[Seelische Vorgänge #2… ]

“ … Philosophische Anthropologie (Anthropologie = Menschenkunde, von ánthropos „der Mensch“ und -logie) ist die Disziplin der Philosophie, die sich mit dem Wesen des Menschen befasst. … Wo Menschen sich zu einem Rätsel oder Problem werden, sich selbst befragen oder in Frage stellen und die eigene Existenz betreffende Annahmen oder Antworten entwickeln, berühren sie das Feld der philosophischen Anthropologie. … Nach den Entwicklungen in der Psychologie, der Biologie und der Evolutionstheorie bedurfte es für Cassirer zur Beantwortung der Frage, was der Mensch sei, eines neuen Schlüssels. Diesen sah Cassirer in der Bedeutungstheorie der symbolischen Formen. Erkenntnis findet nicht nur begrifflich in der Sprache statt, sondern auch durch Mythen, in der Religion und in der Kunst. Auch Geschichte, Wissenschaft, Technik und Politik haben ihre eigenen symbolischen Formen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische_Anthropologie (15. Februar 2018)

John William Waterhouse „Sleep and his Half-brother Death“ (1874)

“ … John William Waterhouse (1849 – 1917) war ein britischer Maler, der sowohl dem Akademischen Realismus als auch der Gruppe der Präraffaeliten zugerechnet wird. […] „Über die Ausgeburten von Waterhouse urteilten die Kritiker mal euphorisch, mal vernichtend. Ein Kritiker maulte, das Personal seiner Bilder entstamme weder „Träumen noch dem Tageslicht“; ein anderer schwärmte, die Kunst von Waterhouse lebe „in einer selbsterschaffenen Welt“. In einem Punkt waren sich also alle einig: Der 1847 in Rom geborene Maler hatte eine Welt geschaffen, die sich weder dem Phantastischen noch der Wirklichkeit zuordnen ließ. In seiner Malerei erhielten Hexen, Mischwesen und Märchenfiguren ein neues Zuhause. Er war ein Meister darin, dem Außerordentlichen eine beiläufige, selbstverständliche Gestalt zu geben.“ – Julia Voss in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 23. Juli 2009 …“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/John_William_Waterhouse (17. April 2018)

“ … Mit dem Todestrieb führte Sigmund Freud einen seiner umstrittensten Begriffe in die Theorie der Psychoanalyse ein. Der Todestrieb – oft auch im Plural die Todestriebe – bildet den Gegenpol zu den Lebenstrieben (Eros). … Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Konzeption des Todestriebs spielte für Freud dabei die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der ein bis dahin noch nie erlebtes Ausmaß an menschlicher Zerstörungslust offenbarte. Erich Fromm analysierte in seiner Schrift Anatomie der menschlichen Destruktivität (1973) unter anderem Adolf Hitler und Heinrich Himmler als „destruktive“, auf pathologische Weise vom Todestrieb beherrschte Charaktere. … Lacan weicht jedoch von Freuds Konzeption entscheidend ab, wenn er den Todestrieb nicht als einzelnen Trieb versteht, sondern als Aspekt, der jedem Trieb innewohnt. Auch identifiziert er den Todestrieb nicht mit der Rückkehr zum Anorganischen, also einen vorkulturellen Zustand der Natur, sondern als Bestandteil von Kultur selbst: Der Todestrieb ist für ihn kein biologischer Begriff, sondern gehört der „symbolischen Ordnung“ an. (vgl. Evans: Wörterbuch der Lacanschen Psychoanalyse, S. 307 f.) Im Anschluss an Lacan deutet auch Slavoj Žižek den Todestrieb: „Der Freudsche Todestrieb hat nicht das geringste mit dem Verlangen nach Selbstvernichtung, nach einer Rückkehr zur anorganischen Abwesenheit jeglicher Lebensspannung zu tun; er ist vielmehr genau das Gegenteil des Sterbens – ein Name für das ‘untote’, ewige Leben selbst, für das schreckliche Schicksal, im endlosen Wiederholungskreislauf des Umherwandelns in Schuld und Schmerz gefangen zu sein. Das Paradox des Freudschen ‘Todestrieb’ ist folglich, daß Freud damit dessen genaues Gegenteil bezeichnet, nämlich die Art, wie die Unsterblichkeit innerhalb der Psychoanalyse erscheint, einen unheimlichen Exzeß des Lebens, einen ‘untoten’ Drang, der über den (biologischen) Kreislauf von Leben und Tod, von Entstehen und Vergehen hinaus persistiert. Die eigentliche Lehre der Psychoanalyse ist, daß das menschliche Leben nie einfach ‘nur Leben’ ist: Menschen sind nicht einfach lebendig, sie sind besessen von dem seltsamen Trieb, das Leben exzessiv zu genießen, und hängen leidenschaftlich an einem Überschuß, der hervorsticht und den normalen Gang der Dinge zum Scheitern bringt.“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Todestrieb (25. April 2018)

[KLAUS-DIETMAR HENKE, Professor am Institut für Geschichte der TU Dresden. Der Zeithistoriker war vier Jahre lang Forschungschef der Gauck-Behörde, seit 1997 ist er Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Henke, 54, veröffentlichte unter anderem das Standardwerk „Die amerikanische Besetzung Deutschlands“] „DAS BÖSE – NUR BANAL?“ (03.09.2001): “ … Hannah Arendt begann sich dem Phänomen des Staatsmordes und seinen Exekutoren zunächst in ihren berühmten Reflexionen über den Totalitarismus zu nähern, die sie noch im Krieg aufnahm und Anfang der fünfziger Jahre der Öffentlichkeit vorlegte. Sie begriff totalitäre Herrschaft als Angriff auf das Wesen des Menschen. Da für Hitler und Stalin alle Höherentwicklung an den eisernen Gesetzen des Rassen- beziehungsweise des Klassenkampfes hing, folgte daraus die gezielte Zurückdrängung der menschlichen Pluralität und Individualität als logische und politische Konsequenz. Eigenwillig, wie er ist, steht der Mensch einer beschleunigten Durchsetzung der historischen oder biologischen Gesetzmäßigkeiten nur im Wege. Deswegen macht der Totalitarismus nichts weniger als den Versuch, die universale Idee der menschlichen Würde und der unveräußerlichen Menschenrechte selbst zu beseitigen, um damit die Entfaltung der angeblichen Gesetze von Natur oder Geschichte zu erleichtern.
Brennpunkt dieses Versuchs, die Autonomie des Einzelnen zu zerstören, die menschliche Natur umzuformen, ja den Störfaktor Mensch „überflüssig zu machen“, ist für Hannah Arendt das System der Lager. Der Terror dort, der die Ideologie eines binären Freund-Feind-Denkens abstützt, dient dem Regime weniger zu praktischen Zwecken als vielmehr zur Demonstration, dass es keine Begrenzung mehr dafür anerkennt, was Menschen einander antun dürfen.
Weil die Philosophin in den Lagern Laboratorien des stalinistischen und nationalsozialistischen Totalitarismus zur Beseitigung einer kommunikativen Welt sah, ohne die kein Individuum existieren kann, bediente sie sich zur vorläufigen Bezeichnung des Ungeheuerlichen des Kantschen Begriffes vom „radikal Bösen“. Was in den Lagern geschah, konnte nicht mehr auf die üblichen niedrigen menschlichen Motive zurückgeführt werden. Es lag außerhalb jeder moralischen Dimension und war damit menschlichem Begreifen letztlich entzogen – vorstellbar allenfalls als Ausdruck des altvertrauten metaphysischen Kampfes zwischen Gut und Böse.
Dieses apokalyptische Bild gab einerseits eine atemberaubende Ahnung von dem unbegrenzten Verfügungsanspruch totalitärer Herrschaft, von ihrer Dynamik, ihrer ungebremsten Produktion immer neuer „Feinde“ und damit zugleich ein eindringliches Gegenbild des demokratischen Verfassungsstaates. Andererseits nahm die Perspektive einer Bedrohung des Menschseins und der Suche nach universellen Gegenmitteln eine so hohe Ebene der Abstraktion ein, dass Hannah Arendt, die die Essenz und die Tendenz totalitärer Herrschaft idealtypisch und „nur“ in äußerster gedanklicher Zuspitzung freilegen wollte, gleichsam den historischen Boden unter den Füßen zu verlieren drohte.
Nationalsozialismus und Stalinismus (von dem sie wenig wusste) mit ihrem Lagerkosmos waren nicht nur in manchem ähnliche, sondern eben auch höchst verschiedenartige Regime. Auschwitz war gewiss aus dem Totalitarismus, aber vor allem aus dem Antisemitismus geboren, aus moderner instrumenteller Rationalität und aus deutschen Wurzeln, aus anonymer Bürokratie und nationalsozialistischer Ideologie. … Gerade weil die strukturelle Gewalt totalitärer Herrschaft in der Analyse der Philosophin weithin täterlos geblieben war, ließ sie es sich nicht entgehen, einen der vermeintlichen Haupttäter des Nationalsozialismus persönlich in Augenschein zu nehmen. Als Israel den aus Argentinien entführten Adolf Eichmann 1961 vor Gericht stellte, fuhr sie als Berichterstatterin nach Jerusalem. Die Theoretikerin des Totalitarismus wollte sich mit seiner Praxis vertraut machen und die unverhoffte Gelegenheit nutzen, einen von „diesen Leuten“ aus der Nähe zu beobachten. Ihre Artikelserie für den „New Yorker“ veröffentlichte sie 1963 als Buch. Im Jahr darauf erschien die Studie in Deutschland: „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“.
In Jerusalem wurde der Prozessbeobachterin augenblicklich bewusst, dass es ein Irrweg war, den Judenmord als letztlich metaphysisches Geschehen zu deuten und Täter wie Eichmann zu bösen Dämonen zu machen. … Ihr Einblick in die Organisation des Judenmords und die Motivlage des Angeklagten ließen Hannah Arendt nun auf der rationalen Erklärbarkeit des „größten Unheils unseres Jahrhunderts“ bestehen. Damit befreite sie sich nach 20 Jahren auch von dem Alpdruck, die Menschheit könne von ähnlichem Unheil heimgesucht werden, ohne es begreifen und wieder kaum bekämpfen zu können. Hannah Arendts „Bericht von der Banalität des Bösen“ war der freimütige Versuch, dem Teuflischen mit kühlem Kopf zu begegnen. … Nach einigen Anfechtungen begann Eichmanns Gewissen systemkonform zu arbeiten, „weil die Stimme des Gewissens in ihm genauso sprach wie die Stimme der Gesellschaft, die ihn umgab“, schrieb Hannah Arendt. Sein privater kategorischer Imperativ (wie er sagte), allein nach dem „Gesetz“ des Führers zu handeln, verschmolz mit dem Gebot der geltenden Offizialmoral, angesichts schwerer mörderischer Pflicht nicht „weich“ zu werden. … Neue Erlösungsprogramme werden sich kaum in der Requisite des 20. Jahrhunderts bedienen. Aber genügend Komplizen kann das extrem Böse auch heute finden, wenn es sich nur in den Mantel des sittlich Gebotenen hüllt. …“ | http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-20017823.html

“ … Arendt betont, dass die Sprache der Nazis darauf aus war, Zusammenhänge auch vor den Tätern selbst (vor anderen ohnehin) zu verschleiern, um Gewissensreste, die manche Täter anfangs noch haben mochten, zu beruhigen. Das gilt hier für das Wort „Sache“ oder allgemein für die typische Tarnsprache der Zeit, z. B. „Endlösung“ für den Massenmord an Juden. Nach Arendt hatte Eichmann diese verdinglichte Sprache noch im Prozess, zwanzig Jahre nach seiner Tätigkeit, vollkommen verinnerlicht und wendete sie in den Verhören vor Avner Less und vor Gericht ständig an. … Ihre Zusammenfassung des Prozesses lautet: „In diesen letzten Minuten war es, als zöge Eichmann selbst das Fazit der langen Lektion in Sachen menschlicher Verruchtheit, der wir beigewohnt hatten – das Fazit von der furchtbaren Banalität des Bösen, vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert.“ … Schulze Wessel kommt zu dem Ergebnis, dass die „Banalität des Bösen“ keine Verharmlosung der Nazitaten ist, sondern im Gegenteil eine Radikalisierung der antisemitischen Ideologie; Eichmann inszenierte sich selbst in Jerusalem nur als willenloses Werkzeug eines „Führerwillens“, als Mann ohne Eigenschaften. Nach Avner Werner Less, der Eichmann 275 Stunden lang verhörte, hat Hannah Arendt verkannt, dass Eichmanns Aussagen ein Lügengewebe gewesen sei. Eichmanns Verteidigungsstrategie habe darin bestanden, die Richter von der Unwichtigkeit und Geringfügigkeit seiner eigenen Person zu überzeugen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Eichmann_in_Jerusalem (Stand: 20. Mai 2018)

“ … Was wir als gut oder böse erleben, hat einen Bezug zu unserer Lebensgeschichte. … “ („Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, was man läßt!“ (Wilhelm Busch) – Familienwerte und -normen im Blick der Generationenweitergabe, Margit Wegener ) — “ … Im Märchen sind Böse und Gut immer klar voneinander zu unterscheiden – möchte man meinen. Aber ist das wirklich immer so? …“ (Märchenseminar: Böse und Gut aus der Sicht eines Märchens, Gideon Horowitz) — “ … Erlöse (oder befreie) uns von dem Bösen. Aber Leben ohne Böses ist kaum vorstellbar – zu schön, um wahr zu sein. Wir wären wie die Träumenden. …“ (Erlösen, Eindämmen, Abgeben – Das Gute als Verzicht, Wolfgang Teicher) — „Good people go to heaven, bad people everywhere“ (Psychodramaseminar), Dorothea Ensel und Prof. Dr. Peter Wertz-Schönhagen … [Textfraktale aus: „Zwischen Böse und Gut – vom Umgang mit Urkräften“, Arbeitstagung 2017 in Lindau (Bodensee) vom 29.10. bis 2.11.2017 – Internationale Gesellschaft für Tiefenpsychologie e.V., http://junggesellmuc.de/wp-content/uploads/2017/07/Tagungsprogramm-igt-2017.pdf]

(2. Januar 2017): “ … Was genau verstehen Sie unter dem Bösen? – Haller: Für mich gehören dazu immer fehlende Empathie, Sadismus und das Herstellen und Ausnutzen eines einseitigen Machtverhältnisses, wie es im Krieg sehr ausgeprägt ist oder bei Terroranschlägen, die sich gegen Unschuldige richten. Aber das Böse an sich ist natürlich keine Kategorie für die Psychiatrie. …“ | Andreas Lebert und Katrin Zeug „“Jeder Mensch hat in sich seine Abgründe““ (2. Januar 2017) | https://www.zeit.de/zeit-wissen/2017/01/psychologie-psychiater-gericht-gutachten-verbrecher-interview

Fritz Riffer (Ärztlicher Leiter am Psychosomatischen Zentrum Eggenburg-Gars. Dort findet am Freitag der Jahreskongress zum Thema „Mensch Beziehung Störung“ statt) [5. Juni 2018]: “ … Die Gegenüberstellung von Liebe und Aggression lässt sich anhand von Märchen gut erläutern … Im Märchen ist die Spaltung besonders gut dargestellt, weil die guten und die bösen Eigenschaften meist auf zwei Personen verteilt sind. Es gibt eine böse Hexe und eine gute Fee. Deshalb lieben Kinder Märchen auch so. Obwohl sie wissen, dass ihre Mutter beide Eigenschaften in einer Person vereint, ist es einfacher, diese getrennt zu denken. … Auch wir haben den Wunsch in uns, eine Einteilung in Gut und Böse zu finden, das beruhigt. Man denke nur an die Politik. Die meisten von uns haben eine für sich gute und eine böse Partei. Was als gut oder böse bewertet wird, hängt vom persönlichen Standpunkt ab. Diese Aufteilung machen wir alle täglich, sie gibt uns Orientierung. Die Kunst ist, nach dem Auseinanderhalten auch wieder zusammenführen zu können. Bei Diskussionen heißt das: Ich habe diesen Standpunkt, aber kann die Argumente der Gegenseite wahrnehmen und zulassen. Es geht um das Ausmaß der Spaltung und die Fähigkeit, sie zu überwinden. Menschen mit Borderlinestörung tun sich damit schwer. … Ohne für das Gegenüber nachvollziehbar zu sein, schwanken die Betroffenen zwischen Idealisierungen und Entwertungen, loben in den Himmel, oder werden – scheinbar ohne Anlass – aggressiv. Der amerikanische Präsident ist ein gutes Beispiel dafür. … Er hat aus meiner Sicht eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, die mit der Borderlinestörung ganz eng verwandt ist. Bei kleinen Anlässen gibt es ein großes Gewitter, er idealisiert und entwertet, sodass die Öffentlichkeit aus dem Staunen gar nicht herauskommt. Auf der anderen Seite hat er Angst, die sich in einer enormen Kränkbarkeit zeigt. Trump sagt über sich, er sei ein stabiles Genie. Das ist der Narzisst. Er entschuldigt sich nicht, leidet auch nicht an seinem Verhalten. Das ist der Unterschied zur Borderlinestörung. …“ | Aus: „Borderline: Nur Gut oder nur Böse sehen“ – Interview: Bernadette Redl | https://derstandard.at/2000080923523/Borderline-Nur-Gut-oder-nur-Boese-sehen

Gerichtspsychiater Reinhard Haller (02.04.2012): “ … Jemandem ins Gesicht zu schauen, heißt, ihn nicht töten zu können, lautet ein berühmtes Philosophenwort. Wenn man den anderen entmenschlicht, das ist immer passiert, wenn es um lebensunwertes Leben, um geborene Verbrecher, um unnütze Esser und so weiter gegangen ist. Wenn sehr viel Macht eingesetzt wird, also wenn die Machtverhältnisse ganz einseitig sind, und wenn man den Moralinstinkt, der in jedem Menschen irgendwo vorhanden ist, in allen Kulturen weiß man, Töten ist nicht in Ordnung. Das ist ein Verbrechen. Wenn der übersprungen wird, dann, glaube ich, dann können wir sagen, ist das Böse ganz besonders nahe. Und es kommt noch ein Faktor hinzu, das ist die Autorisierung des Bösen. Also dass vollkommen normale Menschen zu schrecklichen KZ-Wärtern oder zu Mitgliedern eines Erschießungskommandos bei Massenerschießungen geworden sind, die daneben liebevolle Familienväter und fürsorgliche Söhne und so weiter sind, unter dieser Autorisierung des Bösen kommt aus ihnen etwas heraus, was sie wahrscheinlich selbst nie vermutet hätten. …“ | http://www.deutschlandfunkkultur.de/das-boese-beginnt-dann-wenn-der-mensch-sich-nicht-in-andere.954.de.html?dram:article_id=147128

“ … Mit Der Luzifer-Effekt … schlägt [Philip Zimbardo] den Bogen von den Details des weltberühmten Stanford Prison Experiment bis zu den grausamen Geschehnissen im Gefängnis von Abu Ghraib im Irak, und es offenbart verstörende Wahrheiten: über physische und psychische Gewalt, über Misshandlungen und Folter, über Kriegsverbrechen und Massenmorde – und über die Menschen, die sie ausführen, anordnen, ermöglichen oder zulassen. … Zimbardos These: Nicht die Veranlagung bringt gute Menschen dazu, Böses zu tun, sondern die Situation, in der sie sich befinden oder in die man sie versetzt. Die Macht der Umstände schafft Täter und Opfer, und in oft diffusen Verantwortungsgeflechten verlieren moralische Maßstäbe allzu leicht ihr Fundament … Der „Banalität des Bösen“ setzt Zimbardo die „Banalität des Heldentums“ entgegen. …“ | https://www.j-k-fischer-verlag.de/Gesundheit/Psychologie/Der-Luzifer-Effekt–3770.html (2016)

“ … Häufig ist der Schicksalsglaube religiös eingebettet oder ausgeformt. Die Annahme, das Schicksal des Menschen liege in der Hand Gottes oder eines übermächtigen göttlichen Wesens und werde von ihm bestimmt oder zumindest geführt, findet man im Glauben an die göttliche Vorsehung, der etwa im Islam und im Christentum eine wichtige Rolle spielt. Je nachdem wie viel Entscheidungsspielraum dabei dem freien Willen des Menschen gegenüber dem vorbestimmten oder vorgesehenen Schicksal zugestanden wird, gehen diese Vorstellungen recht weit auseinander … Philosophisch ist die Stellung und Bewertung des Zufalls von Bedeutung, der im Schicksals- und Vorsehungsglauben häufig als göttliche oder schicksalhafte Fügung verstanden oder gedeutet und teils – wie im konsequenten Determinismus – als nicht existent abgelehnt wird („es gibt keine Zufälle“). Im Unterschied zu deterministischen Vorstellungen betont der Schicksalsglaube jedoch die Unausweichlichkeit nur des Ergebnisses (der „Bestimmung“) eines Vorgangs oder einer Biografie, billigt dem Individuum jedoch mitunter durchaus die Möglichkeit freier Willensentscheidungen zu, mit denen es den Eintritt des vorbestimmten Ergebnisses freilich nicht beeinflussen, jedenfalls nicht verhindern kann. Klassische Beispiele für dieses paradoxe Moment in der schicksalgläubigen Weltauffassung finden sich in der antiken Sagenwelt, etwa in den Geschichten des Ödipus oder des Odysseus, deren Protagonisten in ihren Handlungen frei sind und alles unternehmen, um ihrer (durch Orakel prophezeiten) schicksalhaften Bestimmung zu entgehen, letztlich aber gerade dadurch ihr vorherbestimmtes Schicksal selbst realisieren. … Einig sind sich das schicksalgläubige und das deterministische Weltbild indes in der Betonung der Unausweichlichkeit und Alternativlosigkeit der Realität. Das kann zu einer eher passiven, schicksalergebenen (fatalistischen), bisweilen gleichgültigen oder − auch ethisch – indifferenten Lebenseinstellung führen und das Streben nach Selbstbestimmung und Weltveränderung als Illusion begreifen lassen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Schicksal (16. Dezember 2017)

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