[Zum Wahn der Liebe #73 … ]

Irene Hetzenauer (01.11.2017): “ … Die Liebenden (Frankreich 1958, Regie: Louis Malle) … Dass der Film 1958 ein Skandalfilm war, verwundert nicht. ([Das oberste Gericht der USA hatte eine Klage wegen Obszönität zu behandeln […], obschon der Film nach heutigen Standards sexuell keineswegs explizit ist.]*) Bernard verführt Jeanne mit der Leidenschaft. Die Verlogenheit und Kälte der Welt der Bourgeoisie, in der alles aufgesetzt und nichts echt ist, hat einer solchen Passion nichts entgegenzusetzen. Nicht einmal die Liebe zur Tochter kann damit mithalten. Dass dieser Film die bürgerliche Weltsicht nicht nur in Frage stellt, sondern ihre Scheinmoral und Falschheit ganz offen lächerlich macht, war für Angehörige dieser Welt sicherlich ein Schock. … Jeanne Moreau, Schauspielerin der Comédie-Française, später international als Filmschauspielerin bekannt geworden mit „Jules et Jim“ von F. Truffaut (1962), die dieses Jahr [2017] verstorben ist, wird nur all zu passend eine „Grande amoureuse“ (große Liebende) genannt. Sie führt uns von der unsicheren blasierten Ehefrau und Mutter zur leidenschaftlichen Liebhaberin. Der Zweifel an sich selbst, den sie auch dann noch spürt, als sie sich entschieden hat, bleibt nach dem Film im Zuschauer sitzen. …“ | https://www.uncut.at/movies/kritik.php?movie_id=12095

“ … Mich begeistert, wie mit gefühlvoller Kameraführung schlichte Bilder geschaffen wurden und mit der Musik von Brahms eine berührende Intensität. Fast unspektakulär wird das Leben der französischen Oberschicht radikal bloß gestellt.
Aus langer Weile und persönlicher Unerfülltheit gehen Jeanne und ihre Freundin Maggy in Paris gesellschaftlichen Amüsements nach. Als Zuschauer von Polospielen und in Treffen mit Gleichgesinnten ergießen sich beide in belanglosen Gesprächen. Jeannes Eheman Henri interessiert sich nur für seine Geschäfte, so läßt sich Jeanne, in der Hoffnung auf mehr Abwechslung, auf eine Affäre mit dem Frauenheld Raoul ein. Jedoch ist Jeanne weiterhin unglücklich. Henri lädt eines Tages, eifersüchtig geworden, Raoul und Maggy zu sich und seiner Frau aufs Land nach Dijon ein. Auf der Fahrt dorthin hat Jeanne eine Reifenpanne und lernt den Studenten Bernard kennen, der sie nach Hause fährt. Bernard läßt Jeanne seine Abneigung gegenüber ihrem aufgesetzten mondänen Verhalten spüren. …“ | Quelle: Karl Moor, 7. Januar 2015 *

“ … Zuschauer, die genau aufpassen, werden feststellen, dass in Louis Malles „Die Liebenden“ aus dem Jahr 1958 die beiden Szenen, in denen die kleine Tochter der gelangweilten Jeanne Tournier vorkommt, im Original mit deutschen Untertiteln versehen sind. Das kommt daher, weil bei der damaligen Kinoauswertung dem deutschen Publikum eine liebende Frau, die ihr eigenes Kind verlässt, nicht zugemutet werden sollte. Diese beiden Szenen fielen damals der Schere zum Opfer. …“ | Quelle: Ray (24. August 2017, Format: DVD): „Liebe, eine Reise ins Ungewisse…“ *

// Die Liebenden (Originaltitel: Les Amants)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Liebenden_(1958)

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