[Wahrnehmung und Pathologieverdacht]

[…] Denn was zusätzlich zur Unterscheidung zwischen ,normaler‘ und ,abweichender‘ Wahrnehmung zur Disposition steht, ist nichts Geringeres als die grundsätzliche Möglichkeit von Erkenntnis bzw. die Frage nach der Existenz einer subjektunabhängigen äußeren Wirklichkeit. Wird dem subjektiven Bewusstsein eine wichtige Funktion innerhalb des Wahrnehmungsprozesses zugesprochen, insofern es diesen etwa in Form von Selektionsmechanismen, Erwartungshaltungen oder individuellen Ergänzungen der Sinneseindrücke beeinflusst – ohne damit gleich unter Pathologieverdacht zu geraten! -, dann zeigt sich Wahrnehmung eher als subjektiv-psychische Konstruktion denn als Spiegelung eines objektiv Gegebenen. Deklarierten also frühere Konzepte Wahrnehmung dort als ,abweichend‘, wo die ,objektive‘ Wirklichkeit nicht als solche erkannt wurde, ist nunmehr überhaupt infrage gestellt, ob eine ,ungebrochene‘ Wahrnehmung der Wirklichkeit tatsächlich möglich ist. Von hier aus wäre es dann schließlich nur noch ein Schritt zur generellen Infragestellung der Existenz einer so verstandenen ,Wirklichkeit‘.

Aus: „Die subjektivierte Wirklichkeit – Olaf Schwarz über Wahrnehmungskonzepte in Literatur und Psychologie um 1900“ von Kathrin Fehlberg (2004)

Quelle: http://www.literaturkritik.de/

lemonhorse / 27 September 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Ambivalenz]

Unter dem von Eugen Bleuler geprägten Begriff der Ambivalenz – von lat. ambo (beide) und valere (gelten) – wird in der Psychologie, Psychotherapie, Psychiatrie und Psychoanalyse das Nebeneinander von gegenteiligen Gefühlen, Gedanken und Wünschen verstanden. Für Bleuler war die Ambivalenz das Hauptsympton der Schizophrenie.

Es handelt sich hiermit also um ein „Sowohl/Als auch“ von Einstellungen, sodass Ambivalenz oft auch als „Doppelwertigkeit“ bezeichnet wird. Das in diesem Zusammenhang arg strapazierte Beispiel der Hassliebe belegt schon dadurch, dass es zusammengeschrieben wird, die Untrennbarkeit dieser doppelten Wertung.

Dass jedes Ding seine zwei Seiten haben kann, ist mit Ambivalenz nicht gemeint, solange dadurch kein innerer Konflikt hervorgerufen wird.

[Bruchstück aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Ambivalenz] (26.09.2005)

lemonhorse / 26 September 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Tiefenwirkung und Geräuschmusik… ]

„… Musik, und insbesondere die experimentelle Geräuschmusik, erscheint […] von einem besonderen ambivalenten oder polaren Charakter geprägt zu sein. Die mögliche Tiefenwirkung von Musik entsteht durch die Konstellation und das Interagieren der Parameter „Stärke und Form des unbewussten Potenzials der Musik“ und „Stärke und Art der unbewussten Abwehrorganisation des Hörers“. Hier lassen sich keine Voraussagen treffen, wie eine bestimmte Musik wirken wird, geht es doch stets um die Entstehung und Manifestation eines individuellen unbewussten Beziehungsgeschehens. Und selbst die Wirkung der gleichen Musik beim gleichen Hörer ist oft unterschiedlich, da sie davon abhängt, von welcher Art der gerade präsente unbewusste Niederschlag ist, auf den die Musik trifft: „Der Umstand, daß die individuelle Bedeutung eines Musikstückes (bzw. des Hörens oder Spielens eines Musikstückes) durch die jeweilige unbewußte Phantasie, die durch die Musik geweckt oder regressiv intensiviert wird, determiniert ist, macht es fast unmöglich auf einer tiefergehenden Ebene allgemeine Aussagen über die Wirkung eines Musikstückes zu machen. …“

Aus: „Das Unbewusste und der Klang“ von Stefan Knappe (2004)
http://www.dronerecords.de/Knappe.pdf

lemonhorse / 26 September 2005 / Akustische.Wellen, Fraktal.Text / 0 Comments

lemonhorse / 26 September 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Schwindender Hinterhof]

die letzten Tage in der weissenburgstrasse – ein ausgeräumtes zimmer mit ein paar letzten hinterhofblicken.

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lemonhorse / 26 September 2005 / Realitaets.Tunnel / 0 Comments

lemonhorse / 19 September 2005 / Realitaets.Tunnel / 0 Comments

lemonhorse / 19 September 2005 / Found.Stuff / 0 Comments

[Anarchie und Diskordia]

[…] In [einer] 30 Millisekunden währenden Perioden wird die Anarchie im Kopf gebündelt und die multimediale Ungleichzeitigkeit synchronisiert. Das Gehirn schnürt alle 30 Millisekunden ein Paket und sendet es dem Bewußtsein mit dem Absender “Jetzt“?
(Aus: „Die Gegenwart – das JETZT – dauert genau 3 Sekunden…“ von Kristian Rusch; 2003)
-.-

[…] Es geht mir darum, wie es ist, in einem System zu leben, wo Dinge schief laufen, ganz egal, wie richtig sie eigentlich sein sollten oder wie gutgemeint sie sind. […] was ein Mensch, der es eigentlich gut meint, manchmal tun muss, wenn keine Alternative richtig erscheint, oder wenn das, was man korrekterweise tun sollte, falsch erscheint und etwas eigentlich Falsches absolut angemessen – und was immer man tut, es wird in irgendeiner Weise zutiefst falsch sein.
(Aus einem Interview mit Pat Cadigan / »Cyberpunk ist zu einem Teil von allem anderen geworden« von Jakob Schmidt; http://www.epilog.de/)

-.-

„Wenn Du Zweifel hast, scheiß drauf.
Wenn Du keine Zweifel hast… zweifle!“
(Principia Diskordia)

lemonhorse / 19 September 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Der Kampf um Einflusszonen]

[…] Viele Neurowissenschaftler unterscheiden [ ] grundsätzlich zwischen Emotion und Gefühl. Antonio Damasio etwa, von der Universität von Iowa, definiert Emotionen als unbewusst ablaufende Veränderungen des inneren Körperzustands, die in Reaktion auf bestimmte Reize in Gang kommen. Gefühle sind dann das daraus entstehende bewusste Erleben.

[…] Gefühle sind [ ] auch ein Kulturprodukt. Wie vollzieht sich dieses Lernen und wie regulieren wir dabei die Natur der Gefühle? Wie stark können wir Emotionen überhaupt bewusst kontrollieren und wann geht dabei etwas schief?

[…] Offenbar findet bei der Regulation der Gefühle im Gehirn ein regelrechter Kampf um Einflusszonen statt. Die emotionalen Areale halten das Terrain besetzt. Durch gezielte Aufmerksamkeit, sprachliche und gedankliche Auseinandersetzung mit diesen Gefühlen versucht dann der Verstand, die emotionalen Areale herunter zu regulieren und so an Boden zu gewinnen. Der Ausgang dieses Kampfes, ist, wie man weiß, nicht immer ganz eindeutig, aber chancenlos ist das rationale Bewusstsein nicht.

Aus: „Der Widerspenstigen Zähmung“ (18.09.2005)
Forschungen zur Regulation der Gefühle von Martin Hubert
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/419289/

lemonhorse / 19 September 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[behind thought, memory and emotion]

[…] The human brain is composed of billions of cells, each a separate entity that communicates with others. The chemical interaction of those cells determines personality, controls behavior and encodes memory; but much remains to be understood.

Researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have developed tools for studying the chemistry of the brain, neuron by neuron. The analytical techniques can probe the spatial and temporal distribution of biologically important molecules, such as vitamin E, and explore the chemical messengers behind thought, memory and emotion…

From: James E. Kloeppel, Physical Sciences Editor (31.08.2005)
Source: www.news.uiuc.edu/news/05/0831brainchemistry.html 

lemonhorse / 14 September 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments