Author Topic: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...  (Read 22333 times)

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"Käthe Schirmacher: Ein Leben ohne Kompromisse" Doris Griesser (21. Juni 2018)
Käthe Schirmacher war radikale Feministin und völkische Politikerin mit dem dazugehörigen Rassismus und Antisemitismus - Sie war eine Frau, die man entweder bewunderte oder zutiefst verabscheute. Der gemäßigte Raum dazwischen war nicht die Welt der Käthe Schirmacher, und damit zwang sie auch ihre Zeitgenossen zu eindeutigen Positionierungen. Als radikale Frauenrechtlerin und später dann völkische Politikerin war die 1865 in Danzig geborene Journalistin, Schriftstellerin und Vortragsreisende so etwas wie ein früher "Medienstar". ...
https://derstandard.at/2000081858681-1192182008549/Kaethe-Schirmacher-Ein-Leben-ohne-Kompromisse

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Lose_Gedanken

„Sie sprach, wie 1940 der “Stürmer”, von einem “vernegerten Frankreich” und half somit den Boden bereiten für die von Hitler und Goebbels gestartete Hasskampagne gegen Frankreichs Kolonialtruppen, die im Mai und Juni 1940 Massaker an schwarzen Gefangenen inspirierte und “legitimierte”.[7] Sie sah den Wiederaufstieg Deutschlands an die Reinhaltung und ‚Aufnordung‘ der Rasse gebunden. “

https://schirmacherproject.univie.ac.at/die-vielen-biographien-der-kaethe-schirmacher/statements/raffael-scheck/


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ReadMyLips

Warum sollten Frauenrecht und Nationalismus ein Widerspruch sein?


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chillmal

Vielleicht können sie sich diese frage selber beantworten - frauenrechte und menschenrechte sind unteilbar und unabhängig von geburtsort, abstammung und staatsangehörigkeit, oder? sind deutsche frauen mehr wert als somalische und wie messen sie den unterschied?


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Schreck

Weil Völkisches Denken auf Reproduktion eben dieses Volkes basiert. Damit ist notwendigerweise die Rolle von Frauen genau vorgegeben - sie sind dazu da völkisch wünschenswerten Nachwuchs in die Welt zu setzen. Alles was sie davon ablenkt/abbringt muss verhindert werden, also jede Form der Betätigung, Selbstverwirklichung etc.
Es ist ein interessantes Paradoxon, dass genau diese völkische Bewegung immer wieder Frauen hervor bringt, die dem nicht entsprechen. Sie sind aber keinesfalls die Regel, sondern dürfen nur existieren, weil für die große Mehrheit ausnahmslos der Reproduktionsgedanke gilt.

Bei völkischer Ideologie geht es genau darum, deswegen immer diese Angst vor dem "Volkstod" oder die Angst vor der "Überfremdung" (die ja immer auch ein Vorwurf an die einheimischen Frauen ist, dass sie nicht genug Kinder bekommen). Deswegen gibt die AfD auch vor, dass es 3 Kinder pro deutscher Frau braucht usw usf.



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[...] Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland 2,6 Millionen Alleinerziehende. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht davon aus, dass jede zweite alleinerziehende Mutter keinen Unterhalt für die Kinder bekommt. Alleinerziehende tragen ein großes Armutsrisiko. Insgesamt sei jede fünfte Familie betroffen, meist sind es Frauen. ...


Aus: "Zusätzlich 300.000 Kinder erhalten Unterhaltsvorschuss" (17. Juli 2018)
Quelle:  https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2018-07/unterhaltsvorschuss-kinder-staatliche-leistungen-anspruch-bericht
« Last Edit: July 17, 2018, 12:44:22 PM by Link »

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"Fall Sigi Maurer: Endlich wehrt sich mal eine" Eine Kolumne von Margarete Stokowski  (17.07.2018)
Eine Ex-Abgeordnete in Österreich erhält sexistische Facebook-Nachrichten. Die veröffentlicht sie samt Absender. Nun muss sie sich dafür vor Gericht verantworten. Dabei hat sie alles richtig gemacht. ... Ich kenne keine einzige Frau, die in der Öffentlichkeit steht und noch keine beleidigenden oder bedrohenden Nachrichten bekommen hat, inklusive Fantasien darüber, was sexuell mit ihr anzustellen wäre, wenn der Verfasser sie eines Tages treffen würde. Es ist eine Pest, dass diese Nachrichten für viele Frauen zum Alltag gehören. Man kann sie ignorieren, man kann sie beantworten, man kann versuchen, sie zur Anzeige zu bringen, man kann Kunst daraus machen oder öffentlich darüber sprechen, aber loswerden kann man sie kaum. Und manchmal geht der Ärger erst dann richtig los, wenn man sich wehrt. ...
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fall-sigi-maurer-in-oesterreich-endlich-wehrt-sich-mal-eine-a-1218827.html

"Ex-Politikerin in Österreich Per Facebook belästigt, dann verklagt" Hasnain Kazim, Wien (16.07.2018)
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oesterreich-empfaengerin-sexistischer-hassnachrichten-wird-verklagt-a-1218362.html

https://twitter.com/sigi_maurer/status/1001728003402031109


"Sigi Maurer: Belästigt und bestraft" Hasan Gökkaya (9. Oktober 2018)
Die Österreicherin Sigi Maurer erhielt obszöne Nachrichten und machte diese in sozialen Netzwerken publik. Nun ist sie wegen übler Nachrede verurteilt worden. ... Die ehemalige österreichische Grünen-Politikerin Sigi Maurer ist wegen übler Nachrede verurteilt worden. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend. Maurer fühlte sich nach obszönen Nachrichten sexuell belästigt. Sie habe sich nicht anders zu wehren gewusst, als das in sozialen Netzwerken publik zu machen. Doch der Mann, den Maurer beschuldigt, streitet alles ab und verklagte die Frau. Ein Richter in Wien hat ihm nun Recht gegeben und die 33-Jährige schuldig gesprochen. Laut der österreichischen Zeitung Der Standard sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung, er sei zwar überzeugt, dass der Kläger lüge. Dennoch sei es Maurer nicht gelungen, zu beweisen, dass sämtliche Postings von ihm stammten. Sie hätte vor der Veröffentlichung eine Stellungnahme einholen müssen. "Was Ihnen angetan wurde, und dass das nicht strafbar ist, steht auf einem anderem Blatt", zitiert der Kurier den Richter.
Maurer muss demnach nun eine Geldstrafe von 3.000 Euro bezahlen, dem Bierladenbesitzer 4.000 Euro Entschädigung leisten und die Kosten des Verfahrens ersetzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die Ex-Politikerin sieht sich als Opfer. Sie hatte eine Nachricht auf Facebook erhalten, gesendet vom offiziellen Konto eines Craftbeer-Lokals. "Du bist heute bei mir beim Geschäft vorbeigegangen und hast auf meinen Schwanz geguckt, als wolltest du ihn essen", soll darin stehen. Danach sei es noch obszöner geworden, berichtet unter anderem der Kurier. Der Ladenbesitzer, den Maurer für den Absender hält, sagt, er habe die Nachricht weder geschrieben noch abgeschickt. Möglicherweise habe ein unbekannter Mann sie geschrieben, der alleine im Laden gewesen sei.
Weiter heißt es in der Zeitung, dass der Ladenbesitzer angegeben habe, als Reaktion auf das Posting von Maurer beschimpft und bedroht worden zu sein.
Maurer will gegen das Urteil in Berufung gehen. Auf Twitter kündigte sie an, zur Not auch vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen. Maurer habe keine andere Möglichkeit gehabt, sich zu wehren. "Ich werde nicht klein beigeben, wir werden in Berufung gehen und das Geld dafür aufstellen. Es ist völlig eindeutig, dass er es gewesen sein muss", zitiert sie der Kurier.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-10/gerichtsurteil-sigrid-maurer-craftbeer-belaestigung-rufschaedigung

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Miasto #10

Interessanter Fall. In dubio pro reo gilt natürlich auch dann, wenn es es einem emotional unplausibel erscheint. Menschen ohne handfeste Beweise öffentlich vorzuführen, birgt auch ein Risiko, dass man sich selbst schuldig macht. Am Ende lässt sich das nicht juristisch lösen. Wir sind darauf angewiesen, dass wir anständig miteinander umgehen. Auch wenn es banal klingt.


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michaelrenner #13

So sind sie, die Sexisten und Chauvinisten [1]: Verweisen auf ihren Schwarz, werden faktisch mit der Hand in der Kasse erwischt, haben aber nicht die Eier in der Hose dazu zu stehen.

Frau Maurer wünsche ich viel Erfolg bei der Revision und einen Richter der ihr glaubt *und* den Händler verurteilt!

[1] https://www.zeit.de/2018/41/antifeminismus-usa-pick-up-artists-proud-boys-incel-maskulinisten


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Cromagnon #15

>Sie habe sich nicht anders zu wehren gewusst, als das in sozialen Netzwerken publik zu machen. Doch der Mann, den Maurer beschuldigt, streitet alles ab und verklagte die Frau.<

Wie wäre es denn rechtlich, wenn Frau Maurer geschrieben hätte: ... von einer Person, die DIESES Konto benutzt hat ... ?


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matokla_auf_ZON #15.1

"Wie wäre es denn rechtlich, wenn Frau Maurer geschrieben hätte: ... von einer Person, die DIESES Konto benutzt hat ... ?"

Wäre nach meinem Rechtsverständnis keine üble Nachrede gewesen, da durch Frau Maurer leicht beweisbar.


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Hansifritz #16

Verstehe ich nicht, war doch sein Account. Da ist er Verantwortlich, eigentlich müsste er beweisen, daß er es nicht war.


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Bratan187 #31

Social-Media Account erstellen und jeden beleidigen. Wenn man angezeigt wird einfachen sagen: "Der Hund wars". Und schon ist man aus dem schneider. Geil!


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"Incel-Bewegung: Diese Netzcommunity findet, dass Frauen eine Bedrohung sind" Konstantin Nowotny (20. Juli 2018)
Die Incel-Bewegung treibt ein mörderischer Hass auf Frauen an. Wieso führt Sexlosigkeit bei manchen Männern zum Hass? Und wo steht die Szene in Deutschland? ... Worum geht es? „The Red Pill“ ist ein Kanal der Forengemeinschaft Reddit, die sich lose der sogenannten Männerrechtsbewegung zuordnen lässt. Das böse System, die angebliche Scheinwelt, ist für die Männer dort unter anderem der Feminismus. Ihrer Meinung nach sei dieser nur dazu da, Männern ihr Recht auf Sex mit Frauen zu verwehren. Die schmerzvolle Einsicht, die rote Kapsel, lautet: Die meisten Frauen sind oberflächlich, stehen auf Alphamännchen, und wer das nicht ist, wird für immer sexlos bleiben. Feministische Erzählungen sind die Märchen, die Männer vor dieser Einsicht bewahren sollen. In Wahrheit haben die meisten Frauen die Kontrolle – immer.
Die sexuell Aktiven, das sind die Feindbilder der Incels. Immer wieder schildern sie auch über „The Red Pill“ hinaus, in Foren wie incels.me, ihren Frust über die eigene, wahrgenommene Unattraktivität und das vermeintlich ausweglose, sexlose Dasein. Einige berichten von Selbstmordgedanken, da sie ihrer als unzureichend wahrgenommenen Attraktivität nicht entfliehen können. Dann sprechen sie von der „black pill“.
Wenn die Aussichtslosigkeit so tief sitzt wie bei der „black pill“, können Incels zu Mördern werden. Im Jahr 2014 tötete der Student Elliot Rodger im kalifornischen Santa Barbara sechs Menschen und anschließend sich selbst. Zuvor hinterließ er ein Video-Statement und ein Manifest, in dem er seine Mordakte als Racheakt für jahrelange sexuelle Zurückweisung von Frauen beschreibt. Innerhalb der Incel-Szene wird er zuweilen als Held gefeiert. Erst dieses Jahr starben durch einen weiteren, ähnlichen Anschlag zehn Menschen im kanadischen Toronto. Der Mörder hinterließ zuvor auf seiner Facebookseite ein Statement, in welchem er den Beginn der Incel-Rebellion einläutete und sich positiv über Elliot Rodger äußerte.
Die Szenen eint, dass sie Frauen als Objekte sehen, die Sex zur Verfügung stellen, als wäre es eine natürliche Ressource. Während Incels sich damit abfinden, dass sie die ihrer Meinung nach lebensnotwendige Zuneigung unrechtmäßig nie bekommen werden, sind sich Pick-Up-Artists einig, dass es dafür nur die richtige Methode braucht. Auch sie gehen davon aus, dass Bewegungen wie der Feminismus eine Bedrohung sind, die das Recht auf Sex für Männer einschränken wollen.
Frauenhass gab und gibt es schon immer. Schon der Amokläufer Anders Breivik schrieb in seinem Manifest über die Bedrohung des Feminismus. Die Nähe zu rechtsextremen, fanatischen Bewegungen ist oft nicht zufällig. Was diese Männer ängstigt, ist der Verlust ihrer Macht. Gleichberechtigte Frauen, die über ihren Körper selbst bestimmen, sind für sie eine Katastrophe. Um diesen Machtverlust auszugleichen, greifen sie im Zweifelsfall zur Waffe. Dann sind sie wieder die starken Alphamännchen, die über Frauenkörper richten können. ...
https://ze.tt/diese-netzcommunity-findet-dass-frauen-eine-bedrohung-sind-incel-bewegung/

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[...] Die Folgen dieser toxischen Männlichkeit können verheerend sein: Statt sich Hilfe zu suchen, tendieren Männer deutlich häufiger als Frauen dazu, auf Frust oder Ausweglosigkeit mit Gewalt und Selbstschädigung zu reagieren. Über 70 Prozent der Alkoholabhängigen in Österreich sind männlich. Männer begehen fast viermal häufiger Suizid als Frauen. Sie richten die Gewalt aber nicht nur gegen sich selbst, wie die Kriminalitätsstatistik zeigt: Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben begehen Männer zehnmal häufiger als Frauen, jene gegen sexuelle Integrität und Selbstbestimmung fast 60-mal häufiger als Frauen.Auch Terrorismus und Amokläufe sind stark männlich dominiert. Einer Statistik von "Mother Jones" zufolge, in der alle Schusswaffenattentate in den USA mit mehr als vier Toten seit 1982 analysiert wurden, bilden die größte Tätergruppe: weiße Männer. Insgesamt wurden nur drei der insgesamt 101 Vorfälle von Frauen (mit-)verübt.
Dabei geht es oft um Frustration, Unzufriedenheit, sogenanntes "male entitlement": Die Täter sehen sich im Recht, etwas zu erhalten, was ihnen aber ihrer Ansicht nach verwehrt wird. Dabei kann es sich um Erfolg im Job handeln – der "Amokfahrer von Münster" etwa hatte offenbar seinen beruflichen Niedergang nicht verkraftet. Oder auch die vermeintlich "verwehrte" Aufmerksamkeit von Frauen, die etwa der Amokfahrer von Toronto im April oder der Schütze von Isla Vista 2014 beklagten.
Die Opfer der männlich dominierten Gewalt sind überdurchschnittlich oft Frauen: Laut der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie waren 2017 österreichweit 83 Prozent der gemeldeten Opfer häuslicher Gewalt weiblich – während die Gewalt in 88 Prozent der Fälle von Männern ausging. Seit 2012 wurden insgesamt 122 Frauen von Männern und sieben Männer von Frauen innerhalb eines Nahe- oder Beziehungsverhältnisses getötet. Dieses Jahr waren es bereits 16 Frauenmorde. Im Mai ermordeten zwei Männer ihre Ex-Partnerinnen in Wien. Erst am Montag hat ein Mann in der Obersteiermark seine Ex-Freundin mit Benzin übergossen und versucht, sie anzuzünden.
Was bedingt diese Geschlechterdifferenz? Christian Scambor vom Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark sieht einen Zusammenhang mit gesellschaftlichen Normen und Rollenbildern – und damit, wie Jugendliche sozialisiert werden, "welche Werte und Verhaltensweise verstärkt oder abgewertet werden". Bereits im Kindes- und Jugendalter finde man(n) "keine geschlechtsneutrale Welt" vor, sie sei "mit vielen toxischen Bildern ausgestattet", erklärt der Psychologe, der unter anderem in der Gewaltarbeit tätig ist. Vorstellungen wie jene des "gewalttätigen, zornigen Mannes, der rot sieht" seien nicht angeboren, sondern würden "von unserer Kultur" vorgeschlagen und weitergegeben werden.
Auch Männerforscher Christoph May kritisiert die vorherrschenden Idole – neben jenen in Film und Literatur auch emotional distanzierte Elternteile. "Wir erleben Väter, die kaum Interesse für die Erziehungsarbeit aufbringen", und Söhne, die nach wie vor dazu erzogen würden, ihre Gefühle zu unterdrücken. "Von positiven, emotional integren Männerfiguren sind wir weit entfernt", beklagt May. Auch für Gerichtsgutachterin Roßmanith braucht es "gesunde Identifikationsfiguren", die sich nicht hinter "männlichen" Fassaden verstecken. Aus ihrer Arbeit erzählt sie: "Die größten Schläger auf der Straße sind, wenn man sie untersucht, hilflose Däumlinge. Dahinter steckten 'Kindsmänner', die wie in der Sandkiste agieren, wenn Kinder anderen eine Schaufel auf die Birne hauen. Ich verniedliche, aber im Grunde geht es bei Gewalttaten um solche Konflikte."


Aus: "Geschlechterrollen - Toxische Männlichkeit: Das gefährliche Schweigen der Männer" Noura Maan, Sandra Nigischer (22. Juli 2018)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000083736242/toxische-maennlichkeit-das-gefaehrliche-schweigen-der-maenner
« Last Edit: October 09, 2018, 08:22:38 PM by Link »

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"Oxana Schatschko Femen-Gründerin ist tot" (24.07.2018)
Sie war eine der Gründerinnen der Frauenrechtsgruppe Femen: Oxana Schatschko ist im Alter von 31 Jahren tot aufgefunden worden. Femen-Mitbegründerin Oxana Schatschko ist tot. Sie wurde in ihrer Wohnung in Paris tot aufgefunden. Das teilte die Frauenrechtsgruppe auf ihrem offiziellen Blog mit.
"Wir trauern zusammen mit ihren Verwandten und Freunden", heißt es in dem Statement, dass mit "RIP Oxana Schatschko" überschrieben ist.
Femen wurde 2008 in der Ukraine gegründet, Schatschko gehörte zu den bekanntesten Aktivistinnen. Die Frauenrechtsorganisation erregte immer wieder mit Oben-ohne-Aktionen unter anderem gegen Sextourismus, Homophobie und religiöse Einrichtungen Aufsehen.
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/oksana-shachko-femen-gruenderin-ist-tot-a-1219992.html

"Femen-Mitgründerin Oxana Schatschko tot in Paris aufgefunden" (24.07.18)
Verschiedene Medien berichten, dass sich die Russin das Leben genommen habe. Es soll bereits ihr dritter Suizid-Versuch gewesen sein. ...
https://www.berliner-zeitung.de/politik/femen-mitgruenderin-oxana-schatschko-tot-in-paris-aufgefunden-31007760

https://femen.org/rip-oksana-shachko/

Oksana Schatschko (ukrainisch Оксана Шачко, geboren am 31. Januar 1987 in Chmelnyzkyj, Ukrainische SSR; gestorben am 23. Juli 2018 in Paris, Frankreich)
https://de.wikipedia.org/wiki/Oksana_Schatschko

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"Schreiben über Sex und Macht: Über die Schuld, eine Frau zu sein" Katharina Schipkowski (24.07.2018)
Seit Ende vergangenen Jahres gibt es einen Begriff für Menschen, die zwar nicht vergewaltigen, mit denen man aber trotzdem nicht komplett freiwillig schläft: "Cat Person". Die gleichnamige Kurzgeschichte von Kristen Roupenian, die im Dezember im "New Yorker" erschien, ging viral: Zwei Menschen treffen sich zufällig, verabreden ein Date, chatten viel, bauen Erwartungen auf. Das Date geht schief. Sie haben trotzdem Sex, aber der ist alles andere als gut, vor allem für die Frau. Sie steht den lieb- und lustlosen Porno-Style-Sex dennoch durch, weil ihr ein Ausweg zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich scheint.
Der Text ist eine der meistgeklickten fiktiven Geschichten des vergangenen Jahres. Die Autorin hat offenbar ein dringendes Bedürfnis getroffen - über missglückten Sex und enttäuschte Erwartungen zu reden und vor allem über Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen, die sich in solchen Situationen kristallisieren. ...
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/sagte-sie-kritik-zu-dem-buch-ueber-sex-macht-und-die-metoo-debatte-a-1216583.html


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[....] Mansur Seddiqzai unterrichtet an einem Gymnasium in Dortmund. Für ZEIT ONLINE schreibt er vor allem über seine Erfahrungen als Lehrer für Islamischen Religionsunterricht. Diesmal berichtet er zur Abwechslung von einer eigenen Erfahrung: der Geburt seiner Tochter.

... Meine Tochter wurde kurz nach Silvester geboren, damit wurde sie das lokale Neujahrskind. Die Lokalzeitung zeigte ein Bild von ihr und meiner erschöpften Frau, darunter ein paar Worte zu der Kleinen. Der Artikel erschien auch online. Keine 24 Stunden später wünschte sich eine Person hinter dem Pseudonym Gnadenlose Ausrottung "Rattengift für ihre Parasitenbrut". Ein anderer namens Kammerjäger ergänzte: "Die Nachgeburt haben wir gesehen – aber wo ist jetzt das Baby?". Ein Dritter mutmaßte, ob das Kopftuch der Kleinen wohl im Uterus hängen geblieben sei. Das Kopftuch meiner Frau und unsere Namen hatten sie wohl getriggert. Wir erstatteten Anzeige bei der Polizei, die den Staatsschutz aktivierte und gegen die Babyhasser ermittelte. Die Server, auf denen die Foren operierten, waren aber im Ausland und deutsches Recht endet offenbar an nationalen Grenzen. Der Staat wollte, konnte uns aber nicht schützen. In welche Welt wurde meine Tochter da geboren?

Im Krankenhaus verbrachte meine Frau zwanzig Stunden in den Wehen, und ich spielte sämtliche Schreckensszenarien eines werdenden Vaters durch. Meine Freude über das neue Leben lag nah an der Angst vor dem Tod von Frau und Kind. Als ich die Kleine endlich in den Armen hielt, war alles vergessen. Ich hatte Tränen in den Augen. Die Ärztin registrierte meinen Gefühlsausbruch, legte ihre Hand auf meine Schulter und sagte: "Das nächste Mal wird es bestimmt ein Junge." Wie bitte?, antwortete ich. Sie entschuldigte sich und schob nach, dass sie leider viele Väter erlebe, die bei der Geburt ihrer Mädchen enttäuscht wären und deswegen weinten. Selbst im schönsten Moment meines Lebens musste mir jemand in Erinnerung rufen, dass ich in den Augen vieler immer noch der primitive Orientale bin, der Mädchen hasst. 

Leider war ihr Vorurteil nicht völlig abwegig. Denn Kränkungen und Sticheleien kamen auch von anderer Seite. Mein Vater zeigte sich zur Geburt unserer Tochter außergewöhnlich großzügig. Er schenkte uns 500 Euro, beließ es jedoch nicht bei der schönen Geste. "Wenn es ein Junge gewesen wäre, hätte ich dir doppelt so viel gegeben!", sagte er. Andere Familienmitglieder fragten scherzhaft, ob ich mir nicht einen Sohn gewünscht hätte. Vor allem den Tanten, die sich mit ihren Söhnen schmücken, schien diese Frage wichtig. Jedes Mal betonte ich dann, dass ich glücklich über eine Tochter sei. Sie nickten, fragten beim nächsten Zusammentreffen aber wieder nach. Gerade in privaten Momenten erlebe ich diese uralte Frauenfeindlichkeit.

Söhne sind in vielen muslimischen Familien ein begehrtes soziales Kapital, Mädchen hingegen nicht. Die Beschneidung ist ein Familienfest, bei dem der Penis völlig frei von Scham im Zentrum steht. Beginnt ein Mädchen zu menstruieren, geschieht das Gegenteil. Ihre körperliche Veränderung wird zum Geheimnis zwischen Mutter und Tochter, ohne Fest und Geschenke. Der Körper des Mädchens tritt in den Hintergrund, er wird als schützenswert erklärt und somit unsichtbar. Der männliche Körper hingegen wird zelebriert. Auch in diese Ungerechtigkeit wurde meine Tochter geboren. Meine Frau und ich werden daran nichts ändern können, so sehr wir uns einen Mentalitätswandel wünschen. Wir bringen unserer Tochter aber bei, dass sie kein mangelhaftes Wesen ist, und dass sie sich vor nichts und niemandem verstecken muss.

Die Angriffe im Internet hörten nicht auf. Die Zeitung löschte zwar alle Beleidigungen und Todeswünsche, rechtsextreme Foren hatten das Foto aber längst aufgegriffen. Sie hetzten gegen die Geburt einer weiteren "Fremden" und sprachen vom "Geburtendschihad". Der Gedankengang vieler Verschwörungstheoretiker: Der wilde Moslem kann zwar angeblich nichts, aber er soll erstaunlich gut Kinder zeugen. Der gute Deutsche hingegen sei so zivilisiert, dass er nicht mal mehr das Primitivste hinkriegt, nämlich sich zu vermehren. Am Ende soll aber die deutsche Frau für den Niedergang der Nation verantwortlich sein, weil sie lieber studiert, arbeitet und frei ist, als das Volk durch eine große, blond-blauäugige Kinderschar am Leben zu erhalten. Die Flüchtlinge wurden dann in den Augen der Verschwörungstheretiker von Angela Merkel persönlich als Katalysator für diese Entwicklung ins Land gelassen. Irgendwann soll dann der Tag X kommen und die Bundesrepublik mutiert zum Bundeskalifat.

Interessanterweise sind rechte Verschwörungstheoretiker, latente Rassisten, Islamisten, aber auch viele konservative Muslime sich in einem Punkt sehr nahe: ihrer Geringschätzung gegenüber Frauen. Wie man es dreht: Immer soll die Frau schuld sein an Missständen in der Gesellschaft, egal ob Angela Merkel, die deutsche Mutterschaftsverweigerin oder die gebärfreudige Muslimin. Die Internetkommentare gegen meine Frau waren auch wesentlich feindseliger als diejenigen gegen mich. Je präsenter Frauen sind, desto größer der Abwehrreflex – von allen Seiten.

Am Ende half uns nicht die Polizei, sondern die Rechtsabteilung einer Zeitung. Sie erwirkte bei Google, dass alle Links mit dem Namen unserer Tochter zu rechten Seiten gelöscht wurden. Wir lernten einen weiteren Trick: Schneller als eine Anzeige wegen Aufrufs zur Gewalt geht es, wenn die Zeitung die Urheberrechte an unseren Bildern geltend macht. Das klappte tatsächlich, auch wenn nicht alle Inhalte gelöscht wurden.

Inzwischen ist meine Tochter vier Jahre alt. Sie liebt Superhelden und Prinzessinnen, und sie verteidigt sich lautstark, sobald ihr eine Ungerechtigkeit widerfährt – egal ob gefühlt oder tatsächlich. In ihrer Welt muss man nicht betonen, dass Mädchen vieles "auch" können. Der Glaube, dass die Geschlechter ungleich viel wert sind, ist nur anerzogen. Man kann ihn aberziehen. Manchmal verfalle ich aber in alte Muster und erkläre ihr, dass Mädchen alles schaffen können, "genauso wie Jungs". Dann schaut sie mich mit ihrem altklugen Blick an, stemmt die kleine Hand in die Hüfte und erwidert entnervt: "Das weiß ich doch, Baba!" Das ist doch eine gute Grundlage für die Kämpfe, die noch auf sie warten.




Aus: "Rassismus: Baba werden" Mansur Seddiqzai (24. Juli 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-07/rassismus-muslim-tochter-islamfeindlichkeit-frauenfeindlichkeit

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acta est fabula #8

... Eigentlich brauchen wir mehr solcher Alltagsgeschichten, die kulturelle und religiöse Unterschiede erklären, und aufzeigen welche konkreten Reaktionen diese hervorrufen.
Dass Nationalkonservative hier wie in islamischen Ländern ein Problem mit selbstbestimmten Frauen haben, ist traurige Wahrheit.


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nachtschwester #8.2

Anonyme, rassistische Hetzer, die sich wünschen ein Neugeborenes mit Rattengift umzubrinen, als Nationalkonservative zu verharmlosen, ist noch viel trauriger!


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titanicus #14

>>Interessanterweise sind rechte Verschwörungstheoretiker, latente Rassisten, Islamisten, aber auch viele konservative Muslime sich in einem Punkt sehr nahe: ihrer Geringschätzung gegenüber Frauen.<<

Die Ähnlichkeiten sind zwar bekannt, dennoch ist es sinnvoll, immer wieder darauf hinzuweisen. Denn nicht nur mit der islamischen Zuwanderung, sondern auch mit dem Erstarken des europäischen Rechtsextremismus droht erneut ein Rückfall in das ungehemmte Patriarchat. Misogynie macht einen Kernpunkt der rechtsextremen „Weltanschauung“ aus. Gleichstellung gilt als Reizwort, weshalb die Forderung danach von rechtsextremer Seite sofort mit „Tschända-Wahnsinn“ beantwortet wird.

Die Unterwerfung der Frau gilt in rechtsextremen Kreisen als Bestandteil einer „natürlichen“ Hierarchie. Der Soldat und Krieger steht über der Hausfrau und Gebärerin. Die Frau dient in erster Linie als Wellness-Oase für den erschöpft vom Schlachtfeld heimkehrenden Kriegshelden. Der Rechtsextremismus propagiert schließlich nicht nur eine Rangordnung der Ethnien (früher „Rassen“), sondern auch der Geschlechter.


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Mastershark #17

Danke für diesen Beitrag, der so viele Widersprüchlichkeiten aufzeigt, die in einer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft eigentlich gar nicht vorkommen dürften. Soziale Medien, die als Plattform für Hasstiraden herhalten müssen, werden von Menschen, die man sich im normalen Leben gar nicht vorstellen kann, benutzt, um schlimmste Äusserungen in die Öffentlichkeit zu bringen, mehr noch sie dienen auch als Plattform für rudelhafte Agitation aus der Anonymitt heraus. Man mag darüber hinwegsehen, um nicht zu verzweifeln, besser wäre aber, wenn diese Hass-Schreiber sich ihrer Taten bewusst würden und wenn endlich Instrumente verfügbar würden, um so etwas juristisch zu belangen.
Ich habe mich über diesen Beitrag sehr gefreut, hoffe, dass er einigen Zeitgenossen einmal die Augen für unsere vorurteilsbeladene Art zu denken öffnet. Ich wünsche dem stolzen Vater und seiner Tochter alles Gute und viel Glück für die Zukunft, in der Männer und Frauen sich auf Augenhöhe begegnen und im gegenseitigen Respekt miteinander umgehen.


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wonderb0lt #28

Cooler Typ. Hoffe seine kleine wird mal Astronautin. Oder Bundeskanzlerin. Oder Superheldin :)


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[...] Weibliche Brustwarzen sind auf Instagram immer noch tabu.  ... Bis heute finden Kreative weltweit immer neue Ansätze, um die sexualisierenden und tabuisierenden Instagram-Richtlinien zu thematisieren. Fast vier Millionen Bilder finden sich unter dem Hashtag #freethenipple auf Instagram. Die künstlerische Umsetzung erstreckt sich mittlerweile über eine enorme Bandbreite. Fast könnte man sagen, dass sich aus dem Protest heraus eine eigene Kunstform entwickelt hat.

Kollektive wie das Nipple Magazin, gegründet von fünf Frauen aus Barcelona, bündeln in ihrem Feed zahlreiche Fotos zu dem Thema, vor Kurzem ging sogar die erste „Nipple Exhibition“ als Insta-Story online. Ihre Mission: „Wir möchten, dass zukünftige Generationen in einer Welt aufwachsen können, in der zwischen weiblichen und männlichen Brustwarzen keine Unterschiede gemacht werden.“ Im Feed finden sich Bilder mit Brustaufsätzen, von Fischen bedeckte Brüste, glitzernde Brüste oder bemalte Nippel, Illustrationen, GIFs und Galerien, von Künstler*innen weltweit. Auch wenn echte weibliche Brustwarzen auf Instagram natürlich noch erstrebenswerter wären ....


Aus: "So protestieren Kreative weltweit gegen das Nippelverbot auf Instagram" Milena Zwerenz (27. Juli 2018)
Quelle: https://ze.tt/so-protestieren-kreative-weltweit-gegen-das-nippelverbot-auf-instagram-freethenipple-zensur/

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[...] Wie eine aktuelle, vom Streamingdienst Deezer in Auftrag gegebene großflächige Studie belegt, hört der Mensch zudem ungefähr mit 30 Jahren auf, neue Musik zu hören. Das mag mit den Lebensumständen, etwa der Gründung einer Familie, zu tun haben. Allerdings ist es ebenso möglich, dass dies aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus geschieht und auf dem dumpfen Gefühl beruht, alles schon erlebt zu haben.
 ... Die diversen Spielarten von Metal sorgen neben Schlager und Volksmusik für Kontinuität auf dem Markt. ... Seit Mitte der 1980er-Jahre existiert in diesem Zusammenhang also Metal als wertkonservative beziehungsweise fundamentalistische Angelegenheit. Betrachtenswert hier auch der dem Ethos des Handwerkertums entliehene Begriff des "True Metal", der die Jünger auf Kurs halten soll. Geprägt von der definitiv nicht von Einflüssen der Moderne und jüngeren zivilisatorischen Errungenschaften beschädigten US-Band Manowar ("Death to false metal!") setzt man auf die guten alten Zeiten und angesichts aktueller Bedrohungen im Leben auf den sicheren Rückzug in "safe spaces" für Männer, wie sie heute Gott sei Dank nicht mehr als Standardausführung gebaut werden. ... Man wird sich davon etwa auch in Wien bei den britischen Heavy-Metal-Veteranen Judas Priest oder deren Vorprogramm, den deutschen True-Metallern Accept überzeugen können: Wahrer Metal bedeutet nicht nur Handwerk mit goldenem Boden. Er bedeutet auch: Stillstand ist besser als Veränderung.  ...

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Mark Syl

und es stimmt überhaupt nicht. gerade metal ist derartig vielschichtig und entwickelt sich permanent weiter. hier wird derartig viel experimentiert, es gibt unzählige genres, die einfach herausragend innovative bands rausbringen... selten so einen schmafu gelesen. mit dieser superlächerlichen arroganz


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Titeuf

Um die 30 entscheidet sich halt, ob man Musikliebhaber ist, oder nur einen Soundtrack zum Leben(sgefühl) brauchte. In ersterem Fall hört man nie auf neugierig zu sein und genießt diesen speziellen Kick, wenn sich im Inneren ein Schalter umlegt und sich einem (wieder) eine ganz neue Musikwelt öffnet. In zweiterem Fall geht's halt vorrangig um Erinnerungen und darum sich wieder wie in der Jugend zu fühlen.


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tnt

Solange es Metal gibt, braucht der Mensch nix anderes...
Was soll denn auch die Alternative sein? ...


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Heísenberg

Manowars
Selbstinszenierung als Unikat und Verfechter der "wahren" Metalmusik ist eigentlich ziemlich clever. Sie kokettiert mit der genuinen Vielfalt an Subgenres innerhalb des Metal-Spektrums und treibt das kulturelle Selbstverständnis der Szene als soziogene Entität, die sich in individualistischer Abgrenzung zum Mainstream versteht, in satirischer Überhöhung auf seine Spitze. Eine bewusst kantige und geschickte Provokation, die bei ihren Anhängern eine beinahe schon sektenartige Verehrung entstehen lässt, gleichermaßen aber all jene abstößt, die den artifiziellen Selbstkult der Band als übertriebene Selbstgefälligkeit und Präpotenz missverstehen.


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Stephen Morrissey

Alles über einen kamm geschoren, ein echter schachinger! ...


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Prof.Dr.Tyler Durden

Wieso? - Ältere Herren im Leopardentanga sind doch voll True Metal ;). Fighting the World


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Happy Monday

Ich glaube, Metal mögen hierzulande so viele, weil es irgendwie ein Rückzugsort für weiße Männer ist: da fordert niemand Gender-Quoten, da beschwert sich niemand über fehlende Diversität. Ganz wie früher ;)


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barsimga

pff... Manowarfans und ihr TrueMetal-Geschwurbel ist mir ja das liebste. Manowar ist ja eigentlich Schlager mit verzerrten Gitarren:
Einfache Strukturen
Lieder zum Mitsingen
Quasi nur ein Thema: brüderliche Liebe
eine Prise Sexismus

...und sich selbst als Hüter des wahren Metals aufspielen


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Der große General

Manowar hat deutlich mehr mit Richard Wagner und klassischer Musik gemein, als mit irgendwelchen Schlagern. Siehe "Gods of War".


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Eine Prise Skepsis

Manowar als Vorreiter des Metals zu bezeichnen ist halt auch bisserl suspekt. Die haben ihre Nische gefunden und reiten ihr Gimmick bis in den Abgrund. Wer deren Geschwafel zu 100% ernst nimmt, dem ist nicht zu helfen. Aufs Konzert bin ich trotzdem gern gegangen, weils einfach ein geiles Erlebnis war. Und ich geh wieder hin. ...
   

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af04404d-581b-468c-a140-3f56ac3a350a

Das mit der leicht konservativen Ausrichtung der Metaller stimmt sicher. Wenn heute einer mit einem Master of Puppets T-Shirt herumläuft ist das schon fast ein Bekenntnis zu klassischer Musik. ...


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Hosenträgerträger

Witztig… Ich packe grad für Wacken.


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fandessportsingrossemstile

Jede Musikrichtung sollte seine Berechtigung haben
Aber Metal ist schon mächtig geil


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Aus: "Wie "True Metal" für Kontinuität auf dem Musikmarkt sorgt" Christian Schachinger (28. Juli 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000084269896/Wie-True-Metal-fuerKontinuitaet-auf-dem-Musikmarkt-sorgt
« Last Edit: July 30, 2018, 12:31:20 PM by Link »

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[...] Paris – Ein Video sorgt in Frankreich für eine neue Debatte über Gewalt gegen Frauen. Auf dem Facebook-Post einer jungen Frau ist ein Passant zu sehen, der sie ohrfeigt. Die 22 Jahre alte Studentin hatte zuvor nach eigenen Angaben auf die sexuelle Belästigung des Mannes auf offener Straße im 19. Stadtbezirk von Paris reagiert. In ihrer Facebook-Veröffentlichung berichtet die Frau, dass sie auf die "anzüglichen Bemerkungen" vor einem Lokal mit der Bemerkung "ta gueule" (etwa: "Halt's Maul") reagiert habe. Die von einer Überwachungskamera aufgenommenen Bilder zeigen, wie der Mann daraufhin hinter ihr herläuft und sie dann heftig ohrfeigt. Die junge Frau habe Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft ermittle, berichtete der Radionachrichtensender Franceinfo. Die Bilder stammen von der Videoüberwachung des Lokals, wie die Frau berichtete.

Die französische Gleichstellungsstaatssekretärin Marlene Schiappa reagierte empört auf den Vorfall. Sie sei aber leider nicht überrascht, sagte sie der Zeitung "Le Parisien". Schiappa versprach eine "angemessene politische Antwort". Auch die #MeToo-Debatte hatte in Frankreich bereits hohe Wellen geschlagen. Im Kampf gegen sexuelle Gewalt und Sexismus brachte das französische Parlament eine Gesetzesverschärfung auf den Weg. Damit sollen künftig auch sexistische Belästigungen auf der Straße bestraft werden. Das Gesetz schafft dazu die Möglichkeit einer Geldstrafe von mindestens 90 Euro für "sexistische Beleidigung". (APA, 30.7.2018)


Aus: "Video sorgt in Frankreich für neue Debatte über Gewalt gegen Frauen" (30. Juli 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000084417591/Video-sorgt-in-Frankreich-fuer-neue-Debatte-ueber-Gewalt-gegen

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"Sexarbeit: "Meine Mutter war mein erster Zuhälter"" Eine Reportage von Theresa Krinninger, Teplice  (7. August 2018)
Lastwagen nehmen nun die Autobahn: Was ist aus dem Straßenstrich an der E55 im deutsch-tschechischen Grenzgebiet geworden? Prostitution ist weiterhin ein gutes Geschäft. ... "Viele Freier kommen nach Tschechien, um ihre perversen Fantasien unverhohlen auszuleben", sagt Sander. Zwei ehemalige Prostituierte, die ausgestiegen sind und in einem Frauenhaus in Deutschland leben, erzählen, welche Fantasien gemeint sind: Sex mit Minderjährigen, Sex mit stillenden Müttern oder mit Schwangeren. 
Dazu zählt auch Gewalt. Fast alle Prostituierten, die die Streetworker kennengelernt haben, berichten wie Lucia von Missbrauch durch Freier. ...
https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-08/sexarbeit-tschechien-deutsche-grenze-freier-vergewaltigung/komplettansicht

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ErahsMuhs #3

Angeblich hatten schon 88 % der deutschen Männer Sex mit einer Prostituierten.

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/peinlich-aber-erfolgreich-und-keiner-wills-gewesen-sein-1.1782896-6

Unglaublich, kann ich als Mann auch irgendwie kaum glauben. 47 Prozent bezahlen sogar monatlich. Insbesondere nach solchen Artikeln wird einem da ganz übel. Demnach bezieht er sich nämlich eigentlich nicht nur auf einsame LKW-Fahrer.


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Hupert #3.24

"Angeblich hatten schon 88 % der deutschen Männer Sex mit einer Prostituierten. "

Okay... dann zitieren mal weiter aus dem verlinkten Artikel:

"Wer es heute wagt, sich in dieser heiklen Angelegenheit in seinem Bekanntenkreis umzuhören, weiß: Da bezahlt natürlich keiner für Sex. Was nicht sein kann, glaubt man einer Studie, die die Frauenzeitschrift Brigitte vor einiger Zeit in Auftrag gegeben hat."

Diese Umfrage der Brigitte würde ich mir gern mal näher ansehen. Für glaubhaft halte ich sie nicht.


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Hupert #3.25

Hier noch eine andere "Umfrage"

Eine Umfrage des Magazins "Playboy" hat ergeben, dass 24 Prozent aller deutschen Männer mindestens einmal im Leben für Sex bezahlen. 1000 Teilnehmer beantworteten die Fragen und offenbarten auch, in welchem Teil Deutschlands die meisten Männer für Sex zahlen. (Montag, 12.01.2015)
https://www.focus.de/panorama/welt/laut-neuer-playboy-umfrage-jeder-vierte-zahlt-fuer-sex_id_4398001.html

Aber ich frage mich echt wo da gefragt wurde. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.


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Lesezeit2018 #22

Das sind Einblicke in menschliche Abgründe mitten in Europa! Die Mehrheit der Freier möchte GV ohne Kondom für 5 Euro? ... Wissen die Ehefrauen bzw. Partnerinnen darüber Bescheid? Unverantwortlich und einfach nur dumm! Das Verhalten unterscheidet sich nicht im geringsten von instinkgesteuertem Verhalten bei Tieren!


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Luis Tränker #22.2

Wissen die Ehefrauen bzw. Partnerinnen darüber Bescheid?

Was für eine naive Frage. Wissen sie denn Bescheid, wenn der Mann es mit Kondom und fǘr 100, 150. 200 Euro macht?


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nocheinefrau #27

Was zur Hölle ist eigentlich mit all diesen Männern los, die diesen Frauen das Leben ruinieren? Woher kommen diese ganzen kranken Typen? Wie erbärmlich sind die drauf?


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Eddie_Sakamura #31.2

["Dort kaufen sie billige Zigaretten, Sprit und Sex."

Dabei sind die Deutschen, die vom Osten über die Grenze nach Tschechien fahren, dort sich mit paar Euro wie Gott in Frankfreich fühlen, den Kofferraum mit Billigbier und Benzin volllanden, noch das kleinste Problem. Die Emanzipation der Frau in Deutschland, was extrem begrüßenswert ist, hat leider aber auch negative Seiten, nämlich das deutsche Männer sich im Osten Europas das holen, was sie in Deutschland nicht mehr bekommen. Der Mangel an jungen Frauen in (Ost-) Deutschland führte dazu, dass die hormongesteuerten ostdeutschen Männer ihre Lust an unschuldige junge tschechischen Mädchen befriedigen, in dem sie ihre jungen Körper ausbeuten.

Tschechien hat seit Jahrzehnten, seit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung gewaltige Probleme mit kriminellen Ausländern, hauptsächlich ausländische Sex- und Gewalttouristen, genau genommen mit deutschen Sextouristen und Pädophilen, die die tschechischen Gesetze brechen. Sie verlangen Sex ohne Gummi, was in Deutschland strafbar ist und suchen gezielt minderjährige Mädchen auf, um mit ihnen kranke Sexfantasien auszuleben. Aber auch die gewöhnlichen Familienväter handeln mindestens unmoralisch, weil sie die finanzielle Situation der Ärmsten dort ausbeuten und das Leid damit verschlimmern.

Unangenehme Wahrheiten, die endlich ausgesprochen gehören und nicht mehr totgeschwiegen werden dürfen. MUT zur Wahrheit.]

Diese Artikel müsste man eigentlich auf allen rechten Plattformen bringen, um den Ammenmärchen vom deutschen Saubermann einen Riegel vorzuschieben. Sonst wird dort gerne der umtriebene muslimische Triebtäter propagiert.


...


« Last Edit: August 08, 2018, 08:01:03 AM by Link »

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« Reply #86 on: August 10, 2018, 05:00:09 PM »
Quote
[...] Schlief ein Junge mit einem Mädchen, verwandelte er sich in einen Helden und sie wurde zur Schlampe. Ihr Wert ging auf den Jungen über. Und Wert konnten wir gut gebrauchen, denn wir steckten offenbar in dem, was der Sozialpsychologe Rolf Pohl "Männlichkeitsdilemma" nennt: Jungs sollen selbstsicher und unabhängig sein, das starke Geschlecht. Gleichzeitig sind sie nicht nur erst einmal rundum abhängig von einer Mutter, sondern später auch von der Gunst der Mädchen, um die ihre tiefsten Wünsche kreisen und an denen die Bestätigung ihrer Männlichkeit hängt. Entsprechend hechelten viele von uns mit wachsender Bedürftigkeit den Mädchen hinterher, taten aber so, als sei das alles nur Schnickschnack. ... Dass in diesen weitverbreiteten Haltungen etwas tief Gestörtes lag, spürte ich mehr, als dass ich es dachte. Ein weiteres Dilemma verwirrte mich zusätzlich: Einerseits lag ein romantischer Schleier über dem Sex. Allein die Liebe machte den Geschlechtsakt menschenwürdig, und Liebe bedeutete nicht oberflächliches Verknalltsein, sondern Verantwortung – auch für möglicherweise entstehende Kinder. Diese in der katholischen Sexuallehre ausbuchstabierte Sichtweise las ich aus Worten und schwer greifbaren Haltungen meiner Mutter und anderer einflussreicher Personen heraus. Und es zeitigte Wirkung: Noch als Student, "verliebte" ich mich, wenn ich eine Frau einfach nur sehr attraktiv fand.

Frauen galten als dazu befähigt, Sex und Liebe zu verbinden, während Männer als dauerbrünftige Sexmonster betrachtet wurden. Männer wollten Sex und mussten deshalb lernen zu lieben. Frauen wollten Liebe und mussten deshalb lernen, auch Sex zu mögen. So weit, so old school. Andererseits lag der Geist der sexuellen Revolution in der Luft: Freier Sex macht freie Menschen. Niemand wollte ein verklemmter Spießer sein. Nur wer sich "locker machte" und sein wahres orgasmisches Potenzial auslebte, konnte seinen Körperpanzer aufbrechen und den inneren Fascho besiegen. Ich stand als Teenager also vor der Wahl, ein Triebtäter auf dem Weg ins Höllenfeuer oder ein Nazi zu werden. Mein männliches Geschlecht schien mich für beides zu prädestinieren. Ob es um Provinz-Revoluzzer ging oder um Kinder missbrauchende Geistliche – in einem herrschte Einigkeit: Die Sexualität des Mannes war das Hauptproblem. Entweder war sie zu aggressiv-verklemmt oder zu triebhaft-animalisch. Mit uns Typen stimmte etwas von Grund auf nicht. Um es vorweg zu nehmen: Die Pornografie zeigte mir keinen Ausweg.

Den ersten Pornofilm fand ich als 13-Jähriger durch Zufall auf der Videocassette des fünf Jahre älteren Nachbarsjungen. Ich sah den Film zunächst einmal allein und fand mich in einem Knäuel widersprüchlicher Empfindungen wieder, an denen ich bis heute hin und wieder herumnestele. Dann ging ich daran, den Film auf eine zweite Cassette zu kopieren. Auf dem Schulhof hatte ich schon mit indizierten Horrorfilmen wie Tanz der Teufel und Zombies im Kaufhaus für Furore gesorgt. Jetzt setzte ich noch einen drauf. Bald flogen mir weitere Filme zu, die ich meist mit anderen Jungen zusammen ansah. Ich fand diese Runden zwar ausgesprochen peinlich, machte aber trotzdem mit oder lud sogar zu ihnen ein. Mannwerden schien generell etwas damit zu tun zu haben, möglichst Dinge zu tun, die man eigentlich zunächst nicht tun wollte: saufen, rauchen, kloppen, cool sein, sich selbst und anderen wehtun.

Gleich in meinem ersten Pornofilm sagte die Frau, es tue ihr weh. Der Mann machte weiter. Ein anderer kam herein und fragte gelangweilt, ob er gleich auch mal dürfe. Dabei fragte er nicht die Frau, sondern den anderen Mann. Die Einstellungen wechselten zwischen Penetrationen in minutenlangen Nahaufnahmen und Totalen, in denen erst der eine, dann der andere Mann die Frau von hinten nahm. Dazu gab es herablassende Kommentare. Hin und wieder schlugen die Männer der Frau mit der flachen Hand auf eine Pobacke, als wollten sie ein Pferd antreiben. Das alles erschien mir voller Häme, als ob Sex vor allem die Schadenfreude von Männern befriedigte. Ich fand es fies, wie die Frauen in den Pornos behandelt wurden, aber es erregte mich auch. Und als ich zum ersten Mal Sex hatte, überprüfte ich immer wieder, ob es bei uns auch so aussah wie in den Nahaufnahmen.

Diese Filme brachten etwas an die Oberfläche, was schon vorher in mir virulent gewesen war: eine Verquickung von Grausamkeit und Geilheit. Schon als Grundschüler hatte ich manchmal von Frauen an Marterpfählen fantasiert. Natürlich wollte ich ihnen helfen, sie taten mir leid, wehrlose Opfer, die sie waren. Erst später fiel mir auf, dass ich die Rettungsfantasien ziemlich lange hinauszögerte, um vorher an mir herumzuspielen.

Pornofilme sind Übergriffe, vor allem gegenüber Kindern und Jugendlichen, die noch nicht wissen, was auf sie zukommt. Ich fühlte mich beim Sehen des ersten Pornofilms als Voyeur und Täter. Gleichzeitig wurde etwas mit mir gemacht. Die Darstellungen übertraten meine Grenzen: Ohne Scham hielten Menschen ihre erregten Geschlechtsteile in die Kamera. Privates wurde öffentlich. Wildfremde Menschen zogen mich hinein in ihr scheinbar Intimstes. In ihrer Welt wurde Sex omnipräsent, beliebig, unpersönlich, geil und leer.

Begehren (heiße Frau betritt den Raum) und Erfüllung (kniet sich hin und bläst) fallen im klassischen Pornofilm oft in eins. Das ist besonders attraktiv für Männer, die vom Werben um Frauen und der komplexen Kommunikation echten Liebesspiels frustriert sind. Der Konsum von Pornos ist eine schnelle Abkürzung zum Männlichkeitsgefühl, senkt aber die Frustrationstoleranz zusätzlich: alles, sofort, auf Knopfdruck, ohne emotionale Verpflichtung, Hingabe und eigene Verwundbarkeit. Echter Sex erscheint dadurch bald noch komplizierter und unbefriedigender. Pornografie wird als Ersatz wichtiger. Man braucht sie, weil man sich klein fühlt und fühlt sich klein, weil man sie braucht. Ein erstklassiges Geschäftsmodell: Es nutzt das Suchtpotenzial seiner Kunden so konsequent wie McDonald's seine leeren Trostkalorien und ist legaler als die meisten Drogen.

Aber worin genau besteht der Suchtfaktor? Warum gucken Männer überhaupt Pornos und befriedigen sich nicht einfach anhand eigener Fantasien? Weil das, was sie fantasieren, ja im Film echt stattfindet. Man ist dabei und doch außen vor. Man kann von der alles gewährenden Frau träumen und sie sich gleichzeitig vom Leib halten. Die Frau tut alles, was man will, wird zum Objekt, über das man verfügt wie über den eigenen Körper. Gleichzeitig kann sie einen nicht verlassen oder abwerten, weil sie selbst abgewertet ist.

Vielleicht ist das nur meine ganz persönliche Meise. Aber der Austausch mit anderen lehrt mich: Für viele Männer liegt der verborgene Reiz der klassischen Pornografie in der Sehnsucht nach einer bestimmten Art von Mutter und in der Angst genau vor dieser: die verschmelzende, narzisstisch missbrauchende Mutter. Als Verstärker des Reizes dient Demütigung. Es gilt als selbstverständlich, dass Männer Frauen erniedrigen, um sich selbst mächtiger zu fühlen. "Männerfantasie" heißt das dann manchmal, und man fragt nicht weiter nach.

Als jugendlicher Pornogucker verstand ich die Erniedrigung der Frau bereits darin, dass man sie nackt vorführte, denn dadurch verlor sie ja gemäß des Schlampenstigmas an Wert. Ich wollte auch als 13-Jähriger nicht kaltschnäuzig und egoistisch sein und Menschen zur eigenen Befriedigung benutzen. Gleichzeitig – und die Filme brachten es ans Licht – wollte ich genau das. Ich onanierte während bestimmter Szenen und hatte anschließend Mitleid mit den Frauen, weil ich sie zu Sexobjekten degradiert hatte. Dass die Charaktere der Männer auch nicht gerade tief gezeichnet waren, beschäftigte mich weniger. Mit ihnen hatte ich kein Mitleid, obwohl sie im Film ebenfalls reine Funktionsfiguren sind.

Auch wenn es nur eine Inszenierung war: Warum spielten die Frauen bei so etwas mit? Ihre Erniedrigung, die weltweit angeschaut werden konnte, war doch real. Ich verstand erst später: Demütigen und Gedemütigtwerden sind zwei Seiten derselben Medaille, die aus Verletzungen des Selbstwertgefühls und einer rituellen Wiederinszenierung als Geschlechtsakt geschmiedet wird. Pornos sind ein – oft geschmacklos inszenierter – Tanz um unsere tiefsten Wunden. Sicherlich, es gibt Pornos, die ganz anders sind – heute redet alle Welt von Erika Lust und Fair-Trade-Bio-Pornos mit garantiert glücklichen Darstellern. Manche schwören ja auch auf alkoholfreies Bier und vegane Würste. Aber viele gucken weniger freundliche Pornos nicht, obwohl sie so ein ungutes Gefühl zurücklassen, sondern gerade deswegen.

Ich hatte Glück. Ich wurde nicht pornosüchtig. Aber meine Fantasien wurden eindeutig durch die Filme mitgeprägt, die ich als Jugendlicher gesehen hatte. Spätere Erlebnisse konnten diese Prägung nicht völlig überschreiben. Bis heute stelle ich mir Fragen: Kann man noch aufwachsen, ohne dass Pornografie das eigene Begehren prägt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Pornografiekonsum und sexueller Gewalt? Bevor jemand "Quatsch" oder "aber sicher" ruft: Die wissenschaftliche Debatte dazu ist komplex, differenziert und womöglich auch für eindeutige Pornogegner und Pornobefürworterinnen noch ergiebig. Eine andere Frage: Haben etliche männliche Kommentatoren auf die #MeToo-Debatte so defensiv reagiert, weil sie fürchteten, ihre Fantasien würden an den Pranger gestellt? Müssen sich heute alle Männer für ihre sexuellen Wünsche schämen? Sollten wir darüber reden? Mit wem? Wie? Sehen wir innere Konflikte mehr als Bedrohung denn als Katalysatoren, die unsere Kreativität befeuern? Sind wir frei, wenn wir andere und uns selbst erniedrigen müssen? Unter uns, Jungs, die sexuelle Revolution hat gerade erst begonnen.

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MaggieSimpson83 #6

Man mag es unglaublich finden, aber (das sage ich als Frau) auch Frauen schauen sich Pornos an! Als Mädchen und auch als Erwachsene. Und die Palette ist ziemlich breit: es gibt ganz schlechte und gute Pornos. Es stimmt auch nicht, dass in allen Pornos Frauen gedemütigt werden. Manchmal ist es auch umgekehrt. Es gibt genug SM-Pornos, in denen Männer geschlagen werden usw. Und es gibt auch Pornos ganz ohne Männer. Mir scheint es, als ob der Autor die katholische Morale nie überwunden hätte. ...


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MDenner #12

Mich wundert die Rückständigkeit der Kinderzeit des Autors etwas. Ich bin einige Jahre älter, aber so verklemmt und verdreht ging es da nicht mehr zu.

Und ich glaube, dass unsere (männliche?) Sexualität mindestens 2 Seiten hat: die eher liebevolle in der Liebesbeziehung, und die eher rauhe, schmutzige, die in Pornos und zur schnellen Befriedigung vorkommt. ...


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jjkoeln #12.1

Zusätzlich mag ich auch Saures.

Die Verklemmtheit, mit der den Phantasien - eigenen und anderen - begegnet wird, erschüttert. Es ist immer ein Aushandeln zwischen den Menschen (die Zahl ist nicht aufw begrenzt), was erregt und gut ist. Wie oben schon gesagt, alles was Safe, Sane and Consensual ist, ist gut. Dann dürfen auch Schläge und Erniedrigung dabei sein, eben weil hier Schlüssel und Schloss passen und es freiwillig ist.

Erotik und Sex sind eben mehr als nur Vanille, auch wenn Vanilleeis durchaus gut schmecken kann.



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Trampelschlange #17

Ein offenes Gespräch über die sexuellen Fantasien kann Wunder bewirken


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Der Quotenwagnerianer #17.1

Es gab in den 70ern da mal zwei Bücher über die sexuellen Phantasien der beiden Geschlechter wo in Interviews Material gesammelt worden war.
Da waren schon Sachen dabei wo ich ganz schön große Augen gemacht habe im Buch über die der Frauen.


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Albrich21 #19

Meine SM-Phantasien habe ich seit meinem 10 Lebensjahr.
Die Auspeitsch-Szene im "Tiger von Eschnapur" hat es mir sehr angetan.
Mit 10 zwar nicht im Rahmen von Masturbation oder Sex (das kam später) aber in einer Art vorüubertärer Erregung stellte ich mir die Szene immer wieder vor.

Mein Fetisch auf bestimmte Textilien rührte auch aus dieser Zeit (würde jetzt alles zu weit führen)
Pornos, die ich mir aufgrund von Gewaltszenen oder glänzender Blusen/Unterwäsche aussuche kamen da erst weit später.
Dies als Hinweis, dass nicht Pornos einen Menschen sado-masochistisch oder gar schwul machen.


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ganz ruuuhig #22

"Unter uns, Jungs, die sexuelle Revolution hat gerade erst begonnen. "

Virtuelle Realität auch, die wird die Sexualität revolutionieren.


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4711-42-4 #25

Ich habe das Gefühl der Autor wurde nicht von Pornofilmen geschädigt, sondern von seinen Eltern. ...


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credentials22 #28

Super Artikel! Erinnert mich an das Buch: Why men hate women, das von einem englischen Psychotherapeuten geschrieben wurde, der ueber diese Dinge auch klug nachdachte. Ein Zeichen der Intelligenz.


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Meilenwald #33

Dabei ist der Trend in der Porno-Industrie, vor allem im asiatischen Raum in letzter Zeit extrem in Richtung Cuckold (Netorare) gewechselt. Die Ironie dabei ist, dass die Frauen nach wie vor schlecht behandelt werden aber hinzu kommt der nette Protagonist (Proxy), der ebenfalls zerbricht. Die Meinungen von Psychologen und Soziologen zu diesem Trend wäre sicher interessant.



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werweissesbesser #33.2

Na ja, in der US Pornoindustrie wird das Thema Cuckold links feministisch vermittelt: die weisse Frau, bisher unterdrückt von ihrem weissen Mann, verbündet sich mit ihrem schwarzen Lover , der auch als "the bull" bezeichnet wird. Und erniedrigt ihren weissen Mann indem sie ihm direkt vorführt, was der Lover alles drauf hat. In krassen Szenen , für die BDSM Fans die unbedingt leiden wollen, wird der erniedrigte weisse Mann genötigt Sexualpartner des schwarzen Lovers zu werden, wird also genauso unterdrückt, wie er vorher seine Frau unterdrückt hat. Da ist eine politische Botschaft enthalten, wer hätte das gedacht ? Im allgemeinen gibt es auch BDSM Pornos in denen Männer von Frauen gequält werden. In all den Jahrzehnten, von den ersten Printwerken dieses Genres bis heute , wo man ungefiltert über google jede sexuelle Absurdidät aufrufen kann, Jugend und Datenschutz völlig unwirksam sind, zeigte mir Porno nur , das auf dem Gebiet der Sexualität sich Mann und Frau nichts schenken. Wie auf allen anderen Gebieten tuen sich Menschen an was nur denkbar ist. Aber so ist das, selbst diese #metoo-Sache, positiv im Ansatz, hat doch wieder mehr Hass erzeugt.


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Polykanos #34

Ich habe nie den Wunsch gehabt und es auch nie als erregend empfunden, Frauen zu demütigen. Ich habe Mädchen, die Sex hatten oder Frauen, die mit vielen Männern Sex hatten oder haben, nie als Schlampen empfunden oder bezeichnet - und schon gar nicht hatte ich jemals die Vorstellung eine vergewaltigte Frau sei entehrt, beschmutzt oder nichts mehr wert.

Als ich noch ein junger Mann war, glaubte ich an die Einheit von Liebe und Sex - und mußte mich dafür von so mancher Frau auslachen lassen, die mir vorhielt, ich könne Liebe und Sex nicht trennen - ich konnte schon, aber ich wollte nicht!

...


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Zauberpferd #34.9

"Ich finde es ermüdend, wie Männer immer wieder in die gleiche Klischee-Schublade gesteckt werden"

Das haben Sie doch mit dem Satz davor auch mit Frauen gemacht, nur dass Sie da von Ihrer Lebenserfahrung sprechen. Irgendwas in Ihnen zieht solche Frauen an, was aber nicht heißt, dass alle so sind. Ich kenne sehr viele, die Machos zum Kotzen finden und niemals einen anfassen würden, weil sie nämlich genau auf solche Männer wie Sie stehen und auch mit einem solchen zusammen sind.


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GanzImGlück #38

Mein Rat: Weniger theoretisieren, mehr poppen. Und dabei mit dem Partner kommunizieren, um herauszufinden, wie die ganze Sache noch besser wird.


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karambo lage #45

genialer artikel. frustrierende kommentare.
autor selbstreflektiert, undogmatisch, schmerzhaft ehrlich, an der sache interessiert.
kommentatoren wissen schon alles und schlucken alles seit der geburt und so wird es auch bis zum ende bleiben + alle anderen sollten es gefälligst genauso machen.



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kemal_acaröz #53

+++ Frauen galten als dazu befähigt, Sex und Liebe zu verbinden, während Männer als dauerbrünftige Sexmonster betrachtet wurden. Männer wollten Sex und mussten deshalb lernen zu lieben. +++

Keine Ahnung wie der Autor sozialisiert wurde. Aber das liest doch mehr wie sein eigener Horizont. Und er sollte es tunlichst nicht verallgemeinern.
Spätestens wenn man als männlicher Jugendlicher das erste Mal richtig "verknallt" ist mit allem drum und dran, Rosarot obendrauf, dann merkt man aus meiner Erfahrung sehr wohl, dass man auch als Mann Liebe ziemlich "gut kann" (und ich meine Liebe, nicht Sex) - inklusive Herzklopfen und die Angebetete auf einem Podest im Herzen tragen.
Offensichtlich hat der Autor solche Erfahrung nicht gemacht. Anders kann ich mir die recht klischeehaften Ausführungen (Männer = nur Sexmonster) nicht erklären.


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gültiger Benutzername #56

War'n das noch Zeiten , als die drei Seiten Damenunterwäsche im Quelle-Katalog ausreichten um in Wallung zu kommen !


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7Daisy #62

Vielen Dank, Herr Neft, für Ihren mutigen Artikel und Ihr Angebot zum Reden an die Männer.
Uh, wie roh gleich alle reagieren.
Ja, es ist was im Argen, vielleicht sind ja deshalb alles so mies drauf?
Pornografie macht die Sinnlichkeit und die Sexualität kaputt.
Gut erklärt von Naomi Wolf in "Vagina".
Ein Satz in dem Buch hat mir besonders gefallen:
Sexualität und Sinnlichkeit lernt ein Kind zum Beispiel, wenn es morgens mit nackten Füssen durch taunasses Gras läuft.


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KeinBlattvorsHirn #73

Die Probleme des Autors haben wenig mit Pornos und viel mit seiner katholischen Erziehung zu tun. ...


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Mittagsfrau #94

Ich denke, der Autor spricht, auch jenseits vom Pornokonsum, ein grundsätzliches Problem an: Dass Frauen und ihre Sexualität oft noch als "Beute gesehen" werden und Frauen, die "leicht zu haben" wären (also einfach selbst Sex wollen) als "Schlampen". Ich erinnere mich auch noch an ein paar Jungen in der Klasse, die immer in die Umkleide der Mädchen zu kommen versuchten und dann damit rumprahlten, sie hätten von der oder der "die Titten gesehen" und dann dafür bewundert wurden, während es für die Mädchchen erstens peinlich und zweitens auch "entwertend" war, dass sie nackt gesehen wurden.


Quote
Sandjup #94.1

Das Wort/Werturteil "Schlampe" äußern vor allem Frauen über ihre Konkurrenz.


...



Aus: "Grausame Geilheit" Anselm Neft (25. März 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2018-03/pornografie-aufklaerung-sexualitaet-frauen-erniedrigung/komplettansicht
« Last Edit: August 10, 2018, 06:07:42 PM by Link »

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« Reply #87 on: August 15, 2018, 09:51:06 AM »
Quote
[...] Nach Polizeiangaben von Montag liefen die beiden, 35 und 36 Jahre alt, kurz nach 18 Uhr Hand in Hand aus dem U-Bahnhof Möckernbrücke, als sie von dem Unbekannten zunächst homophob beleidigt worden seien. Anschließend habe der Mann beide geschlagen, bevor er in den Park am Gleisdreieck flüchtete. Das Paar trug leichte Verletzungen davon; eine medizinische Behandlung lehnte es ab.  Die Frauen beschrieben den Tatverdächtigen als Nordafrikaner.


Aus: "Berlin-Kreuzberg: Frauen homofeindlich beleidigt und geschlagen" (13.08.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/berlin-kreuzberg-frauen-homofeindlich-beleidigt-und-geschlagen/22906020.html

Quote
Pat7 13.08.2018, 11:39 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Kapitel 13.08.2018, 11:28 Uhr
Kennen Sie einen Kriminellen, der eine Tat begangen und dann auf die Polizei gewartet hat?

Hier geht es nicht um normale Kriminalität zum Zwecke des sich Bereicherns. Dessen Wesen ist nun mal die Anonymität und funktioniert nur auf die Weise.

Hier hat jemand ein Statement abgeliefert weil er welchen Hass auch immer auf Frauen hat die Händchen halten. Sich erst toll finden weil man es denen mal gezeigt hat aber nicht bereit sein zu seinen Ansichten zu stehen. Das ist Feigheit. Die selbe Feigheit wie im  Netz wenn andere wegen der politischen Meinung oder ihrer Lebensweise anonym bedroht, beleidigt und beschimpft werden oder man Bürgerbüros von Parteien mit Farbe und Parolen beschmiert oder Wahlkampstände angreift und dann abhaut.


...

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"Asia Argento: Weinstein-Anklägerin soll Minderjährigen sexuell genötigt haben" (20. August 2018)
Asia Argento war eine der ersten Frauen, die Harvey Weinstein der Vergewaltigung beschuldigten. Sie soll Schweigegeld wegen eines sexuellen Übergriffs bezahlt haben. ... Bennett zufolge erfolgte der sexuelle Übergriff 2013 in einem Hotel in Kalifornien. Argento war damals 37 Jahre alt, Bennett war zwei Monate zuvor 17 geworden. Das gesetzliche Mindestalter für einvernehmlichen Sex liegt in Kalifornien bei 18 Jahren. Die Zeitung versuchte nach eigenen Angaben wiederholt vergeblich, eine Stellungnahme von Argento oder ihren Vertretern zu bekommen. ...
https://www.zeit.de/kultur/film/2018-08/asia-argento-harvey-weinstein-jimmy-bennett-metoo-minderjaehriger-schweigegeld

Asia Aria Maria Vittoria Rossa Argento (* 20. September 1975 in Rom) ist eine italienische Schauspielerin, Regisseurin, Filmproduzentin, Drehbuchautorin, Schriftstellerin, Sängerin und Model.
https://de.wikipedia.org/wiki/Asia_Argento

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addy9878 #13

Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche. ;-)


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Betrand #13.1

Passt fast immer.


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homer_in_the_bushes #18

Wind gesät. Sturm bekommen.


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Running #21

Wer Macht hat, kommt irgendwann in die Versuchung, sie auch für sich auszunutzen. Es gibt genügend, die widerstehen. Aber es gibt auch genügend, die nicht widerstehen können.


Quote
R. Reagan #27

Es ist wirklich egal, ob schwulenhassender Reaktionär, religiöser Moralprediger oder Radikalfeministin, am Ende werden sie immer als Häuchler und selbstgerechte Lügner enttarnt...


Quote
Champagne Socialist #32

Angriff ist die beste Verteidigung. Jeder Mensch macht Fehler, weshalb man nie aus einzelnen Tätern große Tätergruppen kreieren sollte. Alte "weiße" Männer haben viel verbockt, doch auch nicht-"weiße", nicht-männliche Personen nutzen Machtpositionen rücksichtslos und egoistisch aus.


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Dohlenmann #35

Diese Enthüllung diskreditiert meiner Meinung nach nicht das Hauptanliegen von #metoo oder die Anklage gegen Weinstein, weil es dort eben tatsächlich noch viele andere Zeugen gibt. Es sollte aber als eine Mahnung verstanden werden, wie man sich bei solchen Vorwürfen positioniert, wenn sie einen selbst treffen können.


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Wir sind von Futur umzingelt. #38

Eine Nachricht, die einem bodenlosen Fass den Boden ausschlägt ...


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Vorschau #39

und es war Sommer...


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hakufu #39.1

Wer kennt noch das schöne Lied. Heute würde man wohl kaum noch wagen, so einen Text zu veröffentlichen............


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"#MeToo: Asia Argento weist Missbrauchsvorwürfe zurück" (21. August 2018)
Sie sei schockiert über den Artikel, laut dem sie einen minderjährigen Kollegen missbraucht haben soll, sagte #MeToo-Aktivistin Asia Argento. Sie sprach von "Verfolgung". ... "Ich dementiere und weise den Inhalt des von der New York Times veröffentlichten Artikels zurück, der in den internationalen Medien zirkuliert", sagte Argento. Sie sei "zutiefst schockiert" über die "absolut falschen" Nachrichten und sprach von "Verfolgung". Sie habe nie irgendeine Form einer sexuellen Beziehung mit Bennett gehabt.  ...
https://www.zeit.de/kultur/film/2018-08/metoo-asia-argento-missbrauch-vorwurf

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planespot #2

Die Frau bezahlt 380tausend, weil sie sie dem Täter helfen wollte?
Schöner wurde noch nie die Zahlung einer Erpressungsforderung begründet.


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Paul Ericsson #2.1

Der Unterschied ist, Argento hat den jungen Mann damals nicht gezwungen.
Er profitiert hingegen vom Gesetz das ihn in die Lage bringt das Geld zu fordern.

Argento´s einziges "Verbrechen" liegt darin, Sex mit einem 17 Jährigen gehabt zu haben.
Kleiner Unterschied zu Weinstein, nicht wahr?


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Weg mit den Grenzen #12.1

Klarer Fall von Schmutzige-Wäsche-Waschen.


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Manfred der Erste #17

Das war mir klar, aus Erfolglosigkeit Kapital schlagen. Eine Frau wie Argento hat es sicher nicht nötig einen kleinen Bubi zu verführen!
Vor allem kann man es nicht glauben, selbst wenn es so wäre das ein Typ der Rock Musik macht und Schauspielert nichts von der Welt mitbekommt und sich traumatisiert gibt. Ich glaube eher die Gegner der MeToo Bewegung schlagen zurück, mit solchen Geschichten die auf einen Schlag die ganze Bewegung treffen soll.


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Goodwood1995 #23

Tja jetzt erlebt Frau Asia Argento am eigenen Leib wie es ist Schuldig by Hashtag zu sein. Der Pranger war das Metoo des Mittelalters.


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Der Korrektor #23.1

Das ist Falsch. Im Fall Argento geht es eventuell um sexuelle Nötigung, eventuell um Verführung Minderjähriger. Im Fall Weinstein geht es um systematischen Machtmißbrauch, vielfache Vergewaltigung und die Besetzungscouch ganz allgemein.

Auf der einen Seite steht die juristische Aufarbeitung, auf der anderen die Gemeinschaft der Betroffenen und auf einer weiteren Seite die gesellschaftliche Aufarbeitung. Alles davon hat seine Berechtigung.

Die Schadenfreude ist unangebracht. [... die juristische Aufarbeitung ist nur ein Teil. MeToo bedeutet: Mir ist auch so eine Scheiße passiert. Und es war notwendig, dass die Menschen sehen, wie allgegenwärtig diese Scheiße ist. Das würde Frau Argento im Falle ihrer Schuld natürlich nicht freisprechen. Aber es ändert nichts an der Gültigkeit der Empörung. ]


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runnner #31

Daher habe das Paar entschieden, "mitfühlend auf Bennetts Forderung nach Hilfe zu reagieren und ihm Hilfe zu geben". Hätte Weinstein nicht besser formulieren können. Die Frau spricht sich um Kopf und Kragen. Nach den Statements ist sie durch.


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runnner #32

Keinerlei Reue von Machtmissbrauch. Sehr maskulin formuliert. Wenn Opfer zu Tätern werden.


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geranie24 #38

Eine ziemlich bigotte Gesellschaft, in der sowohl sexuelle Handlungen als auch die Strafbarkeit sexueller Handlungen genutzt werden um Geld zu "verdienen ".



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« Last Edit: August 22, 2018, 08:04:56 AM by Link »

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« Reply #88 on: August 22, 2018, 08:09:50 AM »
"Missbrauchsvorwurf gegen Asia Argento Gewalt und Gegengewalt" Christian Buß  (Dienstag, 21.08.2018)
Ihre Filme handeln von Trauma und Missbrauch - schon früh gestand Asia Argento aber auch ein, selbst am Set schuldig geworden zu sein. Über eine Künstlerin, für die Sexualität immer Zerstörung heißt. Es war ein Gespräch, das vom Rock'n'Roll zum Sex führte. Und vom Sex zur Schuld. Bei einem Interview im Jahr 2014 erzählte mir Asia Argento, wie sie in ihren Teenagerjahren durch den queeren Psychobilly der legendären Band The Cramps ein Ventil für die eigene Sexualität gefunden hatte. Wie ihre Sexualität dann schon als Jugendliche von Regisseuren ausgebeutet wurde und wie schließlich sie selbst schuldig an ihren Darstellern und ihrem Team wurde, als sie einen Film über Gewalt und Missbrauch drehte.
Das Gespräch dauerte lange, Argento rauchte Kette, dann so abrupt wie deutlich die Selbstanklage: "Am Set war ich eine Tyrannin (...) Ich bin an so vielen Leuten schuldig geworden, es brauchte zehn Jahre, bis ich über einen weiteren Film als Regisseurin nachdenken konnte."
Der Film, über den sie sprach, war "The Heart is Deceitful above All Things" aus dem Jahr 2004, Argento spielte darin auch die Hauptrolle, eine strippende, ständig begrapschte Mutter, die ihren kleinen Sohn an Männer weiterreicht, damit diese sich an ihm vergehen können. Ein Missbrauchsopfer, das den Missbrauch organisiert. Der Film war ein Gewaltakt, auch für das Publikum, das hier keine Moral an die Hand bekam.
Argento damals bei unserer Begegnung weiter: "Die Rolle ergriff Besitz von mir, auch wenn ich gar nicht vor der Kamera stand. Zuerst konnte ich das noch auseinanderhalten, quasi als gespaltene Persönlichkeit agieren. Aber dann gewann das Böse Oberhand, und ich verhielt mich zu allen Mitarbeitern wie die Mutter im Film, ich nutzte sie aus, schob sie herum, schrie sie an. Ich war eine Diktatorin."
... Mit acht stand Argento, Tochter des berühmten, kultisch verehrten Horrorregisseurs Dario Argento, das erste Mal vor der Kamera. In ihren Teenagerjahren spielte sie immer wieder sexualisierte Rollen. Sie war noch keine 18, da wirkte sie zum ersten Mal in einem Film ihres Vaters mit: Die von ihr verkörperte Titelheldin in "Aura" muss mit ansehen, wie ihr gesamtes persönliches Umfeld ermordet wird. Ein perfider, reflektierter Thriller über männliche Macht und weibliches Ausgeliefertsein.
... Will man sich Argento nähern, ist es wichtig, sich auch noch einmal zu vergegenwärtigen, dass Argentos Aufstieg als Schauspielerin in Italien der Neunzigerjahre parallel zum Aufstieg des Medienmoguls Silvio Berlusconi erfolgte. Berlusconi schuf durch seine TV-Sender eine ganz neue Fernsehwirklichkeit, die auf die Gesellschaft zurückstrahlte. Bei der kürzlich auch in Deutschland gelaufenen Politserie "1993" ist das noch einmal sehr deutlich zu sehen: Es ging um aggressiv ausgestellte Sexualität, aggressiv ausgestellten Wohlstand, aggressiv ausgestellte Macht. ...
Die sexuellen Übergriffe Harvey Weinsteins auf sie selbst hat Argento also schon lange vor ihren Beiträgen zur #MeToo-Debatte thematisiert. 1997 soll sie der Filmproduzent, der auch "B. Monkey" finanzierte, zum Oralsex gezwungen haben, anschließend hatten sie nach Argentos Aussagen mehrmals einvernehmlich Sex. 2017 trat sie als eine der glühendsten Anklägerinnen gegen Weinstein an.
Ist Argentos Glaubhaftigkeit durch die jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsvorwürfe erschüttert?
Mit jedem Filmbild, mit jeder Äußerung hat die Schauspielerin, Regisseurin und Aktivistin deutlich gemacht, dass sie Teil eines Kreislaufs der Gewalt ist. Opfer können Täter und Täterinnen sein. Die Verbrechen, die ihnen angetan werden, werden dadurch nicht relativiert - und die eigenen natürlich nicht legitimiert. In ihrem Film "The Heart is Deceitful above All Things" hatte Argento gerade genau davon erzählen wollen. ...
http://www.spiegel.de/kultur/kino/asia-argento-die-metoo-anklaegerin-und-der-kreislauf-der-gewalt-a-1224057.html

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[...] Die italienische Schauspielerin Asia Argento hat den Vorwurf zurückgewiesen, sie habe vor fünf Jahren Sex mit einem minderjährigen Schauspieler gehabt. Sie weise die in einem Artikel der "New York Times" erhobenen Vorwürfe vehement zurück, erklärte Argento am Dienstag über ihren Agenten. "Ich bin zutiefst schockiert und verletzt eine Geschichte zu lesen, die absolut falsch ist." Sie habe "niemals irgendeine sexuelle Beziehung" zu dem Schauspieler und Musiker Jimmy Bennett gehabt.

Asia Argento ist eine führende Stimme der #MeToo-Kampagne. Sie war eine der ersten Schauspielerinnen, die dem Hollywood-Produzenten Weinstein Vergewaltigung vorwarfen. Die "New York Times" hatte am Sonntag berichtet, Argento habe Bennett nach einem Vorfall in einem Hotel in Los Angeles 380.000 Dollar (333.000 Euro) gezahlt. Bennett zufolge erfolgte der sexuelle Übergriff 2013. Argento war damals 37 Jahre alt, Bennett war zwei Monate zuvor 17 geworden. Das gesetzliche Mindestalter für einvernehmlichen Sex liegt in Kalifornien bei 18 Jahren.

Argento betonte am Dienstag, sie sei Bennett "über mehrere Jahre ausschließlich freundschaftlich verbunden" gewesen. Diese Freundschaft sei zu Ende gegangen, als Bennett plötzlich "eine maßlose Geldforderung" an sie gestellt habe, nachdem sie selbst dem einstigen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein Vergewaltigung vorgeworfen hatte und daraufhin in den Schlagzeilen war.

Argento dementierte die Zahlung an Bennett nicht, betonte aber, damit habe sie ihm helfen wollen. Ihr Lebensgefährte - der inzwischen verstorbene Fernsehkoch Anthony Bourdain - habe sich Sorgen um einen möglichen Rufschaden gemacht, den Bennett verursachen könnte. Daher habe das Paar entschieden, "mitfühlend auf Bennetts Forderung nach Hilfe zu reagieren und ihm Hilfe zu geben". Bourdain persönlich habe Bennett finanziell unterstützt - "unter der Bedingung, dass wir keine weiteren Einmischungen in unser Leben erleiden müssen". Bourdain starb im Juni während Dreharbeiten in Frankreich, laut Polizei beging er Suizid. (AFP)


Aus: "Metoo-Aktivistin Asia Argento dementiert sexuelle Beziehung zu Jugendlichem" (22.08.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/metoo-aktivistin-asia-argento-dementiert-sexuelle-beziehung-zu-jugendlichem/22937984.html
« Last Edit: August 22, 2018, 09:08:21 AM by Link »

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« Reply #89 on: August 22, 2018, 01:25:51 PM »
"Vorwurf der sexuellen Belästigung: Übergriffe vom Überwacher" (21. 8. 2018)
Schleswig-Holsteins Verfassungsschutz-Präsident Büddefeld ist beurlaubt. Mitarbeiterinnen werfen ihm sexuelle Belästigung vor.... Der Fall sei deshalb relevant, weil „Personen in sensiblen Bereichen wie Polizei oder eben hier Verfassungsschutz nicht erpressbar werden dürfen“, sagt Burkhard Peters. Der Landtagsabgeordnete der Grünen ist Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums. Details aus einer Sitzung dieses Ausschusses, bei dem es um den Fall Büddefeld ging, nannte Peters nicht, gab nur eine allgemeine Einschätzung ab: „In Organisationen wie Polizei, Militär und anderen, in denen die Führungsspitzen noch stark von Männern dominiert sind, ist es für untergebene Frauen schwer, sich aufzulehnen.“ Daher sei es nicht ungewöhnlich, wenn es lange dauert, bis Belästigungen bekannt werden. Hinzu komme, dass sexuelle Belästigung erst seit 2016 als Straftat gelte. ...
https://www.taz.de/Vorwurf-der-sexuellen-Belaestigung/!5525923/

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[...] Der argentinische Senat enttäuschte kürzlich Millionen Frauen, die auf die Entkriminalisierung von Abtreibungen gehofft hatten. In nur wenigen Ländern oder Regionen Lateinamerikas ist der freiwillige Schwangerschaftsabbruch legal und kostenfrei, etwa in Uruguay, Kolumbien, Puerto Rico, Guyana, Kuba und Mexiko-Stadt. Obwohl es in Argentinien nun eine Niederlage gab, ist die Umkehr dieser Entscheidung nur eine Frage der Zeit, da das End­ergebnis mit 38 Stimmen gegen und 31 für die Legalisierung der Abtreibung denkbar knapp ausfiel.

Es wird erwartet, dass die Regierung Macri dem Parlament in nächster Zeit einen Gesetzesentwurf zusendet, um die Gefängnisstrafe für illegale Abtreibungen aus dem Strafgesetzbuch zu streichen.

Im Kontext des hochpolitischen Diskurses, der die argentinische Gesellschaft prägte, wurde die Abtreibungsfrage auch in Brasilien diskutiert – und brachte die Macht des konservativen Lagers zum Vorschein. Die linke Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL) reichte zusammen mit einer Nichtregierungsorganisation einen Antrag beim Verfassungsgericht ein. Der Antrag fordert die Entkriminalisierung des freiwilligen Schwangerschaftsabbruchs bis zur 12. Schwangerschaftswoche, was viele arme und schwarze Frauen, die besonders unter der Strenge des Gesetzesvollzuges leiden, entlasten würde.

Im Zuge der Sitzung wurden 60 ExpertInnen der unterschiedlichsten Disziplinen angehört, darunter Debora Diniz, Anthropologin und Aktivistin für Frauenrechte. Aufgrund der Drohungen von rechtsextremen Gruppen und Abtreibungsgegnern musste sie das Land verlassen. Als sie zurückkehrte, um bei der öffentlichen Anhörung auszusagen, wurde Diniz mit Todesdrohungen konfrontiert. Derzeit steht sie unter Polizeischutz und muss womöglich erneut ins Ausland fliehen.

Der Fall Diniz ist keine Ausnahme. Der seit fünf Monaten nicht aufgeklärte Mord an der schwarzen Stadträtin, Feministin und Menschenrechtsaktivistin Marielle Franco, die ebenfalls der PSOL-Partei angehörte, und ihrem Mitarbeiter Anderson Gomes zeigt, dass konservative und rechtsex­treme Kräfte ihren Wirkungsbereich in Brasilien ausdehnen konnten.

Seit den Junidemonstrationen 2013, als Tausende in Brasilien auf die Straße gingen, um gegen das etablierte politische System und die fehlende Infrastruktur in den Städten zu protestieren, hat die staatliche Repression rapide zugenommen. Während der Proteste gab es eine Vielzahl von Verhaftungen. Im August 2013 verabschiedete das Parlament ein Gesetz zu kriminellen Organisationen. Es soll eigentlich Menschen bestrafen, die sich versammeln, um Verbrechen zu begehen, diente aber in der Praxis dazu, politische Proteste zu kriminalisieren.

Zum Ende der Amtszeit der Regierung von Dilma Rousseff kam ein Antiterrorgesetz hinzu. In einem Land, das noch nie einen Terroranschlag erlitt, ist dieses neue Gesetz zu einem weiteren Instrument der Unterdrückung sozialer Bewegungen geworden.

Im Jahr 2016 wurde das Land von einer erneuten autoritären Welle überrollt, die in einem parlamentarischen Putsch gipfelte. Antidemokratische Kräfte nutzten Lücken in der brasilianischen Verfassung, um die demokratisch gewählte Präsidentin zu stürzen. In den letzten zwei Jahren führte die Regierung Michel Temers – die weithin als illegitim angesehen wird – Sparprogramme ein, darunter eine Obergrenze für Sozialausgaben für die nächsten 20 Jahre sowie die komplette Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse.

Auf die soziale Unzufriedenheit wurde mit Maßnahmen zur öffentlichen Sicherheit reagiert, die rhetorisch ein Minimum an sozialem Konsens anstreben, aber in Wirklichkeit den repressiven Staat stärken. Unter dem Vorwand der Bekämpfung des Drogenhandels in Rio wurde den Streitkräften die Kontrolle über die Polizei erteilt. Diese Militäreinheiten verfügen über Ausnahmegenehmigungen zum Schutz der Soldaten, die in Slums vordringen und „Verdächtige“ töten. Jüngsten Erhebungen zufolge wurde seit Beginn der Militär­intervention bei Zusammenstößen mit der Polizei alle sechs Stunden eine Person umgebracht.

Die Kriminalisierung der Armut geht einher mit der Unterdrückung des politischen Aktivismus: 23 Jugendliche, die an den Protesten von 2013 teilnahmen, wurden kürzlich unter dem Vorwurf des organisierten Verbrechens mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft. Ihr eigentliches „Verbrechen“ bestand jedoch nur darin, auf der Straße zu demonstrieren.

Der staatliche Autoritarismus und die Zunahme rechtsradikaler Gruppen haben ihre Stimme in einem Präsidentschaftskandidaten gefunden: Jair Bolsonaro. Der ehemalige Hauptmann ist homophob und sexistisch, ein offener Verteidiger der Folter, Gegner von Inklusions- und Einwanderungspolitik und ein Befürworter der Todesstrafe, des uneingeschränkten Waffenverkaufs und der Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters.

Nach aktuellen Prognosen für die Präsidentschaftswahlen im Oktober dieses Jahres kommt Bolsonaro auf fast 18 Prozent der Stimmen und belegt damit, je nach Umfrage, den ersten oder zweiten Platz in der Wählergunst.

Durch die Zunahme staatlicher Gewalt hat sich der Spielraum für kritische Äußerungen und gesellschaftliche Veränderungen drastisch verkleinert. Das rechtsextreme Lager hingegen konnte seinen Einfluss deutlich steigern. Die Abtreibungsfrage veranschaulicht das sehr gut.

Vor dem Hintergrund des Regierungsstreichs und der Unterdrückungsmaßnahmen konnte die brasilianische Debatte das Niveau der Massenmobilisierung in Argentinien nicht erreichen. Trotzdem werden hierzulande sogar Todesdrohungen benutzt, um die erstarkende Frauenbewegung zu blockieren. In Brasilien erleben wir nicht nur einen gesellschaftlichen Rückschritt, sondern eine Tragödie, die sich lange angekündigt hat.


Aus: "Debatte Autoritarismus in Brasilien: Tragödie mit Ansage" Kommentar von Guilherme Leite Goncalves (27. 8. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/Debatte-Autoritarismus-in-Brasilien/!5527983/
« Last Edit: August 27, 2018, 03:12:20 PM by Link »

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« Reply #90 on: August 29, 2018, 03:18:00 PM »
"Der Fall Avital Ronell: Wurde eine feministische Startheoretikerin zur Täterin?" Klaus Taschwer (29. August 2018)
Avital Ronell kam einem Doktoranden allzu nahe, führende Intellektuelle von Judith Butler bis Slavoj Žižek setzten sich dennoch für sie sein. ... Ronell stritt die Vorwürfe nur zum Teil ab: Zu physischer Belästigung sei es nie gekommen. Die zahllosen zitierten Belege für verbale Übergriffe und Belästigungen hingegen tut sie – mit Griff in die dekonstruktivistische Trickkiste – als "schwul kodierte" Sprachspiele ab, die sich nun einmal durch eine schwülstig-kitschige Ausdrucksweise auszeichnen würden. Die Denkerin erhielt zudem einflussreiche Unterstützung – und diese peinliche Solidaritätsaktion machte den komplizierten Fall erst richtig publik. Nachdem in intellektuellen Zirkeln ruchbar wurde, dass die NYU ein Verfahren gegen Ronell eingeleitet hatte, unterzeichneten im Mai dieses Jahres 51 höchst prominente Philosophen und Intellektuelle (u. a. Feminismusikone Judith Butler, Radikaldenker Slavoj Žižek oder Postkolonialismuspionierin Gayatri Spivak) einen Brief an die Universitätsleitung. Darin gestanden sie zwar ein, die Anschuldigungen im Detail nicht zu kennen. Doch sie forderten für Ronell eine milde Behandlung, weil sie eine Frau, Feministin und eine großartige Denkerin sei. Man stelle sich so eine Argumentation im Fall von Harvey Weinstein vor! (Dass die 51 Intellektuellen glaubten, dass ihre Lobbying-Aktion vertraulich bleiben würde, macht sie nicht besser. Immerhin hat sich Judith Butler mittlerweile von einigen der darin angeführten Argumente distanziert.) ... Sexueller Missbrauch im universitären Bereich ist nicht neu. Schon 1977 hat die "New York Times" über eine Massenklage gegen Professoren in Yale berichtet. Beflügelt von der #MeToo-Bewegung (aber zum Teil auch schon deutlich vorher) haben manche, vor allem US-amerikanische Universitäten mittlerweile neue Verhaltenskodizes formuliert und Untersuchungen angesetzt – mit zum Teil schockierenden Ergebnissen. Im März wurde in Cambridge eine Studie präsentiert, in der 70 Prozent der weiblichen Studenten angaben, sexuell belästigt worden zu sein.
Das Öffentlichmachen fällt heute leichter. Indes sind die Konsequenzen unabsehbar. Die mutmaßlichen Täter wechseln meist in ein Sabbatical und kehren wieder. So auch jener WU-Professor, dem 2015 sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde. Die meisten Vorfälle finden in diffusen Situationen statt, sagt Mechthild Koreuber, Frauenbeauftragte der FU Berlin. Sie plädiert dafür, mit gendersensibler Didaktik mehr Bewusstsein für unrechtmäßiges Handeln zu schaffen. ...
https://derstandard.at/2000086235305/Der-Fall-Avital-Ronell-Wurde-eine-feministische-Startheoretikerin-zur-Taeterin


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changing the conversation

zur Ergänzung: von Zizek gibts eine ausführlichere Begründung.

"So why did I sign the letter? For a very simple reason: I DO know the details of the accusations against her, and I find them utterly ridiculous. "

https://thephilosophicalsalon.com/why-did-i-sign-the-letter-in-support-of-avital-ronell/

Sachverhalte lassen sich nicht anhand von Gruppenzugehörigkeiten beurteilen, 'details do matter'.  ...


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katzendemokrat

Ins Feuer mit ihr! #metwo #metoo #meow #mimimi


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Martin Auer

Ich kann's mir jetzt nicht verkneifen: #SheToo
Aber im Ernst: Es gibt ohne Zweifel weniger mächtige Frauen als mächtige Männer. Aber dass manche mächtige Frauen mit ihrer Macht auch nicht anders umgehen als manche mächtige Männer - muss uns das wundern? Das Problem ist die Macht über Menschen.


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« Reply #91 on: September 04, 2018, 08:03:56 AM »
"Autorin über Mütter und Sex: „Die MILF ist ein Markt“" Interview: Mareice Kaiser (20. 5. 2018)
Katja Grach über ihr Buch „Die MILF-Mädchenrechnung“ und die Frage, wie aus der „Mom I’d like to fuck“ ein Subjekt werden kann. ...
Die Mutter galt sehr lange als asexuelles Wesen. Heilige und Hure standen sich gegenüber, die Mutter war die Heilige. Medial hat sich das in den vergangenen zwanzig Jahren geändert. Die Zuschreibungen für Frauen in Bezug auf ihre Attraktivität hat es schon immer gegeben. Aber es ist auffällig, dass diese mittlerweile sehr viel stärker in Bezug auf Mütter verhandelt werden. Die MILF vereint die Assoziationen von Heiliger und Hure. ...
http://www.taz.de/!5502889/

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"#SheToo: Frauen sind auch Täter" Marietta Steinhart (5. September 2018)
Die jüngsten Belästigungsvorwürfe in den USA richten sich gegen Frauen. Das stellt die #MeToo-Bewegung vor eine notwendige Herausforderung. ... Die italienische Schauspielerin Asia Argento, die von Anfang an zu den Hauptakteurinnen der #MeToo-Bewegung gehörte und eine der ersten und lautesten Anklägerinnen von Harvey Weinstein war, wird verdächtigt, sich an einem zwanzig Jahre jüngeren, minderjährigen Schutzbefohlenen sexuell vergangen zu haben. Während es kritische Stimmen gibt, die der selbst erklärten Feministin Heuchelei vorwerfen, gibt es auch Menschen, die den Vorwurf für unwahrscheinlich halten. "Jeder 17-Jährige träumt davon, 'belästigt' zu werden. Zu behaupten, dass es in solchen Dingen keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt, ist lächerlich", steht etwa in einem Kommentar zum entsprechenden Artikel in der New York Times. Weiter heißt es: "Vielleicht habe ich altmodische Ansichten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Frau, besonders eine Frau, die so attraktiv ist wie Asia Argento, einen siebzehnjährigen Jungen missbraucht."
Stereotype sowohl von weiblicher Unschuld als auch von männlicher Schuld haben zu doppelten Standards geführt. ... So auch im Fall der kalifornischen Abgeordneten Cristina García. Sie gehörte zu jenen, die früh das Stillschweigen brachen und nach eigenen Aussagen von Kollegen wiederholt an Po und Brüsten begrapscht worden war. Das Time Magazine kürte sie zur Person des Jahres. Kurz darauf wurde García von einem Parlamentskollegen und einem Lobbyisten beschuldigt, unerwünschte Annäherungsversuche gemacht zu haben.
Oder die an der New York University lehrende, lesbische Professorin Avital Ronell. Sie soll ihren homosexuellen Doktoranden Nimrod Reitman über den gesamten Zeitraum seines Promotionsstudiums sexuell und emotional belästigt haben. ... Die 66-jährige Ronell, Professorin für deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft, wies die Vorwürfe zurück. Die Beziehung "zwischen zwei Erwachsenen, einem schwulen Mann und einer schwulen Frau, die ein israelisches Erbe teilen" sei einvernehmlich gewesen, aber ein NYU-Untersuchungsausschuss befand die Akademikerin für schuldig, ihren Doktoranden des Rechts auf freies Lernen beraubt zu haben. ... Nein, dies ist nicht das Ende von #MeToo. Im Gegenteil. Schließlich war es die #MeToo-Bewegung, die es männlichen Anklägern erst ermöglichte, ernst genommen zu werden – weil dem Opfer der Logik des neuen Diskurses zufolge immer zu glauben ist. Es spricht nichts dagegen, dass eine Frau sowohl Täter als auch Opfer sein kann. Das steht aber noch lange nicht im Widerspruch zu einer Welt, die für Männer gebaut wurde. ...
https://www.zeit.de/kultur/2018-09/shetoo-metoo-asia-argento-harvey-weinstein-belaestigung/komplettansicht

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[...]  Knapp jede dritte Frau zwischen 30 und 34 hat laut Statistischem Bundesamt einen Hochschulabschluss. Damit haben sie die Akademiker überholt.

Junge Menschen in Deutschland erreichen tendenziell einen höheren Bildungsabschluss als die Generation ihrer Eltern. Das zeigen die Ergebnisse des Mikrozensus 2017, den das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlicht hat. Demnach verfügen 29 Prozent der 30- bis 34-Jährigen über einen Abschluss an einer Hochschule. Bei den heute 60- bis 64-Jährigen liegt der Anteil bei 19 Prozent.

Dass die junge Generation aufgeholt hat, zeigt sich vor allem bei Frauen: Über eine Generation hinweg hat sich der Anteil der Akademikerinnen laut der Erhebung verdoppelt. Bei Frauen im Alter von 30 bis 34 verfügten 30 Prozent über einen Hochschulabschluss; bei den 60- bis 64-Jährigen waren es nur 15 Prozent. Zum Vergleich: Bei Männern in der gleichen Altersgruppe sind es 27 Prozent, bei der älteren Generation 22 Prozent. Damit gibt es in Deutschland heute mehr junge Akademikerinnen als Akademiker. 

Den Mikrozensus gibt es seit 1957. Laut Statistischem Bundesamt stellt er Daten zur Struktur der Bevölkerung und deren wirtschaftlichen und sozialen Lage bereit. 


Aus: "Hochschulstatistik: Doppelt so viele Akademikerinnen wie vor einer Generation" (6. September 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/arbeit/2018-09/hochschulstatistik-frauen-hochschulabschluss-bildung

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[....] Sie sind die Könige des Kitsches, schufen Ikonen für den schwulen Mainstream und verschrieben sich schon lange vor Instagram der makellosen Schönheit ...

Gilles: Andy Warhol hatte mit seiner Lebensweise einen sehr großen Einfluss auf uns. Er war einer der Ersten, die ihre Homosexualität nicht verstecken wollten. Ganz im Gegenteil, er integrierte sie in seine Arbeit, drehte provokante Filme und stellte Kunst in einem ganz neuen Licht dar. Warhol umgab sich mit seinem eigenen Clan. Wir fotografierten ihn für das Magazin "Façade" – das war der Anfang unserer Karriere und unserer gemeinsamen Arbeit. Für das Magazin porträtierten wir später auch Mick Jagger und Iggy Pop. Pierre: ... auch James Bidgoods Arbeiten und sein Film "Pink Narcissus" beeinflussten uns.

STANDARD: Dessen Arbeit steht wie Ihre für eine schwule Ästhetik. Gibt es die?

Gilles: Es gibt eine homosexuelle Sensibilität.

Pierre: Wir bekommen oft Briefe von jungen Menschen, die sich für unsere Arbeit bedanken und uns schreiben, wie viel sie ihnen bedeutet und dass sie ihnen Mut macht, zu ihrer Homosexualität zu stehen. Das freut uns. Unsere Bilder spiegeln wider, was wir um uns herum wahrnehmen und wie unsere Sicht der Dinge ist. Egal ob das unterschiedliche ethnische Gruppen sind, Homosexuelle, Heilige, Matrosen oder Comicfiguren. Jeder einzelne Mensch ist eine Ikone, etwas Außerordentliches, ein Star. Eine unserer letzten Arbeiten sind zwei Väter und ihr Sohn – das entspricht unserer Sicht auf das Thema "Ehe und Familie". STANDARD: Ihr Stil wurde zur Mainstream-Stimme für schwule Kultur. Pierre: Wir haben uns ja auch nicht versteckt. Und unsere Arbeiten sind nun einmal die Arbeiten eines schwulen Paares. Eine große Ausstellung, die wir 1986 hatten, hat sicher dazu beigetragen. Und dass unsere Arbeiten in Museen auf der ganzen Welt gezeigt werden. Gilles: In den Siebzigerjahren mussten wir revoltieren. Nacktfotos und vor allem Nacktfotos von Männern waren eine Befreiung. Man hatte viele Möglichkeiten, sich selbst und seine Arbeit darzustellen, alles war sehr neu und sehr verboten. Heute gibt es über das Internet unendlich viele Möglichkeiten, sich all dieser Dinge zu bedienen. Auf der anderen Seite gibt es eine seltsame Art der Kontrolle innerhalb dieses "freien" Systems, das heute existiert.

...

Aus: "Nacktfotos von Männern waren eine Befreiung"" Interview Cordula Reyer (12. September 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000077032555/Pierre-et-Gilles-Nacktfotos-von-Maennern-waren-eine-Befreiung
« Last Edit: September 12, 2018, 01:40:34 PM by Link »

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« Reply #92 on: September 24, 2018, 10:57:42 AM »
Quote
[...] Im Jahr 2016 gab es in Deutschland ungefähr 12.000 angezeigt Fälle von sexuellem Missbrauch – die Dunkelziffer ist Studien zufolge jedoch weitaus höher. Es gibt viele Gründe dafür, warum Betroffene das Erlebte niemandem mitteilen und auch nicht zur Polizei gehen. Psychischer Druck durch die Täter*innen oder die Scham, als Opfer dazustehen sind nur zwei davon. Wie Zahlen der Bundesregierung zeigen, sind die Täter*innen in der Hälfte aller Fälle aus dem näheren sozialen Umfeld, also Nachbar*innen, Sporttrainer*innen, Onkel oder Tanten. Weitere 25 Prozent sind direkte Familienangehörige.

...


Aus: "#WhyIDidntReport: Frauen erzählen, warum sie Missbrauch nicht anzeigten" Manuel Bogner (2018)
Quelle: https://ze.tt/whyididntreport-frauen-erzaehlen-warum-sie-missbrauch-nicht-anzeigten/


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« Reply #93 on: September 26, 2018, 10:27:50 AM »
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Terry Gilliam: ... Es gibt einen großen Unterschied zwischen Humor und Hass. Wenn Leute beides nicht unterscheiden können, begeben wir uns auf gefährliches Terrain. Die beste Comedy basiert auf Ehrlichkeit und Wahrheit, politische Korrektheit tut es zu oft nicht. ... Einmal wurde mir ein Vertrag vorgelegt, der eine sehr weit gefasste "Moralklausel" enthielt: Sie sollte mich dazu verpflichten, nichts zu sagen oder zu tun, was irgendjemanden beleidigen könnte. Es hatte nichts mit kreativen Fragen zu tun; es ging nur darum, dass die Produktionsfirma per Vertrag sicherstellen wollte, dass ich "politisch korrekt" bleibe.

Haben Sie unterschrieben?

Gilliam: Natürlich nicht! Zumindest nicht die Fassung, die mir und meinen Mitarbeitern gezeigt wurde. Im Grunde hatte diese gesagt: Wenn Sie mit uns arbeiten, stimmen Sie zu, Ihre Meinungsfreiheit auf die Dinge zu beschränken, die dem Mainstream genehm sind und weder als kontrovers noch beleidigend aufgefasst werden könnten. Wenn Sie kontroverse Dinge sagen, die die Befindlichkeiten von anderen verletzen könnten, dürfen wir Sie feuern. Es handelt sich dabei um eine sehr erfolgreiche Firma, die sehr erfolgreiche Shows fürs Fernsehen produziert, doch sie hat sich von der öffentlichen Meinung einschüchtern lassen in der Frage, welche Ansichten in der heutigen Welt akzeptabel sind. Ich nehme an, dass es Leute gibt, die dort arbeiten wollen und dieses Statement unterschrieben haben. Das macht mir Angst.

ZEIT ONLNE: Wie gehen Sie damit um, wenn Sie von anderen beleidigt werden?

Gilliam: Wissen Sie, ich bin die ganze Zeit beleidigt. Wegen dem, wie sich Leute verhalten, wegen dem, was sie sagen … Aber was soll ich tun? Entweder ich starte eine Organisation, um das zu bekämpfen – oder ich drehe einen Film oder schreibe etwas Witziges. Manchmal sage ich etwas, das kein anderer sagt, um die Debatte zu eröffnen. Unsere Gesellschaft ist zu sehr von Gruppendenken geprägt: Jeder will sich nur mit Leuten umgeben, die so denken wie er selbst.

ZEIT ONLNE: Sie finden, dass man die gesellschaftliche Polarisierung nur durchbrechen kann, wenn man ab und zu etwas Provokantes sagt?

Gilliam: Das denke ich. Natürlich wird man angegriffen werden, wenn man sich nach vorne wagt. Aber so ist das halt. Während der #MeToo-Debatte habe ich gesagt, dass einige Frauen davon profitiert haben, mit Harvey Weinstein auf sein Hotelzimmer gegangen zu sein. Das habe ich nicht getan, um seine Opfer zu beleidigen, sondern weil es stimmte. Viele fanden meine Aussagen jedoch widerlich. Gleichzeitig habe ich auf Facebook sehr viele positive Kommentare von Frauen bekommen, die auch fanden, dass #MeToo zu weit gegangen ist und viel zu rachsüchtig bei kleinen Vergehen war. Eine Schauspielerin hat mir in einer Email geschrieben, dass sie die Dinge so sieht wie ich. Sie selbst war mit Weinstein in einem Hotelzimmer gewesen, hatte sich im Gegensatz zu anderen aber wieder herausgequatscht. Ich habe ihr gesagt: Du musst das laut sagen! Ich als Mann kann das nicht tun. Aber sie hatte Angst, dass sie dann auch angegriffen wird.


Aus: ""Die Menschen werden immer dünnhäutiger"" Interview: Khuê Phạm (25. September 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/film/2018-09/terry-gilliam-interview-comedian-satire-politische-korrektheit


Quote
Islay #5

Ich befürchte, Terry Gilliam beschreibt eine Welt, die Leuten wie dem interviewenden Journalisten inzwischen total fremd und merkwürdig vorkommt: Provokant sein, politische Korrektheit in den Wind schlagen, Querdenken, gegen den Strom schwimmen, nicht immer mit Angtschweiß auf der Stirn nach Rechts schielen ...


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Dr. J #11

Monty Phyton haben in das Leben des Brian auf satirische Weise Zustände beschrieben, die noch heute eine Region prägen (Seid ihr die judäische Volksfront? Nein, wir sind die Volksfront von Judäa!). Zudem haben sie mit Eric Idle als Loretta quasi die heutige Genderdebatte vorweggenommen. Man sollte Menschen, die so vorausschauend waren, ernster nehmen.


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Miasto #12

Wie erfrischend.

Wir tragen ja schon alle die "Zensur-Schere" im Kopf. Bloß nicht anecken. Es könnte sich ja jemand diskriminiert fühlen. Zum Glück habe ich gerade eine geschlechtsneutrale Formulierung gewählt. Ufff. Nochmal Glück gehabt.


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conwa #12.1

Man muss aber auch nicht jeden Windhauch der Kritik als Faulen-Eier-Furz empfinden. Auch die, die "Neger" sagen, sind verdammt dünnhäutig geworden.


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Für-den-Erhalt-des-echten-Asylrechts #16

Die Political Correctness ist ein Gewissens-Substitut.
Im Gegensatz zum Gewissen ist die PC aber von außen veränderbar und genau das ist das ganz große Problem, meiner Meinung nach!
Ich leiste mir weiterhin den Luxus einer eigenen Meinung und eines eigenen Gewissens.


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Vernünftiger Kommentarschreiber #16.1

Polanski sagte etwa (sinngemäß): der einzige Sinn vom PC ist die Hoffnung, sich Ärger mit den Minderheiten vom Leib zu halten.


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woherwohinwarum #19

Schönes Interview. Satire, dass es auf ZON steht.


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Schreckhafte Tapete #19.1

Hehe, sehr gut! :)


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KantsKind #23

Heute darf man noch nicht mal mehr Jehova sagen….


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Miniwahr #27

Was, frage ich euch, haben weiße Männer je für uns getan?


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KantsKind #27.1

den Aquädukt?


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Adam Kowalski #30

Man stelle sich nur vor, heute würde jemand einen Film drehen, in dem Burgen mit Kühen beschossen oder Kaninchen von heiligen Handgranaten in die Luft gejagt werden.


John Cleese - Political Correctness Can Lead to an Orwellian Nightmare
(Gervasio Chiazzo, Am 31.01.2016 veröffentlicht):
https://youtu.be/ukisoucFIk4

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raflix #39

Beschwert sich über political correctness und jammert gleichzeitig, er würde als weißer Mann für alles verantwortlich gemacht. Wer ist hier dünnhäutig?


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Nightrider #39.2

Sie haben die Ironie nicht verstanden. Eben das beklagt er.


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Betta-Splendens #42

"Das Leben des Brian" ist vielleicht der beste politische Film ever. Zu meiner Studentenzeit wurden die Zitate daraus bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit verwendet. Setz dich, nimm dir nen Keks.

Die politischen Diskussionen in der Widerstandsgruppe sind zeitlos und funktionieren heute noch genauso.

Inklusive der Szene in der Stan erklärt künftig Loretta zu sein und Babys bekommen zu wollen. Die Steinigungszene, die Volksfront von Judäa versus judäische Volksfront versus populäre Front -> Spalter Szene ect. ect.

Das ist alles zeitlos...


Quote
mrami #42.1

Ich lese viel Zeitung und denke, dass "Das Leben des Brian" die meistzitierte Quelle nach den offiziellen Klassikern wie Adorno und Habermas ist - nach wie vor. Gerade wieder sehr beliebt: "er hat Jehova gesagt".


Quote
Shenia #46

"Sie selbst war mit Weinstein in einem Hotelzimmer gewesen, hatte sich im Gegensatz zu anderen aber wieder herausgequatscht."

Nicht jede Frau, die mit Weistein in einem Hotelzimmer war konnte sie sich herausquatschen. Deswegen fühlen manche vergewaltigte und/oder genötigte Frauen nicht ernst genommen. Und das ist schlimm, weil Gewalt ist immer Gewalt, egal ob sie in einem Hotelzimmer passiert oder irgendwo in Bosnien, wo Frauen systematisch vergewaltigt wurden. Das sollte man nicht bagatellisieren.

Bei den Männern habe ich oft Solidarität vermisst bei der Kampf der Frauen gegen Gewalt. Obwohl diesen Männern kein Gewalt angetan wurde, gab es ein Aufschrei wegen der Männer-Bashing. Arme Männer! Oder ging es bei #MeToo nicht um die Gewalt die den Männern angetan wurde, die haben es einfach verwechselt?


Quote
grüne Insel #47

Der Mann spricht mir aus der Seele , ich kann dem Inhalt des Interviews auch als Frau nur zustimmen. Und ja , man kann es auch mit der political correctness übertreiben , im Grunde erschwert sie die Debatte bzw. Auseinandersetzung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Standpunkten. ...


Quote
G300Marker #49

Bleibe ich in meinem kulturkreis und beschäftige mich mit der gesellschaft um mich rum oder nehme ich andere gesellschaften in weiter ferne aufs korn?
Beim letzteren könnte man "jud süss" mit farbe und backgroudgelächter aufarbeiten und es als satire verkaufen.
Sind uns grenzen gesetzt?


Quote
Paul Freiburger #49.2

Terry Gilliam hat den Unterschied doch klar gemacht: "Es gibt einen großen Unterschied zwischen Humor und Hass. Wenn Leute beides nicht unterscheiden können, begeben wir uns auf gefährliches Terrain."


Quote
Bastet88 #49.3

Dneken Sie doch mal an Lubitsch "Sein oder Nichtsein" oder an den "Großen Dikator". Meinetwegen auch an "Frühling für Hitler".
Vor vielen Jahren kam im Anschluss der Ausstrahlung des Lubitsch-Films eine Dokumentation mit Diskussion. Lachen über Hilter- darf das sein? Leider wurde dies nie mehr ausgestrahlt.


Quote
cnlzeitonline #54

"Die Menschen werden immer dünnhäutiger"

...leider wahr.


Quote
magnalogger #54.1

Das empfinde ich als eine Mikro-Agression.

Im Ernst: Die Zeiten werden immer autoritärer , dem PC-Imperativ ist bedingungslos zu folgen. ...


Quote
Dohlenmann #56

Ich muss Terry Gilliam zustimmen. Er mit seinen Punkten einfach recht. Besonders wichtig finde ich zwei Dinge:

1)
Tatsächlich sollte man von PC sprechen, selbst wenn es ein Begriff der Rechten ist. Es ändert ja nichts daran, dass die Beschreibungen einfach in manchen Teilen zutrifft - die Dosis macht es freilich. Der Unterschied zu den rechten Wirrköpfen oder Hetzern ist, dass diese PC als Kampfbegriff gebrauchen und wirklich hinter ALLEM, was gegen sie argumentiert, PC wittert.
Die PC, um der es Leuten wie Gilliam geht ist wiederum diejenige, die aus Angst vor dem offenen Kurs alles zensiert und alles angreift, was nicht einer ganz vagen Linie des Sagbaren entspricht, die viele Verfechter nicht einmal selbst definieren können.

2)
Linke und Mitte-Leute sollten tatsächlich mehr Humor lernen. Wenn man dort etwas selbstironischer auftreten könnte, wäre man weniger verkrampft und würde auch mehr Leute ansprechen. Heutzutage - und das großteilig zurecht - will man sich nicht andauernd belehren lassen. Wir leben ja freilich auch nicht in einer so schlimmen Zeit (wirklich nicht). Durch ständiges Schuld-einreden kriegt man niemanden ernsthaft überzeugt.


Quote
patrick rozina #58

...

"Die Siechen, ich hab's schon immer gewusst, die Siechen."
"Gepriesen sei die Winterindustrie."
"Jeder nur ein Kreuz,..."
"Ist Weibsvolk anwesend?"
"Rübennase!"


Quote
Zeitabzuhauen #63

Terry, ich hab dich lieb. Echt. Dieser Mann hat mir mit TIME BANDITS, BRAZIL, 12 MONKEYS und anderen noch viel schrägeren Filmen früh die Augen geöffnet, wo diese bekloppte Menschheit mal hingehen könnte. Und siehe da: Hier sind wir jetzt!


Quote
Levi Krongold #65

Aus der Seele gesprochen!
Wir leben offenbar in einer Zeit der masochistischen Selbstzensur und devoter, eilfertiger Unterordnung. Das könnte kein autoritärer Staat besser hinbekommen. ...


Quote
Vic Dorn #65.1

Hat schon jemand Brahms 'Zigeunerlieder' umgetextet? Oder gibt's dafuer in Deutschland bereits ein Auffuehrungsverbot? ...


Quote
Peter Wimsey #65.2

Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, wenn "Cindy und Bert", zwei Stars aus Dieter Thomas Hecks 'Hitparade' meiner Kindheit, heute auftreten würden. Ihr bekannter Schlager hieße wahrscheinlich "Aber, am Abend, da spielt der Angehörige einer nicht sesshaften Minderheit" ...


Quote
0tttt0 #68

Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/mf]Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/mf


Quote
0tttt0 #68.1

Soll das ein Witz sein Herr Adler?


« Last Edit: September 26, 2018, 10:33:34 AM by Link »

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« Reply #94 on: October 01, 2018, 12:33:09 PM »
Quote
[...] Anders als bislang von ihr behauptet hatte die #MeToo-Aktivistin Asia Argento doch Sex mit dem US-Schauspieler Jimmy Bennett, der Missbrauchsvorwürfe gegen die Italienerin erhoben hat. Allerdings deutete die Filmregisseurin und Schauspielerin im Interview des italienischen Senders La 7 am Sonntagabend an, der zum damaligen Zeitpunkt noch minderjährige Bennett habe sie überrumpelt. Inzwischen empfinde sie neben Wut vor allem Mitleid mit Bennett, den sie als „verlorene Seele“ bezeichnete.

... Die „New York Times“ berichtete Ende August, Argento habe Bennett 2013 in einem kalifornischen Hotel missbraucht, als er 17 und sie 37 Jahre alt war. Sexuelle Handlungen mit Unter-18-Jährigen sind in dem US-Bundesstaat strafbar. Nach dem Vorfall habe sich Argento mit Bennett außergerichtlich auf die Zahlung von umgerechnet 330.000 Euro geeinigt, um die Missbrauchsvorwürfe auszuräumen. Argento bestätigte der Zeitung zwar, dass Geld an Bennett floss, bestritt aber zugleich jegliche sexuelle Beziehung zu dem 20 Jahre jüngeren Schauspieler und sprach von „Verfolgung“.

In der Sonntagssendung „Non è l'Arena“ räumte sie nun ein, der „New York Times“ in einer ersten Reaktion auf den Bericht noch etwas anderes erzählt zu haben, um „keine schlüpfrigen Details ausbreiten“ zu müssen. Tatsächlich habe sie damals einem Treffen mit Bennett zugestimmt, um ihm bei den Vorbereitungen für eine Probe zu helfen. „Er ist dann regelrecht auf mich gesprungen“, sagte Argento dem italienischen Sender. Sie sei „erstarrt“.

Nach eigenen Worten war ihr damals nicht klar, dass der Jungschauspieler erst 17 Jahre alt war. Immerhin habe sie ihn da zum ersten Mal seit zehn Jahren gesehen. Bennett hatte 2004 in dem Film „The Heart Is Deceitful Above All Things“ Argentos Sohn gespielt.

...


Aus: "#MeToo-Aktivistin Argento räumt Sex mit Teenager ein" (01.10.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/asia-argento-metoo-aktivistin-argento-raeumt-sex-mit-teenager-ein/23133454.html

Quote
berlinerbuehnenbesucher 11:11 Uhr
Ich erinnere mich noch gut daran, daß vor gar nicht so langer Zeit die kalifornische Academy ein verfilmtes Drehbuch prämierte, in dem ein minderjähriger und ein volljähriger Mensch miteinander einvernehmlich Sexualität ausübten. Das waren sogar zwei Männer ! "Call me by your name". Der Skandal blieb aus ...


Quote
siggi2016 10:39 Uhr

... Das Problem ist das sogenannte Schutzalter, nicht Frau Argento. Missbrauch einer attraktiven Frau eines 17-jährigen? Wie lächerlich ist das denn?
Schade, dass ich das nicht war.


Quote
Westpreussen 10:43 Uhr
Antwort auf den Beitrag von siggi2016 10:39 Uhr
@siggi2016

"Schade, dass ich das nicht war."

Seufz.


Quote
siggi2016 11:27 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Westpreussen 10:43 Uhr
Tja, so ist das.

Das gesetzliche Schutzalter ist auf der ganzen Welt unterschiedlich. In manchen liegt es bei 13 Jahren, was definitv zu niedrig ist, bei manchen bei 20 oder es erlaubt heterosexuelle Handlungen erst in der Ehe.
In Idaho gelten alle sexuellen Handlungen, die Männer mit weiblichen Partnern unter 18 Jahren haben, als Vergewaltigung. Andersrum gibt es das nicht.

... Starre Altersregelungen sind ein Anachronismus, kriminalisieren Menschen und sind im Kampf gegen sexualisierten Missbrauch kontraproduktiv.

Eine maltesische Regelung, bis 12 Jahren ist es generell Vergewaltigung, ab 12 bis 18 Jahren kann es legal sein,  "..sofern die minderjährige Person nach Einschätzung des Gerichts als sexuell erwachsen anzusehen ist.", kommt der Realität schon näher.

Es darf nicht (nur) ums Alter gehen, sondern um Abhängigkleiten und Ausbeutung, um Selbstbestimmung.


Quote
fritz 10:04 Uhr
Sex mit einem 17-jährigen ist nur nach dem Recht der USA, das keine Allgemeingültigkeit hat, Missbrauch,
Bei uns hatten ca. 60 Prozent aller 17-jährigen Jungen bereits Sex.
Da wir ja so gerne überall unsere Maßstäbe anlegen, können wir das auch in diesem Fall tun, statt uns über etwas zu empören, was hierzulande völlig legal ist.


Quote
Zweiglein 07:58 Uhr
Wie war das noch mit dem Splitter im Auge des Nächsten, und dem Balken, den man im eigenen Auge nicht wahrnimmt? Es wird noch vieler Recherchen bedürfen, denn es ist ein Tabu in unserer so aufgeklärten Zeit, daß auch Frauen Täter sein können! Für Jungs sehr viel schambesetzter, einen Mißbrauch zu thematisieren -  die Rollenmuster sind verinnerlicht und sitzen tief!


Quote
Bierliner 07:19 Uhr
Möchte da jemand Kasse machen oder wurde er wirklich missbraucht?


Quote
macthepirat 08:58 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Bierliner 07:19 Uhr
Nach californischem Recht wäre es mißbrauch, auch wenn die Initiative von ihm ausgegangen sein sollte. Und natürlich will er damit Kasse machen. Fällt schlicht unter den Oberbegriff Erpressung. Interessant ist das die Vorwürfe offenbar erhoben wurden nach dem sie die Zahlungen eingestellt hat.
Was da wirklich passiert ist wissen nur die beiden.


...

Quote
[...] Der wegen Vergewaltigung angeklagte Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein hat in seinem bevorstehenden Strafprozess einen Teilerfolg errungen. Die Staatsanwaltschaft ließ einen der sechs Anklagepunkte gegen den 66-Jährigen fallen. Dabei geht es um Vorwürfe der früheren Schauspielerin Lucia Evans. Die Klage auf Grundlage der Vorwürfe von zwei weiteren Frauen hat aber weiterhin Bestand. "Kurz gesagt fahren wir mit voller Kraft voraus", sagte Staatsanwältin Joan Illuzzi während der Gerichtsanhörung.

Evans hatte Weinstein in einem Beitrag des New Yorkers vor einem Jahr beschuldigt, sie 2004 bei einem Arbeitstreffen in seinem Büro zum Oralsex gezwungen zu haben. Nun tauchte eine schriftliche Stellungnahme von Evans auf, die darauf hindeutet, dass der Sex der beiden einvernehmlich stattfand. Der New York Post zufolge hatte Evans' früherer Arbeitgeber das Dokument auf einem Firmencomputer gefunden und an die Staatsanwaltschaft gegeben.

Die Klage steht damit auf einer wackligeren Basis als zuvor. Der Schritt sage aber nichts über Weinsteins Schuld oder Unschuld aus, teilte Evans' Anwältin Carrie Goldberg mit. Der Staatsanwaltschaft warf sie vor, den Fall schlecht zu handhaben.

... Weinstein erschien im Gericht erneut im dunklen Anzug. Der 66-Jährige ist derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß. Die nächste Anhörung ist für den 20. Dezember angesetzt. Einen Termin für einen möglichen Prozessbeginn gibt es noch nicht. Weinstein hat auf nicht schuldig plädiert. Bei einer Verurteilung droht ihm im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe.


Aus: "Staatsanwaltschaft lässt Anklagepunkt gegen Harvey Weinstein fallen" (12. Oktober 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-10/harvey-weinstein-staatsanwaltschaft-anklagepunkt-lucia-evans

Quote
recht und gerechtigkeit #2

Interessant wäre zu wissen, was hier genau mit "einvernehmlich" gemeint ist.


Quote
meinereiner01 #2.4

Die Frage ist doch wohl ob die Frauen sich für den Erhalt von Filmrollen prostituiert haben oder ob Weinstein den Sex eingefordert hat mit der Drohung, dass sie nur so die Filmrolle kriegen.
Wenn das geklärt ist, dann kommt die Frage ist denn die Erpressung, dass man (Frau) besagte Rolle in dem Film nur übers Bett bekommt eine Drohung mit einem Übel das geeignet ist den Straftatbestannd der Erpressung zu erfüllen. Dieser fordert ein "empfindliches Übel". Wenn ich der Kassiererin bei Rewe mit Entlassung drohe falls sie nicht mit mir ins Bett geht ist das mit Sicherheit ein empfindliches Übel - aber wie sieht das aus wenn ich einer millionenschweren Schauspielerin damit drohe ich würde ihre Traumrolle mit jemand anderem besetzen ? Ob das ein empfindliches Übel ist richtet sich sicherlich danach ob man glaubt die entsprechende Person hätte ein Anrecht auf die Rolle

All das ändert natürlich nichts daran, das es ecklig ist von Untergebenen sexuelle Handlungen einzufordern und in jedem Falle auch eine strafrechliche Ahnung stattfinden muss.


Quote
GlobalTraveler #2.5

"Interessant wäre zu wissen, was hier genau mit "einvernehmlich" gemeint ist."

Es könnte auch bedeutet haben, sich einem materiellen Druck durch Weinstein gebeugt zu haben, und "einvernehmlich" die Opferprämie gezahlt zu haben.
Sollte Evans jedoch vorher einen abweichenden Tatvorwurf erhoben haben, hat das Gericht Grund, diese Klägerin für zweifelhaft zu erklären.
Das ist leider das Problem bei dieser Debatte. Es geraten handfeste Vergewaltigungen und Gewalt in einen Topf mit Formen der Prostititution bis hin zu unangemessenen Tätscheleien.


Quote
Franz Xy #13

Ich finde Personen, die mit solchen Anschuldigungen falsch um sich werfen, sind das Letzte.
Die machen den realen Vergewaltigungsopfern mehr Probleme als alle Chauvinisten zusammen.


Quote
Patrick P. #15

Sollte das so weiter gehen und wenig juristisch Bestand haben: Kommt dann von allen Betroffenen in Hollywood und Medien das große #medochnicht und #mesorry? Oder wird so getan als wäre nichts gewesen? ...


...
« Last Edit: October 12, 2018, 11:25:42 AM by Link »

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« Reply #95 on: October 07, 2018, 07:45:04 PM »
Alle 24 Stunden versucht in Deutschland ein Mann, seine Frau zu töten. Jeden dritten Tag gelingt es einem. 149 Frauen wurden im Jahr 2017 von ihrem Partner umgebracht. Die Frauen werden erstochen, mit einem Strick erwürgt, schwanger in den Fluss geworfen, totgeprügelt. (ZEIT) 01:11 - 7. Okt. 2018
Männer töten aus Eifersucht. Sie fühlen sich gekränkt, weil ihre Freundin oder Frau fremdgegangen ist, weil sie sich trennen will oder sich schon getrennt hat. In der Forschung heißen die Fälle deshalb »Trennungstötungen«.
Die große Mehrheit der Täter, über 70 Prozent, hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Doch das Muster der Taten ähnelt dem, was man im Allgemeinen als Ehrenmord bezeichnet. Aber gibt es auch so etwas wie einen deutschen Ehrenmord?
https://twitter.com/a_sator/status/1048848391344668672

...

Quote
[...] Bei Ehrenmorden ist der Aufschrei groß. Tötet ein Deutscher aus Eifersucht seine Frau, interessiert das kaum jemanden – und die Strafen fallen milder aus.


Aus: "Beziehungstaten: Weil du mir gehörst" Elisabeth Raether (3. Oktober 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/2018/41/beziehungstaten-ehrenmorde-frauenmorde-maennergewalt-familie

-

Quote
[...] Die Frage, ob Sex gegen Geld aus feministischer Sicht in Ordnung ist, spaltet die Frauenbewegung seit jeher. In patriarchalen Verhältnissen, monieren die einen, sei eine selbstbestimmte Sexarbeit nicht möglich. Prostituierte seien die Opfer, Zuhälter die Täter, und wünschenswert vor allem eine Abschaffung des Systems Prostitution.

Der Hurenbewegung wiederum geht es vor allem darum, die Branche zu entkriminalisieren, um die Bedingungen zu verbessern, unter denen Sexdienstleisterinnen arbeiten. Die gesellschaftliche Stigmatisierung müsse abgebaut werden, fordern sie, und Sexarbeit anderen Gewerben gleichgestellt.

... „Man muss zwischen Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung unterscheiden“, sagt Undine de Rivière. Zwar sei der Job für viele nicht der Traumjob – was ihn aber vor allem schwierig mache, seien die Umstände: die rechtliche Situation, das gesellschaftliche Stigma. Deshalb, fordert de Rivière, müsse Sexarbeit als Freiberuf anerkannt werden.

Dabei versage derzeit die Frauenbewegung, kritisiert Antje Schrupp: „Wir schaffen es nicht, darüber zu sprechen und zu gemeinsamen Positionen zu kommen, sondern haben uns in zwei Lager verbarrikadiert, die sich bekämpfen. Deshalb lassen wir uns von Leuten über den Tisch ziehen, denen es nicht darum geht, den Frauen zu helfen, sondern die eine repressive Ordnungspolitik wollen.“

...


Aus: "Podcast zur Frauenbewegung ab 1968: „Sex ist ein Luxusgut“" Patricia Hecht (12. 9. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/Podcast-zur-Frauenbewegung-ab-1968/!5531782/
« Last Edit: October 11, 2018, 02:43:32 PM by Link »

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« Reply #96 on: October 16, 2018, 09:24:47 PM »
Quote
[...] Anders als bei der Vorgängerapp können bei Ohlala nur Männer Kunden und Frauen Dienstleistende sein. Die Erfahrung bei Peppr war, dass "kaum Frauen für Dates zahlen". Über die Nutzerzahlen von Ohlala will Pia Poppenreiter nichts sagen, nur so viel: "Täglich werden Dates im niedrigen vierstelligen Bereich ausgemacht."
Das ist ein winziger Bruchteil einer Branche, deren Umsatz das statistische Bundesamt auf 14,6 Milliarden Euro schätzt. Dennoch ist Ohlala eines der vielen Beispielen dafür, wie das Internet, soziale Netzwerke und Smartphones die Sexarbeit verändern. "In Deutschland hat sich Prostitutionswerbung von Printanzeigen zu großen Teilen auf Onlineplattformen verlagert" ...

... eine britische Studie von 2018 fand heraus, dass das Internet Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern mehr Kontrolle über ihre Arbeit gibt. Gleichzeitig würden aber auch die Gefahren der digitalen Belästigung und Erpressung steigen. Für die Studie haben Forscher der Universitäten Leicester und Strathclyde 624 Sexarbeiter befragt, die das Internet in ihrer Arbeit oder zur Kundenakquise genutzt hatten. Vier Fünftel der Befragten sagten, dass das Internet ihre Arbeitsbedingungen verbessert habe. Fünf Prozent gaben an, im vergangenen Jahr körperliche Übergriffe erlebt zu haben – entschieden weniger als in anderen Umfragen mit Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern.

Die Forscher begründeten Letzteres damit, dass das Internet Sexarbeiterinnen erlaube, die Kunden besser zu selektieren – und Kolleginnen und Kollegen vor gefährlichen Freiern zu warnen. Auf speziellen Plattformen können Sexarbeiter zum Beispiel die Handynummer eines potenziellen Kunden eingeben – und so herausfinden, ob andere Prostituierte diesen schon gemeldet haben. Dafür gab aber auch über ein Drittel der befragten Sexarbeiter an, belästigende Anrufe und Nachrichten zu bekommen – darunter auch Drohungen, sie als Prostituierte zu outen oder private Informationen, wie zum Beispiel deren Adresse, online zu veröffentlichen.

Denn auch wenn Prostituierte ihre Kunden durch das Internet besser einschätzen können: Das Risiko, enttarnt und erpresst zu werden, bleibt zum großen Teil bei den Sexdienstleistenden. Um Kunden zu bekommen, sind Prostituierte darauf angewiesen, Fotos auf Internetplattformen hochzuladen. Die Profile der Kunden bleiben meistens bildlos. Bei Ohlala bekommen Männer die Frauenprofile zwar erst dann zu sehen, wenn eine Frau sie gelikt oder kontaktiert hat. Trotzdem: Um überhaupt mitmachen zu können, muss jede Frau drei Fotos hochladen. Für Männer gibt es diese Pflicht nicht.

Ebenfalls sind Prostituierte viel eher von Bewertungen abhängig als deren Kunden. Auf Plattformen wie Kaufmich bleiben die Erfahrungsberichte zwar einigermaßen zivil – schließlich haben die Freier ebenfalls ein Interesse daran, eine gute Bewertung zu bekommen – und ein grober Umgangston kann gemeldet werden. In einigen Freierforen, in denen Kunden sich über Prostituierte austauschen, bleiben sie aber oft unzensiert. Die Frauen werden dort wie Objekte bewertet, schlimmstenfalls frauenverachtend und in obszöner Sprache. Die Verfasser bleiben anonym – beziehen sich aber auf reale Frauen, die man oft anhand Onlinespitznamen, intimer Details oder ihrer Arbeitsstätte identifizieren kann.

Indem man Sexdienstleistungen über Onlineplattformen vermitteln lassen kann wie Essenskuriere oder Putzhilfen – wird auch Sexarbeit Teil der Gig-Economy. Und damit kommt die Frage auf, die auch Deliveroo und Uber austarieren müssen: Wie viel Verantwortung trägt die Plattform, wenn etwas schiefgeht? "Wir bieten die Rahmenbedingungen für bezahlte Dates an. Was da passiert, ist nicht unsere Sache", sagt Pia Poppenreiter von Ohlala. Klar könnten unangenehme Erfahrungen vorkommen: "Aber das trifft auch auf Tinder zu." Eine Begegnung, die über Ohlala zustande kommt, sei sicherer, als einen Fremden in einer Bar aufzureißen: Schließlich müssten Nutzer vorher ihre Telefonnummer und ihre E-Mail-Adresse bestätigen. "Wenn drei Frauen melden, dass der User auffällig wurde, sperren wir ihn. Das Gleiche gilt umgekehrt", sagt sie. Dass der User sich in der nächsten Minute mit einer neuen E-Mail-Adresse und SIM-Karte anmelden kann – geschenkt.

Bei Ohlala müssen zwar alle Benutzer bestätigen, dass sie über 18 sind – überprüft wird es nicht. Einige männliche Benutzer geben in ihren Profilen an, ausschließlich Sex ohne Kondom zu suchen. Dabei ist "Verkehr ohne" anzubieten gesetzlich verboten. Freier, die darauf bestehen, riskieren nach dem Prostitutionsschutzgesetz, das seit 2017 gilt, ein Bußgeld von 50.000 Euro. Doch offenbar hoffen einige Benutzer, diese Auflage in einem Portal, in dem die Grenze zwischen Date und Prostitution verschwimmt, umgehen zu können. Und die Betreiber hindern sie nicht daran – und warnen auch die Frauen, die sich bei Ohlala "auf Männer bewerben", nicht, dass Sexarbeiterinnen verpflichtet sind, sich bei einer Behörde anzumelden – und eine Bescheinigung bei sich zu führen, die diese Anmeldung bestätigt.

Dass Sexarbeit nach dem Deliveroo-Prinzip zunehmend über Plattformen wie Ohlala vermittelt wird, bedeutet, dass Prostituierte sich immer mehr um ihre Sicherheit, die Einhaltung der Gesetze – und die eigene Vermarktung kümmern müssen. Für Frauen wie Josefa Nereus, die eine eigene Homepage und einen YouTube-Kanal führen, mag dieses Konzept aufgehen: Sie ist gebildet, mit dem Internet aufgewachsen und weiß als gelernte Mediengestalterin, wie man sich online präsentiert. Aber den Straßenstrich, den Poppenreiter effizienter machen wollte, werden die technischen Neuerungen nicht erreichen.

Die Medienpsychologin Nicola Döring spricht in diesem Zusammenhang vom "Matthäus-Prinzip": Wer hat, dem wird gegeben. Das Internet verbessere zwar die Arbeitsbedingungen von gebildeten Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen, die sich gut im Internet vermarkten können. "Für unterprivilegierte Prostituierte in Deutschland, denen technischer Onlinezugang, Kenntnisse der deutschen Sprache und/oder ausreichende Medienkompetenz fehlen, führt das Internet aber zunächst kaum zum Empowerment", schreibt sie.

"Auf dem Straßenstrich kommt die Digitalisierung nicht an", sagt auch Josefa Nereus. "Die, die durch alle Raster gefallen sind, schaffen es auch nicht, Werbung im Netz zu machen." Insgesamt habe sie zwar das Gefühl, dass das mittlere und höhere Preissegment von der Digitalisierung profitiere – und die Arbeit durch das Internet sicherer geworden sei. "Aber ich muss gestehen: Die düsteren Ecken des Internets kenne ich nicht. Ich weiß nicht, was im Darknet abgeht."


Aus: "Wie Facebook für Escorts und Freier" Wlada Kolosowa (16. Oktober 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/arbeit/2018-10/sexarbeit-app-ohlala-dating-prostitution-online/komplettansicht

Quote
Mariella Santibanez #4

>>Anders als bei der Vorgängerapp können bei Ohlala nur Männer Kunden und Frauen Dienstleistende sein.<<

Was sagt das über Mann und Frau aus?

Heftig.


Quote
c0mm0n sense #6

Bringt mehr für die Anschaffenden als jedes Verbot.


...