[Die Reformer und die Überflüssigen… ]

Die „Überflüssigen“ platzten in die Inszenierung des Unternehmerverbandes Gesamtmetall zur Wahl des „Reformer des Jahres“. […] Honorige Herren der INSM eröffneten gerade die Veranstaltung, da schwappte eine Welle „Überflüssiger“ in den Marmorsaal des Palais am Festungsgraben. Der Ort, pompös und direkt hinter den Neuen Wache in Berlin, passte nicht so recht zu den folgenden Szenen.

Bodyguards liefen aufgeregt umher, gegen die Türen stemmten sich beleibte Sicherheitskräfte und trotzdem waren die „Überflüssigen“, die „Reformierten“ plötzlich im Saal. In der vorher noch schön moderierten Unternehmeridylle waren sie einfach da. Der Redner der INSM gab das Rednerpult frei, und ein „Überflüssiger“ eröffnete die Preisverleihung für die dreisteste, dümmste und teuerste (immerhin etwa 10 Millionen Euro, die von dem Unternehmerverband ihrer PR-Maschine zur Verfügung gestellt werden) Propaganda des Jahres. Die Zuhörer, unter ihnen der diesjährige ultrakonservative Verfassungsrichter Udo di Fabio, begannen, den Redner mit zerknülltem Papier zu bewerfen, riefen Feigling (eventuell sind einige es sonst gewohnt, burschenschaftlich mit Degen aufeinander einzuschlagen). Der Veranstalter schaltet flugs die Mikros ab, und so war der amüsante Beitrag von der zahlreich vertretene Presse akustisch nur schwer zu verstehen. Die Preisverleihung ging fast im Chaos der Ordnungskräfte vor der Bühne unter. Die „Überflüssigen“ überreichten in zwei Plastiktüten von Lidl und Aldi (zwei bereits vortrefflich reformierte Unternehmen) Berliner Herbstlaub und märkischen Sand. Mit dem Laub, das von Berliner Ein-Euro-Jobbern gesammelt wurde, könne die INSM noch kräftig Rauschen im journalistischen Blätterwald erzeugen, kommentierte ein Sprecher. Der Sand könnte weiter dazu genutzt werden, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen.

[Aus: „Überflüssige stören ‚Reformer des Jahres‚“ (von martina reill – 29.11.2005) / Quelle: http://de.indymedia.org/2005/11/134070.shtml]

lemon / 30 November 2005 / Fraktal.Text, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Fliegende Untertassen]

[…] Der umgangssprachliche Begriff Fliegende Untertasse (engl. flying saucer) wurde im Jahr 1947 durch ein Interview mit dem US-amerikanischen Piloten Kenneth Arnold geprägt, der das Bewegungsmuster der von ihm gesichteten UFOs beschrieb. Kenneth Arnold erklärte der Presse: „Die Dinger flogen wie Untertassen, wenn man sie übers Wasser springen lässt“. Diese Äußerung verkürzte ein Journalist zu dem Begriff „Fliegende Untertasse“. Die der Radartechnik entspringende Abkürzung UFO wurde 1954 von Edward J. Ruppelt, einem Captain der U.S. Air Force, eingeführt, um die umgangssprachliche Bezeichnung der Fliegenden Untertasse abzulösen. […]

  • Nach der Klosterchronik von St. Albans erschien in England am Neujahrstag 1254 „eine Art Schiff in der Luft, von anmutiger Bauweise und wunderbaren Farben“.
  • 1546 haben mehrere tausend Einwohner über Basel einen Schwarm glänzender Scheiben beobachtet. Das Ereignis sorgte für Aufsehen im gesamten Abendland.

Bruchstück aus: http://de.wikipedia.org/wiki/UFO (11/2005)

lemon / 29 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[30 goto 20]

10 REM Muliple Ego Rekalibrierung v0.01
20 PRINT „ich bin der bödmann.“
22 PRINT „nein ich. “
24 PRINT „hey moment mal ich bin das. “
26 PRINT „das ist nicht wahr – ich bin der blödmann. “
28 PRINT „nein ich.“
30 GOTO 20

lemon / 29 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Macht und Unsichtbarkeit]

“ … Interpretieren heißt die Kraft bestimmen, die einer Sache ihren Sinn gibt. … Jede Kommunikation aktiviert unvermeidlich Macht. Diesen Sachverhalt aber permanent zu negieren, ist schließlich nur eine der vielen Strategien der Macht, nämlich sich in die Unsichtbarkeit zurückzuziehen. …“ Aus: „Spuren der Macht“ von Kurt Röttgers (2002) / Quelle: shspuk.pdf]

lemon / 29 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Ein semiotischer Vorgang]

[…] Ein semiotischer Vorgang in sprachwissenschaftlicher Hinsicht liegt vor, wenn eine codierte Nachricht von einem Sender zu einem Empfänger gesendet wird und diese Nachricht vom Empfänger decodiert, also entschlüsselt werden kann.

Diese Daten oder Nachrichten werden durch den Empfänger klassifiziert und interpretiert.

Bruchstück aus: „Semiotik“
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Semiotik

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[…] Es gibt keine übergeordnete Sprache, keine allgemeinverbindliche Wahrheit, die widerspruchsfrei das Ganze eines formalen Systems legitimiert. Wissenschaftliche Rationalität, sittliches Handeln und politische Gerechtigkeitsvorstellungen spielen je ihr eigenes Spiel und können nicht zur Deckung gebracht werden.

„In äußerster Vereinfachung kann man sagen: ‚Postmoderne‘ bedeutet, dass man den Meta-Erzählungen keinen Glauben mehr schenkt.“ (Lyotard, Das Postmoderne Wissen, 1986, 7/14)

Bruchstück aus: „Postmoderne“ (11/2005)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne

lemon / 28 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

lemon / 28 November 2005 / Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Neurophilsophie]

[…] haben die 90er Jahre, das Jahrzehnt des Gehirns, vor allem eins gezeigt: Sowohl die Philosophen als auch die Naturwissenschaftler muessen umdenken, wenn sie das Bewusstsein verstehen wollen. Bis jetzt ist noch nicht einmal klar, mit welcher Art von Erklaerung wir ueberhaupt zufrieden sein sollen. Das Phaenomen verlangt nach einer neuen Naturphilosophie, einer Neurophilsophie im besten Sinne des Wortes. Und wer meint, das mit dem Bewusstsein sei gar kein Problem – der ist vielleicht doch ein Zombie.

[Aus: „Radio Akademie: Welt im Kopf“ (1998) SUEDDEUTSCHER RUNDFUNK; Autor: Gabor Paal; Redaktion: Detlef Clas, Radio Akademie Regie: Iiris Arnold – Quelle: ra980620.txt]

lemon / 27 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Dekonstruktion der Subjektvorstellungen… ]

[…] Die postmoderne Herausforderung, die die Dekonstruktion psychologischer Subjektvorstellungen beinhaltet, liegt in der Verabschiedung der Psychologie als Leitwissenschaft für die Gestaltung des – guten – Lebens: „Jedermann wird seine eigene Geschichte und seinen eigenen Stil selbst bestimmen können; aber dieses „Eigene“ ist eine Illusion.“ (van der Loo & van Reijen 199o, 262)

| [Aus: „Dekonstruktion psychologischer Subjektvorstellungen in der Krise der Moderne: Herausforderung der Postmoderne“ (Auszüge aus: Journal für Psychologie 4, 1995, 1/ 1996, 27-38) von Klaus-Jürgen Bruder – Quelle: postmoderne/bruder_dekonstruktion_subjektvorstellungen.htm]

lemon / 27 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[der sublimale geruch]

zeit frist sich in die seitenstrassen.
rostwasser läuft die beine hinab.
die unhaltbarkeit aller standpunkte.
verwischt sich – und niemand ist davor sicher.
der schweiss, der sublimale geruch,
phantasmen und sex, blicke.
bewegung im nieselregen und schneematsch.
die schwachsinnsbombe explodiert mitten im alltag.
ein moral-porno mit orgasmus-belehrungen.
die vorführung hat begonnen.
auf offener strasse.
eintritt frei.

lemon / 25 November 2005 / Fraktal.Text, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[letztlich systemimmanent]

[…] „Der typische Folterknecht in einem Land, das die Folter gutheißt, ist kein Perverser, sondern ein hart im Folterkeller arbeitender Familienvater, der abends zu seinen Kindern fährt.“ (Chris Haderer)

Aus: „Kalkulierter Schmerz“ / Quelle: http://www.evolver.at/?story=1756

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[…] „Naja, ich kann auch nicht über den, der gefoltert wird, reden. An ihm beweist sich schließlich auch nur in der endlich offenen Liquidierung der Fiktion des Subjektstatus des Objekts staatlicher Repression, daß die Werte bürgerlicher Rechtsideologie für den imperialistischen Staat lästige Antiquitäten sind, wenn sie den Verwertungsbedingungen des Kapitals nicht mehr entsprechen.“

(von Andreas Baader / Aus: Ausgewählte Dokumente der Zeitgeschichte: Bundesrepublik Deutschland (BRD) – Rote Armee Fraktion (RAF), GNN Verlagsgesellschaft Politische Berichte, 1. Auflage Köln Oktober 1987) / (web: nadir.org)

[Aus: „Erklärung von Andreas Baader“ / Quelle: brd+raf/025.html]

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[…] In dem 38-seitigen Bericht: “The Road to Abu Ghraib?, zeigt Human Rights Watch, wie die Bush-Regierung bewusst eine Politik illegaler Verhörtechniken einsetzte – und diesen Umstand dann zwei Jahre lang vertuschte. Frühe Berichte von Folter und Missbrauch durch die US-Truppen wurden einfach ignoriert.

[Aus: „Irak: Missbrauch direkte Folge der Bush-Politk“ (New York, 10. Juni 2004) / Quelle: http://hrw.org/[…]iraq8793.htm]

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[…] Aussagen von Templern werden vorgebracht, zum großen Teil – aber nicht ausschließlich ! – unter der Folter erpreßt. Die Beweise scheinen erdrückend. Das Konzil verfügt die Auflösung des Ordens. Die Gewinner sind König Philipp und die alten Konkurrenten der Templer vom Johanniterorden. Am 18. März soll dem einstigen Großmeister der Templer, Jacques de Molay, das Urteil verlesen werden. Es lautet auf lebenslängliche Haft. Da aber erhebt sich der gealterte Templer und widerruft alle seine Geständnisse. Damit gilt er automatisch als rückfälliger Ketzer und wird noch am selben Abend auf einer Seineinsel in Sichtweite der Kathedrale Notre Dame verbrannt…

[Aus: „Historische Persönlichkeit des Monats“ (Magister Rothers Mittelalter in Europa / Quelle: person2002.php4]

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[…] Auch im so zivilisiert geltenden Europa ist Folter keineswegs ein unbekanntes Phänomen. Hier hat das Anti-Folter-Komitee des Europarats ein wachsames Auge auf mögliche Folter-Orte. Dazu gehören Gefängnisse und Polizeistationen, psychiatrische Klinken und sogar Heime für behinderte Menschen und Altenheime.

[Bruchstück aus: „Folter: ‚Es ist nicht immer der böse Wille'“ / Quelle: Deutsche Welle (26.06.2005) / http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,1626284,00.html]

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[…] Wer wundert sich noch über die Bilder von Misshandlungen in Basra? Wer hört noch hin bei den Nachrichten über eine Bombe in Bagdad? Im Irak werden Perversionen und Gewalt in solchem Übermaß produziert, dass der Überdruss inzwischen sogar die Verantwortlichen ergriffen hat.

[…] Die mit prallem Stolz mit der Kamera dokumentierten Misshandlungen mögen Auswüchse sein, für die einzelne Soldaten zur Verantwortung gezogen werden. Doch kein noch so transparentes Gerichtsverfahren und kein noch so hartes Urteil kann darüber hinwegtäuschen, dass diese Auswüchse letztlich systemimmanent sind.

[Aus: „Auf die Kriegslüge folgt die Demokratielüge“ von Peter Münch (SZ vom 21.1.2005) / Quelle: ausland/artikel/404/46358/]

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[…] Irakische Ermittler haben Dutzende von Häftlingen gefoltert. Die irakische Regierung bestätigte am Donnerstag Berichte über die Misshandlung von Gefangenen. Der stellvertretende Innenminister Hussein Kamal sagte in Bagdad, die schlimmsten Befürchtungen der Regierung seien wahr geworden.

[Aus: „Iraks Regierung bestätigt Folter an Häftlingen“ (17. Nov 2005 12:49) / Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/368293.html]

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[…] Zunächst ist klarzustellen, dass die Folter im Mittelalter nicht als Bestrafung galt, sondern als legitimes Mittel zur Erlangung eines Geständnisses.

Es ist immer sehr gewagt, gegenwärtig gültige moralische Vorstellungen auf andere Epochen übertragen zu wollen. Deshalb ist es auch eine heikle Sache, die Weltanschauung des mittelalterlichen Menschen als primitiv zu bezeichnen.

[Thema: „Strafen im Mittelalter“ Text-Bruchstück von L. Borgia (11.10.2005) / http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=3642&page=2]

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„Es ist sehr wichtig für die Menschen im Nahen Osten zu verstehen, dass unsere Soldaten im Ausland anständige und ehrenwerte Bürger sind, die sich um Freiheit und Frieden kümmern, die täglich im Irak dafür arbeiten, dass sich das Leben der Irakis verbessert.“ – George W. Bushs Kommentar nach Veröffentlichung der Folterfotos aus dem Irak, Mai 2004.

[Aus: „Folter“ / Quelle: http://www.graswurzel.net/290/folter.shtml]

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„Die Folter ist eine Systematisierung und Verfeinerung der Brutalität. Es existiert die erklärte Absicht, die Persönlichkeit des Subjektes zu brechen, zu zerstören und ihn politisch zu neutralisieren. Das Subjekt muß in einer systematischen Ungerechtigkeitssituation zu einem Wesen ohne Selbstvertrauen werden, unfähig zum geringsten Widerstand“ (Corvalan 1983, zit. n. Potts / Prasske 1993, S. 60f).

[Aus: „Frauen auf der Flucht“ / Quelle: http://www.zebra.or.at/doc/frauen-flucht/folter.htm]

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[…] Die meisten Menschen haben eine latente Bereitschaft zum Foltern. Diese Bereitschaft bricht sich leichter ihre Bahn, wenn die Folter durch „ethische“ Gründe (siehe Wolfgang Daschner) oder Sachzwänge („mir blieb ja keine Wahl“) gerechtfertigt oder gar „zwingend“ erscheint. Die Psychologie testete die latente Bereitschaft, anderen Menschen Grausames anzutun (indem man das eigene Gewissen dem Gehorsam unterordnet) mit dem Milgram-Experiment („Abraham-Test“).

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tortur

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Thema: Telepolis-Artikelforum > „Dieser Geheimdienst foltert nicht“

[…] Was mich bei der ganzen Diskussion wundert, ist, dass die Kategorie „Terrorist“ auch bei den Leuten, die noch einigermaßen klar denken können in das allgemeine Neusprech eingegangen ist und kaum noch hinterfragt wird, was es damit auf sich hat.

Wenn ein Rechststaat „Teroristen“ jagt, dann hat er seine Rechtsstaatlichkeit bereits aufgegeben. Mit dem Begriff „Terrorist“ wird willkürlich eine Gruppe von Menschen definiert, die außerhalb jeglicher zivilisatorischer Norm behandelt (verschleppt, gefoltert, geschlachtet) werden kann. Sogar präventiv, auf Verdacht, ohne eine Kontrollinstanz.

Damit wird außerdem die Grundlage für den willkürlichen Zugriff ohne jede Kontrolle durch die Gesellschaft auf JEDEN geschaffen. So ein Staat ist seinerseits ein Terrorstaat. Die Dimension dessen, was da losgetreten wird scheint kaum jemanden aufzufallen.

Nochmal: in einem zivilen Rechtsstaat gibt es freie Bürger und, sofern einer andere schädigt, wird er als Krimineller behandelt und bekommt ein ordentliches Verfahren. Darüber hinaus gibt es nichts. Alles andere wäre Staatsterror.

[Autor: stoffer1 (331 Beiträge seit 24.1.05) / Quelle: http://www.heise.de/tp/foren…]

lemon / 23 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments