lemonhorse / 5 Juli 2005 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text / 0 Comments

[and what is code?]

[…]“Well under my freewheeling anti-rigourous theoretics, everything is code: DNA, narratives, images, assembly language, social customs. How do we define or find the source of such permeable interpenetrating subtle fields? How do we distinguish between open and closed sources ? Isn’t ultimate openness synonymous with unity itself? Is it possible for a human being to find the ’source‘ of anything? This may seem trite in an era when the open-source movement has undeniably become a luminous exemplary node of creative resistance against the somewhat-cancerous instincts of copyright, patent and possession. But it still feels relevant to question the vanity of believing that ’sources‘ as we term them are anything more than abstractions or orifices or points of temporary stillness in the perpeptual flux of energy known as existence.“

Source: http://www.year01.com/code/html/

lemonhorse / 5 Juli 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Der Mensch erschiene als geistiger Automat]

[…] Grundlegend für eine ‚Psychowissenschaft‘ sind die Fragen „Was ist Bewußtsein?“ – „Welches sind seine Bedingungen?“ – „Wie kann es gelenkt und beeinflußt werden?“ – sie drängen sich nicht nur demjenigen auf, der manipulieren will, sondern auch jenem, der sich angesichts zu erwartender Entwicklungen vor Manipulation schützen will.

‚Psychotechnik‘ tangiert die Würde und individuelle Selbstbestimmung des Menschen noch viel fundamentaler als etwa die Gentechnik. Grundsätzlicher und weitreichender noch als die Bewußtseinsfrage dürfte daher die Frage nach der Freiheit sein: ist Freiheit überhaupt, und wenn ja, in welcher Art denkbar?

[…] Wer [ ] das Denken als biologisch bedingt ansieht, sollte diese seine Ansicht besser nicht in Gedankenform vortragen, wenn er sie zugleich als „wahr“ vertreten möchte…

[…] Sehr nahe kommt Fichte in seiner „Bestimmung des Menschen“ dieser Konsistenzforderung, wenn er schreibt: „Alle Realität verwandelt sich in einen wunderbaren Traum, ohne ein Leben, von welchem geträumt wird und ohne einen Geist, dem da träumt; in einen Traum, der in einem Träume von sich selbst zusammenhängt.“ – Wäre die Behauptung wahr, träfe sie natürlich auch auf sich selbst zu! Aber warum hat dann Fichte den Satz aufgeschrieben, der doch kein wahres Urteil, sondern nur ein Traum sein soll?

[…] [Ein] Neurobiologe [wird] schwerlich gültige Aussagen über die Existenz oder Nicht-Existenz von Freiheit machen können, ehe er nicht das Bewußtseinsrätsel wenigsten anfänglich gelöst hat. Besonders euphorische Stimmen geben vor, diese Lösung bereits zu besitzen. Es gibt aber auch nachdenklichere Forscher, so antwortet z.B. Antonio Damasio in der „Zeit“ vom 5. Oktober 2000 auf die Frage: „Glauben Sie, Bewußtsein wird sich eines Tages endgültig erklären lassen?“ mit dem bemerkenswerten Satz: „…obwohl wir Neurowissenschaftler das gerne vergessen, stehen wir vor einer zentralen Erklärungslücke: Wie entsteht aus einem neuronalen Muster ein Gedanke?“ Auf den prinzipiellen Charakter dieser Erklärungslücke hat C.F. Von Weizsächer in seiner „Geschichte der Natur“ mit deutlichen Worten hingewiesen: „Man kann dort von der Physik keine Antworten erwarten, wo man nicht einmal die Fragen mit den Begriffen der Physik formulieren kann. Die subjektive Seite des Lebens, Seele, Empfindung, Bewußtsein, nimmt der Physiker mit seinen Mitteln nicht wahr; er kann deshalb auch nicht hoffen, sie mit seinen Begriffen zu erklären. Aus keinem Begriffssystem kann man Sätze ableiten, in denen Begriffe vorkommen, die innerhalb des Systems nicht definiert sind.

[…] Bewußtsein ist nur eine notwendige Bedingung für Freiheit. Folglich ist die Lösung des Bewußtseinsproblems zwar Vorbedingung aber noch nicht Lösung des Freiheitsproblems. Ohne zureichenden Grund die Freiheit zu leugnen, gehört zu den Initiationsriten vieler moderner Denkrichtungen und naturwissenschaftlich geprägten Weltanschauungen. Wirkliche Problemlösung erfordert aber eine offenere Ausgangslage. Ein gutes Beispiel finden wir bei Antonio Damasio, wenn er sagt: „Ich Glaube, der freie Wille existiert, aber in geringerem Maße, als viele glauben.“

[…] Vorläufig bleibt die Suche nach dem Zusammenhang von Innenwelt und Außenwelt wissenschaftliches Ziel. Dieses Ziel, den Monismus, bekenntnishaft vorwegzunehmen, wäre unwissenschaftlicher Dogmatismus. Sich andererseits zu einem prinzipiellen Dualismus zu bekennen, also jede Möglichkeit eines erkennbaren Zusammenhangs von Innen− und Außenwelt zu leugnen, wäre natürlich nicht minder dogmatisch. Glaube und Bekenntnis als fragende Hypothesen sind wissenschaftsfreundlich. Ein Bekenntnis, das Forschung ausschließen will, indem es von vornherein die Existenz des Forschungsobjektes oder seine Erkennbarkeit oder die Zulässigkeit seiner Erforschung leugnet, ist wissenschaftsfeindlich und dogmatisch.

Ein „Ich“, daß sich des Leibes bedient, also mit ihm nicht wie die Flamme mit der Kerze, sondern etwa wie der Fahrer mit dem Auto, oder weniger technisch, wie der Reiter mit dem Pferd zusammenhängt, ist eine wissenschaftsfreundliche Hypothese, die weder bekannten Tatsachen widerspricht, noch geeignet ist, mögliche Untersuchungen zu behindern. Deshalb sollte man ihr genügend Raum in seinen Überlegungen geben.

[….] Wäre das Bewußtseinsrätsel gelöst und ein selbständiges, unabhängig vom Körper existenzfähiges „Ich“ entdeckt, so wäre die Möglichkeit zur Freiheit damit noch immer nicht sichergestellt. Denn es könnte ja sein, daß dieses eigenständige „Ich“ von seiner eigenen, vielleicht geistig zu nennenden Existenzgrundlage her determiniert, also zwar nicht von physiologischen, dafür aber von geistigen Gesetzen vollständig bestimmt wäre. Eine eherne Gesetzmäßigkeit, in eine andere Welt verlegt, eröffnete uns nicht die Chance zur Freiheit. Der Mensch erschiene als geistiger Automat anstatt eines biologischen Automaten. Schon Schiller hat erkannt, daß der „Formtrieb“ den Menschen ebenso versklaven kann, wie der „Stofftrieb“. Freiheit kann nur sein, wenn der Mensch selbst das „Gesetz seines Handelns“ hervorbringt.

Aus: „Die postmaterialistische Perspektive aus naturwissenschaftlicher Sicht (Grundsatzüberlegungen zu Umfang, Implikationen und Folgen eines zukunftsfähigen postmaterialistischen Denkens in der verwissenschaftlichten Wirtschaftsgesellschaft)“ von Bodo Hamprecht

Quelle: http://www.physik.fu-berlin.de/~hamprech/Postmaterialismus.pdf

lemonhorse / 4 Juli 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Die Erlösung vom Ich]

Im Thema Willensfreiheit überschneiden einander einige zentrale Bruchlinien des menschlichen Selbstverständnisses im naturwissenschaftlich-technischen Zeitalter.

[…] „Wir haben einen freien Willen“, das klingt wie „Sie hat einen Bausparvertrag“ und wer sich auf die Suche nach dem Willen macht, kann ihn nicht finden. Heutzutage ist darauf hinzuweisen, dass sich das Wörtchen „haben“ in diesen beiden Sätzen unterschiedlich verhält. „Ein freier Wille“ ist nicht von der Art, dass er einfach konstatiert oder vermisst werden kann. Wer sich auf das Spiel „Wo ist er denn zu sehen?“ einlässt, hat sich vorneweg dem Druck der schwarz-weiß-Fraktion gebeugt.
Für jene, denen eine Retourkutsche lieber ist, empfiehlt sich dieses ‚Paradoxon‘: „Haeckel ärgert sich über die Juristen, die sich nicht drum kümmern, dass die Kriminellen, die sie verurteilen ja keinen freien Willen haben. Er merkt aber nicht, dass dann ja auch die Juristen determiniert handeln, ja und sein Ärger ist ja auch determiniert.“ (marlenew, 12.1.) So sieht es aus, wenn das Manöver der Zuschreibung von Verantwortung abgeblockt wird. Ein Zustand ohne Ärger. Ein direkter Übergang von der Naturwissenschaft in die Erlösung vom Ich.

Aus: „BEDINGUNGEN FÜR FREIHEIT“ – von Herbert Hrachovec (Wien)
Quelle: http://www.jp.philo.at/texte/HrachovecH1.pdf (2005)

lemonhorse / 4 Juli 2005 / Fraktal.Text / 0 Comments

[Metaphorische Übertragungen… ]

“ … Unser konzeptuelles System, in dem wir sowohl denken als auch handeln, ist grundsätzlich metaphorisch […] Metaphern sind als Träger kognitiver und emotionaler Strukturen seit dem Buch „Metaphors we live by“ von George Lakoff und Mark Johnson 1980 in den Blick geraten, und es gibt auch im deutschsprachigen Raum kaum noch eine Arbeit zu dem Thema, die sich nicht mit diesen Autoren auseinandersetzt. Beide haben ihr Anliegen in Folgepublikationen vertieft und z.T. verändert (Lakoff 1987, Johnson 1987). Sie gehen davon aus, daß metaphorische Übertragungen aus einfachen und sinnlich wahrnehmbaren Erfahrungseinheiten („experiential gestalts“) auf komplexe und abstraktere Begriffe ein Grundzug unseres Denken und Handelns ist. Sie postulieren, daß Metaphern zusammenhängende Konzepte bilden, nach denen wir unser Denken strukturieren. Sie sehen Metaphern also nicht als Frage der Sprache, sondern des Denkens an und nehmen eine Homologie zwischen Denken und Sprechen an. Drei unterschiedliche Typen von Metaphern bilden den Ausgangspunkt ihrer Theorie: konzeptuelle (strukturierende), orientierende und ontologisierende (vergegenständlichende) Metaphern.
Lakoff und Johnson gehen davon aus, daß die sprachlichen Bilder aus einem Bereich von Erfahrung stammen, der eine prägnante Gestalt hat und leicht benennbar ist, während der zu strukturierende Bereich unscharf ist. Das trifft auf abstraktere Bereiche wie Gefühle, Handlungen, Wertungen zu. Brünner 1987 nennt wesentliche Metaphern für den komplexen Begriff der Kommunikation: Sie ist Kampf („Positionen beziehen“), ist ein Bauwerk („Argumentation aufbauen“), Zeichnen („seine Ansicht illustrieren“), Spinnen oder Weben („Gesprächsfaden“, sich „verheddern“), Fortbewegung („auf anderes Thema kommen“), ein Lebewesen („tote Sprachen“), ein ökonomisch-bürokratisches Geschäft („verhandeln“), eine Maschine bzw. ein Computer („ich kann nichts mehr speichern“), oder Kommunikation ist das Versenden von Ideen- Objekten in Sprachhüllen (Conduit-Metapher, eine „lange Leitung“ haben, „hohle Phrasen“, „schlecht verpackte Idee“).
Die Metaphorik der Liebe (Kövecses 1988) umfaßt viele Bilder der Einheit („eins werden“, „ein Herz und eine Seele“) mit den Variationen der Einverleibung („ich könnte dich fressen“), der aufgehobenen Trennung („meine bessere Hälfte“), der verschiedenen Formen von „Nähe“, in denen die physikalische Qualität der Strecke für die Beziehung steht („waren uns ganz nah“).
Je stärker eine bestimmte Metaphorik einen abstrakten Bereich dominiert, desto deutlicher sind ihre Folgen für Handlungen. Nieraad (1977/26) führt als Beispiel die der Biologie entlehnte Metaphorik des Faschismus an (Blut, Boden, Rasse etc.), um den Zusammenhang von Metaphorik und Handlung zu zeigen: Was an sozialer Wirklichkeit nicht in das ideologische Prokrustesbett paßte, d.h. nicht rassisch „gesund“ war, wurde einer „biologischen Therapie“ unterzogen, d.h. „ausgemerzt, ausgerottet, vertilgt“. Lakoff und Johnson gehen in ihrer Behauptung eines solchen Zusammenhangs von Kognition und Handlung via Metaphorik soweit, daß sie behaupten:
„Unser konzeptuelles System, in dem wir sowohl denken als auch handeln, ist grundsätzlich metaphorisch. Die Konzepte, die unser Denken leiten, sind nicht bloß Gegenstände des Intellekts. Sie leiten unser tägliches Funktionieren bis hinab zu den kleinsten Details. Unsere Konzepte strukturieren, was wir wahrnehmen, wie wir uns in unserer Welt bewegen, und wie wir Beziehung zu anderen Menschen aufnehmen.“ (dies. 1980/ 3)
Um diese weitreichende Behauptung zu stützen, reicht der dargestellte Begriff von Metaphorik nicht; die Betrachtung der orientierenden und der vergegenständlichenden Metaphern erlaubt es, die Reichweite dieser Behauptung einzuschätzen.

Bruchstücke aus: „Metaphernanalyse und die Repräsentation biographischer Konstrukte“
von Rudolf Schmitt, Journal für Psychologie, Asanger-Verlag, Heidelberg, Doppelheft 1/1995 -1/1996, S.47-62, Quelle: http://www.hs-zigr.de/~schmitt/aufsatz/biograph.htm

lemonhorse / 25 Juni 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Dazu verdammt, frei zu sein… ]

[David Cronenberg:] “ … Es gibt keine Regeln, außer die, die wir selbst erfinden. Das entspricht meiner Weltsicht. Wir sind, wie Sartre gesagt hat: „Dazu verdammt, frei zu sein.“ Das ist erschreckend und aufregend zugleich. Die meisten Leute wollen diese Verantwortung nicht akzeptieren. Die meisten Religionen versuchen uns eine Struktur zu verpassen, mit deren Hilfe wir das nicht anerkennen müssen.
Sie geben uns eine Moral und normalerweise auch eine Ausflucht gegenüber dem Tod. Aber als ein wahrer Existentialist akzeptiert man diese unangenehmen Wahrheiten und trifft seine Wahl auf der Basis, das es nur auf einen selber ankommt. Das ist das Menschenbild der Existenzphilosophie. Dies zu sagen ist zur Zeit zwar nicht sehr in, aber ich glaube, dass es sich bei den Diagnosen der Existentialisten um eine philosophische Position handelt, das bis heute nicht übertroffen wurde. Die Existenzphilosophie ist zwar vielleicht nicht mehr so in Mode, wie sie es wohl in den 50ern war, aber sicher heute wieder wichtiger, als in den 80ern, wichtiger auch als Dekonstruktivismus und Postmoderne…“

Bruchstück aus: „Im eigenen inneren Gefängnis“ Der kanadische Regisseur David Cronenberg über „Spider“ im Interview mit Rüdiger Suchsland (09.06.2004), Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/kino/17611/1.html

lemonhorse / 25 Juni 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Bruce Lee der Wörter… ]

[…] Sartre war besessen von der Idee, dass man sich seine Lage bewusst machen muss, um frei entscheiden zu können. Er war durchdrungen von der Gewissheit, dass alles mit allem zusammen hängt, dass der Einzelne millionenfach definiert ist, dass man also, beschränkt man sich auf sein Fach, notwendig ein Idiot bleibt. Er wollte kein Idiot bleiben. Vielleicht war er nicht neugierig, aber er nahm das „Erkenne Dich selbst!“ so genau, dass es fast nichts gab, das er nicht wissen musste, um wenigstens das Gefühl zu haben, sich und seine Lage erkannt zu haben. Dass diese Lage sich ständig änderte, dass auch er selbst nicht der Gleiche blieb, war ihm bewusst wie wenigen. Seine Aufsätze veröffentlichte er unter dem Titel „Situationen“. Er liebte es, sich als jemanden zu sehen, der es verstand, in jeder dieser Situationen exakt das Richtige zu tun. Es kam ihm darauf an, die ganze Wucht der Lage auszunutzen für die Eroberung einer kleinen Freiheit. Er war der Bruce Lee der Wörter, die er abzuschmecken und auszunutzen liebte, deren trügerischen Reizen er oft erlag, die er aber niemals mit der Wirklichkeit verwechselte.

Aus: „Besessen vom Ich“ von Arno Widmann (Dienstag, 21. Juni 2005)
Quelle: www.berlinonline.de/berliner-zeitung/feuilleton/459432.html

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[…] Der Direktor des Pariser „Figaro“ machte den Vorschlag, man solle Sartre exkommunizieren und anschließend auf dem Vorplatz von Notre-Dame verbrennen. Den Existentialismus verglichen Kritiker mit einer Kloake, durch die man nur auf Stelzen waten könne. Sartre, dessen „Durst nach Martyrium“ den Zeitgenossen auffiel, mag ein morbides Vergnügen an diesen Beschimpfungen gefunden haben. Skandalös wirken die meisten gegen Sartre gerichteten Haßtiraden heute nicht mehr – eher wie versteinerte Exkremente.
[…] Zu seinen Lebzeiten triumphierte die Philosophie Sartres nicht nur in den Hörsälen, sondern auch in den Jazzkellern und Cafés von Saint-Germain-des-Prés. Ihrer Trivialisierung zur Lebensform einer kettenrauchenden Bohème leistete ihr Autor dabei selbst Vorschub – unterstützt von Simone de Beauvoir und einer großen „Familie“ von Freunden und Anhängern. Man hat Sartre falsch in Erinnerung, wenn man in ihm vorwiegend einen humorlosen und verkniffenen Doktrinär sieht. Sartre lebte ein Leben voller Schabernack; er wollte lieber für einen Hanswurst gehalten werden als für einen Unterpräfekten.
[…] Am 19. April 1980 wurde er auf dem Pariser Friedhof Montparnasse begraben. Zehntausende folgten seinem Sarg. Was Sartre den Trauernden bedeutete, brachte in seiner Antwort ein kleiner Junge zum Ausdruck, den ein Passant fragte, warum so viele Menschen auf der Straße seien: „Wir demonstrieren gegen Sartres Tod.“
Quelle:www.welt.de
Aus: „Er kam als Autor auf die Welt“ von Wolf Lepenies (21. Juni 2005)

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[…] In Frankreich gilt das Diktum: Lieber mit Sartre irren als mit Aron Recht behalten. Lieber mit Jean-Paul Sartre an eine bessere Gesellschaft glauben, auch wenn sie nur zu einem hohen Preis und am Ende vielleicht gar nicht zu verwirklichen ist. Lieber Unrecht haben, aber daran glauben als mit Raymond Aron Recht behalten, mit diesem lange Zeit als konservativ verschmähten Philosophen und Soziologen, der weit vor dem Schwarzbuch des Kommunismus die ideologische Verblendung der Linken geißelte und den Kommunismus als „Opium der Intellektuellen“ bezeichnete.

[…] Sartre und Arons Streit ist ein politischer, aber auch ein persönlicher. Er ist Beispiel dafür, wie aus engen Freunden unerbittliche Feinde werden können. Beide waren Jahrgang 1905. Sartre war am 21. Juni geboren worden, Aron am 14. März. Beide besuchten die renommierte Ecole Normale Supérieure, wo sie sich gegenseitig schworen, beim Ableben des anderen dessen Nachruf zu schreiben. Gemeinsam gründeten sie eine Zeitschrift, Les Temps Modernes.

[…] In diesem Jahr, zum 100. Geburtstag der beiden Denker, wird das „Match Sartre-Aron“, wie ein Nachrichtenmagazin titelte, in den französischen Medien noch einmal neu aufgelegt. Mit Abstand betrachtet ist die Sache klar. Stellt man die politischen Analysen gegenüber, sieht Sartre blass aus. Denn mit Sartre irren heißt, die Diktatoren des 20. Jahrhunderts verteidigen. Stalin, Mao, Chruschtschow, Tito, Pol Pot. Es heißt Fidel Castro verehren. Und bedeutet auch: Gewalt philosophisch legitimieren. Kurz, die Bilanz seiner Fehleinschätzungen, seiner ideologisch verblendeten Legitimationen ist beträchtlich. So beträchtlich, dass der linke Nouvel Observateur unlängst provokativ fragte: „Muss man Sartre verbrennen?“ Und doch ist es Sartre, der eindeutig als Gewinner aus diesem Match hervorgeht […] Vermutlich schon deshalb, weil man sich an ihm und seinem Werk noch immer und immer wieder reiben kann.
Quelle:www.fr-aktuell.de/
Aus: „Sartre brennt“ von MARTINA MEISTER (21.06.2005)

lemonhorse / 21 Juni 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Third Mind… ]

„… William Burroughs first suggested the possibility of a Third Mind. Essentially, when two people collaborate on any given project, a Third Mind is formed out of the merged focus of the two minds. Essentially, when two people collaborate on any given project, a Third Mind is formed out of the merged focus of the two minds. …“

Source: http://thirdmind.org/

lemonhorse / 31 Mai 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[…die wir nicht sehen können]

[…] elektrolytische Spannung an und in Froschenkeln, um physikalisch genau zu sein – war der Schlüsseleffekt zur chemischen Erzeugung von Elektrizität, die Volta 1800 gelang…
[…] 1895 fand Röntgen die unerklärlichen Strahlenwirkung auf einer zufällig herumliegenden belichtbaren Platte…

[…] Ohne jede Kenntnis von den physikalischen Eigenschaften der Strahlen, nur mit dem vergleichsweise simplen crookesschen Handwerkszeug wurde nun geröntgt. […] Ob die Röntgenstrahlung, physikalisch gesehen, überhaupt ins elektromagnetische Spektrum, das Hertz 1888 mit seiner Entdeckung der Radiowellen sozusagen zugänglich gemacht hatte, überhaupt hinein gehören, war lange höchst umstritten und konnte erst 1912 durch die Interferenzexperimente Max von Laues bewiesen werden. Röntgenstrahlung ist also von 1895 an fast zwanzig Jahre lang das Schauspiel der Naturdimension, die wir nicht sehen können…

Bruchstück aus: „Der Okkultismus der Avantgarde um 1900“
Von Wolfgang Hagen Dr. phil. habil.
Vortrag auf dem „Konfigurationen“-Kongress, Kassel, 04.09.1997
Vgl. auch die veränderte Aufsatz-Fassung in Schade, Sigrid u.a. (Hg): Konfigurationen : zwischen Kunst und Medien, München : Fink Verl., 1999 sowie die erweiterte englische Fassung, the extended english version: Occultism and Avantgard around 1900 (Berlin, MPI-WG, 17.1.)
Quelle:whagen.de/vortraege/OccultismAvantgarde/Okkavang.htm

lemonhorse / 17 Mai 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Zur Verwertungszentrifuge… ]

[…] Weil romantische Grenzen zwischen Kunst und Kommerz, Sponsoring und Korruption, Ware und Werbung, redaktionellem und Anzeigenteil unter unseren Augen verschwinden? […] Beim jetzt erreichten Tempo der Verwertungszentrifuge nach „Entschleunigung“ oder „Kontrolle“ zu rufen, wäre ein ebenso hilfloser Ausdruck „linker Melancholie“ (Walter Benjamin) wie das Gefasel von der „Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft“ aus dem Munde deutscher Sozialdemokraten. Solche Leute kritisieren den Kapitalismus und kommen im Kino erst zum Hauptfilm. Damit sie bloß verpassen zu sehen, wie neue Körperbilder und Warenästhetiken generiert und in Umlauf gebracht werden.
Aus: ‚Strategien des Product Placement im Pop‘
Von KLAUS WALTER (fr-aktuell.de, 04.05.2005)

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[…] „wie eben diese Wünsche in der Distributionssphäre vermittels Warenästhetik oder als Abziehbild der Reklame den Produzenten an die Wunschverdrängung erinnern, also zum Kauf, zur Triebbefriedigung anreizen, […] wie der Produzent als Konsument sich doch wieder nur den Verlust seiner selbst, den Akt der Es-Verstümmelung [Freud], das Ergebnis seiner materiellen Produktion einverleibt. Ihm ist der Selbstverlust Bedingung seiner Existenz“ [….]
Über das Buch: ‚Neurose und Klassenkampf‘ (von Michael Schneider)
Quelle: http://www.schneider-michael-schriftsteller.de/Sachbuecher4.htm

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„Viele Verbraucher verwenden Konsumgüter für ihre Identitätsbildung und benützen sie darüber hinaus zur Selbstdarstellung. Welche Auswirkung diese Einstellung nicht nur auf die Psyche des Menschen hat, sondern auch ganz stark die finanzielle Situation des einzelnen beeinträchtigen kann, beweisen Statistiken des Österreichischen Kreditschutzverbandes. …“
Aus: „Der private Konsum und die Verschuldung“ (1999)
Autorin G. Bauer (Diplomarbeit)

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[Literatur Memo:] Wolfgang Fritz Haug, Zur Kritik der Warenästhetik, in: Ders., Warenästhetik, Sexualität und Herrschaft. Gesammelte Aufsätze, Frankfurt am Main 1972, S.11-30. Vgl. zu dieser Frage auch die hochinteressante Rekonstruktion der Wunschfabrikation in dem sozialwissenschaftlichen Tavistock-Institute der 1950er Jahre, in dem die kulturkritisch meist in nur oberflächlicher Kenntnis gebrandmarkte „Bedürfnisproduktion “ tatsächlich praktiziert wurde, Peter Miller/Nikolas Rose, Mobilizing the Consumer. Assembling the Subject of Consumption, in: Theory, Culture & Society 14, 1 (1997), S.1-36.

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[suchmaschienen fraktale:] […]
Identität gibt uns Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“
nämlich vorwiegend Spaltung, Projektion und Verleugnung, …
welche Aspekte seiner Identität er offen legt
Der Traum von der Freiheit, sich selbst zu erfinden oder Identität als Erzählung.
dem Nebeneinander-bestehen von Verleugnung und Anerkennung.
Er nennt diese Teilfunktionen und Komplexe der Psyche auch „psychische Organe“
Doch wenn die Verleugnung der eigenen Verschwörungstheorie nicht als…
keine eigene, unverwechselbare Identität mehr zu spüren…
Neigung zu illusorischen Utopien und einer Verleugnung der Realität…

lemonhorse / 4 Mai 2005 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Global.Politix:Micro / 0 Comments