[Subjektivität und Metamorphosen… ]

[…] Tarkowskij ist […] der Auffassung, dass Subjektivität letztlich nicht übersetzbar ist, dass aber das Wesen der Kunst darin besteht, dass es – im Goethischen Sinne – zu „Metamorphosen“, zu Verwandlungen und Umwandlungen kommt, wie C. G. Jung diese beim Prozess der aktiven Imagination beschreibt. In diesem Sinne sind für Jung Symbole auch nicht abstrakte Bilder von etwas, sondern sie sind vielmehr archetypische Bilder – in diesem Sinne Urbilder – „für etwas“. Im Kino gibt es nun beides […]

[Aus: „„Wirklichkeitszerfall“ – eine filmphilosophische Skizze im Gefüge des 11. September 2001“ von H. M. Emrich, Hannover / Quelle: Articles/filmphilo.pdf]

lemonhorse / 8 November 2005 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text / 0 Comments

[Polarisierung]

[…] Insgesamt stellten die drei Armutsstudien fest, dass es in Deutschland Armut gibt und dass sie ausgehend von relativer Einkommensarmut zunimmt. Zudem wurde in den letzten Jahren die Tendenz einer sozialen Polarisierung beobachtet. Dies lässt sich insbesondere durch die zunehmend ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen untermauern. […] Nach Richard Hauser besteht die Gefahr, dass sich eine neue Unterschicht herausbildet. Als Hinweise gelten für ihn dabei die hohen Armutsquoten von Kindern und Ausländern, der hohe Anteil verdeckt armer Menschen und die steigende Zahl der Wohnungslosen. Außerdem hält er eine in vielen kommunalen Armutsberichten herauslesbare Tendenz der Konzentration armer Haushalte in bestimmten Stadtvierteln für besorgniserregend (vgl. Hauser, 1995, S. 13).

[Aus: „Armut und Armutsberichte in Deutschland“ Diplomarbeit zum Wintersemester 2001/2002 der Katholischen Universität Eichstätt Fakultät für Sozialwesen vorgelegt von Angelika Schaller / Quelle: diplstudarbeiten/armut.pdf]

lemonhorse / 8 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Zonen der Unsicherheit]

[…] In Paris gehen solche Aufstände der Armen weit zurück. Auch um sie besser bekämpfen und verhindern zu können, hatte man das alte Paris mit seinen engen und unübersichtlichen, nicht zu kontrollierenden Gassen und Straßen im 19. Jahrhundert durch breite Boulevards geöffnet. Und auch die Siedlungen in den Banlieues wurden angelegt, um die Armen möglichst aus der Stadt zu halten. Aber räumliche Distanz zwischen arm und reicht kann im Medienzeitalter, in dem die Bilder vom anderen Leben permanent in den letzten Winkel vordringen, die Ungerechtigkeit nicht mehr verdrängen. Seit den 80er Jahren nennt man die Gettos in den Banlieues „Zonen der Unsicherheit“.

[Aus: „11. Nacht: 1408 verbrannte Autos“ von Florian Rötzer (TP 07.11.2005) / Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21293/1.html

lemonhorse / 8 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Der dissoziative Werkzeugkasten]

[…] Die Fähigkeit, sich mit dem eigenen Erleben unmittelbar zu verbinden (Assoziation), wie auch ihr Gegenpol, der Rückzug daraus (Dissoziation), scheint mir ein grundlegender Mechanismus menschlichen Erlebens zu sein.

Unsere assoziativen Fähigkeiten geben unserem Dasein emotionale Intensität bzw. sie ermöglichen uns erst ein Da-Sein im wörtlichen Sinn. Die Möglichkeit, sich vom unmittelbaren Erleben zurückzuziehen, emotionales Weg-Sein, ist jedoch auch sehr wichtig. Sie ermöglicht viele typisch “erwachsene“ Funktionen, von der philosophischen Reflektion bis zur extrem fordernden Tätigkeit eines Unfallarztes (der sich kaum erlauben könnte, sehr emotional auf das menschliche Leid in seinem Arbeitsfeld zu reagieren). Fühlt sich ein Mensch von der schmerzhaften Intensität einer Situation überfordert (z.B. Folter), kann ihm Dissoziation helfen, die Situation zu überstehen. Dabei hat er verschiedene Möglichkeiten, gewissermaßen eine Art “dissoziativen Werkzeugkasten“: z.B.:

a) “Es tut gar nicht weh.“ (Anästhesie) – Fähigkeit, die Binnenwahrnehmung, die Propriozeption so weit wie möglich herunterzu“dimmen“, bis zur Empfindungslosigkeit. Manche Menschen können so z.B. ihre Schmerzempfindlichkeit erheblich beeinflussen.

b) “Diese Empfindungen bedeuten nichts.“ (Alexithymie) – Die Empfindungen werden nicht mehr im Zusammenhang gelesen, der Prozeß der Gestaltformation von Propriozeption und Kognition zu fühlbaren Bedeutungen wird unterbrochen. Dies schützt natürlich nicht vor Schmerzen, es kann aber sehr wirkungsvoll vor schmerzhaften (oder “verbotenen“) Gefühlen schützen. Die Erfahrung politischer Gefangener – an deren Schilderungen leider kein Mangel besteht – zeigt, daß körperliche Schmerzen oft leichter zu ertragen sind als bestimmte emotionale Zustände. Eine Mutter, die wochenlange Folter erduldet hat, bricht zusammen, als man sie mit ihrem Kind zusammenbringt.

c) “Das geschieht nicht wirklich.“ (Derealisation) – Dies alles (z.B. ein Konzentrationslager) ist in Wirklichkeit nur eine Bühne und ich beobachte das, was mir und den anderen Gefangenen dort passiert, vom Zuschauerraum aus.

d) “Das geschieht nicht wirklich mir.“ (Depersonalisation) – Ich halte dies für die mächtigste dissoziative Strategie. Jenseits davon scheinen mir nur noch die psychotische Option (Nichts ist wirklich/alles ist wirklich) und der Tod zu liegen.

Im Prinzip gilt alles vorstehend Gesagte auch für Kinder, jedoch mit einer existentiell bedeutsamen Besonderheit: Je weniger ausgeformt die Persönlichkeit des Kindes zum Zeitpunkt des traumatischen Erlebnisses ist (d.h. in der Regel: je jünger das Kind ist), desto wahrscheinlicher ist es, daß die eher zufällig entdeckten dissoziativen Möglichkeiten tief in die sich entwickelnde Persönlichkeitsstruktur eingebaut werden. Entdeckt das Kind (durch grausame Umstände gezwungen) die mächtige “Das geschieht nicht wirklich mir“-Strategie, hat es gute Chancen, alles, was überhaupt physisch zu überleben ist, auch tatsächlich zu überleben. Es zahlt jedoch einen hohen Preis für dieses Überleben: es entwickelt eine “Dissoziative Identitätsstörung“, es wird mehr oder weniger ‘multipel’.

Aus: Leben im „Grenzland“ (Borderline-Syndrom, multiple Persönlichkeiten und die Bedeutung traumatischer Erfahrungen – von Rolf Klein (pdf / 54 Seiten / Datum ?) http://www.rolfklein.de/grenzland.pdf

lemonhorse / 6 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Alexithyme]

[…] kaum oder gar nichts emotional zu spüren. In der modernen Forschung werden diese Patienten Alexithyme genannt, weil sie unfähig sind, Gefühle bei sich und anderen wahrzunehmen und darüber zu sprechen. Dabei handelt es sich um eine Art „Gefühlsblindheit“. Wenn diese Menschen versuchen, ihre Gefühle zu beschreiben, ist das ungefähr so, als redeten Blinde über Farben, wobei man spürt, dass ihnen die Sache grundsätzlich fremd ist. Dieses Phänomen ist häufiger anzutreffen als z. B. in den 70er Jahren angenommen wurde. Es betrifft Arme wie Reiche, Junge wie Alte und Männer deutlich häufiger als Frauen. Bei psychologischen Tests in Skandinavien erwiesen sich 13 % aller Probanden als alexithym, unter den Frauen waren es 10, bei den Männern 17 %. Fast jeder ist schon einmal Menschen mit Alexithymie begegnet, z. B. einem Buchhalter, der in der Mittagspause über nichts anderes als Bilanzen fachsimpelt.

Aus: „Alexithymie“ http://www.alexithymie.de/ / via autismuskritik (blog) http://autismuskritik.twoday.net/

lemonhorse / 6 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

lemonhorse / 5 November 2005 / Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Zwischen Reationalität und Irrationalismus]

[…] „Schon seit seinen Anfängen befand sich der Surrealismus in einem Spannungsfeld auf der grenze zwischen Innenwelt und Außenwelt, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Kunst und Leben, zwischen geistiger Revolution und politisch-sozialer Revolution, zwischen Anspruch und Realität von individueller und geschichtlicher Entwicklung, zwischen Reationalität und Irrationalismus wie auch zwischen Individuum und Gruppe. Als eine zugleich ‘poetische, moralische und revolutionäre Bewegung’ war der Surrealismus auch Grenzgänger zwischen Poesie, Moral und Revolution.“ (Hans T. Siepe: Surrealismus, in R. Grimminger, J. Murasov, J. Stückrath: Literarische Moderne, S. 352f.)

Wenn die Surrealisten die Differenz zwischen Kunst und Leben einzuebnen suchten, so ergab sich dies konsequent aus anderen leitenden Ideen. Diese legten es allesamt auf die Einebnung von Gegensätzen an. Die Revolte der Surrealisten zielte auf nicht weniger als auf die dem abendländisch-rationalen Denken vertrauten Leitdifferenzen. Und weil auch die Differenz zwischen Sein und Schein, Realität und Illusion, Erfahrung und Imagination attackiert wurde, war es plausibel, daß man zwischen Kunst und Literatur einerseits, Realitätserfahrung und Lebenspraxis andererseits keine Trennungslinie mehr ziehen wollte.

„Der Surrealismus zielt (…) auf die Einbeziehung von Traum, Zufall, Wunderbarem ins Leben, was die Aufhebung der herrschenden Gegensätze von bewußt/unbewußt, rational/irrational, wirklich/imaginär, Handeln/Denken, Leben/Kunst bedeutet.“ (Jürgen Grimm/Margarete Zimmermann: Literatur und Gesellschaft im Wandel der III. Republik. In: Jürgen Grimm (Hg.). Französische Literatur-Geschichte (Metzler), Stuttgart, 2. Aufl. 1991, S. 301)

Aus: „Surrealismus“ von Monika Schmitz-Emans (Datum ?) / Quelle: Schmitz-Emans.htm

lemonhorse / 2 November 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Zur Refeudalisierung der Welt]

“ … Netzeitung: Sie schreiben, die derzeitige Weltordnung sei nicht nur mörderisch, sondern auch absurd.

Ziegler: Sie ist absurd, weil sie unnütz tötet. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wäre es zu Beginn des neuen Jahrtausends möglich, die Utopie der Französischen Revolution, nämlich das gemeinsame Glück, materiell zu realisieren. Gerade in diesem Moment findet aber tragischerweise die Refeudalisierung der Welt statt.

[…] Netzeitung: Sie sagen, die transnationalen Privatgesellschaften seien die neuen Feudalherren, sprechen aber gerne von den «Kosmokraten». Warum? Manager und Großaktionäre sind austauschbar, was bleibt, ist das Streben nach Profit.

Ziegler: Sie haben recht, es geht um strukturelle Gewalt, nicht um Personen. Letztes Jahr haben die 500 größten transkontinentalen Konzerne der Welt über 52 Prozent des Bruttoweltproduktes kontrolliert, also über die Hälfte der innerhalb eines Jahres weltweit produzierten Güter und Reichtümer, Kapitalien, Waren und Dienstleistungen. Das ist eine unglaubliche Machtakkumulation.

Diese Unternehmen haben eine Macht, wie sie kein Kaiser, kein König, kein Papst in der Geschichte der Menschheit gehabt haben. Sartre hat gesagt: Wer die Menschen liebt, muss sehr stark hassen, was sie unterdrückt – nicht wer sie unterdrückt, es geht nicht um Psychologie.

Es geht um ein Prinzip der strukturellen Gewalt, nämlich der Markteroberung, der permanenten Profitmaximierung um jeden Preis, und um die Naturalisierung des wirtschaftlichen Geschehens. Denn wenn sie einen Konzernherrn befragen, dann erhalten Sie die Antwort: Hier waltet die unsichtbare Hand des Marktes, ich respektiere nur die Naturgesetze. Deswegen ist die radikal analytische und kritische Vernunft so wichtig.

[…] Netzeitung: Um auf die unsichtbare Hand zurückzukommen: Solange vor allem die westlichen Gesellschaften von der Naturwüchsigkeit des Ökonomischen überzeugt sind, nützt alle Kritik im Einzelnen wenig.

Ziegler: […] Bourdieu hat gesagt: Neoliberalismus ist wie Aids, er zerstört zuerst das Immunsystem des Opfers. Es gilt die Immunkräfte zu mobilisieren durch die analytische Vernunft und sich daran zu erinnern, was die Aufklärung gefordert hat: Der Austritt des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. …“

Aus: „Wer an Hunger stirbt, wird ermordet“ – Die Netzeitung Im Gespräch mit Jean Ziegler (01.Nov.2005) Quelle: http://www.netzeitung.de/voiceofgermany/365469.html | [via http://morgaine.twoday.net/]

lemonhorse / 2 November 2005 / Fraktal.Text, Global.Politix:Micro / 0 Comments

lemonhorse / 30 Oktober 2005 / Akustische.Wellen, Electro.Labor / 0 Comments

[Der eigentliche Prüfstein]

[….] Es bleibt die Frage nach der Natur mentaler Eigenschaften. [….] Bewusstsein scheint vielen der eigentliche Prüfstein zu sein, an dem der Eigenschafts-Physikalismus in der einen oder anderen Weise scheitern muss.

Aus: „Mentale Eigenschaften und mentale Substanzen – Antworten der Analytischen Philosophie auf das ‚Leib-Seele-Problem‘ von Ansgar Beckermann (Datum ?) Quelle: http://www.pesch-bildet.de/upload/material_vortraege/Beckermann.pdf

lemonhorse / 27 Oktober 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments