[Gemäßigte Entrissenheit… ]

1 # [ ” … Die Verkoppelung von Selbstgewissheit [des Ichbewusstseins (“Cogito ergo sum” = „Ich denke, also bin ich.“)] und Verschiedenheit vom Körper hat einen Riss zur Folge, der [ ] Innen und Außen trennt. … Indem [sich] das Denken auf sich selbst bezieht, wird die Trennung von res cogitans [›die denkende Sache, die denkende Substanz‹] und res extensa [›die ausgedehnte Sache, die ausgedehnte Substanz‹. Descartes bezeichnet die Gesamtheit des Seienden, die außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein existiert, als “res extensa”] für das Denken wirklich. Darin spiegelt sich der Schritt von der Selbsthabe zum Selbstsein. … So ist es eine Selbstunterscheidung des Selbst, das Selbsthabe und Selbstsein in sich selbst unterscheidet. … Die Schwäche Descartes – und das ist ihm stets vorgehalten worden – bestehe in der vollständigen Disjunktion von Geist und Körper. Tatsächlich zeigt sich daran ein Rest noch mittelalterlichen Denkens, fasst er doch beide als Substanzen (res) auf. In einer historischen Perspektive muss man Descartes in Schutz nehmen: Der Briefwechsel mit Elisabeth von Böhmen/von der Pfalz zeigt, dass Descartes in seinen späten Lebensjahren die Auffassung vertrat, dass es sich bei der Dichotomie [„Zweiteilung“] von Geist und Körper um eine gedankliche Unterscheidungen handelt und nicht um real distinkte Entitäten [verschiedene Dinge an sich]. …” // Aus: Christoph Asmuth “Selbsthabe und Selbstsein: possessivität und Performanz des Körperlichen” (2010) >> https://digitalis.uc.pt/en/livro/selbsthabe_und_selbstsein_possessivit%C3%A4t_und_performanz_des_k%C3%B6rperlichen]

2 # [ “… René Descartes (1596–1650) beschreibt in seinem Werk „Traité des passions de l’âme“ [“Die Leidenschaften der Seele”], (Paris 1649) sechs Grundformen von Affekten, die zu zahlreichen Zwischenformen miteinander kombiniert werden können: Freude (joie), Hass (haine), Liebe (amour), Trauer (tristesse), Verlangen (désir), Bewunderung (admiration). …” (https://de.wikipedia.org/wiki/Affekt, 08/2015)]

Es kommt mir der Gedanke (oder ist es ein Verdacht?), dass es weitere “Grundformen von Affekten” geben könnte. Wie wäre es zum Beispiel mit “gemäßigter Entrissenheit“. Eine Art Denken, welches Gefühlsanteile in sich trägt – und sich einstellen kann, wenn Gedanken sich (fast erstaunt) bei ihrer eigenen halbwegs automatischen Entstehung selbst zuschauen (nachdenken über die im Selbst entstehenden Gedanken).

Dabei geht es zeitlich mit dem Rad den Kantstein hinunter. Es ist ein altes Rad auf dem ich sitze. Das Hinterrad hat bereits angerostete Speichen – und wieder zu viel Spiel in der Hinterachse. Dabei war die alte Sachs-Dreigangnarbe erst vor ein paar Monaten neu eingestellt worden. Sie hat sich wohl selbst beim Fahren wieder losgeruckelt.

Vorbei driften mir zur Linken die Häuser in denen die Käuflichkeit Freudenfeste feiert. Ein Fester ist geöffnet. Zwei junge Frauen sitzen im vierten Stockwerk auf dem Fensterbrett, rauchen und lachen etwas überschwänglich, leicht nervös aber auch durchaus selbstbewusst. Alle anderen roten Fenster sind verschlossen. Vielleicht machen sie sich über die Seinsweise und die tatsächlichen Gegebenheit der Klienten Lustig. Warum sollten sie da auch nicht lachen – mitten in dem verworrenen Verhältnis von Geld, Akt und Wahrheit.

Das Gleiten über die Straßen ist angenehm bei lauem Wind. Plötzlich beginnt die Affektillusion – Menschen auf Parkplätzen und Gehwegen werden zu gemäldehaft strukturierten Nebensachen, die Stadt verwandelte sich in ein Museum von Bauwerken mit Anhäufungen von seltsamen Objekten, Hauskanten, aufgeplatzten Teerdecken, Säulen aus Gussbeton, überwucherten Gehwegplatten, verrosteten Brückengeländer und moosüberzogene Mülleimer.

Die betrachtende Ziellosigkeit frönt als ein Rausch in mir. Das Wogengeplätscher der Kieler Förde und die Werftgeräusche, Dieselmotoren, Ampeln und Verkehrsschilder fliegen rein unter der Maßgabe der Ästhetik vorüber.

Ist das temporäre Entgleiten von konkreten präzisen Zielvorstellungen an meinem Zustand schuld? Ist es ein inneres Loslassen von Folgerichtigkeit für wenige Momente? – Ist es das zufällige Fehlen von ein paar Peitschenhieben auf meinem üblicherweise halb betäubten seelischen Apparat? – Und müssten wir nicht einem Schüttelfrost der Überforderung anheim fallen, wenn wir wirklich klar sehen würden, was jeden Moment in uns – und um uns herum passiert? Bräuchte nicht jeder von uns die Kraft von vielleicht so etwa 800 Gehirnen, um auch nur oberflächlich geistig wohl sortiert zu sein?

Meist zwingt uns eine Konsequenz von Dingen und Vorgängen in ein Korsett. Die Konsequenz bemächtigt sich meines Gehirns fast unbemerkt. Das führt im schlimmsten Fall zu einer Art Verhetzheit. Es geht beispielsweise einfach nur darum die Miete zu zahlen, essen zu müssen, verlässlich zu sein, mit den anderen mitzudenken, zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo da zu sein, offensichtlich mitzufühlen, die Verantwortung für irgendetwas zu tragen, für das eine oder andere Problem Aufmerksamkeit zu haben, zu bemerken was hier und dort gespielt wird (und so weiter).

Und weil ich wegen der beschriebenen Dinge alles andere als diesen zwingenden Momenten enthoben sein kann, weil ich sonst auf lange Sicht gegen ein stehendes Auto oder eine Strassenlaterne knallen würde, weil ich mir sonst aus Selbstvergessenheit in die Hose pissen urinieren würde, weil ich sonst mit mir selbst in heftigste Konflikte käme, werde ich wohl meistens vernünftig sein und den vorgesehenen Strukturen gehorchen, also parieren.

So bleibe ich ein zersplitterter, zerbrochener und teilerblindeter Spiegel. Die meisten Dinge bleiben undeutlich. Manchmal blitzt ein klar umrissenes Bild auf, in dem bisschen Leben was uns je bleibt.

Also tun wir nicht so, als wären wir unseres Glückes Schmied. Wir sind nur ein kleiner Schweißtropfen unter der Achselhöhle von diesem. Und unseres Glückes Schmied lebt vielleicht genauso geistig prekär wie wir, er würde vielleicht lieber ein verworrener Fahrradfahrer an der Kieler Förde geworden sein – und flucht hin und wieder, so er denn mit voller Wucht auf seinen schweren alten Amboss schlägt.

lemonhorse / 19 August 2015 / Gedanken.Memo, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[Bericht aus dem Hinterhof (06.06.2015)… ]

Kiel. Im Niemannsweg rauschen die Bäume ehrwürdig ruhig im Wind, die Borderline-Patienten sind ja auf offener Straße nicht zu sehen. Jeder Stadtteil hat seine Selbstverständlichkeit. Düsternbrook hält sich daran. Das Fahrrad klappert. Die abschüssige Kurve noch, dann zieht es mich wieder auf das Ostufer.
Auch auf dieser Seite der Kieler Förde ergeht man sich im Erfüllen von vorhersehbarem: von der Eckkneipe gegenüber brüllt ein Mann (wie alt mag er sein?) um die fünfzig mit versoffenem Ton einer Frau hinterher. Er bewirft alsdann die Dame mit einer vollen Flasche Bier, die Dame (schlau genug) ist aber schon um die Häuserecke verschwunden und entwichen. Der Flaschenwurf war um zwei Sekunden alkoholverzögert und auch nich zielgenau. Die noch mit dem silbernen Kronkorken verzierte braune Flasche prallt in leicht gebogener Bahn auf die Kühlerhaube von einen VW-Polo. Akustisch ein kurzes Znack-(Pause)-Zrotz-Klock-Klock-Geräusch. Eine kleine Delle im Lack. Eigentlich ist gar nichts passiert. Schon ist wieder Ruhe in der Medusastraße.
Das alte Rad klappert nun gesteigert beim überfahren des Kantsteins – und trägt mich weiter zu einer kleinen Pizzeria. Runter vom Rad. Bin in der Gutenbergstraße – gar nicht weit weg vom Schrevenpark.
Direkt neben mir geht ein hölzernes Garagentor auf. Ich sitze bereits auf einem Gartenstuhl in einem Hinterhof. Vom Holz und der Machart her betrachtet, könnte das knarrende Tor vielleicht in den 30iger Jahren zusammengebaut worden sein. Ein kleiner aber beleibter Bestattungsunternehmer mit stark augenvergrößernder Brille und schwarzer Anzugshose betritt das hinterhöfische Als-ob-Theater. Ein paar tapsige Schritte von kleinen breiten Füßen. Der Gang hat etwas marionettenhaftes. Doch die Füße, in Kunstleder und Gummisohle gebettet, haben keine Fäden und Ösen. Mit einer etwas zu engen und zugeknöpften Weste schiebt der Herr Bestatter den schwarz-rot-gold verzierten Kaffeebecher vor sich langsam über die mit etwas Unkraut umzingelten Kopfsteinpflaster. Er nimmt einen kleinen Schluck aus seinem nur noch mäßig dampfenden Deutschland-Becher. Der Herr in Schwarz sagt recht laut “ja, ja, ja…”. Ich frage mich dabei, ob er seine Worte an sich selbst, an niemanden, oder an mich adressiert hat. Möglicherweise weiß er es selber nicht genau. Wir sehen uns an. Er wagt sich noch zwei weitere Schritte zum Als-ob-Bühnenzentrum vor. Hinter ihm das geöffnete Garagentor. Dahinter nur noch dunkler Schatten. Noch ein mal entkommt seinem Mund ein “Ja, ja, ja.”
Die Sonne brennt auf den weißen Campingtisch. Ich fühle die Hitze auf dem Gesicht. Der Sommer 2015 hat begonnen. Es ist so hell, dass ich die Augen ein wenig zukneifen muss. Selbstvergessen und etwas verlegen nicke ich dem Mann samt seinem patriotischen Becher zu, schweige und esse das nächste Stück Pizza mit der Hand. Ich schließe die Augen ganz. Noch vor ein paar Minuten fuhr ich an einem Kiosk vorbei. Ein in der Sonne glänzender BMW liegt auf der linken Seitentür vor einem Zebrastreifen. Ein Polizist spricht in sein Funkgerät: “…ja zwei junge Männer, sie sind weggelaufen, ich brauche noch einen Wagen hier…” – das Blaulicht des Notarztwagens geht fast unter, denn der Himmel ist ja schon so voller Blaulicht.
Schon will mir jemand freundlich auf dem Gehweg eine alte Kleinbildkamera verkaufen, die aussieht als wäre sie samt Schutzhülle und Bedienungsanleitung aus dem Nord-Ostseekanal gefischt worden. Die Kamera sieht mich halb erblindet an und ich höre das kurze Stöhnen einer verlotterten Weltseele.

lemonhorse / 15 June 2015 / Gedanken.Memo, Kiel.Gaarden, Kiel.Refugium, Realitaets.Tunnel, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[Wissensordnung und Sprachgebrauch #1… ]


Posted by nothing-cheesy // via

// … die Einsicht, dass die Sprache die Realität nicht bloß abbildet, sondern mittels ihrer Kategorien und Unterscheidungen auch herstellt. Typischerweise ist mit dieser Perspektive auch eine Abkehr von einer objektivistischen Sicht auf die Gesellschaft verbunden… | http://de.wikipedia.org/wiki/Poststrukturalismus

Nachtrag (04.06.2015): // Mister Micawber, Language Coach (knowledge or knowledges? Tue May 06, 2008 1:58 am knowledge or knowledges?): “Knowledge is uncountable.” // John V (Sun Apr 07, 2013 12:17 pm knowledge or knowledges?): ” … “Knowledges” comes essentially from bad translation of French: specifically Foucault. … Foucault, however, uses it to define a relative position of knowledge, i.e., knowledge is never absolute – there are different perspectives, ways of seeing which may all contain elements of truth. The idea is clearer if we think of Foucault’s idea that statements about reality are discourses, which means that even statesments which should be patently obvious such as “little Jimmy has a temperature” become questionable because they come from specific social/historical circumstances.
In English “knowledges” is pretentious. It implies that the user of such terms has more knowledge than we mortals who thought the word did not exist but were wrong. … I think maybe people are intimidated by the rubbish Foucault wrote, but it is not all his fault. Bad translation does not help …” | http://www.english-test.net/forum/ftopic24559.html

lemonhorse / 1 June 2015 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Subjekt & Objekt #2… ]

” … Given the nature of emotional contagion, film is especially well suited to produce it. … Such scenes, which are typically shot in close-up and focus on a characters face, contain several eliciting conditions of emotional contagion. … The most serious challenge to identification accounts of character engagement, including those that emphasize the roles of empathy and simulation, has come from Noël Carroll, who has repeatedly charged that such accounts fail to explain the majority of our reactions to fictional film characters (Carroll 2007, 2008: 177–84). Carroll doesn’t deny that something akin to simulation, empathy, or identification can sometimes occur during the film viewing experiences, but he argues that when spectators’ emotions match those of the characters, it is typically due to criterial prefocusing (which I’ll explain below), not a process of identification or simulation (2008: 149–91). Carroll offers several arguments to support his position. First, he says that spectators’ emotions have different objects from those of the characters, and thus the emotions cannot be the same. This, he claims, is because we observe characters’ situations from outside the narrative. Second, spectators often have different information or more information than the characters, and so they have a different experience of the narrative events. Finally, spectators often have different desires or preferences from those of the characters and ones that can be in conflict with those of the characters. If empathy, simulation, or some other form of identification were a major part of our interaction with characters, there would be greater symmetry than occurs between the characters’ mental states and those of the spectators. …”

From: “”EMPATHY AND CHARACTER ENGAGEMENT” (Amy Coplan) – THE ROUTLEDGE COMPANION – TO PHILOSOPHY AND FILM”, Edited by Paisley Livingston and Carl Plantinga (First published 2009) | http://e-edu.nbu.bg/pluginfile.php/303072/mod_resource/content/0/9780415771665_-_Paisley_Livings_-_The_Routledge_Companion_to_Philosophy_and_Film_-_Routledge.pdf

lemonhorse / 5 May 2015 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Journalismus (Wording, Sprachgebrauch)#12… ]

Martin Gehlen “König Salman räumt am saudischen Hof auf” (30. Januar 2015):” … Eine Woche nach dem Tod seines Vorgängers Abdullah hat der neue saudische König Salman die Machtspitze seines Landes neu sortiert und in einer Serie von 30 Dekreten klargestellt, dass er am harten innenpolitischen Kurs festhalten wird. …” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-01/saudi-arabien-koenig-salman-thronwechsel

Florian Rötzer (02.02.2015): “ … Während die westlichen Regierungen die Praxis des IS brandmarken, herrscht großes Schweigen gegenüber den reichen saudischen Monarchen, mit denen man es sich nicht verderben will. Zum Begräbnis von König Abdullah schickte man denn auch hohe staatliche Gesandte und würdigte ihn in Beileidsbotschaften. US-Präsident Barack Obama war sich nicht zu schade, mit einer großen Delegation beim Nachfolger König Salman anzutreten. Als gelungen wurde die Geste von Michelle Obama gefeiert, kein Kopftuch zu tragen. …” | http://www.heise.de/tp/news/In-Saudi-Arabien-wird-munter-weiter-gekoepft-2534610.html

Sherpa0 (02.02.2015):” … Re: Warum eigentlich “König”? – Das war schon immer so. Diktatoren heißen je nachdem, ob “wir” sie mögen oder nicht entweder “Machthaber”, “Chef der Junta”, “Diktator”, oder aber “Präsident”, “König”, “Fürst”, “Vorsitzender des Staatsrates” … ” | http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/In-Saudi-Arabien-wird-munter-weiter-gekoepft/Re-Warum-eigentlich-Koenig/posting-2217197/show/

hubid (02.02.2015): ” … Ist ein “Justizsystem”, das in eklatanter Weise international anerkannte Rechtsprinzipien verletzt, überhaupt ein valides Justizsystem? … zu verschiedenen Gelegenheiten haben westliche “Rechts- und Demokratiewächter” diese Frage sehr unterschiedliche beantwortet, je nachdem, was man gerade mit dem Objekt dieser Fragestellung anfangen wollte. … ” | http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/In-Saudi-Arabien-wird-munter-weiter-gekoepft/Re-Naja-einen-KLEINEN-Unterschied-gibt-es-dann-wohl-doch/posting-2217243/show/

David Hugendick (10. Februar 2011): ” … Im politischen Sprachgebrauch trennen Gut und Böse sich ganz leicht: Dort die Despoten, hier der Westen mitsamt seinen Verbündeten. Zu diesen wurde Hosni Mubarak lange Zeit gezählt. Mehr als 30 Jahre erfreute man sich nicht nur hierzulande an seinem Staat Ägypten, den Stränden und Nilrundfahrten. Man war glücklich über die Stabilität, die er Nordafrika gab gegen eine befürchtete Radikalisierung des Islams. Nun, im Zuge der ägyptischen Revolte, hat dieses Bild ausgedient. Die Welt schreit auf: Mubarak ist ein Diktator. Sprache befindet sich ja stets im Wandel. Man könnte aber fragen: Warum erst jetzt? – Nicht, dass die Bezeichnungen falsch wären. Irritierend sind vielmehr das tabularasende Tempo und die Lautstärke, mit denen die westliche Öffentlichkeit ihren jahrzehntelangen Gleichmut nun entsorgt. … Dass späte Einsicht besser ist als keine, sollte hier fairerweise erwähnt werden. Betrüblich stimmt jedoch, dass es dazu erst den Aufstand braucht. …” | Aus: “Huch, ein Unrechtsstaat!” (10. Februar 2011) >> http://www.zeit.de/kultur/2011-02/aegypten-sprache

Asiram, 10. Februar 2011 18:19 Uhr: ” … Same procedure – Seit jeher werden Diktaturen unterstützt: Süd- und Mittelamerika, Persien, etc. etc.. Immer dieselbe Geschichte. Ehrlicher und respektabler wäre für Politiker zu gestehen “wie alle Länder betreiben wir Realpolitik. Profitieren solange möglich und wandeln uns dann vom Saulus zum Paulus, wenn uns die politische Grosswetterlage dazu zwingt. …” http://www.zeit.de/kultur/2011-02/aegypten-sprache?commentstart=17#cid-859692

mcpommer, 10. Februar 2011 18:55 Uhr: “Purer Opportunismus … “Späte Einsicht” wäre gewesen, vielleicht vor ein paar Jahren von sich aus zu sagen, “So nicht, unter diesen Bedingungen, können wir weder politische noch wirtschaftliche Beziehungen aufrecht erhalten”. Alles andere ist schlimme Schönrederei. …” http://www.zeit.de/kultur/2011-02/aegypten-sprache?commentstart=17#cid-859756

hnosteve (31. Januar 2015): ” … Die Rechtsprechung ist in anderen Ländern anders als unsere, aber eine Köpfung oder eine Auspeitschung ist überall ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Natürlich müssen Menschenrechte überall angemahnt werden, egal ob die Menschenrechts-verletzende Regierung ein Wirtschaftspartner von uns ist oder nicht. …” | http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-01/saudi-arabien-koenig-salman-thronwechsel?commentstart=9#cid-4402758

FitzOblong, 10. Februar 2011 19:13 Uhr: ” … zur Erinnerung: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. (Artikel 1 der Menschenrechte [10. Dezember 1948, Resolution der Generalversammlung – Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ])” http://www.zeit.de/kultur/2011-02/aegypten-sprache?commentstart=17#cid-859777 | ->> http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf

Nachtrag / Hintergrundrauschen (04.02.2015):

“Schluss mit lustig” Andrea Böhm, Michael Thumann und Bernd Ulrich (22. Januar 2015)
” … Das zeitliche Zusammentreffen der islamistischen Terrorakte von Paris und des staatsterroristischen Akts gegen den Blogger Badawi in Dschidda legt den Blick frei auf die wirklichen Interessen Europas in Saudi-Arabien. Jahrzehnte einer verdrehten und überholten Politik liegen nun offen zutage. … Saudi-Arabien ist ein Thema, über das die Bundesregierung nicht so gern spricht. Man steckt in Erklärungsnot. Einerseits ist das Land für Deutschland – so wird es von manchen Außenpolitikern in Berlin noch runtergeleiert – wichtig: Großmacht im Mittleren Osten, Energielieferant, Exportmarkt, Teil der Koalition gegen den IS. Andererseits ist Saudi-Arabien ein Land mit systematischer Frauendiskriminierung und Folterjustiz. Das liefe auf die übliche Abwägung zwischen Realpolitik und Menschenrechten mit dem bekannten Ausgang hinaus. …” | –>> http://www.zeit.de/2015/04/saudi-arabien-menschenrechte-oel-islamismus

lemonhorse / 3 February 2015 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[The Passages of Walter Benjamin… ]


The Passages of Walter Benjamin…


Alexander Kluge interviews Michael Jennings about Walter Benjamin


Walter Benjamin hinterließ bei seinem Tod ein unvollendetes, gewaltiges Manuskript – das Passagen-Werk. Auf über 1.000 Seiten versammelte Benjamin Materialien und Beobachtungen, die das 19. Jahrhundert charakterisieren. Könnte man heute eine solche Inventarliste für das 21. Jahrhundert wiederholen? Was wäre eine Hauptstadt des 21. Jahrhunderts? Stünde an der Stelle, wo einst das Eisen dominierte, heute das Silizium? Was ist im 20. und 21. Jahrhundert so anders?
Prof. Dr. Burkhardt Lindner im Gespräch mit Alexander Kluge.

http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Benjamin

lemonhorse / 5 January 2015 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Video essay: What is neorealism?… ]

… what rival visions would emerge if you pitted the director of The Bicycle Thieves against the producer of Gone with the Wind on the same movie material?… | http://www.bfi.org.uk/news-opinion/sight-sound-magazine/comment/video-essay-what-neorealism

Faisal Azam (2013):” … [It] illustrates the impact that even seemingly subtle edits make on the overall narrative of a film. …”

bradbell.tv (2013): ” … “Time and place seem more critical than plot or story.” … I feel this essay explains what is different about European cinema, why some people dislike it, and why I like it better. …”

lemonhorse / 18 December 2014 / Cinema.Exposure, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Es ist immer 17:09…]

Der orange-rote Klappziffernwecker steht seit Monaten auf 17:09 – ich sehe mir die Ziffern immer wieder wie zufällig an. Ich brauchte die Steckdose des Klappziffernweckers für den Drucker, der jetzt auf dem Holzstuhl steh. Dadurch habe ich eine symbolische Zeitstillstandszone in dem Zimmer hergestellt. Es ist immer 17:09. Es klappert nachts nicht mehr. Der Drucker ist für die Flugtickets in das Zimmer eingedrungen. Diese kleine schwarze Maschine druckt etwas aus und andere Maschinen lesen mit einem Piepp-geräusch am Flugplatz, was der kleine schwarze Drucker geschrieben hat. Ich als Mensch war nur der Übermittler auf 2 Beinen, der benötigt wurde, damit die zwei Maschinen miteinander reden können. Sie haben sich über das Stück Papier verabredet, dass eine Flugmaschine mich mitnehmen soll – bis in die Höhe von 11km. Immerhin sitze ich am Fenster. Nachts sehen die Großstädte von hier oben aus wie glühende Lava.
Lieber würde ich jetzt mit G. eine Zigarette rauchen in seiner kleinen Kellerküche. Wir könnten über Elektronenröhren reden. Zum Beispiel über die EL156. Seinen alten zerfledderten Arbeitssessel hat G. kürzlich aus der Kellerwohnung verbannt – der stand dort über Jahrzehnte. Wir haben so manche Nacht auf ihm gesessen und G. hat dann gekonnt den Lötkolben geschwungen. Er wollte schon seit Jahren mal alles umbauen und wieder Platz schaffen. Jetzt hat er mit dem Sessel augenscheinlich begonnen den Gedanken in die Tat umzusetzen.
Oder ich könnte bei S. einen Becher Kaffee trinken in der Wik. Dort wo die alten Klinikgebäude im Anscharpark zerfallen. S. sagt, sie könne nichts für Später zurücklegen, obwohl sie die ganze Zeit wie wild arbeitet. Manchen Gästen würde sie gern andere Preise für das Essen abverlangen. Höhere Preise für die Kieler-Nachrichten-Leser, gleichbleibende Preise für die Leute, die sie immer schon unterstützt hätten.
Oder ich würde mit V. über Musikequipment reden. Vielleicht würden wir dann etwas später loslegen, V. würde in die Tasten hauen – und ich die Gitarrenseiten hin und her schwingen lassen. Aber V. arbeitet jetzt in Hamburg, kommt darum seit den letzten Wochen etwas später zur Probe.
Oder ich begegne T. im Treppenhaus. Wie das wohl wird. Gerade wurden “wir” verkauft. Das alte Haus aus der Jahrhundertwende hat die Kontonummern und den Besitzer gewechselt. Unten aus dem Keller kommt etwas vermoderte Luft, diese reicht aber nur bis in den ersten Stock. Wir lächeln uns kurz an – und fragen einander wie es uns denn so geht – und ich würde T. vielleicht fragen, ob die Stadtwerke den Strom in seiner Wohnung wieder eingeschaltet hätten.
Es ist 17:09. Ich liege im Bett, habe die Augen zu. Ich schlafe. Ich träume. Es ist nicht leicht Dich (meine erste große Liebe) so zu sehen. Warum liegst du im Bett? Warum hat du dich die letzten 25 Jahre nicht verändert? – Warum sagst du denn nichts? – Ach, es war nur ein Traum. Es ist wieder morgens. Es ist 17:09. Ich trinke einen Becher Kaffee mit J. – ein Blick in die Augen, ein schneller Kuss, schon halb im Flur. Mal schnell quer über die Straße. Ein Stück weiter überblickt der Funkturm die Stadt. Als würde er uns alle ungerührt beobachten, wie ein alter bentongrauer ungelenker Mann auf einem Bein, der seit Jahren inne hält. Die Linie 41 war gerade noch zu bekommen, denn das Rasieren hat zu lange gedauert. Die zwei Halogenlampenreihen an der Linienbusdecke fluchten als Parallelen über unseren Köpfen. Diese seltsame Mischung von Anonymität und Privatheit ist ein ungeheure Quelle für den Psychogeographen. Hier tritt alles zu Tage, die eher leeren Blicke der Müdigkeit, oder wer mit wem den Augenkontakt wagt, wer sich mit Kopfhörer und Touchscreen in die cybernetische Welt der Taschentelefone zurückzieht. Wer traurig ist, wer noch fast wie betäubt sich fühlt, wer in der morgendlichen Ich-Verdünntheit mit wackeligen Gedanken auf die Reise gegangen ist.

lemonhorse / 26 November 2014 / Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel, Traum.Log, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #31… ]



” … Bei der Suche nach NS-Raubkunst fordern viele mehr Transparenz. Das Victoria and Albert Museum in London will nun die “Harry-Fischer-Liste” [https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Fischer] veröffentlichen – eine Inventarliste der von den Nazis beschlagnahmten Werke. … Bisher war die Inventarliste nur Wissenschaftlern für ihre Forschung zugänglich. … Auch der Provenienzforscher Willi Korte empfiehlt, auf die Liste zu schauen: “Ich hoffe, dass so mancher darauf ein Bild findet, das ihm als Privatsammlungsverlust bekannt ist, und dann durch die Liste erfährt, in welches Museum es gegangen ist”. Ob es dann noch in dem angegebenen Museum hängt, ist die nächste Frage. Die Liste scheint jedoch ein wichtiges Puzzlestück für die Provenienzforschung zu sein … ” [“Liste “Entarteter Kunst” soll online erscheinen” Annika Zeitler (17.01.2014)] >> http://www.dw.de/liste-entarteter-kunst-soll-online-erscheinen/a-17367340 | >> https://de.wikipedia.org/wiki/Provenienzforschung

” … Erst 1997 tauchte in London eine Liste [(die Harry-Fischer-Liste)] auf, in der das Goebbels-Ministerium etwa 16.000 Werke benannt hatte und was mit ihnen geschehen war: Diese Liste ist erst seit 2014 öffentlich und war bisher nicht zu durchsuchen. … | Aus: “taz-Suche nach „entarteter Kunst” – Zurück ins Bewusstsein” Thomas Gerlach (11/2014) >> http://www.taz.de/taz-Suche-nach-entarteter-Kunst/!149468/

»Entartete Kunst« – Gesamtverzeichnis (pdf, 53mb) >> https://apps.opendatacity.de/entartete-kunst/pdf/gesamtverzeichnis.pdf | http://kunstraub.taz.de/

” … „Entartete Kunst“ war während der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland der offiziell propagierte Begriff für mit rassentheoretischen Begründungen diffamierte Moderne Kunst. Der Begriff Entartung wurde Ende des 19. Jahrhunderts von der Medizin auf die Kunst übertragen. …” | https://de.wikipedia.org/wiki/Entartete_Kunst

” … Die Ausstellung „Entartete Kunst“ war eine von den Nationalsozialisten organisierte Propagandaausstellung in München. Sie wurde am 19. Juli 1937 in den Hofgartenarkaden eröffnet und endete im November desselben Jahres. Parallel fand die einen Tag zuvor eröffnete „Erste Große Deutsche Kunstausstellung“ statt, so dass „Entartete Kunst“ und die vom Regime geförderte Kunst, die sogenannte „Deutsche Kunst”, gegenübergestellt wurden. …” | https://de.wikipedia.org/wiki/Entartete_Kunst_%28Ausstellung%29 “Kunsthandel im Nationalsozialismus: Als Hitler “entartete Kunst” verscherbeln ließ” | Christopher Pramstaller (11. November 2013) | >> http://www.zeit.de/kultur/kunst/2013-11/Raubkunst-Handel-Nazi-Deutschland

“Datenbank „Entartete Kunst“ Dem Bildersturm auf der Spur” – ” … Die Berliner Forschungsstelle „Entartete Kunst“ hat heute eine Datenbank zur „Verfallskunst“ freigeschaltet. Eine undankbare Aufgabe, da siebzehntausend der von den Nazis beschlagnahmten Werke bisher nicht gelistet sind. …” Regina Mönch (21.04.2010 !) | >> http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/datenbank-entartete-kunst-dem-bildersturm-auf-der-spur-1966194.html

Datenbank Entartete Kunst >> ” … Das Gesamtverzeichnis der 1937/38 in deutschen Museen beschlagnahmten Werke “entarteter Kunst” wird seit April 2010 kontinuierlich komplexweise nach nochmaliger Überprüfung der Einträge ins Netz gestellt. Es kann nur nach Künstlern und Werken befragt werden, soweit sie bereits für das Netz freigegeben wurden. Das Gesamtverzeichnis fußt auf dem von den Nationalsozialisten angelegten Beschlagnahmeinventar. …”
Forschungsstelle “Entartete Kunst”, Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin
http://emuseum.campus.fu-berlin.de/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&moduleFunction=search

lemonhorse / 25 November 2014 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Neil Postman on Cyberspace (1995)… ]

Neil Postman on Cyberspace (1995)

Postman war seit 1959 Professor für Kommunikationswissenschaft und „Medien-Ökologie“, in der Massenmedien als Umwelt betrachtet werden, an der New York University. … 1985 eröffnete Postman die Frankfurter Buchmesse mit einer Rede des Titels „Wir amüsieren uns zu Tode“….
http://de.wikipedia.org/wiki/Neil_Postman

lemonhorse / 24 September 2014 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

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