[Die heile, behütete Welt]

Suchmaschienen Textfraktal CutUp (Teil2)…

„geh zurück in deine behütete Welt und träum weiter (tätschel)“

„Ein erster Einbruch in diese behütete Welt erfolgt für Friedrich durch die Revolution von 1848. Die bisher von ihm als verlässlich wahrgenommene staatliche Ordnung wird erschüttert, der Vater entlassen.“

„Zwei Welten stehen einander gegenüber: der Krieg in kalten Farbtönen gezeichnet und die behütete Welt Mathildes, nur optisch weit weg vom Krieg“

„Darüber hinaus wird jedoch noch eine kleine, ,,behütete“ Welt geschaffen, die sich auf den Raum Manhattan beschränkt und eine Scheinwelt der Museen…“

„Das kunstvolle amerikanische Melodrama beschwört die glänzende, idealisierte und behütete Welt der 50er Jahre herauf….“

„Gerade für diese Patienten sei es wichtig, dass sie sich nicht weggeschlossen fühlen und eine behütete Welt vorfinden, erklärte der Vorsitzende…“

„Eine behütete Welt. Eine Welt, die sich, zumindest in den ersten Lebensjahren, sanft, freundlich und gutherzig zeigt.“

„Wir möchten Sie in eine angenehme und behütete Welt entführen, die von dem sehr persönlichen Stil unserer Küche geprägt ist. Wir möchten, daß Sie sich…“

„Dieser herrliche Ziergegenstand, der bürgerlichen Anmut und diskrete Eleganz ausstrahlt, erinnert uns an die behütete Welt der Biedermeierwohnungen.“

„Die heile, behütete Welt gerät aus den Fugen – aber vielleicht geschieht in dieser märchenhaften Landschaft ja doch noch ein Wunder.“

„…dessen Leben so stark von Routine geprägt ist, dass jede noch so kleine Abweichung vom Tagesablauf seine behütete Welt ins Wanken bringen könnte….“

„Wir müssen alte Traditionen aufrecht erhalten um unsere behütete Welt zu retten. Aber ist es dazu nicht schon zu spät? Wann war die Welt das letzte Mal…“

„Ich kam eben nicht damit zurecht, dass sich meine „ach so behütete Welt“ plötzlich in Luft auflöst und eine kaputte „Familie“ zurückblieb….“

„Schade dass Gast nicht den Mut aufbringt, seine kleine behuetete Welt mal zu verlassen und die Umgebung des Kinderzimmers auf eigene Faust zu erkunden…“

„Eines Tages drang ein Fremder in die wohl behütete Welt von Dannendorf ein. Fremde zogen überall dort den Bannstrahl des Mißmutigen auf sich…“

„Brendans brave und behütete Welt steht fortan Kopf.“

„Ist der Computer schon in diese behütete Welt eingedrungen?“

„Innerhalb nur eines Tages war ihre ganze, behütete Welt mit einem Mal zusammengebrochen. Nun fühlte sie sich leer.“

„Daher ist sie sich nicht sicher ob sie auch wenn sie ihre Unschuld beweisen kann jemals wieder in ihre behütete Welt zurückkehren will…“

„Als sie jedoch per Zufall die Wahrheit erfährt und Katrin und Klaus prompt in flagranti erwischt, stürzt ihre bislang behütete Welt zusammen…“

„Plötzlich war die angeblich behütete Welt eines Systems, dass den Menschen zu einer geleiteten Figur machte, nicht mehr existent…“

„Wenn ich nämlich nicht mehr existent bin, bin ich ETWAS. Ich bin etwas, das nicht mehr ist. Ich bin ein Etwas. Ein Etwas aber ist immer etwas Existentes…“

„Meine ‚Probleme‘ sind zumindest für mich vorüber bzw. nicht mehr Existent.“

„Der Wertemaßstab, der bisher durch die absolute Wahrheit geprägt war, ist nicht mehr existent…“

„So ist ein Teil dieser Hinterlassenschaften bereits nicht mehr existent.“

„Nun ist diese Firma nicht mehr existent so wie es ausshiet. Niemand ist erreichbar.“

„…weil der Rechnungsaussteller nicht mehr existent oder nicht auffindbar ist oder der Unternehmer nach einem Brand gar nicht mehr weiß, welche Rechnungen…“

„…wenn die Mieterin nicht mehr zahlungsfähig (insolvent) oder im Extremfalle nicht mehr existent (Liquidation/Löschung im Handelsregister) ist.“

„Vermutlich wird der Techniker auch kein Backup gemacht haben, so dass diese Daten nicht mehr existent sind.“

„Als ich beinah Atheist geworden wäre – erkannte ich, die Positivien Seiten des Todes: Man ist als Toter nicht mehr existent.“

„Einfacher gesagt: Das, wovon man stets ausgegangen ist, ist nicht mehr existent. Das ruft letztlich eine Identitätskrise hervor. “

„Er sprach in seinem geschichtsphilosophischen Vortrag über die Identitätskrise der jungen Generation und die Bedeutung dieser für die Zukunft…“

„…diese identitätskrise könnte auf der angst zu versagen beruhen.“

„Der Identitätskrise vorbeugen. Fünf Identity- und Access-Management-Suites mussten sich in den Real-World Labs behaupten….“

„Identitätskrise: Das Buch ‚ Die Sucht mit sich identisch zu sein ‚ habe ich mir seinerzeit nur des Titels wegen gekauft“

„Diskussion: identitätskrise … kann Horst helfen?“

„Nationaler Ethikrat in der Identitätskrise“

„…das die ads sich durch jeden bereich, durch jede minute meines lebens zieht. und jetzt bin ich in einer richtigen identitätskrise und fühle mich wie ein…“

„Identitätskrise????? Ich mach mir gerade die größten Gedanken darüber, was ich für die Männer eigentlich bin..“

„Identitätskrise. Von James Hamilton-Paterson. Der von Ihnen angeforderte Artikel steht nur angemeldeten Benutzern offen…“

„offen sein für neue Systeme und Handlungsmöglichkeiten….“

„offen sein für die gesellschaftlichen Anliegen der Zeit. von jung und alt“

„vollkommen offen sein für dich – dich zu lieben und sich von dir lieben zu lassen – ohne jegliche…“

„Offen sein für die spielerische und ästhetische Komponente mathematischen Tuns“

„Die vorgeschlagene Archivdatenbank muß offen sein für verschiedene Arten von Informationen. resp. Dateitypen. Sie sollte keine Einschränkungen durch…“

„Offen sein für die Vielfalt von Signalen, dem Wahrgenommenen Bedeutung geben und bewusst Situationen zu relativieren…“

„Ein Atom muss offen sein für das Molekül und das Molekül muss offen sein für die Zelle usw…“

lemonhorse / 4 April 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Hunger]

Diese Zahlen verbergen ein Horrorszenario…

[…] Laut FAO-Angaben leiden in Afrika 209,6 Millionen Menschen chronisch an Hunger. Dagegen beläuft sich diese Zahl allein in Indien auf 221,1 Millionen – mit erneut steigender Tendenz.

Selbst China, dessen Erfolge im Einsatz gegen den Hunger (insoweit die offiziellen Zahlen stimmen) die weltweiten Statistiken nur leicht steigen lassen, weist 142,1 Millionen Hungernde auf. Dies macht allerdings „nur“ elf Prozent der Gesamtbevölkerung aus, während der Anteil sich in Indien auf 21 Prozent, im Afrika südlich der Sahara auf 33 Prozent beläuft.

Hunger ist im Übrigen nicht nur ein Phänomen des Südens; auch in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion beklagt die FAO einen starken Anstieg, und selbst in den reichen USA leiden zehn Millionen Menschen an chronischem Hunger, und wissen weitere 35 Millionen Menschen nicht, wie sie ihre nächste Mahlzeit garantieren können.

Diese Zahlen verbergen ein Horrorszenario. An Hunger und dessen Folgen sterben jährlich bis zu 30 Millionen Menschen, darunter sechs Millionen Kinder. Pro Monat also ohne jede „Katastrophe“ 2,5 Millionen Hungertote.

Bruchstück aus: „Wirtschaft global – Hunger egal?“ (Frankfurter Rundschau; 04.04.2005)
Quelle: http://www.frankfurter-rundschau.de/

lemonhorse / 4 April 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Religions-Setzbaukasten… ]

Wie sieht [ein] Religions – Setzbaukasten aus?…

  • das junge Mädchen, das nachdem es liebevoll seinen verstorbenen Wellensittich im Garten beerdigt hat, andächtig vor dem Grab steht
  • die Mutter, die ihr einziges Kind bei einem Verkehrsunfall verloren hat, und in der Kirche eine Kerze für sie anzündet, obwohl sie selbst viele Jahre keine Kirche mehr von innen gesehen hatte
  • der Spieler in der Spielbank, der ein Glücksamulett tragend, am Roulett – Tisch seine Chips flüchtig mit den Lippen berührt bevor er sie einsetzt
  • der Direktor, der sein Büro mit den aus dem Afrika- Urlaub mitgebrachten Medizinmann – Utensilien schmückt
  • der Abiturient, der bei der schriftlichen Prüfung gelegentlich in die Hosentasche greift, um seinen Glückstein zu umfassen
  • der US – Präsident, der beim Amtseid die Hand auf die Bibel legt
  • der südamerikanische Fussball- Profi, der sich bekreuzigt und sein Amulett küsst, nachdem er das entscheidende Tor erzielt hat, und in der nachfolgenden Pressekonferenz erklärt, er widme dieses Tor der Madonna, die er um Hilfe angefleht habe, als seine Karriere wegen einer Knie- Verletzung vorzeitig beendet schien
  • der Fabrikarbeiter muslimischen Glaubens, der unter den Blicken seiner verständnislosen Kollegen sein Mittagsgebet auf einem mitgebrachten Gebetsteppich verrichtet
  • die Jugendlichen, die zur Sonnwendfeier sich um ein großes Holzfeuer versammeln um zu Musik und Tanz das mitgebrachte Bier trinken
  • der Fernfahrer, der ein Hufeisen an der Kühlerhaube und ein Bild des heiligen Christophorus am Seitenfenster angebracht hat
  • der Frührentner, der am liebsten Mystery- Serien ansieht, Däniken –Bücher liest, und sich heimlich ein Pendel nebst Gebrauchsanleitung schicken lies
  • der Bürgermeister, der am Wahlsonntag zum Gottesdienst in der Kirche seine Glückskrawatte trägt, die er schon bei seinem ersten Wahlsieg getragen hatte
  • der Akademiker, den in seinem Ägypten- Urlaub beim Anblick der Pyramiden ein unheimliches Gefühl befällt, das ihn nicht mehr loszulassen scheint
  • oder der Manager, der vor wichtigen Entscheidungen das Grab seines Vaters aufsucht um sich dort seelischen Beistand zu holen
  • japanische Shintoisten feiern begeistert Weihnachten
  • Halloween schwappt über den grossen Teich, die europäische Jugend ist begeistert
  • Sonnwendfeiern erfreuen sich besonderer Popularität
  • in den neuen deutschen Bundesländern hält sich hartnäckig die atheistische Initiationsfeier „Jugendweihe“ als Alternative zur kirchlichen Konfirmation und Kommunion
  • das allgemeine Interesse an fernöstlichen Religionen nimmt zu
  • steigende Nachfrage nach Talismanen und Amulette weltweit
  • Voodoo – Praktiken halten in der westlichen Gesellschaft Einzug
  • esoterische Seminare aller Art sind ausgebucht
  • Wallfahrten zu Externsteinen und anderen „magischen Orten“ erfreuen sich grosser Beliebtheit
    und was geschieht im Umfeld der staatlich geförderten „Kultbetriebe“?
  • am 6. Mai 2001 geht die Nachricht um die Welt, als erster Papst der Geschichte betet Papst Johannes Paul II in einer Moschee. Dafür wäre er vor 600 Jahren exkommuniziert worden.
  • seit den 80er Jahren zahlt die katholische Kirche der USA klaglos 800 Millionen Dollar an Entschädigungen und Schmerzensgeld an die Familien sexuell missbrauchter Messdiener (Süddt. Zt., 13.7.98)
  • die „Encyclopedia of American Religions“ listet 1.584 verschiedene religiöse Organisationen allein in den USA auf
  • Am 27. Januar 2000 wurde in Berlin die Bautafel für das Holocaust- Denkmal enthüllt. Es gilt ausschliesslich den ermordeten Juden in der Zeit zwischen 1938 – 1945, nicht aber der Juden, die im Namen der christlichen Religion ermordet wurden, geschweige denn anderer Verfolgter.
  • eine politische Diskussion um den Begriff „Leitkultur“ wird geführt, womit wohl die „christlich- abendländische“ gemeint ist. Auf nichtchristliche und humanistische Ideale wird keine Rücksicht genommen.
  • eine Umfrage im Jahr 1997 hat ergeben, dass 87% der Amerikaner glauben, dass sie in den Himmel kommen werden, auch wenn dieselbe Umfrage feststellte, dass nur 67% der Bevölkerung daran glauben, dass es einen Himmel gibt.“

Bruchstücke aus: „Ansichten über Gott – Annotationen eines Heiden“ von Conny Meier (27. März 2005 ?) Quelle: http://www.gratis-webserver.de/Prometheus/2.html

lemonhorse / 31 März 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Absorbierende Macht… ]

„… […] Die hohlbackige, aber wohlgenährt-dralle Tyrannei der Massenmedien und ihrer Sendeformate scheint ihm geradezu aufzudiktieren, mit welchen Mitteln (ja sogar mit welchen Themen) [ein Poet] das potentielle Publikum zu erreichen habe.
Machen wir’s kurz: Das heutzutage schwergewichtigste Kriterium bezüglich Kunst und ihrer Qualität ist die Verkaufbarkeit.
[…] Wie ist es also für den Dichter möglich, die Hegemonie der Massenmedien zu durchbrechen, wenn er nicht den Konsalik-Weg (und den vieler anderer) gehen will; wenn er demnach die bewußte Entscheidung trifft, nicht das zu reproduzieren und zu plagiieren, was der Apparat der öffentlichen Massenmeinungsbildung verlangt, und doch den Anspruch hegt, nicht zum Freizeit- bzw. Feierabendpoeten zu werden? Wenn er also auch seinen Unterhalt und somit sein Leben finanzieren muß durch das, was er schreibt?

Dies ist eine Streitfrage zwischen Gewissen und Zwang. Nämlich zwischen dem Zwang zum ‚Geldverdienen‘ und der Haltung des Nicht-Mitmachen-Wollens in einem affirmativen System, in dem bedenkenlos die bestehende Hierarchie aufrecht erhalten wird, ohne eine aktive Kritik, ja, in vielen Fällen gar ohne ein seichtes Hinterfragen derselben. Der Literaturschaffende (hier: stellvertretend für den Kunstschaffenden im allgemeinen) sieht sich zwischen zwei Polen eingeklemmt (und zerrissen…), die ganz offenkundig miteinander konkurrieren.

Das Essen muß auf dem Tisch stehen (oder, wenn kein Tisch vorhanden ist, dann halt irgendwo anders), ansonsten verwahrlosen die einstmals schreibfähigen Finger zu ziellos umhertatternden Schattenjägern; und der schöpferische Geist versackt allmählich in den Wirren, die der pure Kampf ums Überleben ihm auferlegt. Die Kunst als „rationale Kraft der Erkenntnis“, die für sich selbst und gegen die Gesellschaft existiert, scheint heute nicht mehr überleben zu können, denn „die absorbierende Macht der Gesellschaft höhlt die künstlerische Dimension aus, indem sie sich ihre antagonistischen Inhalte angleicht. Im Bereich der Kultur manifestiert sich der neue Totalitarismus gerade in einem harmonisierenden Pluralismus, worin die einander widersprechendsten Werke und Wahrheiten friedlich nebeneinander koexistieren.“
[…] Der Mensch, der […] nur noch unkritisch absorbiert, der die Fabeln und Realitäten ohne Unterschied wie ein Schwamm in sich einsaugt, nimmt nicht nur die unschöne und aufgeblähte Form eines panischen Kugelfisches an, er befindet sich auch in einem fortwährenden Dämmerschlaf, im Zustand der Bewußtlosigkeit zwischen unterdrückten Handlungsambitionen und akzeptierter Passivität. Nie zuvor in der Geschichte (selbst an dieser Stelle wird mit Superlativen nicht gespart!!) vernebelten Prachtbauten und Glitzerschaufenster, gefüllt mit den lautlachendsten Unnötigkeiten den Blick auf Gründe und Motive so wie heute. Nie zuvor klaffte die Schere zwischen Möglichkeit und Ist-Zustand so weit auseinander. Der Satz „Jeder darf sagen, was er will“, (der zu einem Schlachtruf innerhalb dieser Demokratie avanciert ist, mit dem jeder Kritiker mundtot gemacht werden kann), gehört umgedreht und in eine zeit-adäquate Stringenz gebracht: „Jeder will sagen, was er darf.“

Die heutige Form der Kultur ist ein großflächiges Manipulativum, das sich in den dreistesten Fällen hinter der Fassade jedweder Kunst versteckt, die sich für diese Zwecke vereinnahmen läßt. Ob der in guter Absicht handelnde Dichter komplizierte Worte benutzt oder ob er sich so klar und eindringlich wie möglich auszudrücken versucht: Immer stößt er auf das Phänomen der Gleichgültigkeit bei einem Großteil seiner potentiellen Adressaten, die nurmehr gegenüber dem schnellebigen Trend, der Modeerscheinung, der Ware sensibilisiert sind. Die Aufnahmefähigkeit beschränkt sich auf geistige Kurzstreckenetappen, und auch das von Grund auf Negierende, das Ablehnende, das offensichtlich Kritische wird nur in buntbestückte Regale eingeordnet — dem Konsum, und damit dem Vergessen anheim gegeben. Es wird verbraucht; und was verbraucht wird, wird letzlich ausgeschieden und ad acta gelegt; die Darminhaltsreste fliegen auf einen indifferenten Haufen, der sich verwesend auflöst.

Dilemma oder Normalität? Hysterie seitens des Autors oder ein tatsächlich beobachteter Zustand? Die Entscheidung sei jedem selbst überlassen (ein Zeichen dafür, daß ich die geistige Autonomie der Menschen noch nicht vollends abgeschrieben habe)! …“

Aus: „Les misérables“ Lars Reyer (parapluie no. 8: zeitenwenden)
Quelle: http://parapluie.de/archiv/zeitenwenden/elend/

lemonhorse / 24 März 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Wie durch einen Zufall… ]

Suchmaschienen Textfraktal CutUp Teil1…

„Ich finde es einfach gut, immer wieder etwas neues auszuprobieren.“
„Ich finde es einfach gut, wenn Leute eine Sache für wert befinden“
„Ich finde es einfach gut, wenn man in der Sprache zum Publikum spricht“
„ich kann nicht speziell sagen, was mir daran gefällt. ich finde es einfach gut.“
„Ich finde es einfach gut, mit Bussen und Zügen unterwegs zu sein.“
„Ich finde es einfach gut, wenn Politiker so sprechen, daß sie auch JEDER verstehen kann“
„es ist doof….und zwar so doof, das es schon wieder gut ist…richtig gut“
„Naja wenn das Kult sein soll, dann ist das schon Ok ich finde das nicht so Kultig das ist einfach krank Ok wenn alles abgesperrt ist gehts aber ansonsten…“
„Ich fand ihn ziemlich geil, sau billig, aber eben schon wieder so scheiße das es schon wieder gut ist.“
„Also ehrlich gesagt das Video ist so scheiße das es schon wieder gut ist! statte 5 punkte“
„ja wenigstens noch in die Kategorie ‚FAST so Scheiße das es schon wieder gut ist'“
„Dieser Typ ist so schlecht, das es schon wieder gut ist“
„…das ist so grottenschlecht das es schon wieder gut ist – ich meine im Sinne von Galgenhumor.“
„Das ist so dooof, das es schon wieder gut ist! Aber Uschi ist gut!“
„ist ja echt lustig…so billig, das es schon wieder gut ist.“
„Das ist wirklich das schlechteste Hörspiel aller Zeiten“
„Ich muß Dir zustimmen: Das ist wirklich das schlechteste was ich bisher gelesen habe. Wo hat diese Vicky so’n Scheiß her?“
„Das ist wirklich das Schlechteste, was Sie in den letzten Jahren in der Abfalldebatte vorgelegt haben. Es ist fachlich völlig ungeeignet, Stümperei…“
„Besser geht es nicht. Komisch, zu Herzen gehend, fesselnd“
„Effizienz und Kontrolle. Mit der LANDesk.“
„die Durchführung der Interventionen zu vereinfachen und zu dezentralisieren sowie allgemein die Effizienz und Kontrolle der Maßnahmen zu erhöhen.“
„Effizienz und Kontrolle müssen angehoben werden. Dafür wird gut ausgebildetes und motiviertes Personal benötigt.“
„die das derzeit vorherrschende Paradigma von Effizienz und Kontrolle umfassen“
„kann sicherstellen, dass die von verschiedenen Seiten formulierte Kritik in Richtung Qualität, Effizienz und Kontrolle nachhaltig angegangen wird.“
„von Geschäftsabläufen und/oder Geschäftsbereichen auf Risiken, Effizienz und Kontrolle, Prozeßoptimierung und Identifizierung von Einsparungspotential“
„Dabei sind eine geeignete Ausbildung, Disziplin und Kontrolle zu gewährleisten.“
„Zurück zu alten Tugenden: Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Erfahrung, Intuition, Phantasie, gesunder Menschenverstand, aber auch Disziplin und Kontrolle“
„Und wer sich über die Automatengeschichte eine Foucault’sche Genealogie von Disziplin und Kontrolle erwartet, ist im falschen Buch…“
„Ein weiterer Aspekt gefährlicher Übungen ist die Notwendigkeit der Disziplin“
„Darin sehe ich eine besondere Notwendigkeit der Disziplin, die wir Religionswissenschaft nennen.“
„Die Notwendigkeit der Disziplin hat sich aber in unserem Bildungswesen verselbständigt“
„Der Krebs weiß um die Notwendigkeit der Disziplin und sein Denken ist klar strukturiert.“
„Äußerste Zurückhaltung der Aufsichtsorgane ist daher empfehlenswert.“
„Es braucht also eine äußerste Zurückhaltung. Viele halten das nicht aus.“
„Äußerste Zurückhaltung ist bei der Veröffentlichung sensibler Personendaten angebracht“
„Äußerste Zurückhaltung beim Gasgeben lassen die Werte auf dem Bordcomputer bei fünf Liter Super Plus auf 100 Kilometer einpendeln.“
„Bis dahin ist in der genannten Hinsicht äußerste Zurückhaltung opportun, um den unzutreffenden Eindruck zu vermeiden“
„Ich wüßte nicht, daß wir uns kennen, weder so oder so.“
„Als ob ich nicht wüsste, dass 11 Jahre nicht so ganz spurlos vorbeigehen!“
„Es ist ja nicht so, als ob ich nicht wüsste was Wut ist“
„als ob ich nicht wüßte, was sich hinter dieser Mauer verbirgt.“
„Als ob ich nicht wüßte, was mit gesellschaftlicher Kälte gemeint sei.“
„Ich empfing sie, als ob ich nicht wüsste, wer sie vorher gewesen ist.“
„und tat so, als ob ich nicht wüsste, was los sei.“
„Dumme Frage – als ob ich nicht wüßte, wer ich bin. Natürlich weißt du das!“
„Gleichsam als ob ich nicht wüßte, daß ich mich hierdurch fremder Sünden teilhaftig machte. “

„Und als ob ich nicht wüsste, wie sich jeder an seine vermeintliche Existenz klammert.“
„als ob ich nicht wüßte, in welcher Tasche ich die Streichhölzer grade habe.“
„Wie durch einen Zufall (als ob ich nicht wüsste das es keine Zufälle gäbe)“
„Wie durch einen Zufall bekamen wir einen Tisch direkt vor der Bühne“
„Wie durch einen Zufall stieß ich auf Regine, die ehemalige Besitzerin.“
„Wie durch einen Zufall war das Ozeanarium in der Nähe des Hotels“
„Wie durch einen Zufall steht auch plötzlich ein Spenderherz zur verfügung.“
„Wie durch einen Zufall fällt der Termin auf einen Dienstag.“
„da der träger ihres tops wie durch einen zufall nach unten grutscht war.“

lemonhorse / 24 März 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Schneematsch und Elektrolyt (V0.010)… ]

Schneematsch unter den feuchten fetten Reifen der Linie 34. Durch die Scheiben leuchten die verschmierten Lichter der Stadt. Es wird gehustet und die Leute haben Mützen auf.

Am nachmittag entsagt das Sicherheits-Zahlenschloss der ach so sexy grauen Bürotür der Funktionsfähigkeit und der Hausmeister kommt nicht – es ist kalt ohne Jacke vor der Tür – aber immerhin habe ich noch die benötigten Löcher in das Gehäuse von meinem zukünftigen Moog-Filter boren können…

Zudem kann man ja immerhin mal zufällig Steven Steel im Supermarkt treffen und sich unterhalten (ich weiß Wieland, es gibt keinen Zufall…) – oder etwas Schimmel-Käse aus dem Kühlregal entnehmen. Oder mit Götz im Elktro-Labor-Keller sitzen und eine Selbstgedrehte rauchen während die Gedanken über elektronischen Schaltkreisen drehen bis uns nebenbei ein dicker alter Elektrolyt-Kondensator explodiert – das gute alte Netzteil vom Z80-Computer das nun ganz erbärmilch übel stinkt.

Ohne Frage: heute siegt bei mir Satre über Kant – nach Punkten. Und warum verdammte Scheiße ist Moralität eigentlich immer so unglaublich unerotisch?! – Und warum töten und foltern sich Menschen noch immer massenhaft wegen abstrusen Gehirnkonstrukten und banalster Hinterhältigkeit? – Und warum ist brutaler Mord und das monströse Elend ein guter Freund der Aufmerksamkeit? – woher kommt die (oft nicht eingestandene) Faszination für das Morbide? – Durch das Unverständnis dem Tod gegenüber? – Weil wir (+/oder ich) immer auch unser eigenes unbekannte Ende dort als Variation liegen sehen (möglicherweise als ein versprengter Teil der psychischen Empfindungslandschaft)? – Weil wir (+/oder ich) den Tod nicht wirklich bis an das Ende denken können? – Weil wir (+/oder ich) auf ‚Gen-Erhalt und Überleben um jeden Preis‘ programmiert sind? – Weil wir (+/oder ich) möglicherweise mehr als uns lieb ist mechanische Bio-Robotter sind? – Weil wir (+/oder ich) immer nur unseren Umständen und der eigenen Situation entsprechned unsere absolutistischen Gedankenbahnen basteln ( \’in meiner alleinigen Welt habe ich immer recht\‘)? – Weil wir (+/oder ich) schmale verstopfte Realitätstunnel benutzen? – Weil sich angeblich 2 Paralellen im Unendlichen treffen und ich mir (+/oder du dir) das mit meinem (deinen) primitiven Gedankenapparat nicht in aller Konsequenz vorstellen kann (kannst)? – und ich mich lachend, weinend, dem wahnsinn nah gefangen im Labyrinth von Metaphysikalien befinde?

Aus dem Keller schalt es mir entgegen: „Macker, deine Probleme möchte ich haben – du gehst mir tierisch auf die Eier mit deinem Gelaber, du blödes Arschloch!“

ok, ich danke der fürsorglichen Ermahnung wegen – und trete so schnell wie möglich die vorschnelle Flucht über die freud\’sche Mythengasse an: rasch noch die Ideen formartieren: Eros und Thanatos als ureigenste Kraft die im Verborgenen bleibt – beide haben es sehr gut eingefädelt sich erfolgreich seichter Logik zu entzeihen [Press Enter] – benutzen wir sie als die letzte Zuflucht vor der banalen ‚bioLOGISCH- materialistischen Faktenlage‘.
Sich zu wehren und zu wiedersetzen als ‚lebendes Material mit klassifizierbarem Existenz-Zustand‘ => (Wilkommen in deinem persönlichen Aggregat, drücke die Taste 1 um deinen Zustand zu ändern, drücke die Taste 2 um die Existenz aufzuladen, drücke die Taste 3 um…).
Richtig, da war doch noch etwas – der Geist? – die Seele? – „Veraltestes Sediment primitiver Unwissenschaflichkeit!“ (erschallt es nun aus den kalten Maueritzen des Fluchttunnels) – „Ich muss wiedersprechen! – Hier laufe ich und kann nicht anders – da ist ein ORT im wORT – und ‚Geist‘ ist eben nicht = Datenverarbeitung!“ (brüllt er nun angespannt ob seiner wagen Vermutungen in die Werkhalle der versteuten Projektionen) – und im verschneiten Hinterhof sitzen derweil die mentalen Geier auf den entlaubten Zweigen und lachen ihn aus – wippen leicht hin und her, in der Hoffnung auf fette Beute – ja, lecker lecker lecker – „Aber so einfach werde ich es euch heute nacht nicht machen!“ – sprach er, glaubt sich selbst nicht recht – und lauscht versonnen den Ventilatoren der kybenetischen Maschienen.


[…] Geist und Bewusstsein indes unterliegen physiologischen, chemischen und physikalischen Gesetzmässigkeiten. „Alles“, erklärte Wolf Singer am gestrigen Donnerstagabend auf einer Diskussionsveranstaltung des Max-Planck-Forums in Berlin, „beruht auf neuronalen Aktivitäten — worauf sonst?“. Das Wollen, Denken und Verhalten werden von limbischen Gehirnsystemen gesteuert, die grundsätzlich unbewusst arbeiten und die dem bewussten Ich kaum zugänglich sind.

„Die Idee eines freien menschlichen Willens ist mit wissenschaftlichen Überlegungen prinzipiell nicht zu vereinbaren“, meint auch Wolfgang Prinz. Die Vorstellung der Willensfreiheit sei lediglich ein soziales Konstrukt; tatsächlich werde das individuelle Verhalten unbewusst determiniert: „Wir tun nicht, was wir wollen, sondern wir wollen, was wir tun“. Was scheinbar als freie Willensentscheidung daherkommt, sei nichts anderes als das nachträgliche Ratifizieren einer Entscheidung, die das Gehirn in der gegebenen Situation schon längst getroffen hat.

Aus „Freier Wille unter Neuronenfeuer“ (04.03.2005 15:07) http://www.heise.de/newsticker/meldung/57086

lemonhorse / 2 März 2005 / Fraktal.Text, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Die Auslagerung von Gefühlen… ]

„[…] Am Beispiel des Dosengelächters in Fernsehkomödien versucht Slavoj Zizek dieses Phänomen zu erklären: So wie, Lacan zufolge, der Chor im antiken Theater die Funktion hatte, anstelle der Betrachter Furcht und Mitleid zu empfinden, dem Zuschauer den Gefühlsausbruch also habe abnehmen sollen, lache das Fernsehgerät nach jeder Pointe selbst, damit der Zuschauer nicht emotional reagieren müsse. Vergnügen entsteht somit, indem ein Ding automatisch für den Konsumenten reagiert…
[…] Die Auslagerung von Gefühlen, Gedanken und Überzeugungen, die Möglichkeit, psychische Zustände in fremde Körper oder Automaten zu verlagern, läßt denn auch Robert Pfaller von einem gegenwärtigen Wandel zur Interpassivität im kulturellen Verhalten sprechen. Interpassive Personen genießen nicht selbst und treiben einen großen Aufwand, um dem Genuß zu entkommen; in einer Strategie der Ersatzhandlungen engagieren sie Personen oder Geräte, die an ihrer Stelle genießen. …“

Bruchstück aus: „Der Erzähler und der Cyberspace von Walter Grond“
Quelle: http://www.lesen.action.at/grond/cyb.htm

lemonhorse / 7 Februar 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Glücklichster Tag auf der ganzen Welt… ]

Wir teilen uns 2 Thüringer Bratwürste – im alten Röhrenradio läuft Duke Ellington und meine Tochter sagt mit einem Stück Weissbrot in der Hand: „Das ist mein glücklichster Tag auf der ganzen Welt!

lemonhorse / 29 Januar 2005 / Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[In einem zerhackten Moment… ]

So segelt meine Verfassung in den Wogen des Kaffeebechers.

So dämmert der Gedanke auf den Shift-Tasten meiner Gefühlstastatur. So wippt die Narkose auf dem Bürostuhl. Und der Blick aus dem Fenster stürzt sich in einem zerhackten Moment auf die bunt angemalten Plastik-Kühe, die auf dem Dach der Industieschlachtanlage stehen.

lemonhorse / 27 Januar 2005 / Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Beim Geschirrspülen oder Scheißen… ]

„[…] Getreu der Devise, »daß nichts phantastischer ist als die Wirklichkeit und nichts fiktiver als das Leben«, tritt [Fauser] wie ein hartgesottener Literaturagent auf, der »angestellt ist beim Verfassungsschutz für Sprache und Zweifel«, dem Leben erbarmungslos auf der Spur. Er steigt hinab in dessen finsterste Abgründe, schnüffelt in stinkenden Löchern und versteckten Ritzen, watet im Kot einer tristen, sich im Todeskampf windenden Überflußgesellschaft und seziert unsentimental deren menschliche »Exkremente«, die als bierselige Stammgäste die Tresen gesellschaftlicher Randzonen bevölkern und vom »häuslichen Glück mitten im Minenfeld der sozialen Kämpfe« träumen. Fausers Bewunderung gilt den passionierten Verlierern, den glücklosen Veteranen des täglichen Überlebenskampfes, den Großmeistern des ewigen Selbstbetrugs […] .

Für ihn ist »der Poet ein Lumpensammler
er kommt mit den Abfällen aus
wie die Ratte und der Schakal«
(Trotzki, Goethe und das Glück, 1979).
Fündig wird er in den Großstädten; in den Zentren der Macht und des Scheins »begegnen wir der Psyche unserer Epoche.« Hier erhält er das konzentrierte Extrakt moderner Verhaltensformen, durchtränkt von Korruption, Angst, Lebensgier, Gewalt und Machtbesessenheit; Chiffren für im Grunde archaische Träume und Sehnsüchte, die bei Nichterfüllung mit Alkohol und Rauschgift kompensiert werden. Die Droge dient Fauser nur als Metapher für das Verlangen, sich an etwas zu berauschen, unstillbares Verlangen zu entwickeln.[…]“

[Aus dem „Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“, herausgegeben von Dr. Thomas Kraft, München: Nymphenburger Verlag 2003]

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„[…] Wie bleibt man ein unabhängiger Schriftsteller? Ganz einfach: «Keine Stipendien, keine Preise, keine Gelder der öffentlichen Hand, keine Jurys, keine Gremien, kein Mitglied eines Berufsverbands, keine Akademie, keine Clique […].
Fauser schrieb über das Dasein unter den rebellierenden Studenten Sätze wie: »Revolution schien etwas zu sein, das man zuerst in sich machen musste, für sich, um sich herum, vor allem sexuell, aber auch psychisch und überhaupt ständig, auch beim Geschirrspülen oder Scheißen.«
[…] Ihm ging es offensichtlich darum, die Verbohrtheit ideologischer Hardliner zu beschreiben, die sich letztlich nicht viel vom bekämpften «System» unterschieden, mit dem sie wenig später ihren Frieden schlossen. An diesen Stellen ist das Buch sehr komisch – gehässig ist es nie. Vielleicht war «Rohstoff» gerade deshalb bei Erscheinen Anfang der Achtziger kein Verkaufsschlager.

Aus: ‚Literatur ist kein Partyservice‘ (Text über Jörg Fauser)
Quelle: Netzeitung – 14. Jul 2004 07:39 (Autor ?)
Link: http://www.netzeitung.de/voiceofgermany/295583.html

lemonhorse / 20 Januar 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments