Author Topic: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...  (Read 21480 times)

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"Correctiv macht Privatleben von AfD-Frau zum „Sexskandal“" Stefan Niggemeier (3. Mai 2017)
Eine Kandidatin der AfD für den nordrhein-westfälischen Landtag hat vor ein paar Jahren offenbar etwas Geld mit Sex verdient. Vielleicht war es nur ein „Taschengeld“, vielleicht eine angenehme Verdoppelung ihres Einkommens. Vielleicht war es weniger finanziell als erotisch motiviert: durch eine Art Fetisch, sich wie eine Prostituierte zu verhalten.
Man weiß es nicht genau, aber man muss es auch nicht genau wissen: Es ist ihre Privatsache.
Das Recherchebüro Correctiv hat sie gestern öffentlich gemacht und sprach von einem „Sexskandal“. Der Ruhr-Ableger von Correctiv pries den Text auf Twitter als exklusive Enthüllung an: „Spitzenfrau der Rechtspopulisten vermietete ihren Körper übers Internet“, hieß es, und: „Rechtspopulisten gehen mit Teilzeitprostituierten in die heiße Phase des Wahlkampfes“. ...
http://uebermedien.de/15068/correctiv-macht-privatleben-von-afd-frau-zum-sexskandal/

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"Zu Correctiv" (Sonntag, 14. Mai 2017)
Aus beruflichen Gründen habe ich den ein oder anderen Einblick in Szenen, die manche vielleicht als kinky oder hübschlerisch bezeichnen würden - tatsächlich fällt mir auch manchmal auf, dass es enorme Ähnlichkeiten zwischen Journalismus, Kulturbetrieb und anderen Formen käuflicher Annäherung gibt. Journalisten, Autoren, Callgirls, Poletänzerinnen - wir alle spielen mit den Gefühlen und Erwartungshaltungen von Menschen, und wer das System einmal durchschaut hat, erkennt die Grundprinzipien auch in anderen Bereichen wieder. Die Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz, das Gefühl, in gewisser Weise zum Objekt gemacht zu werden und gleichzeitig Subjekt zu sein, die Entgrenzung in begrenzten Systemen, die Widersprüchlichkeit von Fremde und Intimität - damit arbeiten wir. Das füllt uns mehr oder weniger das Konto.  ...
Ich habe Schwierigkeiten, einen Unterschied zwische "Revenge Porn" und dem zu sehen, was Correctiv getan hat. Und ich bin froh um die Reaktionen, die das zurückgewiesen haben. Die Freiräume für nicht den angeblichen Normen entsprechende Verhaltensweisen sind ein Grund, dieses Netz unbedingt zu erhalten. Es wird für jeden, auch für den Liberalsten, Sexualpraktiken geben, die zwar legal sind, aber die er für sich auf gar keinen Fall haben will. So ist das eben. Nur wenn der Freiraum dieser anderen garantiert wird, kann er für alle garantiert werden. Zerstört man das, weil es um die AfD geht, wird der nächste es für gerechtfertigt halten, weil ihm eine andere Einstellung nicht passt - wir sind da ganz schnell wieder auf dem Weg zum Schmutz- und Schundgesetz, undemokratisch reaktiviert durch Skandalschmierfinken und ihre Shitstormabsichten. ...
https://rebellmarkt.blogger.de/stories/2642787/

Quote
trippmadam, Montag, 15. Mai 2017, 19:00
Wann hat das eigentlich (wieder) angefangen, dass Sexualität (und damit auch oder erst recht Sexarbeit) erpressbar macht?
Ich finde ja eher die Mitgliedschaft in der AfD unmoralisch. Aber mit dem Familienbild der Rechten einerseits und der Moralinsäure der Linken andererseits schließt sich ein Kreis, der mir nicht behagt.

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"Manchmal tut ein Shitstorm gut" Claudia (03. Mai 2017)
Nämlich dann, wenn er einen gewissen Mindestanstand in der Auseinandersetzung mit politischen Gegnern verteidigt.
Als ich auf Rivva.de heute über den neuesten Artikel des von mir unterstützten „gemeinnützigen Recherchezentrums“ Correctiv stolperte, traute ich meinen Augen kaum. In übelster Bildzeitungsmanier wird da ein „Sexskandal“ zelebriert, der das vergangene Sexleben einer in NRW kandidierenden AFD-Politikerin als Teilzeit-Prostituierte enhüllt. Mit wollüstigen Details: Sie hat doch tatsächlich Erfahrungen in „Swingerclubs, SM und Fetischszene“ gemacht! Sowas Böses aber auch! Das Ganze auch noch bebildert mit ausgegrabenen Details aus einem lange gelöschten Profil – einfach unterirdisch! ...
http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2017/05/03/manchmal-tut-ein-shitstorm-gut/
« Last Edit: June 07, 2017, 01:51:07 PM by Link »

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"Warum mein 15-Jähriges Ich auch für Erdogans Präsidialsystem gestimmt hätte" Deana Mrkaja (7. Mai 2017)
Deana verbrachte den Großteil ihrer Kindheit im Garten ihrer Großeltern in Sarajevo. Sie findet es schade, dass ihr Nachname nicht auf "ić" endet. Das Studium der Politikwissenschaft in Berlin und Paris dauerte länger als geplant - weil ihr Theorien zu theoretisch sind und sie lieber praktisch tagträumt. Als Journalistin arbeitete sie für die taz, das ZDF, Welt der Wunder, FOCUS Online und baute zudem die Berliner Regionalseite von FOCUS Online auf. Ihr Herzblut steckte sie in das Zetra Project und die Aufarbeitung der jugoslawischen Friedensbewegung.  ...
Das ist die Geschichte eines jungen Mädchens jugoslawischer Einwanderer, das in Deutschland aufwuchs. In Eislingen – einer gutbürgerlichen Kleinstadt zwischen Ulm und Stuttgart. Es ist die Geschichte einer gelungenen Integration, die an vielen Stellen hätte scheitern können. Das Mädchen bin ich.
Es waren wenige deutsche Wörter, die ich kannte, bevor ich in den Kindergarten kam. Sie beschränkten sich weitestgehend auf: “Duldung”, “Aufenthalt” und “Ausländerbehörde”. Wobei mir Letzteres beim Aussprechen Probleme bereitete. Am liebsten mochte ich “Duldung”. Das sagte meine Mutter ständig mit ihrer dunklen Stimme und dem jugoslawischen Akzent, indem sie das “u” immer sehr lang zog. Sie hatte eine “Duldung”. Ich begriff früh, dass ihre “Duldung” nicht so gut war wie der “Aufenthalt” meines Vaters. Das eine bedeutete Arbeit, das andere Schwarzarbeit. Mit meinen Deutschkenntnissen kam ich also im Kindergarten nicht sonderlich weit. Ein paar tränenreiche Wochen später sang ich meinen Eltern jedoch bereits “Sonne, liebe Sonne, komm ein bisschen runter!” vor. Der erste Schritt in Richtung Integration war somit getan. Dachte ich. ...
http://www.salonkolumnisten.com/warum-fuer-erdogan/

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"Prostituiertenschutzgesetz ist in Kraft - Jetzt sprechen die Sexarbeiterinnen" Simone Schmollack (5. 7. 2017)
Aufhören, ins Ausland gehen oder illegal weitermachen? Prostituierte entwickeln neue Strategien. Das Gesetz lässt Platz für Interpretation.  Auf Nachfrage bei der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung, die für die Umsetzung des Gesetzes in der Hauptstadt zuständig ist, wird rasch klar, dass das an vielen Punkten schwierig werden könnte. Gangbangpartys sind so ein Punkt. Sprecher Christoph Lang gibt zu bedenken, dass eine Prostituierte behaupten könne, sie mache das freiwillig und gerne. Er sagt: „Dann ist der Verstoß gegen die sexuelle Selbstbestimmung natürlich kaum nachweisbar.“
In anderen Paragrafen ist das Gesetz eindeutiger. So müssen sich Prostituierte künftig anmelden. Dann erhalten sie eine Anmeldebestätigung, in der Szene „Hurenpass“ genannt. Fabienne Freymadl, die als Lady Velvet Steel in einem Dominastudio in Berlin ihre Dienste anbietet, fragt sich, was das soll: „Geht es um mehr Schutz von Sexarbeitenden? Oder eher um Kontrolle und den Zugriff des Staats auf eine stark stigmatisierte Branche?“
Freymadl muss sich demnächst anmelden, sonst kann sie als Sexarbeiterin nur illegal weitermachen. Aber das wäre in ihrem Fall unmöglich. Lady Velvet Steel ist ein Promi in der Szene, sie hat eine Website, Männer buchen sie online oder telefonisch. Die Behörden wissen das. Am 1. Juli will sich Fabienne Freymadl alias Lady Velvet Steel aber noch nicht anmelden. Sie kann es auch nicht. Sie sagt: „Es ist in manchen Bundesländern noch nicht klar, welche Behörde zuständig ist.“ Sie rechnet damit, dass die Ordnungsämter diese Dienste übernehmen müssen.
Sie rechnet auch damit, dass viele ihrer KollegInnen den Job aufgeben werden. „Manche Frauen sind als Sexarbeitende nicht geoutet“, sagt sie. Deren Familien, die Nachbarn, Freunde wissen nichts vom Job, mit dem „Hurenpass“ könnte der auffliegen. „Die Behörden sind untereinander vernetzt“, sagt sie, „da gibt es immer jemanden, der sich verquatscht.“ Deshalb hat Hamburgs bekannteste Domina, Undine de Rivière, ihr Studio aufgegeben. „Ich weiß nicht, ob sich meine Kolleginnen anmelden“, sagt sie, „ich will das aber auch nicht kontrollieren.“ Sie macht fortan als Soloselbstständige weiter.
In der Sexbranche wird ­geschätzt, dass sich nur ein ­Drittel der Prostituierten anmelden. Andere würden ihre Dienste verschleiern als Massage, Personal Training, so was. Wie früher, als Prostitution in Deutschland verboten war. Manche würden illegal arbeiten. Laut Schätzungen soll es zwischen 400.000 und 1.000.000 Sexarbeitende in Deutschland geben und täglich 1,2 Millionen Freier. Den Jahresumsatz der Branche beziffert das Statistische Bundesamt auf 14,6 Millionen Euro. ...
https://www.taz.de/Prostituiertenschutzgesetz-ist-in-Kraft/!5422382/



"Sexismus: Google entlässt Mitarbeiter wegen sexistischem Text" (8. August 2017)
Ein Google-Entwickler hat die Dominanz der Männer in der Tech-Branche mit biologischen Unterschieden erklärt. Das hat ihn einem Bericht zufolge seinen Job gekostet. ... James Damore hatte in einem Schreiben den geringen Anteil von Frauen in der Technologiebranche mit angeblich biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern erklärt. ...  Googles Chef Sundar Pichai unterbrach wegen des Textes seinen Urlaub. In einer E-Mail an die Mitarbeiter schrieb er, dass Teile davon gegen interne Verhaltensregeln verstoßen und mit der Verbreitung schädlicher Stereotype über Geschlechter eine Grenze überschritten hätten. Zu behaupten, ein Teil der Belegschaft habe Merkmale, die sie biologisch weniger fähig für die Arbeit bei Google machten, sei "beleidigend und nicht okay". Gleiches gelte, wenn Mitarbeiter zweifelten, ob sie ihre Ansichten am Arbeitsplatz frei äußern könnten. 
http://www.zeit.de/digital/2017-08/sexismus-google-entwickler-antifeminismus-kuendigung


"Tödlicher Machismo" Marta Platía (Ausgabe 29/2017)
„Wenn von Seiten der Macht die Gewalt gegen Frauen befürwortet oder auch nicht geächtet wird; wenn man einen Präsidenten wie Trump oder (Mauricio) Macri hat, der öffentlich erklärt: ‚Alle Frauen mögen, dass man ihnen sagt, was sie für einen schönen Arsch haben‘, kann man nicht erwarten, dass die Angriffe weniger werden oder gar aufhören.“ Das sagte die Aktivistin Pate Palero vom Netzwerk Argentinischer Journalistinnen für eine nicht-sexistische Kommunikation. Seit Jahren schlägt Palero wegen der bei Meldungen über geschlechterspezifische Verbrechen verwendeten Terminologie Alarm. Bis vor weniger als einem Jahrzehnt sprach man in den Polizeinachrichten noch von „Verbrechen aus Leidenschaft“. Allein bereits aufgrund einer solchen Schlagzeile verstand sich die Einordnung des Geschehens von selbst: Der „typische Fall“ des eifersüchtigen Mannes, der seine Frau, die er als sein Eigentum betrachtete, „in einem Anfall von Wahnsinn“ tötete. ...
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/toedliches-testosteron

"Kolumne „Mithulogie“: Mein Unterleib gehört mir?" Mithu Sanyal (17. 9. 2017)
Hebammen und Sexarbeiterinnen leiden unter neuen Gesetzen. Auch im Bundestagswahlkampf spielen ihre Rechte keine Rolle. ... Es ist eine dieser Fragen, die sich nach Verschwörungstheorie anhören: Warum sind die beiden Berufe, die in den letzten Jahren am meisten gefährdet wurden: Hebamme* und Sexarbeiter*in? Multiple Choice: Um wie viel Prozent hat sich die Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen seit 1981 erhöht? A) 10 Prozent B) 100 Prozent C) 1.000 Prozent D) 10.000 Prozent - Alle falsch, es sind über 20.000 Prozent.
... in Dresden, wo die Sperrgebietsverordnung vorsieht, dass Sexarbeit im Umkreis von 200 Metern Luftlinie von Einrichtungen für Kinder verboten ist, sprich: in der Nähe von Kindergärten, Schulen, Tagesmüttern, Jugendfreizeitstätten aber interessanterweise auch Altenheimen, Kirchen, freikirchlichen Hinterhofgemeinden und – mein persönlicher Favorit – Friedhöfen. Schließlich könnten die Toten sonst auf schlüpfrige Gedanken kommen.Darüber kann man schmunzeln – allerdings nur, wenn man kein*e Sexarbeiter*in ist. So postete eine Bekannte: „Gestern erlebte ich, wie die Leiterin eines anderen Studios in Tränen ausbrach, weil – sie war bisher „sauber“ außerhalb des Sperrgebiets – sich kürzlich eine Tagesmutti mit 3 Babys ein paar Straßen weiter niedergelassen hat.“ - Sex oder Babys ist die falsche Frage. Denn sexuelle und reproduktive Rechte bedeuten, die Möglichkeit zu habe, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, aber vor allem, Entscheidungsmöglichkeiten zu haben. ...
http://www.taz.de/Kolumne-Mithulogie/!5448823/


"Gewalt gegen Frauen in Mexiko: Mord an Studentin löst Proteste aus" (18. 9. 2017)
SãO PAULO epd | In Mexiko haben Tausende Menschen gegen Gewalt an Frauen protestiert. Sie forderten am Sonntag vor dem Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft in Mexiko-Stadt Aufklärung des Mordes an Mara Fernanda Castilla, wie die Tageszeitung „La Jornada“ berichtete. Die Ermordung der Jugendlichen aus dem Bundesstaat Puebla hat Mexiko erschüttert. Die Demonstranten skandierten „Wir wollen leben!“ und machten den Staat für unzureichende Strafverfolgung verantwortlich. ...
Täglich werden in Mexiko Frauen ermordet. Kaum eine Tat wird aufgeklärt. Am Sonntag gingen Tausende Menschen dagegen auf die Straße.
Die Gewalt an Frauen hat in Mexiko einen neuen Rekord erreicht: Pro Tag werden durchschnittlich sieben Frauen in Mexiko ermordet oder „verschwinden“. Mehr als 112.000 Frauen werden offiziellen Statistiken zufolge vergewaltigt. Die Dunkelziffer liegt aber weitaus höher. Laut dem Nationalen Fraueninstitut werden mehr als 80 Prozent der Fälle verschwiegen und nicht zur Anzeige gebracht. Ohnehin wird in den seltensten Fällen ermittelt oder der Täter zur Anklage gebracht.
http://www.taz.de/Gewalt-gegen-Frauen-in-Mexiko/!5448908/

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Quote
Laurie Penny:  Die Alt-Right-Bewegung ist besessen von der Eugenik und von der Panik davor, auszusterben. Wenn weiße Frauen Babys mit Men of Color haben, oder sich gegen Kinder entscheiden, halten die Rechten das für „White Genocide“. Es ist wirklich entsetzlich. ... Ich habe noch nie eine faschistische Bewegung entdeckt, die nicht vehement gegen Abtreibungsrecht oder die Unabhängigkeit von Frauen ist. Interessanterweise stammt das zum größten Teil aus sexueller Frustration. Der „Islamische Staat“ funktioniert genauso: Junge Männer, die das Gefühl haben, ihnen stehe mehr Sex zu, radikalisieren sich schneller. ... Ich habe noch keine Person kennengelernt, die glaubt, dass sie genauso häufig Sex hat wie sie eigentlich will, und es genauso läuft, wie sie es sich wünscht. Aber offenbar sind es nur Männer, die das für ein politisches Problem halten. Und die denken, einen Anspruch darauf zu haben, sich das zu nehmen. Ich habe mich seit ein paar Wochen nicht flachlegen lassen, habe aber kein Bedürfnis, aus diesem Grund zu einer Faschistin zu werden. Ich gehe einfach nach Hause, schaue mir „BoJack Horseman“ an und masturbiere, so wie es normale Menschen halt tun.


Aus: "„Warum sollte ich mich bremsen?“"
Das Interview führte Sibel Schick (20. 9. 2017)
Quelle: https://www.taz.de/Laurie-Penny-ueber-Kaempfe-unter-Linken/!5445597/

https://de.wikipedia.org/wiki/Laurie_Penny

« Last Edit: September 20, 2017, 12:25:56 PM by Link »

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« Reply #62 on: October 12, 2017, 10:35:39 AM »
"Haarige Beine: Model mit Vergewaltigung bedroht" (9. Oktober 2017)
Welche Ausmaße Hass im Netz gegenüber Menschen, die Normen in Frage stellen, annehmen kann, zeigen die Reaktionen auf einen Spot von Sportartikelhersteller Adidas. Darin ist die schwedische Künstlerin Arvida Byström mit unrasierten, dunkel behaarten Beinen zu sehen. Sie spricht im Video über Weiblichkeit, dass jeder Mensch feminin sein könnte. Und dass es in unserer Gesellschaft davor große Angst herrsche. Auf Instagram beschreibt sie nun, dass sie seit der Veröffentlichung des Videos auf Youtube eine Vielzahl böser Kommentare als Reaktion bekommen habe, darunter Drohungen, sie zu vergewaltigen.
Die 26-jährige Byström ist Fotografin und Model und bekannt dafür, Körpernormen und die Sexulaisierung des weiblichen Körpers in Frage zu stellen. Anfang des Jahres veröffentlichte sie gemeinsam mit Molly Soda das Buch "Pics or It Didn't Happen: Images banned from Instagram" – darin werden 270 Bilder gezeigt, die von Instagram entfernt wurden, weil sie angeblich die Community-Richtlinien verletzt hätten. Darunter jenes der Künstlerin Rupi Kaur, die 2015 ein Bild von sich auf Instagram hochgeladen hatte, das sie in einer mit Menstruationsblut befleckten Jogginghose zeigte. Das Bild wurde von Instagram entfernt und – nachdem sie es nochmals gepostet hatte – wiederum gelöscht.
https://derstandard.at/2000065605817/Haarige-Beine-Model-mit-Vergewaltigung-bedroht

Quote
Bluediver, 9. Oktober 2017, 20:09:20
Ein Wunder, dass unsere Gesellschaft immer noch funktioniert und nicht längst in Chaos und Wahnsinn versunken ist.
Erschreckend, dass schon behaarte Beine bei manchen Leuten solche Aggressionen erzeugen. Wie sieht das erst bei echten Problemen aus?


Quote
Mort52, vor 9 Stunden
Ich mag sie. Win Win Win Situation.

Werbung für sie, für Adidas und Rollenbilder und Klischees aufgebrochen.
Wobei die Nachricht, dass Frauen nicht nur Haare am Kopf wachsen, so manchem sein Weltbild zerstört zu haben scheint.
Also auch von pädagogischem Wert, das Filmchen.


Quote
Anton Jesus Poster, vor 19 Stunden
Stillos und ungepflegt zu sein war immer schon ein Ausdruck feministischer Selbstbestimmung


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Black Mary, vor 14 Stunden
(Natürliche) Behaarung muss weder stillos, noch ungepflegt sein. Sie offenbaren gravierende intellektuelle Defizite.


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Ronald Tekener, vor einem Tag
Irgendwie finde ich es seltsam, dass jemand, der behaarte Beine als abstoßend empfindet, diese Person dann auch noch vergewaltigen will.


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flatline, vor einem Tag
Schon ein wenig witzig, unsere Gesellschaft. Männer schauen aus wie Wookies und schimpfen auf Frauen die sich auch nicht rasieren. Scherz bei Seite. Die Gesellschaftlichen zwänge denen man sich freiwillig unterwirft. Ich finde Frauen mit haarigen Beinen voll Okay. Generell sind Körperhaare nicht ekelhaft wenn man sich regelmäßig wäscht. Und ja ich kenn diese Diskussionen im Freundeskreis. Die meisten mögens Rasiert und Glatt. (Frau & Mann). Ich werde dann auch immer sehr komisch angeschaut wenn ich sage das ich keine Probleme mit Frauen habe die unrasiert sind. Die blicken mich an ob ich ein Wilder bin XD.


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Frijid Pink, vor einem Tag
ich find haare an den beinen und sonstwo sehr erotisch...


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Gehirnamputierter NC-Flüchtling, vor einem Tag
sie kann ruhig machen was sie will. Es bleibt trotzdem ekelig


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Black Mary, vor 14 Stunden
Der Psychotherapeut Ihres Vertrauens hilft Ihnen!


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Gredl, vor 20 Stunden
Habe diese Sportler von einem Plakat vor einigen Jahren, alle ganz haarlos auf der Brust, eklig gefunden.


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athos, vor 15 Stunden
empfinde ich beides so.
Mir gefallen männer mit haaren am körper und frauen ohne oder mit wenig.


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cogitatum, vor einem Tag
was ist an Natürlichkeit ekelig?


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Steverino, vor einem Tag
Nur ein Bein rasieren reicht eigentlich.


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ildiko1905, vor 2 Tagen
Ich finde rasierte Beine unappetitlich. Passt für ein Baby oder Kleinkind aber doch nicht für eine erwachsene Frau.


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Mercalli Sieberg, vor 2 Tagen
Während die Moslems die Frauen unterdrücken sind Frauen des Westens freilich von jedem Zwang befreit.


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Mercalli Sieberg, vor 2 Tagen
Willkommen im Jahr 2017


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Dampf Hans, vor 2 Tagen
Wieder mal im Glauben, für die total gute Sache und Feminsmus und so einzutreten, betreibt der Standard Werbung für Adidias. Dass der Journalismus in seinem Eifer dümmer ist, als die Werbeindustrie, ist beschämend.


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No1ino, vor 2 Tagen
Achsel- und Schambehaarung ist schon längst back. Es reicht, wenn ein paar Hollywood-Stars sich nicht mehr rasieren und die Schönheitsideale drehen sich um 180 Grad.


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nutzer modernster theologie, vor 3 Tagen
Als meine Mama 1990 in NYC war hat sie immer die Frauen mit den Beinhaaren nach dem Weg gefragt. Das waren nämlich die Deutschen und die hätten immer einen Stadtplan dabei...


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« Reply #63 on: October 19, 2017, 04:12:56 PM »
ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 631 / 17.10.2017
Klassenkampf ist Identitätspolitik - Diskussion Die Journalistin Laurie Penny über Feminismus, Antikapitalismus, den Aufstieg der Rechten und Liebesbeziehungen
Jetzt schreibst du im Vorwort, dass toxische Männlichkeit die Welt zerstöre. Ist die feministische Bewegung durch Menschen wie Donald Trump oder auch Organisationen wie die AfD in Deutschland um Jahrzehnte zurückgeworfen worden? Immerhin müssen wir nun wieder ganz von vorne anfangen und Männern erklären, dass es eben nicht okay ist, Frauen an ihre »pussy« zu fassen.
Laurie Penny: Das glaube ich nicht. Wir müssen zwar wieder von vorne anfangen und erklären, dass es nicht okay ist, Frauen sexuell zu belästigen. Aber ich glaube nicht, dass die ganze feministische Bewegung zurückgeworfen wurde, sondern nun Frauen im Allgemeinen wieder stärker verachtet werden. Es gibt eine heftige Gegenbewegung gegen den Feminismus, gegen die Freiheitsbewegung von People of Colour und queeren Menschen. Überall auf der Welt werden Feministinnen immer aktiver, und immer mehr Leute schließen sich der Bewegung an, weil sie sehen, dass wir auf dem Weg in eine Krise sind. Und das ist keine Krise des Feminismus, sondern eine Krise für alle Frauen. ...
Beke Schulmann: Ist die Linke mit schuld an diesem neuen Erstarken der Rechten? Gelingt es der Linken nicht, Arbeiterinnen und Arbeiter anzusprechen? Fehlen da die Ideen?
Laurie Penny: Nein! Wir haben darauf geachtet, auch Politik für die Arbeiterklasse zu machen. Das war immer Teil der linken Bewegung. Wenn Leute sagen, dass wir nicht genug auf die Arbeiterklasse geachtet haben, dann meinen sie damit, dass wir nicht genug auf die weiße Arbeiterklasse geachtet haben. Die Idee, dass die weiße Arbeiterklasse und vor allem die männlichen weißen Arbeiter von People of Colour und Frauen, die die Mehrheit der globalen Arbeiterklasse ausmachen, getrennt behandelt werden könnten oder sollten, ist gefährlich. Wo waren denn die Leute, die nach den Bedürfnissen der schwarzen Arbeiterklasse in den USA gefragt haben? Nirgends! Eine solche Identitätspolitik, die sagt, dass die Belange der weißen Arbeiterklasse vorne angestellt werden sollten, ist gefährlich, und dafür sollte man nicht der Linken die Schuld geben.
https://www.akweb.de/ak_s/ak631/22.htm

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"Laura Meritt im Interview "Rein, Raus, Spritz ist Blödsinn"" (21.10.2017)
In den achtziger Jahren startete Alice Schwarzer die PorNo-Kampagne, die in Deutschland ein Gesetz gegen Pornografie erwirken wollte. Steht PorYes im Widerspruch dazu?
Laura Méritt: Wir sehen uns eigentlich in einer Schwesternschaft. Mit der Analyse der PorNo-Kampagne stimmen wir überein. Zum Beispiel, dass 95 Prozent des Mainstream-Pornos diskriminierend sind. Sexismus und Rassismus ist alltäglich. Wir widersprechen aber bei der Lösung dieses Problems und setzen uns für andere Bilder ein, wir wollen über den Porno Sexualität verändern. Wir fragen nach: Wer bestimmt denn, wie das auszusehen hat? Für die Antwort darauf wollen wir Anregungen geben, wie das positiv gestaltet werden könnte. ... Ich wünsche mir, dass der Mainstream eine größere Vielfalt bringt und nicht mehr diese Kategorien hat wie "Mann", "Frau", "behaart", "rasiert" und so weiter. Faire Arbeitsbedingungen in der Pornoindustrie sollten zum Standard werden. Und das mehr über Sexualität geredet wird: Was wir wollen und was wir nicht wollen. In der Sexspielzeugindustrie hat sich sehr viel in so schneller Zeit geändert im Bezug auf weibliche Bedürfnisse. Ich bin da sehr positiv gestimmt. Der Bildersturm hat gerade erst begonnen! ...
http://www.tagesspiegel.de/kultur/laura-meritt-im-interview-rein-raus-spritz-ist-bloedsinn/20484652.html

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"Gießener Ärztin vor Gericht: "Der Skandal ist, dass so was strafbar ist"" Interview: Dagny Lüdemann (24. November 2017)
Eine Ärztin informiert auf ihrer Website über Abtreibungen und wird angeklagt, weil das nach § 219a Werbung ist. "Sie wird wohl verurteilt", sagt Juristin Ulrike Lembke.
Aktuell:  Die Frauenärztin Kristina Hänel wurde vom Landgericht Gießen am Freitagmorgen zu einer Geldstrafe von insgesamt 6.000 Euro verurteilt. Mittlerweile werden in der Politik Stimmen laut, die eine Abschaffung oder Änderung des Paragrafen 219a fordern.
ZEIT ONLINE: Die Aufregung ist riesig. Dieser Prozess erregt die Gemüter, bevor er angefangen hat. Vor dem Amtsgericht Gießen ist die Ärztin Kristina Hänel angeklagt, weil sie auf ihrer Website Informationen zum Schwangerschaftsabbruch anbietet. Da sie öffentlich auftritt und sich gegen die Anklage wehrt, nennen auch wir ihren Namen. Wieso könnte das, was sie tut, verboten sein?
Ulrike Lembke: Nach Paragraf 219a unseres Strafgesetzbuches macht sich strafbar, wer "Werbung" für einen Schwangerschaftsabbruch macht. Allerdings hat der Paragraf einen absurd weiten Anwendungsbereich.
ZEIT ONLINE: Was heißt das genau?
Lembke: Mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft wird, wer "öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (…) eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs (…) anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt". Das Ganze muss "seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise" geschehen, um strafbar zu sein.
...
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-11/giessener-aerztin-kristina-haenel-abtreibung-prozess-schwangerschaftsabbruch-anklage

Quote
youth_attack
#10

Tja. Das ist die Zwickmühle der westlich-aufgeklärten Welt. Wie weit soll man gehen?

Das "Werbeverbot" klingt für mich komplett absurd. Erst Recht, wenn es wie hier um eine ärztliche Information geht. Nur logisch also, dass man den Paragraphen streicht, oder anpasst. Das ist man den Frauen schuldig.

Andererseits gibt es Bevölkerungsteile, die niemals abtreiben würden, bei denen Kinderkriegen oberste Menschenpflicht ist.

Diese Diskrepanz ist es, welches unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren extrem zersetzen wird. Auf der einen Seite die immer offenere, immer queerere, immer buntere westliche Welt. Auf der anderen erzkonservative Gläubige. (Nicht nur zugewandert!)


Quote
Paul Ericsson
#13

Das wird jetzt geklärt und fallen. Das Gesetz ist antiquiert und unzeitgemäß. Die Information so offen und transparent abzubilden,sollte eher belohnt,statt bestraft werden. Gesetze haben selten Ewigkeitswert und dieses ist sonderlich absurd.


Quote
thefaceman
#14

Abtreibung ist ein Verbrechen an dem Menschen, der abgetrieben wird.


Quote
PetraK.
#31

Schön, dass dieser unsinnige Paragraph thematisiert wird, denn er gehört auf den Müllhaufen der Geschichte entsorgt.


Quote
Dagny Lüdemann
#33

Was ist Werbung im Sinne dieses Paragrafen?

Viele von Ihnen scheinen, wie die Kommentare zeigen, bei Werbung an sowas zu denken wie im Fernsehen oder auf Plakaten mit Slogans: „Du kannst dir ein Leben mit Kind nicht vorstellen? Kein Problem. Hier bekommst du Hilfe. Wir machen Schwangerschaftsabbrüche, günstig anonym und unkompliziert.“
Aber: Um sowas geht es in diesem Fall überhaupt nicht. Und sowas gibt es nicht und wird es auch nicht geben. Die Ärztin hat lediglich auf Ihrer Website darauf hingewiesen, dass die Praxis Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Und in einer Broschüre die Rechtslage, die Art der Durchführung, Nebenwirkungen und die Kosten erklärt.
Wann und wie Ärzte in Deutschland für medizinische Dienstleistungen werden und auf diese hinweisen dürfen / teils auch müssen / ist sehr streng geregelt, wie die Interviewpartnerin erklärt. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn der §219a entfallen würde.
Kein Arzt in Deutschland fordert oder ruft Frauen dazu auf, ihr ungeborenes Kind nicht zu bekommen.
Juristisch reicht ein purer Hinweis auf das Angebot Schwangerschaftsabbrüchen aber, um nach §219a verurteilt zu werden. Sagen Juristen.
Warten wir ab, wie das Gericht entscheidet.


Quote
PetraK.
#33.1

Die deutsche Gerichtsbarkeit kann hoffentlich zwischen Werbung und neutraler Information unterscheiden. Ich frage mich, wie solche unsinnigen Paragraphen die Neuzeit unentdeckt überstehen konnten.


--


"Schwangerschaftsabbruch: Ärztin verurteilt wegen Website mit Abtreibungsinformationen" (24. November 2017)
Die Gießener Ärztin Kristina Hänel muss 6.000 Euro Strafe zahlen. Sie hatte Informationen über Abtreibungen bereitgestellt, das ist gesetzlich verboten.
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-11/schwangerschaftsabbruch-aerztin-giessen-werbung-amtsgericht-urteil

Quote
Gnixel
#5

Sicherlich im Sinne des Gesetzes entschieden.
Allerdings eines Gesetzes, das m.E. für die Tonne ist, da es in seinem Geiste immernoch tief in den 30ern und 40ern verwurzelt ist.
Daher wünsche ich der Dame in der nächsten Instanz und ggf. vor dem Verfassungsgericht viel Glück.


Quote
konne
#5.2

Schade dass männer nicht auch Kinder kriegen können und sich mit der Frage der Abtreibung richtig auseinandersetzen könnten. Der Standpunkt in der Gesellschaft in diesem Thema würde sich sicherlich sehr ändern.


Quote
AnsgarRagentor
#8

Aufbin die nächste Instanz. Ich wünsche Frau Dr. Hänel viel Erfolg im Kampf gegen dieses unsinnige und frauenfeindliche Gesetz.


...
« Last Edit: November 25, 2017, 11:46:50 AM by Link »

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« Reply #64 on: December 05, 2017, 11:30:41 AM »
Quote
[...] Der höchste Führer der Mullahs im Iran, Ayatollah Ali Khamenei, hat in einer Fatwa den Frauen des Landes verboten, "in der Öffentlichkeit und vor Fremden" mit dem Fahrrad zu fahren. Denn das liefe der Keuschheit der Frauen zuwider und zöge Männer an.

Man möchte sich fragen, welch kranke sexuelle Fantasien der alte Mann mit Bart hat. Was geht es ihn an, ob und wo Frauen mit dem Fahrrad herumfahren. Wenn ihn das erregt, hat er ein Problem – und nicht die Iranerinnen.

Das sehen diese genauso. Ein Video, das zwei Iranerinnen zeigt, die aus Protest gegen diese unsinnige Fatwa beim Fahrradfahrer zeigt, wurde bei Facebook fast 200.000 mal gelikt. In dem Video erklärt eine der Frauen: "Meine Mutter und ich sind aus Teheran. Radfahren ist Teil unseres Lebens. Wir haben gehört, dass Khameinis Fatwa Frauen das Fahrradfahren verbietet. Wir haben sofort zwei Räder gemietet um zu zeigen, dass wir nicht aufgeben. Es ist unser Grundrecht und wir werden es nicht aufgeben."

Die Kampagne der Frauen wurde den sozialen Netzwerken fortgeführt. Unter dem Hashtag #IranWomenLoveCycling werden zum Beispiel bei Instagram Fotos gepostet, die Frauen beim Radfahren zeigen.

Auslöser für das Radfahrverbot war, dass sich auch Frauen einer Radfahrerkampagne anschließen wollten, die von iranischen UmweltschutzaktivistInnen organisiert wurde. Die Kampagne unter dem Motto "Dienstags ohne Fahrzeug" ruft IranerInnen in mehreren Städten auf, ihre Autos für einen Tag stehen zu lassen.

Übrigens: Die aktuelle Fatwa widerspricht anderen: Viele islamische Gelehrte erlauben Radfahren mit der Begründung, dass Frauen in den Anfängen des Islam vor rund 1400 Jahren schließlich auch auf Kamelen reiten durften.

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Tobias Stel. am 1. Dezember 2017 - 4:33

Irre! Einfach irre! Immer wieder einfach irre!


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Roland Weber am 30. November 2017 - 15:02

Wird's beim Moped oder Motorrad anders? Wie steht es mit Reiten - im Damensattel?
Da sind subtile Kenntnisse gefordert!
Ich fand es schon immer überzeugend, wenn Männer spreizbeinig auf ihren Gäulen dahergaloppierten und mitleidig auf beine-einseitig reitende Damen herabblickten. Damit wurde schließlich überzeugend bewiesen, dass Männer Frauen eben immer überlegen sind!


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David Z am 1. Dezember 2017 - 8:08

"Übrigens: Die aktuelle Fatwa widerspricht anderen: Viele islamische Gelehrte erlauben Radfahren mit der Begründung, dass Frauen in den Anfängen des Islam vor rund 1400 Jahren schließlich auch auf Kamelen reiten
durften."

Diese Begrūndung ist genau so bescheuert, bleibt sie doch gefangen in der Unvernunft, frūhmittelalterliche Sachverhalten aus Koran/Sunna zum Masstab machen zu wollen.



Aus: "Iran: Ayatollah verbietet Frauen das Radfahren" Jan Weber (30. Nov 2017)
Quelle: https://hpd.de/artikel/ayatollah-verbietet-frau-radfahren-15039

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"Häusliche Gewalt: Alarmierende Fakten" Birgit Gärtner (09. Dezember 2017)
Gewalt im häuslichen Rahmen nahm in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu. In der Mehrheit sind die Opfer weiblich und die Tatverdächtigen männlich, jeweils etwa 30% davon ohne deutschen Pass
Jährlich zum 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, veröffentlicht das Bundeskriminalamt (BKA) in Absprache mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unter dem Titel "Partnerschaftsgewalt" einen Auszug aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). So auch in diesem Jahr. ...
https://www.heise.de/tp/features/Haeusliche-Gewalt-Alarmierende-Fakten-3914701.html


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"Femizide sind auch bei uns Fakt" Vera Deleja-Hotko (Ausgabe 49/2017)
In Deutschland wurden im Jahr 2016 laut der Statistik des Bundeskriminalamtes 357 Frauen von aktuellen oder ehemaligen Partnern getötet. Die Taten werden unter dem Begriff „Partnergewalt“ zusammengefasst. Jedes Opfer vertraute dem Täter. Ehemänner, Lebensgefährten und Verflossene nutzten dies aus. 11.882 Frauen wurden in Deutschland 2016 gefährliche Körperverletzungen zugefügt. Und darunter fallen nur diejenigen, die die Tat zur Anzeige brachten. Wie viele dieser Frauen nur knapp dem Tode entkommen sind, zeigt die Statistik nicht.
Es sind ähnlich viele Vorfälle wie in Italien. Doch in Deutschland verharmlosen Medien, Politik und Gesellschaft das Phänomen, als ob Mackertum und toxische Männlichkeit nur bei Nicht-Deutschen existieren würden. Aber Frauenfeindlichkeit hat nichts mit der Staatsbürgerschaft zu tun.
Das versucht die Bewegung #KeineMehr zu thematisieren. Ihr Titel orientiert sich an der 2015 in Argentinien gegründeten „Ni una menos“-Bewegung. Sie organisierte eine Demo am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.
Die Floskeln, mit denen Täter die Gewalt an Frauen kleinreden, gleichen sich: „Ich habe überreagiert.“ „Normalerweise mache ich so was nicht.“ „So aggressiv war ich vorher noch nie.“
Auch der Mann, dem statt der Hand der Hammer ausgerutscht ist, wird meist als Einzelfall verbucht. Doch genau das ist er nicht. #KeineMehr fordert eine detaillierte Dokumentation der Gewalt, um diese endlich als strukturelles Problem sichtbar zu machen, präventive Aufklärungsarbeit leisten zu können und Gesetze dahingehend zu schärfen – etwa durch die Adaption von Frauenfeindlichkeit in § 46 des Strafgesetzbuchs, um das Strafmaß zu erhöhen. ...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/femizide-sind-auch-bei-uns-fakt

« Last Edit: December 11, 2017, 11:55:07 AM by Link »

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« Reply #65 on: December 12, 2017, 08:23:07 AM »
 „Es ist ein Spiel mit Identitäten“ Inna Barinberg | Ausgabe 12/2017
Interview Salomé Balthus leitet die Escort-Agentur Hetaera und ist dort selbst als Sexarbeiterin tätig
Für das Interview schlägt Salomé Balthus ein Café am Paul-Lincke-Ufer in Berlin-Kreuzberg vor. Mittags sei dort wenig los, dann habe man seine Ruhe. Sie will über die Themen Escort und Sexarbeit sprechen. Und über ihre Agentur Hetæra, die sich durch ein solidarisches und kollektiv verwaltetes Konzept auszeichnet. ...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/es-ist-ein-spiel-mit-identitaeten

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Sophia Rosenberg | Community

Nur um euch einen kleinen Einblick zu geben: Durch die höher angesiedelten Preise hat man es mit solventeren, aber auch ebenso anspruchsvolleren Kunden zu tun (unabhängig vom Job). Dementsprechend muss man sich den optischen und intellektuellen Ansprüchen der Kundschaft anpassen und ist dadurch nicht mehr in einer untergeordneten Position gegenüber dem jeweiligen Kunden.

Besonders in der Prostitution sind die Unterschiede zwischen Straßen- & Bordellarbeit und der von Magda so schön betitelten S-Klasse enorm groß. Während die günstigen Damen sich mit ungepflegten, teils gewalttätigen und allgemein unangenehmen Menschen herumärgern müssen, filtern die hochpreisigen Damen die Spreu vom Weizen. Es mag zwar umstritten sein, doch meiner Meinung nach geht es hierbei nicht mehr nur um Sex. Man besucht gemeinsam Kulturveranstaltungen oder geht ins Restaurant - manchmal reist man auch mit einem Kunden zu den schönsten Orten der Welt.

Das Arbeitsumfeld und die Arbeitsbedingungen unterscheiden sich derart drastisch, dass eure Stigmatisierung vom Beruf der Prostituierten nicht einmal im Ansatz als zutreffend bezeichnet werden kann.

Für jemanden der nie damit in Berührung kam, scheint es eine gar unmögliche Vorstellung zu sein, einen solchen Beruf mit Freude auszuüben. Doch wir werden von unseren Gästen ausgeführt. Wir werden gut behandelt, gar auf Händen getragen und beschenkt. Wir fühlen uns von unseren Kunden wertgeschätzt, respektiert und angemessen vergütet. Erlebt ihr in eurem Job etwas, dass dieser Schilderung auch nur Nahe kommt?

Der Artikel kam zum richtigen Thema zur richtigen Zeit. Der Beruf der Prostituierten wird von Meinungsmacher-Medien als nie enden wollender Alptraum beschrieben, dabei arbeiten an die 50% der Prostituierten auf selbstbestimmter Basis. Es gibt nicht nur uns “hochnäsigen S-Klasse Prostituierten“. Es gibt auch x-Tausend “normale Escorts“ für 200€ die Stunde. Es gibt Dominas, Callboys, Independent Escorts, Damen in Edel-Bordellen, Hausfrauen mit Extraverdienst, frivole Paare mit Drang zum bezahlen Swinger-Erlebnis, und, und, und… Und ALLE wählen ihre Preise und ihr Umfeld selbst aus.

Durch das damalige Gesetz der Legalisierung der Prostitution sollten Missstände wie Zuhälterei und Zwangsprostution ausgemärzt werden, was natürlich nicht geklappt hat. Daher hat uns Vater Staat nun ein “kleines“ Add-On-Gesetz verpasst und dieser Artikel soll nicht nur die freundliche Arbeitsatmosphäre der Damen bei High Class Agenturen wie Hetaera widerspiegeln, sondern die breite Masse mit der Wahrheit konfrontieren: Prostitution ist nicht gleich Prostitution. Pauschalisierungen sind total daneben (bis auf in diesem Satz)! ;-)

Liebe Salomé, weiter so! Und ein dickes Kompliment an eurer Geschäftmodell.

Grüße aus Frankfurt.


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Magda | Community

... Mir fiel bei der Lektüre folgender Spruch ein: Verziert die Peitschen nicht mit Veilchen.

Als erstes werden mal ordentlich Hierarchien aufgemacht. Man kann es auch gleich Preisklassen nennen. ...


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G.A. | Community


Keine Ahnung warum der Freitag ein wenig Licht in diese exklusive Branche brachte. Vielleicht um zu zeigen, dass auch im horizontalen Gewerbe Hierarchien existieren, wie wir sie anderswo auch schon kennen und sie wie normale Bedienstete ihre Rechte haben wollen.

Aber in den Kommentaren spüre ich eine Menge kleinbürgerlichen Mief.

Ich sehe keinen Unterschied in einem kleinen Angestellten, der sich gesundheitlich kaputtmacht und seine Familie zerstört, weil er für eine bessere Stellung im Unternehmen mehr arbeitet als für ihn und seine Nächsten gut ist und einer Escort-Dienstleistung. – Es ist sind doch bloß andere Körperteile die beansprucht werden.

Daraus gleich Klassenkampf abzuleiten ist ungefähr das Gleiche, wie den Wunsch des erwähnten Angestellten nach einem besseren Leben mit Verrat an der Arbeiterklasse gleichzusetzen.


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Richard Zietz | Community

Mal wieder ein schlagendes Beispiel dafür, dass die Emanzipation nach Freitag-Art ein Upperclass-Problem ist. Die Mondpreise, welche die Agentur für die angebotenen Dienstleistungen veranschlagt, kommen von vornherein nur für diejenigen in Betracht, die in der neoliberalen Fresskette ganz oben stehen. Sicher gibt es das und muß es das geben – ähnlich wie sündhaft teure Designermode oder andere Luxusgegenstände. So lange die Umverteilungsmaschinerie von unten nach oben läuft, ist das alles nicht mehr als folgerichtig – inklusive dem künstlich aufgebauten exklusiven Ambiente sowie den sonstigen Attributen der Markenpflege, welche um diese Form Dienstleistung herumgebaut sind.

Frage nur: Warum muß der Freitag dieses Geschäftsmodell propagieren? Eigentlich kann sich doch jedes Kind an den fünf Fingern abzählen, dass dieses Modell Emanzipation nicht einmal in zartesten Ansätzen für eine breitere Anzahl von Frauen in Betracht kommt. Schon allein wegen Angebot und Nachfrage. Wenn es nur 50.000 Frauen gibt, die an die aristokratische Pracht Hand anlegen wollen, sinken die Preise und der Graf respektive der Vorstandsvorsitzende sehen sich nach was neuem Exklusivem um. ...


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Reinhold | Community
@ Richard Zietz

Das trifft doch für relativ viele Bereiche der heutigen Linken zu. Hier ist es halt die Beschäftigung mit einem kleinen Teil Des "Marktes", der schön, freiwillig und teuer ist. ...


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"Escort: Weil sie es kann, weil sie es will" Caroline Rosales (11. Dezember 2017)
Feministin und Callgirl – wie geht das zusammen? Hanna Lakomy nennt sich Salomé Balthus und führt eine Escortvermittlung. Ich als ihre Freundin habe damit ein Problem.
http://www.zeit.de/kultur/2017-12/escort-agentur-feminismus-sexarbeit-10nach8/komplettansicht

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kemal_acaröz
#1

+++ Hanna bewegt sich für meine Moral in einem Bereich, wo für viele der Spaß aufhört. Wo ich Frauen, insbesondere meine Freundinnen, vor Männern schützen möchte. +++

Selbstbestimmung der Frau (in dem Fall Hanna) hört also für Feministinnen dann auf, wenns nicht mehr zur eigenen Ideologie passt.
Offensichtlich wurde sie ja von niemandem dazu gezwungen, Sexarbeit zu machen, die Entscheidung ist ganz freiwillig. Aber bestimmt ist sie ein Opfer des bösen Patriarchats und merkt es einfach nur nicht. Das Opfer-Täter-Schema ist essentiell für den Feminismus, sonst bricht alles zusammen wie ein Kartenhaus
Wenn sich Verklemmtheit und Ideologie zusammenfinden, dann kommt sowas heraus.


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keats
#1.4

Andersrum wird ein Schuh draus. Das Narrativ von selbstbewussten Escorts erlaubt Kunden sich was vorzumachen. Aber ein Mädchen am Strassenstrich macht es nicht für 20,-- weil es Spass macht. Sondern aus Not, die von Kunden ausgenutzt wird.


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Uncritical_Threshold
#1.6

"Selbstbestimmung der Frau (in dem Fall Hanna) hört also für Feministinnen dann auf, wenns nicht mehr zur eigenen Ideologie passt."

Lesen sie den Artikel doch mal. Die Autorin ist da nämlich durchaus selbstkritisch und ihre Aussagen passen gar nicht zu ihrem Kommentar, hier zum Beispiel:

"Und genau das ist für mich der springende Punkt: Denn ihre Kritiker haben mit Hannas Beruf dasselbe Problem, das ich mit ihr als Freundin habe – nämlich ein emotionales. Sie verstehen nicht, dass man diesen Beruf trotz höchsten Bildungsgrads und ohne soziale Not vollkommen freiwillig ausüben kann. Sie begreifen nicht, dass man noch dazu erhobenen Hauptes darüber öffentlich debattieren kann. Und ja, ich gebe zu, es ist ein Gewöhnungsprozess. Zu verstehen, dass es die freie Wahl einer Feministin sein kann, als Callgirl zu arbeiten."



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kemal_acaröz
#1.7

+++ Aber ein Mädchen am Strassenstrich macht es nicht für 20,-- weil es Spass macht. Sondern aus Not, die von Kunden ausgenutzt wird. +++

So gesehen ist jeder als Billig-Subunternehmer am Bau (gerade viele Osteuropäer) arbeitende das gleiche Opfer. Extrem harte Arbeit, beschissene Bezahlung, oft vorzeitige Berufsunfähigkeit wg. körperlichen Verschleiss.
Geht auch nur, weil er ein Mann ist. (in dem Bereich sind so gut wie keine Frauen zu finden)


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Stummlfumml
#7

Der Artikel zeigt warum viele Formen des Feminismus und viele Feministen nichts mit gesellschaftlichem Liberalismus zu tun haben. Es geht ihnen nicht darum, dass erwachsene Menschen ihr Leben frei gestalten können sollen, sondern es ist der Versuch der Bevormundung nach den eigenen Vorstellungen einer "richtigen" Lebensführung.


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Meerschwimmer
#25

Sex sells.


...

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« Reply #66 on: December 14, 2017, 08:06:08 AM »
" ... Dem Authentischen gebührt ein Platz am Tisch der Wahrheitssuche – auch wenn sich selbiger unter der Last von Wutwort, Vorurteilshammer und Intelligenzaskese biegt. Nun denn: "Das ganze Leben ist eine sexuelle Belästigung", sagt Nina Proll bei Pro & Contra, um auch als Sexualforscherin anwesende Damen aufzuklären: "Für einen Mann ist es keine Belästigung, wenn ich ihn im Bademantel zum Oralsex zwinge." Stille.
... Wirklich niemand widersprach zwar Heinisch-Hosek, die eine Gesellschaft ersehnte, in der einander mit "Respekt, Würde und Anstand begegnet" würde. Eine subjektive Definition der drei Werte wurde – vielleicht auch zum Glück – dann von niemandem erbeten. (Ljubiša Tošić, 7.11.2017)

Mr.Marmeladinger, 8. November 2017, 09:44:42
... Mein Vater hat mir in der Pubertät mal einen Tipp gegeben: stell dir vor das Mädchen wäre deine Tochter - wie würdest du wollen, dass sie behandelt wird?
https://derstandard.at/2000067359806/Pro-und-Contra-ueber-Belaestigung-Im-Bademantel-zum-Oralsex#posting-1025623545

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"Industriemechanikerin: Als einzige Frau in der Werkstatt" (13. Dezember 2017)
Wenn meine Kollegen mir Handypornos zeigten, Frauen als "Schlitzpisser" bezeichneten und Witze über sie machten, lachte ich mit – um dazuzugehören. Dann reichte es mir.
http://www.zeit.de/arbeit/2017-12/industriemechanikerin-werkstatt-beruf-gleichberechtigung/komplettansicht
"Mein kläglicher Versuch, in einer Männerdomäne Fuß zu fassen"
https://editionf.com/Was-Frauen-in-Maennerdomaenen-erleben


"„Linke müssen erkennen, dass sie sich selbst ins Abseits gestellt haben“" (12.12.2017)
[Arlie Hochschild zog vom „progressiven“ Berkeley ins erzkonservative Louisiana. Ihr Buch „Fremd in ihrem Land“ dokumentiert eine gespaltene Gesellschaft und plädiert für eine Erneuerung der Linken.] ... Ich entwickelte in meiner Arbeit als Soziologin den Begriff der „Deep Story“ (zu Deutsch etwa „tiefe Erzählung“). Wir alle haben eine solche Erzählung, egal ob wir uns links, rechts oder in der Mitte des politischen Spektrums verorten. Was ist eine Deep Story? Es ist schlicht und einfach eine Darstellung, wie sich das Leben für jemanden anfühlt. Fakten und moralische Urteile haben hier nichts zu suchen, es geht um das subjektive Empfinden. Ich sprach mit insgesamt 60 Menschen, 40 davon waren überzeugte Tea-Party-Anhänger. Ich entwarf für sie eine Deep Story und fragte jeden einzelnen: „Stimmt das so?“ Manche baten mich, etwas zu ändern, damit es stimmte, aber die meisten meinten bloß: „Ja.“ ... Die Ehre dieser Menschen ist angeschlagen. Ihre Arbeit erfüllt sie nicht mehr mit Stolz, weil sie nicht mehr das ist, was sie einmal war. Daher suchten sie Stolz in ihrer Heimat: „Ich bin stolz darauf, ein Südstaatler zu sein.“ Durch das Internet wurde ihnen jedoch zunehmend bewusst, wie sie von anderen gesehen werden. Ihr Herkunftsort ist also auch kein Grund mehr, stolz zu sein. „Dann sind wir eben stolz darauf, Christen zu sein.“ In einer immer säkularen Welt wird Religiosität jedoch mit falschen Ansichten über die Evolution und anderen schlechten Sachen verbunden. Manche denken sich wohl: „Naja, wenigstens bin ich weiß“, aber das ist rassistisch und daher inakzeptabel. Also der Gedanke: „Wenigstens bin ich ein Mann.“ Aber auch das wird stigmatisiert. Das sind die Regeln, die heute bestimmen, was man fühlen darf. Vielleicht könnten Werte die Grundlage der persönlichen Ehre bilden? Doch auch das geht nicht. Viele traditionelle Werte stehen im Konflikt mit nationalen Gesetzen, die Abtreibung ist heute legal, und auch die gleichgeschlechtliche Ehe. Die Menschen fühlen sich also aus verschiedenen Gründen marginalisiert, es gibt keinen einzelnen, bestimmenden Faktor. Als Ergebnis zeichnet sich jedoch eine Krise der Ehre ab. Daher ist „US-Amerikaner sein“ plötzlich ungemein wichtig geworden. Der neue Nationalismus füllt ein Vakuum des Stolzes. ...
https://www.ruhrbarone.de/linke-muessen-erkennen-dass-sie-sich-selbst-ins-abseits-gestellt-haben/149955

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#MeToo ist ein Hashtag, das ab Oktober 2017 im Zuge des Weinstein-Skandals Verbreitung in den sozialen Netzwerken erfuhr, um Erfahrungen mit unangemessenem Verhalten – sexuelle Belästigung und Gewalt, aber nicht darauf beschränkt – zu teilen.
Das Hashtag geht auf die soziale Aktivistin Tarana Burke zurück und wurde durch die Schauspielerin Alyssa Milano populär, die Frauen ermutigte, es in ihren Tweets über eigens erlebte Erfahrungen zu verwenden, um auf die Weitläufigkeit sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe aufmerksam zu machen. Seitdem haben mehrere Millionen Frauen dieses Hashtag verwendet, darunter viele Berühmtheiten. ...
Kategorien: Gewalt gegen Frauen Internet-Phänomen Diskriminierung Feminismus Sexismus Sexualkriminalität Ereignis 2017 Wort des Jahres
https://de.wikipedia.org/wiki/MeToo


"Statt #MeToo: Für mehr Unverschämtheit zwischen Frauen und Männern" Thomas Pany (09. Januar 2018)
[Ein] Debattenbeitrag ist heute in Le Monde erschienen. Unter den hundert Frauen, die ihn unterzeichnet haben, wird die Schauspielerin Catherine Deneuve wohl den größten Bekanntheitsgrad in Deutschland haben. Von den anderen Unterzeichnerinnen ist möglicherweise die ein oder andere Schriftstellerin Interessierten hierzulande bekannt, wie z.B. Catherine Millet.
Auch eine deutsche Unterzeichnerin findet sich unter den Hundert: die Schauspielerin und Schriftstellerin Ingrid Caven. Eine frühere Pornodarstellerin, Brigitte Lahaie, ist dabei, die Chefin des recht eigensinnigen Magazins Le Causeur, Elisabeth Lévy ("Immer für Ärger gut"), und Peggy Sastre, eine Feministin, die über einiges Irritationspotential verfügt.
Die hundert Unterzeichnerinnen sind ein ungewöhnliches Kollektiv, die auch schon mit der Überschrift ihres Diskussionsbeitrags die Erwartung schüren, dass sie anderes als das Gewohnte sagen wollen. Um es auf ein kurzes, scharfes Kondensat zu bringen: Die Frauen treten für mehr Unverschämtheit in den Verhältnissen zwischen Männern und Frauen ein und weisen den "Männerhass" in bestimmten Teilen des Feminismus zurück. Sie attackieren einen Puritanismus, der sich dort eingenistet habe und Frauen wieder einmal eine Opferrolle zuweise.
"Wir verteidigen die Freiheit, aufdringlich zu sein, weil dies unabdingbar mit der sexuellen Freiheit verbunden ist", steht als Maxime in der Überschrift. Es ist eine zentrale Grundaussage, die im Text dann näher erläutert wird: Als Frauen erkennen wir uns in dem Feminismus nicht wieder, der über die Anprangerung des Machtmissbrauchs hinaus, das Gesicht eines Hasses der Männer und der Sexualität annimmt. Wir denken, dass die Freiheit, "nein" zu einem sexuellen Angebot zu sagen, nicht funktioniert ohne die Freiheit, jemandem lästig zu fallen. Wir betrachten die Sache so: Man muss wissen, wie man auf diese Freiheit, jemandem lästig zu fallen, antwortet oder reagiert, ohne dass man sich in die Rolle einer Beute oder eines Opfers verpuppt.   collectif de 100 femmes
Ganz offensichtlich geht es um Feinheiten, nicht um rohe Gewalt, aber doch um Unverschämtes und schließlich um ein Rollenverständnis. Die Schrift der Frauen geht mit dem ersten Satz unmissverständlich auf Abstand zur sexuellen Gewalt: "Die Vergewaltigung ist ein Verbrechen". Aber dem folgt unmittelbar anschließend im nächsten Satz eine Unterscheidung, die ihrer Meinung nach offensichtlich in der Debatte gesetzt werden muss: "Aber die Anmache oder das Anbaggern (i.O. la drague), das insistiert oder ungeschickt ist, ist kein Delikt wie auch die Galanterie keine machistische Aggression ist."
Viel hängt an den Begriffen, aber all zu viel Gewicht muss man ihnen auch nicht bemessen. Über die "Galanterie" ließe sich von Kulturkundigen vieles anführen und ich bin mir natürlich nicht sicher, ob weiter oben der Schlüsselbegriff "importuner" mit "aufdringlich sein" tatsächlich am besten widergegeben ist. Das Internetwörterbuch Leo hilft mit "jemandem lästig fallen", "zur Last fallen", aber auch "traktieren", "behelligen" oder nur "auf den Wecker gehen".
Worauf es ankommt, ist der Unterschied zur aggressiven sexuellen Belästigung, welche die Person, die bedrängt wird, in eine ganz andere Bedrängnis bringt als der "Aufdringliche". Der Debattenbeitrag der 100 Frauen impliziert, dass man sich dieser Unterschiede bewusst ist. Mit Worten auf dem Papier oder in einem Gesetzestext mag das nicht immer eindeutig zu klären sein, in der Situation selbst ist der Unterschied für jemanden, der ein Gespür für sein Gegenüber hat, sehr wohl deutlich.
Die feministische Debatte, so kritisiert das Kollektiv der 100 Frauen, führe zumindest in Teilen in die falsche Richtung, weil sie zu viel bestimmen will und mit Schuldzuweisungen arbeitet, die Frauen treffen, die mit bestimmten Rollenzuweisungen nicht einverstanden sind.
Die Affäre Weinstein habe sehr Wichtiges an den Tag gebracht, weil damit der Öffentlichkeit bewusst wurde, welcher sexuellen Gewalt Frauen in einem beruflichen Umfeld ausgesetzt sind, wo Männer ihre Macht missbrauchen. Diese Debatte sei notwendig gewesen, aber die damit verbundene "Befreiung der Worte" verkehre sich jetzt in sein Gegenteil.
Es gebe nämlich jetzt Anweisungen, was man sagen darf und worüber man schweigen solle. Wer sich nicht daran halte, werde gleich als Verräterin oder Komplizin betrachtet, Denunzierung und Schuldeinflüsterungen seien Gebot der Debatte, die sich als zutiefst puritanisch erweise und Frauen erneut an den "Status ewiger Opfer kette": "Kleine Sachen, die dem Zugriff dämonischer Phallokraten unterworfen sind".
Es sei ein wahres Jagdfieber ausgebrochen, das den Frauen nicht helfe. Es schicke die "Schweine zum Schlachthaus", aber es helfe den Frauen nicht dabei, autonom zu sein. Stattdessen werde den Interessen der Feinde der sexuellen Freiheit geholfen, den religiösen Extremisten, den schlimmsten Reaktionären und solchen, die meinen, in einer hochfahrenden Anschauung einer viktorianischen Moral und des substantiell Guten, dass Frauen Wesen seien wie keine anderen: "à part", "Kinder mit Erwachsenengesichtern, die fordern, dass sie beschützt werden".
Nicht zu übersehen ist, dass hier talentierte Polemikerinnen am Werk sind, die ihre Sache, die für mehr Frechheit und Unverschämtheit und die Geistesgegenwart der Frauen plädiert, gut vertreten. Ob ihre Aggressivität gegen die Korrektheit gut verstanden wird, wird man sehen. Jedenfalls setzte es schnell Kritik, wonach sich das Kollektiv "entsolidarisiert".
Anzumerken ist, dass es eine gute Portion Mut gebraucht hatte, Männer, die ihre Position ausnutzten, um sich sexuelle Dienste zu erpressen oder herbei zu korrumpieren, anzuzeigen.
https://www.heise.de/tp/features/Statt-MeToo-Fuer-mehr-Unverschaemtheit-zwischen-Frauen-und-Maennern-3937514.html?seite=all

"Nach #MeToo: Catherine Deneuve und andere fordern "Freiheit zu belästigen"" (APA, 9.1.2017)
Paris – In der Diskussion um sexuelle Übergriffe haben die französische Schauspielerin Catherine Deneuve und andere Prominente eine "Freiheit zu belästigen" eingefordert. Die aktuelle "Denunziations-Kampagne" gegen Männer spiele nur Moralaposteln und religiösen Extremisten in die Hände, heißt es in einem von rund 100 Frauen unterschriebenen offenen Brief, der in der Zeitung "Le Monde" am Mittwoch erscheint.
"Vergewaltigung ist ein Verbrechen", heißt es in dem Text. "Aber eine beharrliche oder ungeschickte Anmache ist nicht strafbar." Heute würden Männer "zur Kündigung gezwungen, deren einziges Vergehen es ist, ein Knie berührt oder einen Kuss erhascht zu haben". Die "Freiheit zu belästigen" sei "unerlässlich für die sexuelle Freiheit".
... In Frankreich sorgen die Vorwürfe gegen den ehemaligen Film- und Fernsehmogul Harvey Weinstein in den USA für große Aufmerksamkeit. Unter dem Hashtag #balancetonporc (Verpfeif' das Schwein) berichteten im Kurzbotschaftendienst Twitter tausende Frauen über Belästigung oder Missbrauch – ähnlich wie in den USA unter dem Schlagwort #MeToo (Ich auch).
https://derstandard.at/2000071793539/Catherine-Deneuve-und-andere-werben-fuer-Freiheit-zu-belaestigen

« Last Edit: January 10, 2018, 10:03:02 AM by Link »

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« Reply #67 on: January 11, 2018, 11:50:38 AM »
"#MeToo-Debatte in Frankreich - Frau Deneuve sagt „Pas comme ça“"
Catherine Deneuve und 110 weitere Französinnen wenden sich öffentlich gegen die #MeToo-Debatte. Sie ernten Kritik von Feministinnen. ... Unfassbar und inakzeptabel finden eine solche „Banalisierung der sexuellen Gewalt“ dreißig bekannte Vertreterinnen der französischen Frauenbewegung in ihrer Antwort. Ihre Replik ist besonders scharf, weil sie den Verfasserinnen des Briefs in Le Monde vorwerfen, mit ihrer Haltung sexuelle Aggressionen nicht nur zu dulden, sondern auch noch im Namen einer sexuellen Freiheit zu verherrlichen: „Die Schweine und ihre Verbündeten haben allen Grund zur Sorge. Ihre alte Welt ist am Zusammenbrechen.“ Aber vielleicht hätten Deneuve und die anderen einfach nicht begriffen, „was jetzt passiert“. Wie schon im Fall des (mehrerer Vergewaltigungen beschuldigten) Filmregisseurs Roman Polanski sei ihre Nachsicht völlig fehl am Platz. „Mit ihrem Text wollen sie den bleiernen Deckel, den wir zu heben begonnen haben, wieder schließen. Doch das wird ihnen nicht gelingen“, meinen die Feministinnen, die überzeugt sind, dass seit Weinstein auch in Frankreich eine grundlegende Änderung der Mentalitäten im Gange sei.
„Das ist ein Text, der es rechtfertigt, Frauen zu belästigen und Feministinnen zu beleidigen“, meint dazu heute die Feministin Caroline De Haas. Die ehemalige Ministerin für Frauenrechte, Laurence Rossignol, kritisiert eine ihrer Meinung nach „eigenartige Angst (gewisser Frauen), ohne den Blick und die Lust der Männer nicht existieren zu können. Das geht so weit, dass an sich intelligente Frauen solche Eseleien verfassen.“
Die frühere sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal hat auf Twitter geschrieben: „Schade, dass unsere große Catherine Deneuve sich an einem derart konsternierenden Text beteiligt.“
Deneuve ist in Frankreich bekannt dafür, dass sie sich immer wieder für die Rechte der Frauen und andere fortschrittliche Anliegen öffentlich engagiert. Dass sie nun aber einen offenen Brief mitunterzeichnet, der nach Ansicht zahlreicher Feministinnen der Verteidigung der Frauen gegen sexuelle Gewalt in den Rücken fällt, hat viele überrascht oder enttäuscht. Die Frauenrechtsorganisation Osez le féminisme ruft in diesem Zusammenhang in Erinnerung, dass in Frankreich „eine von sechs Frauen im Verlauf ihres Lebens attackiert oder vergewaltigt wird“.
Das würde bestimmt auch Catherine Deneuve nicht infrage stellen. Ihr Anliegen, die sexuelle Freiheit gegen reaktionäre Bestrebungen zu verteidigen, die alles Intime unter dem Mantel des moralisch Korrekten pauschal und öffentlich anprangern, erscheint legitim. Doch der Text, den sie mitunterzeichnet hat, zielt an diesem Zweck vorbei.
Nicht alles aber ist „Eselei“ darin. Man versteht zum Teil ihre Motivation, wenn die Mitunterzeichnerin Sophie de Menthon, die Sprecherin des Unternehmerinnenklubs Ethic, sagt, sie wolle nicht, dass es so weit komme, dass in Firmen Männer bei Gesprächen mit Kolleginnen oder Besucherinnen aus Angst vor möglichen Verdächtigungen die Bürotüre offen lassen müssten. Die Debatte, wie weit die Anprangerung der mutmaßlichen „Schweine“ gehen soll oder wo im Gegenteil eine sexuell freizügige Lebensart infrage gestellt wird, hat mit dieser Polemik in Form eines Schlagabtauschs in Le Monde wohl erst begonnen. ...
https://www.taz.de/MeToo-Debatte-in-Frankreich/!5474061/

Quote
e1000 11.01.2018, 07:38

Die deutsche Sprache hat durchaus ein Äquivalent zu "draguer" : "anbaggern", mit derselben Ambivalenz : man will immer nur von den oder der richtigen angebaggert werden (und dann sagt man "flirt")...

Ich habe gestern den Artikel im Original gelesen und fand ihn sehr ausgewogen.
Insbesondere wird dort der unterschwellige Puritanismus mancher Tendenzen von #Mee-to kritisiert, was ich sehr interessant fand. Leider wurde dies vom Autor des Artikels hier unterschlagen.

Es wird auch in keinster Weise ein "gewisses Verständnis für die Grapscher [...] zum Ausdruck gebracht", sondern die Opfer-Rolle kritisiert.

Schade, dass der Autor die Dummheit von Segolène Royal vergisst oder ignoriert ;-)


Quote
rero 10.01.2018, 23:54

Sie müssen aber zugeben, dass frau in Frankreich Feminismus und weibliches Selbstbewusstsein unter Umständen deutlich anders versteht als in Deutschland oder dem angloamerikanischen Raum.

    Rolf B.
    11.01.2018, 00:09

    @rero Ich befürchte, dass man/frau sich das bei uns nicht vorstellen kann.


Quote
Jörg Engelhardt 10.01.2018, 22:53

Die Frauen, die in den Pariser Vorortzügen aufs ärgste täglich belästig werden haben nicht die Chance, wie Catherine Deneuve im Taxi oder mit Uber durch Paris zu fahren. Hier spielt nicht nur die Arroganz der feministischen Bourgeoisie de la Rive Gauche eine Rolle, sondern auch die völlige Unwissenheit darüber, wie es den Frauen aus dem Volke geht, denn Cathérine Dorlèac ist auch in ihren zarten Jugendjahren nie über den boulevard périphérique hinausgekommen. Elle me donne des boutons.


Quote
Khaled Chaabouté 11.01.2018, 07:13

@Jörg Engelhardt Wer von den täglichen argen Belästigungen in den Pariser Vorortzügen anfängt (Schon mal im Ruhrgebiet, z.B. zwischen Duisburg und Gelsenkirchen in der Regionalbahn unterwegs gewesen?) kann auch gleich den Bogen zur Kölner Silvesternacht ziehen, argumentiert ergo islamophob.

… und wer über Menschen ablästert, die nie über die Péripherique hinausgekommen sind, sollte vielleicht erst einmal seine eigene inzestöse Bubble im gentrifizierten Szene-Trendkiez verlassen.


Quote
Wolf Haberer 10.01.2018, 23:50

.... Jeanne Moreau .... was hätte sie wohl zu all dem gesagt?

Quote
Frau Kirschgrün 10.01.2018, 20:41

Die Frauen, die Angst davor haben, "nie wieder von einem Mann angeschaut zu werden oder mit ihnen zu flirten", kann ich beruhigen, denn Männer lassen sich ja nicht einmal von Gesetzen davon abhalten, Frauen sogar zu belästigen/zu vergewaltigen.

Frau Deneuve, das war eine große Enttäuschung für mich, dass Sie sich vor den Frauen verachtenden Karren spannen lassen.
#Metoo war, ist und bleibt wichtig, denn es dürfte jeder und sogar jedem klar sein, dass wir in einer patriarchalen Gesellschaft leben, in der es nicht gerade oberstes Ziel der Männer ist, Frauen auf Augenhöhe zu behandeln oder auch nur zu respektieren.

Frau Deneuve dürfte auch über einen so hohen natürlichen Abstands-Effekt verfügen (wer traut sich eine Grand Dame wie Frau Deneuve schon mies anzubaggern), dass sie die falsche Frau sein dürfte, den Männern in zweifelhafter Weise zur Seite zu springen.

Und: Metoo.


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Kalle Verban 10.01.2018, 21:18

@Frau Kirschgrün Als Cis-Mann ärgere ich mich zunehmend darüber, einer Verallgemeinerung zum Opfer zu fallen, die leider auch im Zuge der #metoo-Debatte allzu häufig Anwendung findet: Zitat "...in der es nicht gerade oberstes Ziel der Männer ist, Frauen auf Augenhöhe zu behandeln oder auch nur zu respektieren."

Ich stimme zu, dass wir in unserer Gesellschaft noch immer patriarchale Strukturen haben, die dringend eines Wandels bedürfen - zum Beipsiel auch durch die #metoo-Debatte oder ähnliche Diskurse.
Aber auch im Rahmen dieser Auseinandersetzung halte ich es für unabdinglich, die Täter (bei sexualisierter Gewalt) oder die Vordenker und Bewahrer patriarchaler Gedanken zu benennen! Die Trennung vollzieht sich hier eben nicht am biologischen Geschlecht (Frauen = Opfer, Männer = Täter und Bewahrer des Patriachats).

Es gibt nicht wenige Männer, die die Gleichberechtigung aller Geschlechter längst verinnerlicht haben und es gibt ebenso Frauen, die durch Äußerungen und Handlungen patriarchale Strukturen unterstützen.


...

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"Pro und Contra zu Catherine Deneuve - #metoo? Non, merci!" Patricia Hecht, Jahrgang 1979 (11.1.2018)
Die französische Schauspielerin sieht die Kultur des Flirts durch die feministische Debatte bedroht. Hat sie einen Punkt? ... Die Unterzeichnerinnen gerieren sich als Hüterinnen des Patriarchats. Aber das hat ihre Unterstützung gar nicht nötig, es wehrt sich schon ganz gut selbst. Der Begriff von „Freiheit“ ist bizarr verdreht: Nur das „lästig werden“ rette die sexuelle Freiheit, nur das Stillschweigen und Hinhalten der Frauen also die offene Gesellschaft. Noch mal kurz zurück zum Urschleim: Bei #MeToo geht es weder um Sex noch ums Flirten, sondern um Sexismus, sexuelle Gewalt und den Missbrauch von Macht. Freiheit wäre an dieser Stelle, wenn sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch so geächtet wären, dass wir #MeToo nicht bräuchten. ...
https://www.taz.de/Pro-und-Contra-zu-Catherine-Deneuve/!5476450/


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« Reply #68 on: January 11, 2018, 02:45:23 PM »
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[...] Erfüllender Sex ist nur möglich auf Augenhöhe und ohne Ungerechtigkeiten drumherum. Das sollte jedem einleuchten.


Aus: "Untervögelt oder unterbelichtet?" Gastbeitrag (3. Dezember 2017)
Quelle: https://diestoerenfriedas.de/untervoegelt-oder-unterbelichtet/

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[...] Der inflationäre Gebrauch von Wörtern tut ihren Bedeutungen selten gut. “Depression” und “Rassismus” sind zwei gute Beispiele dafür, die Liste ist erweiterbar. “Vergewaltigung” ist auf dem besten Weg, zu einem Buzzword zu verkommen – dank #metoo und aktuell dem New Yorker Artikel “Cat Person”.

“Machst du noch dieses Feminismus Ding?”, fragte mich mein Onkel letztens am Telefon. Ich druckste ein bisschen herum und sagte dann: “Ne, irgendwie nicht.” “Ist was passiert?”, wollte er wissen und über diese Frage dachte ich noch nach, als ich mir heute morgen die Zähne putzte.

Ja. Es ist etwas passiert. Es begann mit der #metoo Debatte. Erst freute ich mich. Schon vor Monaten stellte ich mir vor, was passieren würde, wenn alle, die sexuelle Gewalt erlebt hatten, das auf ihren Profil teilen, was für ein eindrucksvoller Beweis geschlechtlicher Unterdrückung und der diametralen Gewalt zwischen Männern und Frauen es wäre, das auf diese Weise sichtbar zu machen.

Dann kam #metoo und ich fühlte: gar nichts. Ich las auf Twitter und da regte sich nichts. Reiche, wohlhabende Frauen mit großer Zuhörerschaft schrieben über ihre Erlebnisse mit mächtigen, weißen Männern. Mächtige Wellen von Solidarität und Mitgefühl wogten durch die sozialen Netzwerke. Der Reihe nach bekannten sich unter meinen Kontakten auf Facebook, Twitter und sonst wo Frauen dazu, Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. Oder, warte mal – war es nicht doch anders? Ja, viele berichteten wirklich von sexueller Gewalt und ich kann nur erahnen, wie viel Mut sie das gekostet hat. Dann fragte ich mich – warum machst du das nicht auch? Ich konnte nicht. Ich sprach mit anderen und es stellte sich heraus, dass es ihnen ähnlich ging. In den geposteten Beiträgen ging es nämlich zu großen Teilen um unerwünschte Berührungen, sexuelle Belästigung, psychische Gewalt, es ging aber auch oft um Sexismus und gescheiterte Beziehungen und One Night Stands. Als ginge ein Virus um, schrieb eine nach der anderen von ihrem persönlichen #metoo Erlebnis und alle bekundeten einander fleißig Anteilnahme. “Mein Freund war immer gemein zu mir. #metoo”. “Er nannte mich Schlampe beim Sex. #metoo”. Betroffene sexueller Gewalt zu sein, wurde in den letzten Wochen und Monaten trendy, en vogue und chic. Alle versicherten einander, dass die jeweils andere ihre “Heldin” sei und hoben sich wechselseitig auf ein Podest.

Wer nicht schrieb, wer nicht laut wurde, das waren die, die es nicht können. Nicht können, weil es ihnen schaden würde, weil sie noch in der Beziehung mit dem Täter stecken, Kinder mit ihm haben, weil sie ihren Job verlieren würden oder schlimmer noch: Weil niemand mehr je etwas anderes in ihnen sehen würde, als eine, die vergewaltigt wurde, einen Scherbenhaufen. Da besteht nämlich ein Unterschied. Sexuelle Belästigung ist grenzüberschreitend – und lästig. Sie ist permanenter Ausdruck dessen, dass wir Frauen nicht gleichberechtigt sind, sondern vor allem Objekte. Das anzuprangern, ist richtig. Es Vergewaltigung zu nennen, nicht. Denn das relativiert den Schmerz, den all die Frauen aushalten müssen, die wirklich vergewaltigt wurden. Ja, ich schreibe das. Wirklich. Wirklich im Sinne von: überwältigt, hilflos, gezwungen. Wer dir an das Knie fasst, zwingt dir seine Nähe auf. Das ist etwas ganz anderes, als sich unter Gewalt IN DEINEN Körper zu zwingen. Vergewaltigung bedeutet, dass der Täter dein Leben bedroht, dich schwer verletzt, jede deiner Grenzen mit purer Gewalt einreißt, um sich deines Körpers auf brutalste Weise zu bedienen und damit rechnen kann, davon zu kommen. Die Integretität deines Körpers, deiner Persönlichkeit wird aufgehoben, zurück bleibt ein Scherbenhaufen. Sexuelle Belästigung ist nicht gleich Vergewaltigung. Das zu relativieren, heißt, die Opfer sexueller Gewalt zu verhöhnen, zu relativieren, was sie erlitten haben. “Das haben wir doch alle schon erlebt, warum stellst du dich so an?”, heißt es dann. Wenn alle Begriffe, die wir haben, um sexuelle Gewalt  zu erklären, bereits für ungewollte Berührungen draufgehen, wie sollen wir sie dann noch steigern? Was bleibt dann für die echten Opfer, welche Begriffe können sie dann noch benutzen, um klar zu machen, warum sie ein Scherbenhaufen sind?

Der Gipfel des neuen Vergewaltigungstrend ist der New Yorker Artikel “Cat Person”, in dem eine junge Frau von ihrer misslungenen Interaktion mit einem älteren Mann erzählt. Der Typ ist alt, dick und ignorant. Sie initiiert den Sex mit ihm, doch als er loslegt, ist es ganz furchtbar. Sie tut nichts, lässt sich nach eigenen Beschreibungen herumschleudern wie eine Puppe. Dann geht sie, er ist gekränkt und nennt sie später Hure. Was für ein Arschloch! Ja, ist er. Er ist ein Sexist und misogyn. Aber er ist kein Vergewaltiger! Was sie beschreibt ist keine Vergewaltigung, es ist schlechter Sex. Über den muss sie sich nicht wundern – sie hätte diese Interaktion ja selbst gestalten und steuern oder beenden können. Hat sie nicht. Warum? Weil sie ihn nicht verletzen wollte oder den Erwartungen entsprechen. Weil sie es nicht besser wusste. Es ist schlimm, dass sie so denkt. Es zeigt, wie wir Frauen in unsere Unterdrückung hineinsozialisiert werden. Es ist aber keine Vergewaltigung und es ist auch nicht die Schuld des Mannes, mit dem sie interagiert hat. Menschen begegnen sich und manchmal fühlt der eine was, was der andere nicht fühlt, manchmal schläft man trotzdem oder gerade deswegen miteinander und so richtig gut fühlt man sich danach nicht. Warum das so ist, welche Ideen da in unseren Köpfen spuken und warum wir nicht vorher erkennen, dass wir auf den Typ nicht können, das muss man sich in der Tat anschauen. Aber nicht unter der Überschrift “Vergewaltigung”. Die gehört denen, die in die Sprachlosigkeit und Unsichtbarkeit verdrängt werden – ja, auch von euch, wenn ihr Vergewaltigung inflationär einsetzt. Das Wort nutzt sich ab, es verliert die Heftigkeit seiner Aussage und dahinter verschwinden auch die Taten.

Vor knapp einem Jahr haben wir gemeinsam darum gekämpft, dass die Sprache über sexuelle Gewalt nicht verharmlost werden darf. Opfer muss Opfer heißen dürfen, Täter als solche benannt werden. Und nun, noch nicht einmal 12 Monate später, wird “Vergewaltigung” zum populärsten Buzzword unter Feministinnen. Total beliebig. “Der Typ hat mich angerempelt. Vergewaltigung!” – “Der Bus ist weg – Vergewaltigung!” –  dieses ständige Behaupten, alle möglichen Situationen seien Vergewaltigung, die es per Definition nicht sind, ist ein Schlag in das Gesicht all jener, die wirklich mal in der Situation waren, eine Vergewaltigung ertragen zu müssen. Es ist eine unerträgliche Verharmlosung und es spielt dem Patriarchat direkt in die Karten: Wenn alles Vergewaltigung ist, dann ist gar nichts mehr Vergewaltigung, dann muss man die, die beispielsweise eine anzeigen, nicht mehr ernst nehmen. Diese Unschärfe ist ein Ausdruck unfassbarer Ignoranz gegenüber den Betroffenen und zeugt davon, dass sich der Feminismus eben auch in seiner eigenen Bubble bewegt. Wer zum Club dazu gehört, muss was vorweisen. Da ist das Label “vergewaltigt” super schick, hipsteresk fast. Gibt es schon T-Shirts mit #metoo? Taschen? Oder müssen wir jetzt in den folgenden Wochen lauter “Cat Person” follow ups lesen, in denen Frauen darüber berichten, dass Sex manchmal richtig mies ist und Männer Bäuche haben. Bärte auch. Diese Ungeheuer! Diese Tiere! Damit wird alles zunichte gemacht, was in langen Debatten und Analyse erkämpft worden ist, was bleibt sind Hashtags und Überschriften und eine sich ständig ihrer selbst vergewissernden Community, die nichts, aber auch gar nichts mehr dafür tut, dass sich an den Umständen etwas ändert. Der Grund liegt nahe: Wer braucht schon Feminismus, wenn sie ihn nicht als Label, sondern als Aufgabe auffasst? “Es gibt keinen Anspruch auf Sex” ist so ein Credo unserer Bewegung. Das bedeutet auch, es gibt keinen Anspruch auf guten Sex. Auch nicht für uns Frauen. So zu tun, als sei deshalb jeder Mann ein Vergewaltiger und jeder Sex, der unseren Erwartungen nicht entspricht, Vergewaltigung, bestätigt auf absurde Weise die Zerrbilder, die Antifeministen über Feministinnen verbreiten. Bitte, hört damit auf!

 Kategorie Feminismus

Schlagwörter #catperson, #metoo, Cat Person, sexuelle Gewalt, vergewaltigung

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Yvonne
14. Dezember 2017

Ja, sehe ich auch so.
Nur, ….die Übergänge sind halt manchmal fliessend, was es oft so schwierig macht mit der Definition. Sowohl für Frauen, Männer sowieso und auch Richter. Aber ohne diese Unterscheidung in miesen (halb-ungewollten) Sex und Vergewaltigung (inkl. Todesangst) wird tatsächlich alles verwässert, was zur Bagatellisierung aller wirklichen Vergewaltigungen führt.


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abgenervt
18. Dezember 2017

Ich verstehe den Zorn, der entsteht, wenn das verwechselt wird. Ich wurde vergewaltigt – ganz legal übrigens. Und es hat mich auch schon oft wütend gemacht, wenn…

Aber das hat sich – auch durch mein Erleben – ein bisschen geändert. Zwei Erlebnisse waren dafür ausschlaggebend.
Eines, was ich selbst erlebt habe, eines, was einer anderen Frau widerfahren ist.

Beides waren keine Vergewaltigungen. Es waren sexuelle Grenzüberschreitungen, die massiv waren.

Die, die mich betroffen hat, hat mich mehr getroffen und verletzt als die Vergewaltigung. Sie hat in mir etwas anderes zerstört als das, was die Vergewaltigung zerstört hat. Irgendwie war ich auf die mehr vorbereitet, so gruselig das auch klingen mag.

Das andere war das Erlebnis einer anderen Frau, über das ich anfangs eher müde lächelte, weil ich dachte, dass ich wirklich viele Frauen kenne, die deutlich Schlimmeres erlebt haben.

Aber das, was sie erzählte, war so perfide, so grausam auf den zweiten Blick, dass ich mich wegen meines “müden Lächelns” plötzlich schämte und dachte, dass ich wohl aufgrund dessen, was mir selbst oder auch anderen mir nahen Frauen widerfahren ist, unnahbar und hart geworden bin für Leid, das weniger krass aussah. Aber nicht zwangsläufig auch war. Das wollte ich nicht…

Damit will ich keine Vergewaltigung kleinreden, nichts liegt mir ferner. Ich kenne viele Frauen, die das verständlicherweise nicht verkraften konnten. Selbst hatte ich das große Glück, an eine tolle Therapeutin zu gelangen. Manches wird nie mehr heile, aber wenn man sehr, sehr viel Glück hat und Unterstützung erhält, findet man Möglichkeiten, damit umzugehen. Irgendwie. Und das wünsche ich jeder Frau – viel, viel Glück und Unterstützung.


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Oh Falada
18. Dezember 2017

Ich finde den Artikel schwierig. Natürlich ist es nicht gut, alles durcheinander zu werfen. Aber auch ich habe schon beides erlebt: Vergewaltigung und das, was hier – in meinen Augen – etwas euphemistisch als schlechter Sex bezeichnet wird, als ebenso junge Frau wie die in Cat Person, mit eben der Angst und eben der Unfähigkeit, mich zu wehren. Die Übergänge sind so fließend, letztlich freue ich mich eher darüber, dass so viele Frauen den Mut finden, sich zu äußern. Der Aktion und mir nimmt es nichts, wenn manches schwerer wiegt als anderes. – Mir scheint, wir müssen dringend einmal über die Definition von schlechtem Sex reden und die Grenzen zu Missachtung, Übergriffigkeit, Machtausübung etc.


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Charybdis
28. Dezember 2017

Es kommt halt sehr darauf an warum der Sex schlecht ist. Wenn die Partner/innen es einfach nicht schaffen einander ihre Bedürfnisse zu kommunizieren ist es zwar momentan dumm gelaufen, aber das kann man ja lernen. Wenn die Ursache für den schlechten Sex die ist, dass der Mann das Huren-Madonnen-Syndrom im Kopf hat, und die Frauen dafür hasst, dass sie ihn sexuell erregen, ist es nicht mehr so harmlos. Weil da kann dann die Grenze zur sexualisierten Gewalt fliessend sein.


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Sarah Kim
3. Januar 2018

Es ist verletzend dass in dem Artikel Schadens-Kategorien errichtet werden, in dem das Leid und die Problematik nicht unter Todesangst vergewaltigter Frauen in Frage gestellt wird. Es wird in Frage gestellt, eigentlich angeprangert. Sehr überlegt und reflektiert werden verschiedene Verbrechen in Kotext zueinander gesetzt – es ist ein Verbrechen dass Mädchen und Frauen nicht darin erzogen werden und wurden Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen im positivstem Sinne- sexuelle Selbstbestimmung!- (Sozialisation), dass macht es aber nicht besser. Ich finde auch grade in den Kommentaren wird deutlich dass ein Dialog mit dieser Einstellung eröffnet wird, den die Queer community schon bitterlich ausfechten: Kategorisieren, Schutzräume entwerfen, Grenzen ziehen – nicht um eine Besserung für Diskriminierte herbei zu führen, sondern um ein Vorrecht auf Anerkennung heraus zuarbeiteten, das am Ende nichts, aber auch Garnichts hervor bringt. Ich glaube ich kann die Beweggründe der Autorin verstehen – für mich spiegelt sich in dem Artikel ein persönliches Erleben wieder, was keine angemessene Resonanz bekommt oder bekam. – Schlechter Sex, ist maximal langweilig, aber wenn Ängste entstehen, Hilflosigkeit, Missbrauch oder Vergewaltigung passiert, dann ist es kein schlechter Sex sondern erlebte Gewalt.


...


Aus: "Hört auf, Vergewaltigung mit schlechtem Sex gleichzusetzen!" Mira Sigel (14. Dezember 2017)
Quelle: https://diestoerenfriedas.de/hoert-auf-vergewaltigung-mit-schlechtem-sex-gleichzusetzen/


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« Reply #69 on: January 15, 2018, 10:01:23 AM »
"Gegenwind für "MeToo"-Kritikerinnen um Deneuve" (12.01.2018)
Die feministische Aktivistin Caroline de Haas hat gemeinsam mit 30 weiteren Frauen kritisch auf den offenen Brief in „Le Monde“ reagiert, in dem die Filmdiva Catherine Deneuve und hundert weitere Französinnen das Recht der Männer auf Aufdringlichkeit verteidigten. Die Gegenreaktion auf die Kritik an den „MeToo“-Kampagnen infolge des Weinstein-Skandals fällt prompt und heftig aus – auch Politikerinnen äußerten sich. In der französischen Filmwelt hingegen herrscht weiter großes Schweigen.
„Wenn die Gleichheit vorankommt, und sei es nur einen halben Millimeter, dann warnen gute Seelen gleich davor, dass es zum Exzess kommen könnte,“ heißt es in dem auf „Franceinfo“ veröffentlichten Gegentext. Die Autorinnen bedauern, dass Deneuve und Co. sexuelle Gewalt banalisieren und wieder einen „bleiernen Schleier“ über die sexualisierte Gewalt legen, den die Weinstein-Affäre gerade erst gelüftet habe.
... Die ehemalige Frauenministerin Laurence Rossignol von den Sozialisten nennt den offenen Brief eine „Ohrfeige für alle Frauen, die sexuelle Übergriffe melden“. Zustimmung erhalten Deneuve und die anderen Unterzeichnerinnen hingegen von der konservativen Europaabgeordneten und ehemaligen Familienministerin Nadine Morano. Sie könne die Erklärung nur unterschreiben, sagt sie, Hashtags wie „MeToo“ hält sie als „ Aufruf zur Denunzierung in den sozialen Netzwerken“ für skandalös.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/sexismus-debatte-gegenwind-fuer-metoo-kritikerinnen-um-deneuve/20838056.html

"Catherine Deneuve entschuldigt sich bei Opfern sexueller Gewalt" (15.01.2018)
Filmstar Catherine Deneuve (74) hat sich nach ihrer umstrittenen Kritik an Folgen der #MeToo-Debatte bei den Opfern sexueller Gewalt persönlich entschuldigt. In einem am Sonntagabend erschienenen Beitrag der Zeitung „Liberation“ wandte sie sich direkt an die Opfer und versuchte, einen kritischen Text aus der Vorwoche zu relativieren: „Ich grüße alle Opfer dieser verabscheuungswürdigen Taten, die sich durch den Artikel in „Le Monde“ beleidigt fühlen, ihnen und ihnen allein biete ich meine Entschuldigung an.“ Sie hielt allerdings an dem ursprünglichen Beitrag fest, der ihrer Ansicht nach „nicht enthält, dass Belästigung gut ist, sonst hätte ich den Text nicht unterschrieben“.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/metoo-debatte-catherine-deneuve-entschuldigt-sich-bei-opfern-sexueller-gewalt/20846722.html

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    [...] Wer bei Prostituierten davon spricht, dass sie „ihren Körper verkauften“, aber genau die gleichen, dort genau so zutreffenden Worte vermeidet, wenn es um andere, meist männliche Arbeiter (wie etwa Bauhelfer, Lagerarbeiter, Paketboten, Gebäudereiniger, Bergleute oder Fernfahrer) geht, belegt im Spiegel dieses seines Sprechens, dass sein Blick auf die Arbeit von seiner anachronistisch-moralistischen Sicht der Sexualität getrübt ist. Die „politische Analyse“ eines so sprechenden Menschen ist nichts weiter als eine Larve der restriktionsbereiten Prüderie; das nur zum Schein politisch formulierte Programm besteht in einer weiteren Verschiebung der zwangsneurotischen Sexualunterdrückung bei gleichzeitigem Aufrechterhalt aller anderen Strukturen der Unfreiheit und kapitalistischen Knechtschaft des größten Teiles der Menschen.



Aus: "Im Spiegelbild des angeprangerten Körperverkaufes" Dunkle Gedanken by Nachtwaechter (3. Februar 2018)
Quelle: https://tamagothi.wordpress.com/2018/02/03/im-spiegelbild-des-angeprangerten-koerperverkaufes/
« Last Edit: February 13, 2018, 04:56:48 PM by Link »

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« Reply #70 on: March 15, 2018, 02:10:28 PM »
Slavoj Zizek sieht in der NZZ Parallelen zwischen einigen Ausprägungen des Feminismus und islamischen Fundamentalisten: Beide betrachten den Mann als Herren der Schöpfung, wie Zizek am Beispiel Monica Lewinsky, die laut eigener Zeugenaussage aus den Neunzigern das sexuelle Verhältnis zu Bill Clinton selbst initiierte, ihm später jedoch "Machtmissbrauch" vorwarf, nachzuweisen versucht: "Wenn sie behauptet, dass er es als älterer, erfahrener Mann hätte 'besser wissen' müssen und ihre Avancen hätte zurückweisen sollen - bleibt da nicht etwas Scheinheiliges in der selbst zugewiesenen Rolle eines Opfers? Muslimische Fundamentalisten argumentieren genau gleich, nur mit vertauschten Rollen: Einen Mann, der eine Frau misshandelt hat, trifft keine Schuld, weil er insgeheim von dieser verführt wurde."
https://www.perlentaucher.de/9punkt/2018-03-09.html

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[...] Lubitsch-Heldinnen sind, Jahrzehnte vor der Women’s-Liberation-Bewegung, komplett emanzipiert. „Die weibliche sexuelle Befreiung ist mehr als der Rückzug vom zum Objekt für Männer Gemachtwerden“, definiert Žižek. „Es ist das Recht, sich aktiv selbst zum Objekt zu machen, damit zu spielen und sich jederzeit davon wieder zurückzuziehen – selbst wenn das vorher gegebenen ,Signalen‘ widersprechen sollte.“

Der Aufstieg der politischen Korrektheit und der Anstieg von Gewalt seien zwei Seiten derselben Münze, denn: Die Grundlage der Korrektheit sei die Reduzierung von Sexualität auf gegenseitiges Einverständnis per Vertrag. „Die einzige Form einer sexuellen Beziehung, welche die Korrektheitskriterien vollständig erfüllt“, giftet Žižek, „wäre ein Kontrakt wie zwischen den Partnern einer sadomasochistischen Beziehung“. In solchen Formen konsensualer Sklaverei führe sich die Vertragsfreiheit ad absurdum: „Die Teilnahme am Sklavenhandel wird zur ultimativen Behauptung von Freiheit.“

Lubitsch wäre ob eines solchen Zustands des Zwischenmenschlichen entsetzt gewesen, der strikten Verrechtlichung wegen, nicht wegen der Abweichung von der bürgerlichen Moral. Zum Beispiel gibt es bei ihm nicht die übliche Hollywoodwahl, dass man nur entweder Liebe oder Sex haben kann. Und für den Sex braucht es nicht nur keine Heiratsurkunde, selbst lieben müssen sich die Sexhabenden nicht, wie 1932 in „Ärger im Paradies“. Ein Jahr später, in „Serenade zu dritt“, stellt Lubitsch die herrschende Moral vollends auf den Kopf: Die Künstlerin Gilda lebt in einer stabilen Ménage-à-trois mit George und Thomas, versucht es dann mit einem gefährlichen Experiment, mit Monogamie – und kehrt reuevoll ins Dreiernest zurück.

Zum Schluss imaginiert Žižek eine leicht veränderte Szene aus Lubitschs „Der Himmel kann warten“, wo ein Lebemann in die Hölle kommt und vom Teufel verhört wird. Der Lebemann gesteht viele kleine Sünden, doch der Teufel bedauert, das reiche nicht für eine Aufnahme bei ihm, er solle sich im Himmel bewerben.

„Stellen wir uns eine Szene vor, in der Lubitsch von einem bolschewistischen Kommissar verhört wird, wie Greta Garbo in ,Ninotschka‘, der entscheiden muss, ob Lubitsch in den Gulag kommt.“ Weil er wisse, wie das ablaufe, spinnt Žižek die Geschichte weiter, gestehe Lubitsch eine Menge kleinbürgerlicher Sünden, bis der Kommissar abwinke und ihm einen Posten in der Hierarchie der kommunistischen Partei zuweise.

Und nun, als Schlussgag, zieht Žižek eine Parallele zwischen Lubitsch und Lenin. Letzterer habe bekanntlich Stalin als seinen Nachfolger zu verhindern versucht; der sei zu grob, eine Schwäche, die ihn als Generalsekretär untauglich mache.

Dieses Wertlegen auf Höflichkeit, Schicklichkeit und Humor sei ein Wesensmerkmal des Lubitsch-Touches – und des untergegangenen konservativen Bürgertums. Vulgäre Wortwahl sei heute ein fast ausschließliches Vorrecht der radikalen Rechten, „und die Linke findet sich in der sie überraschenden Position eines Verteidigers anständiger öffentlicher Manieren wieder.“ Wenigstens dieses hätte Lubitsch am Heute gefallen.


Aus: "Was Ernst Lubitsch von #MeToo halten würde" Hanns-Georg Rodek (29.01.2018)
Quelle: https://www.welt.de/kultur/kino/article172938257/Deutsche-Regielegende-Was-Ernst-Lubitsch-von-MeToo-halten-wuerde.html

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[...] Die amerikanische Philosophin und Gender-Theoretikerin Judith Butler wirkte jüngst an einer Konferenz in São Paulo mit. Darin ging es um die Krise der Demokratie, nicht um Gender. Dennoch versammelte sich eine Menge konservativer Zeitgenossen ausserhalb des Veranstaltungsorts. Sie zündeten ein Bild Butlers an und brüllten: «Verbrennt die Hexe!» Die Szene versinnbildlicht aufs Trefflichste, dass sexuelle Unterschiede heutzutage auf zwei gegensätzliche Weisen politisch aufgeladen werden: Es gibt den militanten Einsatz für die Verflüssigung der Geschlechteridentität, und es gibt den neokonservativen Gegenstoss.

Der Kapitalismus entfaltet seine ganze Wucht. Die berühmte Beschreibung der kapitalistischen Dynamik im «Kommunistischen Manifest» sollte darum um das Sexuelle ergänzt werden. Auch in diesem Bereich wird die «Einseitigkeit und Beschränktheit mehr und mehr» aufgegeben, auch hier verhält es sich so, dass «alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige entweiht wird». Der gute alte Standard männlicher Dominanz wird durch die Ausbreitung wechselnder sexueller Identitäten und Orientierungen bedroht.

Dabei ist das Abfeiern von «Minderheiten» und «Benachteiligten» längst zur vorherrschenden Mehrheitsposition geworden: Selbst die Anhänger der Alt-Right-Bewegung, die sich über den Terror linksliberaler Political Correctness beschweren, stellen sich mittlerweile als Beschützer einer bedrohten Minderheit dar. Das übersehen die progressiven Kulturtheoretiker, die das Patriarchat kritisieren, ohne dessen Funktionieren zu begreifen.

Den Todesstoss könnten dem bis heute anhaltenden Patriarchat nun die Frauen versetzen, jene Frauen, die massiv in die Öffentlichkeit drängen. Sie berichten unter #MeToo offen von ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt von Männern. Was hier geschieht, ist womöglich ein Epochenwandel, ein grosses Erwachen, ein neues Kapitel in der Geschichte des menschlichen Zusammenlebens.

Was sich dabei herauskristallisiert, ist etwas, das wir, zumindest unterschwellig, all die Zeit über wussten. Wir wollten es nur nicht offen aussprechen: Es gibt Hunderte Arten, Frauen sexuell auszunutzen. Frauen bringen jetzt die dunkle Kehrseite unserer öffentlichen Behauptungen von Gleichheit und gegenseitigem Respekt ans Tageslicht. Dadurch sehen wir uns plötzlich mit der Einsicht konfrontiert, wie heuchlerisch und einseitig unsere in Mode gekommene Kritik an der Unterdrückung der Frauen in muslimischen Ländern war und ist: Nun müssen wir uns der eigenen Realität von Unterdrückung und Ausbeutung stellen.

Sollten wir also tatsächlich in einer Umwälzungsphase sein, wie ich glaube, wird der Prozess auch diesmal nicht ohne zahlreiche Ungerechtigkeiten und Ironie vonstattengehen. Doch sollte uns all dies nicht vom Wesentlichen ablenken. Fragen wir uns, worauf all dies hinauslaufen wird, was wir gewinnen und verlieren werden.

Erstens: Sexualität, Macht und Gewalt sind viel stärker miteinander verflochten, als wir es uns in unserer Schonzivilisation einzugestehen pflegen. Zweitens scheint mir wichtig, dass die anhaltende Explosion nicht auf die Reichen und Schönen beschränkt bleibt, sondern im Alltagsleben gewöhnlicher unsichtbarer Menschen ankommt. Und schliesslich sollte dieses Erwachen mit den politischen und ökonomischen Kämpfen verbunden werden – es darf nicht wieder von den Mächtigen und Reichen angeeignet werden, nach dem Motto: Wir geloben Besserung, aber lasst uns weiterwursteln wie bisher. Denken wir bei dieser Gelegenheit nur daran, wie viele der entlarvten Sexisten die Leute zu besänftigen suchten, indem sie versicherten, sich therapieren zu lassen. Ihr Handeln war jedoch kein Fall von privater Pathologie, sondern Ausdruck der vorherrschenden patriarchalischen Ideologie und Machtstrukturen.

Auch wenn die Aktionen nicht orchestriert waren, so war ihr Zusammenfallen vielleicht doch kein Zufall: Ziemlich genau zur selben Zeit, als Harvey Weinsteins Skandal ins Rollen kam, wurden die «Paradise Papers» veröffentlicht. Waren die Angriffe auf die männlichen Ausbeuter nicht zugleich eine Attacke auf die Protagonisten des globalen Finanzkapitalismus, die bis vor kurzem glaubten, sich in ihren eigenen Distrikten unbehelligt von Gesetzen bewegen zu können?

Auch von den Reichen und Mächtigen wird plötzlich verlangt, dass sie sich an die Gesetze halten; und das ist insofern ein subversiver Akt, als sich das System dies eigentlich gar nicht leisten kann. Denn Steueroasen und andere Formen der illegitimen (wenn auch nicht zwangsläufig illegalen) Finanzaktivitäten sind ein tief verwurzelter Teil des globalen Finanzkapitalismus.

Geht es nun den Reichen und Wohltätigen an den Kragen? Der erste Schritt in diese Richtung bestünde darin, zu fragen, warum niemand fordert, dass man sich die Lieder von U2 und Bono (dem grossen Humanitären, der immer nach Afrika springt, um dort den Armen zu helfen) oder Shakira nicht mehr anhört. Schliesslich haben sie sich um ihre Steuern gedrückt und damit den Staat um grosse Summen gebracht, die ihm zustehen. Stattdessen wird die Karriere des amerikanisch-mexikanischen Stand-up-Comedians Louis C. K. ruiniert, weil er ein paar Frauen seinen Penis gezeigt hat. Mich erinnert das an Brechts Satz: «Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?» Im grossen Stil Geld zu unterschlagen, ist zwar nicht in Ordnung, aber keine Katastrophe; wer aber seinen Penis zur Schau stellt, wird sofort verstossen.

Das neue Erwachen darf nicht zu einem weiteren dieser Fälle werden, deren politische Berechtigung sich daraus speist, dass sich nur Opfer zu Wort melden. Dann wird sich an den bestehenden Verhältnissen garantiert nichts ändern. Der Opferkult steht in der Tat im Dienste des Status quo, weil er Verantwortung delegiert. Wie setzt sich das Subjekt auf der Höhe der Zeit in Szene? Der freie Mensch empfindet sich einerseits als völlig verantwortlich für sein Schicksal, andererseits gründet er die Legitimation des Sprechens auf den Opferstatus, der fernab seiner Kontrolle liegt. Jeder Kontakt zu anderen Menschen wird als potenzielle Bedrohung empfunden: Wenn das Gegenüber raucht oder mir einen lüsternen Blick zuwirft, so habe ich allen Grund, mich allein dadurch verletzt zu fühlen und Wiedergutmachung zu beanspruchen.

Die Logik der Viktimisierung ist universell geworden und reicht weit über die bekannten Fälle von sexueller oder rassistischer Belästigung hinaus. Man braucht sich nur die wachsende Industrie der Sammelklagen ins Gedächtnis zu rufen, von den Prozessen um die Tabakindustrie in den USA über die finanziellen Ansprüche von Holocaust-Opfern und Zwangsarbeitern in Deutschland bis hin zu der Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten den Afroamerikanern Hunderte Milliarden Dollar als Entschädigung für die Sklaverei bezahlen sollten. Die Vorstellung eines Subjekts, das bloss ein Opfer der Umstände ist, schliesst eine extrem narzisstische Perspektive ein, aus der jede Begegnung mit der Welt wie eine mögliche Bedrohung für den wackligen inneren Frieden erscheint.

Somit ist es nicht das Gegenteil, sondern eher die Kehrseite des freien Individuums: Die Selbstbehauptung des egozentrischen Subjekts verschwimmt paradoxerweise mit der Wahrnehmung seiner selbst als eines Objekts. Und dabei ist klar – mit solchen Egozentrikern, die stets die anderen anrufen, ist keine Revolution zu machen. Sie sind der Garant dafür, dass sich am Status quo nichts ändert, Empörung hin oder her.

Kürzlich übernachtete ich in einem Hotel in Skopje. Meine Begleitung fragte, ob das Rauchen in unserem Zimmer gestattet sei. Die Antwort, die ihr vom Personal an der Rezeption gegeben wurde, war köstlich: «Selbstverständlich nicht, das ist von Gesetzes wegen verboten. Aber es gibt Aschenbecher auf ihrem Zimmer, also sollte das kein Problem sein.» Als wir das Zimmer betraten, stand tatsächlich auf dem Tisch ein gläserner Aschenbecher. Auf seinen Boden war ein Zeichen mit einer durchgestrichenen Zigarette gepinselt. Dies war also nicht das übliche Spielchen, das man in toleranten Hotels kennt, wo einem diskret zugeflüstert wird, dass Rauchen eigentlich verboten sei, aber wenn man vorsichtig agiere und am offenen Fenster stehe . . . Der Widerspruch zwischen Verbot und Bewilligung wurde offen angenommen und dadurch aufgehoben. Die Botschaft lautete also: «Es ist verboten, und ich zeige dir, wie es trotzdem geht.»

Dieses Beispiel macht sichtbar, wie das Erwachen schnell in einen neuen Schlummer umschlägt: Die Ideologie der persönlichen Freiheit wird mühelos mit der Logik der Opferrolle versöhnt, die Revolution wird zu einer Zementierung des Status quo. Wer darauf hereinfällt, verzichtet auf echte Emanzipation. Darum – seien wir wachsam! Nur so lässt sich vermeiden, dass die gegenwärtigen gesellschaftlichen Kämpfe nur weitere Akte in einer Serie der Niederlagen sein werden – statt dass sie an der herrschenden Unterdrückung wirklich etwas ändern.


Aus: "Werden die Paradise Papers und die Aufdeckung der sexuellen Übergriffe wirklich unsere Gesellschaft verändern?" Slavoj Žižek (28.11.2017)
Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/das-grosse-erwachen-ld.1332888


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Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
« Reply #71 on: April 05, 2018, 11:43:36 AM »
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[...] Von den teilnehmenden Frauen gaben 85 Prozent an, regelmäßig mindestens einmal pro Woche zu Hause zu putzen. Bei den Männern waren es 46 Prozent. ...


Aus: "Putzmittel könnten so gefährlich sein wie Rauchen" (4. April 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000077310196/Putzmittel-koennten-so-gefaehrlich-sein-wie-Rauchen

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"Festival „Digital Feminism“ in Dresden - Intimität in Zeiten des Internets" Marlen Hobrack (20. 3. 2018)
Twerking, Adorno und Tinder: Ein Festival verhandelt wie Webcams und Virtual-Reality-Brillen sich zwischen Körper schieben und sie doch verbinden.
„Und, habt ihr auch alle euren Adorno gelesen?“, ruft die junge Frau auf dem Dresdner Albertplatz ihren drei Freundinnen zu. Die Frauen tragen ihr kinnlanges Haar mit reichlich Gel zu strengen Bobs frisiert, den Nackenansatz ausrasiert, damit das Haar eng am Kopf anliegt. Eine scrollt durch ihren Instagram-Feed, schaut sich das Video einer twerkenden Tänzerin findet.
Die Frauen sind auf dem Weg zum Festival „Digital Feminism“ im Festspielhaus Hellerau. Einem Ort, an dem durch Tänzerinnen wie Mary Wigman nicht nur vor etwa hundert Jahren der moderne Ausdruckstanz begründet wurde – sondern an dem von Anfang an auch Geschlechtergrenzen gesprengt wurden. Und nun, im März 2018, wird auf dem Weg dorthin getwerkt, womöglich in Vorbereitung auf den „Twerkshop“ von Kulturvotzen TV (nun, sie heißen wirklich so). Denn die junge Frau ist vom Betrachten zum Tanzen übergegangen.
Was hat nun Twerking, bei dem Becken und Po rhythmisch schwingen und hüpfen, mit Digitalem Feminismus zu tun? Und was mit Adorno? ...
https://www.taz.de/!5489596/

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"Sexismus: Wann Flüchtlingspornos boomen" Mohamed Amjahid (15. Mai 2018)
Recherchen von ZEIT ONLINE zeigen, dass das Phänomen der "Flüchtlingspornografie" seit 2015 in Deutschland und in vielen anderen europäischen Gesellschaften virulent geworden ist. Die Nachfrage an pornografischen Filmen, bei denen geflüchtete Frauen beim Sex gezeigt werden, steigt. Große Plattformen für Pornografie im Internet registrieren eine steigende Nachfrage, vor allem in Hochzeiten des politischen Streits.
Nutzer können auf Seiten wie Pornhub, xHamster und RedTube mit Begriffen nach Pornos suchen. Immer mehr User tippen seit 2015 das Wort "Refugee" in die Suchleiste ein und stoßen danach auf Videos, in denen geflüchtete Frauen oder Pornodarstellerinnen, die Flüchtlinge spielen, erniedrigt werden.
ZEIT ONLINE hat Datensätze zum Konsum dieses speziellen, pornografischen Genres erhalten und sie mit Statistikexperten und Sexualwissenschaftlern analysiert.  ...
https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-05/sexismus-refugeeporn-fluechtlinge-pornografie-deutschland-analyse/komplettansicht

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gaaanz ruhig #2.5

Träume gelten ja als psychologische Kur für das Hirn, ich denke so ähnlich verhält es sich mit sexuellen Fantasien. Wie im berühmten Beispiel des Firmenmanagers, der sich in seiner Freizeit von einer Domina den Hintern versohlen lässt - als Ausgleich. ...


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Mephisto601 #2.13

Ich finde den Artikel ja noch recht interessant bis ich auf die Seite 3 des Artikels kam.
Zitat Zeit online : In Zeiten, in denen sich viele Talkshows Obergrenzen für Flüchtlinge oder einer vermeintlichen Islamisierung widmen, in denen Straßenzüge mit AfD-Plakaten gesäumt sind oder während in Kanzlerduellen vor allem um Migranten gestritten wird, finden laut den Datensätzen von xHamster die meisten Suchanfragen statt. Zitatende.

Ich versteh es also Richtig das xhamster die meisten Suchanfragen zu Refugee porn mit Exotisierung und Unterwerfung der Frau hat, während die AFD Wahlplakate aufhängt oder irgendjemand eine Obergrenze fordert?!

Zitat Zeit online : Geschlechtsverkehr sei immer ein Machtspiel von Dominanz und Hingabe, erklärt der Sexologe. "Es kann durchaus sein, dass Neonazis hier ihre sexuellen Phantasien ausleben", sagt Jakob Pastötter
Zitatende.

Wer die Seite 4 liest erkennt schnell das es sich um keinerlei Fakten sondern Mutmaßungen handelt. Die Signalwörter und Satzbauteile wie "deutet darauf hin, gehen davon aus, könnte sein ... sind bloß Annahmen eines "Professors" die weder bestätigt noch widerlegt sind.

Für mich klingt das sehr nach Mutmaßungen und Annahmen. Interssant auch das hier "weiße Männer und Neonazis" in den Vordergrund gestellt werden. Was wäre wenn die meisten Konsumenten tatsächlich "Zuwanderer aus dem Muslimischen Kulturkreis wären die in den genannten Pornoseiten nach Exotisierung und Unterwerfung der Frau suchen ?"


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Hackenmann #3

Ok, und jetzt den selben Artikel zum Thema interracial, big black cock mit weißer Frau.


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Kunsthaus #17

Ich habe den Artikel gelesen. Ich kann aber daraus kein Resumee ziehen. Was soll uns der Artikel sagen? Das Sex "immer" ein "Machtspiel" und eine "Unterwerfung" sein soll wie der Sexologe das kundtut? Irgendwie ist das an mir vorbeigegangen. Oder das sich Rechtsradikale an Flüchtlingen sexuell in virtueller Weise abarbeiten? Das entzieht sich auch irgendwie meiner Vorstellung.


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alex2311 #25

"Die sexuelle Sehnsucht nach "den Anderen" ziehe sich durch alle Milieus der Gesellschaft." Und scheinbar durch alle Geschlechter. Darum suchen Männer wohl häufig z.B. nach "japanese" und Frauen nach "big black dick"
https://www.esquire.com/lifestyle/sex/news/a52061/most-popular-porn-searches/


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KrokodilSeemann #28

Ganz wichtig: Das die Frauen das Kopftuch anbehalten. Es gibt auch Pornos mit Amerikanischen Soldaten die sich im Nahenosten Frauen von Einheimischen kaufen. Und andersrum: Araber oder Afrikaner und eine Weiße möglichst blonde Frau. Was uns das sagt weiß ich auch nicht. Der geheime Wunsch nach Völkerverständigung?  ...


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uga-baba #40

Es gibt auch Refugee-Pornos mit männlichen "Flüchtlingen", die weiße Frauen vögeln. Und schon sehr lang gibt es massenweise Pornos, in denen afrikanisschtämmige ("schwarze") Gigolos weiße Ehefrauen vögeln, und der Ehemann filmt das Ganze, oder holt sich beim Zusehen einen herunter.

Das sind Phantasien (bei den afrikanischen Männern beispielsweise mit der Penisgröße in Verbindung, und weniger mit der Herkunft der Männer), die nicht auf den Umgang im Alltag übertragen werden können. Der Beweis dafür sind Sado-Maso-Spielchen, die auch gar nichts mit dem Alltag zu tun haben. Selbstewusste Männer und Frauen lassen sich fesseln und missbrauchen. Es sind sexuelle Phantasien, die im Alltag kulturell gebannt sind, und im sehr Privaten ausgelebt werden.


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polarapfel #46

Ist Pornografie nicht immer das Spielen mit Machtfantasien? Egal, wer das Subjekt dieser Fantasie ist?


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Madame Trippel-X #61

Die Erklärungen des Artikels sind ziemlich oberflächlich. Prinzipiell sind zwei Arten von "Flüchtlings-Pornos" zu unterscheiden: arabische Frau und ein beliebiger Mann, sowie das im Artikel nicht genannte deutsche Frau mit einem oder mehreren Flüchtlingen. Primär dürfte bei den Pornos mit arabischen Frauen das Verletzen der Ehre ("der Unschuld") interessant sein und die damit einhergehende gespielte Unbedarftheit, es ist also nur eine Unterform der Virgin-/Deflorations- bzw. naives Blondchen-Pornos. Deutsche Frau mit Flüchtling ist ebenfalls eine Unterform, und zwar von BBC ("Big Black Cock") und Cuckold (Fremdgehen), bei dem von der Idee her das Wilde und die großen anatomischen Vorzüge im Vordergrund stehen. Typischerweise unterwirft sich hier die Frau, weil der fremde Mann so groß und stark ist im Gegensatz zu ihrem Partner.

Ich kann die eindimensionalen Erklärungen ("das sind bestimmt alles Nazis") nicht nachvollziehen, dazu ist die Psychologie der Sexualität zu komplex, das sind ganz andere Denkprozesse.


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« Last Edit: May 16, 2018, 07:58:15 AM by Link »

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    Jetzt kann man sagen, Idioten gibt es immer, am besten ignorieren. Aber es sind ja eben nicht nur Worte. Sondern es gibt sie ja schon: die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Die Hasstiraden im Internet haben längst gruppendynamische Prozesse ausgelöst. Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist gestiegen. So kann es nicht weitergehen.“
     
    „Die Hasschreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. Wenn man also nicht der Meinung ist, dass
    alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun, dagegen halten, Mund aufmachen, Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen. Einige sehr verdienstvolle Blogs tun das schon, aber es sind noch zu wenige.“
     
    http://ze.tt/tagesthemen-kommentatorin-anja-reschke-haltung-gegen-hass/


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[....] Sie haben beide 2015 den Umgang mit der Flüchtlingskrise kritisiert, über Pegida und AfD aufgeklärt. Danach brach ein Shitstorm los, Sie wurden im Netz als „Eselfickerin“, „Systemschlampe“ und „Affenfotze“ beschimpft.

Reschke: Ich weiß noch, wie wir uns im Januar des vorherigen Jahres beim Fernsehpreis getroffen haben. Ich war überhaupt nicht in Stimmung, auf so eine Veranstaltung zu gehen. Alles war gerade übel, es schwappte nach der Silvesternacht in Köln wieder eine Wutwelle durchs Land – und dann traf ich Dunja in der Hotellobby. „Ach, mir geht’s auch nicht gut.“ Allein diese Worte, dieser Blick, das war total tröstend, nicht allein mit meiner Stimmung zu sein.

Fühlten Sie sich von anderen im Stich gelassen?

Reschke: Die Redaktion hat mich sehr unterstützt. Aber ich hatte plötzlich Angst: um die Familie, die Zukunft, um dieses Land. Das klingt so pathetisch. Mensch, wir haben es doch gut, haben so viel geschafft, warum zerstören wir das mutwillig?

Hayali: Diese Gefühlsebene kann nur jemand teilen, der einmal in der gleichen Situation war. Auch als Frau!

Reschke: Das hat mich fast noch mehr erschüttert. Dass es Fremdenhass und Rassismus gibt, das ist bekannt. Nur dachte ich, dass wir bei der Emanzipation weiter wären. Dass man versucht, mir als Frau den Mund zu verbieten, meine Stimme aus der Öffentlichkeit zu holen und mich als Frau zu erniedrigen, das fand ich schockierend. Kriegst du auch diese Fotos geschickt?

Hayali: Mit riesigen Schwänzen?

Reschke: Ja, Bildmontagen aus Pornos. Da ist mein Kopf auf die Frau montiert, dahinter steht ein schwarzer Mann mit einem Riesengemächt.

Hayali: Bei mir ist es etwas weniger geworden, nachdem mein Anwalt einen Schreiberling auf 250 000 Euro verklagt hat, wenn er es noch mal tun sollte. Seitdem sind die Leute vorsichtiger, aber subtiler in ihren Drohungen geworden.

Woher kommt der Hass gegen Frauen?

Reschke: Schauen Sie sich doch an, wer in Zukunft die meisten Privilegien abgeben muss: weiße Männer. Diese frauenfeindlichen Reaktionen kommen mir als letztes Aufbäumen vor. Unsere Frauen, unser Land, unsere Grenzen – das sind Vokabeln wie aus einem Heldenepos.

Hayali: In den sozialen Netzwerken greifen einen tatsächlich mehrheitlich Männer an. Aber als ich auf der AfD-Demo in Erfurt war ...

... Sie haben sich mit Mikrofon und Kamera an den Rand gestellt und wurden angefeindet …

Hayali: ... da fand ich die hasserfüllten Blicke der Frauen krasser als die der Männer. Weil ich die anders spürte. Dauernd wird dir zugeraunt: Wir finden raus, wo du wohnst, und vergewaltigen dich – und die Frauen stehen schweigend neben diesen Männern und unternehmen nichts.

Shitstorm

    Der Begriff findet sich erstmals 1948: in Norman Mailers Roman „Die Nackten und die Toten“. In deutschen Medien taucht er 2006 auf, als John Irving im „Spiegel“ über die SS-Vergangenheit von Günter Grass schrieb. Seitdem ist der Shitstorm laut Duden ein „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der mit Beleidigungen einhergeht“.

Frauen hassen anders?

Reschke: Die schreiben keine Vergewaltigungsfantasien. In den Mails von einigen Männern habe ich das Gefühl, das ist die Fantasie des Absenders.

Ab wann wird das gefährlich?

Reschke: Am meisten bedrückt mich dieses Halbversteckte. „Frau Reschke, ich bin überhaupt kein Rassist, aber was wollen diese ganzen Neger hier, die wollen sich doch nur mit der deutschen Rasse vermischen.“ Es schreiben viele, denen es gut geht. Ärzte, Anwälte, Betriebswirte, mit 55 frühverrentet, die ihr kleines Häuschen haben, das schildern sie mir ja alles in den Mails – und dann kommen sie mit solchen Sprüchen.

Hayali: Ich habe einmal jemandem geantwortet, der sich unter seinem echten Namen gemeldet hatte: „Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Tochter, die bekäme solch eine Mail, was würden Sie ihr als Vater raten?“ Der hat zurückgeschrieben, was wirklich selten passiert, wie leid es ihm täte, dass er sich in einen Wahn hineingesteigert hätte. Daraus ist ein kleiner Briefwechsel entstanden. Das ist einer von 100, der die Größe hat, seinen Fehler zuzugeben. Mir geht es nicht ums Recht haben oder Recht bekommen, sondern um die Art und Weise des Dialogs, wie Kritik formuliert wird.

Reschke: Mein Tiefpunkt kam nach der Jauch-Sendung ...

... im Oktober 2015 stritten Sie mit dem AfD-Politiker Björn Höcke in der Talkshow über Flüchtlinge …

Reschke: … die Reaktionen waren so schlimm, dass ich mich gefragt habe: Wohin würde ich denn fliehen, wenn die Stimmung in diesem Land kippt?

Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?

Reschke: Das war ganz schön schwierig. In Frankreich gibt es Le Pen, der ganze Osten kommt politisch nicht infrage, England nicht wegen der Brexit-Bewegung, in Amerika bahnte sich Trump an. Kanada? Ich wollte in Europa bleiben.

Hayali: Ich hätte nie für möglich gehalten, mich ernsthaft mit dieser Frage auseinandersetzen zu müssen. Das erinnerte mich an die frühen 90er Jahre, als es die ersten Anschläge auf Asylbewerberheime gab. Eine meiner besten Freunde hat zu mir gesagt: „Wenn es hart auf hart kommt, verstecke ich dich bei mir im Keller.“ Wir haben damals darüber gelächelt. Heute fühlt es sich realer, als mir lieb ist. Vielleicht würde ich irgendwo ans Meer gehen. Und warum das alles? Weil wir unseren Job machen und manche die Wahrheit nicht vertragen. Wir berichten, wir ordnen ein, wir kritisieren, und ja, wir sind eben auch Überbringer schlechter Nachrichten. Dadurch wird man selbst zur Zielscheibe. Das wirft kein gutes Licht auf unser Land.

... Über das Thema Flüchtlingskrise zerstreiten sich ganze Familien.

Hayali: Das schreiben mir zumindest immer wieder Zuschauer. Der schlimmste Brief, den ich bekommen habe, war von einem jungen Mädchen, das in einer Beziehung mit einem Mann war, der auf Pegida-Demonstrationen rannte und dort seine Fremdenfeindlichkeit ausgelebt hat, während sie gleichzeitig in Flüchtlingsheimen half. Sobald dieses Thema zu Hause aufkam, haben die sich nur gestritten. Was soll man da sagen?

... Melden Sie die beleidigenden Kommentare bei Facebook?

Hayali: Ha ha, guter Witz!

Reschke: Bei Panorama moderieren Redakteure die Kommentare. Alles, was Volksverhetzung ist, bekommen die Leser gar nicht zu sehen.

Dafür melden Sie diese der Polizei?

Reschke: Wenn Morddrohungen kamen, haben wir sie weitergeleitet.

Wie können Sie da abends den Kopf frei bekommen?

Reschke: Ich möchte solche Geschichten nicht öffentlich machen, damit ich Leute nicht auf die Idee bringe, wie sie mich treffen können.

Hayali: Das verstehe ich. Auch um die Familie zu schützen. Nur so viel: Wir sind Menschen, die solche Dinge nicht einfach in der Schublade im Büro lassen können.

Reschke: Eigentlich leben wir in einer spannenden, anstrengenden, jedenfalls nicht unpolitischen Zeit. Man könnte der AfD zugutehalten, dass sie Menschen zur Wahl gebracht hat, die jahrelang nicht gewählt haben. Ob einem das gefällt oder nicht.

Hayali: Und jene Menschen, denen diese Ansichten nicht gefallen, unternehmen etwas dagegen. Menschen sind parteiverdrossen, aber nicht politikverdrossen. ...

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Pat7 25.01.2017, 17:18 Uhr
Ich finde viele Kommentare gehen hier am Thema vorbei. Egal wo jemand politisch steht, oder den Wahrheitsgehalt der von den Damen moderierten Sendungen anzweifelt, die hier geschilderten verbalen Angriffe gehen überhaupt nicht. Was müssen das für erbärmliche Würstchen sein, die einer Frau mit Vergewaltigung drohen, weil sie offen und öffentlich ihre Meinung vertritt? Und noch erbärmlicher finde ich, sind die Frauen die so was hören ohne sich zu äußern. Sie gehen auf die Straße um deutsche Frauen vor den "wollüstigen" Muslimen zu "retten" und weisen den Kerl neben sich, vielleicht sogar Mann, Sohn oder Bruder nicht zu recht wenn er eine Frau sexuell bedroht. Was für Heuchler.

Ich bin eine Frau und ich fand das schlimm wie sich einige Journalistinnen über die Opfer der Kölner Silvesternacht geäußert haben oder wie lange es gedauert hat, das sich die Öffentlichen der Tragweite der Übergriffe bewusst waren.
Auch stimme ich oft nicht mit der Meinung der beiden Damen überein.

Vergewaltigungsandrohungen, Morddrohungen oder sogar verbale Angriffe auf Familienangehörige haben nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Oft wird dabei auch die rote Linie zur Straftat überschritten. Da gibt es absolut nichts zu relativieren oder zu verharmlosen. Jeder der wirklich für Demokratie und Meinungsfreiheit ist, sollte solche menschenverachtende Auswüchse verurteilen und vor allem selbst unterlassen.


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bikeraper 09.08.2017, 15:25 Uhr
Zwei tolle Damen mit mehr "Eier" als die meisten Männer. Respekt!


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wilhelm 26.01.2017, 08:56 Uhr

Erbärmlich

Wer wenig bis nichts weiß, wer wenig bis nichts kann, der holt sich sein Selbstwertgefühl in der Anonymität der digitalen Welt durch Gebrüll und Gewaltandrohungen. Wer mit Frauen in der analogen Welt nicht klar kommt, der versucht das auf eben diese Weise zu kompensieren.


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Aus: "Dunja Hayali und Anja Reschke im Interview Die Wutprobe" Sonja Álvarez Christian Vooren Ulf Lippitz (22.01.2017)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/dunja-hayali-und-anja-reschke-im-interview-sie-zensieren-nackte-brueste-aber-keine-hakenkreuze/19282264-3.html

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"Die fantastische Hure" Maria Hasan
Sexarbeit Bestimmte Formen der Repräsentation verfestigen das Stigma, dem die Arbeiter_innen ausgesetzt sind
ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 638 / 15.5.2018
Sexarbeiter_innen haben unterschiedliche Lebensrealitäten; das einzige, was alle eint, ist das mit ihren Jobs verbundene Stigma. Das Hurenstigma bezieht sich vor allem auf die Sexualität von Frauen und ist eine Form des Slut Shaming. »Dieses Stigma erfahren Sexarbeiter_innen in unterschiedlichem Maße und auf unterschiedliche Art und Weise, aber es trifft sie alle. Das Besondere an dieser gesellschaftlichen Benachteiligung ist, dass sie zum einen degradierend und ausgrenzend ist und zum anderen eine Opferposition festschreibt«, schreibt P.G. Macioti. »Das Hurenstigma ist immer im Kontext mit anderen Machtverhältnissen zu betrachten. Die Beziehung ist kausal und wechselseitig. Ohne Sexismus, Heteronormativität oder Rassismus gäbe es kein Hurenstigma.« Diese Diskriminierungsformen bestimmen auch die Positionen der Arbeiter_innen in der Hierarchie. ...
https://www.akweb.de/ak_s/ak638/41.htm


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[...] Stockholm/Wien – Das schwedische Parlament soll nach einer Debatte am Dienstag heute, Mittwoch, dem, seit Monaten europaweit für Aufsehen sorgenden, strengeren Sexualstrafrecht zustimmen. Das sogenannte Einwilligungsgesetz sieht dabei im Unterschied zur bisherigen Gesetzgebung vor, künftig jede sexuelle Handlung strafbar zu machen, die nicht im aktiven gegenseitigen Einverständnis geschieht – unabhängig davon, ob oder wie das Opfer seinen Widerstand zum Ausdruck gebracht hat. Es gehe vor allem darum, Passivität nicht länger als "stilles Einverständnis" interpretieren zu können. Die Beweislast werde dadurch jedoch nicht umgekehrt, sondern liege weiter beim Kläger, betonte das Justizministerium bereits Mitte Dezember. Das neue Gesetz soll ab Anfang Juli gelten und die Prozentzahl der Anklagen nach Vergewaltigungsanzeigen erhöhen.

Knapp 90 Prozent aller Anzeigen laufen bisher ins Leere. Neben der "weniger groben Vergewaltigung" sollen mit der Gesetzesnovelle künftig auch "unachtsame Vergewaltigung" und "unachtsamer sexueller Übergriff" als neue Strafbestände eingeführt werden. Zudem soll die Mindeststrafdauer bei schweren Vergewaltigungsfällen, beispielsweise bei Kindern, erhöht werden. "Sex sollte stets einvernehmlich sein. Ansonsten ist er illegal", bekräftigte Ministerpräsident Stefan Löfven den Vorstoß der rot-grünen Regierung. Die Gesetzesverschärfungen sollten einerseits mögliche Sexualstraftäter abschrecken, vor allem aber auch einen rücksichtsvolleren Umgang der Sexpartner miteinander erwirken. (APA; red, 23.5.2018)




Aus: "Sex nur noch nach aktiver Zustimmung in Schweden" (23. Mai 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000080190081/Sex-nur-noch-nach-aktiver-Zustimmung-in-Schweden

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"Schwangerschaftsabbruch: Irlands Premier lobt "stille Revolution"" (26. Mai 2018)
Umfragen deuten darauf hin, dass der Zusatz zum Schwangerschaftsabbruch abgeschafft wird. Noch läuft die Auszählung, doch Irlands Premier Varadkar feiert schon das "Ja".
Mehr als drei Millionen Bürgerinnen und Bürger hatten am Freitag darüber abgestimmt, ob der achte Zusatzartikel aus der Verfassung gestrichen werden soll. Dieser untersagt Schwangerschaftsabbrüche selbst bei Vergewaltigung, Inzest oder einer Missbildung des Fötus. Bei einer Abtreibung drohen Frauen bis zu 14 Jahre Haft. Es gibt nur eine Ausnahme: Seit 2013 ist es erlaubt, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Ersten Umfragen zufolge zeichnet sich eine deutliche Mehrheit für die Liberalisierung der Gesetze aus. Aktuell ist die Hälfte der 40 Wahlkreise ausgezählt. Ein offizielles Ergebnis wird im Laufe des Tages erwartet. Die irische Regierung spricht aber schon von einem Erfolg des Referendums.  ... Die Bürgerinnen und Bürger waren dazu aufgerufen, über eine Änderung des Gesetzes abzustimmen. Weil eine Briefwahl nicht möglich war, sollen Berichten zufolge Zehntausende im Ausland lebende Irinnen und Iren für das Referendum in ihre Heimat gereist sein.
Der UN-Menschenrechtsausschuss hatte das Abtreibungsverbot 2016 als Verstoß gegen internationale Menschenrechtsvereinbarungen kritisiert und die irische Regierung aufgefordert, es zu überarbeiten.
In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig, unter bestimmten Bedingungen aber straffrei. Ein Abbruch kann innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen vorgenommen werden, in Ausnahmefällen auch bis zur 22. Woche. Voraussetzung ist, dass die Schwangere sich vor dem Eingriff beraten lässt und dem Arzt einen entsprechenden Nachweis vorlegt. 
https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-05/schwangerschaftsabbruch-referendum-irland-abtreibung-mehrheit-lockerung-gesetz

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john1606 #5

Willkommen Irland im 21 Jahrhundert. Endlich mal ein schritt für Frauenrechte die ich willkommen halte.


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Reffes #9

Das Votum war eindeutig: 67% zu 32% bei 64 % Wahlbeteidigung. Die einzige gesellschaftliche Gruppe, die nicht mehrheitlich dafür gestimmt hat waren die über 65 Jährigen. Selbst in zahlreichen als konservativ religiös geltenden Gemeinden gab es eine Mehrheit.

Irland hat entschieden. Und sich dabei nicht von der versuchten Wahlbeeinflussung aus den USA beeindrucken lassen.


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Serp2 #12

Wenn man bedenkt dass 1995 das Referendum das Scheidung legalisierte nur hauchdünn gewann dann ist die Entwicklung bemerkenswert.
Bis 1980 waren in Irland Verhütungsmittel jeglicher Art verboten. Das kann man sich kaum vorstellen. Kondome waren illegal in Irland bis vor 38 Jahren .


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Reffes #12.1

In Deutschland durfte man bis 1997 legal seine Ehefrau vergewaltigen. Homosexualität war bis 1994 illegal. Wir sind nicht so fortschrittlich wie wir denken.


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jstawl #12.3

Fast. Vergewaltigung in der Ehe galt schon zuvor als sexuelle Nötigung. Ganz legal war es nicht, hat aber natürlich die Tragweite des Vergehens nicht mal im Ansatz abgebildet.
Und das Schlimme ist, dass Politiker wie Blüm, Merz und auch unser jetziger Innenminister Seehofer damals dagegen gestimmt haben.


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norbertZ #20

67,3% für JA bei 37 von 40 ausgezählten Wahlkreisen. In keinem einzigen haben die Befürworter der alten Regelung eine Mehrheit erhalten: https://www.irishtimes.com/news/politics/abortion-referendum/results

Es sieht so aus, als ob massive Wahlbeeinflussungen, wie es sie auch vor dem Brexit und der letzten US Wahl gab, in einer funktionierenden Zivilgesellschaft nicht viel ausrichten können. Die vielen Skandale der Kirche, aber auch viele Vorfälle - insbesondere der Fall der Inderin - haben die irische Gesellschaft anscheinend so sensibilisiert, dass sie sich PRO Menschenrechte entschieden haben. Dass dieses Referendum aber letztendlich nur zustande kam, weil zwei irische Frauen bis vor das UN Menschenrechtskommitee zogen, und dort mit ihren Klagen gegen die Irische Republik erfolgreich waren, zeigt aber auch, welche immensen Widerstände hier zu überwinden waren.



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« Last Edit: May 26, 2018, 07:16:31 PM by Link »

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"Warum es feminine Lesben so schwer haben in der Frauenwelt" (2018)
Hohe Schuhe, Lippenstift und Kleider vertragen sich nicht mit dem gängigen Klischee der maskulin erscheinenden Lesbe. Doch es gibt sie, die feminine lesbische Frau. Ein Appell für die stärkere Sichtbarkeit dieser Frauen. ... Das eigentliche Dilemma der Femme Invisibility besteht nicht darin, dass sich eine lesbische Frau feminin zeigen möchte, sondern vielmehr darin, dass noch immer bestimmte Stereotype und Auffassungen von äußerlichen Attributen in den Köpfen der Leute herumschwirren. Diese verleiten sie dazu, eine Frau mit kurzen Haaren oder mit einem androgynen Erscheinen eher als eine Lesbe einzuordnen als eine Frau mit langen Haaren und weiblicheren Rundungen. Bei dem Wort Lesbe kommt oft automatisch die Vorstellung einer burschikosen Frau mit Kurzhaarschnitt und Holzfällerhemd auf. Eine Butch. Das genaue Gegenteil einer Femme. Äußerlich sind die beiden grundverschieden, aber eines haben sie gemeinsam: Sowohl Butch als auch Femme steht auf Frauen. ...
https://ze.tt/warum-es-feminine-lesben-so-schwer-haben-in-der-frauenwelt/

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Dschiesis Kraist
Dieses Thema ist sehr viel komplexer und vielschichtiger, als es die gute „feminine“ Lesbe hier darstellt - und so manche Gedanken scheint sie sich noch nicht aus ihrer - momentan ziemlich verdattert anmutenden - Ich-Perspektive gemacht zu haben. Was mich am meisten befremdet, ist, dass sie nur zwei simple weibliche Klischees bemüht: das heteronormative der geschminkten und zurechtgemachten Frau und ihr lesbisches Gegenteil, verkörpert in der „Butch“ (auch als „kesser Vater“ beschrieben). Platter und eindimensionaler geht es wohl kaum oder? Lesben sind genauso bunt, vielfältig und divers in ihren Erscheinungsbildern wie der Rest der Gesellschaft. Sie haben sich als Frauen lediglich emanzipatorisch von der zwanghaften Erwartungshaltung der männerdominierten Gesellschaft abgekoppelt, sich in ganz spezieller Weise herausputzen und schmücken zu müssen! Sich in enge, figurbetonte Klamotten zwängen zu müssen, die möglichst diesem grauslichen 90-45-90-Ideal entsprechen, dazu grell wie Marilyn Monroe gemakeupt und auf zehenbrecherischen Highheels herumstaksend. Lesben sehen eigentlich wie wirkliche Frauen aus, die nämlich Männern nicht mehr gefallen wollen und gefallen müssen - somit ganz natürlich, entspannt, authentisch. Das passt natürlich der Mehrheitsgesellschaft überhaupt nicht, die Frauen seit Jahrtausenden dazu verpflichtet, eine hübsche, drollige, putzige und attraktive Dekoration für Männer zu sein - prallbrüstig, wespentaillig, schmollmundig, rundarschig.
Ich kenne superhübsche Lesben, die dennoch nicht wie gefallsüchtige Püppchen daherkommen. Und Barbara Hendricks, die ehemalige Umweltministerin, war für mich ein wunderschönes Beispiel einer souveränen, attraktiven und glaubwürdigen Frau - unverstellt und dennoch liebenswürdig, verletzlich und echt.
Die arme Autorin fühlt sich nirgends heimisch - Identitätskrise vielleicht? Das Leben ist nun mal ein Prozess der Selbstfindung und Selbstreflektion will trainiert sein. Das wird schon!

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[...] "Warum sind die Rechten so hip im Netz?", fragte die Autorin Ingrid Brodnig Anfang Mai auf der re:publica, jener Berliner Konferenz, auf der seit 2007 die digitale Gesellschaft seziert wird. Rechtspopulismus, Hasskampagnen und der Kampf dagegen waren nicht erst in diesem Jahr zentrale Themen der re:publica. Dass die Erwartungen an das Internet vor zwei Jahrzehnten noch ganz andere waren, demonstrierte Brodnig anhand eines 1997 veröffentlichten Werbespots des US-amerikanischen Providers MCI: "There is no race, there are no genders, there is no age", heißt es darin. Das Internet, gedacht als Möglichkeitsraum, der frei von Diskriminierungen ist, die einer pluralen und gleichberechtigten Gesellschaft entgegenstehen – eine Utopie, die angesichts aktueller Debatten um Troll-Farmen und Rache-Pornos wie aus der Zeit gefallen wirkt. Selbst feministische Theoretikerinnen wie Sadie Plant und Donna Haraway ließen sich in den 1990er-Jahren vom Technikoptimismus inspirieren und entwarfen eine von Cyborgs bevölkerte Post-Gender-Welt.

In einem 2016 publizierten Aufsatz formulieren die feministischen Medienwissenschafterinnen Sarah Banet-Weiser and Kate M. Miltner eine These, die als klarer Bruch zum frühen Cyberfeminismus gelesen werden kann: "Wir befinden uns in einer neuen Ära der Gender Wars, einer Ära, die von Gewalt gegen Frauen in Onlineräumen in einem alarmierenden Ausmaß geprägt ist." Hass im Netz, der auch im deutschsprachigen Raum mittlerweile nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher und aktivistischer, sondern auch politischer Debatten ist, trifft Frauen ganz besonders. Wie eine breitangelegte US-amerikanische Studie 2016 zeigte, sind sie mit einer weitaus größeren Bandbreite an Hass und folgenreicheren Onlineattacken konfrontiert: Stalking, Mord- und Vergewaltigungsdrohungen, Drohungen gegen die Kinder, sexualisierte Gewalt wie Revenge Porn. "Diese Art der vergeschlechtlichten Diskriminierung hat ernsthafte Folgen für den Status von Frauen im Netz", sagt Julia Fleischhack, die aktuell an der Georg-August-Universität Göttingen in Sachen Praktiken und Vorstellungen von digitaler Gerechtigkeit forscht, im Gespräch mit dem STANDARD. Frauen üben vermehrt Selbstzensur, ziehen sich zurück – und würden so letztendlich aus dem Netz verdrängt.

Besonders gefährdet sind Personen, die sich online feministisch äußern: Journalistinnen ebenso wie Genderforscherinnen oder politische Aktivistinnen. 2014 führte "Gamergate" vor Augen, welches Ausmaß Hetzkampagnen gegen einzelne Frauen annehmen können: Was mit einem verleumderischen Posting des Expartners von Spieleentwicklerin Zoë Quinn begann, mündete in eine monatelange Hasskampagne gegen Quinn und zahlreiche Kolleginnen, die von rechten Medien weiter befeuert wurde. Eine Plattform, die dabei eine wesentliche Rolle spielte, nennt sich 4chan. Auf dem 2003 gegründeten Imageboard, das durch Anonymität und lasche Kontrolle geprägt ist, verabredeten sich User mitunter zu den Gamergate-Attacken. 4chan ist nicht nur Wiege populärer Memes und Phänomene wie dem "Caturday", sondern auch Brutstätte menschenfeindlicher Ideen: Rassistische, frauenfeindliche und homofeindliche Sprache durchzieht viele der Diskussionen, auf einzelnen Subboards mischen sich Fotos zerstückelter Leichen mit pornografischen Inhalten und faschistischen Symbolen. Ins Zentrum der Medienöffentlichkeit rückte 4chan zuletzt, als Alek M. im April bei einer Amokfahrt in Toronto zehn Menschen tötete. Der Täter soll sich der "Incel"-Bewegung ("involuntary celibates", unfreiwillig Enthaltsame) zugehörig gefühlt haben, einer Gruppe, die ihren Frauenhass mit sexueller Zurückweisung begründet und sich aufseiten wie 4chan oder Reddit trifft – wo im vergangenen Jahr ein entsprechender Subreddit mit rund 40.000 Nutzern gesperrt wurde. In solchen anarchischen Ecken des Internets florieren frauenfeindliche Gruppierungen wie radikale Pick-up-Artists oder "MGTOW": Men Going Their Own Way stützen sich auf maskulinistische Vorstellungen wie jene, in der die Unterdrückung von Männern in vermeintlich vom Feminismus beherrschten westlichen Gesellschaften postuliert wird, lehnen Beziehungen mit Frauen aber grundsätzlich ab: Nur so gelinge es, sich dem System zu entziehen und zu männlicher Stärke zurückzufinden.

In der maskulinistischen Onlineszene finden sich aktuell auch alte Bekannte: Pick-up-Artist Roosh V, der vor wenigen Jahren mit seinem "Gedankenexperiment", Vergewaltigung zu legalisieren, weltweit für Aufsehen sorgte, berät auf seinem Youtube-Kanal verzweifelte Anrufer mit "Frauen-Problemen". "In meiner Idealen Welt wäre eine Frau nach der Hochzeit mein Eigentum so wie mein Auto oder mein Haus", erklärt Roosh in seinem neuesten Video. Die in all ihren Ausprägungen schwer zu fassende "Manosphere" – die sich etwa auch mit VertreterInnen der Alt-Right-Bewegung überschneidet – scheint klar von einer demografischen Gruppe dominiert zu sein: weiße Mittelschichtsmänner. "Hassgruppen sind generell von Männern dominiert – ob offline oder online. Gerade weiße Mittelschichtsmänner erleben politische, ökonomische und kulturelle Umbrüche häufig als Verlust, sie sehen sich neue Hürden gestellt, ihnen bleiben Dinge verwehrt, auf die sie ein Anrecht zu haben glauben", sagt Tristan Bridges, Professor für Soziologie an der University of California, Santa Barbara. Ihre Wut würden diese Männer wiederum in erster Linie gegen Minderheiten und Frauen richten. Auch wenn Frauenhass und Antifeminismus schon lang vor dem Internet ihre Verbreitung fanden – der Anonymität im Netz kommt ein Verstärkungseffekt zu. "Sozialpsychologische Studien haben gezeigt, dass Anonymität unser schlimmstes Verhalten offenbaren kann. In Hassforen findet sich also auch die denkbar abscheulichste Sprache", sagt Bridges. Wie das in der Praxis aussieht, offenbart ein schneller Blick auf 4chan. "Abtreibung sollte die Zustimmung von Mann und Frau erfordern. Würde eine Frau mein Baby umbringen, würde ich ihr den Kopf mit einer Schaufel vom Rumpf schlagen", schreibt dort ein Nutzer in einer Diskussion über Schwangerschaftsabbruch.

Hass im Netz nimmt indes nicht nur quantitativ zu – er stellt auch qualitativ ein immer größeres Problem dar. "Heutzutage geht frau nicht online. Mensch ist ständig online und Menschen definieren sich so viel stärker mit ihrem Onlineauftritt", sagt Leonie Tanczer, die am University College London über Internet und Geschlecht forscht. Der Dualismus offline und online wird in fünf bis zehn Jahren gar verschwinden, meint Tanczer. Politische und rechtliche Regulierung hinken dieser rasanten technischen Entwicklung jedoch hinterher. Auch wenn Hate Speech im Netz längst Thema EU-weiter Kampagnen und zahlreicher Parlamentsdebatten ist – der Kampf gegen den Hass stehe immer noch am Anfang, meint die Sozialwissenschafterin Julia Fleischhack: Neben umfassenden Bildungsmaßnahmen brauchte es "viel mehr Erste-Hilfe-Einrichtungen, professionelle Unterstützung und AnsprechpartnerInnen für Betroffene, die gezielten Hasskampagnen ausgesetzt sind". Aber auch Technologiefirmen stünden in der Verantwortung, ihre Plattformen sicherer, fairer und gerechter zu machen, betont Fleischhack. Dass die Verantwortung für den Umgang mit den Attacken noch immer viel zu häufig auf betroffenen Einzelpersonen laste, ist auch Tanczer überzeugt. "Vielleicht müssen wir vermehrt darauf zurückgreifen, einen 'kollektiven, digitalen Mut' zu kreieren, wo wir uns unterstützen, eingreifen und gezielt illegales oder kriminelles Verhalten an- und aufzeigen", sagt Tanczer. Selbst wenn die Netzutopien von einst längst verblasst sind, einen grundlegenden Technikoptimismus lässt sich Tanczer nicht nehmen: "Ich glaube weiterhin daran, dass das Internet Möglichkeiten bietet, Räume und Technologien zu schaffen, die Frauen helfen und vielleicht zur Besserung von Ungleichheiten beitragen können." (Brigitte Theißl, 27.5.2018)



Aus: "Warum es neue Strategien gegen den Frauenhass im Netz braucht" (27. Mai 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000080412686/Warum-es-neue-Strategien-gegen-den-Frauenhass-im-Netz-braucht

« Last Edit: May 30, 2018, 10:36:19 AM by Link »

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"Feminismus: Sexarbeit und Prostitution sind nicht dasselbe"  Antje Schrupp (30. Mai 2018)
Die Beweggründe der Frauen sind entscheidend - Bei der Unterscheidung zwischen Sexarbeit und Prostitution geht es nämlich nicht allein um konkrete Handlungen, sondern sie stellt die Beziehungsstrukturen und Beweggründe der beteiligten Frauen ins Zentrum: Sind diese Frauen handelnde Subjekte, die, wenn auch möglicherweise angesichts schwieriger Rahmenbedingungen, eine informierte Entscheidung treffen? Oder sind sie in sexistische Beziehungen und Verhältnisse verstrickt, aus denen sie keinen Ausweg finden? Diese Frage ist natürlich nicht nur in Bezug auf Frauen zu stellen, sondern auch bei männlichen Sexarbeitern und Prostituierten. Und sie kann ruhig auch bei anderen Themen als Sexarbeit/Prostitution gestellt werden. ... Wenn die Prämisse der weiblichen Freiheit im Zentrum steht, könnte der Konflikt um "Sexarbeit" versus "Prostitution" fruchtbar und interessant sein und nicht lähmend.
https://www.zeit.de/kultur/2018-05/feminismus-prostitution-sexarbeit-unterscheidung-streit/komplettansicht

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theustuba #10

Einfach mal so. Ein guter Artikel, regt zum Nachdenken an,. Pauschalisiert nicht. Angenehme Differenziertheit. Danke.


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SaidAlHouty_at_gmx.de #10.1

Ja. Aber, dass es immer Jahrzehnten bedarf, bevor solche Fragen überhaupt identifiziert und präzise formuliert sind, ist absolut erschreckend.


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haschmi123 #45

Ein guter Artikel. Genau diese Differenzierung tut Not!- Die Unterscheidung von selbst- und fremdbestimmt ist allerdings oft nicht leicht. Jeder der in sozial Strukturen eingebunden ist, ist ein Stück weit fremdbestimmt (Stichworte bulgarische Familie ). Die Loyalität zur Familie oder einer Gruppe ist dann Teil des Selbst. Wieviel Raum man ihr gibt entscheidet jedes Individuum anders.


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Hannah L. #46

Der Begriff der Sexarbeit ist eine Erfindung der Lobby für Prostitution!
Der (einmal mehr) deutsche Sonderweg eines von den Grünen initiierten Gesetzes,
so schlecht, daß es, wie Hartz IV, bereits "nachgebessert" werden mußte..., mal sehn, wie oft noch...,

... Stuttgarts "Oberbordellmeister" äußerte einmal auf die Frage in einer Talkshow, wie er es fände, wenn eins seiner Kinder dieser Tätigkeit nachgehen würde: Es würde mir das Herz brechen.
Fragen wir doch mal die Befürworter, wie sie die Frage beantworten würden, wenns um ihre eigenen Kinder, Jungs wie Mädchen, gehen würde!
All die Juristinnen in ihren guten Stuben, die all das so exotisch finden..., wie wärs, wenn die eigene Tochter...!?


...

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[...] Von der SPD-Nachwuchsorganisation stammte [] der Antrag auf staatliche Förderung von feministischen Pornos, der am Sonnabend auf dem SPD-Parteitag beschlossen wurde. Künftig sollen demnach solche pornografischen Inhalte auch über die Mediatheken von ARD und ZDF verfügbar sein.

„Brauchen wir das?“, fragt hingegen Katrin Vogel, Gleichstellungsbeauftragte der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Sie hält die Politisierung des Themas für unangebracht.

Grüne und Linke wollten sich auf Anfrage noch nicht zu dem Thema äußern.

...

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Zimbo 07:46 Uhr

Unisextoiletten und Feministenpornos...da sage noch einer wir hätten keine Leitkultur!


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vigilate_bln 07:19 Uhr

    beschließt die SPD eine Filmförderung für feministische Pornofilme

Gehört dies zur Richtlinienkompetenz?


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Korrekturfahne 04.06.2018, 21:05 Uhr

    Hier darf auch mal was schiefgehen, vor allem aber geht es gleichberechtigt zwischen den Geschlechtern zu, niemand wird herabwürdigend behandelt, ist in programmatischen Schriften zum feministischen Porno zu lesen...
    Künftig sollen demnach solche pornografischen Inhalte auch über die Mediatheken von ARD und ZDF verfügbar sein.


Endlich.
Staatliche Förderung für feministische Pornos. Längst überfällig und mal was anderes als immer nur das langweilige Gedöns von innerer Sicherheit, Wohnungsbau, Wirtschaft, Staatsfinanzen und Bildung.

... Am 14. Juni ist nächste Kultusministerkonferenz.
Eine gute Gelegenheit, dieses Anliegen von großer gesundheits- und gleichstellungspolitischer Relevanz für ganz Deutschland in die breite Bundespolitik zu tragen.

Schwierig vielleicht, weil der aktuelle Vorsitzende Holter zwar nominell Mitglied der Linkspartei ist, aber Ossi, alt, weiß und ein multiprivilegierter Mann.


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XV71 04.06.2018, 20:31 Uhr

    Berliner SPD will feministische Pornos fördern

Endlich ist die Berliner SPD wieder wählbar. ...


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wpev 04.06.2018, 20:27 Uhr
Oh ja und unbedingt viele Pornos auf Steuerzahlerkosten herstellen. Nur nicht bedenken, und nicht davon ablenken lassen, das hier Schaden für Familien und junge Menschen entstehen kann. Dreck, Schund und Irrsinn müssen triumphieren ... danke SPD ...


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schoeneberger 04.06.2018, 22:28 Uhr
Die meisten zugeknöpften Kommentator*innen hier werden es nicht glauben, aber feministische Pornos sind tatsächlich dazu da, wozu auch andere Pornos da sind: Sexueller Lustgewinn. Wenn man sich eben Sexualität nicht anders vorstellen kann als in einer Konstellation, in der nur die eine Seite Spaß oft auf Kosten der anderen hat und wenig im gegenseitigen Einverständnis geschieht, dann kann man sich auch nicht hineinfühlen in den Umstand, dass Sex auf Augenhöhe, egal ob Blümchensex oder BDSM, einfach viel besser und lustvoller ist, als alles andere. Es ist doch schon bemerkenswert, welches Bild von Sexualität man haben muss, wenn vorausgesetzt wird 'gleichrangig? Respektvoll? Kann ja nur lustlos und ungeil sein' - Sie müssen diese Filme nicht schauen, keiner muss es, aber ich es ist meiner Meinung nach voll OK, Steuergelder für die Förderung dieser Pornofilmsparte auszugeben. Denn Pornos gibt es so oder so, Jugendliche schauen sie in immer früheren Alter. Verhindern mit Verboten lässt sich das so gut wie gar nicht im heutigen digitalen Zeitalter, denn sie sind überall verfügbar. Aber dann ist es doch eine Überlegung und auch ein Handeln wert, ob wir mit unserer Knete das Angebot des Pornofilmmarktes so zu verändern versuchen, dass das Angebot ein besseres und respektvolleres Geschlechterbild vermittelt. Nehmen Sie die Situation zwölfjähige Jungs schauen sich auf dem Schulhof Pornos mit richtig frauenherabwürdigen Dialogen an. Mit welchem Bild von Sexualität wachsen diese Jungs auf? Wollen wir das? Nein. Ich glaube mit der Förderung feministischer Pornos wird ein guter Weg eingeschlagen.


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coyote 04.06.2018, 20:24 Uhr

    Berliner SPD will feministische Pornos fördern

Das hätte ich eher von den Grünen erwartet. ...


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Aus: "Berliner SPD will feministische Pornos fördern" Milena Reinecke (04.06.201)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/landesparteitag-der-spd-berliner-spd-will-feministische-pornos-foerdern/22642192.html


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[...]  ... Der Kampf um erzählerische Hoheit bedeutet nichts anderes als das Ringen um Identität und Würde. ...


Aus: "Über die Schmerzgrenze" Rüdiger Schaper (04.06.2018)
Schwuler Sex, Ehre und Klassenkampf: Thomas Ostermeier bringt Édouard Louis’ „Im Herzen der Gewalt“ auf die Schaubühne.
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/im-herzen-der-gewalt-von-thomas-ostermeier-ueber-die-schmerzgrenze/22641540.html

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[...] Der Oberste Gerichtshof der USA hat einem Bäcker Recht gegeben, der einem schwulen Paar aus religiösen Gründen keine Hochzeitstorte backen wollte. Der Supreme Court argumentierte in der am Montag veröffentlichten Entscheidung, dass eine aus Protest von dem Paar angerufene Kommission im US-Bundesstaat Colorado die Rechte des Bäckers in Bezug auf seinen Glauben verletzt habe. Richter Anthony Kennedy machte in seiner Stellungnahme aber deutlich, dass er in der Entscheidung keinen Präzedenzfall sieht.

Der Konditor Jack Phillips aus Colorado hatte sich 2012 geweigert, dem Paar Charlie Craig und Dave Mullins eine Hochzeitstorte zu backen. Er berief sich dabei auf seinen christlichen Glauben. Die beiden legten daraufhin bei der Bürgerrechtskommission von Colorado Beschwerde ein.

Die Gesetze des Bundesstaates verbieten es Firmen, Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren. Die Kommission entschied, dass Phillips genau dies getan habe. Zwei Gerichte kamen zu demselben Schluss. Der Bäcker legte daraufhin Berufung beim Supreme Court ein.

Das Oberste Gericht argumentierte nun wiederum, die Bürgerrechtskommission habe den Glauben des Mannes nicht hinreichend berücksichtigt. Das Gremium habe sich der religiösen Überzeugung des Mannes gegenüber feindselig verhalten, heißt es in der Stellungnahme von Kennedy.

Der Richter nahm dabei Bezug auf Äußerungen von Mitgliedern der Kommission, die Phillips' Glauben seiner Meinung nach verunglimpft hätten. Diese hätten suggeriert, dass religiöse Überzeugungen in Colorados Geschäftswelt nicht uneingeschränkt willkommen seien.

Kennedy erklärte aber auch, dass es in ähnlich gelagerten Fällen zu einer anderen Entscheidung kommen könnte. Es bedürfe einer tiefergehenden Bewertung in den Gerichten, schrieb er. Dabei müsse sowohl berücksichtigt werden, dass religiöse Überzeugungen nicht unangemessen missachtet werden dürften, wie auch die Tatsache, dass homosexuelle Menschen nicht gedemütigt werden dürften, wenn sie bestimmte Dienstleistungen auf dem freien Markt in Anspruch nehmen wollten.

In den USA gibt es noch eine Reihe weiterer Fälle, in denen Geschäfte homosexuellen Paaren Leistungen verweigert hatten - darunter Floristen, Fotografen und Bäcker. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes fiel sieben zu zwei aus. Die beiden liberalen Richterinnen Ruth Bader Ginsburg und Sonia Sotomayor stimmten dagegen.


Aus: "US-Bäcker darf Schwulen Hochzeitstorte verweigern" (04.06.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/oberster-gerichtshof-us-baecker-darf-schwulen-hochzeitstorte-verweigern/22642668.html

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" Escort-Service: "Ich mache mir Sorgen um dich" "
Anna: Viele lästerten, wie tief ich gesunken sei. Das kümmerte mich nicht. Die haben keine Ahnung von meinem Job. Nur wegen der Kohle würde ich das nie machen. Ich will eine Nutte sein. Sex ist mir wichtig, und ich schlafe gern mit Fremden, auch älteren Männern. Meine Kunden suche ich mir selbst aus. Wenn ich etwas nicht will, sage ich Nein. Und ich treffe die Männer nur in teuren Hotels, wo sie mir wie auf dem Silbertablett serviert werden.
Lena: Anna rechtfertigt ihren Job damit, dass ältere Männer ihr Fetisch sind. Das kann ich nur schwer nachvollziehen. Bei jeder Arbeit gibt es Dinge, die man nicht so gern tut, die aber von einem erwartet werden. Ich mache mir Sorgen, dass sie sich in Situationen begibt, in denen sie sich nicht mehr wohlfühlt, ihre Arbeit aber trotzdem machen muss.
https://www.zeit.de/campus/2018/04/escort-service-sexarbeit-studium-geld-sorgen

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Balthasar y Gracian #2

Als Ehefrau sich aushalten lassen...wäre das theoretisch und praktisch nicht auch Prostitution?!


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n4se #2.4

Frauen suchen schon seit jeher jemanden der die Kinder ernähren kann. Das ist Evulutionär verankert. Aber deswegen prostituieren die sich doch nicht gleich alle.


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Ömbelbi #2.5

Ich als Frau, die Sex ne ziemlich gute Sache findet ( und das ist ne Untertreibung) finde den gedanken abstoßend mit jemandem Sex zu haben, den ich nicht will, denn beim Sex habe ich den Partner nämlich in mir, der ist auf mir, ich rieche ihn intensiv usw.. Ich brauche keine Liebe, ich muss den auch nicht ewig kennen, aber ich muss ihn wollen. Dass Frau sich bei ner teuren Agentur die Kunden aussuchen kann, glaube ich keine Sekunde. Da kommt ein sehr solventer Kunde daher, bestellt ein Mädchen, die es für das Geld macht, um dann zu riskieren, ein "nein danke, bist nicht mein Typ" zu bekommen?! Das macht sie keine zweimal, dann ist sie raus aus der Kartei. Aber dass sie ihre Kunden glauben macht, "du gefällst mir sonst hätte ich ja nein gesagt" ist wohl im Preis inklusive.


Quote
erstkundigmachen #2.16

Seit Frauen nicht mehr auf die Zustimmung ihrer Ehemänner für eine Arbeitsaufnahme benötigen sind sie überwiegend berufstätig, davor wurden sie durch unsägliche Gesetze bevormundet.


Quote
Kybernetik #4

Ich finde an der Geschichte schön, dass obwohl die Freundinnen so unterschiedlich sind und Lena die Beweggründe von Anna nicht nachvollziehen kann, sie trotzdem in der Freundschaft geblieben sind und sich damit arrangieren können.

Es könnte sein, dass es manch andere Freundschaften nicht ausgehalten hätten.


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n4se #6

" Meine Kunden suche ich mir selbst aus. Wenn ich etwas nicht will, sage ich Nein. Und ich treffe die Männer nur in teuren Hotels, wo sie mir wie auf dem Silbertablett serviert werden. "

Ich glaube eher Sie wird da den Männern auf dem Silbertablett serviert. An Lena's stelle würde ich ja schnell die Kurve kratzen... befreundet mit einer Nutte. Wie tief kann man sinken?


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Aristippos von Kyrene #6.2

"befreundet mit einer Nutte. Wie tief kann man sinken?"

Sie widern mich an.


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Heimdahl #8

Einfach mal sich vorstellen, es wäre die eigene 19jährige Tochter. Die harten Close-Ups vor dem inneren Auge nicht vergessen.
Job wie jeder andere, macht nichts mit der Seele, besser als auf dem Bau - is klar.


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kingrollo #8.2

Wenn die Tochter heiratet, hat sie auch Geschlechtverkehr. Stellen Sie auch das dann auch intensiv vor?


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Aristippos von Kyrene #8.3

Die Sexualität der eigenen Kinder oder Eltern ist immer ein peinliches Thema. Außerdem wäre es für viele Eltern eine Familienschande, wenn ihre Tochter sich prostituiert. So wie es für viele Eltern immer noch ein Alptraum wäre, einen schwulen Sohn zu haben.

Die Gefühle von Eltern sind daher kein Argument dafür, dass niemand mit dieser Arbeit gut klarkommen kann.


Quote
Anna2081995 #8.5

Für mich ist die Sexualität der Eltern und Tochter kein peinliches Thema.


Quote
  Kybernetik #14

Ich dachte, dass Feminismus für die Rechte der Frau einsteht, aber das scheint nicht überall angekommen zu sein.
Warum darf eine erwachsene, emanzipierte, freie Frau nicht selbst entscheiden, mit wem Sie Sex haben möchte und ob Sie es ohne oder mit Geld tut?
Es scheint so, dass immer noch einige der Gattung Mensch einer Frau nicht zutrauen, dass sie dies ganz alleine entscheiden kann. Sie glauben immer noch, dass man Frauen bevormunden muss.
Einem Mann würde das nicht passieren, der dürfte mit wem auch immer Sex haben und frei entscheiden, ob er dafür Geld haben möchte oder nicht. Eine Frau wird von einigen immer noch als das Objekt Opfer gesehen. Das eine Frau sich aus diesem Status heraus befreit hat und sich nicht als Opfer sieht, sondern als freie selbstwählende Frau, können sich immer noch einige nicht vorstellen.

Frau muss immer noch "beschützt" werden, so scheint es.


...


« Last Edit: June 06, 2018, 08:00:58 AM by Link »

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[...] Lautstark zogen die fünf Angeklagten durch das Kriminalgericht Moabit. Sie erwarteten das Urteil nach wochenlangem Prozess. Sie nahmen es locker. Keiner von ihnen saß bislang im Zusammenhang mit dem Prozess in Haft. Obwohl es um sexuelle Nötigung einer 14-Jährigen und um Vergewaltigung einer 16-Jährigen ging. Zumindest für zwei der Männer aber soll es nun aus Sicht des Landgerichts ins Gefängnis gehen: Zwei Jahre Jugendstrafe ohne Bewährung ergingen am Mittwoch gegen einen 17-Jährigen, drei Jahre und drei Monate Haft erhielt ein 26-Jähriger. Drei weitere Männer wurden freigesprochen.

Die Mädchen wurden laut Anklage in eine "Liebesfalle" gelockt. Hassan T. (Name geändert) sei 15 Jahre alt gewesen, als er im Sommer 2015 über Facebook eine 14-Jährige kennenlernte. Der Junge mit arabischen Wurzeln sei ihr Typ gewesen, sagte die Schülerin später im Prozess. Einvernehmlich kam es beim ersten Treffen zu Sex.

Doch nur Tage später habe Hassan T. "das Mädchen genötigt, sexuelle Handlungen auszuüben", hieß es am Mittwoch im Urteil. Sein Druckmittel seien intime Bilder gewesen, die er beim freiwilligen Sex aufgenommen hatte. Er habe sie zu weiteren Treffen genötigt und gedroht: "Wenn du es nicht tust, musst du damit rechnen, dass die Sachen gepostet werden." Mit drei Kumpels sei T. zu weiteren Begegnungen aufgekreuzt. Es sei zu Sex auch mit den anderen gekommen. Ob diese Kenntnis von dem Druckmittel hatten, sei offen geblieben, begründete das Gericht die Freisprüche. Vieles sei im Vagen geblieben.

Bei Hassan T. sei "Geringschätzung gegenüber Frauen tief verankert", sagte der Vorsitzende Richter. Er scheine sie als "Objekt" zu betrachten. In einem zweiten Fall wurde er der Beihilfe zur Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Herstellung jungendpornografischer Schriften schuldig gesprochen. Ein Jahr nach dem Geschehen mit der 14-Jährigen hatte er eine 16-Jährige übers Internet in seinen Bann gelockt.

"Es geschah nach gleichem Strickmuster", so das Gericht. Als die Schülerin in einer Wohnung T. treffen wollte, war dort mit dem Angeklagten Wael I. ein weiterer Mann. Sie hätten die 16-Jährige bei einem Spiel betrunken gemacht. Während der 26-jährige I. das Mädchen vergewaltigte, habe T. den Übergriff mit dem Handy gefilmt. 22 Videos sollen es gewesen sein.

"Sie machte von Anfang an klar, dass sie keine sexuellen Handlungen möchte", so das Gericht. Das sei auf den Aufnahmen deutlich zu erkennen. Sie habe sich trotz ihrer Alkoholisierung gewehrt und T. gefragt, warum er ihr das antue. "Sie wurde ausgelacht." Im Prozess sagte I., aus seiner Sicht sei der Sex einvernehmlich gewesen.

Der Staatsanwalt hatte über die jungen Angeklagten gesagt, ihr Benehmen im Prozess lasse erahnen, "wie sie sich verhalten, wenn sie sich in einer Machtposition befinden". Verachtung und Egoismus seien zu erkennen. Er hatte für T. dreieinhalb Jahre Haft gefordert und fünf Jahre gegen I. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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zeynep2 13.06.2018, 19:31 Uhr
Das Gericht hat sehr vernünftig reagiert.
Die Mädchen verdienen unsere ganze Hochachtung, dass sie die Kraft hatten, anzuzeigen und vor Gericht auszusagen.
Wenn man die Vorfälle der "Grooming Sex Gangs" aus England kennt, die die Methode Liebesfalle - Erpessung - Drogen ebenfalls benutzen, um Mädchen in die Prostitution zwingen zu können, dann gruselt es einen. ...


...


Aus: "Strafprozess in Berlin Landgericht verhängt Haft für zwei Vergewaltiger" Kerstin Gehrke (13.06.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/strafprozess-in-berlin-landgericht-verhaengt-haft-fuer-zwei-vergewaltiger/22682390.html

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"Tat im Weserbergland Mann will sich und Ex-Frau verbrennen – Schwere Verletzungen" (20.06.2018)
Rinteln (dpa). Ein Mann im Weserbergland hat am Mittwochmorgen versucht, sich und seine frühere Ehefrau zu verbrennen.
Dabei erlitt der Mann schwerste Brandverletzungen und musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden, wie ein Polizeisprecher in Stadthagen sagte.
Der Mann war gewaltsam in die Wohnung seiner Ex-Frau in der Ortschaft Schaumburg in Rinteln, nahe Porta Westfalica, eingedrungen, hatte sich und die Frau auf dem Balkon mit einer brennbaren Flüssigkeit überschüttet und dann angezündet.
Während er selbst schwerste Verletzungen erlitten habe, sei es dem Mann nicht gelungen, die Frau in Brand zu setzen, sagte der Sprecher. Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus. Weitere Einzelheiten wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.
http://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Minden-Luebbecke/Porta-Westfalica/3353675-Tat-im-Weserbergland-Mann-will-sich-und-Ex-Frau-verbrennen-Schwere-Verletzungen
« Last Edit: June 21, 2018, 01:59:23 PM by Link »