Author Topic: Jeremy Bernard Corbyn ...  (Read 847 times)

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Jeremy Bernard Corbyn ...
« on: September 15, 2015, 12:16:35 PM »
Jeremy Bernard Corbyn (* 26. Mai 1949 in Chippenham, Wiltshire) ist ein britischer Politiker der Labour Party ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Jeremy_Corbyn

Eigentlich müsste das Establishment der britischen Labour-Partei sich glücklich schätzen. In den letzten Tagen vor Registrierungsschluss für die Wahl zum neuen Vorsitzenden haben sich 160 000 Menschen neu in die Listen eingetragen, sodass nun 610 000 Wahlberechtigte mit darüber abstimmen können, wer die Geschicke der Partei künftig lenken soll. Viele dieser neuen Unterstützer sind junge Wähler. Das Interesse an der Partei ist so groß wie lange nicht mehr, zu den Wahlveranstaltungen kommen zum Teil Tausende Zuhörer. Doch das Labour-Establishment ist nicht glücklich.
Das liegt daran, dass das neue Interesse vor allem dem 66 Jahre alten Jeremy Corbyn gilt, der beste Aussichten hat, neuer Parteichef zu werden. Corbyn zählt zum ganz linken Labour-Flügel, er ist beliebt bei den Gewerkschaften und der Basis, bei den Parteigranden jedoch gefürchtet. Allein in den vergangenen zehn Jahren widersetzte er sich als Abgeordneter fast 300 Mal dem Fraktionszwang und stimmte gegen die verordnete Parteilinie. ...

Aus: "Jeremy Corbyn - Außenseiter mit Strahlkraft" Christian Zaschke, London (18. August 2015)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/grossbritannien-die-strahlkraft-des-aussenseiters-1.2610407

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"Labour leadership: Jeremy Corbyn elected with huge mandate" (Saturday 12 September 2015 13.27 BST)
Jeremy Corbyn has been elected leader of the British Labour party, in a stunning first-round victory that dwarfed even the mandate for Tony Blair in 1994. ... Corbyn’s victory is all the more remarkable because he started as the rank outsider, behind rivals Burnham, Cooper and Kendall, and only scraped on to the ballot paper when about 15 Labour MPs lent him their votes in order to widen the debate. ... In the campaign, he promised to give Labour members a much greater say in the party’s policymaking process, in a move that could sideline MPs. His key proposals include renationalisation of the railways, apologising for Labour’s role in the Iraq war, quantitative easing to fund infrastructure, opposing austerity, controlling rents and creating a national education service. He is also likely to prove an obstacle to David Cameron’s ambition to launch airstrikes on Syria, although some Labour MPs could defy the whip to vote with the government. ...
http://www.theguardian.com/politics/2015/sep/12/jeremy-corbyn-wins-labour-party-leadership-election


... Holland, der heute als Professor in Portugal lehrt, war Abgeordneter und Minister im Schattenkabinett, als Corbyn zum ersten Mal ins Unterhaus gewählt wurde. „Er hatte diese wahnsinnige Integrität“, sagt Holland am Telefon. Im Jahr 1984 wurden beide festgenommen, als sie vor der südafrikanischen Botschaft in London gegen Apartheid protestierten.
Corbyn, behauptet Holland, habe nie irgendwen um irgendeine Erlaubnis gefragt.  ... In vielen seiner Überzeugungen hat Jeremy Corbyn die Geschichte recht gegeben. Pinochet wurde im Jahr 1998 in London verhaftet, Sinn Fein ist heute anerkannt in Irland, und die Kriege der Blair-Ära werden von den meisten Briten als unrechtmäßig empfunden. Jeremy Corbyn, so könnte man zusammenfassen, hat die richtigen Ideen – zur falschen Zeit.
Nun will er also im Jahr 2015 eine sozialistischere Gesellschaft und reist dafür durch Großbritannien.
Wer wissen will, warum er gerade jetzt so viel Erfolg damit hat, muss eine seiner vielen Veranstaltungen besuchen.
Vor dem Theater in Chelmsford warten sie schon lange auf Jeremy Corbyn. Bis um die nächste Ecke stehen die Menschen Schlange. Alte Pärchen neben Gruppen von Jugendlichen, Eltern schieben ihre Babys in Kinderwagen vor sich her. Ein älterer Mann schreitet die Reihen der Wartenden ab. Er hat einen Stapel Zeitschriften in der Hand. „Labour Briefing, nur ein Pfund!“, ruft er, und immer wieder: „Für Jeremy!“
Der Aktivist sagt, er sei 1969 der Partei beigetreten, weil er wirklichen Sozialismus wollte. Ausgetreten ist er nie, auch nicht, als Tony Blair die Partei führte. Wie immerzu mit dem Kopf gegen die Ziegelmauer, so habe es sich oft angefühlt, während der Zeiten von New Labour, trotz Regierungsbeteiligung, erzählt er. Seit Corbyns Kandidatur fällt ihm die Parteimitgliedschaft wieder leicht: „Darauf habe ich mein ganzes Leben gewartet.“ ...

Aus: "Radikaler Star der Labour-Partei - Jeremy Corbyn: Alter Spalter" Johannes Laubmeier (08.09.2015)
http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/radikaler-star-der-labour-partei-jeremy-corbyn-alter-spalter/12294392.html

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    comfreak,  12.09.2015 18:28 Uhr

Jeremy Corbyn, so könnte man zusammenfassen, hat die richtigen Ideen – zur falschen Zeit.

Zur falschen Zeit? - Zur richtigen Zeit!

Es war mal so, da hatte man mit dem neoliberal-Konservativem und dem Sozialdemokratisch-Progressiven mind. 2 Alternativen in der Politik.
Seit Schröder/Blair/Hollande alle versuchen die Neoliberalen auf eigenem Terrrain zu schlagen, wundert sich die Sozialdemokratie, dass sie ein Auswärtsspiel nach dem anderen verlieren. Dadurch ist die Alternative verloren gegangen und der Neoliberalismus der Babyboomer-Generation hat sich durchgesetzt.

Es wird höchste Zeit, dass diese Alternative wiederbelebt wird. Es darf eben nicht sein, dass in der Politik "Alternativlosigkeit" herrscht. Gibt es keinen Streit um den richtigen Weg, den eine Gesellschaft gehen will, gewinnt immer der Stärkere (=Reichere).

Noch ein Gedanke zur Wortwahl "radikal". Wer Corbyn ernsthaft radikal nennt, hat wohl offenbar den neoliberalen Traum der Babyboomer-Generation völlig geschluckt und sich der Alternativlosigkeitspolitik hingegeben. Corbyn ist nicht radikaler links als ein Herr Gysi oder Ströbele. Diese Vergleiche sind m.E. besonders angebracht, weil auch diese Köpfe seit Jahren durch ihre Integrität punkten und nicht durch polit. Opportunismus. In dieser Hinsicht ist es eine gute Entwicklung für die Demokratie, dass wieder jemand eine Partei führt, der durch Integrität dahin gekommen ist, wo er steht und nicht durch sein Fähnlein nach dem Wind zu hängen, wie es die Merkels, Gabriels etc gewohnt sind.


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    narrow, 10.09.2015 16:25 Uhr

Lange überlegt warum bzw. womit Corby sich diesen Ehrentitel, hingemeißelt in fetten Lettern

    Alter Spalter

verdient haben könnte – dann fand ich die Erklärung in der letzten Spalte:

    Corbyn sprach sich öffentlich gegen Augusto Pinochet aus, als dieser noch die Unterstützung Großbritanniens genoss. Er lud Vertreter der irisch-republikanischen Partei Sinn Fein zu Gesprächen ins Unterhaus ein. 2001 stimmte er gegen den Krieg in Afghanistan und 2003 gegen den im Irak, seiner eigenen Parteilinie zum Trotz. Zu Zeiten der Blair-Regierung brach er 238 Mal die Parteidisziplin, stimmte im Parlament gegen die eigene Regierung.

Gegen den von den USA protegierten Schlächter Pinochet, welcher ja Anerkennung bis in die deutsche Christdemokratie hinein – „…der Aufenthalt im Stadion…“ – genoss, gestimmt zu haben, war dann doch zu ville in einer sich im Niedergang befindlichen „Labour“ Party, welche sich den wohl endgültigen Bankrott mit dem Blair-Schröder-Papier gab: die SPD lässt grüßen.


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In Deutschland avancierte unter Gerhard Schröder die "Neue Mitte" zur  zentralen, ja alleinigen Bezugsgröße sozialdemokratischer Politik. Die "Neue Mitte", das waren nicht die Kassiererinnen, Installateure und Lageristen. Erreichen wolle man die "Angestellten oder Selbstständigen mit qualifizierten Bildungsabschlüssen in den Kernbereichen der neuen Ökonomie", in "verantwortungsvollen Positionen", so formulierte es Matthias Machnig, einer der programmatischen Köpfe jener Jahre. Die strategische Fokussierung auf die Gut- und Besserverdienenden, die Leistungsträger und Wohlsituierten markierte auch die Abkehr von den traditionellen Wählermilieus. Die sozialstrukturellen Ränder der Gesellschaft rückten aus dem Blickfeld sozialdemokratischer Politik.

 Man könnte nun einwenden, dass dieser programmatische Schwenk nur eine folgerichtige Konsequenz aus gesellschaftlichen Veränderungsprozessen war. In den modernen Wissensgesellschaften existiert kein Industrieproletariat, keine klassenbewusste Arbeiterschaft, an die sich linke Politik richten könne. Doch hat die postindustrielle Individualisierung keinesfalls dazu geführt, dass sich die Ränder der Gesellschaft "nivellieren", wie es der Soziologe Helmut Schelsky in den fünfziger Jahren diagnostizierte.

Vielmehr entstand ein neues Dienstleistungsproletariat: Callcentermitarbeiter, Gebäudereiniger oder Pflegekräfte, die in Vollzeit arbeiten, aber kaum genug zum Leben verdienen. Ihr Anteil belaufe sich in Deutschland, so der Soziologe Heinz Bude, auf zwölf bis 14 Prozent der gesamten Beschäftigten. In diesem neuen Proletariat gäbe es kaum Aufstiegshoffnungen. Von der Politik seien sie enttäuscht und hätten die Hoffnung auf Veränderung aufgegeben. In Deutschland, aber auch in anderen europäischen Staaten manifestierte sich dieser Abkopplungsprozess in einer rasant sinkenden Wahlbeteiligung. In den sozialen Brennpunkten und Hochhaussiedlungen geht vielerorts kaum mehr die Hälfte der Bürger zu den Wahlen.

Jeremy Corbyn, und dies ist das Interessante an seiner Wahl, ist es gelungen, dieses Milieu der Abgehängten, der Verlierer und Underdogs durch seinen populistischen Bruch mit dem Post-Thatcher-Konsens zu mobilisieren. Sein Erfolg wurde, wie der Guardian schreibt, getragen von einer "Graswurzelbewegung" der "Armen und Schlechtbezahlten". Corbyn werde gewählt von jenen, die 50 Stunden arbeiten, aber trotzdem ihre Miete nicht bezahlen können, konstatiert der Independent. 

 Die britische Sozialdemokratie wird sich gezwungen sehen, das Verhältnis zur eigenen Wählerschaft neu zu verhandeln, die Frage zu beantworten, wen sozialdemokratische Politik adressieren soll und ob die populistische Zuspitzung ein probates Mittel sein kann. Auch der radikale Corbyn wird dabei Kompromisse eingehen müssen. Für ihn wird es darauf ankommen, ein tragfähiges Narrativ zu entwickeln, das bei den Abgehängten, aber auch in mittleren Milieus verfangen kann. Denn auch jenseits des neuen Proletariats ist man mit Modernisierungs- und Beschleunigungsprozessen überfordert und blickt skeptisch auf Ausgabenkürzung und Entstaatlichung. 

Unter den europäischen Sozialdemokraten, die in weiten Teilen mehr taumelnd als gestalterisch wirken, wird die Entwicklung in Großbritannien aufmerksam verfolgt. ...

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staasdieter
#1  —  vor 15 Stunden 1

Die verlorenen Ränder ...
werden nach und nach zum Mainstream, zu einer neuen Mitte, weil sie wachsen und wachsen. Der Neoleberalismus kennt nämlich keine Mitte; er braucht auch keine. Er reduziert sie wie, schon die Unterschichten, auf eine Ressource, einen Produktionsfaktor. Und wenn er diesen zum halben Lohn und ohne soziale Absicherung bekommen kann, dann werden eben große Teile der Mittelschicht durchgereicht, dorthin, wo sich jetzt schon die unteren Schichten, die Ränder der Gesellschaft, drängen. Möglicherweise hat man in GB schon erkannt, dass der Neoliberalismus keine Wohlfahrtsökonomie ist, jedenfalls keine für die oberen Zweidrittel, sondern bestenfalls für die oberen 10-20%.


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mehrmut
#2  —  vor 15 Stunden 3

Corbyn ist Labours Linksaußen, er will die Infrastruktur verstaatlichen, die Studiengebühren abschaffen und die europäische Sparpolitik bekämpfen.

Damit ist man heutzutage linksaußen in einer linksgerichteten Partei? Ein Beweis dafür, wie irrsinnig die politische Diskussion geworden ist. Dieser Artikel ist ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr “out of touch” die Eliten und die etablierten Medien sind.

Jeremy Corbyn [...] ist es gelungen, dieses Milieu der Abgehängten, der Verlierer und Underdogs durch seinen populistischen Bruch mit dem Post-Thatcher-Konsens zu mobilisieren.

Das ist reichlich überheblich. Als wären da nur ein paar Leute, die mit der modernen Welt nicht klarkommen, weil sie sich nicht genügend anstrengen, und als käme jetzt ein übler Demagoge, der die kluge und überaus erfolgreiche Politik des Rückzugs des Staates und der Umverteilung von unten nach oben nicht verstehen will.

Weiter weg von der Realität kann man eigentlich nicht sein.

Wie schon in den neunziger Jahren könnte das Vereinigte Königreich rund 20 Jahre später zu einem Laboratorium für eine Neuerfindung der Sozialdemokratie werden.

Blair hat nichts neu erfunden, sondern Altes einfach aufgegeben und viele Anhänger entfremdet. Corbyn holt sie zurück: “I say to those returning to the party who were in it before and felt disillusioned and went away, welcome back. Welcome back to your party, welcome home.”


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PeterStein
#3  —  vor 13 Stunden 4

Ich kann Corbyn nur Glück und Erfolg wünschen!
Die "Mitte" von der Schröder, Müntefering, Steinbrück, Gabriel und Co. schwafeln wird immer mehr zerrieben durch die zunehmende Spaltung der westlichen Gesellschaften in Reich/Arm Oben/Unten.
Die größte Teil der "Mittelschicht" wird (das zeigen viele Untersuchungen) nach unten gedrückt. Der Abstand zwischen z.B. Managern und dem Durchschnittsverdienst in ihren Firmen wächst gewaltig. Deshalb wäre eine Steigerung z.B. des Spitzensteuersatzes auf das Niveau der Adenauer- oder Kohl-Zeit (deutlich über 50%), Reduzierung der Abschreibe- und Steuersparmodelle, eine Börsensteuer, das Verbot des maschinellen Handels an der Börse und insgesamt eine Reduzierung der Kapitalblase (es gibt weltweit mehr Finanzkapital als Güterwerte) das Gebot der Stunde.
Ihre jetzige Politik wird die SPD niemals aus dem 20%-Ghetto herausführen, da wählt man doch lieber die Partei der Teflonkanzlerin.


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Brillalein
#4  —  vor 13 Stunden

Ich denke, Corbyn ist ein Sozialdemokrat, mit dem die SPD auch hier Chancen hätte, aus dem Dämmerstadium der Rautenhandlanger heraus zu kommen. Der Mann hat in seinen 32 Jahren Arbeit als Abgeordneter für Islington durchaus gelernt, was Rückgrat bedeutet, weswegen er von den Islingtonern wieder und wieder und wieder... gewählt wurde. Wäre vielleicht auch im Artikel erwähnenswert gewesen? Der ist kein Neuschaf. Im Gegenteil. Und dieses Vertrauen hat er zurückbekommen. Hier ein hübscher und sehr treffender Artikel: http://www.newstatesman.com/politics/2015/08/what-corbyn-moment-means-left (23 August 2015 )
Auf Englisch.



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Hokan
#5  —  vor 12 Stunden

Der Analyse des Autors kann ich mich anschließen, seiner merkbaren gesellschaftspolitischen Position nicht.

Wie in vielen anderen Fällen darf man annehmen, dass der Autor für Schlagzeile und Subtitel nicht verantwortlich zeichnet. Aber dort klingt es schon an. „Neuer Held der Armen“ und „Verlierer“. Aus Sicht seiner Wähler geht es wohl kaum um Heldenverehrung. Hier geht es um Hoffnungen, die diese angesichts von Labour à la Blair verloren hatten. Die, die diese Hoffnungen mit Corbyn nun wiedergewonnen haben, kann man Verlierer nennen, stellt sich damit aber in den Dienst gängiger neoliberaler Betrachtungsweise, die strukturell Chancenlose in der wirtschaftsliberalen Gesellschaft zu individuellen Versagern macht.

Im Text geht es dann leider so weiter. In Verbindung mit Corbyn heißt es „populistisch“ und „radikal“. Und in Hinblick die an die sehr breiten Ränder solcher Gesellschaften Gedrängten spricht der Autor individualisierend von Überforderten. Aus Sicht der Betroffenen und einer weniger gängigen zeittypischen Betrachtungsweise sieht das deutlich anders aus.


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gohinein
#5.1  —  vor 2 Stunden

Zur Anregung und Beförderung der Diskussion hier lassen wir ihn doch selbst zu Wort kommen.

14. September 2015 um 17:03 Uhr
Corbyn: „Vor allem hat sich gezeigt, dass Millionen Menschen eine echte Alternative wollen …“
http://www.nachdenkseiten.de/?p=27554


 

Aus: "Jeremy Corbyn: Der neue Held der Armen" Robert Pausch (14. September 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-09/jeremy-corbyn-labour-grossbritannien

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Typisch bei der Einlassung über den „linken Spinner“ Jeremy Corbyn ist, dass sich das ZDF wie auch andere Medien bei der dort geläufigen Etikettierung auf Hörensagen, also auf andere Quellen berufen: „Er gilt nicht nur bei Konservativen als linker Spinner“. Wir kennen diese Methode der Denunziation, zuletzt eindrucksvoll praktiziert von Wolfgang Storz in seiner Querfront-„Studie“ für die Otto Brenner Stiftung. Weder werden fundierte Quellen genannt noch wird das Urteil des Etiketts begründet. In Bezug auf den neuen Vorsitzenden der Labour Party heißt es typisch: „Kritiker sprechen“ vom „weit links stehenden neuen Vorsitzenden, er komme „vom linken Rand“. Er sei ein „Parteispalter“. Er sei „rückwärtsgewandt und radikal“. – Offenbar haben Journalisten keine Zeit für eigene Recherchen oder sie wollen diese gar nicht. Deshalb diese hilfreiche Methode, angebliche Kritiker zu zitieren. Siehe dazu das verlinkte heute.de.

Im Falle Jeremy Corbyns ist das Etikett äußerst fad und unbegründet:

    Linker Spinner ist, wer die fatale Privatisierung der britischen Eisenbahn, die kein vernünftiger Mensch mehr rechtfertigt, rückgängig macht.
    Ein linker Spinner ist, wer gegen die Kriege antritt, die seit 15 Jahren die weite Region des Nahen Ostens, Mittleren Ostens und Nordafrikas destabilisiert haben und von Afghanistan bis Libyen Millionen Menschen getötet, verletzt und in die Flucht getrieben haben.
    Ein linker Spinner ist, wer die skandalös ungerechte Einkommens- und Vermögensverteilung, die in nahezu allen Ländern durchgesetzt wurde, korrigieren will.
    Ein linker Spinner ist, wer glaubt, die herrschende Armut lasse sich bekämpfen.

Corbyn tritt für eine bessere, eine gerechtere Gesellschaft ein, er will eine „decent society“, so sagt er. D.h., „decent“ übersetzt ungefähr: eine anständige Gesellschaft, weitere Bedeutungen des Wortes decent sind: vernünftig, ordentlich, korrekt, honorig, sittsam.

Wenn ein Politiker solche ganz normalen Werte des Anstandes, man könnte auch sagen im guten Sinne konservative Werte, zum Maßstab seines Handels machen will, dann jagt das den Konservativen außerhalb und in seiner Partei Angst und Schrecken ein. Sie brauchen korrupte Politiker, unanständige, unvernünftige, unkorrekte. Und auch dem ZDF wird richtig gruselig zumute, wenn einer nicht zu kaufen ist. Das ist dann ein Spinner. Ein linker Spinner.

Wer sich genauer informieren will, BBC hat am 14.8.2015 eine Übersicht unter dem Titel „What is Jeremy Corbyn’s programme for government?“ veröffentlicht. Dieser Text ist zwar auch von leichter Feindseligkeit geprägt, aber immerhin informiert er. ...

Aus: "ZDF zum neuen Labour-Chef: „Er gilt nicht nur Konservativen als linker Spinner“" Albrecht Müller (13. September 2015)
Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=27532


--> "What is Jeremy Corbyn's programme for government?" (14 August 2015)
http://www.bbc.com/news/uk-politics-33772024


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Jeremy Bernard Corbyn ...
« Reply #1 on: September 16, 2015, 02:27:25 PM »
"A Challenge to Neoliberal Orthodoxy" By Nicolas J S Davies (September 14, 2015)
Conventional thinkers say Jeremy Corbyn’s election to head Britain’s opposition Labour Party and Bernie Sanders’s surge against Hillary Clinton are passing fancies that will fade as the summer ends, but Nicolas J S Davies sees the hope for an inspiring new politics. ...
https://consortiumnews.com/2015/09/14/a-challenge-to-neoliberal-orthodoxy/

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[...] In Großbritannien sind angesichts der massiven Kritik an Jeremy Corbyn nach Angaben der Tageszeitung The Independent in nur einer Woche mehr als 60.000 Menschen in die Labour-Partei eingetreten. Es handele sich um die größte Eintrittswelle in so kurzer Zeit in der Geschichte der britischen Parteienlandschaft, schreibt das Blatt. Mit den Masseneintritten stellt sich die Labour-Basis damit offenbar eindrucksvoll gegen den Versuch des rechten Partei-Establishments, den linksgerichteten Corbyn nach dem Brexit-Votum zu stürzen und durch Pro-EU-Kräfte zu ersetzen. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass Corbyn-Kritiker ein Parteibuch beantragen, um die Gegner des Parteivorsitzenden zu stärken.

The Independent schätzt jedoch, dass mehr als die Hälfte der Parteineulinge zu Unterstützern der linken, EU-kritischen Corbyn-Linie zählen. Der Masseneintritt in die sozialdemokratische Labour-Partei würde damit die Kluft zwischen der Parteibasis und der Funktionärsebene zeigen. Denn während die Briten massenhaft ein Labour-Parteibuch beantragen, hat sich ein großer Teil des Schattenkabinetts von Corbyn zurückgezogen. Die designierten Ministerinnen und Minister protestierten damit gegen Corbyns angeblich zu wenig akzentuierte Haltung gegen einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Drei Viertel der Labour-Abgeordneten sprachen dem Parteichef zudem ihr Misstrauen aus. Sie lagen damit auf einer Linie mit dem scheidenden konservativen Premierminister David Cameron, der den Labour-Chef im Abgeordnetenhaus mit harschen Worten zum Rücktritt aufrief: "Um Himmels Willen, gehen Sie endlich, Mann!"

Corbyn weist bislang alle Rücktrittsforderungen zurück. Er war erst im September von der Parteibasis in einer Urwahl zum Labour-Chef bestimmt worden. Gut 60 Prozent hatten sich damals für den Linken ausgesprochen. Jetzt wegen ein paar Dutzend Abgeordneter zu gehen, lehnt Corbyn ab.

Während in der deutschen Presse von dem Widerstand aus dem rechten Labour-Flügel in der deutschen Presse breit berichtet wurde, war von der Eintrittswelle hierzulande bislang nichts zu erfahren.

Mit den Eintritten in Labour steigt die Mitgliederzahl auf rund 450.000. Das sind deutlich mehr Mitglieder als zum bisherigen Höhepunkt unter Anthony Blair, als die Partei Ende der 1990er Jahre 405.000 Mitglieder verzeichnete. ...

... Nach Angaben des "Independent" wurden 20.000 der neuen Labour-Mitglieder bereits überprüft. Man gehe davon aus, schreibt das Blatt, dass mindestens die Hälfte der Parteineulinge ausdrücklich Corbyn und dessen "historische Wende" unterstützen wollen. Es sei aber auch denkbar, dass tausende Neumitglieder sich gegen den linken Labour-Chef wenden. Die "Wirtschaftsministerin" im Schattenkabinett von Corbyn, Angela Eagle, führt derzeit eine Kampagne gegen den Parteivorsitzenden, dessen Nachfolge sie antreten will.

Indes haben 240 Stadträte einen offenen Brief zur Unterstützung von Corbyn veröffentlicht. Die Initiative folgte unmittelbar auf das Misstrauensvotum in der Fraktion, bei dem nur 40 Mitglieder dem Vorsitzenden ihr Vertrauen ausgesprochen hatten.

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     albibi, 05.07.2016 12:47

Fehl- und Miss- und Nichtberichterstattung deutscher Leitmedien

Wer sich noch ernsthaft über die Fehl- und Miss- und Nichtberichterstattung deutscher Leitmedien wundert - oder noch ernsthaft daran zweifelt - , dem sei dieser sehr fundierte und überzeugende Beitrag von Herrn Goeßmann empfohlen:

https://youtu.be/MsJlNeJZkP4

"Die Leitmedien als Sprachrohr der politisch und wirtschaftlich Mächtigen

Vom Afghanistankrieg über die Griechenlandkrise bis zum Klimaschutz: Der Medienkritiker David Goeßmann, Gründer von Kontext-TV, erläutert, wie deutsche Leitmedien die Realität systematisch filtern und die Ereignisse ideologisch rahmen. Anstatt Macht und Mächtige zu überwachen, fungieren die Mainstreammedien als Gatekeeper der Eliten. Das Ergebnis ist eine blockierte Demokratie.

Moderne Massenmedien, so Edward Herman und Noam Chomsky in ihrem Standardwerk „Manufacturing Consent“, tendieren aufgrund institutioneller Filter dazu, Zustimmung zum politischen Kurs der Eliten herzustellen. David Goeßmann liefert eine Reihe von Belegen, wie auch deutscher Journalismus gemäß den Erwartungen des Propaganda-Modells funktioniert. Wenn sich die politischen und ökonomischen Eliten über einen Kurs verständigt haben, filtern die Medien unliebsame Tatsachen aus. Die Bedürfnisse und Interessen der Bevölkerungsmehrheit kommen dabei unter die Räder.

Referent: David Goeßmann, Journalist, Gründer des Fernsehmagazins kontext-tv.de



Aus: "Über 60.000 Eintritte in die Labour-Partei binnen einer Woche" Harald Neuber (05.07.2016)
Quelle: http://www.heise.de/tp/news/Ueber-60-000-Eintritte-in-die-Labour-Partei-binnen-einer-Woche-3254387.html

http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/labour-party-gains-60000-new-members-following-attempted-coup-against-corbyn-a7112336.html

« Last Edit: July 07, 2016, 03:32:28 PM by Link »

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« Reply #2 on: July 19, 2016, 10:15:45 AM »
"Ex-Gewerkschaftsfunktionärin und Ex-Pfizer-Lobbyist wollen Corbyn stürzen" Peter Mühlbauer (18.07.2016)
Das Corbyns Chancen nicht mehr so gut sind wie bei der Urabstimmung im letzten Jahr, liegt aber auch daran, dass die Labour Party die Regeln dafür geändert hat: Für Sympathisanten kostet die Teilnahme nun 25 statt drei Pfund. Diese 25 Pfund müssen auch 130.000 Parteimitglieder zahlen, die in den letzten sechs Monaten eintraten und bei denen es sich überwiegend um Corbyn-Anhänger handeln soll (vgl. Über 60.000 Eintritte in die Labour-Partei binnen einer Woche). Nur wer schon länger Parteimitglied ist, darf kostenlos abstimmen, obwohl die neuen Mitglieder der Partei Mehreinnahmen in Höhe von bis zu sechs Millionen Pfund verschafften.
Ebenfalls kein Stimmrecht haben Sympathisanten und Mitglieder, die sich in der Vergangenheit kritisch über Labour-Politiker äußerten und sich dabei einer "aggressiven" oder "unfairen" Sprache bedienten. Als Beispiele dafür nennt die Partei die Wörter "Streikbrecher", "Verräter" und "Abschaum".
Das Vorhaben, Corbyn dazu zu zwingen, für die anstehende neue Urwahl die Unterschriften von mindestens 51 Labour-Parlamentsabgeordneten vorzulegen, scheiterte dagegen knapp: Die Mehrheit im Exekutivkomitee der Partei schloss bei einer Sitzung letzte Woche der Ansicht an, dass ein amtierender Parteivorsitzender automatisch zur Wahl steht und diese Unterschriften, die verhindern sollen, dass aussichtslose Bewerber kandidieren, nicht nachweisen muss.
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48861/1.html

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     luky, 18.07.2016 13:55

Lesenswerte Studie

Die Nachdenkseiten haben auf eine Studie der LSE aufmerksam gemacht, über die Behandlung Corbyns durch die britischen Medien.

http://www.lse.ac.uk/media@lse/research/pdf/JeremyCorbyn/Cobyn-Report-FINAL.pdf

gruss. luky


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[...] Corbyn ist umstritten und steht dennoch für einen Erfolg, um den ihn andere Genossen in Europa beneiden: Inmitten der Krise der Sozialdemokratie schaffte es ausgerechnet ein Politiker aus den hintersten Reihen, die britische Sozialdemokratie wieder interessant für die breite Masse zu machen. Seit Corbyn im September 2015 durch einen Mitgliederentscheid an die Parteiführung aufrückte, hat sich die Labour-Parteibasis mit über 600.000 Mitgliedern mehr als verdoppelt. Zuletzt hatte Labour in den späten Siebzigern so viele Mitglieder. Zum Vergleich: Im bevölkerungsstärkeren Deutschland schrumpfte die Mitgliederzahl der SPD von über einer Million unter Willy Brandt auf weniger als die Hälfte im Jahr 2015 (442.814). ...

...  Corbyns unkonventionelle bis verschrobene Art provoziert die Eliten: Er sträubte sich lange, ordentliche Anzüge zu tragen, besitzt kein Auto und macht seine Steuererklärung eigenhändig. Im April warf Ex-Premier David Cameron Corbyn in einer Parlamentsdebatte vor, die letzte Erklärung zu spät abgegeben zu haben: "Das ist sinnbildlich für die Labour-Politik. Sie ist zu spät, chaotisch und inakkurat." Corbyn entgegnete daraufhin: "Ich zahle mehr Steuern als die meisten Unternehmen, deren Manager Cameron ziemlich gut kennen dürfte."

Wegen solcher Aussagen gilt Corbyn als Mann der einfachen Leute. Seit Jahrzehnten begleitet er politische Straßenproteste und unterstützt Graswurzelorganisationen. Das Motto seiner Kampagne lautet: "Die Stimme des Volkes". Viele nehmen es ihm allerdings übel, ebenjenes Volk nur halbherzig gegen den Brexit mobilisiert zu haben. Corbyn kommt aus dem linken EU-skeptischen Lager und bemängelt schon seit Jahren fehlende demokratische Strukturen und die europäische Austeritätspolitik. Sein Parteikollege Phil Wilson beschuldigte Corbyn sogar in einem Gastbeitrag im Guardian, die Remain-Kampagne gezielt sabotiert zu haben.

Doch die Kritik an Corbyn geht tiefer. Schon seit Beginn seiner Amtszeit im Herbst 2015 wurde er von allen Seiten diskreditiert – mit teils eigenwilligen Argumenten: Nach seinem ersten öffentlichen Auftritt als Parteichef dominierten Medienberichte über seinen schlechten Kleiderstil und seinen Vegetarismus. Wegen kritischer Äußerungen zum Irak-Einsatz wird dem langjährigen Pazifisten immer wieder von allen Seiten Nähe zu Terroristen unterstellt. Auch für Antisemitismus in seiner Partei wird er mitverantwortlich gemacht, weil er eine propalästinensische Haltung hat.

Der staatliche Sender BBC beschrieb Corbyn in einem Porträt als "eine Karikatur des archetypischen, bärtigen Linken", als ein Schlag Politiker, die längst "in die Mülltonnen der Geschichte gehörten". Mit solchen Äußerungen ist die BBC nicht allein: Eine Studie der London School of Economics and Political Science kritisiert, dass die britischen Medien in der Corbyn-Berichterstattung vom kritischen Beobachter zum Angreifer wurden. In Corbyns ersten Monat als Labour-Chef waren 57 Prozent der Berichte über ihn feindselig bis negativ und weniger als zehn Prozent positiv. Bedenklich waren insbesondere die Mittel der Diskreditierung: Knapp ein Drittel machten sich über ihn lustig, etwa mit albernen Spitznamen wie "Mr. Corbean" (in Anlehnung an die Witzfigur Mr. Bean).

Folglich ist der größte Vorwurf gegen Corbyn auch kein inhaltlicher – lieber ist pauschal von "Unwählbarkeit" die Rede. "Es ist offensichtlich, dass Labour unter ihm keine Wahl gewinnen wird", heißt es auf der Homepage von SavingLabour, einer parteiinternen Organisation, die einen Anti-Corbyn-Wahlkampf macht. Im Vergleich zur aktuellen Premierministerin Theresa May gilt Corbyn laut Umfragen als langweilig, weniger kompetent und als jemand, dem es an Führungsqualitäten mangelt. Dafür wird er  überwiegend als ehrlich und jemand gesehen, der "normale Menschen" versteht.

Die "Unwählbarkeit" scheint sowieso kein großes Problem für seine Unterstützer zu sein: In einer Umfrage unter Gewerkschaftsmitgliedern glaubten nur 23 Prozent der Befragten, dass Labour unter Corbyn die nächsten Wahlen gewinnen könnte. Trotzdem gaben zwischen 30 bis 40 Prozent an, ihn in den Wahlen zum Parteichef zu unterstützen. Oder, wie ein Moderator in der Londoner Radiosendung Novara.FM sagte: "Es geht nicht darum, Wahlen zu gewinnen, sondern darum, eine progressive Kraft in der britischen Politik aufzubauen."

"Ich hab mein Leben lang gearbeitet, war lange Zeit alleinerziehend", erklärt zum Beispiel Labour-Mitglied Debbie Lewis, "deswegen sind für mich Themen wie Sozialleistungen und Lohnfragen sehr wichtig. Und ich habe das Gefühl, dass Jeremy Corbyn das versteht. Er versteht, was es bedeutet, wenn die Regierung die Sozialleistungen um 30 Pfund pro Woche kürzt."

Von Corbyn inspiriert ist die 47-jährige Angestellte der Partei beigetreten, der sie bisher eher skeptisch gegenüberstand: "Früher bin ich manchmal für Proteste nach London gefahren, aber danach hat sich nie wirklich etwas bewegt. Heute habe ich das Gefühl, dass meine Stimme zählt."

Auch der 21-jährige Chames Eddine Zaïmeche ist wegen Corbyn zu Labour gekommen – auch weil er hofft, dass die Partei sich unter ihm von ihrem wirtschaftsliberalen Kurs der vergangenen Jahre verabschiedet. Zaïmeche ist aber auch einer von vielen Corbyn-Unterstützern, die sich gegen den Vorwurf des Personenkultes wehren – sie warnen selber davor: Corbyn ist 67 Jahre alt und in vielerlei Hinsicht ein Sozialist der alten Schule, und die Zukunft sozialdemokratischer Politik muss über eine Einzelperson hinausgehen.

Gerade junge Menschen machen sich Gedanken darüber, wie es nach ihm weitergehen könnte. Sie sehen die Zukunft in der politischen Mobilisierung, auf der Corbyns Erfolg beruht. In Interviews, Podcasts und sozialen Medien berichten Corbyn-Anhänger begeistert von Treffen auf lokaler Ebene, in denen Menschen verschiedenen Alters zusammenkommen und über die konkreten Folgen britischer Politik wie Kürzung vieler Sozialleistungen sprechen.

"Labour hat in der Vergangenheit Politik gemacht, die einfach eine abgeschwächte Version der Konservativen darstellte, und sich nie wirklich mit den Leuten beschäftigt, die von dieser Politik betroffen sind", urteilt Zaïmeche. Er glaubt, dass der Enthusiasmus, den Corbyn in Teilen der Anhängerschaft freigelegt hat, Labour verändert - hin zu einer Partei, die ihre Wähler an Entscheidungsprozessen beteiligt. 

Letztlich geht es in Labours innerparteilichem Kampf  um zwei verschiedene Verständnisse von Politik: Funktionäre und Abgeordnete werfen Corbyn vor, er müsste sich an sie und das politische System anpassen. Corbyns Unterstützer werfen den Parlamentariern vor, die Stimmen ihrer Mitglieder zu untergraben und zu ignorieren.

Unabhängig davon, ob Corbyn diesen Richtungsstreit nun überlebt oder nicht: Seine unerwartete Beliebtheit und Unbeirrbarkeit haben die Labour-Partei bereits wesentlich weiter nach links gerückt und neue Maßstäbe für sozialdemokratische Debatten gesetzt. Das zeigt nicht zuletzt sein einziger verbliebener Kontrahent Owen Smith: Er wird nicht müde zu betonen, "genauso radikal" zu sein wie Jeremy Corbyn. Seinen Chancen scheint das nicht zu helfen. Auf die Frage, ob Smith eine Alternative zu Corbyn sein könnte, meint Debbie Lewis nur: "Er kam aus dem Nichts! Ich habe keine Ahnung, wer er ist."

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Otto2 #1.1  —  vor 2 Stunden 19

Verkommen - diese Rechten innerhalb von Labour. Eine sozialdemokratische Partei erhebt eine Gebühr von 25 Pfund (statt bisher 3), wenn Sympathisanten sich an innerparteilichen Wahlen beteiligen wollen. Mit anderen Worten: Man etabliert einen Vermögenszensus, der verhindert, dass Arme eine Stimme haben.
Undemokratisch. Unanständig. Widerlich.


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Plague #1.2

Corbyn ist doch ein Nestbeschmutzer, weil er die schöne Erzählung von der "Alternativlosigkeit" des Neoliberalismus stört.

Diese rechten Sozialdemokraten waren immer ein fundamentales Problem der Sozialdemokratie, weil sie immer alles Linke bekämpft haben (auch wenn es nicht kommunistisch oder radikal war) und sich gleichzeitig stets bei rechten Wählerschichten angebiedert haben , die aber meistens gleich das Original gewählt haben. Daher auch immer die Rede von der "Mitte der Gesellschaft" - die ist nämlich genau so ein politischer Widerspruch wie Rechte in einer linken Partei.


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Zwischen-den-Zeilen-Leser #1.3

Man etabliert einen Vermögenszensus, der verhindert, dass Arme eine Stimme haben.

Früher wurde in einigen Länder Europas an normalen Wochentagen (und nicht am Wochenende) gewählt, damit die Arbeiter nicht zur Wahl gehen konnten. Natürlich gaben ihnen die Arbeitgeber an solchen Tagen bewusst keinen Urlaub.

Geschichte wiederholt sich.


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MowKow #7

Danke für den Artikel!

Die Schmierenkampagne in den britischen Medien gegen Corbyn seit 2015 hat streckenweise Groteske Züge angenommen, und das selbst im eher links anzusiedelnden Guardian

Um wirkliche Inhalte ging es dabei nie ... alternativlose Gleichschaltungspolitik war stattdessen erwünscht. Von Corbyn könnte sich zudem die hiesige SPD mal eine Scheibe abschneiden um nicht komplett in der Versenkung zu verschwinden.


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Horatio Caine #8

Nach dem Lesen des Artikels, der im Übrigen meine Meinung - die ich durch das Lesen von britischen Medien gefasst hatte - bestätigt, stellt sich für mich nur noch die Frage, wer ersetzt dann bei uns Gabriel?



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Gerry10 #9

Kleine Anekdote zu seiner Steuererklärung:
Es stellte sich heraus das er zuviel(!) Steuern bezahlt hat....


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Brillalein #11

ENDLICH ein Artikel zu Corbyn, der ihn nicht nach den Regeln des neoliberalen Populismus nieder macht. DANKE.


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jack_carlton #14

“Corbyn ist umstritten und steht dennoch für einen Erfolg, um den ihn andere Genossen in Europa beneiden: Inmitten der Krise der Sozialdemokratie schaffte es ausgerechnet ein Politiker aus den hintersten Reihen, die britische Sozialdemokratie wieder interessant für die breite Masse zu machen.”

Als ob das das Kriterium oder gar der Grund ist, weshalb Corbyn erfolgreich ist. Mehr Analyse hat die Zeit nicht zu bieten?


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TheAnarch0 #15

Bei Labour haben sich offensichtlich die Funktionäre und die Basis auseinandergelebt. Die SPD muss aufpassen, dass ihr das nicht auch passiert. Wenn man immer nur Kandidaten für Landtage oder den Bundestag nominiert, die ausser Studium und Politik nichts anderes gemacht haben, werden wir genau das Erleben. Es ist gut, dass es in Europa Sozialdemokraten wie Corbyn oder auch Renzi gibt die zeigen, dass man auch mit klaren sozialdemokratischen Aussagen Menschen mobilisieren kann, dann hat man auch Wahlerfolge. Auch der SPD würde weniger Sozialpädagogik und mehr Arbeiter gut tun.


...


Aus: "Jeremy Corbyn: Er lässt sich nicht wegekeln"  Vanessa Vu und Katharin Tai (22. Juli 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/jeremy-corbyn-labour-party-grossbritannien-brexit/komplettansicht
« Last Edit: July 22, 2016, 02:27:54 PM by Link »

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Jeremy Bernard Corbyn ...
« Reply #3 on: August 11, 2016, 01:57:41 PM »
"Großbritannien: Corbynistas und Blairites kämpfen bei Labour um die Macht" Von Sascha Zastiral, London (11. August 2016)
Umstrittene Abstimmungsregeln, nächtliche Wahlkampf-SMS: Der Kampf zwischen Labour-Chef Corbyn und seinem Herausforderer Smith beschäftigt sogar die Gerichte. ...
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-08/grossbritannien-labour-partei-jeremy-corbyn-owen-smith-abstimmung/komplettansicht

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Plague #2

Ist doch bezeichnend, wie viel Angst die Neoliberalen bei Labour vor dem eigentlich recht traditionalistischen, aber ehrlichen Corbyn haben.
Da ist man sich dann auch nicht zu schade für "Rote Socken"-Kampagnen und dem Wunsch, die innerparteiliche Demokratie abzuschaffen.
Diese Leute sollten sich fragen, ob sie in einer linken Partei richtig aufgehoben sind oder nicht doch eher Tories auf Geisterfahrt sind.


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4hkut00 #2.3

Leute wie Blair und Schöder haben die Sozialdemokratie schwer beschädigt. Nun ist die Frage, wie man den Schaden möglichst schnell wieder beheben kann. Leider gibt es im UK und in Deutschland in den sozialdemokratischen Parteispitzen die alten Garden, die der Ansicht sind, ein noch aalglatterer Kurs wie "New Labour", bzw. "Neue Mitte" könne den Wandel bringen. Warum sie dies denken ist mir absolut schleierhaft. Weder ein Smith, noch ein Gabriel haben die geringste Aussicht auf einen Wahlerfolg. Bei Corbyn sieht das ganz anders aus...

["Die neue Mitte" habe ich mir immer darüber erklärt, dass es sich letztlich um Rechte in einer linken Partei handelt. Die wollen sich natürlich bei rechten Wählerschichten anbiedern und lehnen zu linke Inhalte ab.

Insgesamt liegt das Problem aber tiefer, fürchte ich. Die Sozialdemokratie muss sich grundlegend erneuern oder Platz für eine gemäßigte linke Strömung machen. Wir leben nicht mehr im Zeitalter der Nationalstaaten und der Industrialisierung, worauf die Sozialdemokratie im Wesentlichen eine Antwort war.]


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ahlibaba2 #3

Man blickt neidisch auf Labour. Wann geschieht endlich Ähnliches in der deutschen SPD? Wo bleibt der deutsche Jeremy Corbyn?


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Atan #4

Mr Corbyn dürfte kaum als Sozialdemokrat zu verstehen sein, sondern als ein Sozialist, der die Zukunft seines Landes in einer weitgehenden Verstaatlichung der der Infrastruktur und möglicherweise auch der (inzwischen nicht mehr so bedeutenden) Industrie sieht. Selbst wenn er also je zum Premier gewählt werden sollte, dürfte bei einer Umsetzung seiner Pläne, die wohl allein aus der Sicht des langjährigen Gewerkschaftsfunktionärs Sinn machen, der er ist, Großbritannien in kurzer Zeit ruiniert sein.
Für ein funktionierendes sozialistisches Wirtschaftssystem gibt es in der Geschichte bisher keinerlei Beispiele, für eine Partei, die ohne sachkundige Funktionäre, aber dafür jede Menge verblasenem gesellschaftlichem Utopismus an die Macht kommen will, auch nicht sehr viele.

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artefaktum #4.1  @Atan


Sozialismus und Sozialdemokratie sind zwei unterschiedliche Dinge. Das gegenwärtige Wirtschaftsmodell - alles andere als sozialistisch - scheitert auch zusehends. Für Überheblichkeit besteht also kein Grund. ...



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Ghede #6

"Die Entscheidung fiel offenbar, nachdem die Corbyn-Unterstützer in dem Komitee das Treffen bereits verlassen hatten. Der Abstimmungspunkt stand nicht auf der Tagungsordnung."

... So geht Demokratie. Lupenrein.


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Farlander #7

Corbyn hat sehr gute Chancen zu gewinnen, denn er hat die Basis und die Gewerkschaften auf seiner Seite. Wenn dann bei der nächsten Wahl die meisten Blairities aus dem Parlament verschwinden, weil sie von der örtlichen Parteigliederung nicht mehr aufgestellt wqerden, dann hat Großbritannien nach 41(!) Jahren endlich wieder die Chance auf eine sozialdemokratische Regierung. Die neoliberalen haben dafür gesorgt, dass es zu vielen einfach dreckig geht. ...


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Jeremy Bernard Corbyn ...
« Reply #4 on: June 13, 2017, 07:49:07 AM »

"Corbyns erfolgreiche Politik der Gefühle" Eric Frey (11. Juni 2017)
Die größte Fehleinschätzung von Experten und Kommentatoren vor der britischen Unterhauswahl – und ich schließe mich da selbst ein – war weniger, dass sie Theresa May überschätzt, als dass sie Jeremy Corbyn unterschätzt haben. Schon zum zweiten Mal nach Bernie Sanders – und wenn man den Franzosen Jean-Luc Mélenchon mit dazurechnet, zum dritten Mal – hat es ein Altlinker mit etwas nostalgischen wirtschaftlichen Vorstellungen geschafft, junge Wähler zu begeistern und aus der politischen Lethargie zu schütteln. Diese Kandidaten haben letztlich nicht gewonnen, aber die politische Landschaft verändert. Ohne die Rivalität mit Sanders in den Vorwahlen hätte es Hillary Clinton gegen Donald Trump leichter gehabt; ohne Mélenchon wäre sozialistische Präsidentschaftskandidat Benoit Hamon nicht so schrecklich abgestürzt; und May hätte auch mit einem schwachen Wahlkampf ihre Mehrheit ausbauen können, wenn Corbyns Labour-Partei nicht so stark gewesen wäre. ...
http://derstandard.at/2000059092329/Corbyns-erfolgreiche-Politik-der-Gefuehle

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bloody-nine, 06/2017

der kommentator sitzt hier leider einem extrem weitverbreiteten fehlschluss auf:
die miese situation vieler menschen im UK, mit prekären löhnen, zero-hour-contracts, unleistbaren wohnungen oder studienbedingten schulden noch VOR berufsbeginn ist keine "gefühlspolitik", sondern REAL. die prekäre situation des NHS, die miese infrastruktur, die aushungerung jeglicher öffentlicher dienstleistungen, sind REAL. und sie sind eine folge der politik thatchers und blairs. dagegen zu sein, und eine alternative zu fordern, ist KEINE gefühlspolitik. es ist völlig legitim, und das normalste auf der welt.

und was die umsetzbarkeit betrifft - die basiert nicht, wie frey und alle neoliberalen immer suggerieren, auf naturgesetzen, sondern auf einer reinen machtfrage.


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B.Senftiger 06/2017

Ökonomische Kaltschnäuzigkeit zu verurteilen sei reine "Gefühlspolitik eines Altlinken"?
Kopfschüttel. Da hat wohl jemand wirklich wenig Ahnung von Verantwortung der jungen Generation gegenüber.
Die Gerechtigkeitsgefühle eines Herrn EF sind mir nicht nachvollziehbar.


...

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"Corbyn mischt auf - Großbritannien nach dem Wahlerfolg von Labour" (12. Juni 2017)
Hannah Sell ist stellvertretende Generalsekretärin der Socialist Party in England und Wales. Dieser Artikel erschien zuerst am 9. Juni 2017 auf der Website der Socialist Party.
" ... Diese Parlamentswahlen haben die Position von Jeremy Corbyn in der Labour Party enorm gestärkt, was wohl auf die gesamte Gesellschaft zu übertragen ist. Labour hat über vierzig Prozent der abgegebenen Stimmen bekommen. Bei den letzten Wahlen 2015 waren es nur leicht über dreißig Prozent. Das ist der größte Zuwachs an Wählerstimmen, den eine Partei seit Attlees Labour-Regierung von 1945 je erlebt hat. Möglich war dies aufgrund eines phänomenalen Anstiegs an Direkt-Stimmen: 2015 hatten noch 9,3 Millionen Menschen für die britische Sozialdemokratie gestimmt und diesmal waren es 12,8 Millionen. Das ist ein Zuwachs von 3,5 Millionen.
Dieser Stimmengewinn geht fast in Gänze auf die jungen Leute zurück, die in Scharen in die Wahllokale gezogen sind. Sie kann man beileibe nicht als „politikverdrossen“ bezeichnen. Vielmehr haben sie sich an einer massenhaften Revolte für ihre Zukunft beteiligt. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass nicht weniger als 72 Prozent der JungwählerInnen, die in den Wahllisten erfasst waren, am Ende auch aktiv wählen gegangen sind. 2015 waren es nur 43 Prozent. Zwei Drittel von ihnen haben für Corbyn gestimmt. Die Hoffnung der Liberaldemokraten, junge WählerInnen aus der Mittelschicht für sich gewinnen zu können, indem man sich als „true remainers“ (gemeint ist eine Pro-EU- und Anti-Brexit-Haltung, remain=verbleiben; Anm. d. Ü.) darstellte, ist größtenteils verpufft.
Stattdessen hat Nick Clegg, der Parteivorsitzende, endlich seine Quittung dafür bekommen, dass er 2010 die Studiengebühren angehoben hat. Corbyns Programm eines Mindestlohns von zehn britischen Pfund (11,50 Euro), der Abschaffung der Studiengebühren, einer Mietobergrenze und für öffentlichen Wohnungsbau hat junge Leute dazu bewegt, selbst Position zu beziehen. Die daraus resultierende Politisierung der jungen Leute ist nicht mehr zurückzudrehen und legt die Grundlage für die Entwicklung massenhafter Unterstützung für sozialistische Ideen.
Corbyn erhielt nicht nur breite Unterstützung von jungen Leuten aus der Arbeiterklasse sondern auch aus der Mittelschicht. Das zeigt sich an Labours Erfolg in Canterbury, wo zum ersten Mal seit 1918 kein Tory die Direktwahl für sich entscheiden konnte. Daran zeigt sich die zunehmende Radikalisierung der jungen Leute aus der Mittelschicht, die in Folge von Niedriglöhnen und astronomischen Mieten zunehmend in Lebensverhältnisse gezwungen werden, die denen der Arbeiterklasse vergleichbar sind. ..."
https://www.sozialismus.info/2017/06/corbyn-mischt-auf/


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Jeremy Bernard Corbyn ...
« Reply #5 on: September 28, 2017, 02:54:05 PM »
"Labour-Parteitag in Großbritannien: Die rote Fahne hat einen grauen Bart" Ralf Sotscheck (27. 9. 2017)
Die Labour-Opposition ist bei ihrem Parteitag zum ersten Mal seit Jahren gut gelaunt. Parteichef Corbyn hat alles im Griff, Gegner schweigen.
Corbyn versprach, dass Labour in den ersten Jahren nach einer Regierungsübernahme Post und Wasser, Energie und Eisenbahn in Großbritannien verstaatlichen werde. Darüber hinaus werde man den Betrieb von Schulen, Krankenhäusern und Gefängnissen wieder vollständig unter staatliche Kontrolle bringen.
Corbyn machte die Tories auch für die fünf Terroranschläge in Großbritannien allein in diesem Jahr mitverantwortlich. Ihre Außenpolitik habe Bedingungen geschaffen, unter denen Terrorismus aufblühen konnte, sagte er. Im Konflikt zwischen den USA und Nordkorea, forderte Corbyn, müsse die UNO für einen Dialog sorgen.
Schließlich warf der Labour-Chef den Tories vor, beim Thema Brexit nur auf persönliche Vorteile bedacht zu sein. Aber auch bei Labour ist man sich über den britischen Austritt aus der EU keineswegs einig. Pro-EU-Delegierte nutzten eine Reihe von Randveranstaltungen, um für Großbritanniens Verbleib im europäischen Binnenmarkt zu argumentieren. Corbyn und seine Anhänger verhinderten aber eine Abstimmung darüber.
https://www.taz.de/Labour-Parteitag-in-Grossbritannien/!5450542/

Anarchie-Jetzt, 28.09.2017, 12:03
He, is ja lustig, es gibt noch Sozialdemokraten ;-)

Reinhardt Gutsche, 28.09.2017, 10:12

Corbyns "Old Labour": Schluß mit dem Risiko-Kommunismus
Zu den Kernprojekten von Corbyns "Old Labour" unter Jeremy Corbyn gehört die Rücknahme der Privatisierungen durch die Public Finance Initiative (PFI), die von der konservativen Regierung unter Premier John Major eingeführt und den »New Labour«-Regierungen unter Tony Blair und Gordon Brown drastisch ausgeweitet worden waren. Unter dem der hiesigen PPP-Masche ähnelnde PFI-Programm werden etwa Bau und Betrieb öffentlicher Einrichtungen wie Krankenhäuser an private Unternehmen übertragen und ihnen dafür zusätzlich noch reichlich Geld aus öffentlichen Kassen in den Schlund geworfen. PFI-Verträge sehen vor, dass der Staat nicht nur für die Bau- und Betriebskosten aufkommt, sondern auch zweistellige Profitmargen für die »Investoren« garantiert, eine besonders dreiste Variante von Risiko-Kommunismus unter dem Kostüm der ihrem eigenen Prinzip hohnsprechenden Freien Marktwirtschaft. 200 Milliarden Pfund werden auf diese Weise in den kommenden 10 Jahren auf den Konten der Fat Cats in den Steueroasen landen. Es sei denn, die britischen Wähler treten vorher den Tories in den Hintern und Old Labour zieht in Downing Street ein. John McDonnell als Jeremy Corbyns Schattenfinanzminister will mit diesen Praktiken staatlich organisierter Kleptokratie schleunigst wieder Schluß machen. Good luck!

uvw 28.09.2017, 05:35
... Dass und wie es es geht, wenn in der SPD nur *einer* es wirklich wollte. Aber halt, die SPD ist nicht Labour ...

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"Frau May im Herbst" Larry Elliott (Ausgabe 42/2017)
Die marktliberale Denkfabrik Legatum war kürzlich geschockt über eine neue Meinungsumfrage. Danach sprachen sich die Befragten – darunter Anhänger der Konservativen – sehr klar für die Verstaatlichung der Bahn sowie der Wasser-, Strom- und Gasversorgung aus. Und das war nur der Anfang. Zugleich will eine Mehrheit die Gehälter von Konzernmanagern beschränken und ist bereit, höhere Steuern zu zahlen, damit mehr Geld in die nationale Gesundheitsversorgung fließt. Groß ist auch der Wunsch nach mehr Regulierung des Marktes. Wenn bevorzugte Adjektive zur Beschreibung des Kapitalismus „gierig“, „egoistisch“ und „korrupt“ sind, ist Legatums Schluss leicht nachzuvollziehen: Diese Marke steckt in der Krise. ...
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/frau-may-im-herbst

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"Labour will auch nach Brexit in Zollunion bleiben" (26. Februar 2018)
In Großbritannien hat sich die oppositionelle Labour-Partei erstmals auf ein Ziel für die Zeit nach dem Austritt aus der Europäischen Union festgelegt. In einer Grundsatzrede plädierte Parteichef Jeremy Corbyn für eine neue und starke Beziehung zum EU-Binnenmarkt und damit zu auch weiterhin engen und zollfreien Handelsbeziehungen zu den verbleibenden 27 Mitgliedsstaaten. Es mache "keinen Sinn", sich von der bisherigen Zollfreiheit abzuwenden, "die sich so sehr bewährt hat", sagte Corbyn in Coventry. Deshalb fordere seine Partei Verhandlungen über eine "neue und umfassende Zollunion", die britischen Unternehmen auch nach dem Brexit den zollfreien Warenverkehr mit der EU ermöglichen soll.
.Bisher hatte sich auch Corbyn immer vor dieser Frage gedrückt. Am Sonntag hatten dann mehr als 80 führende Labour-Politikerinnen und -Politiker die Parteiführung dazu aufgefordert, sich für Großbritanniens Verbleib in Zollunion und Binnenmarkt nach dem Brexit auszusprechen. Der offene Brief wurde in der Zeitung Observer veröffentlicht. Darin heißt es, die britische Wirtschaft würde von einem harten Ausstieg so schwer getroffen, dass Labour bei einem Wahlsieg nicht in der Lage wäre, sein ehrgeiziges Reformprogramm durchzuziehen.
May, ihr Brexit-Minister David Davis sowie viele weitere Brexiteers schließen eine Zollunion mit der EU aus. ...
http://www.zeit.de/politik/ausland/2018-02/jeremy-corbyn-labour-brexit-zollunion-eu
« Last Edit: February 26, 2018, 02:30:08 PM by Link »

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« Reply #6 on: November 10, 2018, 12:26:29 PM »
Quote
[...] Den Niedergang der Sozialdemokraten in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden erklärt Corbyn in dem Interview durch einen falschen Umgang mit der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008. Linke Parteien müssten eine schlüssige Anti-Austeritäts-Politik verfolgen und sich die Frage stellen, ob sie "brutale Sparzwänge" im Wirtschaftssystem weiter dulden wollten.

Trotz niedriger Arbeitszahlen und Wirtschaftswachstum hätten viele Briten zu schlechte und zu unsichere Arbeit. "Das Ausmaß an Frust und Verzweiflung in postindustriellen Regionen ist riesig", sagt der Labour-Chef. Seine Partei setze deswegen auf eine Umverteilung des Reichtums und die Stärkung von Arbeitnehmerrechten. Eine solche Politik ist für Corbyn auch eine Korrektur des sogenannten "Dritten Wegs". Unter diesem Titel hatte der frühere britische Premier Tony Blair Mitte der Neunzigerjahre verstärkt auf eine Privatisierung der nationalen Wirtschaft gesetzt.   ...


Aus: "Jeremy Corbyn fordert Linksruck von Europas Sozialdemokraten" (9. November 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-11/labour-partei-jeremy-corbyn-europaeische-sozialdemokratie-linksruck