[Formen der Triebabfuhr… ]

Suchmaschienen Textfraktal CutUp (Teil6)..

Sicherheit, Solidarität, Gemeinschaft, Triebabfuhr…

Triebabfuhr bei minimaler emotionaler Beteiligung.

Pfiffige Gefühlssimulation allemal, die Triebabfuhr durch Erschütterung übers eigene Ergriffensein garantiert.
Lediglich im Kino – der Traumwelt – darf es sich ausdrücken: kontrollierte Triebabfuhr nennt man dies. Der Trieb, das Wilde, die Aggression verhungert …

Tauchfahrt durch die populäre Triebabfuhr Pop im Strudel deutscher Leitkulturen…

Ich bin der festen Überzeugung, dass erwachsene Menschen, die ihre Triebabfuhr in pornographischen Erzeugnissen suchen, mehr oder weniger tief in ihrer…

Bernfeld bahnt hier das Kompensations-und Triebabfuhr-Theorem an, das bis heute in den Debatten über Gewaltdarstellung in den Medien eine zentrale Rolle…

auf Lust und Luxus, Privatheit und Vereinzelung, muß kollektive Triebabfuhr organisiert werden, die den Druck aus der Zwangsgemeinschaft abläst…

Auch die ekstatische Verzückung der mystischen Übungen boten sexuelle Triebabfuhr.

Sein Buch verrät, wie die Triebabfuhr in Bits und Bytes vonstatten geht…

um die unzufriedenen, unmündigen Massen durch Blutrausch und gezielte Triebabfuhr in den Zustand leichterer Regierbarkeit…

Fortpflanzungssexualität in der Ehe, Triebabfuhr im Bordell und in Gewaltexzessen, Freundschaft und Heimat …

Für durch den Ausfall ausgelöste Störungen Ihrer persönlichen Triebabfuhr entschuldigen wir uns hiermit auf das Besorgteste…

Abwehr – Widerstand – verdrängen – Archetyp – kollektives Unbewusstes – Ödipuskomplex – Libido – Trieb – Triebabfuhr – Übertragung und Gegenübertragung….

durch eine „sekundäre Triebabfuhr“ (Elias), die in den Medien…

Das ist vielleicht gut für die Triebabfuhr, aber am Ende produziert der Krachnur „leere Langeweile“, lautet das Resümee…

weil sie sonst niemanden zur triebabfuhr haben – weil sie unkomplizierten, schnellen, kommunikationslosen sex brauchen – aus jux und tollerei…

Der enorme Kunstinput überlastet die verfügbaren Kunstwahrnehmungskapazitäten und blockiert mit dem Interpretationsvermögen die Triebabfuhr, sowie die…

unterscheiden sich die kulturellen Formen der Triebabfuhr, nicht aber der zugrundeliegende Mechanismus…

lemonhorse / 16 Juli 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Das realitätserschließende Deutungsmuster… ]

Suchmaschienen Textfraktal CutUp (Teil5)…

„dass man sie nicht mehr in bekannte Deutungsmuster einordnen kann.“

„gewinnen kollektive Deutungsmuster Eingang in unser Selbstverständnis…“

„Die kurze Zusammenfassung dieser Deutungsmuster aus dem Thesenblatt“

Example: „Aus dem Blick geraten sind die kulturellen Deutungsmuster und damit ein wesentlicher Faktor bei der Herstellung von Identität.“ (brian – Tue Apr 6 16:00:58 2004)

‚interpretive patterns‘ has a higher frequency of use than ‚interpretative patterns‘. You can use both for ‚Deutungsmuster‘. (jas – Tue Apr 6 17:40:28 2004)

„Deutungsmuster und höfische Lebenswelt 2.1. Variationen des höfischen Codes 2.2. Verhaltens- und Kunstlehren 2.3.“

„Dominanz des Privaten und an der individuellen Befriedigung orientierter Deutungsmuster.“

„Deutungsmuster der Kriminalgeschichte des 18. Jahrhunderts“

„Politische Kommunikation: Strategien und Deutungsmuster. … Argumentationsfiguren und Deutungsmuster“

“ ‚Deutungsmuster vom Opferhelden‘ nach 1945″

„Extremistische Deutungsmuster nach ausgesuchten Merkmalen“

„Die jeweils benutzten Begriffe und Deutungsmuster waren Bestandteile religiöser…“

„‚kulturelles Deutungsmuster‘ findet Gondek grundsätzlich problematisch…“

„Deutungsmuster konstituieren eine eigene Dimension… Deutungsmuster stehen in einem funktionalen Bezug… Deutungsmuster sind kollektive Sinngehalte…“

„nennt man diese (wertneutral gemeinten) Vor-Urteile Deutungsmuster.“

„Die Deutungsmuster sind ‚Weltinterpretationen mit generativem Status’…“

„Interessenslagen und kulturelle Deutungsmuster politischer Akteure im Konflikt um das Wahlrecht.“

„Der Wille, der Trieb und das Deutungsmuster“

„das anti-repressive Deutungsmuster (‚Droge tolerieren‘ bzw. ‚Repressionsfolgen vermeiden‘) und das pragmatische Deutungsmuster (‚Drogengefahr nicht…'“

„Terror, Medien und Deutungsmuster in historischer Perspektive“

„Die Verbindung religiöser und naturwissenschaftlicher Deutungsmuster wurde so zu einem…“

„Vielmehr existieren in jeder Gesellschaft dominante kulturelle Deutungsmuster…“

„Deutungsmuster stehen in einem funktionalen Bezug zu objektiven Handlungsproblemen.“

„Das ‚realitätserschließende Deutungsmuster‘ ist der Zugangsschlüssel zur…“

„Deutungsmuster in Darstellungen des nationalsozialistischen Genozid by CAMPUS VERLAG“

„Unter Deutungsmuster verstehe ich (domänspezifische) Bausteine des…“

„Sackmann, Reinhold 1992: Das Deutungsmuster Generation.“

„auf die sie mit jeweils unterschiedlichen Deutungsmuster ‚reagieren’… “

„9.1 Die Deutungsmuster der gescheiterten Ehe I: Verletzte geschlechtsspezifische Rollennormen 9.1.1 Der überbordende männliche Kontrollanspruch…“

„Solche Deutungsmuster heißen Emanzipationsschub, kulturelle Revolution“

„Informationssendungen im Fernsehen benutzen Deutungsmuster, deren impliziten Gehalt sie…“

„welche Akteure welche Deutungsmuster benutzen und wie man mögliche…“

„in dem sich Widersprüche ausdrücken und ein Kampf um Deutungsmuster stattfindet.“

„…der UFO-Gemeinschaft und der gängigsten Deutungsmuster im Feld liegen….“

„Adaptierung oder Revolutionierung vorgegebener Deutungsmuster (bzw. deren…“

„Kollektive Deutungsmuster gibt es nicht mehr, da moderne Gesellschaften…“

„Was lässt sich als Kern dieser Deutungsmuster in gegenwärtiger Gesellschaft ausmachen?“

lemonhorse / 16 Juli 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[pfusch, wildes denken und bastelei]

bricolage (franz.; engl.): die Bastelei, die Handwerksarbeit, der Pfusch, unprofessionelle Handwerksarbeit…

„Nennt man Bastelei die Notwendigkeit, seine Begriffe dem Text einer mehr oder weniger kohärenten oder zerfallenden Überlieferung entlehnen zu müssen, dann muß man zugeben, daß jeder Diskurs Bastelei ist. Der Ingenieur, den Lévi-Strauss dem Bastler entgegensetzt, müßte dann aber seinerseits die Totalität seiner Sprache, Syntax und Lexik, konstruieren. In diesem Sinne ist der Ingenieur ein Mythos: ein Subjekt, das der absolute Ursprung seines eigenen Diskurses wäre. Ein derartiges Subjekt, welches das Ganze seines Diskurses aus einem Stück erzeugte, wäre der Schöpfer des Wortes, das Wort selbst. Die Vorstellung eines Ingenieurs, der mit jeder Bastelei gebrochen hätte, ist daher eine theologische Vorstellung; da Lévi-Strauss uns an anderer Stelle mitteilt, daß die Bastelei mythopoetisch sei, kann man ganz sicher sein, daß der Ingenieur ein vom Bastler erzeugter Mythos ist. Von dem Augenblick an, wo man aufhört, an einen solchen Ingenieur und an einen Diskurs zu glauben, der mit der historischen Rezeption bricht, sobald man also zugibt, daß jeder endliche Diskurs zu einer gewissen Bastelei genötigt ist und daß der Ingenieur oder der Wissenschaftler ebenfalls von der Art des Bastlers sind, wird selbst die Vorstellung der Bastelei gefährdet, und die ihr Sinn verleihende Differenz löst sich auf.“ (Jacques Derrida, Die Schrift und die Differenz, 1972)

Aus: „bricolage“ (Innsbrucker Zeitschrift für Europäische Ethnologie) Source: http://www2.uibk.ac.at/volkskunde/strv/bricolage.html

-.—————-

Wildes Denken setzt einen globalen und integralen Determinismus voraus alles steht mit allem auf rational nicht aufhellbare Weise in Zusammenhang

  • Wildes Denken ist Erkenntnisgewinn auf der Ebene der sinnlichen Wahrnehmung und der Einbildungskraft, ist ein „Denken“ in komplexen Bildern
  • Wildes Denken ist „eine Art intellektueller Bastelei“ mit einem begrenzten Bestand von Material, das immer neu geordnet wird und das prinzipiell heterogen ist (vgl. Haas 1978, 349).

Mit diesen „Strukturmerkmalen“, an anderer Stelle zusammengefasst als

  1. „Heterogenität“
  2. „komplexe Bildlichkeit“ und
  3. „freie Kombinatorik auf der Grundlage einer globalen und integralen Allverbundenheit“ (Haas 1982, 21)

Aus: Phantastik in der Literatur: Materialien Zusammengetragen von: Prof. Dr. Bernhard Rank Stand: April 2003 Quelle: http://www.ph-heidelberg.de/wp/rank/fantastik/materialien/thesen.htm

-.—————–

Q: What does the word bricolage mean? A: It’s a noun meaning „an assemblage improvised from materials ready at hand, or the practice of transforming ‚found‘ materials by incorporating them into a new work.“ French, from bricoler, to putter about. Souce: http://students.washington.edu/brico/faq.html

The french word bricolage doesn’t really translate into simple English, but it means something between do-it-yourself and making do.

The term has been famously used to describe certain styles of story-telling, where all sorts of information is assembled into a new myth. But it’s usually reserved for hand crafts, especially where they’re performed by a non-expert or bricoler.

From: Bricolage makes the old new again Source: http://www.abc.net.au/canberra/stories/s1186835.htm

-.——————-

„Academic concern for bricolage and bricoleurs is due to Lévi-Strauss (1966), who used them to characterise the process of myth-making in pre-industrial societies. His translator comments that the terms do not have a precise English equivalent – a bricoleur „is a man who undertakes odd jobs and is a Jack of all trades“ (p. 17 ftn.) but the term carries connotations for Lévi-Strauss of naïve art that the English lacks. This may have been appropriate in the context of the bizarre elaborations in the myths he was studying, but for my purposes odd-job-man is perfectly sufficient – bricoleur is there merely for the cachet of once-trendy Parisian thought. The basic point for now is the idea of the handyman, making do with what is to hand rather than waiting upon the final answers or custom-built tools and materials. Such making do may well go with a tendency to ignore conventional wisdom and find solutions that reject it. Another important element that I shall invoke is the ability to invent one’s own tools rather than rely only on the standard issue.“

Snatch from: „Philosophy As Bricolage“ Paper presented at the Philosophy As Conference, London 2002, E.P. Brandon Source: http://www.uwichill.edu.bb/bnccde/epb/bricolage.html

lemonhorse / 13 Juli 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Surrealistic Investigation of Claims of the Normal]

[…] The semantic fun that Wilson has with concepts like truth, self and knowledge have led him to an abiding belief in tolerance

„I like the idea of forgiveness,“ Wilson says on film. „It keeps you from acting too much like a damn fool.“

[…] Paul Krassner, [ ] published Wilson’s first article in 1959 on the question ‘Does God Have a Penis?’

[…] The film makes no mention of Wilson’s support for space travel, nor — he pulled at the front of his shirt — his book attacking the Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal (CSICOP). „I formed an alternative ‘Committee for the Surrealistic Investigation of Claims of the Normal,“ he said. „Nothing is normal — no normal people, no normal dogs — so how can anything be ‘paranormal?’“

[…] „One of the central features of Confucianism is courtesy, which is one of the most lacking qualities in American society“ he said.

„Politeness. I’m not even talking about ethics. But the funny thing is that if you make a habit of politeness, you naturally become more ethical.“

[…] A regular study group meets at Wilson’s house to discuss his two favorite authors, James Joyce and Ezra Pound about whom he is currently writing a book „Tale of the Tribe.“

„They’re very important writers for our times,“ he said. „They were both writing multiculturally, and we really need that. Everywhere you go are people with the same dumb superstitions and the same urge to transcend them.“

Though Wilson will be at the premier screening of „Maybe Logic“ he no longer has the energy to do speaking engagements that involve travel. „I just can’t go near airports“ he said. „I guess if my books go out of print I’ll have to go on the circuit again, but I’d rather hold up liquor stores.“

[Snatch from: „A ‘maybe’ state of mind“ by NANCY REDWINE ( July 19, 2003) about the film „Maybe Logic: The Lives and Ideas of Robert Anton Wilson“ / Source: http://www.santa-cruz.com]

lemonhorse / 13 Juli 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Fluchten… ]

Entrückung, verstärkt in Einkaufstrassen, Wahrenhäusern + Supermärkten.

Zivilisation. Ineinader verwoben – Menschen, Systeme, Maschinen und Architektur. Wie die Dinge in der Wahrnehmung verschwimmen oder eine Einzelheit aus dem Meer von Formen und Gegebenheiten plötzlich in verblüffender Klarheit in das Bewusstsein dringt. Gesichtsausdrücke und Stimmen, die durch die Zeit fluchten.

steve steel: at 16.07.05 – 11:48
Dann solltest du erstmal am verkausoffenen Samstag
durch die Einkaufszone des neudeutschen Wahnsinns gehen…
was man da nicht alles sieht:
Leuchtbären,Strassgürtel, Mutanten dir dir ein Verkaufsgespräch aufzwingen und:ganz wichtig:
Sahlgiraffen mit schwarzen Farbüberzug….
undsoweiter undsofort…

lemonhorse / 13 Juli 2005 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Kiel.Refugium, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

lemonhorse / 5 Juli 2005 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text / 0 Comments

[and what is code?]

[…]“Well under my freewheeling anti-rigourous theoretics, everything is code: DNA, narratives, images, assembly language, social customs. How do we define or find the source of such permeable interpenetrating subtle fields? How do we distinguish between open and closed sources ? Isn’t ultimate openness synonymous with unity itself? Is it possible for a human being to find the ’source‘ of anything? This may seem trite in an era when the open-source movement has undeniably become a luminous exemplary node of creative resistance against the somewhat-cancerous instincts of copyright, patent and possession. But it still feels relevant to question the vanity of believing that ’sources‘ as we term them are anything more than abstractions or orifices or points of temporary stillness in the perpeptual flux of energy known as existence.“

Source: http://www.year01.com/code/html/

lemonhorse / 5 Juli 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Der Mensch erschiene als geistiger Automat]

[…] Grundlegend für eine ‚Psychowissenschaft‘ sind die Fragen „Was ist Bewußtsein?“ – „Welches sind seine Bedingungen?“ – „Wie kann es gelenkt und beeinflußt werden?“ – sie drängen sich nicht nur demjenigen auf, der manipulieren will, sondern auch jenem, der sich angesichts zu erwartender Entwicklungen vor Manipulation schützen will.

‚Psychotechnik‘ tangiert die Würde und individuelle Selbstbestimmung des Menschen noch viel fundamentaler als etwa die Gentechnik. Grundsätzlicher und weitreichender noch als die Bewußtseinsfrage dürfte daher die Frage nach der Freiheit sein: ist Freiheit überhaupt, und wenn ja, in welcher Art denkbar?

[…] Wer [ ] das Denken als biologisch bedingt ansieht, sollte diese seine Ansicht besser nicht in Gedankenform vortragen, wenn er sie zugleich als „wahr“ vertreten möchte…

[…] Sehr nahe kommt Fichte in seiner „Bestimmung des Menschen“ dieser Konsistenzforderung, wenn er schreibt: „Alle Realität verwandelt sich in einen wunderbaren Traum, ohne ein Leben, von welchem geträumt wird und ohne einen Geist, dem da träumt; in einen Traum, der in einem Träume von sich selbst zusammenhängt.“ – Wäre die Behauptung wahr, träfe sie natürlich auch auf sich selbst zu! Aber warum hat dann Fichte den Satz aufgeschrieben, der doch kein wahres Urteil, sondern nur ein Traum sein soll?

[…] [Ein] Neurobiologe [wird] schwerlich gültige Aussagen über die Existenz oder Nicht-Existenz von Freiheit machen können, ehe er nicht das Bewußtseinsrätsel wenigsten anfänglich gelöst hat. Besonders euphorische Stimmen geben vor, diese Lösung bereits zu besitzen. Es gibt aber auch nachdenklichere Forscher, so antwortet z.B. Antonio Damasio in der „Zeit“ vom 5. Oktober 2000 auf die Frage: „Glauben Sie, Bewußtsein wird sich eines Tages endgültig erklären lassen?“ mit dem bemerkenswerten Satz: „…obwohl wir Neurowissenschaftler das gerne vergessen, stehen wir vor einer zentralen Erklärungslücke: Wie entsteht aus einem neuronalen Muster ein Gedanke?“ Auf den prinzipiellen Charakter dieser Erklärungslücke hat C.F. Von Weizsächer in seiner „Geschichte der Natur“ mit deutlichen Worten hingewiesen: „Man kann dort von der Physik keine Antworten erwarten, wo man nicht einmal die Fragen mit den Begriffen der Physik formulieren kann. Die subjektive Seite des Lebens, Seele, Empfindung, Bewußtsein, nimmt der Physiker mit seinen Mitteln nicht wahr; er kann deshalb auch nicht hoffen, sie mit seinen Begriffen zu erklären. Aus keinem Begriffssystem kann man Sätze ableiten, in denen Begriffe vorkommen, die innerhalb des Systems nicht definiert sind.

[…] Bewußtsein ist nur eine notwendige Bedingung für Freiheit. Folglich ist die Lösung des Bewußtseinsproblems zwar Vorbedingung aber noch nicht Lösung des Freiheitsproblems. Ohne zureichenden Grund die Freiheit zu leugnen, gehört zu den Initiationsriten vieler moderner Denkrichtungen und naturwissenschaftlich geprägten Weltanschauungen. Wirkliche Problemlösung erfordert aber eine offenere Ausgangslage. Ein gutes Beispiel finden wir bei Antonio Damasio, wenn er sagt: „Ich Glaube, der freie Wille existiert, aber in geringerem Maße, als viele glauben.“

[…] Vorläufig bleibt die Suche nach dem Zusammenhang von Innenwelt und Außenwelt wissenschaftliches Ziel. Dieses Ziel, den Monismus, bekenntnishaft vorwegzunehmen, wäre unwissenschaftlicher Dogmatismus. Sich andererseits zu einem prinzipiellen Dualismus zu bekennen, also jede Möglichkeit eines erkennbaren Zusammenhangs von Innen− und Außenwelt zu leugnen, wäre natürlich nicht minder dogmatisch. Glaube und Bekenntnis als fragende Hypothesen sind wissenschaftsfreundlich. Ein Bekenntnis, das Forschung ausschließen will, indem es von vornherein die Existenz des Forschungsobjektes oder seine Erkennbarkeit oder die Zulässigkeit seiner Erforschung leugnet, ist wissenschaftsfeindlich und dogmatisch.

Ein „Ich“, daß sich des Leibes bedient, also mit ihm nicht wie die Flamme mit der Kerze, sondern etwa wie der Fahrer mit dem Auto, oder weniger technisch, wie der Reiter mit dem Pferd zusammenhängt, ist eine wissenschaftsfreundliche Hypothese, die weder bekannten Tatsachen widerspricht, noch geeignet ist, mögliche Untersuchungen zu behindern. Deshalb sollte man ihr genügend Raum in seinen Überlegungen geben.

[….] Wäre das Bewußtseinsrätsel gelöst und ein selbständiges, unabhängig vom Körper existenzfähiges „Ich“ entdeckt, so wäre die Möglichkeit zur Freiheit damit noch immer nicht sichergestellt. Denn es könnte ja sein, daß dieses eigenständige „Ich“ von seiner eigenen, vielleicht geistig zu nennenden Existenzgrundlage her determiniert, also zwar nicht von physiologischen, dafür aber von geistigen Gesetzen vollständig bestimmt wäre. Eine eherne Gesetzmäßigkeit, in eine andere Welt verlegt, eröffnete uns nicht die Chance zur Freiheit. Der Mensch erschiene als geistiger Automat anstatt eines biologischen Automaten. Schon Schiller hat erkannt, daß der „Formtrieb“ den Menschen ebenso versklaven kann, wie der „Stofftrieb“. Freiheit kann nur sein, wenn der Mensch selbst das „Gesetz seines Handelns“ hervorbringt.

Aus: „Die postmaterialistische Perspektive aus naturwissenschaftlicher Sicht (Grundsatzüberlegungen zu Umfang, Implikationen und Folgen eines zukunftsfähigen postmaterialistischen Denkens in der verwissenschaftlichten Wirtschaftsgesellschaft)“ von Bodo Hamprecht

Quelle: http://www.physik.fu-berlin.de/~hamprech/Postmaterialismus.pdf

lemonhorse / 4 Juli 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Die Erlösung vom Ich]

Im Thema Willensfreiheit überschneiden einander einige zentrale Bruchlinien des menschlichen Selbstverständnisses im naturwissenschaftlich-technischen Zeitalter.

[…] „Wir haben einen freien Willen“, das klingt wie „Sie hat einen Bausparvertrag“ und wer sich auf die Suche nach dem Willen macht, kann ihn nicht finden. Heutzutage ist darauf hinzuweisen, dass sich das Wörtchen „haben“ in diesen beiden Sätzen unterschiedlich verhält. „Ein freier Wille“ ist nicht von der Art, dass er einfach konstatiert oder vermisst werden kann. Wer sich auf das Spiel „Wo ist er denn zu sehen?“ einlässt, hat sich vorneweg dem Druck der schwarz-weiß-Fraktion gebeugt.
Für jene, denen eine Retourkutsche lieber ist, empfiehlt sich dieses ‚Paradoxon‘: „Haeckel ärgert sich über die Juristen, die sich nicht drum kümmern, dass die Kriminellen, die sie verurteilen ja keinen freien Willen haben. Er merkt aber nicht, dass dann ja auch die Juristen determiniert handeln, ja und sein Ärger ist ja auch determiniert.“ (marlenew, 12.1.) So sieht es aus, wenn das Manöver der Zuschreibung von Verantwortung abgeblockt wird. Ein Zustand ohne Ärger. Ein direkter Übergang von der Naturwissenschaft in die Erlösung vom Ich.

Aus: „BEDINGUNGEN FÜR FREIHEIT“ – von Herbert Hrachovec (Wien)
Quelle: http://www.jp.philo.at/texte/HrachovecH1.pdf (2005)

lemonhorse / 4 Juli 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Metaphorische Übertragungen… ]

“ … Unser konzeptuelles System, in dem wir sowohl denken als auch handeln, ist grundsätzlich metaphorisch […] Metaphern sind als Träger kognitiver und emotionaler Strukturen seit dem Buch „Metaphors we live by“ von George Lakoff und Mark Johnson 1980 in den Blick geraten, und es gibt auch im deutschsprachigen Raum kaum noch eine Arbeit zu dem Thema, die sich nicht mit diesen Autoren auseinandersetzt. Beide haben ihr Anliegen in Folgepublikationen vertieft und z.T. verändert (Lakoff 1987, Johnson 1987). Sie gehen davon aus, daß metaphorische Übertragungen aus einfachen und sinnlich wahrnehmbaren Erfahrungseinheiten („experiential gestalts“) auf komplexe und abstraktere Begriffe ein Grundzug unseres Denken und Handelns ist. Sie postulieren, daß Metaphern zusammenhängende Konzepte bilden, nach denen wir unser Denken strukturieren. Sie sehen Metaphern also nicht als Frage der Sprache, sondern des Denkens an und nehmen eine Homologie zwischen Denken und Sprechen an. Drei unterschiedliche Typen von Metaphern bilden den Ausgangspunkt ihrer Theorie: konzeptuelle (strukturierende), orientierende und ontologisierende (vergegenständlichende) Metaphern.
Lakoff und Johnson gehen davon aus, daß die sprachlichen Bilder aus einem Bereich von Erfahrung stammen, der eine prägnante Gestalt hat und leicht benennbar ist, während der zu strukturierende Bereich unscharf ist. Das trifft auf abstraktere Bereiche wie Gefühle, Handlungen, Wertungen zu. Brünner 1987 nennt wesentliche Metaphern für den komplexen Begriff der Kommunikation: Sie ist Kampf („Positionen beziehen“), ist ein Bauwerk („Argumentation aufbauen“), Zeichnen („seine Ansicht illustrieren“), Spinnen oder Weben („Gesprächsfaden“, sich „verheddern“), Fortbewegung („auf anderes Thema kommen“), ein Lebewesen („tote Sprachen“), ein ökonomisch-bürokratisches Geschäft („verhandeln“), eine Maschine bzw. ein Computer („ich kann nichts mehr speichern“), oder Kommunikation ist das Versenden von Ideen- Objekten in Sprachhüllen (Conduit-Metapher, eine „lange Leitung“ haben, „hohle Phrasen“, „schlecht verpackte Idee“).
Die Metaphorik der Liebe (Kövecses 1988) umfaßt viele Bilder der Einheit („eins werden“, „ein Herz und eine Seele“) mit den Variationen der Einverleibung („ich könnte dich fressen“), der aufgehobenen Trennung („meine bessere Hälfte“), der verschiedenen Formen von „Nähe“, in denen die physikalische Qualität der Strecke für die Beziehung steht („waren uns ganz nah“).
Je stärker eine bestimmte Metaphorik einen abstrakten Bereich dominiert, desto deutlicher sind ihre Folgen für Handlungen. Nieraad (1977/26) führt als Beispiel die der Biologie entlehnte Metaphorik des Faschismus an (Blut, Boden, Rasse etc.), um den Zusammenhang von Metaphorik und Handlung zu zeigen: Was an sozialer Wirklichkeit nicht in das ideologische Prokrustesbett paßte, d.h. nicht rassisch „gesund“ war, wurde einer „biologischen Therapie“ unterzogen, d.h. „ausgemerzt, ausgerottet, vertilgt“. Lakoff und Johnson gehen in ihrer Behauptung eines solchen Zusammenhangs von Kognition und Handlung via Metaphorik soweit, daß sie behaupten:
„Unser konzeptuelles System, in dem wir sowohl denken als auch handeln, ist grundsätzlich metaphorisch. Die Konzepte, die unser Denken leiten, sind nicht bloß Gegenstände des Intellekts. Sie leiten unser tägliches Funktionieren bis hinab zu den kleinsten Details. Unsere Konzepte strukturieren, was wir wahrnehmen, wie wir uns in unserer Welt bewegen, und wie wir Beziehung zu anderen Menschen aufnehmen.“ (dies. 1980/ 3)
Um diese weitreichende Behauptung zu stützen, reicht der dargestellte Begriff von Metaphorik nicht; die Betrachtung der orientierenden und der vergegenständlichenden Metaphern erlaubt es, die Reichweite dieser Behauptung einzuschätzen.

Bruchstücke aus: „Metaphernanalyse und die Repräsentation biographischer Konstrukte“
von Rudolf Schmitt, Journal für Psychologie, Asanger-Verlag, Heidelberg, Doppelheft 1/1995 -1/1996, S.47-62, Quelle: http://www.hs-zigr.de/~schmitt/aufsatz/biograph.htm

lemonhorse / 25 Juni 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments