[Reflex-Erscheinungen]

[…] Ein wichtiger und allgemeiner Charakter aller Reflex-Erscheinungen ist der Mangel des Bewußtseins. […]

Primäre Reflexe sind solche, die phyletisch [die Abstammung, die Stammesgeschichte betreffend (Biol.)] niemals bewußt gewesen sind, also die urspründliche Natur (durch Vererbung von niederen Thier-Ahnen) beibehalten haben.

Sekundäre Reflexe dagegen sind solche, die bei den Voreltern bewußte Willenshandlungen waren, aber später durch Gewohnheit oder Ausfall des Bewußtseins zu unbewußten geworden sind. Eine scharfe Grenze ist hier – wie überall – zwischen bewußten und unbewußten Seelenfunktionen nicht zu ziehen.

[Ernst Haeckel; Aus: „Die Welträthsel“ 1899; Kap.7 „Stufenleiter der Seele“ (edited by Kurt Stüber, July 15, 1997) / Quelle: http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/~stueber/haeckel/weltraethsel/inhalt.html]

lemon / 12 Dezember 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Das unbewußte Subjekt]

[…] Und auch das unbewußte Subjekt auf der Couch ist ein anderes, je nachdem, ob sein trockenes Hirn Neurotransmitter freisetzt oder sein feuchtes Gehirn Hormone absondert.

[Bruchstück aus „hybrid“ von Bruno Latour (16.10. 2000 um 01:24:52) / Quelle: http://www.a-blast.de/blast/hybrid.8.html]

lemon / 12 Dezember 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Abklärung und Phänomenologie der Gegenwart]

[…] Deutschland wirkt als intellektuelle Wirklichkeit in fremden Ländern tatsächlich angenehm, angenehm langweilig nämlich.

[…] daß die 68er Bewegung gar nicht wußte, auf welche Potentiale sie gesetzt hatte. Was bspw. unter Psychoanalyse-Rezeption abgelaufen ist, war immer ein Witz. Man hat all das, was in der Lacan-Schule – leider völlig hermetisch – entwickelt worden ist (Freuds Begriff des Unbewußten, das unbewußte Subjekt) niemals ernst genommen. Von diesen wirklichen Sprengsätzen der Psychoanalyse hat hierzulande fast niemand etwas begriffen.

[…] Alle „bösen Buben“ der jüngeren Geistes-geschichte – denken Sie nur an C. Schmitt und M. Heidegger oder E. Jünger und A. Gehlen – sind für eine Phänomenologie der Gegenwart viel spannender und aktueller als die guten Menschen des Humanismus. Zugespitzt gesagt: Das Dogma der Erbsünde ermöglicht einen schärferen Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeit als der universalistische Glaube an die Solidarität einer „Menschheit“. Letztlich unterscheiden sich ja alle Gesellschaftstheorien in der Antwort auf die simple Frage: Sind Menschen von Natur aus gut (solidarisch, konsensfreudig) oder böse (aggressiv, machtwillig)? Alle „guten“, menschenfreundlichen oder ethisch anspruchsvollen Theorien sind anachronistisch geworden, alle „bösen“ Theorien haben dagegen eine brennende Aktualität bekommen. Denn „das Böse“ hat gesiegt: der Kapitalismus, der Marktwettbewerb, der Konsumismus. Anstatt darüber zu erschrecken und uns in humanistische Sackgassen zu manövrieren, sollten wir versuchen, diese bösen Theorien so zu instrumentieren, daß sie im Sinne einer Dialektik der Gegenaufklärung in eine Phänomenologie der Gegenwart umschlagen.

[…] Es handelt sich hier um zwei komplementäre Verfahrensweisen. Natürlich bin ich – ich verstehe mich auch nach wie vor als Aufklärer – am Abbau von Illusionen interessiert. Aber die größten Illusionen, die uns das Denken und das Leben verbauen, sind die Illusionen der Aufklärung selbst. Das meinte ich auch mit Abklärung. Abklärung meint nichts anderes als Abbau von Illusionen. Nur geht es nicht mehr um die Illusionen der politischen Wirklichkeit, sondern es geht um die Illusionen der Theorien, die wir über diese Wirklichkeit aufgestellt haben. Das größte Problem des Denkens heute scheint mir, überhaupt zu sehen, was ist. Wir schleppen eine Menge überalteter Theorien mit uns herum, in denen wir uns immer noch rituell bewegen und die uns den Blick verstellen. Komplementär zu diesem Abbau von Illusionen wäre eine Artisten-Strategie, die das Ästhetische als eine Dimension des Experimentierens und des Arbeitens mit dem Schein selber begreift. Kunst ist für mich eine Sonde der Wirklichkeitserforschung. Die Künstler müßten endlich vom Elfenbeinturm in den Kontrollturm wechseln.

[…] Sie sollten ihre ästhetische Experimentaltechniken zur Wirklichkeitserforschung, aber nicht zum Entwerfen von alternativen Welten benützen. Das machen Medien viel besser und perfekter. Kunst hat durch ihre poetisch-ästhetische Lizenz die einmalige Chance, die Wirklichkeit selber experimentell zu durchdringen. Da Schein nicht mehr der Gegenbegriff von Wirklichkeit ist, kann sie Strategien des Scheins entwerfen. Seit Nietzsche wissen wir, daß die Wirklichkeit nichts anderes ist als eine Überlagerung verschiedener Formen von Schein.

Tolerant und rücksichtsvoll handeln, aber gefährlich denken.

Aus: „Der heuchlerische Kulturbetrieb“ (Norbert Bolz im Interview von Rudolf Maresch; Datum ?) / Quelle: http://www.rudolf-maresch.de/interview/1.pdf

lemon / 11 Dezember 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Der Geist des DIY]

[…] Letztendlich wird der Geist des DIY (Do It Yourself), der als Teil der Punk-Bewegung in den 70er Jahren entstand, sich für einige Zeit als die wichtigste Transformationskraft erweisen. Dieser Geist pflanzte sich in der Cyberpunk-Bewegung der 80er und 90er fort und drückt sich heute in der Netzkultur aus, in der jede Person oder jede Gruppe ein multimedialer Sender ist.

[Aus:“Spuren des Protests – Interview mit dem Cyberspace-Veteranen R. U. Sirius“ von Jörg Auf dem Hövel (TP; 05.12.2005) / Quelle: LINK]

lemon / 7 Dezember 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Opferakten]

[…] Bukarest, eine graue Kaserne am Rand der rumänischen Hauptstadt. Hier lagert ein Teil des Archivs von Ceausescus berüchtigtem Geheimdienst Securitate. Florin Pintilie, der Direktor des Archivs, schließt eine Panzertür auf, hinter der etwa ein Kilometer Akten lagern: „Hier befindet sich ein Teil der Opferakten, also Akten über die Leute, die von der Securitate verfolgt wurden. Es sind nicht so beeindruckend viele Akten wie in der deutschen Stasi-Akten-Behörde, aber es sind auch nicht wenig.“

[Aus: „Einsicht in nur unvollständige Akten – Umgang mit den Securitate-Archiven in Rumänien“ (Bonn, 26.11.2003, DW-radio) / Quelle: http://www.dw-world.de/dw/article/0,,1043787,00.html]

lemon / 6 Dezember 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Terror kippt in Geborgenheit um… ]

“ … Treu und Gehorsam, haben dieselben Wurzeln in einem Beitreten zur Autorität, wodurch die resultierende freiwillige Knechtschaft als moralischer Wert und bewundernswerte Qualität eines Menschen vor Augen gehalten wird. Solches Verhalten ist das Resultat eines destruktiven Vorgangs, indem eigener Wert zum Unwert und Unwert zum Wert umgewandelt wurde.
Es ist schon etwas eigenartiges, dass der Mensch, wenn er mit Terror und Nichtexistenz bedroht ist, sich mit der ihn bedrohenden Instanz identifiziert, sich mit ihr verschmelzt, seine Identität aufgibt, um vermeintliche Rettung zu erlangen.
… Silverberg (1947) beschreibt diesen Mechanismus der Identifizierung mit dem Aggressor als eine bereits in frühester Kindheit auftretende Reaktion auf äußerste Hilflosigkeit. Was hier zu passieren scheint, ist eine Verneinung der Differenzierung, der Trennung vom bemutternden Objekt, weil das in diesem Entwicklungsstadium zu bedrohlich wäre. Diese Trennung darf nicht, kann nicht wahrgenommen werden, sonst wäre das Überleben gefährdet. Damit dies ermöglicht wird, bedarf es eines Manövers, vergleichbar mit einer Halluzination, einer Phantasie oder einem Traum. Es besteht darin, dass die Wirklichkeit zwischen sich selbst und dem anderen verdreht wird. Es ist, als ob das frühkindliche Ich doch einmal etwas besseres erlebt hat und nun versucht, diesen Zustand zurückzuholen (Silverberg, 1952), indem es eine phantasierte Homöostasis aufrechterhält, um sein Weiterleben zu ermöglichen – Terror kippt in Geborgenheit um. “

Aus: „Die Konsequenzen des Gehorsams für die Entwicklung von Identität und Kreativität“ von Prof.Dr. Arno Gruen – Psychoanalytiker in eigener Praxis in Zürich, Schweiz (Vortrag bei den 53. Lindauer Psychotherapiewochen am 12. April 2003) | Quelle: http://www.susannealbers.de/04psycho-gruen-werk01.html

lemon / 6 Dezember 2005 / Fraktal.Text, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Praxis der Sonderauslieferungen]

[…] Sieht man sich die Praxis der Sonderauslieferungen an, kann man eine überraschende Entdeckung machen: Zum Transport ihrer Gefangenen benutzen die CIA und andere Agenturen der USA regelmäßig anonyme Privatflugzeuge.

In meinem Besitz befinden sich die vertraulichen Logbücher eines Langstreckenjets vom Typ Gulfstream V, der für das Transportsystem der CIA offenbar eine zentrale Rolle spielt. Dieses Flugzeug hat seit 2001 über 49 Flughäfen außerhalb der USA angeflogen, darunter regelmäßig Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien, Marokko und Usbekistan – also durchweg Länder, in denen die USA ihre Gefangenen abliefern.

„Plane-spotters“ haben das Flugzeug schon mehrfach fotografiert. Es ist weiß angestrichen und trägt als einzige Aufschrift die zivile Registriernummer N379P, jedenfalls bis vor kurzem. Nach Dokumenten, die ich einsehen konnte, wurden die beiden Ägypter im Dezember 2001 in Schweden eindeutig mit diesem Flugzeug abgeholt. Dieselbe Maschine wurde im Oktober 2001 auch in Pakistan gesichtet, als Zeugen auf dem Flughafen von Karatschi beobachteten, wie eine Gruppe Maskierter einen Mann in ein Flugzeug schaffte. Der Mann landete schließlich in Jordanien.

Auch Robert Baer, dem die Logbücher vorlagen, hat keine Zweifel, dass dieser Gulfstream-Jet mit den Auslieferungen zu tun hat: „Er fliegt immer Orte an, wo gefoltert wird.“ Baer hat für die CIA 21 Jahre lang als Geheimagent im Nahen Osten gearbeitet, bevor er vor etwa zehn Jahren den Dienst quittierte. Er meint, ein solches Flugzeug sei für den Geheimdienst deshalb von Nutzen, weil es keine militärischen Kennzeichen trägt. Als formeller Besitzer fungiere eine Briefkastenfirma: „Die kann man praktisch über Nacht auflösen, wenn sie enttarnt wird. Und wenn’s sein muss, wechselt man einfach das Flugzeug. Das ist ziemlich üblich.“

Nach Baer geht es bei der Sonderauslieferungspraxis um mehr als nur darum, Terroristen in Länder wie Ägypten zu schicken, damit sie dort im Gefängnis sitzen. Manchmal geht es auch darum, sie ganz verschwinden zu lassen. Der angestrebte Zweck sei je nach Land verschieden: „Wenn du einen Gefangenen nach Jordanien schickst, bekommst du ein besseres Verhör. Wenn du aber einen etwa nach Ägypten schickst, wirst du ihn wahrscheinlich nie wieder sehen, und dasselbe gilt für Syrien.“

[…] So befindet sich die zentrale Operationsbasis für die Ausweisungsflüge der CIA in Deutschland. Und die von mir eingesehenen Logbücher belegen, dass der genannte Gulfstream-Jet wie auch eine Boeing-737, die für andere Ausweisungen benutzt wurde, regelmäßig in Frankfurt gelandet sind.

[Bruchstück aus: „DAS STILLE SYSTEM DER AUFTRAGSFOLTER – Entführt, verhört, versteckt“ – Le Monde diplomatique Nr. 7612 vom 11.03.2005, Seite 6-7, STEPHEN GREY / Le Monde diplomatique, Berlin (deutsch von Niels Kadritzke) / Quelle: http://www.monde-diplomatique.de/pm/2005/03/11/a0027.text]

lemon / 6 Dezember 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[built and operated in secret… ]

[…] Coats informed the German minister that the CIA had wrongfully imprisoned one of its citizens, Khaled Masri, for five months, and would soon release him, the sources said. There was also a request: that the German government not disclose what it had been told even if Masri went public.

The U.S. officials feared exposure of a covert action program designed to capture terrorism suspects abroad and transfer them among countries, and possible legal challenges to the CIA from Masri and others with similar allegations.

The Masri case, with new details gleaned from interviews with current and former intelligence and diplomatic officials, offers a rare study of how pressure on the CIA to apprehend al Qaeda members after the Sept. 11, 2001, attacks has led in some instances to detention based on thin or speculative evidence. The case also shows how complicated it can be to correct errors in a system built and operated in secret.

[…] „They picked up the wrong people, who had no information. In many, many cases there was only some vague association“ with terrorism, one CIA officer said.

While the CIA admitted to Germany’s then-Interior Minister Otto Schily that it had made a mistake, it has labored to keep the specifics of Masri’s case from becoming public.

[From: „Wrongful Imprisonment: Anatomy of a CIA Mistake“ – German Citizen Released After Months in ‚Rendition‘ – By Dana Priest (Washington Post Staff Writer (Sunday, December 4, 2005) / Source: LINK]

lemon / 6 Dezember 2005 / Überwachungssysteme, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

lemon / 4 Dezember 2005 / Found.Stuff / 0 Comments

[but we normally remain ignorant]

[…] I am a strong advocate of the hypothesis that psychedelic drugs do not do things, but rather they allow things to happen. All the states of consciousness that can be revealed have always been present within that remarkable organ we call the brain, but we normally remain ignorant of our potentials. (Alexander T. Shulgin)

[From: „21st Century Highs – The Future of Psychedelics: An interview with Alexander T. „Sasha“ Shulgin by Dee; Fringecore 7 (1998) / Source: http://www.fringecore.com/magazine/m7-1.html]

lemon / 3 Dezember 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments