltend Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit und Beständigkeit ermöglichen. Er ist eingebunden in Wirtschaftsinteressen, vor allem wenn er privatwirtschaftlich organisiert ist, und in Machtkalküle. Er braucht Aufmerksamkeit, das Erfolgsmedium der Öffentlichkeit. Und er braucht Geld, das Erfolgsmedium der Wirtschaft. Aber Journalismus darf sich der Produktion von Aufmerksamkeit und der Beschaffung von Geld nicht unterwerfen, wenn er die Merkmale garantieren will, die seine Kennzeichen sind.
Die Medienbranche gehört inzwischen in weiten Teilen zum Wirtschaftssystem wie die Chemie-, Auto- oder Lebensmittelbranche. In den großen Medienkonzernen etabliert sich ein Geschäftsmodell, das auf Aufmerksamkeitsökonomie beruht und das von der Redaktion Animationsarbeit verlangt. ...

http://www.carta.info/82259/aufklaerung-animationsarbeit-zur-deformation-des-journalismus/


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[...] «Blick» veröffentlichte die vollen Namen und Porträt-Bilder der beiden mutmasslichen Beteiligten und fragte «Hat er sie geschändet?». Auch SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann hatte sich wegen diesem und weiteren im «Blick» veröffentlichten Artikel beim Presserat beschwert.

Mit ihrem ersten Artikel zur sogenannten Zuger Sex-Affäre habe die Zeitung den Journalistenkodex in mehreren Punkten verletzt, heisst es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Presserats.

Da «Blick» offensichtlich davon ausgegangen sei, dass es möglicherweise zu einem Sexualdelikt gekommen sei, habe er mit der Identifizierung des mutmasslichen Opfers den Opferschutz verletzt.

Mit der späteren Einstellung des Verfahrens ist rechtskräftig festgestellt, dass kein Sexualdelikt vorliegt. Ein möglicher sexueller Kontakt gehört nach Auffassung des Presserats eindeutig in den Bereich der geschützten Intimsphäre. Ein «entgegengesetztes überwiegendes öffentliches Interesse besteht in der Regel nicht», schreibt der Presserat.

«Blick» hatte geltend gemacht, dass ein intimer Kontakt zwischen der damaligen Co-Präsidentin der Alternative/die Grünen und dem damaligen SVP-Kantonalpräsidenten eine Dimension habe, die den Vorgang über den privaten Bereich hinaushebe.

Dieser Argumentation folgte der Presserat jedoch nicht. Der «Blick» habe Privat- und Intimsphäre von Spiess-Hegglin verletzt. Auch dass sie sich später selbst in der Öffentlichkeit zu Wort meldete, lässt der Presserat nicht als Rechtfertigung gelten.


Aus: "«Blick» missachtet Opferschutz und verletzt Privatsphäre" (sda, 28.06.2016)
Quelle: https://www.bluewin.ch/de/news/inland/2016/6/28/presserat---blick--missachtet-opferschutz-und-verletzt-privatsph.html (https://www.bluewin.ch/de/news/inland/2016/6/28/presserat---blick--missachtet-opferschutz-und-verletzt-privatsph.html)

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[...] Die Missbrauchs-Vorwürfe gegen den prominenten Hacker Jacob Appelbaum und der Vergewaltigungs-Prozess rund um die TV-Persönlichkeit Gina-Lisa Lohfink haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Und doch werfen diese Fälle ein Licht auf den problematischen Umgang der Netz-Öffentlichkeit und der Medien mit der Intimsphäre.

Jacob Appelbaum ist ein prominenter Hacker und wohl das, was man einen Netz-Aktivisten nennt. Er hat bei der Enthüllungsplattform Wikileaks mitgearbeitet, hat für die Mitarbeit bei den NSA-Enthüllung des Edward Snowden einen Henri Nannen Preis erhalten, war Autor für den Spiegel und gerne gebuchter Keynote-Speaker. Seit einigen Tagen nun lässt sich beobachten, wie der Ruf des Jacob Appelbaum konsequent den Bach runtergeht.

Das Internet-Sicherheits-Projekt Tor, für das er lange Zeit gearbeitet hat, trennte sich von ihm wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung. Fast gleichzeitig tauchte im Netz eine anonyme Pranger-Website auf, auf der zahlreiche Geschichten, rund um angebliche Übergriffe des Jacob Appelbaum geschildert werden. Das US-Webmagazin Gizmodo, das zum gerade pleite gegangenen Netzwerk rund um die Klatsch- und Tratschseite Gawker gehört, veröffentlichte die Schilderungen von drei Augenzeugen, die Appelbaum dabei beobachtet haben wollen, wie er in Hamburg nach einem Hacker-Kongress eine Frau sexuell belästigte. Appelbaums Ex-Freundin, die Programmiererin Leigh Honeywell, veröffentlichte einen Blog-Beitrag mit allerlei intimen Details und Vorwürfen gegen Appelbaum. Es ist, als habe man eine Kiste geöffnet und heraus quillt Unappetitliches. Appelbaum bestreitet strafrechtlich relevante Übergriffe und kündigte an, rechtliche Schritte einzuleiten. Aber das interessiert kaum. Sein Ruf ist mittlerweile schon gründlich und effizient ruiniert. Die Effekte nicht kontrollierbar. Offenbar wurde die Hausfassade seiner Wohnung in Berlin schon mit der Parole „Ein Vergewaltiger wohnt hier“ beschmiert. Wenn man jemanden fertig machen will, sind Sex-Vorwürfe und das Internet eine unschlagbare Kombination.

Weltweit griffen zahlreiche Medien den Fall Appelbaum auf und erzählten minutiös die anonymen Vorwürfe nach. Nicht selten auch mit einer gewissen Spitzfingrigkeit. Man wisse ja nicht was da dran sei und so eine anonyme Prangerseite ist ja eigentlich auch nicht schön. Aber wenn man schon mal dabei ist, wird dann doch detailliert nacherzählt, was da so alles steht. Der öffentlich-rechtliche Bayerische Rundfunk bot in seiner Sendung Zündfunk sogar noch „die Transperson Natanji“ auf, die erklärte, warum das mit dem anonymen Rufmord in diesem speziellen Fall schon ganz OK ist. Kurzfassung: Was hätten die Opfer denn machen sollen, die meisten Vorwürfe seien ja „strafrechtlich gar kein Problem.“ Aber weil das so viele sagen „denkt“ „Natanji“, dass die Vorwürfe berechtigt sind. Ach so. Na dann.

Dass sich mittlerweile die angeblich von Appelbaum in Hamburg belästigte Frau via Internet und mit einer schriftlichen Aussage zu Wort gemeldet hat und erklärt, es habe gar keine Belästigung stattgefunden und eine ganze Reihe von Aktivistinnen, die behaupten Appelbaum gut zu kennen, diesem ebenfalls öffentlich zur Seite springen, wird von den Medien wenn überhaupt achselzuckend als Update unter die ursprünglichen Sex-Stories gepackt. Nicht selten versehen mit dem Hinweis, man könne die Echtheit solcher entlastender Äußerungen nicht verifizieren.

Ganz anderer Fall: Die deutsche Reality-TV-Person Gina-Lisa Lohfink hat ausgesagt, im Jahr 2012 von zwei Männern in einem Hotelzimmer in Berlin vergewaltigt worden zu sein. Die Männer haben ein Handyvideo von dem Treffen gemacht und es diversen Redaktionen zum Kauf angeboten. Als niemand das Video kaufen wollte, stellten sie es ins Netz, wo es seither bei Porno-Portalen Klicks einsammelte. Lohfink sagt, sie hatte einen „Filmriss“. Auf dem Video sagt sie mehrfach „hört auf“. Das Gericht war der Überzeugung, sie meinte damit die Filmaufnahmen und nicht den Geschlechtsverkehr. Ergebnis: Die Männer erhielten eine Geldstrafe wegen der Verbreitung des Videos, Lohfink einen Strafbefehl wegen Falschbeschuldigung. Den will sie nicht akzeptieren, weshalb die Geschichte seit ein paar Tagen erneut durch den Gerichtssaal und die Medien geistert, inklusive aller intimen, verletzenden Details. Im Fall Lohfink mag es vielen Medien allerdings tatsächlich in guter Absicht darum gehen, eine Reform des Sexualstrafrechts einzufordern. Der Effekt ist aber ähnlich wie bei einer Rufmordkampagne: In Dauerschleife wird die Intimsphäre einer Person verletzt. Hier losgetreten durch die beiden Männer, die das Video ins Netz gestellt haben. Die Geldstrafe für diese perfide Form der Persönlichkeitszerstörung ist in der Tat eher ein Witz.

... So unterschiedliche diese Fälle im einzelnen sind, so haben sie doch eines gemeinsam: Intime Vorgänge, bei denen es in der Regel nur zwei Beteiligte gab, werden ohne Scheu und Scham über das Internet und/oder die Medien an die Öffentlichkeit gezerrt. Und zwar bevor eine Schuldfrage bezüglich der erhobenen Vorwürfe auch nur ansatzweise geklärt ist. Oftmals wird sich eine Schuldfrage womöglich auch gar nicht klären lassen, weil Aussage gegen Aussage steht.

... Für die Medien wiederum ist die sexuelle Demütigung keine Waffe, sondern eher eine Ware mit sich die dringend benötigte Aufmerksamkeit erzielen lässt. Muss wirklich jedes Detail des Intimlebens eines Prominenten ausgebreitet werden? Muss man, wie im Falle Jacob Appelbaum beim BR-Zündfunk geschehen,  auch noch zu Formulierungen greifen, dass „sein Testosteron aus jeder Ritze seines Laptops quillt“? ...

... Es ist nicht leicht, mit diesem Phänomen umzugehen. Ein wenig mehr Sensibilität und Nachdenken vor der Veröffentlichung wären vielleicht ein erster Schritt.


Aus: "Jacob Appelbaum und Gina-Lisa Lohfink: Sex als Ware und Waffe im Netz und in den Medien" Stefan Winterbauer (13.06.2016)
Quelle: http://meedia.de/2016/06/13/jacob-appelbaum-und-gina-lisa-lohfink-sex-als-ware-und-waffe-im-netz-und-in-den-medien/ (http://meedia.de/2016/06/13/jacob-appelbaum-und-gina-lisa-lohfink-sex-als-ware-und-waffe-im-netz-und-in-den-medien/)
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on July 04, 2016, 09:57:58 AM
"Demonstration gegen das Arbeitsgesetz und seine Welt’ in Frankreic" Wolf Wetzel (06/21/2016)
Die Wirklichkeit als lästiger medialer Bestandteil – 14. Juni 2016: Contre la loi Travail et son monde. Als wollten die deutschen Medien keinen Zweifel an dem Konzept aufkommen lassen, dass nur das Wirklichkeit ist, was die Medien als solche präsentieren, pixelten sie sich für den 14. Juni, den Tag der Proteste ‚Gegen das Arbeitsgesetz und seine Welt’ folgende Wirklichkeit zurecht ... Medial besteht Frankreich zurzeit nur aus ganz viel Terrorgefahr und ganz viel Fußball, der geradezu blind zwischen diesen Feldern zirkuliert.
Was den Medien ein paar Sekunden Berichterstattung, ein paar Sätze wert war, hatte nach Gewerkschaftsangaben eine Million Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Paris (und 1,3 Millionen frankreichweit mit zusätzlichen Demonstrationen in Marseille und anderswo) auf die Straße getrieben. Nach Polizeiangaben, denen die Medien mutig und unabhängig folgten, waren es „70.000 bis 80.000“ Teilnehmer in der Hauptstadt, und 125.000 landesweit.
Ob sich die Bewegung entmutigen oder gar spalten läßt, ob die Regierung die Androhung ernst machen wird, Demonstrationen zu verbieten, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. ...
https://wolfwetzel.wordpress.com/2016/06/21/demonstration-gegen-gegen-das-arbeitsgesetz-und-seine-welt-in-frankreich/

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     System.Diagnostics, 06.07.2016 22:24

Dafür ["Wikileaks-Whistleblower Chelsea Manning unternahm angeblich Suizidversuch"] hätte ich mir eine eigene Heise Meldung gewünscht statt die weiterkopierte DPA Meldung. Aber Heise Autoren kümmern sich ja inzwischen lieber darum die neuesten Produkte von Samsung, Nextcloud und Co in Szene zu setzen.  ...

http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Wikileaks-Whistleblower-Chelsea-Manning-unternahm-angeblich-Suizidversuch/Dafuer-haette-ich-mir-eine-eigene-Heise-Meldung-gewuenscht/posting-28865963/show/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on July 07, 2016, 02:06:04 PM
"Der Kampf um die Leserforen" Paul Schreyer (04.07.2016)
Einige Leitmedien haben bei Berichten zum Konflikt zwischen der Nato und Russland jüngst kaum noch Leserforen freigeschaltet. Nun äußern sich gegenüber Telepolis erstmals die Chefredakteure von Spiegel Online, FAZ.net und Süddeutsche.de zu den Hintergründen aus ihrer Sicht ... Die zunehmenden Spannungen zwischen der Nato und Russland sind weiterhin eines der großen und viel diskutierten Themen in der Öffentlichkeit - letztlich geht es um kaum weniger als Krieg und Frieden in Europa. Viele Menschen haben dazu eine Meinung, oft auch persönliche Erfahrungen, wollen sich äußern und diskutieren.
Eine Stichprobe bei Spiegel Online (SPON), sowie bei der Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ.net) ergab nun jedoch, dass für den Zeitraum vom 1. bis 19. Juni nur bei gut 10 Prozent der Artikel zu diesem Thema Leserforen freigeschaltet waren. Dieser Anteil lag bei SPON und FAZ.net etwa gleich hoch. Anders gesagt: Gut 90 Prozent aller Berichte und Analysen zum Konflikt zwischen der Nato und Russland konnten die Leser dort nicht diskutieren.
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48726/1.html

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Der-Kampf-um-die-Leserforen/forum-358897/comment/

"FAZ schaltet lieber ab: "Propaganda, Verachtung und Hass"" Paul Schreyer (06.07.2016)
Für die Süddeutsche sind Leserforen angeblich wegen der "x-mal durchgekauten" Debatten langweilig, die Zeit hat die Leser-Empfehlungen für Kommentare wieder ausgeschaltet ... Blumencron ging auf dieses Argument nicht ein. Stattdessen wiederholte er, dass das Leserforum bei FAZ.net kein "Ventil der Wut und des Hasses" sein solle. Man wolle "keine Schlachten mit Propagandisten in unseren Kommentarspalten". Dieser Einwand klingt zunächst verständlich. Doch selbst wenn man dem zustimmt, wo zieht man dann die Grenze? Ab wann ist es keine heftige, vielleicht laute, ja sogar schrille Debatte mehr, die aber womöglich dennoch wichtig für den öffentlichen Diskurs und die Meinungsbildung ist? Ab wann handelt es sich um eine von Seiten der Redaktion präventiv zu unterbindende "Schlacht"?
Man stößt hier auf einen inneren Widerspruch, denn etwas, das von vornherein verhindert wird (sprich: kein Leserforum beim Artikel geschaltet), das kann natürlich auch nicht aus dem Ruder laufen. Der Unterschied ist vergleichbar einem Demonstrationsverbot gegenüber der Einschränkung einer Demonstration. Man könnte daher argumentieren, dass vor das präventive Abschalten von Leserforen eine weit höhere Hürde gelegt werden sollte, als vor das - auch nicht unproblematische - Löschen von Leserbeiträgen.
Wo aber liegt diese Hürde aktuell? Wenn nicht völlig willkürlich entschieden werden soll, nach Stimmung, Tageslage oder womöglich politischer Orientierung der Chefredaktion, dann braucht es dafür transparente Kriterien.
Oder aber, noch einfacher und transparenter: Man lässt das Abschalten der Foren gleich ganz und ermöglicht einen ständigen und offenen Austausch der Leser. Einige Medien, wie etwa Zeit Online (oder auch Telepolis) handhaben es bekanntlich seit Jahren so. Unmöglich ist das also nicht. Die Abschaltung von Foren bedarf einer überzeugenden (!) Begründung, umso mehr, wenn Mitbewerber offenbar ohne größere Probleme, auch bei brisanten Themen, mit den freigeschalteten Foren zurechtkommen.
... Während Harms vom Spiegel also beim Fehlen der Foren noch mit "Zufall" argumentiert hatte, Blumencron von der FAZ mit einem Übermaß an Pöbelei, überraschte Plöchinger von der Süddeutschen mit einer anderen Begründung: "Redundanzen" - zu Deutsch: man langweilt sich bei den immer gleichen "schon x-mal durchgekauten" Debatten, fühlt sich intellektuell unterfordert und vermisst "Überraschend-Intelligentes".
Für ein Blatt, das, wie erwähnt, siebenmal in einem Monat von seinen Lesern den Brexit diskutieren lässt, ist das ein gewagtes Argument. Zudem wird auch hier wieder ein seltsam einseitiger Blick offenbar. Denn tatsächlich sind natürlich nicht bloß Leserkommentare auf Dauer "redundant". Ganz im Gegenteil: Fast der gesamte mediale Politikdiskurs, beinahe alles, worüber Politiker, Journalisten und Leser reden, ist nicht neu, sondern, "x-mal durchgekaut".
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48727/1.html

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/FAZ-schaltet-lieber-ab-Propaganda-Verachtung-und-Hass/forum-359079/comment/


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     schocolo, 07.07.2016 04:07

Das Missverständnis deutscher Journalisten zu ihrem Job schlechthin ist das die Bürger keine Belehrungen und Propaganda-Kampagnen von ihnen wünschen, sondern zunächst einmal sorgfältig recherchierte Nachrichten ohne den aufdringlichen persönlichen Odeur der Schreiber.

In den Foren, etwa der Süddeutschen, wurde, neben der allfällig desolaten Diskussionskultur, auch erheblicher Ärger über Kampagnenjournalismus, Voreingenommenheit und Belehrungswahn der Journalisten laut, was den selbstverliebten Schreibern wohl all zu sehr ans Ego ging.

Da zensiert man halt lieber, oder sperrt Lesermeinungen am besten gleich ganz aus, ein armseliges Berufsverständnis.

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     diekhus, Volker Bernhard, 07.07.2016 10:50

Re: Das Missverständnis deutscher Journalisten zu ihrem Job schlechthin ist....

Das finde ich ein wenig schwach und zuckersüss.
Die Journalisten sind , in der Regel jedenfalls, nicht so dumm , dass sie nicht begreifen würden was da läuft und was sie schreiben. Sie sind Teil einer medialen Kriegsmaschinerie. Die Sache ist viel schjlimmer, da zentral gesteuert. ... Ich kann Dir empfehlen das Buch von E.Bernay aus dem Jahre 1928 zu lesen. Die ersten zwei Seiten reichen schon und waren kürzlich hier im Forum zu lesen. Das Buch heisst "Propaganda" und die Dinge laufen hierzulande so, wie dort bereits vor knapp 100 Jahren beschrieben.

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     Sascha_L, 07.07.2016 11:48


Re: Verschwörungstheorien helfen auch nicht weiter

Also wenn man sich so ansieht, wie stark die Lügen koordiniert sind, ist es schon schwer, nicht zum "Verschwörungstheoretiker" zu werden.
http://libertarian.blogsport.de/2015/07/22/wieder-mal-ueber-die-luegenpresse/ (http://libertarian.blogsport.de/2015/07/22/wieder-mal-ueber-die-luegenpresse/)

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     schocolo, 07.07.2016 12:00

Re: Verschwörungstheorien helfen auch nicht weiter
sorry, aber leider auch nur wieder eine Verschwörungstheorie mehr.
Denn die Kritiker der Elche, sind doch meistens selber welche :-)



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     WurstMitSenf, 07.07.2016 11:59

Re: Das Missverständnis deutscher Journalisten zu ihrem Job schlechthin ist....

diekhus schrieb am 07.07.2016 10:50:

    Das finde ich ein wenig schwach und zuckersüss.
    Die Journalisten sind , in der Regel jedenfalls, nicht so dumm , dass sie nicht begreifen würden was da läuft und was sie schreiben. Sie sind Teil einer medialen Kriegsmaschinerie.
    ...
    Mit selbstverliebten Schreibern hat das nichts zu tun. Das ist , massiv beeinflusst von unseren "Freunden" jenseits des grossen Teiches, Teil zu Machterhalt und Machtausbau
    des US Imperiums.


Da mag was dran sein, es gibt viele Indizien dafür. Freilich ist es ganz banalerweise auch so, dass Moderation notwendig ist, sei es aus inhaltlich/qualitativen Gründen, sei es wegen der scharfen Forenhaftung die in Deutschland gilt. Und das kostet Geld. Geld was keiner bereit ist auszugeben ...

Kurzfristig gedacht, dumm gedacht, Leserverachtend? Ja. Aber sehr viel wahrscheinlich als dass da eine riesige Verschwörung läuft.
Oder es kommt beides zusammen, macht es nicht besser.

WmS


http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/FAZ-schaltet-lieber-ab-Propaganda-Verachtung-und-Hass/Das-Missverstaendnis-deutscher-Journalisten-zu-ihrem-Job-schlechthin-ist/posting-28866443/show/

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     KuMB, 07.07.2016 04:25

... Ein abschließendes Wort .... ;-)

"Herr Scholl-Latour …

… eines will ich noch sagen. Wir regen uns zu Recht über die NSA auf. Aber man musste schon sehr naiv sein, um nicht zu wissen, dass diese Überwachung stattfindet. Das größere Problem sind Fabriken der Desinformation, ob sie sich nun in North Carolina, London oder Israel befinden. Die zielen auf deutsche und europäische Medien. Und das klappt. Von der „taz“ bis zur „Welt“ – ein Unisono, was die Ukraine betrifft. Oder Syrien: Als man die Aufständischen als die Guten und die anderen als die Bösen dargestellt hat. Dabei waren weder die einen noch die anderen gut oder böse. Wir leben mit so vielen Lügen. Wenn es heißt, Indien sei die größte Demokratie der Welt. Ja, Scheiße! Das Kastensystem ist schlimmer, als das Apartheidsystem in Südafrika je gewesen ist. Indien ist das grauenhafteste Land der Welt."

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/interview-mit-peter-scholl-latour-scholl-latour-ueber-die-krise-in-der-ukraine-und-edward-snowden/9652136-2.html

Darum müssen Kommentare zensiert werden: Weil sonst die Manipulation nicht mehr funktioniert.

"27'000 PR-Berater polieren Image der USA - Ein Chefredaktor beklagt den immensen Einfluss des amerikanischen Verteidigungsminsteriums auf seine Journalisten. Jetzt ist ihm der Kragen geplatzt: Er enthüllt schier unglaubliche Fakten über die PR-Arbeit des Pentagons."
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/27000-PRBerater-polieren-Image-der-USA/story/20404513 (2.02.2009)

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/FAZ-schaltet-lieber-ab-Propaganda-Verachtung-und-Hass/Letzter-Ein-abschliessendes-Wort/posting-28866446/show/

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     hgeiss, 06.07.2016 14:58

Mit Onlineforen wurde ein demokratisches Tor aufgestossen

Ich war jahrzehntelang Leser der SZ und wenige Male wurden von mir auch gekürzte Leserbriefe abgedruckt, ansonsten hieß es immer in automatisierten Rückmeldungen – „man bedauere wegen der Vielzahl der Einsendungen.den Kommentar nicht berücksichtigen zu können (...) aber man könne versichert sein, dass die Redakteure ihn aufmerksam lesen und sich davon eventl. inhaltlich anregen lassen (oder so ähnlich).
Man akzeptierte das, denn man sah vor seinem geistigen Auge wäschkörbeweise Leserzuschriften, von denen kein Handvoll gekürzt in den edlen Forumsspalten Platz finden konnten. Mit dem Internet und den Onlineposts, die auch Pseudonyme akzeptieren, wurde ein gewaltiges demokratisches Tor aufgestossen, auch wenn dies das Troll-Unwesen (außerhalb der redaktionellen Beiträge, hier tummelten sich gekaufte Trolle schon lange) möglich machte und gelegentliche Beiträge stark vom Facebook-Gequatsche geprägt sind. Aber es ist schon ein beachtlicher Schritt, sich zu einem politischen Thema zu äußern, auch wenn man nicht gerade Professor der Rhetorik ist. Und die so arrogant und scheinheilig beklagten Wiederholungen? Nun könnte man sagen, wenn schon die propagandistischen Lügen in den redaktionellen Beiträgen ständig wiederholt werden, warum sollte es nicht auch Wiederholungen der „Wahrheit“ geben, wie sie ein einzelner Forent empfindet? Im Übrigen reagiert man ja auf einen vorausgegangenen Bericht und wird nur ausnahmsweise die manchmal hunderte von Wortmeldungen zuvor alle durchlesen. Wiederholungen sind unvermeidbar und es ist auch gar nichts Schlechtes daran, wenn tausendmal geschrieben wird:
- die Nato ist ein Angriffsbündnis,
- von der Globalisierung profitieren nur Geschäftemacher,
- wer mit Drohnen, Missiles, Bomben usw. Menschen ermordet, ist ein feiger Hund (ein Verbrecher sowieso)
- hinter neun von zehn Terroranschlägen stecken Geheimdienste,
- im Preis vieler Waren stecken 40 Prozent Schuldzinsen (der Hauptgrund für die Mär von der Notwendigkeit dauernden Wachstums)
- das Geldvermögen übersteigt die vorhandenen fassbaren Werte und Güter um das Fünfzigfache (?), so dass Banken und Börsen nur einen riesigen Luftballon aufblasen und längst wie die Religionen vom reinen Glauben leben und
- viele Medien betreiben systematisch Volksverdummung usw.
Die Liste an ziemlich plausiblen Wahrheiten könnte man noch bis Weihnachten fortsetzen und es ist nichts Schlechtes daran, sie immer zu wiederholen – oder wenn sie falsch sind, ihnen zu widersprechen.

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/FAZ-schaltet-lieber-ab-Propaganda-Verachtung-und-Hass/Mit-Onlineforen-wurde-ein-demokratisches-Tor-aufgestossen/posting-28863621/show/

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     cassiel, 06.07.2016 14:11

Diskussion wäre ohne Voltaire zu zitieren unvollständig:
"Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen." - Voltaire

So viel und nicht mal sehr viel weniger kann man offenbar von den Herausgebern der im Artikel genannten Zeitungen und Magazine für ihre Leser erwarten. Der Autor des Artikel hat schon sehr schön die Ausreden und Ausflüchte hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit zerpflückt.

Weitere Nachfragen erübrigen sich eigentlich, aber man hätte sie noch fragen können, warum sie sich angesichts des Voltaire-Mottos und ihrer Probleme mit einem freien Forum (vergleichbar hier) für das ultimative Mittel der Vollzensur entschieden haben und welche Alternativen sie wie geprüft haben, bevor sie dazu griffen und ob sie es sich mit dem Abschalten der Foren nicht zu einfach gemacht haben und wie sie glauben, dass es andere Zeitungen und Magazine wie eben heise mit newsticker und Telepolis oder der österreichische Standard es schaffen freie Foren zu betreiben und das seit Jahrzehnten.

Im Fall von Zeit online wäre die Zensurpraxis im Einzelfall zu hinterfragen. Hier im heise-Forum meckert das Forumlar nur wen man zu viel zitiert. Eine Notwendigkeit von Kürzungen besteht hier offensichtlich nicht. Das ist auch eine wichtige zentrale Eigenschaft eines Forums: die Authentizität der Beiträge. Wenn mir jemand in meinen Kommentaren herumpfuscht, dann hab ich schnell die Schere im Kopf bzw. muss immer Zensur und Entstellung dessen was ich schreibe befürchten. Das gleiche Problem wie bei Wikipedia.
Die Benutzbarkeit und Leserfreundlichkeit wäre auch zu problematisieren gewesen.
Aber es ist natürlich ein Problem, wenn man nicht nur nicht schreiben kann was man will, sondern wenn man fragen kann was man will, aber keine Antwort bekommt.

Bleibt wieder nur mein Fazit: warum sollte ich eine Zeitung/Magazin lesen, kaufen, abonnieren, verlinken, zitieren, empfehlen deren Machern meine Meinung am Arsch vorbei geht? Mein Bauchgefühl hatte einmal mehr Recht in den vergangenen Jahrzehnten keine signifikanten Mengen an Zeit und Geld an diese zu verschwenden. Ich gebe zu ich habe einmal die ZEIT während meines Studiums abonniert. Das möge man mir als Jugendsünde verzeihen. Am Ende war es ein Haufen Altpapier.

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/FAZ-schaltet-lieber-ab-Propaganda-Verachtung-und-Hass/Diskussion-waere-ohne-Voltaire-zu-zitieren-unvollstaendig/posting-28863282/show/
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on July 07, 2016, 02:12:24 PM
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[...] Judith Miller, Starreporterin der "New York Times", veröffentlichte Bericht um Bericht über angebliche Belege für Massenvernichtungswaffen im Irak. Zwischen August 2002 und dem Kriegsbeginn am 19. März 2003 platzierte die "Washington Post" auf ihrer Titelseite nicht weniger als 140 Artikel mit Argumenten der Bush-Regierung für einen Einmarsch im Zweistromland. Nach dem berüchtigten Auftritt von Außenminister Colin Powell vor den Vereinten Nationen schrieb "Post"-Kolumnist Richard Cohen, nur Scharlatane - oder Franzosen - könnten nun noch an den Beweisen für die Bedrohung durch den Irak zweifeln. Die wenigen Autoren, die dies dennoch wagten, wurden auf hintere Seiten verbannt. Derlei Kriegstrommelei, für die sich US-Leitmedien wie die "New York Times" öffentlich entschuldigen mussten, erschütterte das Ansehen eines ganzen Berufsstands. ...


Aus: " Medien im Irak-Krieg: Die Wahrheit starb zuerst" Gregor Peter Schmitz, Washington (19.03.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/der-niedergang-der-us-medien-begann-mit-dem-irak-krieg-a-889203.html (http://www.spiegel.de/politik/ausland/der-niedergang-der-us-medien-begann-mit-dem-irak-krieg-a-889203.html)

"Forum: Politik Medien im Irak-Krieg: Die Wahrheit starb zuerst"
Mit der Irak-Invasion wurden viele amerikanische Journalisten zu unkritischen Kriegstrommlern. Das beschleunigte den Niedergang der US-Medien. Der Krieg verhalf Online-Medien und Bloggern zum Durchbruch - etablierte Marken verlieren seither an Wirtschaftskraft und Einfluss. ...
http://www.spiegel.de/forum/politik/medien-im-irak-krieg-die-wahrheit-starb-zuerst-thread-85763-1.html


"Das SPON-Forum: So wollen wir debattieren" (Stand 07/2016)
Wir wollen ein offenes, freundschaftliches und respektvolles Diskussionsklima - bitte achten Sie darauf, dass in den Debatten ein fairer und sachlicher Ton herrscht und Beiträge stets eng mit dem Thema der Diskussion zu tun haben. ...
http://www.spiegel.de/extra/spon-forum-so-wollen-wir-debattieren-a-1032920.html

Title: Re: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on July 07, 2016, 03:16:41 PM
"ARD-Magazin Fakt und das Schattenfechten gegen den Kreml" Katrin McClean (05.07.2016)
Nach der faktenlosen Sendung über den Kriegsreporter Mark Bartalmai ("Fakt" ohne Fakten gegen Mark Bartalmai) hat das Nachrichtenmagazin "Fakt" nun nochmal den ganz großen Angriff gestartet und versucht, den Propaganda-Krieg nachzuweisen, mit dem der Kreml die Gehirne der europäischen Zuschauer waschen will. In der Sendung vom 4. Juli 2016 - "Spiel im Schatten. Putins unerklärter Krieg gegen den Westen" - wird dabei von einem Schattenkrieg gesprochen, und mir stellt sich schon das erste Rätsel, nämlich wie Propaganda, die ja eigentlich vor allem über eine breite Öffentlichkeit funktioniert, wie sie etwa ARD und ZDF genießen, im Schatten wirksam werden soll. Fakt hat dazu vermeintliche Beweispunkte gesammelt, die ich hier der Reihe nach prüfen möchte. ... [...] ...
... Und was den Vorwurf an Einseitigkeit angeht. Bei der Berichterstattung über Bürgerkriegsländer wäre es Sache eines guten und objektiven Nachrichtenmagazins, sich die Meldungen aller Seiten kritisch anzuschauen und zu einer ausgewogenen Berichterstattung zu finden.
Doch wieder einmal hat Fakt sich selbst der Einseitigkeit überführt: Die Nachrichten auf prowestlicher Seite werden per se als objektiv hingestellt. Darstellungen aus prorussischer Sicht sind samt und sonders Propaganda. Womit der gemachte Vorwurf ein weiteres Mal auf die Sendung selbst zurückfällt.
Zusatz in eigener Sache: Hiermit erkläre ich eidesstattlich, dass ich weder vom Kreml bezahlt werde, noch sonst irgendwelche Verbindungen nach Russland unterhalte. Ich möchte einfach gern in Frieden leben und für diesen Wunsch habe ich seit meiner frühesten Kindheit keine Anregung von außen benötigt.
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48739/1.html

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     schtonie, 05.07.2016 15:36

Ich frage mich wann man seitens des öffentlichen Rundfunks anfängt, das eigene Verhalten an die spätestens seit 2014 unübersehbare Realität anzupassen.

ARD und ZDF haben seit der Ukraineberichterstattung einen Shitstorm sowie PR Entlarvung nach der anderen über sich ergehen lassen müssen, geben sich aber bei erneuten Versuchen der Interessenberichterstattung nicht einmal Mühe, diese wenigstens halbwegs schlüssig zu gestalten.

Da muss ich grad an Sigourney Weaver in AVATAR denken...

"Die pissen auf uns und sind nichtmal mehr so höflich, uns das als Regen zu verkaufen..."

;-)

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/ARD-Magazin-Fakt-und-das-Schattenfechten-gegen-den-Kreml/Ich-frage-mich/posting-28857215/show/

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     Eymontop, 05.07.2016 16:31

Die Propaganda von "Fakt" und des ÖR ist bei Naiven sehr erfolgreich

Siehe hier: Im Forum schreiben viele mit, die jeden, der die Kriegsbemühungen und umfangreichen Waffenlieferungen der USA kritisch sieht, sofort als Putin-Versteher und Russen-Troll abtun. Das Jemand nur eigenständig denkt und deswegen anderer Meinung ist, ist für solche Leute absolut unvorstellbar.

So argumentieren im Grunde nur waschechte Diktaturen: Jeder, der die seeligmachende Politik "der Guten" aus den USA und EU nicht gut heißt, ist automatisch ein "feindlicher Agent" oder "Putin-Versteher". Denn nur "die Bösen" aus den Reichen der Bösen Russen können gegen das Westliche Werte-Paradies "der Guten Amerikaner" sein!

So ein Schwachsinn kommt heute tatsächlich noch an! Ich hätte es selbst vor 10 Jahren nie für möglich gehalten, da ich gedacht habe, das die Menschheit sich weiter entwickelt hat und die Barbarei endgültig hinter sich gelassen hat. Was für ein grausamer Irrtum.

Diese "Kommentatoren", hier oft gut zu beobachten, sind meist dermaßen verblödet, das sie überhaupt nicht merken, wie lächerlich unlogisch ihre Behauptungen sind.

So das diese dann pausenlos wiederholt werden, wie ein Beschwörungs-Mantra. So etwa "Die Annexion der Krim durch Russland". Ein Propaganda-Märchen für den, der die Tatsachen kennt. Aber wenn man es oft genug wiederholt - so der Glaube - wird aus einem Märchen irgendwann dann plötzlich die Wahrheit.

mfg


http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/ARD-Magazin-Fakt-und-das-Schattenfechten-gegen-den-Kreml/Die-Propaganda-von-Fakt-und-des-OeR-ist-bei-Naiven-sehr-erfolgreich/posting-28857720/show/

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     Alex Kilgour, 05.07.2016 18:07

Das grosse Ganze ...

Natürlich gibt es einen Propagandakrieg von beiden Seiten.

Denn weder Russen noch Amerikaner wären so dumm es nicht zu tun. Dafür ist Deutschland zu wichtig im "Great Game" ( https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game) europäischer Ausprägung.

Deutschland wichtig ?

Ja. Man braucht sich nur zu überlegen, was passieren würde, wenn sich Deutschland von den USA abwendet und Russland zuwendet. Russland Resourcen in Verbindung mit deutscher Technologie - dazu käme das Aufsprengen der amerikanischen Containment Politik (https://de.wikipedia.org/wiki/Containment-Politik) und in der Folge die Kastrierung der Nato.

Davor haben nicht nur die Amerikaner Angst, sondern auch viele europäische Nachbarn.

Es gab Zeiten vor 1914, da waren Deutschland und Russland sehr eng verbunden. U.a. Deutsche haben sehr viel dazu beigetragen, dass sich Russland im 17. bis 19. Jahrhundert rasch entwickeln konnte. (https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Russlanddeutschen)

Und trotz 1. und 2. Weltkrieg gibt es immer noch sowohl in Deutschland als auch in Russland gegenseitige Bewunderer.

Die Amerikaner versuchen die Annäherung Deutschland an Russland mit ihrer Propaganda zu verhindern - die Russen wollen Deutschland mit Ihrer Propagaqnda zumindestens neutralisieren.

Ich habe daher keinen Zweifel, das von Russland auch deutsche Journalisten unterstützt oder benutzt werden - genauso wie deutsche Journalisten auch von den USA unterstützt und benutzt werden.

Unterstützung kann auf vielfältige Weisen passieren (Geld, Zugang zu informationen, wichtigen Orten und Personen, ...). Die Annahme von Vergünstigungen muss dabei noch nicht einmal strafbar sein.

Eine Hand wäscht die Andere - und trotzdem bleiben so viele Hände schmutzig (Heinz Erhardt)

Ob dies auf die von Fakt genannten Journalisten (oder auf die Autorin dieses Artikels) zutrifft? Dass wissen wir nicht ! Da gibt es auch nichts gerichtlich Verwertbares. Also erstmal im Zweifel für die Angklagten.

Der Mangel an investigativem Journalismus ist für mich ein Zeichen, dass zu viele Journalisten ihre Fahne nach dem Wind hängen und als 4. Kraft im Staate versagen.

Also immer daran denken:
Staaten haben Interessen, aber keine Freunde (Charles de Gaulle).

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/ARD-Magazin-Fakt-und-das-Schattenfechten-gegen-den-Kreml/Das-grosse-Ganze/posting-28858457/show/

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     jor-hell, 05.07.2016 21:56

Das ARD-Magazin Fakt als Beispiel von Qualitätsjournalismus

Wie sieht deutscher Qualitätsjounalismus heute aus? Fakt zeigt es. Gnadenloses Einprügeln auf Putin. Eine dunkle Schattengestalt, einige finstere Putin Handlanger, die Informationskrieger, die Eroberungsgelüste Russlands. Dazu die einäugige Golineh Ata die ebenso wie die grüne Rebecca Harms unfähig zu einer neutralen Analyse ist.

Ich habe mir die ganze Sendung angeschaut und ich finde der Begriff tendenziöse Lügenpresse ist hier ganz einfach noch untertreibend.

Kriegsgeheul und Säbelrasseln. Fakt sollte sich mal mit Herrn Steinmeier unterhalten. Aber da greife die wohl lieber auf Herrn Hans-Georg Maaßen zurück. Der Verfassungsschutzpräsident wusste zwar nichts über die NSU, weiss aber alles über russische Propaganda. Vermeintliche Beweispunkte, dunkle Andeutungen sind sein Metier, genau wie bei Fakt auch.

     jor-hell


http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/ARD-Magazin-Fakt-und-das-Schattenfechten-gegen-den-Kreml/Das-ARD-Magazin-Fakt-als-Beispiel-von-Qualitaetsjournalismus/posting-28859527/show/

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     Architekt71, 05.07.2016 22:06

paar Links als Überzeugungshilfe

von Snowden geleakte Dokumente belegen: westliche Geheimdienste manipulieren öffentliche Meinung professionell im großen Stil:
https://theintercept.com/2014/02/24/jtrig-manipulation/

27'000 PR-Berater polieren Image der USA:
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/27000-PRBerater-polieren-Image-der-USA/story/20404513

Britischer Geheimdienst GCHQ plant Rufmord im Netz:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/britischer-geheimdienst-gchq-plant-rufmord-im-netz-12819527.html

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     Strammski, 05.07.2016 23:17

Re: paar Links als Überzeugungshilfe

immer wieder sehenswert
Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ - Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements
https://www.youtube.com/watch?v=Rx5SZrOsb6M



http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/ARD-Magazin-Fakt-und-das-Schattenfechten-gegen-den-Kreml/paar-Links-als-Ueberzeugungshilfe/posting-28859576/show/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on July 07, 2016, 03:22:44 PM
"Fakten über verborgene Krieger gegen die EU" Wolle Ing (05.07.2016)
Propagandakrieg Über die wirklichen Informationskrieger - über Ursachen, Profiteure und möglichen Folgen - zur Rolle von Teilen der Medien.
Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Wolle Ing

https://www.freitag.de/autoren/wolle-ing/fakten-ueber-verborgene-krieger-gegen-die-eu

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Magda 05.07.2016 | 17:21
Ich fand die Sendung auch unter aller Kanone. Dieser Dr. Meister predigte herunter von seinem think tank mit schiefem Kopf wie eine Legehenne der Aufklärung.
Mir gefallen manche RT-Sendungen nicht und die Allianz mit Leuten wie Jürgen Elsässer auch nicht. Aber, was da umhergeraunt wurde, war wirklich wenig aufklärend.
Meine private These ist ja eher: Die Fronten gegen Putin sind im Aufweichen. Da muss mal noch ne Ladung Gegenpropaganda her.


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[...] In Großbritannien sind angesichts der massiven Kritik an Jeremy Corbyn nach Angaben der Tageszeitung The Independent in nur einer Woche mehr als 60.000 Menschen in die Labour-Partei eingetreten. Es handele sich um die größte Eintrittswelle in so kurzer Zeit in der Geschichte der britischen Parteienlandschaft, schreibt das Blatt. Mit den Masseneintritten stellt sich die Labour-Basis damit offenbar eindrucksvoll gegen den Versuch des rechten Partei-Establishments, den linksgerichteten Corbyn nach dem Brexit-Votum zu stürzen und durch Pro-EU-Kräfte zu ersetzen. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass Corbyn-Kritiker ein Parteibuch beantragen, um die Gegner des Parteivorsitzenden zu stärken.

The Independent schätzt jedoch, dass mehr als die Hälfte der Parteineulinge zu Unterstützern der linken, EU-kritischen Corbyn-Linie zählen. Der Masseneintritt in die sozialdemokratische Labour-Partei würde damit die Kluft zwischen der Parteibasis und der Funktionärsebene zeigen. Denn während die Briten massenhaft ein Labour-Parteibuch beantragen, hat sich ein großer Teil des Schattenkabinetts von Corbyn zurückgezogen. Die designierten Ministerinnen und Minister protestierten damit gegen Corbyns angeblich zu wenig akzentuierte Haltung gegen einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Drei Viertel der Labour-Abgeordneten sprachen dem Parteichef zudem ihr Misstrauen aus. Sie lagen damit auf einer Linie mit dem scheidenden konservativen Premierminister David Cameron, der den Labour-Chef im Abgeordnetenhaus mit harschen Worten zum Rücktritt aufrief: "Um Himmels Willen, gehen Sie endlich, Mann!"

Corbyn weist bislang alle Rücktrittsforderungen zurück. Er war erst im September von der Parteibasis in einer Urwahl zum Labour-Chef bestimmt worden. Gut 60 Prozent hatten sich damals für den Linken ausgesprochen. Jetzt wegen ein paar Dutzend Abgeordneter zu gehen, lehnt Corbyn ab.

Während in der deutschen Presse von dem Widerstand aus dem rechten Labour-Flügel in der deutschen Presse breit berichtet wurde, war von der Eintrittswelle hierzulande bislang nichts zu erfahren.

Mit den Eintritten in Labour steigt die Mitgliederzahl auf rund 450.000. Das sind deutlich mehr Mitglieder als zum bisherigen Höhepunkt unter Anthony Blair, als die Partei Ende der 1990er Jahre 405.000 Mitglieder verzeichnete. ...

... Nach Angaben des "Independent" wurden 20.000 der neuen Labour-Mitglieder bereits überprüft. Man gehe davon aus, schreibt das Blatt, dass mindestens die Hälfte der Parteineulinge ausdrücklich Corbyn und dessen "historische Wende" unterstützen wollen. Es sei aber auch denkbar, dass tausende Neumitglieder sich gegen den linken Labour-Chef wenden. Die "Wirtschaftsministerin" im Schattenkabinett von Corbyn, Angela Eagle, führt derzeit eine Kampagne gegen den Parteivorsitzenden, dessen Nachfolge sie antreten will.

Indes haben 240 Stadträte einen offenen Brief zur Unterstützung von Corbyn veröffentlicht. Die Initiative folgte unmittelbar auf das Misstrauensvotum in der Fraktion, bei dem nur 40 Mitglieder dem Vorsitzenden ihr Vertrauen ausgesprochen hatten.

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     albibi, 05.07.2016 12:47

Fehl- und Miss- und Nichtberichterstattung deutscher Leitmedien

Wer sich noch ernsthaft über die Fehl- und Miss- und Nichtberichterstattung deutscher Leitmedien wundert - oder noch ernsthaft daran zweifelt - , dem sei dieser sehr fundierte und überzeugende Beitrag von Herrn Goeßmann empfohlen:

https://youtu.be/MsJlNeJZkP4

"Die Leitmedien als Sprachrohr der politisch und wirtschaftlich Mächtigen

Vom Afghanistankrieg über die Griechenlandkrise bis zum Klimaschutz: Der Medienkritiker David Goeßmann, Gründer von Kontext-TV, erläutert, wie deutsche Leitmedien die Realität systematisch filtern und die Ereignisse ideologisch rahmen. Anstatt Macht und Mächtige zu überwachen, fungieren die Mainstreammedien als Gatekeeper der Eliten. Das Ergebnis ist eine blockierte Demokratie.

Moderne Massenmedien, so Edward Herman und Noam Chomsky in ihrem Standardwerk „Manufacturing Consent“, tendieren aufgrund institutioneller Filter dazu, Zustimmung zum politischen Kurs der Eliten herzustellen. David Goeßmann liefert eine Reihe von Belegen, wie auch deutscher Journalismus gemäß den Erwartungen des Propaganda-Modells funktioniert. Wenn sich die politischen und ökonomischen Eliten über einen Kurs verständigt haben, filtern die Medien unliebsame Tatsachen aus. Die Bedürfnisse und Interessen der Bevölkerungsmehrheit kommen dabei unter die Räder.

Referent: David Goeßmann, Journalist, Gründer des Fernsehmagazins kontext-tv.de



Aus: "Über 60.000 Eintritte in die Labour-Partei binnen einer Woche" Harald Neuber (05.07.2016)
Quelle: http://www.heise.de/tp/news/Ueber-60-000-Eintritte-in-die-Labour-Partei-binnen-einer-Woche-3254387.html (http://www.heise.de/tp/news/Ueber-60-000-Eintritte-in-die-Labour-Partei-binnen-einer-Woche-3254387.html)

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on July 13, 2016, 05:48:28 PM
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[...] Das russische Nachrichtenportal betreibt ziemlich plumpe Meinungsmanipulation ... Wie Medien Meinungen zu formen versuchen, zeigen exemplarisch die Umfragen des staatlichen russischen Nachrichtenportals Sputnik, das 2014 aus dem Zusammenschluss der Nachrichtenagentur RIA Novosti und des Auslandsrundfunks Stimme Russlands gebildet wurde. Ähnlich wie der Auslandssender Russia Today versucht Sputnik die russische Sicht der Dinge in die Welt zu transportieren, wie das auch westliche Sender und Nachrichtenportale machen. Nur hat man den Eindruck, die Propaganda ist etwas dicker aufgetragen. Geangelt werden denn auch gerne heimische – sendungsbewusste oder eitle - Kommentatoren, die sich instrumentalisieren lassen, möglicherweise weil sie hier ein größeres Forum als in anderen Medien finden. ... es scheint so zu sein, dass gerne diejenigen, die laut von "Lügenpresse" tönen, gegenüber russischen Medien, die sich als alternativ ausgeben, Scheuklappen aufsetzen. Zudem wird man hier mit den eigenen Meinungen bedient. Und das kann ja nur stimmen, wenn man auf Volkes Seite steht. ...

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     znirp44, 13.07.2016 13:42

Wann beschwert sich H. Rötzer über RFE/RL

Einen solchen Artikel über Radio Free Europe, Radio Liberty oder Radio Free Asia möchte ich dann aber auch lesen. Gegründet und finanziert von amerikanischen Regierungsorganisationen, Geheimdiensten und ausgestrahlt in den jeweiligen Landessprachen der Zielländer. Also Herr Rötzer, frisch ans Werk!

Man stelle sich mal vor, in Russland würde ein "Russian Committee for the Liberation of the Peoples of the USA" oder "Russian Committee for Liberation from Capitalism" entsprechende programme entwickeln und dies über Radiosender verbreiten, die vom FSB oder GRU finanziert werden. Die würden Putin doch sofort alle für verrückt erklären und ihm unterstellen, dass er den Dritten WK provozieren und die Weltherrschaft erringen will.


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Aus: "Europäer bangen um Arbeitsplätze wegen Einwanderer" Florian Rötzer (13.07.2016)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/48/48813/1.html (http://www.heise.de/tp/artikel/48/48813/1.html)

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"Verifizieren braucht Zeit – Soziale Medien oft schneller als das Fernsehen" (20.07.2016)
Wenn es um Schnelligkeit geht, können Fernsehsender mit sozialen Medien kaum mithalten. Gerade wenn dort live Videos von Ereignissen wie dem Putschversuch in der Türkei zu sehen sind, sind Facebook und Twitter dem Fernsehen oft voraus. "Die sozialen Medien sind natürlicher schneller. Auch CNN kann nicht mit Facebook Live mithalten", sagte der Kommunikationswissenschaftler Julius Reimer vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg. ... Medienforscher Reimer sieht hier ebenfalls ein Problem: In sozialen Netzwerken verbreiteten sich eben auch Gerüchte genauso schnell wie Fakten. Das gelte auch für falsche Videobilder. Medien könnten in Fällen wie dem Putschversuch in der Türkei realistischerweise nicht sofort am Ort des Geschehens sein. Fernsehsender, auch ARD und ZDF, hätten nicht die Ressourcen, innerhalb von Minuten auf solche Ereignisse zu reagieren. Anders als die sozialen Medien müssten die Redaktionen Informationen und Videomaterial erst sichten, verifizieren und einordnen, sagte Reimer. "Mehr zu bringen als nur die Bilder, braucht etwas Zeit." ... Bei Handy-Videos etwa nach Terroranschlägen überprüfe eine Verifikationseinheit, ob das Material authentisch ist, sagte Gniffke. "Bleiben Zweifel an der Echtheit, machen wir das im Nachrichtentext deutlich oder verzichten auf das Material." Bei live gestreamten Videos gebe es aber nur die Entscheidung: senden oder nicht. "Streng genommen können wir gar nichts live übernehmen." ... Kommunikationswissenschaftler Julius Reimer weist auch darauf hin, dass ARD und ZDF nach seiner Einschätzung nicht den Auftrag für ein komplettes 24-Stunden-Newsangebot haben: "Das ist eine Frage, um die sich die Politik Gedanken machen muss – ob der Auftrag entsprechend ausgeweitet werden soll."...
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Verifizieren-braucht-Zeit-Soziale-Medien-oft-schneller-als-das-Fernsehen-3272933.html

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     Struppi1, 20.07.2016 11:20

Notwendigkeit?

Ist es wirklich notwendig, dass weltweit Meldungen unmittelbar verbreitet werden?

Ich vermisse eher Aufarbeitung und Vertiefung, bzw. auch Berichte über Konsequenzen nach Ereignissen.

Das Phoenix am nächsten morgen erst um neun berichtet hat finde ich nicht weiter störend. Ich konnte auch ohne das Wissen über den Putsch ind er Türkei gut schlafen und werde demnächst mal einen ausführlichen Bericht darüber lesen. Es bringt aber kaum Erkenntnisgewinne ständig jede Stunde die mehr oder weniger gleichen Meldungen in Nachrichten vorgetragen zu bekommen.

Wer hat eigentlich dieses Bedürfnis aufgebaut? Ich habe es nicht und ich erwarte es auch nicht.

Schlimmer finde ich es z.b., dass seit Wochen keine Berichte mehr über den Putsch in Brasilien gibt.

http://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Verifizieren-braucht-Zeit-Soziale-Medien-oft-schneller-als-das-Fernsehen/Notwendigkeit/posting-28929599/show/

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Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on July 25, 2016, 02:01:50 PM
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[...] Kommt der Journalismus beim Thema Flüchtlingspolitik seiner demokratischen Aufgabe nach? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts, das derzeit an der Hamburg Media School durchgeführt und von der Otto Brenner Stiftung der IG Metall gefördert wird. Auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche stellte der Projektleiter Michael Haller Anfang Juli erste Ergebnisse der Inhaltsanalyse vor.

Insgesamt wurden rund 34.000 Presseberichte aus den Jahren 2009 bis 2015 auf ihre Aussagetendenz hin untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: 82% der Berichte vermittelten ein positives Bild von der "Willkommenskultur", 12% fielen neutral aus und nur 6% der Artikel übten Kritik. Für das Jahr 2015 konstatiert das Hamburger Forscherteam eine abrupte Änderung der Tonlage: Bis zum August wurde die "Pro-Euphorie" in der Presse als gesellschaftlicher Konsens ausgegeben, nach Angela Merkels einsamer Entscheidung für eine Grenzöffnung nahm der Dissens über die unkontrollierte Zuwanderung mehr und mehr Raum ein. Doch auch in dieser Phase kam der Journalismus seiner demokratischen Aufgabe, Distanz gegenüber den Regierenden zu wahren, nicht nach, sondern stellte sich in den Dienst der regierungsamtlichen Flüchtlingspolitik. Die Kritiker wurden nun nicht mehr marginalisiert, sondern als "rechtsnational affiziert" verunglimpft, so Haller.

... Die Journalisten haben von ihren kritischen Lesern gelernt. Doch es genügt ein neues, unerwartetes Großereignis und die alten Besserwisser-Reflexe greifen wieder. Ein Beispiel hierfür ist die Berichterstattung über das EU-Referendum in Großbritannien. Der NDR-Redakteurin Anja Reschke kamen in Hamburg Zweifel, ob es richtig gewesen sei, dass sich die deutschen Medien "sehr stark auf die Seite der Brexit-Gegner" geschlagen haben. Wie kann man nur so dumm sein, für den Austritt aus der Europäischen Union zu stimmen? - fragte der Chor der Kommentatoren (Frau Reschke eingeschlossen).

Dabei ist das gar nicht so schwer zu verstehen: Die Briten haben mehrheitlich für den Brexit gestimmt, weil sie die Europäische Union, so wie sie heute real existiert, nicht mehr wollen. Dafür gibt es leicht nachvollziehbare Gründe, wie zum Beispiel die Allgegenwart der Wirtschaftslobby in den Arbeitsgruppen der EU-Kommission. Ein anderer Grund ist die Anmaßung der Deutschen, als größter Nettozahler der EU allein darüber befinden zu wollen, was unter europäischen Werten und europäischer Solidarität zu verstehen ist. Man mag diese Gründe für falsch halten - dumm sind sie nicht.

... Vor allem die Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erweckten den Eindruck, als könnten sie Aufmunterung gebrauchen. So lange sich die Unterschicht mit Unterschichtsfernsehen zufrieden gab, so lange die Zuschauer stumm vor der Glotze saßen, um sich von Volksmusik und Kai Pflaume, von wochenlangen Biathlon-Übertragungen und dem nie enden wollenden "Sturm der Liebe" narkotisieren zu lassen, war die Welt der Programmmacher noch in Ordnung. Erst seitdem die guten alten Zeiten der Postdemokratie ihrem Ende entgegen gehen und die scheinbar Minderbemittelten ihren Mund aufmachen und "laut schreien" (Karola Wille), macht sich in den Funkhäusern "Die große Verunsicherung" breit - so der Titel einer Hamburger Diskussionsrunde.

Seitdem werden keine Kosten und Mühen gescheut, um diejenigen, die "Lügenpresse" rufen, als Lügenpublikum zu entlarven. Regelmäßig schwärmen Reporterteams aus, um auf Pegida-Demonstrationen oder AfD-Veranstaltungen möglichst kompromittierende O-Töne einzufangen. Die werden dann in Panorama-Beiträgen, in Einspielfilmen der Anne Will-Sendung oder Klamauk-Reportagen der "heute-show" zur Gaudi der Guten und Klugen versendet. Ist es wirklich verwunderlich, wenn sich die so Bloßgestellten verarscht fühlen und rabiat werden?

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Versuch, die Handgreiflichkeiten gegenüber Fernsehteams zu verstehen, heißt nicht, sie zu rechtfertigen. Dasselbe gilt für die zahllosen Hassmails, die darauf abzielen, ihre Adressaten mit Morddrohungen (vorzugsweise bei männlichen Pressevertretern) oder Vergewaltigungsphantasien (ausschließlich bei weiblichen Pressevertretern) einzuschüchtern. Das Vorlesen von Verbalinjurien ist in letzter Zeit zu einem Programmpunkt geworden, der auf keiner Medienveranstaltung fehlen darf. Auch beim Netzwerk Recherche diskutierte man über "Lob, Hass und Hetze - Wie Betroffene das Netz erleben".

Interessant an der Veranstaltung war vor allem das erste Wort ihres Titels: Lob. Denn ansonsten erwecken Vertreter der etablierten Medien gerne den Eindruck, als sei das Netz nicht viel mehr als eine Meinungskloake, in der "Hetzer" ihr "präreflexives Geraune" (Joachim Knuth) ausscheiden. In Hamburg konnte man erfahren, wie viel positives Feedback die Journalisten via Facebook, Twitter und YouTube bekommen. "Zwei Drittel der Leute fanden das super", berichtete Anja Reschke über die Resonanz auf ihren viel beachteten Tagesthemen-Kommentar vom 5. August 2015, der ihr eben nicht nur Beschimpfungen wie "Asylhure", sondern auch Tausende neuer Fans und Follower eingebracht hat.

Man könnte beides - die Hassmails ebenso wie die Fanpost - als Begleiterscheinungen der gnadenlosen Personalisierung ansehen, die sich in der politischen Fernsehberichterstattung ausbreitet. Nur einige wenige Spitzenpolitiker erscheinen heute noch häufiger auf dem Bildschirm als die Berichterstatter selber. Egal, um welches Thema es geht, stets bekommt der Zuschauer vor Augen geführt, wie der Reporter ins Smartphone spricht oder in den Laptop starrt, wie er mit dem Mikro in der Hand durch die Fußgängerzone irrt oder an verschlossenen Werktoren rüttelt.

Damit das Publikum die Recherchen einordnen kann, werden Talkrunden veranstaltet, in denen Journalisten Journalisten befragen. Und um die Einschaltquoten zu erhöhen, lässt man die Moderatorinnen solcher Sendungen als Pin-up-Girls auf Werbeplakaten und Webseiten auftreten. Historiker werden hoffentlich irgendwann einmal herausfinden, wie diese Selbstdarstellungsobsession zum Inbegriff publizistischer Professionalität, wie der Selfie-Journalismus zur Königsdisziplin des Geschichtenerzählens in den Medien werden konnte.

... Auch die etablierten Medien betreiben Empörungsbewirtschaftung, wenn sie Schmuddelzitate in Umlauf bringen, nur um die Auflage, die Einschaltquote oder die Klickrate in die Höhe zu treiben.

Die Strategie der Entlarvung durch vermeintlich oder tatsächlich empörende Zitate hat noch eine andere Schattenseite. Sie ist nicht nur scheinheilig, sie ist auch kontraproduktiv. Die Leute werden nicht abgeschreckt, sondern wählen erst Recht AfD. Wie dieses Phänomen zu erklären ist, darüber wurde in Hamburg viel gerätselt. Der gängigste Erklärungsversuch lautete: Die AfD-Wähler von heute waren schon immer tendenziell neonazistisch, rassistisch, antisemitisch etc. - nur sei das früher kaum aufgefallen, weil es noch keine sozialen Medien gab.

Armin Wolf mochte sich mit dieser Erklärung nicht zufriedengeben: Mit offenem Rassismus oder offenem Antisemitismus erreiche man allenfalls eine Minderheit von vielleicht 5% der Wähler, meinte der ORF-Moderator. In Österreich lägen die Rechtspopulisten aber mittlerweile bei 25 bis 35%. Das liege vor allem an ihrer Grundbotschaft: "Wir sind die einzigen, die euch verstehen." Richtig sei, dass nicht einmal die Sozialdemokratie die weit verbreiteten Abstiegsängste in der Bevölkerung wirklich ernst nehme. Allein die Rechtspartei erkenne an, dass sich die Einheimischen wegen der Konkurrenz durch die Zuwanderer auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt Sorgen machten.

Wenn Journalisten dem FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache seine antisemitischen Anspielungen vorhielten, dann sagten die Leute: "Das ist uns wurscht. Wichtiger ist: Der versteht uns." Die Wut auf die etablierten Parteien sei mittlerweile so groß, dass viele Bürger durch einen "rationalen politischen Diskurs" gar nicht mehr erreichbar seien, so Wolf.

Doch ist der politische Diskurs der Anti-Populisten tatsächlich so rational? Wenn Journalisten "Haltung zeigen" - wie es auf der Netzwerk Recherche-Tagung unablässig gefordert wurde - dann läuft das in der Praxis oft nicht auf das Widerlegen von Argumenten, sondern auf das Etikettieren von Personen hinaus. Bestes Beispiel hierfür waren die Redebeiträge von Jakob Augstein: "unheimlich bescheuert...die ist doof" (so Augstein über Beatrix von Storch), "unanständig" (über Frauke Petry), "geistesgestört ... verrottet" (über die ethischen Maßstäbe mancher Journalisten), "bizarr...völkisch...eklig" (über einen Autor der Zeitschrift Cicero).

Mit seinem Hang zur Pöbelei erntete der Spiegel-Kolumnist und Hauptdarsteller einer Politsendung auf Phoenix bei den Kollegen in Hamburg viele Lacher. Augstein ist eben lustiger als der durchschnittliche Tagesthemen-Kommentator, der sich brav an die branchenüblichen Standardfloskeln hält. "Klare Kante gegen rechte Rattenfänger" ist so eine Phrase, die sich unter deutschen Journalisten viral verbreitet hat und die jeden Bürger in eine Ratte verwandelt, der die Masseneinwanderung vor allem junger Männer aus dem muslimischen Raum ablehnt.

Womöglich hatte Alexander Gauland (AfD) diese Art von journalistischem Diskurs im Sinn, als er Anja Reschke (ARD) gegenüber einmal meinte: "WIR müssen doch gar nichts machen - SIE machen doch alles für uns".

Wohin die Entfremdung zwischen der Medienelite und dem gemeinen Volk führen könnte, zeigt das Beispiel Österreich. Armin Wolf berichtete in Hamburg, dass die FPÖ mittlerweile über ihren eigenen Fernsehkanal auf YouTube und über die Facebook-Seite von Parteichef Strache einen erheblichen Teil der Wählerschaft erreicht. "Die sind irgendwann gar nicht mehr auf uns angewiesen", sagte der österreichische Journalist voraus und fügte hinzu, viele seiner Landsleute konsumierten heute schon keine etablierten Medien mehr. Wie schwierig die demokratische Willensbildung, wie aussichtslos die Suche nach politischen Kompromissen wird, wenn die Öffentlichkeit in mediale Parallelwelten zerfällt, lässt sich derzeit auch am Beispiel der USA beobachten.

... Die verkaufte Auflage der Bild-Zeitung ist von knapp 4,3 Mio. Exemplaren im Jahr 2000 auf unter 2 Mio. im Jahr 2015 zurückgegangen. Wenn dieser Trend anhält, wird spätestens im Jahr 2029 die letzte Papierausgabe der Boulevardzeitung verkauft. Der Spiegel erscheint vielleicht noch eine Weile länger - aber auch für ihn sind die Aussichten düster: Die verkaufte Auflage des größten deutschen Nachrichtenmagazins ist im 1. Quartal 2016 um 10% gegenüber dem Vorjahr eingebrochen.

Höchste Zeit also, um auf der Netzwerk Recherche-Konferenz 2017 einer Frage nachzugehen, die Olaf Scholz den versammelten Pressevertretern in diesem Jahr mit auf den Weg gegeben hat: "Warum ändert die jahrelange Kritik und Selbstkritik nichts an der Art und Weise, wie Journalisten mitunter Themen auswählen, zuspitzen und personalisieren?"

Quote
     buck_turgidson, 25.07.2016 12:52

Wie hat Herr Jazbinsek den Artikel am Chefredakteur vorbei gebracht?

Ich meine, räusper, ohne ihn direkt zu nennen kritisiert er damit schließlich auch seinen Chef, Herrn Rötzer. ;-)



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     albibi, 25.07.2016 12:54

Die Erklärungsmuster reichen leider nicht

Es wird immer wieder von Kritikern betont, dass wirtschaftliche und soziologische Prozesse für den Einheitsbrei und vor allem für die vorherrschenden Tendenzen in der Berichterstattung verantwortlich wären. Dies muss man inzwischen schon tun, alleine, um nicht in die Ecke mit Kopp-Verlag, Pegida oder AfD gestellt zu werden. Leider reichen die Erklärungen alleine nicht aus - und sie sind auch nicht intuitiv sondern aufgesetzt und einer Vermeidungshaltung geschuldet.

Natürlich kann man sich fragen, ob, wenn man eine der Wahrheit und Wahrscheinlichkeit näher kommenden These formuliert, dumpfen Stimmungen Vorschub leistet.

Die aufklärerische Antwort ist da aber für mich eindeutig: Denkverbote gehen gar nicht. Von daher: Die massive Schlagseite unserer Presse-, ÖR-, und Medien-Landschaft ist nur erklärbar wenn man in Betracht zieht, dass an den wesentlichen Schaltstellen "Anchor-Men" (in Anspielung an die engl. Bezeichnung eines Nachrichtensprechers wie C. Kleber) installiert sind, die einer bestimmten Agenda (etwa: pro transatlantisch, pro NATO, pro Staatlichkeit (versus Bürger- oder Sezessionsbewegungen), pro Neoliberalismus, pro Leistungsprinzip, pro Globalisierung (zumindest nicht hinterfragend), pro Bundesregierung, pro Durchökonomisierung des Lebens, pro aktuellem Finanzsystem, ...) verpflichtet sind.

Dies Leute sind aber nicht aus Zufall da, oder weil sie den repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung der passenden Bildungsstufe darstellen, sondern aufgrund von Prozessen die auf Auslese und Protegieren beruhen. Jeder, der das abstreitet, lügt sich selbst (oder uns anderen) etwas in die Tasche.

Aber wer bestimmt die Auslese-Prozesse, wer kann protegieren?



Quote
     Twistie2015, Bettina Hammer

mehr als 1000 Beiträge seit 21.01.2015
25.07.2016 13:02


Re: Die Erklärungsmuster reichen leider nicht

albibi schrieb am 25.07.2016 12:54:

    Aber wer bestimmt die Auslese-Prozesse, wer kann protegieren?

ich stimme deiner Kritik zu, würde jedoch auch den Leser miteinbeziehen, egal ob mittels Twitter-Sturm oder per Mails. Manche Redaktionen haben manche Themen komplett ausgeklammert weil sie "zu kontrovers" sind oder nehmen sie nur noch dann an, wenn sich der Verfasser nicht "zu weit aus dem Fenster lehnt", um zu verhindern, dass Leser abspringen, die Klicks abnehmen, dadurch weniger Werbung geschaltet wird und und und.
Viele Leser möchten da mittlerweile auch ganz klare Positionen der Autoren - seit ich beispielsweise versuche, nicht nur "acab" zu schreiben oder dergleichen, sondern versuche, möglichst ruhig und sachlich zu bleiben, kriege ich dauernd ab, wie kriecherisch ich geworden bin usw. Ein Artikel "Der Herrmann ist ein Wichser, der soll das Maul halten" gibt viele Klicks und hurrah-Rufe, ein "Innenminister Herrmann reagiert so weil..." ist dann schon weniger interessant.

Oder nimm Datenschutz - hier war z.B. vor kurzem ein Bericht darüber, wie weit man schon per mobile Payment zahlen kann, ohne dass es auf ein "hurrah, Bargeld ist sowieso bekloppt" hinauslief, da wurde soviel gleich gezetert und geschimpft usw und wer nur darauf hinwies, dass ein Erfahrungsbericht nicht heißen muss, dass der Autor das Ganze riesig geil findet, wurde gleich auch mit "gott, bist du unkritisch" bedacht usw.

Viele Menschen wollen nicht mehr lesen "in Würzburg sind x Menschen durch einen Mann mit einer Waffe getötet worden, mehr demnächst", sondern "Amoklauf in Würzburg - x Tote - bestimmt islamistischer Hintergrund" usw.


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     Levski, 25.07.2016 12:55

warum die trotzdem AfD wählen?

".... Die Leute werden nicht abgeschreckt, sondern wählen erst Recht AfD. Wie dieses Phänomen zu erklären ist, darüber wurde in Hamburg viel gerätselt. Der gängigste Erklärungsversuch lautete: Die AfD-Wähler von heute waren schon immer tendenziell neonazistisch, rassistisch, antisemitisch etc. - nur sei das früher kaum aufgefallen, weil es noch keine sozialen Medien gab."

Blödsinn. Die Leute wählen aus dem gleichen Grund AfD, wie sie Donald Trump zujubelnd. Die Menschen werden schon seit Jahrzehnten von Politik und Presse verarscht und es gibt kein vernünftiges Mittel mehr dagegen, Wahlen funktionieren nicht - Goldkettchengerd, Blair und Obama sind Beweise dafür. Da bleibt nur noch ohnmächtige Wut und dafür bieten Trump und AfD mit ihren Pöbeleien ein Ventil.

Ist das so schwer zu verstehen? Für Mainstreamjournalisten offenbar schon, denn für die ist mental nur noch ein ganz schmaler Pfad zugelassen: "alles Nazis ausser ich".

...


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     TheFlatline, 25.07.2016 13:05

Re: warum die trotzdem AfD wählen?

Absolut die Leute merken, dass die klassischen Parteien die Interessen einer kleinen Elite vertreten. Also waehlen sie eine Partei welche nicht so einfach auf Linie zu bringen ist und welche Aerger verursachen wird. Nicht zuletzt, genau weil die Politker dieser Partei irrationale Zuege tragen und nicht Bereit zu Kompromissen wirken.

Die Hoffnung ist letztendlich, dass die klassischen Parteien als Ergebnis wieder Politik fuer ihre Waehler machen. Bei der SPD braucht es dafuer aber eine Neugruendung fuerchte ich.

...

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (25.07.2016 13:09).


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   TheFlatline, 25.07.2016 12:58

Vertrauen in die Deutsche Presse und die Ukraine(Krise)

Ich habe (wie wohl viele andere) im Bekanntenkreis Familie ueber das Verhaeltnis zur Deutschen Presse geredet.

Das erstaunliche und im Artikel nicht erwahente war aber, dass das Vertrauen in die Presse bei den meisten nicht mit der Fluechtlingskriese verloren ging, sondern durch die Bericherstattung ueber die Ukraine. Gerade Leute die beruflich mit der Ukraine und dem ehemaligen Ostblock zu tuen haben waren geradezu entsetzt wie einseitig und verzerrt die Berichterstattung war.
Hier wurden westlich europaeische Interessen knallhart und ohne Ruecksicht auf Verluste oder Ausgewogenheit durchgesetzt. Etwas was wir uns gegen Russland eigentlich nicht leisten koennen.

Aehnlich verzerrt ist die Situation in Syrien, wo aus Al Qadia ploetzlich gemassigte Rebellen wurden.
In diesen Konflikten merkt man einfach, dass unsere Medien letztendlich abhaengig von Nachrichtenagenturen und auch den Interessen der Politik insbesondere der Nato sind.

Und auch die Fluechtlingskriese ist eng mit den Plaenen fuer Syrien verbunden. Man wollte vor allem das "Desertieren" in Assads Armee so einfach wie moeglich machen bzw. sogar weitere Anreize schaffen. Wer zieht schon in den Krieg (fuer einen fragwuerdigen Staat), wenn ein Leben in Deutschland in Aussicht gestellt wird.
Deshalb ist es auch kein Wunder, dass man akzeptiert hat dass zu 80% junge Maenner kamen, obwohl diese allgemein nicht unbedingt als schutzwuerdig gelten und bei der Mehrheit auch keine politische Verfolgung vorlag.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (25.07.2016 13:06).


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"Lügenpresse? Wieso Lügenpresse?!?" Dietmar Jazbinsek (25.07.2016)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/48/48921/1.html (http://www.heise.de/tp/artikel/48/48921/1.html)

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on July 26, 2016, 01:04:50 PM
"München und die medialen Zerrbilder" Thomas Stadler (25.7.2016)
Es fällt mir schwer nach dem Attentat von München – der nunmehr überwiegend gebrauchte Begriff des Amoklaufs missfällt mir, auch wenn man ihn seit kurzem offenbar auch für geplante Taten verwendet – die Gedanken wieder zu sortieren und zu begreifen, was sich da draußen bei den Menschen, befeuert durch eine irrational überzogene Berichterstattung, gerade für Ängste breitmachen.
Unter den medialen Irrlichtern war die Sondersendung der Tagesthemen am Abend des 22.07.2016 ein Highlight, aber leider kein Ausreißer. Der ganze Irrsinn einer völlig aus den Fugen geratenen Berichterstattung kumulierte in der Frage des Moderators Thomas Roth an seinen Gesprächspartner nach der Sicherheitslage im Berliner Regierungsviertel. Man muss sich das vorstellen. Eine Gewalttat in der Nähe eines Münchener Einkaufzentrums veranlasst einen Journalisten zu einer solchen Frage, so als wäre die gesamte Republik Krisen- und Kriegsgebiet.  ... Es mag unfair sein, den klassischen Medien die Hauptverantwortung für diese Entwicklung zuzuweisen, denn es gibt daneben noch die sozialen Medien und eine ganze Armada von Angstmachern aus Gesellschaft und Politik, die ihr Geschäft mit der Angst aus eingenützigen Motiven betreiben. Aber es führt aus meiner Sicht dennoch kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass die Medien in ihrer Gesamtheit durch eine geradezu hysterische Form der Berichterstattung sehr häufig ein Zerrbild der Wirklichkeit zeichnen. München ist dafür nur ein sehr auffälliges Beispiel. ...
http://www.internet-law.de/2016/07/muenchen-und-die-medialen-zerrbilder.html

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"Friedensgebet in Kiew mit zehntausendenTeilnehmern" Ulrich Heyden (28.07.2016)
Nach unterschiedlichen Angaben beteiligten sich 10.000 bis 80.000 Menschen am Friedensgebet in Kiew. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48962/1.html

Quote
     Einzeltäter, 28.07.2016 06:56


Von den GEZ-Medien berichtet nur heute.de im Netz wie es im TV aussieht, weiß ich nicht, da ich das seit Jahren nicht mehr schaue. Es wird auch sonst in Deutschland nur sehr sparsam und meist ablehnend darüber berichtet.

> https://www.google.de/#hl=de&gl=de&tbm=nws&authuser=0&q=ukraine

"Russen" die Frieden wollen, zeigt man uns ungern.

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      Teichhuhn, 28.07.2016 08:29

... Der Friedensmarsch läuft schon seit bestimmt 2 Wochen. Erst jetzt fangen die ersten Systemmedien widerwillig an, darüber zu berichten. ...



http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Friedensgebet-in-Kiew-mit-zehntausendenTeilnehmern/Von-den-GEZ-Medien-berichtet-nur-heute-de-im-Netz/posting-28971455/show/

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"Alle Angaben ohne Gewähr" Ulrich Teusch (08.09.2016)
Lückenpresse - Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten ... Die typische "Tagesschau" sieht so aus: Auf Platz eins steht ein Krisentreffen der Koalitionsspitzen in Berlin; schwarze Karossen fahren in eine Tiefgarage, Politiker laufen wie zufällig durchs Bild und - Schnitt - posieren plötzlich vor der Kamera, um ein Statement abzugeben, nie länger als zwanzig oder dreißig Sekunden.
Zum Schluss des Aufmacher-Beitrags tritt der Autor selbst ins Bild, gibt eine kommentierende Einschätzung ab. Seine Quintessenz: Die Koalition sei in einer schwierigen Phase und man müsse die weitere Entwicklung abwarten. Das war die Spitzennachricht des Tages. Es folgen: der Besuch des Dalai Lama, das Treffen der EU-Finanzminister (mit Gruppenbild bei schönem Wetter), die Eröffnung der Grünen Woche samt Landwirtschaftsminister, der etwas zu den Nöten der Milchbauern sagt. ...  Bin ich ungerecht? Zeichne ich ein Zerrbild? Mittwochs und samstags gibt es zusätzlich noch die Lottozahlen - stets mit dem obligatorischen Hinweis: "Diese Angaben sind, wie immer, ohne Gewähr." Zuweilen frage ich mich, ob diese Rückversicherungsformel sich nur auf die Gewinnzahlen oder auf die ganze Sendung bezieht.
Die "Tagesschau" hat etwas Beruhigendes, um nicht zu sagen Einschläferndes. Sie vermittelt die Botschaft, das Gefühl: Wie gestern und vorgestern lief auch der heutige Tag im Wesentlichen normal ab. Hier und da gibt es Probleme, aber: Nach den uns vorliegenden Informationen sieht es nicht so aus, als gerate die Welt aus den Fugen. Jedermann kann die nachfolgenden Sendungen guten Gewissens und entspannt genießen. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49354/1.html


"Tricksen und Täuschen in der ARD" (30. September 2016)
Veröffentlicht in: Interviews, Medien und Medienanalyse, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache
Jens Wernicke sprach mit der Vorsitzenden Maren Müller über die von der Publikumskonferenz soeben veröffentlichte Expertise „Das Ende des Informationsjournalismus – Storytelling in der ARD-Griechenlandberichterstattung 2015“, die kein heiles Haar an der ARD-Berichterstattung zu Griechenland lässt und die tagtäglichen Methoden der Manipulation konkret beim Namen nennt. ...
http://www.nachdenkseiten.de/?p=35245

"Auswertung: Über Täuschung, Tugend und Teenager" Veröffentlicht am 20. August 2016 von Maren Müller
https://publikumskonferenz.de/blog/2016/08/20/auswertung-ueber-taeuschung-tugend-und-teenager/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on October 06, 2016, 03:49:55 PM
Ken Jebsen: "Wenn ich mit Politik komme, ist die Party vorbei"
Datum: 15.02.2016 | Autor: Alia Hübsch-Chaudhry & Tahir Chaudhry
http://www.dasmili.eu/art/ken-jebsen-wenn-ich-mit-politik-komme-ist-die-party-vorbei/

Jakob Buhre, Adrian Arab | 06. Oktober 2016
betr. Interview mit Ken Jebsen
http://www.planet-interview.de/blog/betr-interview-mit-ken-jebsen/49221/

"Ken Jebsen - Die Leute sollen politisiert werden"
Interview: Jakob Buhre, Adrian Arab | 06. Oktober 2016
Es ist unser bislang längstes Interview: Vier Stunden haben wir uns mit dem politischen Journalisten und Aktivisten Ken Jebsen unterhalten. Themen sind u.a. sein Werdegang, NATO, "Eliten", Terroranschläge, Mustererkennung, Pressefreiheit, Tilo Jung, KenFM, journalistische Unabhängigkeit, Ukraine-Konflikt, Drohungen gegen Jebsen – und warum Jebsen so schnell spricht. ...
http://www.planet-interview.de/interviews/ken-jebsen/49203/

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"Wolfgang Lieb in eigener Sache: Ich habe mich schweren Herzens entschlossen, nicht mehr für die NachDenkSeiten zu arbeiten"
23. Oktober 2015 um 16:34 Uhr | Verantwortlich: Wolfgang Lieb
Rationalität und Vernunft verlangen bei allem Nachdruck in der Argumentation meines Erachtens stets, eine angemessene kritische Distanz zu wahren. Es ging mir darum, Partei zu ergreifen, aber nicht parteiisch zu sein. Die Anerkennung eigener Begrenztheit verbietet undifferenzierte und einseitige Schuldzuschreibungen.
Für mich sollten in den Beiträgen auf den NachDenkSeiten die Verarbeitung von Informationen und die differenzierende Abbildung der Wirklichkeit vor ihrer politischen Bewertung und vor der Unterordnung unter das eigene Weltbild stehen. Differenzierung und genaues Hinsehen halte ich für wichtige Voraussetzungen, um Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft gegenüber Leserinnen und Lesern zu gewinnen. Ich habe mir nie eingebildet, die Wahrheit gepachtet zu haben.
Es reicht eben m.E. nicht aus, die Welt moralisch in „Freund“ und „Feind“ aufzuteilen und die Ursache nahezu allen Übels auf der Welt „einflussreichen Kräften“ (oft in den USA) oder undurchsichtigen „finanzkräftigen Gruppen“ oder pauschal „den Eliten“ zuzuschreiben. Die Reduktion gesellschaftlicher Konflikte auf einen Antagonismus zwischen „Volk“ und „Eliten“ halte ich für missbrauchsanfällig. ...
http://www.nachdenkseiten.de/?p=28063

"Nachdenkseiten - Die Anti-Lügenpresse-Front" Steven Geyer (02. November 2015)
Der Co-Chef des erfolgreichen Online-Magazins „Nachdenkseiten“, Wolfgang Lieb, wirft hin: Der Preis für das rasante Wachstum der Szene neuer Medien, die gegen „Lügenpresse“ und „Nato-Huren“ anschreiben, ist ihm zu hoch. ...
http://www.fr-online.de/politik/nachdenkseiten-die-anti-luegenpresse-front,1472596,32314018.html

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on October 17, 2016, 08:00:06 AM
Deutsche Medien schweigen über Haftbefehl gegen US-Journalistin Amy Goodman!
Posted on 10. Oktober 2016 in Aktuell   
http://pressefreiheit-in-deutschland.de/deutsche-medien-schweigen-ueber-haftbefehl-gegen-us-journalistin-amy-goodman-6644773/

"Amy Goodman Is Facing Prison for Reporting on the Dakota Access Pipeline. That Should Scare Us All" By Lizzy Ratner (October 15, 2016)
The charges against Goodman are a clear attack on journalism and freedom of the press. ...
https://www.thenation.com/article/amy-goodman-is-facing-prison-for-reporting-on-the-dakota-access-pipeline-that-should-scare-us-all/

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"Judge Rejects Riot Charge Against Amy Goodman of ‘Democracy Now’ Over Pipeline Protest" By ERIN McCANNOCT. 17, 2016
http://www.nytimes.com/2016/10/18/us/judge-rejects-riot-charge-against-amy-goodman-of-democracy-now-over-pipeline-protest.html?_r=0

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"Die Mär von der Objektivität" Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Regine Beyß  (06.10.2016)
Journalismus Die meisten Medien bilden nur ab, was den hegemonialen Diskurs nicht verlässt. Es braucht eine Gegenöffentlichkeit, die sich der Forderung nach Neutralität verweigert. ... Sehr zugespitzt formuliert, kann das zum Beispiel heißen: Wir lesen hauptsächlich schlechte Nachrichten, die etwas mit Deutschland zu tun haben, zu denen „wichtige“ Personen etwas zu sagen haben. Einfache Kausalketten werden eher thematisiert als komplexe Zusammenhänge. Und ein Bezug zum Alltag schadet nicht, deshalb werden viele Themen krampfhaft „runtergebrochen“ auf die lokale Ebene. Vieles fällt dabei unter den Tisch. ... Es geht mir nicht darum, in die rechtspopulistischen „Lügenpresse“-Rufe einzustimmen. Zum einen bin ich davon überzeugt, dass es viele Journalist*innen gibt, die einen ziemlich guten Job machen – oder es unter den gegebenen Bedingungen zumindest versuchen. Zum anderen halte ich Verschwörungstheorien für unrealistisch, die davon ausgehen, dass Angela Merkel täglich in den Redaktionen des Landes anruft, um Stimmung zu machen. Wahrscheinlich geht es gar nicht so sehr um einzelne Personen und Machtpositionen, sondern um die Dynamik, die sich aus Gewinnorientierung, kostenlosen Inhalten im Netz und politischem Einheitsbrei ergeben. ... Es gibt bereits viele Versuche, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, in der grundsätzliche Fragen gestellt werden: Wer profitiert von den herrschenden Machtstrukuren? Wo und wie werden Menschen unterdrückt und ausgebeutet? Welche ökonomischen Konzepte gibt es jenseits von Wachstum und Profit? Welche Möglichkeiten gibt es, Herrschaftsverhältnisse aufzulösen und zu verhindern? Welche Bedürfnisse haben wir und wie können wir dafür sorgen, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich diese Bedürfnisse zu erfüllen? Leider stoßen diese Versuche an viele Grenzen, vor allem an ökonomische. Alternative Medien erreichen nur einen überschaubaren Kreis an Rezipienten, oft auch nur im Dunstkreis einer bestimmten Szene. Nichts desto trotz ist es unabdingbar, die radikalen Fragen immer wieder zu stellen – so öffentlich und wirksam wie möglich. Es gibt genug Konzepte, Projekte und Diskussionsansätze, die beweisen, dass die viel zitierte Alternativlosigkeit uns bloß davon abhalten soll, selbst zu denken. ...
https://www.freitag.de/autoren/schlachtreif/die-maer-von-der-objektivitaet

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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"Clintons Mitarbeiter und CNN make Trump great again" Don Alphonso (7. November 2016)
Für Hillary Clinton, die versucht, Donald Trump als gefährlich und verantwortungslos darzustellen, kommen diese Enthüllungen zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Demokraten und Medien sehen dabei nicht gut aus. Und CNN hat als Haussender der Demokraten nur einen Tag, die Kooperation zu erklären. ... Besonders gravierend ist eine Mail der Rechercheleiterin Lauren Dillon, die im April in Clintons Team die Aufforderung verbreitet, Fragen an Donald Trump vorzubereiten: Wolf Blitzer is interviewing Trump on Tues ahead of his foreign policy address on Wed. Please send me thoughts by 10:30 AM tomorrow.  Darauf reagieren die Mitarbeiter mit sehr komplizierten Fragen, die offensichtlich dazu geeignet sein sollen, den Befragten in die Enge zu treiben – etwa, wie viele Militärbasen die USA im Südostpazifik haben sollten. ... Offensichtlich handelt es sich nicht um eine lose Verbindung, sondern um eine längerfristig angelegte Kooperation. Wolf Blitzer gilt als eines der Aushängeschilder von CNN, und hat in den vergangenen Jahren immer wieder die Wahlen für den Sender präsentiert. Gegenüber Trump-Unterstützer Rudy Guiliani gab er sich erst vor kurzem als harter und unbestechlicher Nachfrager. Warum jemand im Sender meint, ein journalistisches Schwergewicht wie Blitzer würde die Hilfe der Demokraten zu brauchen, ist nur schwer erklärbar. ...
http://blogs.faz.net/deus/2016/11/07/clintons-mitarbeiter-und-cnn-make-trump-great-again-3876/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on November 15, 2016, 04:36:10 PM
"Spiegel entlässt betriebsbedingt – und Breitbart will nach Europa expandieren" Peter Mühlbauer (15. November 2016)
Dass  [ ] Stellen wegfallen, hat damit zu tun, dass die Auflage des Nachrichtenmagazins stetig sinkt - alleine im dritten Quartal 2016 um fünf Prozent auf jetzt unter 790.000 Exemplare. Damit ist der Spiegel aber nicht alleine – es geht praktisch allen deutschen Mainstream-Zeitungen so: Die Auflage der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) sank um 11,2 Prozent, die der Bild-Zeitung um 10,9 Prozent (beziehungsweise 240.000 Exemplare), die der Berliner Zeitung um 10,1 Prozent, die des Neues Deutschland um 9,3 Prozent, die der Illustrierten Stern um 8,4 Prozent, die der Bild am Sonntag (BamS) um 8,1 Prozent, die der Welt um 5,3 Prozent, die des Focus um 5,2 Prozent, die der Welt am Sonntag um 4,9 Prozent, die des Tagesspiegel um 3,7 Prozent, die der Süddeutschen Zeitung (SZ) um 3,7, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) um 3,6 Prozent, die der Taz um 1,8 Prozent und die der Wochenzeitung Die Zeit um 1,2 Prozent. ...
https://www.heise.de/tp/features/Spiegel-entlaesst-betriebsbedingt-und-Breitbart-will-nach-Europa-expandieren-3466547.html


"Fakten? Fuck." Constantin Seibt (Tages-Anzeiger, 15.11.2016)
Im US-Wahlkampf handelten mazedonische Teenager, Internetprofis und der siegreiche Kandidat mit derselben Ware: Lügen. Mit durchschlagendem Erfolg. Mitten im Wahlkampf stellten einige Reporter fest, dass über 100 US-Politik-Nachrichtenseiten aus einer Kleinstadt in Mazedonien kamen: Veles.
Alle waren pro Trump. Und jede Meldung eine Sensation. Etwa: «Der Beweis: Obama wurde in Kenia geboren – Trump hatte recht», «Bill Clintons S*x-Tape – unzensuriert!»,«Papst verbietet Katholiken, Clinton zu wählen», «Eure Gebete wurden erhört! FBI plant Clinton-Verhaftung!»
Als die Reporter nach Veles reisten, stiessen sie auf eine Gruppe von Teenagern. Diese hatten ihre Nachrichtenseiten nicht aus Trump-Begeisterung eröffnet, sondern aus geschäftlichen Gründen: Sie erfanden News, um möglichst viel Klicks zu bekommen. Und damit Anzeigengelder von Google und Facebook. In einem guten Monat machte eine Seite 5000 Dollar, mit einem einzigen Hit sogar 3000 Dollar. Die Nachricht «Clinton empfiehlt Trump als Präsident: ‹Er ist ehrlich und lässt sich nicht kaufen!›» wurde auf Facebook 480'000-mal geteilt und kommentiert.
Dagegen wurde die Enthüllung der «New York Times», dass Donald Trump 1995 fast 1 Milliarde Dollar Verlust erklären musste, gerade 175'000-mal geteilt und kommentiert. Also dreimal weniger als die erfundene Story.
«Man glaubt, in Mazedonien ist man ahnungslos», sagte ein Teenager. «Aber das stimmt nicht.» In der Tat waren die Teenager am Puls der Zeit: Auch in den USA hatten parteiische Nachrichtenseiten mehrfach so viele Fans und Klicks als etablierte Nachrichtenorganisationen. Ihre Hits waren nicht zuletzt die erfundenen Geschichten. ....
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/fakten-fuck/story/20953277


"Rolling-Stone-Journalistin wegen böswilliger Verleumdung verurteilt" Alexander und Bettina Hammer (17. November 2016)
Die perfekte Geschichte rund um eine Gruppenvergewaltigung auf einem Universitätsgelände in den USA hat sich als Lüge entpuppt ... Es ist daher lohnenswert, sich genau anzusehen, was falsch lief und weshalb und wie dies zu verhindern gewesen wäre. Der Kardinalfehler war jedoch schon am Anfang der, dass eine Journalistin genau diese eine Geschichte suchte. Es ist nicht verkehrt, sich Themen auszusuchen - doch sich schon vorab auf eine Denkweise zu konzentrieren, bringt oft einen Tunnelblick mit sich, der zu Fehlern führt. ...
https://www.heise.de/tp/features/Rolling-Stone-Journalistin-wegen-boeswilliger-Verleumdung-verurteilt-3486151.html



"Von der "Lügenpresse" zum Kampf gegen Fake-News" Florian Rötzer (28. November 2016)
Die Verbreitung von Fake-News und Social Bots, die solche massenhaft posten, scheint allmählich zu einem Politikum zu werden, das oben auf der Agenda steht. War zuvor eher das ungeahndete Posten von Hassbotschaften das Problem, so wird nun von behauptet, dass Falschinformationen die Präsidentschaftswahl beeinflusst hätten, die wieder einmal ziemlich knapp ausgefallen ist. Gerne nehmen die traditionellen Medien, die zwar auch das Internet und Soziale Netzwerke nutzen, das Thema auf, um auf die ungeordnete und wilde Cyberwelt aufmerksam zu machen, wo bislang unkontrolliert Propaganda, Falschinformationen oder Gerüchte fabriziert werden. ... Man gewinnt den Eindruck, dass mit den wachsenden Möglichkeiten der Zensur und Manipulation der Meinungsäußerung auch der Drang wächst, diese zu kontrollieren. Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, die Gespräche am Stammtisch oder wo auch immer zu zensieren oder zu normieren, weil es schlicht nicht möglich war, wenn man nicht einen aufgeblähten Geheimdienstapparat einsetzt. ...
https://www.heise.de/tp/features/Von-der-Luegenpresse-zum-Kampf-gegen-Fake-News-3505990.html

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     Freeman69, 28.11.2016 11:05

Fakenews verbieten? Muss die BILD jetzt um ihre Existenz fürchten?



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"Tagesschau: Unseriöse Berichterstattung und Dünkel" Thomas Pany (24. November 2016)
Für Chefredakteur Gniffke ist Telepolis zunächst "keine seriöse Quelle", er korrigiert dies aber später ... Mit dem in dem Antwortschreiben auf die Kritiker demonstrierten Dünkel - der im Nachhinhein allerdings als bedauerliches Missverständnis ausgewiesen und korrigiert wurde - gegenüber anderen Publikationen, die sich die Arbeit machen, blinde Flecken in der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung kenntlich zu machen, tut sich die Tagesschau-Chefredaktion keinen Gefallen. Das Misstrauen gegenüber der Ausblendung bestimmter Realitäten in der 20-Uhr-Wirklichkeit ist ohnehin groß. ...
https://www.heise.de/tp/features/Tagesschau-Unserioese-Berichterstattung-und-Duenkel-3503191.html


Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on December 01, 2016, 10:39:21 AM
"Some Fake News Publishers Just Happen to Be Donald Trump’s Cronies"
Lee Fang, November 26 2016, 3:51 p.m.
The extraordinary phenomenon of fake news spread by Facebook and other social media during the 2016 presidential election has been largely portrayed as a lucky break for Donald Trump. ... a closer look reveals that some of the biggest fake news providers were run by experienced political operators well within the orbit of Donald Trump’s political advisers and consultants. ...
https://theintercept.com/2016/11/26/laura-ingraham-lifezette/

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Lawrence Hill
November 30 2016, 7:13 a.m.

Just look up “operation Mockingbird” on Wikipedia. It’s been going on for decades.

Also, RollingStone has busted WaPo badly today…
http://www.rollingstone.com/politics/features/washington-post-blacklist-story-is-shameful-disgusting-w452543

“The Establishment” is simply not to be believed. I learned that going back to Vietnam.


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ice Ka tar Ra
November 29 2016, 2:17 a.m.

‘“We live in a time when people don’t care about facts,” said Judy Muller, professor of journalism at the University of Southern California.’
‘“People only care about opinions that support their own biases,” said Muller. “So they’re not reading other people’s facts, they’re not checking the facts, and they don’t want to know — and that’s the scariest development to me.”’ ...


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"Mord in Freiburg: Chef des Innenausschusses nennt "Tagesschau"-Entscheidung "fatal"" (6. Dezember 2016)
Nichts über den Mord in Freiburg zu senden, sei falsch gewesen, sagt der CDU-Politiker. Der medienpolitische Sprecher der SPD sieht einen Grenzfall. ... Die Tagesschau hatte sich nach Bekanntwerden der Festnahme des 17-jährigen Afghanen am Wochenende zunächst entschieden, nicht über den Fall zu berichten. In einer Stellungnahme begründete der Chefredakteur der Tagesschau, Kai Gniffke, die Entscheidung damit, dass der Fall nicht von überregionaler Bedeutung sei und der Tatverdächtige minderjährig ist. Über Kriminalfälle berichte die Tagesschau nur in sehr seltenen Fällen. ...
Hinweis: Auch ZEIT ONLINE hat nicht über den Fall berichtet. Dies entspricht unserem Profil: Wir melden einzelne Kriminalfälle nicht. So haben wir beispielsweise weder über das Verschwinden der jungen Frau aus Freiburg berichtet, noch darüber, dass ihre Leiche gefunden wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Erkenntnisse über die Herkunft des mutmaßlichen Täters. Kriminalfälle werden üblicherweise nur dann zu einem Berichtsgegenstand für ZEIT ONLINE, wenn sie eine politische Dimension haben oder bekommen.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-12/freiburg-mord-freiburg-ansgar-heveling

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Kakiss4 #3

Ich weiss ja nicht, wird hier nicht ein wenig stark aufgebauscht?
Ist die Nachricht so viel wichtiger als andere Morde, weil der Mörder ein Flüchtling war?


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verzweifelterbürger #3.1

Generell kann ich dieses Argument nachvollziehen. Das Problem ist die Unausgewogenheit. Was meinen Sie was los gewesen wäre, wenn ein Deutscher eine minderjährige Migrantin vergewaltigt und ermordet hätte. Wäre darüber in der Tagesschau auch nicht berichtet worden? ...


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roterkater2009 #3.3

Man muss sich da auch Fragen ob unsere Politiker dann auch gleich betont hätten das man Deutsche nicht unter Generalverdacht stellen dürfe ? ...


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sirbernardwooley #12

Die Medien müssen sich schon fragen lassen, warum sie beispielsweise über Monate die (zugegebenermaßen fragwürdigen) Äußerungen eines FDP-Politikers über das Ausfüllen eines Dirndls für nachrichtenrelevant befunden haben, bei Vorkommnissen wie in Köln und Freiburg aber erst berichten, wenn der öffentliche Druck zu groß wird.
Es verfestigt sich der Eindruck, man betreibt Meinungsmache.

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Kein Einstein #12.1

Ich kann mich nicht erinnern, dass das Ausfüllen eines Dirndls Thema der Tagesschau war.



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polarapfel #21

Der Fall ist nicht von überregionaler Bedeutung?! Wer trifft denn solche Entscheidungen? Und wer glaubt ernsthaft, dass die Öffentlichkeit solche Entscheidungen ernst nimmt?!

Es kristallisiert sich oft genug heraus, dass das ÖR längst nicht mehr unabhängig ist, sondern politische eingefärbt berichtet. Das war Anfang diesen Jahres nach der Sylvesternacht in Köln ähnlich.


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Lu-S #26

Eine junge Frau, die es für sich selbstverständlich in Anspruch nahm, sich nachts unbegleitet in der Öffentlichkeit zu bewegen, wird von einem allein eingereisten, jungen und männlichen Asylbewerber ermordet. Geradezu exemplarisch haben sich die Befürchtungen vieler Bürger bestätigt. Die internationalen Medien berichten bereits kurz nach der Pressekonferenz. Doch die ARD behauptet trotzig, der Fall habe nur regionale Bedeutung. Ernsthaft? Pöbelnde sächsische Dorfbewohner vor einem Bus mit Flüchtlingen sind ein nationaler Aufmacher, ein Sexualmord aber nicht? Aus Köln wurde nichts, aber auch gar nichts gelernt - das Mißtrauen mittlerweile weiter Teile der Öffentlichkeit gegenüber den Medien spektakulär bestätigt.
Fabelhaft auch die ganzen selbstberufenen Mahner, Erklärer und "Einordner" in Politik und Medien. Deutscher Obrigkeitsstaat in schlechter Tradition. Die Bürger sind erwachsen und können aus Meldungen ihre eigenen Schlüsse ziehen. Sie benötigen keine Leute, die Nachrichten für sie "einordnen".
Man hat die Grenzen für einen unkontrollierten Zustrom geöffnet. Jetzt muß man mit den Ergebnissen leben, zu denen auch eine durchaus wohlbegründete Ablehnung dieser Zustände durch einen Teil der Bevölkerung gehört.


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Tom Brecht #33

Dieser Mordfall passt eben nicht in den Narrativ der Tagesschau. Wenn eine Migrantin wie Tugce getötet wird, wird es berichtet. Wenn ein betrunkener und randalierender Asylbewerber von einem Wachmann verprügelt wird dann schafft es das in die 20:00h Ausgabe der Tagesschau.
Ich bin froh in Zeiten des Internets zu leben, in denen Informationen frei verbreitet werden können und in denen wir in Communities wie dieser hier diskutieren können. An dieser Stelle mal einen ausdrücklichen Dank dafür an das zeit.de-Team.


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beatboy31 #35

tja, manche besorgte buerger haetten in der tagesschau gerne etwas sensationsluesterndes von "rtl-aktuell" oder "sat1 news". ist ja sonst zu serioes und zu langweilig. und am besten schon gleich eine wertende berichterstattung (so bauchgefuehltechnisch), bevor die behoerdlichen ermittlungen abgeschlossen sind, denn das volk weiss ja eh schon, was los war.

das wird noch lustig die naechsten jahre mit dieser ignoranten luegenpresse, die sich beharrlich weigert, das zu schreiben und zu senden, was das volk hoeren will und nicht was wirklich los war oder relevanz hat.


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roland_s #39

Es reicht einfach. Man muss dem Lügenpressevorwurf auch angemessen begegnen. Im JAhr 2015 gab es 296 Morde, Es regt sich keiner darüber auf, dass nicht darüber berichtet wird. Anno 2015 hatten wir 8,6 Vergewaltigungen pro 100.000 Einwohner.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1587/umfrage/vergewaltigung-und-sexuelle-noetigung/
(Übrigens weniger als 2014! Trotz Flüchtlingszustrom) Für keines dieser Opfer interessiert man sich. Wirklich für keines. Da beschwert sich auch keiner, dass darüber nicht berichtet wird. Bei 7000 Vergewaltiungen und sexuellen Nötigungen pro JAhr müsste man täglich von 20 Fällen lesen. Tut man nicht. Regt sich darüber irgendwer auf?
Nein. Warum nicht? Weil die Vergewaltigung für die, die sich hier aufregen, nur dann zu einer Meldung wird, wenn sie von einem Flüchtling, einem Muslimen begangen wird. Das ist Rassismus pur. Ein Rassismus, der hier von breiter Politik und Medien gefördert wird, weil man sich vom Lügenpressevorwurf vor sich her treiben lässt.

20 Vergewaltigungen pro Tag sprechen aber eine klare Sprache. Die allermeisten Täter sind Deutsche oder Menschen irgendeiner anderen NAtionalität / Glauben. Wer die Auffassung vertritt, dass nur ein muslimischer Täter eine Meldung wert ist, der muss soll offen erklären, dass die Vergewaltgung durch einen Deutschen ein "minder schwerer Fall" ist. Dann können wir auch gleich das StGB ändern. Oder man stellt sich dieser Hetze der Populisten entgegen.


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Bluto Blutarski #42

Abend für Abend muss eine Nachrichtensendung entscheiden, welche der Vorkommnisse, für die sich ein ganzer Planet 24 Stunden Zeit genommen hat, sie in 15 Minuten Sendezeit packen kann.
Dass die dann getroffene Auswahl nicht den Geschmack von 100 % der Zuschauer trifft, dürfte als Tatsache zu betrachten sein.
Ich persönlich bin dankbar dafür , dass die Befindlichkeiten von Wutbürgern (noch) nicht zum allein entscheidenden Kriterium für so eine Entscheidung geworden sind.


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Hassan Yildirim #53

Na, sagen wir mal, dumm gelaufen. In der momentanen Lage ist es schwer vorherzusehen, welche Berichte politisch opportun sind.
Einerseits regen sich die Muslime auf, weil ein Bericht wieder so den Rassismus (sind Moslems eine Rasse?) befördert, andererseits ist die Bevölkerung selbstverständlich sehr empfindlich geworden, was die Straftaten von Schutzsuchenden betrifft.
Ein Dilemma. Falsch entschieden. Vielleicht doch einfach die Wahrheit berichten? Das entbindet zumindest vom Vorwurf der "Lügenpresse".


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tychobrahe2015 #79

Im Jahre 1997 wurde eine Bekannte von mir mit Messerstichen bei einer versuchten Vergewaltigung schwer verletzt von einem Geistig Behinderten Jugendlichen. Es war einen Zweizeiler in der Lokalpresse wert. Und keine Demo vor dem Behindertenheim oder vor den Eltern des Täters.
In meinem Job habe ich 2x mal jugendliche Zwangsprostituierte mit schweren Verletzungen (1 x deutsch, 1 x Afrika) vor sie verprügelnden Zuhältern versteckt (mit einer Ärztin). Zuhälter waren deutsche Rocker. In der Presse nichts dazu!
Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Abhängige selten großes Pressefutter.
Im Sinne der Jugendstrafrechts sollte erst berichtet werden bei Verurteilung des Täters. Dann egal ob Tschetschene, Sachse oder Afghane. Egal ob Regisseur, Politiker oder Arbeitsloser. Unsere Welt wird immer irrer und sensationsgeiler- was hilft? Mitgefühl für Opfer und psychologische Bewältigung von Affektstörungen bei Tätern.


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thegoodthebadtheugly #81

Es stimmt, dass die Tagesschau nicht oder nur äußerst selten über Mord- und Kriminalfälle berichtet. Täte sie dies, wäre vermutlich wenig Raum für andere Meldungen. Zudem ist bei minderjährigen Straftätern immer eine gewisse Sensibilität bei der Berichterstattung angezeigt. All dies hat die Tagesschau-Redaktion richtig eingeordnet und somit nicht berichtet.  ... was wäre, wenn der Täter ein jugendlicher Deutscher gewesen wäre. Dann hätte es die Meldung wohl nicht über die Badische Zeitung hinaus geschafft.
Also, nochmal zum Mitschreiben: Es gilt der Grundsatz der Neutralität, so wie dies auch vor dem Gesetz gilt. Denn ein Gericht wird den Täter als Täter verurteilen, nicht als deutschen Täter oder als afghanischen Täter mit zweierlei Strafmaß. Es handelt sich demnach um einen Jugendlichen, der eine junge Frau getötet hat. So schlimm dies ist, für die Tagesschau reicht es nicht.


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Claus der Witz #86

Wir sollten uns beruhigen. Das rechte Kesseltreiben gegen die Medien und gegen Geflüchtete, Moslems, oder welche Gruppenbezeichnungen sonst noch zur emotionalen Aufhetze missbraucht werden können, ist für jeden, der will erkennbar. ...


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SchmidchenSchleicher #88

Die Frage die ich mir stelle: Wie lange hätte es gedauert, bis Tagesschau und verschiedene andere Medien berichtet hätten, wenn das Opfer eine junge Frau aus Syrien gewesen wäre? Sehr schnell, schnell oder gar nicht?


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S0T #90

Sollen die Tagesthemen eigentlich über jeden Mord berichten. Oder nur über diejenigen, an denen Flüchltinge beteiligt waren?
Das ist doch der eigentliche Doppelstandard.


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magnalogger #97

Warum wäre die komplementäre Tat (Opfer Afghanin und Vergewaltiger/Mörder Deutscher) ganz zweifellos eine wichtige Nachricht? ...


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August S
#111  —  vor 1 Stunde

"Wenn es ein Deutscher gewesen wäre und eine Migrantin..."

Ich glaube kaum, dass bei dem Fall, als der kleine Flüchtlingsjunge aus dem Lageso entführt, missbraucht und umgebracht wurde danach im Mittelpunkt stand, dass die Tat ein DEUTSCHER verübt hat. Sondern es war eine gestörte Person. Wie in diesem Fall auch.
Und NIEMAND kam da auf die Idee eine Verbindung zu anderen Deutschen zu ziehen.
Nicht in Analysen des Täters
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/ein-unauffaelliger-mensch-wer-ist-silvio-s-13887019-p2.html
nicht in Berichterstattungen
http://www.bild.de/regional/berlin/mord/aktuelle-entwicklungen-zu-den-morden-an-elias-und-mohamed-43207450.bild.html
und selbst in Kommentaren nicht. Vielleicht mal ein "aha, mal an die eigene Nase packen" oder so. Aber ERNSTHAFT, wie hier implizit oder explizit irgendeine Verbindung zu seiner Nationalität, seinem Aufenthaltsstatus usw. zu ziehen, kam keinem in den Sinn.
In den Berichten nach der Festnahme wird nirgendwo erwähnt, dass es ein Deutsch-Deutscher ist, erst in dem ein oder anderen Profil später wird es am Rande deutlich.

Es ist auch völlig unerheblich.

Einige sollten sich echt mal überprüfen, warum sie im einen Fall so... und im anderen Fall so... Dann wären wir gesellschaftlich echt mal auf ne höhere Bewusstseinsebene gekommen und hätten uns einen weiteren Schritt vom Affen entfernt.


...

""Tagesschau"-Chefredakteur erläutert online das Vorgehen im Fall Freiburg" (heise online, 05.12.2016)
Für ihre Entscheidung, die Festnahme eines Flüchtlings im Fall der getöteten Studentin in Freiburg nicht zu melden, erntet die "Tagesschau" Kritik. Chefredakteur Kai Gniffke geht deshalb in Blogbeiträgen und auf Facebook in die Offensive. ... Auf den Einwand, dass die Tagesschau darüber berichte, wenn in den USA Polizisten schwarze Bürger erschießen, ob das nicht auch Einzelfälle seien, sagte Gniffke: Dies sei etwas anderes, weil es das gesellschaftliche Phänomen der Rassendiskriminierung berühre und auch in den USA breit diskutiert werde. Und beim Fall Tugce? Damals sei es um das wichtige Phänomen der Einmischung und Zivilcourage gegangen.
Gniffke widersprach Einwänden, dass seine Redaktion bei einem deutschen Täter sehr wohl berichtet hätte: "Wenn ein Deutscher ein Flüchtlingsmädchen umgebracht hätte, hätte das unseren Relevanzkriterien auch nicht entsprochen. Warum über Anschläge auf Flüchtlingsheime berichtet werde? "Weil sich dahinter ein gesellschaftlich breites Phänomen verbirgt, nämlich dass es Fremdenfeindlichkeit in diesem Land gibt."...
Bereits am Sonntag hatte die Tagesschau auf Facebook erklärt, warum die Nachricht in der 20-Uhr-Ausgabe vom Samstag nicht vorkam ("regionale Bedeutung", "der besondere Schutz von Jugendlichen"). Auf diesen Eintrag reagierten zahlreiche Nutzer mit Kritik und die Diskussion kochte hoch. Auf Facebook und Twitter hatte die Tagesschau-Redaktion über den Fall berichtet. ...
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Tagesschau-Chefredakteur-erlaeutert-online-das-Vorgehen-im-Fall-Freiburg-3554170.html

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"Warum wir fast nie über Straftaten berichten" Markus Horeld (7. Dezember 2016)
Berichten oder nicht berichten? Dutzendfach stellt sich der Redaktion von ZEIT ONLINE diese Frage täglich. ...
http://blog.zeit.de/glashaus/2016/12/07/straftaten-berichterstattung-zeit-online-journalismus/
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on December 31, 2016, 02:24:12 PM
"Ukraine: "Öffentliche Meinung wird von vielen Seiten beeinflusst"" Florian Rötzer (30. Dezember 2016)
Telepolis-Autor Harald Neuber über seine Recherche in der Ukraine, westliche Medienpolitik und die Probleme der freien Presse ....
https://www.heise.de/tp/features/Ukraine-Oeffentliche-Meinung-wird-von-vielen-Seiten-beeinflusst-3582198.html


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Die "Zeit" ist ja spätestens seit dem Expose der Anstalt für ihre Transatlantik-Arschkriecherei bekannt, aber dieser Beitrag hier [http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-02/bundestagswahl-russland-beeinflussung-demokratie-parteien (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-02/bundestagswahl-russland-beeinflussung-demokratie-parteien)] setzt selbst in dem Framing Maßstäbe. Achtung:

    Die vielschichtige russische Einflussnahme auf die Bundestagswahl ist bereits in vollem Gange. Sieben Schritte, um den Schaden für die Demokratie zu begrenzen

Lest euch mal die ersten Absätze durch. Komplett herbeihalluziniert. Ein Hit Piece. Wer schreibt sowas? Nun, immerhin stehen selbst bei der "Zeit" inzwischen die Autoren dran. Schauen wir doch mal.

    Ein Gastbeitrag von Simon Vaut und Jörg Forbrig

Sagt mir nichts. Mal draufklicken.

    Simon Vaut ist Redenschreiber im Auswärtigen Amt. Zuvor war er Referent der SPD-Bundestagsfraktion in deren Verbindungsbüro zur EU in Brüssel. Für die Friedrich-Ebert-Stiftung trainiert er politische Aktivisten in Ländern wie Afghanistan, Simbabwe und dem Kosovo.

Wait, what?! Krass. Redenschreiber. Viel unabhängiger geht es ja kaum!

    Als Vorstandsmitglied des Vereins Global Bridges ist er an Delegationsreisen unter anderem in den Iran, Irak und nach Israel beteiligt.

Global Bridges? Nie gehört. Mal googeln.

    2010 wurde der Verein von Alumni der Atlantik-Brücke unter dem Namen Atlantik Forum gegründet.

Keine weiteren Fragen.

Gut, dann wird der andere der wichtige Autor sein. Mal gucken, was der so macht.

    Jörg Forbrig ist Programmdirektor und Osteuropaexperte beim German Marshall Fund of the United States in Berlin.

Are you fucking kidding me!?!?

Update: Haha, ein Einsender schickte mir die Story ein, als ich sie gerade gebloggt hatte, und der kommentierte noch:

    Da kann die ZEIT künftig auch Shell-Mitarbeiter über den "Ökologischen Einfluss von Ölbohrungen auf das Ökosystem der Arktis" schreiben lassen.  ...



"Bundestagswahl: Wie wir die Wahl vor russischem Einfluss schützen können"
Die vielschichtige russische Einflussnahme auf die Bundestagswahl ist bereits in vollem Gange. Sieben Schritte, um den Schaden für die Demokratie zu begrenzen - Ein Gastbeitrag von Simon Vaut und Jörg Forbrig (14. Februar 2017)
Spätestens seit der amerikanischen Präsidentschaftswahl wächst in Deutschland das Bewusstsein dafür, dass sich Russland aktiv in die diesjährige Bundestagswahl einschalten wird. Längst gibt es deutliche Hinweise, dass der Kreml systematisch versucht, auf innenpolitische Entwicklungen Einfluss zu nehmen. Dabei ist es, wie BND-Präsident Bruno Kahl festgestellt hat, nicht zwingend das Ziel Moskaus, einem bestimmten Kandidaten oder einer Partei zum Sieg zu verhelfen, sondern "die Täter haben ein Interesse, den demokratischen Prozess als solchen zu delegitimieren. Egal, wem das nachher hilft." ...
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-02/bundestagswahl-russland-beeinflussung-demokratie-parteien#comments

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nonidit #8

Und wie schützen wir die Wahl vor amerikanischen Einflüssen? Und vor britischem Einfluss?


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Zifix #8.1

Und vor intergalaktischem Einfluss?


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hederodera42 #8.2

Weder der russische noch der amerikanische und auch nicht der intergalaktische Einfluss macht unseren "demokratischen Volksparteien" bei Wahlen wirklich zu schaffen; bei den kommenden Wahlen dürfte es der Einfluss der Wähler sein, der ihre panischen Ängste schafft.



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gottwuerfeltnicht #8.6

Hey, dass NSA und GCHQ flächendeckend alles ausspähen was sie knacken können ist doch noch keine Einflussnahme!! Außerdem hatten wir doch da so einen Untersuchungsausschuss, der hat doch alles aufgeklärt und mal so richtig aufgeräumt, oder etwa nicht?


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Al Bindy #9

"Wie wir die Wahl vor russischem Einfluss schützen können"

Vor genau einer Woche war hier noch zu lesen, der BND hätte keine Belege für derlei Behauptungen. ...


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Zifix #9.1

Meinen Sie dies hier?

+++ Keine Beweise für russische Desinformationskampagne
Manipuliert Russland die deutsche Öffentlichkeit? Deutsche Geheimdienste haben ermittelt, Belege fanden sie laut einem Bericht nicht. Grund zur Sorge gebe es dennoch. +++
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-02/bnd-russland-desinformationskampagne-wladimir-putin-geheimdienste


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Dietmar R. #11

Das ist nach meinem Dafürhalten völlig absurd, was hier verbreitet wird.
Alles 'Thesen' ohne den Hauch eines Beweises- es wird behauptet, ohne dass diese Behauptungen auch nur im Ansatz verifizierbar oder gar erfahrbar wären.

'Was ich immer denke, fühl und tu, das trau ich auch jedem anderen zu'- dieser Sinnspruch fällt mir dazu ein, und weil es sich um den 'Antagonisten' Russland handelt, gibt es ja bekanntlich nichts, was man diesem Land und vor allem Putin zutraut, nicht wahr.

Hier wird von den Geheimdiensten und der etablierten Politik ein Popanz generiert, der jetzt schon wie eine Monstranz vor sich her getragen wird, um dann, wenn es für irgendjemanden schief gegangen ist, gleich die Ursache zu haben: der Russe war's.

Tut mir leid, aber dieses dumme Zeug kauf ich niemandem ab- es gibt sicherlich vielfältige Interessen, die hier versuchen zur Wirkung zu gelangen, dass war schon immer so, da braucht es jetzt keinen 'ominösen Punkteplan', der den Bürgern vor irgendeiner imaginären Gefahr beschützen soll.

Mir schwant Böses, wenn das jetzt schon weit im Vorfeld der Wahl so los geht....


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Ministerium für Überfülle #11.1

Kein Tag mehr ohne die Warnung von Fakenews oder russischer Manipulation. Spanned bleibt nur, ob der Unsinn trägt oder ob der Leser vorher ermattet kollabiert. Bei Propaganda ist ja auch die Dosis entscheident und es ist ein sehr schmaler Grat, bis es in die Lächerlichkeit abdriftet.

Andererseits muss man ja auch berücksichtigen, dass es Gelegenheitsleser gibt und die dürften in der Mehrheit sein.


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vertigovain #13

Bizzaro Welt.



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Newropeans #46

Allmählich fühle ich mich von der Mainstreampresse extrem veralbert.

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Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on March 01, 2017, 12:06:35 PM
"Die deutsche Medienlandschaft in einer Karte" Dr. Sandra Busch-Janser (20. Februar 2017)
Vanessa Otero hat vor der US-Wahl die amerikanische Medienlandschaft in eine Graphik gepackt, um fake news-Quellen zu visualisieren. Viele Gespräche in der Berliner Community über diese Vorlage haben nun zu einem Ordnungsversuch für die deutsche Medienlandschaft geführt. Unsere Übersicht ist selbstverständlich nur eine Diskussionsgrundlage und keine wissenschaftliche Ausarbeitung, beruht auf persönlichen Einschätzungen (nicht nur des polisphere-Teams) und ist natürlich nicht abschließend (ja, die großen Regionalzeitungen fehlen…).  ... Deutlich wurde noch einmal, dass es stark vom persönlichen Standpunkt abhängt, ob man unsere Perspektive teilt. Kritik mussten wir auch für die verwendete Schriftart einstecken, welche wir allerdings mit Absicht gewählt haben, um zu unterstreichen, dass es sich nicht um eine wissenschaftliche Ausarbeitung handelt. Die Graphik hat nie einen Anspruch auf Vollständigkeit oder eine objektive Wahrheit erhobenen und bildet auch nicht alle redaktionellen Nuancen innerhalb der aufgeführten Medienhäuser ab. Hier bleibt also noch viel Raum für die eine oder andere Dissertation. ...
http://www.polisphere.eu/blog/die-deutsche-medienlandschaft-in-einer-karte/

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"Mahnwachen in Berlin Wie Verschwörungstheoretiker ticken" Sebastian Leber (27.03.2017)
Hat der Anschlag am Breitscheidplatz gar nicht stattgefunden? Verschwörungstheoretikern ist kein Gedanke zu blöd. Als Einstiegsdroge dienen die Berliner Montagsmahnwachen. ... Montagabend auf dem Pariser Platz, ein paar Dutzend Menschen stehen im Halbkreis um einen weißen Lieferwagen herum. Sie demonstrieren für Frieden, so wie sie es jeden Montag tun, seit drei Jahren schon. Verschwörungsgläubige, Reichsbürger, Israel-Hasser, Esoteriker. Auf der Längsseite des Wagens steht: „Frieden schaffen kann nur, wer den Frieden in sich trägt.“ Das Auto gehört einem Aktivisten aus dem Oderbruch, der behauptet, er könne durch Handauflegen Herzchakren aktivieren. Was alle Anwesenden eint, ist ihre Überzeugung, dass die Herrschenden und die Massenmedien ihnen etwas verheimlichen. Dass es dunkle Mächte gibt, die ihnen Böses wollen. Kritiker der Mahnwachen unterteilen sich in zwei Fraktionen. Die einen sagen: Das sind harmlose Spinner. Die anderen sagen: Von harmlos kann keine Rede sein. ... Als die Aktivisten im März 2014 mit ihren Mahnwachen begannen, war „postfaktisch“ noch nicht „Wort des Jahres“, gab es keine Diskussion um Fake News oder alternative Fakten. Die AfD saß nicht in zehn Landtagen, es gab weder Pegida noch den Propagandakanal „RT Deutsch“. Die rechtsextremen Identitären schafften es nicht in die „Tagesschau“. ... Schmitt sagt, die Mahnwache funktioniere wie eine Einstiegsdroge. Ziehe verunsicherte Menschen in ein Milieu, das simple Erklärungsmuster für eine überkomplexe Welt biete. Sündenböcke für alles, was schieflaufe. ...
http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/mahnwachen-in-berlin-wie-verschwoerungstheoretiker-ticken/19544708.html

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DaW 21.03.2017, 12:30 Uhr
Genau diese Spinner sind der Grund dafür, wieso ich mit der selbst ernannten Friedensbewegung nichts zu tun haben möchte.


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halbliter 21.03.2017, 17:33 Uhr

     Propagandakanal „RT Deutsch“

Wenn man so streng wertet, dann gibt es doch fast nur Propagandasender, ja Propagandamedien.
Ich erinnere nur mal an die Begründung für den Krieg gegen Serbien, das erfundene "KZ" im Kosovo oder den "Hufeisenplan".

Wir haben nunmal in den meisten etablierten Medien eine Nato-freundliche Westbindung, die sich entsprechend in der Berichterstattung widerspiegelt und was sich einige neutraler wünschten. Parteiische Medien sind ja okay, aber sie sollten dazu stehen!

Zusätzlich spielen viele unserer Medien nicht mit offenen Karten und verschweigen die Mitgliedschaften führender Journalisten in einflussreichen Denkfabriken. Das darf man kritisieren, man sollte da aber nicht gleich geheime Mächte annehmen. Die Gründe sind meist viel profaner.

Um aber den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen - nein, nicht den Aluhutträgern, aber denen, die sich über fehlende Berichterstattung ärgern:

Investigativ über Denkfabriken berichten, Finanzierung, Mitgliedschaften, Absprachen, Filz. Nur Mut!

So fand ich es sehr gut, dass ein Tagesspiegel-Mitarbeiter mehr Informationen vom Bundeskanzleramt bzgl. von Treffen zwischen Kanzlerin und Journalisten erbat und das versuchte, gerichtlich durchzusetzen.
In einer heute teils sehr informierten Gesellschaft geht es imho nur mit mehr Offenheit, wenn man weiter Vertrauen geschenkt bekommen mag.
Medien, die verschweigen hingegen (über "Bilderberg"-Konferenzen wird ja zumindest inzwischen oberflächlich berichtet), bekommen ein Vertrauensproblem. Da nützt es auch nichts, mit dem Finger auf Wirrköpfe zu zeigen und alle Kritiker damit zu vermischen. Das greift irgendwann nicht mehr.

Also: Mut zur Offenheit, Mut zur Selbstkritik!


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Buzz 22.03.2017, 11:14 Uhr
Es sind Artikel wie diese, die Menschen glauben machen, dass etwa Teilnehmer von Montagsmahnwachen nur wirre Spinner sind und man sich mit "denen" nicht weiter auseinanderzusetzen braucht oder darf.

Der Mainstream-Journalismus sollte sich selbst kritisch betrachten und sich fragen, warum Menschen zunehmend fernab der "üblichen" Kanäle auf der Suche nach Informationen sind. Dass sie dabei auch entgleisen liegt in der Natur des Menschen, denn wirklich davor gefeit ist niemand.

Es wäre Aufgabe der Medien, so unabhängig, hintergründig und kritisch zu berichten, wie es für eine echte "vierte Macht im Staate" erforderlich ist. In dieser Rolle jedoch versagen die Medien zusehends und laufen dem Mainstream hinterher, anstatt ihn zu hinterfragen, reden den Mächtigen und der Regierung zu Munde, anstatt Kontrollinstanz und Korrektiv zu sein, verschließen die Augen, wo sie investigativ sein müssten, sind oberflächlich, wo sie ergründen müssten und sie hetzen bisweilen, anstatt Demokratie zu leben.

Wenn der Tagesspiegel-Artikel erreicht, dass sich Menschen von "diesen Spinnern" abwenden, werden sich auf der anderen Seite Menschen weiter von den Medien abwenden. ...


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Deutschertroll 21.03.2017, 17:28 Uhr
Der Artikel ist für mich der Versuch einer Diffamierung von Menschen, die sich für den Frieden einsetzen. Es gab unter diesen immer Wirrköpfe, nur, diese Wirrköpfe stellten keine Gefahr für eine gute Sache dar. Warum es in Deutschland mit der Friedensbewegung bergab ging, ist eine viel ernste Thematik. Und, es wird Zeit, dass es diese wieder gibt. Einst waren es die Grünen, die diese anführten. Heute gehören sie leider zu dem Establishment, was sie einst vehement bekämpften und erkennen wieder einmal nicht die Zeichen der Zeit: Millionen in diesem Land sind besorgt. Während unsere Rüstungsindustrie weltweit auf Platz 3 gelandet ist, während wir Waffen in Konfliktgebiete liefern - nach Algerien wurde gleich eine ganze Panzerfabrik geliefert und aufgebaut, trotz der Spannungen in und um Algerien - Hauptsache der Euro rollt. Unsere Waffen sind im Nahen Osten dabei, die Flüchtlinge sind auch Opfer unserer Politik. [...] Die Lage ist ernst, sehr ernst und Deutschland ist wieder dabei an immer mehr Militäreinsätzen im Ausland teilzunehmen. Unser Grundgesetz wurde vergewaltigt und durch den Bundestag in diesen Sachen praktisch außer Kraft gesetzt. Unser Grundgesetz verbietet Militäreinsätze im Ausland. Die Macher dieses Grundgesetzes haben sich 1949 dabei was gedacht - alles ausgehebelt.


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Wasert 21.03.2017, 14:20 Uhr
Verschwörungstheorie ist heute das, was morgen in der Zeitung steht. Nicht ohne Grund werden sogenannte Verschwörungstheoretiker gern von den Medien angegriffen, indem Ihnen abstruse Strohmänner (flache Erde, Alufolie) untergejubelt werden.

Die Mainstreammedien und Funktionseliten basteln hingegen fleißig an einem Narrativ, das absurder nicht sein kann: Beispiele sind das von brennenden Papierzetteln zum Einsturz gebrachte WTC7, "Magical Bullets" aus Lee Harvey Oswalds Mauser-Gewehr, weinende Diplomatentöchter und Überraschungsangriffe in der Tonkin Bay. Nur echt mit dem obligatorischen angesengten Personalausweis in Tatortnähe!


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2010ff 21.03.2017, 13:03 Uhr

... Wenn es viele Verschwörungstheorien gibt, so hat das auch mit zum Teil eklatantem Versagen der "seriösen" Medien zu tun.


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Rotfahrer 21.03.2017, 13:07 Uhr
Das Problem ist doch eher, dass das abwertende Bergriff Verschwörungstheoretiker mittlerweile für jeden kritischen Kopf verwendet wird.  ...


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Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on April 10, 2017, 09:53:32 AM
"Fake News: Google setzt Faktencheck-Label vermehrt ein, Facebook gibt Nutzern Nachhilfe"(heise online, 07.04.2017)
Facebook definiert gefälschte Nachrichten als solche, die darauf angelegt sind, für echt gehalten zu werden, aber nachweislich nicht korrekt sind. In Europa habe Facebook keinen Schub von Fake News vor den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich sowie mit Blick auf die Bundestagswahl im September festgestellt, sagte Mosseri. ... Google will derweil künftig verstärkt auf Hintergrundberichte hinweisen, in denen Medienunternehmen oder Verlage die Faktenlage bei strittigen Themen überprüfen. Das Faktencheck-Label werde von sofort an nicht nur bei Google News eingesetzt, sondern auch auf die Google-Suche ausgeweitet. Außerdem sei das Label nun für Medienunternehmen und Verlage weltweit verfügbar, teilten Justin Kosslyn von dem Google-Thinktank Jigsaw und Cong Yu, Wissenschaftler bei Google Research, am Freitag mit.
Jede Minute würden tausende neue Artikel online veröffentlicht, eine Menge an Inhalten, die wohl die meisten Nutzer überfordere, schreiben sie. ...
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Fake-News-Google-setzt-Faktencheck-Label-vermehrt-ein-Facebook-gibt-Nutzern-Nachhilfe-3677741.html

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"Das Regime der demokratischen Wahrheit IV – It’s the Culture, Stupid"
Publiziert am 20. März 2017 von mspro
Es ist an der Zeit, festzuhalten, dass das Regime der demokratischen Wahrheit weder von Trump installiert wurde, noch von ihm betrieben wird. Es ist vielmehr diese Struktur aus Medien, Community und angeschlossenen Wertesystemen, die sich lange vor und völlig unabhängig von seiner Präsidentschaftskandidatur entwickelt hat. Diese medial-kulturelle Struktur ist die Basis, der Resonanzraum von Trumps Antifragilität. Sie ist es, die verhärtet wenn Trump angegriffen wird. Sie ist es, die nach jedem Angriff gestärkt dasteht. ...
http://www.ctrl-verlust.net/breitbart-alt-right-filterbubble/

"Linkliste zur Alt-Right" (Veröffentlicht am 16/03/2017)
Die Liste ist alles andere als vollständig, aber als Überblick vielleicht hilfreich. Man merkt sicher auch, dass ich einen Schwerpunkt auf die netzkulturellen Strömungen der Alt-Right gelegt habe, der nicht repräsentativ sein muss. Der richtig harte Nazi-Teil ist etwas unterrepräsentiert, wie auch der esoterische Ansatz. Die Richard Spencer-Ecke scheint mir aber nicht viel neues zu beinhalten, sondern ziemlich mit dem kongruent zu sein, was wir in Europa unter Nouvelle Droite und der Identitären Bewegung kennen. ...
http://mspr0.de/?p=4753

"Study: Breitbart-led right-wing media ecosystem altered broader media agenda" (March 3, 2017)
The 2016 Presidential election shook the foundations of American politics. Media reports immediately looked for external disruption to explain the unanticipated victory—with theories ranging from Russian hacking to “fake news.”
We have a less exotic, but perhaps more disconcerting explanation ...
https://www.cjr.org/analysis/breitbart-media-trump-harvard-study.php

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"Die Rechten mögen Info3 nicht" Michael Eggert (April 13, 2017)
Wie man hört, waren die überregionalen Sitzungen anthroposophischer Redakteure und Verleger schon früher kein Hort der Einigkeit; so mancher Schreiber fuhr insbesondere in den Gedanken an Jens Heisterkamp und „die Info3- Clique“ dorthin mit pelziger Zunge und dunkel bewölkten Gedanken. Diese Liberalen, Globalisten und spirituell Aufgeschlossenen unter den anthroposophischen Publizisten haben aber nicht nur in der Szene einen schweren Stand, nein selbst das (nach eigener Einschätzung) elitäre Leitmedium der neuen Rechten, die Vordenker der AfD unter Leitung des Hipster- Schlossherrn und Publizisten, ja „geistigen Führers“ (FAZ) Götz Kubitschek aus Schnellroda widmet sich jetzt Info3. Kubitschek und seine Frau mögen, nach Informationen der FAZ, Ziegenkäse, Wehrsportgruppen und Leni Riefenstahl. Die Info3 mögen sie nicht. ...
https://egoistenblog.blogspot.de/2017/04/die-rechten-mogen-info3-nicht.html

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"Debatte: Wo kommt der Begriff „Querfront“ her und welche Funktion hat er?" Nemetico (22. März 2016)
„Querfront“ ist ein seit 2014 aufgetauchter Begriff, nicht etwa nur in der degenerierten „linken Szene“, sondern auch in den Mainstream – Medien.
„Querfront“ wurde den Mahnwachen 2014 unterstellt, „Querfront“ natürlich auch den „Putin-Verstehern“, aber seltsamerweise auch Sahra Wagenknecht von der Linkspartei.
Klar ist nur eines: „Querfront“ ist was ganz ganz schlimmes, auch wenn kaum jemand eine Ahnung davon hat, was er eigentlich bedeuten soll.
Diesbezüglich löst der Begriff „Querfront“ Begriffe wie „Antisemit!“ oder „sekundärer Antisemitismus“ ab, die noch in jüngerer Zeit als Diffamierungsettikett von der sogenannten Transatlantifa gebraucht wurde.
Eine ähnliche Funktion hatte der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ für alle Menschen, die wurmstichigen regierungsoffiziellen Erklärungen zu terroristischen Massenmorden keinen Glauben mehr schenken wollten. ...
https://nemetico.wordpress.com/2016/03/22/wo-kommt-der-begriff-querfront-her-und-welche-funktion-hat-er/

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https://fabianschmidmeier.wordpress.com/2017/01/01/nationalistisch-linke-querfront-elsasser-jebsen-horstel-wimmer-und-die-alternativen-medien/

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QuerFrontSeiten
https://querfrontseiten.blogspot.de/


Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on May 10, 2017, 09:42:18 AM
"Gedenken unterm Sowjetstern" (09.05.2017)
Der Treptower Park gehört am 9. Mai den Nachfahren der Sowjetunion und ihrer Verbündeten. Er ist an diesem Montag längst nicht so mit Menschen gefüllt wie vor zwei Jahren zum 70. Jahrestag der Befreiung, aber die meisten bringen Rosen und Nelken mit, um sie an den Mahnmälern niederzulegen. ... Der 9. Mai ist aber auch das Jahrestreffen der Putinversteher und Verschwörungstheoretiker. Andreas Maluga vom Verein "DDR-Kabinett" aus Bochum hält eine rote Sowjetfahne hoch und verteilt Infoblättchen. Darin geht es um die angeblich aggressive Politik von EU und Nato, die auf Russland herabblickten und den Dritten Weltkrieg vorbereiteten. Ähnlich argumentiert eine Reichsbürger-Vereinigung, die mit allerlei Fahnen und Infotafeln am Hauptweg des Ehrenmals Aufstellung genommen hat. Etwas abseits singt eine Gruppe mit viel Inbrunst russische Volkslieder. ...
Günter Weiglein hat sich aus Würzburg auf den Weg nach Berlin gemacht, er ist mit einer Russin verheiratet und findet Gefallen an den Ideen des Verschwörungstheoretikers Mathias Bröckers. Außerdem möchte er seine Solidarität mit den Opfern des Zweiten Weltkrieges bekunden. Putin übrigens sei ein "sehr bedachter" Politiker, der Westen dagegen eher "aggressiv unterwegs". Weiglein ist für den Frieden, schon seiner zwei Söhne wegen, denen er eine solche Katastrophe ersparen möchte. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/russische-biker-in-berlin-gedenken-unterm-sowjetstern/19778642.html

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mgbln 09:05 Uhr
Na, da haben wir die ja alle wieder in unseren Einheitsbrei gerührt - die Putinversteher, Verschwörungstheoretiker und die, die man nicht so ernst nehmen sollte. Diese Art Journalismus, der Information und Meinung durch Schlagworte ersetzt und Andersdenkende verunglimpft, ist in Mode gekommen. Aber das gehört wohl zu unseren "Werten", die es zu verteidigen gilt...


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"Frankreich: Macron redet Klartext mit Putin" Axel Veiel (30.05.2017)
... Und dann sagte Macron auch noch, was er von den Putin verbundenen Medien Sputnik und Russia Today hält, die sich in den französischen Wahlkampf eingeschaltet, Macron verleumdet hatten. „Das sind keine Medien, das sind Lügen verbreitende Propaganda-Organe.“ ...
http://www.fr.de/politik/frankreich-macron-redet-klartext-mit-putin-a-1287253

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"Präsident Macron legt sich mit Sputnik und RT an" Thomas Pany (30. Mai 2017)
... Nach einem Zitat von Dhuicq, in dem ausdrücklich und dick gedruckt davon die Rede ist, dass Macron eine "sehr reiche schwule Lobby" hinter sich habe und dass dies "schon alles sage", erwähnt der Sputnik-Bericht, dass Macron dem hartnäckigen Gerücht über seine Homosexualität und sein Doppelleben öffentliche Aussagen gegenübergestellt habe, die dies negieren.
Man kann sich die Frage stellen, welche Haltung der Sputnik-Redaktion dahintersteht, solchen auf Dreckwerfen ausgerichteten Aussagen eine öffentliche Prominenz zu verleihen. Naiv wäre es anzunehmen, dies würde aus dem journalistischen Ethos heraus geschehen, möglichst viele Standpunkte und Meinungen darzustellen.
Dass Macron Unterstützer mit sehr viel Kapital hat, war bekannt, Dhuicq liefert hier kein neues Erkenntnismaterial, sondern nur Gift für einen intriganten Blick auf Macron. Den Redakteuren von Sputnik dürfte klar gewesen sein, welches Publikum sie damit bedienen. ...
Medial wird Macron von einer geförderten Hofberichterstattung begeleitet. Ohnehin ist er von Könnern umgeben, die Inszenierungen beherrschen, wie der ausgetüftelte Empfang von Putin gezeigt hat. Genau deswegen hat Macron Gegenstimmen nötig. Allerdings nicht solche der Art, wie sie Dhuicq herausgockelt. ...
https://www.heise.de/tp/features/Praesident-Macron-legt-sich-mit-Sputnik-und-RT-an-3729149.html

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     mitwirker, 30.05.2017 16:50

Dafür das sputnik kaum jemand liest/sieht ....
wird ein ganz schöner Bohei darum gemacht ...


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     Hat se nicht alle, 30.05.2017 16:54

Denken sie auf keinen Fall an einen weißen Elefanten!

... Betrachtet man die Verbreitung von RT und Sputnik und setzt diese zwei Quellen in Relation zu der gigantischen Menge von Medien, die aus Macron einen Halbgott zimmerten, dann ist der Vorwurf lächerlich und eines Präsidenten nicht würdig. Das ist Aufgabe der Diplomatie und wer sonst wenn nicht Frankreich hat darin Expertise. Dieses Thema bei einem Staatsbesuch vorzutragen zeugt von einem extrem dünnen Nervenkostüm, oder einem brachialen Volltreffer.


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     Charonhb, 30.05.2017 17:46

Vive la Pluralismus

Die russischen Staatsmedien legen selbstverständlich eigene Schwerpunkte und sie haben eine Perspektive die mit Sicherheit nicht von irgendwelchen transatlantischen Lobbyverbänden und Thinktanks beeinflusst ist - im Gegensatz zu unseren eigenen "Leitmedien" bei denen sich manche eben diese Parteinahme sogar wörtlich in der Unternehmenssatzung* verankern.

*(Siehe Punkt 3 http://nachhaltigkeit.axelspringer.de/de/grundsaetze/unternehmensgrundsaetze.html)

[   

    Wir treten ein für Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie und ein vereinigtes Europa.
    Wir unterstützen die Lebensrechte Israels.
    Wir zeigen unsere Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.
    Wir lehnen politischen und religiösen Extremismus ab.
    Wir setzen uns für eine freie und soziale Marktwirtschaft ein.

]

In Frankreich gibt es sicher einen ähnlichen "Patriotismus" der Leitmedien, die eigene Regierung bzw. das eigene Bündniss eher zu vertreten als zu kritisieren, wie in Deutschland oder Großbrittanien, oder eben wie in Russland.

Das ist Pluralismus und wer den kritisiert oder angreift sollte umgehend einen Auffrischungs- oder Nachhilfekurs Staatsphilosophie verpasst bekommen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (30.05.2017 17:54).


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     eichkater, 30.05.2017 21:16

Wäre Macron ein Hoffnungsträger der westlichen Welt

würde er sich dafür einsetzen, das der Diskurs gegen ihn wieder immanent in den eigenen Medien geführt werden kann und man nicht heimlich russische Medien konsumieren muß wie Feindsender unter Hitler. Das war ja schließlich durch ein Jahrhundert die Freiheit des sogenannten Westens. Was für ein Kleingeist und Postdemokrat, der sich an die gleichgeschaltete eigene Medienhudelei dermaßen gewöhnt hat, dass ihn eine nur minimale distanzierte Berichterstattung in einem blockexternen Auslandsmedium bereits stört.
Man vergleiche mal den inkriminierten Sputnik-Artikel mit all dem Müll, angefangen von "Stoppt Putin jetzt", den unsere vereinigte Müllpresse täglich über Putin ausgekippt hat bzw. damit "massiv auf den Ausgang der Wahlen in Rußland Einfluß" nahm. ...


...


"As Putin Looks On, Macron Says Russian State News Channels Spread Lies About Him" (Robert Mackey, May 30 2017)
The first meeting between Emmanuel Macron, the newly elected president of France, and his Russian counterpart, Vladimir Putin, was bound to be a little awkward, given that Macron’s aides had all but publicly blamed Russia for a massive cyberattack on his campaign on the eve of the election.
Asked about those suspicions on Monday at a joint news conference with the Russian president in Versailles, Macron said that the subject had not come up during their working lunch — because he had already raised it when Putin called to congratulate him on his victory. “When I say things once, I don’t usually repeat myself,” Macron added.
Moments later, however, the French president left little doubt that he was convinced the Russian government had tried to prevent his election by spreading false rumors about him through two state-owned news networks, Russia Today and Sputnik.
Standing next to Putin, Macron told Xenia Fedorova, the head of the Kremlin-financed channel RT France, that her reporters had been denied access to his campaign headquarters before the vote because they had been acting not as journalists but as propagandists.
https://theintercept.com/2017/05/29/putin-looks-macron-says-russian-state-news-channels-spread-lies/

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Bart
May 30 2017, 10:06 p.m.

Did RT broadcast what Macron says it did about, e.g., a gay lover?

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Voice from Europe Bart
May 31 2017, 9:57 a.m.

Afraid to watch RT yourself….afraid of being subverted. Lol.



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Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on June 07, 2017, 01:26:17 PM
"Correctiv macht Privatleben von AfD-Frau zum „Sexskandal“" Stefan Niggemeier (3. Mai 2017)
Eine Kandidatin der AfD für den nordrhein-westfälischen Landtag hat vor ein paar Jahren offenbar etwas Geld mit Sex verdient. Vielleicht war es nur ein „Taschengeld“, vielleicht eine angenehme Verdoppelung ihres Einkommens. Vielleicht war es weniger finanziell als erotisch motiviert: durch eine Art Fetisch, sich wie eine Prostituierte zu verhalten.
Man weiß es nicht genau, aber man muss es auch nicht genau wissen: Es ist ihre Privatsache.
Das Recherchebüro Correctiv hat sie gestern öffentlich gemacht und sprach von einem „Sexskandal“. Der Ruhr-Ableger von Correctiv pries den Text auf Twitter als exklusive Enthüllung an: „Spitzenfrau der Rechtspopulisten vermietete ihren Körper übers Internet“, hieß es, und: „Rechtspopulisten gehen mit Teilzeitprostituierten in die heiße Phase des Wahlkampfes“. ...
http://uebermedien.de/15068/correctiv-macht-privatleben-von-afd-frau-zum-sexskandal/


"Zu Correctiv" (Sonntag, 14. Mai 2017)
Aus beruflichen Gründen habe ich den ein oder anderen Einblick in Szenen, die manche vielleicht als kinky oder hübschlerisch bezeichnen würden - tatsächlich fällt mir auch manchmal auf, dass es enorme Ähnlichkeiten zwischen Journalismus, Kulturbetrieb und anderen Formen käuflicher Annäherung gibt. Journalisten, Autoren, Callgirls, Poletänzerinnen - wir alle spielen mit den Gefühlen und Erwartungshaltungen von Menschen, und wer das System einmal durchschaut hat, erkennt die Grundprinzipien auch in anderen Bereichen wieder. Die Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz, das Gefühl, in gewisser Weise zum Objekt gemacht zu werden und gleichzeitig Subjekt zu sein, die Entgrenzung in begrenzten Systemen, die Widersprüchlichkeit von Fremde und Intimität - damit arbeiten wir. Das füllt uns mehr oder weniger das Konto.  ...
Ich habe Schwierigkeiten, einen Unterschied zwische "Revenge Porn" und dem zu sehen, was Correctiv getan hat. Und ich bin froh um die Reaktionen, die das zurückgewiesen haben. Die Freiräume für nicht den angeblichen Normen entsprechende Verhaltensweisen sind ein Grund, dieses Netz unbedingt zu erhalten. Es wird für jeden, auch für den Liberalsten, Sexualpraktiken geben, die zwar legal sind, aber die er für sich auf gar keinen Fall haben will. So ist das eben. Nur wenn der Freiraum dieser anderen garantiert wird, kann er für alle garantiert werden. Zerstört man das, weil es um die AfD geht, wird der nächste es für gerechtfertigt halten, weil ihm eine andere Einstellung nicht passt - wir sind da ganz schnell wieder auf dem Weg zum Schmutz- und Schundgesetz, undemokratisch reaktiviert durch Skandalschmierfinken und ihre Shitstormabsichten. ...
https://rebellmarkt.blogger.de/stories/2642787/

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trippmadam, Montag, 15. Mai 2017, 19:00
Wann hat das eigentlich (wieder) angefangen, dass Sexualität (und damit auch oder erst recht Sexarbeit) erpressbar macht?
Ich finde ja eher die Mitgliedschaft in der AfD unmoralisch. Aber mit dem Familienbild der Rechten einerseits und der Moralinsäure der Linken andererseits schließt sich ein Kreis, der mir nicht behagt.

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"CNN Journalists Resign: Latest Example of Media Recklessness on the Russia Threat" Glenn Greenwald (June 27 2017)
All media outlets will make mistakes; that is to be expected. But when all of the “mistakes” are devoted to the same rhetorical theme, and when they all end up advancing the same narrative goal, it seems clear that they are not the byproduct of mere garden-variety journalistic mistakes. ... A related, and perhaps more significant, dynamic is that journalistic standards are often dispensed with when it comes to exaggerating the threat posed by countries deemed to be the official enemy du jour. That is a journalistic principle that has repeatedly asserted itself, with Iraq being the most memorable but by no means only example.
In sum, anything is fair game when it comes to circulating accusations about official U.S. adversaries, no matter how baseless, and Russia currently occupies that role. (More generally: The less standing and power one has in official Washington, the more acceptable it is in U.S. media circles to publish false claims about them, as this recent, shockingly falsehood-ridden New York Times article about RT host Lee Camp illustrates; it, too, now contains multiple corrections.)
And then there is the fact that the vast majority of reporting about Russia, as well as Trump’s alleged ties to the Kremlin, has been based exclusively on evidence-free assertions of anonymous officials, many, if not most, of whom have concealed agendas. That means that they are free to issue completely false claims without the slightest concern of repercussions. ...
https://theintercept.com/2017/06/27/cnn-journalists-resign-latest-example-of-media-recklessness-on-the-russia-threat/

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Thominus
June 28 2017, 12:00 a.m.

The even darker side of this is how much *actual* news regarding Russia and related geopolitics is completely unreported – since it does not fall in line with the propaganda. So now the situation is not only that the western population majority believes in hysteric anti-Russia narratives of pure fantasy, but is also completely ignorant of what is actually unfolding. From this point, the ‘common narrative’ that the average Joe presumes as fact actually becomes a barrier to any understanding of the contradictory reality as history unfolds. As long as Americans can be kept in a feel-good bubble convinced that ‘we are the good guys and they are the evil bad guys’ you can have their blessing to print unlimited sums of money to spend on military-industrial-spy-complex hardware at the most over-priced rate imaginable.

Keep us safe™

It has become so pervasive that I’ve actually run across more and more younger people that are unquestioningly convinced that somehow America has become so advanced or Russia has become so backward that MAD (Mutually Assured Destruction) is not a concern anymore. A generation of this and it will be the last.

Today’s Russia represents the risk of a multi-polar world, so it must be demonized and threatened until either assimilated or destroyed. They will relentlessly keep demonizing Putin, sanctioning Russia’s economy, and stoking up NATO at its doorstep forcing Russia’s remaining economic resources into defense spending at the expense of growth until they can get their next Yeltsin installed. If a hot war breaks out by some accident no big deal – its only us plebs that will suffer anyway.


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Torontonian Granny sue
June 28 2017, 2:43 a.m.

I agree! And that is scary– that’s how totally delusional US intelligence, military, and political forces are right now in the U.S. Polls released today here in Canada have our trust in the U.S. at an all-time low. We are doing everything we can up here to distance ourselves from the U.S. in every possible way. It is kind of realizing you have an emotionally disturbed/drunk Uncle and you are quietly taking the wine away from his reach while getting as far away from him as possible. Time for you guys to clean house– not just the Executive Branch.


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Tom
June 27 2017, 11:47 p.m.

Why does this continue to happen? Lots of key words. Not journalists, but “media personalities”. Corporate media. Infotainment. Boring rolling news is so retro. Ratings hype. Corporate media’s convinced they must never do anything to piss off Trump. If they do, they’re instantly cut off and then sacked.

There is still no absolute proof that Putin manipulated the 2016 election. An “anonymous Kremlin source” told the CIA. Really? Not good enough. I can anonymously source literally anything I want. Doesn’t mean that it’s true. But that doesn’t matter.

What DOES matter is these corporate owners of cable news outlets making their defense industry advertisers happy by starting a new war with Russia. Comcast owns MSNBC. Maddow has the #1 rated show. Comcast pays her $7 million a year. They tell her what to do and say to keep that money and her other perks. If she doesn’t, she’s fired. Now, does anyone seriously believe that Maddow’s going to give all of that up and actually be a responsible journalist? Just because you say that our super duper Chief Global Affairs Correspondent Richard Engle says it’s true means that it is? Wrong. When a news outlet issues a retraction, why is it always as tiny as possible in print or as vague as possible on TV/radio? Because they hate to actually have to do their job.


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Jon M.
June 27 2017, 11:44 p.m.

The very same MSM that held our hand as GWB invaded Iraq, shocking and awing thousands of Muslims to death in their own country.
Entreating us to stay the course to neverending war on terror, conducted globally.
Trump’s gonna bomb em more fiercely than GWB,BHO HRC combined!
And the Sunday talk news shows will cheerlead bravely staying that course.
Normalizing a constant state of war so blatantly’s a tad too Orwellian and fascist too fly far in the 21st century, I hope.


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Dale
June 27 2017, 11:39 p.m.

I wonder how many readers, after having digested the fake news reports from the Leftist rags, and spread the garbage on social media, go back and see the retractions. The damage is done, and the fake news outlets know it.


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Croaker Dale
June 28 2017, 12:34 a.m.

Fake as in Fox news too. Right? You surely aren’t so stupid that Fox and Breitbart and that trash is real are you? Lots of bullshit out there and the Koch’s have paid for more than a little.


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Frank Tisdale
June 27 2017, 11:15 p.m.

Thank you, Glenn.

I personally think the “prestige media” (*i use that term with some scorn) will never entirely recover from this. The fact is that NYT, CNN, WaPo, et al, have forever shattered their credibility. And i do not celebrate their demise, because i grow concerned what will come to replace them will simply be more of the same, albeit better-tuned to smaller, niche partisan markets.


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Frank Tisdale
June 27 2017, 11:15 p.m.

Thank you, Glenn.

I personally think the “prestige media” (*i use that term with some scorn) will never entirely recover from this. The fact is that NYT, CNN, WaPo, et al, have forever shattered their credibility. And i do not celebrate their demise, because i grow concerned what will come to replace them will simply be more of the same, albeit better-tuned to smaller, niche partisan markets.

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Shannon
June 27 2017, 10:46 p.m.

Thank you, Glenn for real journalism. It is quite refreshing in today’s world……


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Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on June 30, 2017, 01:20:50 PM
"In diesem Video erklärt John Oliver auf tragisch komische Weise das ganze Ausmaß der Print- und Journalismuskrise" (08.08.2016)
John Oliver und seine HBO-Show "Last Week Tonight" sind bekannt für scharfzüngige, politische Erklärstücke. Diesmal hat sich Oliver ganz dem Journalismus gewidmet und erklärt anschaulich, warum ohne lokale Tageszeitungen die komplette Medien-Nahrungskette auseinanderfällt. Ausgehend von dem Oscar prämierten Journalisten-Film „Spotlight“ erläutert John Oliver in knapp 20 Minuten den bedauernswerten Zustand vieler Zeitungsredaktionen in den USA. Und er erklärt, warum Zeitungsredaktion für das gesamte Mediensystem von elementarer Bedeutung sind: „Vieles von dem, was Websites und TV-Nachrichten machen, ist bloß das Umverpacken von Print-Quellen. Auch dumme kleine Shows wie unsere hängen von der Arbeit von regionalen Zeitungen ab. Wann immer unsere Show Journalismus genannt wird, ist das ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die die wirkliche Arbeit machen.“ Oliver kommt zu dem Schluss: „Die Medien sind eine Nahrungskette, die ohne lokale Zeitungen auseinanderfallen würde.“
http://meedia.de/2016/08/08/in-diesem-video-erklaert-john-oliver-auf-tragisch-komische-weise-das-ganze-ausmass-der-print-und-journalismuskrise/

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"Wenn der Attentäter Muslim ist, berichten Medien fünfmal so häufig" Fabian Köhle (11. Juli 2017)
Der Frage, wie sich die mediale Berichterstattung über islamistische und nicht-islamistische Anschläge unterscheidet, sind nun zwei amerikanische Kommunikations- und Terrorismus-Forscher nachgegangen. ...
https://www.heise.de/tp/features/Wenn-der-Attentaeter-Muslim-ist-berichten-Medien-fuenfmal-so-haeufig-3764887.html

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"Verschwörungstheorien und „gutes Bildungsfernsehen“: das kontroverse YouTube-Phänomen KenFM" Hendrik Steinkuhl (14.07.2017)
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder: Ken Jebsen ist der Unberührbare der deutschen Medienszene, die scheinbare Quersumme aus Pegida, AfD und Alu-Hut-Trägern. Zu seiner Verfemung hat der ehemalige RBB-Moderator einiges beigetragen – unberechtigt ist sie trotzdem. Denn Jebsen ist vieles nicht, was man ihm vorwirft. ... Vor allem sein Format „KenFM im Gespräch“ ist, wie Matthias Bröckers in seinem Buch „Der Fall Ken Jebsen“ zutreffend schreibt, „nichts anderes als das gute, alte Bildungsfernsehen.“ Jebsens Unterbrechungen und Suggestionen stören, trotzdem sind zum Beispiel die bereits erwähnten Interviews mit Michael Buback, mit Petra Wild oder Mosche Zuckermann besser als fast alles, was man im Deutschen Fernsehen zu sehen bekommt.
Jebsen ist immer vorbereitet, immer interessiert, nie oberflächlich, und seine Gäste haben oft sehr viel Interessantes zu erzählen – was sie bei KenFM auch können. Zweieinhalbstündige Interviews sind im Fernsehen unvorstellbar. Ken Jebsen zeigt, dass derartig lange Gespräche nicht nur möglich, sondern oft notwendig sind, um einem Thema gerecht zu werden.
Und genauso bedarf es auch einer intensiven Recherche und eines langen Textes, um diesem manischen Provokateur und Content-Ausspucker Ken Jebsen gerecht zu werden.
Ja, oft ist weniger mehr. Aber eben nicht immer.
http://meedia.de/2017/07/14/verschwoerungstheorien-und-gutes-bildungsfernsehen-das-kontroverse-youtube-phaenomen-kenfm/

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Stefan sagt:   
14.07.2017 um 15:08

Immer wieder überraschend, dass Meedia in der deutschen Presselandschaft heraus sticht als eines der einzigen Publikationen, die sich bei so einem Thema zu einer differenzierten Darstellung trauen. ...


Quote
Michael Müller sagt:   
14.07.2017 um 14:25

„Jebsen zur Neuen Rechten zu zählen ist vollkommen absurd“
Warum schreiben das dann die „Qualitätsmedien“ andauernd? Ist deren Qualität vielleicht doch nicht so gut? Und warum schreiben alle das gleiche, wo es doch angeblich so eine große Meinungsvielfalt bei uns gibt? Fragen über Fragen…

Quote
PjotrUnwitzig sagt:   
14.07.2017 um 14:12

So ein sachlicher Kommentar über einen der Lieblingsfeindbilder (und größten Konkurrenten) der etablierten Medien? Herzlichen Glückwunsch! Auch wenn man soetwas von diesen etablierten Medien wohl eher nicht lesen wird. Allein schon weil es um die Deutungshoheit geht.

Ja bei Jebsen hat man ständig das Gefühl er wäre auf Koks und Speed, seine stakkatoartigen Monologe die auf zwei Stunden kommen können sind oft nicht so einfach zu ertragen. Er verschießt etwa 4000 rounds per minute – um das mal bildsprachlich auf den Punkt zu bringen. Aber es gibt wohl momentan keinen besseren und engagierteren Journalisten. Und keine interessanteren Interviews. Und: viel Feind viel Ehr!


Quote
Oedel Doedel sagt:   
14.07.2017 um 13:53

Also ich finde diesen Beitrag über Ken Jebsen mehr als zutreffend.Für mich ist es oft schwer erträglich seinen,oft schon oberschullehrerhaften,mit Vorwürfen an die Hörerschaft,weil sie untätig oder anderes sind, gerichteten Monologe zu folgen.Ich halte es dann doch durch da seine Gäste alles wieder raus reißen.Seine Arbeit halte ich trotz allem für einen unerlässlichen Beitrag zu einer umfassenden Meinungsbildung.


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Zu: "CNN macht Werbung für die Laserwaffe der Navy im Persischen Golf" Florian Rötzer (19. Juli 2017)
https://www.heise.de/tp/features/CNN-macht-Werbung-fuer-die-Laserwaffe-der-Navy-im-Persischen-Golf-3775965.html

Quote
     erazerhead, 19.07.2017 08:13

Militärpropagandazwecke? Da sitzen sie mit N24 und ntv in der ersten Reihe.

Warum über den großen Teich blicken und nicht einfach mal die Doku-Highlights bei ntv oder N24 kucken. Wenn nicht gerade eine Hitler,Hitler,Hitler-Dauerserie läuft ist das Programm übervoll mit Dokumentationen(Dauerwerbesendungen) zum Thema der überragenden Militärtechnik der USA. Sogar international operierende Killerkommandos werden dort noch unhinterfragt als globale Freiheitskämpfer stilisiert.

Quote
romek_atomek, 19.07.2017 08:57

Re: Militärpropagandazwecke? Da sitzen sie mit N24 und ntv in der ersten Reihe.

Ich hatte vor ein paar Monaten zufällig auf ntv geklickt, als eine Reportage über Hells Angels in Russland lief.
Die Russen finden Hells Angels nicht so toll und das wurde in dem Propagandastreifen 30 Mal gekaut.
Die armen Hells Angels würden ihren demokratischen Grundrechten beraubt, indem man sie nicht Menschen, -waffen und -drogenhandel betreiben lasse.
Und die bösen russischen Biker seien alle putintreue Bösewichte.
Nach der "Reportage" war mir erstmal schlecht.



https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/CNN-macht-Werbung-fuer-die-Laserwaffe-der-Navy-im-Persischen-Golf/Militaerpropagandazwecke-Da-sitzen-sie-mit-N24-und-ntv-in-der-ersten-Reihe/posting-30727578/show/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on September 07, 2017, 07:41:28 AM
"Ja, lügen die Medien denn nun oder nicht?" Jens Wernicke  (07. September 2017)
Walter van Rossum ist Autor, Medienkritiker und Investigativjournalist. Er studierte Romanistik, Philosophie und Geschichte in Köln und Paris. Mit einer Arbeit über Jean-Paul Sartre wurde er 1989 an der Kölner Universität promoviert. Seit 1981 arbeitet er als freier Autor für WDR, Deutschlandfunk, "Zeit", "Merkur", "FAZ", "FR" und "Freitag". Für den WDR moderierte er unter anderem die "Funkhausgespräche".  ... Walter van Rossum über Wahrheit in den Medien, warum Journalisten oft Brandbeschleuniger sind und sich an geltende Sprachregelungen, Normen und Konventionen halten
In aller Regel sind Journalisten keine Menschen, die sich dem Tumult des Realen sowie dem Wagnis einer eigenen Analyse aussetzen. Nach meiner Erfahrung sind Journalisten eher Menschen, die geradezu Angst vor der dunklen Unruhe des Realen haben und sich lieber an gerade irgendwie geltende Sprachregelungen, Normen und Konventionen halten und dabei geradezu verzweifelt in schlichten und binären Erklärungsmustern Rettung suchen, also einem Denken etwa in Gut versus Böse, Freund versus Feind, und so weiter.
https://www.heise.de/tp/features/Ja-luegen-die-Medien-denn-nun-oder-nicht-3821723.html


"Jens Wernicke: Lügen die Medien?"  (1. September 2017)
Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung.
Walter van Rossum, David Goeßmann, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner Rügemer, Eckard Spoo, Noam Chomsky, Uwe Krüger, Rainer Mausfeld, Jörg Becker ... Seitenzahl: 368, ISBN-10: 3864891884
Die Einseitigkeit und Parteilichkeit vieler Medien ist kaum mehr zu ertragen. Wenn selbst führende Politiker inzwischen eine „erstaunliche Homogenität“ (Frank-Walter Steinmeier) und mangelnde Meinungsvielfalt der Presse beklagen, wird deutlich: Wir befinden uns in einer tiefgreifenden Krise, die nicht länger hinzunehmen ist. Doch warum? Was sind die Probleme und Ursachen? Und ist ein ehrlicher und ausgewogener Journalismus überhaupt noch denk- und vorstellbar?
Der Medienmainstream beantwortet diese Fragen üblicherweise mit Aussagen wie „Wir sind nicht gesteuert, Fehler passieren jedem einmal“ oder verortet die Krisenursachen mit der Behauptung „Das ist doch alles Verschwörungstheorie!“ beim Publikum selbst.
Eine umfassende und vielstimmige Medienkritik tut daher not. Eine Kritik, die den Bürgern die „intellektuellen Waffen“ (Pierre Bourdieu) an die Hand gibt, derlei Ausflüchte und Entmündigungsversuche als das zu erkennen, was sie sind: Versuche psychischer Manipulation. Eine Medienkritik also, die für die Bürger Partei ergreift und sich bewusst ist, dass „die Propaganda für die Demokratie (dasselbe ist) wie der Knüppel für einen totalitären Staat“ (Noam Chomsky).
Zu Wort kommen die Journalisten Walter van Rossum, David Goeßmann, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner Rügemer und Eckart Spoo. Die Wissenschaftler Noam Chomsky, Uwe Krüger, Rainer Mausfeld, Jörg Becker, Michael Walter, Erich Schmidt-Eenboom, Klaus-Jürgen Bruder, Kurt Gritsch und Daniele Ganser. Sowie mit Maren Müller, Hektor Haarkötter, Sabine Schiffer, Gert Hautsch, Rainer Butenschön, Markus Fiedler und Daniela Dahn wichtige Stimmen aus der Zivilgesellschaft....
„Für die Geschichte bis zum Ende des Kalten Kriegs galt, dass nahezu alle Leitmedien mehr oder weniger stark von Vertrauensjournalisten des BND durchsetzt waren. Auch bei meinen gegenwärtigen Arbeiten stoße ich immer wieder auf neue Fälle von Symbiosen des Dienstes mit Journalisten in der Altbundesrepublik. Auf der anderen Seite stand häufig das Bemühen der Dienste, missliebige Journalisten zu diffamieren, auszuspähen und zu observieren. Ich habe es am eigenen Leibe erfahren und damit die Initialzündung für einen Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags geliefert. In dessen Vorfeld hat es der BND 2005 noch einmal unternommen, meinen Kollegen Andreas Förster über einen Agenten aus Leipzig auszuforschen, nachdem ich mit Förster ans Tageslicht gebracht hatte, dass der BND mich von 1994 bis 1996 bespitzelt hatte. Die einhellige Verurteilung der rechtswidrigen Maßnahmen des BND gegen Journalisten über alle Bundestagsparteien hinweg in den Abschlussberichten hat dann dafür gesorgt, dass der Dienst seither – zumindest soweit man weiß – auf eine systematische Ausspähung von Medienvertretern verzichtet.“ Erich Schmidt-Eenboom

https://www.westendverlag.de/buch/luegen-die-medien/

Jens Wernicke: Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung
https://www.westendverlag.de/kommentare/propaganda-rudeljournalismus-und-der-kampf-um-die-oeffentliche-meinung/


"Rezension: Lügen die Medien?" Henry Mattheß (7. Sep 2017)
Das von Jens Wernicke vorgelegte Kompendium ist keine Medienschelte, sondern eine differenzierte und ausführlich begründete Medienkritik, die zudem nach Lösungen für die Zukunft fragt. Nach dessen Lektüre wird man das mediale und politische Geschehen zweifellos mit einem geschärften Blick beobachten. | Jens Wernicke, Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung. Frankfurt am Main 2017, Westend Verlag, 368 S., ISBN-13: 978-3864891885, 18 Euro, erschienen am 1. September 2017
https://hpd.de/artikel/luegen-medien-14743


"Veles: Die Hauptstadt der Fake News" Adelheid Wölfl (19.09.2017)
„Mit dem ganzen Trump-Ding haben ich und viele andere viel Kohle gemacht“: Zahlreiche Fake-News und -Webseiten entstehen in einer mazedonischen Kleinstadt. Denn „geile“ Neuigkeiten verkaufen sich besser als nüchterne Fakten. ... Der digitale Goldrausch in der mazedonischen Kleinstadt hat manche bereits so reich gemacht, dass sie sich Autos oder Wohnungen gekauft und Häuser mit Swimmingpools gebaut haben. Sie versprühten in der Ortsdisko Champagner, ihr Leben drehte sich um 180 Grad. ...
http://www.fr.de/panorama/veles-die-hauptstadt-der-fake-news-a-1352422

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"Wie der BND die deutschen Medien steuerte" Jens Wernicke (15. September 2017)
Erich Schmidt-Eenboom: Als ich 1998 das Buch "Undercover. Der BND und die deutschen Journalisten" veröffentlichte, konnte ich mich für die Ära von Reinhard Gehlen, also für die 1950er und 1960er Jahre, auf eine gesättigte Quellenbasis stützen, allem voran eine 1970 für das Bundeskanzleramt bestimmte Aufstellung über die sogenannten "Presse-Sonderverbindungen". Sie enthielt 230 Namen, darunter viele namhafte Medienvertreter aus der ersten Garnitur der westdeutschen Publizistik.
Der Zugriff auf Akten aus dem Nachlass des BND-Vizepräsidenten Dieter Blötz lieferte für die 1970er Jahre handfeste Beweise für das heimliche Zusammenspiel von Nachrichtendienst und Nachrichtenleuten, beispielsweise da, wo Karl-Wilhelm Fricke seine Berichterstattung im Deutschlandfunk über den Dienst mit Blötz abgesprochen hatte. Für die 1980er Jahre gab es immer noch eine erkleckliche Zahl nachweisbarer Einzelfälle, auch solche, die deutlich machten, dass es nicht nur um Public Relations ging, sondern auch um Spionage durch Korrespondenten und Redakteure.
Für die Geschichte bis zum Ende des Kalten Kriegs galt, dass nahezu alle Leitmedien mehr oder weniger stark von Vertrauensjournalisten des BND durchsetzt waren.
Auch bei meinen gegenwärtigen Arbeiten stoße ich immer wieder auf neue Fälle von Symbiosen des Dienstes mit Journalisten in der Alt-Bundesrepublik.
Auf der anderen Seite stand häufig das Bemühen der Dienste, missliebige Journalisten zu diffamieren, auszuspähen und zu observieren. Ich habe es am eigenen Leibe erfahren und damit die Initialzündung für einen Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags geliefert. ...
Ich hatte mit Marion Gräfin Dönhoff eine Lichtgestalt der bundesdeutschen Medienlandschaft als Propagandaaktivistin Pullachs entlarvt, die Reinhard Gehlen in der Zeit als Mischung aus Genie und Landedelmann hochschrieb, als der Dienst 1963 besonders schwach dastand. Herbe Kritik ist mir da in der Rezension vom 24. August 1998 "Spione wie wir" der Süddeutschen Zeitung entgegengeschlagen, weil ich die "wohl erste Frau dieser Republik, die ZEIT-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff", zu Unrecht bloßgestellt hätte. "Ausgerechnet sie ins Zwielicht rücken zu wollen - absurder geht’s nicht."
Dabei hatte ich der Journalistin auf Wunsch meines Verlegers das sie betreffende Kapitel sogar vorab zur Durchsicht übersandt. Sie monierte einzig die Überschrift "Die Gräfin und der General", befand jedoch die gesamte Darstellung im Oktober 1997 als zutreffend.
Ich gehe davon aus, dass die Unabhängige Historikerkommission des BND, namentlich Klaus-Dietmar Henke mit seinem Werk "Der BND in der Innenpolitik der Fünfziger Jahre" und Jost Dülffer mit dem Band "Der BND in der Innenpolitik der Sechziger Jahre" 2017/2018 die Verstrickungen von Marion Gräfin Dönhoff noch weit deutlicher zutage treten lassen werden. Ihre selbsternannten Ehrenretter werden dann noch blamierter dastehen.
... Für die 1950er Jahre ist festzuhalten, dass die Organisation Gehlen, also die Vorläuferin des BND, zahlreiche publizistische Aktivitäten entfaltete, um in einer wehrunwilligen Bevölkerung den Weg für die Wiederbewaffnung zu ebnen. Das bedeutet insgesamt, dass Pullach nicht nur Maßnahmen zum Aufpolieren des eigenen Images ergriff, sondern vielfach erfolgreich versuchte, die Öffentlichkeit im Sinn der Bundesregierungen zu beeinflussen. ...
https://www.heise.de/tp/features/Wie-der-BND-die-deutschen-Medien-steuerte-3832627.html

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"JFK - blown away" Markus Kompa (25. Oktober 2017)
Einen Tag vor der Freigabe der JFK-Akten beweist die deutsche Presse erstaunliche Inkompetenz - Während Telepolis immer wieder darauf hinwies, dass diesen Donnerstag die Geheimhaltungsfrist für ca. 3.000 noch gesperrte Akten zum Kennedy-Attentat ausläuft, scheinen die konventionellen deutschen Medien erst aus dem Tweet des amtierenden US-Präsidenten am Samstag von diesem vor 25 Jahren angekündigten Ereignis Notiz genommen zu haben. Das Attentat auf JFK ist seit 54 Jahren der Lackmus-Test für die Qualität und Unabhängigkeit politischer Berichterstattung. ... Die größte deutsche Rundfunkanstalt, der WDR, hatte nichts Besseres zu tun, als über eine angebliche Verschwörungstheorie zu berichten, die Aliens hätten ihre Enthüllung durch Kennedy befürchtet und ihn daher gekillt. Auch die bei Geheimdienstthemen ohnehin mäßig zuverlässige Süddeutsche Zeitung stößt ins gleiche Bockshorn und gibt sich damit transatlantischer, als es die US-Medien tun. Auf der Atlantik-Brücke will man schließlich keinen unangenehmen Eindruck machen. Also hält man sich halt ans bewährte Narrativ. Aus den Pressestimmen muss man schließen, dass der Elite der deutschen Journalisten zum Kennedy-Attentat nicht einmal der unstreitige Sachstand bekannt ist. ...
https://www.heise.de/tp/news/JFK-blown-away-3870799.html
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on November 22, 2017, 09:46:44 AM
"Google will Content von russischen Medien im Ranking herabsetzen" Florian Rötzer  (22. November 2017)
Der Medienkrieg tritt in eine neue Spirale ein. Alphabet-CEO Eric Schmidt will angeblich identifizierbare russische Desinformation von RT und Sputnik nicht zensieren, aber verschwinden lassen. ... Nun schaltet sich auch Google in den von der Nato und transatlantischen Kreisen geschürten Konflikt mit Russland und dessen angeblichen medialen Beeinflussungskampagnen ein. Gerade erst hatten sich die staatliche Nachrichtenagentur Sputnik und der staatliche Auslandssender RT in den USA nach dem Foreign Agents Registration Act (FARA) als ausländische Agenten beim US-Justizministerium registrieren müssen. Damit gelten ihre Nachrichten als "Propaganda" und muss die Finanzierung offengelegt werden. Im Januar wurde RT in einem Geheimdienstbericht als "staatliche Propagandamaschine" bezeichnet.
Darüber wurde im Westen kaum berichtet. Als im September das Justizministerium ankündigte, dass sich Sputnik als "ausländischer Agent" registrieren lassen muss, kam aus Russland die Warnung, mit gleich Waffen zurückzuschlagen (Russland und USA im Medienkrieg über den Sender RT). Große Aufregung herrschte allerdings, als Russland 2012 mit einem ähnlichen Gesetz vom Ausland finanzierte NGOs zwang, sich als solche "ausländische Agenten" registrieren zu lassen.
Und auch als das russische Parlament als Gegenmaßnahme am 15. November beschloss, dass sich alle ausländischen Sender als solche "ausländischen Agenten" eintragen müssen, was allerdings erst noch durch den Föderationsrat und von Putin unterzeichnet werden muss, regte man sich im Westen auf. Aus dem Föderationsrat kamen Stimmen, etwa CNN als "ausländischen Agenten" zu kennzeichnen. Letztlich wäre es nur eine Antwort auf das amerikanische Gesetz, damit das russische Justizministerium ausländische Medien herausgreifen und sie zwingen kann, sich zu registrieren. Während Russland vorgeworfen wird, damit kritische Medien auszuschalten, hört man nämliche Kritik gegenüber der US-Regierung nicht.
Die Beschränkung der russischen Informationsströme im angeblich vom Westen geschützten "freien Informationsfluss" soll aber nun noch weitergedreht werden. Facebook und Twitter wollen Werbung aus Russland nicht mehr schalten. Alphabet-CEO Eric Schmidt sagte nun, dass die Suchmaschine Google Maßnahmen ("engineer") gegen staatliche russische Medien wie RT und Sputnik ergreifen werde. Man wolle deren Ranking herabsetzen, wenn diese falsche Informationen, also Fake News, verbreiten, sagte er auf dem Halifax International Security Forum im kanadischen Nova Scotia ... Man sei bislang naiv gewesen, aber "konfrontiert mit dem, was wir von Russland 2016 gesehen haben, müssen wir handeln", erklärte Schmidt. Er meinte, die russische Desinformationsstrategie sei leicht zu bekämpfen, da sie nur eine Botschaft aufblase. Die Information sei "repetitiv, ausbeuterisch, falsch, wahrscheinlich zur Waffe gemacht worden" (weaponised). Solche Muster ließen sich entdecken: "Sie können entfernt oder herabgestuft werden." Da müsste Google nur aufpassen, schön einseitig ausgerichtet zu sein, um nicht versehentlich ähnliche "waffenförmige" Informationen von der Nato und Washington sowie manchen westlichen Medien ebenfalls zu unterdrücken oder herabzustufen.
Nett ist auch, dass Google, das bekanntlich nicht böse sein will, selbstverständlich keine Zensur ausüben will. Man werde die russischen Medien nicht verbieten, sagte der CEO eines Konzerns, suggerierend, dies sehr wohl zu können. Die Wortwahl ist gleichwohl verräterisch: "Ich bin stark nicht für eine Zensur. Ich bin sehr stark für das Ranking. Das ist es, was wir tun." Das eben ist die neue Art der Zensur, die "nur" Informationen, die kein Geld einbringen oder die (politisch) nicht erwünscht sind, durch das Ranking versteckt. RT stellt im Gegenzug die engen Verbindungen von Schmidt zu Hillary Clinton heraus.
Der Vize-Chef des Informationsausschusses der Staatsduma Andrej Swinzow sagte gegenüber RT, damit sollen "einfache Menschen weltweit faktisch" daran gehindert werden, "unsere Medien, die Artikel auf ihren Webseiten veröffentlichen, bei einer Suchnachfrage zur einen oder anderen Thematik zu sehen. Das ist ein überaus starker Schlag."
Das könne die Besucher auf den Websites stark verringern. Und natürlich wird gleich auch gefordert, mit gleicher Münze heimzuzahlen: "Wir Abgeordneten müssen daran denken, dass es möglicherweise notwendig wird, die Suchmaschinen von Google und bestimmten sozialen Netzwerken, die zu dieser Holding gehören, auf dem Territorium Russlands einzuschränken." Er handele sich um einen "Informationskrieg in offener Form, eine Bombardierung und direkte Aggression".
Interessant ist auch, wie im medialen Wettrüsten, die Strategien oder Argumentationen einfach umgedreht werden. Man sei sehr besorgt um die russischen Bürger, sagte so der Vize-Vorsitzende der Staatsduma, Pjotr Tolstoi, die in den sozialen Netzwerken unerwünschter oder auch gefährlicher Werbeinformation ausgesetzt seien: "Wenn die globalen Unternehmen wie Google und Facebook im US-Kongress behaupten, sie könnten eine schlechte Werbung nicht von einer guten und eine gefährliche nicht von einer ungefährlichen trennen, sind wir deswegen besorgt", sagte Tolstoi auf dem 2. Gesamtrussischen Jugendmedienkongress beim Medienhaus Rossiya Segodnya. Die Bürger müssten vor dem gefährlichen Content geschützt werden, wenn dies nicht gelingt, müsste diese Werbung gesetzlich verboten werden. Es gehe dabei "um unsere nationalen Interessen und unsere Freiheit geht". ...
https://www.heise.de/tp/features/Google-will-Content-von-russischen-Medien-im-Ranking-herabsetzen-3897094.html

Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on November 22, 2017, 11:05:11 AM
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[...] Dehm - seit Jahren Enfant terrible der Linken - hat sich binnen weniger Tage zum zweiten Mal bei seinen Genossen in die Nesseln gesetzt. Gemeinsam mit dem früheren Vize-Fraktionschef Wolfgang Gehrcke hatte er sich vergangene Woche in den Streit um die Verleihung eines Kölner "Karlspreises" eingeschaltet - die Verwechslungsgefahr mit dem renommierten Aachener Karlspreis scheint durchaus beabsichtigt. Er soll in diesem Jahr für "aufklärerischen Journalismus" an Ken Jebsen verliehen werden, der seit Jahren im Milieu der Verschwörungstheoretiker beheimatet ist. ...


Aus: "Die Linke: Unter Putin-Verstehern und Aluhüten" (21.11.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/die-linke-unter-putin-verstehern-und-aluhueten/20610784.html (http://www.tagesspiegel.de/politik/die-linke-unter-putin-verstehern-und-aluhueten/20610784.html)

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[...] Im Berliner Kino Babylon sollte Ken Jebsen als mutiger Journalist geehrt werden. Kultursenator Lederer polterte, jetzt gab es eine Absage. BERLIN taz | Die Verleihung eines Medienpreises an den ehemaligen RBB-Radiomoderator Ken Jebsen, der seit Jahren in verschwörungstheoretischen Kreisen unterwegs ist, wird nicht wie geplant im Berliner Kino Babylon stattfinden. Das bestätigte die Senatsverwaltung für Kultur am Dienstag der taz.

Damit ist der Wunsch von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) in Erfüllung gegangen. Der hatte am Montag auf Facebook geschrieben: „Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet. Vom Geschäftsführer des Kinos Babylon würde ich mir angesichts dessen die Courage wünschen, zu sagen: Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung.“

Genau das hat Babylon-Chef Timothy Grossman nun getan, wohl aber ohne von der Richtigkeit dieses Schrittes überzeugt zu sein. Auf Nachfrage der taz reagierte das Kino barsch – für eine Auskunft stehe man nicht zur Verfügung. Aus der Senatsverwaltung hieß es dagegen, dass es noch am Montag zu einem Telefonat zwischen Kultur-Staatssekretär Torsten Wöhlert und Grossmann gekommen sei. Dabei sei dem Kino-Betreiber die „deutliche Irritation“ über die Veranstaltung mitgeteilt worden. Am Dienstagvormittag dann sagte Grossmann den Veranstaltern per Mail ab.

Das Kino Babylon erhält als „kommunales Kino“ institutionelle zweckgebundene Zuwendungen vom Land Berlin für den Kino-Spielbetrieb, 2017 in Höhe von knapp 400.000 Euro. Laut Senatsverwaltung für Kultur erhält der Vermietungsbetrieb der Neue Babylon Berlin GmbH „keine öffentliche Förderung und liegt in der ausschließlichen Verantwortung des Geschäftsführers“. Eine Handhabe, die Veranstaltung selbst abzusetzen, habe man demnach nicht gehabt, heißt es.

Die Ankündigung der für den 14. Dezember geplanten „Festveranstaltung“ hatte seit einigen Tagen für Aufregung gesorgt. Der Querfront-Blog Neue Rheinische Zeitung Online (NRhZ), der seinen Namen von der 1848 bis 1849 durch Karl Marx redigierten Zeitung übernommen hat, wollte seinen „Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik“ verleihen.

Laut Ankündigung sollte Jebsen „für seinen aufklärerischen, unabhängigen, facettenreichen, urdemokratischen Journalismus“ ausgezeichnet werden. Dass Jebsen seit seinem Rauswurf beim RBB unter Antisemitismusverdacht steht und auf seinem Youtube-Kanal KenFM vor allem Verschwörungstheorien bedient, ist den Veranstaltern wohl egal – bzw. ist der Grund für die geplante Auszeichnung.

Mit einer Rede im Babylon angekündigt war unter anderem die Israel-Kritikerin Evelyn Hecht-Galinski, die den Preis selbst 2014 erhielt – damals begleitet von einer Laudation von Jebsen. Im Rahmenprogramm sollte zudem die Band „Die Bandbreite“ auftreten. In seinem Post schrieb Lederer, die Band wirke „mit ihren vor Rechtsesoterik triefenden Texten bis tief in rechtsradikale Milieus“ und könne sich des „Beifalls von NPD bis Jürgen Elsässer versichern“.

Die beiden Herausgeber von NRhZ-Online Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann waren im Jahr 2012 Teilnehmer eines von Compact-Chefredakteur Elsässer organisierten „Staatsbesuches“ bei dem damaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Dies passt zur dezidiert anti-israelischen und anti-amerikanischen Orientierung des Blogs. Trotz linker Rhetorik bedient man damit vor allem ein rechtes bis antisemitisches Publikum.

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Seven
16. Nov, 17:25

Lieber Herr Peter !

Wir erkennen Ihre schäbige Feindbildgenese.
Das können wir, weil wir dessen Machart durchschauen -- aber natürlich auch, weil der Text so schlecht ist.
Geben Sie sich mehr Mühe beim Schreiben, dann klappts vielleicht auch mit der Meinungsmache. ...


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Paradigma
Freitag, 22:12

Ken Jepsen wird unterstellt dienlich zu sein für Rechte und Antisemiten.
Dies ist entspricht m.E. nicht der Wirklichkeit. Der sicherlich sehr kritische Journalismus von Ken Jepsen wird nach meinem Dafürhalten in der Mehrheit von kritischen und zumeist unabhängigen Bürgern der Zivilgesellschaft, insbesondere linken, liberalen und durchaus auch wertkonservativen Menschen wertgeschätzt. Dies ist auch an den Persönlichkeiten zu erkennen, die von Ken FM Jebsen interviewt werden und die ebenfalls aus diesem Spektrum kommen, wie der wertkonservative Willy Wimmer (CDU-Mitglied), Friedenforscher Daniele Ganser-parteiunabhängig, Rita Süssmuth, Sahra Wagenknecht, Peter Gauweiler(CSU Mitglied) u.v.a. m. Keiner dieser Interviewpartner ist ein dummer Antisemit und auch kein Rechter. Gemeinsam kennzeichnet die Interviewpartner und auch Ken FM aus. die kritische Einschätzung, wie sich die politische und gesellschaftliche Situation im Hinblick auf die Demokratie, Einhaltung der Rechts-, der Sozialstaatlichkeit drastisch verschlechtert hat und deshalb der innere und äußeren Friedens zunehmend gefährdet ist.
Welche tatsächlichen Gründe liegen vor die Ehrung von Ken Jepsen zu verhindern?


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Wagenbär
Samstag, 02:25

@Paradigma Welche Veröffentlichung von "Ken Jebsen" stellt in Ihren Augen denn "kritischen Journalismus" dar?
Ich finde da eine Mischung von krudem Geblubber mit banaltsen Gemeinplätzen, grotesk verzerrte Darstellungen von Ereignissen und ebenso groteske Selbstüberschätzung.
Beispiel ist die Bezeichnung des Selbstdarstellers Ganser als "Friedensforscher"
"Ken Jebsen" hat Ganser in sschönster Hausberichterstattung mehrfach fälschlich zum "Professor" befördert.
In keiner Veröffentlichung mit / über Ganser ist je eine Spur von kritischer Betrachtung zu finden.


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Paradigma
Freitag, 23:37

@Paradigma Die Ehrung von KenFM verhindert zu haben, stellt auch einen indirekten Affront gegenüber den durchaus seriösen Interviewpartner dar, wie z.B. Willy Wimmer, Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter Kanzler Kohl u.v.a.m. Sämtliche Gesprächspartner von KenFM werden sicherlich eigenverantwortlich und eingehend geprüft haben, mit wem und ob sie sich mit Jepsen in brisante politische Diskussionen einlassen. Ken Jepsen stellt im übrigen als Journalist hauptsächlich Fragen, enthält sich weitgehend zu persönlichen Meinungsäußerungen. Insofern werden die politischen Auffassungen seiner Interviewpartner tangiert und versucht auch diese Meinungen zu verhindern, die ohnehin in den Mainstreammedien völlig ignoriert und verschwiegen werden. Hat jemals eine große Tageszeitung, das öffentlich-rechtliche Fernsehen von dem sehr erfahrenen Willi Wimmer und Verteidigungsexperten berichtet.?
Die Preisverleihung zu sabotieren und dies für positiv zu bewerten, lässt die Schlussfolgerung zu, dass auch die freie Meinungsäußerung der Gesprächspartner zu beschneiden , in dem diese Gesprächsplattform diskreditiert wird. Dies ist nicht zu akzeptieren und widerspricht zutiefst der demokratischen Grundordnung.


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Aus: "Querfront-Preisverleihung abgesagt: Kein Raum für Jebsen" Erik Peter (14. 11. 2017)
Quelle: https://www.taz.de/!5463066/ (https://www.taz.de/!5463066/)

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[...] Dass die taz ihre friedenspolitischen Wurzeln gekappt hat und ähnlich wie die Partei der (Oliv-)Grünen seit dem Jugoslawienkrieg die illegalen Kriege des US-Imperiums akzeptabel findet, können Leute wie ich, die vor 38 Jahren diese antimilitaristisch verwurzelte “linke radikale tageszeitung” mitgründeten, nur als tragischen Niedergang empfinden. Die unter dem Fähnchen “Menschenrechte”, “humanitäre Intervention”  oder “war on terror” getarnten US-Kriege werden von der  taz-Redaktion mittlerweile nicht nur achselzuckend hingenommen, sondern gern auch noch publizistisch gefördert. Wie zuletzt die Bürgerkriege in der Ukraine und Syrien, mit der einst linksradikalen taz ganz auf Seiten von NATO, USA und ihren terroristischen Söldnern.
Einen ähnlichen Niedergang in die “Regierungsfähigkeit” wie die Grünen haben auch weite Teile der Partei “Die Linke” gewählt – Abschied von aktiver Friedenspolitik und Akzeptanz des us-amerikanischen Bellizismus sind das Ticket für Regierungspöstchen in Deutschland.

... Ganz im Sinne atlantischer Frontkämpfer-Mentalität hat Klaus Lederer jetzt das Babylon-Kino – eine von seinem Senat geförderte Spielstätte – aufgefordert, den Mietvertrag für eine Preisverleihung an Ken Jebsen zu kündigen. Der Blog  “Neue Rheinische Zeitung” aus Köln, der alle zwei Jahre den Karls- Preis für engagierten Journalismus vergibt, hatte den Saal für den 14. Dezember gebucht – und bei mir angefragt, ob ich eine Laudatio auf den Preisträger halten würde. Ich sagte sofort zu, weil es höchste Zeit wird, Ken Jebsen und KenFM in höchsten Tönen zu loben, denn dieses Programm und sein Macher – der Chef des Grimme-Instituts, Lutz Hachmeister, lobte ihn unlängst erst als Medienpionier   – sind für mich seit Jahren der Leuchtturm eines friedens-politisch, anti-militaristisch und anti-kapitalistisch engagierten Journalismus. Dass solcher Journalismus Figuren wie Lederer nicht ins Konzept passt, kann man verstehen, dass sie sich aber übler Verleumdungen bedienen, um ihn zu verhindern, ist absolut inakzeptabel:  “Der Preisträger und mehrere an dieser Veranstaltung Beteiligte sind in der Vergangenheit durch offenen, abgründigen Israelhass, die Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster und kruder Verschwörungstheorien in Erscheinung getreten(..) Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung,” richtet der Herr Senator über Facebook aus und die taz entblödet sich nicht, dieses dumpfe Mobbing unter dem Titel “Querfront-Preisverleihung abgesagt” unreflektiert nachzubeten. ...


"Kultursenator zieht Rufmord vom Leder – und schießt sich ins Knie" Mathias Broeckers (15/11/2017)
Quelle: https://www.broeckers.com/2017/11/15/kultursenator-zieht-rufmord-vom-leder-und-schiest-sich-ins-knie/ (https://www.broeckers.com/2017/11/15/kultursenator-zieht-rufmord-vom-leder-und-schiest-sich-ins-knie/)

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on November 22, 2017, 11:05:37 AM
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[...] Einer der Zweifelnden, der Schweizer „Energie- und Friedensforscher“ Daniele Ganser, soll Ende November in Berlin zu der Frage „Feuer oder Sprengung?“ sprechen. Für 20 Euro Eintritt kann man im Kino Babylon seinem Vortrag lauschen – es sei denn, der Veranstaltung ergeht es noch wie einer für Mitte Dezember angesetzten Preisverleihung an den ehemaligen RBB-Moderator Ken Jebsen. Nach öffentlicher Kritik durch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und einem Telefonat seines Staatssekretärs Torsten Wöhlert mit Babylon-Geschäftsführer Timothy Grossman sagte das Kino den Veranstaltern ab.

Für seinen „aufklärerischen“ und „urdemokratischen Journalismus“ sollte Jebsen der „Kölner Karlspreis“ vom Blog Neue Rheinische Zeitung Online (NRhZ) verliehen werden. Der 51-jährige Moderator Jebsen stellt sich mit seinem Kanal KenFM als Alternative zu den etablierten Medien dar. Die Laudatio sollte taz-Mitarbeiter Mathias Bröckers halten, ebenfalls bekannt für seine verschwörungstheoretischen Ansichten zum 11. September 2001. Als Rednerin war Evelyn Hecht-Galinski angekündigt, eine Unterstützerin der umstrittenen israelkritischen Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS).

Lederer kritisierte Jebsen sowie weitere an der Veranstaltung Beteiligte scharf: Sie seien „in der Vergangenheit durch offenen, abgründigen Israelhass, die Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster und kruder Verschwörungstheorien in Erscheinung getreten“. Antisemitismusvorwürfe führten 2011 zu Jebsens Entlassung beim RBB.

Auf Nachfrage der taz, ob Lederers Beschreibung der Jebsen-Veranstaltung als „Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte“ auch für jene von KenFM organisierten Ganser-Vorträge gelte, hieß es aus der Senatsverwaltung: „Es reicht ein Mindestmaß an Ratio, um diese Veranstaltung ebenfalls unter genannter Jahrmarkt-Rubrik zu fassen.“ Im Telefonat habe man Grossman den „Unmut über die Häufung inhaltlich mindestens fragwürdiger Veranstaltungen“ mitgeteilt.

Während Lederer die Jebsen-Veranstaltung mit Antisemitismus und durch den geplanten Auftritt der Band „Die Bandbreite“ auch mit dem „rechtsradikalen Milieu“ in Verbindung brachte, bezieht sich die Kritik an den 9/11-Vorträgen von Ganser auf dessen Verschwörungstheorien. 2015 hatte Ganser aber auch eine Diskussion mit dem einstigen Gründer der verbotenen neonazistischen Wehrsportgruppe Hoffmann, Karl-Heinz Hoffmann, über das Oktoberfestattentat geführt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jürgen Elsässer – Chefredakteur des rechtspopulistischen Magazins Compact.

Das Babylon, das für sein Kinoprogramm jährlich mit etwa 400.000 Euro vom Senat bezuschusst wird, äußerte sich auf Anfrage der taz nicht. Die Senatsverwaltung für Kultur widersprach dem Vorwurf der Zensur, den auch der Linke-MdB Diether Dehm und der Ex-Abgeordnete Wolfgang Gehrcke öffentlich erhoben haben. Lederer habe sich „öffentlich positioniert“ – dies sei „keine Anweisung“ für das Babylon.

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Zehni, 21.11.2017

Sehr schwacher Kommentar: Außer das übliche Querfront, Aluhut und VT-Geblubber nix gescheites. Wer soll das noch ernst nehmen? Lieber die offizielle 9/11 VT glauben, die natürlich zu 100% schlüssig und von so ehrenwerten Leuten wie Cheney und Bush in die Welt gesetzt wurde.
Wie war das mit den Massenvernichtungswaffen im Irak und der Brutkastenlüge? Selbst wenn man weiß, dass ständig gelogen wird, bleibt man lieber bei der offiziellen Version, ist eben die Komfortzone.
Deshalb liebe TAZ: dreht euch nochmal um und schlaft weiter....


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der Karpate, 22.11.2017

Ich verstehe nicht, wiso die Taz verhindert, daß es zu eine ernsthafte Diskussion kommen kann, die zu einer neuen Untersuchung der Anschlägen vom 11.09 führen könnte. Immerhin stellt sich die Taz damit auf die Seite von Busch jr. der uns in den Irak krieg gelogen hat. Allein das macht mich skeptisch. Habe mir auch ein paar Vorträge bei Kenfm angehört, dort kommen Professoren, UN Personal und Politiker zu wort, es scheint polemisch alle als Aluhutträger zu beschimpfen.


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El-ahrairah

Jetzt mal inhaltlich und nicht identitär gefragt: Fällt die Anerkennung eines transatlantischen nichtstaatlichen Machtgeflechts in der US-Politik bei Euch eigtl auch als V-Theorie? Das ist nämlich eine historische Tatsache. Selbst der Sohn von Neocon-Gründer Irving Kristol sprach ganz ungeniert vom "deep state" als Alternative zum "Trump state"


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Aus: "Verschwörer im Berliner Kino Babylon: Große Bühne für Aluhüte" Erik Peter (20. 11. 2017)
Quelle: https://www.taz.de/!5461114/ (https://www.taz.de/!5461114/)

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... Die Demokratie lebt vom offenen Dialog seiner Bürger, die sich um die Erkenntnis des Richtigen zum gemeinsamen Wohl bemühen („Direkte Demokratie“). Dabei sind Streit und Kritik Wesensmerkmale einer demokratischen Gesellschaft. Wenn nur noch wenige Bürger der Überzeugung sind, auf das Handeln der Regierenden Einfluss zu haben, dann ist ein solcher Dialog unentbehrlich. In Deutschland sind nach einer neuen OECD-Studie zum politischen Mitspracherecht („Wohlbefindens-Studie“) nur 24 Prozent der Befragten davon überzeugt, mitbestimmen zu können, was die Regierung macht (Russland auf Platz 4, Deutschland abgeschlagen auf Platz 24!). Ist es jedoch nicht mehr möglich, seine (auch unbequeme) Meinung frei zu äußern und wird der Anders-Denkende nicht mit Argumenten „bekämpft“, sondern von einer quasi-linken Journaille (Karl Kraus) öffentlich verunglimpft, lächerlich gemacht und folglich von verwirrten oder gekauften Schlägertrupps auf offener Straße (auch vor den Augen seiner Kinder) mit abgebrochenen Bierflaschen und Baseball-Schlägern körperlich bedroht und attackiert, wie es Ken Jebsen bereits vor zwei Jahren aus eigener Erfahrung berichtete, ist das eine bedenkliche Entwicklung, die an die dunkle deutsche Vergangenheit erinnert.

Lion Feuchtwanger beschreibt in seinem zur Weltliteratur zählenden Roman „Erfolg“ die deutschen Ereignisse zwischen den Kriegen 1914 bis 1939 – die Erkenntnis des „Wiedereinbruchs der Barbarei in Deutschland und ihren zeitweiligen Sieg über die Vernunft“ – mit besonderem politischen Scharfblick. Und auch Oskar Maria Graf dokumentiert die widerwärtigen Geschehnisse in der Zeit des aufkommenden Faschismus sehr ergreifend im Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“. Sollte sich diese Geschichte wiederholen? Welche Art von Faschismus es dann sein wird, ist noch die Frage. Der Teufel kommt nicht immer durch die gleiche Türe herein.

Wenn Kultursenator Lederer, Mitglied der Partei der Linken im rot-roten Berliner Senat, über die geplante Festveranstaltung für Ken Jebsen – in wessen Auftrag auch immer – auf Facebook von einem „Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte“ spricht und meint, dass das Kino Babylon für „diesen Wahnsinn“ nicht zur Verfügung stehen sollte, dann fördert er als Vertreter pseudo-linker Politik in Kooperation mit der pseudo-linken Journaille, die seit Jahren ein Kesseltreiben gegen den unbequemen Journalisten Ken Jebsen veranstaltet, das (Wieder-)Aufleben einer Pogrom-Stimmung in Deutschland, die zu den beschriebenen gewaltsamen Ausschreitungen gegen Andersdenkende führt. Und das muss verhindert werden.

"Aktuelles: Pseudo-linke Politik und Journaille – und der unabhängige Journalist Ken Jebsen" Rudolf Hänsel (Aktueller Online-Flyer vom 22. November 2017)
Quelle: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24360

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[...] Wir haben es schon seit Jahren immer mehr mit Politikern und Journalisten zu tun, die sich windschnittig im gesteuerten Mainstream etabliert haben, die Krieg als Mittel der Politik befürworten und für jede Gemeinheit und Aggression der USA Verständnis bekunden. Zu diesem Personenkreis der sogenannten Atlantiker gehört offenbar auch der Berliner Kultursenator Klaus Lederer, der kurioserweise der Partei DIE LINKE angehört. Da wird dann das Messer gewetzt, wenn etwas nicht in die vorgegebene Ideologie passt, deren Befolgung oder sogar Verinnerlichung man seine Karriere zu verdanken hat. Jetzt hat Lederer dafür Sorge getragen, dass die Verleihung des Kölner Karlspreises für engagierte Literatur und Publizistik (benannt nach Karl Marx) an den Journalisten und Verleger der Internetplattform KenFM, Ken Jebsen, im Kinopalast Babylon in Berlin-Mitte vertragswidrig abgesagt worden ist.

Lederer hat dazu auf Facebook geschrieben: „Wie ich heute erfahren habe, soll im Dezember im Kino Babylon die Verleihung eines Preises für ‚engagierte Literatur und Publizistik‘ an Ken Jebsen stattfinden. Der Preisträger und mehrere an dieser Veranstaltung Beteiligte sind in der Vergangenheit durch offenen, abgründigen Israelhass, die Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster und kruder Verschwörungstheorien in Erscheinung getreten… Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet. Vom Geschäftsführer des Kinos Babylon würde ich mir angesichts dessen die Courage wünschen, zu sagen: Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung.“ (1)

Das Babylon erhält jährlich eine Zuwendung von 400.000 Euro aus dem Berliner Kulturetat. Insofern ist es nicht völlig unverständlich, dass die Geschäftsführung auf das nachdrückliche Ansinnen des Kultursenators einging und den Nutzungsvertrag mit der Neuen Rheinischen Onlinezeitung, die den Preis vergibt, kündigte, zumal die Kultursenatsverwaltung auch direkt interveniert hat. Wer Jebsen und sein Internetportal kennt, wird sich zwar über diesen Angriff auf die Kultur- und Pressefreiheit empören, aber wundern kann man sich nicht. Denn der investigativ arbeitende Journalist, der dezidiert Gegenpositionen zum Mainstream einnimmt, ist seit Längerem Persona non grata für die etablierte Politik- und Medienszene. ...


Aus: "Aktuelles: Kultursenator Lederer boykottiert Preisverleihung - Der Berliner Babylon-Skandal" Ein Kommentar von Wolfgang Bittner" (22. November 2017)
Quelle: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24346 (http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24346) (Neue Rheinische Zeitung)

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Aktuelles: Auseinandersetzung um die Karlspreisverleihung in Berlin am 14.12.2017
Solidarität mit Ken Jebsen! Von Andreas Wehr
Warum? Zum einen, weil die vom Berliner Kultursenator Klaus Lederer verlangte Absage der Verleihung des Karlspreises an Ken Jebsen im Kino Babylon nur den Höhepunkt einer schon lange anhaltenden Kampagne gegen diesen Journalisten darstellt. Eine Kampagne, die durch nichts gerechtfertigt ist, und die leider – und auch das bereits seit Jahren - von der Tageszeitung junge Welt mitbetrieben wird. Deren Geschäftsführer Dietmar Koschmieder verfolgt Ken Jebsen in einer Art und Weise, die nur noch manisch genannt werden kann. Es stellt ein bespielloses Versagen dieser selbsterklärten „marxistischen Zeitung“ dar, dass ihr jetzt zu den Zensurmaßnahmen von Klaus Lederer nichts einfällt! ...
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24352

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"PR mit dem “Holocaust als PR”" Mathias Broeckers (22/11/2017)
Quelle: http://www.broeckers.com/2017/11/22/pr-mit-dem-holocaust-als-pr/ (http://www.broeckers.com/2017/11/22/pr-mit-dem-holocaust-als-pr/)

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Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on November 23, 2017, 12:31:57 PM
"US-Medien: Trumps Stimme für die Provinz" Thorsten Schröder, New York (22. November 2017)
Die Mediengruppe Sinclair bestimmt mit ihrem Trump-freundlichen Programm das Lokalfernsehen der Amerikaner. Jetzt setzt sie zum nächsten Großangriff an. ...  Die FCC entschied auf Drängen des neuen Behördenchefs, den die Regierung Trump eingesetzt hatte, eine mehr als 30 Jahre alte Regelung aufzuheben. Diese hatte bis dahin eine zu große Konsolidierung regionaler Medien eingeschränkt. Die mehr als 15.000 Unterschriften und Proteste zahlreicher Organisationen gegen die Entscheidungen waren wirkungslos geblieben. Jetzt fürchten Beobachter, stehe dem unaufhaltsamen Aufstieg von Sinclair kaum noch etwas im Weg. Schon heute besitzt der Konzern mit 173 Fernsehstationen in den USA mehr Sender als jedes andere Unternehmen und hat einen Marktwert von 3,4 Milliarden Dollar. ... Sinclair plant die Übernahme von weiteren 42 Fernsehstationen des Konkurrenten Tribune Media für 3,9 Milliarden Dollar – ein Deal, der mit der Entscheidung der Behörde wahrscheinlicher geworden ist. Sollte der Plan aufgehen, würde Sinclair auf einen Schlag zwei Drittel aller amerikanischen Haushalte erreichen und in vielen Märkten ein Quasimonopol bilden. ... David Smith hat den rasanten Aufstieg des Konzerns vorangetrieben. Sein Vater, Julian Sinclair Smith, hatte die Gruppe 1971 während der Nixon-Präsidentschaft als Gegengewicht zu den liberalen Massenmedien gestartet. Nach dem Tod des Gründers kaufte Smith dessen Aktienanteile auf und baute das Unternehmen innerhalb von 28 Jahren vom Regionalangebot in Baltimore zu einem Milliardenkonzern aus. ...
http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-11/us-medien-donald-trump-regulierung-sinclair/komplettansicht

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[...] "Die Stille der westlichen Regierungen in Bezug auf die Untersuchung des Maidan-Massakers, das zu den schlimmsten Fällen von Menschenrechtsverletzungen und Massenmord im heutigen Europa gehörte, ist verwirrend", sagt Katchanovski.

... Spiegel TV behauptete beispielsweise in einem Beitrag aus dem März 2016: "Hier am Regierungsviertel ließ Präsident Janukowitsch auf sein Volk schießen". Der Bericht präsentierte zersägte Kalaschnikows, die aus dem Arsenal Berkuts stammten und in einem Fluss bei Kiew gefunden wurden, als Beweise.

Mittlerweile habe die GPU erklärt, dass der Anführer einer Maidantruppe die Waffen dort selbst platziert habe, sagt Katchanovski. Für Berkut hätte es auch keinen Sinn ergeben, die Waffen zu verstecken. Musterproben von Kugeln, die damit abgefeuert wurden, seien bereits in der polizeilichen Datenbank gespeichert gewesen und hätten den Ermittlern zur Verfügung gestanden.

Zudem stellte der Spiegel-TV-Bericht die Tötung des Maidankämpfers Volodymyr Chaplynsky falsch dar, kritisiert Katchanovski. Das TV-Team besuchte Chaplynskys trauernde Familie. Sowohl Katchanovskis Studie als auch ein Vor-Ort-Experiment der GPU hätten ergeben, dass Chaplynsky nicht von Berkut, sondern von einem Gebäude in Maidanhand aus getötet wurde.

Der Schusskanal der tödlichen Wunde ist eindeutig: "Laut Obduktion befand sich die Eintrittswunde auf der linken Seite des Halses und die Austrittswunde war viel niedriger auf der Rückseite seines rechten Schulterblattes", erklärt Katchanovski. "Von oben nach unten, von links nach rechts, und von vorne nach hinten." Die Berkut-Barrikade befand sich zum Zeitpunkt des Schusses in Chaplynskys Rücken. Der Todesschuss kam von woanders. ...


Aus: "Woher kamen die Todesschüsse?" Stefan Korinth (20. Februar 2017)
https://www.heise.de/tp/features/Woher-kamen-die-Todesschuesse-3630949.html?seite=all (https://www.heise.de/tp/features/Woher-kamen-die-Todesschuesse-3630949.html?seite=all)

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[...] Es wurde kritisiert, die amerikanischen und westeuropäischen Massenmedien hätten die Entwicklung des Konflikts in der Ukraine einseitig dargestellt, indem die Maidan-Opposition ausschließlich positiv, die Janukowytsch-Regierung und das Russlandbild hingegen negativ gezeichnet worden seien. Hanno Gundert vom Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung äußerte am 15. April 2014 in der Deutschen Welle: "Kaum ein Journalist verlässt den Maidan, um sich ein umfassenderes Bild von der Lage im Land zu machen. Viele westliche Pressevertreter logieren im Hotel Ukrajina direkt am Platz. Dort hätte sich eine Art „Pressezentrum der Opposition“ etabliert. „Die gesamte Berichterstattung ist von Schwarz-Weiß-Positionen geprägt – in der einen wie in der anderen Richtung.“ Simon Weiß, Politikwissenschaftler an der Universität Heidelberg meinte: „Man sah es als einen zivilgesellschaftlichen Protest gegen einen schlechten Herrscher. Hier der Westen, da der finstere Herrscher und das finstere Russland – Fortschritt gegen Korruption.“ Die deutschen Medien seien in ihrer Sichtweise anfangs wie die Bundesregierung einseitig und unausgewogen gewesen, so Weiß.[343] Das Medienmagazin Zapp des Norddeutschen Rundfunks kommt nach Analysen von ARD-Sendungen aus dem November 2013, Januar und Februar 2014 zu dem Schluss, dass „fast 80 Prozent der Interviewpartner Regierungsgegner [waren]. Ein beliebter Gesprächspartner: Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko, der zu einer Art Galionsfigur stilisiert wird. Dabei ist er einer von mehreren Oppositionsführern.“[344] Eine empirische Untersuchung, wer in deutschen Talkshows in den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD, ZDF und Phoenix zum Thema eingeladen wurde, ergab hingegen, dass mehr als doppelt so viele russische wie ukrainische Staatsbürger präsent waren und dass Ukrainer deutlich seltener eine Stimme bekommen als Russen. In einem Drittel der Sendungen hatte die Ukraine keinen Fürsprecher. 38 % der eingeladenen Gäste waren Journalisten, unter ihnen überproportional viele Russen von staatskontrollierten Medien. Unter den Gästen waren die Befürworter einer Entspannungspolitik gegenüber Russland im Vergleich zu den Befürwortern einer Eindämmungspolitik in der Überzahl. Von einer Russlandfeindlichkeit in den deutschen Medien könne nicht die Rede sein.[345] Laut der Linguistin Anja Lange fehlen deutsche Journalisten, die Ukrainisch sprechen und fundierte Kenntnis über die ukrainische Geschichte und Kultur haben. Die Osteuropazentralen vieler Fernsehsender und Zeitungen seien in Moskau, nicht in Kiew. In der deutschen Berichterstattung über die Maidan-Proteste habe es vor allem viele Russlandexperten gegeben, die den Konflikt aus russischer Sicht zu erklären versuchten.[346]

Ein von telepolis veröffentlichtes verkürztes Protokollresümee des Programmbeirats der ARD hielt einstimmig fest, die Berichterstattung der ARD über den Ukraine-Konflikt im Zeitraum Dezember 2013 bis Juni 2014 erweckten teilweise den „Eindruck der Voreingenommenheit“ und seien „tendenziell gegen Russland und die russischen Positionen“ gerichtet. Im Protokoll werden zehn Punkte genannt, darunter die Zentrierung auf die Person Putins, die mangelnde Erläuterung der Beteiligung rechtsnationalistischer Kräfte sowie der Strategien des Westens und die mangelnde Analyse des Assoziierungsabkommens, mithin generell ein Mangel an Hintergrundinformation. Der Beirat selber schrieb dazu, es sei „wichtig darauf hin zu weisen, dass das Resümee eine verkürzte Zusammenfassung darstelle“ und dass „seine Beobachtung der Ukraine-Berichterstattung differenzierter sei, als es in der Öffentlichkeit dargestellt worden sei, in der es teilweise auch sehr zugespitzt transportiert worden sei.“[347] Der Chefredakteur der ARD, Thomas Baumann, wies die Kritik des Programmbeirats „energisch“ zurück.[348]

Die Journalistin Franziska Davies wies in einem Artikel darauf hin: „Der deutsche Diskurs über die Ukraine hat aber noch eine andere Dimension, denn nicht immer geht es tatsächlich um die Ukraine. Vielmehr scheint es einigen Kommentatoren inzwischen wichtiger, sich als vermeintliche kritische Minderheit gegenüber dem medialen »Mainstream« zu positionieren“[349]

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[347] Protokoll der 81. Sitzung des rbb-Rundfunkrates RBB-Rundfunkrat, Oktober 2014
[348] Dietmar Neuerer: Berichtet die ARD zu russlandkritisch? – Handelsblatt, 18. September 2014
[349] Davies, Franziska "Zur Debatte über die Ukraine, Deutschland und der Euromajdan", in : MERKUR, 69. Jahrgang, Heft 790, März 2015, ISSN 0026-0096, S. 32–43

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Aus: "Euromaidan" (22. November 2017 um 13:46)
Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Euromaidan&oldid=171256470 (https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Euromaidan&oldid=171256470)

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[...] Drei aus Georgien stammende Männer haben zugegeben, am 20. Februar 2014 zu den Schützen gehört zu haben, die auf dem Maidan in Kiew auf Polizisten und Demonstranten feuerten. Das Massaker auf dem zentralen Platz der ukrainischen Hauptstadt war bekanntlich der Auslöser,  der in der Folge zur Absetzung und Flucht des Präsidenten Janukowitsch, zur Abspaltung der Krim und zum Bürgerkrieg in der Ostukraine führte.
Mit diesen Geständnissen gerät die offizielle Version der westlichen Medien und der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, die Sicherheitskräfte des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch seien für das Massaker verantwortlich, weiter ins Wanken. 

... Stellen wir uns vor, statt der vom “Rechten Sektor” angeheuerten Scharfschützen hätten drei von Russland rekrutierte Söldner solche detaillierten Geständnisse abgelegt, in einer seriösen Dokumentation, von einem erfahrenen Korrespondenten des italienischen Fernsehens. Was wäre da los ? – vom “Brennpunkt” nach der Tagesschau bis zu Titelseiten in der “New York Times”, mit “Breaking News”  und Sondersendungen würden die Großmedien aus allen Rohren feuern, um die Botschaft rüberzubringen: der Russe war’s! Durchgeknallte Olivgrüne wie Rebecca Harms und Marie-Luise Beck würden gleich den atomaren Erstschlag fordern und Hillary Clinton schäumen, wenn die “Putin-Marionette” Trump nicht sofort auf den roten Knopf drückt. Kurz: die Hölle wär los.

So aber hören wir von diesen explosiven Geständnissen… Nichts! Und gäbe es nicht Organe wie Telepolis, Rubikon oder KenFM hätten Sie und ich wahrscheinlich bis heute davon nie  gehört und würden es vielleicht nie erfahren. Selbst wenn es sich bei diesen Geständnissen um einen Fake handeln würde – was ziemlich unwahrscheinlich ist – wäre das der  Berichterstattung und Recherchen wert, denn das Maidan-Massaker war und ist ein weltweit bedeutsames Ereignis, die Intialzündung eines immer noch andauernden Bürgerkriegs. Deshalb spricht das durchgängige Schweigen der Großmedien zu diesen Geständnissen Bände.  Sie sind noch immer Tag für Tag mit der  “Russiagate” -Luftnummer unterwegs, da wäre die Enthüllung einer echten “false flag”, ein  “Euromaidan-Nazi-Gate”-Skandal, jetzt einfach kontraproduktiv. Okay, wir haben verstanden…

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Ramatze
26/11/2017 at 13:12

Unsere etablierten Qualitätsmedien haben wichtigere Dinge zu tun als sich um solche “Fakes” zu kümmern, zumal diese auch noch in die falsche Richtung deuten. Berichte dieser Art würden den Leser nur iritieren!


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tom
26/11/2017 at 13:45

So läuft Empörungsmanagement, so funktioniert “Lückenpresse”. Wir erinnern uns wie die youtube-“Recherchen” des Bloggers Bellingcat von den Weltmedien zu Nachrichten aufgeblasen wurden, oder die Null Nummer der deutschen fact checker “correctiv” zum MH17-Abschuss eine fette Spiegel-Story… wenn die ideologische Richtung stimmt wird jeder pseudo-journalistische Fliegenschiß zum Top-Thema…


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Aus: "Maidan-Massaker: Mörder gestehen – Medien schweigen" Mathias Broeckers (26/11/2017)
Quelle: http://www.broeckers.com/2017/11/26/maidan-massaker-morder-gestehen-medien-schweigen/ (http://www.broeckers.com/2017/11/26/maidan-massaker-morder-gestehen-medien-schweigen/)
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on November 30, 2017, 11:25:06 AM
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[...] Seit Anfang 2014 sehen sich die etablierten Medien in Deutschland heftigen Anfeindungen aus Teilen der Bevölkerung ausgesetzt. Beginnend mit dem Unmut über eine als zu russlandkritisch empfundene Berichterstattung im Zuge der Ukraine-Krise und der Krim-Annexion wurde auch bei anderen Themen, vor allem der sogenannten Flüchtlingskrise sowie der Asyl- und Einwanderungspolitik, Wut und Misstrauen geäußert. Zum Ausdruck dieser Emotionen sind verschiedene Schlagworte im Umlauf. Das harmlosere – und analytisch durchaus fruchtbare – ist das der „Mainstream-Medien“ . Deutlich dramatischer sind der Vorwurf der „gleichgeschalteten Systemmedien“, der den Ruch des Totalitären hat und Vorzensur durch gleichschaltende Instanzen impliziert, und die Rede von der „Lügenpresse“, die – zudem NS-belastet – ein hohes Maß an Aggressivität gegen Medienschaffende transportiert und im Wortsinn meint, Journalisten würden absichtlich falsche Sachverhaltsaussagen treffen.

Eine [ ] Kluft zwischen Elite und Bevölkerung, die mehr Erklärungskraft für den Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte besitzt, besteht in der Verteilung liberaler Werte in Deutschland. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung führte 2013 eine Befragung von deutschen Führungskräften aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden, Justiz, Militär, Wissenschaft, Medien, Gewerkschaften, Kirchen und der Zivilgesellschaft durch – also von jenen Eliten, die aufgrund ihrer hohen Positionen in wichtigen Organisationen maßgeblich und regelmäßig Einfluss auf gesamtgesellschaftliche Entscheidungsprozesse nehmen. Darin zeigte sich, dass es sektorenübergreifend einen hohen Konsens bei bestimmten Werten und Einstellungen gibt: 1. dass Einwanderung das Zusammenleben bereichert und gut für die deutsche Wirtschaft ist, 2. dass öffentliche Ausgaben reduziert und der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden sollten, 3. dass ökonomische Liberalisierung generell sowie der Welthandel, Wettbewerb und Privatisierung staatlicher Unternehmen gut und umgekehrt Zölle, Importbeschränkungen oder Subventionen zum Vorteil der heimischen Wirtschaft schlecht sind, 4. dass Homosexualität und Scheidung in Ordnung sind. Man kann diese Aussagen als liberal (freiheitlich) im wirtschaftspolitischen wie kulturellen Sinn zusammenfassen. Doch dieser liberalen Elite steht in wichtigen Fragen eine gespaltene Bevölkerung gegenüber: Die Forscher Céline Teney und Marc Helbling wiesen darauf hin, dass zur selben Zeit etwa Einwanderung in allgemeinen Umfragen nur von der Hälfte der Befragten befürwortet wurde.

Das bedeutet Sprengstoff für die öffentliche Debatte und für etablierte Medien, die sich am Eliten-Diskurs orientieren. Mit Blick auf andere Befunde wie die vergleichsweise geringe Zustimmung der Bevölkerung zur europäischen Integration sehen Teney und Helbling eine „breitere ideologische Kluft zwischen dem gesellschaftlichen Führungspersonal und der allgemeinen Bevölkerung hinsichtlich der Durchlässigkeit nationaler Grenzen“, sowohl was übergeordnete politische Instanzen (Europäische Union) als auch Menschen (Migranten) angeht. De-Nationalisierung als Ausdruck liberaler Werte – so könnte man den Zankapfel nennen. Hinzu kommt, dass die Journalisten in Deutschland von ihrer Milieu-Zugehörigkeit kein repräsentatives Abbild der Bevölkerung darstellen, sondern das „liberal-intellektuelle Milieu“ stark überrepräsentiert ist und einige andere, vor allem konservative, kleinbürgerliche und prekäre Milieus unterrepräsentiert sind.

Was folgt aus diesen Überlegungen? Transparenz – zumindest medial hergestellte – kann keine Repräsentationskrise beenden, keine politischen Entfremdungsgefühle beseitigen und auch keine strukturell bedingte Glaubwürdigkeitslücke schließen, also die Distanz des Nutzers zur medialen Zeichenwand überbrücken. Denn, wie der Medienwissenschaftler John David Seidler schreibt, „auch diese Transparenzbemühungen sind dann ja Teil einer medialen Inszenierung, über deren Produktion wiederum Transparenz herzustellen wäre, was ebenso nur als mediale Vermittlung vonstattenginge, und so geht es weiter und weiter“.

Vielversprechender als medial hergestellte Transparenz erscheint es, journalistisches Handeln direkt erfahrbar und fühlbar zu machen, also auf Erfahrung statt auf Erklärung zu setzen.

Ohnehin sollten Journalistinnen und Journalisten nicht in erster Linie sich selbst bespiegeln (und sich in ihren Produktions- und Selektionsroutinen bestärken), sondern die Gesellschaft. Sie sollten, anstatt die Menschen in ihre Stahl- und Glasbauten hineinzuholen, aus diesen heraustreten und zu den Menschen gehen – auch zu denen, die Wut haben und Milieus angehören, die nicht liberal-intellektuell geprägt sind, sondern in denen es „brodelt und stinkt“, wie die liberal-intellektuelle Zeit einmal titelte. Die grundlegende Aufgabe bleibt diese: berichten, abbilden, repräsentieren. Das bedeutet nicht, dass Rassismus und Menschenverachtung normale Bestandteile der öffentlichen Debatte werden sollen. Es bedeutet aber, dass die dahinterstehenden Wahrnehmungen, Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche normaler Teil der Debatte werden. (Diese müssen häufig erst einmal recherchiert werden und sind teilweise den Betroffenen selbst nicht bewusst.) Wahrnehmungen, Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche: Das sind übrigens die vier Bestandteile der „Gewaltfreien Kommunikation“, eines Konzeptes zur aufrichtigen, nicht-entfremdeten Kommunikation in Konfliktfällen, das der US-Psychologe Marshall B. Rosenberg entwickelt hat.
Wenn Journalistinnen und Journalisten dazu beitragen, diese Wahrnehmungen, Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche von Menschen, die mit ihrem Frust heute von Rechtspopulisten abgeholt (und betrogen) werden, in den Mainstream-Diskurs zu bringen und ernsthaft und ideologiefrei zu verhandeln, dann gibt es nicht nur eine Chance auf die Transformation verfestigter Einstellungen und Ideologien, sondern auch auf gesellschaftliche Integration in Zeiten von Spaltungstendenzen.

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Aus: "Mit Transparenz gegen die Vertrauenskrise der Medien? - Über politische Entfremdung und den Eliten-Diskurs" Uwe Krüger (23. November 2017)
Quelle: https://pw-portal.de/rechtspopulismus-und-medien/40562-mit-transparenz-gegen-die-vertrauenskrise-der-medien-ueber-politische-entfremdung-und-den-eliten-diskurs (https://pw-portal.de/rechtspopulismus-und-medien/40562-mit-transparenz-gegen-die-vertrauenskrise-der-medien-ueber-politische-entfremdung-und-den-eliten-diskurs)

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[...] Seit Donald Trump die Wahl gewonnen hat, fragen sich Journalisten hier und jenseits des Atlantiks, was sie falsch gemacht haben. Warum haben Sie Trump nicht triumphieren sehen, sondern ihn stattdessen monatelang als Clown gezeichnet, der so lächerlich sei, dass er eh keine Chance auf einen Sieg habe? Warum haben sie nicht einschätzen können, dass es genug Leute gibt, die einen Rassisten, Frauen-, Homohasser und Lügner zum Präsidenten machen? Die Lösung, so liest es sich derzeit auf vielen Debatten- und Medienseiten heißt: Weil wir genau diese Menschen aus dem Blick verloren haben.

Das schreibt in der aktuellen Zeit auch Stephan Lebert, Redakteur der Wochenzeitung. Lebert ist 1961 geboren, hat beim Tagesspiegel, dem Spiegel und der SZ gearbeitet. Schon seine Eltern waren Journalisten, als Kind hat er gern den Freunden und Kollegen seiner Eltern zugehört, wenn sie von ihrem Job gesprochen haben.

Aber seit den 90ern beobachte er, dass Journalisten lieber auf den Geburtstagspartys der Mächtigen tanzen, als sie zu kontrollieren. Dabei haben sie die unteren Milieus aus dem Blick verloren, haben „die sogenannten Sozialreportagen“ abgeschafft, „die Geschichten, die soziale Missstände anprangern“.

... seine Analyse, dass Journalisten oft zu nah an den Mächtigen sind, teile ich, genauso wie die Beobachtung, dass heute oft genauer auf jedes Zwinkern von Merkel als auf die Hartz IV-Familie aus Cottbus-Schmellwitz geschaut wird. Dass das gefährlich ist, wissen wir nicht erst seit dem Brexit und seit Trump, sondern schon seit dem Aufkommen der „Lügenpresse“-Debatte.

Und damit meine ich nicht nur jene irrlichternden Pegida-, Querfront- und Nazianhänger, die den Medien nicht mehr vertrauen. Ich meine dieses diffuse Misstrauen, was einem als Journalistin heute immer wieder entgegen schlägt, sei es auf Familienfeiern, im Bekanntenkreis oder von Wildfremden: Ihr steckt doch alle mit den Mächtigen unter einer Decke.

Lebert schreibt, Journalisten müssen sich daranmachen, „das große Bild zu zeichnen“. Das stimmt. Was aber nicht stimmt, ist, dass das mit recherchieren und schreiben getan wäre, wie Lebert behauptet. Das Problem ist nicht, dass Journalisten nicht das große Bild zeichnen. Das Problem sind die Zeichner selbst.

2012 hat Klarissa Lueg, Doktorandin der TH Darmstadt, für ihre Dissertation untersucht, woher der journalistische Nachwuchs stammt. “Habitus, Herkunft und Positionierung: Die Logik des journalistischen Feldes“, heißt ihre Arbeit, für die sie Schüler dreier Journalistenschulen und deren Schulleiter befragt hat. Ihr Ergebnis: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) stammen aus einem „hohen“ Herkunftsmilieu. Deren Eltern sind in der Regel Akademiker, deren Väter überdurchschnittlich oft promoviert oder habilitiert.

An Unis und Fachhochschulen kamen 2012 etwa 60 Prozent der Studierenden aus einem Akademikerhaushalt. Die Journalistenausbildung in Deutschland, zumindest die schulische, ist also noch elitärer als die Hochschulausbildung. Woher sollen die guten Sozialreportagen denn kommen?

In meiner Journalistenschulklasse hatten alle meine 14 MitschülerInnen studiert oder sie studieren jetzt. Ich war die einzige Ostdeutsche, zwei Mitschülerinnen hatten Migrationshintergrund.

Und der soziale Ausschluss funktioniert nicht nur über die Schulen, er beginnt schon bei den vielen unbezahlten Praktika und den schlechtbezahlten Volontariaten. Die kann sich oft nur leisten, wer Geld von Mama und Papa bekommt.

Klar könnte man jetzt einwenden: Journalistisches Handwerk ist das Recherchieren. Wer sich in den unteren Milieus nicht auskennt, der muss dort eben eintauchen. Politikjournalisten sind ja auch keine Politiker, berichten aber über Politiker. Der Unterschied ist nur: Die Sozialreportagen, die Lebert zu recht fordert, müssen, damit sie gut sind, über die bloße Beobachtung hinausgehen.

Die unteren Milieus – Arbeitslose, Arme, Abgehängte – sind kein Zoo, in dem wir als Journalisten uns mal an einem Sonntagnachmittag umschauen und darüber berichten. Mir zumindest fallen nur wenige Texte ein über Menschen am Rande der Gesellschaft, die einfühlsam und so berichten, dass ich deren Lebenswelt verstehe. Die meisten Berichte über solche Leute waren, vor allem im Vorfeld der Trump-Wahl, eine Mischung aus Freak-Show und Abkanzeln unbekannter Lebensstile.

Dazu kommt: Wer nie in Cottbus-Schmellwitz von Hartz-IV gelebt hat, weiß nicht, wo er anfangen soll zu recherchieren. Wenn man die unteren Milieus nur aus der U-Bahn kennt, woher soll man wissen, was die Themen dieser Leute sind?

Vor knapp drei Jahren erschien in der Zeit der Text “Ich Arbeiterkind“ von Marco Maurer. Maurer, Sohn einer Friseurin und eines Kaminkehrers schreibt darin, wie schwer sein Aufstieg zum Journalisten war – gerade weil er Arbeiterkind ist. Der Text wurde viel diskutiert, Maurer hat für ihn Preise gewonnen, hat daraus ein Radiofeature gemacht und ein Buch geschrieben. Warum? Weil solche Geschichten fehlen.

Nein, Recherche reicht nicht, den Blickwinkel der Berichterstatter wieder zu weiten. Der Journalismus verändert sich erst, wenn sich seine MacherInnen verändern. Dazu braucht es heterogenere Journalistenschulklassen – nicht nur, was die soziale Herkunft betrifft. In den Redaktionen müssen mehr Leute mit Migrationshintergrund sitzen, schreiben und berichten, mehr Behinderte, mehr Menschen mit verzweigten Biographien.

Wie das klappen soll? Zum Beispiel mit Recherche – wo erreichen wir als Redaktion die Nichtakademiker-Kinder? – und positiver Diskriminierung. Genauso, wie es auf Stellenausschreibungen manchmal heißt, Frauen würden „bei gleicher Qualifikation bevorzugt“, ließe sich diese Formulierung weiter denken. Das wäre kein ungerechtes Identitäts-Klein-Klein, sondern die einzige Möglichkeit, den Journalismus zu dem zu machen, was er sein sollte: ein Abbild der Gesellschaft.

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Philippe Ressing
14.12.2016, 09:34

Ein wichtiger Aspekt sollte nicht vergessen werden: Angefangen mit der 'Basta Politik' von Rot Grün und der danach CDU dominierten FDP und GROKO Bundesregierung predigten die sogenannten 'Leitmedien' das neoliberale Karma: "Es gibt keine Alternative!" Gerade die ZEIT, in deren Redaktion jetzt nach dem Brexit und Trumps Sieg der Katzenjammer ausgebrochen ist, folgte man dieser Vorgabe. Nun entdecken die Journalisten die gesellschaftliche Realtität - da reicht das Abschreiben von dpa Meldungen (hallo Taz ;-) nicht mehr aus. Viele Journalisten, vor allem in der Hauptstadt, haben sich seit 2000 die neoliberale Poltik zu eigen gemacht. Und am Beispiel Italien oder Frankreich wird das immer noch betrieben, da werden endlich 'Reformen am Arbeitsmarkt' eingefordert - de facto: Niedriglohn und working poor - das Brot bleibt ihnen, die Wurst landet bei den Edelfedern und ihren LeserInnen. Journalisten sind sooo anfällig für Streicheleinheiten der Mächtigen. Was folgt: Jetzt wird ein bisschen rumgejammert - keiner liebt uns - und dann schön weitergemacht...


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Werner W.
14.12.2016, 01:25

Arme und Ungebildete (sog. "Abgehängte") lesen schon lange eh keine linke Presse mehr und wählen auch nicht mehr links.
Diese Unterschichtthemen sind für die Leser der taz (und ähnlicher Zeitungen) gänzlich uninteressant.


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Ivande Ramos
13.12.2016, 15:27

JournalistInnen müssen nicht das große Bild zeichnen, sondern dem Leser eine Informationsbasis zur Verfügung stellen, um selbstständig eine Haltung entwickeln zu können. Dafür müssen JournalisInnen, im Falle des Sozialjournalismus, nicht zu Milieuverstehern werden, sondern einfach mal den Schreibtisch verlassen und dorthin gehen, wo es wehtut. Vor die Jobcenter und Werkstore, zu den ALGII Beratungsstellen, Betriebsräten, Sozialstationen, Jobbörsen, Mieterschutzvereinen, Essensausageben etc. An Geschichten mangelt es der Realität wahrlich nicht.

Leider ist Sozialjournalismus nicht sonderlich sexy, was auch der Autorin aufgefallen zu sein scheint. Ihr Vorschlag, man müsse die Habenichtse in die Redaktionsstuben lotsen, damit diese dann über sich selbst schreiben können, ist nicht sonderlich genial. Die Grenze zwischen Unten und Oben wird auf diese Weise in den Journalismus überführt, möglicherweise gar etabliert. Die klangvollen Themen bleiben den Kindern mit den klangvollen Nachnamen vorbehalten, alles darunter bearbeiten dann jene von Unten, weil sie es ja eh besser verstehen. Das ist der falsche Weg.

Es sind die Medien selbst, die sich zu Sozialjournalismus (und bitte auch mehr Europajournalismus) verpflichten müssten, doch dies geschieht nicht, weil die Armen und Ungebildeten selten für Journalismus zahlen und viele derjenigen, die sich Abonnements leisten (können), andere Themen bevorzugen. Wer möchte schon täglich lesen, dass der eigene Wohlstand auf der Ausbeutung der Ärmsten und Schwächsten fußt. Dann doch lieber ein Portrait eines Faschisten auf der Titelseite der Wochenendausgabe, ein bisschen Gruseln hier, ein bisschen Fremdschämen dort, mehr braucht das linke Gewissen oft nicht, um ruhig schlafend im Recht zu sein.


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TazTi
13.12.2016, 13:41

Die gesellschaftliche Klasse und Herkunft spielen eine wichtige Rolle. Auch im politischen Spektrum ist links-grünes Denken der Wohlhabenden etwas anderes als Linkes Denken der Mittellosen. ...



Aus: "Zukunft des Journalismus: Wir sind doch nicht im Zoo" Anne Fromm (13. 12. 2016)
Quelle: https://www.taz.de/!5365350/ (https://www.taz.de/!5365350/)
Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on November 30, 2017, 02:54:18 PM
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[...] Noch bis zum 20. Dezember werden in der Urania Fotos von Hass-Schmierereien und -Aufkleber gezeigt. Die in Zehlendorf lebende Mensah-Schramm hat sie zusammengetragen, dokumentiert und entfernt - mehr als 70.000 sind es inzwischen. Ein "Vorbild für junge Leute" sei die 72-jährige Aktivistin geworden, meinte Pau. Mensah-Schramm sei "eine mutige Antifaschistin" und "das Rückgrat einer antirassistischen Zivilgesellschaft". Mensah-Schramm, die auch als "Polit-Putze" apostrophiert wird, selbst erklärte: "Ich beseitige Hass-Graffiti, weil ich den Hass vernichten möchte. Das ist mein Kampf gegen rechts."

Der ist weithin anerkannt. Und doch gibt es ein Problem: Denn die "Ikone des Kampfes gegen rechts" hat sich seit einiger Zeit mit Leuten eingelassen, zu denen unbequeme Fragen angebracht sind. Allen voran ist das Mathias Tretschog, nach eigenen Angaben Betriebswirt und Sachbuchautor. Er gehört zum Querfront-Milieu, das keine Berührungsängste zu Rechtspopulisten kennt.

Tretschog tritt auf quasi als Manager von Mensah-Schramm. Er organisiert Termine der Wanderausstellungen und Lesungen, nimmt Anfragen und Telefonate für sie entgegen. Zugleich hat er sich gut vernetzt auch in der Verschwörungstheoretiker-Szene. Zu seinem Umfeld gehört etwa Malte Klingauf, früher Moderator der "Montagsmahnwachen für den ersten Weltfrieden" am Brandenburger Tor, zu denen auch immer wieder Reichsbürger kamen. Gemeinsam initiierten Tretschog und Klingauf im Juni das Festival "Pax Terra Musica" auf dem stillgelegten Flughafen Niedergörsdorf im Süden Brandenburgs - dort unter den Teilnehmern: Israel-Hasser, esoterische Hetzer und Anhänger von Verschwörungstheorien.

Ahnungslose Künstler, die bei dem Festival auftreten sollten (und dachten: "Friedensfest klingt doch gut"), wurden damals über die Hintergründe gewarnt und sagten daraufhin ab. Irmela Mensah-Schramm hielt aber trotz der Warnungen zu Tretschog und kam nach Niedergörsdorf, wurde so zum "Feigenblatt" für die Aluhüte.

Der Blogger Matrochka hat dieser Tage auf 41 Seiten dokumentiert, wie diese Aktivitäten ablaufen - mit Kontakten etwa zu Linken-Politikern wie Petra Pau solle "die neurechte Querfront suggerierend seriös" ins linke Spektrum gebracht werden, schreibt er. Mensah-Schramm habe dabei eine "Alibi-Funktion". Matrochka sieht im Netzwerk insgesamt Verbindungen etwa zu Freunden und Sympathisanten von Jürgen Elsässer und dem neurechten "Compact-Magazin". Er dokumentiert, dass Tretschog den hoch umstrittenen Ex-RBB-Moderator Ken Jebsen ("Ken FM") auf Twitter für "Engagement" und "Zivilcourage" gelobt hat. Ein kundiger journalistischer Beobachter der Szene sagte dem Tagesspiegel, Mensah-Schramms Verhältnis zu Tretschog sei "dermaßen eng, dass es schon fast an ein Stockholm-Syndrom erinnert".

... Von Mensah-Schramm und Tretschog war am Donnerstag keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten. Wenig komfortabel ist die Querfront-Verstrickung auch für die Linke. Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer und Bundestagsvizepräsidentin Pau hatten sich erst vor kurzem in den Streit um eine zunächst im Berliner Babylon-Kino geplante Verleihung eines alternativen Kölner "Karlspreises" an Ken Jebsen eingeschaltet, auch er ist im Verschwörungstheoretiker-Milieu beheimatet. Lederer wetterte gegen einen "Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte". Pau zeigte sich nach Solidarität der Linken-Politiker Wolfgang Gehrcke und Diether Dehm mit Jebsen "entsetzt". Sie twitterte: "Querfront ist einfach übel." Auch Pau und Lederer äußerten sich zu der Kontroverse um Mensah-Schramm zunächst nicht.

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Sonnenblumenfeld 13:39 Uhr

Bald wird es zum gesellschaftlichen Tod reichen, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden getroffen hat, der ein Buch über Chemtrails gelesen hat.





Aus: "Die Antifa-Aktivistin und ihre neurechten Helfer" Matthias Meisner (30.11.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/polit-putze-mensah-schramm-die-antifa-aktivistin-und-ihre-neurechten-helfer/20651126.html (http://www.tagesspiegel.de/politik/polit-putze-mensah-schramm-die-antifa-aktivistin-und-ihre-neurechten-helfer/20651126.html)

"Weblog zur Dokumentation & Recherche zur Querfront, alten Stasi-Seilschaften & zur pro-russischen Propaganda"
https://matrochka.wordpress.com/2017/11/28/mit-fremden-federn-schmuecken-vereinnahmung-von-irmela-mensah-schramm-durch-mathias-tretschog/

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Die Onlinezeitung NRhZ ist verschwörungsideologisch, antiimperialistisch, antiamerikanisch- und somit pro-russisch sowie antizionistisch geprägt. ... Noch Fragen zur Querfront? ... dieses gesamte Geflecht ist antidemokratisch, verschwörungsideologisch, neurechts, propagandistisch und überwiegend mit menschenverachtenden «Inhalten» bestückt! Sie wenden die «Strategie des Mimikry» der Neuen Rechten an oder wie der Kommentator auf Amazon es schon ganz richtig beschrieb: die «Doppeldenkweise – frei nach George Orwell»! ...
https://matrochka.wordpress.com/2017/11/20/jebsens-mahnwachen-juenger-sehen-babylon-rot-laufen-sturm/

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on November 30, 2017, 03:34:39 PM
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[...] Provokation sei ein legitimes Mittel des Journalismus, sagt Augstein. Aber Provokation dürfe kein Selbstzweck sein. „Es geht darum, die Menschen mit überraschenden Argumenten zum Nachdenken zu reizen, auch zum Widerspruch.“ Günter Gaus habe gesagt, keine Frage sei für immer beantwortet. Augstein erschüttere die Nachbereitung dieses Gipfels beinahe so wie sein Verlauf.  ... Er habe den Eindruck, dass eine große Zahl der Nutzer den Gipfel und die Gewalt viel differenzierter sieht als der Großteil unserer Medien. „Natürlich handelt es sich hier um eine besondere Form der Gewalt: um politische Gewalt.“

Mit dieser Deutung dürfte Augstein ähnlich viel Widerspruch hervorrufen wie mit der Wahl seines Herausgebers. Vor einem halben Jahr hat Augstein Jürgen Todenhöfer zum „Freitag“ geholt. Der Publizist wird in Medien öfters in die Nähe von Reichsbürgern, Verschwörungstheoretikern und gar Antisemiten gebracht. Nun wurde bekannt, dass offenbar eine erkleckliche Anzahl von Mitarbeitern mit der Personalie unzufrieden ist.

Die stellvertretende Chefredakteurin Katja Kullmann ließ ihren Vertrag auslaufen. Sie schreibt im Blog, sowohl als journalistisch wie auch als politisch denkender Mensch halte sie das (mit Todenhöfer) für eine schwerwiegende und bedauerliche Entscheidung: „Unter dieser Flagge möchte ich nicht segeln.“ Textchef Thomas Kaiser, Artdirector Max Sauerbier und eine Reihe von freien Autoren sollen auch den „Freitag“ verlassen, berichtete die „taz“.

...  „Todenhöfer ist kein Linker. Das muss er auch nicht“, sagt Augstein. „Wir arbeiten sehr gerne mit ihm zusammen und versuchen uns weiterhin am Experiment, seine Facebook-Follower mit unseren Print-Lesern in Kontakt zu bringen.“ Er halte Todenhöfer für einen Pazifisten. „Pazifismus war immer eine sehr unbequeme Haltung. Der Pazifist ist immer unter Verdacht.“ Das Gerede von der rechts-linken Querfront halte er ebenso wie den inflationären Antisemitismus-Vorwurf für den politisch motivierten Versuch, einen unbequemen Denker zu knebeln.

Katja Kullmann, seit dreieinhalb Jahren beim „Freitag, möchte weiter nichts zu alldem sagen. Vielleicht ist es auch gut so. Das linke Wochenmagazin, das linke Projekt soll nicht weiter beschädigt werden. Mit diesem hätte Augstein eigentlich allen Grund zur Freude. Der „Freitag“, gestartet 1990, hat sich seit 2008 mit einer 20 000er-Auflage etabliert. „Unsere Zukunft besteht darin, zu überleben“, sagt Augstein. „Das haben wir offensichtlich geschafft, wir sind aus der Verlustzone raus, ohne darum Gewinne zu machen. Für mich ist das ein großes Glück.“ Ein Glück, das wohl stets mit Widerspruch und Ärger verbunden ist.

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Hanebutt 15.07.2017, 08:03 Uhr
Der Augstein ist so eine richtig gelungene Figur, an der sich der Mainstream, also der rechte Mehrheitsteil der Gesellschaft, richtig abarbeiten kann. Da spürt man, was so richtiger Hass auf jemanden ist, der bewusst, vielleicht sogar aus Überzeugung, den Mainstream in seiner politischen Schlichtheit und oftmals Falschheit darstellt.
So weit, dass er publizistisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen wird, so wie einst ein Grass, geht er nicht, aber doch weit genug, um entlarvende Reaktionen auszulösen. Wie diesen Artikel, der von  Parteilichkeit geprägt ist.


Quote
yohak 14.07.2017, 17:46 Uhr
Jakob Augstein ist kein kritischer Denker, auch wenn er gerne so gesehen werden würde, sondern einfach nur ein Lautsprecher für die dumpfesten Parolen vom linken Stammtisch.


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michaelm 14.07.2017, 22:33 Uhr
Antwort auf den Beitrag von yohak 14.07.2017, 17:46 Uhr
Woran

Und woran machen Sie diese - mit Verlaub dumpfeste Parole - fest ?
Irgendein Argument - oder einfach nur Stammtisch ?


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Violett 14.07.2017, 17:45 Uhr
Ich hatte den FREITAG längere Zeit abonniert, dann aber wieder abbestellt - er war mir einfach zu langweilig und uninteressant. Weder konnte ich linkes Denken, noch überhaupt gezielte Artikel gegen den Neoliberalismus finden.


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Aus: "Jakob Augstein und sein Magazin "Der Freitag": Unter linker Flagge" (14.07.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/jakob-augstein-und-sein-magazin-der-freitag-unter-linker-flagge/20063800.html (http://www.tagesspiegel.de/medien/jakob-augstein-und-sein-magazin-der-freitag-unter-linker-flagge/20063800.html)

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on December 05, 2017, 10:41:36 AM
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[...] Die geplante Verleihung eines alternativen "Karlspreises" an den im Verschwörungstheoretiker-Milieu beheimateten Ex-RBB-Moderator Ken Jebsen wird zu einer immer größeren Belastungsprobe für die Linkspartei. Der Parteivorstand solidarisierte sich mit dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer, der gegen die Preisverleihung im Berliner Babylon-Kino protestiert hatte. Die Veranstalter der Preisverleihung dagegen rufen für den 14. Dezember vor der Preisverleihung zu einer Kundgebung vor der Parteizentrale der Linken auf, auch Linken-Politiker wie der frühere Vize-Fraktionschef Wolfgang Gehrcke sollen dort laut Ankündigung sprechen.

In einem am Sonntag gefassten Beschluss unter der Überschrift "Klare Kante gegen Querfront" distanzierte sich der Parteivorstand "unmissverständlich von Aktivitäten von Rechtspopulisten, Nationalisten, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten, die rechtspopulistische Welterklärungsmuster und ,Querfront'-Strategien salonfähig machen wollen". Die Linke werde mit diesen Kräften "ganz grundsätzlich nicht zusammenarbeiten", heißt es in dem von Vize-Parteichefin Caren Lay initiierten Beschluss, der nach Angaben aus der Partei allerdings nicht einmütig gefasst wurde: Es hat demnach 18 Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen gegeben.

Der innerparteiliche Konflikt in der Linken war weiter eskaliert, nachdem die Veranstalter der Preisverleihung für "engagierte Literatur und Publizistik" an Jebsen am Freitag angekündigt hatten, beim Protest vor der Linken-Parteizentrale solle auch der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Diether Dehm, ein Vertrauter von Fraktionschefin Sahra Wagenknecht teilnehmen. Organisiert wird die Preisverleihung von dem Online-Portal "Neue Rheinische Zeitung".

Der Landesgeschäftsführer der Berliner Linken, Sebastian Koch, warf Dehm eine "widerliche Kampagne" gegen Lederer vor: "Mit links sein und unserer Partei hat das nichts mehr zu tun." Die thüringische Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss nannte den geplanten Protest vor der Linken-Parteizentrale "einfach nur widerwärtig". Die sachsen-anhaltische Landtagsabgeordnete Henriette Quade twitterte: "Klaus Lederer macht, was alle linken Politiker*innen tun sollten: Haltung zeigen und linke Politik machen. Wär schön wenn das die Bundesprominenz meiner Partei auch täte. Wär ihr Job und grad dringend nötig."

Die thüringische Bundestagsabgeordnete Martina Renner sagte dem Tagesspiegel mit Blick auf den für den 14. Dezember geplanten Protest vor der Linken-Parteizentrale: "Sollte diese Aktion tatsächlich stattfinden, wäre das ein Schlag ins Gesicht aller in dieser Partei und Fraktion, die sich entschieden gegen Antisemitismus, egal in welcher Spielart und unter welchem Deckmantel engagieren. Ein Schlag ins Gesicht des beliebtesten Linken-Politikers in Berlin. Ich würde mir wünschen, dass wie Petra Pau als Mitglied des Fraktionsvorstandes der gesamte Vorstand und auch die Fraktionsspitze klar Stellung bezieht." Eine Reaktion der Fraktionsführung blieb indes bis zum Montag aus.

Lederer hatte den Unmut auch eigener Genossen auf sich gezogen, indem er sich offen gegen die Preisverleihung an Jebsen im Babylon-Kino gestellt hatte. Auf Facebook schrieb er, "ein Kulturort in Berlin" dürfe "diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte" keine Bühne bieten. Der Kultursenator bescheinigte Jebsen einen "offen abgründigen Israelhass" und die "Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster". Seinen Staatssekretär ließ er im staatlich geförderten Kino anrufen, das daraufhin den Raum kündigte.

Dehm und Gehrcke wiederum veröffentlichten anschließend einen Aufruf, in dem sie auch mit Blick auf Lederer mehr gemeinsame Aktionen "gegen den zerstörerischen Ungeist von Stigmatisierungen und Zensur" verlangten, ausdrücklich auch innerhalb der Partei. Lederer warf seinen Parteifreunden Dehm und Gehrcke vor, einen Shitstorm gegen ihn angezettelt zu haben. Die beiden Genossen hätten "viel Kraft darin investiert, damit Leute mich per Mail und Posts als Noske, Arschloch, Faschisten, Zensor und Grundgesetzbrecher denunzieren", twitterte er am Wochenende.

Wie die Preisverleihung an Jebsen am 14. Dezember nun im Detail abläuft, ist offen. Dehm schrieb am Samstag auf Facebook mit Blick auf die Protestkundgebung vor der Linken-Parteizentrale, es sei "ziemlich unwahrscheinlich, dass ich da sein kann". Er werde "nicht gegen die Partei reden oder agieren". Dehm fügte jedoch hinzu: "Allerdings würde ich mir als Künstler von meiner Partei auch nie ein Lied untersagen lassen." Gegen Lederer holte er zu einer weiteren Attacke aus und warf ihm vor, er habe "flapsig und selbstherrlich Leute in die Nähe von Nazis" gerückt. Am Montag nahm die "Neue Rheinische Zeitung" Dehms Namen vom Ankündigungsflyer.

Unklar ist, ob die Preisverleihung an Jebsen nicht doch im Babylon-Kino stattfinden wird. Aus der Linkspartei verlautete, die "Neue Rheinische Zeitung" habe das Filmtheater auf Einhaltung des geschlossenen Vertrags für die Raummiete verklagt. Andreas Neumann, Mitherausgeber des Online-Portals, sagte dem Tagesspiegel am Montag, eine Absage wäre "vertragswidrig", mehr wolle er dazu nicht sagen. "Querfront" und "Verschwörungstheoretiker" nannte er "Kampfbegriffe, mit denen notwendige Bündnisse kaputtgemacht werden sollen".

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2010ff 08:20 Uhr
Statt Jebsen mit der Macht des Berliner Regierungsapparates zu attackieren, sollte Lederer sich mit Jebsen zu einem Streitgespäch treffen. Wenn er starke Kritik so apodiktisch vorträgt, wie er es tut, dann wird er ja wohl auch genug Courage besitzen, Jebsen direkt zu konfrontieren. Wer so stark austeilt wie Lederer, sollte Mann genug sein, sich auch die Entgegnung anzuhören. Oder ist er zu sich schade dafür? Oder ist er inzwischen im Arroganzmodus gefangen?

Das Gespräch sollte moderiert und öffentlich ausgetragen werden.


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coroner 04.12.2017, 19:33 Uhr

     Dehm und Gehrcke wiederum veröffentlichten anschließend einen Aufruf, in dem sie auch mit Blick auf Lederer mehr
    gemeinsame Aktionen "gegen den zerstörerischen Ungeist von Stigmatisierungen und Zensur" verlangten, ausdrücklich auch innerhalb der Partei.


Dehm und Gehrcke haben vollkommen Recht. Es geht nicht darum, ob irgendjemand gleicher oder anderer Meinung ist als Herr Jebsen, sondern es geht um freie Meinungsäußerung und um Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Voltaire hätte das Recht auf Äußerung einer anderen Meinung verteidigt. Heute sieht es leider anders aus.

Ich staune, wie leicht es manchen Forenten fällt, Jebsen als "Antisemiten" und "Hetzer" zu bezeichnen. Antisemitische Hetze und Volksverhetzung sind hierzulande Straftatbestände. Wenn bei den zahlreichen Feinden die Herr Jebsen hat, er wegen dieser Dinge nicht verurteilt ist, dann bedeutet dies wohl, dass er eben im juristischen Sinne kein Antisemit und kein Hetzer ist. Wer dies dennoch behauptet, der sollte den Beweis antreten, sonst ist es üble Nachrede.

Wenn Kultursenator Lederer das Babylon anruft und den Betreiber (der ja von Senatszuschüssen abhängt) auffordert, eine Veranstaltung mit Jebsen abzusetzen, so ist dies nichts anderes als Zensur. "Aluhut" und "Verschwörungstheoretiker" sind Ausdrücke, die diffamieren sollen, ohne dass man sich inhaltlich auseinandersetzen müsste und sollen die Zensur rechtfertigen.

Dass „Die Linke“ sich an derlei Ausgrenzungen beteiligt entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Vor dem 2. Weltkrieg waren Linke und Kommunisten selbst Opfer von Diffamierung und Verfolgung. In der DDR wandten die dortigen "Sozialisten" bald selbst Methoden der Diffamierung an.  Derzeit betreibt „Die Linke“ lieber selbst Ausgrenzung einer "Querfront" als dass sie sich für ein breites Bündnis gegen Krieg einsetzt. Vermutlich aus Angst, selbst Opfer von Ausgrenzung zu werden ...


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peeka 04.12.2017, 19:17 Uhr

Mit Ken Jebsen und der "Querfront" ist es nicht so ganz einfach: Jebsen ist kein typischer Querfrontler. Die Querfront hat als gemeinsamen Anknüpfungspunkt normalerweise die Nation. Daher sind auch Linksliberale kaum als Mitglieder einer Querfront zu finden. Querfrontler auf linker Seite sind typischerweise diejenigen, die einen ausschließenden Wohlfahrtsstaat propagieren (es gab im "Neues Deutschland" dazu gerade einen interessanten Artikel), die von "Fremdarbeitern" reden oder von "Gastrecht", welches "missbraucht" werden würde.
Ken Jebsen dagegen vertritt zwar obsessiv-negative Ansichten zur USA und zu Israel und äußert sich gern positiv zu Russland. In der Flüchtlingskrise zum Beispiel hat er aber eine sehr klare Haltung gezeigt.
Jebsen ist weder den kulturdiktatorischen noch den nationalkollektivistischen Vertretern zuzuordnen. Daher rührt vermutlich auch sein Zerwürfnis mit Jürgen Elsässer, einem "typischen" Querfrontler.
Es ist sicherlich nicht einfach, immer den Überblick zu behalten, zumal die Protagonisten schneller die Seiten wechseln als ein Horst Mahler. So galt Elsässer eine Weile lang als typischer "Antideutscher".
Ken Jebsen halte ich für einen sehr guten Journalisten wenn es um Interviews geht. Er gewinnt immer noch sehr kompetente Gesprächspartner und lässt sie ausreden. Dass seine Verschwörungsobsessionen manchmal nerven und er ziemlich arrogant sein soll (hab ihn allerdings nicht persönlich kennen gelernt), steht auf einem anderen Blatt. Man sollte aber auch im Auge behalten, dass Verschwörungstheorien wie zum Beispiel im Falle der Gladio sich später als wahr heraus gestellt haben ...


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Aus: "Die Linke im Kampf gegen die Querfront" Matthias Meisner (04.12.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/streit-um-preis-fuer-ken-jebsen-die-linke-im-kampf-gegen-die-querfront/20666844.html (http://www.tagesspiegel.de/politik/streit-um-preis-fuer-ken-jebsen-die-linke-im-kampf-gegen-die-querfront/20666844.html)

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on December 05, 2017, 10:53:13 AM
"KenFM: "Rassistischer Zionismus""
Hasbara andersrum Ein KenFM-Video zusammengefasst und daraus °wörtlich zitiert°, Judenhass in fett und in Klammern (meine Bemerkungen).
dame.von.welt | Community (Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community ), 15:55 21.04.2014 - Kommentarfunktion deaktiviert
https://www.freitag.de/autoren/dame-von-welt/kenfm-rassistischer-zionismus

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[...] Leander Sukov begrüßt Klaus Lederers Haltung zur Preisverleihung an Ken Jebsen

Im »neuen deutschland« vom 16. November schreibt Tobias Riegel unter dem Titel »Angst vor den Worten« zur Kritik von Klaus Lederer an der (nunmehr abgesagten) Preisverleihung an Ken Jebsen im Babylon-Kino unter anderem: »Der Fall hat das Zeug, eine Zensur-Debatte loszutreten.«. Tobias Riegel hat damit fast recht. Allerdings ist diese Debatte nicht nur eine Zensurdebatte, sondern auch eine um die Art, wie LINKE in Regierungsverantwortung Politik gestalten sollen. Es geht um die Frage, ob Politik die Administration von Ministerien ist oder aktive Gestaltung, und es geht um eine Zensurdebatte. Allerdings um eine umgekehrte. Denn de facto fordert Riegel von Kultursenator Lederer die Selbstzensur. Das ist ein Missverständnis über den Charakter des freien Wortes, welches sonst eher nicht in linken Milieus vorkommt. Dem muss man entschieden entgegentreten.

Wer sich im öffentlichen Raum bewegt, wie die Veranstalter der Preisverleihung und der Preisträger Ken Jebsen selbst auch, muss damit rechnen, im öffentlichen Raum auch Widerstand vorzufinden. Es wäre völlig verfehlt, würde man das Recht auf diese Widersetzlichkeit von den Personen und Gruppen ableiten, die hier im Konkreten agieren. Es ist eine abstrakte Sicht gefordert. Und für mich bedeutet die Abstraktion vom konkreten Ereignis auf die Bewertung der Kritik Lederers: Diese Kritik ist zulässig. Mehr noch, sie ist wünschenswert. Wir haben, in Übernahme neoliberaler Staatssichten und Politikdefinitionen, zwar nicht die Inhalte dieser neoliberalen Politik übernommen, wohl aber ihre Betrachtungsweisen. Für uns, die wir doch zugeben müssen, dass die Basis aller materialistischen Weltanschauung der Idealismus ist, muss Regierungstätigkeit auch heißen, inhaltlich zum Geschehen Stellung zu nehmen.

Die Grenze ist dort, wo zugleich administriert wird. Hätte also der Berliner Kultursenator mit dem Entzug der Fördergelder gedroht, wäre das in der Tat kritikwürdig gewesen. Seine inhaltlich begründete Ablehnung der Veranstaltung und deren Absage nach Anruf von Lederers Staatssekretär aber war nicht nur akzeptabel, sondern ein nötiger Schritt, kulturellen Meinungsstreit auf robuste Weise und auf bravouröse Art zu führen. Das muss die Regel werden, um die neoliberale Hegemonialmacht in der politischen Kultur ebenso zu bekämpfen wie die sich auf Nation und Volk beziehenden Kreise. Eine gesellschaftliche Wende zurück auf eine linke politisch-moralische Erneuerung ist dringend nötig.

Leander Sukov ist Schriftsteller und Verleger des Kulturmaschinen-Verlages. Er ist Mitglied im PEN und im Verband deutscher Schriftsteller*innen. Er lebt und arbeitet in Bayern.


Aus: "Keine (Selbst-)Zensur" Leander Sukov (18.11.2017)
Quelle: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1070513.klaus-lederer-und-ken-jebsen-keine-selbst-zensur.html (https://www.neues-deutschland.de/artikel/1070513.klaus-lederer-und-ken-jebsen-keine-selbst-zensur.html)

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[...] Berlin. Der LINKE-Bundesvorstand hat seine Distanzierung von Rechtspopulisten, Antisemiten und »Querfront«-Strategien sowie von dem umstrittenen Journalisten Ken Jebsen erneuert. In einem am Sonntag gefällten Beschluss zeigte sich der Vorstand solidarisch mit der Entscheidung des LINKE-Kultursenator von Berlin, Klaus Lederer, gegen eine Preisverleihung an Jebsen im Kino Babylon zu intervenieren. Weiter heißt es, der Parteivorstand erwarte, dass Mitglieder der Linkspartei eine geplante Kundgebung gegen Lederers Entscheidung nicht unterstützen.

Das Kino Babylon in Berlin-Mitte hatte nach der Intervention des Kultursenators im November eine Veranstaltung abgesagt, in der der umstrittene Blog »Neue Rheinische Zeitung Online« dem ehemaligen RBB-Moderator Jebsen den »Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik« verleihen wollte. »Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet«, hatte Lederer zur Begründung auf Facebook gepostet. Jebsen wird unter anderem Antisemitismus und die Beteiligung an einer Querfront zwischen Linken und Rechten vorgeworfen.

Gegen Lederers Entscheidung planen Jebsen-Unterstützer am 14. Dezember vor der LINKE-Parteizentrale am Rosa-Luxemburg-Platz eine Kundgebung unter dem Motto »Demokratie und Meinungsfreiheit verteidigen«. Auf dem Plakat stehen als Teilnehmer auch die LINKE-Politiker Diether Dehm, Wolfgang Gehrcke, Christiane Reymann und Andreas Maurer.

Die stellvertretende Parteivorsitzende Caren Lay nahm diese Kundgebung nun zum Anlass, um im Parteivorstand einen Antrag auf Distanzierung von Ken Jebsen zu stellen. Dieser wurde am Sonntag angenommen. »Keine Unterstützung von #Querfront, Solidarität mit @klauslederer u.a., keine Unterstützung durch #LINKE-Mitglieder. Gut so!«, kommentierte Lay den Beschluss auf Twitter. Ralf Krämer, ebenfalls im Bundesvorstand, berichtet auf Facebook von einem umstrittenen Ergebnis: Es habe 18 Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen gegeben.

Ob sich die angesprochenen Parteimitglieder an den Beschluss halten, bleibt unklar. Diether Dehm schrieb am Samstag auf Facebook, er würde sich »als Künstler« von seiner Partei »nie ein Lied untersagen lassen«. Darum habe er sich für Berufsverbotsopfer wie Franz Josef Degenhardt oder die türkischen Musiker von groupyorum sowie darüber hinaus für Christian Wulff während seiner Auseinandersetzung mit der »Bild«-Zeitung oder auch für Ken Jebsens Meinungsfreiheit engagiert.


Aus: "LINKE beschließt »klare Kante« gegen Querfront und Jebsen" ek (04.12.2017)
Quelle: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1072112.linke-gegen-ken-jebsen-linke-beschliesst-klare-kante-gegen-querfront-und-jebsen.html (https://www.neues-deutschland.de/artikel/1072112.linke-gegen-ken-jebsen-linke-beschliesst-klare-kante-gegen-querfront-und-jebsen.html)

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on December 05, 2017, 11:04:20 AM
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[...] Russland hat neun US-Medien zu "ausländischen Agenten" erklärt. Unter den betroffenen Medien sind auch die beiden US-Sender Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty, wie das Justizministerium in Moskau am Dienstag auf seiner Internetseite bekanntgab. Allen neun betroffenen Medien wird demnach vorgeworfen, "die Funktionen eines ausländischen Agenten auszuüben".

Präsident Wladimir Putin hatte das umstrittene neue Mediengesetz im November unterzeichnet. Neben der Registrierung als "ausländische Agenten" müssen die betroffenen Medien in Russland, die Geld aus dem Ausland erhalten, ihre Finanzierung offenlegen und den Behörden vollständigen Einblick in ihre Aktivitäten gewähren.

Auslöser für die Änderung des Mediengesetzes war ein entsprechender Schritt der USA, die den russischen Fernsehsender RT (früher Russia Today) Anfang November wegen seiner Einflussnahme auf die US-Präsidentschaftswahl im Vorjahr gezwungen hatten, sich als "ausländischer Agent" registrieren zu lassen.

Ein ähnliches Gesetz in Russland klassifiziert bereits Nichtregierungsorganisationen (NGOs) als "ausländische Agenten" und zwingt sie zur Offenlegung ihrer Finanzen. Viele NGOs in Russland haben ihre Aktivitäten wegen der intensiven Überwachung inzwischen eingestellt. (AFP)


Aus: "Russland erklärt neun US-Medien zu "ausländischen Agenten"" (05.12.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/neues-mediengesetz-russland-erklaert-neun-us-medien-zu-auslaendischen-agenten/20670728.html (http://www.tagesspiegel.de/politik/neues-mediengesetz-russland-erklaert-neun-us-medien-zu-auslaendischen-agenten/20670728.html)


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[...] Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat Journalisten heimlich mit russlandkritischen Informationen und Einschätzungen versorgt, bevor BND-Präsident Bruno Kahl diese Mitte November in einer Rede öffentlich machte. Dies bestätigte der BND jetzt dem Tagesspiegel. Zu dem Thema hätten zuvor nicht öffentliche sogenannte Hintergrundgespräche mit ausgewählten Pressevertretern stattgefunden, hieß es. Einzelheiten dazu würden nicht bekannt gegeben: „Über Inhalte und Details dieser Gespräche, bei denen auch die Teilnehmer-Medien ihrerseits auf die Vertraulichkeit setzen, wird grundsätzlich keine Auskunft erteilt“, teilte der Nachrichtendienst mit.

Kahl hatte Russland bei einem Auftritt bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München als „potenzielle Gefahr“ bezeichnet. Es sei davon auszugehen, dass sich Russland mit Cyber-Mitteln in den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf eingemischt habe. Das Land verfüge hier über „erhebliche Kompetenzen“. Die Modernisierung der Streitkräfte zu 70 Prozent bis 2020 sei „beunruhigend“. In den Medien wurde die Rede als Akt ungewohnter Öffentlichkeit gedeutet, da der BND sonst nur die Bundesregierung intern berate. Nunmehr steht fest, dass in der Rede enthaltene Informationen bereits im Vorfeld auch einem Kreis ausgewählter Journalisten zugänglich gemacht wurden.

Geheime Gespräche mit Journalisten gehören nicht nur zur Informationspraxis der Nachrichtendienste, sondern von Regierung und Bundesbehörden insgesamt. Die ausgewählten Pressevertreter verpflichten sich, die mitgeteilten behördlichen Informationen und Einschätzungen für sich zu behalten. Häufig fließen sie dennoch später in die Berichterstattung ein, meist jedoch ohne Nennung der staatlichen Quelle. Die Bundesregierung hält diese Art der Öffentlichkeitsarbeit für unentbehrlich. Details dazu, insbesondere zu Presserunden mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU), hält sie geheim.

Auf eine Klage des Verfassers dieses Textes hat das Bundesverwaltungsgericht Ende Oktober in einem Eilverfahren einen Auskunftsanspruch für Journalisten festgestellt, die nicht zu den „Hintergrundgesprächen“ eingeladen sind. Wie weit er reicht, wird vom Leipziger Gericht in einem Hauptsachverfahren geklärt. Der „Bundespressekonferenz“ genannte Verein der politischen Hauptstadt-Korrespondenten sieht das juristische Vorgehen kritisch. Befürchtet wird, dass die Regierung die umstrittene Informationspraxis stoppen könnte.


Aus: "Selektive Informationsvermittlung: Bundesnachrichtendienst streute heimlich Russland-Kritik unter Medien" Jost Müller-Neuhof (16.12.2017)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/selektive-informationsvermittlung-bundesnachrichtendienst-streute-heimlich-russland-kritik-unter-medien/20734472.html (https://www.tagesspiegel.de/politik/selektive-informationsvermittlung-bundesnachrichtendienst-streute-heimlich-russland-kritik-unter-medien/20734472.html)


Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on December 06, 2017, 05:54:43 PM
"Die Linke: Schluss mit der Querfront!" Ein Gastbeitrag von Halina Wawzyniak (6. Dezember 2017)
Linkenpolitiker ätzen gegen einen Linken, der sich gegen Verschwörungstheoretiker aussprach. Warum sich die Partei so schwertut mit Sektierern und wie sie handeln sollte.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-12/linke-querfront-demokratie-positionierung

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Nils74 #9

"Die Beschlusslage ist doch eindeutig. Im Mai 2014 hielt der Parteivorstand fest: "Die Linke distanziert sich unmissverständlich von Aktivitäten von Rechtspopulisten, Nationalisten, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten."

Das ist eben das Problem mit dem wildem Etiketten-Kleben. Sobald diese wirklich inhaltlich diskutiert werden müssen, zerfallen sie zu Staub. Klar haben wir in diesem Land "Rechtspopulisten, Nationalisten, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten", aber wer da inzwischen alles in diese Schubladen gesteckt wird, ist atemberaubend.


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Arne P. #11

Ich hab ja vor Jahren schon Ken Jebsens Zeug auf Facebook verfolgt. Zugegeben, ich habe Anfangs auch gedacht: Hey, da klärt uns mal jemand auf, was in der Politik so finsteres vor sich geht. Es klingt immer alles so plausibel. Genau das aber machte mich irgendwann misstrauisch und ich erkannte sehr bald, dass dieser Typ nur fürchterlichen Unsinn von sich gibt. Diese Erkenntnis bleibt bei vielen leider aus. Er wirft ihnen "Futter" hin und sie fressen es. Arme, verwirrte und besorgte Bürger... können ja nichts dafür...


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leudoc #16

Was soll mir der Artikel jetzt sagen? Dass Ken Jebsen rassistisch und rechtsradikal ist? Kann ich aus seinen Programmen und den dort anwesenden Gästen so nicht nachvollziehen. Und bitte keine aus dem Kontext gerissene Einzeläußerung. Dass sogenannte Verschwörungstheorien, die z.B. false flag-Aktionen zum Gegenstand haben sich in der Vergangenheit allesamt als haltlos herausgestellt haben? ...


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BCO #16.1

... Es geht um den Umgang der Linke mit Querfront, VT u.ä. Klientel.


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Stahlheini #18.1

Bin ich Querfront, wenn ich für die Gewissensentscheidung von Abgeordneten bin, anstatt für Fraktionszwang?

Bin ich als Kriegs- und NATO Gegner automatisch Querfront?

Bin ich Querfront, wenn ich allen Menschen das gleiche Recht auf ein friedliches, aelbstbestimmtes Leben einräume, also auch Palästinensern, Syrern, Irakern, Libyern Afganen, Bürgern von Mali und Jemeniten, auch wenn sie über Rohstoffe oder Transportwege verfügen, die unsere Industrie benötigt?

Bin ich Querfront, wenn ich endlich fundierte, sachliche Aufklärung über die eingestürzten Türme erwarte, mit dieser Geschichte fing schließlich das ganze Elend dieses neuen Jahrtausends an?

Bin ich Querfront, wenn ich gegen Staatsterrorismus bin?

Aber sicher bin ich Querfront, wenn ich gegen das gesetzlose Töten durch Drohnen mittels Einrichtungen wie Ramstein bin. Oder gegen Folter, wo auch immer.
Oder wenn ich gegen den menschenverachtenden Einsatz von Glyphosat, oder gegen die Einkreisung Russlands, die schamlose Aufrüstungsplanung auf 2% des BIP, die Enteignung von sämtlichen hart erkämpften Grundpfeilern des menschlichen Daseins, wie saubere Luft, ausreichendes, sauberes Wasser, eigenes Denken, eine nicht vergewaltigte Sprache und ausreichend Privatsphäre bin.

Wer sich Ken Jebsens Site ansieht (ich mache das ziemlich regelmäßig), wird primär alternative und oppositionelle Inhalte erkennen. Mir ist kein antisemitischer Artikel untergekommen. Allerdings viele Artikel, die sich kritisch mit Israel befassen.


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Schlagdraufundschlus #20

Wie üblich sehr oberflächlich und pauschalierend. Es reicht wie immer das altbewährte Muster Begriffe wie " Verschwörungstheoretiker, " Antisemititsmus, " , " Sektierer" in den Raum zu werfen- damit hat man jede ernsthafte argumentative Auseinandersetzung von vorneherein vermieden und die Gegenseite als Spinner diskreditiert. Jebsen mag man, oder man mag ihn nicht. Aber seinen Aufklärungsanspruch sollte man ihm nicht absprechen. Und wer sich die Mühe macht mal Diskussionen und Interviewas auf KenFM zu sehen, ( Mausfeld, Kleinschmidt, Ganser etc. ) der wird Erstaunliches feststellen: da sind Leute die wirklich was zu sagen haben. ...


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Der Huettenzaubermann #21

Den einzigen Preis den dieser Ken Jebsen verdient hat ist der Goldenen Aluhut


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Marktradikale Nachtigall #26

Ein weiterer Artikel aus der Serie: Ich sage Dir mal, wer Du bist und wie Du denkst, und dann verurteile ich Dich für das, was ich gesagt habe. ...


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Stahlheini #29

Zu Ken Jebsen.
Es geht ja nicht darum, ob man diese oder jene Positionen teilt. Wer aus dem pubertären Idolalter raus ist, wird niemand finden, dessen Positionen er total toll findet und total teilt. Es geht um Grundpositionen. Und da ist Ken Jebsen zweifelsfrei Demokrat und Antikriegsaktivist.

Querfrontstratege und Verschwörungstheoretiker sind bösartige Verunglimpfungen mit Hilfe von Totschlagsargumenten aus dem Mainstream-Repertoire. Wer sich als Links bezeichnet, sollte sich schämen, solche Begriffe der spätbürgerlichen Demagogen-Propaganda auf andere Personen anzuwenden! Und auch die Bezeichnung Antisemit ist zur inflationär verwendeten Ideologiekeule verkommen und bei Jebsen völlig fehl am Platze.


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Stahlheini #30

Ich verspüre bei Schubladenbeschriftungen wie Querfront, Verschwörungstheorie, Links, Rechts, Fake, AntiFa, Antideutsch, und so weiter-blablabla einen riesigen Bedarf nach Inhalt.
Frage und Vorschlag: Hatten nicht die alten Griechen in der Schule das Fach "Diskussion"? Wollen wir das wieder einführen?
Wir haben ja auch Inklusion, Kompetenzorientierung und Medienpädagogik - alles zusammen ein Gebräu, das uns bei der Zukunftsfindung wahrscheinlich weniger nützt als die Fähigkeit, sich wertschätzend über eine Sache zu streiten und letztlich einen Konsens zu erringen. ...


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BCO #33

Es ist der "Kölner Karlspreis - für engagierte Literatur und Publizistik", vergeben von "NRhZ-Online". Was man so liest - typisches Querfront-Medium.


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Stahlheini #33.1

Brillante Argumentation, Respekt!


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Mit Speck #34

Das Hauptproblem der Linken sind ihre Menschen. Nur ein ganz geringer Teil der Aktiven scheint tatsächlich Gestaltungs- und Wirkungswillen zu haben. Der Löwenanteil besteht aus weltfremden Selbstdarstellern; Jugendlichen, welche sich in Dialektik üben wollen und emotional völlig entgrenzten Sozialaussteigern.

Und in diesem Irrenhaus kommen halt mal solche Konstellationen wie im Artikel gezeigt zu Stande.


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Mehrfach-rausgeworfene-Kommentatorin #36

Viele Worte um zu sagen, dass man Ken Jebsen für einen sarkastischen, querfrontlerischen und geschichtsklitternden Verschwörungstheoretiker hält, der nicht mit einem Preis ausgezeichnet werden solle, und dass man das Eintreten von Gehrcke, Dehm und Reymann für Jebsen bei den nächsten Vorstandwahlen der Partei Die Linke abstrafen solle.

Verschwörungen gab und gibt es tatsächlich, deshalb hat der Gesetzgeber dafür Regelungen geschaffen, von der Anklage wegen übler Nachrede bis zum Hochverrat. Indes werden nicht alle Verschwörungen aufgedeckt, sondern eher wohl in Einzelfällen wie bspw. beim Watergate-Skandal oder in Deutschland beim Spiegel-Skandal um den Verteidigungsminister Strauß und bei dem CDU-Spendenskandal um Bundeskanzler Kohl.

Ansonsten gab und gibt es wohl viele Gerüchte und Erfundenes, was auch über die Medien verbreitet wurde und wird [Stern Hitler-Tagebücher] und seit dem Internet eben auch in Eigenregie privater Leute. Günter Wallraff durft einst gerichtlich erlaubt sagen, dass aus seiner Sicht die Bildzeitung ein Machwerk professioneller Lügner und Fälscher sei.

Die Meinungsfreiheit geht in Deutschland sehr weit, trotz Parteibeschlüssen der Partei Die Linke. Das ist die gute Nachricht.


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Hamlet54 #46

Da wird aber viel in Jebsens Aktivitäten hinein interpretiert. Wenn man die Israelpolitik im Gazastreifen kritisiert hat das sowas von nichts mit Antisemitismus zu tun. Das wäre wie wenn man jedem, der Erdogan kritisiert Türkenhass vorwirft. Also kommt mal bisschen runter.

Ja, und natürlich sind die Medien gesteuert. Nicht unbedingt von der CIA aber zumindest vom Gewinninteresse für Anzeigen, dem Markt, den Ausbildungen und Wertevorstellungen der einzelnen Autoren, die für genau spezielle Verlage arbeiten. Eine EMMA wird sich nie für Männerrechte einsetzen. Eine Bildzeitung wird nie Fakten nur nüchtern präsentieren. Ja und wer weiß, vielleicht haben Geheimdienste viele Steuerungssysteme in die Medien eingebaut. Information ist schließlich deren Geschäft. Das sind keine großen Verschwörungstheorien.

Ist die Tatsache, dass rund 300 mächtige Familien die hälfte des gesamten Weltvermögens besitzen und entsprechend Macht haben eine Verschwörungstheorie?

Die Linke hat ganz andere Probleme. ...

Title: medienjournalismus und medienkritik...
Post by: Link on December 14, 2017, 10:05:20 AM
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[...] Gilad Atzmon soll für Ken Jebsen aufspielen. Als "britischen Jazzmusiker, Autor und Palästina-Aktivist" kündigen die Veranstalter der alternativen "Karlspreis"-Verleihung an diesem Donnerstag im Berliner Babylon-Kino Atzmon in ihrem "Kulturprogramm" an. Für Kritiker ist der aus Israel stammende Musiker vor allem der "Alibi-Jude der Holocaust-Leugner".

Es ist ein neuer Tiefpunkt im Streit um die Ehrung für den Verschwörungstheoretiker und ehemaligen RBB-Moderator Ken Jebsen, der seit Tagen auch die Gemüter auch in der Linkspartei erhitzt. Die einen stehen auf der Seite des Berliner Kultursenators Klaus Lederer, der die Preisverleihung im staatlich geförderten Filmtheater ("Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte", wie Lederer sagte) gern verhindert hätte. Die anderen auf der Seite derjenigen, die deshalb "Zensur" rufen, darunter die Bundestagsabgeordneten Diether Dehm und Andrej Hunko sowie der ehemalige Vize-Fraktionschef Wolfgang Gehrcke.

Im Blog "Kentrail Verschwörung", der sich Querfront-Netzwerken widmet, heißt es, Atzmon sei "so radikal, dass ihn selbst ausgemacht Israel-Gegner ablehnen". Der Musiker bediene "uralte Stereotypen des Antisemitismus, seine irre Agitation zitiert unverblümt die ätzende Propaganda des Nationalsozialismus". Die "Welt" verwies auf einen Bericht des Magazins "The Atlantic", in dem der US-Journalist Jeffrey Goldberg verschiedene antisemitische Äußerungen Atzmons aufgelistet hat.

Das Kino hatte den Veranstaltern den Raum für die Preisverleihung zunächst nach einer Intervention Lederers gekündigt, diese aber konnten sich vergangene Woche vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte mit ihrer Position durchsetzen, dass die Kündigung des Mietvertrags rechtswidrig gewesen sei.

... In der Linkspartei ist die Sache verfahren. Das auch deshalb, weil diejenigen in der Partei keine Ruhe geben, die mit den Warnungen von Genossen vor antisemitischen Tendenzen wenig anzufangen wissen. Unter anderem Pau, Lederer oder auch der Berliner Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich haben sich klar geäußert. Zu ihren Kritikern zählt beispielsweise der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete Hunko. Er nannte den Parteivorstandsbeschluss "eine Posse" und sieht eine "wabernde Unschärfe und assoziative Vermengung der Begriffe ‚Querfront‘, ‚Nationalismus‘, ‚Verschwörungstheorie‘ und ‚Antisemitismus‘". Hunko sagt: "Diese Begriffe werden inzwischen mit einer erschreckenden Leichtigkeit und oftmals ohne jede ‚Beweisführung‘ verwendet, um politische Gegner zu diffamieren."

Oskar Lafontaine [...] nahm in einem Facebook-Eintrag positiv Bezug auf Hunko und schrieb: "Begriffe wie ,Verschwörungstheoretiker' oder auch ,Querfront' stammen aus dem Arsenal der Geheimdienste." Als gäbe es eine Gedankenpolizei, würden Meinungen, die man nicht teile, von einzelnen Mitgliedern des Parteivorstands "diffamiert, ausgegrenzt und geächtet". Lafontaine warnte: "Die Ausgrenzung missliebiger Meinungen hat in der Linken eine ungute Tradition."

Wie der aktuelle Streit ausgeht, ist offen. Bei den Wortmeldungen in der Linken wechseln sich Für und Wider ab.

...


Aus: "Querfront-Debatte spaltet die Linke" Matthias Meisner (14.12.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/preis-fuer-ken-jebsen-querfront-debatte-spaltet-die-linke/20695688.html (http://www.tagesspiegel.de/politik/preis-fuer-ken-jebsen-querfront-debatte-spaltet-die-linke/20695688.html)

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[...]  Oskar Lafontaine hält den Begriff „Querfront“ für eine Erfindung der Geheimdienste.

Katja Kipping: So einfach kann man es sich nicht machen. Rechte ziehen immer Konfliktlinien entlang von ethnischen Linien, Linke entlang von sozialen oder ökonomischen Konflikten. Und Querfrontler versuchen genau diese Unterscheidung zu verwischen. Und wenn es um die Suche nach der geheimen Weltregierung geht – das ist in einem Roman von Dan Brown sicherlich unterhaltsam zu lesen. Aber politisch hilft das nicht weiter, sondern lenkt ab von dem notwendigen Konflikt zwischen oben und unten.

Prominente Linke wie Diether Dehm beklagen, dass kritische Geister allzu leichtfertig als Querfrontler kritisiert würden.

Ach, Diether Dehm. Er schreibt übrigens gute Bücher. Seinen Roman „Bella Ciao“ habe ich wirklich gern gelesen. Er sollte viel mehr solche Bücher schreiben.

Das ist aber ein vergiftetes Kompliment.

Nein, nein, das sage ich jetzt als studierte Literaturwissenschaftlerin. Und als Parteivorsitzende habe ich gelernt, dass es gut ist, immer die besonderen Fähigkeiten von Menschen zu sehen. Und zu Diethers Stärken gehört sein literarischer Schreibstil.


Aus: "Katja Kipping über die Zukunft der Linken: „Ja, vereint im Dagegen“" (13. 12. 2017)
Quelle: https://www.taz.de/Katja-Kipping-ueber-die-Zukunft-der-Linken/!5467752/ (https://www.taz.de/Katja-Kipping-ueber-die-Zukunft-der-Linken/!5467752/)

Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on December 14, 2017, 01:33:56 PM
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[...] Es gibt keinen Antisemitismus in Deutschland. Es gibt brennende israelische Fahnen vor der US-amerikanischen Botschaft. Es gibt Straftaten, deren Hintergrund die Ermittlungsbehörden als antisemitisch bezeichnen – 1366 im Jahr 2015, davon 35 Gewalttaten gegen Juden.

Es gibt Demonstrationen in deutschen Städten, auf denen Palästinenser und sogenannte linke „Israelkritiker“ mit „Sieg Heil“-Rufen und der Parole „Juden ins Gas“ durch die Straßen ziehen. Aber Antisemitismus gibt es in Deutschland nicht. Denn eine Beleidigung, ein Faustschlag, ein Verbrechen, denen Juden zum Opfer fallen, weil sie Juden sind, ist deshalb noch keine antisemitische Tat. Warum?

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm erklärt es seit Jahren folgendermaßen: „Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben.“ Solange also der Parole von Palästinensern und deutschen „Israelkritikern“, die Juden ins Gas zu schicken, nicht Folge geleistet wird, hat der Antisemitismus in Deutschland keine Chance.

Sollten Juden eines Tages wieder gezwungen werden, mit einem gelben Stern durch die Straßen zu laufen, könnte Dehm darin keinen Antisemitismus erkennen, selbst Konzentrationslager erregten in ihm keinen einschlägigen Verdacht. Sollten aber die Nachfahren einst in Auschwitz-Birkenau, Belzec, Sobibor und Treblinka ermordeter Juden in hochmodernen Gasöfen innovativer Vernichtungslager verschwinden, würde Dehm – so ist zumindest zu vermuten – machtvoll seine Stimme gegen den Antisemitismus erheben und dem Massenmord eine Absage erteilen. Bis dahin aber kennt Dehm – und mit ihm viele andere – nur legitime „Israelkritik“, keinen Antisemitismus in Deutschland.

Man könnte auch sagen: Solange Figuren wie Dehm glauben bestimmen zu können, was Antisemitismus ist, hat der Antisemitismus in Deutschland keinen Widerstand zu fürchten. So lange ist auch Kritik an der israelischen Regierung kaum möglich, ohne in den Verdacht zu geraten, Antisemit zu sein. „Israelkritik“ ist eine Maskerade der Antisemiten vom Schlage Dehms.

Im Sinne Dehms ist der einschlägig bekannte Journalist Ken Jebsen kein Antisemit, sondern Israelkritiker, denn er fordert keine Neuauflage des Holocaust, vielmehr hält er den Juden vor, in Palästina eine „Endlösung“ anzustreben – diesmal an den Palästinensern. Dafür soll er am heutigen Donnerstag im Berliner Kino Babylon mit einem Preis für „Engagierte Literatur und Publizistik“ ausgezeichnet werden, die der ebenfalls im Sinne Dehms israelkritische Blog Neue Rheinische Zeitung vergibt.

Dagegen hatte Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) öffentlich protestiert: „Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet.“ Mit seinem Versuch, die Veranstaltung im vom Senat subventionierten Kino zu verhindern, scheiterte er vor Gericht.

Auch der Beschluss, mit dem sich der Bundesvorstand der Linken hinter ihn stellte, nützte dem Senator nichts. Zwar hieß es darin, der Vorstand distanziere sich „unmissverständlich von Aktivitäten von Rechtspopulisten, Nationalisten, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten, die rechtspopulistische Welterklärungsmuster und ‚Querfront‘-Strategen salonfähig machen wollen“.

Aber erstens sehen das etliche Vorstandsmitglieder durchaus anders: Der Beschluss erging mit 18-Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen. Zweitens richtete sich der Beschluss – soweit er die „Querfront-Strategen“ betraf – gegen etwas, von dem die Linken-Ikone Oskar Lafontaine behauptet, es handele sich um eine Phantasmagorie, um eine Fiktion, um eine „Erfindung“ von Geheimdiensten (CIA? Mossad?). Das hätte Dehm, ein Vertrauter der Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, der Ehefrau Lafontaines, nicht besser formulieren können.

Querfront? Das ist die Bereitschaft von Rechten, für einen Augenblick von ihrem Hass auf Moslems, und von Linken, für einen Augenblick von ihrem Hass auf Rechte abzusehen, wenn der gemeinsame Hass auf Juden ihr Zusammengehen verlangt. Wer die Existenz der seit Jahren agierenden „Querfront“ bestreitet, der muss auch den Antisemitismus in Deutschland zur Fiktion erklären. Wie das funktioniert, weiß niemand besser als Dehm.

Die Querfront wird heute vor der Parteizentrale der Linken am Rosa-Luxemburg-Platz gegen den Vorstandsbeschluss protestieren. Einige Linken-Politiker haben die Aktion als „widerwärtig“ kritisiert und als „Schlag ins Gesicht der Partei“. Jedenfalls ist sie der beste Beweis, dass der Antisemitismus in Deutschland kein „Import“ der vergangenen Jahre ist, keine Folge der Migration aus der arabischen Welt. Er war noch nie auf ausländische Hilfe angewiesen. Schon immer hat er auf deutschem Boden und im Bewusstsein vieler Deutscher eine sichere Heimstatt gefunden. Er ist eine deutsche Tradition.

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Manuel Schlestein

Der Artikel grenzt schon an Volksverhetzung ... mit der Argumentationsweise kann ich auch behaupten das

- Roma und Sinti eine Tradition zur Kriminalität haben
- Polen eine Tradition zum Autoklau
- Moslems eine tradition zur Frauenunterdrückung
- Juden eine Tradition zum andere Leute ihr Geld aus der Tasche ziehen

das wäre dann alles genauso fundiert. Dabei ist das eine wie das andere Blödsinn


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hans.harz

Antisemitismus ist 2000 Jahre alt und wurde meiner Ansicht nach hauptsächlich von der christlichen Kirche geschürt.
Der Antijudaismus ist der entsprechende Vorläufer, ab dem 18. Jahrhundert spricht man von Antisemitismus.
Die Kirche bezeichnete Personen jüdischen Glaubens als "Christusmörder" und ließ sie dafür verfolgen.
Was genau Personen muslimischen Glaubens antreibt, weiß ich nicht, ich vermute, es hängt mit der Schaffung des Staates Israel zusammen und der aggressiven Expansionspolitik, die dieser Staat betreibt, aber genau weiß ich es nicht.
Was aber hier klar wird ist, dass es ein weiteres Problem ist, dass von so genannten "Gläubigen" verursacht wird, egal was sie glauben!
Was aber auch klar wird ist, dass mittlerweile Antisemitismus mit Kritik am Staat Israel gleichgesetzt wird.
Das Verbrennen von israelischen Fahnen ist für mich kein Antisemitismus, weil es, ob in angemessener Weise oder nicht sei einmal dahingestellt, den Staat Israel kritisiert und NICHT eine religiöse Gemeinschaft!
Israel IST NICHT gleich Judentum!
Es gibt in Israel auch Personen, die nicht jüdischen Glaubens sind und trotzdem Einwohner dieses Staates sind.
Es ist allerdings so, dass man in Israel und auch in anderen Ländern, Antisemitismus als willkommenes Vehikel benutzt, um Kritik abzuwehren bzw. Kritiker zu verunglimpfen.
Es ist sicherlich so, dass es durch jahrhundertelange Wiederholungen durch die christlichen Kirchen, dass "die Juden" an allem Schuld sind, eine Prägung eingetreten ist, und massiv Vorurteile geschürt wurden und WERDEN!
Auch stimmt es, dass es immer wieder Idioten gibt, die ihre dumpfen Parolen und Verschwörungstheorien verbreiten dürfen.
Aber deshalb sollte man trotzdem zwischen berechtigter Kritik an einem Staat und unberechtigten, ggf. strafbaren Äußerungen gegen eine Glaubensgemeinschaft unterscheiden.


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Bernemer

Ja, Antisemitismus ist eine deutsche Tradition. Und seien wir ehrlich, er war auch nach dem 2. Weltkrieg tief in der Gesellschaft verwurzelt, gerade im Kleinbürgertum und - man muss es sagen - auch in der Arbeiterschaft. Er durfte glücklicherweise nicht ausgelebt werden, außer an den Stammtischen zu fortgeschrittener Stunde und oft mit entsprechendem Alkoholpegel. Dann wurde auch mal vom Leder gezogen über Israel und die "reichen Juden in New York" und überhaupt. Dieselben Leute forderten damals wahrscheinlich an denselben Stammtischen auch für die RAF-Terroristen die Todesstrafe. Aber was taten die ins Terroristenmilieu abgeglittenen 68er? Sie entführten Flugzeuge und erschossen Menschen, weil sie Juden waren ("Operation Entebbe") aus angeblicher Solidarität mit der PLO und begründeten damit den Anitsemitismus von dem, was sie links nennen. Und trotzdem dürfen wir den Blick nicht verschließen, dass sich heute eine neue Komponente von Antisemitismus dazu gesellt hat. Dieser Antisemitismus ist leider auch in der islamischen Community in Deutschland weit verbreitet und ist beileibe nicht auf Anhänger der IS beschränkt. Und Leute wie Erdogan heizen ihn so an wie Trump die Islamphobie anheizt. Dass in der deutschen Rechtspopulistenszene Antisemitismus und Islamphobie einhergehen, ist evident. Es darf allerdings nicht dazu führen, dass aufgrund der besonderen Situation in Deutschland der Blick auf die anderen Formen des Anitsemitismus vernebelt oder relativiert wird oder gar Abstufungen von Antisemitismus vorgenommen werden. Wer diese Realitäten nicht anerkennen will, dem empfehle ich, mal Fußballspiele von Clubs mit dem Namen Makkabi anzuschauen. Mir ist es egal, von wem Antisemismus, Islamphobie, Homophobie oder Hass auf christliche Werte ausgeht. Intoleranz ist entschieden zu bekämpfen.


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Hausmeier, frank und frei

Merken Sie, Herr Bommarius, immer noch nicht, daß Sie mit solchen unsortierten Beiträgen genau den Querfrontlern und den Nazis, die aktuell ihren Haß gegen Muslime versprühen und sich vorübergehend ein Feigenblatt des "Philosemitismus" anlegen, in die Karten spielen? Natürlich hat Lederer Recht und natürlich irrlichtert Dehm nach wie vor. Aber nicht die, die gegen die vorgeblichen Israelfreunde angehen, sind hier die Antisemiten, sondern die schlichten Gemüter von ganz rechts, die es geil finden, ihren Haß auf eine neue Opfergruppe auszugiesen und sich selbst mit einem heuchlerischen Antisemitismusvorwurf gegen Nichtrassisten exkulpieren!

Und natürlich sollten Sie nicht hinterhältig mit Kritik an Israelischer erzkonservativer Politik umgehen. Wer das Siedlungsprogramm kritisiert, sagt doch nicht, "das ist ein typisch jüdisches" Vorgehen, denn das ist es nicht und so etwas gibt es nicht. Aber es ist ein typisches Verhalten aus dem Ruder gelaufener reaktionärer Nationalisten, solchen, wie wir sie auch hier noch immer im Übermaß ertragen müssen und, hier schließt sich der Kreis, mit denen gerade Sie sich, ob Sie es wollen oder nicht, gemein machen!

Sehr enttäuschend, Herr Bommarius, denn mitunter können Sie ja auch sehr differenziert argumentieren!


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EgoBurst Hausmeier, frank und frei

"Aber nicht die, die gegen die vorgeblichen Israelfreunde angehen, sind hier die Antisemiten"- Billig sind Pauschalaussagen über ganze Gruppen und Vorurteile. Dümmlich ist sowas, wenn man Individuen in Gruppen einteilt und Alle in einen Topf wirft und dann mit den Finger zeigt und postuliert "Die sind so und die sind nicht so".


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Frittenfett

Ein wirklich gelungener und informativer Artikel. Wer noch Zweifel an der Kernaussage hat, dass Antisemitismus in Deutschland kein muslimischer Reimport ist, sondern quer durch alle Schichten und politischen Lager (Querfront) nach wie vor virulent, dem empfehle ich Tuvia Tenenboms "Allein unter Deutschen". Das Buch ist weder repräsentativ, noch journalistisch akkurat, dafür sehr amüsant geschrieben und mitten aus dem Leben. Er begibt sich auf die Straße, spricht mit den Leuten und provoziert sie in der Regel zu entlarvenden Aussagen.


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Aus: "Querfront: Antisemitismus ist eine deutsche Tradition" (13.12.2017)
Quelle: http://www.fr.de/politik/meinung/leitartikel/querfront-antisemitismus-ist-eine-deutsche-tradition-a-1406646,0#artpager-1406646-0 (http://www.fr.de/politik/meinung/leitartikel/querfront-antisemitismus-ist-eine-deutsche-tradition-a-1406646,0#artpager-1406646-0)
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on December 14, 2017, 01:46:01 PM
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[...] „Man muss gegen Willkür und Terror auf die Straße gehen, sich wehren, mutig sein, nicht weggucken. Egal, gegen wen es geht, wenn Juden attackiert werden, wenn gegen Türken oder Muslime vorgegangen wird, wenn Frauen verprügelt oder Homosexuelle gebasht werden. Wenn also irgendwo Intoleranz hoffähig gemacht werden soll, wenn der Rechtsstaat einknickt, die Demokratie versagt – wenn Willkür zum Terrortool wird. Dann muss man sich für die, die es trifft, ins Zeug legen. Das ist meine humanistische Grundhaltung.“

Ein gutes Zitat. Aber wer hat es gesagt? Es war: Ken Jebsen.

Derselbe Ken Jebsen, der uns immer wieder als Neurechter, als Antisemit, als Hetzer, Querfrontler und Demagoge präsentiert wird? Ja, genau der.

Auch der Berliner Kultursenator Klaus Lederer hält diesen Ken Jebsen offenbar für extrem gefährlich. Er sieht bei ihm die Grenzen der Meinungsfreiheit klar erreicht und hat deswegen eine Preisverleihung im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz mit Drohungen gegen die Betreiber zu verhindern versucht.

... die Linkspartei ringt mit sich selbst, wie sie mit der Aktion ihres Kultursenators umgehen soll. Wir wollen den Mitgliedern dieser Partei zurufen: Bleibt der Tradition von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg treu! Lasst Euch nicht zum Sprachrohr der NATO-Strategen machen! Lasst uns gemeinsam gegen Krieg und Aufrüstung mobilisieren!

Übrigens ist auf dem Rosa-Luxemburg-Platz auch eine Gegenkundgebung angemeldet worden. Wir stellen hiermit fest: Auch das gehört zur Demokratie! Auch das gehört zur Meinungsfreiheit!

Wir hoffen, dass diese Gegenkundgebung unsere angemeldete Demonstration nicht beeinträchtigen wird. Davon abgesehen müssen eben auch wir aushalten, dass es Leute gibt, die KenFM, die Neue Rheinische Zeitung, die NachDenkSeiten, Rubikon oder die neue Friedensbewegung ablehnen und ihre Kritik artikulieren.

... Es geht hier natürlich auch um Pressefreiheit. Ken Jebsen ist Journalist und wird nicht zuletzt bekämpft, weil er als solcher an Einfluss gewinnt.

Wenn es Lederer und Co. wirklich darum geht, dass Ken Jebsen rechts und rassistisch sei – was er selbstverständlich nicht ist! –, wundert man sich, dass Klaus Lederer etwa Zeitungen des Springerkonzerns problemlos für Interviews zur Verfügung steht, KenFM aber wütend bekämpft. Man wundert sich, dass er in einer Email den taz-Mitbegründer Mathias Broeckers – der den Idealen der taz treu geblieben ist! – als antisemitisch diffamiert, die taz von heute aber, die NATO-Angriffskriegen das Wort redet, als Mediengeschütz im Kampf gegen die neue Friedensbewegung nutzt.

Übrigens ist völlig klar, dass es auch in Sachen Meinungsfreiheit gewisse Grenzen geben muss. Man sollte logischerweie nicht öffentlich dazu aufrufen dürfen, eine andere Person oder Minderheiten zu ermorden. Menschen sollten auch vor Rufmord geschützt werden, sogar dann, wenn sie Ken Jebsen heißen. Und Faschismus ist für uns keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Dazu gehört für uns auch die Leugnung des Völkermordes an den Juden im Dritten Reich.

Generell halten wir es mit Bertolt Brecht, der zum Thema Meinungsfreiheit sagte: „Völlige Freiheit des Buches, des Theaters, der bildenden Kunst, der Musik, des Films – mit einer Einschränkung. Die Einschränkung: Keine Freiheit für Schriften und Kunstwerke, welche den Krieg verherrlichen oder als unvermeidbar hinstellen, und für solche, welche den Völkerhaß fördern.“

...

Florian Ernst Kirner, alias Prinz Chaos II., arbeitet als Kabarettist, Liedermacher und Blogger. Er ist seit seiner frühen Jugend politisch aktiv, vor allem in den Bereichen Antifaschismus, Friedensbewegung und internationale Solidarität. 2013 verfasste er mit Konstantin Wecker den „Aufruf zur Revolte“. Er lebt in Südthüringen, wo er auf Schloss Weitersroda ein Kultur- und Gemeinschaftsprojekt entwickelt.


Aus: "Für Demokratie und Meinungsfreiheit!" Florian Ernst Kirner (Donnerstag, 07. Dezember 2017)
Quelle: https://www.rubikon.news/artikel/fur-demokratie-und-meinungsfreiheit (https://www.rubikon.news/artikel/fur-demokratie-und-meinungsfreiheit)
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on December 23, 2017, 04:22:49 AM
"The Real Drama in “The Post” Isn’t About Journalism vs. the Government. It’s About Journalism vs. Capitalism." Jon Schwarz (December 22 2017, 2:30 p.m.)
Yes, Graham’s willingness to run stories based on the Pentagon Papers — in the face of a court injunction against the New York Times for first publishing excerpts days before – was courageous. Most importantly, the eventual Supreme Court ruling in New York Times Co. v. United States was a critical landmark in establishing that the First Amendment means what it says. Spielberg’s enormous bag of trickery can feel manipulative when he uses it to turn your emotions up to 11 about something imaginary and meaningless. But you actually should feel it deeply when Post editorial writer Meg Greenfield (Carrie Coon) is called with the decision and conveys it bit by bit to the rest of the newsroom.
But 46 years later we know the rest of the story about the Washington Post, Graham and Bradlee. And in retrospect everything about what happened then looks different.
https://theintercept.com/2017/12/22/the-real-drama-in-the-post-isnt-about-journalism-vs-the-government-its-about-journalism-vs-capitalism/


"Pentagon Official Once Told Morley Safer That Reporters Who Believe the Government Are “Stupid”" Jon Schwarz (May 20 2016, 4:54 p.m.)
Safer’s death should remind us of what the media consistently forgets. ...
https://theintercept.com/2016/05/20/pentagon-official-once-told-morley-safer-that-reporters-who-believe-the-government-are-stupid/


KenFM im Gespräch mit: Jens Wernicke ("Lügen die Medien?")
Published on Dec 22, 2017
Lügen die Medien?
Jens Wernicke gehört zu den mutigsten Journalisten der Republik. Was ihn seit Jahren umtreibt, ist der Niedergang der Meinungsvielfalt als einen wesentlichen Bestandteil der Demokratie. Mundtod gemachten Stimmen eine Chance geben, gehört zu werden, ist ein Sache, sich konkret gegen eine von neoliberalen Strukturen beherrschte Gesamt-Presse zu positionieren, eine andere. Wernicke betreibt mit dem Presseportal Rubikon eines der meinungsstärksten Kanäle in Netz. Der Name ist Programm. Der Rubikon wurde für Jens Wernicke spätestens mit dem 11. September 2001 überschritten.
Mit der Bush-Losung „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ wurde ein Universalwerkzeug in den Massenmedien erschaffen, das jederzeit und gegen jeden in Stellung gebracht werden kann und gebracht wird. Es geht um die vollständige Kontrolle der öffentlichen Meinung. Ins Fadenkreuz und damit zum Abschuss freigegeben wird jeder, der es wagt, öffentlich Herrschaftskritik zu äußern. Dabei spielt es keine Rolle, ob er es privat oder als professioneller Journalist tut. Auch ist es vollkommen unerheblich, auf welche Branche sich seine Kritik bezieht oder wie wasserdicht seine Fakten sind.
Jedwede Kritik, die an die Substanz des Systems geht, dieses als bigott und in Verbrechen verstrickt demaskiert, wird gnadenlos abgestraft. Das geschieht, wie in der Geschichte bewährt, über symbolische Handlungen. Wenn die Botschaft nicht passt, wird der Bote getötet, oder treffender, isoliert. Der Kopf der Pyramide setzt auf die ökonomische Vernichtung der letzten Vertreter einer wirklich freien, anzeigenunabhängigen Presse. Wer sich nicht der Blatt- oder Redaktionslinie beugt, wird einfach gefeuert oder sein Beschäftigungsverhältnis nicht verlängert. Eine innere Pressefreiheit existiert nur noch in Ausnahmefällen.
Nicht ohne Grund ist Jens Wernicke mit seinem Projekt Rubikon ins Internet ausgewichen und vertraut auf das Modell Crowdfunding. Der Erfolg ist enorm, aber vielen ein Dorn im Auge. Parallel dazu ist Jens Wernicke aber eben auch als analytischer Sachbuchautor in Erscheinung getreten. Sein aktuelles Werk „Lügen die Medien?“ befasst sich mit der eigenen Branche. Wernicke rechnet ab.
Obwohl die etablierte Presse das Buch „Lügen die Medien?“ flächendeckend versuchte totzuschweigen, wurde es 2017 zum Bestseller und stürmte die SPIEGEL-Verkaufscharts. Das ist kein Zufall. Im Buch lässt Wernicke zahlreiche namhafte Journalisten und Wissenschaftler ihre Meinung über das äußern, was man als Pressekrise bezeichnen muss.
Die Krise ist spürbar und hat mit dem Verlust von Vertrauen zu tun. Dass die Mainstreampresse Teil einer Propaganda-Maschine ist, ahnten selbst konservativste Konsumenten schon lange. Mit dem Aufkommen einer digitalen Gegenöffentlichkeit ist aus dieser Ahnung dann aber eine feste Gewissheit geworden. Immer mehr Leser oder Konsumenten gebührenfinanzierter Staatspresse erweitern ihren Horizont durch Informationsangebote aus dem Netz. Was bedeutet diese selbstbestimmte, geistige Mobilmachung für die Repräsentative Demokratie? Was bedeutet sie für die Zukunft der kontrollierten Presse?
Jens Wernicke zeigt sich im Gespräch mit KenFM als ein Mann, der die Welt nicht in schwarz und weiß teilt und der in der Krise immer auch eine Chance sieht. Eine Chance für echte Demokratie. Wir alle sind gefordert, uns den neuen Zeiten zu stellen.

https://youtu.be/B1bu7mf4W8A

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[...] Die Internetseite "linksunten.indymedia" wurde als Verein verboten. Das verletzt die Pressefreiheit, sagt eine Anwältin der Betroffenen und spricht von Rechtsbeugung. --- Der Bundesinnenminister hat im August 2017 die linksradikale Website linksunten.indymedia verboten – und dabei möglicherweise Gesetze gebeugt.
Da ist zuerst einmal das Verbot selbst. Die Website wurde mit der Begründung dichtgemacht, sie sei von einem Verein betrieben worden, der sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung richte, weil er es ermögliche, anonym linksradikale Propaganda und Gewaltaufrufe zu verbreiten. Grundlage war daher das Vereinsgesetz. Für viele Beobachter war das eine mindestens seltsame, wenn nicht sogar hochproblematische Entscheidung.
Es hätte immerhin passendere Gesetze gegeben, um illegale Inhalte auf einer Website aus dem Netz zu nehmen, nämlich das Telemediengesetz und den Rundfunkstaatsvertrag. Wenn jemand gegen das Strafrecht verstößt, müssen Diensteanbieter demnach mithelfen, das zu verhindern. Durch Löschung der Beiträge oder durch künftige Speicherung der Nutzerdaten beispielsweise.
Stattdessen erklärte das Innenministerium linksunten.indymedia zu einem Verein. Das kann man wahrscheinlich schon so machen, das Vereinsrecht ist sehr vage. Doch ist es ein gefährlicher Weg. So ist bis heute nicht klar, wer diesen Verein darstellt. Kristin Pietrzyk ist eine der Anwältinnen der Beschuldigten. Sie sagt, sie habe alle Akten dazu gesehen, aber sie verstehe nicht, warum ihre Mandaten überhaupt belangt werden sollen. Nirgendwo in den Ermittlungsakten gebe es eindeutige Hinweise darauf, warum das Innenministerium sie als Vereinsmitglieder und als Betreiber der Plattform betrachte.
Pietrzyk versucht, das Problem dabei mit einem Vergleich verständlicher zu machen: Die rechtsterroristische Gruppe Freital, gegen die derzeit ein Strafverfahren läuft, gründete eine Facebookseite. Auf der veröffentlichten die Rechtsextremen ihre radikalen Aufrufe und Fotos. Welches Mitglied der Gruppe Freital was gepostet hat, konnte bislang nicht festgestellt werden. Doch niemand sei auf die Idee gekommen, deswegen Facebook zu verklagen, sagt Pietrzyk. Dabei habe Facebook es ja auch möglich gemacht, anonym rechtsterroristische Hetze zu verbreiten. Die Seite der Gruppe Freital stehe sogar bis heute unverändert bei Facebook.
Was noch schwerer wiegt: Manche sind der Meinung, linksunten.indymedia müsste eigentlich als Blog oder als Medienplattform betrachtet werden und sei damit ein Pressemedium. So beschwerte sich kurz nach dem Verbot die Organisation Reporter ohne Grenzen. Hier werde ein journalistisches Portal durch die Hintertür des Vereinsrechts verboten, sagte damals Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen. Pressefreiheit gelte jedoch "auch für unbequeme, ja selbst für schwer erträgliche Veröffentlichungen".
"Ich würde sagen, es gibt gar keinen Verein Indymedia. Ich finde, das ist Presse", sagt auch Pietrzyk, die darüber beim Kongress des Chaos Computer Clubs in Leipzig einen Vortrag hielt. Das habe sogar das Innenministerium in den Akten zum Verfahren anerkannt, sei darüber jedoch anschließend hinweggegangen. Die Seite sei eindeutig von der Pressefreiheit geschützt gewesen, sagt Pietrzyk. Sie klagt daher gegen das Vereinsverbot vor verschiedenen Verwaltungsgerichten. Denn sollte das Verbot Bestand haben, bedeute das im Umkehrschluss, dass auch andere Medienangebote über den Umweg des Vereinsrechts belangt werden könnten. "Wenn das durchgeht, dann sind bald andere Blogs dran." Dabei ist die Pressefreiheit einst geschaffen worden, um zu verhindern, dass unbequeme Inhalte unterdrückt werden können.
Bedenklich ist in dem Verfahren gegen linksunten auch, dass die Bundesregierung offenbar nicht mehr zwischen Polizei und Geheimdiensten trennt. Gerichtsurteile mit Gesetzeskraft haben diese Trennung einst aus der Verfassung abgeleitet und festgeschrieben. Sie sollen verhindern, dass ein Geheimdienst aufgrund von Gerüchten gegen Menschen vorgeht. Daher darf nur die Polizei exekutiv handeln, Geheimdienste dürfen lediglich Informationen sammeln und die Zusammenarbeit der beiden ist eng begrenzt. Das Bundesinnenministerium aber scheint von diesem Trennungsgebot nichts mehr zu halten.
Das zeigt sich am Umgang mit den Dingen, die bei den Durchsuchungen im Rahmen der Ermittlung gegen linksunten.indymedia beschlagnahmt wurden. Alle nichttechnischen Unterlagen, also vor allem Zeitschriften, die sich bei Verdächtigen fanden, bekam das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Dabei hat das BfV laut dem Trennungsgebot in einem polizeilichen Ermittlungsverfahren nichts zu suchen.
... "Das Verbot ist ein Präzedenzfall", sagt Pietrzyk. Ohne Belege, allein aufgrund von Auswertungen des Verfassungsschutzes und obwohl mildere Mittel zur Verfügung gestanden hätten, werde gegen eine durch das Presserecht geschützte Plattform vorgegangen. "Das tut man aus politischen Gründen." Es habe ein paar wenige getroffen, "aber eigentlich waren viel mehr gemeint".

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information bubble jailbreak #2 

Nennen wir das Kind beim Namen: Indymedia ist eine Sammelplattform für ganz linke Linksextremisten. Straftaten werden dort angekündigt. Verabredet. Und dokumentiert.
Ein Verbot war lange Zeit überfällig. Wir dürfen den Feinden unserer Demokratie nicht so einen Spielraum geben.


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Fonzie #2.9

Grotesk .... die Frage ob Indymedia Straftaten ankündigt oder verabredet oder Sammelplattform ist steht doch dabei gar nicht zur Debatte. Wenn die gegen Recht verstoßen hat wird Recht angewandt.
Was hier zur Debatte steht ist, dass Recht gebeugt wurde oder sogar gegen geltendes Recht die Seite verboten wurde ... die Feinde der Demokratie sind in diesem Fall die, die die freiheitliche Rechtsordnung ignorieren und zudem z.B.polizeiliche Aufgaben durch Geheimdienste erledigen lassen.
Aber das merken Sie schon gar nicht mehr.

"Nach der Theorie von Pierre Bourdieu erfahren objektive Herrschaftsverhältnisse dann den letzten Schliff, wenn sie von den Menschen versubjektiviert, verdichtet und verabsolutiert werden, so dass sich die Menschen gar nichts mehr anderes als die gegebene gesellschaftliche Situation vorstellen können und ihre Repression als Schicksal hinnehmen, als Freiheit begreifen oder gar als Lust empfinden. Die zentrale Vermittlungsinstanz für diesen Subjektivierungsprozess ist der Staat."


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Schrdro #2.11

"Nennen wir das Kind beim Namen: Indymedia ist eine Sammelplattform für ganz linke Linksextremisten. Straftaten werden dort angekündigt. Verabredet. Und dokumentiert.
Ein Verbot war lange Zeit überfällig. Wir dürfen den Feinden unserer Demokratie nicht so einen Spielraum geben."

Der Punkt ist doch: Selbst wenn das stimmt, dann muss es rechtstaalich sauber geschehen. ...


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Kostja #2.15

Der Unterschied zwischen Facebook und Indymedia sind aber dann doch schon knapp 2 Milliarden aktive Nutzer. Facebook lässt sich nicht als Verein auffassen.
Für Facebook gilt übrigens auch seit neuem das NetzDG, wonach solche Inhalte, wie sie ja angeblich auf Indymedia gepostet wurden, gelöscht werden müssen.
Bei Indymedia ging man jetzt anscheinend davon aus, dass solche Inhalte gewünscht seien. Bei Facebook kann man das nicht unterstellen, das ist politisch ziemlich neutral. Der Vergleich hinkt also schon.
Ob der Vergleich auch juristisch hinkt wird dann jetzt ein Gericht klären. Dafür haben wir die ja.


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türöffner #3

Presse- und Meinungsfreiheit muss gewährleistet sein.
Linke Meinungen gehören dazu. Wo kommen wir denn hin, wenn alle nur noch die Meinung potenzieller Innenminister vertreten?


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Benjamin.Boesch #3.1

Sicher nicht die Meinung der Innenminister.
Aber wenn eine Website deutlich zu Gewalt aufruft, zum "entglasen" und mehr - dann gehört der Mist verboten. Rechts wie links.


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derwestenherne #3.2

Die Gruppe hat Fotos von Polizisten veröffentlicht und dazu aufgerufen Informationen, unter anderem auch Wohnort etc, über diese Polizisten bekannt zu machen, so dass man diese "besuchen" könne.

Welche Pressefreiheit?


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Sedlnitzky #3.12

"Linke Meinungen gehören dazu."

Gewaltaufrufe gegen Andersdenkende und die Veröffentlichung von deren Privatadressen aber nicht.


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Rollo der Wikinger #3.23

„Aufrufe zur Gewalt“ brauchen wir nicht.

Oder würden Sie es dulden, wenn rechtsextremistische Gewaltbereite zum „Abfackeln von Flüchtlingsheimen“ aufrufen?


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MidwayEques #8

Also ich vermisse diese Seite nicht. Eher eine Bereicherung. Der Entschluss, eine politische Seite schließen zu lassen, ist sicherlich immer hochproblematisch. So auch in Verbotsverfahren gegen rechte Seite, Vereine etc. Da tut sich auch das Bundesverfassungsgericht schwer.


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Dr. Günther #8.1

Möglicherweise würden Sie es aber vermissen, wenn "Compact" verboten würde? Sie sagen ja auch selbst, Presse zu verbieten ist immer höchst-problematisch. Aufrufe zu Gewalt sind natürlich zu verurteilen, aber ist es deswegen richtig, die gesamte Platform zu verbieten? Das wäre, wie wenn man "Compact" verbieten würde, weil manche Leute rechtsradikales Zeugs unter einen Artikel posten. Dann sollte man doch eher direkt diese Postings sperren, anstatt die Platform. Außerdem war die Seite "linksunten" natürlich auch eine Informationsquelle für Ermittler und eine wichtige Quelle über die Richtung, in die sich die Szene entwickelt.


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NoG #9

Meines Wissens bot diese Seite einen versteckten Teil welcher nur für szenegeprüfte Aktivisten des linksradikalen/ linksextremistischen Spektrums zugänglich war..
Sich ausschließlich als Presseorgan zu sehen, glauben die Aktivisten und deren Fürsprecher doch selbst nicht.



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Inseltroll #9.3

Das läuft jetzt eher unter ,, ich habe mal gehört das..." oder haben sie auch irgendetwas Handfestes?


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nano846a
#11  —  vor 5 Stunden 36

" Das Verbot von Indymedia hatte politische Gründe "

Natürlich. Eine politisch z.T. linksradikale Plattform inklusive Gewaltaufrufe wurde verboten. Das hat mit Politik und Rechtsstaat zu tun. Mit was sonst.
Entweder man legt bei der Meinungsfreiheit einen großzügigen Maßstab an. Muss dann für die verschiedensten politischen Ränder gelten, von links über rechts bis hin zu radikal-islamistischen.
Oder man legt eben einen engeren Maßstab an. Das ist bei indymedia passiert.


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Taiwan aka real China no. 1 and free Tibet #13.3

"Die Website war nichts anderes als eine linksradikale Hetzseite, die zudem Gewalt und Straftaten verherrlichte sowie Extremisten eine Platform bot."
Kein Rechtsstaat darf so etwas dulden:
Dieser offen nach Vergeltung gegen den Staat rufende Aktivismus gehört zur neuen Normalität bei „Linksunten“: Schon während der Auseinandersetzungen um die besetzten Häuser in der Rigaer Straße in Berlin hatten die Autonomen offen kommuniziert, sie würden ein Vielfaches der Schäden an „ihren“ Gebäuden und dem „Zentrum Kadterschmiede“ in der Stadt anrichten.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/was-bei-linksunten-indymedia-zu-finden-war-15168093-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_1



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Heinz Schäfer #17

Ich bin rechts. Aber ich bin gegen das Indymediaverbot in dieser Form. Zunächst hätte man erzwingen sollen, daß die Verantwortlichen erkennbar sind (Impressum) und belangt werden können. Dann könnte man im Einzelfall klären, ob Straftatbestände erfüllt wurden oder nicht. Generell hat nach unserem GG jeder das Recht, seine Meinung zu sagen (eine Zensur findet nicht statt). Das gilt für Linksextreme wie für jeden Anderen. Auch bei diesem Verbot wird ein Stück unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung abgebaut.


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tassentee #17.1

Ich bin links und finde das Verbot für extremistischen Müll sehr gut. :)


...


Aus: "Pressefreiheit: "Das Verbot von Indymedia hatte politische Gründe"" Kai Biermann, Leipzig (29. Dezember 2017)
Quelle:  http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-12/indymedia-linksunten-verbot-34c3/komplettansicht (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-12/indymedia-linksunten-verbot-34c3/komplettansicht)
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on January 06, 2018, 12:32:14 PM
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[...] Kaum gibt es irgendwo größere Proteste, wird das Netz von Verschwörungs-Experten geflutet, die ganz genau wissen, was läuft. Ein Kommentar

Liebe Verschwörungs-Experten,

im Sommer 2013 versammelten sich im Istanbuler Gezi-Park Demonstranten und protestierten gegen den geplanten Abriss des Parks. Die Polizei griff ein. Binnen weniger Tage weitete sich der Protest zu einem landesweiten Aufstand gegen die AKP-Regierung aus. Er wurde blutig niedergeschlagen.

Jahreswechsel 2017/2018: Im iranischen Maschhad gehen Demonstranten auf die Straße und protestieren gegen steigende Lebenshaltungskosten und wirtschaftliche Ungleichheit. Binnen weniger Tage weitet sich der Protest auf das ganze Land aus und richtet sich zunehmend gegen die religiös-konservative Regierung in Teheran. Die Revolutionsgarden reagieren mit Gewalt, es kommt zu Massenverhaftungen, mindestens 23 Menschen werden getötet, die Situation wird unübersichtlich.

Was haben diese beiden inhaltlich sehr unterschiedlichen Ereignisse - die ich deshalb herausgreife, weil ich über beide berichtet habe und berichte - gemeinsam, mal abgesehen von vergleichbaren Dynamiken? In beiden Fällen haben wichtige politische Akteure, gegen die sich der Zorn der Demonstranten richtete, das Ausland verantwortlich gemacht.

... Regelmäßig schwadronieren Diktatoren, die in Bedrängnis geraten, von ausländischen Verschwörungen. Um nichts in der Welt kämen sie auf die Idee, dass ihre Bürger tatsächlich unzufrieden sein könnten. Fehler einzugestehen und sie zu korrigieren ist ihnen fremd. Egal was passiert - immer sind die anderen schuld. Es ist eine Reaktionsweise, die längst vorhersehbar ist.

Große Zustimmung erhalten die Potentaten regelmäßig und wie aufs Stichwort in den Artikelforen jeglicher Medien, die über die Ereignisse berichten, in einschlägigen Verschwörungs-Blogs und YouTube-Kanälen, die, abgesehen von ihrer Überzeugung, dass "Mainstreammedien" grundsätzlich "Lügenpresse" sind, eines eint: Die feste Überzeugung, den totalen Durchblick zu haben. Das geht mitunter so weit, dass es religiöse Züge annimmt. Ein paar Beispiele der letzten Tage:

    Der nächste "Regime-Change" der USA. Wie immer mit vielen Lügen, Millionen von Toten und einer widerlich velogenen[sic] deutschen Regierung.
    Forum Spiegel Online am 1. Januar 2018

    Wieder ein US-gesteuerter Regime-Change-Versch[sic] für "Frieden, Demokratie und Freiheit", in Wahrheit natürlich nur um eine US-Puppet installieren zu können.
    Forum Telepolis, 1. Januar 2018

    Da werden von außen, gemeinsam mit Israel, "spontane" Proteste organisiert, medienwirksam aufgebläht, und dann wird weiter Öl in die bescheidene Glut gegossen.
    Forum Telepolis, 1. Januar 2018

Und so weiter. Im Brustton der Überzeugung. Hinzu kommen Unzählige, die Derartiges zwar nicht als Fakt formulieren, aber doch so, dass man merkt: Eigentlich sind sie davon überzeugt, dass es anders gar nicht sein kann. Eine weitere Gemeinsamkeit: Schuld an allem Übel in der Welt sind stets die USA und Israel.

... Oft wird von der Verschwörungsfraktion dieser Tage auf ein Interview verwiesen, das US-General Wesley Clark vor mehr als zehn Jahren gab und in dem er verrät, dass die Bush-Administration schon vor dem Irak-Einmarsch Pläne für Umstürze in weiteren Ländern, darunter Iran, gehabt haben soll.

Auf die Idee, dass es sich dabei nicht um festgefügte Vorhaben, sondern um Planspiele handelte, die irgendwo zwischen 2002 und heute längst begraben wurden, kommt Ihr, liebe Verschwörungs-Experten, nicht. Nein, im Gegenteil. Ihr seht in diesen Aussagen von 2007 den unumstößlichen Beleg dafür, dass die USA hinter den Demonstrationen stehen und - auch oft angebracht - ein zweites Syrien schaffen wollen.

Den Verdacht des Unseriösen oder gar der Propaganda machen zahlreiche Kommentatoren aber auch an anderen Aspekten - nicht nur dem Faktum, dass die ihrer Überzeugung nach unumstößlichen Wahrheiten ungenannt bleiben - fest. Zum Beispiel daran, dass über die Proteste in Iran nun so groß berichtet wird, während Proteste in manchen anderen Ländern oft nur Radnotizen bleiben oder jedenfalls weit weniger intensiv verfolgt werden.

... Es gibt Fälle, in denen Redaktionen händeringend Experten suchen. In anderen Fällen können sie auf einen ganzen Pool zurückgreifen. Auch so kommen Aufmerksamkeitsschwankungen zustande.

Ihr, liebe Verschwörungs-Experten, greift jede Auslassung auf und seid Euch sicher: Dies und jenes wird nicht erwähnt oder thematisiert, weil es von der großen, allmächtigen Medienkontrollinstanz, von deren Existenz Ihr überzeugt seid, nicht gewollt ist. Denn würde Aspekt X oder Y eingebracht, würde ja die "Propaganda" nicht funktionieren.

Eine zunehmende Berichterstattung über ein bestimmtes Thema missinterpretiert Ihr als eine mediale Zustimmung zu der von Euch herbeifantasierten Regime-Change-Verschwörung, die Ihr so empörend findet, dass Ihr Euch mit Diktatoren gemein macht.

Dabei haben Auslassungen meist ganz banale Gründe. Einer ist sicher, dass ein Journalist möglicherweise nicht dieselben Aspekte für relevant erachtet wie Ihr und daher seine Beiträge anders gewichtet, als Ihr es gerne hättet (Disclaimer: Es ist nicht die Aufgabe von Journalisten, das zu schreiben, was die Leser gerne hören möchten.).

Ein anderer liegt in der Stringenz von Texten: Exerziert man jeden noch so kleinen, das Thema tangierenden Aspekt mit durch, dann zerfasert die Berichterstattung. Für die Mehrheit der Leser wäre das ermüdend. Im Print geht es hingegen gar nicht anders: Da der Platz begrenzt ist, ist man gezwungen, zu gewichten.

Dass man dabei auch mal Fehlentscheidungen trifft, versteht sich von selbst - natürlich sind Journalisten und Redakteure nur Menschen, und die machen Fehler.

Ist auch nicht weiter schlimm, denn: Wir leben zum Glück (und ganz im Gegensatz zu Iran oder Türkei) in einem Land mit größtmöglicher medialer Freiheit. Wir haben ein Medienspektrum, das vom ganz linken bis zum ganz rechten Rand reicht, und zahllose Graustufen bilden den seriösen Journalismus in der Mitte. Soll heißen: Wenn Euch bei Telepolis eine Information fehlt, wird sie Euch nicht vorenthalten.

Es gibt garantiert in der Vielfalt ein Medium, das das von Euch gewünschte Thema behandelt. Ja, es gibt sogar Medien, die ins selbe Horn blasen wir Ihr in Euren Kommentaren. Diese Medien sind zwar allein deshalb nicht ernstzunehmen, weil sie jegliche Regeln journalistischen Arbeitens ignorieren (so sie sie überhaupt kennen), aber sei's drum. Medienfreiheit heißt eben auch: Man darf sogar größtmöglichen Unsinn verzapfen.

Sehr enttäuscht und mit empörtem Unterton trug vor einer Weile einmal ein Leser eine Frage an mich heran, als er mich nach einem Vortrag ansprach: Warum wir Journalisten denn nie auf die vielen wichtigen Hinweise in den Artikelforen eingehen. Ähnliches fand sich dieser Tage auch im Telepolis-Forum wieder. Liebe Verschwörungs-Experten, ich muss Euch jetzt leider eine bittere Tatsache mitteilen: Die allermeisten Kollegen lesen Forenkommentare selten bis nie.

Die Gründe dafür sind vielfältig, aber denkbar einfach: Zum einen fehlt uns meist schlicht die Zeit. Bei oft Hunderten, teils Tausenden Kommentaren ist es unmöglich, all das zu lesen. Und Ihr werdet verstehen, dass auch Journalisten manchmal Feierabend machen möchten. Der andere Aspekt, weshalb Forenkommentare nicht gut gelitten sind, ist der Umgangston, der ihnen (nicht immer, aber leider doch überwiegend) innewohnt.

Was sich da tagtäglich an Gehässigkeit, Hetze und Beschimpfungen ins Netz ergießt ist nichts, was man sich regelmäßig antun möchte. Höchst bedauerlich ist dabei, dass in diesem Tonfall, aus der Sicherheit der Anonymität hinausposaunt, die durchaus auch vorhandenen, sachlich-argumentativen Leserbeiträge untergehen.

Man wird das Gefühl nicht los, dass viele die Gelegenheit des Internets nutzen, all die angestaute Wut und den Alltagsfrust einmal loszuwerden. Das mag von Fall zu Fall nachvollziehbar sein. Konstruktiv und dem Erkenntnisgewinn dienlich ist es hingegen in der Regel nicht. Schade eigentlich...

Vielleicht mag der eine oder andere von Euch nun einmal mit mehr Fingerspitzengefühl zu Werke gehen. Ich bin allerdings wenig optimistisch. Aber wer weiß. Als Journalist bin ich, wie auch die meisten Kollegen, die ich kenne, neugierig. Und lasse ich gern überraschen...

In diesem Sinne, mit den besten Grüßen Gerrit Wustmann (Gerrit Wustmann)

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     maningi, 05.01.2018 16:51

@Gerrit Wustmann: ein ernstgemeinter u. konstruktiver Vorschlag !

Sehr geehrter Herr Gerrit Wustmann, ich gebe Ihnen gerne einen Tip. Googeln Sie bitte den Namen Sibel Edmonds, eine in den USA lebende Frau, die aus dem Iran stammt, dann einige Jahre in Aserbaidschan und der Türkei lebte, bevor sie in die USA emigrierte.

Dort wurde Sibel Edmonds nach 9/11 von der FBI rekrutiert, um heimlich abgefangene Informationen aus dem Kaukasusgebiet zu übersetzten (sie spricht die Sprachen dort) und später zu analysieren und Memos darüber zu verfassen.

Frau Sibel Edmonds wurde zur Whistleblowerin, als sie Fälle von großer Korruption an ihre Vorgesetzten, später an Kongressmitglieder und den Justizminister weiterleitete, aber erst ignoriert wurde bzw. dann gegen sie agressiv vorgegangen wurde (Hausarrest, Hausdurchsuchung, Gag-Order d.h. Redeverbot). Sie kämpfte jahrelang für ihre Grundrechte, gründete einen Whistlebower-Verband, dann eine Webseite (Boiling Frog ---> heute Newsbud) und berichtet auf YT-Videos seit Jahren von der Region, und zwar auf Grundlage von ihrer Zeit beim FBI, Geheimdienstinformationen, Dokumenten, persönlichen Kontakten, alles hinterlegt mit Quellenangaben etc., also erstklassiger seriöser Journalismus.

So berichtete sie auch über die Istanbuler Gezi-Park Demonstrationen oder über den Putsch Juli 2016.
Sie werden staunen, was sie da alles erfahren können, wenn sie nur wollen.

Noch ein Tipp: es lohnt sich (neben J. Assange oder Snowden) folgende Whistleblower etwas näher anzuschauen (bzw. deren Vorlesungen/Vorträge anzuschauen):

a) William (Bin) Binney (ex-technischer Direktor der NSA);
b) Scott RItter (ex-Waffeninspektor im Iraq)
c) Ray McGovern (ex-CIA Analyst, jahrelang Breefings für US-Präsidenten);
d) John Kiriakou (ex-CIA)
e) Craig Murray (ex-UK-Botschafter)
f) usw.

Alle angeführten Personen sind absolut integer und glaubhaft und haben dafür jahrlang repressive Verfolgung ihrer Regierung standhalten müssen.
Ich bin mir (fast sicher), sie werden Ihre Haltung zu diesen "Verschwörungstheoretikern" revidieren müssen, im Gegenzug aber wervolle Erkenntnise hinzu gewinnen.
Die Welt ist viel komplexer, als sie es gegenwärtig wahrnehmen, was Ihnen gegenüber nicht als Vorwurf gemeint ist, sondern als "Anregung" sich dieser Komplexheit zu stellen.

Alles Gute für 2017,

a


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     Glückauf, 05.01.2018 14:51

Je nach Autor lesen die allermeisten Foristen die TP-Artikel selten bis nie.

Die Gründe dafür sind vielfältig, aber denkbar einfach: Zum einen fehlt uns meist schlicht die Zeit. Bei oft Hunderten, teils Tausenden Artikeln ist es unmöglich, all den Schund auch noch zu lesen. Und Ihr werdet verstehen, dass auch Foristen manchmal arbeiten müssen. Der andere Aspekt, weshalb Artikel nicht gut gelitten sind, ist die einseitige Berichterstattung und die schlechte Recherche, die Sie (nicht immer, aber leider doch überwiegend) abliefern.


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     Zockerjoe, 05.01.2018 15:09

Mutig

Ausgerechnet Telepolis, wo Herr Brökers sein 9/11 Quatsch oder Herr Kompka mit einen Haufen JfK Bullshit nerven darf, mokiert sich über Verschwörungsspinner.
Ich habe eher den Eindruck, das diese Leute hier gezielt angefüttert werden, eine Form von clickbaiting also.


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     Mausklicker, 05.01.2018 15:40

Lieber Gerrit

Du hast mich überzeugt. Alle Kriegslügen der Vergangenheit sind vergeben und vergessen. Die Mächtigen sind geläutert und haben Besserung gelobt. Mit Trump und zukünftigen Politikern können wir gewiss sein, dass niemals wieder mit Lügen oder Geheimdienstaktionen ein Krieg oder Regimechange angezettelt wird. Wurde ja auch vorher schon nicht... alles VT. Schliesslich geht es um FREIHEIT und MENSCHENRECHTE, nichts anderes!!!
In Zukunft werde ich DIE WAHRHEIT(tm) der ÖR nicht mehr hinterfragen und GLAUBEN! Ich bin vom rechten Weg abgekommen.
Danke für diesen sinnstiftenden und lebensbereichernden Artikel.
Notfalls werde ich meine Kinder zur Verteidigung der Freiheit in jedes Land schicken, welches der weltweiten Durchsetzung von Freiheit im Wege steht.
Danke nochmals!

klick

PS.: die Stipendien aus Staatsmitteln waren bei Dir gut angelegt.


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     TimothyX, 05.01.2018 16:20

Wir sollten endlich anfangen über Verschwörungsleugner zu sprechen!

Über die Verschwörungstheoretiker wurde sich ja nun bereits zu Hauf der Mund zerrissen. Da wird es Zeit, endlich einmal auch die andere Seite genauer unter die Lupe zu nehmen und auf jene ein Schlaglicht zu werfen, die unetwegt daran arbeiten Verschwörungen zu verharmlosen, zu verleugnen oder zu verschleiern.

Verschwörungsleugner sind nicht die Verschwörer selbst, sondern jene die gewollt oder ungewollt die Verschwörer vor dem Licht der Öffentlichkeit beschützen - und damit vorrangig Journalisten.

Wer sind diese Leute? Was treibt sie an? Warum versuchen sie jegliche Beweislage zu relativieren und jene, die Theorien aufstellen und Beweise vorlegen, zu diskreditieren? Stellen diese Personen eine Gefahr für die Demokratie dar, indem sie Verschwörer decken und verhindern, dass sich diese für ihre Intrigen verantworten müssen?

Ob man sie nun Verschwörungsleunger, Verschwörungsrelativierer oder Verschwörungsverhamloser nennen mag, sei dahingestellt.



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     sleepdoc, 05.01.2018 16:43

Re: Wir sollten endlich anfangen über Verschwörungsleugner zu sprechen!

Menschen, die auch noch an Narrativen festhalten, auch wenn alle Indizien gegen diese sprechen, haben sich eben in einer gewissen Behaglichkeit eingerichtet, an der sie unter allen Umständen festhalten. Gäben sie die einmal gefassten Standpunkte auf, müssten sie letztendlich einen Teil ihres eigenen Lebens neu schreiben. Wer sich noch an Max Frischs „Gantenbein“ erinnert, kann nachvollziehen, dass es einfacher ist, eine Rolle, für die man sich einmal entschieden hat, immer weiter zu spielen, als einen Cut in seiner eigenen Biografie zu ertragen.
Das erklärt, warum Storys wie Osama und die 19 Teppichmesser, der arabische Frühling und eben auch die iranische Eierpreis-Revolte sich so hartnäckig halten.


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     Sci Phoenix, 05.01.2018 21:32

Um es mit den Worten von Golineh Atai zu sagen: Diese (Charme-) Offensive kam leider viel zu spät.

Die "Journalisten" glauben, dass der Widerstand der Leser keine Grassroots-Bewegung sei, sondern von (vorzugsweise ausländischen) Agitatoren über soziale Medien und Fake-News erzeugt wurde. (Wer hier Parallelen zur Bewertung von anderem Aufruhr sieht...)

Ich habe "ganz normal" Mainstream-Nachrichten geguckt und habe ohne jede externe Quelle gedacht: "Das hat aber alle Anzeichen von Propaganda". Dann habe ich geglaubt, dass ich ein einsamer Irrer bin, der als einziger die Nachrichten nicht versteht. _Danach_ habe ich im Internet gesucht, ob ich mit dieser Meinung wirklich alleine bin und Telepolis, Propagandaschau etc. gefunden.

Und liebe "Journalisten" durch Beleidigungen, Unterstellungen und Argumentation frei von Logik, die bestenfalls extreme Verschwörungstheorien mit rational möglichen Verschwörungstheorien gleichzusetzen versucht, werdet ihr mich nicht zurückgewinnen.

Aber der Typ liest ja aus Prinzip keine Kommentare zu seinen eigenen Texten.


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     nomore, 06.01.2018 00:13

Forentenor beweist, daß G. Wustmann voll ins schwarze getroffen hat. BINGO !

Kein weiterer Beitrag. Heute nicht mehr.


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     BlackfireFX, 06.01.2018 00:50

Das Forum hat Wustmann's Eitelkeiten mal wieder herrlich zerlegt...
es macht auch immer wieder Spaß mit anzusehen wie so selbstgefällige Texte hier im Forum in der Luft zerissen werden...
Factcheck par excellence und seien wir doch mal ehrlich: Der rauhe Umgangston gehört einfach dazu bei so einer bunt geschmischten Truppe,das ist nicht nur normal sondern urdemokratisch!
Ein Umstand an den sich gewisse "Qualitätsjournalisten" wohl erst noch gewöhnen müssen,das ihr elitäre Gehabe eben nicht mehr mit stumpf unterwürfigen Respektsbekundungen goutiert wird...


...


Aus: "Liebe Verschwörungs-Experten..." Gerrit Wustmann (05. Januar 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Liebe-Verschwoerungs-Experten-3934831.html?seite=all (https://www.heise.de/tp/features/Liebe-Verschwoerungs-Experten-3934831.html?seite=all)

Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on January 16, 2018, 10:48:02 AM
"Russland: "Putinismus funktioniert durch Furcht"" Interview: Steffen Dobbert (15. Januar 2018)
Warum werden in Russland die Medien zensiert und Putin wohl bald wieder gewählt? Der Geheimdienstexperte Andrej Soldatow über Fake News, Folter und Propaganda des Kreml.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-12/russland-putin-medien-zensur-praesidentschaftswahl-soldatow/komplettansicht

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Jochen Schweizer #1.20

Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/kno


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roter Kapitalist #1.65

"Der Unterschied zwischen Russland und Deutschland ist wahrscheinlich, dass in Russland die Tendenz zur Selbstzensur der Medien zentral gesteuert bzw. gefordert wird - während die sich in Deutschland aus den faktischen Besitzverhältnissen ergibt." Schön geschrieben dennoch haben auch russische Russen in Russland, die Möglichkeit selbst zu bestimmen welche Seite sie belügt.


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Leonardo de Chatellet #1.77

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.


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rumbati #2

Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/kno


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Ad0rn0 #2.1

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.


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rumbati #2.8

"Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/kno"

Liebe Reaktion, bitte nehmen Sie zu Kenntnis, dass ich mit keiner Silbe, Kritik oder den Versuch einer Kritik geäußert habe. Sondern ich habe eine Frage (?) gestellt. Der Hinweis erscheint auch zweckdienlich für nachfolgende Antwort-Kommentatoren.



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Russlandversteher_01 #4.2

Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit entsprechenden Quellen. Danke, die Redaktion/kno


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Renfrew #4 

Dieser Beitrag wurde entfernt. Die Redaktion/am


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sart #4.3

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.


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The real M X #4.24

Hallo meine Liebe,
ich hoffe es geht Ihnen gut. Zum Thema "Medien- und Meinungskrieg" hätte ich noch ein paar vertiefende Informationen für Sie.

In diesem Vortrag geht es um "Social Bots, Fake News und Filterblasen", ein bisschen auch um die AfD. Dringende Empfehlung sich das anzuschauen und mal zu vergleichen, mit dem was Sie bisher zu diesen Themen in der Zeitung gelesen haben: https://www.youtube.com/watch?v=6jNWl5d_DOk

Ebenfalls eine perfekte Ergänzung zum Stichwort "Meinungskrieg": https://www.youtube.com/watch?v=p7rEIARgFeo
"Who watches the watchdogs", haben Sie bestimmt schon mal gehört.

Und dann hätte ich da noch das hier: https://swprs.org/der-propaganda-multiplikator/
Eine sehr spannende Studie, die sich den Strukturen widmet, wie unsere überregionalen Nachrichten eigentlich zustande kommen, Stichwort Nachrichtenagenturen.

Ist in der Summe nicht wenig Stoff, aber dann verstehen Sie besser, wovon Sie da reden und Sie erstehen besser, woraus sich so ein durchgeknalltes Aluhütchen wie ich sein Meinung bildet ;)


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Bernhard Willis #10

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen gegen andere Leser. Danke, die Redaktion/kno


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Tritratrulala #10.1

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.


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exxkoelner #16

Aus dem Artikel: "Die Gate-Keeper-Funktion des Journalismus ..." ... sind damit z.B. die Unternehmensgrundsätze des Axel Springer Verlags gemeint? "Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika." - Und wenn sich die "Werte" der USA verändert haben, oder noch nie so richtig mit den universellen Menschenrechten übereinstimmten? Ich erinnere da nur ungern an Abu Ghraib, Guantanamo, Geheim-Gefängnisse in Polen, Syrien, etc. Und ist Beteiligung an Angriffskriegen ohne UN-Mandat aka völkerrechtswidrig auch Solidarität? Und wieso wird das nicht umfassend öffentlich diskutiert und in Frage gestellt? Vielleicht wegen dieser "Gate-Keeper-Funktion"? - Diese Überheblichkeit der Welt gegenüber, nur hier, im reinen Westen lebt die Wahrheit, der Rest ist 2. oder 3. Art, ist schon sehr beeindruckend.


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Hugo Henner #17

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/kno


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Ludwig v. Mises
#20  —  vor 22 Stunden 43

„Könnte ein Journalist in Moskau darüber schreiben, wie Wladimir Putin die Öffentlichkeit anlügt, etwa in Bezug auf die russischen Soldaten in der Ukraine?“

Die Antwort darauf: ein eindeutiges Ja.

Beispiel: „Die russische Zeitung Nowaja Gazeta hat ein Interview mit einem russischen Soldaten veröffentlicht, der bei den Gefechten um Debalzewe schwer verletzt wurde. Der Soldat Dorschi Batomunkujew bestätigt darin, dass die russische Armee umfassend im Ukraine-Krieg beteiligt sei.“ (http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-03/ukraine-krieg-russischer-soldat)

Die Nowaya Gaseta ist eine kremlkritische Zeitung mit einer Auflage von 600.000 Exemplaren. (zum Vergleich: Die „Zeit“ hat 490 000). Also kein Nischenprodukt.

Bemerkenswert, wie der Gesprächspartner der Frage ausweicht, um das nicht zugeben zu müssen. Ein Journalist hätte da eigentlich nachhaken müssen.

Aber: Fehlanzeige.


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exxkoelner #20.1

Noch mehr Fakten, und Sie kriegen ein Sternchen in der Liste "vermutlich Kreml-Troll"!


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Marktradikale Nachtigall #32

Wer sich die "Medienzensur" in Russland näher ansehen möchte und die russische Sprache beherrscht, dem empfehle ich diese Zeitung:
https://www.novayagazeta.ru/
Eine mutige, investigative Tageszeitung, die man so in Deutschland vergebens sucht.
Ebenso empfehlenswert, wenn auch in der Kritik etwas vorsichtiger (dafür qualitativ sehr hoch anzusiedeln):
https://vedomosti.ru
Beide Zeitungen gehören zu meinem täglichen Medienkonsum.
Für diejenigen, die das unverschämt finden, bitte ich vorab um Entschuldigung dafür, dass russische Zeitungen gelegentlich auf russisch und nicht so oft auf deutsch schreiben. Daher richtet sich diese Empfehlung an diejenigen im Forum, die russisch können - und das trifft ja auf einige (darunter Kritiker Putins) zu.


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venice12 #32.1

You just made my day!!!!!


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DoubleTT7 #35

Russland ist nicht nur Putin. Wann berichten Sie mal über die tollen Menschen, die dort leben und in großen Teilen die Geschichte mit uns teilen? Russland ist das größte Land der Erde mit einer Völkervielfalt, die größter ist als die Europas. Das haben Sie nicht gewusst? Na, dann wird es mal Zeit, dass Land zu bereisen. Die Grenzen sind inzwischen offen! Ich reise selbst regelmäßig nach Russland und genieße die unberührte Natur, die kulturelle Vielfalt und die Entdeckung geschichtlicher Zusammenhänge. Ich würde mir wünschen, andere Menschen würden das auch mehr sehen. Wir sprechen bei Italien auch nicht nur über Berlusconi. Die einzige Zentrierung auf Staatsmänner bringt gar nichts, außer das Schüren von Ängsten. Das ist der falsche Weg.


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Freim #61

Hier ein wenig Hintergrundwissen, ohne ideologische Scheuklappen:

"Und deshalb ist Putin populär?

Man liebt ihn ja nicht. Aber er hat die Ordnungssicherheit wiederhergestellt. Ein Bekannter in Moskau, der ein kleines Restaurant besitzt, sagte mir einmal: «Unter Jelzin wurde ich von fünf Banditen pro Woche ausgeraubt. Jetzt nur noch einmal pro Jahr, vom Staat. Das ist ein Fortschritt.» Was wir im Westen immer vergessen: Autoritäre Ordnungen können unter prekären Bedingungen den Freiheitsspielraum von Menschen erweitern. Das Leben in Russland ist besser geworden.
Im Westen scheint man sich aber darauf geeinigt zu haben, Putin abzulehnen. Wie sollte der Westen mit Putin oder der russischen Führung intelligenter umgehen?

Indem er die Lebenswirklichkeit zur Kenntnis nimmt. Indem wahrgenommen wird, dass die Geschichte der Sowjetunion eine andere ist als diejenige der Deutschen. Wir sollten versuchen, das zu verstehen. Es wird in Russland keine demokratische Ordnung geben, nicht in fünf, nicht in zehn Jahren. Mit dieser Realität muss man sich auseinandersetzen. Die russische Opposition besteht nicht aus Liberalen, sondern wird von Kommunisten und Neofaschisten getragen. Man sollte sich gut überlegen, ob es eine gute Idee ist, Putin zu stürzen. Ich bin auch kein Anhänger des autoritären Systems. Aber pragmatische Politik muss diesen Gegebenheiten ins Auge sehen."

Die Geschichte Russlands ist gezeichnet von Leiden, Armut und Gewalt. Bis heute leidet das Land an der Last seiner Vergangenheit. Was ist anders an Russland? Und wie soll der Westen darauf reagieren? Der Osteuropahistoriker Jörg Baberowski mahnt zur Vorsicht. (2.12.2017)
https://www.nzz.ch/feuilleton/man-sollte-sich-gut-ueberlegen-ob-es-eine-gute-idee-ist-putin-zu-stuerzen-ld.1327082



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  Staatsei Nr.1 #76

"Soldatow: Wenn Journalismus nichts mehr verändert, weshalb dann überhaupt noch kritischen Journalismus betreiben?"

Weshalb überhaupt noch kritischer Journalismus?
Diese Frage hat man sich wohl auch vor Jahren in Deutschland gestellt.
Seit dem vermissen ihn ziemlich viele Leser und haben ihre Abo's gekündigt.

Es ist eben überall das selbe.



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Nils74 #85

Was für ein Propagandaartikel!

"In Deutschland dürfen Journalisten Politiker hart kritisieren." Da lachen ja die Hühner!

Bei uns werden Journalisten schon angegriffen, wenn sie beim Kanzlerduell zu viele Fragen zur Asylkatastrophe stellen! Regierungskritische Zeitungen müssen bis zum Bundesverfassungsgericht ziehen, um die unrechtmäßige Beobachtung durch den Verfassungsschutz abzustellen! Und das sind nur die Dinge, die vor aller Augen passieren ...


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M X #85.4

Ja, das sind wirklich Dinge, die absolut vergleichbar damit sind, in der Redaktion abgestochen oder auf offener Straße zu Tode geprügelt zu werden. Krass, diese deutsche Propaganda. ...


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Markus Termin #91

"Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff verlor sein Amt, nachdem lange über ihn berichtet wurde."

Die Trophäe des "Präsidenten-Skalps" trägt die Presse am Gürtel. Und der ganze Vorgang war ein Skandal am Staatsoberhaupt der BRD - respektlos, grundlos und undemokratisch. Dass man sich darauf noch im Sinne einer freien Berichterstattung beruft, zeugt auch im Nachhinein vom fehlenden Reflexionsvermögen der "4. Gewalt".

Wir leiden nicht nur unter einer schlechten Regierung; - noch schlimmer ist eine Meinungs-manipulative Presse, die der dpa (und anderen Agenturen, die ihre Nachrichten woher bekommen?) aus der Hand frisst, wie der Zirkus-Esel im Kinderkrippenspiel - lasst es, über Putin (oder Trump) zu schreiben: schreibt über euch selbst.


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Paul Freiburger #91.7

Das Verhalten gegenüber Wulff war skandalös, aber warum darf man jetzt deswegen nicht über Putin berichten?
Warum soll man Probleme in der deutschen Presse aufblasen und die massiven Probleme der Jouranlisten in Russland kleinreden?
Warum so empfindlich, wenn Putin zu Recht kritisiert wird?


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Hanayagi #96

Ich war damals bei der Annektion der Krim und der folgenden teilweisen Invasion der Ukraine in Japan und habe regelmäßig "World News" geschaut. In der Sendung werden immer original Nachrichten aus allen möglichen Ländern gesendet, zusammen mit japanischer Übersetzung.

Zu Zeiten der oben genannten Annektion / Invasion, gab es natürlich auch viel russisches Fernsehen zu bestaunen. Und ich muss sagen, was da täglich an Lügen verbreitet wurde, war schon krass. Seit dem weiss ich einfach ganz sicher, warum man Nachrichten aus totalitären Ländern wie z.B. Russland und China absolute nicht trauen kann und werde alles tun, was ich kann, um so etwas in Deutschland zu verhindern.


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Hanayagi #100

Einen kleinen Geschmack, wie das Leben in einem totalitären Staat ohne freie Medien ist, geben uns die bezahlten und unbezahlten (mein Beileid) Trolle, die unter jedem Artikel, der sich kritisch mit Russland auseinandersetzt, reichlich zu finden sind.

Was wollen Strippenzieher hinter der Propaganda dmait erreichen?
Ich denke es gibt zwei Ziele:
- Irreführung von "Zweiflern" in westlichen Gesellschaften, die von den Ungerechtigkeiten und Problemen in diesen Gesellschaften desillusioniert sind, und damit empfänglich sind für die einfachen Lösungen, die totalitäre Propaganda bietet.
- Oben genannten Zweiflern und des Deutschen fähigen russischen / russischstämmigen Menschen einreden, dass es nur die bösen ausländischen Eliten oder wahlweise Medien sind, die immer so gemeine Sachen über Russland schreiben. Anders gesagt, dass negative Berichterstattung über Russland immer "feindliche Propaganda" sein muss, und "die Menschen" Putin eigentlich ganz toll finden.


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Dietmar R. #101

Wer die russische Geschichte und Mentalität ausblendet, der räsoniert treffend über den 'Putinismus', den man selbstredend ein negatives Etikett, natürlich aus westlicher Sicht, wie man dies hier deutlich vernehmen kann, anheftet.

Was man unter diesem Duktus verstehen will, bleibt genauso nebulös wie der Duktus vom 'Merkelismus, Trumpismus, Macronismus....'

Das Putin sich solange halten kann, ist für westliche Think-Tanks und Geheimdienste schwer verständlich, zumal gegen anderslautenden Behauptungen der überwiegende Zuspruch der russischen Bevölkerung freiwillig erfolgt und nicht aufgrund von Druck oder sonstigen Drohungen erfolgt, wie man aus vielen Berichten entnehmen kann.

Wenn die überwiegende Mehrheit des Vielvölkerstaates Russland eine andere Staatsform und Regierung/Präsidenten haben wollte, dann wäre das Potential dafür da- allem Vernehmen nach, kommen die Russen mit Putin aber gut klar und wollen ihn nicht weg haben. Da ändern auch oppositionelle Meinungen nichts daran- geht uns hier doch genauso, viele wollen Merkel weg haben, aber sie klebt am Stuhl.... .

So mischt man sich wieder in die russischen Machtverhältnisse ein, gleichwohl man sich dies im umgekehrten Fall verbietet- Merke: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.


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Doctor_Electro #104.1

Rangliste der Pressefreiheit 2017

Deutschland auf Platz 16;
Russland auf Platz 148.
Mehr muss man über russische Medien nicht wissen...


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Sar Van #116

Ein amüsanter Artikel.
Endlosschleife Putin Böse- Westen gut.
Was in Russland der Staat fertig bringt, wird bei uns von den Medien übernommen. Zensur findet bei uns auch statt, nur an anderer Stelle.
Es geht schlichtweg nur um Interessen,
was hatten wir in Libyen, Tunesien, Afghanistan, Kosovo und .... zu suchen?
Wie war damals die Berichterstattung?


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-Theo #118

Ein guter Artikel aus der Kategorie den Fischer zu den Fangquoten befragen. Man weiß vorher schon was rauskommt...bzw. hört genau das, was man hören will.
Genau die gleiche Masche wie bei den Russen, wo immer nur irgendwelche komischen Alternativ-Investigativ-Journalisten aus Frankreich oder Finnland abgedruckt werden, die sich wegen dem vermeintlichen Mut zur Wahrheit in der EU unterdrückt und verhöhnt fühlen...
Wenn die Streithammel-Seiten nur wüssten, wie ähnlich sie sich doch eigentlich sind...


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JonSwift #128

Folter gibt es in Deutschland nicht. Auch keine sozialen Ostrazismen und keine Shit-Storms gegenüber sich unkorrekt verhaltenden Zeitgenossen. Wir leben wirklich auf einer Insel der Seligen. Das ist einzig und allein den progressiven Kräften zu verdanken, die gottseidank seit Jahrzehnten die Herrschaft über die intellektuellen Stammtische ausüben.
Die Welt kann sich eine Scheibe von unserer demokratischen Kultur abschneiden. Wir disputieren rational, niemand wird bei uns wegen einer missliebigen Meinung fertig gemacht. Nennung von Fakten wird nicht einfach als staatsfeindlich oder faschistisch gebrandmarkt. Es gibt keine willkürlichen Etikettierungen zum Zweck der Mundtotmachung. Bei uns herrscht die Ratio, der Respekt vor den Fakten.
Mit einem Wort: Wir sind den diktaturgläubigen Russen einfach total überlegen.


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Dipl.ing #128.1

Super Kommentar!


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Guy Fawkes 2013 #130

Dieser Artikel ist eine propagandistische, antirussische Schmähschrift aus Behauptungen und subjektiven Ansichten, für die im Nachgang keinerlei Beweise erbracht werden. ...


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u r m #130.1

Aber es ist eine sehr gut gemachte propagandistische, antirussische Schmähschrift. Handwerklich gut gearbeitet. ...


Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on January 29, 2018, 11:17:39 AM
Als Querfront im historischen Sinn bezeichnet man antidemokratische Strategien, die gegensätzlichen Ideologien des Nationalismus und des Sozialismus zu verbinden, um die politische Macht in der Weimarer Republik zu übernehmen. Solche Bündnisse strebten Vertreter der Konservativen Revolution seit etwa 1920 theoretisch, der damalige Reichskanzler Kurt von Schleicher 1932 praktisch an. (14. Januar 2018)
https://de.wikipedia.org/wiki/Querfront


Plötzlich ist es wieder schick, Linke und Rechte in einen Topf zu werfen. Das Bürgertum belügt sich damit, dass sich angeblich die Extreme berühren. Dabei steckt die politische Mitte in der Krise. (Jakob Augstein, 21.12.2015)
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/querfront-debatte-war-hitler-links-augstein-kolumne-a-1068892.html

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[...] Die gegenwärtige Querfront-Debatte kreiste [ ] um die zunehmenden rechtspopulistischen Tendenzen in der Partei "Die Linke", die vor allem während des Bundestagswahlkampfes offen zutage traten. Konkret entzündete sich die Debatte an dem umstrittenen Linkspartei-Politiker Dieter Dehm, der sich offen mit dem Verschwörungsideologen und YouTube-Star Ken Jebsen bei Auseinandersetzungen mit dem linken Kultursenator Berlins solidarisierte, als dieser die Verleihung eines neu erfundenen "Karlspreises" an Jebsen in Örtlichkeiten untersagte, die vom Berliner Senat gefördert werden.

Jebsen gilt als zentrale Figur der Querfront, da er gezielt Autoren und Themen aus der Neuen Rechten wie auch dem orthodoxen oder post-sozialdemokratischen Spektrum seiner Zuschauerschaft vorsetzt.

... Die Selbstverständlichkeit, einem Verschwörungsideologen Räumlichkeiten zu verweigern, in dessen Medienprodukten regelmäßig linke und rechte Autoren interviewt werden - vom stramm rechten Jürgen Elsässer über den Handelsblatt-Ökonomen Norbert Häring bis zum ehemaligen SPD-Politiker Albrecht Müller -, führte aber zu erbitterten internen Auseinandersetzungen innerhalb der Linkspartei, wie der Tagesspiegel bemerkte.

... Für viele Exponenten aus dem Querfront-Spektrum im Dunstkreis von KenFM, Rubikon oder den Nachdenkseiten haben solche Debatten ohnehin kaum noch einen Sinn, da ihnen diese Einteilung des politischen Spektrums in linke und rechte Gruppen zunehmend fremd, künstlich und schlicht überholt vorkommt. Und tatsächlich scheint diese dumpfe, unreflektierte Ahnung eines Umbruchprozesses ein Körnchen Realität zu enthalten.

Das etablierte politische Koordinatensystem rechts- und linksgerichteter politischer Parteien und Kräfte scheint hohl und kaum noch mit Substanz aufgeladen. Die allgemein beklagte Hohlheit des politischen Spektrums, die "Austauschbarkeit" der etablierten Parteien, wie auch die zunehmenden Querfronttendenzen innerhalb der sogenannten Linkspartei - sie sind Indizien tiefgreifender systemischer Veränderungen und Krisentendenzen, die auch die Sphäre des Politischen voll erfasst haben.

Das allgegenwärtige krisenbedingte Gefühl, dass etwas in Auflösung übergeht, dass verfestigte Strukturen und Lager in Bewegung übergehen und sich verflüssigen, hat somit längst auch die Sphäre des Politischen erfasst. Immer mehr Menschen sehen keine nennenswerten Unterschiede zwischen den einzelnen Parlamentsparteien. Im Internet und seinen in den sozialen Netzwerken herumirrenden Schwärmen werden etablierte politische Begriffe wie bloße Labels behandelt und, je nach Situation und Interesse, mit neuen Bedeutungen aufgeladen.

Die Ansicht darüber, was nun politisch links oder rechts ist, kann in den ausgedehnten Wahnräumen des Netzes, wo die Neue Rechte ihre digitale Heimat hat, mitunter täglich, ja stündlich wechseln, was ja letztendlich nur auf die beginnende Auflösung des politischen Koordinatensystems hinweist.

Zum einen ist es die langfristig wirkende neoliberale Hegemonie, die im Rahmen des "Sachzwang-Diskurses" den politischen Spielraum immer weiter einengte, so dass in den vergangenen drei Jahrzehnten de facto eine ganz große neoliberale Koalition durchregierte - was zur Unterschiedslosigkeit im Parlament beitrug.

Doch eigentlich war der sozioökonomische Spielraum bürgerlicher Politik im Nachkriegszeitalter schon immer begrenzt. Auch von den 1950er- bis in die 70er-Jahre hielten sich alle Regierungsparteien, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, an die damals hegemonialen keynesianischen Grundsätze der Wirtschaftspolitik.

Aktuell kommt noch die Taktik der Neuen Rechten hinzu, insbesondere in den sozialen Netzwerken gezielt die Grenzen zwischen links und rechts zu verwischen ("Linksfaschisten", "Rote SA" etc.), um so die Akzeptanz der populistischen und extremen Rechten zu erhöhen. Dennoch sollten hierbei Ursache und Wirkung nicht verwechselt werden: Die Rechte instrumentalisiert unbewusst eine gegebene Dynamik im Überbau spätkapitalistischer Gesellschaften.

... Und auch die AfD bemüht sich, in ehemals linke Milieus vorzudringen, indem Sozialneid gegen Ausländer und Flüchtlinge bei marginalisierten Bevölkerungsschichten in einer durch Hartz IV und Agendapolitik gespaltenen Gesellschaft geschürt wird. Zudem drängen die Rechtspopulisten verstärkt in die ehemalige Stammwählerschaft der politischen Linken, in die Arbeiterschaft. Insbesondere der rechtsextreme, offen völkische Flügel um Höcke hat die verkürzte Kapitalismuskritik für sich entdeckt, wie der MDR anlässlich der sogenannten Compact-Konferenz berichtete, die eben von dem Jürgen Elsässer organisiert wurde, den auch Ken Jabsen interviewte.

Der für seine Goebbels-Imitationenund antisemitische Äußerungen berüchtigte Rechtsextremist wolle sich verstärkt "der kleinen Leute annahmen" und "die sozialen Errungenschaften von 150 Jahren Arbeiterbewegung gegen die zerstörerischen Kräfte des Raubtierkapitalismus verteidigen". Elsässer selber sprach sich gemeinsam mit Höcke für ein stärkeres gewerkschaftliches Engagement der Rechtsextremisten aus, die "patriotische Kandidaten" bei Betriebsratswahlen unterstützen wollen. Als Vorbild dient dieser NS-Szene Oliver Hilburger, der nach 20 Jahren als Gitarrist einer Neonaziband es bis zum Betriebsrat bei Daimler brachte. Elsässer erklärte, diesen Erfolg "auf andere Betriebe auszuweiten".

Die Verfilzung zwischen Rechts und Links verläuft somit in beide Richtungen: Während in die Linke zunehmend rechte Rhetorik und Argumentationsmuster einsickern, bedient sich die Rechte aus dem Fundus linker Rhetorik und Strategie. Die Querfront fungiert somit de facto einseitig als ein ideologischer Transmissionsriemen, der rechte Ressentiments tief in die Linke hineinträgt, während Rechte sich in sozialer Demagogie üben. Die Auseinandersetzungen um Querfronttendenzen in der Linken fanden somit in einem politisch-gesellschaftlichen Klima statt, in dem Exponenten der in der Offensive befindlichen rechten Krisenideologien die soziale Demagogie für sich entdecken, während Teile der in der Defensive befindlichen Linken verstärkt auf rechtspopulistische Argumentationsmuster setzen.

Konkrete Überlegungen zur Überwindung des politischen Koordinatensystems werden aber jenseits des evidenten Querfrontspektrums hingegen kaum öffentlich geäußert. Bislang hat nur Sahra Wagenknecht in der Hochphase des Wahlkampfes solche Gedankenspiele öffentlich artikuliert, indem sie gegenüber der Springerzeitung Die Welt eine "pauschale Ausgrenzung" der AfD ablehnte und mit Blick auf die parlamentarische Aufgabenverteilung eine etwaige Kooperation nicht von vornherein ausschließen wollte: "Auch da sollte man sich eben ansehen, wer kandidiert für was und sollte nicht Pauschalurteile abgeben."

... Entscheidend ist in diesem Zusammenhang das Verschwörungsdenken, das einen zentralen Bestandteil antisemitischer Wahnsysteme bildet, die ja hinter den Widersprüchen kapitalistischer Vergesellschaftung das bösartige Wirken einer jüdischen Weltverschwörung halluzinieren. Und es ist eben auch dieses Querfrontspektrum, das regelrecht besessen ist von der Suche nach den mächtigen Kreisen und Zirkeln im Hintergrund, die hinter den Kulissen die Strippen der Weltgeschichte ziehen und die Welt regieren, Krisen auslösen, etc..

Wiederum muss hier betont werden, dass dieses Verschwörungsdenken nicht zwangsläufig in den Antisemitismus münden muss - es kann auch in eine Kondensstreifen- oder in eine Bargeldverschwörung münden, wie sie etwa der Handelsblatt-Ökonom und Jebsen-Fan Norbert Haering predigt.

Und dennoch: Die Parallelen zwischen regressiven, alten Sozialdemokraten und neuen Nationalisten sind gerade beim Verschwörungswahn unübersehbar. Dies gilt beispielsweise für die Wahnvorstellung, Deutschland - das spätestens seit der Eurokrise die EU dominiert - sei immer noch kein souveränes Land, da es insgeheim von den Alliierten (zumeist sollen es die USA sein) ferngesteuert werde. Diese wirren Anschuldigungen äußerte bekanntlich die AfD-Spitzenkandidatin Weidel, die die Bundesregierung als "Marionetten" der Siegermächte bezeichnete.

Ähnlich argumentierte aber noch 2013 der Chef der "Nachdenkseiten", das sozialdemokratische "Urgestein" Albrecht Müller, für den Deutschland ebenfalls kein "souveränes Land" sei! Und auch hier muss betont werden, dass Parellelen keine Gleichsetzung bedeuten. Selbstverständlich argumentiert Müller ohne die rassisitischen und ausländerfeindlichen Ausfälle einer Weidel, die Parallelen in der quasi "manichäischen" Denkstruktur sind hier aber evident - auch wenn Weidel viel schärfer gegen die allierte "Fremdherrschaft" polemisiert.

Des Wahnsinns reeller Kern: Das weitverbreitete Gefühl der Heteronomie, dass man gewissermaßen "ferngesteuert" werde, dass Politiker nichts weiter als Marionetten dunkler Mächte seien, resultiert aus der Ahnung dessen, dass der Mensch nicht Herr seines gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses ist, dass dieser durch die fetischistische Bewegung uferloser Kapitalverwertung eine Eigendynamik gegenüber den oftmals ohnmächtigen Gesellschaftsmitgliedern entwickelt. Der Kapitalismus sei eine Gesellschaftsformation, "worin der Produktionsprozeß die Menschen, der Mensch noch nicht den Produktionsprozeß bemeistert", bemerkte hierzu etwa Karl Marx in einem Geistesblitz.

Die Marktsubjekte bringen somit unbewusst marktvermittelt eine zerstörerische gesamtgesellschaftliche Dynamik hervor, die ihnen dann als eine scheinbar fremde, objektive Macht (deswegen auch der ganze "Sachzwangdiskurs") gegenübertritt. Der Weg zur Verschwörungstheorie ist vor allen in all jenen politischen Zusammenhängen nicht mehr weit, die alltäglich zum Mittel der Verschwörung beim Hauen und Stechen um Posten und Pöstchen greifen - die eigenen Erfahrungen bei der politischen Karriere, etwa in der SPD, werden dann auf die gesamtgesellschaftliche Dynamik kapitalistischer Widerspruchsentfaltung projiziert.

Die Ursachen solcher absurden Vorstellungen sind aber nicht nur in der Tendenz zur Personifizierung der vermittelten, subjektlosen Herrschaft im Kapitalismus zu suchen, die dem Verschwörungsdenken zugrunde liegt, sondern auch in der besagten verkürzten Kapitalismuskritik. Wenn die Ursachen aller möglichen Verwerfungen, Spannungen und Fehlentwicklungen in der Globalisierung und dem Finanzkapital verortet werden, dann scheint die Nation als eine natürliche, widerspruchsfreie Entität, in die Widersprüche quasi "von außen" hineingetragen werden. Wenn nun die Regierung und die Funktionseliten etwas anderes wollen als der national gesinnte Sozialdemokrat oder AfDler, dann kann es sich ja nur um Verrat handeln - schließlich wissen sie am besten, was gut ist für Deutschland.

Der zunehmende Nationalismus bildet auch die Grundlage der reaktionären Identitätspolitik, die in diesem Spektrum praktiziert wird. Die Kritik einer Sara Wagenknecht an der linken Identitätspolitik, die sich im Gefolge des Kampfes um die Emanzipation sexueller Minderheiten herausgebildet hat, weist insofern eine unfreiwillige Komik auf, wenn diese selber eine anachronistische Rückkehr zur nationalen Identität des vergangenen Jahrhunderts predigt.

Die reaktionäre Kritik linker Identitätspolitik greift diese aber nur deswegen an, weil ihr noch das Versprechen der Emanzipation von Minderheiten innewohnt. Der Identitätswahn, der in Reaktion auf die jüngsten Krisenschübe in Europa um sich greift (und von den Rechtsextremen der "Identitären" bis zur Realsatire explizit gemacht wird), will aber identitäre Unterwerfung unter das Bestehende.

Die Forderung nach Grenzschließung, nach der Rückkehr in den Nationalstaat, die Renaissance der nationalen Identität mittels eines neuen Schubs der "Invention of Tradition" (Hobsbawm) - es sind unbewusste Reaktionen auf die Krisenschübe der Vergangenheit wie Zukunft: auf Wirtschafts-, Flüchtlings-, Klimakrise. Die unverstandenen, mitunter ignorierten Krisentendenzen sollen "draußen" gehalten werden, zugleich dient die angstbedingt gesteigerte Identitätsproduktion als ein massenpsychologischer Anker in unsicheren Zeiten, der Orientierung, Zusammenhalt und klare Feindbilder aufbaut.

Identität ist aber Folge der Sozialisation in der gegebenen Gesellschaft. Mit dem Festhalten an Identität wird somit auch an den gesellschaftlichen Strukturen festgehalten, die diese Identitäten formten - auch wenn eben diese Strukturen in Auflösung übergehen. Die klar ins Ideologische abdriftende Identitätsproduktion wird dann in einem reaktionären Impuls ins Extrem getrieben.

Wohin das identitäre Festhalten am Bestehenden hinführt, wenn eben dieses Bestehende zerfällt, kann an dem Islamismus in vielen "gescheiterten Staaten" studiert werden, der die bestehenden religiösen Identitäten in der "Mitte" des islamischen Kulturkreises ins Extrem einer Massenmordsekte wie des Islamischen Staates trieb. In Europa ist es hingegen die nationale Identität, die als Resonanzboden für entsprechende reaktionäre Reflexe dient.

Die aufschäumende nationale Welle braucht ein Feindbild. Und hier hat, neben den Flüchtlingen und dem antisemitisch konnotierten Antiamerikanismus, die Querfront ihren größten Beitrag zur ideologischen Ausformung der Neuen Rechten geleistet: mittels der Transformation, der "Entkernung" des Begriffs des Antideutschen.

Ursprünglich handelte es sich hierbei um einen marginalen, linken Begriff, der außerhalb des linken Szenesumpfs kaum Beachtung fand. Er bezeichnete eine Strömung innerhalb der Linken, die dezidiert in Reaktion auf die Wiedervereinigung und insbesondere die rechte Pogromwelle der frühen 90er Jahre sich etablierte. Die Antideutschen warnten innenpolitisch vor dem weiterhin bestehenden faschistischen Potenzial in Deutschland, sowie außenpolitisch vor einem neuen imperialen Weltmacht-Anlauf des vergrößerten Deutschlands.

Zugleich sahen sie die Welt in einer Zeitschleife gefangen, in der die Konstellation des Zweiten Weltkrieges sich ewig wiederholen würde. ...

... Die Querfront ist  [ ] eine Art "Einstiegsdroge" in die Wahnwelt der Neuen Rechten. Ihr Erfolg beruht darauf, rechte Ideologie in linke Rhetorik zu verpacken.

... Nazis und "Antideutsche" haben e i n Merkmal gemeinsam – die essentialisierende Form des Feindbildes.

...


Aus: "Querfront als Symptom" Tomasz Konicz (28. Januar 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Querfront-als-Symptom-3952540.html?seite=all (https://www.heise.de/tp/features/Querfront-als-Symptom-3952540.html?seite=all)
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on January 29, 2018, 11:18:42 AM
Kommentare zu "Querfront als Symptom" von Tomasz Konicz (28. Januar 2018)

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          Eymontop, 28.01.2018 14:10

Neoliberaler Konicz outet sich als fleißiger Querfront-Demagoge.

Leute wie Konicz sind auch bezeichnender weise die, die sich an Modebegriffe wie "Querfront" und "Rechtspopulismus" anhängen, um sie inflationär bei jeder Gelegenheit gegen echte Linke einzusetzen. So kann man besser diffamieren und beleidigen. Man muss als ausgesucht Einfältiger Schreiberling nichts begründen oder herleiten, man hat als neoliberaler Pseudolinker 2-4 griffige Worthülsen wie "Verschwörungsideologe" (wohl eine Steigerung zu "Verschwörungstheoretiker" - das sind dann die ganz Schlimmen!) oder "Querfront" (wo er die Argumente der richtigen Rechtspopulisten in Europa sehr hilfreich unterstützt).

In einer McCarthy-Ära wäre der neoliberale Russenhasser Konicz mit Sicherheit einer der eifrigsten "Kommunisten-Fresser" gewesen. Bei dem wäre ein Robert Oppenheimer von Anfang an vor dem Hearing "Schuldig" gewesen (wenn einer mal in der Nähe von einem Russen war, muss er ja einfach ein schlechter Mensch sein).

Einer der ekelhaften Gestalten, die sich bei den Mächtigen dieser Welt anbiedern, indem sie gegen die, die sich wirklich für die kleinen Leute/Mittelstand politisch einsetzen, mit ihren Halbwahrheiten und Mode-Schimpfwörtern anschreiben und ein Schmäh-Pamphlet nach dem anderen raushauen. In den Nachdenkseiten wird Konicz als Propaganda-Schreiberling der Neoliberalen ausdrücklich erwähnt

    Presseschau zum Konflikt bei der Linkspartei.
    Zusammengestellt von Jens Berger und ergänzt von Albrecht Müller. [...]
    Die Kampagne einiger deutscher Medien gegen Sahra Wagenknecht läuft weiter. Typischerweise mit den gleichen, offenbar abgesprochenen und schrägen Argumenten:
    Die Autoren sollte man sich merken, es sind auch immer die gleichen – Tomasz Konicz (Telepolis), Markus Decker (Frankfurter Rundschau), Matthias Meisner (Tagesspiegel), Stefan Kuzmany (Spiegel Online), Sebastian Jannasch (Süddeutsche Zeitung) …

Aus: https://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=40670

... Leute wie Konicz sind die Journalistischen "Ausputzer", die Zersetzer von innen, die so tun, als wären sie endlos Progressiv, sich in Linke Organisationen gezielt einnisten und fortschrittliche Bewegungen von innen heraus verfaulen lassen, indem sie jeden gegen jeden aufhetzen. Konicz ist so einer, der im Hinterland mit der echten Opposition aufräumt, indem er sie von innen heraus als angeblich "Linker Autor" zersetzt.

Von solchen zwielichtigen Figuren als "Rechtspopulist" angesehen zu werden ist eigentlich eine Ehre.
(ich will jetzt gar nicht auf den entscheidenden Unterschied zwischen Heimatliebe und Nationalismus eingehen, den kapiert Konicz sowieso nie - und will das auch gar nicht, weil er so besser seine Nazi-Sprüche gegen die richtigen Linken los wird).

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (28.01.2018 15:09).



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     MobBot, 28.01.2018 14:46

Ja, es gibt eine Querfront - Nämlich die Querfront der denkenden Menschen gegen eine selbstdefinierte Elite. Wer heute noch in Links-Rechts-Schema denkt, ist sowieso nicht mehr zu helfen. Oder soll eine der Hauptverfechter des Neoliberalismus, nämlich die SPD, etwa Links sein? ...


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Goerlitzer, 28.01.2018 15:13

Über Storz u. die Querfront-Theorie wurde bei IALANA heute gelacht

Die IALANA, eine um Frieden und Demokratie bemühte und besorgte Juristenorganisation, hatte an diesem Wochenende nach Kassel zu einem Medienkongress eingeladen. Hintergrund ist der Ärger vieler Leute auch aus dem Berufsfeld der Rechtsberufe über die einseitige und lückenhafte Berichterstattung der deutschen Medien, wie sie besonders im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Putsch in der Ukraine deutlich wurde.

Als Referenten geladen war so ziemlich alles, was in der kritischen Publizistik Rang und Namen hat, das reichte von u. a. Daniela Dahn, Uwe Krüger, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam und Jens Wernicke bis hin zu Vertretern der Nachdenkseiten, der Publikumskonferenz und Wikipedia-Watch. Die geladenen Vertreter der Mainstream-Medien kamen der Einladung nicht nach. Die Redebeiträge sind/werden bei youtube zu sehen (sein).

Im Rahmen der Tagung stellte Jens Berger von den Nachdenkseiten dar, wie der Mainstream, nicht zuletzt SPD-nahe Zeitungen, versucht, die für ihn unbequemen Nachdenkseiten als eine Art "Querfront"- Medium zu diskreditieren. Berger machte das u. a. an einem bebilderten Artikel der Berliner Zeitung fest, in dem ein Artikel über die Storz-"Enthüllungen" sehr geschickt mit aneinander gereihten Grossfotos von Ken Jebsen, Jürgen Elsässer und Albrecht Müller in nicht unbedingt sympathie-erheischender Pose eingeleitet wurde.

Diese Art Dumpfbacken-Journalismus löste bei den ca. 250 Tagungsteilnehmern deutliche Erheiterung aus, - obwohl es aus meiner Sicht ja eigentlich zum Heulen ist. Zum Heulen ist inbesondere aber auch, wie aus der ehemals lesenswerten linksliberalen "Frankfurter Rundschau" heute ein Kampfblatt der Nato mit Schwerpunkt Russland-Hetze wurde. Keine deutsche Zeitung hat 2014 wohl so häufig über den angeblichen Einmarsch russischer Truppen in der Ostukraine berichtet wie die FR.

P.S.: Auf der Tagung Thema waren übrigens auch "Netzwerke" ein Thema, die nach Verabredung in Foren oder auch bei Wikipedia aktiv werden. ...


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     Heddrich, 28.01.2018 23:53

Olle Kamelle - kalter Kaffee von vorvorgestern

Hat Herr Konicz keine ältere Sau gefunden, die er durchs Dorf treiben kann? Das Thema und Fakten sind schon vor Wochen durch und ausdiskutiert. An den Positionen der Beteiligten rührt sich bestimmt nichts mehr.

Ich werde mich daher auch nicht damit aufhalten, die zum x. Male vorgebrachten Falschdarstellungen und Auslassungen auseinanderzunehmen. Wer nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen weiß, kann ja ein bisschen googln.

Soviel vielleicht noch: Herr Kultursenator Lederer hatte eine großes Problem damit, dass die NRhZ in von Berlin geförderten Räumen den diesjährigen Karlspreis an Ken Jebens verleihen wollte. Er hatte aber überhaupt kein Problem damit, dass kurz nach Einsetzen der Debatte dazu die Junge Freiheit den diesjährigen Löwenthal-Preis in der Spandauer Zitadelle (einem Berliner Kulturprojekt) an illustre Persönlichkeiten verlieh.

Merke: alle sind gleich, nur einige sind gleicher. Und Gesetzeslage und Tatsachen sind einigen ganz gleich.

Und beachte: Querfront sind immer die anderen. Nicht etwa die, die als erklärter Antikriegspartei mit Kriegsparteien koalieren wollen. Zu sowas sagt man dann nicht Querfront, sondern notwendiger und schmerzlicher Kompromiss.



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     feelfunktion, 28.01.2018 22:49

Manchmal frag ich mich: was WOLLEN die Koniczisten eigentlich??
Also jetzt im positivsten Falle, mit dem wohlwollendsten Auge gesehen:

Was wollen sie der Welt eigentlich positiv geben?
Was wollen sie beitragen?
Wie bringen sie die Welt voran?

Hoffen sie jetzt, mit ihrer großen Weisheit uns vor versteckten Gefahren zu warnen, dass wir geradewegs in ein zweites Hitlerdeutschland hineinschlittern, wenn wir dem "natio-nalen Sozialisten" Lafontaine folgen?
Glauben die das denn selbst ernsthaft ???

Ich sehe in ihnen nur nörgelige Mäkelkinder - die gar nichts können - gar nichts Positives zur Welt beitragen - das Einzige, was sie können, ist, positive Hoffnung kapputt zu schwatzen, kaputt zu mäkeln ...

... Oder was treibt diese Koniczisten an??

Die plumpe Antwort wäre: Einestages kam ein geheimnisvoller Mann mit vollem Geldkoffer und sagte: "Duhu, Tomasz, du hast doch ein gutes Image in linken Kreisen - kannst du mal ein paar gewissen Linken, die für unser System wirklich und nicht nur theoretisch gefährlich werden können, ans Bein pinkeln? Es soll dein Schade nicht sein!" Und dann deutet er bedeutsam auf den Geldkoffer...

Ich halte diese Antwort für zu einfach. (Oder IST es so einfach? sind sie simpel kapitalistische Einflußagenten und lachen sich am Kamin ins Fäustchen, wie sie mit ihrem pseudolinken Geschwafel jede echtlinke Bewegung in D auf Jahre hinaus hemmen können?)

Oder isses eher was Psychologisches?
Sie haben sich so sehr in ihre linke intellektuelle Eitelkeit hineinspiralt, dass es für sie nur noch wichtig ist, dass nur SIE das richtige Linkssein wissen? Sowas kennt man ja auch aus religiösen Sekten: ein unheimliches Gezänk und Gezeter und Spalterei, wo es nur noch darum geht, dass wir und nur wir die einzig Richtigen sind?!?

Ich wiederhole meine Frage:

Was - mit dem positivsten wohlwollendsten Auge gesehen - WOLLT ihr eigentlich?
Was hofft ihr, positiv der Welt geben zu können???

Ich seh immer nur, dass ihr im Theoretischen hohe große Ziele hochhaltet - aber im Praktischen seid ihr bloß schädlich, und sorgt durch eure Mäkelei dafür, daß man eure großen idealen Ziele nicht erreicht, weil man dank euch nichtmal kleine Ziele erreicht....
Ist doch echt seltsam, dass die schärfste Kritik an Linken, die in dieser Welt noch echt was bewegen wollen - ausgerechnet von Linken kommt, euch Schreibstuben-Linken!!

(okay, wenn ihr Konicze kapitalistische Einflussagenten und Zersetzer seid, dann löst sich dieses Rätsel sehr schnell .... aber ich weiß nicht, ist es so...?)

Jedenfalls seid ihr einfach lächerlich....
Wie ihr zum Beispiel einem Mann - der für mich auch zu maschinengewehrhaft schnell spricht - nun seit Jahren krampfhaft Antisemitismus anzuhängen versucht...
Ich sag euch mal was!
Wenn jemand tatsächlich in seinem Herzen ein Antisemit ist - dann rutscht ihm alle paar Wochen ein antisemitischer Spruch raus, da hättet ihr eine ellenlange Liste seiner Fehltritte! - Und was habt ihr??? Einen Halbsatz aus einer Mail von vor paar Jahren, aus dem ihr krampfhaft mit viel Textexegese eure Antisemitismus-Diagnose herauszudeuteln und herauszuwringen versucht, unterstützt von Ikonen der Wahrheit wie H. Broder ...

lachhaft, lachhaft, lachhaft ...



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Zu: "Querfront als Symptom" Tomasz Konicz (28. Januar 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Querfront-als-Symptom-3952540.html?seite=all (https://www.heise.de/tp/features/Querfront-als-Symptom-3952540.html?seite=all)
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on January 30, 2018, 01:10:25 PM
Wolf Wetzel (* 1956) ist ein deutscher Autor, Journalist und Publizist.j Wetzel ist Autor mehrerer Bücher und publiziert in verschiedenen Medien u. a. Der Freitag, junge Welt und NachDenkSeiten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_Wetzel

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[...] Ich habe die Idee von „Rubikon“, ein streitfähige und nicht-autoritäre Plattform von Anfang an begrüßt und unterstützt. Ich habe die Kinderkrankheiten von Rubikon mitgetragen. Ich habe versucht, an einem Redaktionsstatus mitzuarbeiten, das nicht die Machtanhäufung zementiert, sondern einem Vorhaben substanzielle Rechte einräumt, die zumindest die Richtung einer „Gleichberechtigung“ einschlagen – vergebens.

Ich habe mich von Anfang an dafür eingesetzt, auch „schlechte“ Beiträge zu publizieren, um in der Widerrede zu bestehen und ggf. zu glänzen, anstatt im unüberprüfbaren Rechthaben.

Ich habe eklatante Missachtungen geschluckt, die die bescheidenen Rechte der Redaktion außer Kraft gesetzt haben.

Ich habe das Angebot einer stellvertretenden Chefredaktion ausgeschlagen, da ich fest davon überzeugt bin, dass wir uns nicht nur an „anderen“ Inhalten messen lassen müssen, sondern auch an Strukturen, die sich deutlich und erkennbar von denen unterscheiden, die den herrschenden Mainstream tragen und möglich machen.

Ich habe mit Erschrecken das Interview zwischen Rubikon und Ken Jebsen/KenFM vom 19.1.2018 (https://www.rubikon.news/artikel/schluss-mit-lustig (https://www.rubikon.news/artikel/schluss-mit-lustig)) gesehen, das Falschaussagen, historisch haarsträubende Vergleiche Platz gegeben hat, ohne naheliegende Nachfragen zu stellen, ohne sich für diesen denunziatorischen Umgang zu entschuldigen. Innerhalb weniger Minuten wurden alle eigenen Wertsetzungen über den Haufen geworfen.

Die Nichtveröffentlichung eines neunzehnseitigen Beitrages aufgrund von fünf „Vergehen“ ( z.B. ein Zwischentitel, der angeblich „inhaltsleer“ ist oder zwei Links, die anders gesetzt werden müssen) gegen „Autorenhinweise“, die Jens Wernicke noch gefunden hat, nachdem dieser Text das Lektorat bereits durchlaufen hatte, ist der letzte Akt in diesem sehr deprimierenden Schauspiel.

Jens Wernicke setzte mir infolge seines Super-Lektorats eine Frist, diese „Autorenhinweise“ abzuarbeiten und bot mir zugleich die Freiheit an, zu gehen, was die Güte eines Herrn hat, der die Zeit verschlafen hat.

Und zur Abschluss forderte Jens Wernicke meine „Teamfähigkeit“ ein, was man auch als Schlusswort einer Anstalt-Sendung verwenden könnte.

Das Team, in das ich mich zu integrieren habe, existiert einzig und allein als Fata Morgana, in der Darbietungsform eines Placebos.

Das einzige „Team“, das existiert, besteht aus Jens Wernicke – als Gesellschafter, als Geschäftsführer, als Chefredakteur, als Chef-Administrator und zuletzt als Chef-Lektor.

Der Versuch, mich mittels „Autorenhinweise“ über das von Mini-Patron Wernicke hingehaltene Stöckchen springen zu lassen, würde man bei Amazon als klassisches Mobbing bezeichnen.

Was bei Amazon funktioniert, funktioniert auch bei Rubikon. Ich werde meine Mitarbeit beenden und die Kolumnen (Arena und Werkzeug- und Prämissenkunde) woanders fortführen.

An der Idee „Rubikon“ halte ich fest und deshalb werde ich meinen Schritt ausführlich begründen.

Dieser Rückblick auf über ein Jahr Mitarbeit wird sich an dem messen, was Jens Wernicke auf der Tagung „Krieg und Frieden in den Medien“ am 28. Januar 2018 in Kassel postuliert hat:

    „Diese Geschichte (…) offenbart, dass die Bedrohung für die Demokratie alles andere als nur „von außen“ ausgeht. Dass wir selbst in unserem Denken und Tun oftmals mehr Teil des Problems als Teil der Lösung sind.“

Selbstverständlich steht dieser Beitrag für eine Publikation bei Rubikon zur Verfügung. Auch wenn es gerade jenen leichter fallen würde, die das Projekt an sich gut finden: Es geht hier nicht um einen Streit zweier besonderer Menschen, also um etwas letztendlich Privates.

Diese beiden Menschen prallen nicht aufgrund ihrer besonderen Charaktere aufeinander, sondern aufgrund der Produktionsbedingungen und der Machtverhältnisse, die sie gezwungenmaßen exponieren und polarisieren.

Wenn man also diesen Konflikt nicht abschiebt, dann weiß man, dann spürt man, dass er alle angeht: die LeserInnen, die Autorinnen, die Redakteure, die SpenderInnen, also alle, die mehr sind als die je Einzelnen.

Wolf Wetzel

29.1.2018

P.S.: Nachricht von Facebook:

„Hallo Wolf,

Du erhältst diese E-Mail zur Bestätigung, dass du nicht mehr Administrator auf Rubikon bist. Du wurdest am Januar 29, 2018 at 11:21vormittags entfernt.„



Aus: "Es reicht. Der Rubikon ist überschritten." Wolf Wetzel (01/29/2018)
Quelle: https://wolfwetzel.wordpress.com/2018/01/29/es-reicht-der-rubikon-ist-ueberschritten/ (https://wolfwetzel.wordpress.com/2018/01/29/es-reicht-der-rubikon-ist-ueberschritten/)
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on January 31, 2018, 09:24:09 AM
Presentation of the I.F. Stone Medal for Journalistic Independence at the Nieman Foundation for Journalism at Harvard on October 22, 2015., Conversation between Robert Parry and Tom Ashbrook, NF ’96 and host of NPR’s “On Point”
https://vimeo.com/143523823
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Robert Parry (* 24. Juni 1949 in Hartford, Connecticut; † 27. Januar 2018) war ein US-amerikanischer Investigativjournalist, der in den Vereinigten Staaten vor allem Mitte der 1980er-Jahre durch seine Arbeiten zur Iran-Contra-Affäre für Associated Press und Newsweek bekannt wurde. Während des Contra-Kriegs in Nicaragua deckte er das CIA-Handbuch Psychological Operations in Guerrilla Warfare auf und war an der Aufdeckung des vom CIA geduldeten Drogenschmuggels beteiligt. 1984 erhielt er den George Polk Award in der Sparte „Nationale Berichterstattung“. Nachdem Parry seine letzte Anstellung bei einem Nachrichtenmagazin im Jahr 1990 verlassen hatte, wurde er 1995 selbständiger Herausgeber des Onlinemagazins Consortiumnews.com. ... Parry selber erklärte, ... „die Iran-Contra-Berichterstattung sei [ ] zuerst [ ] als Verschwörungstheorie abgelehnt worden“. ..."
https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Parry_(Journalist) (https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Parry_(Journalist))
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Die Iran-Contra-Affäre, in Anlehnung an die Watergate-Affäre auch Irangate genannt, war ein politischer Skandal während der Amtszeit von US-Präsident Ronald Reagan. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Iran-Contra-Aff%C3%A4re
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on February 01, 2018, 11:43:33 AM
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[...] Vor kurzem förderte das Edelman Trust Barometer 2018 zu Tage, dass traditionelle Medien wie Zeitungen und TV-Sender sowie seriöse Online-Medien deutlich an Vertrauen gewinnen. Susanne Marell, CEO der Kommunikationsagentur, sagte dazu im Tagesspiegel-Interview: „Damit einher geht auch ein klarer Anstieg des Vertrauens in Journalisten. In einer Welt der Verunsicherung sehnen sich die Menschen verstärkt nach Fakten und Einordnung. Von Experten, die ihre Profession gelernt haben.“

Dazu passen die neuesten Befunde der Langzeitstudie „Medienvertrauen“ des Instituts für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität: Die „Lügenpresse“-Hysterie ebbt ab. So haben 2017 nur noch 13 Prozent der Deutschen die Aussage bejaht, dass die Bevölkerung von den Medien systematisch belogen werde. Ein Jahr zuvor seien es noch fast 20 Prozent gewesen. Auch bei der Aussage „Die Medien und die Politik arbeiten Hand in Hand, um die Bevölkerungsmeinung zu manipulieren“ ist die Zustimmung gesunken – von 15 auf zwölf Prozent.
Zudem zeigen die repräsentativen Daten, dass 42 Prozent der Deutschen den etablierten Medien in wichtigen Fragen vertrauen. Nur 17 Prozent äußern grundsätzliches Misstrauen, weitere 41 Prozent nehmen eine Zwischenposition ein. 2016 war der bisherige Tiefpunkt erreicht: Da waren 22 Prozent voller Misstrauen, der Teils/Teils-Pegel lag bei 37 Prozent.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Tagespresse genießen bei etwa zwei Dritteln Vertrauen, sagte die Studie aus. Nur jeweils fünf Prozent sind bei diesen Medien grundsätzlich misstrauisch.

Die anhaltende Fake-News-Diskussion hat beim Internet einen regelrechten Vertrauenssturz ausgelöst. Nur noch zehn Prozent der Bürger halten Online im Allgemeinen für vertrauenswürdig – das ist ein Rückgang um 14 Prozentpunkte. „Der Mehrheit ist offenbar bewusst“, schreiben die Mainzer Forscher, „dass im Internet, das als Hybridmedium ganz unterschiedliche Angebote vereint, besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten ist, ob eine Quelle seriös ist.“ Nur etwa zwei bis drei Prozent hielten Nachrichten in den Sozialen Netzwerken für vertrauenswürdig.

Fake News und Hasskommentare: Deutliche Mehrheiten von zwei Dritteln bis drei Vierteln der Deutschen sehen in beiden Phänomenen eine echte Gefahr für die Gesellschaft. Jeweils 69 Prozent erwarten von der Politik gesetzgeberisches Handeln, um sowohl Fake News als auch Hasskommentare zu bekämpfen.

Allen Trendzahlen zum gewachsenen Medienvertrauen zum Trotz findet sich ein beachtlicher Teil der Bevölkerung in der Berichterstattung der Medien nicht wieder. So kritisieren 36 Prozent, dass sie „die gesellschaftlichen Zustände in ihrem Umfeld ganz anders wahrnehmen, als sie von den Medien dargestellt werden“. 24 Prozent sagen, dass die Themen, die ihnen wichtig sind, von den Medien nicht ernst genommen werden. Weiterführende Analysen der Langzeitstudie zeigen, dass sich vor allem diejenigen Menschen von den Medien entfremdet fühlen, die mit der Politik und Demokratie sowie ihrer eigenen wirtschaftlichen Situation unzufrieden sind, die eine hohe Sympathie für die AfD haben.

Dazu gehören auch Menschen, die häufig Kommentare auf den Facebook-Seiten etablierter Medien lesen und schreiben.

Zudem führt die Studie aus, dass zwar die Mehrheit der Bevölkerung über ein in wichtigen Punkten zutreffendes Wissen über Arbeit und Aufgabe des Journalismus verfügt. Gleichwohl existieren hier große Potenziale für Medienbildung und Aufklärungskampagnen. Nach den Daten der Mainzer Forscher stehen vor allem Menschen, die über wenig Medienwissen verfügen, den etablierten Medien besonders kritisch gegenüber. Wer zum Beispiel (fälschlicherweise) glaubt, Journalisten müssten ihre Berichte vor der Publikation von Behörden prüfen lassen oder der Staat würde darüber entscheiden, wer Journalist werden dürfe, schenkt den Medien auch kein Vertrauen. Das sind jeweils erschreckende elf Prozent.

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ObjekTief 01.02.2018, 10:47 Uhr

Alles wird gut!



Aus: "Deutsche vertrauen Medien wieder stärker" Joachim Huber (31.01.2018)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/luegenpresse-hysterie-ebbt-ab-deutsche-vertrauen-medien-wieder-staerker/20911992.html (http://www.tagesspiegel.de/medien/luegenpresse-hysterie-ebbt-ab-deutsche-vertrauen-medien-wieder-staerker/20911992.html)

Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on February 01, 2018, 11:48:09 AM
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[...] Medien enthalten dem Publikum zentrale Informationen vor und stellen Zusammenhänge interessengeleitet einseitig verkürzt und damit falsch dar. Es gibt keine Öffentlichkeit mehr, dafür eine Vielzahl von Teilöffentlichkeiten. Das Publikum ist schwach organisiert. Den strukturellen Schieflagen im Mediensystem muss schleunigst entgegengewirkt werden. Das waren nur einige der Erkenntnisse, die die Teilnehmer der Konferenz „Krieg und Frieden in den Medien“ am vergangenen Wochenende diskutierten. Organisiert hatte die Veranstaltung, die in der CROSS Jugendkulturkirche Kassel stattfand, die Juristenvereinigung IALANA in Kooperation u.a. mit dem Zentrum Oekumene der Ev. Kirche Hessen und Nassau sowie der Ev. Kirche von Kurhessen und Waldeck. Die Veranstaltung, an der gut 350 Personen teilnahmen, stand unter der Frage: „Kann man ein Leitbild ‚Friedensjournalismus‘ für eine der Wahrheit verpflichtete und deeskalierende Berichterstattung etablieren?“

Die Gräben zwischen Vertretern großer Medien und ihren Kritikern sind offenbar tief. Das ist eine ernüchternde Beobachtung, die man am Wochenende in Kassel hat machen können. Sie ergab sich allerdings nicht daraus, dass es bei der hochkarätig besetzten Konferenz, an der auch der „Anstalts-Kabarettist“ Max Uthoff und die ehemalige ARD-Russland-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz teilnahmen, etwa zu wilden Wortgefechten zwischen „etablierten“ Journalisten und Kritikern an ihrer Berichterstattung gekommen wäre. Dazu konnte es nämlich gar nicht kommen. Denn: Laut Aussage der Veranstalter fanden sich trotz Einladung keine Vertreter großer etablierter Medien zu der Konferenz ein. [...]

Bei Lichte betrachtet dürfte das Interesse von so manchem Vertreter der Leitmedien an einer sachlichen Diskussion mit ihren Kritikern bei etwa null liegen. Zumindest liegt dieser Eindruck sehr nahe. Weder findet die Diskussion innerhalb der großen öffentlichen Diskursplätze der Polit-Talkshows statt, noch bisher, von wenigen Ausnahmen abgesehen, an einem anderen Ort. Der Grund liegt nahe und das hat die Veranstaltung in Kassel in aller Deutlichkeit gezeigt: Es geht bei der gegenwärtigen Medienkritik nicht um Lappalien. Es geht nicht darum, dass irgendein Journalist oder irgendein Medium hin und wieder irgendeinen Fehler macht. Die Medienkritik, die spätestens seit der Ukraine-Krise immer lauter geworden ist und auch auf der Kasseler Konferenz zu Wort kam, durchdringt die Oberflächen-Wahrnehmung von Journalismus und Mediensystem. Genauso die Medienkritik in Kassel: Sie bot weder Platz für ein allgemeines Journalisten-Bashing, noch ging es ihr um eine pauschale Verurteilung oder gar um eine Verteufelung von Medien. Zugleich scheuten Referenten und Tagungsteilnehmer aber auch nicht davor zurück, Missstände klar und präzise zu benennen, Ursachen in den Blick zu nehmen und, wie der aus Genf angereiste Korrespondent der taz, Andreas Zumach, provokante Vorschläge für Strukturveränderungen in den Medien zu präsentieren (Öffentlich-rechtliche Stiftungen für Zeitungen).

Da war etwa der Leipziger Journalismusforscher Uwe Krüger. Mit seiner 2013 publizierten Dissertation, die sich mit den Netzwerken von Alpha-Journalisten auseinandersetzt, hat Krüger für einigen Wirbel in der Medienwelt gesorgt. Teile seiner Arbeit hatte gar „Die Anstalt“ übernommen, um auf die Verflechtungen von Spitzenjournalisten mit Denkfabriken und Elitezirkeln im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik aufmerksam zu machen. Das Eingebundensein von Spitzenjournalisten in Elitezirkel, die etwa als Leitartikler die große Weltpolitik dem Leser interessengeleitet nahebringen, interessiert das Publikum, das wurde aus der Resonanz auf seine Arbeit deutlich.

Der Vortrag Krügers in Kassel war dem Thema gewidmet: „Woran man Propaganda erkennt.“ Krüger wollte, wie er zum Publikum sagte, „gleich mit der Tür ins Haus fallen“ und führte eingangs „die zehn Prinzipien der Kriegspropaganda [an], wie sie Lord Arthur Ponsonby, ein britischer Politiker, Schriftsteller und Friedensaktivist, während des Ersten Weltkriegs erkannte“:

 1   Wir wollen den Krieg nicht.
 2  Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung.
 3  Der Führer des Gegners ist ein Teufel.
 4  Wir kämpfen für eine gute Sache.
 5  Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen.
 6  Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.
 7  Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.
 8  Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.
 9  Unsere Mission ist heilig.
10 Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

Ponsonbys Prinzipien zirkulieren seit geraumer Zeit im Internet – insbesondere auch im Zusammenhang mit den Spannungen, die es zwischen den Nato-Staaten und Russland gibt.

Krügers Absicht wird im weiteren Verlauf des Vortrags deutlich: Ihm geht es, ganz im Sinne der Frage, die die Veranstalter für die Tagung aufgeworfen haben, darum, dass Mediennutzer ihre Sinne schärfen. Dabei unterlässt er als Kommunikationswissenschaftler aber auch nicht den Blick zu den Journalisten selbst und weist auf ihre schwierigen Arbeitsbedingungen hin.

Krüger, der sein Volontariat bei der Leipziger Volkszeitung absolvierte, widmet sich beispielhaft einem sehr interessanten Beitrag von Ulrich Wickert aus einem 1976 publizierten Buch. Wickert, der ehemalige Moderator der ARD-Tagesthemen, der später als Testimonial  2005  für den Werbespot der neoliberalen „Du-bist-Deutschland-Kampagne“ Pate stand, beschrieb darin, so Krüger, „wie er als junger Redakteur des Politmagazins Monitor immer mal wieder für seine inhaltliche Hartnäckigkeit kritisiert wurde und wie sich dies auf seine journalistische Haltung allmählich auswirkte und darin niederschlug. 1976 habe er noch einmal das Manuskript seines Hörfunkfeatures zur Hand genommen, das er 1970 geschrieben hatte. Der Titel lautete: «Die bundesdeutsche Propagandamaschine», es ging um die Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung.“

Wickert:

    „Bei der Lektüre stellte ich mit Erschrecken fest, dass ich heute das Thema wahrscheinlich milder und unkritischer beschrieben hätte. Innerhalb von sechs Jahren also hatten kleine Vorkommnisse (…) meine Unbefangenheit beseitigt.» (Wickert 1976, S. 142)


Am Rande sei angemerkt: Die Ausführungen von Wickert untermauern den Verdacht, dass im Laufe der Zeit im journalistischen Feld ein Anpassungsprozess stattfindet. Dieser kann dazu führen, dass selbst kritische Journalisten oft genug solange geschliffen werden, bis von den „subversiven Momenten“ ihrer Kritik an Politik und Staat nicht mehr viel übrigbleibt.

Uwe Krüger verwies ferner auf das Propagandamodell des US-amerikanischen Sprachwissenschaftlers Noam Chomsky und des Ökonomen Edward Herman, die sich intensiv mit den Medien in ihrem Land auseinandergesetzt haben. „Ihre wichtigste These“, so Krüger, „lautet, dass die Medien nicht alle Opfer von staatlicher Repression und Gewalt gleichbehandeln, sondern zwischen wertvollen und wertlosen Opfern unterscheiden – je nachdem, ob die Gewalt von den USA, Kanada, anderen kapitalistischen Demokratien oder einem befreundeten Regime ausgeht oder aber von offiziellen Feindstaaten der USA.“

In den von Krüger präsentierten Zitaten Chomskys heißt es auch, dass sich bei Gräueltaten jener Länder, die mit den USA verbunden seien, in den Medien von den Journalisten ganz überwiegend eine länderspezifisch freundliche und damit einseitige Berichterstattung erwartet werde: „Wir erwarten unkritische Akzeptanz von bestimmten Prämissen, wenn es um uns und unsere Freunde geht – etwa, dass wir Frieden und Demokratie wollen, Terrorismus bekämpfen und die Wahrheit sagen – Prämissen, die bei Feindstaaten nicht angenommen werden.“

Mit anderen Worten also: Die Medien mögen bitte dabei mithelfen, die Schandtaten der eigenen Regierung und des Militärs zu verdecken, während sie bei Verbrechen der Feindstaaten die gesamte Klaviatur des kritischen Journalismus spielen dürfen.

„Spielen bei Kriegen auch PR-Agenturen eine Rolle, die also einen Krieg „promoten“, sprich: Propaganda für Regierungen betreiben?“ fragte der Politikwissenschaftler Jörg Becker. Provokant formulierte er den Titel seines Vortrages: „Wie die Public-Relations-Industrie mitregiert“ und legte somit zugleich nahe, dass PR-Agenturen einen großen Einfluss bei der Politikgestaltung haben können. Einige von ihnen seien zu „großmächtigen transnationalen Konzernen mutiert“; vier dieser „gigantischen PR-Verbundsysteme“ dominierten „die gesamte Welt der Werbung, der Public Relations, der Medien und des Consultings“ (die US-amerikanische Omnicom-Gruppe, die englische WWP-Gruppe, die französische Publicis-Gruppe und die US-amerikanische Interpublic-Gruppe). Mit einem Jahresumsatz von geschätzten 7 bis 20 Milliarden US-Dollar übersteige dieser gar den Staatshaushalt einzelner Länder.

Sieben von ihm recherchierte Beispielsfälle führt Becker an, in denen Staaten gezielt Werbeagenturen bei Kriegen um Unterstützung baten. Die so genannte „Brutkastenlüge“, die 1990 von der PR-Agentur Hill & Knowlton erfunden wurde, ist einer davon. Sie war dabei behilflich, ein emotionales und politisches Klima zu schaffen, das es den USA erlauben sollte, militärisch gegen den Irak vorzugehen und dafür vorab eine Mehrheit im UN-Sicherheitsrat zu gewinnen.

Becker resümiert, dass in Kriegen heute in weitem Maße „PR-Agenturen (und auch Medienanstalten) nicht nur Produzenten und Vermittler von Bildern und Texten“ seien, sondern auch „Kriegsakteure.“ Wie etwa ein etabliertes journalistisches Medium selbst zur Kriegspartei werden kann, illustrierte Becker an dem Beispiel des TV-Senders CNN. Dieser habe rechtzeitig vor „der Landung der US-Truppen an einem Strand in Somalia 1992 einen Vertrag mit dem Pentagon geschlossen“, so dass „die TV-Übertragung dieser Truppenlandung nur bei ihm und in der Prime Time stattfinden müsse, was dann vertragsgerecht auch geschah.“ Die Entwicklung in Sachen PR-Industrie vollziehe sich in einer Zeit, in der die bürgerliche Öffentlichkeit zunehmend zerfallen sei und nur noch Teilöffentlichkeiten vorhanden seien, so Becker.

Auch Albrecht Müller, Gründer und Herausgeber der NachDenkSeiten, widmete sich in seinem Vortrag (Anmerkung der Redaktion: Der komplette Vortrag von Albrecht Müller wird zeitnah auf den NachDenkSeiten veröffentlicht) dem Thema „Propaganda“. „Wie können wir uns gegen eine Manipulation unserer Einstellungen, Überzeugungen und Meinungen schützen?“, fragte er und wies auf häufig genutzte Methoden der Desinformation hin, die man erkennen, dokumentieren und kritisieren müsse: zum Beispiel Weglassen und Verschweigen wichtiger Tatsachen, unzulässige Simplifizierung und Verkürzung historischer Zusammenhänge und Entwicklungen, einseitige Instrumentalisierung des Leidens von Opfern mit dem Ziel einer trickreichen tendenziösen Beeinflussung der Gefühle der Leser und Zuschauer. „Manipulationen“, so Müller, sind vielfach „eher auf der Tagesordnung als ehrliche Aussagen.“ Es gehe darum, Manipulationen in den Medien zu erkennen und ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass hinter den Versuchen der Beeinflussung vielfach ausgeklügelte Kampagnen stünden.

[...] Man müsse deshalb als kritischer Zeitgenosse in diesem Zusammenhang die „imperialen und geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen des Westens sichtbar machen“. Dabei könne man erkennen, dass, wenn von einem Regime-Change die Rede sei, es längst nicht immer um Menschenrechte und Demokratie gehe. Einen kritischen Blick auf die Medien-Berichterstattung zu Russland warf auch Gabriele Krone-Schmalz, die ehemalige Russland-Korrespondentin der ARD. Sie wurde im Zuge der Ukraine-Krise dafür bekannt, dass sie die Berichterstattung deutscher Medien kritisierte und davor warnte, Russland als Feind darzustellen.

[...] Krone-Schmalz betonte, dass man von den Mediennutzern nicht erwarten könne, auf diese Unterscheidung von alleine zu kommen, aber von Journalisten müssten diese Zusammenhänge dargestellt werden. ...

Die als Referenten eingeladenen ehemaligen Mitarbeiter des Norddeutschen Rundfunks (NDR) Volker Bräutigam und Friedrich Klinkhammer legten den Fokus ihrer Tagungsbeiträge auf ein bekanntes deutsches Medium: die ARD-Tagesschau. Unter dem Titel „Können wir uns wehren? – Was nützen Programmbeschwerden, Durchsetzung von Gegendarstellungen, gerichtliche einstweilige Anordnungen pp“ trugen beide mit trockenem Humor ihre Kritik an dem Medium vor. Seit der Ukraine-Krise haben Bräutigam und Klinkhammer nach eigenen Angaben über 400 Programmbeschwerden wegen unzureichender Berichterstattung in der Tagesschau eingereicht. Nicht einer habe der NDR-Rundfunkrat stattgegeben. Eigentlich, so Bräutigam, obläge es dem Rat, dass er einer seiner wichtigsten Aufgaben, die ihm der Rundfunkstaatsvertrag zuschreibe, nachkomme, sprich: „die Einhaltung der Programmrichtlinien zu überwachen.“ Im Programm müsse umfassend informiert werden, die Berichterstattung habe sachlich und wahrheitsgemäß zu sein, die Völkerverständigung müsse gefördert werden und sie müsse die Bürger zum selbständigen Urteilen befähigen.

Für beide Referenten steht nach ihren Erfahrungen fest: „De facto… bedient der Rat…nur die Partikular-Interessen von CDU und SPD, mit allen schändlichen Konsequenzen fürs Programm.“ Die Mitglieder des Rates tagten hinter verschlossenen Türen. „Ihre Sitzungen und deren Ergebnisse lassen sie vom Management desselben Hauses organisieren und realisieren, dessen Produktqualität und Programmpolitik sie eigentlich überwachen sollten.“

Sichtlich schockiert war das Publikum, als Bräutigam am Beispiel einer mangelhaften Recherche darlegte, was die Motivation der beiden gefördert hat, so unermüdlich Programmbeschwerden an den Sender zu schicken.

Bräutigam, der 21 Jahre beim NDR angestellt war, las die folgenden Zeilen vor:

    „Nahe bei Aleppo griffen al-Qaida-Milizionäre einen palästinensischen Jungen auf. Er war zwölf Jahre alt. Die Männer ernannten ihn zum ‚Kindersoldaten Assads‘, fesselten ihn und warfen ihn auf einen Kleinlaster. Unter dem Gegröle der Kumpanei riss einer dem Kind den Kopf zurück und säbelte ihm den Hals durch. Das ging nicht glatt, es dauerte etwas. Den Kopf, nachdem der endlich abgeschnitten war, warf der Mann achtlos beiseite. Den Kopf eines zwölfjährigen Kindes.“

Nach dieser Schilderung fügte Bräutigam zum Publikum gewandt hinzu, um die Recherche-Defizite deutlich zu machen: „Sie werden es nicht glauben: Von solchen Leuten bezog Volker Schwenck, Chef des ARD-Büros in Kairo, regelmäßig das Material für seine ‚aktuellen‘ Berichte über die Kämpfe im 1000 Kilometer entfernten Aleppo.“ Und Bräutigam weiter: „Eigenrecherche in Aleppo, so hieß es verständnisheischend seitens der ARD, sei oft unmöglich, weil zu gefährlich. Das Fremdmaterial habe Schwenck jedoch immer äußerst sorgfältig geprüft. Ja freilich.“

„Uns wurde angst und bange“, das sagte der Polit-Satiriker Max Uthoff, der ebenfalls bei der Veranstaltung auftrat, im Hinblick auf die Berichterstattung zur Ukraine-Krise.

Der Anstalts-Kabarettist, der zusammen mit Claus von Wagner Monat für Monat ein Millionenpublikum an die Bildschirme lockt, sprach unter anderem mit den Moderatoren Daniela Dahn und Peter Becker darüber, wie er und von Wagner die Berichterstattung führender Leitmedien erlebt haben. Dies sei auch der Grund gewesen, dass sie in ihrer „Nummer“ das Verhalten der Leitmedien aus einem Schützengraben dargestellt hätten. Dies sei zu dem Zeitpunkt notwendig gewesen „und zwar in der Dramatik, auch in der Hektik, die sie vermittelt“, so Uthoff.

„Es sollte aussehen wie ein Kriegsfilm…, weil damals – das haben wir uns ja nicht ausgedacht, tatsächlich auch Der Spiegel, Die Zeit und andere unfassbar militaristisch zu Werke gegangen sind. Der Spiegel vor allem – die alte Landserpostille aus Hamburg – und auch Die Zeit, war da ganz vorne dabei…“ Fast müsse er der Springer-Presse Respekt zollen „vor der Phantasie und der Mühsal“, die Welt und Bild an den Tag legten, „um möglichst irgendwann dann doch mal einen Kriegsgrund gegen Putin zusammenzuzimmern.“

Uthoff zeigte aber auch Grund zur Freude auf, denn: Schon öfter sei es vorgekommen, dass Lehrer ihm und seinem Kabarett-Kollegen Claus von Wagner eröffnet hätten, sie zeigten komplette Folgen der Anstalt auch in ihren Klassenzimmern und diskutierten darüber mit ihren Schülern – „was uns freut wie Bolle, weil ich nicht glaube, dass wir subversiver wirken könnten als auf diese Art und Weise.“

Mit dem Begriff „subversiv“ lieferte Uthoff vielleicht auch ein gutes Stichwort, um zu erklären, warum die Kassler Medientagung der IALANA in der Berichterstattung augenscheinlich nicht vorgekommen ist. Eine Medienkritik, die, wie in der Veranstaltung gezeigt, mit Fachkenntnis in die Tiefe bohrt und auch nicht davor zurückscheut, herrschaftsnahe Wirklichkeitskonstruktionen in der Berichterstattung zu hinterfragen, verabscheut so mancher Alphajournalist. „Subversion“, hier verstanden als eine, im demokratischen Sinne, wahrlich kritische (und nicht pseudokritische) Hinterfragung von Politik und Gesellschaft: das scheint für so manches Medium nicht notwendig. Das zeigt die Berichterstattung zu oft. Dort herrscht der Tenor vor: „Uns“ geht es doch „gut“.


Aus: "IALANA-Medientagung: Fundierte Medienkritik und Medienvertreter auf Tauchstation" Marcus Klöckner (31. Januar 2018)
IALANA-Medientagung: Fundierte Medienkritik und Medienvertreter auf Tauchstation
Veröffentlicht in: Friedenspolitik, Medien und Medienanalyse, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache, Veranstaltungshinweise / Veranstaltungen
http://www.nachdenkseiten.de/?p=42173
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on March 01, 2018, 12:08:09 PM
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[...] Michael Meyen " ... Über Politik und Wirtschaft wird nicht nur weniger berichtet, sondern auch ganz anders als vor 30 Jahren. Negativer, emotionaler, stärker an Prominenten und Experten aufgehängt und vor allem an Konflikten. Wenn sich zwei streiten, die mächtig sind, dann wird das ein Medienthema. Man konnte das schön sehen, als die Gespräche zwischen SPD und CDU beendet waren. Schulz gegen Gabriel gegen Nahles. Persönliche Befindlichkeiten, Küchenpsychologie. Was sich die beiden Parteien vorgenommen haben, ging dabei völlig unter. ... Der Souverän braucht Aufklärung und Wissen und bekommt stattdessen Aufregung und Ablenkung. Die Frankfurter Schule würde sagen: Die Kulturindustrie sorgt dafür, dass wir uns über unsere wahre Lage täuschen, und produziert so Zustimmung. ... Gut aussehen und gut rüberkommen. Das ist [ ] nicht das, worum es zum Beispiel in der Schule eigentlich gehen sollte oder in der Politik. ... Medien reden von Objektivität und Neutralität, von Ausgewogenheit und Vollständigkeit, produzieren aber genau das Gegenteil: Drama, Story, Meinung. Mein Vorschlag ist: Werft die alten Qualitätskriterien über Bord und konzentriert euch auf Transparenz. Woher ist das Material, wem hilft es möglicherweise, wie steht ihr selbst dazu. ... Welche Schwachstellen sehen Sie?... die Nähe zu den Mächtigen und ein Selbstverständnis, das eher auf Mitgestaltung zielt als auf Beobachtung. Uwe Krüger hat das ja in seinen Büchern gut analysiert. Wir sollten aber nicht den Fehler machen, nur auf die Journalisten zu schimpfen. Die Strukturen machen es ihnen nicht leicht. Allein das Bundespresseamt beschäftigt mehr als 400 gut bezahlte Menschen, die nichts anderes machen, als die Welt darüber zu informieren, was Angela Merkel und ihre Minister so tun. Mehr als 400 Menschen, die Nachrichten produzieren, Dossiers, zitierfähige Sätze und die sich auch sonst in jeder Hinsicht darum kümmern, dass Politik und Politiker gut dastehen da draußen. Die Presseleute der Ministerien, der Parteien und der Abgeordneten sind da noch gar nicht mitgerechnet. Auch deshalb tut der politische Journalismus gut daran, sich neu zu erfinden und darüber zu reden, wie man die öffentliche Aufgabe erfüllen kann in einer Welt, die vom Imperativ der Aufmerksamkeit beherrscht wird. ..."


Aus: ""Medien reden von Objektivität und Neutralität, produzieren aber genau das Gegenteil"" Marcus Klöckner (01. März 2018)
https://www.heise.de/tp/features/Medien-reden-von-Objektivitaet-und-Neutralitaet-produzieren-aber-genau-das-Gegenteil-3978378.html

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"ALANA-Medientagung in Kassel war erfolgreich" (02.02.2018 )
Medien, Krieg, Frieden Auf der dreitägigen Veranstaltung in Kassel ging es um das Thema „Krieg und Frieden in den Medien“
asansörpress35 | Community, Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Wo blieben die „richtigen, die etablierten Medien?", wie sich Albrecht Müller (Herausgeber NachDenkSeiten) ausdrückte, auf dieser Medientagung? Der Organisatoren, hieß es, haben sie und auch die öffentlich-rechtlichen Medien eingeladen. Gesehen hat man sie nicht. Möglicherweise waren Zeitungsleute da? Schade....
http://literaturkritik.de/carstensen-schmid-die-literatur-der-lebensreform-kuehne-thesen,23105.html


Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on April 26, 2018, 10:50:32 AM
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[...] Das war über Jahre das liebgewonnene Bild. Die Feinde der Pressefreiheit sitzen weit weg, in Turkmenistan, in Nordkorea und in Eritrea. Regelmäßig machten Länder wie diese die Schlussränge in der Rangliste der Pressefreiheit unter sich aus.

Es brauchte dann aber gar nicht die Festnahmen in der Türkei wie von Deniz Yücel und weiteren hundert professionellen Journalisten, um zu zeigen: Die Pressefreiheit ist nicht hinter den sieben Bergen, sondern an den Rändern und jetzt auch in Europa selbst gefährdet. Die Rangliste der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) zeigt auf, dass vier der fünf Länder, deren Platzierung sich in den 180 untersuchten Staaten am meisten verschlechtert hat, in Europa liegen. Serbien (Platz 76), die EU-Mitglieder Malta (65), Tschechien (34) und die Slowakei (27).

In Malta, nur zum Beispiel, hat der Mord an der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia offenbart, wie eng in dem EU-Land Politik, Wirtschaft und Justiz miteinander verflochten sind. Da stört jede journalistische Investigation, da wird enormer Druck aufgebaut. Laut ROG lagen gegen Caruana im Moment ihrer Ermordung mehr als 40 Verleumdungsklagen vor.

Zum Einzelfall gehört das systemische Vorgehen. In zahlreichen osteuropäischen Ländern polemisieren, ja hetzen autoritäre Regierungen gegen kritische Journalisten als „Verräter“ oder „Terroristen“. Die offene Diffamierung ist die eine Methode, es geht aber noch effizienter und subtiler. In Polen hat die national-konservative Regierung den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter ihre Kontrolle gebracht, in Ungarn wurden die letzten unabhängigen Regionalzeitungen von Unternehmern aufgekauft, die mit der Regierung von Viktor Orban befreundet sind. Gerade wurde „Magyar Nemzet“ zur Aufgabe gezwungen.

Und es ist nicht so, als hätten die Mächtigen in Polen, in der Slowakei oder in Ungarn beim türkischen Sultan Recep Tayyip Erdogan (Platz 157) nach Vorbildern suchen müssen, wie vielfältige Medien zu einfältigen verformt werden können. US-Präsident Donald Trump hat die Medien in den USA (Platz 45), die ihn und seine Politik kritisieren, wieder und wieder als „Fake News“-Lieferanten beschimpft. Das ist nicht weniger als ein Angriff auf die Pressefreiheit, weil die ureigenste Informationsaufgabe der Medien in eine simple persönliche Für-oder-gegen-mich Bewertung herabgewürdigt wird. Kein Journalist wird sagen können, er sei unfehlbar – böse und gefährlich aber wird es, wenn ihm gewollte Fehlbarkeit unterstellt wird. Wer die Presse als „lügnerisch“ diffamiert, der diffamiert die Pressefreiheit als Unwert.

Eine Gesellschaft braucht unabhängige Medien, wenn sie pluralistisch und demokratisch sein will – und frei. Keine Überraschung also, dass sich an der Spitze der ROG-Rangliste Norwegen, Schweden und die Niederlande finden, Deutschland liegt auf Rang 15.

Schweden und die Niederlande sind EU-Mitglieder wie Polen und Ungarn. Die Tabelle aber illustriert, dass die Pressefreiheit in der EU so lange teil- und verkleinerbar ist, bis ein Viktor Orban zufrieden ist. Als sei Pressefreiheit nur ein Wort und keine Praxis, als sei die EU Sonntag und nicht Alltag.

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Mercur 09:42 Uhr

    Wer den Medien vorsätzliche Falschberichte unterstellt, diffamiert die Pressefreiheit als Unwert und gefährdet Freiheit und Demokratie.

Ein  Satz zum Nachdenken! ... Zeitungen  haben  doch ein  Profil,   auch eine politische  Richtung.   TAZ versus WELT  z.B. Das heisst, Zeitungen  versuchen  auch Meinungen zu machen und zu beeinflussen. Ich  denke, dass ist  Konsens. Zeitungen  sind  keine beliebigen  Aneinanderreihungen  von  „ NEWS“ - Deshalb besteht  die Kunst in der Kunst  des Weglassens  von Informationen. Wenn  seit Jahren  Meldungen und Kommentare in vielen Zeitungen dergestalt  sind, als ob  Merkels Politik alternativlos ist oder Europa  oder bestimmte Entwicklungen angeblich unvermeidlich, dann wenden sich reflektierte Leser ab von  solchen Medien. Sie fühlen sich  dann einseitig informiert und manipuliert. Besonders wenn sie im Alltag eine große Diskrepanz  zwischen  Zeitungsmeldungen  und ihrem persönlichen  Erleben  feststellen.


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cz284 09:39 Uhr

Manche verstehen unter Pressefreiheit das, was den Regierenden genehm ist. Pressefreiheit sollte auch Kritik sein, auch neutrale Positionen haben. Der mündige Bürger ist klüger, als so manche Behörde denkt und durchaus in der Lage sich seine eigene, fundierte Meinung zu bilden. Fakenews entlarven letztlich deren Erfinder.


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nochnefrage 09:00 Uhr
Nicht dreiste Falschmeldungen sind das Problem. Der Schimpf Lügenpresse ist unrichtig.

Die Bezeichnung "Lückenpresse" trifft das Problem eher: Was nicht gemeldet wird, was ausgewählt und im Umfang ausgewalzt wird, während anderes ausgewalzt wird - das gibt zu denken.

Und natürlich haben alle in der Medienbranche ihre Agenda: zwar wollen alle Leser und Zuschauer bekommen, aber nicht um jeden Preis. Die MedienbesitzerInnen möchten ein gutes Verhältnis zur Bundesregierung, und da fällt dann eine vorteilhafte Steuerregelung ab.

Im Öff.-Rechtlichen Milieu geht es um Posten, und diese werden letztlich von den Regierungsparteien vergeben.


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ingoleit 25.04.2018, 20:57 Uhr
Es wäre schön,
würden die Journalisten und ihre Chefs nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen, sondern einmal selbstkritisch ihre Arbeit betrachten. Aber darauf werden wir wohl sehr lange warten müssen und  viele viele weitere solcher Artikel zu lesen bekommen.


...


Aus: "Rangliste zur Pressefreiheit: Bis Orban zufrieden ist" (25.04.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/medien/rangliste-zur-pressefreiheit-bis-orban-zufrieden-ist/21214412.html (https://www.tagesspiegel.de/medien/rangliste-zur-pressefreiheit-bis-orban-zufrieden-ist/21214412.html)
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on June 07, 2018, 09:35:31 AM
"Wenn Medien-Neutralität zum Kampfwort wird" Marietta Slomka (6. Juni 2018)
Überall in Europa hat sich die Pressefreiheit verschlechtert. Gegen den Angriff der Politik müssen sich Journalisten auch damit wehren, dass sie ihr Tun besser erklären. Plädoyer anlässlich der Medienenquete. ...
https://derstandard.at/2000081099341/Wenn-Medien-Neutralitaet-zum-Kampfwort-wird

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[...] Bei ihrem zweitägigen Treffen in Kanada haben sich die G7-Länder auf die Entwicklung eines neuen Systems verständigt, das gezielte Fehlinformationen verhindern soll. Der sogenannte Rapid Response Mechanism (RRM) soll eine koordinierte und schnellere Reaktion auf Wahlmanipulationen, Propagandaattacken und andere "inakzeptable Handlungen" ermöglichen.

Mehrere US-Geheimdienste beschuldigen Russland, im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 mit Hackerangriffen der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton geschadet zu haben. In Deutschland wird Russland vorgeworfen, gezielt Fehlinformationen zu streuen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Als Beispiele gelten der Fall Lisa – die angebliche Vergewaltigung eines deutsch-russischen Mädchens – und eine Kampagne, die darauf abzielte, Bundeswehrsoldaten in Litauen in Misskredit zu bringen. Als problematisch werden von den G7 zudem offensichtliche Versuche gewertet, die EU-feindliche Parteien und Bewegungen unterstützen.

Über das neue Abwehrsystem sollen Informationen über solche Angriffe systematisch analysiert und ausgetauscht werden. Der nächste Schritt wäre laut dem Bericht im Idealfall eine koordinierte Reaktion, die von Gegenkampagnen bis zu Sanktionen reichen könnte.

Ein Unterstützer des "Rapid Response Mechanism" ist der französische Präsident Emmanuel Macron. Im französischen Präsidentschaftswahlkampf Ende 2016 und Anfang 2017 litt er selbst unter Falschinformationen, die unter anderem von Medien, die aus Russland finanziert werden, verbreitet wurden. In den letzten Tagen des Wahlkampfs wurde in europäischen Medien spekuliert, ob Macron schwul sei und ein illegales Bankkonto auf den Bahamas unterhalte. Seine Gegenkandidatin um das wichtigste französische Amt, Marine Le Pen, griff die Vermutung, Macron lege sein Geld auf den Bahamas an, sogar im letzten TV-Duell auf.

Ein Unterstützer des "Rapid Response Mechanism" ist der französische Präsident Emmanuel Macron. Im französischen Präsidentschaftswahlkampf Ende 2016 und Anfang 2017 litt er selbst unter Falschinformationen, die unter anderem von Medien, die aus Russland finanziert werden, verbreitet wurden. In den letzten Tagen des Wahlkampfs wurde in europäischen Medien spekuliert, ob Macron schwul sei und ein illegales Bankkonto auf den Bahamas unterhalte. Seine Gegenkandidatin um das wichtigste französische Amt, Marine Le Pen, griff die Vermutung, Macron lege sein Geld auf den Bahamas an, sogar im letzten TV-Duell auf.




Aus: "G7 wollen Abwehrsystem gegen Fake-News" (9. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-06/g7-abwehrsystem-fake-news-russland (https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-06/g7-abwehrsystem-fake-news-russland)


Click and elect: how fake news helped Donald Trump win a real election
Hannah Jane Parkinson ( Mon 14 Nov 2016 16.27 GMT
Last modified on Fri 9 Feb 2018 19.01 GMT)
https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/nov/14/fake-news-donald-trump-election-alt-right-social-media-tech-companies


Pentagon veröffentlicht Joint Vision 2020
Georg Schöfbänker (08.06.2000)
Neue Perspektiven für den militärischen Informationskrieg
https://www.heise.de/tp/features/Pentagon-veroeffentlicht-Joint-Vision-2020-3447269.html

US-Cyber-Krieg über Facebook und Co. Angriff der Sockenpuppen (Donnerstag, 17.03.2011)
Schlachten werden auch über Facebook und Twitter geschlagen - das haben die Revolutionen Arabiens bewiesen. Cyber-Krieger im Pentagon haben nun Software bestellt, mit der sie Meinung im Netz manipulieren können - in Farsi, Arabisch, Urdu und Paschtu. In den USA selbst wäre das illegal.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/us-cyber-krieg-ueber-facebook-und-co-angriff-der-sockenpuppen-a-751567.html


"Einmischungsversuche in Wahlen werden oft unterschätzt"
Dov H. Levin (23. Februar 2017)
 Russen und Amerikaner haben immer wieder versucht, fremde Wahlen zu beeinflussen. Auch in Deutschland. Wissenschaftler Dov H. Levin erklärt die Hintergründe. Interview von Tahir Chaudhry und Moritz Matzner
http://www.sueddeutsche.de/politik/wahlforscher-das-sollte-nicht-verharmlost-werden-1.3390497



Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on June 18, 2018, 08:28:48 PM
The Holberg Debate 2017: "Propaganda, Facts and Fake News" with J. Assange, J. Pilger & J. Heawood
At the 2017 Holberg Debate, Julian Assange, John Pilger and Jonathan Heawood discussed the presence of propaganda in news and social media, and its democratic implications.
The Holberg Debate 2017 is a collaboration between the Holberg Prize, the Fritt Ord Foundation and Norwegian PEN (Western Norway).
https://www.youtube.com/watch?v=LqEtKyuyngs

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John Pilger (* 9. Oktober 1939 in Sydney, Australien) ist ein australischer Journalist und Dokumentarfilmer. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Pilger

"John Pilger says what the other Press is too scared to say it" (08.04.2018 veröffentlicht)
https://youtu.be/pcAvyZpydNw

https://youtu.be/JfbTkwVp6nc

https://youtu.be/58ROlPPV9W8


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"Inszenierte Offenheit: Der Spiegel im Dialog mit seinen Lesern" Paul Schreyer (23. Juni 2018)
Im Mai veranstaltete der Spiegel eine "Leserkonferenz", zu der die Redaktion etwa 150 Kritiker des Blattes eingeladen hatte. Ein Erlebnisbericht.
https://www.heise.de/tp/features/Inszenierte-Offenheit-Der-Spiegel-im-Dialog-mit-seinen-Lesern-4090474.html?seite=all

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Inszenierte-Offenheit-Der-Spiegel-im-Dialog-mit-seinen-Lesern/forum-405119/comment/

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     boecko, 23.06.2018 01:11 --- Schöner Bericht & eine Frage fehlt

Danke für die Einblicke!

Nur eine Frage hätte ich noch gestellt.

Warum der Spiegel sich einer Art Selbstzensur unterlegt?
Damit meine ich das gezielte Abschalten ihres (nicht sonderlich hübschen) Forums bei sensiblen Themen.

Das ist ja offensichtlich und wurde von David Kriesel beim CCC-Kongress dargestellt
http://www.dkriesel.com/spiegelmining

http://www.dkriesel.com/_media/blog/2016/spiegelmining-33c3-davidkriesel.pdf (Seite 39ff)



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     zwi, 23.06.2018 05:36

Auch unter Gebildeten ist das Misstrauen gegenüber den Leitmedien verbreitet...

Der war gut.


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     Hat se nicht alle, 23.06.2018 07:56

Beispiel für die Ignoranz gegenüber dem (ehemaligen) Leser

ich habe kurz nach der Ukraine Berichterstattung mein jahrzehntelanges Spiegel Abo mit dem klaren Hinweis gekündigt, man möge von Rückholversuchen und weiterer Werbung absehen und meine postalische Adresse löschen.

Bis zum heutigen Tag werde ich mit dümmlichen Versuchen über Umfragen und Geschenke mehr oder weniger verdeckt animiert erneut ein Abo abzuschließen. Alle darauf folgenden Anschreiben dies zu unterlassen verhallen im Nichts.

Wie blöd muss man den eigentlich sein, wenn man immer wieder versucht einen ehemaligen Kunden durch penetrantes Verhalten zurück zu gewinnen?


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     BSEsel, 23.06.2018 08:10

Ich bin einfach älter geworden aber das ist nicht die Ursache für den Verzicht auf den Spiegel.
Früher habe ich sehr viel auch unterschiedliches (Konkret, Pardon, Zeit, Kursbuch,...) gelesen, der Spiegel hatte jedoch immer seinen festen Platz.
Irgendwann habe ich bemerkt, dass das Ganze zu einem Ritual ohne Sinn mutiert ist. Schlechte Artikel, idiotischer Habitus. ... Egal, inzwischen lebt es sich gut ohne das Mistblatt. Ab und zu sehe ich bei SPON was die da so verzapfen. Unfassbar, und ich schäme mich dann fast, diesen Dreck mal gelesen zu haben...


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     Th1Meyer, 23.06.2018 08:58

Re: Ich bin eifach älter geworden...

Wenn ich mal überlege, dass Spiegelonline in den 2000ern die Hauptinfoquelle für mich war...
Entweder habe ich mich vollkommen geändert, oder irgendwas einschneidendes ist beim Spiegel passiert.


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     Mausklicker, 23.06.2018 09:21

Re: Ich bin eifach älter geworden...

Ähnlich verhält es sich mit der Süddeutschen Zeitung.


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     Momad, 23.06.2018 11:18

Re: Ich bin eifach älter geworden...

...geht mir auch so.

Wenn ich daran denke, dass ich 1962 für den Spiegel auf die Strasse gegangen bin, und sehe was schon seit einigen Jahren aus diesem Blatt geworden ist, kommt mir die Galle hoch.
Der Spiegel hat den damaligen Anspruch kritischer Berichterstattung zugunsten einer teilweise perfiden Zurschaustellung persönlicher Abneigungen, bzw. abgehobener transatlantischer Sichtweisen, aufgegeben.

Ich erwarte von keinem Presseorgan dass dieses meine (politischen, gesellschaftlichen, usw.) Auffassungen widerspiegelt - aber ein Mindestmass an sachlicher, hassfreier, umfassender Information erwarte ich. Diesbezüglich hat Der Spiegel derzeit nicht mehr zu bieten als Bild oder TAZ oder wie die alle heissen, die sich anmassen, alleinig das Weltgeschehen Interpretieren zu können und sich darin übertreffen wollen mich und andere Leser zu manipulieren.

Da, also in Der Spiegel, wird der faschistischen Putsch in der Ukraine vorbehaltlos als Befreiung und demokratischer Umsturz dargestellt.

Da wundert man sich über das Erstarken der rechtsradikalen (um nicht zu sagen in der Führungsstruktur neo-nazistischen) AfD, ohne das jahrelange Versagen der "bürgerlichen" Parteien in der sozialen Frage zu betrachten.

Da werden Kriege, sofern diese "gut" sind, also den Interessen des Kapitals und deren Wertvorstellungen entsprechen, als notwendig hingestellt. Hauptsache die geopolitischen Interessen der Atlantiker auf beiden Seiten des Teiches werden gewahrt (hat denn jeder Spiegel Redakteur Anteile an Ölkonzernen?)

Diese Liste liesse sich beliebig fortsetzen uns eine Veränderung ist, wie dem Artikel zu entnehmen, eher unwahrscheinlich, ehen Tünche.

PS.: Muss mal gesagt werden: Meinen Dank an Telepolis und deren Mitarbeiter für den Aufwand eine solche informierende Website am Leben zu erhalten.


Quote
     der_kleine_techniker, 23.06.2018 11:14

Nicht nur Bevormundung, sondern Erziehung durch Spiegel Artikel

Gerade das junge Magazin Bento instruiert seine Leser auf erzieherische Art und Weise. Dort wird einem wirklich gesagt wie man richtig zu denken hat und warum jede andere Denke falsch ist. Das kommt so teilweise wörtlich in den Überschriften. Aber bento ist eh ein Thema für sich.

Was einen freut, was einen wirklich freut, ist der Umstand, das der Spiegel den Liebesentzug, den ihn seine Leser angedeihen lassen, merkt. Wie Daenisch mal schrieb, der Spiegel liegt jetzt inzwischen in jedem Bahnabteil und Flughafenbar zu Ansicht aus, und wird dort nicht einmal mehr geklaut.



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Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on July 02, 2018, 12:27:33 PM
"Die meisten Journalisten sollten unsicher sein und dies auch kommunizieren" Thomas Pany (30. Juni 2018)
Michael Meyen ist Professor für Allgemeine und Systematische Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitgründer des Netzwerks kritische Kommunikationswissenschaft.
Darüber hinaus ist er Autor der Bücher Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand und - zusammen mit Kerem Schemberger - "Die Kurden. Ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion. ...
Im Rahmen der Veranstaltung Russland: Eskalation im Medienkino in der Reihe Telepolis-Salon sprach Telepolis mit ihm über das Russland-Bild in deutschen Medien.
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Die-meisten-Journalisten-sollten-unsicher-sein-und-dies-auch-kommunizieren-4095271.html?seite=all

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"Der ökonomischen Konzentration folgt die publizistische Konzentration" Marcus Klöckner (13. Juli 2018)
Die Marktmacht großer Verlag wächst weiter: Der Dortmunder Zeitungsforscher Horst Röper hat vor kurzem die Ergebnisse seiner aktuellen Untersuchung zur Konzentration auf dem Markt der Regional- und Lokalpresse bekanntgeben. Die Untersuchung, die Röpers Medienforschungsinstitut formatt alle zwei Jahre durchführt, zeigt einen Rekordwert. Der Gesamtanteil der 10 größten Verlagsgruppen liege nun bei knapp 62 Prozent, die Konzentration habe um 1,8 Prozentpunkte zugenommen, so Röper im Telepolis-Interview. Ein Gespräch über Monopole auf dem Zeitungsmarkt und den immer enger werdenden Meinungskorridor in der Presse. ...
https://www.heise.de/tp/features/Der-oekonomischen-Konzentration-folgt-die-publizistische-Konzentration-4099043.html

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Kommentar Kai Schächtele: "Zynismus der Medienwirklichkeit - Wir Journalisten können nicht so weitermachen wie bisher" (12. Juli 2018)
Im Deutschlandfunk [ ] sprach Stefan Koldehoff am Montag einen Kommentar über die von vielen „im Internet“ geäußerte Kritik, dass Medien über die eingeschlossenen Kinder in Thailand so viel berichten, über die Hunderten von Kindern, die im Mittelmeer ertrunken sind, aber fast nicht. Die Geschichten der Kinder, die im Mittelmeer sterben, sagte er, ließen sich nicht so medienwirksam erzählen wie die der Jungen aus der Höhle. Es gebe keine Gesichter, keine Geschichten, keine Bilder. „Und deswegen wird über diese Kinder – das ist der furchtbar zynische Teil der Medienwirklichkeit – auch weniger berichtet.“ ... Warum tun sich Medien genau damit so schwer: angemessen auf das zu reagieren, was im Moment um uns herum geschieht? ... Die Debatte um Thailand ist ja nur das Symptom. Die Ursachen wurzeln tiefer und gehen dem Selbstverständnis des journalistischen Kosmos ans Mark. Wir stehen gerade an einem Wendepunkt unserer Geschichte. Bernd Ulrich von der ZEIT schreibt in seinem sehr lesenswerten Essay „Wie radikal ist realistisch?“: „500 Jahre europäische beziehungsweise 100 Jahre westlich-amerikanische Dominanz gehen zu Ende – und schlagen zurück. Mehr und mehr wird die vom Westen betriebene Globalisierung dialektisch.“ Wir müssten nun anfangen, auch in den Medien über die wirklich existenziellen Probleme unserer Zeit zu sprechen. Die wahren Bedrohungen unserer Zeit sind nicht Terror oder Migranten – es ist der Klimawandel, der den Planeten für unsere nachfolgenden Generationen schlicht unbenutzbar machen und Flüchtlingsströme auslösen wird, gegen die sich unsere Enkel wünschen werden, sie hätten unsere Probleme von heute. ... Natürlich ist niemandem geholfen, wenn Journalisten politischen Kampagnen aufsitzen oder ihre Skepsis aufgeben. Aber es hat auch keinen Sinn, jede Debatte zu beenden, bevor sie begonnen hat, mit dem Hinweis auf die journalistische Praxis der vergangenen Jahrzehnte. Wir stehen an einer Zeitenwende. Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich weiter Journalist bleibe in einem Betrieb, der nicht willens oder in der Lage ist, sich zu hinterfragen, oder ob ich Partei ergreife für den Kampf um die Lebensverhältnisse auf diesem Planenten und Humanität, muss ich nicht lange nachdenken. Dann kündige ich und werde Aktivist, der mit journalistischen Mitteln davon erzählt, vor welchen Herausforderungen wir gerade stehen und wie wir sie in den Griff bekommen können. ...
https://uebermedien.de/29692/wir-journalisten-koennen-nicht-so-weitermachen-wie-bisher/

Quote
Heinz Schnabel
12. Juli 2018 um 18:21 Uhr

Herr Schächtele sollte sich entscheiden: Aktivist oder Journalist.


Quote
B. Hellwig
12. Juli 2018 um 21:24 Uhr

Jubel, Trubel, Heiterkeit bedient die Ansprüche der konsumgesteuerten Spaßgesellschaft. Hunger, Elend, Tod sind unerwünschte, geflissentlich zu verdrängende Nebenerscheinungen.
Sie können zur Primetime auf dem einen Kanal den besten Bericht über den Klimawandel senden und zeitgleich wird auf einem anderen Kanal live über das stofftiergespickte Kinderzimmer des jüngsten britischen Thronfolgers berichtet. Klar, dass „he is soooo sweet“ in seinem Aston Martin-Bobby-Car mehr Zuschauer anziehen wird.
Andererseits, zeigen z. B. die aufwendigen Dokus von Hannes Jaenicke („.. im Einsatz für…“), dass es durchaus möglich ist, die Menschen für Umweltschutz und Kimawandel zu sensibilisieren. Selbst, wenn von 1 Million Zuschauern, nur einige Zehntausend künftig mehr mit dem Rad fahren, weniger Plastikkram verbrauchen, Fair-Trade-Produkte kaufen oder einsehen, wieviele „arme Schweine“ in ihrem tollen iPhoneX stecken, dann ist immerhin auch schon ‚was erreicht worden.


Quote
LLL
12. Juli 2018 um 21:46 Uhr

„Die wahren Bedrohungen unserer Zeit sind nicht Terror oder Migranten – es ist der Klimawandel, der den Planeten für unsere nachfolgenden Generationen schlicht unbenutzbar machen und Flüchtlingsströme auslösen wird, gegen die sich unsere Enkel wünschen werden, sie hätten unsere Probleme von heute.“

Durchaus zutreffend – allerdings fallen mir auch einige andere Themen ein, die ziemlich relevant sind, in den Medien aber nur ein Schattendasein führen. Um nur mal ein paar markante Beispiele zu nennen:

– Die seit vielen Jahrzehnten und im Grunde seit der Kolonialzeit betriebene Politik des Westens, durch offene und verdeckte Kriege sowie Geheimdienstoperationen und Unterstützung von Diktaturen oder Terrororganisationen starken Einfluss auf ganze Regionen zu nehmen – so etwa auf den Nahen Osten. Zahlreiche Probleme, die zu Flüchtlingsströmen führten, wurden so erst geschaffen. (Es gibt natürlich auch andere Akteure, die man kritisieren kann, aber der Westen spielt hier traditionell die „erste Geige“.)
Nur einige Beispiele: Hilfe beim erfolgreichen Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Syriens Schukri al-Quwatli 1949; Sturz des liberalen Ministerpräsidenten Mossadegh in Persien 1953; Beförderung Saddam Husseins an die Macht als Alleinherrscher (1963). Zumindest einige andere Beispiele dürften bekannt sein, etwa die Entstaatlichung ganzer Länder in jüngerer Zeit.

– Die langjährige Wirtschaftspolitik etwa der EU, die vielen Menschen in Afrika schlichtweg die Existenzgrundlage raubt.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/freihandel-eu-importe-torpedieren-afrikas-wirtschaft-1.3314106

– Die Politik insbesondere der BRD, die aller Voraussicht nach de europäischen Währungsraum zerstören wird – mit verheerenden Folgen auch für Deutschland selbst.
https://makroskop.eu/2018/06/oekonomie-jenseits-der-schwaebischen-hausfrau/

Das – zusammen mit dem Klimawandel – wären wirklich wichtige und große Themen. In den Medien kommen sie eher am Rande vor. Donald Trumps Frisur oder die Eröffnung der grünen Wochen in Buxtehude scheint mitunter wichtiger zu sein.

Durch ihre Berichterstattung verzerren die Medien natürlich auch die Realitätswahrnehmung der Menschen. Ich erinnere mich noch, wie nach einer repräsentativen Umfrage der Zuzug von Osteuropäern als das größte Problem überhaupt angesehen wurde. Zu danken ist der damaligen CSU, die das Thema ganz groß auf die Agenda gesetzt hat – aber natürlich auch den Medien, die fleißig mitgemacht haben. Heutzutage kräht kein Hahn mehr nach dem Thema.


Quote
Gunter Frank
13. Juli 2018 um 10:44 Uhr

Michael Steinbrecher, der Journalismus lehrt, sagte mir einmal, dass man jungen Journalisten vor allem eine Haltung vermitteln muß, ganz so wie es auch dem Autor dieses Beitrages vorschwebt. Ich finde, dass ein Journalist, der ein Thema bearbeitet, nur eine Haltung haben sollte, nämlich gar keine. Hat er eine Haltung steht schon vor seiner Recherche die Überschrift fest. Das ist dann aber kein Journalismus mehr. ...


Quote
Andreas
13. Juli 2018 um 16:18 Uhr

Ich wundere mich vor allem darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kinder in der Höhle in Thailand in eine Relation zu ertrinkenden Flüchtlingen gesetzt werden. Das ist das gleiche Muster, das Horst Seehofer eine Mitschuld am Tod eines abgeschobenen Asylbewerbers gibt.

An die Stelle einer sachlichen Diskussion über Probleme tritt immer mehr eine Moralisierung von Problemen. Wahrscheinlich weil es einfacher ist für den Denkapparat. Eine Beobachtung, die leider nicht nur auf die Kommentarspalten zutrifft, sondern auch für die Medien gilt. Es ist einfacher, über Trumps neue Aussetzer zu moralisieren, als sich ernsthaft mit den Hintergründen seiner Politik auseinander zu setzen. Es ist einfacher, erschüttert über die schrecklichen Erlebnisse Einzelner in Libyschen Lagern zu sein, als sich mit den gesellschaftlichen Strukturen auseinander zu setzen, die dieses Leid verursachen. Dieser Mechanismus gibt dem Populismus seine Durchschlagskraft.

Der vorliegende Artikel stößt in das gleiche Horn und er zeigt auch einen Folgeeffekt der Moralisierung: Immer mehr Menschen scheinen mit immer größerer Sicherheit zu wissen, was richtig und was falsch ist. Moniert wird, das auf einer Veranstaltung zu wenig Journalisten waren, was impliziert, das viel mehr hätten vor Ort sein müssen. Es ist die Rede von der Angemessenheit der Berichterstattung, was impliziert, dass glasklar ist, was angemessen ist und was nicht.

Unsere Gesellschaft wird immer komplexer, differenzierter, schwerer zu durchblicken. Gleichzeitig steigt die Zahl derer, die den Durchblick haben. Über diesen Widerspruch liest man erstaunlich wenig im Internet. Ist halt ein schwieriges Thema.


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Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on August 08, 2018, 01:01:14 PM
Quote
[...] Politikwissenschaftler Thomas Kliche: Gerade Menschen, die Politik und Medien misstrauen, haben klammheimlich ein schlechtes Gewissen: Sie wissen, dass sie Mitschuld an der Sache tragen, und suchen einen Sündenbock. Die Menschen wissen ja, sie haben genau diese Politik seit Jahren immer wieder gewählt, bis es keine andere Art von Politik mehr gab. Sie wissen, dass sie selbst zu faul für zeitraubende Ämter und ätzende Parteiarbeit sind. Die Menschen wissen auch, dass sie Medien, besonders Fernsehen, zur Steuerung ihrer Gefühle einsetzen: Sie wählen Sendungen und Formate, die ihnen ziemlich berechenbar bestimmte Stimmungen und eine Bestätigung ihrer Sichtweisen verschaffen. Wer seine Ruhe haben will, schaut Köche, Volksmusik oder Schmalzfilme. Wer die Welt vor lauter künstlicher Aufregung vergessen will, schaut Horror und Weltuntergang. Wer seine eigenen abgedrehten Ansichten bestätigen möchte, taucht unter Gleichgesinnte ins Internet ab, etwa in das Netz der Populisten. Die anstrengenden Einzelheiten der Wirtschaftspolitik zum Beispiel interessieren kaum jemanden, aber alle haben hohe Erwartungen und eine Meinung dazu. Die Verachtung für Politik und Medien hat also bei vielen Menschen auch mit der eigenen Faulheit und Wirklichkeitsvermeidung zu tun.

Womit haben sich, wenn man das so sagen kann, Politiker und Journalisten ihr schlechtes Ansehen erarbeitet?

Durch Feigheit, Kurzsichtigkeit und Betriebsamkeit. Sie haben den Menschen die grundlegenden Steuerungsprobleme der Gesellschaftsordnung schöngeredet, sie haben sich von Krise zu Krise gehangelt und sie haben bis heute einfach weitergemacht, als hätte niemand die Erdstöße gespürt. Aber alle wissen inzwischen halb und halb bewusst: So geht es nicht weiter. Die Pole schmelzen, Plastik vergiftet die Ozeane, Hormone und Gülle verpesten das Trinkwasser, Industriestaaten sind überschuldet, Dieselbetrüger oder Banken oder Digitalkonzerne machen sich über den Rechtsstaat lustig, unsere Klamotten kommen aus Kinderarbeit, unsere Waffenexporte erzeugen Flüchtlinge. Diesen Tiefenbeben ist das Klein-Klein in Medien und Politik offenkundig nicht gewachsen. ... Die Menschen sind auf der Suche, voller verschobener Angst, viele suchen neue Wege. Wenn ein Macron oder ein Trump kommt oder eine Fünf-Sterne-Bewegung, gibt es rasch mal einen Erdrutsch. Es fehlt ein solidarisches, nachhaltiges Politikprojekt, das Mehrheiten ansprechen kann. Medien bieten in dieser Lage Argumente und Orientierung an. Sie steuern, zusammen mit Wissenschaft und Recht, unseren Interdiskurs, also den geistigen Raum wahrheitsfähiger Aussagen in unserer Gesellschaft. Je verrückter die kleinen Deutungsinseln im Internet werden, je weniger politische und wirtschaftliche Bildung viele Menschen haben, desto unersetzlicher wird der Interdiskurs als große Linie der Orientierung für alle. Medien mögen also Vertrauen bei manchen verlieren, aber sie gewinnen an Gewicht als selbstverständliche Grundlage unserer gesellschaftlichen Verständigung. Das sollten sie weitermachen, aber ruhigere, informativere und weisere Formate dafür suchen. Damit experimentieren sie, aber da stehen wir alle am Anfang.

... Die Diskussion über die großen Talkshows ist seit zehn Jahren überfällig. Da lassen sich eitle Streithähne von eitlen Moderatoren aufeinanderhetzen. Die machen regelrecht Themen, zum Beispiel seit Jahren durch etwa eine Talkshow zu Migration pro Woche. Die vermeintlich neuen Formen von Orientierung im Internet sind auf der anderen Seite gar nicht neu. Das sind ja vor allem zwei: Der Blogger tritt an die Stelle des Meinungsführers im Dorf, als dort halt nur einer überhaupt eine Zeitung hatte. Und die Echokammer, wo alle der gleichen Meinung sind, tritt an die Stelle der Sekten und der vielen abgelegenen Täler der Ahnungslosen. Beides gab es ja bis zum Ersten Weltkrieg gar nicht knapp. Beides wurde überwunden. Und heute stehen wir wieder in einem Lernprozess, wie wir eigentlich Wissen sinnvoll organisieren, ohne von den ganzen Eindrücken und Informationen blöd oder angeödet zu werden.

... Wir hatten ein Jahrzehnt, in dem eine Mehrheit auf stabiles, ruhiges Wachstum und bequemen Wohlstand großen Wert gelegt hat. Und jetzt stellen die Menschen auf einmal fest, dass Deutschland dadurch Probleme verschleppt hat und den Anschluss verpassen könnte, weil die Politiker gar keine Lösungen in der Tasche haben. Jetzt wollen sie langfristige Entwürfe, aber sie haben ja gerade Politiker gewählt, die damit nix am Hut hatten, vor allem Angela Merkel. Da herrscht eine tiefe Ernüchterung, und viele müssen jetzt erst wieder realisieren, dass man die eigentlichen Entscheidungen in der Demokratie nicht an die Politiker abschieben darf, sondern selbst mit Engagement und Wahl die Weichen stellt.

... In der Demokratie haben Menschen das Recht auf Blödheit und Verbohrtheit. Wir müssen stattdessen vernünftige Auseinandersetzungen, Wahrheitsliebe und Verantwortungsbewusstsein stärken. Das ist eine langfristige Aufgabe, für uns alle, besonders für die Bildungseinrichtungen.

... Es gibt aber einen Unterschied zu früheren Generationen: Willy Brandt stand für ein geschichtliches Programm von Befreiung und Gerechtigkeit, für den demokratischen Sozialismus. Solche Programme haben wir uns abgewöhnt, und jetzt fehlen sie uns. Was die Sozialdemokratie mit dem Kapitalismus national geschafft hat, nämlich ihn zu zähmen, das brauchen wir in den kommenden Jahren international.

Quote
momo

"Was die Sozialdemokratie mit dem Kapitalismus national geschafft hat, nämlich ihn zu zähmen, das brauchen wir in den kommenden Jahren international."
Diese Satz macht das gesamte - ansonsten gute Interview - total verwirrend. Die Sozialdemokratie hat überhaupt nichts gezähmt, sondern aus purem Opportunismus ihr letztes Stück Glaubwürdigkeit verloren. Das Finanzkapital hat weltweit alles unter Kontrolle und in Deutschland hat Schröder eben genau für dieses Finanzkapital Tor und Tür weit aufgemacht. Der Kanzler der Bosse wurde er aus gutem Grund genannt.


Quote
NewBambus

Ich glaube, Sie haben das mißverstanden. Hier war die SPD bis in die Regierungszeit Schmidt gemeint. Damals waren Marktwirtschaft und Soziales in einer besseren Balance als später oder heute.
Rot-Grün unter Schröder hat dann Vieles falsch gemacht und zu Lasten der Menschen in vermeintlichem Reformeifer dem Kapital wieder viel Türen geöffnet, gerade aber für die Schwachen in der Gesellschaft viele geschlossen. Daran tragen wir noch heute.


...


Aus: " Medienkritik „Manche alten Formen erzeugen Brechreiz“" Bernhard Honnigfort (08.08.2018)
Quelle: http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/medien/medienkritik-manche-alten-formen-erzeugen-brechreiz-a-1558775
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on August 23, 2018, 08:07:46 AM
Quote
[...] Zum Glück, sie haben die blonde Britin aus dem Mittelmeer gerettet, die von einem Kreuzfahrtschiff betrunken ins Meer gestürzt war. Die Weltpresse berichtet, CNN, "Hindustan Times", "The Australian Financial Review", die nigerianische Tageszeitung "The Punch" und sogar exotische Publikationen wie die "Passauer Neue Presse" (SPIEGEL ONLINE natürlich auch).

Die Frau wird interviewt, Seenotrettungsexperten werden befragt, Tipps werden veröffentlicht, wie man sich allein auf hoher See verhalten sollte. Ranglistenhaft werden jene Menschen aufgezählt, die am längsten in Seenot überlebt haben. Buchautor Sebastian Fitzek wird gefragt, weil er 2014 einen Thriller mit einem Kreuzfahrtschiff schrieb ... . Die zehnstündige, am Ende glückliche Seenotrettung durchmisst einen ganzen sogenannten "Nachrichtenzyklus".

In praktisch keinem Artikel wird das eigentlich Offensichtliche erwähnt: Die langwierige, aufwendige Rettungsaktion der Frau im Mittelmeer steht in direktem Kontrast zur fortwährenden Katastrophe ertrinkender Menschen im Mittelmeer und deren Seenotrettung.

Seit Anfang 2018 sind mindestens 1500 Menschen, Männer, Frauen, Kinder im gleichen Meer ertrunken, aus dem die britische Frau gerettet wurde. Der Kapitän des Rettungsschiffes sagte, es sei ein unvergleichliches Gefühl, ein Menschenleben gerettet zu haben. Man stelle sich vor, sie hätten statt der Britin aus Versehen eine dahintreibende Frau aus dem Tschad entdeckt, dem gleichen Kapitän würde eine Anklage drohen.

Es ist einigermaßen schwierig, nicht zynisch zu werden, wenn man sich den Unterschied vor Augen führt: Deutschland diskutiert offenbar ernsthaft darüber, ob Seenotrettung sinnvoll sei - bei schwarzen Flüchtlingen. Die aufwendige Rettung einer Britin dagegen wird medial geradezu gefeiert. Es ist nicht so, dass über Flüchtlingsrettung wenig geschrieben wird - aber es wird in verstörend anderem Ton darüber berichtet.

Aus meiner Sicht gibt es für diese Unwucht mehrere Gründe, zwei davon möchte ich herauspicken:

Einer ist die Übermedialisierung der Welt. Der normale Kontakt mit Nachrichten bestand in Deutschland in den Achtzigerjahren aus einer Morgenzeitung, Radionachrichten im Auto und der Tagesschau am Abend. Vielleicht noch ein wöchentliches Magazin.

Der normale Kontakt mit Nachrichten im Jahr 2018 ist eine tägliche Flut von Stakkatonews im Minutentakt, hauptsächlich auf dem Smartphone, in Apps, Social Networks, Streams, auf Nachrichtenseiten und in Messengern, verteilt von Journalisten, Feeds, Eilmeldungs-Benachrichtigungen, Friends und diesem nervigen Onkel, der dauernd Artikel zu Ausländerkriminalität mit vielen roten Ausrufezeichen versendet, seit man ihm auf einem Familienfest erklärte, dass man sich eher den linken Arm abschneiden würde als AfD zu wählen (den rechten Arm bräuchte man ja noch, wenn die AfD gewinnen sollte).

Diese Übermedialisierung verändert nicht nur die Nachrichten, weil oft in schnellerem Takt Neues berichtet werden muss, als sinnvolle Neuigkeiten zu einer großen Nachrichtenlage überhaupt entstehen. Die Übermedialisierung verändert auch die Wahrnehmung des Weltgeschehens durch die Menschen. Kurt Tucholsky zitiert 1925 in seinem Zeitungsartikel "Französischer Witz" einen Diplomaten: "Der Tod eines Menschen: das ist eine Katastrophe. Hunderttausend Tote: das ist eine Statistik!" Mit dem Schicksal Einzelner kann man sich leichter identifizieren als mit dem Schicksal einer großen Zahl von Menschen, das ist nicht neu.

Aber durch den Katastrophendauerhagel wird eine gewisse Abstumpfung vorangetrieben. Und zwar eine sehr spezifische: Ich unterstelle freundlich, dass sich eigentlich fast jede Person ihre Menschlichkeit bewahren möchte - aber durch die Nachrichtenflut ist es nicht möglich, auf jedes Katastrophenopfer gleich zu reagieren. Man ist gezwungen zu filtern, also: Opfer nach Relevanz zu sortieren.

Je näher einem die Opfer sind, je stärker man sich mit ihnen identifizieren kann, umso größer die Nachricht und auch ihre Wirkung beim Publikum. Je abstrakter, je ferner, je weniger man sich mit Opfergruppen identifizieren kann, umso leichter lassen sie sich nachrichtlich überfliegen - einer der Gründe, warum die kleine Zahl von nicht weißen Menschen in großen Redaktionen ein Problem ist. Was direkt zu einem zweiten Grund für die nachrichtliche Unwucht zwischen der Rettung einer blonden Britin und der Rettung schwarzer Migranten führt (in Redaktionen wie beim Publikum):

Rassismus. Rassismus ist nicht denen vorbehalten, die hauptberuflich Vollzeit für die Versklavung oder Ermordung von nicht weißen Menschen eintreten. Rassismus hat keinen An-Aus-Schalter, es gibt ihn in vielen, auch subtilen Formen. Eine sehr wesentliche ist der unterschwellige, sogar unbewusste Rassismus. Selbstverständlich wirkende Denkmuster, die man nur schwer entlarven kann, die aber im Kern Rassismen enthalten. Die Bewertung von Menschen nach Herkunft und Hautfarbe.

Rassistische Muster sind viel tiefer im alltäglichen Empfinden verankert als sich Nichtbetroffene eingestehen möchten. Ich weiß das, weil ich solche Muster bei mir selbst immer wieder entdecke. Einige Zeit nach dem ersten Anschlag islamistischer Massenmörder in Paris war in den Radionachrichten von vielen Toten bei einem Attentat die Rede. Ich kann mich noch an das spontane Gefühl einer gewissen Erleichterung erinnern, als es "nur" Afrika war und nicht wieder Paris. Den eigentlich perversen und durchaus rassistischen Aspekt meiner Erstempfindung erkannte ich zu spät.

Das hat auch mit der Nähe zu tun. Durch die Übermedialisierung ist man gezwungen, konzentrische Kreise der Relevanz um sich herum zu ziehen, und damit gewissermaßen eine Art Opferrangliste zu erstellen. Aber diese Relevanz hat meiner Ansicht nach bei den meisten Menschen - auch bei mir - eine Komponente der Selbstähnlichkeit. Und ich bin so weiß, ich brauche sogar im Mondlicht Sonnencreme, um Trevor Noah zu zitieren.

Es geht mir nicht darum, alle Journalisten als rassistisch zu bezeichnen, die über die britische Frau berichteten, ohne an ertrinkende Flüchtlinge auch nur zu denken. Ich selbst habe diese eigentlich absurd offensichtliche Parallele überhaupt erst anhand eines Tweets erkannt. https://twitter.com/Linuzifer/status/1031626100630282240 (https://twitter.com/Linuzifer/status/1031626100630282240) Aber man kann Rassismen verinnerlichen, damit denken und handeln, ohne es zu bemerken.

Sehe ich mich als Rassist? Nein. Enthält mein Denken rassistisch wirksame Muster? Natürlich. Der Kampf gegen Rassismus besteht deshalb nicht nur darin, offenen Rassisten entgegenzutreten, sondern auch, rassistische Denkmuster, Strukturen, Selbstverständlichkeiten zu entlarven und immer wieder zurückzudrängen, auch bei sich selbst. Am besten ohne Selbstmitleid oder Triumphgeheul.

Das verbreitete Gefühl, etwa, seit der Verbreitung der sozialen Medien würde ständig überall "Rassismus!" gemeldet - ist richtig. Der Ursprung davon ist zum einen die höhere Sensibilität gegenüber Rassismus und zum anderen die tatsächliche Allgegenwart von rassistischen Mustern, Denkfiguren und Handlungen. Man konnte sie vor Social Media bloß leichter ignorieren. Als weiße Person.

Diese beiden Effekte - verdeckte Rassismen und Übermedialisierung - greifen ineinander, verschmelzen und beeinflussen sich gegenseitig, deshalb kann man auch das eine nicht als Entschuldigung oder zur Entlastung verwenden. "Das ist keine rassistische Empfindung, mir ist bloß die weiße Britin näher als der schwarze Togoer" - das ist ein falscher Selbstfreispruch.

Umgekehrt ist man aber eben auch nicht zwingend Rassist, wenn man die Kreuzfahrt-Story intensiv verfolgt hat, von ertrinkenden Migranten dagegen nichts mehr lesen möchte. Man ist dann aber durch die Übermedialisierung rassistischen Bewertungsmustern erlegen.

 Das Internet und die soziale Medien haben durch ihre Intensität und Taktung eine Überdosis Weltgeschehen zur Normalität gemacht. Die Reaktionen darauf, die journalistische und die des Publikums, erscheinen mir noch zu reflexhaft und auf althergebrachte Maßstäbe fokussiert. Das tägliche Nachrichtensteak ist zum minütlichen Newsbrei geworden - und wir sitzen noch immer mit Messer und Gabel da.

Natürlich muss man sich vor zu viel Horror schützen, vor zu viel bitterem Weltgeschehen in mitgefilmter Nahaufnahme. Natürlich braucht man einen persönlichen Filter, was man an sich heranlässt und was nicht. Aber nicht die Existenz des persönlichen Filters, der redaktionellen Auswahl ist problematisch - sondern wenn man nicht realisiert, nach welchen Kriterien das funktioniert. Und nur deshalb so tun kann, als hätte die Seenotrettung einer weißen Britin nichts mit der Seenotrettung schwarzer Migranten zu tun.


Aus: "Die Unwucht in unserer Wahrnehmung" Eine Kolumne von Sascha Lobo (22.08.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/seenotrettung-im-mittelmeer-eine-unwucht-in-unserer-wahrnehmung-a-1224329.html (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/seenotrettung-im-mittelmeer-eine-unwucht-in-unserer-wahrnehmung-a-1224329.html)

http://www.spiegel.de/forum/netzwelt/seenotrettung-im-mittelmeer-die-unwucht-unserer-wahrnehmung-thread-792870-1.html (http://www.spiegel.de/forum/netzwelt/seenotrettung-im-mittelmeer-die-unwucht-unserer-wahrnehmung-thread-792870-1.html)
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on September 02, 2018, 12:13:38 AM
"ARD-aktuell: Der Tötungsfall in Offenburg" Dr. Kai Gniffke (18. August 2018)
Uns erreichen auf verschiedenen Wegen Publikumsreaktionen, die nicht nachvollziehen können, warum wir über die tödliche Attacke auf einen Arzt in Offenburg nicht in der Tagesschau berichtet haben. ... Wir berichten in der Tagesschau über Dinge von gesellschaftlicher, nationaler oder internationaler Relevanz. Dinge, die für die Mehrzahl der rund 83 Millionen Deutschen von Bedeutung sind. Dabei können wir nicht über jeden Mordfall berichten. Ich glaube, da würde wohl auch die Mehrzahl unserer Kritiker noch mitgehen. Wo die Meinungen auseinander gehen, ist die Frage, ob wir darüber berichten sollten, wenn es sich beim Tatverdächtigen um einen Asylbewerber handelt. Aus meiner Sicht sollten wir das dann tun, wenn Asylbewerber überproportional an Tötungsdelikten beteiligt wären. Das ist, soweit wir es recherchieren können, nicht der Fall. Deshalb haben wir uns gegen die Berichterstattung entschieden.
So, und nun kommt ein Satz, der mir ganz wichtig ist. Es haben all diejenigen Recht, die sagen, dass der Arzt heute noch leben würde, wenn dieser Flüchtling nicht ins Land gekommen wäre. Stimmt, ganz klar. Aber ich sage ebenso deutlich, dass auch das für mich noch keine Begründung ist, über einzelne Kriminalfälle in der Tagesschau zu berichten, weil das gilt, was ich oben beschrieben habe. Ausdrücklich erkenne ich an, dass es absolut legitim ist, uns danach zu fragen. Wer uns wegen unserer Haltung beim Fall Offenburg kritisiert, ist kein Rassist. Dabei lasse ich jetzt mal die Zuschriften außer Acht, die uns vorwerfen, statt über Offenburg über den Tod einer „farbigen“ Musikerin namens Aretha Franklin berichtet zu haben.
Auch wenn wir bei Vorfällen wie in Offenburg traurig oder wütend sind, versuchen wir weiterhin nach journalistischen und ethischen Prinzipien unabhängig und unvoreingenommen zu berichten. Das ist das, was das Publikum von uns zu Recht erwarten darf. ...

https://blog.tagesschau.de/2018/08/18/der-toetungsfall-in-offenburg/

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2: Jürgen Weiß: 18. August 2018 um 17:02 Uhr

Danke für diese gute und abgewogene Klarstellung.


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20: S. Brendel: 18. August 2018 um 17:30 Uhr

Absolute Zustimmung! Als nächstes verlangt jede gesellschaftliche Gruppierung ihre eigene Norm wer wann
worüber zu berichten hat. ...


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[...] Westliche Doppelmoral: Saudi-Arabien, Russland und Syrien  ... In die aufgeladene Stimmung mit starker Schwarz-Weiß-Malerei zwischen dem Westen und Russland passt, dass Saudi-Arabien die Repression im Inneren weiter anzieht, nachdem sowieso schon Bürger- und Frauenrechtler verfolgt, eingesperrt und mit hohen Strafen verurteilt wurden. Jetzt wurde ein Gesetz eingeführt, nach dem diejenigen, die Satire online veröffentlichen, mit 5 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe vonrechnen müssen, wenn dies die "öffentliche Ordnung" stört. Und das geht weit, alles, was "die öffentliche Ordnung, religiöse Werte und die öffentliche Moral lächerlich macht, provoziert und stört", kann bestraft werden. Der junge Kronprinz Mohammed bin Salman setzt auf die harte Hand, um das rückwärts gewandte theokratische Regime bei aller technischen Modernisierung zu verteidigen. Und er kann das mit der Duldung der westlichen Staatengemeinschaft machen, die ihre angeblichen Werte nur dort kraftvoll zur Geltung bringt, wo es ihr geopolitisch und wirtschaftlich nicht schadet. ...


Aus: "Westliche Doppelmoral: Saudi-Arabien, Russland und Syrien" Florian Rötzer (05. September 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Westliche-Doppelmoral-Saudi-Arabien-Russland-und-Syrien-4155121.html (https://www.heise.de/tp/features/Westliche-Doppelmoral-Saudi-Arabien-Russland-und-Syrien-4155121.html)

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     Trumpelstilzchen, 05.09.2018 08:08

Doppelmoral ist der völlig falsche Begriff, denn moralische Kategorien spielen überhaupt keine Rolle, es sei denn zur Manipulation des Pöbels...


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     stony246, 05.09.2018 09:24

Es geht nur um Geschäfte

Dafür, dass der militärisch industrielle Komplex einen Haufen Geld verdient, dafür dass die Mitglieder der politischen Führung daran mitverdienen, und dass die Wirtschaft der USA angekurbelt wird. Und der gemeine Bürger zahlt das über seine Steuern, während die reiche Elite immer mehr von Steuern entlastet wird.

Und wenn dafür ein paar hunterttausend Menschen getötet werden und Millionen um ihre Existenz gebracht und vertrieben werden: Wo cares? Denn wir sind ja per Definition die Guten.


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     Der Terrier, 05.09.2018 08:14

ja ja Doppelmoral

Bei TP hat es doch bisher niemanden gestört das Russland und Diktator Assad in Syrien verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Die Friedensbewegten, Russlandfreunde und Linke hetzen immer nur gegen den Westen.

Die von Assad und Russland ermordeten Kinder in Syrien hat doch hier bisher keinen interessiert.


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     Angestalt, 05.09.2018 08:22

Re: ja ja Doppelmoral

...leider hat Telepolis nicht die Reichweite anderer Medien. Wenn ich Ihre Kritik auf diese anpasse liest die sich so:

Bei ZON/SPON & Co hat es doch bisher niemanden gestört das Saudi Arabien & US-Konsorten im Jemen Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Die Neoliberalen, US-Freunde und als Linke getarnte Kriegstreiber hetzen immer nur gegen den Russlad und Iran.

Die von Saudi Arabien ermordeten Kinder im Jemen haben doch bisher keinen interessiert.


etc.
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on September 05, 2018, 11:52:01 AM
Quote
[...] Spiegel Online ... wo nervtötende bewegte Werbeflächen ein konzentriertes Lesen der Texte erheblich behindern. Um lesen zu können, müssen Leser das Browserfenster auf die Breite der mittleren Spalte reduzieren. Adblocker sind nicht mehr möglich. Statt sich zu fragen, warum die Leser Adblocker nutzen wollen, sperrt Spiegel Online deren Nutzer aus.

Weil die Verzweiflung offenbar groß und die Werbeflächen immer noch nicht genug Umsatz bringen, führte Spiegel Online die Werbung über die gesamte Seitenbreite ein - quer über die mittlere Textspalte. Erstmalig am 07.07.2018 stellte Spiegel Online eine solche Maximalwerbung für den BMW i8 Roadster in den oberen Bereich der Startseite. Vom ersten Artikel war nur noch ein 2-Zeiler zu sehen, dann folgt die riesige Werbefläche, und erst nach dem Herunter-scrollen ging es redaktionell weiter.

Bemerkenswert bei dieser Werbung: Versteht sich Spiegel Online als Medium für die Zielgruppe potentieller Käufer von 155.000 € - Autos? Das würde die wirtschaftspolitische Ausrichtung erklären. Andererseits zeigte Spiegel Online am 27.08. eine ebenso bildschirmfüllende Werbung für eine Casting Show, die die entgegengesetzte Zielgruppe anspricht. Nach der Devise "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing" erklärt das viele Werbekunden-orientierte Minnesänger Artikel - und fehlende kritische Inhalte.

Die experimentelle Spiegel-Tochter bento geht noch weiter und führt Leser mit "native advertising" in die Irre, also Werbe-Artikeln, die von bento Redakteuren im bento-Layout geschrieben werden, aber lediglich eine irreführende Werbung sind. In Printausgabe Nr. 17 / 2014 lehnte der Spiegel noch ab, was er unter Brinkbäumer, Hans und Hass einführte: "Eine Gefahr für den unabhängigen Journalismus ist das nicht - der findet hier ohnehin kaum statt.

... Symptomatisch für den journalistischen Niedergang des Spiegel ist die Kündigung des vielfach preisgekrönten Journalisten Harald Schumann. Dieser erlebte seit 1999, dass Artikel abgelehnt wurden, die "zu kritisch, zu links, nicht angepasst genug" waren. So schrieb Schumann u.a. einen positiven Artikel über Windkraft, den Chefredakteur Aust ablehnte. Dass Fass lief über bei der berühmt-berüchtigten Spiegel Ausgabe 14/2004 "Der Windmühlenwahn" mit einer "haarsträubend falschen und manipulierten Titelgeschichte mit gefälschten Fotos und gefälschten Zitaten". Chefredakteur Aust, der "seine Pferdezucht im Landkreis Stade von Windrädern bedroht sah" gab die Anweisung, die Windkraft niederzuschreiben.

Beim Berliner Journalistenpreis 2010 erläuterte Schumann auch, wie Banken / Konzerne / Anzeigenkunden Druck auf Redaktionen ausüben, um kritischen Journalismus zu verhindern.

Schumann erklärte: "Es ist in der deutschen Presse gang und gäbe, dass Chefredakteure oder Ressortleiter ihren Untergebenen sagen, wie sie zu denken haben. Dass Vorgaben gemacht werden, was sie recherchieren dürfen, und was nicht. Und dass viele junge Kollegen daran gehindert werden, überhaupt kritische Journalisten zu werden, weil ihre Vorgesetzten das gar nicht wollen." Hand in Hand mit dem Verlust der Glaubwürdigkeit geht die Distanz zu den Lesern. Kommentarfunktionen wurden weitgehend abgeschaltet. Auf der Facebook-Seite werden vorwiegend banale "Panorama"-Themen gepostet. Die "Leserkonferenz" (Paul Schreyer berichtete unter "Inszenierte Offenheit", Katrin McClean unter "Ein Dinner mit den Überzeugten") war eine Farce wie Merkels inszenierter "Bürgerdialog".

Fast alle Massen-Printmedien befinden sich in der Krise. Die Bild verlor in den letzten 20 Jahren zwei Drittel ihrer Leser. Die Druckauflage der Süddeutsche Zeitung sank in den letzten 10 Jahren um 36 Prozent, die des Handelsblatts um 52 Prozent und die der ZEIT um 11 Prozent. Fast alle Zeitungen und Magazine rechnen sich ihre Verkaufszahlen mit teilweise verschleuderten ePapers schön. Springer hat seine Immobilien bereits verkaufen müssen, die FAZ liegt nur noch knapp über 200.000 Exemplaren und kann ihr Verlagsgebäude nicht mehr halten, die Welt verkauft nur noch 86.000 Exemplare, die taz fiel unter 50.000 und bettelt immer offensiver um Spenden. Bei der Funcke-Gruppe und Madsack werden immer mehr Redaktionen zusammengelegt und Stellen gestrichen.

In diesem Umfeld geht es auch beim Spiegel wirtschaftlich seit etwa 10 Jahren bergab. Die Abonnentenzahl sank um 26 Prozent. Die Zahl der verkauften Hefte sank seit 2008 von über 1 Million um 30 Prozent auf 704.656 im 2. Quartal 2018. Von 2007 bis 2014 sank der Umsatz der Spiegel-Gruppe um rund ein Fünftel. Spiegel Online hat zwar erheblich hinzugewonnen und erzielt mit rund 40 Millionen Klicks pro Monat nach bild.de unter den Websites der Massenmedien die größte Reichweite, ist aber zu klein, um die Umsatzverluste vor allem beim alten Schlachtschiff - der Printausgabe - wettzumachen.

Konsequenz von Chefredakteur Brinkbäumer und Geschäftsführer Hass 2015: Jeder fünfte Vollzeit-Angestellte musste gehen, darunter 35 Angestellte aus der Redaktion. 2017 gab es Umsatzverluste von 11 Millionen Euro, die wahrscheinlich vor allem durch baldige Kündigungen kompensiert werden sollen.


Aus: "Neoliberaler Nachfolger für abgesetzten Spiegel-Chefredakteur" Jörg Gastmann (04. September 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Neoliberaler-Nachfolger-fuer-abgesetzten-Spiegel-Chefredakteur-4153348.html?seite=all (https://www.heise.de/tp/features/Neoliberaler-Nachfolger-fuer-abgesetzten-Spiegel-Chefredakteur-4153348.html?seite=all)

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     sadbydefinition, 04.09.2018 15:24

"für die Zielgruppe potentieller Käufer von 155.000 € - Autos"

    Versteht sich Spiegel Online als Medium für die Zielgruppe potentieller Käufer von 155.000 € - Autos?

Der Print-Spiegel besteht doch seit Jahren schon gefühlt aus mehr Werbung für teure Uhren, Autos und sonstigen Luxus-Kram als aus echten Artikeln! Anscheinend sind Spiegel-Leser allesamt Millionäre...


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     KarierterHut

mehr als 1000 Beiträge seit 15.07.2009
04.09.2018 15:49

    100 Permalink Melden

Re: "für die Zielgruppe potentieller Käufer von 155.000 € - Autos"

... Nein. Solche Werbung und ähnlich gelagerte Zeitschriften (z.B. für Uhren und Hifi) sollen die weniger Vermögenden zu mehr Leistung anstacheln. Das ist die Möhre die man ihnen vor die Nase hält. Wer sich keine goldene Rolex kaufen kann der blättert wenigstens in einer Zeitschrift mit bunten Bildern und träumt davon.

Und die Werbung vom i8 soll ja nicht den Verkauf des i8 ankurbeln sondern die Marke BMW als ganzes innovativ und leistungsfähig erscheinen lassen. Daher macht die Anzeige schon Sinn.



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     etwasvernunft, 04.09.2018 20:15

Das mit dem "zu Leistung anstacheln" halte ich für sekundär

Ziel ist, den Statuswert des Käufers zu heben. Denn wenn keiner weiß, dass es diese Artikel (Luxusautos, Uhren etc.) erstens gibt und zweitens wie sie aussehen, dann sind sie für ihre Träger wertlos. Dann sagt niemand Ahh und Ohh, was muss das für ein wichtiger Mensch sein. Es hat die gleiche Funktion wie das Schloss in feudalen Zeiten, denen wir uns mit Riesenschritten wieder annähern.


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     Twistie2015, Bettina Hammer

04.09.2018 16:24

Re: "für die Zielgruppe potentieller Käufer von 155.000 € - Autos"

sadbydefinition schrieb am 04.09.2018 15:24:

        Versteht sich Spiegel Online als Medium für die Zielgruppe potentieller Käufer von 155.000 € - Autos?

    Der Print-Spiegel besteht doch seit Jahren schon gefühlt aus mehr Werbung für teure Uhren, Autos und sonstigen Luxus-Kram als aus echten Artikeln! Anscheinend sind Spiegel-Leser allesamt Millionäre...


Eher nicht. Aber die Werbung ist ja zum einen gut um das steuerlich geltend zu machen für den Werbenden und funktioniert natürlich als Trigger - du siehst die Yacht oder die Rolex, begleitend gibt es dann die Prominews mit den Bildchen der Promis, die die Rolex tragen, mit Bildern von den Yachten, die gerade verkauft werden usw. Das wirkt als Anreiz - ach, hätte ich das nur auch. Dann ergibst du dich entweder in die Träume oder aber du versuchst, durch Arbeit auch so weit zu kommen.

In beiden Fällen wirst du aber nicht weiter die wenigen politischen Artikel lesen, egal wie einseitig, oder gar anfangen, diese kritisch zu begleiten.

Darum gibt es auch so viele Kommentare bei "in unserer WG will einer von uns nicht mehr putzen, was soll ich tun" oder "Brad und Angelina - Scheidungsverfahren wird schlimmer", während die wenigen politischen Artikel, die noch mit Foren aufwarten, verwaist sind.

Bento dagegen ködert die feministische Zielgruppe mit pseudofeministischen Artikeln über Menstruationsblutkunst, Schamlippenveränderung und Rasurverzicht (wie liberal, wie furchtlos, wow!) und lenkt sie brav auf Facebook und Co, wo noch diskutiert werden darf damit sich Spon rühmen kann, während sie aber kein Geld für Forenmoderation etc. ausgeben müssen.

die Themen werden kurz angerissen, in "ich finde auch..."-Manier abgehandelt und gut.

...


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          fensterfisch, 04.09.2018 11:31

Vom "Sturmgeschütz der Demokratie" zur Güllepumpe des Neoliberalismus. Was für ein Abstieg.

Mfg FF


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     Netzweltler, 04.09.2018 10:55


"Manager-Magazin" für neureichen Geldadel, "Spiegel" für den Pöbel aber inhaltlich auf gleicher Linie. So ist das in der neoliberal gehirngewäschten deutschen Gesellschaft.


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     nt98b4, 04.09.2018 11:17

Re: "Manager-Magazin" für neureichen Geldadel, "Spiegel" für den Pöbel
Früher war es Bild für Herrn Maier und Spiegel für Dr. Maier.
So ändern sich die Zeiten...


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     Naturzucker, 04.09.2018 09:30

    Beim Berliner Journalistenpreis 2010 erläuterte Schumann auch, wie Banken / Konzerne / Anzeigenkunden Druck auf Redaktionen ausüben, um kritischen Journalismus zu verhindern.

Harald Schumann über die "Innere Pressefreiheit" in Deutschland
Dankesrede von Harald Schumann, Preisträger Berliner Journalistenpreis 'Der lange Atem' 2010 - 1. Preis. Berlin, 03.11.2010
--> https://www.youtube.com/watch?v=xUc1zkO5QdA (https://www.youtube.com/watch?v=xUc1zkO5QdA)

Alleine der darin enthalteneLink war es wert, den Artikel zu lesen.


...
Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on September 11, 2018, 02:00:09 PM
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[...] Nach einer legendären ZDF-Anstalts-Sendung im Januar 2015 , in deren Verlauf die Herren Uthoff und von Wagner mit ein paar Strichen die moralische Verkommenheit vieler eingebetteten Alpha-Autoren und stets bestens informierten Hauptstadtjournalisten an die Wand warfen und vor allem deren Nato-und CIA-PR herausstellten, begannen in Deutschland endlich ein paar Kollegen aus ihrem Tiefschlaf zu erwachen und gegen den Strich zu recherchieren.

Bald stießen sie im Internet auf ganz offen abgedruckte vertragliche "Spielregeln", die zunächst mal für festen Mitarbeiter des Springer-Verlags gelten. Seither wird da munter herumgefummelt und kalibriert von Seiten der Chefetagen und man möchte damit den Bürgern sagen, dass das doch alles nur vage Betriebsanleitungen seien, Orientierungshilfen für junge Mitarbeiter und eben nette Hinweise, Petitessen eigentlich, keiner Erwähnung wert.

... Es gehört zum Komplettversagen der Linken, dass sie sich die Sache mit der Lügenpresse von den Dumpfbacken der Pegida aus der Hand nehmen ließ und seither jede substanzielle Medienkritik mit einer umständlichen und würdelosen Distanzierung von der AfD einleiten muss. Da man diesen Kampf sang- und klanglos vergeigte, verliert sich das aktuelle Rückzugsgebiet des wahrhaftigen Journalismus im parzellierten Weltreich der Off-Medien und den Social-Media Magazinen, Blogs und Foren.

... Anstatt im Dienst und Geist der Dialektik zu streiten - es muss ja nicht gleich mit Hegel, Bloch und Adorno zu tun haben - und sich die Leviten zu lesen, versanden die Debatten im verzagt altklugen Sing-sang sermonaler Konsensmessen. In einer Endlosschleife spulen die Couchbesetzer ihre Sprachregelungen, Tabusetzungen und neofeudalen Moralcodes ab. Mit zelotischer Verbissenheit machen sich diese immer gleichen Infotainer jedes Thema zu eigen: Mietpreisbremse, nervöse Märkte, Soziales, Nullzinsrisiko, Fassbomben, hellenisches Klienteldrama und, logisch, ja, Bildung, Bürokratieabbau, Maidan, Maut, Entlastung der mittleren Einkommen, NSU, NSA, Flüchtlinge, Videobeweis, Biodiesel, Cum-Ex, Hitlers Sackratten und abgehängte Schlecker-Frauen.

In diesen Schlaflabors ("Da bin ich ganz bei Ihnen") hätte kein Scholl-Latour mehr Platz, kein Frank Schirrmacher, Jean Améry, kein Balzac, Grass oder Goethe. Hier sitzen die Duz-Freunde des Guten, Hayali und Seppelt und Theveßen und Kleber und Mascolo. Die so redlichen wie unsichtbaren echten Kollegen werden in Abwesenheit diffamiert als Verschwörungstheoretiker, Putin-Trolle, Europagegner und Rechts- oder Links-Populisten.

Zu Füßen der Raute zeigenden Freiheitsstatue in Apricot schwadroniert die Echokammerelite von der westlichen Wertegemeinschaft, der offenen Gesellschaft, des liberalen Pluralismus, der Entfaltung des Gender-Individuums, den freie Märkten und der Verteidigung irgendwelcher transatlantischer Ideale. Man kann es nicht mehr hören und nicht mehr sehen und nur hoffen, dass der Russe und sein Hacker endlich den Strom abstellen.

Auch kann man die staatliche Sprachverwahrlosung nicht mehr ertragen. Ich mag nur ein Beispiel anführen, nämlich die inflationäre wie beiläufige Erwähnung von den "Menschen, die sich abgehängt fühlen". Das bezieht sich offenbar auf die kleinen Trottel von der Straße, die da draußen hinter der Mattscheibe im Land herumstreunen und deren Einzelschicksale zwischen Jobcenter, Krankschreibung, Eckkneipe, Pflegeloch, Discounthallen und Teilzeitirrsinn verziffert werden.

Naht irgendeine Wahl überbieten sich die urplötzlich so volksnahen Empört-und-betroffen-zugleich-Groko-Charmeure darin, jetzt endlich diese verlorenen Seelen "abzuholen" und "einzufangen" und sie "zurück ins Boot" zu holen. Es ist auch die besorgte Rede von der "Augenhöhe" und davon, dass man die Mühseligen und Beladenen "wieder ernst nehmen" wird - also diese RTL-II-Gimpel, halb White Trash, halb dunkeldeutsches Pack.

Der Zynismus der christlich-liberalen Biomoralisten besteht darin, Millionen von Mitbürgern bis tief in den Mittelstand hinein das Recht abzusprechen, abgehängt zu SEIN. Mit perfider Arroganz werden die Abgehängten auf sich selbst zurückgeworfen. Anschluss verpasst? Euer Problem.

Mehr leisten, mehr Ego-Shooting, mehr Anpassung an unsere schöne neue Wertewelt, einfach mal ein bisschen durch die Institutionen marschieren wie Joschka auf seinem langen Weg in den Schoß seiner Ziehmutter Madeleine Albright, die 1996 meinte: "Ja, ich glaube, die halbe Million Kinder, die wegen der US-Irak-Sanktionen starben, waren den Preis wert." Ihr rundlicher Ziehsohn, einst Vietnamkriegsgegner, dann balkanischer Kriegstreiber und heute ein stirnrunzelnd halluzinierendes Nato-Strichmännchen residiert in einer abgedunkelten Villa im Berliner Nobelviertel Dahlem und bezieht Entgelte von bis zu 30.000 Euro für trostloses Geschwätz.

Fischer wie Schröder oder das Elend namens Scharping sind gloriale Beispiele dafür, wie sich die parlamentarische Betriebsamkeit in eine jämmerliche Simulation von Demokratie verwandelt hat. Gerade die rotgrünen Anteile unseres Wahrheitsregimes tun sich hervor dabei, inzwischen jedes freie frische Denken zu konfiszieren und real-bestehende Interessengegensätze und Widersprüche zu kaschieren.

... Ach ja, der Journalismus: Diese hypnotisierten Top-Schreiber bei Zeit, FAZ, Welt, Spiegel, SZ und wer sich im Wendekreis des Talentschuppens des moralisch verwahrlosten Irrsinns sonst noch nährt, hätten es zu Willy Brandts Zeiten mit einiger Mühe gerade noch in die Rubrik "Vermischtes" geschafft.

...


Aus: "Two Riders were approaching: Der Anfang vom Ende der deutschen Medien" Wolf Reiser (11. September 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Two-Riders-were-approaching-Der-Anfang-vom-Ende-der-deutschen-Medien-4158735.html?seite=all (https://www.heise.de/tp/features/Two-Riders-were-approaching-Der-Anfang-vom-Ende-der-deutschen-Medien-4158735.html?seite=all)

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     NullNullNull, 11.09.2018 00:56

Erfrischend

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Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on September 22, 2018, 04:32:06 PM
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Leitlinien der Redaktionen von ZEIT und ZEIT ONLINE

 

„Das Wesen des Liberalismus ist es, abweichende Ideen nicht zu diffamieren und Kritik an Bestehendem nicht als Ketzerei zu verfolgen, sondern die Minderheiten zu schützen und Offenheit zum Gegensätzlichen zu praktizieren.“

Marion Gräfin Dönhoff

 

1) Alle Redaktionen von ZEIT und ZEIT ONLINE sind unabhängig. Unser Journalismus ist weder politischer noch wirtschaftlicher oder anderer äußerer Einflussnahme unterworfen. Auf dieser Unabhängigkeit sowie auf der Seriosität und Unvoreingenommenheit unserer Recherchen beruht die Glaubwürdigkeit unserer Arbeit.

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3) Wir verteidigen die Meinungsfreiheit. Diese findet ihre Grenzen dort, wo die Menschenwürde verletzt oder die Privat- und Intimsphäre missachtet wird. Wir lassen Fairness walten und achten auf die Verhältnismäßigkeit unseres Urteils.

4) Wir verstehen uns als Plattform für den demokratischen Diskurs in unserer Gesellschaft. Wir bieten ein Forum für Debatten, die von gegenseitigem Respekt geprägt sind – zwischen öffentlich Handelnden, unseren Leserinnen und Lesern und unseren Redaktionen, in der Zeitung, online und im persönlichen Austausch. Wir laden andere ein, unseren Journalismus mit ihrem Wissen und ihren Einschätzungen zu bereichern.

5) Konformismus macht uns skeptisch, wir schätzen die Kontroverse. Wir pflegen die Pluralität der Meinungen, inhaltliche Differenzen stellen wir zur Diskussion und bitten unsere Leser um Widerspruch und Ergänzung.

6) Auch die Arbeit in der Redaktion ist geprägt von einem respektvollen Umgang miteinander. Diskussionen werden offen geführt und lassen Kritik stets zu.

7) Wir berichten aktuell. Wir bestehen auf der Genauigkeit der Fakten und Gedanken. Beim Verbreiten von Nachrichten, die wir nicht selbst überprüfen können, stützen wir uns auf mindestens zwei unabhängige Quellen und weichen von diesem Prinzip nur in begründeten Fällen ab. Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit. Jeder Beitrag, jeder Liveblog-Eintrag, jede Smartphone-Mitteilung wird gewissenhaft geprüft und redigiert. Wir arbeiten transparent. Fehler räumen wir ein und korrigieren sie umgehend.

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9) Wir bilden die vielen Lebenswirklichkeiten und Interessen unserer Gesellschaft ab. Mit der Auswahl von Themen, Protagonisten und Autoren spiegeln wir die Vielfalt von Lebensentwürfen, Überzeugungen und Erwartungen aller sozialen Gruppen wider.

10) Redaktion und Verlag sind getrennt. An kommerziellen Aktivitäten des Verlages beteiligen sich die Redakteurinnen und Redakteure nur dann, wenn dadurch ihre journalistische Unabhängigkeit nicht beeinträchtigt wird. Redaktionelle Inhalte und Werbung trennen wir gut sichtbar voneinander.


Aus: "Leitlinien der Redaktionen von ZEIT und ZEIT ONLINE" Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner (22. September 2018)
Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner 22. September 2018 um 14:00 Uhr   
Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Hauses geben sich ZEIT und ZEIT ONLINE gemeinsame redaktionelle Leitlinien. Sie gelten für alle journalistischen Print- und Onlinemedien unserer Verlagsgruppe, die die „ZEIT“ in ihrem Namen tragen, und formulieren einen Anspruch an uns selbst. Wir haben sie im vergangenen halben Jahr immer wieder in unseren Redaktionen diskutiert und viele Anmerkungen berücksichtigt.
Die Leitlinien liegen ab sofort den Arbeitsverträgen für Redakteurinnen und Redakteure bei und werden im Intranet der ZEIT veröffentlicht. Aus Gründen der Transparenz dokumentieren wir sie auch hier öffentlich in unserem Blog Fragen der ZEIT.
Quelle: https://blog.zeit.de/fragen/2018/09/22/leitlinien-der-redaktionen-von-zeit-und-zeit-online/

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  Snorrt #53

Die Leitlinien klingen sehr vernünftig und wie ein Muster für guten Journalismus. Dazu Daumen hoch und die Hoffnung, dass sich vor allem Pluralismus und Unabhängigkeit halten – ich halte diese beiden Punkte für elementar.
Kritisch gesehen fällt als Leser aber auf, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit oft ganz schöne Lücken klaffen.
Positiv fällt auf, dass die Zeit den Mut hat, Kommentare ihrer Leser zuzulassen, dennoch aber ein Mindestmaß an Etikette und Sachlichkeit durchsetzt.
Für mich kann ich nur sagen: Die Zeit ist und bleibt mein Medium für Informationen, oft gerade wegen der in den Kommentaren enthaltenen unterschiedlichen Blickwinkeln, die das eigene Weltbild doch erheblich erweitern.

Fazit: Weiter den Anspruch hochhalten, auch kontroverse Themen und Meinungen zulassen.


Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on September 24, 2018, 10:48:09 AM
"Qualität von Lokalzeitungen: Bloß nicht kritisieren" Rita Lauter (23. September 2018)
Glaubwürdig, aber ängstlich. Einer Studie zufolge berichten viele Lokalzeitungen zu unkritisch und scheuen sich vor Kommentierungen. ... Mehr als 100 Lokalzeitungen und Lokalausgaben von Boulevard- und überregionalen Blättern sowie deren Onlineausgaben wurden für die Studie ausgewertet, über 18.000 Artikel wurden analysiert. ... Einige Redaktionen schrieben demnach häufiger unausgewogene Texte, ließen bei umstrittenen Themen nur eine Seite zu Wort kommen oder "lassen sich vor den Werbekarren spannen", heißt es vonseiten der Universität. Kritisch berichtet sei kaum worden. ... Ein Grund dafür mag sein, dass gerade im Lokalen die Angst der Redaktionen verbreitet sein könnte, größere Teile ihrer Leserschaft mit einem Kommentar so zu verärgern, dass sie ihr Abo kündigen. Oder aber, dass einflussreiche Werbekunden ihre Anzeigen zurückziehen. Auch die Sorge, dass Lokalpolitiker oder ortsansässige Unternehmerinnen aus Verärgerung keine Interviews mehr geben, könne eine Rolle spielen, sagt Wagner. Möglicherweise haben Redaktionen in vielen Fällen schlicht nicht genug Mitarbeiter, die Zeit für eine umfassende und einordnende Berichterstattung aufwenden zu können. Obwohl es gerade die Einordnung ist, die den Mehrwert gegenüber der blanken Nachricht bietet: Was bedeutet eine Entscheidung, welche Folgen hat sie für die Steuerzahlerin oder den Anwohner? ... Mit steigender Zeitungsgröße – und der damit meist verbundenen besseren finanziellen Ausstattung – wurde auch die Berichterstattung positiver bewertet. Metropolenzeitungen schnitten demnach am besten ab. ... Was empfiehlt sie nun den Zeitungen, um besser zu werden? "Lokalzeitungen sollten mehr Hintergründe liefern, Leserinnen und Leser mehr beteiligen und sich mehr kritische Berichterstattung erlauben." So könnten sie sich unentbehrlicher machen.  ...
https://www.zeit.de/kultur/2018-09/qualitaet-lokalzeitungen-studie-unabhaengigkeit

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Lebenserfahrung #10

Was heißt hier unabhängige Regionalpresse? Viele dieser Blätter werden zu einem nicht unerheblichen Teil von zentralen Dienstleistern wie z.B. Ippen Digital GmbH & Co. KG beliefert. Diese sind im Impressum aufgeführt und deren Artikel sind in der URL erkennbar. Eine kritische Auseinandersetzung der zuständigen Lokalredakteure mit dem gelieferten Inhalt ist nicht erkennbar. Dieser Zentraljournalismus, der viele einzelne Blätter bundesweit "versorgt" (er wirbt damit) , ist ein massives Problem. Er unterwandert die Lokalzeitungen. Zugelassen werden zudem ohne Einschränkungen Kommentare von Usern, bei denen mir Angst und Bange um unser Land wird. ...


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Bettersaulcall #12

Unsere Lokalzeitung ist heute dünner als das kostenlosen Werbeblatt zum Wochenende.
Gekauft wird sie ganz überwiegend von der Seniorengeneration. In 15-20 Jahren dürfte sich das Blatt aus demografischen Gründen von selber erledigt haben.
Was draußen in der Welt passiert kann man eh besser online erfahren und das Lokale beschränkt sich auch weiterhin auf die 08/15-Berichte über Schützenfest, Lokalsport, Feuerwehr, Unfälle etc - also kein wirklicher Grund dafür täglich Geld aus dem Fenster zu werfen.


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ah-jun #13

Meine Lokalzeitung (Südwestpresse Ulm) hat in den letzten Jahren massiv an Qualität verloren. 50% der Fläche werden mit großen bunten Bildern zugeklatscht, die keinerlei Informationswert besitzen. Die Struktur wird immer verworrener. Trotz Sporteil finden sich Sportartikel in allen Teilen, sogar auf der Titelseite.

Die Lokalredaktion versteht sich als Propagandaabteilung der Stadtverwaltung. Es gibt keinerlei kritische Distanz. Die Rechtscheibung ist katastrophal. Bericht und Kommentar wird beliebig vermischt.

Wenn man fachliche Fehler an die Redaktion schreibt, gibt es im Regelfall keine Rückmeldung. Wenn ja, dei Aufforderung nicht so pingelig zu sein. Der "Normalleser" würde den Fehler eh nicht bemerken.

Warum ich noch Abonennt bin? Einmal aus Gewohnheit zum anderen die Tatsache, das das Käsblatt ein Monopol hat.


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Neoetatist#13.1 

"Die Rechtscheibung ist katastrophal."


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Vepchi #22

Ein freier Mitarbeiter meiner Lokalzeitung "Oberhessische Presse" schreibt in unregelmäßigen Abständen ganzseitige Artikel über die Bewegungen am Sternenhimmel aus Sicht der lokalen Sternwarte in Kirchhain. Ich lese das gerne, da mich Astronomie interessiert. Astrologe müsste ich allerdings sein, wenn ich erraten wollte, wie hoch das Investment einer Weltfirma direkt vor meiner Haustür ist, die von der Redaktion 12 km entfernt liegt. Der Nutellafabrikant (40 Tsd Mitarbeiter weltweit) errichtet über eine Strohfirma im GEWERBEGEBIET einer Gesamtgemeinde ein INDUSTRIELLES LOGISTIKZENTRUM, infolgedessen in Zukunft täglich rund 120 LKWs durch die beiden einzigen Dörfer fahren werden, über die man einen Autobahnanschluss hat. Über den umfangreichen Bürgerprotest wird nolens volens berichtet, Hintergrundinformationen bleiben aus, die müssen sich die Bürger selber besorgen. Die veranschlagten Kosten einer Klage gegen das rechtmäßige Zustandekommen der Gemeinderatsentscheidung liegen für die Bürgerbewegung bei 30 Tsd Euro. Für den Konzern ein "Klacks", der die regierenden Parteien seit Jahren mit Spendengeldern sponsert. Der amtierende Bürgermeister, ein christlicher Demokrat, der das Projekt durch "über"korrekte Anwendung der bestehenden Gesetze "gerichtsfest" gemacht hatte, war bei einer Wahlbeteiligung von 37% mit einfacher Stimmenmehrheit gewählt worden. Die Wahlbeteiligung ist seit Jahren tendenziell absteigend. Für all das gibt es kein Interesse in der Presse.


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Fitnesstante #25

Bei unserem Käseblatt ärgere ich mich am meisten darüber, dass dieses den Eindruck macht, als Sprachrohr des Rathauses zu fungieren. Beispielsweise wird über bescheuerte Massenveranstaltungen ("Events") in höchsten Tönen berichtet, obwohl viele Einheimische diese bekanntermaßen überhaupt nicht gut finden. Immerhin werden manchmal ein paar Hintergründe erläutert, kritisch gegenüber der Stadtverwaltung wird es aber sehr selten.


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Kikazaru #31

Ich bin selbst im Gesundheitswesen tätig und versuche seit Jahren, den Journalisten die komplexen Zusammenhänge dieses Systems zu erklären. Mangels Interesse ohne Erfolg. Es ist doch viel einfacher, eine vorgefasste Meinung zu verbreiten, als sich um die meist sehr komplizierten Zusammenhänge zu bemühen. Wenn eine Geburtsstation mit 180 Geburten im Jahr schließt, ist es viel einfacher, die allgemeine Empörung zu bedienen, als sich zu fragen, wie man man eine Station medizinisch hochwertig betreiben soll, wenn man rund um die Uhr Ärzte, Hebammen und Pflegekräfte bereitstellen muss, aber nur jeden zweiten Tag eine Geburt stattfindet. Natürlich ist der böse Träger schuld und nur profitgierig. Dass es unter Umständen für Ärzte und Hebammen höchst unattraktiv sein könnte, auf eiber solchen Station zu arbeiten und man sich deshalb anderweitig umsieht ... nein, das passt nicht ins Bild des Lokaljournalisten. Inzwischen wird auch sehr gern "Thesenjournalismus" betrieben. Also, der Journalist denkt sich etwas (aus) und sucht dann Experten, um das Ausgedachte zu belegen. Beispiel gefällig? Nach einem Schneefall rief ein Lokaljournalist an, der auf dem Bürgersteig ausgerutscht war. Seine These: So wie mir geht es sicher vielen Bürgern. Schuld sind Stadt und Hauseigentümer, der wirtschaftliche Schaden muss enorm sein. Liebes Krankenhaus, bitte liefert doch mal Zahlen über solche Unfallopfer, damit ich diese These belegen kann. Wir lieferten nicht, weil es diesen Zusammenhang nicht gab.


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rettetdiefreiemeinungsäußerung #32

Ich muss das leider bestätigen. Die Journalisten der Tageszeitungen bei und sind zu sehr auf Ihre Informanten aus der Kommunalpolitik angewiesen, dies erzeugt Beisshemmungen.


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Jule Hardhausen #34

Nach meiner Einschätzung fühlt sich die Lokalpresse heute vor allem dem Stadtmarketing verpflichtet. Jubelarien über den eigenen Standort sind die Norm. Das war nicht immer so, aber heute taugen sie nur noch zum Basteln und Fensterputzen.


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Fitnesstante #34.1

So ist es. Zudem gibt es bundesweit genügend Menschen, die auf das "Stadtmarketing" ihres Wohnortes dankend verzichten würden. Können die Lokalzeitungen zur Abwechslung nicht mal über die Gründe hierfür berichten?


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Felix M. #36

Ich bin Leser einer Lokalzeitung und verstehe die Häme vieler Mitforisten gegen die Lokalpresse nicht. Nur aus der Lokalpresse konnte ich entnehmen, dass 3 km Luftlinie von meiner Wohnung entfernt ein örtlicher Unternehmer ein Gefahrstoffflager errichten will und der Bürgermeister (CDU) darüber noch nicht einmal den Stadtrat informierte. Ich möchte auch über örtliche kulturelle Veranstaltungen (Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Ausstellungen) informiert werden, denn Kultur gibt es nicht nur in der 35 km entfernten Großstadt.


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ZwaU #38

Zur Klarstellung: NYT, ZON, taz oder ein deutsches Lokalblatt kann man nicht miteinander vergleichen. Hauptaufgabe einer Lokalzeitung ist es, eingebettet in einen Rahmen überregionaler Informationen lokale Aspekte zu reflektieren - vom Schützenfest bis zur Schließung eines Hallenbads, von kommunalpolitischer Hintergrundmusik bis zur Kopfleiste mit Meinungen von Passanten am verbockten neuen Rathaus. Dazu werden Vorberichte (Ankündigungen), Berichte, Glossen, Kommentare, Reportagen oder Bilderstrecken veröffentlicht. Wie gut das im Einzelfall gelingt, hängt nicht nur von den an einer Zeitung tätigen Journalisten ab, sondern auch davon, welche Mittel und Kräfte ihnen von ihrem Verleger zur Verfügung gestellt werden. Leider sind Verleger heute mehr Rechenkünstler als Publizisten. Wichtig ist: Jede Zeitung ist ein Massenmedium und kann, ja darf es nicht jedem recht machen. Keine Zeitung ist verpflichtet, jeden Vorgang völlig neutral darzustellen. Ist z. B. einem SPD-Wähler eine Zeitung zu CDU-lastig, braucht er sie weder zu abonnieren noch zu lesen. Kommentare sind keine Bevormundung der Leser, sie geben die Meinung eines Journalisten, einer Redaktion oder eines Verlags wieder. Sie dienen als Denk- oder Diskussionsanstoß. Niemand ist gezwungen, einen Kommentar zu lesen. Veröffentlicht eine Zeitung keine oder nur wenige Kommentare, wird sie als weichgespült und beliebig oder belanglos kritisiert. Alternativen im Internet? Da begehen die Zeitungen leider Selbstmord.


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enrico47 #45

Ihr Zitat (sinngemäß): "Lokalzeitungen scheuen sich vor Kommentierungen."

Ich möchte dem energisch widersprechen. Ich lese des öfteren Kommentare in Lokalzeitungen im süddeutschen Raum (Der Neue Tag, Oberpfalz, Mittelbayrische Zeitung, Regensburg, Donaukurier, Ingolstadt u.a.) und freue mich über Ansätze, die ich in überregionalen Zeitungen nicht finde. Im Gegensatz dazu finde ich die Kommentare dieser auflagenstärkeren Zeitungen oft mainstream-artig, d. h. die Kommentare ähneln sich immer mehr an oder sind bei manchen Medien vorhersehbar.
Was natürlich die Kommentare in Lokalzeitungen erschwert, ist die eben durch die geringere Auflage bedingte fehlende Beachtung. Oder haben Sie z.B. schon einen Redner im Bundestag erlebt, der, wenn er zitiert, nicht die FAZ, die Süddeutsche oder vielleicht die ZEIT, zur Untermauerung seiner Aussagen benützt?
Ich empfehle also, ruhig einmal Lokalzeitungen zur Hand zu nehmen und deren Kommentare zu lesen.


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Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on September 26, 2018, 02:12:31 PM
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[...] Klaus Theweleit (18.09.2018): " ... Selbstverständlich verbreiten alle die, denen es irgendwie „besser“ geht, denen es auskömmlich geht oder zu gehen scheint, die ihr Dasein als Lust empfinden, Lügen zur Lage derer, denen es nicht so geht; die die Welt um sich herum als bedrohlich empfinden, aber keine Chance auf Veränderungen sehen; jedenfalls nicht auf zivilen Wegen. Ein Grundfehler der liberalen „bürgerlichen“ Presse war (und ist) es meiner Meinung nach, den Vorwurf der „Lügenpresse“ nicht wirklich ernst zu nehmen, ihn nicht ernsthaft zu bedenken. Statt zu sagen – was der Wahrheit entspräche – wir sind parteiisch; wir vertreten bestimmte Interessen; und wir können das begründen: zum Beispiel das Interesse an der sogenannten Marktwirtschaft in hochtechnifizierten demokratischen Gesellschaften. Wir können begründen, warum dazu das Interesse an bestimmten Formen der politischen Auseinandersetzung gehört: im Bundestag, in den Landtagen, in den Kommunen, in Kindergärten, Schulen, in Betrieben und Vereinen. Wir können begründen, warum dazu die Akzeptanz des Gewaltmonopols des Staats gehört; die Akzeptanz der sogenannten „Gewaltenteilung“, Unabhängigkeit der Justiz. Aber auch das Recht auf Bürgerinitiativen, auf zivilen Widerstand etc. - aber nicht das Recht auf lokale „Bürgerwehren“, zumal bewaffnete, um nur dies eine Beispiel zu nennen.
Zuzugeben wäre also: „Wir sind eine interessenzentrierte bürgerliche Presse mit ganz bestimmten Werten; und sind damit in den Augen derer, die diese Werte ablehnen und bekämpfen ganz selbstverständlich Lügenpresse. Danke für das Kompliment“! – so etwa hätte eine angemessene Antwort zu lauten; und nicht: die offen Kriminellen von AfD und ähnlich einzuladen in sogenannte Talkshows, um ihnen dort zu beweisen, dass man doch nicht Lügenpresse sei, sondern objektiver Journalismus; diese Zentrallüge der „bürgerlichen Presse“ also weiter und nochmals zu verbreiten. Man hätte sich zu bekennen zur eigenen Parteilichkeit. Nämlich: „Ja, wir sind so; und wir sind gegen euch. Und wir sagen das laut, auch ohne euch dabei haben zu müssen im Diskutierstuhl“. Weil: „Ihr seid erklärte Feinde jenes demokratischen Systems, dessen Formate wir hier diskutativ repräsentieren. Und da gehört ihr nicht rein“.
Stattdessen die Mär vom „objektiven Journalismus“. Ich (wie Millionen andere) müssten Schmerzensgeld verlangen dürfen für die Leiden des Fremdschämens, die uns die ModerateurInnen Maischberger, Will, Illner, Jauch, Plasberg auferlegt haben in ihren devoten „Gesprächsversuchen“ mit den offen kriminellen Typen, männlich wie weiblich, aus der sogenannten Alternative fD.
Dies gilt nicht nur fürs Fernsehen, die WELT, die ZEIT usw., sondern genauso für die taz und andere Organe, die sich für die „linkeren“ halten. Ganzseitige Interviews mit der offenen Faschistin A. Weidel, ein paar Tage vor einer Wahl! Frau Bettina Gaus als Statthalterin objektiver Ausgewogenheit. Für wie blöd hält man die Leute denn? So blöd sind grad die Gaulands und Weidels nicht. (In den Knast mit ihnen! Wegen erwiesener Morddrohungen und Volksverhetzung). Diskutieren mit denen? Nein! Und nochmal nein. Aber nicht aus der Verlogenheit heraus: „Wir sind die Objektiven“.
Und auch noch denken, man wäre denen damit überlegen; könne sie, diskutierend, widerlegen! Der Gipfel! Gegen Leute, die (voll bewusst) aus dem Kontrafaktischen reden (ob Weidel, Gauland oder Trump) kann jeder „diskutierende“ Mensch nur verlieren; weil dieser Typus sich mit jedem vorgebrachten „Argument“ nur den Hintern wischt und eine Behauptung dagegensetzt, die darauf pfeift, „wahr“ oder auch nur „begründbar“ zu sein. Mit solchen Leuten diskutiert man nicht als halbwegs vernünftiger Mensch. ..."


Aus einem Interview mit Klaus Theweleit: "Diese Körper sind von Angst erfüllt"
Georgios Chatzoudis (Gerda Henkel Stiftung, 18.09.2018)
Quelle: https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/maennergewalt_theweleit

Title: Medienjournalismus und Medienkritik...
Post by: Link on September 26, 2018, 02:33:36 PM
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[...] Anmerkung: Dieser Artikel erschien ursprünglich in der profil-Ausgabe Nr. 44/2008 vom 27.10.2008.

Die Redaktion von profil erreichten vergangene Woche dutzende Leserbriefe zur Titelgeschichte über "Jörg Haiders letzte Stunden - das Protokoll einer Verschleierung". Ein Teil der Leser kritisierte, dass wir über seinen Aufenthalt in einem Schwulenlokal berichteten, etwa ebenso viele bemängelten, dass wir das erst so spät taten.

Wie umgehen mit einem Ausnahmepolitiker, der die letzten Stunden seines Lebens damit zubringt, sich in einer Schwulenkneipe fast bis zur Besinnungslosigkeit zu besaufen? Noch dazu mit einem, der stets einen äußerst kontrollierten Umgang mit Alkohol hatte. Der österreichische Journalismus weiß es nicht recht. Die zwei auflagenstärksten Tageszeitungen - "Krone" und "Kleine Zeitung" - sprachen einfach von einem "Szenelokal" oder von einem "In-Lokal". Die Kärntner Blätter verfuhren ebenso.

Aber auch kritische Medien stolperten vergangene Woche etwas unsicher durch das Thema. Gegen die "geile Verlogenheit der Andeuter" und die "schwüle Verdrücktheit der Halbaufdecker" wetterte "Falter"-Chefredakteur Armin Thurnher: "Wo und mit wem Haider seine letzten Stunden verbracht hat, ist nicht im öffentlichen Interesse." Eine Seite weiter befand "Falter"-Vizechef Florian Klenk: "Das Informationsrecht endet diesmal auch nicht bei Haiders Familienleben … In Wahrheit zog Haider durch Klagenfurter Schwulenkneipen, soff sich an und raste heim. Solche Scheinmoral soll den Kärntnern nicht vorenthalten werden. Die Presse ist nämlich frei."

Das deutsche Feuilleton war nicht viel trittsicherer: "Vielleicht steckt in diesem Tabu sogar ein Rest von Anstand", suchte Ulrich Weinzierl in der "Welt" nach einem Positivum im langen Schweigen über "Jörg Haiders Bisexualität". Aber, so Weinzierl: "Ist dieser Anstand angebracht? Oder sollte man dem Menschen die Wahrheit zumuten?"

Etwas unsicher auch Robert Misik in der Berliner "TAZ": "War der Populist Haider schwul oder bi? Und was geht uns das an?" Die Wiener "Presse" hatte das vor einigen Monaten ähnlich formuliert: "Haider schwul? Wen interessiert das?"

Misik kommt in der "TAZ" schließlich doch zum Schluss, Haider ließe sich "einfach nicht charakterisieren und porträtieren ohne diese homoerotische Dimension - und möglicherweise auch nicht ohne den inneren Leidensdruck einer nie offen ausgelebten Sexualität".

Seit jenem 11. Oktober kann man es nicht anders sehen: Haiders sexuelle Orientierung - wie sie im Detail ausgesehen haben mag, hat tatsächlich nicht zu interessieren - ist wohl mit den Vorgängen in der Todesnacht eng verbunden.

Nach einem Streit mit seinem Sekretär Stefan P