Author Topic: Radikale Linke? (Fraktale Notizen) ...  (Read 209 times)

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Radikale Linke? (Fraktale Notizen) ...
« on: January 09, 2020, 09:08:02 AM »
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[...] Linksradikalismus, linker Radikalismus oder radikale Linke bezeichnet verschiedene Strömungen der politischen Linken. Der Ausdruck verbindet die inhaltliche Richtungsangabe „links“, die aus der Französischen Revolution von 1789 stammt, mit dem formalen Merkmal der „Radikalität“ (etymologisch von lat. radix für „Wurzel“). Gemeint ist eine Politik, die die Ursachen von Unfreiheit, Ungleichheit, Unterdrückung und Ausbeutung durch eine grundlegende, revolutionäre Veränderung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung beseitigen will. Welche Politik das leisten kann, war in der Linken seit dem 19. Jahrhundert jedoch immer umstritten.

In der frühen Sozialdemokratie und im Leninismus wurden andere Linke öfter als „Linksradikale“ kritisiert. Seit den 1960er Jahren wird „Linksradikalismus“ im deutschen Sprachraum als unbestimmte Selbst- und (oft abwertende) Fremdbezeichnung für eine Vielzahl verschiedener linker Politikansätze verwendet. Es gibt keine einheitliche Definition des Ausdrucks.

Im engeren Sinn versteht man seit der 68er-Bewegung darunter die undogmatische Neue Linke, die sich auch selbst so bezeichnet.

... Während sich die in England entstandene „Neue Linke“ seit 1956 noch stark in der Arbeiterbewegung bzw. mit Bezug auf die Kommunistischen Parteien orientierte, aber die Politik der Sowjetunion ablehnte, entstand mit der Studentenbewegung seit Mitte der 1960er Jahre in Europa und den USA eine neue Generation des Linksradikalismus.

Während der 68er-Bewegung erstarkten linksradikale antiautoritäre Bewegungen, ebenso kam es zu einer Welle von Neugründungen traditioneller Kaderorganisationen („K-Gruppen“). Das politische Potential wurde in den folgenden Jahrzehnten jedoch durch Zersplitterung stark geschwächt. ...


Aus: "Linksradikalismus" (27. Dezember 2019)
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Linksradikalismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Politische_Ideologie


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Radikale Linke? (Fraktale Notizen) ...
« Reply #1 on: January 09, 2020, 09:41:09 AM »
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[...] Der Status der Auseinandersetzung zwischen radikalen Linken und der Polizei in Leipzig ließ sich in den vergangenen Jahren an einem Graffito ablesen. Es war am Connewitzer Kreuz im Süden der Stadt an eine Wand gesprüht. "Antifa Area" stand da und "No Cops" – an dem einen Tag. Am nächsten Tag hatten Stadtverwaltung und Polizei das "No Cops" übermalen lassen. Am übernächsten oder kurz darauf war das Graffito wieder da. Dann wieder weg. Und wieder da. Ein Scharmützel zwischen "Cops" und denen, die gegen sie kämpfen.

Bis der Schriftzug, irgendwann 2019, plötzlich stehen blieb.

Da hatte die Stadt gerade einen neuen Polizeipräsidenten bekommen. Manche in Connewitz fragten sich, ob das wohl als Zeichen gemeint sei: Wird der Kampf gegen die Autonomen lockerer angegangen? Ist die Symbolschlacht nicht mehr so wichtig?

Sollte dem so gewesen sein, hielt der Vorsatz nicht lange. Ein halbes Jahr später, im November 2019, war das Graffito wieder übermalt: kurz nachdem eine Serie von Anschlägen und Übergriffen auf Baustellen, mutmaßlich von linksextremen Tätern verübt, deutschlandweit Schlagzeilen gemacht hatte. Und exakt zwei Tage nachdem der Freistaat Sachsen, dieser Übergriffe wegen, eine "Soko LinX", eine Sonderkommission gegen Linksextremismus, gegründet hatte.

Leipzig, die am schnellsten wachsende Großstadt der Republik, erlebt eine Serie von Gewalttaten, die längst keine Bubenstreiche mehr sind. Burkhard Jung, Leipzigs SPD-Oberbürgermeister, sagte kürzlich: "Erst brennen Barrikaden und Mülltonnen, dann werden Wehrlose angegriffen – der Weg zum politischen Mord ist nicht mehr weit."

Im Oktober 2019 brannten eines Nachts auf einer Baustelle im Leipziger Osten drei Kräne lichterloh. Sie drohten auf benachbarte Wohnhäuser zu stürzen. Es war ein glücklicher Zufall, dass keine Menschen zu Schaden kamen.

Im November wurde die Prokuristin eines Unternehmens, das im Stadtteil Connewitz schicke Eigentumswohnungen baut, nachts in ihrer privaten Wohnung überfallen und geschlagen.

Und dann die Silvesternacht, der 1. Januar 2020, kurz nach null Uhr: Am Connewitzer Kreuz, ganz in der Nähe der Wand mit dem "No Cops"-Graffito, kommt es zu Ausschreitungen, Linksradikale attackieren Polizisten körperlich, mit Böllern und Raketen, die Polizei tritt massiv und hart auf. Am Ende ist ein Bereitschaftspolizist so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden muss.

Die Polizisten, erklärte Sachsens Ministerpräsdent Michael Kretschmer (CDU) danach, seien Opfer von "linkem Terror" geworden. "Da darf man nichts beschönigen", sagt Kretschmer der ZEIT. "Die, die da Anschläge und Angriffe auf Menschen verüben, sind Kriminelle, denen man das Handwerk legen muss. Und wir werden diesen Leuten das Handwerk legen. Wenn man keine Grenzen setzt, wird es immer schlimmer."

Eine Grenze sei überschritten, sagt auch Petric Kleine, Chef des sächsischen Landeskriminalamts. "Der Spaß hört auf, wenn Sachen in großem Maßstab angegriffen werden und wenn es einen Angriff auf eine Privatperson in ihrem persönlichen Umfeld gibt." Das sei einer der Gründe, warum die "Soko Linx" in seinem Haus gegründet worden sei.

Die Frage, die nun diskutiert wird, lautet zwar einerseits: Ist es überzogen, von "Terror" zu sprechen, wenn eine Silvesternacht in Gewalt mündet? Andererseits fragen sich aber auch viele: Hat man Linksextreme zu lange gewähren lassen, aus Stolz auf vermeintliche Liberalität und Subkultur? Und kann es sein, dass der Kampf gegen den angeblich übermächtigen Staat, gegen hohe Mietpreise, gegen Gentrifizierung inzwischen nicht mehr nur politisch ausgefochten wird, sondern auch mit roher Gewalt?

Man muss Christoph Gröner nicht lange bitten: Wer ihm diese Fragen stellen möchte, bekommt sofort einen Termin im Hochhaus seiner Firmengruppe, in der Nähe des Leipziger Hauptbahnhofs.

Es ist spät am Abend, aber Gröner schaut so frisch aus, als komme er gerade vom Frühsport. Der 51-Jährige ist einer der prominentesten Immobilienentwickler der Republik. Und er ist eine Reizfigur für viele Linke. Sein Unternehmen hat 700 Mitarbeiter. Gröner hat riesige Bauprojekte in Köln, Berlin oder München umgesetzt. Die Leipziger Baustelle, auf der im Oktober die drei Kräne brannten, war eine seines Unternehmens. Die Leute, die das gemacht haben, findet er "im Geiste krank". Im Geiste krank findet er auch, was an Silvester in Leipzig geschehen ist.

Aus Gröners Sicht ist das so: Es sei einer der großen Fehler, zu glauben, Linksextreme machten halt vor Körperverletzung, hätten irgendwie edle Motive. Um das zu belegen, zählt er auf, was allein ihm und seinem Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit widerfahren sei: In Hamburg seien die Scheiben seiner Büros eingeschlagen worden. In Leipzig sieben seiner Fahrzeuge angezündet worden. Es habe Einbruchsversuche in seine Privaträume gegeben, seine Adresse sei veröffentlicht, die Scheiben seiner Wohnung eingeworfen worden. In Berlin, in der Rigaer Straße, auf einer seiner Großbaustellen, habe man Security-Mitarbeiter mit Steinen beworfen und ihn selbst bedroht. "Es gibt Veranstaltungen, an denen ich nur mit Sicherheitsmännern auftreten kann", sagt Gröner. "Also erklären Sie mir mal: Ist das alles normal?"

Gröner sagt, die Polizei signalisiere ihm regelmäßig, ihn nicht schützen zu können. Der Staat, auch die Stadt Leipzig, unternähmen zu wenig. Sein Unternehmen rüste deshalb auf. Seine Baustellen seien schon länger mit Hundestaffeln gesichert. Und für seinen persönlichen Schutz, sagt Gröner, sorge er selbst. Er mache Box-, Kraft- und Lauftraining. "Ich bin kein Typ, der sich einfach verdreschen lässt. Wenn die mal vor meiner Tür stehen sollten, bleibt mir die Möglichkeit zur Flucht, aber auch eine tatkräftige Gegenwehr."

Gröner gilt durchaus als einer, der für Filet-Lagen nicht unbedingt Rücksicht auf subkulturelle Interessen nimmt. Und wenn er etwas sagt, provoziert er gern: Zum Beispiel beklagte er sich einmal sinngemäß, dass tagelang ohne Unterlass über Anschläge wie jenen in Halle berichtet werde, die Presse sich aber nie Sorgen um sein Unternehmen mache. Nur: Mit Gröner kann man immerhin streiten. Die, die ihn gewaltsam attackieren, wollen das nicht.

In linksradikalen Kreisen wird offen darüber diskutiert, ob Gewalt nicht ein legitimes, ja notwendiges Mittel im Kampf gegen die Investoren sei. Auf der Szene-Seite Indymedia, auf der auch ein Bekennerschreiben zu den Leipziger Anschlägen vom Oktober und November veröffentlicht wurde, landeten zuletzt Diskussionsbeiträge dazu. In einer anonymen Stellungnahme hieß es zum Angriff auf die Prokuristin der Immobilienfirma zum Beispiel: "Wir sehen keine Notwendigkeit, sich öffentlich zu distanzieren." Man kann nicht nachvollziehen, wer die Schreiben lanciert, ob sie authentisch sind. Aber der Verfassungsschutz beobachtet, dass eine gefährliche Mixtur entsteht: Einerseits radikalisiere sich die linksextremistische Szene in sich. Andererseits spitzten sich die Themen, die viele Linke beschäftigten, stetig zu: Mieten steigen, rechtsextreme Gewalt nimmt zu, Reichtum konzentriert sich in den Händen weniger.

"Linksextreme sehen sich als Speerspitze des richtigen Handelns und Lebens", sagt Martin Döring, Kriminaldirektor im Sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz. "Und je mehr sie sich moralisch im Recht wähnen – umso drastischer werden ihre Mittel." Um die 250 gewaltbereite Linksextremisten leben den Schätzungen des Verfassungsschutzes zufolge in Leipzig. Während im Rest Sachsens der Rechtsextremismus das größte Problem darstelle, sei es in dieser Stadt der Linksextremismus. Weil die Szene überregional als "erfolgreich" wahrgenommen werde, schlössen sich ihr auch immer mehr Menschen an.

Der erste "erfolgreiche" größere Angriff der jüngeren Zeit ereignete sich im Februar 2018, das Ziel war damals eine Polizeistation in Connewitz. Damals bekannte sich eine sogenannte Kiezmiliz zu der Tat. Einige Connewitzer sagen, dass der Begriff ursprünglich ironisch benutzt worden sei, irgendwann habe sich dann eine Gruppe den Namen zu eigen gemacht. In den Bekennerschreiben zu Brandangriffen in Leipzig taucht der Name mehrfach auf. Die Autoren des ersten Kiezmiliz-Textes vom Februar 2018 nannten die Beamten der Connewitzer Polizeiwache "Besatzungstruppen". Manche der Bekennerschreiben zu den Leipziger Anschlägen fordern die Freilassung von Linksradikalen überall in Europa, etwa von mutmaßlichen Teilnehmern der Randale am Rande des G20-Gipfels in Hamburg. Manche beziehen sich auf griechische Terrorgruppen oder anarchistische Theorien.

Es gibt nur wenige, die sich zum harten Kern der Leipziger Szene zählen und die dennoch mit der Presse reden. Stina Rückert, 24, tut es sogar unter ihrem Klarnamen. Man trifft sie in einer Kneipe. Sie sei seit drei Jahren bei "Prisma" aktiv, erzählt sie, einer Leipziger Gruppe, die als offen linksradikales Bündnis auftritt. Politisiert, sagt Rückert, habe sie sich bei den Protesten gegen den Leipziger Pegida-Ableger Legida. Später fuhr sie nach Hamburg, mischte bei G20 mit – gewaltfrei, wie sie versichert.

Mittlerweile, sagt Rückert, stehe das Thema Wohnungsnot ganz oben auf der Agenda ihrer Gruppe. Ständig organisiere man Proteste, die aber kaum beachtet würden. Aber Gewalt? "Für uns ist klar, dass das nicht unsere Aktionsform ist", sagt Rückert. Um später, in Bezug auf den Angriff auf die Immobilien-Prokuristin, nachzuschieben: "Trotzdem ist es schon interessant, wie viele Menschen nun plötzlich über steigende Mieten nachdenken."

Burkhard Jung, der Leipziger Oberbürgermeister, hat seine Stadt, auch das Viertel Connewitz, in den vergangenen Jahren häufig verteidigt. "Eine bunte, alternative, auch linke, aber natürlich nicht-gewalttätige Szene gehört zu Leipzig wie der Zoo oder das Gewandhaus." Jung lebt selbst in Connewitz. Der Stadtteil ist stark gemischt, Autonome sind zahlenmäßig eine absolute Minderheit. Aber alle würden in Mithaftung genommen für die Taten weniger, sagt Jung.

In letzter Zeit äußert Jung sich deutlicher, wütender. Er spricht von "brutalen Gewalttätern", die die Polizei fassen müsse, vom "heftigen kriminellen Gewaltausbruch" der Silvesternacht. Die Eskalationen jüngerer Zeit – die sehe er als Indiz dafür, dass die Szene aufbreche. Da seien jene, die Gewalt ablehnen. Und dann seien da die anderen, meist militante Splittergruppen, die Gewalt als legitimes Mittel begriffen; gegen alles, was ihnen nicht passe. Deren Haltung, glaubt Jung, habe ihren Ursprung noch in der Connewitzer Hausbesetzerszene der frühen Neunziger.

Damals sollen es zum Beispiel enttäuschte Montagsdemonstranten des Herbstes 1989 gewesen sein, die sich davon distanzieren wollten, dass auf den Demos – nach dem Mauerfall – nun nach Nation und Vaterland gerufen wurde. In den leer stehenden Altbauten von Connewitz fanden sie ein neues Zuhause. Was niemandem zu gehören schien, nahm man sich. Bald tobten Straßenschlachten zwischen Linksradikalen, Neonazis, der Polizei. Während in anderen sächsischen Orten oft Rechtsextreme die Alltagskultur dominierten, wurde Connewitz zu einer Trutzburg der Linken.

Der Zwiespalt, in dem Jung, in dem die ganze Stadt sich befindet, ist: Leipzig lebt vom Image als Stadt des freien Geistes, des Laisser-faire. Das kleine, schönere Berlin – so vermarktet das Jung. Es fällt so einer Stadt natürlich besonders schwer, die Grenze zu finden zwischen dem, was schön, bereichernd, tolerabel ist. Und dem, was zu Gewalt führt.

So ist auch um die Silvesternacht 2019/2020 eine Deutungsschlacht entbrannt, ein politischer Kampf, in den sich längst die Republik einmischt, von der SPD-Vorsitzenden bis zum Bundesinnenminister. Manche finden: Polizisten, die in schwerer Montur in Connewitz aufmarschierten, seien eine unnötige Provokation.

Fast eine Woche nach Neujahr steht Marco Bras dos Santos am Connewitzer Kreuz. Ein Mann von 40 Jahren, mit furchigem Gesicht. Er war vor Ort, als sich die Gewalt entlud.

Dos Santos engagiert sich seit Jahren in zahlreichen linksradikalen Gruppen. Er ist auch Teil einer Gefangenengewerkschaft. Vor zwei Jahren hat er sich einmal aus Protest wegen eines nicht bezahlten Strafzettels inhaftieren lassen. Für den 13.12., das Datum, das sich alphabetisch in ACAB ("All Cops Are Bastards") übersetzen lässt, meldete dos Santos eine Demonstration an: "Gegen Gentrifizierung, Bullen & Faschismus". Mehrere Hundert Menschen nahmen teil. Einige Polizisten, die den Aufzug absicherten, wurden verletzt. "Das war für viele hier, die immer wieder Polizeischikanen über sich ergehen lassen müssen, wie ein Ventil", sagt dos Santos.

Auch wenn dos Santos vom letzten Tag des vergangenen Jahres erzählt, beginnt er von Polizeischikanen zu erzählen. "Ich hörte schon tagsüber die Helikopter kreisen, überall waren Einsatzfahrzeuge, es gab eine Menge verdachtsunabhängige Kontrollen", sagt er. "In welchem Stadtviertel gibt es das sonst?" Auf die Schikanen, sagt Dos Santos, seien eben Gegenreaktionen gefolgt.

Dos Santos kämpft in Connewitz auch an der Seite einer linken Landtagsabgeordneten, Juliane Nagel. Nagel, die im September schon zum zweiten Mal das Direktmandat in Connewitz gewann, gilt als eine Art parlamentarischer Arm des radikalen Connewitz. An Silvester twitterte sie: "Cops raus aus #Connewitz gewinnt nach diesem Jahreswechsel 'ne neue Bedeutung". Den Tweet relativierte sie später.

Leute wie Torsten Schultze geben sich damit allerdings nicht zufrieden. Der 55-Jährige ist ein groß gewachsener Mann, zu DDR-Zeiten war er Leistungsruderer, später entschied er sich für die Polizei. Er ist seit einem Jahr Leipzigs Polizeipräsident. Zimperlich ist er nicht, er lässt es gern mal donnern. Über die Silvesternacht sagt er im Gespräch mit der ZEIT: "Die Gewalttaten begannen vonseiten von Linksextremisten, von Verbrechern, von Unmenschen. Diese Worte kann ich nicht anders verwenden."

Schultze wird vorgeworfen, die Ereignisse der Silvesternacht, obwohl sie schlimm genug gewesen seien, im Nachhinein noch aufgebauscht zu haben, die Verletzungen der Polizisten zusätzlich dramatisiert zu haben. Schultze sagt, das verkehre Ursache und Wirkung.

Hätte der Einsatz auch weniger martialisch ablaufen können?

"Ich kann nicht glauben, dass die Gesellschaft möchte, dass wir weglaufen, wenn Straftaten passieren", sagt Schultze.

Er lässt keinen Zweifel daran, dass er in Connewitz gern aufräumen würde, spricht von fehlender "Ordnung und Sauberkeit" im Viertel. Die Polizei müsse den Kopf hinhalten für das, was gesellschaftlich schieflaufe, so sieht er das.

Er erhält für seinen Einsatz Rückendeckung von Michael Kretschmer, dem Regierungschef. "Diese Leute sind losgezogen, um Polizisten anzugreifen", sagt Kretschmer. "Und sie würden es genauso machen mit Richtern. Mit Unternehmern, das haben sie ja schon getan. Mit Politikern. Deswegen gilt: Wehret den Anfängen!"

Ende Januar wird am Leipziger Bundesverwaltungsgericht geurteilt, ob die Website Linksunten.Indymedia dauerhaft verboten werden soll. Anfang Februar finden in Leipzig Oberbürgermeisterwahlen statt. Im Herbst ist die Stadt Gastgeber für den EU-China-Gipfel, zu dem militante Gruppen heute schon mobilisieren. Es wird, so viel steht fest, nicht ruhiger werden.


Aus: "Der Kampf um Connewitz" Martin Machowecz, Josa Mania-Schlegel, Henrik Merker und Doreen Reinhard (8. Januar 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/2020/03/linke-gewalt-connewitz-leipzig-polizei-antifa/komplettansicht

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Gumbalaya #22

Als ehemaliger DDR Punk in den 70/80ern (später Stasi Häftling) nahm ich am linken Widerstand gegen die DDR Staatsgewalt teil. Connewitz war unsere Plattform.
Damals wie heute wurde versäumt durch Dialog und nachhaltige Entwicklung die extremen Ränder zu verunmöglichen.

Als pazifistische Punks gab es bei uns keine Gewaltexzesse aber sehr wohl gewaltbereite Spinner und Trittbrettfahrer. Die haben uns zumindest vor den gewalttätigen Nazis geschützt.
Der Staat sah weitgehend weg oder agierte hochgradig ungeschickt indem wir ohne richterliche Anordnung oder Verfahren wochenendweise weggesperrt wurden, während die Berliner Faschisten unsere Unterkünfte zerstörten.

Die Lokalpolitik täte gut daran den kritischen Stimmen aktiv eine Plattform zu bieten um die radikalen Ränder zu schwächen.


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Örne #33

Dieser Artikel lässt völlig außer acht wie die Polizei mit der Wahrheit umgeht. Ein ganzes Stadtviertel wird kriminalisiert, als einziges an Sylvester von Hubschraubern überwacht , nur in diesem finden anlässliche Personenkontrollen statt, nur dort werden Hundertschaften der Polizei hingeschickt. Als sich dann die Wut über diese Provokationen entlädt, wird von der Polizei gelogen dass sich die Balken biegen.
1. Lüge - Notoperation
2. Lüge - orchestrierter Angriff
3. Lüge - brennender Einkaufswagen in Hundertschaft geschoben
4. Lüge - Helm abgerissen
5. Lüge - linke Extremisten , vom Richter des ersten Schnellverfahrens als Blödsinn erkannt.
Dieser auf dem rechten Auge so blinden Polizei mit Lügen-Besessenheit kann man nichts mehr glauben. DAS ist doch das wirkliche Problem.


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parasolguy #2

""Linksextreme sehen sich als Speerspitze des richtigen Handelns und Lebens", sagt Martin Döring, Kriminaldirektor im Sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz"

Ist das nicht bei jeder politischen Ausrichtung so, egal ob links, rechts, Mitte, oben, unten, hinten, vor, diametral, quer, religiös, antireligiös, Pastafari, Satirisch, humorlos?


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easter33 #2.1

Der Unterschied ist der "Wertekanon", den sie mit gewissem Absolutheitsanspruch verfolgen. Man wähnt sich als Vertreter auf der Seite der "Guten", weil der "Mitmenschlichkeit", der "sozialen Gerechtigkeit", den "Menschenrechten" usw. verpflichtet. Da wird wenig hinterfragt.

Damit wir gerechtfertigt, rechtsstaatliche Mechanismen zu korrigieren, wie eben das Gewaltmonopol des Staates, auch Grundrechte wie Eigentumsfragen und Freiheitsrechte werden schnell in Frage gestellt.

Der große Denkfehler dabei ist, die Komplexität gesellschaftlicher Gesetzmäßigkeiten außer Acht zu lassen, Weiterdenken und langfristig Verantwortung zu übernehmen bleibt außen vor.


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ThomasMelber #2.7

Mit dem Motto "Macht kaputt was Euch kaputt macht" kann man viele Aktionen rechtfertigen und moralisch überhöhen. 'ist ja quasi "Selbstverteidigung".


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parasolguy #4

Und für die Hufeisen-Fans: "In linksradikalen Kreisen wird offen darüber diskutiert, ob Gewalt nicht ein legitimes, ja notwendiges Mittel im Kampf gegen die Investoren sei."

Hier sehe ich den Unterschied zwischen der rechten und der linken Szene. In der linken Szene gibt es Gewalt, das lässt sich nicht verleugnen. Aber es wird diskutiert und immer wieder reflektiert ob eine Aktionsform angemessen war oder noch legitim ist.

Diese Reflektion findet in der rechten Szene meines Wissens nicht statt. Dort ist Gewalt immer legitim. Es gibt keine Diskussionen, ob es angemesssen war, jemanden zu erschießen. [Diese Diskussion sieht man beispielsweise unter Linken derzeit bezüglich dieser Olympiastadion-Sache oder beim Zentrum für Politischen Idiotismus. Da wird alles bis aufs Kleinste zerlegt und Linke hassen sich gegenseitig aufs Tiefste. Bei ersterem beschweren sich ja sogar einige Linke, man solle sich doch für den Klimaschutz nicht gegenseitig zerreißen sondern zusammenhalten. In der rechten Szene gäbe es da Geschlossenheit.]


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matotope #4.2

Na ja, in der rechten Szene gibt es schon Machtkämpfe. Ist dort wie bei der Mafia. Ab und an werden neue Realitäten geschaffen.


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avenger drone #4.3

Netter Versuch, aber zu durchschaubar.

Es gibt weder eine homogene linke, noch eine homogene rechte Szene. Ihre Behauptung ist also schon an dem Punkt unwahr. Außerdem lassen Sie absichtlich das -radikal/-extrem weg, um die Begriffe interpretierbar zu lassen.

Durch den Zeitgeist und die Deutungshoheit bedingt, denkt man aber bei "linker Szene" an alles mögliche von der Jutebeutel-Abiturientin bis hin zum vermummten Steineschmeißer.

"Rechte Szene" ist aber automatisch negativ konnotiert und wird mit Gewalt gleichgesetzt.

Ein perverser Trick, möchte man meinen.


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AGB akzeptiert #4.13

""Rechte Szene" ist aber automatisch negativ konnotiert und wird mit Gewalt gleichgesetzt."

Was wäre denn positiv an Rechtsradikalen ( "Rechte Szene" ist nur einen "verniedlichung")? Der Kampf gegen Minderheiten? Ermordung von Andersdenkenden?


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Bei-Lichte-betrachtet #5

Ganz gleich, ob links oder rechts: Wer sich radikalisiert und dies durch Gewalt nach außen trägt, dem muss das ausgetrieben werden. Ein seit langem probates Mittel dazu ist der Polizeiknüppel.
Die politische Linke wie die politische Rechte sollten das anerkennen, alles andere wäre eine stillschweigende Legitimation von Gewalt.



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GlobalLeistungstraeger #20

... Weiterhin ist linke Gewalt sehr häufig gegen Objekte oder rechte gerichtet. Rechte Gewalt richtet sich vor allem gegen Menschen, die nicht rechts sind. Da sehe ich einen deutlichen Unterschied.


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parasolguy #5.2

Sie sehen sich ja bestimmt in der Mitte der Gesellschaft. Erkennen sie die Ironie an diesem Satz: "Wer sich radikalisiert und dies durch Gewalt nach außen trägt, dem muss das ausgetrieben werden. Ein seit langem probates Mittel dazu ist der Polizeiknüppel."


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Bei-Lichte-betrachtet #5.3

Keine Ironie: Denn natürlich hat der Staat das Gewaltmonopol. Und erforderlichenfalls muss er darauf zurückkommen. Wer das leugnet, redet Anarchie herbei. [Es geht nicht um Andersdenkende, sondern um Leute, die meinen, gegen andere Menschen oder fremde Sachen Gewalt anwenden zu können. Und es geht um Leute, die das nicht scharf genug verurteilen.]


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Martin Köster #5.7

Ein seit langem probates Mittel dazu ist der Polizeiknüppel.

ist das so ?
es haben sich schon einige hardliner schwer geirrt mit solchen devisen.

als bestes mittel hat sich bisher eine "flexible response" und eine deeskalationspolitik bei solchen problemen erwiesen.

und auch, dass die politik probleme wie wohnungsnot, gentrifizierung und ausufernde rechtsextreme gewalt ernst nimmt.

meiner bescheidenen meinung nach liegt eine wesentliche ursache darin, dass man als linker seit der wiedervereinigung erleben mußte, dass der staat (besonders im osten) beim schutz von linken, punkern, obdachlosen und "ausländern" komplett versagt hat, nicht bereit war diese personengruppen effektiv vor rechtsextremer gewalt zu schützen.

über 170 tote seit 1990, abertausende verletzte und schwerverletzte, ganze staddtteile und regionen wo man sich als erkennbar anders aussehender nicht mehr sicher bewegen kann, tausende angezündete asylunterkünfte ...

und wo sind da die fahndungserfolge, wo ist die rechtsextreme szene erfolgreich zerschlagen worden ?
wo waren da die konzertierten aktionen, straßensperren mit polizisten mit maschinenpistolen im anschlag, so wie damals bei der RAF ?
das alles sucht man bis heute vergeblich, und das obwohl mit walter lübcke nun auch konservative politiker zum ziel dieser gewalt geworden sind.


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trsnC #6.2

Der Staat hat also völlig unnötiger Weise ein Gewaltmonopol?
Es bedarf gar nicht Gewalt um Interessen durchzusetzen oder zu wahren?


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Duruti #6

"In linksradikalen Kreisen wird offen darüber diskutiert, ob Gewalt nicht ein legitimes, ja notwendiges Mittel im Kampf gegen die Investoren sei."

Gewalt ist nicht nicht nur notwendig, sondern vor allem auch kontraproduktiv. Sie legitimiert die Gewalt der Gegenseite und diskreditiert das Anliegen der eigenen Sache.


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StamoKap2019 #9

In Leipzig gibt es mittlerweile ein krasses soziales Gefälle. Das ist das Ergebnis von 30 Jahren Kapitalismus. ...


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Beobachter berichteten (Fraktale Notizen) ...
« Reply #2 on: January 26, 2020, 12:43:40 PM »
"Tag (((i))) in Leipzig" Peter Nowak (26. Januar 2020)
Für Bild und Co. war es nur wieder einmal eine Randale im Leipziger Szeneviertel Connewitz, die am 25. Januar stattgefunden hat. Nicht nur das Boulevardblatt hatte lediglich die Leuchtspurmunition im Blick, die von einem Teil der Demonstranten in den nebligen Leipziger Winterabend geschossen wurde. Die Demonstration hatte den Stadtteil Connewitz erreicht und war bald am Endpunkt, als es zu einer kurzen Eskalation kam. ...
https://www.heise.de/tp/features/Tag-i-in-Leipzig-4646008.html

-

3:05 AM - 26 Jan 2020
Tag (((i))) ist eskaliert: mein Bericht zur #le2501-Demo in der @tazgezwitscher.
Zu den Versuchen Einzelner, auf der Demo für Pressefreiheit die Pressefreiheit einzuschränken, kommt noch mal ein extra Text.
https://twitter.com/Helkonie/status/1221388610399875073

https://taz.de/Linksextreme-Gewalt-in-Leipzig/!5659322/

"Angriffe auf JournalistInnen in Leipzig - Kommod vermummt" Kommentar von Anja Maier (26.01.2020)
Bei einer linken Demonstration für Pressefreiheit werden in Leipzig JournalistInnen eingeschüchtert. Das ist ein Armutszeugnis.
https://taz.de/Angriffe-auf-JournalistInnen-in-Leipzig/!5656625/

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[...] Bei der Demonstration gegen das Verbot der Plattform „Linksunten.Indymedia“ in Leipzig ist es am Samstagabend zu Ausschreitungen gekommen. Vermummte Demonstranten zündeten immer wieder Bengalos und Böller. Außerdem rissen sie Pflastersteine aus dem Boden und zertrümmerten das Glas eines Wartehäuschens der Straßenbahn sowie Autoscheiben.

Als an einer Kreuzung in der Südvorstadt ein Stein- und Flaschenhagel auf Polizeiautos flog, stoppte die Demo. Im Laufe der Demonstration wurden nach Polizeiangaben 13 Beamte leicht verletzt. Ob es auch unter den Demonstranten Verletzte gab, war der Polizei in der Nacht zum Sonntag nach eigenen Angaben nicht bekannt.

„In dem Moment, wo Straftaten begangen werden, kann man nicht mehr vom friedlichen Verlauf einer Veranstaltung sprechen“, sagte Leipzigs Polizeisprecherin Silvaine Reiche. Sechs Tatverdächtige seien vorläufig festgenommen worden, weil ihnen unter anderem Landfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen werde. Anlass der Demonstration war die Verhandlung über das Verbot von „Linksunten.Indymedia“ am Bundesverwaltungsgericht in der nächsten Woche.

Behelmte Polizisten mit Schutzschilden und Demonstranten standen sich nach den Steinwürfen eine ganze Weile gegenüber. Laut Polizei und Versammlungsbehörde hatten sich ungefähr 1600 Menschen an der Demo beteiligt. Angemeldet waren 500.

Linke Gruppen und Netzaktivisten hatten bundesweit dafür mobilisiert. Die sächsische Polizei wurde unterstützt von Einsatzkräften aus Bayern, Brandenburg, Thüringen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und der Bundespolizei.

Beobachter berichteten auch über Aggressionen gegen Journalisten, obwohl es gerade bei diesem Protest um Pressefreiheit ging. Ein Teil der Demonstranten habe seinen „Gewaltfetisch“ ausgelebt, gerichtet gegen Polizei, kommunales und genossenschaftliches Eigentum und Privatwagen, schrieb der Journalist Thomas Datt bei Twitter. „Eine derartige, auch gewalttätige, Medienfeindlichkeit (ganzer Gruppen) habe ich bei einer linken Demo mindestens 20 J nicht erlebt.“

Auch der MDR berichtete bei Twitter von Bedrohungen. Die freie Journalistin Helke Ellersiek, die in der Vergangenheit auch für den Tagesspiegel gearbeitet hat, beschrieb in einem Tweet anschaulich die Art der Bedrohungen: „Typ in 'Good night white pride'-Pulli sagt ruhig und deutlich hörbar zu mir: 'Noch ein Foto und das Handy ist weg.' Auf Hinweis, dass das eine Demo für Pressefreiheit ist, präzisiert er: 'Noch ein Foto, dann hau ich dir aufs Maul und das Handy ist weg.'“

Die Linken-Politikerin Juliane Nagel, Landtagsabgeordnete und Mitglied des Leipziger Stadtrats, zeigte sich nach den Gewalttaten entsetzt. „Ich verstehe nicht was das mit den inhaltlichen Zielen, die ich durchaus teile, zu tun hat“, schrieb sie bei Twitter.

Nach einigem Hin und Her wurde nach dem Stopp der ersten Demonstration eine Fortsetzung bis nach Connewitz angemeldet. Der neuer Protestzug setzte sich mit 300 Teilnehmern in Bewegung und führte zum Herderpark. Dort löste sich die Versammlung schließlich auf. Zur Höhe des angerichteten Sachschadens konnte die Polizei zunächst noch keine Angaben machen.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz - nicht zuletzt wegen der Eskalation in der Silvesternacht im Stadtteil Connewitz. Dabei waren nach Polizeiangaben mehrere Polizisten angegriffen und verletzt worden, ein 38 Jahre alter Beamter wurde tagelang im Krankenhaus behandelt. Die Ermittler gehen von Linksextremisten als Tätern aus, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes gegen die unbekannten Angreifer.

An der Einsatztaktik der Polizei und fragwürdiger Kommunikation hatte es anschließend Kritik gegeben. Behördensprecher Andreas Loepki musste seinen Posten räumen, nachdem durch Tagesspiegel-Recherchen bekannt geworden war, dass er auch unter einem Pseudonym bei Twitter in die Debatte eingegriffen hatte.

Am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wird an diesem Mittwoch (29. Januar) über Klagen gegen das Verbot der Plattform „Linksunten.Indymedia“ verhandelt. Das Bundesinnenministerium hatte 2017 ein Vereinsverbot erlassen, unter anderem weil auf dem Portal Gewaltaufrufe publiziert worden seien. Bei der Kundgebung am Samstag, die zunächst ruhig begonnen hatte, kritisierten Redner das Verbot als Anschlag auf „linke, emanzipatorische Projekte“. (Tsp, dpa)


Aus: "13 Polizisten bei Indymedia-Demo verletzt – Aggressionen gegen Journalisten" (26.01.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/stein-und-flaschenhagel-in-leipzig-13-polizisten-bei-indymedia-demo-verletzt-aggressionen-gegen-journalisten/25473564.html

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Drehrummbumm 11:32 Uhr

Okay, manche fühlen sich von der Polizei provoziert. Das lasse ich mal unkommentiert stehen.
Aber wie ist das Verhalten gegenüber der Presse zu rechtfertigen? Auch wenn es nur einzelne waren, so ähneln die Aussagen und Verhaltensweisen denen der rechten.
Entglaste Wartehäuschen? Wow, was für ein Zeichen gegen das Verbot einer zur Gewalt aufrufender Internetpräsrnz.
Wie ist die Zerstörung von Privatautos zu rechtfertigen? Und Nein, die Versicherung zahlt nicht in jedem Fall. Soll das ein Zeichen gegen Ausbeutung und Kapital sein?

Aber klar, alles natürlich nur, weil die Polizei da war. Oder es waren Zivilpolizisten, oder Provokateure von rechts, bezahlte Leute... oder, oder... feige steht man noch nicht einmal zu dem Mist, den man verzapfte. Wenigstens um Entschuldigung könnte man jene bitten, deren Eigentum mutwillig zerstört wurde. Oder die Scherben am Wartehäuschen weg räumen, den hinterlassenen Müll beseitigen...


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minimal 11:07 Uhr

Eskalation trotz zurückhaltender Polizei

Die Bilanz am Samstagabend: nach Polizeiangaben 13 verletze Beamte und sechs Festnahmen. Zudem einige verletzte Demoteilnehmende, vier demolierte Schaufenster, eine kaputte Haltestelle, mehrere zersplitterte Autofenster. Zudem versuchten Einzelne, mit Drohungen und Einschüchterungen zu verhindern, dass die Presse filmen konnte – selbst wenn nur Schuhe aufgenommen wurden.

Verstöße gegen Auflagen kommentierte die Versammlungsleitung kaum, Demonstrierende wurden vom Pflastersteinesammeln oder -werfen nicht abgehalten. Für das zuletzt angeschlagene Image der Leipziger Polizei dürfte der Tag ein Pluspunkt sein. Nachdem
sie sich nach der Silvesternacht vorwerfen lassen musste, die
Ausschreitungen mit ihrer Überpräsenz gegenüber den friedlich Feiernden erst provoziert zu haben, scheint der Polizeipräsident mit der Strategie offener Kommunikation und vergleichsweise gemäßigtem Auftreten auf Kritik eingegangen zu sein –
und trotzdem ist die Demo eskaliert. Selbst linke Abgeordnete äußerten ihr Unverständnis.

    Kann mir mal jemand erklären warum #le2501 so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Ich verstehe es nicht. Ich
    verstehe nicht was das mit den inhaltlichen Zielen, die ich durchaus teile, zu tun hat. #linksunten
    — Jule Nagel (@luna_le) 25. Januar 2020


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peter.der.mueller 10:47 Uhr

Solange man nicht weiß, wie viele Zivilpolizisten sich die unter den Demonstranten befanden, ist es nicht möglich, die Situation genau einzuschätzen. ...


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magberlin 09:55 Uhr

Die übliche langweilige Folklore der Linken.

Was die Leipziger Verkehrsbetriebe, private Pkw-Besitzer oder Polizisten mit dem Verbot von linksunten.indymedia.com zu tun haben, wissen sie zwar selbst nicht, aber ohne sinnbefreite Gewalt keine wahre linke Demo, nicht wahr?


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« Last Edit: January 26, 2020, 09:50:22 PM by Link »

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Radikale Linke? (Fraktale Notizen) ...
« Reply #3 on: February 04, 2020, 09:44:30 AM »
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[...] Fast 1000 Linksradikale zogen am Freitag durch Friedrichshain, Polizisten wurden mit Steinen beworfen, Pyrotechnik gezündet. Am Sonnabend sammelten sich mehr als 70 Linksradikale im Bergmannkiez, die teils Vermummten beschmierten Häuser mit Farbe, randalierten auf der Straße. Es gab mehrere Festnahmen.

Kürzlich wurde die SPD-Parteizentrale großflächig mit Farbe beschmiert, verschiedene Parteibüros angegriffen oder Autos des Konzerns ThyssenKrupp und des „B.Z.“-Kolumnisten Gunnar Schupelius angezündet – zu all diesen Taten gibt es mutmaßliche Bekennerschreiben aus der linksautonomen Szene.

Kaum ein Tag vergeht zurzeit, ohne dass gewaltbereite Linksradikale in Berlin mit Attacken auf sich aufmerksam machen. Die tödlichen Schüsse eines Polizisten auf die Antifa-Sympathisantin Maria R. in Friedrichshain, der europäische Polizeikongress, der diese Woche in Berlin stattfindet, und eine große Immobilienmesse kommende Woche sind willkommene Anlässe für Aktionen.

In Sicherheitskreisen heißt es, man beobachte die Lage sehr genau. Sorge vor Verhältnissen wie im Leipziger Stadtteil Connewitz habe man aber momentan nicht. Dort kam es in den vergangenen Monaten zu schweren Straftaten – gegen Mitarbeiter von Wohnungsunternehmen und die Polizei, auch Journalisten und Anwohner wurden eingeschüchtert.

Die Lage in Berlin ist damit kaum vergleichbar. Im kleinen Connewitz sammeln sich mittlerweile Linksmilitante aus ganz Deutschland, die Lage in der Hauptstadt ist komplexer. Der Linke-Innenexperte Niklas Schrader spricht von „einer Welle der Militanz, die wir gerade erleben“. Das habe es auch in der Vergangenheit häufiger gegeben.

Er rechne damit, dass das auch wieder abklinge. „Wir müssen Drohungen aber ernst nehmen“, sagt er. Vergangene Woche wurde etwa auf Plakaten „Rache für Maria“ angekündigt, sie sei „von Bullen ermordet“ worden.

 Die aktuelle Welle der Attacken hat wohl vielerlei Gründe: Da ist die Angst der Szene vor räumlicher Verdrängung. Offen sprechen Linke davon, dass ihnen die Rückzugsorte schwinden.

Das betrifft nicht nur Hausprojekte wie „Liebig 34“, das geräumt werden soll, sondern auch Treffpunkte wie einschlägige Bars oder Jugendclubs. Auch deshalb wird die „L34“ momentan zum Symbol des Kampfes gegen Verdrängung – Sprühereien mit diesem Kürzel finden sich an hunderten Berliner Häuserwänden.

Erst kürzlich solidarisierten sich viele prominente Künstler und Kulturinstitutionen mit den linksalternativen Projekten in der Stadt, darunter Elfriede Jelinek oder Leander Haußmann.

Die Szene fährt zweigleisig: Einerseits werden Pressekonferenzen veranstaltet, Öffentlichkeitsarbeit gemacht, um mögliche Sympathisanten zu gewinnen. Andererseits schüchtert der militante Teil der Szene seine vermeintlichen Gegner ein – Berührungsängste zwischen beiden Partien gibt es kaum, dafür viele Überschneidungen.

 Auch internationale Ereignisse dienen Teilen der Szene als Anlass für Aktionen – zur Zeit etwa „aus Solidarität“ für die Menschen im kurdischen Rojava. Aus diesem Grund verüben Unbekannte seit Wochen Farbanschläge oder zünden Autos an.

Zuletzt waren etwa Firmenwagen des Stahlkonzerns ThyssenKrupp betroffen. Ihren Angriff rechtfertigten die mutmaßlichen Täter damit, dass das Unternehmen dem türkischen Militär Rüstungsgüter verkaufe. Auch sie erklären sich solidarisch mit dem Hausprojekt „L34“ – man könnte es als eine Art neues Szenemaskottchen bezeichnen.

Der Bezug linksmilitanter Aktionen auf den Kampf gegen Gentrifizierung ist nicht neu. Das Thema ist aber stärker in die Mitte des öffentlichen Diskurses gerückt. Darauf zählt auch die Szene. „Während viele linke Projekte um ihren Erhalt kämpfen, entstehen an jeder Ecke Einkaufszentren und Großraumbüros“, schreibt etwa das linksalternative Netzwerk „Interkiezionale“ in einem Aufruf in einer Chatgruppe und ruft seit Montag zu „Beschmier- und Sabotagewochen“ auf.

Linksradikale haben eine Karte veröffentlicht mit Orten, die als Ziele gelten können: Fünf-Sterne-Hotels, Niederlassungen von Immobilienunternehmen, aber auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Das wurde erst in der vergangenen Woche zum Ziel einer Attacke. Mehr als zehn Fenster wurden eingeworfen, der Eingang mit Farbe besprüht. Aus Angst vor weiteren Störaktionen tagte die Bezirksverordnetenversammlung wenige Tage später unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

 Was die meisten Aktionen eint: Die wenigsten sind auf maximalen Schaden ausgerichtet. Sie sollen Öffentlichkeit für ein Thema herstellen – und einschüchtern. Auf der linken Internetseite „Indymedia“ werden deshalb Bekennerschreiben zu diesen Taten veröffentlicht. Teils kontaktieren Sympathisanten der Szene Journalisten, um ihnen mitzuteilen, wo es wieder Angriffe gab, in der Hoffnung, dass berichtet wird. Man will zeigen: Wir sind da, ihr kriegt uns nicht weg.

Trotzdem wäre es falsch anzunehmen, die linksmilitante Szene in Berlin sei stramm organisiert. Es gibt nicht die Antifa und es gibt nicht die linksmilitante Szene. Viel mehr handelt es sich um viele lose vernetzte Gruppen oder Kollektive, die sich für – oder zumeist gegen – etwas engagieren; oder dies als Vorwand für ihre Attacken nehmen.

Insgesamt geht der Verfassungsschutz in Berlin von mehr als 3000 Linksextremisten aus – ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Der gewaltbereite Kern sei aber zersplittert, heißt es aus Sicherheitskreisen, und in den vergangenen Jahren in Berlin eher kleiner geworden. Die Bewohner des autonomen Hausprojekts in der Rigaer Straße 94 gelten als weitgehend isoliert.

 Das zeigt auch der 1. Mai, traditioneller Höhepunkt linksextremistischer Krawallkultur: In den vergangenen Jahren gelang es der Polizei die gewaltbereiten Teile der Szene so gut abzuschotten, dass der Tag szeneintern als „Enttäuschung“ gewertet wurde.

Die Einsatzkräfte sind jahrelang geübt darin, den sogenannten „schwarzen Block“, also den gewaltbereiten Teil der Szene, auf Demonstrationen zu separieren, und sie deeskalieren kritische Situationen meist schnell.

Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei sieht die Berliner Polizei daher gut gerüstet. „Wir erleben in Berlin keine neue Qualität der Gewalt“, sagt er. Es sei seit Jahren das Gleiche. Viel mehr versuche die Szene heute, wieder mehr Menschen auf die Straße zu bekommen. Unverständlich findet Jendro deshalb den Verkündungstermin zum kürzlich vertagten Prozess um die „L34“. Der wurde auf den 30. April terminiert – der Tag vor dem 1. Mai.


Aus: "Warum die linksextreme Gewalt in Berlin zunimmt"  Julius Betschka, Madlen Haarbach (04.02.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/brennende-autos-steine-spruehereien-warum-die-linksextreme-gewalt-in-berlin-zunimmt/25504332.html

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Am 14. Mai vor genau 50 Jahren ...
« Reply #4 on: May 14, 2020, 10:12:57 AM »
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[...] Am 14. Mai vor genau 50 Jahren haben sechs Männer und Frauen keine Mühe, über die Fensterbrüstung in den Vorgarten des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen zu springen.

Sie rennen zu wartenden Autos und jagen mit aufheulendem Motor und quietschenden Reifen davon. Die Befreiung des Gefangenen und Brandstifters Andreas Baader ist geglückt.

Aus dem Fenster ist auch Ulrike Meinhof gesprungen. Bis zu dieser Minute ist sie eine renommierte, bundesweit bekannte, streitbare, linke Journalistin. Doch kurz darauf klebt ihr Foto auf Plakaten mit der Zeile „MORDVERSUCH“. Denn in der Diele der Villa liegt der Institutsangestellte Georg Linke in einer Blutlache. Die Kugel eines der Befreier hat ihn in die Leber getroffen.

In diesem Moment ahnt noch niemand, wie sehr sich die Republik in den nächsten Jahrzehnten durch diese Aktion ändern würde. Denn die Befreiung von Andreas Baader gilt als die Geburtsstunde der Roten Armee Fraktion (RAF). ...


Aus: "Die Geburtsstunde der RAF schlug in einer Berliner Villa" Frank Bachner (14.05.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/baader-befreiung-am-14-mai-1970-die-geburtsstunde-der-raf-schlug-in-einer-berliner-villa/25826250.html

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changnoi 13.05.2020, 22:45 Uhr

ich gebe zu:
wir haben das damals gefeiert.
so als hatten wir stubenarrest gehabt, und wir waeren ausgebrochen.
Sie waren unsere helden.
lange haare, coole musik, und lasst uns mit den alten nazis, die uns damals noch unterrichteten, in ruhe.
die gegen dies efuerchterliche pop musik waren, aber  KEIN wort ueber die nazi-verbrechen verloren haben.
wo wir uns selber informieren mussten.
bader/meinhof waren 1970 unsere helden.
so war es
Ulrike wurde im sommer 72 in hannover verhaftet.
einige wochen meinte ein kumpel und ich, wir haetten Sie in einem auto, mit jemand andrem sitzend, auf einem parkplatz in meiner heimazstadt naehe Hannover entdeckt. es ist unwichtig ob sie es war oder nicht. fuer keine belohnung der welt waeren wir zur polizei gegangen sie zu verraten.
das waren unsere polit/pubertaeren traeume.
wir wollten eine freie welt. mit sex drogen und geiler musik.
aber unsere alten fascho-lehrer waren dagegen.
vive la  revolution!

ps:
so ganz vorbei ist es immer noch nicht.
aber die RAF war nicht nur ein irrtum.
sie waren genau die a+schl0cher, von denen wir uns zu befreien suchten.
aber das dauerte noch ein paar jahre


...

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[...] Vor einem halben Jahrhundert stürmten Bewaffnete den Lesesaal des "Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen" in Berlin-Dahlem. Fünf Frauen und zwei Männer wirkten am 14. Mai 1970 an der Befreiung des verurteilten Kaufhaus-Brandstifters Andreas Baader mit. Schüsse fielen, ein Angestellter wurde schwer verletzt.

Als Baader und seine Befreier durch ein Fenster in die Freiheit sprangen, schloss sich ihnen auch Ulrike Meinhof an, wohl spontan. Die bekannte Journalistin der Zeitschrift "konkret" hatte den Vorwand für den Haftausgang Baaders geliefert, getarnt als Recherchetreffen für ein gemeinsames Buch. Es war wohl geplant, dass sie unbeteiligt sitzen bleiben sollte, als ob sie von der Aktion überrascht worden wäre.

Für Andreas Baader, dessen Partnerin Gudrun Ensslin, den Rechtsanwalt Horst Mahler, Ulrike Meinhof und einige andere war die Tat ein Sprung in den Untergrund und den bewaffneten Kampf. Ganz geplant schien ihr Abtauchen nicht, denn die Gruppe hatte kein Versteck vorbereitet und irrte eine Weile zwischen Freunden und Bekannten umher, auf der Suche nach einem Zufluchtsort.

Den offiziellen Teil ihrer Gründung lieferte die "Baader-Meinhof-Gruppe" nach. In der linksradikalen Zeitschrift "Agit 833" hieß es: "Die Rote Armee aufbauen!"

Es war auch ein Weg in die Selbstisolation, das sollte aber erst der letzten Generation der verbliebenen Stadtguerilleros klar werden - nach beinahe drei Jahrzehnten.

Der Einstieg in den bewaffneten Kampf hatte sich im Verlauf der Vietnamproteste langsam abgezeichnet. Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten Deutschland vom Faschismus befreit, waren seit 1965 aber verantwortlich für einen immer sinnloser erscheinenden Krieg. Grausame Bilder von Bombenangriffen, von Massakern an der Zivilbevölkerung brachten eine ganze Generation von jungen Deutschen gegen ihr eigenes Land auf, das sich bedingungslos hinter Amerika stellte und wenig Widerspruch gelten ließ. Das Jahr 1968 wurde zum Höhepunkt der Studentenrevolte.

18. Februar 1968. Protest gegen den Vietnamkrieg während des Vietnamkongresses in Berlin, mit Plakaten von Liebknecht, Luxemburg und Ho Chi Minh. In der ersten Reihe marschierten offenbar viele SPD-Mitglieder mit.

Am Tag zuvor: Etwa 3000 Personen, meist Studenten, nehmen an der "Internationalen Vietnam-Konferenz" in der Technischen Universität Berlin teil.

Gleichzeitig erfuhr die heranwachsende Generation langsam von der wahren Dimension der Verbrechen des Dritten Reichs, dessen Funktionsträger auch in der jungen Bundesrepublik viele Führungspositionen besetzt hielten. Es waren Dinge, über die in der Elterngeneration nicht gern geredet wurde. Man sprach lieber über die famosen "Wirtschaftswunderjahre".

Kanzler Kurt Georg Kiesinger, ehemaliges Mitglied der NSDAP, führte gegen erbitterten Widerstand die Notstandsgesetze ein, die eine Handlungsfähigkeit des Staates in Krisensituationen sichern sollten. Nicht wenige junge Erwachsene fürchteten einen Rückfall in den Faschismus, nachdem Polizisten auf wehrlose Demonstranten einprügelten.

Zum Schlüsselereignis für die 68er-Generation wurde der gewaltsame Tod des Studenten Benno Ohnesorg ein Jahr zuvor - am 2. Juni 1967. Der Polizist Karl-Heinz Kurras erschoss ihn auf einem Hof in Berlin-Charlottenburg. Während Kurras einen Freispruch erntete, mussten Studenten für Steinwürfe in Haft.

2. Juni 1967. "Knüppel frei" für die Polizei auf der Demo gegen den Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi. Die Staatsmacht kesselte Demonstranten nach der "Leberwursttaktik" ein. Viele der brutalen Szenen sind Wort und Bild überliefert.

13. Juni 1967. Sit-In auf dem Ku'damm. Die Erschießung Benno Ohnesorgs löste wochenlange Massendemos in ganz Westdeutschland aus.

4. Juli 1967. Rainer Langhans mit Mitstreitern vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) beim Verteilen von Flugblättern. Darauf wurde, so der Fotograf Ludwig Binder, "zur Brandstiftung in prominenten Häusern aufgerufen".

Sollte man weiter provokant aber gewaltfrei in der Außerparlamentarischen Opposition, kurz: APO, Dutschkes "Marsch durch die Institutionen" antreten? Oder die Gesellschaft mit Waffengewalt verändern?

Ein Teil der Szene sah nur noch den bewaffneten Kampf als eine Antwort. "Der Staat schießt auf uns. Nun schießen wir zurück", soll Gudrun Ensslin gesagt haben. Die Pastorentochter aus Tuttlingen lernte Andreas Baader in der Berliner Studentenbewegung kennen und lieben.

Baader war als 21-Jähriger mit einer längeren Strafakte aus München nach Berlin gekommen. Erster militanter Akt waren die Brandstiftungen in zwei Frankfurter Warenhäusern, um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren. Der Prozess gegen Thorwald Proll, Horst Söhnlein, Andreas Baader und Gudrun Ensslin brachte die spätere Führungsriege der ersten RAF-Generation zusammen. Das Urteil: Drei Jahre Zuchthaus.

2. April 1968. Brandanschlag. Polizisten im ausgebrannten Kaufhaus Schneider in Frankfurt.

11. April 1968. Ein weiterer Schock für die Studentenbewegung und die APO: Vor der SDS-Zentrale am Kurfürstendamm 140 streckt der 23-jährige Hilfsarbeiter und Hitler-Verehrer Josef Bachmann den Studentenführer Rudi Dutschke mit drei Schüssen nieder. Dutschke überlebt, stirbt jedoch elf Jahre später an den Spätfolgen des Attentats. ...

4. November 1968. Die "Schlacht am Tegeler Weg" in Berlin-Charlottenburg war ein Wendepunkt der Außerparlamentarischen Opposition. Ein Teil der Bewegung setzte auf Gewalt - Stadtguerilla statt Spaßguerilla. 130 Polizisten und 22 Demonstranten wurden verletzt. Polizisten waren damals noch ohne Helm, Schild und Schutzpanzer unterwegs. Auslöser war ein Ehrengerichtsverfahren gegen Horst Mahler.

... 24. Mai 1972. Nach einer längeren Aufbauphase mit Waffenausbildung in Palästina, Banküberfällen und Dokumentendiebstählen ging die RAF in die Offensive. Unter den Zielen mehrerer Bombenanschlage war das Hauptquartier der US-Landstreitkräfte in Heidelberg. Drei US-Soldaten wurden getötet.

Der Staat reagierte mit erhöhtem Fahndungsdruck. Bis zum Ende des Jahres 1972 konnte die gesamte Führungsriege der RAF festgenommen werden.

1973 wurden die wichtigsten RAF-Terroristen im siebten Stock der JVA Stuttgart-Stammheim zusammengelegt. ...

Unterstützung von Jean-Paul Sartre. Der französische Philosoph besuchte Andreas Baader und nannte dessen Haftbedingungen anschließend Isolationsfolter. Dieses Wort wurde zum Kampfbegriff der Unterstützer. ...

Aus Protest gegen die Haftbedingungen traten die Terroristen in den Hungerstreik, woran Holger Meins am 9. November 1974 starb. Sein Tod brachte der RAF eine Welle der Sympathie in der Studentenbewegung. "Holger, der Kampf geht weiter!" - das sagte damals Rudi Dutschke.

Während die Führungsriege der RAF-Gründer in Stammheim saß, formierte sich aus den Unterstützerzirkeln eine neue Generation aus Terroristen. Vermutlich wurden sie auch aus dem Gefängnis heraus instruiert, durch Botendienste bei Besuchen von Anwälten. Zahlreiche Anschläge folgten, die im Herbst 1977 ihren Höhepunkt erreichten.

27. Februar 1975. Drei Tage vor der Berlin-Wahl wurde der CDU-Spitzenkandidat Peter Lorenz entführt. Den Tätern der "Bewegung 2. Juni", einer linken Terrororganisation, die neben der RAF existierte, gelang es, fünf inhaftierte Terroristen für die Freilassung von Lorenz freizupressen, jedoch nicht die Stammheimer. Dort soll Andreas Baader von seinen Gefolgsleuten außen eine ähnliche Aktion eingefordert haben.

7. April 1977. Siegfried Buback, höchster Ankläger der Bundesrepublik, wurde durch Schüsse von einem Motorrad aus in seinem Dienstwagen getötet. Das Foto zeigt den Tatort mit den zugedeckten Leichen von Buback (vorne links) und seinem Fahrer. Später starb ein weiterer verletzter Polizist an seinen schweren Verletzungen.

24. April 1975. "Kommando Holger Meins". Sechs Terroristen stürmten die deutsche Botschaft in Stockholm und brachten zwölf Geiseln in ihre Gewalt. Ihre Forderung: Freilassung von 26 inhaftierten RAF-Terroristen. Die Bundesregierung lehnte ab. Bei der Aktion wurden zwei Geiseln ermordet. Zwei der Terroristen starben durch eine Sprengstoffexplosion, die wohl versehentlich von den Tätern ausgelöst worden war.

9. Mai 1976. Ulrike Meinhof erhängte sich in ihrer Zelle. Vorausgegangen waren heftige interne Kämpfe.

30. Juli 1977. Mord an Jürgen Ponto, Vorstandssprecher der Dresdner Bank.

5. September 1977. Die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer in Köln war das zentrale Ereignis des Deutschen Herbstes. Die Täter erschossen seine vier Begleiter und brachten Schleyer ins "Volksgefängnis". ...

Oktober 1977. Polizeikontrolle mit Maschinenpistole im Anschlag. An solche Bilder mussten sich die Bürger gewöhnen während der Großfahndung nach Hanns Martin Schleyer und seinen Entführern. ...

13. Oktober 1977. Zur Unterstützung ihrer deutschen Genossen entführte ein palästinensisches Terrorkommando eine Lufthansa-Maschine. Die Landshut war auf ihrem Weg von Mallorca nach Frankfurt. Die Terroristen ermordeten den Kapitän Jürgen Schumann und ließen das Flugzeug schließlich auf dem Flughafen von Mogadischu in Somalia landen. Am 18. Oktober befreite die Eliteeinheit des Bundesgrenzschutzes GSG 9 die Geiseln und tötete drei der vier Entführer.

18. Oktober 1977. Nun war klar, dass sich der Staat nicht noch einmal erpressen ließ. Die Unterstützungsaktion war gescheitert. Hanns Martin Schleyer wurde am 18. Oktober erschossen. "Wir haben nach 43 Tagen Hanns-Martin Schleyers klägliche und korrupte Existenz beendet", lautete die zynische Mitteilung der RAF.

In Stammheim nahmen sich Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan Carl Raspe das Leben. Nur Irmgard Möller überlebte die "Todesnacht von Stammheim" schwer verletzt. Auch 30 Jahre später blieb sie bei ihrer Darstellung einer geplanten Ermordung.

25. Oktober 1977. Dieser Händedruck bleibt untrennbar verbunden mit den Geschehnissen im Herbst 1977. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) stand mit gesenktem Blick vor der Witwe Waltraud Schleyer. Vielleicht hätte er ihren Mann retten können, wenn er auf die Forderungen der Terroristen eingegangen wäre. Er tat es nicht, aus Prinzip. Der Staat hatte sich bereits einmal erpressbar gezeigt, was als ein Fehler betrachtet wurde. Mehrere der Freigepressten blieben dem Terror treu. "Man hat Schleyer sozusagen aus Gründen der Staatsräson geopfert", sagte viele Jahre später der Jurist Klaus Pflieger.

Insgesamt zehn RAF-Mitglieder der zweiten Generation setzten sich mit Hilfe der Stasi in die DDR ab. Unter neuer Identität führten die Aussteiger dort ein unauffälliges Leben. Nach dem Ende der DDR flogen jedoch alle zehn Ex-Terroristen auf. In diesem Cottbusser Wohnblock lebte Susanne Albrecht, die maßgeblich an der Ermordung Jürgen Pontos beteiligt war.

Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar gelten als Führungsfiguren der zweiten Generation. Sie sollen maßgeblich an den Aktionen des Deutschen Herbstes beteiligt gewesen sein und konnten beide 1982 festgenommen werden. Verurteilt wegen neunfachen Mordes, sind beide inzwischen wieder entlassen. Mohnhaupt im März 2007, Klar wurde im Dezember 2008. ...

Peter-Jürgen Boock war an mehreren Anschlägen beteiligt, darunter dem Mord an Jürgen Ponto und der Schleyer-Entführung. Nach seiner Verhaftung im Jahr 1981 schrieb er seine Erinnerungen auf. Vom Terrorismus hatte sich Boock losgesagt, doch Ermittler unterstellten ihm später ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit. 1998 wurde er aus der Haft entlassen.

Die letzten Kämpfer der RAF fuhren keine auffälligen Autos mehr und hatten sich auch sonst besser an das Leben in Untergrund angepasst. Namen und Gesichter kennen die Ermittler nur wenige. Die "Big Raushole" ihrer Genossen stand nicht mehr im Vordergrund. Bis zu ihrer Selbstauflösung im Jahr 1993 verübte die RAF weitere zehn Morde und zahlreiche Anschläge auf Führungspersonen in Politik und Wirtschaft.

10. Oktober 1986. Mord am Diplomaten Gerold von Braunmühl, Abteilungsleiter im Auswärtigen Amt. Braunmühl wurde auf dem Heimweg von zwei bis heute unbekannten Attentätern erschossen.

30. November 1989. Alfred Herrhausen, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, starb in seinem Dienstwagen durch eine Bombe am Straßenrand. Über die Hintergründe des Mords in Bad Homburg ranken sich bis heute Spekulationen, die Täter sind nicht ermittelt. Die Installation der Lichtschranke, die Herrhausen zielgenau in dem gepanzerten Mercedes traf, setzte hohe technische Perfektion und genaue Planung voraus. Diese Art der Ausführung war eher untypisch für vorausgegangene Attentate.

1. April 1991. Detlev Carsten Rohwedder war als Chef der Treuhandanstalt mit der Privatisierung der ehemaligen Volkseigenen Betriebe der DDR befasst. Die Täter erschossen ihn durch ein Fenster in seinem Düsseldorfer Wohnhaus. Auch seine Frau wurde durch einen Schuss verletzt. Das Verbrechen ist bis heute ungeklärt, wobei die DNA-Analyse eines Haars am Tatort auf Wolfgang Grams als einen der Täter hindeutet.

... 27. März 1993. Bei ihrem letzten Anschlag legte die RAF den Neubau der JVA Weiterstadt in Schutt und Asche. Dabei wurde offenbar sorgfältig darauf geachtet, nur Sachschaden anzurichten. Das Wachpersonal des noch nicht eingeweihten Gefängnisses wurde gefesselt und in Sicherheit gebracht.

27. Juni 1993. Das letzte Gefecht der RAF fand in Bad Kleinen statt, einem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommern. Es war den Ermittlern zum ersten Mal gelungen, einen V-Mann in die höchste Ebene der RAF einzuschleusen. Doch bei der geplanten Festnahme von Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams starben auf dem Bahnhof von Bad Kleinen ein Beamter der GSG 9 und der Terrorist Grams. Der missglückte Einsatz hatte politische Folgen, Innenminister Rudolf Seiters trat zurück.

20. April 1998. "Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte", hieß es in einem achtseitigen Schreiben an die Nachrichtenagentur Reuters. Einige der verbliebenen Kämpfer leben bis heute im Untergrund. Um ihr Lebensunterhalt zu sichern, sollen sie mehrere Überfälle auf Banken und Geldtransporter begangen haben.

Auf der Fahndungsliste des Bundeskriminalamts verbleiben bis heute vier RAF-Terroristen: Ernst-Volker Staub, Daniela Klette, Burkhard Garweg und Friederike Krabbe ...

Burkhard Garweg und Ernst-Volker-Staub auf Fahndungsfotos aus dem Jahr 2016.

Die Ermittler waren ihnen nach einer Serie von mindestens neun Raubüberfällen in Norddeutschland wieder auf die Spur gekommen. Mit Terror hätten diese Aktivitäten nichts mehr zu tun, meinen Ermittler. Eher mit Altersvorsorge, denn ein Leben in der Illegalität ist teuer.


Aus: "50 Jahre Rote Armee Fraktion „Der Staat schießt auf uns. Nun schießen wir zurück!“" (14.05.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/50-jahre-rote-armee-fraktion-der-staat-schiesst-auf-uns-nun-schiessen-wir-zurueck/25819040.html

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2010ff 08:16 Uhr

Aus - berechtigtem - Protest wurde brutaler Desperado-Irrsinn.

Ideologisch eingekleidet in den Wahnsinn einer "Befreiungs"-Avantgarde.

Es gab leider keine Kraft, das Abdriften von ursprünglich konstruktiv Motivierten in barbarische Gewalt abzuwenden. Im Gegenteil, in einem eskalierenden Szenario entwickelte  Westdeutschland in den Siebziger Jahren ein "RAF-Komplex", weit über die Terroristen, die Justiz, die Politik in die Gesellschaft hinein.

Was für ein Irr-Sinn.


Quote
Zapzarap-Maschine 13.05.2020, 20:55 Uhr
Was für kaputte Typen. Wie viel Gutes hätten diese Menschen für die Gesellschaft tun können, wenn sie einfach nur normal arbeiten gegangen wären wie andere auch. Aber sie entschieden sich für Hass, Hetze, Terror und Mord.


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Roadtohell 08:43 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Zapzarap-Maschine 13.05.2020, 20:55 Uhr
Und zudem sind sie der beste Beweis dafür, dass linker Terrorismus kein Deut besser als Rechter ist! Was hier von einigen verblendeten vehement bestritten wird.


Quote
Westpreussen 09:51 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Roadtohell 08:43 Uhr
@Roadtohell

"dass linker Terrorismus kein Deut besser als Rechter ist"

    Es war immerhin der spätere SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher, der Kommunisten 1930 als „rotlackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten“ bezeichnete.


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Radikale Linke? (Fraktale Notizen) ...
« Reply #5 on: May 19, 2020, 10:37:57 AM »
Ende Gelände ist nach eigenen Angaben „ein europaweites Bündnis von Menschen aus vielen verschiedenen sozialen Bewegungen“ der Anti-Atom- und Anti-Kohlekraft-Bewegung, das seit 2015 jährlich eine Großaktion (2017 und 2019 zwei[2]) in deutschen Braunkohlerevieren organisiert. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Ende_Gel%C3%A4nde

Quote
[...] Seit 2015 besetzen die Klima-Aktivisten Kohletagebaue in ganz Deutschland. Nun wurden sie erstmals als „linksextremistisch“ eingestuft. ... Innensenator Andreas Geisel (SPD) wird heute den Verfassungsschutzbericht vorstellen – der könnte in diesem Jahr selbst zum Politikum geraten. Wie der Checkpoint erfuhr, stufen die Berliner Sicherheitsbehörden die Klima- und Anti-Kohle-Aktivisten von „Ende Gelände“ auf Seite 162 des Berichts erstmals als „linksextremistisch“ ein. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hat deshalb für die Senatssitzung Gesprächsbedarf angemeldet, genauso die Kulturverwaltung von Klaus Lederer (Linke). Die Anti-Kohle-Bewegung besetzt seit 2015 deutschlandweit Braunkohletagebaue. Der Bundesverfassungsschutz bezeichnete sie im vergangenen Jahr als „linksextremistisch beeinflusste Kampagne“. Insbesondere die Gruppe „Interventionistische Linke“ bilde ein Scharnier zwischen zivilen Protestbündnissen und gewaltbereiten Kräften. Der Verfassungsschutz erkennt eine „hohe strategische Bedeutung“ des Bündnisses für die linksextremistische Szene.

Georg Kössler, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, ist schockiert über die Entscheidung der Berliner Behörde. „Dass sowas in einem rot-rot-grünen Land passiert, ist mir ein Rätsel.“ Kössler nahm früher selbst bei „Ende Gelände“ teil, seit er Abgeordneter ist, begleitet er die Proteste als parlamentarischer Beobachter. Bundestagsabgeordnete wie Ulla Jelpe (Linke), Sven-Christian Kindler oder der Europaabgeordnete Erik Marquard (beide Grüne) unterstützen die Aktivisten. Unter denen gebe es auch einige Linksextremisten, sagte Kössler. „Aber die Interventionistische Linke ist auch in vielen Anti-Nazi-Bündnissen aktiv und steht dort zusammen mit CDUlern.“ Viel wichtiger für die Struktur von „Ende Gelände“ seien Grüne Jugend und die Linksjugend solid. „Die Entscheidung der Sicherheitsbehörden kriminalisiert die Jugendorganisationen von Grünen und Linken“, sagt Kössler. Innensenator Andreas Geisel wird sich von seinen linken und grünen Amtskollegen ähnliches anhören müssen – ändern wird das für dieses Jahr nichts mehr: der Senat erhält den Bericht lediglich „zK“: zur Kenntnisnahme.


Aus: "Berliner Verfassungsschutz stuft „Ende Gelände“ als linksextremistisch ein" Julius Betschka (19.05.2020)
Quelle: https://checkpoint.tagesspiegel.de/langmeldung/24GPeBVCWEsTtjXT3X0RRr?utm_source=tagesspiegel&utm_medium=hp-teaser&utm_campaign=ende-gelaende-von-berliner-sicherheitsbehoerde-als-linksextremistisch-eingestuft


"Ende Gelände: Jugendorganisationen fordern Abschaffung des Verfassungsschutzes" (21. Mai 2020)
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-05/ende-gelaende-verfassungsschutz-jusos-gruene-jugend-solid

Quote
Wark Mupke #1

Den Verfassungsschutz abzuschaffen ist kein allzu abwägiger Gedanke. Zumindest reformieren ist überfällig.



Quote
Bombay-Katze #3

"... fordern Jusos, Grüne Jugend und die Linke-Jugendorganisation Solid, den Verfassungsschutz abzuschaffen"

Das ist ein Prüffall für den Verfassungsschutz.


Quote
whiskeyjack #3.1

Der Verfassungsschutz ist ein Prüffall für den Verfassungsschutz.


...
« Last Edit: May 21, 2020, 05:59:01 PM by Link »

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Radikale Linke? (Fraktale Notizen) ...
« Reply #6 on: August 02, 2020, 08:02:43 PM »
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[...] Es dürfte eine der größten Demonstrationen der linksautonomen Szene der letzten Jahren gewesen sein, die sich am Samstagabend kurz nach 20 Uhr vom Neuköllner Herrfurthplatz Richtung Hermannstraße in Bewegung setzt. Laut Polizeiangaben haben sich etwa 2500 Personen im Neuköllner Schillerkiez zu einem Aufzug versammelt, der unter dem Motto „Raus aus der Defensive – Gegen Räumungen, Abschiebungen & Faschisierung“ angemeldet worden war. 

Anlass des Protests ist die für den 7. August per Gericht angeordnete Räumung der Kiezkneipe „Syndikat“ in der Weisestraße. Zusätzlich sorgen die jüngsten Streitigkeiten rund um die besetzten Häuser in im Friedrichshainer Nordkiez (Rigaer Str. 94 und Liebigstr. 34) sowie die mittlerweile vom Berliner Landgericht abgesegnete Räumung des linken Jugendzentrums „Potse“ in Schöneberg für starken Zulauf.

Etwa eine halbe Stunde nach Beginn der Demonstration werfen Unbekannte aus dem Demonstrationszug plötzlich Steine und Farbbeutel auf ein Neubauprojekt an der Ecke Hermannstraße und Flughafenstraße. Daraufhin stoppt die Polizei den Zug, die Situation eskaliert.

Linksautonome greifen sofort die Einsatzkräfte an, so schildert es die Polizei in einem Bericht am Sonntag. Sie umzingeln teils unbehelmte Streifenbeamte und bewerfen sie mit Steinen.

In Videos, die Anwohner und Demonstranten im Internet veröffentlichen, ist zu sehen, wie die Polizei den Zug stürmt, um die Gewalttäter zu stellen – chaotische Jagdszenen entstehen. Polizisten in Kampfanzügen rennen, Demonstranten flüchten in die Seitenstraßen, Menschen fallen zu Boden, Pyrotechnik wird gezündet. Drei Polizisten werden in dieser Situation verletzt, berichtet die Polizei. Ein weiterer Mitarbeiter erleidet einen Schock.

Die Lage ist zu diesem Zeitpunkt unübersichtlich, es lässt sich kein fester Demonstrationszug mehr ausmachen. Mehrere hundert Teilnehmer liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei im gesamten Schillerkiez mit seinen vielen Nebenstraßen. Mülleimer brennen und Protestler errichten Straßenblockaden. Auch zeigen Fotos, wie Menschen auf Dächern Pyrotechnik entzünden. Die Polizei hatte für einige Minuten die Kontrolle verloren.

Vor allem rund um den Herrfurthplatz geht es chaotisch zu. Während in den angrenzenden Restaurants zu Abend gegessen wird, blockieren Randalierer Nebenstraßen mit Baustellen-Material. Dichter Rauch liegt über dem Stadtteil. Immer wieder fliegen Steine und Flaschen. Die Demonstranten beschädigen zwei Einsatzfahrzeuge und ein SPD-Parteibüro in der Hermannstraße.

Erst als weitere Polizisten eintreffen, kann die Lage beruhigt werden. Mehrere Hundertschaften drängen den verbliebenen Demonstrationsblock zum Rückzug, ein Hubschrauber kreist über dem Kiez. Die Linksautonomen ziehen sich in die Hermannstraße und den Schillerkiez zurück.

Schon wenig später zeugen nur noch die zahlreichen Einsatzfahrzeuge der Polizei von der kurzzeitigen Eskalation, viele Gewalttäter sind geflohen. Ein vorbeigehender Passant fragt angesichts der massiven Polizeipräsenz, „ob denn schon wieder Karstadt überfallen wurde“ und die Beamten räumen die letzten E-Scooter von der Hermannstraße, die von Autonomen als Blockademittel genutzt wurden.

Nachdem es in Neukölln ruhig geworden ist, ziehen einige Teilnehmende der Demo nach Prenzlauer Berg. Das war in der Szene offenbar schon im Vorfeld so besprochen worden. Gegen 23 Uhr versammeln sich bis zu 200 Personen zu einem nicht angemeldeten Aufzug an der Kreuzung von Knaackstraße und Wörther Straße, der dann von Einsatzkräften bis zum Senefelderplatz begleitet wird.

Dort errichten sie erneut Barrikaden auf der Straße und setzen sie in Brand. Wie die Polizei berichtet, werden mehrere Autoscheiben und Spiegel zerstört. Wieder fliegen Flaschen und Steine. Nachdem die Polizei drei Demonstranten festgenommen hat, teilen sich die Menschen in kleinere Gruppen auf und verlassen den Platz.

Mit einer Bilanz tut sich die Polizei einen Tag später schwer. Wie viele Polizisten und Demonstranten bei den linken Protesten verletzt wurden, kann sie nicht genau sagen. Lediglich eine Gesamtbilanz zu allen Demonstrationen des Samstags ist möglich, eingeschlossen sind also die Vorfälle bei der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Mitte.

Demnach wurden insgesamt 45 Polizisten verletzt. Teils mussten Beamte im Krankenhaus behandelt werden, weil Glassplitter sie im Gesicht verletzt hatten. Insgesamt nahm die Polizei am Samstag 133 Personen fest.

Die Einsatzkräfte mussten 89 Strafermittlungsverfahren und 36 Ordnungswidrigkeitenverfahren einleiten, unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und wegen Landfriedensbruchs. Zudem führt die Polizei Ermittlungsverfahren wegen Zusammenrottung und wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.


Aus: "Chaotische Szenen im Schillerkiez, brennende Barrikaden in Prenzlauer Berg"  Silvia Perdoni, Julius Geiler (02.08.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/linksautonome-demonstrieren-in-berlin-chaotische-szenen-im-schillerkiez-brennende-barrikaden-in-prenzlauer-berg/26058906.html

Kontext: https://www.tagesspiegel.de/berlin/die-berliner-polizei-zieht-bilanz-45-verletzte-polizisten-und-133-strafanzeigen-bei-demonstrationen/26058422.html

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deejay 16:53 Uhr

Ich war heute an der Ecke Hermann/Flughafenstrasse. Ich habe keine Stelle auf der Strasse/Gehweg gefunden, von der Steine entfernt wurden. Auch habe ich keine Stelle auf der Strasse gesehen, die nach einem Steinschlagtreffer aussahen. Auch an dem Gebäude, das mit Farbe angegriffen wurde, habe ich keine Steinschlagschäden gesehen.
Auch gibt es mehrere Videos von der Eskalation an der Ecke. Auch dort sind keine fliegenden Steine zu sehen.


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tiber5 18:09 Uhr

Antwort auf den Beitrag von deejay 16:53 Uhr
Sie haben Recht, das hat sich alles das kryptofaschistische System und seine Büttel bei Journalisten und Polizei ausgedacht :-)

tiber5


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deejay 19:04 Uhr

Antwort auf den Beitrag von never 17:50 Uhr
Kann ja sein, das sie Probleme mit ihren Augen haben. Das würde erklären, warum ich kein "eingebettetes Twittervideo" finde. Es gibt mehrere links zu anderen Artikeln, in denen Videos sind.
Auch da ist kein Video dabei, das Steinwürfe an der Hermann/Flughafenstr dokumentiert.
Dies aber behauptet die Polizei, und rechtfertigt damit den Polzeizugriff auf die Demo.
Polizeipressemeldung: "An der Hermannstraße Ecke Flughafenstraße griffen die Versammlungsteilnehmenden dann unvermittelt die Polizeikräfte an und bewarfen sie unter anderem mit Steinen. Dabei umzingelten sie auch Einsatzkräfte, ...."
Das lässt sich aber nirgends belegen.


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