Neue Protestkultur: Das kommunale ManifestDer Unmut der Menschen mit den Mächtigen entlädt sich wieder häufiger in Demonstrationen auf der Straße. Der Text eines französischen Komitees gibt der diffusen Wut nun einen theoretischen Rahmen. ... Die französische Regierung las den Text als Anstiftung zum Terrorismus und die Anschläge als praktische Umsetzung seiner Theorien. Julien Coupat wurde unter Verweis auf das Buch wegen Verdachts auf "Bildung einer kriminellen Vereinigung mit terroristischen Zielen" verhaftet und monatelang in Untersuchungshaft gehalten, ohne dass sich Beweise gegen ihn finden ließen.
Von Alex Rühle (11.11.2010)
http://www.sueddeutsche.de/politik/neue-protestkultur-das-kommunale-manifest-1.1022188-.-
"Linksterrorismus: Seid faul und militant!" Autos brennen, Züge entgleisen, der Strom fällt aus: Überall wachsen die Lust auf Subversion und die Bereitschaft zur Sabotage. Wofür und wogegen kämpfen die neuen Linksradikalen? Das Buch „Der kommende Aufstand“ sucht Antworten. ... n „Der kommende Aufstand“ geht es um die Ausweglosigkeit eines immer subtiler operierenden kapitalistischen Systems, um die „Ausweitung der Kampfzone“: von den Schachtfeldern und den Märkten ins Private, Körperliche und Intime, um die Kolonisierung von Gedanken, Gefühlen und Genüssen durch den postmodernen Kapitalismus. ... Es blüht höchstens ein sehr kurzer Sommer der Anarchie ... Weit kommt man damit nicht. In den [...] glorifizierten Favelas oder in Falludscha finden sich jeweils Beispiele dafür, wie hochgerüstete Banden mit höherer krimineller Energie schnell über solche Amateurmilitanten obsiegen. Der amerikanische Autor Dexter Filkins hat es in „Der ewige Krieg“ für den Irak beschrieben. Da gab es für wenige Monate eine Situation, wie sie die Linksradikalen wünschen: Der Staat Saddams war abgeschafft, amerikanische Soldaten waren noch nicht in ausreichender Zahl im Land. Da gaben sie sich zu erkennen, all die Lehrer, Wissenschaftler und Juristen, die einen freien und demokratischen Irak wollten. Sie kandidierten für Ämter, gründeten Parteien, zeigten Gesicht und bekannten Farbe. Und dann, schreibt Dexter Filkins, „dann gingen sie zur Schlachtbank“. Zu Dutzenden, Hunderten, schließlich Tausenden wurden die Intellektuellen, Aktivisten und Aufklärer des neuen Irak mitsamt ihren Familien umgebracht: von alten Baath-Milizen, von schiitischen Milizen, von Al Qaida, von irgendwoher bezahlten Jungs im Geländewagen.
Nach dem Gewaltmonopol des Staates, nach dem Privateigentum und ohne öffentlichen Nahverkehr blüht höchstens ein sehr kurzer Sommer der Anarchie. Die unsichtbaren linken Militanten überschätzen ihre Kraft: Eine kollabierende öffentliche Ordnung würde nicht von Deleuze lesenden Kommunarden verbessert, sondern durch eine Mafia regiert. Wenn die Züge nicht mehr fahren, folgt nichts Besseres. Nach dem kommenden Aufstand kommen die schwarzen Geländewagen.
Frank Richter (Fra_Richter)
Nun ja,
Wenn man schon "Sommer der Anarchie" im Abschnittstitel benutzt - warum dann das ganze nicht am historischen "Sommer der Anarchie" in Barcelona 1936 diskutieren?
Da ist es sehr viel differenzierter möglich. Der Irak ist in keinster Weise ein gutes Beispiel um Anarchismus zu diskutieren. Dort gibt und gab es quasi keine anarchistische Bewegung und Organisation, welche das Machtvakuum hätte füllen können - anstelle der islamistischen und auch säkularen Mafia- und Terrororganisationen und des Militärs respektive.
In Katalonien kann man da eher reflektieren: Quellmaterialien sind zu genüge vorhanden, Zeitzeugen wie George Orwell und unzählige Spanische und Deutsche Schriften sind da, um die Frage zu stellen: Wie sah es aus, was funktionierte und woran scheiterte es?
Ich empfehle jedem, sich selbst ein Bild zu machen. Das ist vielgesagtes Pseudoargument heutzutage - aber im Ernst: Katalonien 1936-39 ist neben der Ukraine 1918-21, über die es nur wenig Texte und fast nur Lobschriften der Anarchisten selbst und Verdammungen der Marxisten der UdSSR gibt, der einzige Ort an dem man eine echte Diskussion - und nicht nur Propagande pro oder contra - über Anarchie beginnen kann.
... Ich bin bekennender Anarchist. Und durch die vielen Aussagen zum Thema Anarchismus fühle ich mich genötigt noch einmal zu kommentieren. Was halte ich von diesem Werk? Nicht viel bis Nichts. Anarchismus kann niemals durch plumbe Randale, Sabotage und Zerstörung funktionieren.
...
Jo Jäger,
moralinsauere Linke - es ist immer das Gleiche mit den Linken: die Welt wäre so gut, wenn da nicht die bösen ... oder ... oder ... wären! Aber wenn man endlich ein realistischeres Welt- und Menschenbild hätte, könnte man wirklich was für eine bessere Gesellschaft tun, und nicht ständig die hehre Moral von anderen einfordern. Das Paradies ist auf dieser Welt nun einmal nicht erreichbar, es kann immer nur darum gehen, Mißstände und Fehlentwicklungen zu korrigieren, aber nicht, sie grundsätzlich zu verhindern. Die menschliche Gesellschaft besteht immer aus solchen, die "ausbeuten" und solchen, die "ausgebeutet" werden, das ist selbst bei kleinen Kindern so. Wichtig ist, dass alle ihren Teil für ein würdevolles Leben bekommen. Mit der naiven Forderung nach Utopia zerstört sich am Ende jedes Gemeinwesen. Aber man kann sich dann wenigstens darin sonnen, zu den Guten gehört zu haben!
Von Nils Minkmar (08. November 2010)
http://www.faz.net/s/Rub642140C3F55544DE8A27F0BD6A3C808C/Doc~EFE85559287A74BA0BFAFD5B60F3AADE8~ATpl~Ecommon~Scontent.html-.-
"Wirbel um Anti-Demokratie-Pamphlet "Fast wie Gas""
Die Feuilletons von "FAS" und "SZ" huldigen dem französischen Manifest "Der kommende Aufstand". Vor lauter Hipness ignorieren sie, dass es eine antimoderne Hetzschrift ist. VON JOHANNES THUMFART (22.11.2010)
http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/fast-wie-gas/-.-
Der kommende AufstandVerfasst von: Unsichtbares Komitee. Verfasst am: 21.07.2010
Ein Aufstand, wir können uns nicht mal mehr vorstellen, wo er beginnt. Sechzig Jahre der Befriedung, ausgesetzter historischer Umwälzungen, sechzig Jahre demokratischer Anästhesie und Verwaltung der Ereignisse haben in uns eine gewisse abrupte Wahrnehmung des Realen geschwächt, den parteilichen Sinn für den laufenden Krieg. Es ist diese Wahrnehmung, die wir wiedererlangen müssen, um zu beginnen.
Warum eine deutschsprachige Ausgabe?
Bevor wir uns daran machten „L‘insurrection qui vient“ zu übersetzen, waren wir eigentlich der Meinung, es nicht zu tun. Im Grunde dachten wir, dass dieses Buch zu speziell auf die französische Situation zugeschnitten ist, in den Beispielen wie in der Schwerpunktsetzung. Warum haben wir es trotzdem getan?
Der wichtigste Grund ist wohl, dass wir es satt haben, politische Pamphlete zu lesen, die sich mit der Darstellung der schlechten Verhältnisse begnügen, ohne konkrete Schritte zu ihrer Aufhebung in die Diskussion zu werfen. „Der kommende Aufstand“ beschreibt die bröckeligen Fundamente der gegenwärtigen Ordnung nicht, um aufzurütteln oder Therapien zu ihrer Rettung vorzuschlagen, im Gegenteil. ...
http://linksunten.indymedia.org/de/node/22964-.-
“Der kommende Aufstand”, Identitäres Konstrukt und existenzielle AlternativeDieser Text ist nicht eine kritische Studie der Thesen, die im Buch Der kommende Aufstand dargelegt werden, ebensowenig ist er ein Versuch, es “theoretisch auseinanderzunehmen”. Zuerst kam mir die Idee, es so anzugehen, und zweifelsohne bin ich nicht der Einzige. In der Tat könnten viele der in diesem Buch vorangetragenen Dinge diskutiert werden. Doch bald bekam ich das Gefühl der Sinnlosigkeit eines solchen Vorgehens. Dieses Gefühl, diese Intuition viel eher, war jene der Unmöglichkeit eines Dialogs mit diesem Buch, oder eines stets an einem bestimmten Punkt unterbrochenen Dialogs. ...
http://andiewaisendesexistierenden.noblogs.org/post/2010/10/27/473/-.-
Die Untüchtigen – Diskussion: Der kommende Aufstand
Diskussion am 25.5.2011 im Golem in Hamburg im Rahmen der Reihe “Die Untüchtigen”.
DER KOMMENDE AUFSTAND
Gespräch und Diskussion mit Hanna Mittelstädt, Karl-Heinz Dellwo, Andreas Blechschmidt und Thomas Ebermann – Moderation: Ole Frahm
Kein Buch der letzten Jahre hat so viele verschiedene wie überraschende Reaktionen hervorgerufen wie “Der kommende Aufstand” des Unsichtbaren Komitees. Die bürgerlichen Feuilletons begrüßten diese Kritik am Ganzen emphatisch als wollten sie den Aufruf zur Gewalt gegen die bürgerlichen Instiutionen wegreden. Andere schmähten den Band wegen angeblich rechter Motive, die philosophischen Diskussionen im Frankreich der letzten Jahrzehnte geflissentlich ignorierend. Greift “Der kommende Aufstand” mit seiner Großmäuligkeit in die autonome Mottenkiste oder wird hier ein großer Wurf gewagt, kommende Revolten vorzubereiten? Das Buch wurde viel gelesen, aber wenig öffentlich diskutiert. Nachdem sich der Staub der Aufregung ein wenig gelegt hat, wollen wir dies hiermit nachholen.
http://golem.kr/?p=447