[Zum Wahn der Liebe #59… ]

“ … Da [Anna] aber ganz andere Pläne verfolgt, klärt sie ihn über die Umstände auf: das Mädchen ist die Nichte des Postdirektors, sie ist lahm und leidet an Schwindsucht, sie hat nicht mehr viel Zeit. Und um ihrer Absicht Nachdruck zu verleihen, erklärt Anna: „Aber ich bin gesund!“. Die erwünschte Reaktion bleibt allerdings aus. Lahm, schwindsüchtig im Sterben liegend, ein Abbild morbider Romantik, wird das Mädchen fortan in ihrer Krankheit glorifiziert. Wie eine Heilige auf einem Altar ist „das Mädchen am Fenster“ ein Objekt der Kontemplation und Anbetung. … Ihre Eleganz, Zartheit, Sensibilität und Schönheit werden zu Elementen einer ästhetischen Hochsteigerung. Dass es dabei um Phantasie und Projektion geht, wird durch ihren späteren pathologischen Befund ebenso deutlich wie durch die Reaktion des Erzählers, der die ästhetische Inszenierung von Krankheit auf eine Inszenierung seiner Gefühle projiziert: ‚Ich schlief die ganze Nacht nicht, denn ich dachte an das sterbende Mädchen. Seitdem ich wußte, daß sie bald tot sein würde, fühlte ich mich sicher in meiner Macht über sie. Ich hielt sie fest, ich konnte ihre Hände greifen. Sie war in meinen Besitz übergegangen.‘ … es geht Roth bei seiner Darstellung der Frau nicht um „misogyn“, „männlich“ oder „weiblich“; es geht ihm nur um eine Kategorie: es geht ihm um „menschlich“. …“

Aus: „DIE DARSTELLUNG DER FRAU BEI JOSEPH ROTH“ Isabel Cristina Chaves Seia Russo dos Santos (2009) | Die vorliegende Untersuchung stellt sich die Aufgabe, die Darstellung der fiktiven Frau bei Joseph Roth herauszuarbeiten und gleichzeitig das herkömmliche Bild des Autors als misogynen Schriftsteller zu revidieren. Bisweilen werden die Frauenfiguren in Roths Werk fast ausnahmslos negativ gewertet, was dem Autor das Prädikat des Frauenverachters eingebracht hat. Diese Auffassung ist besonders suspekt wenn man bedenkt, dass zu Roths Frauendarstellung so gut wie keine Studien vorliegen. Dieses Manko nimmt sich die vorliegende Arbeit zur Aufgabe. Eine Untersuchung der Porträtisierung der Frau verspricht, neues Licht auf die Arbeit des Autors zu werfen und sein schriftstellerisches Anliegen in einer differenzierten Weise zu beleuchten. | http://uir.unisa.ac.za/bitstream/handle/10500/3307/thesis_dos_santos.pdf (Thesis, 273 Seiten)

lemonhorse / 7 Oktober 2016 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Ewigkeit & Widerspruch #1… ]

Aus: „Der gnadenlose Begriff“ (Klaus Baum, 12. Juli 2016): “ … Schiller spricht von der Ausbildung des Empfindungsvermögens, damit der Reflexion aufs differenzierteste Inhalte zufließen, sie gleichsam gegen ihren Abstraktionscharakter sich zur Wehr setzt, ihn nicht als unüberwindbares Hindernis hinnimmt. Mit der Idee solcher Anstrengung, die im übrigen Ähnlichkeiten mit Buster Keatons Versuchen hat, die Schwerkraft zu besiegen, verbinde ich die Vorstellung, daß Philosophie nicht nur dazu dient, ihre jeweilige Zeit in Gedanken zu erfassen, sondern daß der Philosoph an sich selber arbeitet, das eigene Ich mit Hilfe des Denkens durchbildet, eine Art Aufmerksamkeit und selbstkritischer Wachheit entwickelt für die jeweilige Situation, für das dem Augenblick angemessene Verhalten. Philosophie ist für mich nicht nur ein Training des Denkvermögens, eine Demonstration theoretischer Stärke, sondern sie ist ebenso eine Frage des Charakters, des Verhaltens, der praktizierten Humanität. …
Es gab in den sechziger Jahren eine kleine Anzahl von Schallplatten, Jazz und Lyrik. Neben Heine, Enzensberger und Rühmkorf, gab es auch eine Platte mit Gedichten von Gottfried Benn. Ich war damals Anfang Zwanzig, als wir in einem Freundeskreis diese Platten immer wieder hörten. Als ich mit meiner ersten langjährigen Freundin Ferien in einem Jugendlager in Sanary-sur-mer machte, schworen wir uns bei französisch gesungener Rock-Musik, bunten Lampen und lauer Sommernachtsluft ewige Treue. Als wir uns dann auseinanderlebten, ich mich aber am mein Versprechen gebunden fühlte, tauchten immer wieder folgende Verse von Benn in meinem Gedächtnis auf: „Hör gar nicht hin, die leisen und die lauten Beteuerungen haben ihre Frist.“ Diese machten mir allmählich bewußt, daß die Substantialität [Wesentlichkeit] einer Beziehung einen zeitlichen Index hat, daß sie vergänglich ist. Und immer, wenn ich mich dabei ertappte, aus einem Gefühlsüberschwang heraus zu ewigen Schwüren zu neigen, tauchten diese Verse überichhaft im Bewußtsein auf, um mich von Versprechungen abzuhalten, die ich auf Dauer nicht einzuhalten vermochte. In jeder neuen Sitiuation, die anders war als die vorhergehende und doch mit ihr Gemeinsamkeiten hatte, konkretisierte sich Benns Erfahrung in meiner eigenen. …“ | Quelle: https://klausbaum.wordpress.com/2016/07/12/der-gnadenlose-begriff/

lemonhorse / 14 Juli 2016 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Fellini #14… ]

NightsofCabiria
Le notti di Cabiria“ (1957)

“ … Der film-dienst bemerkte, dass in Cabiria „unwandelbar die fast schmerzend-heftige Sehnsucht nach Reinheit, nach Menschlichkeit gegenwärtig“ sei. … Ende der 90er Jahre erschien eine restaurierte Fassung des Films, die unter anderem eine Szene enthält, die seinerzeit der italienischen Zensur zum Opfer fiel. In dieser führt ein guter Samariter („Mann mit Sack“) die Titelfigur zu Menschen, die in Höhlen im Untergrund leben und von ihm mit Essen versorgt werden. Die als religiöser Vorwurf verstandene, „mysteriöse“ Szene wurde daraufhin auf Betreiben von römisch-katholischen Behörden aus dem Film entfernt, so die US-amerikanische Kritikerin Janet Maslin (The New York Times) …“ | Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Die_N%C3%A4chte_der_Cabiria (Stand: 18. Mai 2015)

lemonhorse / 11 Juli 2016 / Cinema.Exposure, Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Der psychische Apparat #1… ]

Memo: Schlaf, Subjektivität, Bewusstsein, Sprache dekodieren [Wahrnehmung der ‚Module des Bewusstseins‘] (6-7.07.2016): Ich liege im Bett und höre jemanden zu – es ist spät. Müdigkeit überkommt mich. Zum ersten mal in meinem Leben kann ich klar und bewusst erinnern, miterleben und wahrnehmen, dass meine Aufmerksamkeit dabei teilweise ausfällt (oder sollte ich von ’sich wegblendet‘ reden?). Ich höre Wörter, aber ich nehme sie nicht mehr als solche wahr. Ich dekodiere sie nicht mehr, ich werde sie später nicht erinnern können, ich gleite hinweg, die Wörter und Sätze zerfallen in dieser Zeit in Lautmalerei, der Ton wird leiser, verschwindet manchmal ganz, kommt wieder zurück, fällt dann wieder zusammen. Der Vorgang des Einschlafens: in Zeitlupe bemerke ich das Auseinanderfallen der Geisteskraft. Neu war für mich, das ich diesen Vorgang bei klarem Bewusstsein beiwohnen konnte (vielleicht nur so um die 20 Sekunden, aber immerhin). Ich merkte, dass ich die Gesprochene Sprache mehr als Information in mich aufnehmen konnte. Als würden Module des psychischen Apparates langsam abgeschaltet werden – bis dann etwas später wohl ganz die Lichter der Erinnerung und der Gedankenklarheit ausgegangen sein mögen.

lemonhorse / 7 Juli 2016 / Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel, Traum.Log / 0 Comments

[Eingespülte Sandkörner… ]

Während ich in der Nacht über den Boden gleite, sehe ich die meterlangen Mondschatten auf der Straße, oder sind es riesige Fledermäuse mit mächtigen Flügeln, oder sind es die schaukelnden Äste unter den Straßenlaternen? Dann kommen plötzlich Regengüsse, die Hose ist schon nass, die Haut wird kühl, das Fahrrad tropft, die Kugellager der Fußpedale knirschen durch eingespülte Sandkörner. Die Nacht ist kurz, die Musik zusammen mit dem schummrigen Rotlicht der Garage verflogen. Im Kopf hallt der Klang nach. Die Augen halb auf im Dunkel, denke zurück. Schreibe mit einem Füller und schwarzer Tinte in Gedanken einen Brief an Dich in die Vergangenheit. Möchte mich tief vor Dir verbeugen. Möchte echte Demut vor Dir bekennen. Möchte in deinem Gesicht nach einem flüchtigem Lächeln suchen. Geläutert wäre ich dann wohl ein bisschen – sollst Du denken. Sag mir, waren wir alle liebeskriminell? Wie konnte ich das vergessen. Weit weg von jener bedeutsamen Moral der in Würde gealterten Gedanken. Führe mich in die Zeit, genau dort an Ort und Stelle, wo ich in der Fahrt die Gedanken fabuliere. Schäme mich dafür. Für jedes Wort. Will es Dir dennoch alles schreiben. Jetzt durch das Treppenhaus, die Socken regentriefend. Und ein Teil vom eigenen Kopf versinkt in einem alten Kissen, das Fenster steht auf kipp. Für ein paar Stunden sinkt alles dahin, der Schlaf breitet seine Schwingen aus. Er kommt und geht wie der eigene Atem. Der Kaffee im Bett, schnell noch werden zwischen Tür und Angel zwei Küsse hingegeben. Jetzt ist wieder Tag. Rollend auf dem alten Eisenesel, die Kette surrt, kühler Wind, aber keine Stille auf dem Waldweg, blätter rauschen mächtig durch den Raum. Wieder auf der Straße, Wolkenschatten mit Lichtflecken gleiten in Windeseile über den verblichenen Teer. Im Industriegebiet ein Wohlgeruch von gerade erst geschnittenem Gras, daneben lärmen zwei Rasenmähermotoren. Hier steht ein Briefkasten am Weg, in den man Briefe einwerfen kann, die in der Vergangenheit landen. Ich werfe da nichts rein – wie heißt es so schön im Englischen: act your age.

lemonhorse / 6 Juli 2016 / Gedanken.Memo, Kiel.Refugium, Realitaets.Tunnel, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[Mythen meiner Kindheit #1… ]

Götz George (* 23. Juli 1938 in Berlin; † 19. Juni 2016 in Hamburg) || “ … Duisburg-Ruhrort, 28. Juni 1981: Wir sehen Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski, gespielt von Götz George … „Diese Sendung war eine infame Beleidigung für jeden anständigen und korrekten Beamten, der seinen aufopferungsvollen Dienst für die Bevölkerung verrichtet“, stimmte die Nürnberger Zeitung aus der Distanz zu, und die Passauer Neue Presse meinte: „Dieser Tatort mixt Gassenjargon, handfeste Schlägereien, Spelunkenmilieu und schreckliche verbale Entgleisungen mit Rauschgift, Eifersucht und Waffenschmuggel zu einem dicken Brei und garniert ihn mit einer Lösung, die an Schwachsinn nicht zu überbieten ist.“ Nur die tageszeitung (taz) war begeistert: „Solche Bullen braucht das Land!“ …“ | http://horstschimanski.info/legende.html


Götz George 1981 bei den Dreharbeiten zum WDR-Tatort «Duisburg-Ruhrort». Foto: Martin Athenstädt // „Tatort-Kommissar „Schimanski“ Der Schauspieler Götz George ist gestorben“ // via http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und-erleben/unterhaltung/kino_film/aktuelles/Tatort-Kommissar-Schimanski-Der-Schauspieler-Goetz-George-ist-gestorben;art599,3051149 (26.06.2016)

Nachtrag #1

Matthias Dell (27. Juni 2016): “ … ein muskelbepackter Männerkörper unter eng anliegendem T-Shirt, der sich, hoch oben über dem von der Stahlproduktion tatsächlich noch erröteten Horizont der Arbeiterstadt, zwischen nicht gemachtem Abwasch und leeren Bierflaschen rohe Eier zum Frühstück reinpfeift. Schimanski war eine Sensation, ein Ordnungshüter mit Schnauzer und Parka, der „Scheiße“ sagt … Die Größe der Figur zeigt sich daran, … was heute zur Standard-Ausstattung jeder Tatort-Kommissarin gehört (die privaten Macken)… Groß war der „Schmuddelkommissar“ auch deshalb, weil er so vielen Widersprüchen Raum bot. Rechts freute man sich über den hart durchgreifenden Macker, links über das kleinbürgerliche Gerechtigkeitsgefühl gegenüber den Eliten, grün waren gesellschaftlich relevante Themen wie Umweltverschmutzung (Kielwasser), sozialdemokratisch die Sympathie für die streikenden Stahlarbeiter (Der Pott). … Bemerkenswert an Schimanski – und charakteristisch für Georges Rollen – ist nicht zuletzt, dass der Outlaw dennoch innerhalb der Institution entworfen wird. … In seinen Widersprüchlichkeiten war er etwas ganz Besonderes im (west)deutschen Nachkriegsfilm. …“ | http://www.zeit.de/kultur/film/2016-06/goetz-george-nachruf

lemonhorse / 27 Juni 2016 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Zur Wahrnehmungsblase (Realitätstunnel) #5… ]

Renaissance der Aufklärung #4 (07.06.2016): “ … Hervorheben möchte ich seine [Jan Philipp Reemtsma (7. Juni 2016) >> http://www.zeit.de/zeit-wissen/2016/03/jan-philipp-reemtsma-gewalt-menschen-grenzen-waffen-krieg] nüchterne, aber erschreckend treffende Bemerkung zur Bedeutung vom „Ich“ in Extremsituationen: „Die Vorstellung vom Ich kann nicht stabil bleiben, wenn die Wirklichkeit anzeigt, dass es darauf gar nicht ankommt.“ Vielen Dank für das bemerkenswerte Interview. …“| http://www.zeit.de/zeit-wissen/2016/03/jan-philipp-reemtsma-gewalt-menschen-grenzen-waffen-krieg?cid=6956686#cid-6956686

T1 #4.1 (07.06.2016): “ … Es kommt nicht auf das Ich an oder auf die Selbstwahrnehmung? Was bedeutet diese Aussage für Sie? …“

Krombacher #4.2 (07.06.2016): “ … Es bedeutet, dass das Ich gar nicht so wichtig ist, wie wir denken, und die Realität keine Rücksicht auf einen nimmt. Das überrascht einen manchmal, weil man sich intuitiv selbst für das Wichtigste auf der Welt hält. …“

Nachtigaller #4.3: “ … Ich verstehe das mit der Vorstellung vom stabilen Ich und der Wirklichkeit auch nicht (kann es eine Vorstellung vom Ich unabhängig von der Wirklichkeit geben?) …“

abifiz #4.4 “ … @T1 @Nachtigaller … Es geht um eine Abfolge von Ereignissen, bzw. Auswirkungen. Wir setzen zunächst jemanden voraus, dem es bisher gelungen ist, ein sehr stabiles (höchst resilientes) Ich „aufzubauen“. Jetzt setzen wir diesen Jemanden einer immanent ausweglosen, durchdauernd „entwirklichende“ Situation aus. In diesem Gedanken-Experiment kommt tendenziell jede menschliche Resilienz [psychische Widerstandsfähigkeit] irgendwann an ihr Limit. …“

lemonhorse / 8 Juni 2016 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #56… ]

Walter Schubart „Religionen und Eros“ Kap. VI, Entartungsformen, (1941): “ … Der geschlechtliche und der religiöse Enthusiasmus haben von Anfang an die Richtung auf die Anomalie, was schon Platon einsah; er nannte die Verliebtheit eine Art Wahnsinn … Die mildeste Form dieses Warnsinns ist in der Erotik die Eifersucht. Ihr entspricht in der Religion der Glaubenseifer. Eifersucht und Glaubenseifer sind Zerrbilder des Enthusiastischen. Sie sind pathologische Formen der erotischen und religiösen Ausschließlichkeit. Der eifersüchtige kämpft gegen alle, die ihm die Geliebte abwendig oder streitig zu machen drohen. Der Eiferer befehdet alle, die seinen Gott mißachten. In der Welt der Geliebten soll es nur einen Liebenden geben – fordert der Eifersüchtige. In der Welt soll es nur einen Gott geben – fordert der religiöse Eiferer. … Der Drang zur Ausschließlichkeit kann so mächtig anschwellen, daß er zum Verbrechen treibt. In der Erotik zur Tötung aus Eifersucht, in der Religion zum Heiligen Krieg, zum Massenmord im Namen Gottes. Eifersucht und Glaubenseifer enthalten immer und mit Notwendigkeit den Keim zur grausamen Handlung. Hier stoßen wir auf die erste Form jener Grausamkeit, die im Wesen der Religion und Erotik selbst begründet ist. Stärker als das Weib neigt der Mann dazu, den Drang nach Ausschließlichkeit, der sich in unzugänglicher Seelentiefe mit dem Machtwillen berührt oder berühren kann, zur Grausamen Kraftentfaltung zu steigern. Deshalb sind Eifersucht und Glaubenseifer besondere Gefahren der männlichen Seele. In den klassischen Dichtungen der Eifersucht – in Shakespeares Othello, Leo Tolstois Kreutzersonate und Arzibaschews Drama Revnost – sind es immer Männer, die aus Eifersucht freveln, und die großen blutbefleckten Fanatiker der Religionsgeschichte vom Schlage der Inquisitoren sind durchweg Männer gewesen. …“

“ … Michael Heymel hat sich auf eine faszinierende Spurensuche begeben. Es geht um den deutschen Rechtsanwalt und Kulturphilosophen Walter Schubart, der nach seiner Emigration im Jahre 1933 zusammen mit seiner jüdischen Frau aus dem nationalsozialistischen Deutschland in Lettland eine reiche, international beachtete literarische Tätigkeit entfaltete. 1941 wurde das Ehepaar Schubart von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet und nach Kasachstan deportiert [Sein Werk „Religion und Eros“ hat der Münchner Psychologe Prof. Friedrich Seifert im Jahre 1941 herausgegeben] . In dortigen Lagern verlieren sich ihre Spuren. In sorgfältiger Recherche und detektivischer Kleinarbeit rückt Heymel einiges zurecht, was sich an Legenden um die Eheleute, zumal um Schubarts Ehefrau Vera, gebildet hatte, und öffnet so den Blick für das überlieferte, teils vergessene, teils auch heutige Zeitgenossen (bis hin nach Japan) inspirierende Werk des Kulturphilosophen. […] Wie Schubart in das geistige Klima der 20er Jahre und seiner verbreiteten ‚Russophilie’ seinem Nietzsche entlehnten prophetischen Gestus und Oswald Spenglers abendländischen Untergangsvisionen gehört, wird von Heymel ausführlich nachgezeichnet. Aber in solcher Nachzeichnung zeigt sich zugleich die unverwechselbare Eigenart Schubarts, der sich dem Nihilismus der Epoche, gipfelnd in der Totalität der Macht, widersetzt, ein einsamer, sprachmächtiger Kämpfer zwischen den Fronten, auf verlorenem Posten, da und dort wahrgenommen als Repräsentant eines ‚anderen Deutschlands’. …“ (Kristlieb Adloff, Erschienen in: Hessisches Pfarrblatt 4/2015,107-108) | Quelle: http://www.michaelheymel.de/mediapool/87/876413/data/Schubart_Rezension_HessPfBl_2015.pdf

lemonhorse / 3 Juni 2016 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Subjekt & Objekt #4… ]

“ … Vito Acconci sagte über seine Perfor­man­ces, dass diese „von der Präsen­ta­tion eines Ich, einer Person, nicht von meinem Leben“ handeln. Acconci nähert sich diesem Ich aus der Distanz. Zwar mit einem neugie­ri­gen und enthül­len­den Blick, doch präsen­tiert er dieses Ich, als wäre es ein Ande­rer. …“ | Aus: „Vito Acconci Centers Opening Portrait „, http://www.schirn.de/magazin/kontext/vito_acconci_centers_opening_portrait/ (23. Mai 2016) | https://de.wikipedia.org/wiki/Vito_Acconci

lemonhorse / 2 Juni 2016 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Transit… ]

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The Transit of Mercury, November 8, 2006 (Source)

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Transit of Venus – June 2004 (Source)

mifu1000 (10.05.2016): Wann kann man eigentlich den nächsten Erdtransit vom Mars aus beobachten? (Source)

lemonhorse / 12 Mai 2016 / Found.Stuff, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

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