[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #40… ]

… Im Zirkus der Neo-Autokraten ... in einer Kultur der Bilder, Images und Ikonen Entertainer, Filmstars, Darsteller, Reality-TVMünchhausen-Biografie als ErfolgsgeschichteRealitätsverlust das Illusionsspiel, der Irrwisch

“ … Angesichts der aggressiv vorgebrachten Willkür und exzessiven Gewalt, lässt sich König Ubu nur mit Abstrichen als optimistische Feier der „fröhlichen Relativität einer jeden Ordnung“ (Bachtin) lesen. Vielmehr haben wir es in diesem Stück mit einer permanenten wechselseitigen Durchdringung von Komik, Tragik und Groteske zu tun, die durchaus nicht einer sozialkritischen Komponente entbehrt und dem Leser/Zuschauer das Lachen häufig im Halse stecken bleiben lässt. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig_Ubu (2. Oktober 2019)

Torsten Körner (06.01.2020): “ … Im Zirkus der Neo-Autokraten, die uns deshalb an Clowns erinnern, weil ihre Masken der Einfalt so lächerlich wirken im Angesicht der vielfältigen Herausforderungen, spielt Donald Trump eine besondere Rolle. // [ Einschub: [ … Donald Trump … [der] nach Zählung der Washington Post schon mehr als 15 000 Lügen und irreführende Behauptungen in die Welt gesetzt hat, seit er im Amt ist. … >> https://www.washingtonpost.com/politics/2019/12/16/president-trump-has-made-false-or-misleading-claims-over-days/ ] ] // Natürlich ist man versucht, den Phänotyp Trump als Clown zu klassifizieren. Sein Joker-Grinsen, sein Karotten-Teint, seine stets zu langen, aggressiv flammenden Krawatten, die bizarren Fragmente einer Frisur, die Buffo-Silhouette, er ist ein Comic, eine Karikatur. Aber ist nicht das bereits Teil seines Erfolges? In einer Kultur der Bilder, Images und Ikonen hat es Trump geschafft, als Bildbotschaft wahrgenommen zu werden. Seine Sprache ist kurz, laut, sie erbricht Ausrufezeichen, er ist das Emoji für Wut und Zorn im Oval Office, er ist der Panzerknacker im Weißen Haus. Der US-Autor Kurt Andersen bezeichnet Donald Trump in seiner Studie „Fantasyland“ als „Ausgeburt des illusorisch-industriellen Komplexes“. In einer Nation, die aus Lügen und Fiktionen hervorgegangen ist, deren Mentalität von radikalem Individualismus und extremer Religiosität geprägt wurde, und in einem Land, das Hollywood und Disneyland geschaffen hat, ist Donald Trump als Showman die perfekte Verkörperung einer Kultur, die primär nicht mehr auf Fakten, sondern auf Fantasy setzt. Da, so Andersen, Amerikas Geschichte einen „500-jährigen Realitätsverlust“ darstelle, könne Trump seine Münchhausen-Biografie als Erfolgsgeschichte verkaufen, weil es einen kollektiven Willen zur eigenen Wahrheit gebe, zum eigenen Wahn, zur Verwechslung von Realität und Einbildung.
Dass es nicht 500 Jahre Realitätsverlust braucht, um einen Komödianten zum Präsidenten zu machen, zeigten die Ukrainer, als sie im Frühjahr 2019 den Fernsehstar Wolodymyr Selenskyj zu ihrem Hoffnungsträger wählten. In einem Telefongespräch mit Donald Trump schmeichelte Selenskyj dem Amerikaner, er sei ein „großer Lehrer“ für ihn gewesen. Man könnte meinen, Selenskyj, dessen Programm bislang vage bleibt, habe Trumps politischen Karriereweg radikalisiert. Während Trump eine lange Biografie als Entertainer, Filmstar und Darsteller im Reality-TV vorweisen konnte, reichte Selenskyj eine Fernsehserie, um Realität und Fiktion auszutauschen. … Der Clownspolitiker suggeriert dem staunenden Publikum, er selbst sei der Moment, auf den es ankomme. … “ | https://www.tagesspiegel.de/politik/trump-johnson-selenskyj-bolsonaro-und-co-wir-leben-imzeitalter-der-clown-politiker/25388252.html / https://www.deutschlandfunk.de/politik-als-manege-das-zeitalter-der-clowns.1184.de.html?dram:article_id=463935

Offenbach-am-Meer 06.01.2020, 21:48 Uhr: “ … Ich finde diesen Beitrag inhaltlich falsch. Ein echter Clown steht immer in Interaktion mit seiner Umwelt. Bewusst spiegelt er deren Schwächen und kollektive Stereotypen, er führt dem Publikum eigene Unzulänglichkeiten auf eine Weise vor Augen, dass es ihm nicht übel genommen werden kann. Echte Clowns beherrschen die Kunst, dass die Zuschauer letztendlich über sich selbst lachen, ohne es zunächst zu merken. Dabei schwingt in der Clownerie immer etwas Melancholie mit, die verhindert, dass aus dem Lachen ein Auslachen wird, dieses Spiel beherrschten ein Charles Chaplin, ein Jacques Tati perfekt: Sie brachten ihr Publikum zwar zum Lachen, lösten aber auch Empathie aus und brachten ihr Publikum dazu, eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen. Anders ein Trump, ein Grillo, ein Johnson und wie sie alle heißen: Hier geht es meiner bescheidenen Meinung nach um nichts von alledem, sondern um die reine aggressiv-verbissene Selbstdarstellung von Narzisten. Die Interaktion mit dem Publikum ist bei ihnen reduziert auf das reine Beifallspenden. Es geht ihnen ganz alleine nur um sich selbst, das unterscheidet sie von echten Clowns. Und das unterscheidet sie auch von einem Brutal-Clown wie Coluche: Der wusste, wann es genug war mit brachialer Provokation, genau wie der literarische Eulenspiegel, verbeugte sich vor dem Publikum, dem das Lachen im Hals stecken blieb, und nahm seinen Hut. …“

haphazard 06.01.2020, 20:33 Uhr: “ … Der Vergleich der im Artikel genannten Machthaber mit Killer-Clowns ist alles andere als abwegig, aber dennoch insgesamt noch zu harmlos. … Sicherlich aber handelt es sich bei allen um machtgeile, skrupellose Männer mit einer narzisstischen Störung. Großartige Aussichten für das weitere Zusammenleben auf diesem Planeten. …“

fluechter 05.01.2020, 20:09 Uhr – Antwort auf den Beitrag von ach 05.01.2020, 16:17 Uhr: “ … Sicherlich war auch Adolf Hitler als Österreicher ein „Ausländer“, gewählt wurde er ja nun einmal zum Reichskanzler der Deutschen. Hitler ist eine historische Vorlage für einen „Clown-Politiker“, wie ein Zirkuspferd wurde er anfangs belächelt, man lud ihn ein in die höchsten Kreise, wo man nach immer neuen Formen der Unterhaltung suchte und Adolf Hitler, dieser kleine Mann mit den seltsamen Haaren, der krähenden Stimme und den wirren Ideen bot diesen Unterhaltungswert. Hitler brauchte aber Unterstützer, bevor er Macht gewinnen konnte beim breiten Publikum, er brauchte Förderer, die ihm halfen, sich propagandawirksam als eine bizarre Herrscherfigur zu inszenieren, als eine Art cineastische Erlöserfigur für ein vom ersten Weltkrieg und den Weimarer Jahren gebeuteltes und enttäuschtes „Volk“. Adolf Hitler und der Propagandaapparat des Joseph Goebbels sind vielleicht die Vorlage für die heutigen „Clown-Politiker“, die Ziele mögen andere sein, die politischen Programme ebenso, aber das Illusionsspiel, der Irrwisch, die Verführungsmasche, die ist doch ähnlich, meine ich. Und jeder Clown-Politiker braucht auch heute eine sehr, sehr große Werbetrommel, sonst läuft das alles ja auch nicht. …“

kommentr 05.01.2020, 19:45 Uhr: “ … In unserer Bundesregierung sehe ich auch so einige Clowns und Clowninnnen. …“

Kaypakkaya 06.01.2020, 20:39 Uhr: Antwort auf den Beitrag von kommentr 05.01.2020, 19:45 Uhr: “ … Gewiß! Nur sind die nicht lustig. …“

Nachtrag #1:

via https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2017/09/how-america-lost-its-mind/534231/

Nachtrag #2:
“ … Reality tunnel is a theory that, with a subconscious set of mental filters formed from beliefs and experiences, every individual interprets the same world differently, hence „Truth is in the eye of the beholder“. … The idea does not necessarily imply that there is no objective truth; rather that our access to it is mediated through our senses, experience, conditioning, prior beliefs, and other non-objective factors. The implied individual world each person occupies is said to be their reality tunnel. The term can also apply to groups of people united by beliefs: we can speak of the fundamentalist Christian reality tunnel or the ontological naturalist reality tunnel. A parallel can be seen in the psychological concept of confirmation bias—the human tendency to notice and assign significance to observations that confirm existing beliefs, while filtering out or rationalizing away observations that do not fit with prior beliefs and expectations. This helps to explain why reality tunnels are usually transparent to their inhabitants. … For Robert Anton Wilson, a fully functioning human ought to be aware of their reality tunnel, and be able to keep it flexible enough to accommodate, and to some degree empathize with, different reality tunnels, different „game rules“, different cultures …. Constructivist thinking is the exercise of metacognition to become aware of our reality tunnels or labyrinths and the elements that „program“ them. Constructivist thinking should, ideally, decrease the chance that we will confuse our map of the world with the actual world…. [This philosophy] is currently expressed in many Eastern consciousness-exploration techniques. …“ | https://en.wikipedia.org/wiki/Reality_tunnel (27.07.2019)

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