2012
05.31

“Wir nehmen gar nicht wahr, wie gut es uns geht”, sagt SZ-Außenpolitikchef Stefan Kornelius. (31.05.2012) | http://www.sueddeutsche.de/politik/global-betrachtet-europabeilage-1.1369950

Josef Joffe, Vorbild Schröder (12.05.2012): ” … Die Journaille lobt ungern die Regierenden, aber trotzdem: Ohne Schröders Agenda 2010 stünde Deutschland heute nicht so gut da. Erinnern wir uns an seine legendäre Rede im Bundestag 2003: »Wir werden Leistungen des Staates kürzen, Eigenverantwortung fordern und mehr Eigenleistung abfordern müssen.« Rot-Grün senkte Steuern, lockerte den Arbeitsmarkt auf und verschärfte mit Hartz IV den Anreiz zur Arbeitssuche. …” | http://www.zeit.de/2012/20/01-Europa/seite-2

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Katharina Miklis, Sklaven auf vier Rädern (31. Mai 2012): ” … Stundenlöhne von 3 Euro, 14-Stunden-Schichten, alltägliche Schikanen. Der Journalist Günter Wallraff hat die katastrophalen Bedingungen der Paketbranche recherchiert. …” | http://www.stern.de/wirtschaft/news/ausbeutung-von-paketfahrern-sklaven-auf-vier-raedern-1834722.html

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Günter Wallraff, Armee der Unsichtbaren (31.05.2012): ” … Makulatur ist auch das Fahrtenbuch. »Wir nennen es das Märchenbuch«, sagt Andy. »Das hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Wenn du entsprechend dem Gesetz nach 4,5 Stunden Fahrt eine Dreiviertelstunde Pause machst, kommst du abends nämlich nicht im Depot an.« Er hat gerade das Fahrtenbuch rausgeholt und trägt mit Kuli die zulässigen 4,5 Stunden Fahrtzeit ein, obwohl wir schon sieben unterwegs sind. Die Lüge hat System, erfahrene Polizisten wissen, dass das Fahrtenbuch der Paketfahrer ein Witz ist. …” | http://www.zeit.de/2012/23/Wallraff-Paketzusteller/seite-1

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starslight, 31.05.2012 um 12:19 Uhr: “capitalism, stupid – Ich muss immer schmunzeln, wenn im Anschluss an derartige journalistische Investigativaktionen davon gesprochen wird, es sei etwas “aufgedeckt” worden. Und auch noch, potzblitz!, so etwas bizarres wie die Ausbeutung von Lohnarbeit im Dienst heiliger Profitinteressen. Da verschluck’ ich mich regelmäßig an meinem Morgenkaffee. Aber natürlich trotzdem, super, dass es mal wieder jemand aufgeschrieben hat.” | http://www.zeit.de/2012/23/Wallraff-Paketzusteller?commentstart=49#cid-2093917

Mike_E, 31.05.2012 um 11:58 Uhr: “Seitdem ich auf der Welt bin und lesen kann, kenne ich (dank älterer Schwester und eines Lehrers) die Werke Wallraffs – ob die Bücher über BILD oder die unerwünschen Reportagen und andere Titel. Sie haben mich geprägt. Nun bin ich über 40 Jahre alt – und immer noch ‘muss’ ich Reportagen von Wallraff lesen bzw. sehen. Ob Arbeiter einer Bäckerei, die sich an heißen Blechen die Hände verbrennen, nur damit ich im Discounter paar Cent sparen kann oder eben menschliche Packesel, die sich krumm und buckelig schuften müssen, damit ich mein Päckchen von wem auch immer günstig bekommen kann – ‘natürlich’ wurde das Päckchen von einem Saisonarbeiter geschnürt, der sogar noch unbezahlt Probezeit arbeiten muss, weil das die Arge duldet.
Wie armselig ist mein Deutschland immer noch? Wie armselig bin ich? …” | http://www.zeit.de/2012/23/Wallraff-Paketzusteller?commentstart=25#cid-2093848

Ironpolem, 31.05.2012 um 12:26 Uhr: “Lieber Hewrr Wallraf Das haben Sie ja toll recheriert! Damit hätte ja niemand gerechnet, daß Unternehmer so etwas machen. Das schlimme ist doch, daß jeder weiß, was da läuft. Sich aber Journalisten, wie z.B. Herr Joffe hinstellen und sagen: Den Deutschen geht es gut. … ” | http://www.zeit.de/2012/23/Wallraff-Paketzusteller?commentstart=49#cid-2093930

2012
05.28

“… Ein paar aufgeregte Nachbarn und zwei Frauen aus dem veranstaltenden Kulturteam
forderten zwei Stunden nach der Eröffnung der Ausstellung am Freitag (15. April 2011),
die (ihnen bekannten) Bilder zu verhüllen oder abzuhängen, weil dadurch angeblich Kinder traumatisiert würden. …Von aufgeregten mobilisierten Erwachsenen wurde am Sonntag, 17. April um 10.00 Uhr die Polizei geholt, die zunächst unschlüssig war und nach einigen Diskussionen empfahl, dass die Schaufenster vorläufig ca. 80 cm hoch zugehängt werden sollen, bis geklärt worden sei, wie das Kulturreferat der Stadt München dazu stehe und ob die Ausstellung gegen das Jugendschutzgesetz verstoße. …” (2011) | http://www.ikufo.de/ausstellung_teilen_statt_kriegen_2011.html

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Peter Mühlbauer, 27.05.2012, Sind Fotos von Kriegsverletzungen die Nachfolger von “grobem Unfug“?: “… Zensur trifft in Deutschland meistens neue Medien. Fotos, die es bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts gibt, sind heutzutage ähnlich selten davon betroffen wie Texte. Der Künstler Wolfram Kastner hat es letztes Jahr trotzdem geschafft, mit einer Kombination aus Beidem so zu provozieren, dass Anwohner eines Ausstellungsraums an der Münchener Therese-Studer-Straße sich an das Kreisverwaltungsreferat wandten, das dem fünfundsechzigjährigen Schüler von Franz Nagel und Robert Jacobsen einen Bußgeld über 273 Euro schickte. Wegen “Belästigung der Allgemeinheit“. Ein Tatbestand, der im § 118 des Ordnungswidrigkeitengesetzes (OWiG) verankert ist und der früher “Grober Unfug” hieß. … Die Bilder, über die sich die Anwohner so erregten, waren Teile der Ausstellung “teilen statt kriegen” und zeigen unter anderem Fotos von weggeschossenen Unterkiefern und amputierten Armen. Darunter liest man, dass Kriege der Rüstungswirtschaft “Milliardenprofite” bescheren. Obwohl einiges an den von Kastner nicht selbst aufgenommenen Fotos darauf hinweist, dass auch ein Vorgehen mit der Abmahnkeule zum Zensurerfolg führen könnte, brachten die Anwohner keine urheberrechtlichen Argumente vor, sondern mokierten, dass durch das Fenster des Ausstellungsraums auch Kinder einen Blick auf die Bilder werfen könnten. Allerdings waren sie (anders als die herbeigeholte Polizei) nicht mit höher gehängten Bildern zufrieden, sondern wollten die Schaufenster komplett verhüllen lassen. …” | http://www.heise.de/tp/blogs/6/152072

tuldul, 27. Mai 2012 02:13
“… was in Deutschland als anstößig empfunden wird…
Waffen, Kriegsgerät und Militäreinsätze sind scheinbar OK. Aber wehe
jemand zeigt in der Nachbarschaft die Folgen. Das geht gar nicht.
Denkt denn keiner an die Kinder?! …” | http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Aha-was-in-Deutschland-als-anstoessig-empfunden-wird/forum-229586/msg-21889931/read/

Sven Sasse, 27. Mai 2012 09:00 ” … Man muß ihn verurteilen, weil … sonst das von den Leitmedien kolportierte Bild von sauberen, edlen, menschenrechtsschaffenden, humanitären und überhaupt
supertollen NATO-Aktionen zerstört würde. … Wie soll man den Kindern in den Schulen die supertolle,
supermoderne, superinteressante Bundeswehrmacht schmackhaft machen, wenn doch auf jedem Kinderhandy sich eine Bildersammlung von von Soldaten zerfetzten Menschen befindet? Oder wenn so ein Kind bei einer Bundeswehrmachtswerbeveranstaltung vielleicht sich nicht bloß um die tolle Technik kümmert, sondern vielleicht dumme Fragen stellt, zum Beispiel, ob das weh tut, wenn einem ein Bein abgefetzt wird??? …” | http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Man-muss-ihn-verurteilen-weil/forum-229586/msg-21890104/read/

Jürgen Wolther, 27. Mai 2012 11:54: ” … Vielleicht wiegt die frage aus erschrockenen Kinderaugen “Papa, Mama, warum wurde dem Mann so schlimm weh getan?” mehr als die eigenen Pfründe. Gerade unter den Familienmüttern und -vätern gibt es eine erschreckende Anzahl solcher, die glauben mit Nestbau, Ficken und Werfen ihe Pflicht und Schuldigkeit im Leben getan zu haben. Sie sind der Meinung, daß Protest und Widerstand gegen “den lauf der Welt” nicht zu ihren Aufgaben gehört und fälschlich nehmen sie an, daß es die Zukunft der Kinderchen sichern würde, wenn alles so bleibt wie es ist. Sie nennen das Stabilität. … Ja, unsere Kinderlein sollen eine Zukunft haben. … Manchmal habe ich da eine Theorie, daß Eltern bei der Geburt von Kindern, Teile ihres Hirns an diese abgeben müssen. … ” | http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Ich-finde/forum-229586/msg-21890408/read/

2012
05.28

Dawid Fjodorowitsch Oistrach (*1908 †1974) plays Claire de lune.
Recorded in Paris, 1962, with Frida Bauer in piano.

2012
05.28

http://www.musanim.com/ | http://www.youtube.com/user/musanim

2012
05.28

Clair de Lune by Claude Debussy | http://de.wikipedia.org/wiki/Suite_bergamasque
Theremin: Randy George (2010)

2012
05.28

Come funziona l’occhio, “Il secolo illustrato”, 1936
via neuroimages.tumblr.com/ | http://elettrogenica.tumblr.com/post/7773756068/come-funziona-locchio-il-secolo-illustrato

2012
05.26

Herbert_Schmalz_LeVeil_de_Galatee
L’Eveil de Galatée | Herbert Schmalz (Near Newcastle, 1856 – London, 1935)

http://en.wikipedia.org/wiki/Herbert_Gustave_Schmalz

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” … Giulia Farnese (* 1474 in Canino oder Capodimonte; † 23. März 1524 in Rom), genannt la Bella, war eine der Mätressen des Borgia-Papstes Alexander VI. und Schwester von Papst Paul III. … Giulia Farneses Grab ist unbekannt. Dennoch soll sich bis heute ein Abbild von ihr erhalten haben und zwar ausgerechnet im Petersdom in Rom. Als Teil des links vom Hochaltar befindlichen Grabmals des Papstes Paul III., geschaffen vom Bildhauermeister Guglielmo della Porta, glaubten schon Zeitgenossen, eine Statue seiner Schwester, der „Bella Giulia“, zu erkennen. Der Stein sei so lebendig und voll erotischer Ausstrahlung gewesen, dass immer wieder junge Männer vor ihm zu „unsittlichen Handlungen“ hingerissen wurden. Um 1600 ließ daher der Vatikan diese liegende, ursprünglich nackte Figur mit einem Metallhemd aus Blei bekleiden, das sich noch im 18. Jahrhundert gegen ein Trinkgeld entfernen ließ. …”
Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Giulia_Farnese (29. März 2012)

http://de.wikipedia.org/wiki/Agalmatophilie

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“… Der Künstler Pygmalion von Zypern ist aufgrund schlechter Erfahrungen mit Propoetiden (sexuell zügellose Frauen) zum Frauenfeind geworden und lebt nur noch für seine Bildhauerei. Ohne bewusst an Frauen zu denken, erschafft er eine Elfenbeinstatue, die wie eine lebendige Frau aussieht. Er behandelt das Abbild immer mehr wie einen echten Menschen und verliebt sich schließlich in seine Kunstfigur. Am Festtag der Venus fleht Pygmalion die Göttin der Liebe an: Zwar traut er sich nicht zu sagen, seine Statue möge zum Menschen werden, doch bittet er darum, seine künftige Frau möge so sein wie die von ihm erschaffene Statue. Als er nach Hause zurückkehrt und die Statue wie üblich zu liebkosen beginnt, wird diese langsam lebendig. Aus der Verbindung geht ein Kind namens Paphos hervor. Im 18. Jh. erhält die zum Leben erweckte Statue den Namen Galatea. …”
Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Pygmalion (23. April 2012)

http://en.wikipedia.org/wiki/Pygmalion_and_Galatea

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… I needed inspiration,
A brand new start in life,
Somewhere to place affection,
But I didn’t want a wife

And then by lucky chance I saw
In a special magazine
An ad that was unusual,
The like I’d never seen,

“Experience something different
With our new imported toy,
She’s loving, warm, inflatible
And a guarantee of joy”

She came all wrapped in cardboard,
All pink and shrivelled down
A breath of air was all she needed
To make her lose that frown

I took her to the bedroom
And pumped her with some life,
And later in a moment
That girl became my wife

And so I sit her in the corner
And sometimes stroke her hair
And when I’m feeling naughty
I blow her up with air

She’s cuddly and she’s bouncy,
She’s like a rubber ball,
I bounce her in the kitchen
And I bounce her in the hall

And now my life is different
Since Sally came my way
I wake up in the morning
And have her on a tray …

From: “Be My Girl – Sally” (Summers, Sting)
http://en.wikipedia.org/wiki/Outlandos_d%27Amour

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Casanova fa l’amore con una bambola meccanica.
http://www.youtube.com/watch?v=zPE-c43cOGc

Fellinis Casanova (Originaltitel: Il Casanova di Federico Fellini) ist ein Film des italienischen Filmregisseurs Federico Fellini aus dem Jahr 1976 nach der Autobiografie Geschichte meines Lebens (französ. Originaltitel: Histoire de ma vie) von Giacomo Casanova, einem Abenteurer und Schriftsteller des 18. Jahrhunderts. …
http://de.wikipedia.org/wiki/Fellinis_Casanova

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Found & Impuls via http://www.kawaikittens.com/post/16286950422 (22/01/2012)

2012
05.22

via http://loveage-moondream.tumblr.com/post/10695246076

2012
05.14

” … Man muss an diese Ereignisse erinnern, um die Bedeutung des Prozesses gegen Verena Becker weit mehr als 30 Jahre nach der Tat zu verstehen. Zum einen wurden zahlreiche Mitglieder der RAF wie Becker zu lebenslanger Haft verurteilt, ohne dass deren genaue Tatbeiträge vor Gericht im Detail verhandelt worden waren – unter anderem, weil nahezu alle Angeklagten konsequent jede Aussage verweigerten. … Dass es 33 Jahre nach der Tat dennoch zum Prozess kommt, ist vor allem dem beharrlichen Auftreten Michael Bubacks geschuldet. Wie kein anderer hat der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts Widersprüche in den Ermittlungen um den Mord an seinem Vaters öffentlich angeprangert, sodass sich die damalige Generalbundesanwältin Monika Harms im April 2010 am Ende genötigt sah, ein neues Verfahren auf den Weg zu bringen. Besonders brisant ist dabei der Vorwurf des Buback-Sohnes, er könne sich die Nicht-Anklage Beckers nur dadurch erklären, dass jemand über Becker eine „schützende Hand“ halte. Michael Buback ist überzeugt, dass die als Mittäterin beschuldigte Becker auch die Person gewesen sein muss, die in der Karlsruher Innenstadt am Gründonnerstag des Jahres 1977 vom Rücksitz eines Motorrades aus mit einer Maschinenpistole seinen Vater ermordet hat. Die Bundesanwaltschaft bestreitet das. Doch der Göttinger Chemie-Professor glaubt gar zu wissen, dass Becker geschützt wird, weil sie als Informantin für den Verfassungsschutz tätig wurde. … Beckers Geheimdienstkontakte waren einigen wenigen RAF-Gefangenen bekannt. Nach der Ablehnung einer vorzeitigen Haftentlassung hatte sie sie selbst den Mitgefangenen gebeichtet und als „Sühne“ vorgeschlagen, sich umzubringen. Die GenossInnen lehnten ab, kappten aber jeden weiteren Kontakt. … Die Befragung beim Verfassungsschutz vor 30 Jahren füllt eine 82-Seiten-Akte vom 4. März 1982. Außerdem gibt es in Köln noch eine Fallakte, gut 200 Seiten, mit den Originalaussagen. Beides trägt seit beinahe drei Jahrzehnten den Stempel „Geheim“. Die Aufzeichnungen wurden nach langem Hin und Her vom CDU-Bundesinnenminister Thomas de Maizière zwar im März 2010 den Prozessbeteiligten zur Verfügung gestellt, deren Geheimhaltung aber nicht aufgehoben.” | Aus: “Die Agentin” von Wolfgang Gast (14.05.2012) https://www.taz.de/Fruehere-RAF-Terroristin-Verena-Becker/!93277/

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An Bubacks Sohn Michael gerichtet, der als Nebenkläger auftritt, sagte sie: “Wer Ihren Vater getötet hat, kann ich nicht beantworten. Ich war nicht dabei.” …
Aus: “Verena Becker bestreitet Beteiligung an Buback-Mord” (14.05.2012) | (ZEIT ONLINE, dpa, 14.05.2012) http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-05/becker-buback-prozess

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” … Pokatzky: Die letzten Sätze in Ihrem Buch lauten, der Verdacht, dass Becker bereits vor 1977 für den Verfassungsschutz gearbeitet haben könnte, ist und bleibt eine begründete Vermutung, nicht mehr, aber auch nicht weniger. …”
Aus: “Stoff für einen Polit-Thriller” (06.10.2010) | Wolfgang Kraushaar glaubt im Fall Verena Becker an eine Geheimdienstaffäre – Wolfgang Kraushaar im Gespräch mit Klaus Pokatzky | http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1290145/

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Gerd Meier (Gerd_Meier) – 14.05.2012 10:39 Uhr
… Wer und aus welchen Gründen hat beim Verfassungsschutz oder der aufsichtführenden Behörde, dem Bundesinnenministerium, ein Interesse daran, diese beim Verfassungsschutz vorhandenen Erkenntnisse nicht frei zu geben? Es kann nicht sein, dass ein Behörde, aus welchen Gründen auch immer, in diesem demokratisch verfassten Staat, irgendwelche Erkenntnisse nach mehr als 30 Jahren zurück hält! …

Phillip Stolze (philze) – 14.05.2012 11:55 Uhr
vollkommen klar ist, dass die Gesellschaft viele der noch bestehenden Geheimnisse weder verkraftet noch verarbeiten könnte. Also warum muss man sie aufschrecken und ihnen zeigen wie unwissend sie eigentlich sind? Sie schaffen es doch nicht einmal sich richtig über Politik oder Wirtschaft zu informieren, warum sollten sie dann wichtige Informationen erhalten wenn sie diese nicht verknüpfen und in Bezug setzen können?

Aus Kommentaren zu: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/raf-prozess-verena-becker-ich-war-nicht-dabei-11750755.html?selectedTab=comments

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kaschperle, 14.05.2012 um 10:07 Uhr
Kraushaars Theorie ist alles andere als unglaubwürdig. … Wahrscheinlicher ist eher noch, daß ihre Aussage vorab mit den Sicherheitsbehörden abgesprochen wurde. Glaubt irgendwer, daß Beckers Anwalt NICHT abgehört wird? | http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-05/becker-buback-prozess?commentstart=1#cid-2058489

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gerhard berlin, 14.05.2012: … Die RAF-Akten wurden aber für weitere 30 Jahre gesperrt – »um Schaden von der BRD abzuwenden«. … Schaden könnte man abwenden, wenn man endlich alles publizieren würde … | http://forum.spiegel.de/f22/prozess-stuttgart-ex-raf-terroristin-becker-bestreitet-buback-mord-60931.html#post10180145

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… Michael “Bommi” Baumann, Mitbegründer der Terrorbewegung “2. Juni” lernt sie in den 1960ern kennen. Mit anderen Frauen bildet sie die radikale Gruppe “Schwarze Braut” und sucht die Nähe zu Baumann. “Sie waren alle in Wohnungen, die dem Verfassungsschutz gehört haben”, sagt Ex-Terrorist Baumann. “Das haben wir erst jetzt herausgefunden. Die ganzen Häuser in der Köpenicker Straße und in der Eisenbahnstraße, wo die Damen alle saßen, haben Volker von Weingraber gehört [http://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Weingraber], der auch in den Schmücker-Mord [Der Schmücker-Prozess bestand aus insgesamt vier Strafverfahren >> http://de.wikipedia.org/wiki/Schm%C3%BCcker-Prozess] involviert ist und vom Verfassungsschutz Unsummen gekriegt und jetzt ein Weingut in der Toscana hat.” Ulrich Schmücker war Geheimdienstspitzel und Weggefährte von Verena Becker. Er wurde ermordet. Die Tatwaffe fand sich später im Tresor des Verfassungsschutzes. … “Wir haben gedacht, wir handeln autonom”, so Baumann. “Der Gedanke ist unheimlich, dass man irgendwo auf dem Schachbrett hin- und hergeschoben worden ist oder zwar über das Schachbrett rennen durfte, aber immer noch eine Figur war.” Es ist anzunehmen, dass der Verfassungsschutz es auch bei Verena Becker versuchte – vielleicht als sie 1974 eine Jugendstrafe absaß. Sie war es, die immer wieder mit harten Worten Militanz einpeitschte.” … | Aus: “Im Visier” (Clemens und Katja Riha für Kulturzeit / rh, 07.10.2010) http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/148468/index.html / http://de.wikipedia.org/wiki/Bommi_Baumann#cite_note-Becker-Prozess-6

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Nachtrag I (21.05.2012)

“…Längst ist auch die Stimme der Opferangehörigen lauter geworden. Im September 2010 wandten sich Corinna Ponto, Michael Buback und Jörg Schleyer – allesamt Kinder der Opfer aus den Anschläge der RAF – in einem offenen Brief, der in der Bild-Zeitung veröffentlicht wurde, an die Kanzlerin mit der Bitte um eine Aufklärung der Morden an ihren Vätern durch ein unabhängiges Forscherteam. Doch bis heute, beinahe zwei Jahre danach, haben weder die Kanzlerin noch ein anderer Parlamentarier sichtbare Schritte unternommen, um eine unabhängige Kommission einzusetzen, die auf historisch-kriminologischer Basis die Geschichte des RAF-Terrors aufarbeitet. Müssen die Opferangehörigen erst vor den Kameras der TV-Sender auf Knien rutschen, bis sich politischen Funktionsträger bequemen, eine Kommission einzurichten, die mit voller staatlicher Unterstützung, aber völlig unabhängig von staatlichen Eingriffen, die Geschichte des Terrors in der Bundesrepublik aufarbeitet? Solange eine unabhängige Untersuchungskommission nicht eingerichtet wird, solange wird wohl Rechtsanwalt Matthias Rätzlaff, der den Bruder von Siegfried Buback vertritt, die Frage auch anderen Medienvertretern stellen müssen, die er gegenüber Telepolis am Rande der Verhandlung äußerte: Warum dient es dem Wohl der Bundesrepublik Deutschland, in einem dreifachen Mord nicht alle Unterlagen offen zu legen? (Matthias Rätzlaff) …”
Aus: “Wenn eine Ex-Terroristin und ein Staat gemeinsam auf halbem Weg stehen bleiben” Marcus Klöckner (19.05.2012) | Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/36/36961/1.html

Artur_B, 19. Mai 2012 08:08

“Ich halte ihn für verbohrt, wenn nicht gar krank. Eigentlich ist es
doch egal, wer seinen Vater erschossen hat. Ich kann nicht
nachvollziehen, warum er das unbedingt wissen will.”
[(Wolfgang Steinke, ehemaliger Abteilungsleiter beim Bundeskriminalamt, in der ZDF-Dokumentation "Buback - Die Suche nach der Wahrheit")]

Man kann ja auch umgekehrt fragen, warum der Staat das nicht so
locker sieht und bei der Aufklärung in einer Weise mauert, dass es
auch dem Dümmsten auffällt. Fakt ist, dass nur die Kinder der
RAF-Opfer in der Lage sind, hier noch Licht ins Dunkel zu bringen.
Ein aufklärungswilliger Journalist hätte keine Chance, auch keine
politisch motivierte Gruppierung. Deshalb: weitermachen Siggi. Wir
anderen wollen das auch wissen.

Nicht so sehr, weil das Geschehen von vor 35 Jahren an sich so
interessant wäre. Vielmehr geht es ums Prinzip: kommen deutsche
Geheimdienste mit getürkten Anschlägen durch, deren einziger Zweck
die Täuschung der Öffentlichkeit war? Darauf kommt es an. Deshalb
ist es nicht belanglos, ob das auffliegt oder nicht. Wenn es
auffliegt, ist es für die Geheimdienste eine Warnung. Auch nach so
langer Zeit.

Die Krönung wäre natürlich der Missing Link zur NSU. Das BfV steckt
bis zum Hals in der Sache, es ist ihm aber auch nach den Erfurter
Vorfällen gelungen, völlig ungeschoren aus der Sache herauszukommen.
Ein Skandal ohnegleichen.

In beiden Fällen müsste die Presse Sturm laufen und entschieden
Aufklärung verlangen. Schlapp wie sie ist, ist sie aber geradezu der
Haupttäter bei der Vertuschung. Unglaublich.

Gruß Artur

http://www.heise.de/tp/foren/S-Anders-erfahren-wir-nichts/forum-229056/msg-21854188/read/

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Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht. Kurt Tucholsky in einem Brief an Herbert Ihering vom 10. August 1922. | http://de.wikipedia.org/wiki/Nestbeschmutzer | http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Tucholsky

2012
05.10

Man trägt immer diese Reste mit sich herum. Sie vervollständigen lückenhafte Bilder und manchmal sind sie sehr nahrhaft. Manchmal bleiben sie allerdings im Halse stecken, mal im eigenen und ein anderes Mal in dem von einem anderen.

Aus: “Reste” (muetzenfalterin, März 28, 2012)
https://muetzenfalterin.wordpress.com/2012/03/28/reste/

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Als ich tot war, konnte ich in der Luft tanzen. Oh mein nicht existierender Gott im Himmel – ich denke Burnt Weeny Sandwich wird mit jedem Jahr besser. Die letzten 4 Jahre hatte ich vergessen Burnt Weeny Sandwich zu hören. Es gibt Unkraut auf dem Balkon. Die Blumen auf diesem blauen Planeten sind ein Wunder. Aber ich bin nicht auf dem Balkon. Ich muss ja arbeiten. Ich hatte vergessen, das es Burnt Weeny Sandwich überhaupt gibt. Da hilft kein Schmetterling-Sammeln und aufspießen. Das würde ich nie tun. Jede lebendige gelbe Löwenzahnblume hebt mich aus der Umlaufbahn der Gefühle. Julietta verschlag und rettete mich. Es ist Frühling.
Der Sonderbare Kerl biegt in die Seitenstraße ein. Er murmelt “Ja, ja, die nicht lösbaren Verwirrungen.” – Er hält einen blauen Wagen an: “Bitte kurbeln Sie mal die Scheibe herunter – keine Angst. Ich werde ihre Probleme nicht lösen.”
Er beugt sich zum Fahrer: “Wenn ein Gedankenmodul ungefragt anspringt und eine Situation, mag sie in der Kindheit liegen, mag sie Teil einer Liebe gewesen sein, oder mag sie ein wie immer gearteter Ausdruck eines Konfliktes gewesen sein – und die Verwirrungen, die Verletzungen, das Verlangen, die Freuden, das Verbotene kennt viele Abstufungen. Schauen Sie mir in die Augen. Nur Mut! Wie sieht er aus? – Ich meine ihr ganz persönlicher seelischer Müllhaufen. Warum fahren sie weg?! – Wenn Sie die Welt zur Seite schieben verbrauchen Sie nur viel zu viel Energie!”
Der Wagen fährt weiter. Die letzten Worte verhallen in der Elisabethstraße. Der Fahrer schüttelt den Kopf und verdreht die Augen. Immer diese armen Irren. Ein anderer sonderbarer Kerl ruft von der anderen Seite des Bürgersteigs: “Aber der Gedankenapparat wird wieder und wieder alles Unverdaute durchspielen, es bekommt dann den Charakter einer automatisierten Gedankenarbeit. Es ist fast wie beim automatischen Schreiben. Dem einen nutzt es, den anderen quält es.”
Der andere sonderbare Kerl hebt seine Arme zum Himmel und ruft: “Wäre die Unlösbarkeit eines Konfliktes die Voraussetzung für die Gedankliche Wiederholung der Erinnerung – so ist jedoch der Charakter unser Erinnerungen durchaus verschieden. Nur unsere Köpfe lassen uns keine Ruhe – sieh dir Trinker an – wenn sie schon ganz betäubt sind – meistens müssen sie immer noch reden – aber die routinemäßigen Aufräumarbeiten des Geistes stoßen durchaus an ihre Grenzen!”
Ein Passant bringt sich in die Unterhaltung ein: “Der blaue Wagen ist weg. Aber ich bin mir manchmal selbst begegnet – als Kind. Ich hatte plötzlich dieses ungeheure Gefühl. Ich wusste intuitiv wie schwer es ist in einem solchen Alter. Ich konnte kaum an mich halten. Als mir die Tränen kamen, war es so ein befreiendes Gefühl.” – “Warten Sie mal.” sagte eine Frau mit Einkauftüten. “Meistens überfährt uns das Leben, wir kommen nicht mehr hinter her, die Dinge überholen uns, manchmal denken wir daran, aber es gibt diese Augenblicke, da kann ich ganz losgelöst sein, dann ist es als würde ich in der Luft tanzen. Alle Last fällt von den Schultern. Und wer will schon in einer Familie groß werden? Das muss man allein tun – Familien sind getränkt mit Wahnsinn – und jede große Liebe wird im Himmel beschlossen.”

Es ist Mai. Die Luft ist feucht. Und auf dem gegenüberliegenden Balkon, singt jemand mit einem weißen T-Shirt leise während er sich eine Zigarette dreht (from: “Valarie”; Burnt Weeny Sandwich, 1970):
Although you don’t want me no more
Oh, but it’s alright, alright with me
‘Cause you know, you’re gonna want me some day
Yes, you will want me, and I’ll run away