[…was davon in den Händen zurückbleibt]

[…] „Cailloux (…) geht es um Selbstbefragung, um das Verständnis dessen, was sich an der Schaltstelle zwischen dem Ausgreifen des jugendlichen Idealismus und dem späteren Leben mit dem, was davon in den Händen zurückbleibt, abspielt.“
(Bernd Wagner im DeutschlandRadio vom 10.07.2005)

http://www.single-generation.de/kohorten/68er/bernd_cailloux.htm

lemonhorse / 25 Oktober 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Dieser realitätsaufweichende Impuls]

[…] Monty Python waren die psychedelische Revolution in der Geschichte der Komik. […] Dieser realitätsaufweichende Impuls indes war nicht etwa drogeninduziert, sondern reines Kalkül.

[…] »Entscheidend war«, so Chapman, »daß wir uns von der Pointe verabschiedeten. Jahrelang hatte die zu einem Sketch gehört, auch für uns als Texter. Der Produzent war sehr irritiert, wenn es keine Pointe gab, denn wie sollte er ohne sie ein Ende setzen und die Zuschauer zum Klatschen auffordern? Nun ja, wir machten uns nicht allzu viele Gedanken über die Zuschauer, die würden schon zurechtkommen.«

[…] Wir ließen den Sketch laufen, bis wir das Gefühl hatten, daß die Luft raus war, und gingen dann zu etwas anderem über. Das verschaffte uns sehr viel Freiheit.«

Das war der eine Bruch mit der Tradition. Der andere betraf die Struktur. Ausgehend von einem Cartoon Gilliams’, einer Art Bewußtseinsstrom, überzeugt Terry Jones die anderen, nicht zuletzt Cleese, diese eher assoziative Stream-of-consciousness-Methode zum Kompositions-Prinzip der »Flying Circus«-Shows zu erheben und dafür herkömmliche Erzählweisen dranzugeben. Gilliam kam so eine besondere Funktion zu, weil seine überleitenden Trickfilme und Animationen erst den wenn auch eher vagen Zusammenhang der einzelnen Sketche stifteten. Mit dem geringen Budget und der damaligen Technik eine echte Viecherei: »Ich kam vielleicht einmal die Woche zu den Proben, und das war eine völlig andere Welt. Sie gingen ständig aus, in Pubs und Restaurants, während ich in meiner Wohnung hockte, Papier ausschnitt und farbig anmalte. Ich war immer der Außenseiter, ganz klar, der am Aufnahmetag mit ein paar Filmrollen auftauchte. Ich versuchte, mich in ihre Welt hineinzudenken und schnell aufzuholen, weil ich dazugehören wollte. Dann erlaubten sie mir sehr gönnerhaft und gnädig, eine unbequeme Rüstung anzuziehen und jemanden mit einem Gummihuhn zu verprügeln.«

Bruchstücke aus: „Knickknack, Sie wissen schon! – Die psychedelische Revolution in der Komik: »Python über Python« – eine autobiographische Collage“ von Frank Schäfer (06.10.2004) / Quelle: http://www.jungewelt.de/beilage/art/648

lemonhorse / 25 Oktober 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Der Irrtum des Zensors]

[…] „Der Irrtum des Zensors mag darin bestehen, nicht zu sehen, daß sein Verbot die Einseitigkeit aller Wahrheiten impliziert, die offziell zur Verfügung gestellt werden. Wer verbietet, begründet mithin den Verdacht, daß seine Wahrheiten Lügen sein könnten. Allein die Existenz des Verbots mahnt die Wahrheit an, produziert eben den Druck der nichtoffiziellen Meinung, die doch gerade verhindert werden soll. So mag das unterdrückte Wissen gefährlicher werden als die offene Kritik der jeweiligen Staatsdoktrin. Indexlisten werden zur Lektüreempfehlung, der verbotene Inhalt genießt a priori die Aura des Bedeutsamen. Allein im Verbot wird der Gedanke nobilitiert, wird ihm politische oder soziale Sprengkraft attestiert, die oft über den Inhalt der inkriminierten Wahrheit hinausreichen mag. Gedanken, die bekanntlich frei sind, erweisen sich als stärker als ihr Medium, transzendieren ihre Verkörperung, besetzen andere Medien, um sich erfolgreich gegen das Verbot durchzusetzen…

Bruchstück aus: „Zur Kritik der medialen Vernunft“ von Goedart Palm (2005) / quelle: http://parapluie.de/archiv/schoenheit/vernunft/

lemonhorse / 24 Oktober 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Weapons, Clowns and Business]

[…] More than 70 people took part in an action organised against the Weapons Defence Industry Association conference held at Te Papa on Tuesday.

[…] The blockade was maintained for about two and a half hours. The clowns made persistent fun of both the conference attendees and the police by lining up with them, marching around behind them, as well as riding bikes and throwing water balloons. A certain „pro-capitalist“ contingent holding placards such as „Fuck the 3rd world“ and „Capitalism is wonderful“ were attacked and dealt to in appropriate clown fashion.

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snatch from „Weapons Conference a Battleground for Protesters“ / text and pictures source => http://indymedia.org.nz/ (19 Oct 2005) / http://indymedia.org.nz/feature/display/38303/index.php

lemonhorse / 24 Oktober 2005 / Fraktal.Text, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Bilder nicht hart verlötet]

[osrama² (2002)]: […] Ist es nicht so, dass das Bewußtsein eben diese Unterscheidung zwischen Subjekt u. Objekt setzt, indem es sich eben Abgrenzen muss um ein Individuum zu konstituieren, dass aber diese Unterscheidung sich im nachhinein wieder transzendieren lässt und man sich so als das Bewußtsein des Naturprozesses verstehen kann.

[…] da wir Natur sind und nichts als Natur sein können, es ist eigentlich dieser Prozess der ein Bewußtsein entwickelt hat, (freilich nicht bewußt) und jetzt versucht sich selbst zu verstehen. Wissenschaft ist dieser systematische Versuch.

[…] Gerade dieses dass der Geist mit Bildern arbeitet, mit Assoziationen die nur los sind und nicht hart verlötet, schafft in meinen Augen die Möglichkeit dass er über seinen Ursprung sich hinausdenken kann. Das ist die eigentliche Transzendenz.

Quelle: http://philo-forum.de/philoforum/viewtopic.html?p=112940
[philo-forum.de wurde auf unbestimmte Zeit aus dem Netz genommen – Derzeit wird geklärt, wie die Zukunft des philo-forum.de aussehen könnte. Sobald hierzu eine Entscheidung gefallen ist werden wir Euch an dieser Stelle davon unterrichten. (2009))

lemonhorse / 20 Oktober 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[real, irreal und Realität]

[…] Das genaue Verständnis dessen, was unter real, irreal und Realität zu verstehen ist, beruht auf den jeweils vorausgesetzten philosophischen Grundannahmen ontologischer und metaphysischer Art; dies gilt auch für das Realitätsverständnis der einzelnen Wissenschaften.

Naiver Realismus: Die Realität ist eindeutig beschreibbar und so beschaffen, wie sie erkannt wird, wenn auch Irrtümer und Erkenntnisfortschritt möglich sind. Diese Position ist angesichts der fortgeschrittenen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse kaum noch vorzufinden.

Kritischer Realismus: Die Realität spiegelt sich zwar über Wahrnehmungen und geistige Leistungen nur als Erscheinungen im Bewusstsein des Menschen wider. Doch gibt es zwischen den realen Gegenständen und den Erscheinungen erkennbare Beziehungen, so dass z.B. zwei Personen, die dasselbe wahrnehmen, auch über dieselbe Erscheinung verfügen. Der kritische Realismus geht von einem Erkenntnisfortschritt aus, d.h. der Annäherung des Wissens an die tatsächlichen Verhältnisse in der Außenwelt.

Semantischer Realismus: Im Begriff semantischer Realismus wird unterstellt, dass es für die Außenwelt eine eindeutige Interpretation gibt.

Epistemischer Realismus: Die vorstehenden Auffassungen können als epistemischer Realismus zusammengefasst werden. Ihnen gemeinsam ist die Auffassung, dass sinnvolle Aussagen über die Außenwelt gemacht werden können.

Schwacher Realismus: Es gibt zwar eine Realität und diese steht in gewisser Beziehung zum wahrnehmenden Subjekt, doch dieser Tatbestand lässt keine Rückschlüsse auf die Welt an sich zu. Für der Menschen existiert nur, was für ihn erkennbar ist. Jeder andere Rückschluss ist spekulative Metaphysik. Die Sinne des Menschen werden affiziert (ob nun entsprechend der atomistischen Assoziationspsychologie oder der Gestaltpsychologie ist dabei unerheblich) und es entsteht ein Umwandlungsprozess, der zu den Erscheinungen im menschlichen Bewusstsein führt (Kant oder Kuhn; bei letzterem heißen die Affizierungen Stimuli). Eine Wirklichkeit ohne interpretierende Zeichen ist nicht vorstellbar (Günter Abel).

[…] Bei der Interpretation der Quantenmechanik stellte sich das Problem, den Begriff ‚Realität‘ zu definieren, verschärft.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t (10/2005)

lemonhorse / 12 Oktober 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Roboter und Meta-Bewusstsein… ]

„[…] Ein Roboter mag vielleicht in vielen Situationen sehr ähnlich wie ein Mensch handeln können, aber wird er je „wie wir“ etwas wahrnehmen, so etwas haben wie ein Ich-Gefühl und über sich selbst und sein Bewusstsein reflektieren können? Und sind es nicht vielleicht gerade diese Aspekte des Bewusstseins, bei denen es für uns am schlimmsten wäre, würden wir sie verlieren, selbst wenn wir nach wie vor „funktionieren“ würden? […] „Meta-Bewusstsein“ wird u.a. als Begriff verwendet, um zu beschreiben, dass der Mensch die Fähigkeit hat, nicht nur aus einer Ich-Perspektive zu handeln, sondern auch, dass er „sich bewusst ist, dass er Bewusstsein hat“. Dies ermöglich ihm, sein eigenes Bewusstsein zum Objekt seiner Reflektion machen zu können. Alle diese drei Aspekte des Bewusstseins sind sehr wesentlich für unseren Alltag, aber die Theorien zur Erklärung ihre Mechanismen stehen noch in den Kinderschuhen. …“

Aus: „Natürliches und künstliches Bewusstsein“ von Andreas Hieronymi (2004) / Quelle: bewusstsein%20hieronymi.pdf

lemonhorse / 12 Oktober 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Ignorantismus]

[…] Das Wort Ignorantismus steht für das ignorantische Verhältnis zur umgebenden Informationswirklichkeit. Mit dem Ignorantismus tritt eine neue Realität in ihre Rechte. Das Leben erscheint als ein simultanes Gewirr von Geräuschen, Farben, Worten und Kanälen, das in der ignorantistischen Kultur unbeirrt von allen sensationellen Schreien und Fiebern seiner verwegenen All- und Sonntagspsyche und in seiner gesamten brutalen Überfülle ignoriert wird. Hier ist der scharf markierte Scheideweg, den der Ignorantismus von allen bisherigen kulturellen Strömungen und vor allem vom IRONISMUS trennt, den kürzlich Schwachköpfe als eine neue Auflage risikofreier Subversion aufgefaßt haben.

[…] Ignorantist sein heißt, sich von den Daten nicht surfen [zu] lassen, [und zudem] gegen jede Sedimentsbildung [zu] sein. Ein Moment dem in-ignorantistischen Malstrom zugehört, heißt, das Leben in Gefahr gebracht haben. Das gewaltige Hokuspokus der In-Ignorabilisten verfehlt die Nerven des echten Ignorantisten – so liegt er, so schläft er, so radelt er – halb Ohropax, halb Mundschutz. Gegen die irreale Abstraktion des In-Ignorantismus! Gegen die ignorablen Theorien in-ignorantistischer Ignoranten! Für den Ignorantismus in Wort und Bild, für das ignorantische Geschehen in der Welt. Wer dieses Manifest ignoriert, ist Ignorantist!

Wien, Mainz-Neustadt, Unterzögersdorf, Nuuk (Godthab) im September 2002

Aus dem „Manifest des Ignorantismus“
http://www.monochrom.at/ignorantismus/index.htm

lemonhorse / 11 Oktober 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Lemonic Lab Reboot]

Im Landungsanflug in das neu aufzubauende lem0nische Lab0r im Zentrum von Kiel-Gaarden

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lemonhorse / 6 Oktober 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[„The Deep“ (Orson Welles)]

[…] Welles war der Mann, der niemals aufgab. Wenn er eines seiner Projekte unterbrechen mußte, widmete er sich einem anderen, oder er verschmolz zwei Projekte zu einem dritten. Der Not gehorchend, aber auch aus Überzeugung, machte er das Fragmentarische, das Prozessuale und die offene Form zur Grundlage seiner Kunst.

[…] Welles, heißt es, war ein Verschwender. Ein schlampiges Genie, den eine psychische Blockade daran hinderte, etwas zu Ende zu bringen. Der Nachlaß, den Oja Kodar, privat wie bei der Arbeit Welles‘ Partnerin, dem Filmmuseum anvertraut hat, beweist das Gegenteil. Welles war ein Meister der Improvisation und der Sparsamkeit. Als er in Hollywood in Ungnade fiel, begann er, seine Filme fernab vom Studiosystem zu machen. Einige davon bezahlte er aus der eigenen Tasche. „The Deep“ kommt mit fünf Schauspielern, zwei Segelbooten und einem Schauplatz aus, dem Meer. Grundlage ist ein Thriller von Charles Williams, der später, als „Dead Calm“, mit Nicole Kidman erneut verfilmt wurde. Wie immer bei Welles, gibt es eine Entstehungsgeschichte, aus der man auch wieder einen Film machen könnte.

Oja Kodar spielte umsonst mit. Weil sie in der Nähe ein Haus hatte, in dem man wohnen konnte, wurde vor der dalmatinischen Küste gedreht. Jeanne Moreau akzeptierte statt der Gage eine Gewinnbeteiligung. Die Ausrüstung und die Techniker stellte eine jugoslawische Firma, in deren eigenem Film Welles dafür auftrat. Die Arbeit auf dem Meer war schwierig. Alles dauerte viel länger als geplant. Die Jugoslawen zogen die Techniker ab. Der Kameramann mußte weg, und nach und nach die Schauspieler. Das war 1967. 1968 machten Welles und Kodar allein weiter. Anfang der 70er drehten sie auf den Bahamas. 1973 starb Laurence Harvey, einer der Darsteller. Das Originalnegativ des Films landete in Paris und wurde 1980 zerstört, weil Welles die Einfuhrgebühren nicht bezahlt hatte. Erhalten ist nur das, was sich in der Sammlung des Münchner Filmmuseums fand: Eine Arbeitskopie. Eine Kopie der Arbeitskopie. Und eine Kopie dieser Kopie. Alles mehr oder weniger, und immer anders, von Welles geschnitten. Aus diesen drei Kopien hat Stefan Drössler, der Leiter des Filmmuseums, eine vorläufige Fassung montiert.

Aus: „Der dicke Mann und das Meer“ – Farbexplosionen auf offener See: Das Münchner Filmmuseum rekonstruierte Orson Welles unvollendeten Film „The Deep“ von Hans Schmid (Artikel erschienen am Di, 4. Oktober 2005)
Quelle: http://www.welt.de/data/2005/10/04/784019.html

lemonhorse / 4 Oktober 2005 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text / 0 Comments