[Sprechakt, UFO’s und das ungeheure Weltganze #2]

Ist die ganze UFOlogie nicht vielleicht eine technische Religion, die uns das beruhigende Gefühl vermittelt, nicht allein und verlassen im Universum zu leben? fragte der Schüler Freuds und Psychoanalytiker Carl Gustav Jung schon in den 50er Jahren. // [Aus: „Himmelsobjekte der Sehnsucht UFOs üben auch auf den modernen Menschen eine große Anziehung aus“ Autor: Martin Koch (12.08.1995)]

Martin Holland (11.09.2018): „Rätselhafte Radioblitze: KI findet 72 Fast Radio Bursts“ – Noch ist nicht klar, was hinter den mysteriösen Fast Radio Bursts steckt: Eine KI hat Astronomen nun unter die Arme gegriffen und Dutzende Signale gefunden. … Die Blitze könnten etwa bei der Verschmelzung zweier Neutronensterne entstehen oder von massereichen Schwarzen Löchern erzeugt werden. Einer Hypothese zufolge könnten sie aber auch auf einen Antrieb für interstellare Reisen hinweisen. … In den dabei gesammelten 400 Terabyte an Daten fanden die Forscher demnach mit ihren etablierten Methoden 21 neue Ausbrüche. Danach setzten sie nach aber noch einen extra dafür selbstentwickelten Algorithmus auf die Daten an. Der fand demnach 72 weitere Ausbrüche, die die Forscher nicht gefunden hatten, womit nun insgesamt über 300 Radioblitze von FRB 121102 bekannt sind. Dabei wurde keine Regelmäßigkeit gefunden, zumindest keine deren Periodizität auf Mustern beruht, die länger sind als 10 Millisekunden. Unabhängig ob der Ursprung natürlich oder künstlich ist, helfe die Forschung aber bei der rasch fortschreitenden Erkundung des Universums, erklären die Forscher. …“ | https://www.heise.de/newsticker/meldung/Raetselhafte-Radioblitze-KI-findet-72-Fast-Radio-Bursts-4161960.html // —> https://www.heise.de/newsticker/meldung/Astronomie-Mysterioese-Radioblitze-koennten-ausserirdische-Raumschiffe-antreiben-3649246.html

Ulriko (11.09.2018 19:02): “ … könnten sie auf einen Antrieb für interstellare Reisen hinweisen … Bei dem Antrieb könnte es sich um den von Prof. Douglas Adams postulierten Unwahrscheinlichkeitsantrieb handeln. Einer anderen Hypothese zufolge könnten die Blitze auch von Zeitreiseereignissen, Sonnentransmittern, künstlichen Wurmlöchern oder interstellaren Kriegen verursacht sein. Große Aufmerksamkeit hat jüngst aber eine weitere Theorie erhalten, welche die Blitze auf große Schmiedeereignisse in Münzwerkstätten zurückführt, in denen Triganische Pu hergestellt werden. …“ | https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Raetselhafte-Radioblitze-KI-findet-72-Fast-Radio-Bursts/koennten-sie-auf-einen-Antrieb-fuer-interstellare-Reisen-hinweisen/posting-33058537/show/

stephen-falken (11.09.2018 19:21): “ … Re: Der Antrieb ist der unendliche Unwahrscheinlichkeitsantrieb. Endliche Unwahrscheinlichkeit wird doch nur dazu benutzt um Unterwäsche auf Partys zu verschieben. Wer es nicht glaubt der kann es nachlesen. Kein Panik, in den Büchern von Douglas Adams. Wenn es aber der Antrieb wäre, dann durchfliegen die Ausserirdischen ja jeden Punkt des Universums gleichzeitig. Könnten also mal wirklich so nett sein und mal kurz aussteigen und den armen doofen Menschen von der Erde das mit den FRBs zu erklären [https://de.wikipedia.org/wiki/Fast_Radio_Burst]. Alles Assis, diese Außerirdischen. Musste mal gesagt werden. …“

Ulriko (11.09.2018 21:20): “ … Re: … könnten sie auf einen Antrieb für interstellare Reisen hinweisen
bgks schrieb am 11.09.2018 21:11: Prof. Douglas Adams *räusper* Douglas Adams, B.A.
In einem Paralleluniversum ist er Professor. Ich schwör! Dort hat er allerdings nicht seinen berühmten Roman geschrieben, sondern den Unwahrscheinlichkeitsantrieb erfunden. In echt. Daher hatte er dort zum Schreiben keine Zeit. …“

gbkom (12.09.2018 07:36): “ … Re: … könnten sie auf einen Antrieb für interstellare Reisen hinweisen
Ich glaube nicht, dass Douglas Adams dahinter steckt. Das ist Dr. Zefram Cochrane [Doktor Zefram Cochrane ist ein Wissenschaftler aus dem 21. Jahrhundert. Er ist ein Erfinder des Warpantriebs.], der sich beim ersten Test mit der Phönix in Zeit und Raum völlig verflogen hat und nun in dieser Zwerggalaxie festhängt. Ursache war vermutlich der Kater vom Abschiedsfest. Seine Versuche, wieder zur Erde zu kommen, deuten wir als FRB 121102. Auf Vulkan wird man diese Bursts auch wahrgenommen haben, doch die Entfernung ist einfach zu groß, um ein Forschungsschiff dort hin zu schicken. Wir sollten am Startplatz in Bozeman (Montana) eine Edelstahlplatte mit einer eingravierten Warnung an Cochrane aufstellen, damit er 2063 den Fehler nicht wiederholt. …“

Lochkarte (12.09.2018 10:54): “ … Triganische Pu? – Könnte sein. Wahrscheinlicher erscheint mir aber, dass sie dort ihre Kryptowährungen minen. Irgendwann steigt eben der Energieverbrauch dafür so stark, dass nur noch ein schwarzes Loch als Energiequelle ausreicht. ..“

tbc

lemonhorse / 12 September 2018 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #17… ]

Joseph Joubert „Es steckt oft mehr Geist und Scharfsinn in einem Irrtum als in einer Entdeckung.“ – Gedanken, Versuche und Maximen // Roman Bucheli (5.7.2018): “ … Erst 1838, vierzehn Jahre nach Jouberts Tod, erlaubte dessen Witwe Chateaubriand, eine Auswahl der Fragmente für einen kleinen Kreis von Freunden herauszubringen. Weitere hundert Jahre dauerte es, bis 1938 erstmals Jouberts sämtliche Journale in einer Ausgabe erschienen, welche die Hinterlassenschaft authentisch abbildete und nicht nur eine thematisch sortierte Blütenlese präsentierte. Nun erst entdeckte man die Ausmasse dieser über Jahrzehnte geführten intimen Chronik. Rund 1300 eng bedruckte Seiten dokumentieren den Tumult des Denkens. … Das Journal ist ihm nicht Rückzugsort, es bietet ihm den Resonanzraum, den er braucht für sein Abenteuer des Denkens: «Diese Gedanken, die uns plötzlich kommen und die noch nicht uns gehören.» … Natürlich kann die Ausgabe diesem überwältigend disparaten Werk in keiner Weise gerecht werden. Und natürlich erscheint Joubert hier als Aphoristiker, der er nicht war. Trotzdem vermittelt die Auswahl eine Vorstellung von der unerschöpflichen, unerschrockenen Sprunghaftigkeit dieses Denkens, dem nichts fremd und nichts zu trivial ist, das sich an allem ausprobiert, was sich ihm entgegenstellt. Joubert glättet das Durcheinander nicht, weil das unordentliche Denken doch stets die Regel und die Ordnung nicht die Ausnahme, vielmehr meist nur schöner Schein ist. Die eine oder andere Sottise [Unsinn, Dummheit, Quatsch, Albernheit, Affront, Grobheit] blitzt dann auch in diesem somnambulen Chaos auf: «Voltaire hat Schlittschuhe. Er gleitet elegant über die Oberflächen. – Er sieht den Grund, stösst aber nicht zu ihm durch.» ….“ Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/die-grosse-kunst-kein-buch-zu-schreiben-aus-joseph-jouberts-notizen-ld.1400533

Gerald Heidegger (12.11.2015): “ … Alles fällt bei Barthes schließlich in Lacans Konzept vom Imaginären zusammen – also jenem System, in dem Selbstbild, Selbstidentifikation, aber auch Verkennung und Täuschung liegen sowie Phantasma und Begehren. Die Art, wie Barthes seine Zeichentheorie immer in Bereichen von halluzinatorischer Subjektivität stranden lässt, wird ihn nie ganz im wissenschaftlichen Feld heimisch machen … Barthes richtet den Blick auf Begehren und Phantasma auf der einen Seite und auf Bedeutungszusammenhänge von Alltäglichkeit auf der anderen. „Barthes“, so schreibt seine Biografin Tiphaine Samoyault, […] kombiniere das „Phantasma mit einer ethnografischen Absicht: Auch bei ihm überschwemmt die Beschreibung des Alltäglichen das formale Projekt. Sie entspringt einer Vorliebe für das Nahe, für das banale Ereignis (…) und wird verstärkt durch sein Interesse (…), wie Menschen ihre Umgebung erobern, indem sie ihr Sinn geben.“ Barthes schaut etwa auf Details der Kleidung und liest diese als spezielles Zeichensystem: Alltäglichkeit unterminiere das Verhältnis zwischen bedeutend und unbedeutend … In seinen Analysen zur Sprache der Mode oder der Werbung erscheint Barthes zeitweilig wie ein europäischer Weggefährte eines Herbert Marshall McLuhan und seinen Aufschlüsselungen zu den Ordnungen des elektrischen Zeitalters, wie es etwa in der „Mechanischen Braut“ unternommen wird. … Barthes, der beharrliche Arbeiter und kultivierte Müßiggänger, hatte es nach dem Essen mit Jack Lang und Mitterand an dem späten März-Mittag eilige. Für seine nächste Lehrveranstaltung über Proust und die Fotografie wollte er einen Projektor organisieren. Möglicherweise ließ sich Barthes von seinen Ideen und Sätzen wegtragen, als er beim Überqueren der Rue des Ecoles von einem Lieferwagen niedergefahren wurde. Ein Monat nach dem Unfall starb Barthes an den Folgen innerer Verletzungen, die er bei diesem Unfall erlitten hatte. …“ | https://orf.at/stories/2308564/2308590/

Ulrich Rüdenauer (13.04.2005): “ … Brinkmann … „Keiner weiß mehr“ erscheint 1968 und gewährt einen geradezu obszön offenen Blick aufs eigene Ich, eine akribische, besessene Bestandsaufnahme eines falschen Lebens im falschen. … Am 23. April 1975, gerade 35 Jahre alt, wird er beim Überqueren einer Straße in London von einem Auto überfahren. Er stirbt noch an der Unfallstelle. … „…die Plakate, Bauzäune und Verbote machen weiter, die Fahrstühle machen weiter, die Häuserwände machen weiter, die Innenstadt macht weiter, die Vorstädte machen weiter.“ …“ | https://www.deutschlandfunk.de/der-grosse-aussenseiter.700.de.html?dram:article_id=82244

lemonhorse / 16 August 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #14… ]

Medusa (Franz von Stuck um 1892)

// Franz von Stuck (1863 – 1928)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Stuck

“ …[Medusa tötet. Wer es wagt, ihr ins Gesicht zu schauen und ihrem Blick zu begegnen, erstarrt zu Stein.] … Als Gorgoneion bezeichnet man das von Perseus der Gorgone Medusa abgeschlagene Haupt, daher auch Gorgonenhaupt oder Medusenhaupt genannt … Als Unheil abwehrendes magisches Schutz- und Schreckmittel (Apotropaion / Schreckbild) schmückt es mannigfach Waffen aller Art, Wagen, Schiffe, Pferdeschmuck, Städtemauern, Amulette, Gewänder, Möbel, Sarkophage usw. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Gorgoneion (4. Januar 2018)

— // “ … In „Der Saal“ behauptete der grichiche Autor Lukian von Samosata aus dem 2. Jahrhundert, es sei nicht der Blick der Gorgo oder irgendein Zauber gewesen, der den Betrachter in Stein verwandelt hätte, sondern ihre Schönheit […] Es gibt [in der Psychoanalyse den Ansatz, demzufolge] der schreckenerregende und destruktive Blick der Medusa die Sinnlosigkeit des Lebens offenbart. Um dieser Sinnlosigkeit – der „Medusa Wahrheit“ – zu entgehen, geben wir uns der lüge hin. Eine Figur in Jack Londons Roman „The Mutiny of Elsinore“ (1914) formuliert es so:

Der elementarste Instinkt des Menschen ist der Kampf gegen die Wahrheit; das heißt gegen die Realität. Von Kindesbeinen an weicht er den Tatsachen aus. Sein leben ist eine ständige Ausflucht. Was ihn am Leben hält, sind Wunder, Chimären, das Morgen. Er nährt sich von Fiktion und Mythos. [..] Der Mensch […] sieht sich zu ständiger Ausflucht genötigt und sucht sie in der Hoffnung, im Glauben, im Märchen, in der Kunst, in Gott, im Sozialismus, in der Unsterblichkeit, im Alkohol, in der Liebe. Von der Medusa-Wahrheit appelliert er an die Maya-Lüge [Illusion]

[…] Wer schaut, kontrolliert die Welt der spezifischen Szene. Wenn jedoch der Schauende beim Schauen von einem anderen angeschaut wird, dann wird er nicht nur zu einem Wesen An – und Für-sich, sondern zu einem verdinglichten Selbst für den anderen. In diesem Fall unterscheidet sich das Selbst, das dem Empfänger des Blicks gehört, von dem Selbst, das von dem anderen gesehen wird, und wie Hazel Barnes in „The Look of the Gorgon“ (1974) erklärt: „Der Blick des anderen offenbart mir, dass ich nicht allein in der Welt bin.“ Das mag in sich stimmig sein, bis mir klar wird, dass jetzt „die Welt nicht mehr meine Welt ist.“ – Kurz gesagt, der Blick des anderen kann „meine eigene, frei organisierte Welt“ verneinen und mich daher „permanent auf ein hartes, steinartiges Objekt reduzieren“. Die einzige Lösung für dieses Problem besteht darin, die eigene Existenz zu behaupten, indem man die sich selbst definierende Entscheidung trifft, den Anderen anzuschauen und damit [all] das zu neutralisieren, was vom lebensverneinenden Blick der Gorgo symbolisiert wird. Dies ist aus Sicht der Existenzialisten die einzig mögliche Rolle des entfremdeten Individuums der Post-Romantik. … Marx, Nietzsche, Freud, Jung, Satre – entkleideten den Medusa-Mythos seiner Magie, seines Aberglaubens … Für Nietzsche war der Kampf zwischen dem apollinischen und dem dionysischen Prinzip Realität. Für Freud und Jung waren die Macht des Unbewussten und der inneren Dämonen genauso real wie die Patienten auf ihrer Couch. …“ | Aus: Medusa – Die schreckliche Schöne“ David Leeming (Wagenbach, 2016) // —

Perseus and Phineas (Carracci and Domenichino – 1597 / 1604-1606), Rome | via

lemonhorse / 14 Juli 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Irrationalismus und das Romantische Erbe #3 … ]

“ … Alles Lebendige aber braucht eine schützende Atmosphäre, einen geheimnisvollen Dunstkreis und umhüllenden Wahn. Ein durch Wissenschaft beherrschtes Leben ist viel weniger Leben als eines, das nicht durch Wissen, sondern durch Instinkte und kräftige Wahnbilder beherrscht wird … So weit ich sehe, sind es zwei Irrtümer, die das denken Nietzsches verstören und ihm verhängnisvoll werden. Der erste ist eine völlige, man muss annehmen: geflissentliche Verkennung des Machtverhältnisses zwischen Instinkt und Intellekt auf erden, so, als sei dieser das gefährlich Dominierende, und höchste Notzeit sei es, den Instinkt von ihm zu retten. Wenn man bedenkt, wie völlig bei der großen Mehrzahl der Menschen der Wille, der Trieb, das Interesse den Intellekt, die Vernunft, das Rechtsgefühl beherrschen und niederhalten, so gewinnt die Meinung etwas Absurdes, man müsse den Intellekt überwinden durch den Instinkt. Nur historisch, aus einer philosophischen Augenblickssituation, als Korrektur rationalistischer Saturiertheit, ist diese Meinung zu erklären, und sofort bedarf sie der Gegenkorrektur. Als ob es nötig wäre, das Leben gegen den Geist zu verteidigen! Als ob die geringste Gefahr bestünde, dass es je zu geistig zugehen könnte auf Erden! Die einfachste Generosität sollte dazu anhalten, das schwache Flämmchen der Vernunft, des Geistes, der Gerechtigkeit zu hüten und zu schützen, statt sich auf die Seite der Macht und des instinkthaften Lebens zu schlagen und sich in einer korybantischen [ausgelassen, wild, zügellos] Überschätzung seiner „verneinten “ Seiten, des Verbrechens zu gefallen, – dessen Schwachsinn wir heutigen [1948] erlebt haben. … Der zweite von Nietzsches Irrtümern ist das ganz und gar falsche Verhältnis, in das er Leben und Moral zueinander bringt, wenn er sie als Gegensätze behandelt. Die Wahrheit ist, dass sie zusammengehören. … Nietzsche, fern allem Rassen-Antisemitismus, sieht allerdings im Judentum die Wiege des Christentums und in diesem mit Recht, aber mit Abscheu, dem Keim der Demokratie, der Französischen Revolution und der verhassten „modernen Ideen“, die sein schmetterndes Wort als Herdentier-Moral brandmarkt. „Krämer, Christen, Kühe, Weiber, Engländer und andere Demokraten“, sagt er, denn den Ursprung der „modernen Ideen“ sieht er in England (die Franzosen, meint er, wären nur Soldaten), und was er an diesen Ideen verachtet und verflucht, ist ihr Utilitarismus und Eudämonismus [ein Begriff der antiken Philosophie, der auf ein ausgeglichenes Gemüt durch Befolgung philosophischer Prinzipien der Ethik zielt], ihre Erhebung von Frieden und Erdenglück zu höchsten Wünschbarkeiten,- während auf solche gemeinen weichlichen werte der vornehme, der tragische, der heroische Mensch doch mit Füßen tritt. Dieser ist notwendig ein Krieger, hart gegen sich und andere, bereit zur Opferung seiner selbst und anderer. Was er dem Christentum vor allem zum Vorwurf macht, ist, dass er das Individuum zu solcher Wichtigkeit erhob, dass man es nicht mehr opfern konnte. Aber, sagt er, die Gattung bestehe nur durch Menschenopfer, und Christentum sei das Gegenprinzip gegen die Selektion. Es hat tatsächlich die Kraft, die Verantwortlichkeit, die hohe Pflicht, Menschen zu opfern, heruntergebracht und abgeschwächt und für Jahrtausende, bis zu Nietzsche hin, die Entstehung jener Energie der Größe verhindert, welche „durch Züchtung und andererseits durch Vernichtung von Millionen Missratener den zukünftigen Menschen gestaltet und nicht zugrunde geht an dem nie dagewesenen Leid, das er schafft.“ – Wer hat jüngst die Kraft zu dieser Verantwortung besessen, diese Größe frech sich zugemutet und die hohe Pflicht, Menschen hekatombenweise [Als Hekatombe bezeichnete man im antiken Griechenland ursprünglich ein Opfer von 100 Rindern.] zu opfern, ohne wanken erfüllt? Eine Crapule größenwahnsinniger Kleinbürger, bei deren Anblick Nietzsche sofort von schweren Migräne mit allen ihren Begleiterscheinungen befallen worden wäre. Er hat es nicht erlebt. …“ — Aus: „Thomas Mann / Vortrag – Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung“ (1948), Suhrkamp Verlag (Seite 23 u.ff.)

lemonhorse / 6 Juli 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Arbeit am Mythos #1 … ]

Woran erkennt man Mythen? Kulturanthropologische Narratologie und das Genre-Problem
Öffentliche Ringvorlesung: Arbeit am Mythos – Leistung und Grenze des Mythos in Antike und Gegenwart
Prof. Dr. Regina Bendix, 20. April 2010

Hintergrundrauschen(Zur populären Mythologie):

Ulrich Rüdenauer (11.05.2014): “ … [Die Pose ist für ihn der zentrale Moment der Pop-Musik überhaupt. (Thomas Morawitzky, 08. April 2014)] … Pop-Musik definiert Diederichsen als eine „andere Sorte Gegenstand“ … Sie ist einerseits Teil der Kulturindustrie, andererseits deren Störelement. … Die unerhörte Stimme als Lautsprecher in der Gesellschaft. Die Rolle, die er (Diederichsen, „Über Pop-Musik“) dem Musiker bzw. besser: dem Star zuerkennt, ist dabei eine höchst ambivalente, und gerade die Ambivalenz weiß der Fan zu goutieren: Ein immerwährendes Schwanken zwischen der Rolle, die der Star spielt, und einer realen Person. Ein Oszillieren zwischen Authentischem und Künstlichem, nur Gespieltem. … „An der Ideologie des Authentizismus – der das Nicht-Darstellen, Nicht-Lügen zum maßgeblichen Kriterium für gute Pop-Musik erhebt – wie an seinem zutiefst verwandten Gegenteil, Rock-Theater, scheitert Pop-Musik nicht nur regelmäßig, wird sie schlecht, nein, über sie gerät sie an eine bald langweilige, absolute Grenze, mit der zu spielen allerdings anfänglich attraktiv ist. Denn der Authentizismus ist zunächst ganz begreiflich: Der Index [Diederichsen spricht vom „Indexikalischen“ am Pop. Die Platte speichert das Individuelle des Sängers und Musikers, auch das Zufällige, nicht mehr Reproduzierbare, das Einzigartige – und verweist auf Haltungen, Bilder, ein Begehren schlechthin] übermittelt ja tatsächlich authentische Spuren. Unmittelbarkeit ist das Versprechen der Pop-Musik, aber (diese) Unmittelbarkeit ist Ergebnis eines Mittels, ein Medieneffekt.“ …“ | http://www.deutschlandfunk.de/buch-der-woche-ein-schatz-von-dem-sich-lange-zehren-laesst.700.de.html?dram:article_id=284852


Jenny Runacre and Jack Birkett in Jubilee (1978) via

Stuart Jeffries (Fri 20 Jul 2007): “ … Jarman told the Guardian’s Nicholas de Jongh in February 1978: „We have now seen all established authority, all political systems, fail to provide any solution – they no longer ring true.“ … One of the things that Jarman tried to depict in Jubilee was how everybody gets corrupted – even punks posturing as iconoclasts who would never sell out. He wanted to show too that there was no future in England’s dreaming. Later, he believed events proved him right. In the second volume of his memoirs, Dancing Ledge, published in 1993, a year before his death, Jarman wrote: „Afterwards, the film turned prophetic. Dr Dee’s vision came true – the streets burned in Brixton and Toxteth, Adam was on Top of the Pops and signed up with Margaret Thatcher to sing at the Falklands Ball. They all sign up in one way or another.“ … “ | https://www.theguardian.com/music/2007/jul/20/popandrock4
// https://en.wikipedia.org/wiki/Jubilee_(1978_film)

“ …[Für den film-dienst war der Film „eine ironische Persiflage auf das Showgeschäft …“] … [Buffalo Bill and the Indians, or Sitting Bull’s History Lesson Robert Altman, 1976] … Amerika 1880: William F. Cody, berühmt als Buffalo Bill steigt ins Showgeschäft ein. … Der Höhepunkt der Show soll die Nacherzählung der Schlacht am Little Bighorn sein … Cody, der selber nicht an der Schlacht teilnahm, will dem damals gefallenen General George Armstrong Custer ein Denkmal setzen: Custer soll der eigentliche Held und auch Sieger sein. Der Sioux-Häuptling Sitting Bull, der an der Schlacht als Anführer der Indianer teilnahm, ist ebenso für die Show engagiert. Er setzt die angeblichen Heldentaten Custers ins richtige Licht. … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Buffalo_Bill_und_die_Indianer

Tobias Kniebe (19. Mai 2010) “ … Die verlogene Moral der Klatschpresse, die entrüsteten Aufschreie der Sittenwächter täuschen meist nur kurz darüber hinweg, dass in Wahrheit eine weitreichende Mythologie des Künstlertums existiert, die auch Film- und Popstars gnädig umfasst …“ | http://www.sueddeutsche.de/kultur/britney-spears-mel-gibson-und-ihre-skandale-das-prinzip-vergebung-1.877220

via

“ … The Searchers [1956 Directed by John Ford] is endlessly watchable and unfathomable. The more times one sees it, the more questions it poses. … [Ethan] has brought Debbie back to white “civilization” and helped turn the wilderness into a garden. …“ | https://theculturetrip.com/north-america/usa/new-york/articles/eight-unanswered-questions-about-the-searchers/ // “ … [„The Searchers“ … greift in Ansätzen das wahre Schicksal von Cynthia Ann Parker auf] … Cynthia Ann Parker wurde 1860 von Texas Rangers aufgegriffen und gegen ihren Willen zu ihrer europäischen Familie zurückgebracht. Sie versuchte mehrfach vergeblich, zu ihrer indianischen Familie zurückzukehren und starb 1870. … Nach dem Tod ihrer Tochter verlor Cynthia Ann Parker ihren restlichen Lebensmut und verweigerte fortan die Nahrung. Sie starb laut Grabstein 1870. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Cynthia_Ann_Parker
// —> https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schwarze_Falke

via


Review by ScreeningNotes (Date ????): “ … The Searchers gives the lie to the supposed heroism of the Wild West mythos. John Wayne plays the same Indian-killing cowboy we’ve seen him play since the early 1930’s, the image of a valiant savior come to rescue a bunch of white folks from the Native American menace, but here he plays it as explicitly racist, calling out the pathological nature of the traditional cowboy’s racialized violence. Our heroes of the West were always outlaws who had to ride off into the sunset, but they were glorified outcasts, they were getting rid of the „real“ bad guys. The Searchers shows this hero not as an altruistic warrior, but as a murderer whose positive effects on society are less purposeful, more of a coincidental afterthought. …“ | https://letterboxd.com/screeningnotes/film/the-searchers/
// —> https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schwarze_Falke

Nolan Moore (June 5, 2015) “ … Ethan is trapped between two worlds: the outlaw West and civilization. Like many cowboy protagonists — think Pike Bishop in The Wild Bunch (1969), John W. Burns in Lonely Are the Brave (1962) and Tom Doniphon in The Man Who Shot Liberty Valance (1962) — Ethan Edwards is a throwback to an older time …“ | http://screenprism.com/insights/article/what-does-the-final-shot-of-the-searchers-mean

via

“ … Joseph Campbell wies darauf hin, dass aus religiöser Sicht Mythos als „die Religion anderer Leute“ definiert werden kann. Insofern sei Religion „missverstandene Mythologie“. Das Missverständnis bestehe darin, dass „mythische Metaphern als Hinweise auf unumstößliche Tatsachen interpretiert werden“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Mythologie (2. März 2018)


“ … In der philosophischen Ethik werden im Allgemeinen eine Handlung oder der diese erstrebende Wille als böse bezeichnet, wenn die Handlung als moralisch unzulässig bewertet wird. Je nach ethischer Position werden allerdings unterschiedliche Kriterien angelegt. …“ | Aus: „Das Böse“, 7. Mai 2018 | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_B%C3%B6se

Geschrieben am 15. August 2016 von Thomas Woertche zu: „Peter Strasser: Ontologie des Teufels“ (Essay): “ … er [kommt] zu dem Schluss, dass „das wahrhaft Böse – im Unterschied zu all dem, was im Laufe der Zeiten als böse ausgegeben wird, bloß, weil es einer zeitbedingten Konvention widerspricht – ist, wie auch das Wahrhaft Gute, im Metaphysischen verankert“ sein muss. …“ | http://culturmag.de/rubriken/buecher/essays-peter-strasser-ontologie-des-teufels/94809

Wolfgang Achtner (Rezension, 31.08.2016) – Zu: „Peter Strasser, Ontologie des Teufels – Verlag: Wilhelm Fink (Paderborn 2016): “ … Man reibt sich als moderner Mensch die Augen. Hat nicht der Teufels- und Hexenglaube unsägliches Leid über hunderttausende Menschen in Europa gebracht, vor allem über Frauen: Denunziation, Folter und in vielen Fällen den Tod durch Verbrennen, zelebriert als schauriges öffentliches Spektakel? Kein Wort verliert der Autor des vorliegenden Buchs über diese dunkle Epoche der europäischen Geschichte. Vielmehr will er dem Leser die Existenz des Leibhaftigen wieder schmackhaft machen. … Der Autor spricht [] von ontologischer Fahlheit. Es sei klar, dass dieser Mangel an Lebensintensität sich in der Massenkultur ein Korrektiv suche und dieses in allerlei nervenkitzelnden Verkörperungen des Bösen finde: Monstergestalten, Vampire, Aliens, Satanismus, Fantasie, Dark Wave, Gothic und so weiter. Die früher in der Hölle wirkenden Dämonen würden so Eingang in die naturalistische Moderne finden. Strasser scheut nicht vor starken Worten, dies zu konstatieren: „Das Leben, gedacht als Triumph der Immanenz [(lateinisch immanere, ,darin bleiben‘, ‚anhaften‘) bezeichnet das in den Dingen Enthaltene], ist die Hölle.“ In der Moderne wirke der Teufel als derjenige, der die Menschen entseelt: IS-Anhänger, aber auch … der entgeistigte Vertreter der westlichen Kultur. …“ — // Kommentar: Völlig unbelegte Zweckbehauptung – 05.09.2016, L.schaber: Zu folgendem Zitat aus der Rezension: “ … „Und man kann ihm zugutehalten, dass seit der Aufklärung das Wirken des Bösen in der Welt nicht ab-, sondern eher zugenommen hat. Gerade in der vermeintlich so aufgeklärten Moderne ist das Böse – etwa Hitler mit seiner ungebrochenen Faszination, dem der Autor ein Kapitel widmet – in kaum noch zu überbietender Weise präsent…“ … Dass das voraufgeklärte Böse trotz Aufklärung nicht abgenommen hat, erklärt sich allein schon dadurch, dass die aufklärerische Vernunft und ein mit ihr oftmals verbunderner Humanismus nicht auf ganzer Linie gesiegt haben, sondern dass es nach langen Kämpfen in Europa lediglich zu einr Art von Waffenstillstand mit der antiliberalen „Reaktion“ gekommen ist. Thron und Altar herrschten hierzulande bekanntlich (mindestens) bis 1918. Und es ist ein seit 1945 verbreitetes Märchen, dass das „hitlersche“ Böse durch den ontologischen oder mittelalterlich schwefelhaltigen „Gottseibeiuns“ über die vorher so reinen Deutschen gekommen sei. (Praktisch wars aber schon, denn damit war man nämlich fast von jeder möglichen Schuld befreit.) Tatsache ist aber, dass Hitler lediglich den schon seit fast hundert Jahren (Kolonialismus) vorhandenen (nicht nur britischen) sozialdarwinistisch- biologischen und vor allem christlich -antijudaistischen Rasssismus zu einer weiteren Blüte verholfen hat. Und daran ist gar nichts teuflisch, sondern es ist alte menschliche Tradition, Mitmenschen zur Duchsetzung eigener Machtinteressen mit menschenfeindlichen Ideologien zu infizieren. Neben den Religionen trifft das natürlich vor allem auch auf die meisten Schattierungen des Nationalismus zu. Eine solche Betrachtungsweise „relativiert“ überhaupt nichts und verharmlost auch keine Schuld. Den nur eine unideologische unvoreingenommen- faktische Betrachtung der Vergangenheit kann zukünftiges „Böses“ nachhaltig verhindern. …“ | Quelle: https://www.spektrum.de/rezension/buchkritik-zu-ontologie-des-teufels/1421399

Anna Sauerbrey (20.06.2018): “ … Am Dienstagabend schildert Comey den Moment, als er von seiner eigenen Entlassung erfuhr, eine Szene, die auch im Buch ausführlich beschrieben wird. Comey war für ein Rekrutierungsevent des FBI nach Los Angeles gereist. Vor der Veranstaltung sprach er in einem Raum zu Mitarbeitern des lokalen FBI-Büros. Hinter der Gruppe, an der Wand des Raumes, waren Fernseher angebracht. Auf mehreren Nachrichtensendern begann plötzlich die Eilmeldung durchzulaufen: „Comey fired.“ „Ich fühlte mich überrumpelt und etwas desorientiert“, sagt Comey lakonisch. … Das alles ist auf erschreckende Art und Weise unterhaltsam, so wie Trump nun einmal auf erschreckende Weise unterhaltsam ist. …“ | https://www.tagesspiegel.de/politik/gefeuerter-fbi-chef-james-comey-trump-ist-eine-katastrophe-die-den-usa-helfen-kann/22712438.html

“ … Wir leben in einer großen Erzählung der Demokratie. Aber wir leben auch in einer großen Blase des Entertainment, der Kulturindustrie und der populären Mythologie. In der ersten Erzählung geht es um Interessen, um Erklärungen, Informationen, um rationale Entscheidungen, um Gesetze, Verträge und Verhandlungen. In der zweiten Erzählung indes geht es um Bilder, Mythen, Emotionen, Identifikationen, Spiele, Fantasien. Politik spielt sich längst in beiden Erzählungen ab, Politiker verkaufen sich wie Pop-Stars, und die sozialen Wahrheiten werden nicht in Regierungserklärungen, sondern in Kriminalromanen, Hollywood-Filmen und Comedy Shows verhandelt. Bislang schien es freilich, dass die meisten Menschen sehr wohl unterscheiden können zwischen den Sphären von politischer Realität und medialer Fiktion. Aber offensichtlich fällt diese Unterscheidung immer schwerer. … Populismus als politische Bewegung hat eine Wurzel in der Beziehung zu einem bestimmten Begriff von Volk. Populismus hat aber auch eine Wurzel in der populären Kultur, im Medienkonsum und in den Strategien des Showbusiness. … [Das Buch] »TRUMP! – Populismus als Politik« beschreibt, was geschieht, wenn die Medienträume und -albträume zu realer Macht werden, wie sich mediale Pop-Träume und populistische Politik zueinander verhalten und wie schließlich Politik sich dereinst womöglich nur noch als »Reality« verstehen lässt, als Fortsetzung einer virtuellen, affekt- und bildhaften Innenwelt in die Räume der (mehr oder weniger) »repräsentativen« Demokratie. … »Seeßlen analysiert die eklektische mediale Inszenierung Trumps zwischen Volksheld, Westerner und kapitalistischem Selfmademan und fragt, inwiefern der Erfolg Trumps die Manifestation einer weitreichenderen Verschiebung im Kräfteverhältnis zwischen Entertainment, Kapital und Politik darstellt. […]. Mit essayistischem Verve spannt Seeßlen ein ebenso faszinierendes wie unterhaltsames Netz an Bezugspunkten, das von Orson Welles’ CITIZEN KANE über die Simpsons, Batman, Micky Maus, Al Capone, Barbie, Twitter und Darth Vader reicht. So gelingt es Seeßlen aufzuzeigen, an welche Diskurse Trumps populistisches Theater anschließt, welche Wünsche und Bedürfnisse es weckt und zu erfüllen verheißt. Diese Dekonstruktion von Trumps megalomanischer Ikonografie fördert in zuverlässigem Tempo interessante Einsichten zutage.« (Kevin Neuroth, Die Zeit) …“ | Aus: „Georg Seeßlen: Trump! – Populismus als Politik, 144 Seiten“, http://www.bertz-fischer.de/product_info.php?cPath=21_135&products_id=506

Christian Schröder (21.01.2010): “ … Der Plot von „Metropolis“ ist einigermaßen krude aus religiösen, mythologischen und literarischen Versatzstücken zusammenmontiert. Der Schriftsteller H. G. Wells nannte ihn 1927 den „dümmsten aller Filme“, der Kritiker Kurt Pinthus zählte damals in seiner Rezension ein Dutzend Bücher und Theaterstücke auf, bei denen sich Lang und Harbou bedient hatten. Der „Neue Turm Babel“, in dem der „Metropolis“-Herrscher Fredersen residiert, ist natürlich der Bibel entlehnt, und wenn Rotwang in seinem Labor allerlei Chemikalien aufblubbern lässt, um Hauptdarstellerin Brigitte Helm in die „Maschinen-Maria“ zu verwandeln, erinnert das an „Frankenstein“. Doch Kunst hat immer schon geklaut. Und bei den Bildern von „Metropolis“ bedient sich die Popkultur bis heute. …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/metropolis-tanz-um-die-maschinen/1667972.html

buechermaxe (am 29. Oktober 2006): “ … Drastik und Deutlichkeit. Egal ob in Film, Kunst oder Berichterstattung. Gleichgültig, ob in Sex, Sport oder Weltnachricht. Das kriegerische Vokabular, der monströse Vulgarismus in Form von Schlacht, Sieg und Niederlage regiert unsere Sprache, unsere Emotionen und unser Denken. Daths Buch aber öffnet im Blick auf die 70er Jahre, seine eigene Jugend und Jugendliebe im Puppenhaus Bundesrepublik in einer opulent-drastischen Sprache und Sichtweise das sprachliche Exerzierfeld, in der anhand verschiedenster filmischer Phänomene „die kulturindustrielle Form, die das Selbstwunsch- und –angstbild von modernen Menschen annimmt, wenn die sozialen Versprechen der Moderne nicht eingelöst werden“ benennt. …“ // Aus einem Kommentar zu: „Die salzweißen Augen: Vierzehn Briefe über Drastik und Deutlichkeit“ von Dietmar Dath (15. August 2005), Quelle: https://www.amazon.de/product-reviews/351841707X/ref=cm_cr_dp_see_all_btm?

Klaus Grunenberg (26. August 2005): “ … Im Moment unserer Geschichte scheint es [ ] so zu sein, daß der Einzelne nicht sehr Einfluß nehmen kann auf notwendige Veränderungen (trotz Demokratie), somit fährt er schnelle Autos, fliegt in Urlaub oder schreibt sich seinen Frust von der Seele. So wohl auch hier und das ist gut so. Männer, die ihre Pubertät anscheinend sehr lange mit sich herumtragen, sind wohl garnicht so selten. … Die neuerdings wieder leicht emporkommende Religiosität und der Versuch, auch z.B. Eucharistie [„Danksagung“, auch Abendmahl oder Herrenmahl, heilige Kommunion, Altarsakrament, allerheiligstes Sakrament, in den Ostkirchen heilige oder göttliche Liturgie genannt] im katholischen Sinn neu zu beleben mit all den bekannten Einzelheiten überkommener und nicht zu verstehender dogmatischer Energie, das ist auch – oder besser gesagt – birgt Drastik in sich und nicht zu wenig. Dies als kleine Abschweifung, aber nicht unbedingt uninteressanter. … Also, sind wir ein wenig zufrieden mit dem, was uns Dietmar Dath bietet und wünschen wir uns eine reichhaltige Diskussion darüber, wobei man aber Naturwissenschaftler und vor allem Ärzte mit einbeziehen müßte. Also, die Aufklärung birgt ja doch wohl noch etwas an köstlicher Energie, wenn man so will und dies hier ist ein bestes Beispiel dafür. Natürlich könnte man sich auch zurücklehnen, durch die Weinberge streifen und den Herrgott einen guten Mann sein lassen, besser aber nicht. …“ // Aus einem Kommentar zu: „Die salzweißen Augen: Vierzehn Briefe über Drastik und Deutlichkeit“ von Dietmar Dath (15. August 2005), Quelle: https://www.amazon.de/product-reviews/351841707X/ref=cm_cr_dp_see_all_btm?

lemonhorse / 20 Juni 2018 / Cinema.Exposure, Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Seelische Vorgänge #2… ]

“ … Philosophische Anthropologie (Anthropologie = Menschenkunde, von ánthropos „der Mensch“ und -logie) ist die Disziplin der Philosophie, die sich mit dem Wesen des Menschen befasst. … Wo Menschen sich zu einem Rätsel oder Problem werden, sich selbst befragen oder in Frage stellen und die eigene Existenz betreffende Annahmen oder Antworten entwickeln, berühren sie das Feld der philosophischen Anthropologie. … Nach den Entwicklungen in der Psychologie, der Biologie und der Evolutionstheorie bedurfte es für Cassirer zur Beantwortung der Frage, was der Mensch sei, eines neuen Schlüssels. Diesen sah Cassirer in der Bedeutungstheorie der symbolischen Formen. Erkenntnis findet nicht nur begrifflich in der Sprache statt, sondern auch durch Mythen, in der Religion und in der Kunst. Auch Geschichte, Wissenschaft, Technik und Politik haben ihre eigenen symbolischen Formen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische_Anthropologie (15. Februar 2018)

John William Waterhouse „Sleep and his Half-brother Death“ (1874)

“ … John William Waterhouse (1849 – 1917) war ein britischer Maler, der sowohl dem Akademischen Realismus als auch der Gruppe der Präraffaeliten zugerechnet wird. […] „Über die Ausgeburten von Waterhouse urteilten die Kritiker mal euphorisch, mal vernichtend. Ein Kritiker maulte, das Personal seiner Bilder entstamme weder „Träumen noch dem Tageslicht“; ein anderer schwärmte, die Kunst von Waterhouse lebe „in einer selbsterschaffenen Welt“. In einem Punkt waren sich also alle einig: Der 1847 in Rom geborene Maler hatte eine Welt geschaffen, die sich weder dem Phantastischen noch der Wirklichkeit zuordnen ließ. In seiner Malerei erhielten Hexen, Mischwesen und Märchenfiguren ein neues Zuhause. Er war ein Meister darin, dem Außerordentlichen eine beiläufige, selbstverständliche Gestalt zu geben.“ – Julia Voss in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 23. Juli 2009 …“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/John_William_Waterhouse (17. April 2018)

“ … Mit dem Todestrieb führte Sigmund Freud einen seiner umstrittensten Begriffe in die Theorie der Psychoanalyse ein. Der Todestrieb – oft auch im Plural die Todestriebe – bildet den Gegenpol zu den Lebenstrieben (Eros). … Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Konzeption des Todestriebs spielte für Freud dabei die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der ein bis dahin noch nie erlebtes Ausmaß an menschlicher Zerstörungslust offenbarte. Erich Fromm analysierte in seiner Schrift Anatomie der menschlichen Destruktivität (1973) unter anderem Adolf Hitler und Heinrich Himmler als „destruktive“, auf pathologische Weise vom Todestrieb beherrschte Charaktere. … Lacan weicht jedoch von Freuds Konzeption entscheidend ab, wenn er den Todestrieb nicht als einzelnen Trieb versteht, sondern als Aspekt, der jedem Trieb innewohnt. Auch identifiziert er den Todestrieb nicht mit der Rückkehr zum Anorganischen, also einen vorkulturellen Zustand der Natur, sondern als Bestandteil von Kultur selbst: Der Todestrieb ist für ihn kein biologischer Begriff, sondern gehört der „symbolischen Ordnung“ an. (vgl. Evans: Wörterbuch der Lacanschen Psychoanalyse, S. 307 f.) Im Anschluss an Lacan deutet auch Slavoj Žižek den Todestrieb: „Der Freudsche Todestrieb hat nicht das geringste mit dem Verlangen nach Selbstvernichtung, nach einer Rückkehr zur anorganischen Abwesenheit jeglicher Lebensspannung zu tun; er ist vielmehr genau das Gegenteil des Sterbens – ein Name für das ‘untote’, ewige Leben selbst, für das schreckliche Schicksal, im endlosen Wiederholungskreislauf des Umherwandelns in Schuld und Schmerz gefangen zu sein. Das Paradox des Freudschen ‘Todestrieb’ ist folglich, daß Freud damit dessen genaues Gegenteil bezeichnet, nämlich die Art, wie die Unsterblichkeit innerhalb der Psychoanalyse erscheint, einen unheimlichen Exzeß des Lebens, einen ‘untoten’ Drang, der über den (biologischen) Kreislauf von Leben und Tod, von Entstehen und Vergehen hinaus persistiert. Die eigentliche Lehre der Psychoanalyse ist, daß das menschliche Leben nie einfach ‘nur Leben’ ist: Menschen sind nicht einfach lebendig, sie sind besessen von dem seltsamen Trieb, das Leben exzessiv zu genießen, und hängen leidenschaftlich an einem Überschuß, der hervorsticht und den normalen Gang der Dinge zum Scheitern bringt.“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Todestrieb (25. April 2018)

[KLAUS-DIETMAR HENKE, Professor am Institut für Geschichte der TU Dresden. Der Zeithistoriker war vier Jahre lang Forschungschef der Gauck-Behörde, seit 1997 ist er Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Henke, 54, veröffentlichte unter anderem das Standardwerk „Die amerikanische Besetzung Deutschlands“] „DAS BÖSE – NUR BANAL?“ (03.09.2001): “ … Hannah Arendt begann sich dem Phänomen des Staatsmordes und seinen Exekutoren zunächst in ihren berühmten Reflexionen über den Totalitarismus zu nähern, die sie noch im Krieg aufnahm und Anfang der fünfziger Jahre der Öffentlichkeit vorlegte. Sie begriff totalitäre Herrschaft als Angriff auf das Wesen des Menschen. Da für Hitler und Stalin alle Höherentwicklung an den eisernen Gesetzen des Rassen- beziehungsweise des Klassenkampfes hing, folgte daraus die gezielte Zurückdrängung der menschlichen Pluralität und Individualität als logische und politische Konsequenz. Eigenwillig, wie er ist, steht der Mensch einer beschleunigten Durchsetzung der historischen oder biologischen Gesetzmäßigkeiten nur im Wege. Deswegen macht der Totalitarismus nichts weniger als den Versuch, die universale Idee der menschlichen Würde und der unveräußerlichen Menschenrechte selbst zu beseitigen, um damit die Entfaltung der angeblichen Gesetze von Natur oder Geschichte zu erleichtern.
Brennpunkt dieses Versuchs, die Autonomie des Einzelnen zu zerstören, die menschliche Natur umzuformen, ja den Störfaktor Mensch „überflüssig zu machen“, ist für Hannah Arendt das System der Lager. Der Terror dort, der die Ideologie eines binären Freund-Feind-Denkens abstützt, dient dem Regime weniger zu praktischen Zwecken als vielmehr zur Demonstration, dass es keine Begrenzung mehr dafür anerkennt, was Menschen einander antun dürfen.
Weil die Philosophin in den Lagern Laboratorien des stalinistischen und nationalsozialistischen Totalitarismus zur Beseitigung einer kommunikativen Welt sah, ohne die kein Individuum existieren kann, bediente sie sich zur vorläufigen Bezeichnung des Ungeheuerlichen des Kantschen Begriffes vom „radikal Bösen“. Was in den Lagern geschah, konnte nicht mehr auf die üblichen niedrigen menschlichen Motive zurückgeführt werden. Es lag außerhalb jeder moralischen Dimension und war damit menschlichem Begreifen letztlich entzogen – vorstellbar allenfalls als Ausdruck des altvertrauten metaphysischen Kampfes zwischen Gut und Böse.
Dieses apokalyptische Bild gab einerseits eine atemberaubende Ahnung von dem unbegrenzten Verfügungsanspruch totalitärer Herrschaft, von ihrer Dynamik, ihrer ungebremsten Produktion immer neuer „Feinde“ und damit zugleich ein eindringliches Gegenbild des demokratischen Verfassungsstaates. Andererseits nahm die Perspektive einer Bedrohung des Menschseins und der Suche nach universellen Gegenmitteln eine so hohe Ebene der Abstraktion ein, dass Hannah Arendt, die die Essenz und die Tendenz totalitärer Herrschaft idealtypisch und „nur“ in äußerster gedanklicher Zuspitzung freilegen wollte, gleichsam den historischen Boden unter den Füßen zu verlieren drohte.
Nationalsozialismus und Stalinismus (von dem sie wenig wusste) mit ihrem Lagerkosmos waren nicht nur in manchem ähnliche, sondern eben auch höchst verschiedenartige Regime. Auschwitz war gewiss aus dem Totalitarismus, aber vor allem aus dem Antisemitismus geboren, aus moderner instrumenteller Rationalität und aus deutschen Wurzeln, aus anonymer Bürokratie und nationalsozialistischer Ideologie. … Gerade weil die strukturelle Gewalt totalitärer Herrschaft in der Analyse der Philosophin weithin täterlos geblieben war, ließ sie es sich nicht entgehen, einen der vermeintlichen Haupttäter des Nationalsozialismus persönlich in Augenschein zu nehmen. Als Israel den aus Argentinien entführten Adolf Eichmann 1961 vor Gericht stellte, fuhr sie als Berichterstatterin nach Jerusalem. Die Theoretikerin des Totalitarismus wollte sich mit seiner Praxis vertraut machen und die unverhoffte Gelegenheit nutzen, einen von „diesen Leuten“ aus der Nähe zu beobachten. Ihre Artikelserie für den „New Yorker“ veröffentlichte sie 1963 als Buch. Im Jahr darauf erschien die Studie in Deutschland: „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“.
In Jerusalem wurde der Prozessbeobachterin augenblicklich bewusst, dass es ein Irrweg war, den Judenmord als letztlich metaphysisches Geschehen zu deuten und Täter wie Eichmann zu bösen Dämonen zu machen. … Ihr Einblick in die Organisation des Judenmords und die Motivlage des Angeklagten ließen Hannah Arendt nun auf der rationalen Erklärbarkeit des „größten Unheils unseres Jahrhunderts“ bestehen. Damit befreite sie sich nach 20 Jahren auch von dem Alpdruck, die Menschheit könne von ähnlichem Unheil heimgesucht werden, ohne es begreifen und wieder kaum bekämpfen zu können. Hannah Arendts „Bericht von der Banalität des Bösen“ war der freimütige Versuch, dem Teuflischen mit kühlem Kopf zu begegnen. … Nach einigen Anfechtungen begann Eichmanns Gewissen systemkonform zu arbeiten, „weil die Stimme des Gewissens in ihm genauso sprach wie die Stimme der Gesellschaft, die ihn umgab“, schrieb Hannah Arendt. Sein privater kategorischer Imperativ (wie er sagte), allein nach dem „Gesetz“ des Führers zu handeln, verschmolz mit dem Gebot der geltenden Offizialmoral, angesichts schwerer mörderischer Pflicht nicht „weich“ zu werden. … Neue Erlösungsprogramme werden sich kaum in der Requisite des 20. Jahrhunderts bedienen. Aber genügend Komplizen kann das extrem Böse auch heute finden, wenn es sich nur in den Mantel des sittlich Gebotenen hüllt. …“ | http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-20017823.html

“ … Arendt betont, dass die Sprache der Nazis darauf aus war, Zusammenhänge auch vor den Tätern selbst (vor anderen ohnehin) zu verschleiern, um Gewissensreste, die manche Täter anfangs noch haben mochten, zu beruhigen. Das gilt hier für das Wort „Sache“ oder allgemein für die typische Tarnsprache der Zeit, z. B. „Endlösung“ für den Massenmord an Juden. Nach Arendt hatte Eichmann diese verdinglichte Sprache noch im Prozess, zwanzig Jahre nach seiner Tätigkeit, vollkommen verinnerlicht und wendete sie in den Verhören vor Avner Less und vor Gericht ständig an. … Ihre Zusammenfassung des Prozesses lautet: „In diesen letzten Minuten war es, als zöge Eichmann selbst das Fazit der langen Lektion in Sachen menschlicher Verruchtheit, der wir beigewohnt hatten – das Fazit von der furchtbaren Banalität des Bösen, vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert.“ … Schulze Wessel kommt zu dem Ergebnis, dass die „Banalität des Bösen“ keine Verharmlosung der Nazitaten ist, sondern im Gegenteil eine Radikalisierung der antisemitischen Ideologie; Eichmann inszenierte sich selbst in Jerusalem nur als willenloses Werkzeug eines „Führerwillens“, als Mann ohne Eigenschaften. Nach Avner Werner Less, der Eichmann 275 Stunden lang verhörte, hat Hannah Arendt verkannt, dass Eichmanns Aussagen ein Lügengewebe gewesen sei. Eichmanns Verteidigungsstrategie habe darin bestanden, die Richter von der Unwichtigkeit und Geringfügigkeit seiner eigenen Person zu überzeugen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Eichmann_in_Jerusalem (Stand: 20. Mai 2018)

“ … Was wir als gut oder böse erleben, hat einen Bezug zu unserer Lebensgeschichte. … “ („Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, was man läßt!“ (Wilhelm Busch) – Familienwerte und -normen im Blick der Generationenweitergabe, Margit Wegener ) — “ … Im Märchen sind Böse und Gut immer klar voneinander zu unterscheiden – möchte man meinen. Aber ist das wirklich immer so? …“ (Märchenseminar: Böse und Gut aus der Sicht eines Märchens, Gideon Horowitz) — “ … Erlöse (oder befreie) uns von dem Bösen. Aber Leben ohne Böses ist kaum vorstellbar – zu schön, um wahr zu sein. Wir wären wie die Träumenden. …“ (Erlösen, Eindämmen, Abgeben – Das Gute als Verzicht, Wolfgang Teicher) — „Good people go to heaven, bad people everywhere“ (Psychodramaseminar), Dorothea Ensel und Prof. Dr. Peter Wertz-Schönhagen … [Textfraktale aus: „Zwischen Böse und Gut – vom Umgang mit Urkräften“, Arbeitstagung 2017 in Lindau (Bodensee) vom 29.10. bis 2.11.2017 – Internationale Gesellschaft für Tiefenpsychologie e.V., http://junggesellmuc.de/wp-content/uploads/2017/07/Tagungsprogramm-igt-2017.pdf]

(2. Januar 2017): “ … Was genau verstehen Sie unter dem Bösen? – Haller: Für mich gehören dazu immer fehlende Empathie, Sadismus und das Herstellen und Ausnutzen eines einseitigen Machtverhältnisses, wie es im Krieg sehr ausgeprägt ist oder bei Terroranschlägen, die sich gegen Unschuldige richten. Aber das Böse an sich ist natürlich keine Kategorie für die Psychiatrie. …“ | Andreas Lebert und Katrin Zeug „“Jeder Mensch hat in sich seine Abgründe““ (2. Januar 2017) | https://www.zeit.de/zeit-wissen/2017/01/psychologie-psychiater-gericht-gutachten-verbrecher-interview

Fritz Riffer (Ärztlicher Leiter am Psychosomatischen Zentrum Eggenburg-Gars. Dort findet am Freitag der Jahreskongress zum Thema „Mensch Beziehung Störung“ statt) [5. Juni 2018]: “ … Die Gegenüberstellung von Liebe und Aggression lässt sich anhand von Märchen gut erläutern … Im Märchen ist die Spaltung besonders gut dargestellt, weil die guten und die bösen Eigenschaften meist auf zwei Personen verteilt sind. Es gibt eine böse Hexe und eine gute Fee. Deshalb lieben Kinder Märchen auch so. Obwohl sie wissen, dass ihre Mutter beide Eigenschaften in einer Person vereint, ist es einfacher, diese getrennt zu denken. … Auch wir haben den Wunsch in uns, eine Einteilung in Gut und Böse zu finden, das beruhigt. Man denke nur an die Politik. Die meisten von uns haben eine für sich gute und eine böse Partei. Was als gut oder böse bewertet wird, hängt vom persönlichen Standpunkt ab. Diese Aufteilung machen wir alle täglich, sie gibt uns Orientierung. Die Kunst ist, nach dem Auseinanderhalten auch wieder zusammenführen zu können. Bei Diskussionen heißt das: Ich habe diesen Standpunkt, aber kann die Argumente der Gegenseite wahrnehmen und zulassen. Es geht um das Ausmaß der Spaltung und die Fähigkeit, sie zu überwinden. Menschen mit Borderlinestörung tun sich damit schwer. … Ohne für das Gegenüber nachvollziehbar zu sein, schwanken die Betroffenen zwischen Idealisierungen und Entwertungen, loben in den Himmel, oder werden – scheinbar ohne Anlass – aggressiv. Der amerikanische Präsident ist ein gutes Beispiel dafür. … Er hat aus meiner Sicht eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, die mit der Borderlinestörung ganz eng verwandt ist. Bei kleinen Anlässen gibt es ein großes Gewitter, er idealisiert und entwertet, sodass die Öffentlichkeit aus dem Staunen gar nicht herauskommt. Auf der anderen Seite hat er Angst, die sich in einer enormen Kränkbarkeit zeigt. Trump sagt über sich, er sei ein stabiles Genie. Das ist der Narzisst. Er entschuldigt sich nicht, leidet auch nicht an seinem Verhalten. Das ist der Unterschied zur Borderlinestörung. …“ | Aus: „Borderline: Nur Gut oder nur Böse sehen“ – Interview: Bernadette Redl | https://derstandard.at/2000080923523/Borderline-Nur-Gut-oder-nur-Boese-sehen

Gerichtspsychiater Reinhard Haller (02.04.2012): “ … Jemandem ins Gesicht zu schauen, heißt, ihn nicht töten zu können, lautet ein berühmtes Philosophenwort. Wenn man den anderen entmenschlicht, das ist immer passiert, wenn es um lebensunwertes Leben, um geborene Verbrecher, um unnütze Esser und so weiter gegangen ist. Wenn sehr viel Macht eingesetzt wird, also wenn die Machtverhältnisse ganz einseitig sind, und wenn man den Moralinstinkt, der in jedem Menschen irgendwo vorhanden ist, in allen Kulturen weiß man, Töten ist nicht in Ordnung. Das ist ein Verbrechen. Wenn der übersprungen wird, dann, glaube ich, dann können wir sagen, ist das Böse ganz besonders nahe. Und es kommt noch ein Faktor hinzu, das ist die Autorisierung des Bösen. Also dass vollkommen normale Menschen zu schrecklichen KZ-Wärtern oder zu Mitgliedern eines Erschießungskommandos bei Massenerschießungen geworden sind, die daneben liebevolle Familienväter und fürsorgliche Söhne und so weiter sind, unter dieser Autorisierung des Bösen kommt aus ihnen etwas heraus, was sie wahrscheinlich selbst nie vermutet hätten. …“ | http://www.deutschlandfunkkultur.de/das-boese-beginnt-dann-wenn-der-mensch-sich-nicht-in-andere.954.de.html?dram:article_id=147128

“ … Mit Der Luzifer-Effekt … schlägt [Philip Zimbardo] den Bogen von den Details des weltberühmten Stanford Prison Experiment bis zu den grausamen Geschehnissen im Gefängnis von Abu Ghraib im Irak, und es offenbart verstörende Wahrheiten: über physische und psychische Gewalt, über Misshandlungen und Folter, über Kriegsverbrechen und Massenmorde – und über die Menschen, die sie ausführen, anordnen, ermöglichen oder zulassen. … Zimbardos These: Nicht die Veranlagung bringt gute Menschen dazu, Böses zu tun, sondern die Situation, in der sie sich befinden oder in die man sie versetzt. Die Macht der Umstände schafft Täter und Opfer, und in oft diffusen Verantwortungsgeflechten verlieren moralische Maßstäbe allzu leicht ihr Fundament … Der „Banalität des Bösen“ setzt Zimbardo die „Banalität des Heldentums“ entgegen. …“ | https://www.j-k-fischer-verlag.de/Gesundheit/Psychologie/Der-Luzifer-Effekt–3770.html (2016)

“ … Häufig ist der Schicksalsglaube religiös eingebettet oder ausgeformt. Die Annahme, das Schicksal des Menschen liege in der Hand Gottes oder eines übermächtigen göttlichen Wesens und werde von ihm bestimmt oder zumindest geführt, findet man im Glauben an die göttliche Vorsehung, der etwa im Islam und im Christentum eine wichtige Rolle spielt. Je nachdem wie viel Entscheidungsspielraum dabei dem freien Willen des Menschen gegenüber dem vorbestimmten oder vorgesehenen Schicksal zugestanden wird, gehen diese Vorstellungen recht weit auseinander … Philosophisch ist die Stellung und Bewertung des Zufalls von Bedeutung, der im Schicksals- und Vorsehungsglauben häufig als göttliche oder schicksalhafte Fügung verstanden oder gedeutet und teils – wie im konsequenten Determinismus – als nicht existent abgelehnt wird („es gibt keine Zufälle“). Im Unterschied zu deterministischen Vorstellungen betont der Schicksalsglaube jedoch die Unausweichlichkeit nur des Ergebnisses (der „Bestimmung“) eines Vorgangs oder einer Biografie, billigt dem Individuum jedoch mitunter durchaus die Möglichkeit freier Willensentscheidungen zu, mit denen es den Eintritt des vorbestimmten Ergebnisses freilich nicht beeinflussen, jedenfalls nicht verhindern kann. Klassische Beispiele für dieses paradoxe Moment in der schicksalgläubigen Weltauffassung finden sich in der antiken Sagenwelt, etwa in den Geschichten des Ödipus oder des Odysseus, deren Protagonisten in ihren Handlungen frei sind und alles unternehmen, um ihrer (durch Orakel prophezeiten) schicksalhaften Bestimmung zu entgehen, letztlich aber gerade dadurch ihr vorherbestimmtes Schicksal selbst realisieren. … Einig sind sich das schicksalgläubige und das deterministische Weltbild indes in der Betonung der Unausweichlichkeit und Alternativlosigkeit der Realität. Das kann zu einer eher passiven, schicksalergebenen (fatalistischen), bisweilen gleichgültigen oder − auch ethisch – indifferenten Lebenseinstellung führen und das Streben nach Selbstbestimmung und Weltveränderung als Illusion begreifen lassen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Schicksal (16. Dezember 2017)

lemonhorse / 5 Juni 2018 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Seelische Vorgänge #1… ]

“ … Psyche ist die jüngste und schönste der drei schönen Töchter eines Königs. Sie ist so schön, dass alle aufhören, Venus, die Göttin der Schönheit und der Liebe, zu verehren. Verärgert ruft Venus ihren treuen Sohn Amor und befiehlt ihm, Psyche dazu zu bringen, sich in einen schlechten Mann zu verlieben. Der Vater schickt seine Tochter – wie das Orakel des Gottes Apollon ihm befohlen hat – in einem Brautkleid an eine einsame Bergspitze, auf der sie einen furchtbaren Dämon heiraten soll. Doch anstatt des Dämons wird sie von Zephyr, dem Herrn der Winde, auf Anweisung Amors, der selbst der überirdischen Schönheit Psyches erliegt, in ein märchenhaftes Schloss gebracht. In diesem Schloss sucht ihr Gatte sie Nacht für Nacht auf, doch tagsüber verschwindet er, ohne dass sie ihn je zu Gesicht bekommt. Da sich Psyche einsam fühlt, gewährt er ihr einen Besuch von ihren Schwestern. Amor warnt sie aber, sie dürfe sich nicht von ihnen verleiten lassen, herauszufinden, wer er sei. Die Schwestern, zuerst froh, Psyche wohlbehalten vorzufinden, sind schnell vom Neid verzehrt. Bei einem weiteren Besuch gelingt es ihnen, das naive Mädchen davon zu überzeugen, dass sie eine Schlange geheiratet habe, die ihr wegen ihrer furchtbaren Gestalt nie bei Tageslicht gegenübertrete und die Schwangere verschlingen werde. Aus Angst um ihr ungeborenes Kind und um sich selber befolgt sie den Rat ihrer Schwestern und wartet in dieser Nacht mit einer Öllampe und einem Messer auf ihren Mann. Als sie ihren Geliebten beleuchtet, erblickt sie kein Ungeheuer, sondern den schönen Körper des geflügelten Amor. Psyche – von Liebe zu ihrem göttlichen Gatten überwältigt – merkt nicht, wie ein Tropfen des heißen Öls auf Amors Schultern fällt. Der Gott, der seiner Mutter ungehorsam gewesen ist, fühlt sich betrogen, fliegt davon und lässt Psyche untröstlich zurück. Venus, voller Wut darüber, dass ihr Sohn ihre Befehle missachtet hat und stattdessen mit Psyche ein Kind gezeugt hat, macht sich auf die Suche nach dem Mädchen. …“ Text & Bild via (2018)

Sabine Rückert (19. Dezember 2017): “ … Das altgriechische Substantiv psyche bedeutet „Hauch“, „Atem“ und „Leben“. Bei Homer findet man die Vorstellung, dass die Seele von außen in den Körper eindringt und ihm später, wenn der Mensch stirbt, wieder entweicht. … Wollte man [ ] eine Maschine mit Seele bauen, müsste man sie sehr anders konzipieren als die Computer heute. Es müsste eine Maschine sein, die Angst haben kann. Die nicht allein sein will. …“ via

Beate Tröger (16.05.2018): “ … Das Bekenntnis des Schriftstellers Christian Kracht, als Zwölfjähriger von einem Lehrer sexuell missbraucht worden zu sein, vorgetragen während seiner Frankfurter Poetikvorlesung, steht ja weiß Gott nicht allein da. Man muss sich das einmal vergegenwärtigen. Der Literaturnobelpreis wird dieses Jahr nicht vergeben und womöglich auf lange Zeit noch beschädigt sein, weil die Jury Missbrauchsfälle bis, so ist zu vermuten, hin zur Vergewaltigung systematisch verschleierte. Dass der angeblich so hehre Kreis um den Dichter Stefan George sich in seinem Kern um Missbrauch drehte, legt eine Recherche der FAS nahe. Der amerikanische Schriftsteller Junot Díaz hat sich erst selbst in einem erschütternden Text als Missbrauchsopfer geoutet – bevor er seinerseits von gleich drei Frauen auch als Täter benannt wurde. … “ | Quelle: https://www.freitag.de/autoren/beate-troeger/dreh-dich-nicht-um

Matthias Heine (12.11.2017): “ … „Männerphantasien“ war als literaturwissenschaftliche Dissertation verfasst und an der Universität Freiburg mit „summa cum laude“ bewertet worden. Literaturwissenschaftlich daran war, dass sein Autor Klaus Theweleit tatsächlich etwa 250 Romane der Zwanzigerjahre analysierte, die vor dem Hintergrund des 1. Weltkriegs und des „weißen“ gegenrevolutionären Terrors spielten. Was Theweleit dabei fand, waren – kurz gesagt – Männer, die eine abgrundtiefe Angst vor Frauen hatten, und die sich gegen diese Furcht körperlich und seelisch panzerten. Der Faschismus bot ihnen passende geistige und organisatorische Lösungen. Und er schuf die Möglichkeit, Ängste mit Gewalt abzureagieren. …“ | https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article170548442/Deutsche-Soldaten-und-ihr-Hass-auf-Frauen.html
—> Kommentar – Anna N. (2017): “ … Gemäß einer These des Philosophen Eberz gibt es drei männliche Abwehrstrategien gegen „die Frau“: Reduzierung auf die Mutterrolle, Sexualisierung und Vermännlichung, dh Einbeziehung der Frau in einer männliche Arbeits- und Lebenswelt. Die Ausprägung der Abwehrstrategien variieren je nach Gesellschaftsform. Immer geht es darum, die Frau nicht als Ganzes wahrnehmen zu müssen (dh sie in einem biblischen Sinn zu erkennen, zu lieben), sondern das eigene (narzisstische?) [ ] Weltbild aufrecht erhalten zu können. … “
—> Kommentar – rogruebra (2017): „Ist es nicht so, daß die meisten Männer(nicht nur Deutsche) ihre Angst mit Aggression überspielen oder bekämpfen?“
—> Kommentar – Ignaz B. (2017): „Tun das aggressive Frauen nicht auch?“

// Einschub & Nachtrag (I): — Mira Sigel (21. Mai 2018): “ … Ein junger Mann hat eine Waffe genommen und in einer Schule in den USA zehn Menschen erschossen. Das erste seiner Opfer ist nach Angaben von “Bild” [https://www.bild.de/news/ausland/amoklauf/texas-amok-shana-55753786.bild.htm] ein Mädchen, dem er sich immer wieder versucht hatte zu nähern. “Tragische Liebesgeschichte” nennt die Bildzeitung das und bezieht sich auf Aussagen der Mutter. “Zurückgewiesene Liebe” wird immer wieder als Rachegrund genannt, wenn ein Mann gewalttätig wird. Statistisch gesehen stirbt in Deutschland jeden Tag eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners aufgrund von “enttäuschter Liebe”. Hinter dem Euphemismus “enttäuschte Liebe” verbirgt sich nichts anderes als die auch mit Gewalt durchsetzbare männliche Anspruchshaltung, Frauen hätten ihnen zur Verfügung zu stehen. … Das Narrativ vom “Zwingen der Frau zu ihrem Glück” findet sich – wen wundert das – millionenfach im Porno. … “ | https://diestoerenfriedas.de/das-patriarchale-trauma-warum-maenner-morden-und-frauen-vergewaltigungsfantasien-haben/

// Einschub & Nachtrag (II): — Deleja-Hotko (2017): „… In Deutschland wurden im Jahr 2016 laut der Statistik des Bundeskriminalamtes 357 Frauen von aktuellen oder ehemaligen Partnern getötet. Die Taten werden unter dem Begriff „Partnergewalt“ zusammengefasst. … 11.882 Frauen wurden in Deutschland 2016 gefährliche Körperverletzungen zugefügt. Und darunter fallen nur diejenigen, die die Tat zur Anzeige brachten. Wie viele dieser Frauen nur knapp dem Tode entkommen sind, zeigt die Statistik nicht. … Es sind ähnlich viele Vorfälle wie in Italien. Doch in Deutschland verharmlosen Medien, Politik und Gesellschaft das Phänomen, als ob Mackertum und toxische Männlichkeit nur bei Nicht-Deutschen existieren würden. … “ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/femizide-sind-auch-bei-uns-fakt

Michael Baas (Do, 12. Oktober 2017): “ … Kunstmuseum Basel: „Weibsbilder“ (2018), St. Alban-Graben … Frauen sind gefährlich. Diesen Subtext der lockenden, verführerischen und verderbenbringenden Femme fatale, der sich letztlich bis auf die biblische Eva-Gestalt als Initiatorin der Vertreibung aus dem Paradies zurückführen lässt, dekliniert die Ausstellung anhand von rund 100 Werken in thematischen Blöcken wie Eros, Macht und Moral durch. Darunter finden sich Arbeiten von Künstlern wie Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Urs Graf, Niklaus Manuel Deutsch und Lucas Cranach – meist Zeichnungen und Druckgrafiken, aber auch Gemälde und Kleinstatuen. In allen Werken aber erscheint Frau als Verkörperung gefährlicher Begierden oder sündiger Laster. Mal ist sie verführerische Venus, mal die antike Tugendheldin und mahnende Vanitas, mal listige Herrscherin über den Mann, dann die ausgebuffte Dirne und teuflische Hexe. Exemplarisch verdeutlicht das gleich das Eröffnungsbild – Nikolaus Manuels um 1512 entstandene Frau Venus. Der auch Deutsch genannte Künstler zeigt die Liebesgöttin als nackte, mit zwei riesigen Flügeln versehene Frauengestalt, die auf einer Kugel balanciert. Auf ihren Schultern steht ein kleiner Amor mit gespanntem Pfeil und Bogen, auf dessen Spitze eine Narrenkappe steckt. … Das Thema [wird] nicht nur in kunsthistorischer, sondern auch in kulturgeschichtlicher Sicht ergiebig und aufschlussreich aufgearbeitet und schafft einen geistesgeschichtlichen Kontext zu bis heute wirkenden Klischees eines männlich geprägten Frauenbildes. Dieses setzt das Weibliche gleich mit Lust und Laster, mit Gefahr und Risiko und ist ohne weiteres anschlussfähig an die Männerphantasien, die der Freiburger Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit Ende der 70er-Jahre in der Freicorpsliteratur der 1920er Jahre freigelegt hat. … “ | http://www.badische-zeitung.de/ausstellungen/fruehbuergerliche-maennerphantasien–143265618.html

Josef Rudin (1960) “ … Wenn Angst als ‚Grundbefindlichkeit‘ zum Wesen des Menschen gehört, dann ist es [eine] ethische Aufgabe des Menschen, den Pegel ihres Wasserstandes im Auge zu behalten, ihre unterirdischen Kanäle mit ihrem plötzlichen Anschwellen und mir den geheimen Abflussmöglichkeiten …
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[[ Einschub, Nachtrag & Beispiel (III) -> [2018: „… Bis zu 800.000 Suchanfragen monatlich: In Deutschland und anderswo steigt die Nachfrage nach Pornos mit Flüchtlingen. Es geht um Exotisierung und Unterwerfung. … Was ist „Refugeeporn“? – Dieses Genre konzentriert sich auf heterosexuelle Pornografie. Flüchtlingspornografie spielt dabei mit dem Motiv der mysteriösen, fremden Frau, die meist von weißen Männern verführt, erobert und dominiert wird. …“ (Mohamed Amjahid, Redakteur ZEITmagazin, DIE ZEIT, 15. Mai 2018) [uga-baba zu: „Wann Flüchtlingspornos boomen“ (15. Mai 2018) “ … Es gibt [ ] „Refugee-Pornos“ mit männlichen „Flüchtlingen“, die weiße Frauen vögeln. Und schon sehr lang gibt es massenweise Pornos, in denen afrikanisschtämmige („schwarze“) Gigolos weiße Ehefrauen vögeln, und der Ehemann filmt das Ganze, oder holt sich beim Zusehen einen herunter. Das sind Phantasien, die nicht auf den Umgang im Alltag übertragen werden können. Der Beweis dafür sind Sado-Maso-Spielchen, die auch gar nichts mit dem Alltag zu tun haben. Selbstbewusste Männer und Frauen lassen sich fesseln und missbrauchen. Es sind sexuelle Phantasien, die im Alltag kulturell gebannt sind, und im sehr Privaten ausgelebt werden.]] Ende des Einschubs]]
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[[ Einschub, Nachtrag & Beispiel (IV) -> [2018: “ … Hanna Herbst: Wirst du noch wütend, wenn du eine weiße Frau mit einem schwarzen Mann siehst? – Christian Weißgerber: Radikalisierung ergreift Köpfe und Körper. Rational hat jemand zum Beispiel verstanden, dass Rassismus bescheuert ist, aber dann klickt er mal auf den falschen Porno, in denen Menschen verschiedener Herkunft Sex haben, und merkt, dass ihn das doch noch stört. Mir passiert das nicht mehr – und ich hab das auch aktiv mit Pornoschauen bekämpft. … Es gibt ganz klar die Vorstellung, dass es für einen rassistischen Menschen zum Beispiel nicht gut wäre, Sex mit einer schwarzen Frau zu haben. Aber natürlich wäre es nach einem typischen Kolonialgedanken dann wiederum in Ordnung. Das legen sich manche ja dann aus, wie sie wollen – die Bändigung des Tieres und so weiter. … Und es gab da natürlich auch Gruppierungen, die haben noch einmal eine ganz andere Herangehensweise an Homosexualität. Da gab’s etwa Partys von Skinheads, die gesagt haben: „Frauen sind das schwache Geschlecht, wir sind Krieger und deshalb kreuzen wir unsere Schwerter.“ Die haben dann nur Sex unter sich. Gibt halt nichts, das es nicht gibt. … Manche waren sehr enttäuscht, als ich angefangen habe, Adorno zu lesen. Ein paar Leute habe ich dann mal zu einem Marx-Lesekreis eingeladen. Einer, der noch lange mein Fitnesspartner war, war richtig traurig wegen meines Ausstiegs aus der Szene und hat gesagt, es tue ihm richtig weh. … Der österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache war zum Beispiel ein bisschen wie ich, nur dass er es durchgezogen hat. Den Körper als Jugendlicher militarisieren und Jahrzehnte später Spitzenpolitiker werden. Jemand mit einer Neonazivergangenheit kann in Österreich zum Vizekanzler werden. Da kann man schon mal drüber aufklären. … (Aus: „18 Fragen an einen ehemaligen Neonazi“ von Hanna Herbst, Mai 23 2018, 5:45am, Quelle: https://www.vice.com/de/article/3k4n7v/18-fragen-an-einen-ehemaligen-neonazi)“ Ende des Einschubs]]
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[…] Wir möchten hier die Behauptung wagen, dass [die] [ ] Grundgestalt der Angst … gewichtig ist und bewußter erfasst … werden sollte. […] Die Großtaten des Geistes können nicht rasch genug auf den Markt der Kultur ausgebreitet und … angepriesen werden, und die Körperschulung andererseits wird nach überprüfbaren Methoden betrieben; nur die Seele mit ihren Kräften, mit ihren unermesslichen Räumen und Vorstellungen, Gefühlen, Stimmungen entzieht sich schließlich jedem Psychologischen Lochkastensystem und allen hochqualifizierten Elektronenmaschinen. Sie geht immer wieder fremd und unerkannt ihre eigenen vielverschlungenen Pfade. … ‚Was eine Wissenschaft von der Seele so schwierig macht, ist nicht die Seele, sondern es ist die Seelenmaskerade …‘ [Ludwig Klages] … Wir verstehen, warum die unruhige Angst vor der Psychologie eine Unsicherheit in Bezug auf die eigene seelische Verfassung ist, auch wenn sie diese dann mit Anekdoten und Bonmots über Psychologen trefflich zu tarnen versucht. … Wie lange hat es doch gedauert, bis man endlich bereit war, unumstößliche Tatsachen zuzugeben, die von der Tiefenpsychologie konstatiert worden waren? … Die Angst vor der eigenen Seele zeigt sich häufig [ ] direkt und überdeutlich. Im analytischen Prozess wurde das bekannte Phänomen des ‚Widerstands‘ schon in der Anfangszeit der Analyse entdeckt […]. Dieser Widerstand stellt sich regelmäßig ein, sobald ein neuer Schritt in der individuellen Entwicklung fällig ist. Jeder dieser Schritte bedeutet ein Risiko und ein aufgeben des bisherigen Standpunktes und erfordert ebensoviel Mut wie Ausdauer. Es ist ein Hinuntersteigen in jene unbewußte Tiefe, die zunächst nur als dunkles wallendes Chaos erfahren wird. Diese Tiefe wird gefürchtet und gemieden, da herrschen dumpfe Kräfte, Emotionen, vitale Regungen, alle jene nur geahnten Mächte, die man sich oft ein leben lang nicht zugibt, die darum lieber nach außen projiziert werden, in den politischen, religiösen, sozialen oder wissenschaftlichen Gegner, in die Juden, Freimaurer und Jesuiten.
[…] Es sollen ja Fixationen [(das Verharren oder Steckenbleiben in einer bestimmten Entwicklungsphase in der Psychoanalyse)] gelockert werden […]. Die Gestalt dieser Fixationen kann sehr mannigfaltig sein. Wie gefährlich das Stehenbleiben auf einer kindlichen … Entwicklungsstufe der Gefühle, Triebe, Vorstellungen und stimmungsmäßigen Verhaltensweisen ist, wird heute [1960] fast allgemein anerkannt. Ein guter Teil der Triebverirrungen und Perversionen, der Triebverlagerungen und der Ersatzsüchte wird ziemlich einleuchtend aus solchen Fixationen gedeutet. […] An Stelle eines echten inneren Mittelpunktes gähnt [] der bodenlose Abgrund eines seelischen Vakuums. Bei [manchen] Menschen ist schon das Wort von der Seele verdächtig, und sie verteidigen sich gegen ihr inneres Gewissen, wenn sie alles seelische Bemühen als Müßiggang, krankhafte Selbstbespiegelung oder Luxus abzutun versuchen. Angst vor der Seele? […] So wenig die aus Angst vor dem Tod unternommenen allzu kurzfristige Fluchtversuche je eine Erfolgschance haben können, ebensowenig vermögen die verschiedenen Fluchtbezirke, die aus Angst vor der eigenen seelischen Tiefe aufgesucht werden, den Menschen vor dieser Tiefe auf Dauer zu verbergen.
[…] Es mag anmaßend klingen und entspricht dennoch der heutigen Situation [1960]: Wir müssen die meisten Patienten zuerst wieder einmal ihre eigene Seele erleben lassen … Sie leben – so paradox es klingt – ohne Seele im Ödland des bloßen Daseins, der vegetativen Unterhaltsbedürfnisse oder in den kalten Regionen von ‚Interessen‘, von unpersönlichen Werterealisation. …“ | Bruchstücke aus: Rudin, Josef: „Angst vor der Seele – Eine uneingestandene Problematik“ – „Psychotherapie und Religion – Probleme der tiefenpsychologischen Wissenschaft und der analytischen Erfahrung“ (Zweite veränderte Ausgabe, Schweiz 1964)

lemonhorse / 20 Mai 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Irrationalismus und das Romantische Erbe #1 … ]

Eckhard Fuhr (27.11.2007): “ … Was fangen wir mit diesem romantischen Erbe an, das den einen als harmloses Hausmittel gegen allfällige Modernisierungsschmerzen gilt, den anderen aber als ein gefährlicher Suchtstoff, dessen Gebrauch zur „Zerstörung der Vernunft“ führt … Ist es nicht so, dass im günstigsten Fall das Romantische und seine Trivialisierung im Schlager, im Massentourismus oder in der Werbung den Menschen hilft, die technischen und ökonomischen Zwänge der Moderne zu ertragen, im schlimmsten Falle aber zum mörderischen Aufstand gegen Aufklärung und Zivilität anstachelt? … Das romantische Wunderkind Novalis fand die Formel für eine Geisteshaltung, die dem, was angeblich ist, nicht auf den Leim geht: „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“ …“ | https://www.welt.de/debatte/kommentare/article6070695/Romantiker-sind-Realisten.html

“ … [Superti-Furga]: … Die Menschen schaffen sich im digitalen Zeitalter selbst ab, sagt Harari [Yuval Harari: Homo deus, 576 Seiten, C. H. Beck (2017)]. Ich stimme mit dieser deterministischen Weltsicht nicht überein. – [Karin Pollack]: Mit welchem Argument? – [Superti-Furga]: Menschen sind mehr als die Summe ihrer Gene. In diesem Punkt bin ich ein Romantiker. Es gibt eine Dimension des Menschseins, die wir rational nicht begreifen können. Schließlich lässt sich auch Bewusstsein wissenschaftlich nicht darstellen. Auch Intuition ist schwer erfassbar. Oder die Tatsache, dass große Fortschritte in der Geschichte der Naturwissenschaft oft aus unerwarteten Gedankensprüngen eines einzelnen Forschers entstanden sind. Computer können einstweilen immer nur Bekanntes imitieren, niemals etwas vollständig Neues, nie Dagewesenes selbst erschaffen. Sie sind Hilfsmittel. …“ | “ Aus: „Genomforscher Superti-Furga: „Wir sind mehr als die Summe der Gene““, Karin Pollack, CURE, 29.4.2018 | https://derstandard.at/2000077083308/Genomforscher-Superti-Furga-Wir-sind-mehr-als-die-Summe-der

lemonhorse / 2 Mai 2018 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

lemonhorse / 19 März 2018 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Gedanken.Memo, Visual.Notes / 0 Comments

[Zur Ontologie des nicht seienden #19… ]

Marlen Hobrack (26.04.2017): “ … „Sie klingen in dem Text gar nicht wie sie selbst“, sagte mir der Redakteur, und ich verzweifelte ein bisschen über die Frage, wie ich denn klinge. … Ein Facebook-Freund teilt mir mit, ich sei nicht mehr die, die ich einmal war, womit er meint, dass ich Meinungen vertrete, die er mir nicht zugetraut hat, und über die er nun erzürnt ist. Dabei kennt er mich gar nicht. Ich selbst kenne mich jedenfalls gut genug, um zu wissen, dass das Ich, das er zu kennen glaubte, nie existierte. …“ | https://www.marlen-hobrack.de/2017/04/26/ich-selbst-sein/

lemonhorse / 20 Februar 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

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