[Interieur #12 … ]

„Kleines Zelt und große Liebe“ (BRD, 1956)

// “ … der Wert des Films als historische Quelle für Bewusstseinslagen und Mentalitäten …“ (Peter Stettner) // Quelle: http://www.geschichte-projekte-hannover.de/filmundgeschichte/uploads/dokumente/hannover-im-film/aufsatz1.pdf

Jochen Kürten (28.02.2012): “ … Die 1950er Jahre waren künstlerisch ein Desaster für den deutschen Film. Es dominierten Heimatfilme, die verklärend ein Bild deutscher Provinz zeichneten, das nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte. Harmlose Lustspiele, sich vor der Wahrheit drückende Kriegsfilme, seichte Unterhaltungskost – das war für viele Jahre der deutsche Film. ..“ | Aus: „50 Jahre Neues Deutsches Kino“ | https://www.dw.com/de/50-jahre-neues-deutsches-kino/a-15771203

// “ … Träumen ist eine Erfahrungsmodalität, bei der die Beteiligung anderer ausgeschlossen ist. …“ | Aus: „Der Traum. 100 Jahre nach Freuds Traumdeutung.“ Brigitte Boothe (16. Oktober 2000)

// “ … Das Empfindungsbild hebt neben der Zeit des Filmbildes und der realen Zeit der Wahrnehmung der Zuschauerin auf eine dritte zeitliche Bewegungsdimension ab, die sich im „Wahrnehmungsraum des Publikums“ realisiert. Das Empfindungsbild verwirklicht sich für Kappelhoff zwischen der Zeit des kinematographischen Bilds und der [realen] Zeit der Wahrnehmung des Zuschauers […]. Identifikation und Einfühlung benennen also das Vermögen des Publikums, sich in seiner affektiven Bewegung in eine Synchronizität zu solchen zeitlichen Figurationen zu bringen; sie benennen die Fähigkeit, eine Ausdrucksbewegung in einer Empfindungsbewegung an sich selbst zu reproduzieren und diese als eigene Empfindungsfähigigkeit zu genießen. (a.a.O., 172; vgl. auch Kappelhoff 2006) Dass Kappelhoff sowohl von der Zuschauerin als auch vom Publikum spricht, verweist zum einen auf das Kino als sozialen Ort gemeinsamen, gleichzeitigen Sehens und zum anderen auf das Empfinden als eine Bewegung, die sich an einer jeden einzelnen Zuschauerin realisiert und die nichtsdestotrotz – wie für Sobchack – eine intersubjektive Dimension des filmischen Wahrnehmungsprozesses meint, die sich durch das kinematographische Bild realisiert. … Die Ausführungen zum Zuschauergefühl verdeutlichen, auf welche Weise mit der Analyse der ästhetischen Erfahrung Sinnbildungsprozesse untersucht werden können. Begreift man im Anschluss an Kappelhoffs Kinokonzeption Genre als Erfahrungsmodalität, so lässt sich über die kinematographische Inszenierung der Sinnhorizont und das Bedeutungspotenial von Filmen als spezifischer Realitätsbezug bestimmen. … [es] gilt [] weniger zu untersuchen, welche Geschlechterbilder die Filme zeigen, sondern,welche Formen von „Frau-Sein“ sie erfahrbar machen. Mit anderen Worten, es geht um die Frage, wie sich Geschlechtlichkeit als Erfahrung bzw. Filmerfahrung fassen lässt. [ …] Die Erfahrungsmodalität lässt sich also, so meine These, nicht ohne die theoretischen Auseinandersetzungen um Geschlechterpolitik begreifen. …“ | Aus: „Film, Feminismus und Erfahrung – Chick Flicks oder das Genre des gegenwärtigen Woman’s Film“ – Dissertationsschrift zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Philosophie von Sarah-Mai Dang (2014) | Quelle: https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/5247/Dang_Sarah-Mai.diss.pdf?sequence=1&isAllowed=y

1956 : Chronik — 6. Internationale Filmfestspiele Berlin – 22. Juni – 03. Juli 1956: “ … Wie sehr politische Akzente gerade in Berlin mit einer gesteigerten Empfindsamkeit wahrgenommen wurden, zeigen zwei Beispiele aus demselben Jahr 1956. Alfred Bauer hatte die unabhängige Aufführung von DEFA-Filmen in der Filmbühne am Steinplatz durch seinen Protest beim Berliner Senat verhindert. Die Veranstaltung war von der Berliner Zille-Gesellschaft geplant worden und stand unter dem Motto der „Völkerverständigung“, dem sich ja auch die Berlinale offiziell verpflichtet fühlte. Wurde Bauers Handeln hier von vielen als unglücklich empfunden, so verhinderte er grundlegende Kritik an seiner Person mit der Entscheidung, Alain Resnais Film Nuit et Brouillard (Nacht und Nebel) am Rande des Festivals in einer Sondervorführung zu zeigen. Der Film dokumentiert die Verbrechen der Deutschen im Konzentrationslager Auschwitz und war zuvor auf Einspruch der Bundesregierung in Cannes aus dem Festival-Programm genommen worden – mit dem beschämenden Argument, dass der Film der „Völkerverständigung“ nicht dienlich sei. …“ | Quelle: https://www.berlinale.de/de/archiv/jahresarchive/1956/01_jahresblatt_1956/01_jahresblatt_1956.html

lemon / 22 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemon / 20 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Schatten #13… ]

Claude Rains – und Humphrey Bogart als Schatten in „Casablanca“ (R: Michael Curtiz, 1942)

lemon / 19 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Peter Lorre #2 (Casablanca)… ]

Peter Lorre in „Casablanca“ (R: Michael Curtiz, 1942)

“ … Als Casablanca am 29. August 1952 in die deutschen Kinos kam, enthielt der Film kaum noch Hinweise auf den Zweiten Weltkrieg. Alle Szenen mit Major Strasser und anderen Nazis waren herausgeschnitten worden. Auch die Szene, als die Deutschen Die Wacht am Rhein anstimmen und von französischen Patrioten mit der Marseillaise niedergesungen werden, fehlte. Victor László wurde zu Victor Larsen, einem norwegischen Atomphysiker, der die rätselhaften Delta-Strahlen entdeckt hat. Capitaine Renault wurde in Monsieur Laporte umbenannt und war nun ein Mitglied der Interpol. Casablanca war in dieser um 25 Minuten gekürzten Version eher eine harmlose Romanze als ein Propagandafilm gegen die Nationalsozialisten und das Vichy-Regime. Erst am 5. Oktober 1975 strahlte die ARD die ungekürzte und neu synchronisierte Fassung aus, die bis heute bekannt ist. … In der DDR wurde der Film erstmals am 6. September 1983 im Fernsehen gezeigt. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Casablanca_(Film) (Stand: 16 Juni 2020)

lemon / 19 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemon / 17 Juni 2020 / Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #46… ]

O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odyssee (Coen-Brüder, 2000)

“ … Durch eine Verkettung seltsamer Umstände, an denen sie scheinbar keine Schuld haben, werden [die] Helden hartnäckig vom Schicksal verfolgt. …Die Filme der Coens sind Symphonien des Scheiterns. Sie erzählen von Männern, die ihre Chance ergreifen wollen, doch im Zuge einer seltsamen Folgerichtigkeit münden ihre Wege ins Unheil. Die Helden der Coen-Brüder sind Unglücksraben, aber keine psychisch auffälligen Menschen. Dennoch liegt über ihrem mittelmäßigen Leben ein eigentümlicher Fluch, eine verhängnisvolle Ausweglosigkeit, in der man eine zwanghafte Struktur vermuten kann. Einem solch rätselhaften Phänomen näherte sich Sigmund Freud in seinem Aufsatz Jenseits des Lustprinzips von 1920 an, in dem er die Wirksamkeit eines eigentümlichen Wiederholungszwangs auch bei solchen Menschen beobachtet, die er als nicht-neurotisch bezeichnet. … »Es macht bei diesen [Menschen] den Eindruck eines sie verfolgenden Schicksals, eines dämonischen Zugs in ihrem Erleben« (a. a. O.). Freud gibt Beispiele von Wohltätern, die von ihrem Schützling immer wieder nach einiger Zeit im Groll verlassen werden, und von Männern, die regelmäßig vom besten Freund verraten werden; es gibt Liebende, bei denen jedes zärtliche Verhältnis zum Weibe dieselben Phasen durchmacht und zum gleichen Ende führt. … Von »Schicksalsneurose« spricht Freud nicht explizit, denn klinisch gesehen handelt es sich nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild. … “ | Aus: „Peter Bär, Gerhard Schneider – Die Coen-Brüder: Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie Band 11“ (2014 )

Angela Zierow (2000): “ Im Coen’schen Heimatfilm „O Brother, Where Art Thou?“ [dient] Minnesota [ ] in den Südstaaten der 30er, als [Kulisse für] Homers „Odyssee“ … Um einen fantastischen Schatz zu bergen, türmt [ein] Trio, besteht Abenteuer mit einem Bibel verkaufenden Zyklopen (John Goodman), einem manisch-depressiven Gangster (Michael Badalucco), [mit] schönen Sirenen. Und nimmt mit einem Gitarristen (Chris Thomas King), der seine Seele an den Teufel verkauft hat, eine Bluegrass-Hitsingle auf. Ah, ja. Wer dazwischen den Ku-Klux-Klan in Busby-Berkeley-Manier zu schwarzem Blues über den Rasen tanzen lässt, kann einfach nicht von dieser Welt sein. …“ | https://www.cinema.de/film/o-brother-where-art-thou,1295795.html // https://en.wikipedia.org/wiki/Busby_Berkeley

“ … „O Brother, Where Art Thou?“ … eine gewohnt virtuose Inszenierung vermitteln fast so etwas wie eine Lehrstunde in Sachen Geschichtenerzählen in bewegten Bildern. Aber irgendwie ist es genau diese atemberaubende Perfektion, das absolut lückenlos korrespondierende Ineinandergreifen des gesamten filmsprachlichen Vokabulars, die eine Barriere schafft und auf Distanz hält. Das bewundernde Staunen über diesen in vielerlei Hinsicht sagenhaften Film konstituiert sich allein im Kopf des Zuschauers, sein Herz wird kaum angesprochen. Dabei ist „O Brother…“ ein zum Brüllen komischer Film. Erzählt wird eine freie Version von Homers Odyssee. …“ | https://www.spielfilm.de/filme/12274/o-brother-where-art-thou-eine-mississippi-odyssee/kritik

Martin Glauser (02.05.2016):“ … Eines der vielen schönen Dinge an „O Brother Where Art Thou?“ ist die Bluegrass-Musik. Das ist nicht die moderne Country-Sülze, sondern Musik wie ranzige Speckschwarten, gelbe Zähne und Filzbärte. …“ | https://www.cineman.ch/movie/2000/OBrotherWhereArtThou/review.html

San Andreas (Hamburg, 10. Februar 2010):“ … Gegen Ende erhascht der Zuschauer einen Blick auf eine Kuh auf einem schwimmenden Dach – ein Bild, dass man so oft nicht zu Gesicht bekommt. Ebenso wird niemand, der den Film gesehen hat, jemals ›Dapper Dan‹-Haarpomade vergessen, und den Unterwasser-Tanz Dutzender ›Dapper Dan‹-Döschen. …“ | https://www.umblaetterer.de/2010/02/10/o-brother-where-art-thou/

lemon / 15 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Der psychische Apparat #2… ]

“ … Das Imaginäre ist ein Sammelbegriff für alles „Bildhafte“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Imagin%C3%A4re (Dezember 2018) // “ … Für Lacan bezeichnet das Imaginäre zwar einen Kern des Ichs, aber zugleich »das Element einer notwendigen Verkennung, einer ursprünglichen, nie wieder einholbaren Entfremdung des Ich ins Bild (seiner selbst)«. Das Ich ist Lacan zufolge wesentlich durch eine »Verkennungsfunktion« charakterisiert: Es ist das Ergebnis der Identifikation des Säuglings mit seinem idealisierten Spiegelbild, mit dem es gerade nicht identisch ist. … Susanne Lüdemann beschreibt das »kollektive Imaginäre« in Anlehnung an Castoriadis – aber zugleich auch in Umschreibung von dessen Theorie – als Ort einer kulturellen Manifestation des Unbewussten einer ganzen Gesellschaft: »Von der ›absoluten Egozentrik‹ (Freud) des Traums, den singulären Produktionen des individuierten Unbewußten, bis hin zum kollektiven Imaginären, wie es sich etwa in Mythen, Legenden, politischen Ideologien, aber natürlich auch in der alltäglichen Produktion der Massenmedien niederschlägt und konstituiert, reicht die Spannweite der primären und sekundären Bearbeitungen unbewußten Materials.« … Die Mechanismen der Verdichtung, Verschiebung und Darstellung bilden die primäre Bearbeitung des Traummaterials; die sekundäre Bearbeitung nimmt dem Traum seine »Absurdität und Zusammenhangslosigkeit« und nähert ihn »dem Vorbilde eines verständlichen Erlebnisses« …“ | Aus: „Die imaginäre Dimension der Politik“ von Wilhelm Fink (2014) | Quelle: https://orbilu.uni.lu/bitstream/10993/13194/1/Imag_Dim_Koh.pdf

Sabine am Orde und Tom Vesterhold (13.6.2020): “ … Es ist ja nicht das erste Mal, dass Margarete Vesterhold ihrem Sohn Nachrichten zukommen lässt, die direkt von der AfD stammen könnten. Seit mindestens drei Jahren geht das so. Mal ist es ein Post über libanesische Familienclans, mal ein Video über den angeblichen „Selbstmord Europas“ durch zu viele Einwanderer oder eine Meldung von einer „Gruppe der informierten Bürger“: „Ungarischer Geheimdienst: Tausende Migranten bereiten Bürgerkrieg in Deutschland vor.“ Dazwischen schickt Margarete Vesterhold ihrem Sohn, Fotos der Enkel oder Tierbilder, um sie den Kindern zu zeigen. Dann kommt wieder ein Fake-Zitat von Aydan Özoguz (SPD), der ehemaligen Migrationsbeauftragten der Bundesregierung: „Dass Asylbewerber kriminell werden, das ist einzig und allein die Schuld der Deutschen, weil deren Spendenbereitschaft sehr zu wünschen übrig lässt.“ Oder ein angeblicher Spruch von Sieglinde Frieß, einer grünen Bundestagsabgeordneten: „Ich wollte, dass Frankreich bis zur Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.“ … Was weiß ich, was Aydan Özoguz wirklich gesagt hat? Und was Sieglinde Frieß? Ich habe anderes zu tun, als diese absurden Pöbeleien zu widerlegen. Und ich habe Mama schon so oft gesagt, dass sie mich mit dem rechten Murks nicht behelligen soll. Wir haben uns schon so oft über Ausländer oder Flüchtlinge gezofft. Über ihr Menschenbild. Ihre sinnlose Angst vor dem Fremden. Knallharte Streite – und total sinnlose dazu. Die Frau ist unbelehrbar. … „Wir merkten: Wir brauchen eine Kommunikation, die nicht an der Oberfläche bleibt, die uns tiefer trägt. Sonst bleibt es bei Schlagabtauschen, die nichts ändern.“ … | https://taz.de/Rechtsruck-und-Familie/!5689436/

“ … Während im Realismus der Beobachter die Welt gleichsam von einem neutralen Standpunkt aus betrachtet, sich beobachtend nicht als Teil der Welt versteht, den Einfluss des Beobachters ausschließen will, weist der radikale Konstruktivismus darauf hin, dass dieser Standpunkt nicht eingenommen werden kann: Der Beobachter ist immer Teil der Welt und hat immer einen subjektiven Standpunkt und beeinflusst so immer auch die Beobachtung selbst. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Radikaler_Konstruktivismus (Mai 2020)

“ … Als Gegenbegriff zu einem naiven Realismus [Ihr zufolge sind die Dinge im Wesentlichen so, wie sie uns erscheinen] gewann nun der Konstruktivismus die Überhand, worunter ich die Positionen subsumiere, die uns weismachen wollen, dass wir keinen direkten Zugang zur Wirklichkeit haben, da wir zunächst Begriffe oder Systeme hervorbringen müssen, die „die Wirklichkeit“ oder „die Welt“ dann bestenfalls verzerrt erfassen. … Neuerdings sind es Gehirne oder vielmehr bestimmte Gehirnareale, die sowohl das Bewusstsein als auch seine bunten Umgebungsbilder erzeugen. Was bleibt, ist die Idee eines kognitiven Gefängnisses: „als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt“ (Rilke). Dies gefiel schon Schopenhauer, der einer der Ersten war, die dem Gehirn die Funktion zuschrieben, die „Welt als Vorstellung“ hervorzuzaubern, an die sich die überlebenshungrigen Menschentiere dann in einer dauernden Lebensgeilheit verlieren. … Der Neue Realismus ist [ ] alles andere als naiv. Die Grundidee lautet [ ], dass wir die Wirklichkeiten, auf die wir Bezug nehmen, tatsächlich begrifflich und perspektivisch vermittelt erfahren. Diese Begriffe und Perspektiven sind selbst Wirklichkeiten und deswegen ihrerseits erkennbar. … Die Illusion, von welcher der Neue Realismus befreien will, ist die Illusion, dass wir in einem riesigen Täuschungszusammenhang gefangen sind. Denn dies ist nur eine Ausrede, die den Fatalismus der Freiheit vorzieht. Früher wurden Gott und Schicksal beschworen, um uns von unserer Freiheit zu entlasten, heute sind es die Natur, das Universum, das Gehirn, das egoistische Gen oder die Evolution. Darin sehe ich einen Täuschungszusammenhang, die Ideologie unserer Zeit. … “ | Aus: „Texte zum NEUEN REALISMUS: Markus Gabriel: Wir Verblendeten“ (Die ZEIT, 5. 06. 2014) | http://www.fachverband-ethik.de/fileadmin/daten_bawue/dateien/unterrichtsmaterialien/Reader-Neuer_Realismus.pdf

Markus Gabriel (2020): “ … Die [ ] These, die jetzt in Fiktionen [erschien 2020] ausbuchstabiert wird, lautet, dass unser geistiges Innenleben genauso zur Wirklichkeit gehört wie die uns umgebende Natur. Es gibt also keinen Wirklichkeitsabstand zwischen einem Juckreiz, der Erinnerung an einen schönen Sommerabend in Neapel und dem Vesuv. Das heißt, der Geist ist kein zweitrangiger Bewohner der Wirklichkeit, und umgekehrt hängt die Wirklichkeit auch nicht vom Geist ab. Weiteres Beispiel: Man hat Durst und erinnert sich an das kühlende Kölsch vom letzten Jahr. Dann geht man in den Kiosk und kauft genau deswegen ein Bier, weil man sich selbst in einer Erzählsituation betrachtet: „Ach, weißt du noch, das kühlende Kölsch …“ Das ist die Wirklichkeit des Geistes. Da steckt nicht anderes dahinter, weder Neuronenfeuer noch Klassenkampf. Das nenne ich die Unhintergehbarkeit des Geistes. Aus dem Geist kommt keiner raus. … Deswegen bin ich ja auch Neo-Existenzialist, wie ich das nenne: Wir Menschen sind als geistige Lebewesen das, was wir nicht sind, und wir sind nicht das, was wir sind. Kurzum: Wir können uns in keine Identität mit uns begeben. Auf der Basis kritisiere ich ja dann auch die sogenannte Identitätspolitik. Identitäten wie die Gesellschaft, die Rasse, das Geschlecht, die Religion, die gibt es alle gar nicht. Das sind schlechte Fiktionen, die von Leuten produziert werden, die inkompetent im Erzählen sind. …“ | Aus: „„Wir täuschen uns““ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wir-taeuschen-uns

Natasha Kelly im Gespräch mit Alexander Moritz (06.06.2020)“ … Warum weiß als deutsch imaginiert wird, geht ja damit einher oder führt ja dazu, dass Schwarze Menschen hier als Fremde gelesen werden, obwohl viele Familien seit vielen Generationen schon in Deutschland leben. Das reicht bis zur Kolonialzeit zurück, einige Familiengeschichten. Also, da sind wir jenseits zweiter oder dritter Generation. Und wenn wir nicht anfangen zu verstehen, dass dann im Prinzip die Kontinuität dieser Vorstellung sich in Gesellschaft einschreibt – das ist ja, was die Strukturen schafft – können wir ja gar keine Debatte auf einer strukturellen Ebene führen. … Das heißt, dass wir Rassismus auch als Struktur, das heißt, als historisch gewachsene Kontinuität einer lange andauernden rassistischen Ideologie lernen müssen zu verstehen. … Wenn weiße Menschen ihre Abwehrstrategien niederlegen … „Ja, aber ich will nicht als weißer Mann markiert werden.“ Oder: „Ich sehe keine Farbe. Für mich sind alle Menschen gleich.“ – Also, da sind schon ganze Bücher mit gefüllt worden, alleine mit den Abwehrstrategien. … Ich brauche keinen weißen Mann, der mir erzählt, was es bedeutet, eine Schwarze Frau in Deutschland zu sein. … Wenn wir [ ] uns [] die Geschichte des Rassismus ansehen: Die Geschichte des Widerstandes war auch immer kontinuierlich. Die ist ja nie abgebrochen, nur haben Weiße das Privileg gehabt, sich nicht daran zu beteiligen. … “ | Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/soziologin-zur-deutschen-debatte-ueber-rassismus-die.990.de.html?dram:article_id=478142

lemon / 15 Juni 2020 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

lemon / 12 Juni 2020 / Akustische.Wellen, Found.Stuff / 0 Comments

lemon / 12 Juni 2020 / Akustische.Wellen, Found.Stuff / 0 Comments

[Fellini #29… ]

Arno Widmann (19.01.2020): “ .. Mit „La Dolce Vita“ verlässt Fellini 1959 die Nachkriegsgeschichte und stürzt sich in die Gegenwart. Wozu sind wir auf der Welt? Wozu lebe ich? Was fange ich mit dem Leben an? Diese Fragen scheinen in einer Welt, die die Trümmer hinter sich gelassen hat, in einer Demokratie, eher noch drängender geworden als sie es in Diktatur und Krieg gewesen waren. Das hat seine Komik, aber die nimmt den Fragen nichts von ihrem Ernst. Wir neigen dazu, die Wohlstandsinnsuche zu verspotten. Fellini ist da keine Ausnahme. Er kommt her von der Karikatur. Er hörte nie auf, sie zu lieben. Aber er hörte auch nie auf, die zu lieben, die er karikierte. Fellinis Menschen sind Clowns mit großen Nasen, großen Brüsten, mit breiten Mündern. Sie sind Karikaturen. Dazwischen er selbst als Marcello Mastroianni, ein gutaussehender Fremder, der fasziniert ist von den ihn umgebenden Erscheinungen, der ihnen erliegt, aber immer wieder aufsteht und schüchtern weitergeht. … “ | https://www.fr.de/kultur/tv-kino/fellini-100-geburtstag-liebte-karikierte-13450960.html

(20.01.2020): “ … Alexandra Friedrich: Und mit welchen Blick schaut Fellini auf die Frau? – Antje Dechert: Fellini hat in einem Interview selbst von sich gesagt, dass er immer Frauen kreiert hat, wie sie von einem bestimmten Männertyp zu seiner Zeit gesehen wurden. Diese hypersexuellen Frauen hätte er für das „naschhafte, unreife, infantile Auge eines unterentwickelten Mannes“ kreiert, und damit kritisierte er immer wieder diese offizielle, sehr rigide Sexualmoral der damaligen italienischen Gesellschaft, die vom Katholizismus sehr beeinflusst war und von der auch viele seiner männlichen Zeitgenossen sehr geprägt waren.
Sexualität, vor allem die weibliche, war öffentlich weitgehend ein Tabuthema. Das Frauenbild zerfiel für viele in zwei Extreme: die keusche, heilige, engelhafte Frau auf der einen Seite und die Prostituierte, die dämonische Frau auf der anderen Seite. Fellini kreiert diese Bilder immer wieder in seinen Filmen, lässt sie dann aber auch in sich zusammenfallen, indem er sie auch vermischt. Da funktioniert diese eindeutige Zuweisung nicht mehr. Er zeigt Männer und Frauen, die an genau diesen Idealen ihrer Zeit scheitern und nach alternativen Beziehungsformen suchen. In „La dolce vita“ sieht man das zum Beispiel ganz deutlich: Da sieht man Frauen, die ihre Sexualität ganz selbstbewusst leben, und Männer, die mit diesem patriarchalischen Männlichkeitsbild überhaupt nicht zurechtkommen. Da sieht man Marcello Mastroianni als gescheiterten Klatschreporter, der gar nichts auf die Reihe kriegt – weder beruflich, noch schafft er es, eine Familie zu gründen, eine feste Beziehung zu führen. Diese gescheiterten Typen zeigt Fellini aber positiv, und damit ist das auch ein Aufruf zu anderen Lebensformen und Werten. Er ist da seinerzeit sehr voraus: Er greift vieles auf, was dann die 68er-Bewegung in Italien aufgreifen wird. … Eine letzte Hommage an sein Werk war der auch in Deutschland erfolgreiche Film „La Grande Bellezza – Die große Schönheit“ von Paolo Sorrentino. Fellinis Werk ist nach wie vor für viele Inspirationsquelle und als solche bisher auch unübertroffen im italienischen Kino. …“ | Quelle: https://www.ndr.de/kultur/Antje-Dechert-zum-100-Geburtstag-von-Federico-Fellini,fellini106.html

(16 March 2020): “ … Searching for an earlier film that might offer readier access to the director’s distinctive style and vision, the author settled on Le notti di Cabiria (Nights of Cabiria 1956). … Le notti di Cabiria proves to be an excellent starting point from which to explore what John C. Stubbs calls “the Fellini manner.” When the author teaches Le notti di Cabiria , she first addresses students’ discomfort with the film’s lack of conventional plot and with what they describe as its “confusing ending”. …“ | https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/9781119431558.ch43

lemon / 9 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments