[Bilder der Familie Prison… ]

Quelle: Jenische Bilder (Familie Prison)

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[…] Gewisse Teile der jenischen Sprache weisen auf eine sehr lange eigene, in Europa verwurzelte Geschichte hin. Manchmal werden sie auch als „weiße Zigeuner“ bezeichnet, da sie im Vergleich zu den Roma eine hellere Hautfarbe haben. Dass es überhaupt zu Vergleichen und Verwechslungen mit Roma kam, lag daran, dass Jenische (früher durchwegs, heute nur noch teilweise) ein nomadisierendes Leben führen und als Randgruppe der Gesellschaft oftmals in ähnlichen Berufen (wie Scherenschleifer, Korbflechter und Gaukler) tätig waren.

[…] Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren – unter anderem wegen der oben beschriebenen Sesshaftmachungen – reisende Jenische nicht mehr so zahlreich wie im Mittelalter. Sie lebten als Korbmacher, Scherenschleifer, Kesselflicker und neuerdings auch als Schirmflicker. Als sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Industriewirtschaft immer mehr ausbreitete, ging die Nachfrage nach ihrem überlieferten Handwerk zurück. Sie mussten sich notgedrungen umorientieren und wurden Antiquitäten-, Schrott- und Altwarenhändler. Während sie von den Kommunisten als gesellschaftlich nicht integrierbares Subproletariat betrachtet wurden, fanden sie in den 1920er Jahren in den Schriftwerken der Anarchisten (u.a.bei Erich Mühsam) und Nonkonformisten Anerkennung als „lebendes Beispiel einer autonomen und unkonventionellen Gegengesellschaft“. Diese Umwertung der nicht sesshaften Lebensweise ins Positive, insbesondere auch durch die Vagabunden-Internationale um Gregor Gog, kontrastierte zur fortdauernden Generalverdächtigung der Nicht-Sesshaften durch die Polizei als ordnungswidrige, besonders streng zu kontrollierende Gruppe.

[…] Die seit Mitte der 1930er Jahren von den Nationalsozialisten erheblich verschärften Maßnahmen zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“ richteten sich schon vor 1933 nicht nur gegen Sinti und Roma, sondern zugleich gegen „nach Zigeunerart umherziehende Landfahrer“, womit vorab Jenische gemeint waren. Vermehrt wurden nun Wandergewerbescheine verweigert oder Kinder in Fürsorgeerziehung überwiesen. Der „Grundlegende Erlaß über die vorbeugende Verbrechensbekämpfung durch die Polizei“ vom 14. Dezember 1937 ermöglichte eine polizeiliche „Vorbeugungshaft“ gegen „Zigeuner“, aber auch gegen Jenische. Reichsweiten Verhaftungsaktionen der Gestapo im April und im Juni 1938 (Aktion „Arbeitsscheu Reich“) folgten Deportationen von Sinti, Roma und Jenischen in Konzentrationslager wie Buchenwald, Dachau oder Neuengamme. Für die nationalsozialistische „Zigeuner- und Asozialenforschung“, vor allem durch die 1936 eingerichtete Rassenhygienische und erbbiologische Forschungsstelle im Reichsgesundheitsamt unter ihrem Leiter Robert Ritter, standen „Zigeuner“ im Mittelpunkt des Interesses. Aber sie richtete ihren Blick auch auf Jenische. Soweit sie auch diese erfasste, kategorisierte sie sie nach erbbiologischen Kriterien meist als „Nichtzigeuner“. Das bedeutete keine Gleichstellung mit den übrigen Angehörigen der „deutschen Volksgemeinschaft“, sondern eine Aussonderung als „minderwertig“. Falls in den von Ritter und seinem Personal erfassten jenischen Genealogien Sinti oder Roma auftraten, lautete die Rassendiagnose „Zigeunermischlinge“. Anders als bei der jüdischen Minderheit galten auf diesem Feld nationalsozialistischer Forschung „Mischlinge“ als besonders gefährliche Krankheitserreger am „deutschen Volkskörper“. Sterilisierung und physische Vernichtung als die extremsten Formen nationalsozialistischer Rassenpolitik betrafen auch eine unbekannte Zahl von Jenischen. Die im Gefolge des Himmlerschen „Auschwitz-Erlasses“ vom 16. Dezember 1942 im März 1943 einsetzenden Deportationen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, das nur wenige überlebten, galten vor allem „Zigeunermischlingen“ und betrafen damit auch entsprechend eingeordnete Jenische.

Die Geschichte der Jenischen im Nationalsozialismus ist kaum auch nur in Ansätzen erforscht.

Aus: „Jenische“ (11/2007)
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Jenische

#2 => „Es gibt unzählige Geschichten über die Herkunft der „JENISCHEN“…“
jenischer-bund.org/57501/home.html

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[…] ein im Bundesarchiv abgelegter Entwurf aus dem Jahr 1913 zu einem Kreisschreiben des Justiz- und Polizeidepartementes gibt Auskunft: „Die Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren hat in ihrer Tagung vom 21. Oktober 1912 in Sachen der Zigeunerfrage beschlossen, es sei darauf zu halten, dass die Zigeuner nunmehr in allen Kantonen zum Zwecke der Identitätsfeststellung und nachherigen Abschiebung interniert werden, und es sei unser Departement ersucht, die Frage der interimistischen Unterbringung der Zigeuner in Anstalten, wo sie zur Arbeit angehalten werden können, weiter zu prüfen, wobei insbesondere die Internierung in der bernischen Zwangsarbeitsanstalt Witzwil ins Auge zu fassen wäre.“

[…] Die Internationale Kriminalpolizeiliche Kommission mit Sitz in Wien schlug einige Jahre später ihrerseits die Errichtung eines internationalen Zigeunerregister vor, was durch die Delegierten der Schweiz angesichts der bereits bestehenden Registrierungspraxis wohlwollend unterstützt werden konnte.

Die Schweizer Behörden zeigte sich gegenüber der „Kommission“ noch kooperationswillig, als die Nazis die Hände auf diese internationale Polizeiagentur legten und sie für ihre politischen Interessen instrumentalisierten. Man sah in ihr ein Instrument zur Abwehr der internationalen Kriminalität, wozu gleichsam selbstverständlich immer auch „Zigeuner“ zählten. Zudem diente die Kommission der Unterbindung des Drogenhandels. In diesem Bereich konnte die Schweiz, die damals ein führendes drogenproduzierendes Land war, weniger gut als polizeilicher Musterknabe auftreten.

Quelle: Weltwoche Nr.5, 1. Februar 2001: „Wir dulden keine Zigeuner“ – Von Thomas Huonker und Willi Wottreng
Aktenfunde der Bergier-Kommission zeigen: Die Schweiz nahm in der Zigeunerabwehr europaweit eine führende Rolle ein.
http://www.thata.ch/weltwochewirduldenkeinezigeuner01022001.htm

lemon / 18 November 2007 / Fraktal.Text, Visual.Notes

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