[Seelische Vorgänge #1… ]

“ … Psyche ist die jüngste und schönste der drei schönen Töchter eines Königs. Sie ist so schön, dass alle aufhören, Venus, die Göttin der Schönheit und der Liebe, zu verehren. Verärgert ruft Venus ihren treuen Sohn Amor und befiehlt ihm, Psyche dazu zu bringen, sich in einen schlechten Mann zu verlieben. Der Vater schickt seine Tochter – wie das Orakel des Gottes Apollon ihm befohlen hat – in einem Brautkleid an eine einsame Bergspitze, auf der sie einen furchtbaren Dämon heiraten soll. Doch anstatt des Dämons wird sie von Zephyr, dem Herrn der Winde, auf Anweisung Amors, der selbst der überirdischen Schönheit Psyches erliegt, in ein märchenhaftes Schloss gebracht. In diesem Schloss sucht ihr Gatte sie Nacht für Nacht auf, doch tagsüber verschwindet er, ohne dass sie ihn je zu Gesicht bekommt. Da sich Psyche einsam fühlt, gewährt er ihr einen Besuch von ihren Schwestern. Amor warnt sie aber, sie dürfe sich nicht von ihnen verleiten lassen, herauszufinden, wer er sei. Die Schwestern, zuerst froh, Psyche wohlbehalten vorzufinden, sind schnell vom Neid verzehrt. Bei einem weiteren Besuch gelingt es ihnen, das naive Mädchen davon zu überzeugen, dass sie eine Schlange geheiratet habe, die ihr wegen ihrer furchtbaren Gestalt nie bei Tageslicht gegenübertrete und die Schwangere verschlingen werde. Aus Angst um ihr ungeborenes Kind und um sich selber befolgt sie den Rat ihrer Schwestern und wartet in dieser Nacht mit einer Öllampe und einem Messer auf ihren Mann. Als sie ihren Geliebten beleuchtet, erblickt sie kein Ungeheuer, sondern den schönen Körper des geflügelten Amor. Psyche – von Liebe zu ihrem göttlichen Gatten überwältigt – merkt nicht, wie ein Tropfen des heißen Öls auf Amors Schultern fällt. Der Gott, der seiner Mutter ungehorsam gewesen ist, fühlt sich betrogen, fliegt davon und lässt Psyche untröstlich zurück. Venus, voller Wut darüber, dass ihr Sohn ihre Befehle missachtet hat und stattdessen mit Psyche ein Kind gezeugt hat, macht sich auf die Suche nach dem Mädchen. …“ Text & Bild via (2018)

Sabine Rückert (19. Dezember 2017): “ … Das altgriechische Substantiv psyche bedeutet „Hauch“, „Atem“ und „Leben“. Bei Homer findet man die Vorstellung, dass die Seele von außen in den Körper eindringt und ihm später, wenn der Mensch stirbt, wieder entweicht. … Wollte man [ ] eine Maschine mit Seele bauen, müsste man sie sehr anders konzipieren als die Computer heute. Es müsste eine Maschine sein, die Angst haben kann. Die nicht allein sein will. …“ via

Beate Tröger (16.05.2018): “ … Das Bekenntnis des Schriftstellers Christian Kracht, als Zwölfjähriger von einem Lehrer sexuell missbraucht worden zu sein, vorgetragen während seiner Frankfurter Poetikvorlesung, steht ja weiß Gott nicht allein da. Man muss sich das einmal vergegenwärtigen. Der Literaturnobelpreis wird dieses Jahr nicht vergeben und womöglich auf lange Zeit noch beschädigt sein, weil die Jury Missbrauchsfälle bis, so ist zu vermuten, hin zur Vergewaltigung systematisch verschleierte. Dass der angeblich so hehre Kreis um den Dichter Stefan George sich in seinem Kern um Missbrauch drehte, legt eine Recherche der FAS nahe. Der amerikanische Schriftsteller Junot Díaz hat sich erst selbst in einem erschütternden Text als Missbrauchsopfer geoutet – bevor er seinerseits von gleich drei Frauen auch als Täter benannt wurde. … “ | Quelle: https://www.freitag.de/autoren/beate-troeger/dreh-dich-nicht-um

Matthias Heine (12.11.2017): “ … „Männerphantasien“ war als literaturwissenschaftliche Dissertation verfasst und an der Universität Freiburg mit „summa cum laude“ bewertet worden. Literaturwissenschaftlich daran war, dass sein Autor Klaus Theweleit tatsächlich etwa 250 Romane der Zwanzigerjahre analysierte, die vor dem Hintergrund des 1. Weltkriegs und des „weißen“ gegenrevolutionären Terrors spielten. Was Theweleit dabei fand, waren – kurz gesagt – Männer, die eine abgrundtiefe Angst vor Frauen hatten, und die sich gegen diese Furcht körperlich und seelisch panzerten. Der Faschismus bot ihnen passende geistige und organisatorische Lösungen. Und er schuf die Möglichkeit, Ängste mit Gewalt abzureagieren. …“ | https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article170548442/Deutsche-Soldaten-und-ihr-Hass-auf-Frauen.html
—> Kommentar – Anna N. (2017): “ … Gemäß einer These des Philosophen Eberz gibt es drei männliche Abwehrstrategien gegen „die Frau“: Reduzierung auf die Mutterrolle, Sexualisierung und Vermännlichung, dh Einbeziehung der Frau in einer männliche Arbeits- und Lebenswelt. Die Ausprägung der Abwehrstrategien variieren je nach Gesellschaftsform. Immer geht es darum, die Frau nicht als Ganzes wahrnehmen zu müssen (dh sie in einem biblischen Sinn zu erkennen, zu lieben), sondern das eigene (narzisstische?) [ ] Weltbild aufrecht erhalten zu können. … “
—> Kommentar – rogruebra (2017): „Ist es nicht so, daß die meisten Männer(nicht nur Deutsche) ihre Angst mit Aggression überspielen oder bekämpfen?“
—> Kommentar – Ignaz B. (2017): „Tun das aggressive Frauen nicht auch?“

// Einschub & Nachtrag (I): — Mira Sigel (21. Mai 2018): “ … Ein junger Mann hat eine Waffe genommen und in einer Schule in den USA zehn Menschen erschossen. Das erste seiner Opfer ist nach Angaben von “Bild” [https://www.bild.de/news/ausland/amoklauf/texas-amok-shana-55753786.bild.htm] ein Mädchen, dem er sich immer wieder versucht hatte zu nähern. “Tragische Liebesgeschichte” nennt die Bildzeitung das und bezieht sich auf Aussagen der Mutter. “Zurückgewiesene Liebe” wird immer wieder als Rachegrund genannt, wenn ein Mann gewalttätig wird. Statistisch gesehen stirbt in Deutschland jeden Tag eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners aufgrund von “enttäuschter Liebe”. Hinter dem Euphemismus “enttäuschte Liebe” verbirgt sich nichts anderes als die auch mit Gewalt durchsetzbare männliche Anspruchshaltung, Frauen hätten ihnen zur Verfügung zu stehen. … Das Narrativ vom “Zwingen der Frau zu ihrem Glück” findet sich – wen wundert das – millionenfach im Porno. … “ | https://diestoerenfriedas.de/das-patriarchale-trauma-warum-maenner-morden-und-frauen-vergewaltigungsfantasien-haben/

// Einschub & Nachtrag (II): — Deleja-Hotko (2017): „… In Deutschland wurden im Jahr 2016 laut der Statistik des Bundeskriminalamtes 357 Frauen von aktuellen oder ehemaligen Partnern getötet. Die Taten werden unter dem Begriff „Partnergewalt“ zusammengefasst. … 11.882 Frauen wurden in Deutschland 2016 gefährliche Körperverletzungen zugefügt. Und darunter fallen nur diejenigen, die die Tat zur Anzeige brachten. Wie viele dieser Frauen nur knapp dem Tode entkommen sind, zeigt die Statistik nicht. … Es sind ähnlich viele Vorfälle wie in Italien. Doch in Deutschland verharmlosen Medien, Politik und Gesellschaft das Phänomen, als ob Mackertum und toxische Männlichkeit nur bei Nicht-Deutschen existieren würden. … “ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/femizide-sind-auch-bei-uns-fakt

Michael Baas (Do, 12. Oktober 2017): “ … Kunstmuseum Basel: „Weibsbilder“ (2018), St. Alban-Graben … Frauen sind gefährlich. Diesen Subtext der lockenden, verführerischen und verderbenbringenden Femme fatale, der sich letztlich bis auf die biblische Eva-Gestalt als Initiatorin der Vertreibung aus dem Paradies zurückführen lässt, dekliniert die Ausstellung anhand von rund 100 Werken in thematischen Blöcken wie Eros, Macht und Moral durch. Darunter finden sich Arbeiten von Künstlern wie Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Urs Graf, Niklaus Manuel Deutsch und Lucas Cranach – meist Zeichnungen und Druckgrafiken, aber auch Gemälde und Kleinstatuen. In allen Werken aber erscheint Frau als Verkörperung gefährlicher Begierden oder sündiger Laster. Mal ist sie verführerische Venus, mal die antike Tugendheldin und mahnende Vanitas, mal listige Herrscherin über den Mann, dann die ausgebuffte Dirne und teuflische Hexe. Exemplarisch verdeutlicht das gleich das Eröffnungsbild – Nikolaus Manuels um 1512 entstandene Frau Venus. Der auch Deutsch genannte Künstler zeigt die Liebesgöttin als nackte, mit zwei riesigen Flügeln versehene Frauengestalt, die auf einer Kugel balanciert. Auf ihren Schultern steht ein kleiner Amor mit gespanntem Pfeil und Bogen, auf dessen Spitze eine Narrenkappe steckt. … Das Thema [wird] nicht nur in kunsthistorischer, sondern auch in kulturgeschichtlicher Sicht ergiebig und aufschlussreich aufgearbeitet und schafft einen geistesgeschichtlichen Kontext zu bis heute wirkenden Klischees eines männlich geprägten Frauenbildes. Dieses setzt das Weibliche gleich mit Lust und Laster, mit Gefahr und Risiko und ist ohne weiteres anschlussfähig an die Männerphantasien, die der Freiburger Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit Ende der 70er-Jahre in der Freicorpsliteratur der 1920er Jahre freigelegt hat. … “ | http://www.badische-zeitung.de/ausstellungen/fruehbuergerliche-maennerphantasien–143265618.html

Josef Rudin (1960) “ … Wenn Angst als ‚Grundbefindlichkeit‘ zum Wesen des Menschen gehört, dann ist es [eine] ethische Aufgabe des Menschen, den Pegel ihres Wasserstandes im Auge zu behalten, ihre unterirdischen Kanäle mit ihrem plötzlichen Anschwellen und mir den geheimen Abflussmöglichkeiten …
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[[ Einschub, Nachtrag & Beispiel (III) -> [2018: „… Bis zu 800.000 Suchanfragen monatlich: In Deutschland und anderswo steigt die Nachfrage nach Pornos mit Flüchtlingen. Es geht um Exotisierung und Unterwerfung. … Was ist „Refugeeporn“? – Dieses Genre konzentriert sich auf heterosexuelle Pornografie. Flüchtlingspornografie spielt dabei mit dem Motiv der mysteriösen, fremden Frau, die meist von weißen Männern verführt, erobert und dominiert wird. …“ (Mohamed Amjahid, Redakteur ZEITmagazin, DIE ZEIT, 15. Mai 2018) [uga-baba zu: „Wann Flüchtlingspornos boomen“ (15. Mai 2018) “ … Es gibt [ ] „Refugee-Pornos“ mit männlichen „Flüchtlingen“, die weiße Frauen vögeln. Und schon sehr lang gibt es massenweise Pornos, in denen afrikanisschtämmige („schwarze“) Gigolos weiße Ehefrauen vögeln, und der Ehemann filmt das Ganze, oder holt sich beim Zusehen einen herunter. Das sind Phantasien, die nicht auf den Umgang im Alltag übertragen werden können. Der Beweis dafür sind Sado-Maso-Spielchen, die auch gar nichts mit dem Alltag zu tun haben. Selbstbewusste Männer und Frauen lassen sich fesseln und missbrauchen. Es sind sexuelle Phantasien, die im Alltag kulturell gebannt sind, und im sehr Privaten ausgelebt werden.]] Ende des Einschubs]]
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[…] Wir möchten hier die Behauptung wagen, dass [die] [ ] Grundgestalt der Angst … gewichtig ist und bewußter erfasst … werden sollte. […] Die Großtaten des Geistes können nicht rasch genug auf den Markt der Kultur ausgebreitet und … angepriesen werden, und die Körperschulung andererseits wird nach überprüfbaren Methoden betrieben; nur die Seele mit ihren Kräften, mit ihren unermesslichen Räumen und Vorstellungen, Gefühlen, Stimmungen entzieht sich schließlich jedem Psychologischen Lochkastensystem und allen hochqualifizierten Elektronenmaschinen. Sie geht immer wieder fremd und unerkannt ihre eigenen vielverschlungenen Pfade. … ‚Was eine Wissenschaft von der Seele so schwierig macht, ist nicht die Seele, sondern es ist die Seelenmaskerade …‘ [Ludwig Klages] … Wir verstehen, warum die unruhige Angst vor der Psychologie eine Unsicherheit in Bezug auf die eigene seelische Verfassung ist, auch wenn sie diese dann mit Anekdoten und Bonmots über Psychologen trefflich zu tarnen versucht. … Wie lange hat es doch gedauert, bis man endlich bereit war, unumstößliche Tatsachen zuzugeben, die von der Tiefenpsychologie konstatiert worden waren? … Die Angst vor der eigenen Seele zeigt sich häufig [ ] direkt und überdeutlich. Im analytischen Prozess wurde das bekannte Phänomen des ‚Widerstands‘ schon in der Anfangszeit der Analyse entdeckt […]. Dieser Widerstand stellt sich regelmäßig ein, sobald ein neuer Schritt in der individuellen Entwicklung fällig ist. Jeder dieser Schritte bedeutet ein Risiko und ein aufgeben des bisherigen Standpunktes und erfordert ebensoviel Mut wie Ausdauer. Es ist ein Hinuntersteigen in jene unbewußte Tiefe, die zunächst nur als dunkles wallendes Chaos erfahren wird. Diese Tiefe wird gefürchtet und gemieden, da herrschen dumpfe Kräfte, Emotionen, vitale Regungen, alle jene nur geahnten Mächte, die man sich oft ein leben lang nicht zugibt, die darum lieber nach außen projiziert werden, in den politischen, religiösen, sozialen oder wissenschaftlichen Gegner, in die Juden, Freimaurer und Jesuiten.
[…] Es sollen ja Fixationen [(das Verharren oder Steckenbleiben in einer bestimmten Entwicklungsphase in der Psychoanalyse)] gelockert werden […]. Die Gestalt dieser Fixationen kann sehr mannigfaltig sein. Wie gefährlich das Stehenbleiben auf einer kindlichen … Entwicklungsstufe der Gefühle, Triebe, Vorstellungen und stimmungsmäßigen Verhaltensweisen ist, wird heute [1960] fast allgemein anerkannt. Ein guter Teil der Triebverirrungen und Perversionen, der Triebverlagerungen und der Ersatzsüchte wird ziemlich einleuchtend aus solchen Fixationen gedeutet. […] An Stelle eines echten inneren Mittelpunktes gähnt [] der bodenlose Abgrund eines seelischen Vakuums. Bei [manchen] Menschen ist schon das Wort von der Seele verdächtig, und sie verteidigen sich gegen ihr inneres Gewissen, wenn sie alles seelische Bemühen als Müßiggang, krankhafte Selbstbespiegelung oder Luxus abzutun versuchen. Angst vor der Seele? […] So wenig die aus Angst vor dem Tod unternommenen allzu kurzfristige Fluchtversuche je eine Erfolgschance haben können, ebensowenig vermögen die verschiedenen Fluchtbezirke, die aus Angst vor der eigenen seelischen Tiefe aufgesucht werden, den Menschen vor dieser Tiefe auf Dauer zu verbergen.
[…] Es mag anmaßend klingen und entspricht dennoch der heutigen Situation [1960]: Wir müssen die meisten Patienten zuerst wieder einmal ihre eigene Seele erleben lassen … Sie leben – so paradox es klingt – ohne Seele im Ödland des bloßen Daseins, der vegetativen Unterhaltsbedürfnisse oder in den kalten Regionen von ‚Interessen‘, von unpersönlichen Werterealisation. …“ | Bruchstücke aus: Rudin, Josef: „Angst vor der Seele – Eine uneingestandene Problematik“ – „Psychotherapie und Religion – Probleme der tiefenpsychologischen Wissenschaft und der analytischen Erfahrung“ (Zweite veränderte Ausgabe, Schweiz 1964)

lemonhorse / 20 Mai 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Irrationalismus und das Romantisches Erbe #1 … ]

Eckhard Fuhr (27.11.2007): “ … Was fangen wir mit diesem romantischen Erbe an, das den einen als harmloses Hausmittel gegen allfällige Modernisierungsschmerzen gilt, den anderen aber als ein gefährlicher Suchtstoff, dessen Gebrauch zur „Zerstörung der Vernunft“ führt … Ist es nicht so, dass im günstigsten Fall das Romantische und seine Trivialisierung im Schlager, im Massentourismus oder in der Werbung den Menschen hilft, die technischen und ökonomischen Zwänge der Moderne zu ertragen, im schlimmsten Falle aber zum mörderischen Aufstand gegen Aufklärung und Zivilität anstachelt? … Das romantische Wunderkind Novalis fand die Formel für eine Geisteshaltung, die dem, was angeblich ist, nicht auf den Leim geht: „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“ …“ | https://www.welt.de/debatte/kommentare/article6070695/Romantiker-sind-Realisten.html

“ … [Superti-Furga]: … Die Menschen schaffen sich im digitalen Zeitalter selbst ab, sagt Harari [Yuval Harari: Homo deus, 576 Seiten, C. H. Beck (2017)]. Ich stimme mit dieser deterministischen Weltsicht nicht überein. – [Karin Pollack]: Mit welchem Argument? – [Superti-Furga]: Menschen sind mehr als die Summe ihrer Gene. In diesem Punkt bin ich ein Romantiker. Es gibt eine Dimension des Menschseins, die wir rational nicht begreifen können. Schließlich lässt sich auch Bewusstsein wissenschaftlich nicht darstellen. Auch Intuition ist schwer erfassbar. Oder die Tatsache, dass große Fortschritte in der Geschichte der Naturwissenschaft oft aus unerwarteten Gedankensprüngen eines einzelnen Forschers entstanden sind. Computer können einstweilen immer nur Bekanntes imitieren, niemals etwas vollständig Neues, nie Dagewesenes selbst erschaffen. Sie sind Hilfsmittel. …“ | “ Aus: „Genomforscher Superti-Furga: „Wir sind mehr als die Summe der Gene““, Karin Pollack, CURE, 29.4.2018 | https://derstandard.at/2000077083308/Genomforscher-Superti-Furga-Wir-sind-mehr-als-die-Summe-der

lemonhorse / 2 Mai 2018 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

lemonhorse / 19 März 2018 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Gedanken.Memo, Visual.Notes / 0 Comments

[Zur Ontologie des nicht Seienden #19… ]

Marlen Hobrack (26.04.2017): “ … „Sie klingen in dem Text gar nicht wie sie selbst“, sagte mir der Redakteur, und ich verzweifelte ein bisschen über die Frage, wie ich denn klinge. … Ein Facebook-Freund teilt mir mit, ich sei nicht mehr die, die ich einmal war, womit er meint, dass ich Meinungen vertrete, die er mir nicht zugetraut hat, und über die er nun erzürnt ist. Dabei kennt er mich gar nicht. Ich selbst kenne mich jedenfalls gut genug, um zu wissen, dass das Ich, das er zu kennen glaubte, nie existierte. …“ | https://www.marlen-hobrack.de/2017/04/26/ich-selbst-sein/

lemonhorse / 20 Februar 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Aber Wissen ist hier Ohnmacht #1 … ]

“ … Grundlage der Neuen Phänomenologie ist eine Wiederentdeckung der unwillkürlichen Lebenserfahrung ausgehend von dem, was jeder Mensch vortheoretisch an seinem eigenen Leib spürt. …“ | Aus: „Phänomenologie“, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie#Ph.C3.A4nomenologie_des_Fremden (06/2007)

“ … Der Kritische Rationalismus ist eine von Karl R. Popper begründete philosophische Denkrichtung. Er ist aus eigener Sicht eine Lebenseinstellung, „die zugibt, daß ich mich irren kann, daß du recht haben kannst und daß wir zusammen vielleicht der Wahrheit auf die Spur kommen werden“ … “ | Aus: „Kritischer Rationalismus“, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kritischer_Rationalismus (10/2007)

Süddeutschen Zeitung (15. Februar 2018): “ … Die Schauspielerin Heike Makatsch hält die aktuelle „Me Too“-Debatte für zu aufgeheizt. „Es kommt mir so vor, dass gerade jeder differenziertere Gedanke zum Thema, der vielleicht auch mal eine Ambivalenz benennt oder sogar eine Lanze bricht für die Gegenseite, so an den Pranger gestellt wird, dass es fast schon etwas von einer Meinungsdiktatur hat“, sagte Makatsch im Interview … Im Kern der Sache geht es aber um etwas viel Größeres: es geht um die Ausnutzung von Machtverhältnissen.“ … Die Frage sei aber, was es für die Kunst bedeute, „dass so viele Männer im Kulturbetrieb schuldig gesprochen werden“. Sie heiße es selbstverständlich nicht gut, „wenn ein Regisseur Frauen erniedrigt, ich meine aber schon, dass es Künstlerpersönlichkeiten gibt, mit denen die Arbeit nicht immer ein Vergnügen ist. Und das sind oft die Interessanteren.“ … “ | http://www.sueddeutsche.de/panorama/interview-zur-metoo-debatte-makatsch-die-metoo-debatte-ist-zu-aufgeheizt-1.3868348

Le Mepris AKA Contempt (Jean-Luc Godard, 1964)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verachtung

Bernadette Weimer (08.02.2018): “ … Das Frankfurter Gallus-Theater inszeniert „Blaubart – Hoffnung der Frauen“. Es ist ein Drama über die leidenschaftliche Maßlosigkeit und ihre Folgen. … In Dea Lohers Drama – anders als im Märchen – tragen die Frauen allerdings irgendeine Mitschuld an ihrem Tod. Sie wollen Blaubart verführen und projizieren all ihre Wünsche, Träume und Sehnsüchte nach Mitgefühl und Liebe auf einen durchschnittlichen und einfachen Damenschuhverkäufer. „Vielleicht wollte Dea Loher damit zeigen: Der Mann ist an sich profillos, nur eine Projektionsfläche für Sehnsüchte“, überlegt Gonszar. …“ | http://www.fr.de/rhein-main/freizeit/gallus-theater-in-frankfurt-liebe-ohne-grenzen-a-1444037 | Impuls via

Sven Reichardt:(2006): “ … Die Grundidee der Subjektivität und Introspektion in den „Männerphantasien“ lautete, sich seines persönlichen Umgangs mit der Sexualität bewusstzuwerden, um möglichen psychologischen Abhängigkeiten von der Elterngeneration, aber auch von der kapitalistischen Medien- und Konsumindustrie zu entkommen und die eigenen sadomasochistischen Charakterstrukturen abzubauen. … so wollte man, wie Theweleit im Rückblick erläutert, „auch an den in einem selbst vergrabenen Gewaltkomplex herankommen“. … Der Erfolg des Buches gründete auf dem Schock, dass „welche von uns“ zu Terroristen wurden. Theweleit hat selbst Verbindungen zur gewaltbereiten Szene im Alternativmilieu und zum Umfeld der RAF hergestellt. Deren kaltherzige Bespitzelung der eigenen „Genossen“ und deren maßloser Hass erinnerten ihn an nationalsozialistische Machenschaften“ … | Aus: „Klaus Theweleits „Männerphantasien“ – ein Erfolgsbuch der 1970er-Jahre“ (Archiv Heft 3/2006 ) | http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208708/default.aspx

Manu Schon (12.2.2018):“ … Der Pornofilm, der die Verbreitung des Oralsex eingeleitet hat, war der Film „Deep Throat“. … Ein (liberal-)feministischer Blog bezeichnete die Hauptdarstellerin des Filmes, Linda Lovelace, vor einigen Jahren als „wichtige Akteurin des Blowjobs“ was zu einigem Widerspruch führte, da Linda Boreman, wie sie wirklich hieß, ein Vergewaltigungsopfer und eine zwangsprostituierte Frau war, und sich in den USA den (radikal-)feministischen Kämpfen gegen die Pornographie und die Industrie angeschlossen hatte. … Alle Versuche in der Schauspielerei Fuß zu fassen scheiterten, da immer wieder – entgegen jeglicher vorheriger Absprachen – versucht wurde sie in eine Sexszene zu drängen. In zahlreichen Fernsehauftritten wurde sie gedemütigt und immer wieder gefragt ob es ihr denn nicht wenigstens ein bisschen Spaß gemacht habe. Dabei stellte sie fest: „Während Frauen grundsätzlich dazu tendierten mir zu glauben, waren die meisten Männer überzeugt, dass ich die Unwahrheit sagte.“ (S. 173) … Bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 im Alter von 53 Jahren engagierte sie sich für die Abschaffung der Pornographie. Sie wurde vom US-Kongress angehört und glaubte fest an das Erreichen des gemeinsamen Ziels. Wenn wir über die Mitverantwortung der Gesellschaft für das Leid in der Sexindustrie nachdenken, sollten wir niemals Lindas Worte vergessen: „Linda wurde zwar gezwungen zu lächeln, aber kein Zuschauer wurde gezwungen, dieses Lächeln für bare Münze zu nehmen“ (S. 8) …“ | https://diestoerenfriedas.de/niemand-wurde-gezwungen-ein-laecheln-fuer-bare-muenze-zu-nehmen/

Paul Robinson (nytimes.com, 1987): “ … MALE FANTASIES Volume One: Women, Floods, Bodies, History. By Klaus Theweleit. … His central contention is that the Freikorps soldiers were afraid of women. Indeed, not just afraid, they were deeply hostile to them, and their ultimate goal was to murder them. Women, in their view, came in only two varieties: Red and White. The White woman was the nurse, the mother, the sister. She was distinguished above all else by her sexlessness. The Red woman, on the other hand, was a whore and a Communist. She was a kind of distillation of sexuality, threatening to engulf the male in a whirlpool of bodily and emotional ecstasy. This, of course, was the woman the Freikorps soldier wished to kill, because she endangered his identity, his sense of self as a fixed and bounded being. In this manner Mr. Theweleit links the Freikorps soldiers‘ fantasies of women to their practical life as illegal anti-Communist guerillas: the Republic had to be destroyed because it empowered the lascivious Red woman, while it failed to protect the White woman’s sexual purity. … Mr. Theweleit is one of those intellectual mavericks, who, while he does not always respect the conventions of scholarship, may have captured a glimpse of our souls. …“ | From: „THE WOMEN THEY FEARED“ (1987) by Paul Robinson, a professor of history at Stanford University, is the author of „Opera and Ideas: From Mozart to Strauss“ | http://www.nytimes.com/1987/06/21/books/the-women-they-feared.html

Stefan Höppner (21.11.2016): “ … Zu den erstaunlichen Befunden von Theweleits Arbeit gehörte die Erkenntnis, wie sehr sich die damaligen Texte der prominenten und der längst vergessenen Autoren bis ins Detail, genauer, bis ins letzte Klischee glichen. Das begann mit der „roten Flut“, die es mit dem eigenen Körper aufzuhalten gelte, bis zur Aufteilung der Frauen in die ätherische „weiße Krankenschwester“, die sie selbst keinerlei Verlangen zu spüren scheint, und die kommunistische „Hure“ – ähnlich wie die gute, menschliche und die böse Roboter-Maria in Fritz Langs Metropolis. … Zugleich waren die Männerphantasien jedoch ein Buch über die Gegenwart. Zum einen lebten viele der Protagonisten noch, wie Jünger und Niemöller, und gehörten zu den Honoratioren sowohl der alten Bundesrepublik als auch, in deutlich geringerem Maße, der DDR. Nicht alle sahen es gern, wenn ihre Vergangenheit aufgearbeitet wurde. Zum anderen ließ sich das Buch auch als Kritik an einem unreflektierten Machismo lesen, der auch in der 68er-Bewegung, aus der Theweleit kam, an der Tagesordnung war. …“ | http://literaturkritik.de/id/20888

Herbert Krogmann (4. Mai 1962): “ … Zwei Absätze aus „Gärten und Straßen“ waren für mich in der Beschäftigung mit Jünger Schlüssel zu seiner Haltung, an der in Deutschland noch immer viel herumgerätselt wird. Der eine Absatz lautet: „Am Abend Post, darunter eine bedeutende Konfession. Selbst wenn man dergleichen nicht beantwortet, erfüllt man durch den Akt des Lesens eine wichtige Aufgabe.“. Der andere Absatz lautet: „Unter der Geburtstagspost ist auch ein Brief von einer Gräfin B., der gute Sätze wie die zwei folgenden enthält: ‚Es ist ja letzten Endes so, daß wir als Frauen nicht die Ideen als solche, lieben, sondern die Männer, die danach geformt sind und die dahinter stehen. Der Krieg ist nicht schön, aber wir lieben die Männer, die ihn machen, während die Pazifisten scheußlich sind‘.“ …“ | http://www.zeit.de/1962/18/der-schriftsteller-und-philosoph-ernst-juenger/komplettansicht

Rudolf Augstein (19.12.1977): “ … Opfer, mehr als die Männer selbst, sind die Frauen, deren Wirklichkeit von Theweleit ausgespart bleibt. Sie kommen nicht als eigene Wesen vor, sondern nur als die Ausgeburten männlicher Phantasie. Was er anhand seiner Freikorpsmänner und sonstiger „faschistischer“ Militärpersonen und -schriftsteller (unter ihnen der Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß und der junge Goebbels), was er aus Briefen, Selbstbiographien und Romanen zu Tage gefördert hat, muß auch jenen männlichen Leser verblüffen, der sich bislang für einen „Nicht-Faschisten“ gehalten hat. … Der „nichtfaschistische schöpferische Mann“ (Theweleit nennt uns, offenbar als den Normalfall, Bertolt Brecht) hilft sich aus der Klemme der zu bekämpfenden „falschen Gefühle“, indem er die Gefährtin alle zwei Jahre wechselt oder sie zu wechseln sich vornimmt. Auf wessen Kosten, muß wohl nicht erst gesagt werden. Brecht mit seiner unerschöpflichen Produktivkraft war seine eigene Fabrik, in der er die Frauen übel ausgebeutet, abgerichtet und zugerichtet hat. … Ein vermischendes, ein entgrenztes, ein verschwenderisch überfließendes Diagnostizieren der männerrechtlichen Eroberungskultur, eine Mehr-als-Doktorarbeit. Aber Wissen ist hier Ohnmacht. …“ | http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40680546.html

Bert Rebhand (6. Februar 2018): “ … Von dem Künstlerpaar Jean-Luc Godard und Anna Karina gibt es eine berührende Szene. Viele Jahre nach dem Ende ihrer Beziehung sitzen sie in einer Talkshow und erinnern sich an die Zeit ihrer gemeinsamen Arbeit in den Sechzigerjahren. Godard sagt dabei einen für ihn entscheidenden Satz: „Alles, was ich ihr geben konnte, waren Filme.“ Was er Anna Karina also nicht geben konnte, war ein Leben. Schon gar nicht ein gemeinsames, glückliches. Die Filme, die Godard damals mit Anna Karina in der Hauptrolle gemacht hat, sind längst Klassiker … Godard selbst berief sich auf Josef von Sternberg, der in Marlene Dietrich ein Modell und eine Muse hatte, die er ganz nach seinen Vorstellungen zu gestalten versuchte. Der männliche Künstler und das weibliche, formbare Wesen, von dem Inspiration und erotische Energie ausgehen, das ist ein Topos, der bis in die Gegenwart wirkt und der noch immer dazu beiträgt, dass kreative Männer meinen, sich Freiheiten herausnehmen zu können …“ | https://derstandard.at/2000073760805/Der-Regisseur-als-Tyrann-zwischen-Kunst-und-Leben

saxxoo (06.02.2018): “ … Wie gehen Frauen mit Frauen um? Und Männer mit Männern? – Jeder weiß, dass der machtbesessene Regisseur auch bei den männlichen Schauspielern die totale Unterwerfung verlangt und mit Verunsicherung und Erniedrigung arbeitet. Und Frauen? Sie kämpfen mit feineren Waffen. Nicht großen Messern sondern feinen vergifteten Nadeln. Deren Einstiche im Nachhinein nicht merkbar sind – deren Wirkung jedoch genauso vernichtend ist. …“

Eurokater (06.02.2018): „… Das Einzige, das für die modernen Gesellschaften einen höchst peinlichen Befund darstellt, um diesen peinlichen Text kurz zu zitieren, sind Autoren, die zwischen Werk und Mensch dahinter nicht mehr unterscheiden können oder wollen. … Mir graut vor der neuen Zeit der digitalen Pranger und verspäteten Rachefeldzügen. Bilder werden aus Museen entfernt, Gedichte von Wänden gestrichen und Schauspieler aus Filmen geschnitten …“

Freakwently asked Questions (06.02.2018): “ … Es ist nicht sexuelle Unersättlichkeit per se, sondern ein durchaus pathologischer Don Juanismus der sich öfter mal bei Künstlern findet. Allerdings gibt es auch einfach viele, mehr oder weniger begabte, Arschlöcher die, schlicht und ergreifend, ihre Machtposition ausnutzen. Niemals aber gilt sexuelle Unersättlichkeit als AUSWEIS für Genialität. …“
Kommentare zu: „Der Regisseur als Tyrann zwischen Kunst und Leben“ (6. Februar 2018)

Philipp Holstein (4. Mai 2013): “ … Die „Männerphantasien“ sind heute ein Klassiker. Theweleit mischt Popkultur, Psychoanalyse und Poststrukturalismus und entwirft eine Theorie des Faschismus, indem er die Schriften etwa Ernst Jüngers einer neuen Lektüre unterzieht. Das Verfahren ist ebenso wichtig wie die Form: Der Freistil-Wissenschaftler bedient sich bei der hohen Kunst, im Comic und an zeitgenössischem Werbematerial. Er trägt Thesen wie ein Rapper vor, rockt Argumente herunter, kommt vom Hundertsten ins Tausendste und ergänzt den atemlosen Endlos-Text um Bilder. … Die Königstochter als Opfer der Landnahme – dieses Muster entdeckt Theweleit nun in Dutzenden vorhomerischer Mythen, und die Geschichten von Leda, Europa, Danae und Alkmene scheinen ihn zu bestätigen. So ist das bei Theweleit: Alles klingt logisch, und weil er gut in Fahrt ist, macht er erst in der Gegenwart Halt. James Camerons Film „Avatar“ sei ein weiterer Beleg für seine These, dass die abendländische Kultur auf sexueller Unterdrückung gründe. Die Klassik habe die alten Griechen verherrlicht; Jason und Herakles seien in Wahrheit Räuber und Vergewaltiger gewesen. …“ | http://www.rp-online.de/panorama/wissen/der-allesdenker-klaus-theweleit-aid-1.3375218

lemonhorse / 8 Februar 2018 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #64 … ]

Malte Lehming (04.12.2017): “ … Im Buch „Phaidros“ von Platon wird ein fiktives Gespräch wiedergegeben zwischen Sokrates und dessen Freund Phaidros. Es geht um die Frage, ob die Liebesleidenschaft eine gute oder schlechte Voraussetzung für eine Freundschaft sei. Phaidros verliest eine Schrift des Redenschreibers Lysias, der gegen die erotische Begierde als Grundlage für eine dauerhafte Freundschaft plädiert. Denn die Leidenschaft erkaltet eines Tages, und dann bereut man womöglich die Wohltaten, die man dem Geliebten erwiesen hat. Besser sei es, einen Freund aus freiem Entschluss zu wählen, ohne von einem starken Gefühl gesteuert zu werden. Zunächst stimmt Sokrates zu. Dann aber widerspricht er gewissermaßen sich selbst. Der Wahnsinn der erotischen Leidenschaft sei nicht negativ zu bewerten. Verzückung und Begeisterung könnten ein Zeichen göttlicher Gunst sein und zur Erkenntnis führen. Enthusiasmus und Inspiration seien dem nüchternen Verstand oft überlegen. Generationen von Philosophen haben über den „Phaidros“ nachgedacht. Verteidigt der Ultrarationalist Platon plötzlich das Irrationale? Er billigt ja nicht nur die „mania“, die Raserei, sondern sieht in ihr sogar eine Voraussetzung für wichtige Einsichten. Gelöst ist der Streit nicht. Kopf und Bauch ergänzen sich, und ihr Verhältnis zueinander bleibt paradox. …“ | http://www.tagesspiegel.de/politik/woraus-entspringt-die-wahrheit-nur-narren-verachten-narren/20660464.html

lemonhorse / 5 Dezember 2017 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Zur Ontologie des nicht Seienden #16… ]

Thomas Metzinger (06.09.2017): “ … Humanoide Roboter lösen etwas in uns aus, was ich „soziale Halluzinationen“ nenne. Wir Menschen haben die Fähigkeit, uns einzubilden, es mit einem selbstbewussten Gegenüber zu tun zu haben, auch wenn das nicht der Fall ist. Davon gibt es Vorstufen: Kinder und Naturvölker glauben oft an eine beseelte Natur. Wenn der Computer spinnt, brüllen wir ihn an. Andere Menschen lieben ihr Auto oder vermissen ihr Handy. … Wirkt der Roboter zu echt, finden das viele Menschen tatsächlich gruselig. Forscher nennen diese Grauzone „uncanny valley“, das unheimliche Tal. Das ist wie in einem Horrorfilm. Wenn wir merken, da schaut uns etwas an, das eigentlich tot ist, rührt das an Urängste. … Ich kann mir […] vorstellen, dass in 20 Jahren in einem ethischen Streitgespräch mal jemand auf den Tisch haut und sagt: „Jetzt mal langsam, das ist bloß eine Maschine!“ Und die Antwort dann lautet: „Wie? Maschine? Das ist mein Freund! Immer gewesen.“ …“ | Aus: „Menschen gegen Roboter „Der Evolution ist ja egal, ob wir glücklich sind““ (06.09.2017) | http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/menschen-gegen-roboter-der-evolution-ist-ja-egal-ob-wir-gluecklich-sind/20268974-all.html

lemonhorse / 7 September 2017 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Geistige Minenfelder #1… ]

Es wird Humor-Freiheit garantiert

“ … Jegliches Weltbild oder jede Weltanschauung sind verschiedene „realitätsgesättigte Perspektiven“ auf die eine Wirklichkeit. …“ | https://www.info3-magazin.de/die-sakralitaet-der-person/

“ … Clement vertritt so einen ganz eigenen Monismus der Bewusstseinsimmanenz, der die Problematik von Steiners okkultistischem Empirismus und phänomenologischem Konkretismus ebenso relativiert wie er ‚den‘ Idealismus zurechtbiegt. Dogmatische Anthroposophen wie Holger Niederhausen, Thomas Meyer usw., die Clement verketzern (vgl. Willy, Thomas und der Wolf im Schafspelz), übersehen, dass dieser nicht den Geist, sondern die Welt leugnet. Anthroposophiekritikern ist das spezifische Dilemma seines Ansatzes wie gesagt anscheinend ohnehin entgangen. …“ | https://waldorfblog.wordpress.com/2016/02/16/anthroposophische-reformation-ii-oder-bis-zur-unkenntlichkeit-und-noch-viel-weiter/

Hubert Geißler (11. Januar 2017 um 12:21 pm): “ … Genau! Im Geschichtsunterricht hat man an Waldorfschulen ab Klasse 12 spätestens den staatlichen Lehrplan, würde ich sagen. Da ist Atlantis definitiv untergegangen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass öfter mal begeistert gegen eine 50-er Jahre Anthroposophie mit jesuitischen und freimaureischen Verschwörungen gekämpft wird, dies so gar nicht mehr gibt. Faktisch ist doch die Waldorfschule längst ein Reparaturbetrieb des staatlichen Systems oder eine Nische für die alternative Mittelschicht. […] Wie gesagt, wir erleben den Zusammenbruch eines gesellschaftlichen Narrativs. Und das ist ganz schön irre. Wer vor ein paar jahren die Auflösung des kalten Krieges begrüßt, Herrn Putin für einen rationalen Energieliferanten gehalten hat und aus der Nato wollte, sympathisiert jetzt mit Haus Mordor selber. …“ | https://waldorfblog.wordpress.com/2017/01/10/kontroverse-erlebnisse-im-waldorfbuergertum-zur-verfertigung-postfaktischer-wahrheiten/

Michael Eggert (Januar 18, 2017): “ … Wo bitte bleibt da die anthroposophische Identität? Vielleicht in der Schizophrenie? … Vielleicht verlagert sich die anthroposophische Identität eher ins astrologische Nirvana. Christian Birkner erklärt uns anhand astrologischer Konstellationen schon mal, warum Donald Trump einfach gewinnen musste: „Man sieht in diesen beiden Horoskopen außerdem, worum es ihnen eigentlich geht. Clinton geht es um Interessengemeinschaften, denen sie sich für ihren Wahlsieg und ihre Macht verpflichtet hat (Saturn aus 2 mit Pluto in 2 und einem gefährlichen Mars dabei). Trump geht es gleichfalls um einen Saturn. Doch er will damit etwas Neues, eine Veränderung nach Anschauungen, die aus der Taufe gehoben werden sollen (Rezeption von 9 zu 12 regiert den Saturn in 11 aus 1).“ …“ | Aus: „Willkommen in der neuen Welt, ihr Rest- Demokraten oder: Anthroposophen feiern das Ende des Liberalismus „, https://egoistenblog.blogspot.de/2017/01/willkommen-in-der-neuen-welt-ihr-rest.html

Holger Niederhausen (19.01.2017): “ … Der Egoisten-Blog ist so etwas wie eine Art Dschungelcamp – die Live-Dokumentation einer narzisstischen, selbsternannten Beurteilungs-Elite, die ihre postmoderne Auserwähltheit dadurch unterstreicht, dass sie betont, sie nehme sich selbst gerade nicht so wichtig. …“ | Aus: „Die üblichen Reaktionen“, http://www.holger-niederhausen.de/aufsaetze-und-mehr/aufsaetze/aufsaetze/2017/2017-01-19-reaktionen/

Anonym (Montag, 23. Januar 2017 um 22:45:00 MEZ): “ … Der Egoblog (und das sind die Schreiber und Kommentatoren) verabreicht therapeutisch notwendige Einläufe – mehr nicht. … “ | https://egoistenblog.blogspot.de/2017/01/willkommen-in-der-neuen-welt-ihr-rest.html

Anonym (Montag, 23. Januar 2017 um 11:31:00 MEZ): “ … Mir geht die Sache quasi, aber nur kwasi kwasi, „persönlich“ nah, weil ich Mystiker, Musische Schwärmer, Romantiker und feinfühlige Menschen, egal, ob Männers oder Frauens immer zu meiner seelischen Heimat zugehörig ansah. …“

Hermann Finkelsteen (Montag, 23. Januar 2017 um 08:27:00 MEZ): “ … Die Sehnsucht nach authoritären Führerpersönlichkeiten ist so eine Mischung aus Karl May, Blavatsky und Steiners Volksmissionen, die sich jetzt zu erfüllen drohen. Die Protokolle werden als ernsthafte Referenz aufgeführt. … In der realexistierenden Anthroposophie ist der inquisitorische Umarmungs Spielraum sehr kreativ angewendet und in Freies geistesleben umgetauft. Wie teuflisch böse muss man sein solche Begriffe einfach auszutauschen. Herr Niederhausen wie böse ist das denn? Ich rieche den Beelzebub durch meine tastatur. …“

Rainer Herzog (Montag, 23. Januar 2017 um 11:05:00 MEZ): “ … „Spott ist die Onanie der Seele“ (HN). Danke für ein weiteres Mantra. Zur Zeit werden wir überreich beschenkt. …“

Michael Eggert (Freitag, 20. Januar 2017 um 22:01:00 MEZ): “ … für Anthroposophen sind multiple Persönlichkeiten obligatorisch – Doppelgänger, höheres Ich, usw. Da bin ich keine Ausnahme. …“

mischa (Samstag, 21. Januar 2017 um 13:48:00 MEZ): “ … Interessanterweise sagten mir gerade Anthroposophisten, daß Schläger und Türstehertypen „hochsensible“ Leute seien. Gab mir zu denken. …“

Anonym (Freitag, 20. Januar 2017 um 13:44:00 MEZ) “ … Im Rockermilieu und in Bikerclubs, und eben auch an mobbigen Arbeitsplätzen, in Stiegenhäusern, etwa in Berlin-Wedding, werden wenig Witze gemacht, weil dort wenig Witze verstanden werden. … es wird Humor-Freiheit garantiert, es darf kein Witz gemacht werden, niemand macht sich über einen andern der Gruppe lustig. … Gott kann man nicht beleidigen. Den Fetisch aber! Der ist Gegenstand der Sakrilege, der Entweihung als kriegerischer Akt (Flaggen-Raub, Fahnen-Eroberung..). Feinsinnige Leute müssen raus aus Ideologien, finde ich. Sie sollten sich mit den Schriften Sigmund Freuds über das „Tabu“ auseinandersetzen. Ein Lesegenuß! … einfach raus aus den mit allerlei Stacheldraht und geistigen Minenfeldern und mit beleidigten Leberwürsten gesicherten, immer kleiner und enger werdenden Elfenbein-Türmchen. Raus, raus, raus und endlich selber denken, leben… und Witze verstehen! …“

tbc

lemonhorse / 14 August 2017 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung / 0 Comments

[Matti (1973 – 2017) … ]

Matti

“ … Mindexpander Logbuch: 161.Eintrag (10.12.1995, 22:23) … Ich sitze auf einem Stuhl, der naturwissenschaftlich aus gigantischen Zwischenräumen besteht, gefüllt mit Zwischenräumen. Ich tippe auf einer Tastatur – die mein Nervensystem als Antwort auf den nicht leicht fassbaren Energietanz konstruiert hat. Mein Nervensystem ist ebenfalls aus Zwischenräumen aufgebaut; funktioniert aber in diesem euklidischen Universum ganz gut (naja, Ansichtssache). … Das Nervensystem verfügt über ein eigenständiges System: das Bewusstsein … Es kann sich selbst umbauen, ausbauen, erweitern, vergrößern. … Es dient gewissermaßen als natürlicher Regulator, je nach Belastbarkeit des Nervensystems. … [Mein] Nervensystem ist jetzt leicht überlastet, sodass es die Beantwortung der unweigerlich auftauchenden Frage nach dem Sinn des Ganzen getrost dem 162. Eintrag überlässt. …“

lemonhorse / 28 April 2017 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 3 Comments

[RWF #2… ]


Reinhold (Gottfried John, Berlin Alexanderplatz)

[ “ … (Berlin Alexanderplatz ist eine 14-teilige deutsche Fernsehverfilmung der Bavaria/RAI im Auftrag des WDR von 1980. Es handelt sich um eine Literaturverfilmung des Romans Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin durch Rainer Werner Fassbinder in 14 Teilen.) … Reinhold, der ständig den Verdacht hat, dass Franz sich an ihm rächen will (was dieser gar nicht beabsichtigt), ist zunehmend neidisch auf Franz‘ Glück, und beginnt Mieze nachzustellen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin_Alexanderplatz_(Fernsehverfilmung)]

// Victor (08.01.2015): “ … The feeling of guilt in Reinhold is not connected with his particular “transgressions”, sins or vices. It is ontological in its nature – it precedes actions and impulses. This guilt is located so deeply in Reinhold’s unconscious that what is instead in his consciousness is the sadistic severity, pathos of irreconcilability. … [The] Relationships between Franz and Reinhold are paradigmatic for the human culture. It is a moral distance between Gandhi and Churchill, Allende and Pinochet, Kennedy and Nixon, Bukharin and Stalin, Dietrich Bonhoeffer and “survivalists by any means” under totalitarian regimes. And it is a spiritual distance between people like Samuel Clemens [Mark Twain], William Faulkner, Godard or Fassbinder and craftsmen exchanging entertainment for enter-payment. … It is relationships between those who are ontologically (not by dogma) prone to feel existential goodness as their frame of reference, even when they do some evil, and those who spontaneously tend to feel unity with the Evil (who know deep inside that they are on the side of the Evil) even when they do some Good. Well, the matter here is psychologically tricky. … Whatever Franz does, and sometimes he does terrifying things, he knows that he is answerable to Good, responsible in front of it, and he suffers for his inability to sustain this responsibility. He knows that he is a sinner but his frame of reference is the scale of Goodness. And whatever Reinhold does he knows that he is lost for Good, that he is abandoned by it, and he suffers by being alone – with Evil. … Franz and Reinhold … They have to lose their bombastic identities which make them rigid and blind. …“ | From: „Rainer Werner Fassbinder’s “Berlin Alexanderplatz” (1982) – Franz and Reinhold, the “Eternal Couple” of Western Civilization“ (‚Acting-Out Politics – Weblog opens discussion about the psychology of Bushmerican style of behavior.) | Source –>> http://www.actingoutpolitics.com/alexander-platz/

lemonhorse / 9 März 2017 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder / 0 Comments

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