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ART ON THE NET [KUNST IM NETZ] => Architektur (Bauwerk & Raum) [Verortung] => Topic started by: Link on April 21, 2011, 01:05:44 PM

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on April 21, 2011, 01:05:44 PM
Urbanistik (auch Stadtforschung) bezeichnet das interdisziplinäre Studium von Städten unter ökonomischen, sozialen, geographischen, verwaltungswissenschaftlichen, kulturellen und städtebaulichen, aber auch zunehmend unter ökologischen Gesichtspunkten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Urbanistik

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Studien zu HETEROTOPIE, NOMADOLOGIE, PSYCHOGEOGRAPHIE
Guy Debord hat in seiner “Einführung in eine Kritik der städtischen Geographie” Psychogeographie als die experimentelle Erforschung der Umwelt und ihrer Auswirkungen definiert. Es ist die Frage danach, welchen Einfluss die geographische Umgebung auf die Wahrnehmung, das psychische Erleben und das Verhalten hat. Techniken und Methoden der Psychogeographie sind das Umherschweifen, Driften bzw. ein Dérive. Damit verbunden ist das Verlaufen oder das Sammeln, Protokollieren, Kartographieren und Zweckentfremden von Fundstücken, Gesprächen mit Passanten, Sounds etc.. Mit anderen Worten lassen sich darunter Techniken und Methoden des achtsamen oder eiligen Durchquerens von städtischen oder ländlichen Zonen verstehen. ...
http://nowhere-nowhere.org/

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dérive - Zeitschrift für Stadtforschung
http://www.derive.at/

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raumlaborberlin
yes we do love the great ideas of the 60s 70s and the optimism which is inherent in changing the world at the stroke of a pen to the better. but we strongly believe that complexity is real and good and our society today does need a more substantial approach. therefore our spacial proposals are small scale and deeply rooted in the local condition…. BYE BYE UTOPIA!
http://raumlabor.net/

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Nachrichten aus Nord-Neukölln
Wir wehren uns gegen Ausgrenzung und Verdrängung durch steigende Mieten. ...
http://nk44.blogsport.de/


Wir, BewohnerInnen des Hauses Fuldastrasse 31/32, Weichselplatz 8/9 in Berlin-Neukölln, wehren uns gegen die Verdrängung aus unserem Haus. Die neuen HausbesitzerInnen wollen umfangreiche Moderni- sierungsarbeiten durchführen, für uns bedeutet dies steigende, unbezahlbare Mieten. ...
https://fuldaweichsel.wordpress.com/


Dieser Blog ist Teil unseres Kampfes, den wir gegen die Pläne unserer “neuen” Eigentümerin, der CITEC-Immobiliengruppe führen, unser Haus durch eine ungewollte und umstrittene energetische Sanierung (Wärmedämmung der Außenfassade) aufzuwerten. Dies würde zu Mietsteigerungen zwischen 40 und 70% gegenüber der aktuellen Miete führen. ... Schon Ton Steine Scherben sangen 1972 “Allein machen sie dich ein”. Dieser Slogan hat trotz des rüstigen Alters leider nichts an Aktualität verloren. Das gilt für die Bewohner*innen und Nutzer*innen der Friedelstraße 54, die sich zusammengeschlossen haben, um der Bedrohung ihres Wohn- und Lebensraums gemeinsam entgegen zu treten. Das ist ein ungemein wichtiger Schritt, denn als einzelne Miet- oder Nutzungspartei wäre der Widerstand gegen Modernisierung, Mietexplosion und sonstige Schikanen seitens der neuen Eigentümer weit weniger erfolgsversprechend. ...
http://friedelstrasse54.blogsport.eu/


Gentrification Blog
Nachrichten zur Stärkung von Stadtteilmobilisierungen und Mieter/innenkämpfen...
https://gentrificationblog.wordpress.com/


Zwangsräumungen gemeinsam verhindern (Berlin)
http://zwangsraeumungverhindern.blogsport.de/


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Kein Abriss der ESSO-Häuser!
In dem Bereich Spielbudenplatz 5-13 befinden sich neben einer Tankstelle inkl. Waschstrasse und einer Tiefgarage, der Zeit ca. 100 Wohneinheiten, diverse Clubs und kleinere Geschäfte. Das Ensemble wurde 1959 -1960 von den Architekten Großner und Professor Hans Stich erbaut, mit dem Ziel zwei damals als häßlich empfundene Baulücken zu schließen und dem Spielbudenplatz ein modernes Antlitz zu verleihen. Seitdem pulsiert hier das Leben. Irgendwas scheint dran zu sein, an dem Geist der Nachkriegsmoderne. Kein Gebäudekomplex in Hamburg hat eine derart vielseitige Nutzung. Die Architektur verbindet Wohnen, Arbeiten und Nachtleben auf einzigartige Weise. Der Ort ist seit vielen Jahren eine der zentralen Anlaufstellen des Kiezes und steht für den rauen, egalitären Charme des Schmelztiegels Reeperbahn. Sowas lässt sich nicht nachbauen.Der langjährige Besitzer des Grundstücks, Jürgen Schütze, hat das Grundstück 2009 an die milliardenschwere Bayerische Hausbau GmbH verkauft. Der neue Besitzer machte von Anfang an kein Hehl daraus, dass er die Gebäude abreißen und die so genannte „Bruttogeschoßfläche“ durch eine Neubebauung verdreifachen will. Verschwinden würden neben 107 Wohnungen, u.a. die legendäre Esso Tanke, das Molotow, der Planet Pauli Club, das alt eingesessene Autohotel und anderes kiezaffines Gewerbe.
Entstehen soll überwiegend hochpreisiger Wohn- und Gewerberaum. ...

http://www.initiative-esso-haeuser.de/

Als Esso-Häuser wird ein Gebäudekomplex im Hamburger Stadtteil St. Pauli zwischen Spielbudenplatz, Taubenstraße und Kastanienallee bezeichnet. Es handelt sich um einen Plattenbau der 1960er-Jahre.
https://de.wikipedia.org/wiki/Esso-H%C3%A4user

"Esso-HäuserGeliebter Schandfleck" Christoph Twickel (DIE ZEIT Nº 21/2014)
Der Widerstand war zwecklos – jetzt hat der Abriss der Esso-Häuser auf St. Pauli begonnen. Die Vertriebenen trauern. Wird die Stadt aus dem Fall lernen?...
http://www.zeit.de/2014/21/essohaeuser-hamburg-abriss

"Essohäuser Planung von unten"
Aktivisten und Anwohner auf St. Pauli wollen für eine verträgliche Entwicklung des Essohäuser-Areals kämpfen.  Am Donnerstag haben sie ihren Planungsprozess vorgestellt. ...
von Christoph Twickel am 24. April 2014
http://blog.zeit.de/hamburg/planung-von-unten/

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Siedlung am Steinberg (Berlin/Reinickendorf)
Die Siedlung am Steinberg wurde in den frühen 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut.
Der verantwortliche Architekt war Ernst Hornig, einst Berliner Stadtbaumeister.
Die Siedlung steht unter Denkmalschutz ... Seit dem Verkauf an den neuen Investor, entbrannte hier ein steter Kampf zwischen Eigentümerin und Mietern. Begleitet von Abmahnungen, Klagen, Kündigungsandrohungen und Kündigungen gegen einige Mieter, berichteten die lokalen Medien schon oft über diese Siedlung.
Viele Gebäude in der Siedlung lassen erkennen das hier ein dringender Instandsetzungsbedarf durch den Eigentümer besteht. manche Fassaden sind in einem schlechten Zustand, viele Dächer erscheinen als wenn sie die besten Jahre hinter sich haben und man berichtete uns von Wassereinbrüchen, die ggf. die Bausubstanz nachhaltig schädigen können.  Eine nicht unerhebliche Anzaahl von Wohneinheiten in der Siedlung am Steinberg stehen leer und wurden teilweise seit vielen Jahren nicht mehr vermietet. Die ebenso unter Denkmalschutz stehenden Gärten der freistehenden Objekte, befinden sich entsprechend in einem ungepflegten Zustand. Man möchte gar nicht wissen, wie es in den Objekten aussieht, wenn diese zum Teil seit rund 10 Jahre leerstehen. Der Denkmalschutz und die Denkmalpflege einer Wohnanlage sollte anders aussehen. ...

http://siedlungamsteinberg.net/

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"Charlottenburg Alternativentwurf für Neubau am Zoo bleibt chancenlos" Cay Dobberke (10.12.2014)
Als Investor Hines den Siegerentwurf für seinen Neubau in der Joachimsthaler Straße präsentierte, hielt sich die Begeisterung unter Bezirkspolitikern in Grenzen. Jetzt wurde der zweitplatzierte Entwurf vorgestellt. Es gab viel Lob – außer vom Investor und dem Bauamt. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/kudamm-blog/charlottenburg-alternativentwurf-fuer-neubau-am-zoo-bleibt-chancenlos/11092854.html
Title: Zur Urbanistik & Psychogeographie...
Post by: Link on April 21, 2011, 01:11:19 PM
Psychogeography is an approach to geography that emphasizes playfulness and "drifting" around urban environments. It has links to the Situationist International. Psychogeography was defined in 1955 by Guy Debord as "the study of the precise laws and specific effects of the geographical environment, consciously organized or not, on the emotions and behavior of individuals."...
https://en.wikipedia.org/wiki/Psychogeography

Die Psychogeographie untersucht, welchen Einfluss die architektonische oder geographische Umgebung auf die Wahrnehmung, das psychische Erleben und das Verhalten hat. Die Psychogeographische Forschung findet dabei an der Schnittstelle der Fachgebiete Kunst, Architektur, Geographie und Psychologie statt. Der Begriff wurde vor allem von der Künstlergruppe Situationistische Internationale geprägt, in der die vormalige London Psychogeographic Society aufging...
http://de.wikipedia.org/wiki/Psychogeographie

psychogeography
http://de.urbandictionary.com/define.php?term=psychogeography

Essay: Introduction to a Critique of Urban Geography
by Guy-Ernest Debord (1955)
http://library.nothingness.org/articles/SI/en/display/2

The Flaneur Society was created in response to Walter Benjamin's book Berlin Childhood Around 1900. In it he explores the concept of the Flaneur, one who wanders without destination. ...
http://flaneursociety.org/ | http://flaneursociety.tumblr.com/

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Pruitt-Igoe war ein städtisches Wohnungsbauprojekt in St. Louis, Missouri. Es wird in den USA häufig als Beispiel für Fehlschläge im sozialen Wohnungsbau und der Stadterneuerung verwendet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Pruitt-Igoe

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the Pruitt-Igoe Myth
What happened in Pruitt-Igoe has fueled a mythology repeated in discussions of many urban high-rise projects. Violence, crime, and drugs, so the story goes, plagued the housing project from nearly the beginning as it became a “dumping ground” for the poorest city residents. According to one standard account, it was quickly torn apart by its residents who could not adapt to high-rise city life.
Widely circulated images of “Pruitt-Igoe” reveal this legacy. Vandalized hallways. Acres of broken windows. A building imploded. These images of destruction are periodically interrupted by images of a different kind: hopeful images of a massive, newly-built housing complex in the mid-fifties, the scale and grandeur of the buildings reflecting the optimistic spirit out of which Pruitt-Igoe came.
The quick, unexamined transition from hope to disillusionment is the standard structure of the Pruitt-Igoe narrative. But there is another Pruitt-Igoe story, another approach.
http://www.pruitt-igoe.com/

http://vimeo.com/user4817953

Title: Zur Urbanistik & Psychogeographie
Post by: Link on April 21, 2011, 01:49:44 PM
bricoleurbanism.org
urbanism - landscape - ideas - theory - whimsy
http://www.bricoleurbanism.org/

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Trift hat viele Bedeutungen. Eine davon verweist auf eine (~wissenschaftliche) Erhebungsmethode. Die dazugehörige Wissenschaft namens Psychogeographie hat sich zwar nie ganz durchgesetzt, ist aber trotzdem durchwegs interessant. ...
http://trift.org/diary/trift-in-der-psychogeographie

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Psychogeographie heute: Kunst, Raum, Revolution?
Bernd Adamek-Schyma (26 Seiten)
http://www.acme-journal.org/vol7/Adamek.pdf

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Psychogeographie
Ein Vortrag von Claudia Basrawi
Vom 12. Mai 2001 bei Laura Mars Grp./Berlin
http://www.lauramars.de/display/salon/psychogeo120501-1.pdf

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Angeregt von den Dérive-Experimenten der Situationis- ten, die der von den Verheerungen des Kapitalismus und einer „autogerechten“ Verkehrsplanung gezeichneten modernen Stadt ihre bewußt subjektive Aneignung des Stadtraums entgegensetzten, durchstreife ich „Deutsch- lands größte Stadt“, die eigentlich keine ist – oder ein Patchwork aus vielen. Das mag absurd erscheinen, zumal das Ruhrgebiet zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus „automobilen Zonen“ besteht, die in der Regel durchfah- ren werden und nicht durchwandert. Dennoch scheint mir das Gehen die einzige Möglichkeit zu sein, eine Stadt wirklich zu lesen...
Florian Neuner, Ruhrtext - Eine Revierlektüre
Mit einer Fotoserie von Jörg Gruneberg, ca. 480 S.

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vagabundiert durch städte, randgebiete, unorte und imaginäre welten. NOWHERE beschäftigt sich mit Konzepten zur ||| psychogeographie_heterotopie_nomadologie |||
http://nowhere-nowhere.org/


Title: Die Stadt...
Post by: Link on August 14, 2011, 01:49:06 PM
“We decide how we reside” invites artists and residents from Berlin, Istanbul, and Marseilles to develop images and concepts for self-determined dwelling. This blog illustrates the processes of the individual projects in the three cities. ...
http://wedecidehowwereside.com/

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Dr. Andrej Holm Videovortrag: Zusammenhänge von Gentrifizierung, Subkultur und Kulturproduktion
Matthias Hoffmann
In Österreich hielt der Stadtsoziologe Dr. Andrej Holm im Februar 2011 einen anderthalb stündigen Vortrag mit dem Thema "So haben wir das nicht gemeint. Gentrification, Protest und Subkultur", der auch online abrufbar ist -- see below. Im Vortrag wird erklärt, welche Zusammenhänge zwischen Szenen/Subkulturen, Gentrifizierung und Kulturproduktion ("Pionierdilemma") bestehen.
https://www.youtube.com/watch?v=TI6wGw7UZi8


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Wolfgang Kaschuba: STADTKULTUR: IM RAUMKAMPFMODUS?
STADTKULTUR: IM RAUMKAMPFMODUS? - "Nach seinem "geplanten Tod" in den Nachkriegsjahren verkörpert der Öffentliche Raum heute (wieder?) das wichtigste "Labor" unserer Zivilgesellschaften. Deren Repräsentationen und Interventionen, deren Sozial- und Kulturprojekte von der Mieter- bis zur Flüchtlingsinitiative, vom Stadtstrand bis zum Urban Gardening haben in den letzten Jahren eine regelrechte urbane Kulturrevolution bewirkt. Dies nützt Einheimischen wie Migranten wie Touristen. Aber es schafft auch situative Konfrontationen wie strategische Zielkonflikte.“...
https://www.youtube.com/watch?v=7SDRTqltuA8

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Buch: "Die Kultur der Stadt" (2015)
Autor: Walter Siebel, Taschenbuch: 475 Seiten (Verlag: Suhrkamp Verlag, ISBN-13: 978-3518126981)
Siebels Buch versucht eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Stadtkultur. Er diagnostiziert eine Umbruchsituation, in der die bürgerliche Stadt, wie wir sie seit langem kennen, von neuen Formen abgelöst zu werden scheint, die ein stärkeres Gewicht auf die Pluralität legen. Die Pluralisierung der Stadtkultur, die Kultivierung der Ökonomie und die Ökonomisierung der Kultur – jene wechselseitigen Austauschprozesse sind charakteristisch für jenen Lebensraum, den wir Stadt nennen und der sich heute mehr denn je in einer ungekannten Komplexität ausformt und funktional differenziert....
http://www.kulturbuchtipps.de/archives/1596


Vortrag von Walter Siebel (Universität Oldenburg) mit dem Titel "Was heißt Urbanität?" an der Technischen Universittät Wien im Jänner 2012. Was macht solche Blasiertheit zu einer urbanen Tugend? Was macht die besondere Qualität von Stadt, ihre Urbanität, aus? Darauf Antworten zu finden ist schwierig -- Walter Siebel wird in seinem Vortrag vier Besonderheiten einer urbanen Stadt vorschlagen: Die Stadt als Maschine zur Entlastung von Arbeit, die Stadt als Ort, an dem Fremde wohnen, die Stadt als Ort einer besonderen Kreativität und die Ambivalenz der urbanen Stadt. Außerdem wird der Frage nach der Planbarkeit der urbanen Stadt nachgegangen. Walter Siebel ist Universitätsprofessor für Soziologie mit Schwerpunkt Stadt- und Regionalforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. (Veröffentlicht am 14.11.2012) ...
https://www.youtube.com/watch?v=SS-hRwuvXws

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Polis is an inclusive blog about cities around the world. The name is an adaptation of its meaning as city-state, representing a virtual gathering place where anyone can address an international community. We offer multimedia posts on diverse urban-related themes, encouraging submissions from experts and enthusiasts alike. Founded in 2009, Polis is a volunteer effort dedicated to facilitating dialogue and collaboration toward improving the quality of life in cities. We embrace theory and practice, observation and engagement, research and development, critique and creativity. ...
http://www.thepolisblog.org/

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Das Recht auf Stadt ist ein Anspruch, der erstmals 1968 vom französischen Soziologen und Philosophen Henri Lefebvre in seinem gleichnamigen Buch Le droit à la ville erhoben wurde. ... Seit der Jahrtausendwende wurde Lefebvres Forderung von ganz unterschiedlichen Seiten verstärkt aufgegriffen. In zahlreichen Städten formierten sich unter dem Motto Recht auf Stadt sozialen Protestbewegungen ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_auf_Stadt


Die neoliberale Stadt ist gescheitert. Immer mehr Bewohner_innen wehren sich gegen wuchernde Mieten, Investorenarchitektur, Standortmarketing und urbane Segregation. ...
http://www.rechtaufstadt.net/ | http://wiki.rechtaufstadt.net/index.php/Start


"Recht auf Stadt": 3.000 Demonstranten erwartet"  (30.01.2015)
http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Recht-auf-Stadt-3000-Demonstranten-erwartet,demonstration512.html


„Nehmen wir uns das Recht auf Stadt! Es liegt auf der Straße, es hängt in Bäumen und versteckt sich unter Pflastersteinen“, so wurde im Juni 2009 zu den Recht-auf-Stadt-Tagen ins Centro Sociale geladen. Seitdem ist in Hamburg viel passiert, das „Recht auf Stadt“ wurde sich massenhaft genommen. ...
http://wiki.rechtaufstadt.net/index.php/Start


Unter dem Slogan «Recht auf Stadt» haben sich in den letzten 10 Jahren rund um den Globus vielfältige Bündnisse formiert. Wir sind Teil dieser Bewegung. Wir setzen uns für ein Recht auf Stadt für alle ein und unter «alle» verstehen wir in erster Linie diejenigen, denen dieses Recht heute verwehrt wird. Denen das «Recht auf Stadt» und somit das Recht auf aktive und gleichberechtigte Teilhabe und Gestaltung der urbanen Gesellschaft verwehrt wird, weil sie zu arm sind, weil sie die falsche Staatsbürgerschaft haben, weil keine Lobby für sie eintritt und weil sie keine Macht haben. ...
http://rechtaufstadt.at/

Recht auf Stadt München
https://rechtaufstadtmuc.wordpress.com/

Recht auf Stadt Hamburg
http://www.rechtaufstadt.net/

Recht auf Stadt – Konstanz
http://rechtaufkonstanz.blogsport.de/

Recht auf Stadt - Freiburg
http://www.rechtaufstadt-freiburg.de/

Recht auf Stadt Potsdam
http://www.rechtaufstadt-potsdam.de/

Recht auf Stadt – Köln
http://rechtaufstadt-koeln.de/

Das stadt.labor ist eine öffentliche Plattform, welche Fragen zur Stadtentwicklung kritisch analysiert und debattiert. Unser Ziel ist es politisch seriös und gleichzeitig unterhaltsam-provokativ Themen aufzugreifen und Probleme aufs Tapet zu bringen. Mehrheitlich konzentrieren wir uns dabei auf die Situation in der Stadt Zürich. ...
http://www.stadtlabor.ch/

Recht auf Stadt – CH
http://www.rechtaufstadt.ch/

labitzke-areal
http://www.labitzke-areal.ch/

"Nach Blockade-Aktion: Strafbefehle für Labitzke-Besetzer" Fabian Baumgartner (6.8.2014)
http://www.nzz.ch/zuerich/stadt-zuerich/strafbefehle-fuer-labitzke-besetzer-1.18357915


solara: ... wann begreifen die leute in der schweiz dass leider nicht jeder die chance hatte gebildet zu sein? dass nicht jeder will so ein leben zu leben im luxus? das menschen verschieden sind und jeder das recht haben sollte wenigstens ein bisschen so zu leben wie man will? ausserdem ist das kunst und kultur neben so einer hässlichen architektur die die schweiz sonst zu bieten hat. eine schande ist das!!!!!!
zu: "Jetzt beginnt der Abbruch - Das Labitzke-Areal ist geräumt" André Müller (7.8.2014)
http://www.nzz.ch/zuerich/steht-die-raeumung-des-labitzke-areals-bevor-1.18358190

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Auf-dem-LabitzkeAreal-beginnt-der-Abbruch/story/14339225

"Labitzke-Areal geräumt: Die farbige Festung ist gefallen" Katrin Schregenberger (7.8.2014)
Am Donnerstagvormittag hat die Stadtpolizei Zürich das besetzte Labitzke-Areal gestürmt. Die Abbrucharbeiten begannen, noch während die letzten Besetzer von der Polizei verhaftet wurden. ...
http://www.nzz.ch/zuerich/stadt-zuerich/die-farbige-festung-ist-gefallen-1.18358640

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Urbanism in Vienna. Events & current debates on urbanism inside and outside of Vienna.
http://urbanizm.net/

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Right to the City (RTTC) emerged in 2007 as a unified response to gentrification and a call to halt the displacement of low-income people, people of color, marginalized LGBTQ communities, and youths of color from their historic urban neighborhoods. We are a national alliance of racial, economic and environmental justice organizations. ...
http://righttothecity.org/

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Der öffentliche Stadtraum droht als lebenswerter Raum unter Anderem durch den motorisierten Verkehr, Überwachung, Kommerzialisierung und Privatisierung in seiner freien Nutzung eingegrenzt zu werden. Er ist ähnlich einem Landschaftsschutzgebiet ein besonders schützenswerter Raum. Es gibt Phänomene, Rituale, Besonderheiten, die nur im öffentlichen Raum existieren und die auf lange Sicht durch seine Reduzierung zu verschwinden drohen. Der Verein für Freie Stadterforschung setzt sich zum Ziel das Städtische zu bewahren. Wir sind eine Organisation deren Mitglieder sich gerne frei im Stadtraum bewegen dort experimentieren und deshalb einen freien Zutritt zu unserem „Experimentierfeld Stadt“ einfordern. ...
http://stadterforschung.de

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Leerstände melden. Für mehr Transparenz und neue Möglichkeitsräume in der Stadt!
http://www.leerstandsmelder.de/

INURA ist ein Netzwerk von Leuten, die in Stadtforschung und -aktion involviert sind und eine kritische Attitude gegenüber den Entwicklungen teilen. Das heisst, das Netzwerk besteht aus AktivistInnen und ForscherInnen aus Nachbarschafts- und Umweltgruppen, Universitäten und öffentlichen Verwaltungen, die Erfahrungen austauschen und gemeinsame Forschung betreiben wollen.
Themen von INURA sind grosse Stadterneuerungsprojekte, die Entwicklung der Peripherie, Partiziation und Planung, soziale Bewegungen, Wohnungsbau, Verkehr, Urbane Renaissance etc. Die Forschung ist verbunden mit lokalen Aktivitäten und Vorgängen und wird international verglichen. INURA ist eine nicht-regierungs- und non-profit Organisation mit einer selbsorganisierenden und nicht-hierarchischen dezentralisierten Struktur. Die Konferenzen werden jedes Jahr von Mitgliedern in den verschiedenen Städten organisiert und durchgeführt.
http://www.inura.org/

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Harlem: The Unmaking of a Ghetto by Camilo Jose Vergara
Published on Feb 28, 2014
Writer-photographer Camilo José Vergara's deeply personal Harlem: The Unmaking of a Ghetto is an unprecedented record of urban change. Vergara, a MacArthur fellow, will talk about the neighborhood he chronicled for 43 years, documenting segregation, poverty, and crime, and eventually, economic recovery, gentrification, and racial integration. Eric Washington, author of Manhattanville: Old Heart of West Harlem; Phil Bicker, senior photo editor at Time; and Sharon Zukin, professor of sociology at the Graduate Center, join in the discussion. Co-sponsored by the Gotham Center for New York City History. ...
https://www.youtube.com/watch?v=OOg_C_RNPfA

Title: Wiederstand, Wohn - und Kulturprojekte...
Post by: Link on January 31, 2015, 02:10:10 PM
Teepeeland ist ein offenes nichtkommerzielles und demokratisches Nachbarschafts-, Wohn- und Kulturprojekt. Hier leben Menschen, jenseits gesellschaftlicher Zwänge aus unterschiedlichen Generationen und Nationen in einer Gemeinschaft zusammen. Sie werfen damit zentrale Fragen des Zusammenlebens von Menschen in der Großstadt auf. Die Bewohner des Teepeelands gehen sehr verschiedenen Berufen und Tätigkeiten nach. Intern gibt es eine stakte Struktur. So werden alle Entscheidungen basisdemokratisch auf einem wöchentlichen Plenum herbeigeführt. ... (Stand 03/2015)
https://teepeeland.wordpress.com/


"Teepee Land" - Veröffentlicht am 18.08.2014
Eine Aussteiger-Kommune ganz ohne Suff und Randale ...
https://www.youtube.com/watch?v=ujj07LkV8Yc


"Roll Naumenko showing Teepeeland in Berlin"
https://www.youtube.com/watch?v=wEF2Gj7ZetI

"Kommune Teepeeland in Berlin: Zelte am Spreeufer müssen Zaun weichen" von Thomas Lackmann, Angie Pohlers (17.03.2015)
Lange war es friedlich im Teepeeland auf der Eisfabrik-Brache in Mitte. Nun ließ der Eigentümer des Nachbargrundstücks einige Zelte unter Aufsicht der Polizei abbauen - und einen Zaun ziehen. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/kommune-teepeeland-in-berlin-zelte-am-spreeufer-muessen-zaun-weichen/11515198.html

"Streit um Berliner Mauer am Spreeufer Hilfe! Unsere Mauer kommt weg" Thomas Lackmann (05.08.2014)
Eine Initiative möchte das Stück Grenze an der Eisfabrik retten – der Bezirk plant hier einen Uferweg. Ein Rundgang im Hippie-Schmuddel an der Schillingbrücke. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/streit-um-berliner-mauer-am-spreeufer-hilfe-unsere-mauer-kommt-weg/10290376.html


"Steigende Mieten in Berlin: Politik scheitert an Lösungen für günstigen Wohnraum" Ralf Schönball (12.04.2015)
Die Schere zwischen den vielen neuen und teuer angebotenen Miet- und Eigentumswohnungen sowie dem dafür viel zu kleinem Budget der vielen zehntausend Wohnungssuchenden geht immer weiter auf. Stadtsoziologe Andrej Holm sagt: „Wohnungen für über zehn Euro gibt es genug, es fehlen aber 120 000 leistbare Wohnungen in der Stadt“. Vier Wände also für Minijobber, Alleinerziehende, Krankenschwestern, für das ganze große Heer von Geringverdienern in Berlin. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/steigende-mieten-in-berlin-politik-scheitert-an-loesungen-fuer-guenstigen-wohnraum/11622824.html

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Der Bauwagenplatz Duisburg
ist ein ein Wohnprojekt in Duisburg Homberg, getragen von dem Verein "Experimentelles Wohnen e.V." ...
http://bauwagenplatzduisburg.blogsport.eu/

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Wagengruppe Rummelplatz - Wagenleben in Berlin
http://rummelplatz.blogsport.de/

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Wagenburg Wienebüttel bleibt!
Wagenplatz Gut Wienebüttel/Lüneburg
http://unverrueckbar.blogsport.de/

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Streetart & Kram - Urban Art in Berlin
Freundeskreis Street-Art Berlin
Erster deutsch-sprachiger Urban-Art Blog. Von und für Subkultur. Seit 2006.
http://just.blogsport.eu/


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Wagentruppe Treibstoff
Der Wagenplatz Treibstoff, hat sich aus einer Gruppe von ArbeiterInnen, KünstlerInnen, StudentInnen, Eltern und HandwerkerInnen im Sommer 2009 gebildet. Alle haben sich bewusst dazu entschlossen, auf diesem Wege ihre unterschiedlichen Ziele zu verwirklichen.
Wir wollen auf der Grundlage mobiler Lebens- und Arbeitsräume eine Kulturwerkstatt aufbauen und Raum erschließen zur Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt- dies und vieles mehr verstehen wir unter dem Begriff „Wagenplatz“. Ziel unseres Vereins ist die Förderung von Kunst, Politik und Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des transkulturellen Dialogs.
Das Wagenleben schafft ein Bewusstsein für den Umgang mit Ressourcen. Vor allem knappe und wertvolle Ressourcen werden in einem ganz anderen Ausmaß und viel bewusster verwendet. Das Wagenleben ist im Vergleich zum Leben in einer Mietwohnung ökologisch viel nachhaltiger und somit ein wertvoller Beitrag für sein Umfeld.
Der Wagenplatz Treibstoff ist eine Gemeinschaft von Menschen die sich für ein gemeinsames Leben auf Rädern entschieden haben.
http://treibstoff.wagenplatz.at/

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Zomia – ein Wagenplatz in Hamburg
Bewohner_innen von Bauwagenplätzen haben es überall schwer, eine dauerhafte Anerkennung ihrer Wohnform zu erreichen. Sie sind auf Duldungen seitens der Politik angewiesen, die wenn überhaupt nur zeitlich begrenzt gewährt werden. In Hamburg ist die Räumung von Bambule, Wendebecken, Parkplatz Braun und anderen nicht vergessen: Wagenplätze sind in Hamburg seit Jahren hoffnungslos überfüllt, einige hundert Menschen stehen an der Bordsteinkante, wohnen in Hinterhöfen oder im Umland. ...
http://zomia.blogsport.eu/

Bambule war der Name eines Bauwagenplatzes im Hamburger Karolinenviertel. Er wurde am 4. November 2002 von der Polizei geräumt, nachdem der Hamburger Senat mit dem zuständigen, umstrittenen Innensenator Ronald Schill entschieden hatte, diese Wohnform nicht mehr zu dulden. Die Entscheidung war in der Hansestadt heftig umstritten. ... Während einer Demonstration für den Erhalt des Bauwagenplatzes verprügelten drei thüringische Polizisten im Jahr 2002 zwei Zivilpolizisten aus Schleswig-Holstein und verletzten diese. Sie hielten die beiden Polizisten in szenetypischer Kleidung für gewalttätige Demonstranten. Vorausgegangen waren Auseinandersetzungen in der Demonstration. Die Zivilpolizisten hatten, bevor sie zu Boden gebracht wurden, das gemeinsame Kennwort "Mondlicht" gerufen, das die anderen Beamten angeblich nicht gehört hatten. ... (3. Juli 2015)
https://de.wikipedia.org/wiki/Bambule_%28Wagenplatz%29

S C H I L L E R N D E Z E I T E N
ein Film ueber Bauwagen, Bambule, Senat und Meinungen
Dokumentarfilm 65 min, Regie: Skrollan Alwert, Hamburg/Germany 2003
http://schillerndezeiten.de/

"10 Jahre Bambule Räumung"
http://ueberlebeninaltona.blogsport.de/schon-10-jahre-her-raeumung-des-bauwagenplatzes-bambule/

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Bauwagenplatz Borribles. Die Stadt gehört allen.
Wagenplatz Borribles. Seit 19 Jahren in Hamburg Nord.
http://borribles.blogsport.eu/

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Aus der Besetzung des Gieszerradwegs Ende Oktober 2012 entstand der Wagenplatz der Initiative Jetze Wagenplätze am Karl-Heine-Kanal in Leipzig-Lindenau. Seit November sind wir nun dort und derweil sieht es wohl aus, als würden wir erstmal hier bleiben …
http://jetzewagenplaetze.noblogs.org/

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Am Samstag haben wir uns, die Gruppe Trailerpark, mit vielen Unterstützer_innen, Wohnwägen und Zelten auf den Weg gemacht, auf die ungenutzte Brachfläche in der Schultze-Delitzsch-Straße im Leipziger Osten zu ziehen. Wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich zusammengefunden hat, um eine Brachfläche im Leipziger Osten zu besetzen und dort kollektiv in Wägen zu leben; drauszen und trotzdem zentral in der Stadt. ....
http://trailermoon.blogsport.de/

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Wir, eine Gruppe von überwiegend jungen Menschen, wollen im Leipziger Osten unsere Vorstellung von einem selbstbestimmten, selbstverwalteten, solidarischen Hausprojekt verwirklichen. Dazu wird momentan das frisch erworbene Haus in der Wurzner Str. 2 in Leipzig Reudnitz bewohnbar gemacht. ...
http://wurze.de/ | http://wurze.de/blog/

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Rixdorfer Kiezforum
Nachbarschaftliche Organisierung in Berlin Neukölln
Das Rixdorfer Kiezforum ist ein Diskussions- und Handlungsraum von Menschen, die sich mit dem Kiez rund um den Richardplatz von Berlin-Neukölln verbunden fühlen. Unser Ziel ist eine Stadtentwicklung, die menschenwürdiges Leben in sozialer Sicherheit, Freiheit und kultureller Vielfalt ermöglicht. ...

http://rixdorf.org/

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Wir, die Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG sind ein Zusammenschluss von Menschen aus dem Chamisso-, Großbeeren-, Graefekiez und Umgebung. Wir sind aktiv gegen Verdrängung durch steigende Mieten, Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, Luxusmodernisierungen, spekulativen Leerstand, und die massive Zunahme von Ferienwohnungen vor Ort, sowie gegen die menschenverachtende Politik der Privatisierung und Ausbeutung weltweit. ...
http://www.wem-gehoert-kreuzberg.de/

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Everyone in Berlin creates the city as we know it. Every day we shape and build our homes, our streets, our neighborhoods. Everyone in her or his own way. As everywhere in Berlin neighborhoods are transforming – including the Wedding. These changes are associated with numerous problems. Mainly because a few want to earn of what all are creating together. Homes are being sold or renovated, rents are increasing. If accommodations can no longer be afforded you have to move in outer districts or in the worst case, your flat will be evicted. ...
http://haendewegvomwedding.blogsport.eu/

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Wildenbruchstraße/Weserstraße
Dieser Blog befasst sich dem dem Vorgehen von Berlin Aspire, Berlin Estate, Hausverwaltung und pro soluta im Haus Wildenbruchstr. 6 und Weserstr. 59/60 und mit der Gegenwehr der Mieterinnen und Mieter
http://wildeweser.blogsport.de/

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Gemeinsam gegen Sozialabbau, Verdrängung und den Ausverkauf der Stadt... (Berlin)
http://wirbleibenalle.org/

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"Abschied von einer Legende"
Veröffentlicht am 28. Januar 2015 von Jan Zombik
Viele kennen das Inter1: Das altgediente Wohnheim auf dem Mainzer Uni-Campus ist berühmt für seine Offenheit, seine Community und internationale Kultur. Fast 50 Jahre lang beherbergte es Generationen von Studierenden. Jetzt soll das Inter1 nach dem Willen des Studierendenwerks Mainz endgültig geschlossen werden. ...
https://www.zwischenze.it/abschied-einer-legende/


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Die Rote Flora existiert seit 1989 als besetztes politisch-kulturelles Zentrum. In den 21 Jahren ihres Bestehens gab es immer wieder Phasen, in denen der Versuch einer gewaltsamen Beendigung des Projektes durch die Stadt unmittelbar bevorzustehen schien. Doch während sieben Innensenatoren kamen und wieder gingen, ist die Rote Flora geblieben.
http://florableibt.blogsport.de/

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on April 24, 2015, 09:04:23 AM
"Gefahrengebiet Schluss mit dem Theater" Frank Drieschner (23. April 2015)
Die Polizeiaktionen in einem angeblichen "Gefahrengebiet" im Schanzenviertel Anfang vergangenen Jahres stellt man sich am besten zusammen mit linker Randale und Bürgerprotest als doppelte Inszenierung vor: eine Bühne, aber zwei Ensembles, die vor zwei unterschiedlichen Arten von Publikum auftreten.  ...
http://blog.zeit.de/hamburg/schluss-mit-dem-theater/

"„Die sollen erstmal kommen“" Jan Zombik (5. Mai 2015)
Etwa 50 Menschen haben sich am frühen Abend des 4. Mai vor der Liebfrauengemeinde  in der nördlichen Neustadt versammelt. Hierhin hatte der Vorstand der Mainzer Wohnbau die Bewohner_innen der Soemmeringstraße 48-54 zu einer nicht-öffentlichen Mieter_innenversammlung geladen. Die betreffenden Gebäude sollen abgerissen werden. Eine Entschädigung gibt es dafür nicht, alternative Wohnungen bietet die Wohnbau den Mieter_innen nicht an. Um gegen die geschlossene Versammlung zu protestieren, hatten die Betroffenen die solidarische Öffentlichkeit eingeladen. ...
https://www.zwischenze.it/die-sollen-kommen/

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"Gentrifizierung in San Francisco - Willkommen in der Hyperzivilisation" Johannes Kuhn, San Francisco (24. Juni 2015)
Je nach Schätzung verlassen zwischen 5000 und mehr als 20 000 Bewohner im Jahr San Francisco - in der Regel unfreiwillig. Weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können oder aus ihrer Wohnung geklagt werden. ... Die Stadt mit ihren 850 000 Einwohnern feiert Homosexualität und die freie Wahl des Geschlechts als Teil der Identität. Sie setzt konsequent auf erneuerbare Energien und plant, spätestens 2020 den eigenen Müll zu 100 Prozent zu recyceln. Die Zahl der Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge, der Bio-Läden und Öko-Restaurants ist beeindruckend.
San Francisco ist jedoch auch eine überforderte Stadt. Sie leidet wie der Rest der USA an einer maroden Infrastruktur. Bei Regen kann in einigen Bezirken schon mal der Strom ausfallen; die öffentlichen Verkehrsmittel sind hoffnungslos überfüllt und veraltet. Vor allem aber leidet San Francisco an Ungleichheit: 5460 Bürger besitzen ein Vermögen von je mehr als 30 Millionen Dollar; etwa 7000 San Franciscans sind obdachlos, viele davon haben psychische Krankheiten.
Morgens erheben sich die Obdachlosen aus ihren Pappkarton-Schlafquartiers und nur wenige Meter weiter stehen die Gruppen der Tech-Arbeiter am Straßenrand und warten auf die Spezial-Busse, die sie direkt zu Google, Facebook, Yahoo oder Apple bringen. Die Stadt ist längst mit dem Silicon Valley verschmolzen, zum Zentrum und Versuchslabor der Tech-Kultur geworden. Von Lebensmitteln und Shopping-Artikeln über Massagen bis zum medizinischen Marihuana - alles lässt sich per Smartphone ordern und in zehn bis 60 Minuten in Empfang nehmen.
Der Komfort dieser Hyperzivilisation macht eine Konfrontation mit der Realität für Tech-Arbeiter theoretisch überflüssig. ...
Viele Menschen sind ratlos und haben Angst. Einige verstehen nicht, was gerade passiert, weil sie nur an einer Gegenwart Interesse haben, in der sich beliebig viele Realitäten ausblenden lassen. Andere sind sich unsicher, was San Francisco gerade ist und künftig sein wird. ...

http://www.sueddeutsche.de/leben/gentrifizierung-in-san-francisco-willkommen-in-der-hyperzivilisation-1.2528338

"These Are the Faces of San Francisco’s Homelessness Crisis" Photography by Phoebe Heaton / Text by Keith A. Spencer (2016)
The greatest power of the photograph is its ability to pause time. Things that we would not dare stare at for more than a fleeting moment are made still by the shutter — frozen in a moment, forever, compelling us to return to them again and again. Homelessness is a crisis that needs to be frozen. It is something that is, from our perception, always fleeting. We look for a second, drop a coin or look away, and then we forget. ...
https://thebolditalic.com/these-are-the-faces-of-san-franciscos-homelessness-crisis-8fd3750edacc

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"Wir sind das Gemüse" Jan Brandt (7. Juli 2015)
Es ist Mittwoch, ein warmer Sommerabend, die Sonne scheint, voller Kampfeslust gehe ich die Wrangelstraße entlang. Die Wrangelstraße, die vom Mariannenplatz zur Taborkirche reicht, ist zurzeit ständig in den Medien. Wegen Bizim Bakkal. Bizim Bakkal ist Türkisch und heißt "Unser Lebensmittelladen". Bizim Bakkal ist der letzte Gemüseeinzelhändler in der Gegend, die letzte Bastion gegen Konzerne, die Globalisierung, die durchkommerzialisierte Stadt. Jetzt soll Bizim Bakkal schließen. Der neue Eigentümer des Hauses mit der Nummer 77 hat der Familie Çalişkan, die seit 28 Jahren im Erdgeschoss Gemüse verkauft, gekündigt. Ende September soll sie raus. Das will die Nachbarschaft nicht zulassen. Seit fünf Wochen gibt es Proteste. Jeden Mittwoch versammeln sich mehr und mehr Menschen vor Bizim Bakkal und demonstrieren dafür, dass er bleibt, wo er ist. ...
http://www.zeit.de/freitext/2015/07/07/bizim-bakkal-wrangelkiez-berlin/

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"Gentrifizierung: Ihr kriegt uns hier nicht raus" Jana Gioia Baurmann (12. Juli 2015)
Im "Horrorhaus" in Berlin stinkt es, überall liegt Müll, ständig ist die Polizei da. Der Eigentümer benutzt offenbar Roma, um Altmieter zu vergraulen. Doch eine Frau wehrt sich. ... Das Haus ist 2012 verkauft worden, Eigentümer ist seitdem die G 87 Grundbesitz GmbH. Repariert wird schon lange nichts mehr, weil das Haus gewinnbringend weiterverkauft werden soll – dafür müssen die 19 Bestandsmieter raus. Die Roma sind kein Problem, ihre Verträge sind befristet. ...
http://www.zeit.de/2015/26/roma-haus-berlin-grunewaldstrasse

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Seit der Besetzung 1990 gibt es in der Linienstrasse 206 ein lebendiges, politisches Wohnprojekt. In den vergangenen 22 Jahren gab es immer mal neue Eigentümer_innen, die versuchten ihre Vorstellung davon mit dem Haus Profit zu machen umzusetzen. So auch die neuen Eigentümer Frank Wadler und Bernd-Ullrich Lippert: Nach erzwungenen Hausbesichtigungen und diversen von ihrer Seite abgelehnten Gesprächsangeboten kamen jetzt die ersten Abmahnungen, Kündigung und zu einem seit Herbst 2012 anhaltenden Rechtsstreit. Das ist eine klare Kampfansage, die wir selbstverständlich nicht unbeantwortet lassen!...
http://linie206.blogsport.de/

http://linie206verteidigen.blogsport.de/

http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/linkes-wohnprojekt-linie206-zwei-wohnungen-in-linienstrasse-geraeumt/13574262.html

"Wohnprojekt geräumt: "Linie206" war das letzte umkämpfte Haus in Mitte" Gerd Nowakowski (10.05.2016)
Vor 26 Jahren wurde die "Linie206" besetzt - am Dienstag wurde sie von der Polizei geräumt. Das Berliner Haus und seine Bewohner wirkten schon im vergangenen Sommer wie aus der Zeit gefallen. ... Das heruntergekommene Gemäuer wirkt wie aus einer anderen Welt; einer, die Berlin auch einmal war. Ein Fremdkörper in der „Spandauer Vorstadt“, die heute als Inbegriff der Gentrifizierung gilt, wo seit dem Mauerfall die Sanierungen und steigenden Mieten den größten Teil der ehemaligen Bewohner verdrängt haben.
„Wir gehen nicht, wir bleiben“, sagt Johannes, ein schlanker Mann in T-Shirt und Jeansjacke, bestimmt. Er und die übrigen Bewohner sehen sich als Mitglieder des letzten umkämpften Hausprojekts in Berlin. Besetzt wurde die „Linie206“ im Mai 1990, in jenen wilden Zeiten nach dem Mauerfall, als sich die bürokratische Ordnung gewissermaßen eine Auszeit nahm, weil die alten SED-Kader sich lieber unsichtbar machten und die neuen Kräfte noch nicht in ihre Rolle gefunden hatten. Die Häuser denen, die drin wohnen, hieß es da, was besonders für jene galt, in denen niemand lebte, weil die DDR sie hatte verkommen lassen. Also zogen dort Menschen ein, die eben diese Hinterlassenschaften des zusammengebrochenen DDR-Sozialismus als durchaus fruchtbar für ihre eigenen Utopien sahen.
Es ist schwer, mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen. Ein offenes Haus ist das nicht. Es braucht mehrere Besuche, um hineinzukommen: jedes Mal langes Ausharren vor dem Eingang, bis endlich wer öffnet – aber nur einen Spalt breit. Immer wieder eine Abfuhr; das Plenum müsse beraten, heißt es. Dann, im fünften Anlauf, gibt es doch Einlass und die Möglichkeit zu einem Gespräch. Allerdings unter Auflagen. Keine Fotos von den Wohnungen und vom Hof, keine von den Bewohnern, auch keine Nachnamen, so hat es das Plenum entschieden. Man wisse ja nie, was die andere Seite plant. Die andere Seite, das sind die Eigentümer dieses bunten Hauses. ... „Wir haben einen undogmatischen, linksradikalen und anarchistischen Anspruch“, – so haben sie sich mal in einer Selbstdarstellung beschrieben – „und versuchen, ein möglichst selbstbestimmtes, hierarchiefreies Leben zu realisieren.“ Wie schwer so etwas im Alltag sein kann, trotz wöchentlichen Plenums, kann man ahnen. ...  Das Thema Stadtzerstörung sei doch aktuell wie nie, sagt Johannes. Trotzdem stoße man damit in der Stadt auf „taube Ohren“. Da komme er sich vor wie ein „altmodischer Revoluzzer“, sagt er, was aus seinem Mund irgendwie merkwürdig klingt. Wie sich die Stadt verändert habe, dafür „geben wir nicht denen die Schuld, die im St. Oberholz sitzen“, beteuert er.
„Wir wollen kein Stück vom Kuchen, wir wollen die ganze Bäckerei“, unter diesem Motto feiern dieser Tage einige ehemals besetzte Häuser den wilden Ost-Berliner Sommer vor 25 Jahren. Um die ganze Bäckerei aber geht es längst nicht mehr, sie müssen mit den Krümeln zufrieden sein. Mitte 1990 gab es in Ost-Berlin nahezu 120 besetzte Häuser, geduldet vom Ost-Berliner Magistrat. Erst ab August galt auch in den Ost-Bezirken die sogenannte „Berliner Linie“, nach der neu besetzte Häuser innerhalb von 24 Stunden geräumt werden. Bewohnern bis dahin besetzter Häuser wurden dagegen Verträge angeboten. Die Besetzer der Linie 206 waren schon 1990 für Mietverträge – und konnten damals nicht ahnen, dass diese bis heute die Existenz des Projekts sichern würden. ... Wie es enden könnte, irgendwann, haben die Bewohner der „Linie206“ nicht weit entfernt täglich vor Augen, auf der anderen Seite des Rosenthaler Platzes. Dort wurde 2010 das ehemals besetzte Haus „Brunnen183“ geräumt. Auch hier wurden vom Gericht die Mietverträge für nichtig erklärt. Heute existiert die Fassade mit dem Spruch „Wir bleiben alle“ nur noch als Postkartenmotiv. Seit Ende 2014 steht auf der nun schwarz gestalteten Fassade des inzwischen sanierten Hauses in meterhohen goldenen Lettern „183“. Es wirkt fast wie ein arroganter Hinweis, dass dies goldene Zeiten für Spekulanten sind.
http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/wohnprojekt-geraeumt-linie206-war-das-letzte-umkaempfte-haus-in-mitte/12180220.html

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Kirche von Unten, Kremmener Straße 9-11 (Berlin)
Vielmehr bildet das Verantwortungsbewußtsein jedes Einzelnen die Grundlage für einen partnerschaftlichen Umgang miteinander und läßt in der Gruppe keine Hierarchien zu. Dem liegt unser Anspruch zugrunde, keine Strukturen zu dulden, die andere Menschen unterdrücken. Dieser Idealfall muß allerdings im Beziehungsgeflecht unserer Gruppendynamik immer wieder aufs neue erkämpft und hinterfragt werden. Die Erfahrungen aus solchen Auseinandersetzungen erzeugen eine spezielle Form des Miteinander-Umgehens in der VV und lassen diese besonders schüchternen Außenstehenden häufig als abgeschottete, verschworene Gemeinschaft erscheinen. Die KvU ist aber weder eine Therapiegruppe für Althippies, Anarchopunks und andere seltsame Sitzengebliebene, noch will sie sich zum Billigst-, Veranstaltungs- und Saufort bestimmen lassen. Sie ist allenfalls eine Mischung aus beidem. Die spezifischen Würze jedoch ergibt sich aus der sensiblen Basissuppe unserer sozialen und politischen Vorstellungen, deren unbeirrter praktischer Anwendung und nicht zuletzt einem wohldosierten Spritzer Bier. ...
http://kvu.blogsport.de/

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Wir sind Kotti & Co – die Mietergemeinschaft vom Kottbusser Tor in Berlin Kreuzberg. Wir sind ca. 20 Peronen im engeren Kreis (Kerngruppe) – plus Familien und  Verwandte – und natürlich unsere Freunde und Freundinnen. Darüber hinaus gibt es viele die sich bei unserem Protesthaus (Gecekondu) engagieren oder wieder andere die eher im Hintergrund uns mit ihrer Stadt- und Mietenpolitischen Expertise zu Rat stehen. Desweiteren gibt es seit Mitte 2013 eine Jugend AG (Kotti-Youth) mit ca. 15-20 Mitgliedern. Alles weitere entnehmt bitte unseren Veröffentlichungen auf dieser Webseite...
http://kottiundco.net

Der Kotti-Shop ist ein experimenteller, non-profit Kunst- und Projektraum, im Erdgeschoss des Neuen Kreuzberger Zentrums, direkt am Kottbusser Tor in Berlin.
Er betreibt eine eigene kleine Druckwerkstatt "Copyroboter“ mit maschinellen Siebdruckmaschinen....
http://kotti-shop-blog.tumblr.com/ | http://www.kotti-shop.net/

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"Raub und Schläge am Kottbusser Tor in Berlin Selbst für Kreuzberg zu krass" Hannes Heine (18.02.2016)
Seit 30 Jahren gehört das Kottbusser Tor zu den Berliner Problemplätzen. Nun ist es richtig gefährlich geworden. 50 Prozent mehr Überfälle, 100 Prozent mehr Diebstähle. Ex-Hausbesetzer und türkische Gastronomen haben genug. ...


"Kriminalität in Berlin-Kreuzberg Wachschutz soll für Sicherheit am Kottbusser Tor sorgen" Jörn Hasselmann (15.03.2016)
Die Hausverwaltungen am Kottbusser Tor wollen einen Wachschutz bezahlen, damit sich die Mieter sicherer fühlen. 20.000 Euro monatlich soll das kosten. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/kriminalitaet-in-berlin-kreuzberg-wachschutz-soll-fuer-sicherheit-am-kottbusser-tor-sorgen/13320636.html

Quote
    onkelrie
    15.03.2016 07:26 Uhr

Das ist Sache der Polizei
Die Hausverwaltungen werden das nicht aus eigener Tasche bezahlen, sondern auf die Mieter umlegen. Die sozial Schwachen sollen nun auch noch eine originäre Staatsaufgabe selbst bezahlen. Warum bezahlen eigentlich die Politiker ihren Personenschutz nicht aus der eigenen Tasche, wenn die Polizei ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen kann?




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Unser Bündnis besteht aus unterschiedlichen Gruppen, Organisationen und Individuen, die gemeinsam gegen die Politik der sozialen Ausgrenzung in Berlin protestieren und für eine soziale und solidarische Stadt kämpfen. ...
https://bsolidarischestadt.wordpress.com/



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Friedrichshain-Blog - Berlin Friedrichshain & Kreuzberg
http://friedrichshainblog.de/


MieterInnen aus der Palisadenstraße 41-46 gegen ihre Verdrängung durch hohe Mieten... Wir sind die MieterInnen aus der Palisadenstraße 41-46 in Berlin-Friedrichshain. Wir stehen vor großen Mieterhöhungen, die unsere Renten bei Weitem übersteigen. Wir wehren uns dagegen, weil die Wohnung mehr als ein Sack Kartoffeln ist, den man auf dem Markt erwirbt. ...
http://palisaden-panther.blogspot.de/

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ABRISSBERLIN vernetzt Menschen und Initiativen gegen Abrisspolitik und Privatisierung – für Aufbruch und Ausbrüche! Gegen Stadtlifting. Für den Mut zur Unordnung am Sehnsuchtsort Berlin. ...
http://www.abriss-berlin.de/

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"In Hamburgs Bahnhofsviertel sterben die Spelunken"  Lorenz Hartwig (August 13, 2015)
Henrik Malmström: Als meine damalige Freundin und ich 2010 eine günstige Wohnung in der Robert-Nhil-Straße gefunden haben, war draußen auf der Straße die Prostitution in vollem Gange. In einem ersten Projekt habe ich von meinem Wohnzimmerfenster aus die Frauen fotografiert. Dann führte mich meine Neugier in die Kneipen. ...
https://www.vice.com/de/read/hansaplatz-st-georg-kneipe-henrik-malmstroem-332

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"Steht's noch? Architektur und Abriss in Hamburg (3): Mach’s gut, altes Haus!" Hanno Rauterberg (DIE ZEIT Nº 31/2015)
Zertrümmert, zerlegt und zerbröselt: Hamburgs Geschichte ist eine Geschichte aus Staub und Asche. Kein alter Stein, so scheint es, darf auf dem anderen bleiben. Was Brände und Kriege nicht erledigen, geht in den Schlachten der Immobilienwirtschaft unter. Hamburg, so schrieb einst Alfred Lichtwark, der erste Direktor der Kunsthalle, "hätte die Stadt der Renaissance sein können, des Barock und des Rokoko. Doch alle diese Schätze wurden stets begeistert dem Kommerz geopfert."
Die Statistiken geben Lichtwark noch immer recht. Längst hat die Abrissbirne auch weite Teile der Gründerzeit vernichtet, noch nicht mal mehr zehn Prozent aller Gebäude in Hamburg sind heute älter als 100 Jahre. ... Im Grunde ist so ein Haus ja auch nur ein Mensch. Und wenn kein Mensch, dann zumindest ein sehr eigentümliches Ding, weil es uns, die Bewohner, umschließt und umfasst, weil es belebt wird und damit selbst zu leben beginnt und eine eigene Geschichte birgt.
In alten Häusern ist etwas verwahrt, das die Gegenwart nicht künstlich produzieren kann, man könnte es den Geist der Verbundenheit nennen. Weil so ein betagtes Bauwerk schon ganz andere Zeiten gesehen hat, weil sich ihm viele Spuren des gelebten Lebens eingeschrieben haben, setzt es die Menschen in Beziehung: mit anderen, mit einer Vergangenheit, vielleicht sogar mit sich selbst.
Alte Häuser können wie Erbstücke sein, die man auch dann noch mit sich trägt, wenn man nicht weiß, was sie ihren früheren Besitzern wirklich bedeuteten. Man verwahrt sie: aus einem Gefühl der Demut heraus.
Kostbar wird so ein altes Haus eben nicht allein aus materiellen Gründen. Kostbar ist es, weil es die eigene Lebensspanne überragt – es war schon da, und es wird noch da sein. Es lässt Menschen spüren: Sie leben nicht allein aus sich heraus. Sie dürfen sich anlehnen an das, was auf sie kam. Dürfen sich daran reiben, können darüber staunen. Im Angesicht alter Häuser weitet sich der Blick auf das, was allen eigen ist: geteilte Geschichte, im Guten wie im Schlechten. Und vermutlich deshalb empfinden manche den Abriss eines Bauwerks als eine Form von kollektiver Enteignung. Der Mensch ist ja, immer noch, ein spürendes Wesen. Es verlangt ihn nach Zugehörigkeit, nach Kontemplation, nach dem Schönen – und all das vermögen alte Häuser zu bieten.
Erst im Umgang mit ihnen zeigt sich, was der Gegenwart wichtig ist. Was bedeutet ihr die Treue zu sich selbst und also zur eigenen Vergangenheit? ...
http://www.zeit.de/2015/31/architektur-alte-gebaeude-abreissen-erhalten

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on August 18, 2015, 12:07:36 PM
Reiche 63a
Die Reiche 63a ist ein linkes Hausprojekt in Kreuzberg, das seit 20 Jahren in seiner jetzigen Form existiert und, wie viele andere Projekte, akut in seiner Existenz bedroht wird.
Hier wohnen nicht nur etwa 25 Menschen, wir stellen auch Räume bereit, die von anderen Menschen und Gruppen für Info-Veranstaltungen, Gruppentreffen und kulturelle Veranstaltungen, wie Kino, Partys, Konzerte,… genutzt werden.
Auch wenn unser Haus natürlich unser Haus ist (und bleibt, sollen die doch selber umziehen!), gehört es juristisch der Firma Heymann und Kreuels. Von dieser hat es im Rahmen der Legalisierung 1990 das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg (BA) gemietet und dann an uns weiter vermietet. Der Vertrag sieht keine Kündigung durch das BA vor. Nun versucht der Bezirk jedoch durch eine Feststellungsklage aus dem Vertrag rauszukommen, um damit den Weg zu einer Räumungsklage zu bereiten. ...
http://reiche63a.blogsport.de/

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Reichenberger 114 - Stop Gentrification!
Die Reichenberger Straße 114 ist ein Mietshauskomplex in Berlin-Kreuzberg, dessen Bewohner_innen sich gegen Verdrängung durch Luxusmodernisierung und Umwandlung in Eigentumswohnungen wehren. ACHTUNG RISIKOKAPITAL - WIR BLEIBEN ALLE! Reichenberger Strasse 114 is a tenement building in Berlin-Kreuzberg, whose residents resist expulsion through luxury modernization and condominium conversion. BERLIN ASPIRE F*** OFF - WE WILL STAY!
https://reichenberger114.blogspot.de/

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linien142 | Blog der Mieter Linien 142 in Berlin Mitte
Privater Blog der Mieter Linien 142 in Berlin Mitte – wer hier kauft, verdrängt Menschen aus ihrem langjährigem Lebensraum
Gentrifizierung ist ein Wort ohne Emotionen. Es kann nicht beschreiben was Betroffene erleben und wie sich fühlen. Dieser private Blog soll darüber berichten. ...
https://linien142.wordpress.com/

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"Londons Superreiche verändern die Stadt: Krösus und seine Kinder" Marion Löhndorf (16.8.2015)
Schon lange zieht London die Begüterten an. Aber in dem Mass, da der städtische Raum knapper und teurer wird und die Ansprüche an den Lebensstandard wachsen, wird ihre Präsenz spürbarer.  ...
http://www.nzz.ch/feuilleton/kroesus-und-seine-kinder-1.18596134

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"Deutscher Immobilienmarkt: Wohnungsnot hier, Leerstand dort" Henrik Mortsiefer (19.08.2015)
In Großstädten wie Berlin wird zu wenig gebaut, in einigen ländlichen Regionen zu viel. Eine Studie zeigt: Allein in Berlin fehlen am Ende des Jahrzehnts 55.000 Wohnungen. ...
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/deutscher-immobilienmarkt-wohnungsnot-hier-leerstand-dort/12209404.html

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"Kippt Duisburger Bauwagenplatz durch grünen Bezirksvertreter?"
In Duisburg, Ruhrgebiet | Am 27. August 2015 | Von Thomas Meiser
In Duisburg soll von Seiten der Stadtverwaltung ein seit Jahrzehnten bestehender Bauwagenplatz geräumt werden. Darüber wird heute nachmittag die Bezirksvertretung Homberg beschliessen. Doch ausgerechnet CDU und FDP sind nun dagegen. Während die SPD-Bezirksvertreter für die Räumung eintreten. Und ein grüner Architekt ist das Zünglein an der Waage. Neigt er den Genossen in Sachen Räumung zu? ... Das neueste Kapitel der Schlacht von Goliath gegen David ist das vom Bauwagenplatz in Duisburg-Homberg.
Der wurde einst von Barfuss-Hippies auf dem Gelände des jetzigen Innenhafens aufgezogen und durfte nach massiver Intervention von grünen Jugend- und Kulturpolitikern auf eine linksrheinische Brachfläche der Kommune in Duisburg-Homberg umziehen.
Niemanden hat die Wagenburg dort gestört. Im Gegenteil: Die wechselnden Siedler, durchgängig hippieeske junge Leute haben sich in der Nachbarschaft viele Freunde gemacht. Weil sie mitanpackten. Dann kamen kommunale Liegenschaftsverwalter zu der Einschätzung: Die Wagenburg wäre fehl am Platze, sie störe, sie müsse weg. ...
http://www.ruhrbarone.de/kippt-duisburger-bauwagenplatz-durch-gruenen-bezirksvertreter/112605

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"Berlin-Alexanderplatz: Künstler protestieren gegen Leerstand" Thomas Loy (17.09.2015)
Das Haus der Statistik am Alexanderplatz steht leer, schon seit Jahren. Warum kann man dieses Gebäude nicht für Künstler und Flüchtlinge nutzen? In einer neuen Kampagne werden solche Orte "markiert". Die „Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser“ (ABBA) hat auf dem Alexanderplatz für „alternative Formen der Immobiliennutzung“ demonstriert. Mit einem Fassadenplakat wurde auf den Leerstand im Haus der Statistik aufmerksam gemacht. Dort könnten „Räume für Kunst, Kultur und Soziales“ entstehen. Auch der Club Stattbad aus Wedding würde gerne dort einziehen, sagte Florian Schmidt, Atelierbeauftragter des Berufsverbands Bildender Künstler (bbk).
Das Haus der Statistik soll abgerissen werden, um Platz für neue Hochhäuser zu schaffen. Konkrete Baupläne gibt es aber noch nicht. Das Angebot vom Bund, das Bürohaus vorübergehend als Flüchtlingsheim zu nutzen, habe das Land abgelehnt, so Schmidt. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-alexanderplatz-kuenstler-protestieren-gegen-leerstand/12331552.html

AbBA - Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser
Arbeitsplätze für Künstlerinnen und Künstler (erhalten!)
bezahlbar, langfristig, vielfältig, innerstädtisch.
http://abbanetzwerk.tumblr.com/

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Valentina Ferrandes is an italian artist living in Berlin. Her video and sound pieces explore possible connections
between micro-narratives, landscapes and urban geography. Valentina presented her project "Berg", an exploration of the former Teufelsberg Listening Station, involving a video and a GPS triggered soundscape for mobil devices (available on itunes, free).
Artist talk by Valentina Ferrandes - valentinaferrandes.com Duration 44min49sec | http://scopesessions.org/
sound explorations visualmicronarratives urbangeography berlin 2014 | http://www.valentinaferrandes.com/BergSound.html
https://vimeo.com/89011441

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"Der Traum ist aus ...!"
Am 12./13./14. November 2015 jährt sich die Räumung der besetzten Häuser in der Mainzer Straße zum 25sten Mal und damit auch der Beginn vom Ende der zweiten großen HausbesetzerInnenbewegung in Berlin. Die damaligen Redakteure der Ostberliner Zeitschrift telegraph waren in diesen drei Tagen zu jeder Stunde vor Ort. Sowohl hinter, als auch vor den Barrikaden. Neun Tage nach der Räumung erschien der telegraph 16/1990. In diesem wurde die Räumung spontan zum Schwerpunkt.  ...
http://www.ostblog.de/2015/11/der_traum_ist_aus.php

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on December 15, 2015, 10:02:11 AM
Wrangelstraße 66: "Gentrifizierung in Kreuzberg Bezirk stoppt Verdrängung durch Spekulanten im Wrangelkiez" Karin Schmidl (14.12.2015)
Die Mieter in der Wrangelstraße 66 können langfristig in ihren Wohnungen bleiben. Das war ungewiss, weil eigentlich sämtliche Wohnungen an eine Gesellschaft in Luxemburg verkauft wurden. Doch dann stoppte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg das Geschäft. ... In der Wrangelstraße 66 in Kreuzberg ist die Freude groß. Nicht nur auf das bevorstehende Weihnachtsfest, sondern vor allem wegen einer Sicherheit, die die 30 Mieter seit Monaten sehnlichst vermisst haben: Nach dem Verkauf ihrer Wohnungen an eine Aktiengesellschaft in Luxemburg mussten sie damit rechnen, dass sie irgendwann raus müssen. Dass der 1907 errichtete Fünfgeschosser entmietet, teuer saniert und dann als Filetstück weiterverkauft wird.
Dieses Prozedere scheint jetzt abgewendet. Kurz vor Ablauf der dafür vorgesehenen Frist hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sein Vorkaufsrecht für das Haus Wrangelstraße 66 angemeldet. ...

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/gentrifizierung-in-kreuzberg-bezirk-stoppt-verdraengung-durch-spekulanten-im-wrangelkiez-,10809148,32925766.html

Die Masche, es insbesondere langjährigen Mietern, die noch keine High-End-Beträge für ihren Wohnraum bezahlen, in ihrer Wohnung möglichst unangenehm zu gestalten und sie durch unterlassene Instandsetzungsmassnahmen und irrwitzige Kündigungsschreiben zum Auszug zu bewegen, um offensichtlich frisch saniert neu vermieten zu können, hat bislang leider bei mehreren Mietern des Hauses funktioniert: Viele sind nicht mehr da. Einige wussten sich nicht zu wehren oder haben kapituliert und sind ausgezogen. Menschenfreundlich ist das nicht. So werden langjährig gewachsene Kiezstrukturen zerstört, genauso wie menschliche Beziehungen innerhalb dieser Gegenden geschädigt werden. Vergessen wird dabei, wie wichtig es ist, sich auf etwas verlassen zu können. Zum Beispiel darauf, dass das M99 Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf auch morgen noch einfach DA ist. Weil es dazu gehört, weil es einzigartig ist und ganz profan einfach auch, weil es schon immer da war! ...
http://www.bizim-kiez.de/blog/

Friedrichshain-Kreuzberg übt zum ersten Mal das kommunale Vorkaufsrecht in Berlin aus und öffnet damit ein neues Kapitel städtischer Wohnungspolitik...
http://mietenstopp.blogsport.de/2015/12/14/bezirk-nimmt-vorkaufsrecht-wahr-wrangelstr-66-wird-gemeingut/

http://mietenstopp.blogsport.de/

http://peter-nowak-journalist.de/tag/wrangelstrase-66/


"Mit einen Mietwal gegen Miethaie" (Samstag, 14. November 2015)
Vor einigen Monaten sorgte die Bizim-Bakkal-Bewegung im Kreuzberger Wrangelkiez für großes mediales Interesse. Nachdem bekannt geworden war, dass ein Gemüseladen in der Wrangelstraße 77 gekündigt wurde, mobilisierten NachbarInnen über Internet den Protest und gingen jeden Mittwoch auf die Straße (MieterEcho Online berichtete).  In den letzten Wochen war es um die Bizim-Bakkal-Bewegung still geworden. Doch am 11.11. meldete sie sich mit einem Lichterumzug zurück. Ca. 400 MieterInnen trafen sich vor dem Gemüseladen, dessen Zukunft noch immer ungewiss ist. Die Wrangelstr. 77 GmbH hat zwar die Kündigung zurückgenommen, doch ein neuer Mietvertrag ist bis heute nicht unterschrieben. ...
http://peter-nowak-journalist.de/tag/wrangelstrase-77/

...

Gefahrengebiet: "Verfahren vom Tisch - Der umstrittene Angriff" Kai von Appen (4. 1. 2016)
Ein vermeintlicher Angriff auf die Hamburger Davidwache führte zum größten Gefahrengebiet der Stadtgeschichte. Das Verfahren wurde eingestellt. ... HAMBURG taz | Für die Hardliner unter den Polizeibeamten lieferte der vermeintliche Angriff den perfekten Rückenwind zum Agieren nach den Ausschreitungen bei der Soli-Demo für die Rote Flora eine Woche zuvor: Angeblich hätten 40 Autonome am Abend des 28. Dezember 2013 an der Davidwache einen Polizisten schwer verletzt. Der umstrittene Vorfall war der maßgebliche Grund, weshalb die Polizei vor zwei Jahren die gesamte westliche Innenstadt zum „Gefahrengebiet“ erklärte. Doch ob es diese Attacke gegen die Davidwache überhaupt jemals gegeben hat, ist weiterhin ungeklärt. „Das Ermittlungsverfahren ist eingestellt worden“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach. ...
https://www.taz.de/!5266077/

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"Großdemo für Berliner Hausprojekt: Cheerleader mit Müllsäcken" Moritz Wichmann (7. 2. 2016)
BERLIN taz | „Mal gucken, wie weit sie es schaffen“, sagt ein Anwohner skeptisch-belustigt, als die Demo schnellen Schrittes mit dem halb vermummtem Frontblock loszieht. Deutlich mehr als die ursprünglich 200 angemeldeten Teilnehmer sind am Samstag zur Demo für die Rigaer 94 und gegen die Polizeikontrollen in der Rigaer Straße gekommen.
„Rebellische Strukturen verteidigen, solidarische Kieze schaffen“, fordert das Fronttransparent, inklusive Anarchie A. Dem Aufruf der Veranstalter, keine Parteifahnen mitzuführen, wird Folge geleistet, Berliner Hausprojekte aber halten Transparente in die Höhe. Für sie ist die Demonstration Auftakt zur nächsten Runde im Berliner Häuserkampf, weil in den nächsten Monaten gleich mehrere Projekte wie etwa der Kiezladen in der Friedelstraße in Neukölln räumungsbedroht sind. ...

http://www.taz.de/Grossdemo-fuer-Berliner-Hausprojekt/!5272092/

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Herzlich willkommen auf der Seite der Arbeitsgruppe Möbel Kraft bei der BUND-Kreisgruppe Kiel.
Seit August 2010 arbeiten Teile der Verwaltung Kiels und Möbel Kraft an der Errichtung eines Möbelzentrums zusammen mit dem Discounter Sconto auf dem Kleingartengelände Prüner Schlag am Westring. Dieses seit dem Bekanntwerden im Sommer 2011 höchst umstrittene Vorhaben hat im März 2014 zum bisher 1. Bürgerentscheid Kiels geführt. Ein Planungsstopp konnte jedoch aufgrund der knappen Niederlage von 47.5%: 52.5% der Stimmen nicht herbeigeführt werden. Damit geht der vorgeschriebene Weg eines Bauleitverfahrens jetzt in die entscheidende Runde der Entwurfsauslegung und Öffentlichkeitsbeteiligung. Dabei sollte, wenn Bürgerbeteiligung erst gemeint ist, ein ehrlicher Abwägungsprozess stattfinden und nicht nur Investorenwünsche  berücksichtigt werden. Alle KielerInnen können sich hier beteiligen.
https://ttkielblog.wordpress.com/

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Let's get walking
Jane Jacobs (1916-2006) was an urbanist and activist whose writings championed a fresh, community-based approach to city building. Read more about her here.
Everyone knows something about where they live. Every perspective is important to building vibrant and healthy cities. Click here to read about who you can help reach out to locally to build the Jane's Walk movement in your city or town. ...
http://janeswalk.org/

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Gleimstraße 52, Berlin
Prenzlauer Berg, Pankow, Berlin: Einblicke hinter die Kulissen
https://gleim52-berlin.blogspot.de/

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Wins59 - für ein sozialverträgliches Sanierungskonzept
Das Haus ist aufgrund seines Originalzustands inzwischen eine touristische Attraktion. Auch die Mieterstruktur ist, in diesem weitestgehend durchgentrifizierten Bezirk eine Rarität. Hier wohnen 75 Menschen aus Ost und West, Familien, Studenten, normale Arbeitnehmer ebenso wie Selbstständige, Bezieher von Sozialleistungen und auch ältere Leute, die seit 30-40 Jahren in diesem Haus leben.
Wir sind keine Hausbesetzer: Wir sind treue Mieter, die hier seit Jahren ihren Lebensmittelpunkt haben!
https://winsstrasse59.wordpress.com/

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AUGUSTSTRASSE
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/

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Kopenhagener 46, das Jahnke-Haus im Prenzlauer Berg, Berlin
Dieser Blog dokumentiert den Zusammenprall einer Berliner Hausgemeinschaft mit sehr tüchtigen Geschäftsmännern, die viel Geld verdienen wollen. Und dies tut die Christmann Unternehmensgruppe – u.a. auch Eigentümerin der  Winsstraße59 – bekanntlich mit großer Leidenschaft. Dabei wird sie rechtlich von STEINPILZ Rechtsanwälten vertreten. Keine kleine Nummer …
Dieser Blog soll auf ein sanierungsbedürftiges Gesetz hinweisen das Mieterinnen und Mieter in Deutschland sämtlichen Investoren völlig schutzlos ausliefert, ganze Viertel verändert und soziale Strukturen zerstört.
Ein Zeitzeugnis über den (tristen) Wandel Berlins.
Das Haus in der Kopenhagener Strasse 46 erfuhr 1986 eine Rekomaßnahme. Elektrische Anlagen, Gasversorgung und das Dach wurden erneuert und/oder instand gesetzt. Einige Wohnungen im Vorderhaus hatten bereits eigene Bäder, im Seitenflügel und Hinterhaus gab es noch einen größeren Bestand von Außentoiletten. Das Haus ging an eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft, die zur Aufgabe hatte einen großen Prozentsatz privatisieren.
1999 erwarb dann Jens Jahnke die Immobilie. Seinerzeit war der Kiez noch grau und bald hielten die Pioniere Einzug…Wir zum Beispiel ...
https://kopenhagener.wordpress.com/

kop46 Kopenhagener 46 – Life goes on!
Wohnen in Berlin! - Leben in der Kopenhagener Straße.
Das 1906 erbaute Haus war bis vor kurzem noch voll vermietet.
Hier wohnten, lebten und arbeiteten Menschen aus 4 Kontinenten.
Als die Kopenhagener 46 zum Mai 2013 verkauft wird, haben 29 große und 16 kleine Menschen hier ihr zu Hause.
Sie sind zwischen 2 Monaten und 76 Jahren alt. Einige sind hier geboren.
Sie wohnen hier seit 52 Jahren und seit 2 Monaten.
Zwei Jahre später stehen in der Kopenhagener Straße Wohnungen zum Verkauf.
Wo sind die Menschen jetzt? Hatten sie keine Lust mehr, am Mauerpark zu wohnen? Und warum? Was ist hier geschehen?
https://kop46.wordpress.com/

Willibald-Alexis-Str. 34 - WAX 34
(30. März 2016): Nix los mehr hier? Stimmt! Die WAX34 ist nun, auch mit aktiver Unterstützung einiger Vertreter des sozial-alternativen Milieus, fast vollständig in die spekulative Wohnraum-verwertungsmaschinerie integriert. Selbstverwalteten Wohnraum wird es hier niemals geben, bezahlbare Wohnungen sind vernichtet worden oder werden es in absehbarer Zeit sein.
Aber immerhin, durch die praktische Solidarität vieler Freunde und Bekannter und unserem Zusammenhalt als Hausgemeinschaft konnten wir einige Kaufinteressenten von ihrem Vorhaben abbringen und den Ausverkauf verzögern. ...

https://willibald-alexis-strasse34.blogspot.de/
Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on April 04, 2016, 09:56:13 PM
"Farbe, Steine und Feuer gegen die Stadt der Reichen!"
Verfasst von: Autonome Gruppen. Verfasst am: 29.05.2016 - 20:39. Geschehen am: Sonntag, 29. Mai 2016.
Wir haben uns in der Alten Jakobstraße ein Stelldichein gegeben um unsere Wut über Ausgrenzung, Vertreibung, Kontrolle und Verachtung gegenüber einer Stadt der Reichen mit Farbe, Steinen und Feuer sichtbar zu machen. ...
https://linksunten.indymedia.org/de/node/180538

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"die Reichen"
Verfasst von: anonym. Verfasst am: Mo, 30.05.2016 - 10:12.
sind schon ein eklatanter Bestandteil des Problems, denn "die Reichen" sind es, die den Kapitalismus nach ihren Bedürfnissen organisieren. Der Kapitalismus entsteht eben nicht von selbst aus irgendwelchen Sachzwängen heraus, sonders es ist ein menschengemachtes System, und einige Menschen haben eben einfach mehr Einfluss, Macht und Möglichkeiten. Und zur Veränderung muß man den Hebel genau dort ansetzen, alles andere sind Nebelkerzen oder Geschwätz aus dem Theorieseminar.

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oh man..
Verfasst von: anonym. Verfasst am: Mo, 30.05.2016 - 12:58.
"die reichen" sind genauso wie alle anderen den prinzipien des kapitalismus unterworfen und ich würde sogar behaupten die schicht die sich mit am stärksten selbst ausbeutet, weil sie die prinzipien am stärksten verinnerlicht hat.
und nur weil eine person viel ökonomisches kapital hat, heißt es ja noch lange nicht, dass sie auch viel soziales, symbolisches, whatever kapital hat oder in der lage ist ihr ökonomisches kapital in diese umzusetzen: der vom hauseigentümer beauftragte gerichtsvollzieher kann noch so oft klingeln und fordern, wenn an der tür 200 solidarische menschen sitzen, zum beispiel.
und wenn es mir um die verteilungsfrage ginge, dann könnte ich auch meine stimme an die LINKE bei der nächsten wahl abgeben. das ist es aber nicht. das problem ist, wie ja schon geschrieben wurde, dass der kapitalismus nicht untergeht, nur weil "die reichen" nicht mehr existieren, oder eine bank entglast wurde, oder ein manager jetzt arbeitsfrei ist. der kapitalismus wird dann untergehen, wenn wir nicht mehr nach diesen prinzipien handeln, die sich inzwischen auf alle institutionen der gesellschaft ausgedehnt hat.


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"den Prinzipien unterworfen..."
Verfasst von: anonym. Verfasst am: Di, 31.05.2016 - 07:45.

So ein Schwachsinn. Die Reichen haben Handlungfreiheit, im Gegensatz zum Arbeitnehmer oder Hartz4-Empfänger. Die Reichen können sich entscheiden, ob sie weiterhin die Arbeitskraft anderer zur eigenen Profitmaximierung nutzen, das Systen mit Gesetzen entsprechend ausgestalten ... oder ob sie ihr Vermögen für was Sinnvolles spenden und ihr zukünftiges Leben in der Arbeiterklasse verbringen und ihr politisches Wirken einer besseren Gesellschaft widmen. Die sogenannten "Sachzwänge" gelten nur insofern, dass ein Kapitalist gegen den anderen konkurriert um noch weiter nach oben zu kommen. Dazu ist er aber in keinster Weise gezwungen, so wie ein einfacher Arbeiter oder Hartzer den strukturellen Zwängen ausgesetzt ist. Bei der Gentrifizierungsfrage ist die Lage völlig eindeutig, denn es gibt keinerlei Zwang für Wohnungseigentümer, die Mieten zu erhöhen und Leute rauszuschmeißen.


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schön,
Verfasst von: ich noch mal. Verfasst am: Mo, 30.05.2016 - 23:06.

wo verdammt nochmal bleiben denn jetzt eure konstruktiven vorschläge und alternativen zu aktionen wie diesen?

kein wort, das weiterhilft. euer dämliches pseudohumanistengelalle ist unterm strich destruktiver als es ein brennendes auto je sein kann. und dem schwachkopf, der da behauptet, daß die kapitalisten am bemitleidenswertesten von allen seien, da sie am meisten in das rat race investieren müßten (oder gar dafür arbeiten müßten- als ob man mit arbeit je reich werden würde), kann ich nur raten, sich vielleicht mal mit dem wesen des kapitalismus/bürokratie/mehrwertschaffung/unterdrückungsstrukturen etc.pp. auseinanderzusetzen- ich empfehle marx, graeber, chomsky etc.- bevor er sich hier selbst weiter lächerlich macht.

an die truppe, die das schöne feuerwerk da veranstaltet hat:
chapeau und weiter so. laßt euch von diesen sesselfurzenden ewignörglern nicht beeindrucken, die sich ja nur schönreden wollen, daß sie mit dem nächsten nachttanzrave viiiiiel revolutionärer als ihr seien, um ihr kleinbürgeliches ärschchen nicht in gefahr zu bringen. vorbestraft arbeitet sich das nach den sturm- und drangjahren nämlich schlecht in papas anwaltskanzlei.

ps.:
ich übrigens einer der alten nichtverhandler und meine hütten- ja, es waren im laufe der bewegung mehrere- sind alle ehrenvoll geräumt worden, wie im übrigen alle nichtverhandler. erzähl hier also keinen scheiß. wenn dann z.b. sone maulaufreißer wie die luckauer (wo ja auch neben der herrnhuther die halbe goltz gelandet war, alles mordsmilitante) sich noch vor torschluß damals schandverträge der übelsten art andrehen haben lassen, dann waren die eben keine nichtverhandler mehr und wurden massiv gedisst, sogar in der radi. wenn du damals am start warst, solltest du das eigentlich wissen. also: welche hütte war denn nun nichtverhandler und hat heute vertrag oder sogar eigentum an ihrer hütte? fakten oder schnauze halten!


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"Vandalismus in Berlin-Mitte "Autonome Gruppen" rechtfertigen Randale"  Jörn Hasselmann (30.05.2016)
"Autonome Gruppen" haben sich auf einer linksextremistischen Webseite zur Randale in der Alten Jakobstraße in Mitte bekannt. Dort brannten in der Nacht zu Sonntag mehrere Autos, Häuser wurden beschädigt. ... Am späten Sonntagabend ist auf der linksextremistischen Internetseite "indymedia" ein Bekennerschreiben zu den Anschlägen in Mitte in der Nacht zu Sonntag veröffentlicht. Darin heißt es: "Wir haben uns in der Alten Jakobstraße ein Stelldichein gegeben um unsere Wut über Ausgrenzung, Vertreibung, Kontrolle und Verachtung gegenüber einer Stadt der Reichen mit Farbe, Steinen und Feuer sichtbar zu machen." Unterzeichnet ist das Schreiben mit nur mit "Autonomen Gruppen". Begründet wird die nächtliche Randale so: "Die Luxusneubauten stehen für eine Stadtentwicklung zu Gunsten der Reichen und zeigen offenkundig die Trennung in Teilhabende und Ausgeschlossene: Während die einen in ihren Appartments der gefühlsvollen Inszenierung italienischer Lebensqualität fröhnen wird der Pöbel durch Überwachungskameras fern gehalten." Ob die Selbstbezichtigung authentisch ist, bleibt unklar. ... Auf der linksextremistischen Internetseite „Indymedia“ war der Baubeginn im Oktober 2014 registriert worden. Der bundesweit tätige Konzern errichtet auf dem ehemaligen Mauerstreifen 102 Eigentumswohnungen, die in diesem Jahr bezogen werden sollen. „Die Preise werden eine breite Zielgruppe ansprechen“, hatte ein Firmensprecher vor drei Jahren dem Tagesspiegel gesagt, genannt wurden Quadratmeterpreise von 4000 bis 5000 Euro.
„Jeden Tag schönes Erleben“ steht in großen Lettern auf einem Werbeschild der Patrizia, es blieb unbeschädigt. Einem Mieter von der anderen Straßenseite reicht das Erlebte. „Bloß hier wegziehen“, schimpft er in sich hinein.
SPD, CDU und Grüne verurteilten die Attacke. „Linksextremisten sind Feinde der Demokratie. Sie verstehen nur den Haftrichter“, twitterte der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber. "Diese linksautonomen Feuerteufel gehören alle in die JVA Tegel." Die Grünen warfen Innensenator Frank Henkel (CDU) eine fehlende "durchdachte Strategie" vor. "Die Polizei scheint nachts weniger unterwegs zu sein", behauptete der Abgeordnete Benedikt Lux. Der Abgeordnete kündigte an, den Anschlag im nächsten Innenausschuss zu thematisieren.
In den vergangenen Monaten haben Linksextremisten in verschiedenen Bezirken randaliert, unter anderem in der Neubausiedlung am Gleisdreieckpark. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/vandalismus-in-berlin-mitte-autonome-gruppen-rechtfertigen-randale/13656262.html

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    DaW, 30.05.2016 11:43 Uhr

Was für Idioten
Gewalt und Aufrufe dazu sind durch nichts zu rechtfertigen. Ihrer (vermeintlichen) Sache haben sie einen Bärendienst erwiesen, letztlich profitieren nur "A"fD, PEGIDA & Co davon - und können mal wieder super whataboutism betreiben. Danke, ihr selbsternannten Retter der Welt ...


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  apnoe, 30.05.2016 12:19 Uhr

Antwort auf DaW vom 30.05.2016 11:43 Uhr
Was ich mich immer wieder frage:
Inwiefern bauen diese Autonomen Gruppen (bzw. ihre Mitglieder) eigentlich noch darauf, den Rückhalt der Massen zu haben, für die sie eigentlich kämpfen wollen? Oder haben sie sich in ihrer Rechtfertigungsblase schon so abgeschottet, dass der Kampf gegen das System schon als Selbstzweck durchgeht, bei dem die "Befreier" ganz ohne die "Befreiten" auskommen?


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    SuOm, 30.05.2016 11:27 Uhr

Meine Güte was für Deppen. Als ob solche Aktionen irgend etwas ändern würden. Viel mehr zieht man sich noch weiter den Zorn der Gesellschaft zu und verliert dadurch mehr und mehr den Fokus auf die Probleme der Stadt.


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    lahaine, 30.05.2016 10:25 Uhr

Luxusbewohner
Was erwartet der Autor dieses Artikels, sollen die Leser des Tagesspiegels sich jetzt solidarisch fühlen mit den Bewohnern teurer Eigentumswohnungen oder großer Autos?


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    Frauenarzt, 30.05.2016 10:32 Uhr

Antwort auf lahaine vom 30.05.2016 10:25 Uhr

Tagesspiegel-Leser
sollten Brandanschläge ablehnen, erst recht solche zur Vertreibung von Menschen aus ihrem Zuhause. Das sollte unser kleinster gemeinsamer Nenner sein. Ist es aber wohl leider nicht.


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    fritz, 30.05.2016 10:39 Uhr

Antwort auf lahaine vom 30.05.2016 10:25 Uhr
Solidarität mit Verbrechensopfern ist selbstverständlich.

Wohlhabende sind kein Freiwild für Gewalttäter, die es zu nichts gebracht haben und aus Wut und Neid das zerstören, was sie nicht haben können.


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    vicym
    30.05.2016 11:05 Uhr

Antwort auf lahaine vom 30.05.2016 10:25 Uhr
Die meisten Eigentumswohnungen werden vermietet, und es haben definitiv keine "großen" Autos gebrannt. Und das der vorhandene Supermarkt ebenfalls etliches abbekommen hat, wurde garnicht berichtet.

Das sind einfach nur verzogene Gören, die keinen Funken Anstand haben. Nur noch bekloppt!


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    habimmerrecht, 30.05.2016 11:55 Uhr

Antwort auf lahaine vom 30.05.2016 10:25 Uhr
Ja, ich bin solidarisch. Ab welcher Höhe des monatlichen Einkommens mein Solidaritäts-Gefühl sinken sollte, lassen Sie mich bitte wissen.


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    RobertCrumb, 30.05.2016 08:39 Uhr

Das ist der Preis für die Politik des Establishment,den ganzen Wohnungsmarkt den gesetzlosen Immobilienhaien zu überlassen.
Praktisch ganze Bevölkerungsschichten werden an den Stadtrand vertrieben um Platz für die Neureichen zu machen.


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     Frauenarzt, 30.05.2016 09:46 Uhr

Antwort auf RobertCrumb vom 30.05.2016 08:39 Uhr
Das ist einfach nur das Werk von gewohnheitsmäßigen Randalierern. Die kleinen Leute, gegen die sich deren Terror richtet, sind keine "Immobilienhaie", sie müssen für ihr kleines bisschen Wohlstand und Sicherheit für ihre Kinder hart arbeiten, sich vielleicht sogar verschulden. Und nun zünden ein paar gesetzlose Idioten diesen "Neureichen" die Styropor-Fassaden und Untere-Mittelklasse-Wagen an. Mich würde nicht wundern, wenn diese Hass- und Neidverbrecher, die für ihre krude Ideologie Menschenleben aufs Spiel setzen, selber in einem der begehrten Innenstadtbezirke hausen.


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    AdeleSandrock
    30.05.2016 19:42 Uhr

Antwort auf RobertCrumb vom 30.05.2016 19:12 Uhr
Effekt
Und Sie glauben tatsächlich, daß die Welt besser und gerechter wird, wenn diese Lumpen marodierend durch die Straßen ziehen und anderen das zerstören, was die sich erarbeitet haben?
Welchen Effekt erhoffen Sie sich dadurch für ihren Techniker und die Verkäuferin? Ich kann mir nicht vorstellen, daß die solche Kriminellen beauftragen würden, um ihre Interessen zu vertreten.


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    RobertCrumb, 30.05.2016 20:51 Uhr

Antwort auf AdeleSandrock vom 30.05.2016 19:42 Uhr
Nein
das nicht aber vielleicht wird auch mal quer gedacht und sozialistisch,denn die Werte der Gesellschaft können nur von Dauer sein wenn sie für Alle gemacht sind.


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    Elena66
    30.05.2016 21:48 Uhr

Antwort auf RobertCrumb vom 30.05.2016 20:51 Uhr
Stecken lassen
Haben wir gesehen, wie gut das in der DDR und anderen sozialistischen Ländern funktioniert hat.

Wenn man mehr Wohnraum in den Innenstädten will, dann geht das nur durch private und öffentliche Investitiionen. Berlin ist klamm, da geht also soviel nicht, sonst hätte man wohl auch nicht so umfassend privatisiert.

Bauen ist aber nun mal teuer, zumal in begehrten Lagen. Wenn da jemand günstigen Wohnraum will, dann klappt das nur, wenn man dem Investor die Möglichkeit gibt, diese Sozialwohnungen durch teurere Wohnungen querzufinanzieren. Sei es durch höhere Mieten, als Eigentumswohnung oder indem man die Nutzung als Ferienwohnung erlaubt. Oder aber man lässt den Investor 3 Stockwerke draufsatteln, dann rechnet sich das auch. Mietpreisbremse, das Verbot von Ferienwohnungen und die notorische Weigerung des Senats, die Traufhöhe zu erhöhen führen dazu, dass es nicht oder nur mit sehr hohem finanziellen Risiko möglich ist, profitabel zu bauen (nicht schnappatmen, so sind Geschäftsleute, die wollen immer was für ihr Geld zurück, das gilt selbst für Kioskbesitzer, die einem einzelne Gummibärchen für das Doppelte des Einkaufspreises verkaufen). Und was dann passiert, sieht man an der Curvy-Brache, wo der Bauherr sich nun entschlossen hat, doch lieber keine Wohnungen zu bauen (weder niedrig- noch hochpreisige), sondern lieber ein Geschäftshaus.

Und der Wohnungsmangel wächst ....


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    Muhkuhhh, 29.05.2016 15:41 Uhr

Was drückt sich darin aus?
Natürlich sind solche Vorgänge ohne wenn und aber zu verurteilen! Autos in Brand zu stecken, Gebäude zu beschädigen und generell Verwüstungen anzurichten sind nicht zu tolerieren und muss für den Fall, dass diese Menschen erwischt werden auch entsprechend bestraft werden.

Aber: In solchen Taten drückt sich etwas aus! Und diesen Dingen auf den Grund zu gehen ist mindestens so wichtig, wie die Täter ausfindig zu machen...
Wo auch immer man in dieser Stadt unterwegs ist , entstehen nur noch Luxuswohnungen und werden Bauwerke hochgezogen, die einfach teuer aussehen und unglaublich hässlich sind. Sie bringen zum Ausdruck, dass hier ohne viel Geld nichts geht.
Wenn man durch die Gegend nahe dem Spittelmarkt läuft,ist es ganz genau so. Teure Bauten und nur noch Luxus, Luxus.....
Kann es nicht sein, dass es für ganz viele Menschen dafür erhebliches Unverständnis gibt? Dass Menschen mit " normalem Gehalt" sich fragen, was das alles soll?
Hier einfach mal so zu tun, als ob hier nur ein paar linksextremistische Spinner unterwegs sind, die Chaos und Verwüstung anrichten wollen, ist viel zu oberflächlich und zeigt, dass viele Politiket dieser Stadt gar kein angemessenes Bild ihrer eigenen Stadt haben. Und die Grünen machen es sich wie immer ganz einfach. Schuld ist die Polizei. Das ist echt Quatsch und wahnsinnig kurzsichtig. ...


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    nochnefrage
    29.05.2016 18:03 Uhr

Linkspopulismus
Es ist doch immer wieder interessant, Lesermeinungen zu lesen:

    In solchen Taten drückt sich etwas aus!

Das hätte mal jemand über sie Brandstiftungen der rechten Verbrecher sagen sollen ...


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    motmax
    29.05.2016 11:48 Uhr

Sprachrohr für Scharfmacher?
Die Kommentare von Tom Schreiber offenbaren entweder eine absurde Profilierungssucht um sich plump als nächster Law and Order Innensenator zu empfehlen oder eine ungesunde neurotische Fixierung auf sein Thema, was beides nicht sonderlich sympatisch wirkt.
Bevor es irgendwelche konkreten Hinweise gibt, benennt er pauschal eine Gruppe von Mitbürgern als schuldig und hat auch schon eine angemessene Strafe zu empfehlen.

Ich erinnere Fälle in der jüngeren Geschichte, wo interessierte staatliche sowie andere Kreise einen sogenannten "Linksextremismus" geschürt bzw. radikalisiert und instrumentalisiert haben.

Die Bezeichnung "Linksextremisten" ist historisch schon oft in verschiedener Weise angewendet worden, oft hat es dann grausame Verfolgungen gegen irgendwelche unliebsamen Personengruppen gegeben, auch in rechten wie in sogenannten kommunistischen Regimen.

Die Presse hat eine grosse Verantwortung, Scharfmachern nicht Sprachrohr zu sein lieber Tagesspiegel ...


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    greg, 29.05.2016 13:54 Uhr

Antwort auf motmax vom 29.05.2016 11:48 Uhr
Würden Sie bei einem Vorfall, der mutmaßlich rechtsextrem ist und als solcher auch zu erkennen ist, genauso argumentieren?


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Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 19, 2016, 10:47:51 AM
Das Mercure Hotel Potsdam (früher: Interhotel Potsdam) ist ein im Jahr 1969 fertiggestelltes Hotel aus der Zeit der DDR, das von der Interhotel-Kette betrieben wurde. Nach der Wende gelangte es in das Eigentum der Mercure-Kette, die den Plattenbau sanieren und auf den nun üblichen Ausstattungsstandard umbauen ließ. Es steht an der Langen Brücke und grenzt an den Lustgarten. ... Der Vorsitzende des DDR-Staatsrats Walter Ulbricht gab 1967 den Auftrag, eine „sozialistische Stadtkrone“ in Potsdam zu bauen. Das Hotelgebäude wurde als Prestigebau durch ein Architektenkollektiv unter der Leitung von Sepp Weber verwirklicht und sollte höchsten internationalen Standards entsprechen. Für die Fertigstellung kamen einige Baugeräte aus dem kapitalistischen Ausland zum Einsatz. Das Haus bietet über 420 Gästezimmer in 17 Etagen und wurde als erstes Hotel der DDR mit 20 Fernsehern ausgerüstet. Prominente wie Karlheinz Böhm, Audrey Landers und Zsa Zsa Gabor waren hier Gäste. ... (20. November 2015)
https://de.wikipedia.org/wiki/Mercure_Potsdam


"Städtebau: Potsdam sind im Fall "Hotel Mercure" die Hände gebunden" Katrin Starke (12.05.2012)
Für viele ist der 17-geschossige Bau ein architektonischer Schandfleck. Vergleichbare Gebäude der Ost-Moderne sind schon niedergerissen. ... Gäbe es nur eine Möglichkeit, die Potsdamer Bauverwaltung würde wohl selbst die Abrissbirne in Schwung setzen, um das ehemalige "Interhotel" an der Langen Brücke abzureißen. Und stünde damit nicht allein. Das 1969 erbaute Hochhaus, das heute als Mercure-Hotel Gästen in 210 Zimmern Vier-Sterne-Qualität bietet, ist vor allem denen ein Dorn im Auge, die sich einem historischen Stadtbild verschrieben haben. Plattenbau gegen klassizistische Fassade – in Potsdam wird derzeit kontrovers über das Erbe der DDR-Architektur diskutiert. ... Das Haus, das Hotelbetreiber Accor gemietet hat, befindet sich im Eigentum der US-Investmentgesellschaft Blackstone. Klipp will auf seine Chance warten. Die könnte Ende des Jahres kommen. Der Betreibervertrag läuft im Dezember aus. Noch steht nicht fest, ob Accor verlängern wird. "Die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Aber wir sind in guten und konstruktiven Gesprächen mit dem Vermieter. Immerhin ist der Standort des Hotels herausragend", erklärt Accor-Sprecher Michael Kirsch. Der SED-Prestigebau im Zentrum der Stadt ist nur ein Posten auf Klipps Liste der zur Disposition stehenden Objekte der Ost-Moderne. Umstritten deshalb, weil sie "in einer bestimmten Zeit ganz bewusst gegen den Stadtgrundriss gebaut wurden", sagt Klipp. ...  Dass beispielsweise das ehemalige Kulturhaus des früheren Ministeriums für Staatssicherheit in Golm unter Denkmalschutz stehe, belege, dass in Potsdam unverkrampft und unideologisch mit der DDR-Architektur umgegangen werde. "So etwas wie in Berlin kann in Potsdam nicht so schnell passieren", spielt Klipp auf den Abriss des "Ahornblatts" an der Fischerinsel an. Im Jahr 2000 war der von Ulrich Müther entworfene Schalenbau zur Bestürzung vieler Berliner dem Erdboden gleichgemacht worden. In Potsdam dagegen sei das Werk des Schalenbau-Pioniers, das Café "Seerose", geschützt.
18 Gebäude aus der DDR-Zeit genießen in Potsdam den gleichen Status. Vergleichsweise viele, wie das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege bescheinigt. "Zu wenige", sagt dagegen Thomas Hintze, Chef der Bürgerinitiative "Pro Brauhausberg". Das Terrassencafé Minsk hat der Potsdamer dabei vor Augen. Von der Pracht des 1977 zum 60. Jahrestag der Oktoberrevolution eröffneten Restaurants mit einer Außenterrasse, die Platz für 110 Gäste bot, ist kaum etwas geblieben. Seit gut 15 Jahren pfeift der Wind durch die Fensterhöhlen, haben Sprayer und Randalierer ihre Spuren am Gebäude hinterlassen. Kein schöner Anblick, wie Hintze zugibt. "Aber das 'Minsk' hat etwas zu erzählen. Für viele Alteingesessene bedeutet es ein Stück Identität." Der 41-Jährige erinnert an die ungewöhnliche Baugeschichte. ...
http://www.morgenpost.de/brandenburg/article106294437/Potsdam-sind-im-Fall-Hotel-Mercure-die-Haende-gebunden.html


"Potsdamer Interhotel: Kann das weg?" Anne Hähnig (16. Juni 2016)
Das einstige Potsdamer Interhotel soll abgerissen werden. Beim Streit darüber geht es um mehr als nur um ein Gebäude – es tobt ein Kulturkampf: Wer bestimmt, wie diese Stadt künftig aussieht? ... "Sozialistische Notdurftarchitektur" hat der in Potsdam lebende TV-Moderator Günther Jauch das Mercure einmal genannt. Und der Schauspieler Jörg Hartmann sagte: "Kein Mensch mit einem Schönheitsempfinden kann solche Bauten dauerhaft wollen." Auch Kai Diekmann wollte, dass es verschwindet. Tatsächlich soll das Mercure abgerissen werden: Die Stadtverordnetenversammlung hat im März beschlossen, das Gebäude zu kaufen, um es später wegreißen zu können. Denn es ist, wie selbst Hoteldirektor Wesolowski sagt, "von außen nicht gerade ein Schokoladenhohlkörper". Es sieht also nicht eben verführerisch aus – und direkt gegenüber steht eines der prächtigsten Häuser Potsdams: das wiederaufgebaute Stadtschloss. Deshalb, finden die Kommunalpolitiker, passe das Mercure dort nicht hin, zumal es mit seinen 60 Metern Höhe alle anderen Gebäude um Längen überragt. Es soll einem Park weichen, und dieser Park soll "Wiese des Volkes" heißen.
Doch diese Rechnung wurde ohne das Volk gemacht, denn das wehrt sich: gegen den Abriss, gegen die Stadt, gegen die Prominenten. Es gibt eine Bürgerinitiative, die ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht hat. Das richtet sich gegen den Abriss des Mercure und zweier weiterer DDR-Gebäude in der Innenstadt. Etwa jeder zehnte Potsdamer hat schon unterzeichnet, die Zahl der Unterstützer liegt aktuell bei 16.000. Das sind 2.000 mehr, als notwendig wären. Mit Unterstützung der Linken wurden Unterschriften vor allem in den Plattenbauvierteln der Stadt gesammelt. Die kleinen Leute unterschreiben für den Erhalt eines in die Jahre gekommenen Luxushotels. Das ist Potsdamer Ironie.
Längst ist die Zukunft des Mercure eines der wichtigsten Themen in dieser Stadt, die zuletzt eine enorme Anziehungskraft auf die Reichen und Prominenten ausgeübt hat; so sehr wie wohl keine andere in Deutschland: Viele, die Ruhm und Geld haben, wollen hier leben. Nah an Berlin und doch in entrückter Schönheit. Der Streit um das Mercure ist so auch ein Streit zwischen alten Potsdamern und neuen. ...
http://www.zeit.de/2016/26/potsdamer-interhotel-abriss-kulturkampf/komplettansicht


"Stadtgestaltung in Potsdam Das Hotel Mercure bleibt stehen" Henri Kramer (19.09.2016)
Der jahrelange erbitterte Konflikt um die Gestalt der Potsdamer Mitte kann ein Ende finden: Der Abriss des Hotel Mercure ist für die kommenden Jahre vom Tisch. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtgestaltung-in-potsdam-das-hotel-mercure-bleibt-stehen/14547746.html


Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 22, 2016, 04:45:31 PM
"Berlin-Friedrichshain: Polizeieinsatz in der "Rigaer 94" - Eigentümer lässt Fahrräder entfernen" Christian Vooren (22.06.2016)
Die Berliner Polizei führt am Mittwochvormittag einen Einsatz im linksalternativen Wohnprojekt in der Rigaer Straße 94 in Friedrichshain durch.
"Der Einsatz läuft seit 7.30 Uhr", hieß es bei der Polizei. Die Hausverwaltung habe um Unterstützung gebeten, weil Bauarbeiter im Haus Baumaßnahmen durchführen sollen. Es gehe um Brandschutz, die Räumung von Fluchtwegen und die Entfernung von Sperrmüll, sagte ein Sprecher. "Wir schützen die Bauarbeiter. Sie sind zuletzt wiederholt bedrängt und beleidigt worden." Man sei aber nicht da, um Wohnungen zu durchsuchen oder Personen festzunehmen. ... Das Wohnprojekt in der Rigaer Straße gilt als Treffpunkt von Linksextremisten, es kommt es immer wieder zu Angriffen auf Polizeistreifen und politische Gegner. Zuletzt war die Polizei im Januar dieses Jahres in dem Wohnprojekt im Einsatz - zuvor war ein Kontaktbereichsbeamter direkt vor dem Haus angegriffen worden. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-friedrichshain-polizeieinsatz-in-der-rigaer-94-eigentuemer-laesst-fahrraeder-entfernen/13769300.html

Quote
McSchreck 15:20 Uhr
oje, wenn ein Eigentümer in seinem Eigentum an Flüchtlinge vermieten will, ist das also "Besetzer gegen Flüchtlinge ausspielen". ....


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Das Haus an der Rigaer Straße 94 im sogenannten „Nordkiez“ (Samariterviertel) in Berlin-Friedrichshain ist ein aus einer illegalen Hausbesetzung entstandenes Wohnobjekt, das als eines der letzten Häuser in Berlin zu großen Teilen auch heute noch besetzt ist. In den Räumlichkeiten befindet sich die Hausbesetzerkneipe Kadterschmiede, die nicht öffentlich zugänglich ist. ....
https://de.wikipedia.org/wiki/Rigaer_Stra%C3%9Fe_94

https://rigaer94.squat.net/ | https://rigaer94.squat.net/chronik/

"Erklärung der Rigaer 94 zu den heutigen Ereignissen"
Verfasst von: Rigaer94. Verfasst am: 13.01.2016 - 21:35. Geschehen am: Mittwoch, 13. Januar 2016
https://linksunten.indymedia.org/de/node/165191

Bullen in Rigaer94
Verfasst von: Rigaer94. Verfasst am: 22.06.2016 - 08:07. (unmoderiert) Kommentare: 24
Bullen in der Kadterschmiede seit 7:00Uhr wollen sie wohl räumen...
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Presseinformation Begehung Rigaer Str.94
Verfasst von: Hausverwaltung Pawel Kapica. Verfasst am: Mi, 22.06.2016 - 10:06.
Am 22. Juni 2016 werden wir als beauftragte Hausverwaltung im Auftrag der Eigentümergesellschaft Lafone Investments Ltd. eine Begehung des Hauses Rigaer Str. 94 in Berlin-Friedrichshain durchführen.
Im Ramen der Begehung werden der nicht ausgebaute Dachbodendes Vorderhauses sowie zwei zweckentfremdete Flächen im Erdgeschoss des Quergebäudes und des Seitenflügels geräumt. Gleichzeitig werden vorhandene Mängel im Brandschutz sowie der Verkehrssicherheit in den Treppenhäusern behoben und der Hof von Sperrmüll, darunter 20-30 alte Kühlschränke, entsorgt.
Von insgesamt 30 Wohnungen im Haus sind derzeit noch sieben Wohnungen besetzt. Laute dem Berliner Melderegister sind in diesen 7 Wohnungen auch keine Bewohner gemeldet. Bei den beiden zu räumenden Flächen handelt es sich jedoch um keinen genutzten Wohnraum.
Im Jahr 2015 wurden Reinigungskräfte und Hausmeister von Bewohnern unter Gewaltandrohung des Vorderhauses verwiesen. Im selben Jahr wurden ein Räumungsversuch des widerrechtlich bestzten Vorderhaus- Dachbodens wosie weitere Begehungen von Bewohnern des Seitenflügels/ Quergebäudes und deren Sympathisanten unter Gewaltandrohung verhindert.
Die Eigentümergesellschaft hat deshalb über einen Rechtsanwalt für die Begehung am 22.6.2016. die Berliner Polizei um Unterstützung gebeten.
Die beiden zu räumenden Flächen im Erdgeschoss werden ab sofort instandgesetzt und an Flüchtlinge mit regulären Mietverträgen zu Konditionen des Berliner Mietspiegels als Wohnraum vermietet.
In Veröffentlichungen der Berliner Presse und im Internet wurde verbreitet, dass in den Treppenhäusern Schäden und Mängel der Verkehrsicherheit und des Brandschutzes vorliegen. Sollte dies zutreffen, müssen diese Mängel aus Haftungsgründen im Auftrag der Eigentümerschaft behoben werden. Obwohl das Bezirksamt offiziell darüber informiert wurde, hat es keine entsprechenden Kontrollen oder Maßnahmen ergriffen. Die Eigentümerschaft steht jedoch in der Verantwortung solche Mängel abzustellen.
Das Angebot zum Kauf des Hauses Rigaer Str. 94 durch die Unterstützung der Edith Maryon Stiftung haben die jetztigen Bewohner seinerzeit mit dem Hinweis auf "ihren politischen Kampf" abgelehnt und sich somit gegen eine Übernahme dieser Verantwortung enschieden.
Hausverwaltung Pawel Kapica
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Korrektur
Verfasst von: anonym. Verfasst am: Mi, 22.06.2016 - 14:16.
Hausverwaltung Kapica ist nur "vorgeschoben".
Organisatorisch verantwortlich für den heutigen Einsatz ist weiterhin die "BELIMA - Berliner Liegenschaften Management GmbH & Co. KG" aus der Arndtstraße 34, 10965 Berlin.
https://linksunten.indymedia.org/en/node/153892

https://linksunten.indymedia.org/de/node/182744

"Berlin / Brandenburg: 22.06.2016Polizei schon wieder im linken Hausprojekt Rigaer 94" ( 22.06.2016)
Polizei: Amtshilfe für die Hausverwaltung / Bewohner: Auch Kneipe »Kadterschmiede« betroffen / Beamte und Handwerker mit Gerät unterwegs...
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1016144.polizei-schon-wieder-im-linken-hausprojekt-rigaer.html


"Polizeieinsatz in der Rigaer Straße: Linke Szenekneipe geräumt" Volkan Agar (Berlin, 22. 6. 2016)
Mit der Unterstützung von 300 Polizisten, privaten Security-Mitarbeitern und Handwerkern begann am Mittwochmorgen um 7.30 Uhr die Räumung einer Werkstatt und der Szenekneipe „Kadterschmiede“ in der Rigaer 94 in Friedrichshain. ...
https://www.taz.de/Polizeieinsatz-in-der-Rigaer-Strasse/!5312427/

"Nach Einsatz in Rigaer Straße in Friedrichshain Nächtliche Randale: Autos angezündet, Steine geworfen"
Karin Christmann (tagesspiegel.de, 23.06.2016)
Nach dem Polizeieinsatz in der "Rigaer 94" am Mittwoch gab es in der Nacht zu Donnerstag Randale in mehreren Bezirken: Autos brannten, Bankfilialen wurden attackiert. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/nach-einsatz-in-rigaer-strasse-in-friedrichshain-naechtliche-randale-autos-angezuendet-steine-geworfen/13774948.html

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IchGlaubeGarNichtsMehr 23.06.2016 09:26 Uhr
Was für Helden - einen Roller umschmeißen und ein BVG Häuschen kaputt machen.
Und diese Leute wollen uns ein anderes Gesellschaftsmodell vorleben...


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wohltemperiert 23.06.2016 07:57 Uhr
Na, das ist doch mal wieder etwas!!!
Rechtsfreier Raum - Teekesselchen [https://de.wikipedia.org/wiki/Teekesselchen (https://de.wikipedia.org/wiki/Teekesselchen)]


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Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 24, 2016, 01:29:21 PM
"Wir sind verdammt wütend – und das ist gut so!" Arno Kleinebeckel (23.06.2016)
Linker Mob randaliert in Berlin und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung – Aufruf zur Gewalt per Internet. ... Die BZ zitiert den Berliner Innenpolitiker Benedikt Lux (Grüne), er sprach von einer schlimmen Eskalationslage: "Sie lässt mich ratlos werden. Gewalt kann niemals Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Wir brauchen eine Politik, die konsequent für Anwohner (…) streitet." ...
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48630/1.html

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    Tobias Conradi, 23.06.2016 20:48


Benedikt Lux: Gewalt kann niemals Mittel der politischen Auseinandersetzung sein
Ein Mitglied der Kriegspartei "B90/Grüne".

Wie war das mit den Bomben auf Jugoslawien?

https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Allied_Force#V.C3.B6lkerrechtliche_Beurteilung

https://www.google.com/search?q=%22Es+begann+mit+einer+L%C3%BCge%22

https://de.wikipedia.org/wiki/Hufeisenplan (Hoax)

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (23.06.2016 20:50).


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    albert992, 23.06.2016 22:46

Informativer Artikel

Hab alles gelesen und weiß jetzt eigentlich nicht, was dort warum los war.
Könnten Sie da nochmal drübergehen, bitte?

Sonst schau ich bei Bild.


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"Wir sind verdammt wütend – und das ist gut so! Solidarität mit der Rigaer94"
Verfasst von: Schwarzer Kadter. Verfasst am: 23.06.2016 - 02:22. Geschehen am: Mittwoch, 22. Juni 2016. Kommentare: 16
https://linksunten.indymedia.org/de/node/182896

"Chaoten-Mob randaliert auf Berlins Straßen" - Wut zu Widerstand
Verfasst von: (A). Verfasst am: Do, 23.06.2016 - 08:27.
„In Pankow brannte in der Glaßbrennerstraße ein Fahrzeug”, sagte ein Polizeisprecher. In der Finnländischen Straße (Pankow) standen Baumaschinen in Brand, in der Wohnanlage Dora-Benjamin-Park zündeten Unbekannte weitere Autos an. An Bankfilialen in der Beusselstraße und am Halleschen Ufer wurden Fensterscheiben eingeworfen. „Festnahmen gab es nicht”, sagte der Sprecher.
Quelle: http://www.bz-berlin.de/berlin/chaoten-mob-randaliert-auf-berlins-strassen

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Refugees welcome??
unmoderiert
Verfasst von: Anouk. Verfasst am: Fr, 24.06.2016 - 11:52.

Liebe menschen der Rigaer!
Wenn ihr euch "Refugees welcome" auf die Fahne schreibt, dann setzt es auch so um!
Dann setzt euch mit dem Investor und Henkel hin und macht einen Vertrag!
Das was ihr jetzt macht mit Widerstand und Steine schmeißen macht euch nicht grad authentisch in Sachen Wilkkommenskultur, sonst schreibt das nächste mal mit Sternchen refugees welcome, aber nur unter gesonderten Bedingungen! Es war klar das es so kommen wird. Viele andere bewohner mussten wegen der Flüchtlingskrise ihre Häuser wechseln. Und die Flüchtlige brauchen jetzt ein dach über dem Kopf und ncht für ein paar Tage eine dusche!

Klar gibt es viel leerstand! der leerstandsmelder ist voll! Aber gerade bei euch möchte mal doch meinen das ihr die Flüchtlinge willkommen heißt! Ansonsten wäre es wichtig gewesen, sich auch mal kritischer mit dem Thema auseinanderzusetzen! Denn es gibt da noch mehr zu beachten! Zeigt eure Willkommenskultur jetzt. Was soll sonst ein refugee davon halten? Die denken ja ihr seid rechts! Das wars dann wohl mit der willkommenskultur! Tschö mit ö! Denkt mal drüber nach!


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unmoderiert
Verfasst von: oskar. Verfasst am: Fr, 24.06.2016 - 12:24.

Das gegenseitige Ausspielen der Interessen der Gruppen, die du hier ausgemacht hast, führt zu nichts.

Gegenvorschlag:
Gemeinsam mit den Flüchtlingen "Spontanbesetzungen" organisieren und solidarisch bleiben.



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"Großeinsatz gegen linkes Hausprojekt: Hausverbot für Polizisten" Manuela Heim (Berlin, 28. 6. 2016)
BERLIN taz | In der Rigaer Straße schaukelt sich die Stimmung hoch. Die permanente, vermutlich noch Wochen andauernde Präsenz dutzender Beamter wird von vielen AnwohnerInnen als Provokation betrachtet. Ein Konflikt rund um die Kiezbäckerei zeigt die Angespanntheit bis auf die höchste politische Ebene.
Am Mittwoch vergangener Woche hat der Eigentümer Teile des linken Hausprojektes Rigaer 94 von Bauarbeitern ausräumen lassen. Die Arbeiter rückten mit einem privaten Sicherheitsdienst sowie 300 Polizeibeamten an. Eine Gefahrenanalyse habe ergeben, dass das Polizeiaufgebot nötig sei, um die Arbeiter zu schützen, rechtfertigte Innensenator Frank Henkel (CDU) den Einsatz.
In den vergangenen Jahren war es eigentlich eher ruhig geworden in der ehemals heiß umkämpften Rigaer Straße. Trotzdem hatte die Polizei ihre Strategie im Herbst geändert und mit diversen Großeinsätzen, Straßensperrungen, verdachtsunabhängigen Personenkontrollen und Hausbegehungen den Druck erhöht. „Wir sorgen hier gerade nicht für Balance“, so ein Polizeibeamter gegenüber Anwohnern.
Die aktuellen Bauarbeiten dauern an, die Polizeiabsperrung vor dem Haus auch. Am Sonntagabend war nun ein Mieter aus dem Vorderhaus der Rigaer 94 von der Polizei vor den Augen seiner Kinder niedergerungen und festgenommen worden. Wie die Kinder und AugenzeugInnen berichten, habe es Gerangel um ein Handy gegeben, mit dem die Kinder Polizeibeamte filmten. Der Familienvater soll erhebliche Verletzungen davongetragen haben.
Bewohner und Sympathisanten gaben hierzu am Montagabend eine Kundgebung vor dem benachbarten Hausprojekt Liebigstraße 34. Von SprecherInnen und aus den Reihen der rund 300 Anwesenden waren sowohl substanzielle Kritik am Vorgehen der Polizei als auch Hasstiraden und Beschimpfungen zu hören. ...
http://www.taz.de/Grosseinsatz-gegen-linkes-Hausprojekt/!5313654/

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 27, 2016, 10:56:56 AM
"Angst vor Verdrängung im Reuterkiez" Sylvia Baumeister (18.06.2016)
Neukölln. Weil sie höhere Mieten und Verdrängung fürchten, haben sich die Mieter von 170 Wohnungen zwischen der Nansen-, Fram- und Pannierstraße in einer Initiative gegen eine Zwangsversteigerung zusammengeschlossen. Zwar wurde der Termin kurzfristig abgesagt, beruhigt sind die Mieter aber dennoch nicht. ... der Milieuschutz im Reuterkiez, der es dem Bezirk ermöglicht, mietsteigernde Luxussanierungen zu untersagen, könne letztlich Sanierungen nicht verhindern, die dann doch zu höheren Mieten führen. „Das können sich viele der jetzigen Bewohner, die im Mittelwert etwa 5 Euro bruttokalt pro Quadratmeter zahlen, nicht leisten.“ Nur ein Erwerb der Immobilien durch eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft könne starke Mietsteigerungen verhindern. Kurzfristig kam dann die Absage der Versteigerung. Nach Auskunft von Florian Hintze sei diese nicht mehr nötig, da sich die Erben jetzt geeinigt hätten. Die Mieter beruhigt das dennoch nicht. Eine Sprecherin: „Wir wurden bisher gar nicht informiert und fordern daher mehr Transparenz, einen Mieterbeirat und Gespräche zwischen allen Beteiligten an einem Tisch.“...
http://www.berliner-woche.de/neukoelln/wirtschaft/angst-vor-verdraengung-im-reuterkiez-d103442.html

UNSER BLOCK BLEIBT!
Wir sind ungefähr 300 Nachbarinnen und Nachbarn, alt und jung, Alt- und Neu-Neuköllner, die alle im Häuserblock Fram-, Nansen-, Pflüger-, Pannierstraße wohnen. Es gibt einen Innenhof mit Gewerbefläche, dort arbeitet eine Gruppe von Künstlern und Künstlerinnen seit Jahren in ihren Ateliers. Anfang Mai 2016 haben wir durch Zufall erfahren, dass die Häuser in der Fram-, Nansen- und Pannierstraße (und möglicherweise auch in der Pflügerstraße) zwangsversteigert werden sollen. ... Kurzer historischer Exkurs: Unsere Häuser wurden in den 1920er Jahre vom Bauunternehmer Lindow errichtet. Die Baufirma Lindow hatte jahrzehntelang auf der Gewerbefläche im Innenhof ihren Sitz. Nach dem Tod des Firmengründers erbten seine drei Kinder zu gleichen Teilen die Häuser und Grundstücke, die zu „Unserem Block“ gehören. Jahrzehntelang waren die Häuser in Familienbesitz. Weil Neukölln als „Bronx von Berlin“ galt und niemand hier wohnen wollte, standen die Wohnungen manchmal mehrere Jahre lang leer, bevor sie neu vermietet werden konnten. Das begann sich vor ca. 10 Jahren zu ändern. ....
https://unserblockbleibt.wordpress.com/ | http://twitter.com/unserblock

https://unserblockbleibt.wordpress.com/aus-den-medien/

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"Neukölln: Unser neuer Kiez" Thomas Lindemann (23. Juni 2016)
Der Grund für den Umzug waren die Mieten. Für uns fünf war es in unserem gentrifizierten Bio-Stadtteil zu teuer – mein Frau und ich arbeiten freiberuflich. Als ich einmal eine Vermieterin fragte, warum sie fast doppelt so viel verlange, wie der Mietspiegel vorsieht, nannte sie mich einen "Korinthenkacker" und sagte, "an Leute wie Sie vermieten wir nicht". In Berlin-Neukölln fanden wir eine günstige Wohnung, nach zwei Jahren Suche. Zwar beginnt auch hier die sogenannte Aufwertung, die schicken Bars kommen und die Austauschstudenten aus Barcelona und New York. Aber im Kern bleibt es das, was viele einen "Problemkiez" nennen. Denn mehr als ein Drittel der Einwohner ist arm, der Migrantenanteil liegt bei gut der Hälfte, die Eckkneipen sind schon morgens mit (übrigens deutschen) Zechern gefüllt. Die linksliberalen Familien, die früher unser Umgang waren, meiden solche Gegenden wie der Teufel das Weihwasser. ...
http://www.zeit.de/2016/25/neukoelln-berlin-schulen-kinder-konflikte/komplettansicht


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"Szeneladen "M99" in Kreuzberg Ein Überbleibsel eines wilden Berlins" Johannes Laubmeier (20.01.2016)
Im Kiez ist er Kult. Hans-Georg Lindenau und sein Laden in der Manteuffelstraße sind Überbleibsel eines wilderen Berlins. Jetzt sind beide nicht mehr erwünscht. Doch er verkauft weiter „Revolutionsbedarf“. Nur der Bedarf für Revolution ist nicht mehr so groß wie früher. ... Seit 30 Jahren betreibt Hans-Georg Lindenau, den jeder hier nur HG nennt, seinen linken Szeneladen M99 in Berlin-Kreuzberg. Verknitterte Kleidungsstücke und Schuhe liegen in Kisten vor den Fenstern im Schnee, daneben eine alte Kaffeemaschine und ein paar Bücher. Die Ladenfront sieht aus, als wäre das Innere durch Fenster und Türen nach außen gequollen. Als wären die Räume im Erdgeschoss des Eckhauses zu klein, um zu fassen, was der Laden bietet: „M99 – Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf“, steht unter den Fenstern im ersten Stock, in Schwarz auf Gelb, von Hand geschrieben. ... Das Geschäft ist eines der Letzten seiner Art. Einen wie Hans-Georg Lindenau gibt es ohnehin nicht noch mal. Beide, Laden und Lindenau, sind in der Manteuffelstraße nicht mehr erwünscht. Die Kündigung des Vermieters ist rechtskräftig. Lindenau ist trotzdem noch da. Welcher echte Revolutionär schert sich schon um die Regeln des Systems?... 1985 hat Lindenau das M99 als Copyshop und alternativen Buchladen gegründet. Nicht sein erstes Projekt. Seit er 18 ist, war er, der gebürtig aus Franken kommt, in der Hausbesetzerszene Westberlins aktiv. Seine Wohnsitze im Laufe der Jahre, ein Best-of der Hausbesetzerszene: Kuckuck, Schrippenkirche, Rauch-Haus. Wohnraum ohne Staat, gegen das System.
... Alles lange her. Geschichten über Revolution beginnen in Kreuzberg heute oft mit: „Weißt du noch?“
Lindenau ist vielleicht der Letzte, der den Kampf nie aufgegeben hat und auch kurz vor dem Rentenalter willens ist, einen neuen anzufangen.
Im Rollstuhl sitzt Lindenau seit 1989. In diesem Jahr, so sagt er das selbst, starb er. Nach seiner Mauerflucht plagte ihn die Angst. Er fühlte sich verfolgt, von Staatsschutz und System. Immer, wenn die gefühlte Bedrohung überhand nahm, kletterte er durch ein Fenster in die Kirche am Lausitzer Platz und wartete, bis es vorbei war. Suizidprävention nennt er das. Eine Zeit lang ging es gut. Dann, an einem Tag im September, sprang Hans-Georg Lindenau vom Dach. Warum, weiß er nicht. Mehrere Wochen lag er im Koma. Als er wieder aufwachte, war er querschnittsgelähmt.
... Die Tür in der Manteuffelstraße 99 scheppert wieder und ein Mann mit langen, grauen Haaren und Schnauzbart zwängt sich durch die Gänge auf Lindenau zu. Er kennt ihn, auch er war Hausbesetzer. Sie beginnen, sich über früher zu unterhalten. In welchem Haus warst du wann? Wer war da noch? Ah, damals! Ja, da war ich schon weg. Fachsimpeln. Irgendwann, als die Geschichten ausgehen, fragt Lindenau den Mann: „Sag mal, kennst du das auch, dass viele von denen, die früher dabei waren, heute tot sind?“...
http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/szeneladen-m99-in-kreuzberg-ein-ueberbleibsel-eines-wilden-berlins/12812980.html


"Verdrängung aus dem Kiez: Keine freiwillige Räumung der M99" (27. 6. 2016)
Am 9. August 2016 wird um 9 Uhr eine Gerichtsvollzieherin die Ladenräume des Kreuzberger Gemischtwarenladens mit Revolutionsbedarf (M99) in der Manteuffelstraße 99 mit Polizeiunterstützung räumen. Das ist der Inhalt eines Schreibens, das dem Ladenbetreiber Hans-Georg Lindenau, auch als HG bekannt, am vergangenen Wochenende zugestellt wurde. Magnus Hengge von der Bizim-Initiative hatte in den letzten Monaten versucht, die Räumung durch einen Dialog mit Behörden und Eigentümern abzuwenden. „Es gab einige positive Signale, daher ist die Festlegung des Termins doch überraschend“, sagt er.
Im März war ein von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann moderierter runder Tisch gescheitert, weil die Eigentümer den Räumungstitel nicht zurücknehmen wollten. Im Mai verfassten NachbarInnen dann einen Aufruf für den Verbleib des M99 im Kiez. Die Initiative Bizim Kiez, die sich im letzten Jahr gegen die Verdrängung von MieterInnen und Projekten aus dem Kiez gegründet hat, warnte davor, dass mit dem M99 ein weiteres Stück des rebellischen Kreuzberg verschwinden würde. Sie erinnerte auch daran, dass HG, der den Laden seit 1988 betreibt und nach einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist, mit der Räumung auch seine Wohnung verlieren würde.
HG denkt auch jetzt nicht ans Aufgeben. „Ich hoffe bis zur letzten Minute, dass die Räumung verhindert wird, und werde den Laden nicht freiwillig räumen“, erklärte er der taz. ...
https://www.taz.de/Verdraengung-aus-dem-Kiez/!5313428/

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 30, 2016, 03:19:43 PM
"Rigaer Straße Wie der Häuserkampf den Wahlkampf befeuert" Andreas Kopietz (30.06.16)
Der Ton ist schon eine Weile rau in der „Rigaer94“, wie das linke Szeneobjekt europaweit genannt wird. Es ist nicht irgendein Haus, es ist eines der letzten Projekte der Hausbesetzerszene, die in Berlin blühte wie in kaum einer anderen Stadt – zuerst in den Achtzigerjahren in West-Berlin und dann noch mal in den Neunzigern im Osten der Stadt.
Längst steht die Rigaer Straße 94 in Friedrichshain für den Wandel Berlins: Für Investoren ist sie ein lästiges Überbleibsel aus anderen Zeiten, für Linksautonome eine der letzten Inseln, die ihnen die „Freiräume“ gewähren, wie sie das nennen. Ringsum sind die Fassaden saniert, die Mieten hoch. Die Bewohner der „Rigaer 94“ und ihre Sympathisanten reklamieren für sich, die Vorhut zu sein im Kampf gegen die Verdrängung einkommensschwacher Bevölkerungsschichten – im Kampf Arm gegen Reich.
... Am Abend jenes Tages demonstrierten in Kreuzberg vermummte Linksautonome. In der Nacht zündeten sie Autos an, bewarfen Fassaden mit Steinen und zertrümmerten BVG-Wartehäuser. In sechs Tagen zählte die Polizei 100 Straftaten. Auf der Internetseite Indymedia feierten Sympathisanten diese Taten. Der Widerstand solle in alle Stadtgegenden getragen werden, hieß es. Danach brannten sechs Autos in Zehlendorf, an den Zaun einer Villa sprühte jemand „Rigaer bleibt“. In Pankow flogen 30 Pflastersteine auf ein Polizeiauto, weshalb Innensenator Frank Henkel (CDU) von versuchtem Mord spricht und sogar das Wort „Terror“ gebraucht. Ebenso markig sprach die andere Seite von „Bullenterror“.
... Verschärft hat sich die Lage in der Gegend schon vor Jahren. Seit Anfang 2011 das benachbarte linke Wohnprojekt Liebigstraße 14 geräumt wurde, kommt es immer wieder zu Sachbeschädigungen. Ein Streifenpolizist berichtet von fingierten Notrufen, die Polizisten anlocken sollen. Auf die würde dann mit Steinen geworfen. An den Fenstern der Streifenwagen klebt jetzt eine Spezialfolie, an der Steine abprallen.
Auch auf den Baustellen rings um die Rigaer Straße brennen Dixi-Toiletten, Baumaterial und Bagger, werden renovierte Fassaden mit Farbbeuteln beworfen. Die Polizei erklärte den Kiez schon Ende vergangenen Jahres intern zum „Kriminalitätsbelasteten Ort“ und fuhr ihre Präsenz hoch. „Die linksextremistische Szene hat der Stadt eine Kampfansage gemacht“, sagt Innensenator Henkel. Mit seinem Polizeichef vereinbarte er am Dienstag die Gründung einer Ermittlungsgruppe namens „LinX“, was wohl dynamisch klingen soll. Sie ist beim Staatsschutz angesiedelt und besteht aus 14 Beamten. Diese sollen die Straftaten aufklären, die es seit der Teilräumung vor einer Woche gegeben hat. Die Gewerkschaft der Polizei sähe die knappen Ressourcen lieber in anderen Bereichen eingesetzt. Die Linkspartei wirft Henkel vor, die Gewalteskalation zum Teil seiner Wahlkampfstrategie zu machen. Fünf Jahre lang habe Henkel wenig gegen Brandstiftungen an Autos getan. Nun aber, vor der Abgeordnetenhauswahl im September, werde er aktiv, kritisiert der Fraktionsvorsitzende Udo Wolf. ...
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/rigaer-strasse-wie-der-haeuserkampf-den-wahlkampf-befeuert-24317006

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"Müller und Henkel streiten über Umgang mit der Rigaer" Sigrid Kneist und Gerd Nowakowski (04.07.2016)
Die Krawalle in der Rigaer Straße entzweien die Koalition: Der Regierende Bürgermeister fordert Gespräche, die CDU reagiert empört. Nun schaltet sich die Bezirksbürgermeisterin ein.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/linksextremismus-in-berlin-mueller-und-henkel-streiten-ueber-umgang-mit-der-rigaer/13828824.html

Quote
Schmalhans 08:51 Uhr (5.07.2016)
Weniger Martinshorn, weniger Helis, und die Kinder können wieder schlafen.
Die Polizei muss gegen Brandstiftung vorgehen, und sie muss gegen Nötigung von Bauarbeitern vorgehen. Aber nicht mit 200 Beamten. Die fehlen dann woanders. Und nicht mit Hubschraubern, die mehr Leute vom Schlafen abhalten als alle Autononmenpartys zusammen.
Und das ständige Martinshorn nervt auch. Ich wohne in einer Parallelstraße, und es macht überhaupt keinen Sinn, die Proskauer mit Martinshorn hochzuheizen, wenn man in die Rigaer will. Erstens gibt es da keine echte Kreuzung, wo das nach Stvo vielleicht sinnvoll wäre. Zweitens steht die Rigaer sowieso voll mit Polizei, so dass 3 Sekunden Verzögerung für einen weiteren Wagen nicht entscheidend sind. Drittens sind die Delikte in der Rigaer nicht Straßenkriminalität, sondern anderer Natur.

Die Polizei patrouilliert auch in meiner Straße, wo überhaupt keine Hausprojekte sind.
Es geht Henkel ganz klar darum, optisch und akustisch Präsenz zu zeigen. Die Anwohner sollen wissen, dass die Rigaer ganz ganz gefährlich ist! Und dass Frank was dagegen tut! Das wirkt allerdings hilflos bis unbeholfen.
Für den Wahlkampf ist Henkel die Eskalation sehr recht, und die autonome Szene freut sich auch, mal wieder vorgeführt zu bekommen, dass die Polizei willkürlich handelt.
Ich hätte gerne, dass die Beamten an Orten eingesetzt werden, wo sie nötiger sind. Gibt da ja genügend von. Und ich hätte gerne einen Innensenator, der nicht auf Kosten der Anwohner Wahlkampf macht.


Quote
jonnyrotten 07:16 Uhr (5.07.2016)
Wer gerade auch Kleinwagen von Leuten anzündet, die nicht viel haben und wahrscheinlich auch nicht teilkasko versichert sind, ist für mich Abschaum. Diese Hohlköpfe haben mit  Linken nichts zu tun. ...


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"Bilder: Die Rigaer Straße im Wandel der Zeit" (90 Bilder, Stand 07/2016)
http://www.tagesspiegel.de/suchergebnis/fotostrecken/?sw=Rigaer
Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on July 10, 2016, 10:19:22 PM
"Nach Krawallen in Berlin-Friedrichshain Frank Henkel bleibt kompromisslos" Jörn Hasselmann (10.07.2016)
Berlin erlebte am Samstag die nach Polizeiangaben gewalttätigste Demonstration seit fünf Jahren. Wie kam es zu dieser Eskalation und wie reagiert die Politik?.... http://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-krawallen-in-berlin-friedrichshain-frank-henkel-bleibt-kompromisslos/13855806.html

"(B) Demonstration "Rigaer 94 verteidigen! Investor*innenträume platzen lassen!" + Dezentrale Aktionen [Eine Einschätzung]"
Verfasst von: Autonome Gruppe. Verfasst am: 10.07.2016 - 18:52. Geschehen am: Samstag, 09. Juli 2016.
Die Schweine sprechen heute von der "aggressivsten und gewalttätigsten Demonstration der zurückliegenden fünf Jahre in Berlin." ...
Es soll angeblich 123 verletzte Schweine geben. Wir hoffen das stimmt, wenn wir das auch stark bezweifeln. Mögen es beim nächsten Mal 234 verletzte Schweine sein!  ...

https://linksunten.indymedia.org/de/node/184675

Quote
Verfasst von: anonym. Verfasst am: So, 10.07.2016 - 20:21.
Schweine sind Schweine. .. und natürlich darf geschossen werden...

Quote
Womit du dich von jeglichem Konsens
Verfasst von: anonym. Verfasst am: So, 10.07.2016 - 20:53.

... Hör auf Henkel und der Springerpresse unter falscher Flagge Material zu liefern. Keine politische Gruppierung spricht für Schusswaffen auf Demonstration oder bei Aktionen, auch nicht die R94. Also Tummel dich bitte woanders kleiner Troll.

Irgendwo bei einem Schützenvereinsheim, einer Wehrsportgruppe oder auf Playstation.
Und das Schweine schlecht riechen ist Fleischfresserpropaganda!


Quote
Wie die Verfasser schon sagten ...
Verfasst von: anonym. Verfasst am: So, 10.07.2016 - 20:33.

Schweine sind Schweine! Polizisten verhalten sich nicht wie Menschen, sondern wie Roboter.





Quote
(A)
Verfasst von: anonym. Verfasst am: So, 10.07.2016 - 20:21.
Schweine sind Schweine. .. und natürlich darf geschossen werden...


Quote
wortwahl 2
Verfasst von: anonym. Verfasst am: So, 10.07.2016 - 20:35.

Schweine, echt jetzt? Verständliche Wut und Abscheu dem ausführenden Organ des Staates gegenüber wird durch die Gleichsetzung mit sehr liebenswerten (noch nicht mal agressiven) und intelligenten Tieren total entwertet . Check your priviliges !


...


"Linksextremismus: Durchgreifen oder mit der Szene reden?" (ZEIT ONLINE, dpa, mm, 10. Juli 2016)
123 Polizisten sind in Berlin bei Krawallen von Autonomen verletzt worden. Jetzt streitet die Politik: Die CDU will hart durchgreifen, die SPD mit Teilen der Szene reden. ... Am 22. Juni hatten Polizisten Teile des linken Wohnprojektes – die Dachböden und die illegal betriebene Hausbesetzerkneipe Kadterschmiede – geräumt. Das wurde als Kampfansage des Staates "auf unsere Strukturen" gewertet. Außerdem ging es den Demonstranten offenbar um die von Kritikern sogenannte Gentrifizierung von Friedrichshain im Allgemeinen und der Rigaer Straße im Besonderen. ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-07/linksextremismus-krawalle-berlin-friedrichshain-streit-grosse-koalition

Quote
Juliett Tango Two #2

"Durchgreifen oder mit der Szene reden"?

Wer Gewalt ausübt, um seine krude politische Ideologie durchzusetzen, der disqualifiziert sich für Gespächsrunden. Diese Gwalt-Brüder gehören in den Knast.

Quote
Gerry10 #2.1

Naja, der Mann ist gewählt, so leicht bekommen Sie den nicht in den Knast....


Quote
andrerae #2.2

Hihihihi



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Shinee #2.3

Das sind besorgte Bürger, die um ihre Existenz fürchten.
Ich hoffe, Siggi zieht den Baumwollpulli an und redet mit den Leuten.
Alles andere wäre undemokratisch.



Quote
Unermüdlich #4.1

++ Mit Radikalen, die Polizisten angreifen und verletzen, kann nicht geredet werden - ohne Ausnahme! Die Devise lautet keine Gewalt, wer das nicht kann, dem darf die Hand nicht gereicht werden! ++

Keine Gewalt?
Henkel hat im Januar auf die erstbeste Gelegenheit gewartet, massiv zu reagieren, um sich der linksradikalen Szene in Berlin GEWALTSAM zu entledigen, weil ohne widerständische linke Szene die Gentrifizierung schneller geht.
Dazu wurde dann das umschubsen(!) eines knöllchenschreibenden Polizisten vor der R94 zum brutalen Gewaltakt hochstillisiert (der Beamte war nachweislich nicht verletzt worden und konnte seinen Dienst fortsetzen) woraufhin knapp 500 Polizisten die R94 stürmten und dort u.a. rechtswidrig die Heizkohle zu beschlagnahmen...willkürliche "Begehungen" und Beschlagnahmen finden seitdem ständig statt...
Wenn Henkel keine Gewalt will, sollte er vielleicht selbst darauf als Mittel der Profitinteressendurchsetzung - nichts anderes ist die Räumung der R94 - verzichten.


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JustcallmeFrank #5

Dazu sollte man erwähnen, dass die Räumung des besetzten Hauses deswegen durchgesetzt werden soll, um dort Flüchtlingswohnungen zu errichten.

Das die Linke nun dagegen gewaltsam vorgeht, lässt die stets bemühte internationale Solidarität etwas bigot erscheinen.

Abgesehen davon, bin ich der Meinung das hier mit harter Hand durchgegriffen werden sollte. Reden funktioniert bis zu einem gewissen Grad, wenn dann aber die Partei mit der geredet wird, ihr verhalten nicht ändern will, müssen Konsequenzen gezogen werden, will man sich nicht unglaubwürdig machen.


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das rote Eichhörnchen #5.2

Erst vollständig informieren:

Der Hauseigentümer ist bekannt dafür, dass er Flüchtlingsunterkünfte einrichtet... natürlich auf Kosten des Staates, um erst den großen Reibach zu machen, und dann in spätestens 6 Monaten wird das Gebäude auf Staatskosten Luxussaniert.

Aber klar: Die Linken sind alle verblendet.


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das rote Eichhörnchen #5.6

Das hätten Sie doch nicht extra erwähnen müssen. Diese gewaltaffinenen Extremlinken haben selbstverständlich gute Gründe bei ihnen Flüchtlinge abzulehnen. Ist doch klar.

Da wunder ich mich doch, dass ausgerchnet die Rechten kein Herz für ihre Landsleute haben. Da werden blutsdeutsche Bürger von einem windigen Investor aus dem Ausland auf die Straße gesetzt, aber von den Kammeraden kommt nicht der leiseste Aufschrei.




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Thomas Klein #10

Mit Terroristen und Kleinkindern verhandelt man nicht!
Genau das nämlich seid ihr, ihr Chaoten: Terroristen mit dem Horizont eines Kleinkindes.



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Anopheles Muckenschnabel
#19  —  vor 52 Minuten 11

" Der Protest richtete sich gegen die seit Längerem andauernde Polizeipräsenz rund um von Autonomen bewohnte Häuser in der Rigaer Straße und gegen die Teilräumung eines besetzen Hauses. "

Verhandeln oder durchsetzten?
Kann das überhaupt eine Frage sein?

Egal, ob libanesische Großfamilien ganze Stadtteile zu ihrem Hoheitsgebiet machen, oder Rechte "national befreite Zonen" ausrufen, oder eben die Linken Straßenzüge für sich beanspruchen und Häuser besetzen - der Staat muss sich durchsetzen, sonst dankt er ab.
Ohne Staat aber herrscht die pure Macht des Stärkeren.
Das Grundgesetz verliert sein Gültigkeit.
Das können wir nicht zulassen.

Dass unabhängig davon Misstände behoben werden müssen, ist davon völlig unberührt.
Wenn Wohnungsnot herrscht bei denen, die sich keine Luxusimmobilien leisten können, dann hat das Gemeinwesen ein Problem.
Frankfurt hatte mal Schwierigkeiten, Busfahrer anzuheuern, weil die sich die Mieten in der Stadt von ihrem Gehalt nicht leisten konnten.
Das trifft dann alle.

Aber Faustrecht dürfen wir nicht zulassen.
Auf keinen Fall und auf keinem Gebiet.


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Fatimah #21

Diskutieren!
Selbstverständlich sind die Autonomen ruhigen Gesprächen zugänglich und werden dann alle ungesetzlichen Handlungen einstellen.

Oder etwa nicht?


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MysteriousStranger #23

Wer keine Argumente hat, greift zur Gewalt.
Als Polizist hat man es nicht leicht, denn man ist das gemeinsame Feindbild von Links- und Rechtsextremen. Die viel zu liberale Politik in Berlin hat leider dazu geführt, dass sich solche Ideologien ausprägen konnten. Andererseits hat man das Pulverfass Gentrifizierung (besonders in Szenevierteln wie Friedrichshain oder Prenzlauer Berg) zu lange unterschätzt. Selbstverständlich entstehen Frust und Wut, wenn Geringverdiener die Wohnung oder den Bezirk verlassen müssen, weil der Hausherr lieber an Parvenüs oder verwöhnte Studenten vermietet.


...

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"Berlin: Auseinandersetzungen über Rigaer Straße schaukeln sich hoch" Thomas Pany (11.07.2016)
Polizei berichtet von "aggressivster und gewalttätigster Demonstration seit fünf Jahren". Autonome sprechen von "Schweinen" ...
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48786/1.html

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     Twistie2015, Bettina Hammer,11.07.2016 11:42

Deprimierend

"Als die Menschen die Frankfurter Allee erreichten, und die Demospitze bereits in die Voigtstraße einbog, setzten sich erste behelmte Schweine an die Demo, um diese provokant zu begleiten. Dies wurde von Teilnehmern entschlossen mit Stein & Flaschenwürfen beantwortet, woraufhin diese sich wieder entfernen mussten"

also, egal wie provokant jemand das empfindet, Steinewürfe auf Objekte und vor allen Dingen auf Personen sind für mich ein absolutes "No Go". Da muss man nicht darüber diskutieren, dass die Polizei sich oft auch mehr als nur daneben benimmt usw, aber mit Steinen zu werfen ist wohl für manche mittlerweile völlig okay, so nach dem Motto "aber die haben doch eh den Helm und sind gepolstert, da ist das doch okay, da passiert nichts".


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         Brunnenkresse, 11.07.2016 14:57

O.K., das ist ja dann wohl geklärt.

Wer andere Menschen als "Schweine" ansieht und sich den Einsatz von Heckenschützen, also einer der heimtückischten Tötungsmöglichkeiten für seine Gegner herbeisehnt, hat sich soeben selbst aus der Zivilisation verabschiedet.


...

"Rigaer Straße Anwohner wollen Konflikt entschärfen" Thomas Rogalla (11.07.16)
„Das ist enttäuschend, aber wir lassen uns nicht beirren, einen vernünftigen Ausweg aus dem Konflikt zu finden“, sagt Döhler. Denn es gebe letztlich nur eine Chance, aus der Konfrontation herauszukommen: „Durch vorbehaltlose Gespräche mit allen Beteiligten“– den Bewohnern des umkämpften Hauses Rigaer Straße 94, der Polizei, des Bezirks und der Anwohner, zu denen Döhler, der um die Ecke in der Liebigstraße wohnt, gehört.
Wie viele andere Nachbarn ist er seit langem von den „polizeilichen Maßnahmen“ genervt, zu denen ständige Präsenz von Mannschaftswagen und Ausweiskontrollen gehören, die oft als willkürlich wahrgenommen werden. „Viele im Quartier haben es satt, dass wir in den Medien nur noch als Kampfgebiet dargestellt werden“, kritisiert der Aktivist, der trotz des derzeitigen Aufmuskelns von beiden Seiten Chancen für eine Gesprächslösung sieht. ...
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/rigaer-strasse-anwohner-wollen-konflikt-entschaerfen-24380070
Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on July 11, 2016, 10:20:45 PM
"Räumung der Cuvry-Brache verhindern!" R. Heinsmann (23.07.2012)
Die Kreuzberger Cuvry-Brache, die zuletzt wegen eines „freien Camps“ in den Schlagzeilen war oder wegen des Rückziehers des BMW-Guggenheim-Labs, soll am 24.07.2012 geräumt werden. ... Hier leben Menschen, die keinen anderen Platz gefunden haben oder zusammen mit vielen anderen aus einer sterilen Wohnsituation ausgebrochen sind, um ihre Vorstellung von gemeinschaftlichem Leben zu verwirklichen. Hier tanzen, reden, essen, trinken und streiten Yuppies und Leute ohne Wohnung, Atzen und Studies, Touries und Nachbarn, bei Livemusik, Theater und Lesungen in und am „Reäuberläb“.
Anfangs schienen die Eigentümer (Nieto GMBH+Co und Ritter Finest Real Estate) die Nutzung des Geländes zu dulden, doch am 18.07.2012 schrieben sie einen Brief an die Menschen auf der Brache, in dem sie ankündigten, das Gelände „frei“ räumen zu lassen und drohten mit Anzeige wegen Hausfriedensbruch für alle Verbleibenden. Zu vermuten steht, das sie ein wachsendes Geschwür an ihrem Profit nicht hin nehmen wollen und das Vertrauen in den Kiez verloren haben... Seit 15 Jahren steht das Gelände frei und ist Gemeinschaftsgut! Der Bebauungsplan für das Gelände stammt aus der Steinzeit des Neoliberalismus und gehört versenkt. ...
https://de.indymedia.org/2012/07/332934.shtml

Di, 24/07/2012 - Die Kreuzberger Cuvry-Brache ist bisher nicht geräumt worden (Stand 14:00 Uhr).  Bauarbeiter, welche die Zugänge durch Zäune sichern wollten, zogen unverrichteter Dinge wieder ab. Zwei Hubschrauber beobachteten das Camp aus der Luft, ansonsten hielt sich die Polizei weitestgehend zurück. ...
http://www.xhain.net/news/2012/cuvry-brache-bisher-nicht-geraeumt-die-party-geht-weiter

"Bunker, Club, Brache Die Geschichte der Cuvry-Brache" Karin Schmidl (13.07.2014)
Auf dem gut 12.000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Cuvrystraße, Schlesischer Straße und Spree standen einst ein Bunker und ein paar Lagerhallen. Vor knapp 20 Jahren begann dort das Jugend- und Kulturprojekt Yaam seine Arbeit, eine der ersten Strandbars der Stadt entstand dort. 1998 musste das Yaam weichen, weil gebaut werden sollte. ...
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/bunker--club--brache-die-geschichte-der-cuvry-brache-1546724


"Cuvrybrache für alle!" (2012)
Am Spreeufer im Herzen des Wrangelkiezes liegt mitten im sogenannten „MediaSpree“-Gebiet eine seit langem unbebaute Brachfläche. Irgendwann im Mai kamen einige Anwohner_Innen der Cuvry-Brache/Ecke Schlesische Straße auf die Idee, den bevorstehenden Sommer im Zelt an der Spree zu begrüßen. Das war eine einleuchtende Idee und so wuchs das Camp bis heute auf über 30 Zelte an. AnwohnerInnen organisierten am 2. Juni ein großes Fest. Dann gesellte sich das „RäuberLab“ dazu, eine kostenlose und unkommerzielle Kultur-Kneipe. Die Eigentümer wollten das Gelände bis zum 24. Juli räumen lassen – jedoch: sie können weder ein Nutzungskonzept für das Gelände vorweisen (was nach der sog. Berliner Linie Voraussetzung ist für eine Räumung ) noch gibt es Akzeptanz dafür, das das Gelände nach einer möglichen Räumung – wie in den letzten 15 Jahren – wieder ungenutzt vor sich hin rotten würde. Zudem ist seit dem Rückzug von BMW-Guggenheim-Lab die Aufmerksamkeit der Medien groß. So stehen die Chancen gar nicht mal schlecht, die Cuvrybrache als Gemeinschaftsfläche zu erhalten. ...
https://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/cuvrybrache_fuer_alle.html


"Cuvry-Brache in Berlin: Sie leben in der Lücke" Carolina Ambrosi (4. Juli 2014)
Ohne Toiletten, Duschen und Strom wohnen mehr als hundert Menschen auf einer Brache in Berlin-Kreuzberg. Sie kämpfen mit Drogen und Müll – und dafür, bleiben zu dürfen. ... Ein "Getto" wurde die Cuvry-Brache offiziell noch nicht genannt. Doch von Berlins erster "Favela", einem "Slum" und einer "Dreck-Siedlung" war die Rede. Der Besitzer des Geländes will dem nun ein Ende machen, die Brache zu einem Teil des neuen Kreuzberg machen. Er soll die Räumung beantragt haben, will eine Wohnanlage, eine Kita und einen Supermarkt bauen. Darüber machen sich die Bewohner aber wenig Sorgen. "Es gibt immer wieder Gerüchte, dass geräumt werden soll, passiert ist bisher aber noch nichts", erzählt einer in der Männerrunde am Ufer. Ein anderer scherzt: "Wir brauchen Benzin und Altöl, dann errichten wir einen brennenden Graben gegen die Bullen." Doch dieses "wir" gibt es nicht auf der Brache, nicht alle ziehen an einem Strang. "Ich nehme alle mit offenem Herzen auf", sagt Mark. Das Aber folgt aus der Runde: "Die sollen sich hier nicht so breit machen!" Ein anderer erwidert: "Ich bin ja nicht rechts, aber wenn ein Flugzeug die mal alle wieder da hinbringen würde, wo sie hergekommen sind … Da hätte ich nichts dagegen."
Ob er damit die polnischen Wanderarbeiter und Pfandsammler oder die Sinti- und Roma-Familien meint, sagt er nicht. Auf der Brache leben die Menschen eng aneinander, aber auch räumlich getrennt. In Ufernähe stehen Zelte und zwei Hütten. Hier leben die, die freiwillig gekommen sind, um gegen das System zu kämpfen, wie Mark. Vor zwei Jahren waren sie die ersten, die ihre Zelte hier aufschlugen. An der Seite zur Cuvrystraße ist eine kleine Siedlung entstanden, Hütten aus Holz und Wellblech reihen sich aneinander. ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-07/cuvry-brache-kreuzberg/komplettansicht


"Cuvry-Brache in Kreuzberg geräumt - Berlins Favela ist nicht mehr" (19. 9. 2014)
Die Brache an der Spree, wo seit mehreren Jahren Menschen in Zelten und Hütten lebten, wird nach einem Feuer geräumt und dem Eigentümer übergeben. ... Polizei und Eigentümer nutzten die Gelegenheit und sperren die Brache ab: Sie lassen niemanden der vor dem Feuer geflüchteten Bewohner wieder auf das Gelände. Vor allem Roma-Familien, überwiegend aus Bulgarien, Obdachlose und Flüchtlinge, aber auch Menschen auf der Suche nach alternativen Lebensformen hatten das verwilderte Gelände zwischen Schlesischer Straße und Spreeufer bebaut und bewohnt. ... Die EinwohnerInnen hätten das Gelände nach dem Brand freiwillig verlassen, so die Polizei: Der Bezirk habe zugesichert, sich um Angebote für Unterkünfte zu kümmern. Bezirkssprecher Sascha Langenbach bestätigt das der taz am Telefon: Es seien Listen mit Anlaufstellen verteilt und die PolizistInnen angewiesen worden, die AnwohnerInnen darüber zu informieren. Gemeinsam mit den Sozialämtern aller Berliner Bezirke werde man sich um alternative Unterbringungsmöglichkeiten für die nun obdachlosen BrachenbewohnerInnen bemühen, ein Mitarbeiter des Bezirksamtes sei dafür vor Ort. ...
Auf die Brache werden sie jedenfalls nicht mehr zurückkönnen. Zwar baut die Polizei am Nachmittag die Gitter ab, doch man werde vor Ort bleiben, bis der Eigentümer das Gelände selbstständig sichern könne, so die Sprecherin. Noch am Freitag wolle der mit Baggern kommen und die Hütten abreißen, meint einer der Wartenden. Nein, das solle erst am Montag geschehen, glaubt ein anderer. Was dann mit dem Grundstück geschieht, weiß auch der Vertreter Friedrichshain-Kreuzbergs nicht...
http://www.taz.de/!5032815/


"Senat will weiter mit Investor verhandeln - Tauziehen um die Kreuzberger Cuvrybrache" (29.03.16)
Es wirkt, als habe sich der Berliner Senat bei den geplanten "Cuvryhöfen" verzockt. Vom Investor Süßkind, der auf dem freiliegenden Bauland an der Spree vor allem Büros und Lofts bauen wollte, forderte er mindestens 25 Prozent Sozialwohnungen. Daraufhin kippte Süßkind vorerst seine Baupläne. Doch der Senat will weiterverhandeln.  ...
http://www.rbb-online.de/wirtschaft/beitrag/2016/03/verhandlungen-senat-investor-cuvrybrache-kreuzberg.html


"Umstrittene Cuvryhöfe in Berlin-Kreuzberg - Hallo, Cuvry, ist da wer?" Melanie Berger (10.07.2016)
Beste Ecke in Kreuzberg: Das berühmte Camp ist seit zwei Jahren Geschichte. Der Senat sagt nun: „Bis zum Winter hat der Investor noch Zeit, dann …“. Der Anruf bei Terra Contor endet nach wenigen Sekunden. „Wir geben dazu keinen Kommentar ab“, sagt eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung. Das Unternehmen gehört dem Münchener Investor Artur Süßkind, er ist Eigentümer der Cuvrybrache in Kreuzberg, die vor gar nicht so langer Zeit mal im Mittelpunkt stand und „Favela“ genannt wurde. Passiert da eigentlich was? ... Unweit dem Schlesischen Tor, umgeben von Clubs, Bars und Cafés, standen auf dem Brachland bis 2014 Zelte und Wellblechhütte. Darin hausten Obdachlose, Aussteiger und Idealisten, die mit dem ganzen „Geld-Scheiß“, wie es eine ausdrückte, nichts zu tun haben wollten. Nach der Räumung durch 120 Polizisten im September 2014 muss das Gelände bewacht werden, damit es sich die damaligen Bewohner nicht zurückholen. Wochenlang gab es kein anderes Thema: Die einen wollten die „Freie Cuvrybrache“ retten, andere waren froh, dass das Müll- und Schnapslager endlich aufgeräumt wurde. Die berühmten Graffiti an der Wand wurden durch einen Mittelfinger auf schwarzem Grund ersetzt.  ... Der Investor plante dort 250 Luxuswohnungen, Büros und Läden, der Senat wollte einen Uferweg, eine Kita und 25 Prozent Sozialwohnungen. Die geforderte soziale Infrastruktur war dem Artur Süßkind aber zu viel. Süßkind wollte die Quote von 25 Prozent Sozialwohnungen nicht erfüllen, mehr als zehn Prozent sei nicht drin, hieß es. Es ist bereits der dritte Bauplan für die Cuvrybrache, der seit den 90ern gescheitert ist. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/umstrittene-cuvryhoefe-in-berlin-kreuzberg-hallo-cuvry-ist-da-wer/13856144.html

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on July 13, 2016, 12:50:48 PM
"Gerichtsverhandlung wegen Kadterschmiede" (12.07.2016)"
https://rigaer94.squat.net/2016/07/12/b-gerichtsverhandlung-wegen-kadterschmiede/

Quote
[...] Juristischer Erfolg für das linke Berliner Wohnprojekt in der Rigaer Straße 94 im Stadtteil Friedrichshain: Laut der Zivilkammer des Berliner Landgerichts war der Polizeieinsatz zur Teilräumung rechtswidrig.

Das Gericht bestätigte vorläufig die Nutzungsrechte des klagenden Vereins "Freunde der Kaderschmiede". Damit muss der von der Polizei beschützte Hauseigentümer, das Unternehmen Lafone Investments Limited, die Räumlichkeiten bis zur endgültigen Klärung der Besitzverhältnisse wieder freigeben.

In der mündlichen Verhandlung stellte Richterin Nicola Herbst fest, dass der Hauseigentümer vor dem Polizeieinsatz am 22. Juni weder einen Räumungstitel vorgelegt noch einen Gerichtsvollzieher bei der Vollstreckung mitgebracht hatte. Damit sei das Vorgehen der Lafone Investments und der Polizei rechtlich nicht gedeckt gewesen, sagte Herbst.

Der massive Polizeieinsatz hatte in den vergangenen Wochen zu heftigen Auseinandersetzungen mit Linksautonomen und Linksradikalen geführt, der am Wochenende in einer der gewalttätigsten Demonstrationen der vergangenen Jahre in der Hauptstadt gipfelte. Dabei wurden nach Polizeiangaben über 120 Beamte verletzt. In Bezugnahme auf die Rigaer 94 gab es zudem zahlreiche Brandanschläge auf Autos im gesamten Berliner Stadtgebiet, sowie Attacken auf Immobilienbüros und andere Einrichtungen.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU), der den Polizeieinsatz zu verantworten hat, ist für seine harte Linie gegenüber der linksautonomen Szene bekannt. Er hatte sich zuletzt trotz der Aufforderung von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) gegen Gespräche mit der Szene ausgesprochen. Nach den Ausschreitungen vom Wochenende war auch Müller von seiner Position abgerückt.

In der Nachbarschaft des Hauses Rigaer 94 im Samariterkiez war die massive Polizeipräsenz seit der Teilräumung auf mitunter scharfe Kritik gestoßen. Der Kiez gehört zu den angesagtesten und kinderreichsten Gegenden Berlins.

Die zahlreichen Sympathisanten aus der linken Szene, die sich im Saal des Amtsgerichts Tempelhof-Kreuzberg eingefunden hatten, quittierten das vorläufige Urteil mit lautem Jubel. "Wir haben gewonnen - ich hoffe, dass die Berliner Polizei das jetzt versteht", sagte der Anwalt des Vereins, Lukas Theune. Die Rechtsvertreter des Hausbesitzers waren der Verhandlung ferngeblieben.

Theune kündigte an, das Nutzungsrecht seiner Mandanten mithilfe eines Gerichtsvollziehers schnellstmöglich durchsetzen zu wollen. Bis zur gerichtlichen Klärung der Besitzrechte will der Verein mögliche Nutzungsüberlassungstitel aus früheren Zeiten klären. Wegen der seit den Neunzigerjahren mehrfach wechselnden Besitzverhältnisse und der wechselnden Hausnutzer sei die Rechtslage unklar, sagte Theune.

cte/flo/AFP


Aus: "Berlin: Räumung von Wohnprojekt in Rigaer Straße war rechtswidrig" (13.07.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/berlin-raeumung-von-wohnprojekt-in-rigaer-strasse-war-rechtswidrig-a-1102815.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/berlin-raeumung-von-wohnprojekt-in-rigaer-strasse-war-rechtswidrig-a-1102815.html)

"Rigaer Straße 94 Teilräumung war illegal - Linksautonome gewinnen vor Gericht" (13.07.16)
Die Zivilkammer erklärte die Teilräumung des alternativen Wohnprojektes am 22. Juni, die unter anderem die Kneipe "Kadterschmiede" betraf, für illegal. Die Räume dürfen nun wieder genutzt werden, bis auf den Garten. ...
http://www.berliner-zeitung.de/politik/rigaer-strasse-94-teilraeumung-war-illegal---linksautonome-gewinnen-vor-gericht--24388162

"Randale in der Rigaer: Jetzt reden Anwohner" Timo Kather und Jana Demnitz (12.07.2016)
Anwohner der Rigaer Straße fordern ein Ende der "sinnlosen Polizeieinsätze" und eine "transparente Informationspolitik" vom Senat. Die Polizei führt nun keine Personenkontrollen auf dem Gehweg mehr durch. ... "Wir fordern Klarheit über den Umfang und die Dauer der Polizeimaßnahmen und eine transparente Informationspolitik", sagte eine Sprecherin der Anwohner. Man fühle sich zunehmend als "Spielball politischer Machtspiele", alle Anwohner der Rigaer Straße hätten unter den "sinnlosen Polizeieinsätzen" zu leiden. ... Ein weiterer Redner kritisierte die Berichterstattung der Medien. Diese sei tendenziös und teilweise verleumderisch. "Hier wird eine Gewalt herbeigeredet, die es hier faktisch gar nicht gibt", sagte der Mann unter dem Applaus der Umstehenden. Man werde weiter auf einem Dialog mit dem Senat beharren. "Wir werden uns dabei nicht beirren lassen", hieß es.
Tatsächlich allerdings gingen die Randale in Friedrichshain auch in der Nacht zu Dienstag weiter. In der Rigaer Straße traten zwei Männer die Außenspiegel von insgesamt sieben geparkten Autos ab, in der Karl-Marx-Allee wurden die Scheiben eines Immobilienbüros eingeworfen. An der Fassade wurden die Slogans „R94“ und „ACAB“ hinterlassen. ...
Henkel teilte via Pressemitteilung mit: "Wenn Polizisten angegriffen und Bauarbeiter bedroht werden, wenn fremdes Eigentum zerstört wird, dann muss der Staat handeln. Ich werde es nicht zulassen, dass irgendwo in unserer Stadt rechtsfreie Räume entstehen."...

http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-friedrichshain-randale-in-der-rigaer-jetzt-reden-anwohner/13864300.html

"Bewohnerin der Rigaer Straße berichtet von Polizeischikanen" Christian Vooren (12.07.2016)
Ausweiskontrollen, Absperrungen, Polizeihubschrauber über dem Dach: Eine Bewohnerin der Rigaer Straße 94 schildert ihre Eindrücke der letzten Wochen und Monate....
http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-friedrichshain-bewohnerin-der-rigaer-strasse-berichtet-von-polizeischikanen/13867606.html

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on July 18, 2016, 09:15:17 AM
"Brandstiftungen in Berlin Zahlreiche Autos im Stadtgebiet angezündet" Ingo Salmen ()
In der Nacht zu Montag haben in Prenzlauer Berg, Neukölln, Köpenick und Marzahn Autos gebrannt. Die Umstände deuten teils auf politische Hintergründe hin. Die Serie von Brandstiftungen an Autos in Berlin hält an. In der Nacht zu Montag gingen gleich in mehreren Bezirken Autos in Flammen auf. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/brandstiftungen-in-berlin-zahlreiche-autos-im-stadtgebiet-angezuendet/13889450.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-friedrichshain-baumschulenweg-brandserie-reisst-nicht-ab-dixitoilette-und-porsche-in-flammen/13874644.html

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"Abrechnung mit der Rigaer Straße Keine Nacht für niemand!" Ein Leidensbericht. von einer, die auszog (18.07.2016)
Fünfeinhalb Jahre lang ließ sich unsere Autorin in der Rigaer Straße den Schlaf rauben. ... Hier wohnen Sie in einer ruhigen, von Bäumen gesäumten Wohnstraße mit wenig Durchgangsverkehr. So beschreibt ein Immobilienmakler, der kürzlich eine Wohnung annoncierte, die Rigaer Straße. Nachbarn haben einander den Link zugemailt, sie haben ihn mit Smileys versehen, mit Sätzen wie „Die müssen es ja wissen“, oder mit Fragen: „Hoffnung?“ - „Eine Prophezeiung?“ Einer scherzt, dass „wenig Durchgangsverkehr“ ja im Grunde immer häufiger stimme - nämlich dann, wenn die Polizei wieder einmal die Straße abgesperrt hat oder brennende Barrikaden die Durchfahrt blockieren.
War die Rigaer Straße je eine ruhige Wohnstraße? Es muss lange her sein. In den fünfeinhalb Jahren, die ich dort gelebt habe, jedenfalls nicht. ...
März 2015, kurz vor meinem Auszug. Ich wache auf, weil es plötzlich taghell ist, obwohl der Wecker kurz vor vier Uhr morgens anzeigt. Das Licht kommt von riesigen Hochleistungsscheinwerfern, mit denen die Polizei die Häuserfassaden ableuchtet - sie scheinen direkt in unser Schlafzimmer. Randalierer haben einen großflächigen Stromausfall im Bezirk zum Anlass genommen, Sperrmüllfeuer auf der Straße zu entfachen, den Lidl zu plündern und die Scheiben der nahegelegenen Commerzbank-Filiale einzuschmeißen. Jetzt sucht die Polizei die Täter. Wenig später kreist ein Polizeihubschrauber über unseren Köpfen - und weckt noch die letzten, die dickere Vorhänge haben als wir.
...Kotze, Scherben, Scheiße. So fällt an schlechten Tagen meine Zusammenfassung des Ortes aus, an dem ich gewohnt habe. Gute Erinnerungen werden überlagert von zu vielen schlechten. Zermürbt haben mich nicht die großen Zusammenstöße, die dieser Tage die Schlagzeilen dominieren, sondern die vielen alltäglichen Nächte, in denen auf der Straße vor unserem Haus gegrölt wurde, in denen Bierflaschen zu Bruch gingen, Männer in unseren Hauseingang pissten. Einmal, das ist vielleicht zwei Jahre her, habe ich mitgezählt. Acht Mal lösten sich binnen einer Stunde Menschen aus der Traube vor dem Haus gegenüber, um die Straßenseite zu wechseln und an unsere Tür zu pinkeln. Morgens war der Gestank im Flur so durchdringend, dass man immerhin nicht Gefahr lief, ungewarnt in die Urinlache zu treten. War die Tür nicht richtig verschlossen, fanden wir mitunter auch andere Hinterlassenschaften vor. Sie stammten ziemlich offensichtlich nicht von den zahlreichen Hunden - die kackten nur auf die Bürgersteige. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/abrechnung-mit-der-rigaer-strasse-keine-nacht-fuer-niemand/13892014.html

Quote
Viehdoktor 07:38 Uhr
Sie hat nicht verstanden, dass der Kiez gegen solche wie sie verteidigt werden soll, die die Kleinstadt im wilden gefährlichen Berlin haben wollen. Es gibt die Kreativität nicht ohne Freiheit und dass ist auch die Freiheit sich danebenzubenehmen. Die, die ganz andere Lebensweisen haben, gehören in Berlin dazu, zumal sie ja auch gewöhnlich aus dörflicher Strenge hierhergekommen sind um Freiheit zu erleben. In den noch günstigen Kiezen ist Raum für diesen Schmelztiegel, der die gewünschte Vielfältigkeit ausmacht, Gentrifizierung durch die, die aufgrund ihres Geldes nah dran an Vielfalt und Kreativität sein wollen ohne dazuzugehören zerstören das.
Die Gentrifizierer suchen die aufregende Freiheit zm Zugucken aus ihrer Spießeridylle. Wasch mich aber mach mich nicht nass, ich will nur die "Buntheit", die mir gefällt, doofe Farben müssen weg.
Ich wohne gerne im spießigsten Bezirk Berlins, als gebürtiger Berliner brauche ich keine zugezogene Coolness. Hier spielt niemand im Hof Geige, hier hört man höchstens Etüdengeklimper und das nur zu erlaubten Zeiten. Hier gibt es keine hippen Kneipen und in dem richtig guten Café treffen sich die Rentner. Deren Berliner Schnauze reicht mir an Unterhaltung und freiheitlicher denken als die Jungspießen tun sie oft genug auch. Wenn ich mehr Kneipen will, schwinge ich mich aufs Fahrrad und fahre abends zurück.
Hauptsache die Gentrifizierer entdecken nicht diese Gegenden und überziehen sie mit Coolness und noch teureren Mieten, leider gibt es schon Ansätze, wenn dann alles kaputt ist ziehen die Gentrifizierer weiter.
Schön für die Rigaer, dass es dort einer weniger ist, hier ist sie nicht willkommen.

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Eginhard 09:17 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Viehdoktor 07:38 Uhr
hmmh, also wenn Linksautonome im Suff grölen und sich in den Hauseingängen "entleeren", dann ist das eine andere Lebensweise? gilt das auch für Obdachlose? oder ist es da dann nur ekelhaft?


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Thogra 09:17 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Viehdoktor 07:38 Uhr
Wildpinkeln also als politische Aussage? Denn im Artikel beschrieben Menschen geht es einfach um Selbstbespassung verbunden mit der kulturellen Unfähigkeit, Toiletten zu benutzen!



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Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on July 21, 2016, 09:59:53 AM
Quote
[...] Vor der Sitzung hat Christopher Lauer, Innenpolitiker der Piratenfraktion, neue Vorwürfe gegen die Polizei, aber auch gegen Henkel erhoben. Wie andere Politiker auch hatte Lauer am Mittwoch Akten eingesehen. Er kommt zu dem Schluss, die Initiative zu weiteren Polizeieinsätzen nach jenem vom Januar sei nicht vom Eigentümer, sondern von der Polizei selbst ausgegangen. Interne Mails legten diesen Schluss nahe. So sei die Polizei aktiv auf den Eigentümer zugegangen und habe ihn ermuntert, um Hilfe zu bitten. Von sich aus habe die Polizei den möglicherweise mangelhaften Brandschutz im Haus thematisiert, obwohl ein solches Thema eigentlich in der Zuständigkeit des Bezirks liege. Lauer sagte, die Berliner Polizei habe sich "vollkommen verselbstständigt" und nehme den Innensenator nicht ernst. Er erneuerte seine Rücktrittsforderung an die Adresse von Henkel. Dieser sei erst am Vorabend des geplanten Einsatzes informiert worden, Lauer spricht von einem "massiven Versagen bezüglich der Dienstaufsicht". Ob die Vertreter der anderen Oppositionsparteien diese Vorwürfe teilen und wie sich Senator Henkel dazu äußert, wird die Ausschusssitzung ab 10 Uhr ergeben.

... Die Hausverwaltung hatte den Polizeischutz namens des Eigentümers schon am 20. Mai beantragt, um Teile des Gebäudes in der Rigaer Straße 94 zu inspizieren und zu entmüllen.  Nach Einschätzung der Polizei konnte der Eigentümer glaubhaft machen, dass es keine fremden Besitzansprüche gebe. Der Verein „Kadterschmiede“, der 2003 gegründet wurde und der Teile des Hauses seit Jahren nutzt, war der Polizei angeblich nicht bekannt. Und so kamen die Juristen der Berliner Polizei zu dem Schluss, dass es rechtens sei, zur Gefahrenabwehr die Bauarbeiter und privaten Sicherheitsleute zu beschützen, die am 22. Juni in das Gebäude eindrangen. Rechtsgrundlage war das Allgemeine Sicherheits-und Ordnungsgesetz (ASOG).


Aus: "Sondersitzung zu Polizeieinsatz in Berlin-Friedrichshain Henkel steht harte Befragung zu Rigaer bevor"
Ulrich Zawatka-Gerlach und Karin Christmann (21.07.2016)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/sondersitzung-zu-polizeieinsatz-in-berlin-friedrichshain-henkel-steht-harte-befragung-zu-rigaer-bevor/13905896.html (http://www.tagesspiegel.de/berlin/sondersitzung-zu-polizeieinsatz-in-berlin-friedrichshain-henkel-steht-harte-befragung-zu-rigaer-bevor/13905896.html)

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"Bauwagenplatz in Duisburg-Homberg droht das endgültige Aus" Daniel Wiberny und Bodo Malsch (09.08.2016)
Dem Bauwagenplatz an der Ehrenstraße in Homberg droht nach einem länger andauernden Streit mit der Stadt nun das endgültige Aus. Das Landgericht Duisburg teilte dem Verein für Experimentelles Wohnen mit, dass seine Berufung gegen die Kündigung des Geländes durch Beschluss abgelehnt werden soll. ...
Aus der Anwaltskanzlei, die die Bauwagenleute vertritt, hieß es, dass eine Stellungnahme vorbereitet werde. Die Stadt hält sich deshalb derzeit noch bedeckt. „Wir warten jetzt erst einmal ab, was in den nächsten zwei Wochen passiert und schauen dann weiter“, sagte Sprecherin Susanne Stölting.
An der Einstellung, dass die Wagenburg-Bewohner den Platz räumen müssen, habe sich aber nichts geändert. Das dann frei werdende Gelände soll voraussichtlich durch den Abenteuerspielplatz Tempoli genutzt werden.
Die Stadt hatte zuletzt die Vertragsverhandlungen für einen Verbleib der Bauwagenleute auf deutlich kleinerer Fläche für beendet erklärt. Die Fronten seien verhärtet, die Vorstellungen zu gegensätzlich. ...
https://www.derwesten.de/staedte/duisburg/bauwagenplatz-in-duisburg-homberg-droht-das-endgueltige-aus-id12084124.html

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10.08.2016, 00:57
Bauwagenplatz in Duisburg-Homberg droht das endgültige Aus
von Sommerabend | #1

Die SPD und die Grünen, die diese Vertreibung vom Bauwagen-Gelände vom Zaun gebrochen haben, können sich nach Abschluss der rechtlichen Vervollstreckung anschließend gegenseitig auf die Schultern klopfen. Endlich zu einer Endlösung vorgestoßen... und etwas beseitigt, das nicht in die Gehirnwindungen von Provinzpolitikern passt.



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10.08.2016, 04:07
Bauwagenplatz in Duisburg-Homberg droht das endgültige Aus
von weltenbummler92 | #2

Der Bauwagenplatz passt nicht mehr ins Weltbild unserer Stadtspitze. Das er seit über 21 Jahren Bestand und auch eine andere Lebenseinstellung als Grundlage hatte, ist egal. Das es in Duisburg auch kein alternatives Gelände gibt, ist zusätzlich nur schwer zu verstehen.

Am Bahnhof ist es doch auch möglich. Dort wollte man das Umweltamt haben. Dafür wird die Mercatorstraße deutlich verkleinert und über 80ige Alleebäume gefällt.
Oder die Planungen für eine kleine neue Feuerwache, damit ein großes BMW-Autohaus eine Zufahrt erhält und gebaut werden kann.

Somit zeigt sich, wo ein Wille zur Umsetzung ist, da passiert auch was...


Der Bauwagenplatz Duisburg ist ein ein Wohnprojekt in Duisburg Homberg, getragen von dem Verein "Experimentelles Wohnen e.V."
Die Stadt Duisburg reichte laut eigener Aussage in der WAZ vom 13.8.2015 die Räumungsklage ein.
Richter Hilland gibt uns drei Monate um den Bauwagenplatz zu räumen. Nach dem 31.5.2016 werde vollstreckt so sein Tenor. ...

http://bauwagenplatzduisburg.blogsport.eu/

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on September 07, 2016, 12:20:08 PM
[2016] Von London bis New York gilt Berlin plötzlich als “the place to be“. Das weckt Begehrlichkeiten.
Jeder will hier wohnen und viele wollen sich hier eine Wohnung kaufen, die – verglichen mit „zu Hause“ – spottbillig ist. Ehemaliger staatlicher Wohnungs-bestand wird privatisiert und Mietwohnungen werden zu Eigentum. Welten prallen aufeinander und Paralleluniversen tun sich auf. Andreas Wilcke hat diesen Vorgang vier Jahre lang durchleuchtet. ...
http://www.diestadtalsbeute.com/

""Die Stadt als Beute": Ausverkauf einer Großstadt" Gunda Bartels (7. September 2016)
Für die Dokumentation "Die Stadt als Beute" beobachtete Andreas Wilcke jahrelang den Berliner Wohnungsmarkt. Nun erzählt er unaufgeregt von Gier und politischer Ignoranz. ... Im Gegensatz zu skandalisierenden Fernsehdokus über Immobilienspekulation, die einer eindimensionalen Täter-Opfer-Logik folgen, oder zu Betroffenheitsfilmen wie Katrin Rothes mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Doku Betongold, herrscht in Die Stadt als Beute jedoch ein unaufgeregter Erzählton, der die neoliberalen Marktmechanismen umso eindrücklicher freilegt. Wilcke betätigt sich als stiller Beobachter des Gentrifizierungsprozesses, der in der Kombination aus politischer Ignoranz, professioneller Gier und menschlicher Ohnmacht der Skandal aller großen Städte ist – in Berlin samt den Folgen für Altmieter, Nachbarschaften, soziale Mischung quasi in Echtzeit zu besichtigen.  ... Oder wie es einer der vielen, Wilcke und seiner Kamera erstaunlich offen gegenübertretenden Makler formuliert. "Ich vertreibe Einkommensschichten, die sich die teure Mitte nicht leisten können, an den Rand." Das sei ein internationales Phänomen, das er persönlich gar nicht schlecht finde. "Wenn ich in Madrid vom Flughafen in die Innenstadt fahre, wird es immer schöner!" Nur in Berlin gebe es, bedingt durch die einstige Teilung, noch immer hässliche Schmuddelecken mit einkommensschwachen Bewohnern mitten in der Stadt. "Das ist in 50 Jahren komplett erledigt." ...
Der Regisseur macht von der Presse bis zum Booking alles selbst. Cutter, Dramaturgen und Rudolf Moser von den Einstürzenden Neubauten, der die atmosphärisch dichte Filmmusik komponiert hat, haben noch kein nennenswertes Honorar gesehen. Und es war nicht schön, was Wilcke sich beim Abklappern der Kinobetreiber in Ermangelung eines Verleihs so anhören musste. Zwei der Abfuhren hat er sich gemerkt: "Filme wie Ihre verstopfen das Kino." Und "Kino ist was für Filme mit einer klaren Marketingstrategie." ...
Wilcke verabscheut als Anhänger des Direct Cinema Urteile im Dokumentarfilm genauso  wie Inszenierungen, persönliche Betroffenheit oder einen investigativen Reportagestil, aber das merkt man dem Film fast gar nicht an. Obwohl er die Wut und Verzweiflung der durch Brachialsanierungen terrorisierten Mieter durchaus zeigt. Allerdings nicht in dem Menschenschicksale ausbeutenden Stil, der beim Zuschauer nur einen "Verpuffungseffekt" triggere, sagt er. "Einmal aufregen und das Thema ist wieder weg."
Wilcke dagegen will, dass Film und Thema in den Köpfen bleiben. Deswegen hat er so lange hingesehen und zugehört. ...
http://www.zeit.de/kultur/film/2016-09/immobilienmarkt-mietmarkt-berlin-dokumentarfilm/komplettansicht

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secret77 #6

Ich habe 16 Jahre in der Rigaer Str in berlin gewohnt, fast gegenüber dem ach so bösen X-B. Warum die so Radau gemacht haben, dürte spätestens nach dem Film auch dem größten Verfechter des freien Marktes klar sein.
Dass "mein Haus" ua von denen gekauft und zu Eigentumswohnungen umgestaltet wurde, denen Berlin damals den Rundfunk Nalepastraße - eigentlich viele Millionen wert - damals für ein Taschengeld verschachert hat, dass ist schon seltsam.
Wieviel an Schmiere an Beamte geflossen ist, das wird wohl nie rauskommen, egal bei welchem Bauvorhaben in Berlin.


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RaLiWiWi #7

Einmal mehr ein kleiner Ausschnitt wie auch die SPD-Politik die Interessen der Mehrheit der Menschen ignoriert und sie den wenigen Kapitalbesitzern bedingungslos ausliefert

Obwohl ich mich noch immer etwas darüber amüsiere wie sich die Alternativlos-Marktkonformen-Einheitsparteien Europas und ihre Medien über den rasanten Aufstieg der Neo-Rechten in Europa heuchlerisch echauffieren, da diese doch nur das Produkt ihrer eigenen verfehlten Politik seit 1980 sind , dämmert es allmählich auch mir, dass daraus durchaus sehr unangenehmes entstehen könnnte

Nur wo liegt die politische Alternative

-auf der einen Seite rückwärtsgewannte Nationalisten mit mehr oder weniger stark ausgeprägtem Rassismus

-auf der anderen Seite europäische Parteien bei denen zumindest die jeweiligen Parteispitzen sehr offen dafür eintreten die Länder EU Europas mit CETA, TTIP, TISA nahezu bedingunslos den Interessen der internationalen Konzerne aus zu liefern und Demokratie und zukünftige tiefgehende politische Gestaltungsfähigkeit völkerrechtlich abgesichert zu verhindern

Hätte ich denn nicht zwei Töchter in den frühen 20-ern könnte ich mich ja beruhigt auf meinen Alters-Zynismus zurück ziehen und das ganze Trauer-Schauspiel neutral beobachten


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Die prenzlberger stimme ist ein journalistisches Angebot für Prenzlauer Berg ....
http://www.prenzlberger-stimme.de/

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on October 02, 2016, 11:21:35 AM
"Mietrecht: Raus!" Christian Salewski (29. September 2016)
Wie Wohnungskäufer das Mietrecht aushebeln, um arme Mieter loszuwerden. ... [Für ihre 36 Quadratmeter beträgt die Kaltmiete 267 Euro im Monat. Der Unternehmer, der die Wohnung gekauft hat, vermietet noch zwei andere im boomenden Karlsruhe. Er preist sie in Inseraten als "exklusiv" an und verlangt für ein 20-Quadratmeter-Zimmer in einer möblierten "Business-WG" mehr als 700 Euro im Monat. ] ... Besonders ausgeprägt ist das Kündigungsrisiko dort, wo der Wohnungsmarkt heißläuft, also in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München. Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband Berlin sind inzwischen alle Felder der sozialen Arbeit betroffen, von der Eltern-Kind-Einrichtung bis zur Demenz-WG. Ein besonders krasser Fall ist die Einrichtung "Die Zwiebel", die sich um suchtkranke und essgestörte Frauen kümmert, die häufig auch Opfer von Gewalt wurden. Ein internationaler Investor kaufte das Haus in Berlin-Moabit, in dem "Die Zwiebel" untergebracht ist, und nutzte das Gewerbemietrecht, um 2014 gleich zwölf Wohnungen zu kündigen und Räumungsklagen zu erheben. Die Einrichtung stand vor dem Aus. Der Trägerverein Prowo entschloss sich zu kämpfen. ...
http://www.zeit.de/2016/39/mietrecht-wohnungskaeufer-kuendigungen-gerwerbeflaechen-sozialtraeger/komplettansicht


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Kommentist #12

Es ist billiger Linkspopulismus, wenn man sich einredet, dass der Staat das Problem mit noch mehr Gängelung der Vermieter aus der Welt schaffen könnte. Nicht alle Vermieter sind Heuschrecken und die Gesetze bevorteilen Mieter schon heute extrem.

Wer privat die ein oder andere Eigentumswohnung vermietet, der weiß, dass die Rendite nach allen Kosten überschaubar und das Risiko (Mietnomaden, etc.) recht hoch ist. Für die großen Heuschrecken, denen der Staat massenweise Sozialwohnungen weit unter Wert zugeschachert hat, ist die Rendite zwar viel höher, aber bei neuen Gängelungsgesetzen erwischt es halt überlicherweise alle. Im schlimmsten Fall gelingt es den Heuschrecken durch Lobbyarbeit sogar noch, sich bestimmte Vorteile gegenüber Privatvermietern zu sichern. Nein, danke.

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artefaktum #12.1

@Kommentist

>> Nicht alle Vermieter sind Heuschrecken und die Gesetze bevorteilen Mieter schon heute extrem. <<

Die im Artikel angesprochenen Investoren allerdings schon. Und die scheinen mit der staatlichen "Gängelung" ja kein Problem zu haben, sonst würden sie ja nicht investieren.



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I have a dream #14

In diesem Land muss bald ein Gesetz erscheinen, die die einfache Menschen von den Investoren schützt. Es gibt keine Ethische Grundlage für diese Menschen, sie sind einfach blind, arrogant und oft fühlen sie sich "bessere Menschen" als die anderen. Es kann nicht sein dass das Geld alles entscheidet und überall regiert. Bis diese Menschen (ich meine die Investoren) aufwachen, und verstehen dass das Geld das sie haben, nicht um ihr eigenes Wohl sonders für das gesamte Wohl da ist, und sie haben einfach die Gnade über dieses Mittel zu bestimmen, muss eine staatliche Kontrolle stattfinden. Sonst, es kommen noch mehr Skandalen, Unruhen, Krawallen, Ausländerfeindlichkeiten, Extremisten ect, alles Erscheinungen einer sozial- und menschen-unfreundlichen Gesellschaft.


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"Entmieterstadt Berlin: Die Geschichte vom Häuserkampf in Wedding" Thomas Loy (10.10.2016)
Ihr halbes Leben wohnen die Menschen in dem unscheinbaren Altbau in Gesundbrunnen. Jetzt sollen sie raus. Der neue Eigentümer braucht die Wohnungen angeblich für seine Töchter.  ... Sie wissen, dass sie nicht die einzigen sind, die es erwischt. Überall steigen die Mieten, werden Häuser saniert, müssen Menschen ihren Kiez verlassen, weil sie sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können. Das war ja großes Wahlkampfthema. Alle seien sie schon bei ihnen gewesen, SPD, Linke, Grüne, Piraten. Die Politiker hätten sich ihre Geschichte angehört und versprochen sich zu kümmern. Vor der Wahl wollte sogar CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel einen Brief an Marc J. schreiben. Henkel ist direkter Nachbar, hat die hintere Remise im Hof gemietet, als Bürgerbüro. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/entmieterstadt-berlin-die-geschichte-vom-haeuserkampf-in-wedding/14662780.html

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plus8 10.10.2016, 11:04 Uhr
Wenn ich das Geflenne der üblichen Mieterschützer höre, komme ich mir wie in einem Flashback in die 80er zurück versetzt vor:

Die ständigen abseitigen Diskussionen über Mieterschutz und Eigenbedarf kamen schon damals ständig aus (West-)Berlin - und ich habe heute partout kein Verständnis mehr dafür!

Bis in die 2000er Jahre hinein war Wohneigentum in Berlin spottbillig zu haben - trotz seinerzeit höherer Kreditzinsen hätten die Mieter sehr wohl den Kauf des Hauses als ETW Anlage "stemmen" können.

Und nein: Mietverträge begründen eben keine Eigentumsrechte, sondern immer nur Besitzrechte!

Bitte jetzt auch nicht mit dem bei Berliner Linken abgedroschenen Argument "Eigentum verpflichtet" kommen! Kein Eigentümer einer Immobilie ist verpflichtet, seine Immobilie dauerhaft unter Marktwert zu vermieten!

Ebenso selbst schuld, wenn Mieter den Mietgegenstand auf eigene Kosten sanieren und sich dafür im Gegenzug vom Vermieter keine Kompensationen einräumen lassen. Dann hätten sich die Mieter eben eine sanierte Wohnung mieten sollen!


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lotta 07:31 Uhr
ja, liebe foristen...es ist garkein problem von 8.50€ mindestlohn - brutto wohlgemerkt - einen brauchbaren betrag für die alterrsversorgung wegzulegen, auf ein eigenheim zu sparen und natürlich so ganz nebenbei auch noch was übrig zu haben für brot und brötchen.
wo lebt ihr eigentlich, liebe leute?????
schon mal was von empathie, miteinander und humanismus gehört? darauf hat sich unsere gesellschaft  mal gegründet und gut funktioniert.
all den klugscheissern - sorry - hier empfehle ich mal, sich über die folgen der gentrifizierung zu informieren. vielleicht kapiert ihr dann, wo die reise hingeht?! kann übrigens gut sein, auch mal für euch! ...


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Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on October 18, 2016, 12:25:50 PM
"Günstiger Wohnraum: Jedes Jahr 10 000 Sozialwohnungen weniger in NRW"  (17. Oktober 2016)
... Der Bestand an Sozialwohnungen ist in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen fünf Jahren um über 50 000 geschrumpft. Wie das Bauministerium mitteilte, gab es in NRW im vergangenen Jahr nur noch knapp 477 000 Sozialwohnungen. Im Vergleich zum Höchststand, 1979, ist das weniger als ein Drittel von einst über 1,6 Millionen Sozialwohnungen. ... Insgesamt fehlen nach Modellberechnungen in NRW bis 2020 rund 400 000 neue Wohnungen. Davon müssten mindestens 300 000 in Mehrgeschoss-Bauten errichtet werden - nicht zuletzt, weil sich die zusätzliche Nachfrage durch Flüchtlinge nicht mit Einfamilienhäusern decken lasse, argumentiert das Bauministerium. Der zusätzliche Bedarf an preiswertem Wohnraum allein durch Flüchtlinge wird in NRW auf rund 120 000 Wohnungen taxiert.
Der höchste Bedarf besteht weiterhin in den Großstädten entlang der Rheinschiene: Düsseldorf, Köln, Bonn sowie in den Universitätsstädten Bielefeld, Münster, Dortmund, Essen und Aachen - mit Auswirkungen auf das jeweilige Umland. Der geringste Bedarf besteht in ländlichen Räumen, wo es manchmal sogar schon dauerhaften Leerstand gibt - etwa in Südwestfalen, im Hochsauerland und Siegerland sowie in einigen Bereichen des nördlichen Ruhrgebiets.
http://www.rp-online.de/nrw/panorama/immer-weniger-sozialwohnungen-in-nrw-aid-1.6331445


"Leben in der Platte" Robert Kaltenbrunner (09. April 2017)
Im gleichen Maße, wie sich vielerorts die Frage nach bezahlbarem Wohnraum mit Vehemenz stellt, wird der Wohnungsbau augenscheinlich erneut zum Gegenstand von Rationalisierungsbestrebungen. Die Industrialisierung des Bauens, lange Zeit - und mit dem Fingerzeig auf realsozialistische Metastasen - als Krebsgeschwür der modernen Architektur verteufelt, scheint angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen erneut die Geister zu beflügeln. Das mag zwar manch ungute Assoziation auslösen, aber der Entwicklungsdruck wirkt schier übermächtig. Relativierend sollte man insofern auf ein Jahrhundert zurückblicken, in dessen höchst unterschiedlichen Phasen das Schreckgespenst "Wohnungsnot" immer wieder an die Wand gemalt wurde. Denn so drängend die derzeitigen Probleme auch sein mögen, neu und einzigartig sind sie nicht. Viele Akteure und Strömungen mussten unter dem Druck der Verhältnisse bereits mehrmals darauf hinarbeiten, Behausungen in ausreichender Menge und zu erschwinglichen Kosten verfügbar zu machen: Politiker und Parteien (zur Legitimation ihrer selbst), die (Bau)Industrie (weil sich mit solchen Modernisierungsimpulsen Geld machen und die Voraussetzung für künftige Absatzmärkte schaffen ließ) und weite Kreise der Bevölkerung (aus naheliegenden Gründen). ...
https://www.heise.de/tp/features/Leben-in-der-Platte-3674863.html


"Besetztes Möbel-Kraft-Gelände in Kiel : Wohnwagengruppe lässt Ultimatum zur Räumung am Prüner Schlag verstreichen"  Andrea Lange (8. Mai 2017)
Der Grundstückseigentümer Möbel Kraft wollte die Bauwagenleute loswerden. Doch die lassen sich davon nicht beirren. Kiel | Ein Wohnwagengruppe besetzt seit Ende April den Prüner Schlag in Kiel. Sie wollen sich ein Stück Freiraum in der Landeshauptstadt erkämpfen. Doch für das Grundstück gibt es andere Pläne. Dort soll ein neues Einrichtungshaus von Möbel Kraft gebaut werden. Den Besetzern wurde daher ein Ultimatum vom Grundstückseigentümer gestellt. Bis Sonntag sollten sie das Areal verlassen haben. Daran hielten sie sich nicht. Auch am Montag harrten die Besetzer mit ihren Wohnwagen weiter aus. Das bestätigte Ralph Göttsche von Möbel Kraft gegenüber shz.de.
Bisher sei nichts passiert und alle Besetzer seien noch auf dem Gelände, sagte Göttsche. Die Gruppe hatte zuvor erklärt, man verlasse das Areal, wenn ihnen die Stadt eine adäquate Alternative anbiete. Das ist bisher nicht geschehen. ...
https://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/wohnwagengruppe-laesst-ultimatum-zur-raeumung-am-pruener-schlag-verstreichen-id16769816.html

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"Massenproteste gegen Moskaus Abrisspläne" (14.05.2017)
Tausende Menschen sind in Moskau gegen ein gigantisches Umbauprogramm auf die Straße gegangen. Bürgermeister Sergej Sobjanin will rund 4500 marode Plattenbauten aus der Nachkriegszeit abreißen lassen, mehr als eine Million Menschen sollen neuen Wohnraum erhalten. Doch das forsche Vorgehen der Behörden trifft auf Widerstand, viele rechtliche und finanzielle Fragen sind ungeklärt. An der genehmigten Kundgebung am Sonntag nahmen nach Angaben der Veranstalter 30.000 Menschen teil, die Polizei sprach von nur 8000. Auch prominente Oppositionelle wie Alexej Nawalny und Grigorij Jawlinski kamen zu der Demonstration.
Mit den fünfstöckigen industriell gefertigten Häusern linderte die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg die schlimmste Wohnungsnot. Doch so schlecht die Bauqualität ist, hängen heute viele Moskauer an diesen Wohnungen. Durch die Privatisierung sind sie Eigentümer geworden. Viele fürchten eine zwangsweise Enteignung, bei der sie aus innenstadtnahen, grünen Vierteln in Hochhausviertel am Rand Moskaus umgesiedelt werden. ...
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/moskau-massenproteste-gegen-abriss-von-wohnungen-a-1147633.html
Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on May 23, 2017, 03:26:05 PM
"Immobilien-Deal in Berlin-Kreuzberg - Zalando zieht mit 34.000 Quadratmetern auf die Cuvry-Brache" Daniel Marschke (11.04.2017)
In nur acht Jahren ist das Berliner Start-Up Zalando zu einem der größten deutschen Online-Händler geworden - mit entsprechend großem Flächenbedarf. Bald wird Zalando auch an der Cuvrystaße sein - dort, wo vor kurzem noch sozialer Wohnungsbau geplant war.
https://www.rbb-online.de/wirtschaft/beitrag/2017/04/berlin-friedichshain-kreuzberg-cuvrystrasse-zalando-mietet-riesige-bueroflaeche.html

Die Cuvry-Graffiti waren zwei großflächige Fassadenbilder des italienischen Street-Art-Künstlers Blu, die zu den bekanntesten Graffiti in Berlin gehörten. Sie befanden sich an zwei Brandwänden am Rand der sogenannten Cuvrybrache in Berlin-Kreuzberg. Das Dorf aus Zelten und Hütten auf der Brache hatte als „Berlins erster Slum“ regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt, bis es im September 2014 nach einem Brand geräumt wurde.  ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Cuvry-Graffiti

"Rückwärtsdemo gegen Zalando" Dinah Riese (23. 5. 2017)
Unter lautem Gejaule und Geheule schiebt sich die Prozession am Montagabend durch die Schlesische Straße in Kreuzberg. An der Spitze des Zuges gehen sechs SargträgerInnen. Oder am Ende des Zuges, genau kann man es nicht sagen – denn der Trauermarsch, der den Geist Kreuzbergs und der Cuvrybrache zu Grabe trägt, geht rückwärts. ... „Wir übergeben einen Sarg und den Geist von Kreuzberg an die Spree. Zwei Millionen Träume sind hier zerplatzt und machen Platz für den Gewinner mit der schlechtesten Idee“, ruft Leumund ins Megafon. Und: „Die Galgen hängen tiefer. Ein Schwan fällt vom Dach.“ Ein Touristenboot fährt vorbei. „Wir trauern hier! Es ist sehr traurig“, ruft Leumund ihm über das Wasser hinweg zu. Hinter ihm stimmen die Trauernden in lautes Wehklagen ein. „Zalando – ham wa nicht bestellt“, ruft eine Frau, alle anderen stimmen mit ein. „Nebenbei könnten ja auch Leute den Bauzaun anzünden oder aufs Gelände eindringen“, sagt Leumund, während er mit einem „Burn, Zalando burn“-Schild wedelt. „Das hat dann aber nichts mit uns zu tun“. Am Ende der Veranstaltung wird die Polizei trotzdem seine Personalien aufnehmen – weil er angeblich zu Straftaten aufgerufen habe, wie die Bergpartei in einer Pressemitteilung erklärt.
„Ich bin ein ehemaliger Bewohner der Freien Cuvry“, sagt ein Mann ins Megafon – einen „Gastprediger“ nennt Leumund ihn. „Ich hatte meine Hütte unter dem großen Baum, der dort drüben stand und den es heute auch zu betrauern gilt.“ Er ruft die Anwesenden auf, weiter gegen die Bebauung der Brache zu protestieren. „Wer heute bei Zalando Schuhe bestellt, trampelt morgen auf der Cuvry herum.“
Am Ende des Trauermarsches findet sich die Prozession wieder am Ausgangsort zusammen – an der Spree. Langsam senkt sich der Sarg ins Wasser. „Keine Schrippen für Zalando“ skandiert die Menge. Mit einem lauten Platschen landet der Sarg in der Spree, ein letztes mal setzt lautes, realdadaistisches Wehklagen auf Kommando ein. Ein zufällig vorbeifahrendes Schlauchboot hilft anschließend, den Sarg zu bergen. Angesichts der voranschreitenden Verdrängung im Kiez wird es wohl noch mehr Anlässe für Beerdigungen geben. ...
https://www.taz.de/Protest-gegen-Verdraengung-in-Kreuzberg/!5403037/

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"Die Stadt muss radikaler werden" Interview: Katrin Lange (23.03.2017)
Interview mit dem Copenhagenize-Gründer Mikael Colville-Andersen.
Ich glaube gar nicht, dass es so etwas wie Fahrradkultur gibt. Ich bin nur ein Mann mit seinem Team, der glaubt, dass das Fahrrad das mächtigste Werkzeug in unserem Werkzeugkasten ist, wenn wir urbanes Leben verbessern wollen. ...
https://www.greencity-magazin.de/die-stadt-muss-radikaler-werden/

Bicycle Culture by Design: Mikael Colville-Andersen at TEDxZurich (Published on Nov 28, 2012)
https://www.youtube.com/watch?v=pX8zZdLw7cs

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on May 29, 2017, 05:48:20 PM
In Alternativlos Folge 40 reden wir mit Andrej Holm über Stadtentwicklung und Gentrifizierung. (29.5.2017)
Mit halbwegs aktuellen Browsern könnt ihr das direkt im Browser hören (Dauer: zwei Stunden, 32 Minuten)...
https://alternativlos.org/40/

Andrej Holm (* 8. Oktober 1970 in Leipzig) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler mit den Themenschwerpunkten Stadterneuerung, Gentrifizierung und Wohnungspolitik. ... Von 1990 bis 1997 studierte Holm an der Humboldt-Universität zu Berlin Sozialwissenschaften und wurde 2004 mit einer Arbeit zum Thema „Restrukturierung des Raumes und gesellschaftliche Macht im Sanierungsgebiet“ promoviert. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Andrej_Holm

Als Gentrifizierung (engl. gentry „niederer Adel“), auch Gentrifikation, im Jargon auch Yuppisierung, bezeichnet man den sozioökonomischen Strukturwandel bestimmter großstädtischer Viertel im Sinne einer Attraktivitätssteigerung für eine neue Klientel und dem anschließenden Zuzug zahlungskräftiger Eigentümer und Mieter. Damit verbunden ist der Austausch ganzer Bevölkerungsgruppen. Der teilweise als politisches Schlagwort verwendete Begriff ist in der Stadtforschung von Bedeutung und theoretisch nach wie vor nicht eindeutig erklärt. Interessant ist unter anderem, wieso und wo sie nicht stattfindet. Unter anderem ist durchaus umstritten, ob steigende Wohnungspreise Ursache oder Wirkung des Austauschprozesses sind. Erste Gentrifizierungsanzeichen finden sich immer schon vor den preislichen Änderungen im Wohnungsmarkt. Als wichtig gelten ebenso die Unterschiede im Habitus, im Geschmack, in den sozialen und kulturellen Ausdrucksweisen und symbolhaft inszenierten Konsumgewohnheiten von Neuankömmlingen und der bestehenden Einwohnerschaft im öffentlichen Raum. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on May 31, 2017, 07:32:01 AM
"Möbel-Kraft-Gelände Prüner Schlag wurde geräumt" Niklas Wieczorek (29.05.2017)
Am Montagvormittag war es soweit: Etliche Polizisten sind am Prüner Schlag am Möbel-Kraft-Gelände vorgefahren und begleiteten eine Gerichtsvollzieherin. Sie brachte den Brief: Die Besetzer müssen von der Ausgleichsfläche. Ein vierwöchiges Wagencamp fand ein friedliches Ende. ... Die Atmosphäre war ruhig: Polizisten und Besetzer standen sich zwar gegenüber, dabei blieb es aber auch. "Das lief alles ganz friedlich ab", sagte Oliver Pohl von der Polizei in Kiel. Ralph Göttsche von Möbel Kraft sagte dazu: "Die Besetzer sind immer gut informiert gewesen." Gespräche fanden schließlich darüber statt, wie die großen Wagen ohne Antrieb das Gelände verlassen sollten. Als ein Unimog eintraf, wurde aber auch diese letzte Herausforderung bewältigt. Fakten seien jetzt geschaffen, sagte Möbel-Kraft-Vertreter Göttsche zum Ende der Arbeiten gegen 13 Uhr. Die Besetzer hoffen durch den friedlichen Abzug weiterhin Gespräche mit der Stadt ermöglicht zu haben - schließlich sind sie noch immer auf der Suche nach einem Wagenplatz. ...
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Moebel-Kraft-Gelaende-Die-Besetzung-in-Kiel-ist-vorbei

"Besetztes Möbel-Kraft-Gelände : Prüner Schlag in Kiel wurde geräumt" (29. Mai 2017)
Am Montagvormittag kam die Gerichtsvollzieherin. Die Wohnwagengruppe „Schlagloch“ packte ihre Sachen. ... Die Räumungsaktion war ein „begleiteter freiwilliger Rückzug“, nachdem die Gerichtsvollzieherin um 10 Uhr den Vollstreckungsbescheid überreicht hatte. Zwar lag dieser schon Mitte vergangener Woche vor, aber Möbel Kraft hatte sich gemeinsam mit der Gerichtsvollzieherin, der Stadt Kiel und der Polizei darauf geeinigt, die Feiertage abzuwarten und erst am Montag das Areal räumen zu lassen.
Laut Göttsche haben die Bewohner ihre Sachen sofort gepackt und den Standort mit den Wagen verlassen. Gegen 13 Uhr waren die Räumungsarbeiten beendet. Nun stehen die ehemaligen Besetzer am Hasseldieksdammer Weg und beraten wohl, wie es weiter geht. Die Stadt zeigt sich nach wie vor verhandlungsbereit, was die Suche nach einer für alle Beteiligten opportunen Lösung betrifft. Möbel Kraft hat angekündigt, das Gelände ab sofort bewachen zu lassen.
https://www.shz.de/regionales/kiel/pruener-schlag-in-kiel-wurde-geraeumt-id16931726.html

"Kiel: Räumung der Wagengruppe Schlagloch + Demo" (30.05.2017)
Am Montag den 30.5. wurde der Wagenplatz Schlagloch auf dem ehemaligen Kleingartengelände Prüner Schlag - heute Möbelkraft Baugelände – durch eine Gerichtsvollzieherin in Begleitung von etwa 50 PolizistInnen zwangsgeräumt. Die BesetzerInnen wollten mit der Besetzung u.a. auf eine „fehlgeschlagene Stadtpolitik, die sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen, wie z.B. nach bezahlbarem Wohnraum, richtet“ aufmerksam machen. Hintergrund ist der Konflikt um den Bau eines Möbel Kraft Möbelhauses auf dem Kleingartengelände. ...
https://linksunten.indymedia.org/en/node/213908

"Wagengruppe Schlagloch-Räumung – Sponti heute 17 Uhr" Wagengruppe SchlaglochVeröffentlicht (29. Mai 2017)
Wir wurden geräumt! Haufenweise Cops, Möbel Kraft Vertreter und eine Gerichtsvollzieherin sind heute Morgen angetanzt um unseren Wagenplatz zu räumen. Wir haben das Gelände friedlich geräumt und stehen nun mit unseren Wagen auf der anderen Straßenseite. Möbel Kraft, die Stadt und ihre Ordnungshüter*innen erhöhen den Druck auf uns. Zusätzlich zur Anzeige wegen Hausfriedensbruch gibt es nun ein zivilrechtliches Verfahren, mit dem die Räumung unseres Platzes erwirkt wurde. Die Kosten dieses Verfahrens werden wir tragen müssen, sagte uns ein Vertreter von Möbel Kraft mit dem Hinweis wie teuer so ein Verfahren werden könnte. Diese und weitere überflüssige Sticheleien von Seiten Möbel Krafts wurden durch ein privates Sicherheitsunternehmen ergänzt, das mit einem Fahrzeug seit Mittwoch unsere Einfahrt blockiert. Es ist offensichtlich, dass diese Methoden uns einschüchtern sollen, da wir uns geweigert haben uns selbst zu räumen und zurück in die Unsichtbarkeit zu verschwinden. ...
http://schlagloch.blogsport.eu/2017/05/29/wagengruppe-schlagloch-raeumung-sponti-heute-17-uhr/

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H.W. Lang sagt:   
29. Mai 2017 um 23:19

Hier wurde eine Chance vertan, lösungsorientiert zu einer Beilegung des Konflikts zu kommen.
Statt dessen wurden Ultimaten gesetzt, Bedingungen gestellt – alles reine Machtspiele.
Möbel-Kraft hat es versäumt, durch ein moderates und flexibles Verhalten bei den Kielern Sympathiepunkte zu gewinnen. Dumm.
Ulf Kämpfer, eigentlich als Mediator geschult, hat sich durch die Bedingung, erst müsse das Gelände geräumt werden, eigener Handlungsoptionen beraubt. Dumm.

Kiel ist eine Stadt, die mit Universität und Fachhochschule junge Leute anzieht. Aber sie muss jungen Leuten darüber hinaus auch etwas bieten. Sie muss bunt sein, sie muss Flair haben. Sonst bleiben die jungen Leute weg und gehen nach Hamburg oder Berlin.
In Berlin gibt es in jeder Straße einen Hinterhof, in dem Startups oder alternative Projekte vor sich hin werkeln. Was ist mit Kiel? Ein Provinznest. Man setzt auf Delmenhorstisierung oder Raisdorfisierung: Baumarkt – Möbelmarkt – Supermarkt – Getränkemarkt…
Wie wäre es mit Amsterdamisierung und Kopenhagenisierung? Bauwagenkolonien, Hausboote, alternatives Leben, nicht nur „geduldet“ (also eigentlich nicht gewollt), sondern aktiv unterstützt?


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Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on May 31, 2017, 10:23:33 AM
"Dienstleistungszentrum in Zürich zu teuer: Die UBS verlagert Jobs nach Biel" Daniel Imwinkelried (31.5.2017)
Erneut wird die UBS Arbeitsplätze aus Zürich an einen anderen Standort in der Schweiz verlagern. Vor einem halben Jahr gab die Bank bekannt, dass sie im Herbst in Schaffhausen ein sogenanntes UBS Business Solution Center eröffnen werde. In diesem Gebäude hat es Platz für 500 Angestellte. Heute Mittwoch wird die UBS mitteilen, dass in Biel ebenfalls ein solches Dienstleistungszentrum entstehen soll. Mittelfristig werden in der Berner Stadt 600 Arbeitsplätze entstehen. ... Motiv dieser Verlagerung sind die Kosten, vor allem für die Löhne und die Mieten. Offenbar sieht es die UBS-Führung nicht mehr als sinnvoll an, gewisse Arbeitsplätze in Zürich anzubieten und dafür hohe Aufwendungen in Kauf zu nehmen. ...
Mit dieser Regionalisierung verfolgt die UBS in der Schweiz eine ähnliche Politik wie auf globaler Ebene. Seit einigen Jahren betreibt die Bank, wie andere international tätige Grossunternehmen, im Ausland sogenannte Shared-Service-Center. Deren Angestellte erledigen unterschiedliche Büroarbeiten in den Bereichen Zahlungsverkehr, IT, Personalwesen, Buchhaltung oder Publikationen.
Beliebte Standorte für solche Zentren sind Indien und Polen. In beiden Ländern ist auch die UBS mit Shared-Service-Centern präsent, und diese werden auch weiter ausgebaut. In den polnischen Grossstädten Krakau und Wroclaw beschäftigt die Bank mittlerweile 3500 Mitarbeiter.
https://www.nzz.ch/wirtschaft/dienstleistungszentrum-in-zuerich-zu-teuer-die-ubs-verlagert-jobs-nach-biel-ld.1298500

"Jobverlagerung der UBS: Die Stadt der Hochqualifizierten" Daniel Imwinkelried (31.5.2017)
... In Biel, wo die Mietpreise für Wohnungen und Büros so niedrig sind wie wohl in keiner anderen mittelgrossen Schweizer Stadt, wird sie Ende 2018 einen ähnlichen Hub wie in Schaffhausen eröffnen. Mit solchen regionalen Verlagerungen ist die UBS in der Schweiz zwar anderen Firmen voraus, im Ausland gibt es aber ähnliche Trends. Ausgeprägt ist die Entwicklung in London, wo der Finanzsektor wie in Zürich ein grosses Gewicht hat. Und wie in der Schweizer Metropole nehmen manche Londoner Firmen die hohen Mietpreise als Belastung wahr. Das hat Banken dazu bewogen, Arbeitsplätze nach Birmingham und Manchester zu verlagern. ...
https://www.nzz.ch/meinung/jobverlagerung-der-ubs-die-stadt-der-hochqualifizierten-ld.1298442

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"Großbrand in Londoner Hochhaus: Mindestens zwölf Tote, dutzende Verletzte" Sebastian Borger aus London (14. Juni 2017)
Das mehr als 40 Jahre alte kommunale Wohnhaus war erst im vergangenen Jahr um umgerechnet 9,8 Millionen Euro renoviert und dabei mit einer zusätzlichen Isolierungsschicht versehen worden. Eine Bewohnerinitiative berichtete von mehreren Versuchen, die Gemeinde sowie die beteiligten Baufirmen auf mögliche Brandgefahren hinzuweisen. Dazu gehörten der Mangel an Fluchtwegen sowie das Fehlen klarer Instruktionen im Brandfall. Offenbar könne "nur ein katastrophaler Zwischenfall" die Verwaltungsfirma, die vom Bezirk beauftragt wurde, zur Vernunft bringen, schrieben die Aktivisten im vergangenen November. ... Das Feuer dürfte ein politisches Nachspiel haben. Der Königliche Bezirk Kensington und Chelsea wird seit Jahrzehnten von den Konservativen regiert. Er umfasst neben dem Kensington-Palast, wo Prinz William mit seiner Familie wohnt, einige der reichsten Viertel der Hauptstadt. Dort sind Immobilien kaum unter einigen Millionen Pfund zu bekommen. Der Norden des Bezirks, wo das Feuer wütete, gehört zu den ärmsten Vierteln des Landes. Viele der Opfer dürften Einwanderer aus den früheren britischen Kolonien sein, offenbar lebten auch mehrere Philippiner im Grenfell Tower. ...
Das 24-stöckige Wohnhaus Grenfell Tower in North Kensington im Westen von London wurde im Jahr 1974 fertiggestellt. Ursprünglich bestand das Hochhaus aus 120 Wohnungen, sieben weitere wurden bei einem späteren Umbau hinzugefügt.
Verwaltet wird das Gebäude von der Kensington and Chelsea Tenant Management Organisation (KCTMO) für den Stadtbezirk Kensington and Chelsea. Die Baufirma Rydon beendete im Juli 2016 Sanierungsmaßnahmen in einer Größenordnung von 8,7 Millionen Pfund (9,88 Mio. Euro). Darin enthalten waren eine Erneuerung der Fassade und der Fenster. Außerdem seien eine neue Heizungsanlage sowie ein Rauchabzugs- und Ventilationssystem eingebaut worden, ist auf der Webseite der Firma nachzulesen.
Rydon betonte, man sei geschockt über die Feuerkatastrophe. Alle baulichen Maßnahmen seien gemäß den geltenden Vorschriften für Brandschutz, Sicherheit und Gesundheit durchgeführt worden. Die Firma wolle die Ermittlungen der Behörden zur Brandursache voll unterstützen.
Die Fassadenverkleidung wurde von der Firma Harley Facades angebracht. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, zum jetzigen Zeitpunkt könne er keinen Kommentar abgeben, weil ihm noch keine Informationen zum Hergang des Unglücks vorlägen.
Eine Anrainer-Vereinigung, die Grenfell Action Group, wies darauf hin, dass sie mehrfach die Brandsicherheit des Hochhauses kritisiert habe. "Alle unsere Warnungen trafen auf taube Ohren. Wir haben vorhergesagt, dass eine solche Katastrophe unausweichlich und nur eine Frage der Zeit ist", schrieb die Gruppe am Mittwoch auf ihrer Internetseite.
KCTMO soll die Bewohner angewiesen haben, im Fall eines Feuers in der Wohnung zu bleiben, sofern der Brand nicht im eigenen Apartment oder am Gang davor ausbricht. "Grenfell ist gemäß strengster Brandschutzbestimmungen gebaut worden", so die Gebäudeverwaltung in einem Newsletter vom Juli 2014. "Die neuen Eingangstüren zu jeder Wohnung können einem Feuer bis zu 30 Minuten standhalten, ausreichend Zeit bis zum Eintreffen der Feuerwehr."
https://derstandard.at/2000059243260/Grossbrand-in-Londoner-Hochhaus-Mindestens-sechs-Tote-dutzende-Verletzte


"Großbrand in London: Die Mieter sahen es kommen" Bettina Schulz, London (14. Juni 2017)
Der Brand in Kensington bringt Behörden und Politik in Bedrängnis. Seit Jahren gab es Kritik an den Zuständen, die Warnungen wurden ignoriert. ... Der Großbrand in London hat furchtbare Erinnerungen geweckt: ein Hochhaus in Flammen, Menschen in den oberen Stockwerken, verzweifelt, weil sie nicht fliehen können, sogar springen und Kinder aus dem Fenster werfen, um sie zu retten. Kensington, London – das ganze Land steht unter Schock. Fast mehr noch als bei den Terror-Anschlägen, denn die Toten, die die Feuerwehr über die nächsten Tage bergen wird, wären noch am Leben, hätte nur irgendjemand auf die Bewohner gehört, auf ihre Warnungen, ihre Bitten, ihr Flehen – immer alles umsonst.
Wer auf der Schnellstraße an Wohnblocks vorbei in Richtung des Luxusviertels Notting Hill fuhr, wunderte sich: Wer muss hier wohnen, in diesen schäbigen 70er-Jahre-Blocks, 24 Stock hoch, so dicht gedrängt und unzugänglich eingekeilt zwischen Autobahn, Hochtrassen, Sportzentren, Zuglinien, so nah und doch weit weg von den weißgetünchten Villen in Chelsea nur wenige Straßenblocks weiter?
Hinter diesem katastrophalen Ereignis steht viel mehr als nur der Zufall, dass irgendjemand möglicherweise beim Kochen nicht aufgepasst hat oder ein Fernseher einen Kurzschluss hatte, irgendeine Küche in Brand geraten ist, irgendjemand die Feuertüren nicht geschlossen hatte. Dieser Brand zeigt, wie katastrophales Missmanagement einer Stadtbehörde, die angesichts enormer Budgetkürzungen genau an der falschen Stelle Geld spart, eines der schwersten Unglücke in London zu verantworten hat. Weder schien nach Aussagen der Bewohner der Feueralarm in dem Wohnblock zu funktionieren, noch konnten die Wagen der Feuerwehr nah genug an das Gebäude heranfahren, geschweige denn Barrieren und Türen öffnen, um den Brand vom Inneren des Hochhauses zu löschen.  ... Der Großbrand in Kensington symbolisiert daher den gewaltigen Gegensatz von Arm und Reich im Land, der vielleicht nirgends so extrem zu sehen ist wie hier: Am einen Ende des Bezirks streiten sich Millionäre darum, wie sie unter ihre Luxusvillen noch ein Schwimmbad und ein Kino bauen, obwohl sie kaum zu Hause sind, geschweige denn wählen, und einige Straßenzüge weiter leben Familien in slumartigen Wohnblocks, die so gefährlich sind, wie man es sonst nur in der Dritten Welt findet.
http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-06/grossbrand-london-grenfell-tower-einsparungen-missmanagement/komplettansicht

GRENFELL TOWER FIRE
Posted on June 14, 2017
ALL OUR WARNINGS FELL ON DEAF EARS and we predicted that a catastrophe like this was inevitable and just a matter of time. ...
https://grenfellactiongroup.wordpress.com/2017/06/14/grenfell-tower-fire/

"Tories reject move to ensure rented homes fit for human habitation" (Tuesday 12 January 2016)
Labour amendment to housing bill, aimed at holding landlords to account, is defeated as minister claims it would push up rents ... Conservative MPs have voted against proposed new rules requiring private sector landlords to ensure their properties are fit for human habitation.
A Labour amendment to the government’s housing and planning bill, designed to ensure that all rented accommodation was safe for people to live in, was defeated by 312 votes to 219 on Tuesday, a majority of 93.
“The majority of landlords let property which is and remains in a decent standard. Many landlords go out of their way to ensure that even the slightest safety hazard is sorted quickly and efficiently,” said the shadow housing minister, Teresa Pearce, who proposed the amendment.
“So it is even more distressing when we see reports of homes which are frankly unfit for human habitation being let, often at obscene prices.”...
https://www.theguardian.com/society/2016/jan/12/tories-reject-move-to-ensure-rented-homes-fit-for-human-habitation

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"Londoner Hochhausbrand: Regierung soll Brandschutz-Empfehlungen ignoriert haben" (18.06.2017)
Premierministerin Theresa May steht schwer unter Druck. Wütende Demonstranten stürmten am Freitag das Rathaus von Kensington und bedrohten May bei einem Besuch am Brandort. "Schande über dich", "Feigling" und "May muss weg", riefen sie. Die Regierungschefin hatte bei einem ersten Besuch am Brandort nicht mit Bewohnern gesprochen, sondern war schnell wieder verschwunden. Auch hatte die Regierung bei der Betreuung der Betroffenen versagt. Die Unterstützung sei "nicht gut genug" gewesen, räumte May nun ein. Schwerer noch wiegt der Vorwurf, dass die konservative Vorgängerregierung von David Cameron seit Jahren Empfehlungen von Brandschutzexperten ignoriert habe. Der Brand sei vermeidbar gewesen, schrieb Londons Bürgermeister Sadiq Khan im "Observer". Der Labour-Politiker warf den Konservativen jahrelange Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus vor.
Laut "Observer" hat die Regierung schon nach einem Brand im Lakanal House 2009 versäumt, die Feuerschutzvorschriften zu verschärfen. Ein Ermittlungsbericht hatte dies 2013 empfohlen. Alle Forderungen nach Gesetzesänderungen seien abgeblockt worden, sagte Ronnie King, ehemaliger Feuerwehrmann und heute Vorsitzender des Parlamentsausschusses für Brandschutz, dem Blatt.
Untersuchungen würden wohl nicht ausreichen - "es muss wohl erst eine Katastrophe passieren", sagte King. Bei dem Lakanal-House-Brand waren sechs Bewohner ums Leben gekommen. Die Ursachen klingen ähnlich wie beim Grenfell Tower: "unsichere Renovierungsarbeiten, mangelhafter Brandschutz, keine Sprinkleranlagen, und Bewohner wurden aufgerufen, in ihren Wohnungen zu bleiben, obwohl das Feuer rasch um sich griff", schreibt der "Observer".
"Sowohl Konservative als auch New Labour waren stets abgeneigt, wenn es darum ging, Schutzbestimmungen zu erlassen, selbst wenn der Bedarf daran groß war", hatte der "Guardian" vor wenigen Tagen kritisiert. Dagegen sei das politische Establishment stets zugänglich gewesen für Wirtschaftsverbände und deren Wünsche nach Abschaffung bestehender Sicherheitsbestimmungen. "Deregulierung dieser Art ist ein Kernteil der neoliberalen Ideologie, der sowohl die Konservativen als auch New Labour unter Tony Blair erlagen."
Der Labour-Abgeordnete David Lammy hat die Polizei und die Regierung inzwischen aufgefordert, alle Dokumente zur Renovierung des Grenfell Towers sicherzustellen. Der Abgeordnete, der eines der Opfer kannte, sagte, er sei besorgt, dass die Unterlagen vernichtet würden, bevor die Beweissicherung beginne. Die Hochhausbewohner befürchteten eine Vertuschung der Wahrheit. Das Vertrauen in die Behörden sei massiv gesunken.
Bürgermeister Khan schrieb im "Observer", viele Hochhäuser aus den Sechziger- und Siebzigerjahren entsprächen nicht den heutigen Sicherheitsstandards. Als Lösung bleibe vielleicht nur der Abriss.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/grenfell-tower-regierung-hat-brandschutz-empfehlungen-jahrelang-ignoriert-a-1152679.html

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 15, 2017, 09:49:05 AM
Architects for Social Housing (ASH) was set up in March 2015 in order to respond architecturally to London’s housing ‘crisis’. We are a working collective of architects, urban designers, engineers, surveyors, planners, film-makers, photographers, web designers, artists, writers and housing campaigners operating with developing ideas under set principles. ...
https://architectsforsocialhousing.wordpress.com/

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The Radical Housing Network is made up of groups fighting for housing justice, based in London.
http://radicalhousingnetwork.org/

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In the heart of the Urban Dandy is the fate and the conflict of the bohemian, to become preoccupied with the things he/she shuns – materialism and money. They must survive, after all. They mustn’t be a burden, they must contribute, they must identify and add to the chorus when injustice is uncovered.
Identifying with the downtrodden, the poor and the dandies, the human, those who won’t back down and those that capitulate under pressure. The Urban Dandy embraces the contrasts and colours that create a fully vibrant city-scape of peoples.
The eyes of the Urban Dandy look deep into the spectre of failure. The integrity of the work takes our energy, likes and hits, fame and fortune do not. It’s a slow-rise, an awakening, a connecting of voices: I hear you, you hear me…
The scope of the Urban Dandy is local and global. Big Ideas. Not anti-capitalist, or pro-socialist; not dogmatic, pro-truth. Art of word, authenticity, not glorifying poverty, glory in human beings, looking at context, our area. Not vacuous superficiality…Wholesome. You too, our ears, your thoughts. The truth you can say. Word is bond. Life in motion – Truth again.
https://urbandandylondon.com/

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Commonly known as the 'Westway', the A40(M) elevated motorway was built between 1964 and 1970. Its construction was highly controversial, as it caused huge destruction to a tightly-knit community and was essentially a failed experiment in alleviating congestion with an elevated ring-road around the entire of London. Through its construction a stretch of 23-acres of derelict land was created beneath it.
http://www.westway23.org/

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"Umwandlung in Eigentum: Berlin verliert immer mehr Mietwohnungen" Ralf Schönball (11.07.2017)
Niemanden trifft die Wohnungsnot in Deutschland so hart wie die Berliner, heißt es in einem von der Wohnungswirtschaft veröffentlichten Bericht. Das liegt auch daran, dass Bauträger in der Stadt Mietshäuser kaufen und aufteilen, um die Mietwohnungen in Eigentumsobjekte umzuwandeln und zu verkaufen. Das Geschäft bringt hohe Gewinne.
Doch eine brandneue Aufstellung des Senats zeigt: Im vergangenen Jahr gingen der Mieterstadt Berlin dadurch genauso viele Wohnungen verloren wie Bauträger insgesamt neu fertig gestellt haben.
Besonders brisant: Ausgerechnet in Gebieten, die unter Schutz stehen, weil dort viele Menschen mit geringen Einkünften leben, läuft das Geschäft mit den Umwandlungen besonders gut, und „so wird der Milieuschutz teilweise ausgehebelt“, sagt Katrin Schmidberger, wohnungspolitische Sprecherin der Grünen.
Sie hatte die Anfrage an den Senat gestellt, dessen Antworten nun das ganze Ausmaß des Problems offenbaren: Knapp 13.000 Mietwohnungen wandelten Hauseigentümer im vergangenen Jahr in Eigentumsobjekte um. Das sind fast so viele Wohnungen, wie im ganzen vergangenen Jahr neu gebaut wurden und den Wohnungsbestand mehrten (13.800) – laut Amt für Statistik. Und 2800 Wohnungen, die künftig nicht mehr Mietern, sondern Eigentümern nutzen, befinden sich in Gebieten mit Milieuschutz.
... Zurzeit können Eigentümer umgewandelte Wohnungen nach sieben Jahren verkaufen. Weil die Objekte vorher oft aufwendig saniert werden und die Kosten dafür auf die Mieten umgelegt werden, könnten sich viele alteingesessene Kiez-Bewohner die Objekte nicht mehr leisten.
Deshalb müsse das Geschäft mit den Umwandlungen, durch das Spekulanten Wohnungen für das Zwei- bis Vierfache des ursprünglichen Preises verkaufen können, endlich gestoppt werden, sagt Schmidberger.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/umwandlung-in-eigentum-berlin-verliert-immer-mehr-mietwohnungen/20038046.html

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"Demo in der Innenstadt Rund 300 für sozialen Wohnraum in Kiel" Niklas Wieczorek (22.07.2017)
Das Ende der Suche nach einem Wagenstellplatz der Gruppe Schlagloch scheint indes nah: Die Stadt hat den ehemaligen Besetzern des Möbel-Kraft-Geländes ein vorbehaltliches Flächenangebot unterbreitet, das jetzt Aktivisten und Ämter prüfen. Es handelt sich dabei um eine Fläche nahe dem Aubrook, wie Michael Saitner, Verhandlungsführer der Stadt aus dem Büro des Oberbürgermeisters am Freitag bestätigte. Sollte es keine Bedenken der Behörden geben, wäre eine Verlegung der Wagen möglich.
Voraussetzung der Stadt ist dabei weiterhin, dass die Wagengruppe einen Verein gründet, mit dem eine vertragliche Grundlage zur Flächennutzung möglich wäre, so Saitner. Aus der Wagengruppe hieß es am Mittag: „Es müssen beide Seiten alles prüfen.“ Will heißen: Die Aktivisten sitzen an ihrem derzeitigen Standort am Ende der Hofteichstraße zusammen und diskutieren über den vorgeschlagenen Platz und ihre Zukunft als Wagengruppe. Jeden Abend werde geredet, so die Gruppe. ...
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Demo-in-der-Innenstadt-Rund-300-fuer-sozialen-Wohnraum-in-Kiel
Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on September 14, 2017, 01:18:29 PM
"Wohnungsmarkt in Dortmund: Arm werden per Mieterhöhung" Andreas Wyputta (13. 9. 2017)
Nach München und Hamburg, Köln und Berlin wird jetzt auch das Ruhrgebiet teuer. ... DORTMUND taz | Für die MieterInnen der LEG Wohnen NRW GmbH in Dortmund war es ein Schock: In den Briefkästen ihrer Häuser zwischen Sonnenplatz, Neuem Graben und der Großen Heimstraße landete im Mai Post des Vermieters. Zwar sollte die betont positiv klingen: „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir an Ihrem Haus Modernisierungsarbeiten durchführen werden“, schrieb die Tochter der börsennotierten LEG Immobilien AG an die BewohnerInnen des Häuserblocks in unmittelbarer Nähe des angesagten Dortmunder Kreuzviertels.
Gleichzeitig aber kündigte die ehemals gemeinnützige Landesentwicklungsgesellschaft, die 2008 von der schwarz-gelben NRW-Landesregierung des CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers privatisiert worden ist, massive Mieterhöhungen an: Zwischen 30 und 47 Prozent sollen die Mieten je nach Wohnungsgröße steigen. ... Der grüne Bundesparlamentarier Markus Kurth versucht dagegen erst gar nicht, falsche Hoffnungen zu wecken: Natürlich sei die Modernisierungsumlage für Unternehmen wie die LEG eine „Lizenz zum Gelddrucken“, sagt er – und wirbt für die von seiner Partei geforderte Deckelung der Umlage auf Höhe der eingesparten Energiekosten. Allerdings: Das „riesige börsennotierte Unternehmen“ LEG sei gerade für einzelne Abgeordnete „politisch schwierig zu erreichen. Ich mache mir da überhaupt keine Illusionen“, warnt der grüne MdB. „Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein Unternehmen wie die LEG überhaupt privatisiert werden konnte“, sagt deshalb Mieterin Christine Twittmann ...
https://www.taz.de/Wohnungsmarkt-in-Dortmund/!5444629/

Quote
Hannibal Corpse, 14.09.2017 (01:10)

Krieg den Hütten - Friede den Palästen!


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"USA: Größtes Casting der US-Geschichte" Kathrin Werner, New York (14. September 2017)
Was es bedeutet, wenn Amazon Milliarden investiert und Zehntausende den Wohnungsmarkt einer mittelgroßen Stadt bedrängen, kann man an Seattle ablesen, dem derzeitigen Hauptsitz: Im August ist der Preis für ein Einfamilienhaus im Vergleich zum Vorjahr um 18,2 Prozent gestiegen. Autofahrer verbrachten 2016 im Schnitt 55 Stunden im Stau.
Amazon hat in Seattle mehr Büroflächen als die nächsten 40 Arbeitgeber zusammen. Die Einwohnerstruktur sieht mehr und mehr aus wie die Tech-Industrie insgesamt: vor allem junge, weiße Männer sind zugezogen. Amazon ist ein Turbo-Gentrifizierer.
... Einziger Zweck der Ausschreibung sei, die Kommunen dazu zu bringen, einander mit Steuergeschenken zu übertrumpfen. Im Ausschreibungsprospekt sagt Amazon: "Bitte listen Sie alle angebotenen Subventionen auf."
Das Wettbieten um Unternehmensstandorte ist kein neues Spiel. Im Jahr 1993 hat Mercedes-Benz Angebote für das erste Werk in Nordamerika gesammelt - am Ende gewann Alabama. Kritiker rechneten vor, dass jeder einzelne Arbeitsplatz den Südstaat 200 000 Dollar koste, so viel muss ein Fabrikarbeiter erst einmal verdienen. Doch die Daimler-Fabrik wuchs, Zulieferer siedelten sich an, dann folgten andere Autobauer. Danach wurden die Angebote immer aberwitziger. Wisconsin hat für eine Display-Fabrik von Foxconn gerade Zuschüsse von drei Milliarden Dollar abgenickt und Umweltregeln ausgehebelt. Am 19. Oktober läuft Amazons Angebotsfrist ab, das milliardenschwere Casting geht in die nächste Runde. ...
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/usa-groesstes-casting-der-us-geschichte-1.3664960

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"Gentrifizierung: Kaffee am Außenposten"  Lukas Hermsmeier, Brooklyn  (5. November 2017)
Familien der unteren Mittelschicht müssen wegziehen, weil Zwei-Zimmer-Wohnungen im Schnitt nun 2.100 Euro Monatsmiete kosten. Softwareentwickler, Kulturwissenschaftsstudenten und Journalisten aus Manhattan, Melbourne oder Berlin rücken dafür ein. Clinton Hill und Bed-Stuy sind im vergangenen Jahrzehnt vornehmer, aber vor allem weißer geworden. Zwischen 2000 und 2010 stieg die Zahl der Weißen in Bed-Stuy laut Zensus von 2,4 auf 15 Prozent. Heute dürften es 20 Prozent sein, mindestens.
Gentrifizierung nennt man das. Ein inflationär gebrauchtes Wort, ein allzu präsenter Vorgang. In Brooklyn, in Neukölln, im Osten von London oder Paris, überall, wo die Jungen und Begabten hinziehen. Sprechen wir über Gentrifizierung, schwingt oft Fatalismus mit: Sie passiert halt, so wie der Hudson River fließt und die New Yorker Taxis gelb sind.
... Erbittert ist Coates nicht nur, weil vor allem "Schwarze weggefegt wurden", sondern auch, weil Gentrifizierung ein beschönigender Name für Vorherrschaft der Weißen sei. "Wer das Wort Gentrifizierung benutzt, lügt unmittelbar", behauptet der Kulturkritiker, der als Korrespondent für die Monatszeitschrift The Atlantic arbeitet. Coates ist mit diesem Gedanken nicht der Erste, aber zurzeit vielleicht der Berühmteste. In der Times-Bestsellerliste liegt We Were Eight Years in Power auf den oberen Plätzen.
Amerikas große Lüge, die Vertuschung seines rassistischen Wesens – für Coates zeigt sie sich im Euphemismus "Gentrifizierung".
http://www.zeit.de/kultur/2017-11/gentrifizierung-brooklyn-bedford-stuyvesant-rassismus

Quote
Teilzeitsarkast #8

Gentrifizierung hat zunächst einmal, ob in den USA oder hier, mit ökonomischer Ungleichheit zu tun. Und die vererbt sich aus verschiedenen Gründen (Bildungszugang, Habitus, soziale Beziehungen) allzuoft durch die Generationen.

In den USA korreliert diese oben-unten-Struktur historisch stark mit der Hautfarbe. Insofern hat dort Gentrifizierung zwar "mit Rassismus zu tun", aber diese Fokussierung trägt eher zur Vernebelung als zur Klarheit bei. Aber über die Ökonomie möchte ja niemand mehr reden.


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MehowSri #8.2

Keiner will mehr über Klassen sprechen. Dabei würde ja nur herauskommen, dass ein Großteil der Dauerempörten zur oberen Mittelschicht oder gar Oberschicht gehört. Man spricht halt lieber über 'white privilege' als über Klassenprivilegien.


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APoK #8.3

Daher auch die Formulierung, "Junge und Begabte" zögen zu. An anderer Stelle ist u.a. von "Kulturwissenschaftsstudenten" die Rede. Können die sich eine Wohnung in Brooklyn leisten, weil sie so begabt sind?


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Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on November 28, 2017, 03:59:59 PM
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[...] Seit mehreren Tagen räumen die Behörden im Süden von Peking Sammelunterkünfte und improvisierte Wohnungen. Schätzungsweise Zehntausend Menschen sind betroffen, sie stehen plötzlich ohne Bleibe da.

Einige haben Peking fluchtartig verlassen, viele andere kampieren mit Sack und Pack irgendwo auf der Straße, und das bei Temperaturen unter null Grad.

Betroffen sind quasi ausschließlich Arbeitsmigranten aus anderen chinesischen Provinzen und ihre Familien. Viele haben Kinder. Ohne diese sogenannten Wanderarbeiter läuft in chinesischen Großstädten quasi nichts: Sie liefern Pakete aus, bedienen in Restaurants und arbeiten auf Baustellen oder als Wachleute.

Seit rund einer Woche werden diese Menschen nun aus ihren Wohnheimen geworfen. Auslöser: Ein Brand in einer der Unterkünfte, bei dem vor zehn Tagen 19 Menschen ums Leben kamen.

Diesen Vorfall nutzt die Pekinger Stadtregierung nun, um andere vermeintlich unsichere Unterkünfte zu räumen. Polizisten, Feuerwehrleute aber auch viele spontan angeheuerte Rausschmeißer forderten Bewohner der betroffenen Wohnungen auf, diese binnen Stunden zu räumen. Viele Wohnungen wurden komplett zerstört, nachdem sie geräumt wurden.

"Ich habe keine Angst zu sterben", sagt diese Bewohnerin des betroffenen Stadtviertels in einem Internetvideo eines Pekinger Aktivisten. "Wenn sie mich hier vertreiben und meine Wohnung zerstören wollen, verteidige ich mich meinem Küchenmesser!"

Die staatlichen Medien Chinas schweigen zu all diesen Vorfällen. In den Online-Netzwerken kursieren unzählige Berichte, Fotos und Videos, die häufig aber schnell gelöscht werden von den chinesischen Zensoren.


Aus: "China: Zwangsräumungen in Peking sorgen für Entsetzen" Steffen Wurzel (28.11.2017)
Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/china-zwangsraeumungen-in-peking-sorgen-fuer-entsetzen.1773.de.html?dram:article_id=401750 (http://www.deutschlandfunk.de/china-zwangsraeumungen-in-peking-sorgen-fuer-entsetzen.1773.de.html?dram:article_id=401750)

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[...] Rammstein-Keyboarder Flake erkennt das Berlin seiner Kindheit nicht wieder. „Der Bezirk jetzt und die Straßen meiner Kindheit haben nichts mehr miteinander zu tun“, sagte Flake, der im Stadtteil Prenzlauer Berg lebt, der „Süddeutschen Zeitung“ am Freitag. „Es ist, als sei die Wohnung in eine andere Stadt gesetzt worden. Nürnberg vielleicht. Es gemahnt mich hier vieles an eine westdeutsche Kleinstadt.“

Der 1966 geborene Flake, der mit bürgerlichem Namen Christian Lorenz heißt, lebt nach eigenen Worten seit einigen Jahren wieder in dem Haus, in dem er aufgewachsen ist. „Ich musste im Kopf mit dem Gedanken abschließen, dass das der Prenzlauer Berg ist, den ich kenne und geliebt habe“, sagte er. „Es leben inzwischen sehr viele unangenehme Menschen hier.“ Die Arbeiter und die alten Leute könnten sich die Mieten nicht mehr leisten und seien weggezogen. Man lebe hier in einer Blase von reichen Menschen.

Deutschlands international bekannteste Rockband hatte sich 1994 gegründet. Mit einigen Musikern spiele er seit 1983 zusammen. „Ich habe mit ihnen mehr Zeit verbracht als mit meinen Eltern oder meinen Kindern oder meinen Frauen“, sagte Flake. „Es klingt kitschig und abgedroschen, aber Rammstein ist auch Heimat.“ (dpa)

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uyyy 09:26 Uhr

    Man lebe hier in einer Blase von reichen Menschen.

Und ist selber Teil der Blase, der die hohen Mieten zahlt und damit die Leute verdrängt, die er hier scheinheilig bemitleidet.


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Aus: "Prenzlauer Berg Rammstein-Keyboarder Flake kritisiert Gentrifizierung in Berlin" (19.01.2018)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/prenzlauer-berg-rammstein-keyboarder-flake-kritisiert-gentrifizierung-in-berlin/20866936.html (http://www.tagesspiegel.de/berlin/prenzlauer-berg-rammstein-keyboarder-flake-kritisiert-gentrifizierung-in-berlin/20866936.html)
Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on January 30, 2018, 12:04:39 PM
BLACK TRIANGLE
Es klingt wie eine Justizposse: Die Deutsche Bahn als Eigentümerin des Areals betreibt seit Längerem die Zwangsvollstreckung aus einer erlassenen einstweiligen Verfügung des Landgerichts. Danach wurde den Besetzern aufgegeben, die Grundstücksfläche „zugänglich zu machen, zu räumen und herauszugeben sowie es zu unterlassen, sie zu betreten oder zu befahren“. Nach Angaben des Unternehmens befinden sich auf dem Grundstück „für den Bahnbetrieb notwendige Anlagen, die eine ständige Zugänglichkeit erfordern“. ... Wir sind ein anarchistisches und damit selbstbestimmtes Projekt.  Wir verwalten uns selbst, brauchen dazu keinen Staat und keine  gesellschaftliche Ordnung, noch sonst eine hegemoniale Machtstruktur.  Mit diesem Grundsatz leben wir seit Juni 2016  zusammen auf dem  angeblichen Eigentum der Deutschen Bahn. Tatsaechlich sind wir  Bewohner*innen eines Gebaeudes das seit 20 Jahren leer steht. Fuer uns ist es selbstverstaendlich, verlassene Orte nicht nach ihrem Besitzanspruch (in  diesem Fall vertreten durch die Deutsche Bahn), sondern den Moeglichkeiten diese gemeinsam zu nutzen, zu verstehen. Freien Raum zu erschaffen und bestehenden zu nutzen, vor dem Zerfall zu schuetzen und  vor Spekulation zu bewahren muss Teil eines antikapitalistischen Kampfes sein.
https://btle.blackblogs.org/

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"Protestaktion: Künstlerkollektiv zündet Polizeiauto an" (monopol-magazin.de, 5.2.2018)
Die Aktion "Visionäre Ruinen" des Kollektivs Frankfurter Hauptschule ist Teil der Jahresausstellung der Frankfurter Städelschule und richtet sich laut der Künstlergruppe gegen die Verdrängung von Drogensüchtigen aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Seit einiger Zeit ist dort eine knapp 150 Personen starke Sondereinheit der Polizei stationiert, die mit Großrazzien und täglichen Kontrollen gegen die Drogenszene vorgeht.
Laut einer Pressemitteilung der Künstler wurde die "Skulptur in Form eines Polizeiautos" am 1. Februar im Bahnhofsviertel platziert, wo es die Aufmerksamkeit diverser Passanten auf sich gezogen haben soll. Woher der Streifenwagen stammte, steht nicht in der Mitteilung. Nach elf Stunden habe die Polizei den Wagen abschleppen lassen. Das Anzünden des Wagens ist in einem Video auf der Facebook-Seite der Künstler zu sehen. Ein weiteres Video, in dem die Aufnahmen aus dem Bahnhofsviertel zu sehen sind, ist für den 7. Februar angekündigt. Das ausgebrannte Polizeiauto und die Vollversion des Videos mit dem Titel "242 Titel besser als Martin Kippenberger" soll vom 8. bis 11. Februar beim Rundgang der Frankfurter Städelschule zu sehen sein; sowie vom 8. März bis 5. Mai in der Ausstellung "Kunst der Revolte. Revolte der Kunst" im Studierendenhaus der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Eine Sprecherin der Frankfurter Hauptschule: "Das Bild von Junkies, die mit Spritze im Arm auf der Straße liegen, ist nur die Nachtseite von verspiegelten Bankentürmen. Der gesellschaftliche Schmerz wird im Bahnhofsviertel sichtbar und das ist gut so. Anstatt Drogensüchtige aus dem Blick der Öffentlichkeit zu drängen, sollte man ihr Elend noch viel greller ausstellen. Wir sind erst zufrieden, wenn das Bahnhofsviertel fest im Griff von Junkies ist. Wir wollen völlig vercrackte Zombiehorden, die mit abgesägten Schrotflinten durch die Münchener Straße patroullieren, während der Rauch von ausbrennenden Einsatzwagen sich mit dem warmen Licht der Abendsonne mischt."
Das Künstlerkollektiv Frankfurter Hauptschule machte 2015 mit einer Heroin-Performance im Frankfurter Bahnhofsviertel auf sich aufmerksam und 2016 mit dem Aufruf, Liebesschlösser von Frankfurts zentraler Fußgängerbrücke abzuknacken. Zum harten Kern des Kollektivs sollen um die zehn Mitglieder zählen, darun­ter Studen­ten der HfG-Offen­bach, der Städel­schule und der Hoch­schule für Musik und bildende Kunst.
https://www.monopol-magazin.de/kuenstlerkollektiv-zuendet-polizeiauto

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"Projekt „Freetopia“ Leben mit Entbehrungen, dafür draußen und frei" Claudia Kabel (06.02.2018)
Benjamin und Nicole Nover leben seit Jahren illegal im Wald. Jetzt wollen sie ein alternatives Wohnprojekt gründen. ... Nur zwei Freunde kennen den verschlungenen Weg in das geheime Camp von Benjamin und Nicole Nover. Das Paar lebt seit mehreren Jahren illegal im Wald bei Darmstadt. Auf einem schwer begehbaren Hügel, gut verborgen hinter Brombeergestrüpp, Ahorn, Robinien und Birken steht ein 2,20 mal 1,80 Meter großes Zelt – ein Gewächshaus aus dem Baumarkt. Es ist Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bibliothek und Werkstatt in einem. Daneben gibt es noch ein kleineres Igluzelt für Vorräte.
Das heiße Wasser blubbert auf dem Gaskocher. Nicole und Benjamin sitzen im Schneidersitz auf ihren Isomatten, die fast die ganze Grundfläche des mit einer grünen Plane verhängten Raumes einnehmen. Ihre Hunde Kamil und Bigos springen vergnügt umher. An Möbeln gibt es sonst nur noch ein Regal, voll mit Büchern, Spielen und Hausrat. Es ist kalt draußen, doch hier drin reicht der kleine Gaskocher, um die Temperatur angenehm hochzubringen.
„Wenn es noch kälter wird, stellen wir ein kleineres Zelt zum Schlafen auf“, erklärt der 37-Jährige und überbrüht Kaffee. Auf dem einflammigen Kocher brutzelt der Hobbykoch auch gerne mal Braten mit Knödeln, wie er stolz berichtet. Doch heute gibt es Schoko- und Erdbeertorte – ein Geschenk. Die beiden haben kaum Einkünfte. Mit dem Verkauf der Straßenzeitung verdienen sie sich das bisschen, was sie brauchen. Ab und zu schreibt Benjamin Artikel. Auch Kinderbücher, Cartoons und ein Memoryspiel hat er produziert, während er auf Platte war. Leider sei der Verlag pleitegegangen.
Wasser und Strom gibt es im Camp nicht. Handys und sonstige Geräte betreiben sie über Powerbanks, die sie regelmäßig in der Teestube, einer Darmstädter Einrichtung für Wohnungslose, aufladen. Eine einzelne batteriebetriebene Lampe an der Decke beleuchtet alles. Und abends reicht der Saft auch noch, um gemütlich einen Film auf dem Handy zu gucken. „Wir sind glücklich und haben alles, was wir brauchen“, sagt Benjamin.
... Doch jetzt steht eine neue Ära, ein neues Projekt an: Sie nennen es „Freetopia“. Benjamin hatte die Idee, nachdem er bei einer Reality-Show namens Youtopia teilgenommen hatte, die über das Internet ausgestrahlt wurde. „Wir versuchen, gemeinsam eine bessere Lebensform zu entwickeln, um uns selber und der Gesellschaft zu zeigen, dass man in der heutigen Zeit zusammenhalten, gemeinsam wirken und handeln, vieles teilen, machen und erreichen kann, ohne dass jeder nur sein eigenes Wohlergehen in den Vordergrund stellt“, erklärt er. Dafür suchten sie seit Jahren ein Grundstück mit einem Gebäude. Ohne Eigenkapital eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Doch jetzt haben sie in Bad Hersfeld einen alten Bauernhof gefunden, den sie nutzen dürfen. „Es ist ein Versuch“, sagen die beiden. Nicole freut sich schon darauf, das heruntergekommene Gebäude herzurichten. Die Natur sei nicht weit weg, es gebe keine direkten Nachbarn. ... Noch warten sie auf die Zusage des Amtes in Bad Hersfeld. Doch dann kann das Projekt starten. Alles, was mitkommt, ist bereits gepackt und wartet auf den Abtransport. Aber in einem sind sie sich sicher: „Wir werden definitiv das Leben im Freien vermissen!“
http://www.fr.de/rhein-main/projekt-freetopia-leben-mit-entbehrungen-dafuer-draussen-und-frei-a-1441152,0#artpager-1441152-0

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on February 06, 2018, 03:34:19 PM
"Nomaden im Prüner Schlag" abutimon (Juni 24, 2017)
Im Mai dieses Jahres [2017] bekam der einsame Pächter von Parzelle 556 für einige Wochen Gesellschaft, und zwar in Gestalt der Wagengruppe „Prüner Schlagloch“, welche ein Areal ganz in der Nähe von Parzelle 556 besetzt hatte (etwa den ursprünglichen Parzellen 516-519 entsprechend). Allerdings hat der Eigentümer des Geländes nach wenigen Wochen die Wagengruppe wieder vertrieben, worauf sie auf den unbefestigten Parkstreifen entlang des Hasseldieksdammer Weges umzog; und auch dort wurde sie rasch vertrieben, diesmal durch das Kieler Ordnungsamt.
Es wird wohl niemand ernstlich geglaubt haben, daß diese kurzzeitige Besetzung an dem Schicksal der ehemaligen Kleingartenanlage etwas würde ändern können. Einigermaßen erstaunt bin ich aber doch über das Ausmaß der Aggressivität, die diese eher belanglose Episode bei einigen Lesern der „Kieler Nachrichten“ ausgelöst hat. So schreibt ein Leser namens „Limonade“ im Online-Forum, bei den Mitgliedern der Gruppe handele es sich um „Kriminelle“, deren Fahrzeuge man „beschlagnahmen und zerstören“ solle; und der Leser „Hauke Haien“ zürnt über die „Wanderchaoten, die (…) in der Regel von unseren Steuergeldern leben“.
Unsere Gesellschaft betrachtet bestimmte Konzepte als fundamental, so etwa die Seßhaftigkeit oder die Möglichkeit, Privatbesitz an Grund und Boden zu erwerben. Diese Konzepte werden nicht hinterfragt, obwohl sie bei anderen Völkern und zu anderen Zeiten keine Gültigkeit hatten, bzw. haben. In ihrer ursprünglichen Lebensweise waren wohl fast alle Menschen Nomaden, und das Land gehörte niemandem, bzw. allen. Manche wurden dann seßhaft, andere nicht. Aber die Seßhaften vermochten es, allmählich Raum und Zeit zu parzellieren und in Güter zu verwandeln, an denen man exklusives Eigentum erwerben kann, wenn man es geschickt anstellt. Das Hilfsmittel, mit dem man die Zeit anderer Menschen in Besitz nimmt, heißt übrigens „Geld“, ich werde gleich darauf zurückkommen. Als Folge wurde die nomadische Lebensweise zunehmend erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht, da die Nutzung von Raum und Zeit durch unzählige Regeln, Bedingungen und „alternativlose“ Sachzwänge immer weiter eingeschränkt wurde; aber die menschliche Kreativität findet bekanntlich immer Auswege.
Schwerwiegender aber ist, daß die Gesellschaft der Seßhaften schon bald begonnen hat, abweichende Lebensweisen als falsch, verkehrt, unanständig, … eben „kriminell“ zu verurteilen. Wer nicht nach unseren Regeln, Bedingungen und Sachzwängen lebt, drückt dadurch ja implizit aus, daß man auch anders leben könnte und daß unsere Lebensweise also vielleicht gar nicht die allein richtige und seligmachende wäre. So etwas wollen wir nicht hören und dulden. Und so haben wir unsere Lebensweise in Gesetze gegossen, durch die eine abweichende Lebensweise rasch zum Verbrechen, zum crimen, erklärt wird.
Und so ist es also, um beim Thema zu bleiben, verboten worden, sich irgendwo mit einem Bauwagen hinzustellen und darin zu wohnen, selbst wenn es keinen konkret stört. Ein Grenzfall stellen höchstens noch Wohnmobile auf Campingplätzen dar. Strenggenommen darf man auch in denen nicht dauerhaft wohnen, aber wer es doch tut, kann damit unter Umständen jahrelang durchkommen. Man bewegt sich ja sozusagen in einer „Grauzone“, schließlich zahlt man Geld für die Nutzung eines offiziell zugelassenen Campingplatzes. Und wer bezahlt, akzeptiert damit gewissermaßen die herrschende Wirtschafts- und Rechtsordnung.
Der KN-Leser „Limonade“ schreibt weiterhin, die Besetzer hätten „kein Recht auf einen Stellplatz (sie können einen mieten oder kaufen – Punkt!)“. Und auch „Hauke Haien“ macht sich Sorgen um „unsere Steuergelder“. Damit wird die Ursache dieser zuvor erwähnten Aggressivität erkennbar: Wir seßhaften Normalbürger müssen für alles und jedes bezahlen, und um dazu imstande zu sein, müssen wir womöglich einen Großteil unserer Lebenszeit für einen ungeliebten Job opfern – und dann sollen es alle anderen Menschen gefälligst genauso schlecht haben wie wir selbst. Dieses Bewertungsmotiv entspricht aus psychologischer Sicht also der Mißgunst, bzw. dem Neid, oder aus christlicher Sicht der „invidia“, einer der sieben Todsünden.
Neid und Mißgunst liegen natürlich dem Eigentümer des Geländes wie auch der Stadtverwaltung ganz fern, sie setzen nur geltendes Recht um; aber das wird Herrn oder Frau „Limonade“ nicht davor schützen, weiterhin Tag für Tag einen verhaßten Job verrichten zu müssen, und folglich wird er oder sie auch weiterhin übellaunig reagieren, wenn andere Menschen andere Lebensmodelle suchen und finden. ...
https://parzelle556.wordpress.com/2017/06/24/nomaden-im-pruener-schlag/

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"Aktivisten in Wellsee So kommt die Wagengruppe über den Winter" Niklas Wieczorek (06.02.2018)
Die „Wagengruppe Schlagloch“ hat seit August auf einer Grünfläche an der Edisonstraße in Wellsee Stellung bezogen – und ist trotz winterlicher Herausforderungen auch im Januar zufrieden und optimistisch. Beim Gespräch in einem der Wagen wird deutlich, worauf die derzeit neun Mitglieder hoffen.
Kiel. "Es ist natürlich nicht der innerstädtische Freiraum, den wir uns erhofft haben", sagt eine Bewohnerin. Für viele Dinge im Alltag sei der Standort "nicht praktikabel". Die meisten Wege erledige die Gruppe mit dem Fahrrad. Und jetzt im Winter seien einige Vorzüge der Freifläche nicht mehr so leicht nutzbar: Komposttoilette, Holzschuppen zum Trocknen oder eine Feuertonne werden noch gebraucht, aber das kuschelige Sofa verwaist und vereist. „Wir treffen uns eher in den Wagen“, sagt eine zweite Bewohnerin. Aber darinnen ist es dank Holzöfen mollig warm. Fernab anderer Bebauung sei das Heizen mit Holz kein Problem.
Seitdem sie im August nach Wellsee weiterzogen, gab es die Vereinbarung mit dem Büro des Oberbürgermeisters, weiterhin Ideen für einen künftigen Wagenplatz auszutauschen. Eine Diskrepanz zeigt sich hier: Vorschläge in zweistelliger Zahl habe man eingereicht, so die zweite Bewohnerin. Von der Stadt heißt es: "Von der Wagengruppe liegen uns aus 2017 ein und ab Mitte Januar vier weitere Flächenvorschläge vor." Die zuständigen Ämter der Stadt prüften diese Flächen und letztlich entscheide die Selbstverwaltung.
In Hauptausschuss und Ratsversammlung hatte zuletzt CDU-Fraktionschef Stefan Kruber im November kritisiert, dass lediglich eine einseitige Nutzungserlaubnis von der Stadt erteilt worden sei. Sein Einwand, es sei kein Pachtvertrag zustande gekommen, hat sich inzwischen allerdings überholt: "Wir haben gerade einen Mietvertrag unterschrieben", sagt eine Bewohnerin. Bis Mitte Mai gelte dieser, und bis dahin wollen Gruppe und Stadt eine neue Station gefunden haben.
Nach KN-Informationen zahlt die Wagengruppe, die kurz vor einer formell juristischen Vereinsgründung steht, monatlich einen niedrigen dreistelligen Betrag für die Fläche. Laut Stadt ist diese als Verkehrs- und Grünfläche im Flächennutzungsplan geführt. Sie könne langfristig zum A21-Bau als Anschlussstelle, Regenrückhaltung oder Ausgleichsfläche genutzt werden. Bis dahin muss die Wagengruppe längst weitergezogen sein.
http://www.kn-online.de/Kiel/Aktivisten-in-Kiel-Wellsee-So-kommt-die-Wagengruppe-ueber-den-Winter

Forum KN:
http://forum.kn-online.de/showthread.php?t=14313002

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"Kiel Gaarden: Wagengruppe macht Ernestinenstraße frei" Niklas Wieczorek (11.06.2018)
Das Ultimatum der Stadt Kiel hat offenbar Wirkung gezeigt: Wie die städtische Pressestelle am Montagnachmittag unter Berufung auf das Ordnungsamt mitteilte, hat die Wagengruppe Schlagloch ihren jüngsten Stellplatz an der Ernestinenstraße in Gaarden verlassen. Wohin, das ist noch unklar. ...
http://www.kn-online.de/Kiel/Kiel-Gaarden-Wagengruppe-Schlagloch-macht-Ernestinenstrasse-frei

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Wagengruppe Schlagloch - für mehr freiräume in kiel
http://schlagloch.blogsport.eu/

Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on March 03, 2018, 10:55:27 AM
"Wagenplätze in Leipzig: Einheizen für die Unabhängigkeit" Katharina Müller-Güldemeister (3. 3. 2018)
Im Winter bestimmt der Ofen den Rhythmus in der Wagenburg. Sehnsucht nach einer Wohnung kommt dennoch nicht auf. Ein Besuch.
LEIPZIG taz | An einem Tag, an dem die Minusgrade in Leipzig zweistellig sind, trägt Siegrun in ihrem umgebauten Lkw-Anhänger nur ein Spaghettiträgerhemd. Ihr Freund Samdi hat den Ofen zum Bollern gebracht und so ist es eher zu warm als zu kalt. Der Ofen ist eine Spur zu potent für das bisschen Wohnraum – das zur Frage, ob man sich denn nicht den Arsch abfriert zur Eisblumenzeit auf dem Wagenplatz.
Um welchen der knapp 20 Wagenplätze in Leipzig es sich handelt, soll nicht genannt werden. „Das müsste erst im Plenum besprochen werden“, sagt ein Bewohner. Private Geschichten seien aber okay. Siegrun und Samdi gewähren gerne Eintritt in ihr kompaktes Reich, das sich durch Treppe, Wand und Vorhang in Küche, Wohnstube und Schlafzimmer gliedert. ...
http://www.taz.de/Wagenplaetze-in-Leipzig/!5485779/

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"Jobber auf dem großen Treck" Heike Buchter (28. Februar 2018)
Tausende US-Amerikaner verlassen ihr Zuhause und leben im Auto. Manche Arbeitgeber werben gezielt um diese mobilen Kräfte. ... Wie viele der modernen Wanderarbeiter kann sich auch er keine Krankenversicherung leisten. "Die Regierung hat uns in die Gosse gekickt und überlässt uns unserem Schicksal", sagt er. ... Für Meyers sind die bedrängten Trucker nur ein Beispiel dafür, wie in den USA die Arbeiter ausgebeutet werden. Von einem normalen Gehalt könnten Familien nicht mehr leben, sagt sie, und weil beide Eltern ständig arbeiteten, würden die Kinder in staatlichen Schulen und Krippen erzogen. "So haben sie uns unter Kontrolle", setzt sie hinzu. ... urchschnittlich sind amerikanische Pendler heute 30 Minuten lang zwischen Arbeit und Wohnort unterwegs, fast doppelt so lange wie vor 30 Jahren. Außerhalb der Metropolen gibt es so gut wie keinen öffentlichen Nahverkehr, also sind die meisten auf das Auto angewiesen. Das wiederum erhöht die Lebenshaltungskosten.
Am Ende arbeite man nur, um zu wohnen, sagt Justin Burke. Der 32-Jährige will ein solches Dasein vermeiden. Wie sein Vater vor ihm fing er gleich nach der Highschool bei Chrysler an. Zehn Jahre arbeitete er in der Autofabrik. Als zunehmend Jobber angeheuert wurden, die für weniger Lohn arbeiteten, sah Burke keine Zukunft mehr dort. Er kündigte und zog nach Denver, wo er für den Fahrdienst Uber arbeitet.
Er ist zum RTR gekommen, um seine künftige Existenz als Wanderarbeiter vorzubereiten. Burke und die anderen Teilnehmer sind nicht allein mit ihren Zweifeln an den Verheißungen von Besitz und Konsum, nach denen so viele Amerikaner lange strebten. Ihre Antwort – der Verzicht auf einen festen Wohnsitz – ist eine der radikalsten, die es in den USA gibt. "Das hier", sagt Burke und zeigt auf die Wohnwagen, Busse und Transporter, die zwischen den Saguaro-Kakteen stehen, "das hier ist eine Rebellion."
http://www.zeit.de/2018/10/mobiles-leben-usa-arbeit-auto-rubber-tramp/komplettansicht

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I_bins #4

"Die Aussteiger kommen aus allen Branchen und Berufen. Da sind der ehemalige Besitzer eines Friseursalons und die quirlige Endfünfzigerin, die bis zur Pensionierung Polizistin war. Da ist der Baustellenleiter sowie der Manager einer Fluggesellschaft, der sich nun als mobiler Kreativer im Online-Marketing verdingt. Ein ehemaliger Bibliothekar aus New York ist dabei genauso wie der Betonmischer aus Alaska."

Die wenigsten sind tatsächlich "Aussteiger", sondern zu dem Leben gezwungen. Sonst würden komplett untergehen und als Obdachlose ihr Dasein fristen.
Mit der Bezeichnung "Aussteiger" wird das ganze nur glorifiziert. Gewollt?


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ModernesLeben #4.1

Nein - ein bißchen Mode ist es auch:
http://tiny-houses.de/

In Deutschland geht es aber schwieriger, da das Baurecht eigentlich ein billiges Bauen bewußt verhindert. Der einzige Kompromiss, ist es hier die Häuschen auf deiner Art "Wohnwagenplattform" mobil zu errichten. Auch Hausboote werden in Deutschland, anders als in den Niederlanden, eher behindert.

Es sind aber 2 Paar Schuhe, ob es aus Not oder Mode als attraktiv angesehen wird, so zu leben. Die im Artikel beschriebene im PRIUS-lebende Person, ist da schon besonders
und exotisch.


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GMsecondbest #4.2

Es ist wohl beides. Amerikaner ticken da oft etws anders. Freiwillige Aussteiger und zu diesem Leben gezwungene mischen sich und oft ist es auch in einer Person wohl eine Mischung aus beiden Antrieben. Wenn sie wüssten wie viele Rentner in den USA ohne Not in (in oft sehr teuren) Wohnmobilen ihren Lebensabend verbringen, einfach weil die Mobiltät einen andern Stellenwert dort hat. Sie müssen da schon die europäische Brille etwas abnehmen.


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marcelmuellberg #7

Wanderarbeiter auf amerikanisch...


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Ilmo #10

Kommt nur mir das so vor, oder wirkt dieser Artikel extrem euphemistisch? Letztendlich sind das doch halbe obdachlose. Wenn man in einem PKW "wohnt" und von einem Parkplatzwächterjob zur nächsten Rübenernte eiert, klingt das nicht wie ein romantisches "Zigeunerleben", sondern eher nach ziemlicher Not.
In einen Joghurtbecher urinieren und jedes Mal kurz bevor er überschwappt umzufüllen. Na vielen Dank.
Versteht mich nicht falsch, ich finde "alternative" Lebensmodelle toll, aber die Menschen in dem Artikel kämpfen doch in Wirklichkeit ums nackte Überleben, in einem Land was kein Sozialleistungen kennt wie wir sie haben.


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etm #12

Mir kommt das wie eine Art gehobene Obdachlosigkeit vor - immerhin haben sie ihr Leben noch halb unter Kontrolle und einen trockenen Platz zum schlafen (im Winter aber kalt, es sei denn - ab nach Süden).
Vielleicht sollten deutsche Obdachlose sich das abgucken, statt in Betonwüsten zu pennen. Alte Lieferwagen kosten auch nicht so viel wie Wohnmobile.

Ich habe als Student mehr als zwei Monate im Auto geschlafen (bzw. an Waldrändern, wohin ich abends zum Pennen hinausfuhr), bis ich einen Platz in einer WG gefunden habe. Gelegentlich habe ich während dieser Zeit aber auch bei Kommilitonen übernachtet, wenn das Wetter schlecht war.


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samueldora #16

Die Amerikaner waren schon immer selbstverantwortlicher und mobiler, wenn es darum ging, auf wirtschaftliche Entwicklungen zu reagieren. Das ist auch nötig bei dem für unsere Verhältnisse schwachen bis nicht vorhandenen staatlichen Unterstützungssystem.

Diese Rubber Tramps sind eine moderne Form von Wanderarbeitern. Auch ein Form von American Way of Life. Aber bestimmt nicht American Dream. Trotzdem bewundere ich es, wie sie in der Lage sind, die wenigen positiven Seiten daran herauszustellen, anstatt zu lamentieren und nach dem Staat zu rufen.


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Passionsefeu #18

Ein interessanter Artikel.
Auf den ersten Blick kommt es romantisch rüber: in einem schön ausgebauten Wohnmobil oder Skoolie durch die Gegend zu fahren, mal hier und mal dort zu leben, über das Web zu arbeiten oder gelegentlich lokal...

Aber schaut man genauer hin, dann ist das bei vielen Leuten doch nicht so recht überzeugend mit der Romantik und Freiwilligkeit.
Häufiger ließt man, dass sich die Betreffenden ,,früher" schon lange und in anstrengenden Jobs abgerackert haben, dann aber arbeitslos wurden, es Krankheits- oder Todesfälle in der Familie gab, keine Krankenversicherung vorhanden war und ist...

Und obwohl es zweifellos ,,rollende Paläste" gibt und ich auch nicht dran zweifel, dass es Menschen gibt, die wirklich gerne als moderne Nomaden leben, scheint es mir bei vielen doch eher so, dass sie sich mit ihrer Situation nur arrangiert haben und sie notgedrungen eingegangen sind.


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AllesKeinProblem #20

Das reichste Land der Erde ist das, über das da geschrieben wurde.

Zeigt wieder mal, dass an der Definition von Reichtum für eine Gesellschaft was faul sein muss, wenn man nach einem ordentlichen Arbeitsleben in einen Joghurtbecher pinkeln und als Wanderarbeiter weiterleben muss.

Ich hoffe, der eine oder andere Regierungspolitiker in Deutschland liest solche Artikel, während er dabei mit hilft, die Schere zwischen Arm und Reich auch hier weiter zu öffnen zum Wohle von Aktionären und Unternehmenserben.


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Tomtell #21

In Niedersachsen herrschen im Sommer ähnliche Verhältnisse in der Fleischindustrie. Osteuropäer hausen unter Plastikplanen in Wäldern. Mitten in Deutschland. Menschenverachtend, furchtbar.


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GenerationFacebook #23

Vor der US Wahl gab es ne Reportage im WDR, wo eine Frau mit 2 Kindern gezeigt wurde, die in nem Auto gelebt haben. Das ist bei den wenigsten freiwillig.
Überall auf der Welt nennt man sowas Wanderarbeiter, die durch alle Systeme der Welt ganz unten stehen.


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Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on May 14, 2018, 09:42:32 AM
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[...] Ganze Häuserblöcke lasse man erst verfallen, um sie dann teuer zu sanieren und die Kosten auf die Mieter umzuwälzen. In Pankow kennt man das unter anderem in den Wohnanlagen Grellstraße, Topsstraße oder Bleicheröderstraße. Renditen von knapp acht Prozent ergeben sich durch die Bewirtschaftung und Modernisierung heruntergekommener Mietshäuser, schreibt mein Kollege Ralf Schönball in seinem Artikel, ganz legal und vom Gesetzgeber belohnt. Die Kosten der „energetischen Sanierung“, können nämlich zu elf Prozent auf die Miete aufgeschlagen werden, die Klimawende müssen so die Finanzschwächsten zahlen. Und zwar nicht nur, bis die Bauinvestition abgegolten ist, sondern lebenslang. Die Mieterhöhung werde „nie wieder rückgängig gemacht“, so der Mieterbund. Er fordert nun, die Umlage der Modernisierungskosten auf Mieter von elf auf vier Prozent zu senken. Widerstand dagegen kommt vor allem von der vermieternahen CDU.

So schwinden die günstigen Wohnungen in Berlin immer weiter, um knapp sechs Prozent sank der Bestand an Sozialwohnungen allein im vergangenen Jahr. Laut IBB-Bericht liegt die mittlere Miete in Berlin inzwischen bei 10,32 Euro kalt pro Quadratmeter. Pankow liegt mit 10,86 Euro/m² auf Rang vier – eine Steigerung um 1,40 Euro oder 15 Prozent in nur zwei Jahren. Die Eigentumswohnungen in Pankow sind sogar die zweitteuersten der Stadt. 4176 Euro kostet der Quadratmeter im Mittel. Nur Mitte ist noch teurer.

Je citynäher, desto teurer. Das ist das grobe Muster im Bezirk, ob Eigentums- oder Mietwohnung. Prenzlauer Berg ist wie erwartet ganz vorn – besonders viel Moos braucht man dort innerhalb des S-Bahn-Rings mit durchgehenden Höchstwerten von 12 Euro (Miete) oder 4500 Euro und mehr (Eigentumswohnung) pro Quadratmeter.

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Aus: "Pankow" Christian Hönicke (11.05.2018)
Quelle: https://leute.tagesspiegel.de/pankow/intro/2018/05/11/44042/ (https://leute.tagesspiegel.de/pankow/intro/2018/05/11/44042/)

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[...] Aus Protest gegen knappen und zu teuren Wohnraum wurden in Berlin mehrere Häuser besetzt. In Neukölln und Kreuzberg wurden Gebäude von der Polizei geräumt. ... In Berlin sind Hausbesetzer aus Protest gegen die prekäre Lage am Wohnungsmarkt in mehrere leerstehende Gebäude eingedrungen. Insgesamt seien acht Häuser betroffen, teilte die Polizei mit. In sechs Fällen handelte es sich demnach jedoch nur um "Scheinbesetzungen". Die Polizei habe dort keine Personen angetroffen. Aus den Fenstern seien aber Transparente gehängt worden – möglicherweise als "Ablenkungsmanöver", sagte ein Polizeisprecher.

In den Berliner Stadtteilen Neukölln und Kreuzberg räumte die Polizei besetzte Gebäude. Gegen 56 Personen werde wegen Hausfriedensbruch ermittelt, sagte ein Sprecher der Polizei. Zuvor hatte die Eigentümerin des Hauses in der Bornsdorfer Straße 37b, die landeseigene Stadt und Land Wohnungsbaugesellschaft, ein schriftliches Räumungsbegehren beantragt.

Die Aktivisten kritisierten die Räumung des Neuköllner Hauses. "Einige Personen wurden beim gewaltsamen Eindringen der Polizei verletzt", hieß es in einer Mitteilung. Ein Sprecher der Polizei hatte dagegen angegeben, dass alles friedlich verlaufen sei.

Auch in der Reichenberger Straße im Stadtteil Kreuzberg war die Polizei mit einem Großaufgebot vor einem besetzten Haus präsent. Die Hausbesetzer hatten dort Transparente angebracht mit Aufschriften wie "Polizeigewalt ein Ende setzen" oder "Die Häuser denen, die sie brauchen". Auch der Besitzer dieses Hauses habe ein Räumungsbegehren gestellt, teilte die Polizei mit. In Kreuzberg und Neukölln waren nach Angaben der Besetzer in und vor den Häusern jeweils etwa 100 Menschen vor Ort.

Ein Sprecher der Besetzer kritisierte, Zehntausende Menschen in der Hauptstadt seien wohnungslos und ein immer größerer Teil des Einkommens müsse für steigende Mieten aufgewendet werden. Angesichts der vorherrschenden Gentrifizierung sei es "illegitim, dass Häuser leer stehen", sagte er.

Laut einer Mitteilung wollen die Hausbesetzer etwa in der Bornsdorfer Straße in Neukölln einen "offenen, unkommerziellen Kiezraum" und "selbstverwalteten Wohnraum" in 40 Wohnungen und Gewerberäumen schaffen. Das Haus stehe seit Jahren leer. Es habe bereits Verhandlungen mit dem Eigentümer, einem Landeswohnungsunternehmen, gegeben. Es seien auch schon Möbel in das Haus getragen worden.

Wie die Aktivisten weiter mitteilten, habe man mindestens neun Häuser besetzt, etwa in Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain. Die Besetzungen seien auf Dauer angelegt, hieß es weiter. Im Internet war die Aktion zuvor unter dem Stichwort #besetzen angekündigt worden, ohne jedoch genaue Standorte zu nennen.

In manchen Fällen gehe es um Gebäude im Besitz von Landeswohnungsunternehmen, hieß es von Seiten der Polizei. Da damit klar sei, dass eine Besetzung vom Eigentümer nicht geduldet werde, werde in diesen Fällen der weitere Zugang beschränkt.

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Schlagdraufundschlus #11

Der Mut der Verzweiflung. Berlin ist inzwischen zum Alptraum für Mieter geworden. ...


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Be back Again #11.1

Sie waren noch nie in München...


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Omnibot #13

Aus meiner Sicht wünschenswert wenn die Hausbesetzer-Szene wieder in Berlin aktiv werden würde. In den 70er Jahren haben sie schließlich viele Altbauten vor der Kahlschlagsanierung gerettet und damit einen echten Meilenstein für eine sozialere Stadtentwicklungspolitik gelegt. ...


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Aus: "Gentrifizierungsgegner besetzen Häuser in Berlin" (20. Mai 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-05/berlin-hausbesetzungen-protest-gentrifizierung-mieten-wohnungen (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-05/berlin-hausbesetzungen-protest-gentrifizierung-mieten-wohnungen)

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[...] In Berlin müssen Wohnungssuchende mittlerweile für eine 60 bis 80-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt 76 Prozent mehr bezahlen als 2008, in München werden 15 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter bei Neuvermietung fällig. Sozialverbände warnen, dass die steigenden Wohnkosten ein Armutsrisiko darstellen. Über eine Million Haushalte in den Großstädten haben schon jetzt nach Abzug der Miete weniger Geld zum Leben, als wenn sie den Hartz-IV-Regelsatz bekämen. Die Zahl der verfügbaren Sozialwohnungen ist den vergangen Jahren drastisch gesunken, obwohl die Zahl der Anspruchsberechtigten steigt.

... Eine Stadt muss ein Gemeinwesen sein und bleiben, sie darf nicht Goldgrube für Spekulanten sein. Wenn Flächen jahrelang brach liegen, weil Landbanker ihr Geld im Schlaf verdienen wollen, dann muss eine Kommune etwas dagegen tun. In Berlin sind die Bodenpreise in den vergangenen fünf Jahren um 345 Prozent gestiegen, die Verkaufspreise für Neubauwohnungen nur um 60 Prozent. Warum also bauen, sagen sich die Landbanking-Spezialisten, wenn Nichtstun mehr Rendite bringt? Das kann, das darf ein Gemeinwesen nicht hinnehmen. Städte müssen anders funktionieren als Wetten auf Schweinehälften.

...


Aus: "Prantls Blick: Wie Wohnen wieder bezahlbar wird" (29. April 2018)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/prantls-blick-wie-wohnen-wieder-bezahlbar-wird-1.3961851 (http://www.sueddeutsche.de/politik/prantls-blick-wie-wohnen-wieder-bezahlbar-wird-1.3961851)


Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 03, 2018, 07:57:26 PM
Quote
[...]  Die Preise für selbst genutztes Wohneigentum sind im vergangenen Jahr deutschlandweit um 5,4 Prozent gestiegen. Das berichtete die Welt am Sonntag unter Berufung auf eine Studie des Bundesverbands der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Damit sei der Anstieg noch einmal höher ausgefallen als in den Vorjahren mit 4,9 Prozent (2016) und 3,2 Prozent (2015).

Einen deutlichen Sprung machten die Preise der Studie zufolge erneut in den Ballungsgebieten. In den sechs größten Städten betrug der Anstieg zufolge 11,6 Prozent. "Der Preisauftrieb übertraf damit in den Großen-6 erneut die Wachstumsraten wichtiger Fundamentaldaten wie das verfügbare Einkommen oder die Mieten", zitiert die Zeitung aus dem Bericht, der unter anderem auf Marktdaten des Verbands deutscher Pfandbriefbanken basiert.

Spitzenreiter in dieser Gruppe sind demnach Berlin, München und Hamburg mit einem Preiswachstum von bis zu 200 Prozent seit 2007. Preistreiber seien weiterhin "der hohe Zuzug nach Deutschland und insbesondere in die Städte, das historisch niedrige Zinsniveau und die gute Konjunktur in Deutschland".

Zugleich nimmt die Erschwinglichkeit von Wohneigentum dem Bericht zufolge immer weiter ab. In den sechs größten Städten seien die Wohneigentumspreise um 55 Prozent stärker gewachsen als die verfügbaren Einkommen.

Allerdings steigen der Studie zufolge mittlerweile auch die Preise in ländlichen Regionen. "Der Aufschwung am Immobilienmarkt hat an Breite gewonnen", zitiert die WamS aus dem BVR-Papier. Die Durchschnittspreise auf dem Land seien 2017 um 4,8 Prozent gestiegen – nach 4,2 und 2,7 Prozent in den beiden Jahren davor.

Ein Risiko für das Finanzsystem besteht der Studie zufolge trotz der hohen Preise und der zunehmenden Kreditvergabe allerdings nicht. Das Volumen der Wohnkredite wachse zwischen 3,5 und 4 Prozent pro Jahr und damit nur wenig stärker als die Wirtschaft. Die private Verschuldungsquote liege unter 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und liefere "keine Hinweise auf eine übermäßige Kreditvergabe".

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Techniker2 #26

Freut mich zu hören, ich bin Immobilienbesitzer....


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K70-Ingo #26.1

Dito. Wir haben alles richtig gemacht.



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Terrurist #5

Gute Nachrichten für Eigentümer und für das Handwerk - schlechte für die Mieter.


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Sar Van #9

Die zwei Klassen Gesellschaft wird noch weiter gefestigt, im Vergleich sind die Reallöhne in den letzten 10 Jahren um ca. 8-10% gestiegen. Diesen Sprung sehen wir in den Immobilienpreisen in nur einem Jahr. 


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19koepi71 #9.3

"im Vergleich sind die Reallöhne in den letzten 10 Jahren um ca. 8-10% gestiegen ..." Nachdem sie die zwanzig Jahre davor zurückgegangen sind. Wir sind heute auf dem Niveau von 1993. Eine Schande.


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Tanjatarnan #15

Es ist nicht verwunderlich, dass durch die Geldpolitik der EU mit ihren extrem niedrigen Zinsen die Anleger mit Immobilien versuchen, den Wert ihres Kapitals zu erhalten. Das eigentliche Problem ist, dass der Euro durch diese EU- Geldpolitik an Wert verliert. Noch eklatanter wird dies, wenn Italien weitere finanzielle Hilfe fordern wird. Jeder, der dies erkennt, legt sein Geld möglichst in Substanzwerten also Immobilien oder zB Gold an. Automatisch steigen dann die Preise...


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Hausmeister112 #24

So, dann möchte ich mal als „Erbe“ dazu etwas sagen. Meine Familie besitzt mehrere Immobilien und ich inzwischen drei und die blauäugige Betrachtung mit der einige Menschen hier Urteilen hat mich veranlasst mich hier anzumelden. Aussagen wie Erbschaft mit 100 Prozent besteuern machen mich gelinde gesagt krank. In meiner Familie verwalten wir Immobilien, wir bewundern was vorherige Generation aufgebaut haben und pflegen es. Vielleicht habe ich deshalb als „reicher“ Erbe schon mit 16 die Hausflure für die ach so Lieben Mieter geputzt und kümmere mich deshalb bis heute darum das für Sie alles läuft... was ich in den letzten 20 Jahren erleben durfte sprengt hier den Rahmen aber soviel möchte ich doch berichten, ich habe Häuser und Wohnungen von deutschen Messi’s Räumen dürfen, ein deutscher der die Miete über längere Zeit nicht zählte hat mir gedroht mich umzubringen (die Polizei hat mir abgeraten meine Miete einzufordern da der Herr Polizeibekannt wegen Körperverletzung war), ich hatte Mieter die Vorsätzlich Wohnungen 3 mal in einem Monat unter Wasser gesetzt haben, libanesische Familienclans die mir den Zugang zum Hausflur versperrt haben mit der Drohung ich wüsste ja nicht was Sie so in der Wohnung haben... ich hatte Brände, Vandalismus, Beschimpfungen und alles andere vorstellbare inklusive einer Dame die sich im Alter 12 Katzen anschaffte und Passanten auf der Straße mit Kot bewarf... Es gibt auch andere Mieter ... Es gibt auch andere Mieter, solche die Ihre Wohnungen renoviert zurückgeben, solche die Jahre später noch schreiben wie schön das Mietverhältnis war oder solche die mir sogar zum Abschied etwas geschenkt haben oder die Wohnung noch mal ordentlich geputzt haben... Ich habe also für mein Erbe genug getan Denke ich und wenn meine Mutter mit 70 mal vorbeikommt und im Innenhof Zigaretten aufsammelt find selbst ich das bewundernswert... Fakt ist Vermieter sein ist auch kein Zuckerschlecken und die Zeiten werden nicht einfacher... bis vor drei Jahren haben wir in den Häusern in der Berliner Innenstadt immer einen Anteil von 10% Arbeitslosen gehabt... Nachdem ich 4 von den Wohnungen innerhalb von 2 Jahren räumen dürfte da die Mieter „umgeräumt“ in das Gefängnis umgezogen sind ist damit nun auch Schluss... Die Mieterschutzgesetze machen die Sache für mich auch nicht günstiger warum muss ich Gegenstände die jemand zurücklässt ewig einlagern? Warum kann ich nicht mehr vereinbaren das der Mieter beim Auszug renoviert? Nur einige Beispiele wie sich der Staat einmischt die Menschen für unselbstständig erklärt und die Kosten für alle damit in die Höhe treibt... Grundsteuer, Straßenreinigungsgebühren, Strom, versiegelte flächenkosten, neue Heizungsanlagen (die Wirtschaft muss ja laufen) Unsinnige Gesetze für Kunst am Bau, Winterdienst in 1,20m breite, Gesetze über Gesetze welche die Mieten in die Höhe treiben... unabhängig davon ob ich als Vermieter auch nur 5€ mehr in der Tasche habe.
Bin ich heute reicher als vor 20 Jahren als Vermieter? Jein, Ja wenn ich jetzt an einen namenlosen Investor verkaufen würde, aber durch die Mieteinnahmen? Ein klares Nein, wir werden sehen was mich die Neuerung der Grundsteuer in Zukunft noch kosten wird. Enteignung bringt hier gar nichts, das weiß ich da mein Opa in der DDR enteignet wurde und es 20 Jahre dauerte um den Kredit abzuzahlen den ich aufnehmen musste um das FDGB Ferienheim (ein Denkmal) wieder in einen benutzbaren Zustand zurückzuführen. Manche Leute im speziellen der Staat sollten einfach keine Immobilien besitzen, da muss ich mir nur die Schulen oder die Dutzenden bis heute leer stehenden Wohnungen in Kasernengeländen in Berlin Spandau ansehen.


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Mastershark #29

Ein wichtiger Preistreiber ist sicher der Rückzug der öffentlichen Hand aus der Wohnungswirtschaft. Eine Gesellschaft wie VONOVIA hält heute große Wohnunsbestände, die früher einmal den städtischen Wohnungsbaugesellschaften gehörten, dann durch die Hände diverser Heuschrecken gereicht wurden un schliesslich von Vonovia oder anderen großen Gesellschaften eingesammelt wurden. Privatisierung war jahrzehntelang das Mantra allen politischen Handelns mit dem Ergebniss, dass nun Rendite der wesentliche Faktor ist. Erstaunlicherweise konnten private Interessenten diese Wohnungen nie zu Konditionen erwerben, die den Preisen nahekommen, die die großen Investorengesellschaften eingeräumt wurden, von Ungleichbehandlung bei der Grunderwerbsteuer will ich gar nicht reden.
Somit kann Mietwohnraum kaum noch preisgünstig sein, denn dann erzielen die Investoren oder ihre Shareholder keine Gewinne oder Dividenden.
Im Neubaubereich erlebe ich in einer mietpreisgeplagten Stadt wie Kiel, dass Grundstücke nahezu immer an Projektentwickler gehen, die dort massiv in sündhaft teure Eigentumswohnungen investieren. Damit kann man solche Grundstücke zu Gold machen, schafft aber keinen Quadratmeter Wohnraum zu moderaten Mietpreisen. Auch da hätte die öffentliche Hand eine Möglichkeit einzugreifen



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Aus: "Immobilienpreise : Wohneigentum bundesweit teurer geworden" (3. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-06/immobilienpreise-wohneigentum-deutschlandweit-anstieg-wohnungen-haeuser (https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-06/immobilienpreise-wohneigentum-deutschlandweit-anstieg-wohnungen-haeuser)
Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 05, 2018, 07:44:23 AM
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[...] Wohnen wird immer teurer: In München, Frankfurt am Main, Hamburg, Stuttgart und Berlin sind die Ausgaben für eine Wohnung seit 2011 am stärksten gestiegen. Von 3.000 bis über 5.000 Euro im Jahr mussten Mieter in diesen Städten im Schnitt mehr für ihre Wohnungen bezahlen. Für Drei- und Vierzimmerwohnungen wird in deutschen Großstädten mittlerweile oft ein ganzes Nettogehalt fällig. Aber wer angesichts solcher Preise lieber auf Eigentum ausweichen möchte – sofern er oder sie dafür das erforderliche Eigenkapital aufbringen kann –, ist mit enorm hohen Grundstücks- und Immobilienpreisen konfrontiert. Denn auch die Preise für selbst genutztes Wohneigentum sind in Großstädten in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. In München, Berlin und Hamburg zahlen Erwerber heute durchschnittlich 200 Prozent mehr für eine Immobilie als noch im Jahr 2007.

Die Lage auf dem Miet- und Immobilienmarkt ist so angespannt, dass mehr Menschen Sympathien auch für illegale Antworten auf das Wohnungsproblem hegen, wie etwa Hausbesetzungen. Das gilt zumindest für Berlin, wo vor Kurzem Häuser wieder besetzt wurden: 53 Prozent der Berlinerinnen und Berliner sehen darin ein legitimes Mittel, um auf das Thema Wohnungsnot aufmerksam zu machen, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung.

Die Aktivisten wollten mit den Besetzungen in Berlin gegen die prekäre Lage am Wohnungsmarkt protestieren. Immerhin wird in Berlin zwar sehr viel gebaut, aber oft werden teure Luxusimmobilien geschaffen, die für die normale Bevölkerung kaum erschwinglich sind. Und während die teuren Eigentumswohnungen teilweise lange leer stehen, bis sie verkauft werden, steigt die Zahl der Wohnungslosen in der Hauptstadt. Zugleich locken die hohen Profite auf dem Berliner Immobilienmarkt Investoren an, die Grundstücke vor allem für Spekulationsgeschäfte erwerben und weiterverkaufen. So fehlen Grundstücke, auf denen bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden könnte.

Die Berliner Zeitung wollte in ihrer Umfrage auch wissen, ob die Sympathisantinnen und Sympathisanten illegaler Hausbesetzungen einem bestimmten Lager zugehören. Das überraschende Ergebnis: Selbst unter den CDU-Anhängern sprach sich mehr als jeder Vierte (26 Prozent) für Hausbesetzungen aus. Besonders groß war die Zustimmung unter Wählerinnen und Wählern der Linkspartei (83 Prozent) und Anhängerinnen und Anhängern der Grünen (77 Prozent). Unter den Befragten, die sich der SPD zuordnen, befürwortete jeder Zweite Hausbesetzungen als Mittel im Kampf gegen die Wohnungsnot. 

Rein rechtlich ist die Sache klar: Wer in eine Immobilie oder auf ein Grundstück gegen den Willen des Eigentümers eindringt, macht sich nach Paragraf 123 Strafgesetzbuch (StGB) wegen Hausfriedensbruch strafbar. In der Umfrage der Zeitung sprachen sich immerhin 43 Prozent der Befragten dafür aus, dass die Polizei illegale Hausbesetzungen zunächst dulden und mit den Besetzern verhandeln sollte.

Übrigens: Für deutsche Haushalte ist die Belastung durch Miet- und Immobilienpreise nicht gestiegen. Das zeigt eine neue Auswertung von Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vorgenommen hat. Demnach ist zwar der durchschnittliche Anteil der Mietkosten seit 1996 gestiegen, aber auch die Einkommen sind heute höher: Während die Deutschen 1996 noch 20,6 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgaben, waren es im Jahr 2016 22,3 Prozent. Zu erklären ist dieser Wert damit, dass Wohnen auf dem Land und in Kleinstädten sogar etwas günstiger geworden ist. In den Großstädten dagegen geben die Menschen im Schnitt zwischen 40 und mehr als 60 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen aus.

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Madame Trippel-X #1

> Immerhin wird in Berlin zwar sehr viel gebaut, aber oft werden teure Luxusimmobilien geschaffen, die für die normale Bevölkerung kaum erschwinglich sind.

Das klingt so, als ob preiswertes Wohnen in einer der angesagtesten Städte des Planeten ein Menschenrecht wäre. Wohnraum ist ein knappes gut, auf dem Land ist Wohnen billig. Immer dieses Gejammer, es hat auch nicht jeder einen Porsche. Vermutlich befürworten 83% der Linkspartei-Wähler auch Autodiebstahl.


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mittsommer #1.28

Das Recht auf bezahlbaren Wohnraum, die Nähe zu öffentlichen und sozialen Einrichtungen, sowie zum kulturellen Leben ist für Sie also - bildlich gesprochen - der Diebstahl eines Porsches.


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RechtsNeoKonservativeLeitlinie #1.13

Das Neoliberale Vollhansel Wohnen als Luxus bezeichnen ist ehrlich, aber zeugt von fehlenden Kompetenzen im Gesellschaftlichen Bereich.


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Walter Plinge #1.29

Ich glaube Sie haben den Poster falsch verstanden. Dieser wollte ausdrücken, dass es verschiedene Gründe geben kann, warum man in Berlin wohnen möchte. Das war eine Replik auf den OP, der meinte das halt nicht jeder in "der angesagtesten Stadt der Welt" leben könne.


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Aus: "Wohnungsnot schafft Sympathien für Hausbesetzer" Tina Groll (4. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-06/illegale-hausbesetzungen-studie-immobilienpreise (https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-06/illegale-hausbesetzungen-studie-immobilienpreise)
Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 13, 2018, 02:13:42 PM
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[...] Leipzig - Sie nennen ihre Kommunen „Wildwuchs“ oder „Jetze Wagenplätze“. Die Namen sind Programm. Es dürften wohl schon mehrere hundert Leipziger sein, die sich gegen steingemauerte vier Wände und für ein Leben im Wagen und im Grünen entschieden haben. Doch diese Wohnform kollidiert zu oft nicht nur mit bestehenden Konventionen, sondern auch dem Recht. Der Stadtrat versucht sich jetzt an einer Lösung dieses Konfliktes, die aber nicht unumstritten ist – und mittlerweile auch die Rechtsaufsicht auf den Plan gerufen hat.

„Uns ist es wichtig, Rechtssicherheit auf beiden Seiten zu schaffen“, sagt CDU-Stadtrat Achim Haas. Ausgerechnet die CDU, die in der Vergangenheit gern mal gegen „Wagenburgen“ motzte, setzt sich nun dafür ein, dass die Kommune Mietverträge mit den bislang nur geduldeten Gemeinschaften abschließt und diese somit legalisiert. „Wir haben nichts gegen alternative Lebensformen“, betont Haas. Es müsse nur alles in geordnete Bahnen kommen. Am Mittwoch soll der Stadtrat über den Vorschlag beschließen.

„Bislang wissen wir doch gar nicht, wer dort im Einzelnen wohnt, ob es schulpflichtige Kinder gibt. Wir wollen auf diese Weise auch vermeiden, dass illegal Strom bezogen oder Müll verbrannt wird“, erläutert der CDU-Politiker. Die Bewohner von Wagenplätzen, die sich auf städtischen Grundstücken befinden, sollen demnach einen Verein gründen und einen Vertrag mit der Stadt abschließen. „Wir nehmen damit die Bewohner der Wagenplätze in die Pflicht“, sagt Haas. Darin enthalten seien Auflagen etwa zur Strom- und Wasserversorgung, zur Abwasser- und Abfallentsorgung, zum Brandschutz und zur Meldepflicht. Es würden konkrete Ansprechpartner benannt. Und für den Fall, dass Vereinbarungen verletzt oder die Nachbarschaft etwa durch Lärm terrorisiert werde, reklamiere die Stadt ein Sonderkündigungsrecht für sich. „Das wird Signalwirkung haben“, ist Haas überzeugt.

Allerdings in die falsche Richtung, befürchtet Nicole Wohlfahrt. Die SPD-Stadträtin hat mächtig Bauchschmerzen mit dem Plan. Für sie ist die Besetzung öffentlicher Flächen – und so haben im Grunde alle Wagenplatz-Kommunen mal angefangen – schlicht inakzeptabel. Nur einmal, im Jahr 2015, ließ die Stadt eine in Paunsdorf über Nacht entstandene Wagensiedlung räumen. Das Dilemma: Wagenplätze liegen in einer juristischen Grauzone. Selbst die Baubehörde räumt ein, dass sie für die Kommune sehr schwierig zu handhaben sind, da das Bauplanungs- und Bauordnungsrecht diese Wohnform nicht kennt.

„Es ist weniger als eine rechtliche Grauzone“, sagt hingegen Wohlfahrt. „Ich habe erhebliche Zweifel an einer Verpachtung von städtischen Grundstücken zu Wohnzwecken, wenn das aus baurechtlichen Gründen gar nicht zulässig ist. Und das ist bei den Wagenplätzen der Fall.“ Während beispielsweise jeder Häuslebauer – ob er will oder nicht – sein Grundstück ans öffentliche Abwassernetz anschließen muss, bestehe der Anschlusszwang für Wagen-Siedlungen nicht. Wohlfahrt sieht darin keine stringente Stadtpolitik. „Wir drohen einerseits den Senioren der Amalie in Paunsdorf die Räumung an, weil ihre Wohnanlage baurechtlich dort nicht zulässig ist“, sagt sie, „andererseits unternimmt die Stadt bei den Wagenplätzen, die ebenfalls unzulässig sind, nichts.“

Im vergangenen Jahr schloss die Stadt bereits einen Mietvertrag mit einer Wagenplatz-Kommune ab. Die Vereinbarung mit dem Verein „Wildwuchs“ über ein 2902 Quadratmeter großes Geländes an der Saarländer/Alte Salzstraße in Kleinzschocher soll nun Pilotcharakter haben. 61 Cent pro Quadratmeter zahlt die Wagenplatz-Kommune pro Jahr dafür an die Stadt.

Aufgrund mehrerer Beschwerden hat sich inzwischen die Landesdirektion den Fall genauer angeschaut und daraufhin bei der Stadt „die Einhaltung des öffentlichen Baurechts angemahnt“, wie ein Sprecher der Rechtsaufsicht erklärt. Die Behörde hat erhebliche Zweifel. „Insbesondere der Verstoß gegen den Baugenehmigungsvorbehalt und die wohl fehlende bauplanungsrechtliche Zulässigkeit“ erscheint ihr von Bedeutung. Denn die Stadt stößt mit diesem Präzedenzfall ein Tor für weitere Wagenplätze weit auf. Andere Grundstückseigentümer könnten danach „ebenfalls ohne Abklärung der baurechtlichen Belange“ private Grundstücke einfach an Wagenplatz-Gruppen vermieten. Selbst an Orten, wo es möglicherweise der Stadt gar nicht passt. Mit den Mietverträgen allein, so ist die Landesdirektion überzeugt, löst die Stadt das Problem nicht. Sie müsse vielmehr die erforderlichen baurechtlichen Verfahren durchführen. Die Stadtverwaltung habe der Landesdirektion inzwischen mitgeteilt, so der Sprecher, „dass sie die Rahmenbedingungen für eine rechtlich vertretbare Lösung derzeit gutachterlich prüfen lässt“.



Aus: "Stadtpolitik Wohnkultur oder Rechtsbruch? Leipzig will Wagenplätze mit umstrittenen Verträgen aus der Illegalität holen" Klaus Staeubert (08.03.2017)
Quelle: http://www.lvz.de/Leipzig/Stadtpolitik/Leipzig-will-Wagenplaetze-mit-umstrittenen-Vertraegen-aus-der-Illegalitaet-holen (http://www.lvz.de/Leipzig/Stadtpolitik/Leipzig-will-Wagenplaetze-mit-umstrittenen-Vertraegen-aus-der-Illegalitaet-holen)


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Trotz des Runs auf Baugrundstücke bleibt die Zahl der Wagenplätze konstant. Da die Gefahr einer Räumung immer besteht, will die Linke neue Plätze schaffen. ... Angesichts der explodierenden Mieten sind Wagenplätze die wohl letzte konsequente Art sich dem Wahnsinn des Wohnungsmarktes zu entziehen. In alten Bauwägen und ausgebauten Bullis lebt es sich dabei mitunter durchaus heimeliger als in so mancher Mietkaserne; und gemeinschaftlicher als in großen Häuserblocks sowieso.

Vor allem eine Szene aus Anarchisten, Linken und Hippies hat diese Lebensform für sich kultiviert. Dies – und die nicht kommerzielle Nutzung von wertvollem Grund und Boden, oftmals auf Grundstücken, die gar nicht zum Wohnen vorgesehen sind – erklären auch, wieso viele Plätze mit der dauerhaften Gefahr leben, geräumt zu werden.

Wie aus einer kleinen, bisher unveröffentlichen Anfrage der Linken-Abgeordneten Katalin Gennburg, stadtentwicklungspolitische Expertin ihrer Fraktion, hervorgeht, sind dem Senat derzeit 17 Wagenburgsiedlungen bekannt: Sechs davon in Friedrichshain-Kreuzberg, also in bester City-Lage. Drei Plätze befinden sich in Pankow, je zwei in Neukölln, Mitte, Lichtenberg und Treptow-Köpenick. Zu den bekanntesten gehören die Plätze am Mariannenplatz (Kreuzdorf) und neben dem linksalternativen Hausprojekt Köpi.

Trotz des Runs auf Grundstücke durch Investoren und inzwischen auch der Stadt hat sich die Anzahl in der jüngeren Vergangenheit nicht weiter verringert. In Pankow organisiert der Bezirk derzeit sogar die Erweiterung eines bestehenden Wagendorfes in der Pankgrafenstraße – das Grundstück hatte der Liegenschaftsfonds dem Bezirk überlassen.

In Lichtenberg erhielten die Wagendörfler vom KosmoLaut e.V. im Januar einen Ersatzplatz nachdem sie ihre angestammte Fläche wegen Baumaßnahmen räumen mussten. Einige Monate zuvor hatte die Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, alternative Wohnformen, darunter auch Wagenburgen, zu fördern.

Auch die rot-rot-grüne Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag auf Initiative der Linken einen Passus aufgenommen, in dem es heißt: „Die Koalition sucht nach Lösungen, um für Menschen auf sogenannten Wagenplätzen Sicherheit für ihre Lebensform zu schaffen und den derzeitigen Zustand der Duldung zu beseitigen.“

Die Antwort auf die Anfrage, die der taz exklusiv vorliegt, klingt dagegen deutlich nüchterner: „Der Senat weiß um die Existenz der Wagenplätze. Die Entscheidung über eine Duldung liegt jedoch bei dem jeweiligen zuständigen Bezirk.“ Maßnahmen zum Schutz und Erhalt der Plätze und Wagenplatzkultur trifft der Senat demnach „keine“.

Für Gennburg sind das enttäuschende Antworten. Nichts zu tun, sei „genau der falsche Weg“, so die Abgeordnete. Sie fordert: „Wir müssen an dem Ziel festhalten, mehr Plätze zu schaffen und dafür sorgen, dass bestehende Plätze eine Perspektive haben.“

Die Idee eines Wagenplatzgesetzes wird nach Kritik aus der Szene derweil nicht weiter verfolgt. Dies würde Auflagen etwa zur Wasserversorgung und dem Brandschutz mit sich bringen, die für die Wagenbewohner letztlich mehr Probleme bereiten. Wagenplätze sind stets, so sagt es auch Gennburg, in einer rechtlichen Grauzone. Härter formuliert es der Senat: „Es gibt keine und „kann keine Duldungskriterien geben.“

Dennoch existieren viele Plätze bereits seit Jahrzehnten. Dabei kann die potentielle Bedrohung schnell konkret werden, wie zuletzt beim Platz in der Kreuzberger Ratiborstraße. Auf dem Areal, das auch den Biergarten Jockel und Handwerksbetriebe beheimatet, soll eine Modulare Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) entstehen.

Obwohl die Nutzer gemeinsam an einer Lösung arbeiten, die die bestehende Nutzung mit den Flüchtlingen vereint, soll es in Senatskreisen den Wunsch geben, dass die Wagenburg weichen muss. „Wir sind untereinander solidarisch und lassen uns nicht auseinanderreißen oder ausspielen“, sagt Moritz Metz, der Sprecher der Initiative.

Der „Schwarze Kanal“ in der Treptower Kiefholzstraße hatte im vergangenen Jahr schon einen Teil seiner Fläche für eine MUF abgegeben. Die Bewohner teilen sich das Grundstück nun mit den Geflüchteten. Platz für neue Bewohner bleibt da nicht mehr.

Derweil gäbe es auch in der wachsenden Stadt noch Potentiale für den steigenden Platzbedarf der Wagenplatz-Szene. Wo jetzt neue Stadtquartiere entwickelt werden sollen, wie etwa im Blankenburger Süden, werden mitunter noch 20 Jahre vergehen, bis tatsächlich gebaut wird. Für Gennburg eine gute Möglichkeit, Wagenburglern einen temporären Raum zu geben. Auch in der Europacity am Hauptbahnhof gäbe es noch unbebaute landeseigene Flächen. „Ein Wagenplatz da wäre ein angemessener Gegenpart zu den Prunkhochhäusern“, so Gennburg.


Aus: ""Bauwagen trotzen der Gentrifizierung" Erik Peter (Berlin, 13. 4. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/!5495621/ (https://www.taz.de/!5495621/)

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[...] DARMSTADT - Wunderschön fällt die Herbstsonne durch bunt gefärbtes Laub ins Bauwagenfenster von Martina Heim und André Schober. Im Garten stehen Fahrräder, Schubkarren und ein ausrangiertes Schaukelpferd der Kinder. Eine Idylle wie aus dem Bilderbuch.

Man hört das Gackern von Hühnern - und eine Motorsäge. Plötzlich verstummt das Geräusch, es ist ganz still auf dem 1200 Quadratmeter großen Gelände zwischen Lichtenbergschule, Kleingärten und Tennisclub. Zwischen zwei Bäumen lugt eine junge Frau hervor: Jilly Latumena. Sie gehört seit drei Jahren zu den Bewohnern von "Diogenes" - mit fast 28 Jahren einer der ältesten der fünf Bauwagensiedlungen in Darmstadt.

Rund 80 Menschen leben derzeit auf Wagenplätzen, die inzwischen längst kein Provisorium mehr sind. In Darmstadt haben sich die Rebellen von einst zu Vertretern einer etablierten Wohnform entwickelt, die mit der Stadt Darmstadt einen zuverlässigen Vertragspartner gefunden hat. "Wir unterstützen diese alternative Wohnform", sagt Oberbürgermeister Jochen Partsch. Die Siedler zahlten nicht nur pünktlich ihre Pacht sowie Gebühren für Strom, Wasser und Abfall. "Vor allem zeigen sie, dass alternatives Wohnen in unserer Stadt möglich ist." Dies werde er auch weiterhin unterstützen.

Eine Aussage, die Balsam ist auf der Seele der Bauwagensiedler wie Jilly Latumena, die Ruhe und Naturnähe gesucht und bei "Diogenes" gefunden hat. Beruflich ist die Sprecherin der Bauwagensiedler bei der Handwerkskammer in Mainz eingespannt, in ihrer Freizeit engagiert sie sich für weitere alternative Wohnprojekte. Mit "Diogenes"-, "Klabauta"- und "Baba-Jaga"-Bewohnern hat sie den Verein Wohnwerk gegründet. Dessen Ziel ist ein neuer, vierter Wagenplatz auf städtischem Gelände, auf dem nicht nur alternativ gelebt, sondern auch ein gesellschaftlicher Beitrag erfüllt werden soll. Dazu zählen öffentliche Angebote wie eine Reparaturwerkstatt, kulturelle Veranstaltungen oder die Zusammenarbeit mit Foodsharing Darmstadt. Das Einzige, was der Initiative noch fehlt, ist ein Gelände. Davon weiß auch der OB, der mit dem Verein in Kontakt steht. "Wir sondieren derzeit unterschiedliche Grundstücke", sagt er. Zwei seien ausgeschieden, zwei Flächen in der Prüfung.

Die Nachfrage nach Wagenplätzen ist auf jeden Fall da. Erstens sei man nicht von Vermietern abhängig, "auch bietet das gemeinschaftliche Leben Rückhalt", sagt Latumena. Ihr Zuhause ist ein mit 20 Quadratmeter recht geräumiges Domizil mit Schreibtisch, Kommode, Ausziehbett, Podest, Bücherregal, Kachelofen, Bildern an der Wand und Tüchern an der Decke.

In der Außenküche steht das Geschirr vom Vorabend - ungespült. "Der Abwasch muss sich lohnen", sagt die 33-Jährige. Mit Strom und Wasser wird sparsam gehaushaltet. Da die Bauwagenbewohner so autark wie möglich leben wollen, erzeugen sie den Strom größtenteils über Solarzellen und Windräder. Regenwasser wird gesammelt, Trinkwasser im Sommer von einer Kleingartenanlage und im Winter mit Kanistern von der Lichtenbergschule geholt. Da überlegt man zweimal, ob man spült oder nicht. Einig sind sich die Bauwagensiedler auch bei der Umsetzung ihrer Werte: bezahlbares und gemeinschaftliches Wohnen, kreative Selbstbestimmung und umweltbewusstes Leben.

Dafür muss man nicht das Nichtstun pflegen. Auch die Diogenes-Bewohner sind berufstätig, finanzieren ihren Lebensunterhalt, unterstützen mit einem "Krötenkonto" Bewohner von Bauwagensiedlungen, die ihre Plätze räumen müssen, und stecken Geld in Projekte wie etwa die Puppentheatertage, die Diogenes-Bewohnerin Susanne Kanzler einmal im Jahr organisiert. Dann pilgern die Darmstädter aufs Gelände an den Kleingärten, es gibt Getränke und Gespräche auf Hollywoodschaukeln oder in der Sommerküche, die auch an diesem Morgen tipptopp aufgeräumt ist.

Rosen auf dem Tisch, Gläser im Schrank, Gewürze in Weinkisten-Regalen: Auf Strukturiertheit wird großen Wert gelegt. Das Zusammenleben ist organisiert, Dienste wie Abwasserbehälter kontrollieren oder Hygienewagen reinigen werden akribisch in einem Kalender festgehalten. Gemeinsam werden Reparatur- und Gartenarbeiten erledigt, Regenrinnen gesäubert, Holz gehackt. Diskutiert wird auch, am Lagerfeuer oder beim Pizzabacken. Doch bei aller Idylle ist klar: "Gemeinschaft ist herausfordernd," sagt Latumena. Das Plenum verlaufe nicht immer harmonisch, oft werde kontrovers diskutiert - etwa darüber, was Luxus und was ökologisch, privat oder gemeinschaftlich sei, ob zum Solarstrom noch städtischer Strom benötigt wird oder nicht.

Auch bei Diogenes gibt es Bewerber um einen Wagenplatz. 30 bis 40, schätzt Latumena, werden pro Jahr in den Siedlungen abgelehnt. Denn die meisten, die einmal angekommen sind, bleiben



Aus: "Hippie war gestern: Rund 80 Menschen leben auf Wagenplätzen in Darmstadt" (04.11.2017)
Quelle: http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/hippie-war-gestern-rund-80-menschen-leben-auf-wagenplaetzen-in-darmstadt_18296572.htm (http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/hippie-war-gestern-rund-80-menschen-leben-auf-wagenplaetzen-in-darmstadt_18296572.htm)
Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 14, 2018, 05:01:35 PM
"„Niemand ist so an Legalisierung interessiert wie wir“: Wagenplatz-Bewohner wollen Perspektive" (16. Januar 2018)
Für legale Wagenplätze sprachen sich jetzt Bewohner des Wagenplatzes in der Straße am Steinbach in JEna aus. ... Bundesweit gebe es Beispiele von kommunal legalisierten Wagenplätzen – so etwa in Kiel, Lüneburg, Rostock oder Hannover. Die Stadt prüft bis Ende Januar alternative Standorte, am Donnerstag ist der Wagenplatz Thema im Stadtrat. Auf der Homepage der Radaue ist ein Countdown zu finden: Bis zum Duldungsende vergehen noch sechs Wochen. ...
https://jena.otz.de/web/jena/startseite/detail/-/specific/Niemand-ist-so-an-Legalisierung-interessiert-wie-wir-Wagenplatz-Bewohner-wollen-912202515

Aufgrund von vielen Missverständnissen und Vorurteilen die wagenbewohnenden Menschen immer wieder entgegenschlagen, wollen wir uns hier mal bisschen Vorstellen: Wir, das Wagenplatzprojekt „Rad*Aue“ sind eine Gruppe von aktuell 11 Personen die gemeinsam auf einem alten Schotterplatz im Jenaer Norden in beweglichen Behausungen (Ausgebauten LKWs, Bau- bzw. Campingwägen) leben. Wir sind ein Teil der Stadt.
Entgegen der oft anzutreffenden Vorstellung sind wir weder alle Anfang 20, noch sind wir alle Student_innen und zum Geldverdienen gehen wir tatsächlich auch arbeiten. Unser Alltag ist dabei so verschieden wie bspw. der von Menschen die gemeinsam einen großen Mietwohnungsblock wohnen. Wir alle haben aber irgendwann in unserem Leben beschlossen, in einen Wagen zu ziehen, was uns letztlich auch zusammengebracht hat.
https://radaue.de/

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"Alibi-Zwischennutzung gegen Besetzung" (26.03.2015)
Der Verein Shift Mode diente dem Kanton als Begründung für die Räumung des Wagenplatzes. Dieser unterstützte den Verein auch noch mit kräftigen Finanzspritzen. ... Gross angekündigt hatte der gemeinnützige Verein Shift Mode sein Projekt «Holzpark Klybeck», bei dem vier grosse Holzhallen zur kulturellen Nutzung entstehen sollten. «Wir wollen unseren Teil zur Entwicklung des Quartiers beitragen», liess Shift Mode-
Sprecherin Katja Reichenstein im April vergangenen Jahres vielversprechend verlauten. Fast genauso feierlich verkündete der Regierungsrat den Entscheid über die Zukunft des ehemaligen Migrol-Areals an der Uferstrasse und kürte den Verein Shift Mode, der auch für die Zwischennutzung der Lady Bar an der Klybeckstrasse zuständig ist, zum Sieger des Auswahlverfahrens. Doch getan hat sich kaum etwas. ... Pikant: Gegen eine radikale Vorgehensweise war damals auch Katja Reichenstein von Shift Mode: «Wir haben klar kommuniziert, dass wir kein Problem gehabt hätten, wenn der Wagenplatz seine vorherigen 6000 Quadratmeter behalten hätte. Unser Projekt hätte trotzdem durchgeführt werden können.» (Basler Zeitung)
https://bazonline.ch/basel/stadt/Alibi-Zwischennutzung-gegen-Besetzung/story/14601177

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"Aufregung um Wagengruppe bei Seestadt Aspern" (27.03.2017)
Die Nachbarn sehen sie nicht gern: Die Bewohner des „Wagenplatz Gänseblümchen“ am Rand der Seestadt Aspern. Sie würden Müll verbrennen und keine Abgaben für Wasser und Kanal bezahlen, sind die Anschuldigungen. ...
http://wien.orf.at/news/stories/2833282/

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"Wagenplatz muss weg   - Stattpark Olga: "Wir sind älter, reifer und spießiger"" Jasmin Menrad (11.06.2018)
München - Wo geht ihr auf die Toilette? Habt ihr WLAN? Könnt ihr duschen? Friert ihr im Winter? Diese Fragen stellen Menschen, die zum ersten Mal zum Wagenplatz Stattpark Olga in Obersendling kommen. Jeden Donnerstag lernen im Schnitt 30 Menschen die Olgas kennen. Nochmal so viele kommen regelmäßig zum Platzcafé am Donnerstag: Biertragerlsteigen, Konzerte, Vorträge, Fahrradwerkstatt, Tischtennisturnier, Lesungen – um hier einen schönen Abend zu verbringen, braucht man nicht viel Geld. "Sobald die Menschen näher an uns herankommen, interessieren sie andere Dinge als die Frage, wo wir auf die Toilette gehen", sagt Peter, der seit 20 Jahren im Wagen lebt und von Anfang an bei der Olga dabei ist – also seit April 2011. Doch jetzt ist die Zukunft des Wagenplatzes in Gefahr.
Bei dem Projekt geht es – das betonen sie alle: Peter, Frank, Merlin und Julie – nicht um günstiges Wohnen, sondern darum, die Möglichkeit einer anderen Gesellschaft aufzuzeigen. Ob sie die AZ zum Gespräch empfangen, haben die Olgas im dienstäglichen Plenum entschieden, so wie jede Entscheidung, die das Projekt betrifft.
"Gemeinschaft ist uns wichtig. Wir probieren aus, was miteinander geht und treffen Entscheidungen im Konsens", sagt Peter. Das tragen die Olgas auch nach außen. Jeden Donnerstag beim Café und jeden Tag in die Nachbarschaft. "Andauernd kommt einer mit einem Platten vorbei und dann gehen wir hin und flicken zusammen das Radl", sagt Merlin. Beim nächsten Mal kann der Nachbar sein Radl womöglich schon selbst reparieren. Ihr Ideal von einer antikapitalistischen Gesellschaft versuchen sie jeden Tag neu zu verhandeln und zu leben. Einige Nachbarn waren erst skeptisch, glaubten, dass da Sandler ohne Arbeit kommen, die günstig ihren Trailerpark auf einer städtischen Fläche aufstellen.

Bis die Olgas ihre selbst ausgebauten Lastwagen und Bauwagen angeschleppt haben. Bis sie Gärten angelegt haben voll Gemüse und Obst. Bis ihr Veranstaltungsraum gebaut war, in den sie regelmäßig einladen. Bis die Hühner in dem umzäunten Gelände pickten und die Kinder aus der Nachbarschaft die Olga als großen Abenteuerspielplatz entdeckten.
Bis der Umsonstladen stand. Das ist jener Teil der Olga, der immer zugänglich ist und ein Treffpunkt fürs Viertel und darüber hinaus. Ein großer Schrank vor dem Gelände, in dem Kleidung, Bücher, Gläser, Toaster und Kaffeemaschine zum Mitnehmen stehen. Alles gut erhalten und ständig wieder aufgefüllt und mitgenommen von den Menschen aus dem Viertel.
In der Aschauer Straße hatten die Olgas mit 15 Leuten begonnen, waren dann zwei Jahre in der Tumblinger Straße und sind seit zwei Jahren mit 20 Erwachsenen und sechs Kindern von null bis 17 Jahren beim Ratzinger Platz. Das Projekt ist generationenübergreifend, und wenn die Familie sich vergrößert, wird einfach ein Wagen dazugestellt.
Ein weiteres Olga-Kind ist gerade unterwegs. Nur, wo es aufwachsen wird, das wissen die Olgas nicht. Denn Ende August endet ihr Mietvertrag – und sie haben noch keinen neuen Standort in der Stadt.
Zwei Flächen in Freiham hat das zuständige Kommunalreferat dem Wohn- und Kulturprojekt angeboten. "Es wird insgesamt immer schwerer, so gerne wir das unterstützen", sagt Bernd Plank vom Kommunalreferat. Die Gruppe aber sieht ihr Projekt gefährdet, wenn die Wagen nicht in zentraler Lage stehen können. "Am Stadtrand würden nur die immerselben Menschen kommen", sagt Merlin. All die Menschen aus der Aschauer-, der Tumblinger- und der Boschetsriederstraße würden nicht rausfahren, Neugierige aus der Innenstadt würden nicht eben mal vorbeikommen.
Sie haben viele Unterstützer bei der Stadt, auch Grüne und SPD machen sich für sie stark. "Der einzige Weg ist, konstruktive Gespräche zu führen und zu überzeugen", sagt Julie.
Gespräche führen können sie. Wer länger mit den Olgas zusammensitzt, der bemerkt, dass sie einander immer aussprechen lassen, aufeinander eingehen, oft die Punkte wiederholen, in denen sie sich einig sind und respektvoll die Uneinigkeiten diskutieren. Frank fasst das Experimentierfeld Olga so zusammen: "Die Frage, die wir ständig aufs Neue verhandeln, ist, wie wir basisdemokratisch zusammenleben können, obwohl wir völlig unterschiedliche Menschen sind."
Wer die Olgas näher kennenlernt und inzwischen erfahren hat, dass sie mehrere Toiletten haben, Internet, eine Gemeinschaftsdusche und im Winter wegen der Holzöfen in den Wagen schwitzen, den interessiert mehr, wie sich so ein Projekt verändert und wie es funktionieren kann. Merlin vergleicht den Prozess mit einer Beziehung: "In der anfänglichen Euphorie glaubt man, dass man am selben Strang zieht und wenn man dann merkt, dass das gar nicht so ist, dann probiert man, dass man es hinkriegt, an einem Strang zu ziehen."
Mittlerweile sind sie schon lange in einer Beziehung, wünschen sich, sesshaft zu werden, eine längere Zwischennutzung als zwei Jahre zu finden. "Wir sind nicht mehr das mobile Projekt vom Anfang", sagt Merlin. "Wir sind mehr Leute, mehr Familien. Wir sind älter, reifer – und spießiger."
https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.wagenplatz-muss-weg-stattpark-olga-wir-sind-aelter-reifer-und-spiessiger.38fc1d1e-e3a6-43e0-b30e-a7c596e446e1.html

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"Alternatives Wohnen So steht es um den Wagenplatz in Jena-Löbstedt" Olaf Nenninger (17. Februar 2018)
Bezahlbarer Wohnraum ist in Thüringen wohl nirgendwo so knapp wie in Jena. In Löbstedt im Norden der Stadt direkt an der Saale bewohnt ein gutes Dutzend Leute deswegen Bauwagen. Doch die Duldung durch die Stadt läuft ab. ... Bis Ende Februar kann niemand einen neuen Standort für die Wagenplatzbewohner aus dem Hut zaubern. Alles deutet darauf hin, dass die Stadt die Duldung so lange verlängern muss, bis ein neuer Standort gefunden ist. Mehr als 40 Grundstücke wurden bereits gemeinsam mit den Ämtern diskutiert und im Anschluss wieder verworfen. Wahrscheinlich müsste Jenas Flächennutzungsplan geändert werden. Die Mühlen der Bürokratie mahlen bekanntlich langsam. Das könnte sich als Glücksfall für Melgo und Wagenbürger am Steinbach 16 erweisen. ...
https://www.mdr.de/thueringen/ost-thueringen/jena/wagenplatz-jena-loebstedt-100.html

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"„Gleis X“-Leute bangen um den Wagenplatz" Simone Schwalm (26.04.2018)
Saunawagen, Gemüsebeete und die Theke „Zur faulen Ente“: Nahe des 
 Jägertunnels befindet sich der Wagenplatz des Vereins „Gleis X“, um dessen Fortbestehen die Mitglieder nach der Kündigung durch die Stadt Marburg bangen. ... Die „Gleis X“-Leute wollen jedoch nicht weg und können die Kündigung nicht nachvollziehen. Daher möchten sie „Gespräche mit den Bürgermeistern führen“ und ihr Konzept vorstellen. Denn sie sind der Ansicht, dass es auch im Interesse der Stadt sein könnte, dass sie als „Bereicherung der kulturpolitischen Szene Marburgs“ bestehen bleiben. ... „Wir würden gern legal hier wohnen dürfen“, sagt Miri.
Denn das sei der Ursprungsgedanke gewesen, als die Mitglieder 2012 nach einem Grundstück suchten: Die Vision eines Wagenplatzes als Wohnort und sozialem Raum in der Stadt Marburg. ...
http://www.op-marburg.de/Marburg/Nach-Kuendigung-durch-die-Stadt-Gleis-X-Leute-wollen-nicht-weg

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Title: Urbanistik & Stadtforschung & Widerstand...
Post by: Link on June 26, 2018, 09:32:50 AM
Der Kiezladen Friedel54 ist ein selbstverwaltetes, soziales Zentrum im Norden Neuköllns. Kiezladen bedeutet Raum zum Kennenlernen, Ausspannen, Weiterbilden und Experimentieren. Konkret bedeutet das regelmäßig abends Essen und Getränke für Spende, kostenlose Mietrechtsberatung, Vorträge und Workshops, Filme und Dokus, Tresen- und Cocktailabende, Brunch und Cafés, sowie Kicker, Umsonstladen und Siebdruckwerkstatt. Alles mit freiem Eintritt und alles in einer Atmosphäre, die möglichst niemanden ausgrenzt und in einem umkommerziellen und selbstverwalteten Rahmen.
Der Kiezladen wird nicht von einem kleinen Personenkreis betrieben, sondern von einem Kollektiv aus Einzelpersonen und – aktuell – über 15 Initiativen, Gruppen und Projekten aus einem breiten politischen, sozialen und kulturellen Spektrum. Gemeinsam organisieren wir den Alltag, füllen den Raum mit Veranstaltungen und Angeboten und immer wieder wird das so entstandene Netzwerk auch für Projekte außerhalb des Ladens genutzt. Wir entscheiden alles zusammen und gleichberechtigt, es gibt keine Chefs, oder Menschen mit besonderen Privilegien. Dabei sind wir kein geschlossener, oder fester Kreis. Jede*r kann sich hier einbringen und wir freuen uns immer über neue Gesichter, Projekte und Ideen.
Jede*r ist hier willkommen. Wir schauen nicht auf Aussehen, Einkommen, sexuelle Orientierung, rechtlichen Status oder sonstige Schubläden. Wir wollen einen Raum, in dem sich möglichst jede*r wohlfühlen und ausleben kann und alle rücksichtsvoll miteinander umgehen. Damit niemand, der akut oder immer knapp bei Kasse ist, ausgeschlossen wird, nehmen wir grundsätzlich keinen Eintritt für Veranstaltungen und bieten Speisen und Getränke auf Spendenbasis an. Das bedeutet das wir Vorschläge haben, wie viel jede*r zahlen kann, es aber niemand muss, wenn es gerade nicht drin ist. Unsere Kicker kosten kein Geld und wir haben einen kleinen Umsonstladen, wo Menschen Dinge ohne Gegenleistung mitnehmen können, die andere nicht mehr brauchen.
Der Kiezladen ist auch keine Blase, oder reiner Selbstzweck. Wie alle aktiven Gruppen und Initiativen in ihren eigenen Projekten, so mischen wir uns auch als Kiezladen immer wieder in gesellschaftliche Prozesse, oder Ereignisse ein. Insbesondere durch unsere Lage im “angesagten” Reuterkiez – und ganz aktuell, unsere eigene Kündigung – , streiten wir auf vielen Ebenen für selbstbestimmtes Wohnen und Leben und eine solidarische Stadt von unten. Wir sind solidarisch mit den vielen kleinen und großen Kämpfen, die um uns herum stattfinden und unterstützen diese, soweit wir können. (Stand 06/2018)
https://friedel54.noblogs.org/

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"Klapperfeld in Frankfurt „Tägliche Provokation für den Rechtsstaat“" Danijel Majic (04.07.2018)
Retourkutsche per Plakat: Aktivisten antworten mit Sarkasmus auf die anhaltende Diskussion um das Klapperfeld in Frankfurt. ... Die Aktion war kurz und ihre Außenwirkung beschränkt. Kaum hatten Sympathisanten der Initiative „Faites votre jeu“ – die das ehemalige Polizeigewahrsam Klapperfeld nahe der Konstablerwache als selbstverwaltetes Zentrum nutzt – Ende voriger Woche die an der Außenwand des Gebäudes angebrachten Plakatwände mit eigenen Botschaften versehen, waren diese auch schon wieder überklebt. Die Aktivisten aber hielten die Aktion in einem Video fest, das nun im Internet abrufbar ist. Und damit verbreiten sich auch ihre Botschaften.
Die im Video in weiße Arbeitsanzüge gekleideten Aktivisten nämlich haben beschlossen, auf die anhaltende Diskussion um das autonome Zentrum in der Innenstadt, das CDU und FDP am liebsten räumen lassen würden, mit Sarkasmus zu antworten. „Das Graffito an der Klapperfeld-Fassade ist eine tägliche Provokation für den Rechtsstaat“, steht nach getaner Arbeit unter anderem auf einer der Plakatwände zu lesen. Weiter unten wird Frank Richter, Vizepräsident des Frankfurter Amtsgerichts, für dieses „wunderschöne Kompliment“ gedankt. Und das „Graffito“, über das sich Richter und bürgerliche Lokalpolitiker erbost hatten, ist ebenfalls abgebildet, vor allem der umstrittene Schriftzug: „Niemand muss Bulle sein.“
„Wir haben uns sehr über diese solidarische Aktion gefreut“, erklärt Matthias Schneider von „Faites votre jeu“. Auch wenn man nicht genau wisse, wer die Initiatoren gewesen seien. Nach dem Auftauchen des Graffitos an der Außenwand des Klapperfelds waren in den vergangenen Tagen erneut Rufe nach einer Schließung des linken Zentrums lautgeworden.
Unter anderem forderten Vertreter der CDU, das Gelände für die Erweiterung der Justizbehörden zu nutzen. Davon ist im neuesten Vorschlag der Frankfurter SPD indes keine Rede. Die Stadtverordnete Birgit Puttendörfer sprach sich für den Erhalt der von „Faites votre jeu“ eingerichteten Erinnerungsstätte im Klapperfeld aus. Allerdings schlägt sie vor, bislang nicht genutzte Teile des Gebäudes als Atelierflächen an Künstler zu vermieten. Die Mieteinnahmen könnten dem Erhalt des Gebäudes zugutekommen.
http://www.fr.de/frankfurt/klapperfeld-in-frankfurt-taegliche-provokation-fuer-den-rechtsstaat-a-1537297

Video: "Neugestaltung der Plakatwände am ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld"
https://vimeo.com/277868117

Im August 2008 besetzten Angehörige der Initiative »Faites votre jeu!« das ehemalige Jugendzentrum in der Varrentrappstraße 38. Ein selbstverwaltetes, unkommerzielles Zentrum entstand. Nach einigen Monaten der Besetzung, Anfang des Jahres 2009, drohte die Stadt Frankfurt der Initiative mit der Räumung des Gebäudes. Die Initiative war jedoch trotz dieser Räumungsandrohung nicht bereit, das von ihr besetzte Haus zu verlassen und damit ihr Projekt aufzugeben. Gegen die Mitwirkenden der Initiative wurden Strafanzeigen gestellt. Nach langen Verhandlungen wurde ein Ersatzobjekt angeboten: das ehemalige Polizeigefängnis Klapperfeld. ...
http://www.klapperfeld.de/

Die Initiative »Faites votre jeu!« ist ein Zusammenschluss vorwiegend junger Menschen, die jenseits etablierter Strukturen ein gemeinsames Interesse an kultureller, künstlerischer und politischer Arbeit verbindet. Die Initiative ist als Reaktion auf die voranschreitende, repressive Umstrukturierung des städtischen Raumes entstanden und soll Brüche in der gesellschaftlichen Totalität aufzeigen und so einen möglichen Gegenentwurf zu den vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen darstellen. Die Initiative ist ein offener Zusammenschluss von Einzelpersonen und Gruppen und steht allen interessierten Menschen offen. Konsens ist, dass Antisemitismus, Homophobie, Rassismus und Sexismus und andere reaktionäre und menschenverachtende Denkmuster und Verhaltensweisen nichts in den gemeinsamen Zusammenhängen verloren haben und im Widerspruch zum erklärten Ziel der Entwicklung selbstbestimmter, emanzipativer Politik und Kultur stehen.
... Ein selbstverwaltetes, unkommerzielles Zentrum ist entstanden. Es ist zu einem Treffpunkt für Menschen geworden, die hier gemeinsam an Kunst- und Kulturprojekten arbeiten und bietet Raum für politische Diskussionen, Lesungen und Veranstaltungen....
http://faitesvotrejeu.blogsport.de/

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"Nach Räumung in der Bornsdorfer Straße - "Stadt und Land"-Chef beharrt auf Anzeige gegen Hausbesetzer" (22.05.18)
Mehrere Stunden lang hatten Aktivisten am Sonntag ein teils leerstehendes Haus in Neukölln besetzt, dann wurde das Eigentum der "Stadt und Land" geräumt. Deren Chef will die Besetzer zur Verantwortung ziehen, entgegen dem Wunsch der Bausenatorin. ... Die Hausbesetzung in der Bornsdorfer Straße in Neukölln am Sonntag hat Konsequenzen: Gegen 56 Männer und Frauen wird nun wegen Hausfriedensbruch ermittelt - davon rückt Ingo Malter, der Chef der Eigentümerin "Stadt und Land", auch nicht ab, entgegen des Wunschs der Bausenatorin Karin Lompscher (Linke). Er hatte die Strafanzeige am Sonntag gestellt, nach sechs Stunden langen und letztlich gescheiterten Verhandlungen mit den Besetzern.
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft hatte das Haus vor drei Jahren von einem Investor gekauft - die Hälfte der Wohnungen ist unbewohnbar und steht leer, das Haus soll saniert werden. "Ich hätte mich darauf eingelassen, dass wir über ein Wohnprojekt sprechen und uns ernsthaft bemühen, dieses Projekt in den Beständen der 'Stadt & Land' stattfinden zu lassen. Hier im Gebäude aber erst nach der Sanierung - unter der Maßgabe, dass man sofort und vollständig das Gebäude verlässt", sagte Malter am Dienstag dem rbb. Er habe einen Polizeieinsatz vermeiden wollen, dies sei aber nicht möglich gewesen. Mit dem Strafantrag sei er nur seiner rechtlichen Verpflichtung nachgekommen. ...
Lompscher hatte Malter gebeten, die Anzeige gegen diejenigen zurückzuziehen, die das Gebäude friedlich verlassen hätten und gleichzeitig Verständnis für die Besetzer geäußert. Der Protest gegen überteuerten Wohnraum zeige, dass es in großen Städten für Menschen mit niedrigen Einkommen schwerer werde, eine Wohnung zu finden. "Vor diesem Hintergrund ist die Motivlage der Besetzerinnen und Besetzer, ein deutliches politisches Zeichen zu setzen, nachvollziehbar", sagte Lompscher am Montag. Trotzdem könne die Besetzung strafrechtliche Konsequenzen haben. Das ist nun der Fall.
Auch in der Koalition hat die Aktion ein Nachspiel - denn die Partner bewerten sie offensichtlich sehr unterschiedlich. Der innenpolitische Sprecher der Berliner SPD, Frank Zimmermann, kritisierte die Äußerungen der Bausenatorin am Dienstag. "Ich halte es für äußerst bedenklich, wenn wir anfangen, politisch zu entscheiden, ob ein Hausfriedensbruch verfolgt wird oder nicht. Das ist Sache der Justiz, der Antragsteller. Von vornherein auf den Strafverfolgungsanspruch zu verzichten, halte ich für abenteuerlich", sagte Zimmermann dem rbb.
Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) stellte sich am Dienstag klar gegen Grüne und Linke, die Verständnis für die Besetzer haben. "Hausbesetzungen sind kein probates Instrument, sie verletzen Recht und Gesetz. Und das können wir nicht zulassen", ließ sich Müller zitieren. ...
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/05/berlin-hausbesetzung-neukoelln-kreuzberg-kritik.html