Wer hat Angst vor Wikileaks?
Autor: Mario Sixtus 11.01.2011 16:25
Selbst wenn die USA Julian Assange morgen früh in Ketten in Guantanamo einkerkerten, die Wikileaks-Server mittels Stuxnet II lahmlegten und Wikileaks' 640.000 Twitter-Follower rund um die Uhr durch je einen eigenen CIA-Agenten beobachten ließen, es würde nichts nützen: Seit Informationen sich von ihren stofflichen Wirtskörpern befreit haben, lassen sie sich nicht mehr festhalten. Eine Lektion, die schon die Musik- und Film-Industrien unter Schmerzen lernen mussten und die jetzt unvermittelt auf dem Lehrplan mächtiger Staatenlenker steht. ... Wie müssen Regierungen, Unternehmen, Institutionen sich anpassen, damit sie in einer Umwelt überleben können, in der Informationen gleichzeitig flüchtig und allgegenwärtig sind wie Sauerstoffmoleküle? Eine Idee davon, in welche Richtung eine Antwort zielen könnte, liefert uns Julian Assange selbst, der schrieb nämlich Anno 2006: "In einer Welt, in der das Leaken von Informationen einfach ist, werden geheimniskrämerische, ungerechte Systeme ungleich härter getroffen, als offene, gerechte Systeme." Nun mag man von Assange halten, was man will: Mit dieser Einschätzung hat er fraglos Recht. Institutionen, die ihre Existenz auf Heimlichkeit und Halbwahrheiten aufbauen, müssen eher vor Enthüllungen zittern, als solche, die offen und transparent agieren. Regierungen, die im Interesse ihrer Bürger arbeiten und die Grundlagen ihrer Entscheidungsprozesse öffentlich machen, müssen Enthüllungen nicht fürchten; solche, die sich Gesetze von Lobbyistenverbänden vorformulieren lassen oder denen ihre jeweiligen Parteikassen wichtiger sind als der Staatshaushalt, schon. Ein Staat besitzt keine Privatsphäre, er hat kein Recht auf Heimlichkeit. Er ist allein seinen Bürgern verpflichtet und der Default-Status für Regierungsinformationen sollte "frei" lauten. ...
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