[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #30… ]

Ariadne von Schirach (07.05.2019): “ … Die Idee, alles könne völlig aufgeräumt sein, ist eine wohltuende Fiktion. Wie ein gut gepackter Weekender, sehr instagramable. Nichts stört und man stört sich auch selber nicht. Ich habe auch solche Fantasien. Aber die Realität ist immer ein bisschen anders. … Wir brauchen keine neue Welt, sondern ein neues Bewusstsein der Welt. … Die poetische Revolution fordert den Einzelnen auf, seine Haltung zu den Dingen zu ändern. Sie beschreibt den Moment, wo ich aus dem Wetter da draußen mein Wetter mache. Oder aus einem Menschen, den ich nicht kenne, jemanden, den ich mag. Wenn die Ökonomisierung die Alchemie der Entfremdung ist, ist das Poetische eine Alchemie der Aneignung. …“ | https://taz.de/Ariadne-von-Schirach-ueber-Gesellschaft/!5589389/ | https://de.wikipedia.org/wiki/Ariadne_von_Schirach

lemon / 15 August 2019 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Studien zum autoritären Charakter #1 … ]

Detlef Borchers (11.08.2019): “ … Mit einer Studie zum autoritären Charakter unter dem Titel „Autorität und Familie“ hatte das Institut für Sozialforschung 1936 in Frankfurt begonnen und sie später nach der Emigration in den USA fortgeführt. „Was wir uns vorgesetzt hatten, war tatsächlich nicht weniger als die Erkenntnis, warum die Menschheit anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“, heißt es im Vorwort der Dialektik der Aufklärung von Horkheimer und Adorno. Das Ergebnis war eine vom American Jewish Committee finanzierte Studie zum autoritären Charakter, die nachwies, dass auch die Menschen in den USA für Nationalismen empfänglich sind und dass die „Anfälligkeit für faschistische Propaganda weniger mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Vorstellungen per se zusammenhänge, sondern dass solche Meinungen als Reaktionen auf psychische Bedürfnisse zu verstehen, Ausdruck einer bestimmten, der autoritätsgebundenen Charakterstruktur seien.“ …“ | https://www.heise.de/newsticker/meldung/Missing-Link-Adorno-und-der-neue-Rechtsradikalismus-4493410.html?seite=all

Der NPD-Vorsitzende Adolf zu Thadden im Wahlkampf 1969.

Arno Widmann (15.07.2019): “ … [Adorno] war zu dem Schluss gekommen, dass „die Anhänger des Alt- und Neufaschismus heute quer durch die Gesamtbevölkerung verteilt sind.“ Sie waren keine Außenseiter, keine Deklassierten und Bei-Seite-Geschobenen. Der Neofaschismus, erklärte Adorno 1967, sei anders als oft vermutet eben gerade keine spezifisch kleinbürgerliche Bewegung. Wir lesen in unseren Zeitungen, hören in unseren Nachrichten, der Rechtsradikalismus sei in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen. Als handele es sich um eine Invasion. Adornos Analyse sah anders aus …“ | https://www.berliner-zeitung.de/kultur/theodor-w–adornos-rechtsradikalimus-vortrag-die-mitte-war-niemals-nazifrei-32857062

Sieglinde Geisel (08.10.2018): “ … „Autoritäre Politik besteht in ganz wesentlichen Teilen in der Vorstellung, dass nichts anderes existieren darf, dass alles, was der eigenen Meinung und dem eigenen Gesellschaftsbild widerstreitet oder nicht darin aufgeht, im Grunde raus muss aus dem Land, am besten aus der Welt. All das kann man im Prinzip als einen autoritären Versuch deuten, die Welt so einzurichten, die Gesellschaft so einzurichten, dass nichts mehr stört. Das heißt auch, dass man sich mit nichts Störendem mehr zu befassen braucht.“ …“ | https://www.deutschlandfunkkultur.de/autoritaeres-denken-und-die-afd-der-wunsch-nach-unterwerfung.976.de.html?dram:article_id=429960

Adornos „Studien zum autoritären Charakter“ – Der Mensch als Anhängsel der Maschine – Eva-Maria Ziege im Gespräch mit Simone Miller (04.08.2019): “ … In den Augen Adornos wird der Mensch in der modernen Gesellschaft zum bloßen „Anhängsel der Maschine“, die er zu bedienen hat. „Er denkt, die Menschen leben in einer Situation der Erfahrungslosigkeit, die kompensiert wird durch eine Pseudo-Erfahrungswelt, also die Waren- oder Dingwelt, in der wir uns durch Konsum oder leere Vergnügungen einen Genuss einhandeln, der aber letztlich doch ein standardisiert produzierter, ein entfremdeter ist.“ – Autoritäre und antisemitische Ideologien entwickeln, Adorno zufolge, dadurch eine Verführungskraft, dass sie einen Ausweg aus dieser Erfahrungslosigkeit anbieten, eine „Scheinspontaneität“, wie Adorno schreibt. Sie erschienen als „Gegenmittel für die Leiden, die die rationale Zivilisation erzeugt“. … Ziege ist überzeugt, „dass Adorno bestimmte Ansätze in der modernen Welt der Technik erkannt hat, die heute ein Ausmaß erreicht haben, dass er sich so gar nicht vorstellen konnte“. Beispielsweise könne man in der Digitalisierung den von Adorno beschriebenen Erfahrungsverlust wiedererkennen: „Die digitale Welt suggeriert dem Menschen Erfahrung, aber gleichzeitig entzieht sie ihm diese auch dadurch, dass man sich in dieser künstlichen Welt bewegt.“ Am Smartphone werde das Individuum tatsächlich zum „Anhängsel der Maschine“. …“ | https://www.deutschlandfunkkultur.de/adornos-studien-zum-autoritaeren-charakter-der-mensch-als.2162.de.html?dram:article_id=455440

Wolfgang Hellmich (5.8.2019): “ … Mitschnitten seiner Vorträge und Vorlesungen stand Adorno kritisch gegenüber. In Reproduktionen sah er Zeugnisse der «verwalteten Welt». Das Adorno-Archiv setzt sich seit Jahren darüber hinweg und hält ihn damit noch 50 Jahre nach seinem Tod lebendig. Ein erfüllteres Nachleben kann sich ein Autor kaum wünschen. …“ | https://www.nzz.ch/feuilleton/was-theodor-w-adorno-1967-ueber-den-rechtsradikalismus-sagte-ld.1499266

Vortrag des Soziologen Theodor W. Adorno: „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“ (1967)
Spieldauer: 01:12:08 // Österreichische Mediathek
Datum: 1967.04.06 [Aufnahmedatum]
Ort: Wien, Universität Wien
Archivformat: Tonband auf Kern (AEG)
Audio Stream ==> https://www.mediathek.at/oesterreich-am-wort/suche/treffer/atom/014EEA8D-336-0005D-00000D5C-014E5066/pool/BWEB/
// Mediatheksblog: Zum 50. Todestag: Adornos (6. August 2019)
Unter anderem über Rechtsradikalismus und Sexualtabus sprach der Philosoph in verschiedenen Vorträgen im Wien der 60er-Jahre | … Der vor 50 Jahren in der Schweiz verstorbene Philosoph Theodor W. Adorno hatte vielfältige Verbindungen nach Wien. Adorno hatte im Jahr 1925 bei Alban Berg studiert und kehrte in den 1960er-Jahren immer wieder für Vorträge nach Wien zurück. Die Österreichische Mediathek – vormals Österreichische Phonothek – hat diese Veranstaltungen in den 1960ern auf Tonband aufgezeichnet. Die mittlerweile digitalisierten Originalaufnahmen können online nachgehört werden. … | https://www.derstandard.de/story/2000106905604/zum-50-todestag-adornos-vortraege-hoeren

Kommentar von Bruno Heidlberger (August/2019): “ … Im Lichte des heutigen reaktionären Rechtsnationalismus lesen sich auch Adornos Studien zum autoritären Charakter wieder beklemmend aktuell, auch als Kritik an der neomarxistischen Linken. Adornos Mitautoren Leo Löwenthal und Norbert Guterman notieren in ihrer Studie „Agitation und Ohnmacht„, in der sie in den 30er Jahren die Reden rechtsextremer Führer in den USA erforscht haben: „Im Übergang vom Konkurrenz- zum Monopolkapitalismus […] hätten sich bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen Gefühle der Abhängigkeit, der Heimatlosigkeit, des Ausgeschlossenseins sowie der diffusen Angst, von unpersönlichen Mächten und Kräften beherrscht zu werden – Gefühle also, die generell das Unbehagen in der Moderne kennzeichneten – weiter verstärkt. Vor dem „großen Unbehagen“ in Überlegenheitsfantasien zu flüchten sei für den Menschen in der Moderne eine dauerhafte Option. Gleichwohl wird Faschismus von Adorno und seinen Mitstreitern als ein Phänomen der Moderne, das es in erster Linie sozialpsychologisch zu erklären gilt, aufgefasst. Mit Adorno wenden sie sich gegen die vulgärmarxistische Vorstellung, rechtsradikale Einstellungen seien lediglich auf soziale Missstände des Kapitalismus rückführbar. Sie vermuten stattdessen, dass „lange bestehende Sehnsüchte und Erwartungen, Ängste und Unruhen die Menschen für bestimmte Überzeugungen empfänglich und anderen gegenüber resistent machen“. Zu „diesen Sehnsüchten“, bemerkt der Publizist Gero von Randow, habe schon damals gezählt, „dass der permanente Veränderungsstress endlich aufhören möge.“ Das sei „verständlich, aber doch regressiv: die Verweigerung eines erwachsenen Umgangs mit der Welt.“ … Adorno sah im Nationalsozialismus keinen Betriebsunfall der Geschichte, sondern eine Folge des Monopolkapitalismus und der Moderne. Die nach 1945 zurückgekehrten Frankfurter sahen die Chance, eine Wiederkehr des Nationalsozialismus zu verhindern, aber weniger in der Beseitigung des Kapitalismus als in der demokratischen Umerziehung. Ihre Aufmerksamkeit galt dem „autoritären Charakter“ und seinen Vorurteilsstrukturen. Es ist darauf hinzuweisen, dass neurechte Vordenker und viele ihrer Anhänger aber weder Verführte noch schlecht Informierte, auch keine Opfer von Vorurteilen sind. Sie bevorzugen Ideologien der Ungleichwertigkeit, weil sie sich individuelle Vorteile davon versprechen. Wir dürfen nicht vergessen: „Alle politischen Extremisten meinen das, was sie sagen und herausschreien – ob rechts oder links […] das ist eine Lehre, die wir in peinlichen Lektionen gelernt haben .“ (Carl Zuckmayer 1966) … “ | zu: https://www.freitag.de/autoren/michael-angele/wie-viel-hoecke-steckt-in-adorno#1564823175031532

Max S. (08/2019): „… Der beste Satz in diesem Artikel [ Marc Reichwein (05.08.2019): „„Wunsch nach Unheil, nach Katastrophe““, Quelle: https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article197963465/Adornos-Vorlesung-ueber-Aspekte-des-neuen-Rechtsradikalismus.html]:  „Doch die Sehnsucht der Menschen nach Mythen ist manchmal größer als die Akzeptanz von Realitäten.“ …“

lemon / 6 August 2019 / Fraktal.Text, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #76 … ]

“ … Aber nirgends steht geschrieben, wie man Rockmusik zu konsumieren habe: Vielleicht ja so, wie mir, als ich noch jünger war, mal eine Frau sagte, als ich mir vor der Wohnungstür die Schuhe auszog: Den intellektuellen Überbau lässt Du aber auch draußen, okay? … “ | Aus: „30 Jahre Kuschelrock“, Aus einer Glosse von Laf Überland (23.11.2017), Quelle: http://www.deutschlandfunkkultur.de/30-jahre-kuschelrock-gift-fuer-singles-gefuehlskonserven.2177.de.html?dram:article_id=401357

Svenja Flaßpöhler (2018): “ … Tatsächlich scheint es, als erschöpfte sich das Verhältnis von Mann und Frau auch im 21. Jahrhundert noch darin, sich im Kern gegenseitig abzuwehren: Die Frauen halten sich die Männer durch Gesetze und Hashtags vom Hals. Die Männer wiederum wehren die Frau als Frau ab, indem sie ihre Lust wahlweise pathologisieren oder „in die Maskerade zurückbannen“. Es wäre an der Zeit, dass an die Stelle dieser tieftraurigen Verteidigung des Eigenen ein wechselseitiges Erkennen, eine absolute Hinwendung zum anderen träte. Zwei verschiedene, potente Geschlechter, die sich in der Fülle und nicht im Mangel begegnen: Um wie viel reicher wäre eine Kultur, der eine Gleichberechtigung auch im Sexuellen gelänge. …“ | https://philomag.de/fuer-eine-neue-oekonomie-der-lust/

“ … Désirée Linde: … Der volkstümliche Schlager ist dadurch geprägt von Stereotypen. In kaum einem anderen Genre wird so viel verletzt, vergeben und verziehen
Andreas C. Lehmann: Ja, es ist ein wiederkehrendes Schema: Die Männer sind die Bösewichte, die Frau findet sich in der selbst gewählten Opferrolle wieder, die den Mann einfach weiterlieben muss. Das ist erst mal sehr schlicht. Es ist eine Musik des kleinsten gemeinsamen Nenners.
Mangelt es dem volkstümlichen Schlager mit diesem Thema einer Art idealisierten Liebe damit nicht an Authentizität? Oder nehmen Sie etwa Andrea Berg ab, dass sie bei einem Mann bleiben würde, der sie „1000 Mal belogen“ hat, wie sie singt?
Andrea Berg ist vermutlich keine Frau, die sich das gefallen lassen würde. Aber sie singt das für die Frauen, die sich das gefallen lassen beziehungsweise gefallen lassen müssen. Authentisch wird sie dadurch, dass sie ihr Publikum ernst nimmt und mit ihm interagiert. Und sich nicht auf die Bühne stellt mit dem Gedanken „Bezahlt haben die eh alle hier und das kann mir jetzt egal sein“. Einen solchen Mangel an Authentizität bestraft das Publikum.
Fehlt dem Genre die Ironie eines Guildo Horn oder einer Lady Gaga mit ihrer Überspitzung im Pop?
Die Frage ist: Glaubt der Rezipient, was er da hört? Ich denke, der Großteil der Hörer weiß, dass es diese „heile Welt“ nicht gibt und auch nie gegeben hat. …“ | https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/kunstmarkt/musikpsychologe-im-interview-schlager-ist-der-wunsch-nach-heiler-welt/5289090-all.html

“ … Vereinzelt wurde das in den Liedtexten Bergs transportierte Frauen- und Beziehungsbild von Kritikerseite als „antifeministisch“ eingestuft, weil es dort immer nur darum gehe, dass eine Frau ohne Mann nicht glücklich werden kann und ihm alles Negative nachgesehen werde. Zu diesen 2013 von Georg Seeßlen erhobenen Vorwürfe äußerte sich Kerstin Decker 2016 skeptisch. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Andrea_Berg (18. Juli 2019)

Kerstin Decker (06.11.2016): “ … Im Oktober 2001 veröffentlichte Andrea Berg ihr Best-of. Kein Album hielt sich jemals länger in den deutschen Charts. 346 Wochen. Die Beatles schafften 297, Pink Floyd 312. Sie hat mehr als 13 Millionen CDs verkauft, was auch am Soundtrack des Sandkastens nicht spurlos vorübergegangen ist: „Du hast mich tausendmal belogen / Du hast mich tausendmal verletzt …“. Radikale frühkindliche Desillusionierung. Zu vermuten ist, dass diese Frau keinen ganz unerheblichen Einfluss besitzt auf Herz und Hirn der Bevölkerung. Der Kulturkritiker Georg Seeßlen hat diesen Umstand einmal so formuliert: „So begleitete sie – Andrea Berg – die sexuelle Ökonomie des unteren Mittelstands in Deutschland durch die Krisen.“ … An diesem Wochenende spielt Andrea Berg gleich zweimal hintereinander in der Berliner Mercedes-Benz Arena. Das ergäbe dann 34.000 verkaufte Karten. Wer sich zum unteren Mittelstand zählt und sicher ist, über so etwas wie eine sexuelle Ökonomie zu verfügen, die Begleitung braucht, weiß, was er vorhat. Oder er lässt sich das, sicher ist sicher, noch einmal vom Kulturkritiker erläutern: „Andrea Berg konstruiert die sexuelle Ökonomie des unteren Mittelstandes in den Zeiten des Finanzkapitalismus.“ Wahnsinn. Wie genau macht sie das? …“ | https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/schlagerlegende-andrea-berg-und-der-emotionale-merkelismus/14753002-all.html

AdeleSandrock 06.11.2016, 20:29 Uhr: “ … Ach, Frau Decker, die Andrea Bergs und Helene Fischers dieser Welt sind erfolgreiche Frauen, dazu muß man nicht zwangsläufig verbissen feministisch sein. Nein, ich mag ihre Lieder auch nicht, aber ich bewundere ihren Geschäftssinn (oder den ihrer Produzenten). …“

zenker_bln 06.11.2016, 19:24 Uhr: “ … Solange man sich diese Konzerte ansieht und feststellen muss, das diese von vielen(!) Frauen besucht werden, die eine Menge Geld für eine Eintrittskarte abdrücken, solange hat Andrea Berg Recht mit ihrem Auftreten! …“

Popli 03.11.2016, 08:58 Uhr: “ … Schlager sind wie alle anderen Musikstile, die sich in der kommerziellen Musikindustrie tummeln, ein Mittel zum Geldverdienen. Wer hier tatsächlich noch Sozialwissenschaftlich rumargumentiert hat die Musikindustrie wirklich gar nicht verstanden. Hier auch noch Antifeminismus reinzubringen toppt den Artikel zusätzlich. …“

Jens Balzer (28. Juli 2019): “ … Zu dem … Stück Die Gefühle haben Schweigepflicht … beginnen die mittlerweile offenbar hinreichend romantisierten Paare, im Rund vor der Bühne Discofox zu tanzen, während Andrea Berg dieses Treiben von oben dadurch dirigiert, dass sie zum Beat der Musik beide Arme mit nach vorne geöffneten Handflächen nach oben reißt und dazu mit angespannten Wangenmuskeln ihren Mund zu einem O formt. Was zu den zärtlichen Szenen im Publikum einen interessanten dominanzsexuellen, vielleicht könnte man auch sagen, koitusimperativischen Kontrast erzeugt. …“ | https://www.zeit.de/kultur/musik/2019-07/andrea-berg-berlin-schlager-konzert-pop/komplettansicht

mangelerscheinung #50: “ … Ach Jens, bis du neidisch, weil dich keine zum Tanzen und Schmusen und Wasweisichwassonstnochalles geholt hat? Da ging’s um Schlager, da darfst du ruhig das Hirn daheim lassen. Und dafür ein paar Kondome einstecken. …“

neue Legislaturperiode #50.1: “ … Das ist jetzt das Thema?! …“

Mach mir die Sinnflut #64: “ … Ich mag Artikel, in denen das Wort „koitusimperativisch“ vorkommt. …“

Dindi #65: “ … Das also ist die erfolgreichste Sängerin Deutschlands. Die Frau kannte ich gar nicht. …“

Wombat23 #35: “ … Andrea Berg ist eine bodenständige Person, sozial sehr engagiert und hat offensichtlich Millionen Fans, die ihre Musik sehr mögen. Mehr gibt es meines Erachtens dazu nicht zu sagen. …“

Frans #38: “ … Schon Aldous Huxley hatte 1958 erkannt, dass es bei der Entwicklung einer „Medien- und Bewusstseinsindustrie“, nicht um richtig oder falsch geht, sondern um die Beschäftigung mit mehr oder weniger völlig irrelevanten Dingen. In anderen Worten: Man hat früher versäumt, den fast unersättlichen Drang des Menschen nach Ablenkung durch „Nichtigkeiten“ und „Infantilisierung“ zu berücksichtigen. Dem sind die digitalisierten Medien in einem noch nie dagewesenen Ausmaß nachgekommen. Somit bleibt die tiefergehende Frage, welche gesellschaftlichen und psychologischen Faktoren erst psychische Entwicklungen wie einen „Drang zu Nichtigkeiten“ und zu „Trash und Junk“ entstehen lassen. …“

Idil McLaughlan #30: “ … Es gibt viele Phänomene auf der Welt, die schwer zu begreifen sind. Schlager ist für mich ein Grauen, mit dem ich früh in meinem Leben in der Familie konfrontiert wurde und seitdem versuche, zu verstehen. Was auch immer die Motivation von Jens Balzer ist, seine Berichte helfen, das Phänomen detailliert zu illustrieren, ohne dass ich mich selbst dem Grauen aussetzen muss. Danke dafür! … In der Disko, nach 2 oder 3 Uhr morgens, geschehen oft unerwartete Dinge. Wobei ich Udo Jürgens, Marianne Rosenberg oder Gitte ohnehin niemalsnimmer in eine Reihe mit Andrea Berg oder Helene Fischer stellen würde. …“

redshrink #5.5: “ … Frau Berg ist eine der beliebtesten und somit bedeutendsten deutschsprachigen Gesangskünstlerinnen der letzten Jahrzehnte. … Ein Artikel, welcher Form und Inhalt ihres Schaffens ein wenig tiefgehender ergründet, scheint mir daher sehr angebracht. Um diesen Artikel wirklich würdigen zu wissen, müsste man ein klein wenig über sich selber lachen können, aber dazu ist das Thema zu ernst. …“

the obscure lobster #19:“ … Ein wichtiger Beitrag zur Kulturgeschichte Deutschlands. Wer diesen Text gelesen hat weiss warum die spex gestorben ist. …“

Holocenemammal #33: “ … Vielen Dank für den Artikel. Er hält eine wohltuende Distanz zum Wohlfühlkitsch einer sterbenskranken Gesellschaft ein. …“

Struktur #5.8: “ … Wann haben Sie das letzte Mal 20.000 Menschen stundenlang glücklich gemacht? …“

flashertoy #26: “ … die leichte aber trotzdem respektvolle Ironie im Text fand ich sehr angenehm. …“

peter42hb #26.3: “ … Leichte und respektvolle Ironie? Für mich hat der Autor von der ersten bis zu letzten Zeile Andreas Berg, ihre Musik und ihre Konzertbesucher ins Lächerliche gezogen. Abgehobene Arroganz. …“

TINE.maxx #26.5: “ … „Abgehobene Arroganz“? Na, … Kitschige und dumme Texte und lächerlich „erotisch“ angehauchtes Getue dürfen doch auch so genannt werden, oder? …“

Desaguliers #27: “ … Der Autor feiert mit seinem mild-ironischen Duktus seine Überlegenheit über das affirmative Fußvolk und nutzt den Auftritt von Frau Berg als Distinktionsmoment. Eine Haltung, die ich ein wenig billig finde. Je älter ich werde, desto wichtiger wird mir, anderen ihren Spaß vorurteilsfrei zu gönnen. Aber vielleicht lernen Sie das noch, junger Mann. …“

Zeno Kortin #27.2: “ … „Der Autor feiert mit seinem mild-ironischen Duktus seine Überlegenheit über das affirmative Fußvolk und nutzt den Auftritt von Frau Berg als Distinktionsmoment.“ — Geben Sie es zu: das wollten Sie immer schon mal schreiben, stimmt’s? …“

jomai #27.3: “ … aber ist doch auch wirklich schön formuliert – fast so oder auch mindestens so fein wie etliche Passagen im Text von Herrn Balzer …“

Desaguliers #27.4: “ … Erwischt. …“

“ … [Timo Fischinger:] … Es gibt bestimmt viele Leute, die in einem Fragebogen niemals zugeben würden, dass sie Helene Fischer gerne hören. Aber nach ein wenig Alkohol und bei einer guten Party oder Karneval ist man dann doch gewillt… “ | https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/was-sagt-unser-musikgeschmack-ueber-uns-aus/ (2016)

lemon / 29 Juli 2019 / Akustische.Wellen, Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

lemon / 18 Juli 2019 / Found.Stuff, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Visual.Notes / 0 Comments

[Zur Verortung der Seele der SPD #8… ]

(14. Juli 2019) “ … Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel beklagt die Zurückhaltung bei der Suche nach einer neuen Parteispitze. … Die SPD brauche jetzt neue Vorsitzende, „die für nichts anderes brennen als dafür, die SPD nach 160 Jahren nicht verschwinden zu lassen. Denn es geht gerade um die Existenz meiner Partei. … Politik habe auch etwas Erbarmungsloses. … “ | https://www.n-tv.de/politik/Gabriel-moniert-Haltungsproblem-in-der-SPD-article21143699.html

Badener im Ausland (2019): “ … „Damit ein Neuanfang gelinge, sei es wichtig, die „offene, kritische Auseinandersetzungen – untereinander, aber auch mit dem politischen Gegner“, zu suchen. Entscheidend blieben am Ende aber „Geschlossenheit und Solidarität“ [( Zu >> „Öffentlicher Aufruf an die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (2019) –> https://www.spiegel.de/media/media-44603.pdf)]. — […] Und die haben die ideologische Entkernung der SPD als Partei der Arbeitnehmer zumindest befördert. „… und für Ihn [Gerhard Schröder] Stand die Verantwortung für das Land an erster Stelle“ – Dieser Blick ist etwas verklärt. Wie fast jeder Mensch ist auch Gerhard Schröder als Kanzler höchst ambivalent gewesen. Sein Nein zur Beteiligung am Angriffskrieg im Irak war sicher eine verantwortungsvolle Leistung, auch wenn sich Deutschland vorher am Angriffskrieg in Jugoslawien beteiligt hat. Ähnlich ist es im Bereich Ökonomie. Schröder hat durch Druck auf die Löhne Deutschland zu einer Exportüberschuss-Maschine gemacht, damit die Kassen der Unternehmer gefüllt, um den Preis der Zerstörung seiner eigenen Partei …“ | Zu: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-06/spd-krise-fruehere-vorsitzende-oeffentlicher-aufruf-parteibasis

Austin Davis (14.07.2019): “ … „In Deutschland ist der Begriff Sozialdemokratie bedeutungslos geworden.“ Das sei nicht immer so gewesen, sagt die 85-jährige Marianne bei einem Grillempfang der SPD-Abteilung Schöneberg. Sie ist seit 1953 Mitglied der SPD, nachdem sie mit ihrem Vater vor dem Sozialismus in der DDR nach Nordrhein-Westfalen geflohen war. Sie erinnert sich an die Solidarität mit den Schwachen der Gesellschaft damals: „Es war für mich eine Pflicht, für Gerechtigkeit einzustehen, die Arbeiterschaft zu unterstützen und die Gleichberechtigung.“ Heute höre die Führungsriege den Wählern einfach nicht mehr zu. „Sie sind nicht mehr mit ganzem Herzen dabei. Sie kämpfen nicht mehr wie früher“, sagt die Alt-Genossin. …“ | https://www.dw.com/de/spd-mehr-sozialismus-wagen/a-49585740-0

Harald Christ ist Unternehmer und Beauftragter der SPD für den Mittelstand (16.07.2019): “ … Wahlen werden in der Mitte gewonnen. [Einwurf: Friedrich Merz zählt sich zur Mittelschicht und verdient Millionen. Er hat damit eine für Deutsche delikate Debatte entzündet. Inga Michler, Wirtschaftsreporterin (20.11.2018)] … Die SPD war immer dann erfolgreich, wenn sie die Fantasie mehrerer Milieus, von Unter- bis Mittelschicht und liberalem Bürgertum beflügelte mit einer Idee einer besseren Zukunft. Sie war es nicht und wird nicht erfolgreich sein, wenn sie den Elenden sagt, wie elend es ihnen geht und dass „der Kapitalismus“ schuld sei, […] Die sozialen Reformen (Staatsbürgerschaftsrecht, eingetragene Partnerschaft), wurden ergänzt durch die „Agenda 2010“ [>> https://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_2010], deren Mängel von der SPD inzwischen längst korrigiert wurden. …“ | Quelle: https://www.fr.de/meinung/frankfurt-hessen-gastbeitrag-spd-modell-deutschland-12820362.html

Rainer Täuschungsversuch (16.07.2019): “ … Die SPD hat also die Fehler einer erfolgreichen Agenda 2010 korrigiert? Hmm… Es gibt eben nur schwer Konsens zwischen denen, die Maschinen und Produktionsmittel sozialisieren wollen und dem Seeheimer Kreis. Parallel dazu brechen die alten Wählermilieus weg und kommen auch nicht zurück. Was bleibt ist das Beharren auf Erfolgen der Vergangenheit und das Staunen über die Farblosigkeit der Sozialdemokratie im Engagement gegen Rechte und Spalter im 21. Jahrhundert. …“

Fritz Grimm (16.07.2019): “ … „Die Utopisten scheinen der drohenden Marginalisierung hingegen mit der geistig-politischen Selbstverzwergung begegnen zu wollen, nämlich einer weiteren Linksverschiebung, inklusive neuer Fundamentalkritik am „System“ …“. — Ist es Utopie von der Politik zu verlangen, dass sie endlich den Ausverkauf Deutschlands, in Form von Privatisierungen beendet? Ich denke, nein. … Es dürfte selbst einem weniger kritischen Beobachter nicht verborgen geblieben sein, dass seit vielen Jahren die Wirtschaft die Politik vor sich hertreibt. …“

Christopher.P #46 (2019) “ … Die SPD hat sich zu einer Unternehmerpartei entwickelt …“ Zu: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-06/spd-krise-fruehere-vorsitzende-oeffentlicher-aufruf-parteibasis bzw. https://www.spiegel.de/media/media-44603.pdf

heined #44 “ … Gemässs Umfrage würden 56 Prozent das Verschwinden der SPD bedauern. …“

Herr Wolfmann #94 (2019): “ … Neun Ex-Parteichefs [https://www.spiegel.de/media/media-44603.pdf], die dazu beigetragen haben, dass die SPD, wie viele andere sozialdemokratische Parteien auch, sich kaum noch von rechts- und links-liberalen Parteien unterscheidet. Und die sind sich keiner Schuld bewusst. …“

Einar von Vielen #67 (2019): “ … Hier wird kein Neuanfang benötigt, sondern die Rückbesinnung auf das, wofür die Partei einmal stand. Das waren eben keine neoliberalen Thesen, wie Schröder sie ins Rampenlicht gerückt hat. Dass ausgerechnet Schröder jetzt einen »Neuanfang« propagiert, ist eigentlich lustig. …“

neugeb02 #100 (2019): “ … Das haut dem Fass den Boden aus, dass gerade derjenige, der der SPD den größten Schaden in der Zeit nach dem Krieg zugefügt hat, sich Sorgen macht. …“

alleghieri 17.06.2019 “ … Wo bleibt der aufrechte Gang? – Um das Jahr 2000 war Deutschland der kranke Mann Europas mit 5 Millionen Arbeitslose. Talkshows zeichneten ein Bild der Hoffnungslosigkeit. Die Agenda 2010 hat sicherlich wesentlich dazu beigetragen, aus dieser Lage herauszukommen. Eigentlich ein grandioser Erfolg, aber für die SPD anscheinend ein Grund, sich zu schämen. Klar, nicht alles war gut an der Agenda 2010, aber wenn man so mit seinen Erfolgen umgeht, braucht man sich über das Ergebnis an den Wahlurnen nicht zu wundern. …“ | https://www.spiegel.de/forum/politik/brief-die-parteibasis-neun-fruehere-spd-vorsitzende-schreiben-aufruf-parteibasi-thread-917981-1.html#postbit_76333524

Markus Feldenkirchen (25.11.2018): “ … Millionen Menschen haben sich nach den wirtschaftsfreundlichen Reformen der Agenda 2010 enttäuscht von der deutschen Sozialdemokratie abgewendet. Nie zuvor und nie danach hat ein Politikwechsel innerhalb einer Partei zu ähnlich großen Verwerfungen geführt wie Gerhard Schröders Agenda aus dem Jahr 2003. Und ja: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist in der Folge stark gesunken. Und der Bundeshaushalt verzeichnet heute fast in jedem Quartal neue Rekordeinnahmen. Diese Entwicklung ist positiv und sie hat viel mit der Agenda und auch mit Hartz IV zu tun. Aber: Was für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gut war, hatte verheerende Folgen für die SPD. Sie war plötzlich verantwortlich dafür, dass Menschen, die ihr Leben lang hart geschuftet hatten und dann arbeitslos geworden waren, in kurzer Zeit nur noch das Minimum an staatlicher Unterstützung erhielten. Sie war verantwortlich dafür, dass noch mehr Menschen aus dem Keller der Gesellschaft zu Verdächtigen erklärt wurden. Staatliche Kontrolleure drangen bis ins Badezimmer der Leistungsempfänger vor, um zum Beispiel die dort vorhandenen Zahnbürsten zu zählen. … Für Millionen Menschen, die sich einst von der SPD beschützt gefühlt hatten, waren die Sozialdemokraten so zu Verrätern geworden. Man sollte sich da nichts schönreden: Hartz IV wurde von ihnen wirklich als Verrat empfunden. …“ | https://www.ndr.de/info/sendungen/kommentare/Das-Hartz-IV-Drama-der-SPD,hartzvier238.html

Der Politiker Friedrich Merz ist Vizepräsident des Wirtschaftsrates der CDU und war früher Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Fondsgesellschaft BlackRock in Deutschland und kandidierte Ende vergangenen Jahres um den CDU-Parteivorsitz: “ … Deutschland geht es gut. Wir leben in einem der schönsten und wohlhabendsten Länder der Welt. … Die Agenda 2010 der rot-grünen Bundesregierung war der Versuch, die deutsche Volkswirtschaft in einem schärfer werdenden globalen Wettbewerb zukunftsfähig und zugleich die Sozialversicherungen demografiefest zu machen. … Marktwirtschaft heißt vor allem Kapitaleinsatz …“ | Friedrich Merz (11. Juni 2019), Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-04/wirtschaftspolitik-deutschland-wohlstand-soziale-gerechtigkeit-demokratie-kapitalismuskritik/komplettansicht

klaurot #14 Wir leben in einem der schönsten und wohlhabendsten Länder der Welt. — Wer ist „wir“? …

BCO #14.1 Wir = der Mittelstand (im Merz’schen Sinne).


Nachtrag #1

Max Reinhardt (‚Gastbeitrag – Das Wesen der SPD‘, 17.07.2019): “ … Die SPD forderte einmal die Überwindung des Kapitalismus und war für einen Demokratischen Sozialismus mit ökologisch-menschlichem Antlitz. Für die SPD, vor allem für ihre Führung, wird es Zeit, sich darauf zu besinnen. Sie muss sich dafür von ihrer neoliberalen Ära mit ihrer Top-Down-Politik zur Deregulierung der Märkte und von ihrer Sparpolitik befreien. Daran mitwirken müssen viele. …“ | https://www.fr.de/meinung/wesen-spd-12829625.html

Nachtrag #2
“ … Es wird Zeit für einen neuen reflektierten Kapitalismus. Dieser bricht klar mit dem Neoliberalismus der letzten Jahrzehnte. Er ist eine Rückbesinnung auf das Godesberger Programm, das im Jahr 1959 die SPD als Volkspartei etablierte. Der österreichische Ökonom Nikolaus Kowall arbeitet aus dem Godesberger Programm vier Richtlinien heraus. Erstens: Privateigentum ist erlaubt, aber eine Vermögenskonzentration gilt es zu verhindern. Zweitens muss Privateigentum durch öffentliche Beteiligung und Mitbestimmung eingehegt werden. Drittens soll die Wirtschaft ein Hybrid aus privater und öffentlicher Wirtschaft sein. Viertens bekennt sich die Sozialdemokratie zur Marktwirtschaft – aber nur mit dem Primat der Politik.
Gleicht man nun diese vier zentralen Vorgaben ab mit der sozialdemokratische Politik des zurückliegenden Jahrzehnts, dann erkennt man schnell, wie weit sich die SPD vom Godesberger Programm entfernt hat. … Der reflektierte Kapitalismus wäre zugleich die Rückbesinnung auf den Kern der Sozialdemokratie als Volkspartei. …“ | https://taz.de/Junge-SPDler-stellen-die-Systemfrage/!5607469/

Jack Rosenthal 23.07.2019, 09:46: “ … „Zweitens muss Privateigentum durch öffentliche Beteiligung und Mitbestimmung eingehegt werden.“ Wie soll den eine öffentliche Beteiligung und Mitbestimmung darüber, wer und was und wieviel jemand privat besitzen darf, denn aussehen? Und wer kontrolliert den Privatbesitz? Ich sage nur: Überwachung. Kontrolle. Bürokratie. Planwirtschaft. Bla bla. Alle bisherigen Systeme – ob sozialistische, kommunistische, kapitalistische – sind nicht das Gelbe vom Ei. …“

Joba 23.07.2019, 10:47: “ … @Jack Rosenthal: Ganz so „unmöglich“, wie Sie es darstellen, ist es auch wieder nicht. Es geht um Privateigentum an überlebensnotwendigen Gütern. Ist es rechtens, wenn Konzerne Wasser als ihr Privateigentum betrachten und allen die Preise diktieren? Oder ist es unproblematisch, wenn Landwirt*innen ihr Saatgut nicht mehr selber züchten dürfen, sondern gezwungen sind, es bei Konzernen zu kaufen, wenn Sie ihre Produkte vermarkten wollen? Privateigentum kann auch dadurch eingehegt werden, dass es für bestimmte Güter, über die demokratisch (von der Mehrheit aller Betroffenen) entschieden wird, ausgeschlossen wird. „Enteignet“ würden nur Leute, die von Gemeingütern profitieren wollen, was ich für legitim halte. Nicht alles muss Profitinteresen unterworfen werden. Wieviele Yachten, Goldbarren usw. Sie bei sich horten, ist mir hingegen egal. …“

Uranus 22.07.2019, 14:50: “ … „Es wird daher Zeit, dass die SPD endlich wieder die großen gesellschaftlichen Fragen, die Systemfrage, stellt.
Das wäre mal ein Anfang. Leider stürzt Yannick Haans Kritik ab dem Punkte wieder auf den kapitalistischen Boden ab. Obgleich der Kapitalismus als Ursache für Ungleichheit und Umweltzerstörung benannt wird, wird dann ein „reflektierten Kapitalismus“ gefordert. Der Schluss aus der Analyse, bzw. bereits diese selbst ist offenbar halbherzig. Eine wirkliche radikale Kritik an jetziger Gesellschaftsform und ein Sehnen nach grundlegend anderen gesellschaftlichen Verhältnissen wird nicht formuliert. Schade. …“

Ruhig Blut 22.07.2019, 22:36 @Uranus: “ … Halbherzig vielleicht, dafür aktuell aber sehr viel zielführender als Maximalforderungen. … Die Reaktionen auf Kühnert zeigen ja deutlich, wo wir mit der Akzeptanz von Kapitalismuskritik stehen. …“


lemon / 16 Juli 2019 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[La Lune #24… ]

Georges Méliès‘ „Le Voyage dans la Lune“ (1902)

Matthias Hennig (03.07.2019): “ … Die europäische Literatur kennt eine Fülle mit den unterschiedlichsten Transportmitteln realisierter Mondfahrten. Zu den wichtigsten dieser Fantasien zählen neben Verne Lukian von Samosatas „Wahre Geschichten“ (etwa 165/180, 2. Jahrhundert n. Chr.), Ludovico Ariostos „Rasender Roland“ (1532), der seinen Verstand auf dem Mond verloren hat, Johannes Keplers „Somnium“ (1634), John Wilkins „The discovery of a world in the moone“ (1638), Rudolf Erich Raspes und Gottfried August Bürgers „Münchhausiaden“ (1785/86), Edgar Allen Poes „Hans Pfaall“ (1835) oder H.G. Wells „The First men in the moon“ (1901). Diese einflussreichen literarischen Mondreisen bilden einen Jahrhunderte überbrückenden Verkettungszusammenhang. … Der Mond bildet einen real-imaginierten Ort: eine Struktur des Begehrens, die nah und fern zugleich ist, dem Auge wohlvertraut und in Vollmondnächten in fast greifbarer Größe vom Himmel grüßt – und doch für 99,999 Prozent der Sterblichen unerreichbar bleibt. … Während die seefahrerische und aeronautische Erkundung der Erde die Relationen von Raum und Zeit durch sich ständig verbessernde logistische Netze immer kleiner und kürzer werden ließ, vergrößert die Entdeckung des Weltraums das Bewusstsein einer unendlichen Ausdehnung von Raum und Zeit. Mond- und Raumfahrt führen nicht zu einer Einhegung, sondern konfrontieren den Menschen mit der absoluten Relationslosigkeit des Raums und der Offenheit der Zeit. …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/50-jahre-mondlandung-kraterstimmung/24517560.html

lemon / 3 Juli 2019 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Global.Politix:Micro, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[RWF #5… ]

From a casual exchange between a billionaire P.J. Lurz
and the Chief of Berlin secret police Gerhard Gast (Hark Bohm)

via [Victor-Katia (14 May 2019): To Live Between Being and Non-Being, Existence and Non-Existence, Life and Non-Life, Love and Non-Love, Sex and Non-Sex, Identity and Non-Identity – RWF’s “The Third Generation/Die Dritte Generation” (1979) and JLG’s “Every Man For Himself” (1980)]

// Die dritte Generation ist eine Schwarze Komödie von Rainer Werner Fassbinder über politischen Untergrund und Terrorismus aus dem Jahr 1979. Der Film wurde in Cannes uraufgeführt. … Der Film wurde am 13. Mai 1979 bei den Filmfestspielen von Cannes außerhalb des Wettbewerbs uraufgeführt. Amerikanische und französische Kritiker priesen den Film als aufregendsten des Festivals. „Eine wirkungsvolle, kinematographische Stilübung und einer der erschreckendsten politischen Filme, die wir je von jenseits des Rheins zu sehen bekommen haben“, so die französische Tageszeitung Le Figaro. Die bundesdeutsche Filmkritik lehnte Die dritte Generation überwiegend ab, als dieser am 14. September 1979 in den Kinos startete. Fassbinder habe in seiner Komödie nichts Wesentliches zu sagen und verwirre in ihrer Erzählweise, so Joe Hill (film-dienst). …| https://de.wikipedia.org/wiki/Die_dritte_Generation


lemon / 13 Juni 2019 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Visual.Notes / 0 Comments

[Zu den Spielregeln der Zensur #2… ]


“ … In vielen Bibliotheken gibt es geheime Zonen: Schränke oder ganze Räume mit weggeräumten, als gefährlich eingestuften Büchern, die in keinem allgemein zugänglich Katalog erfasst sind. Die Klosterbibliothek in Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ ist das klassisch gewordene Muster. Selbst die Nazis verzichteten nicht darauf, die von ihnen ausgesonderten Titel in Zentralbibliotheken zu sammeln und im Geheimen aufzubewahren … So führt seine Schilderung der Bücherverbrennung durch nationalsozialistische Studenten im Mai 1933 zu Scheiterhaufen in den USA, wo zeitgleich dieselben Bücher – Hemingway, Dos Pasos und andere – von moralischen Eiferern ins Feuer geworfen wurden. Im Kapitel „Glauben und Wissen“ wird der „Index librorum prohibitorum“ der katholischen Kirche behandelt, der 1559 als Instrument der Inquisition eingeführt und erst 1966 wegen zunehmender Wirkungslosigkeit abgeschafft wurde. Dass Verbote häufig das Gegenteil des Erstrebten bewirken, indem sie Neugier und Aufmerksamkeit schaffen, ist ein immer wiederkehrendes Problem aller Zensoren. … Überhaupt ist es schwer, allgemeingültige Regeln abzuleiten. Noch nicht einmal der Minimalkonsens, dass Verbote immer abzulehnen sind, ist möglich. Im Streit um Maxim Billers Roman „Esra“ sympathisiert Fuld aus personenschutzrechtlichen Erwägungen mit dem Verbotsurteil. Die Bundesprüfstelle, die Gewaltverherrlichendes und Pornographisches indiziert, regt ihn erst dann auf, wenn der Gesundheitsfanatismus der Gegenwart zum Dogma erhoben wird – und Lucky Luke seine Zigarette verliert. …“ | Jörg Magenau (24.04.2012) https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-scheiterhaufen-bis-fsk.950.de.html?dram:article_id=141270

“ … Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2012: Mit einem expliziten Urteil hält sich Rezensent Jan Grossarth zwar zurück, doch er scheint einige Erkenntnisse aus Werner Fuld „Buch der verbotenen Bücher“ gezogen zu haben und so lesen wir sein Resümee mal als Empfehlung. Gelernt hat er unter anderem, dass die Reformatoren Calvin und Luther ebenso Bücher verbrennen ließen wie zuvor der Vatikan und später die Gegenreformatoren, dass Nationalsozialismus und Kommunismus meist die gleichen Bücher verboten und dass selbst die harmlosesten Publikationen von moralischen Sittenwächtern ins Visier genommen wurden: in Deutschland die Tarzan-Hefte, in den USA die „Harry-Potter“-Romane. Vor allem aber hat er gelernt, dass das, was einmal brannte, um so länger scheint. Pascal, Rousseau, Heine und Balzac zum Beispiel. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/werner-fuld/das-buch-der-verbotenen-buecher.html

lemon / 30 Mai 2019 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #27… ]

“ … Frenzy (zu deutsch Wahnsinn, Raserei; vergleiche frenetisch) ist ein britischer Thriller von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1971 … „Hitchcock ist hier wieder auf der Höhe seiner Meisterschaft. Erneut behandelt er sein Lieblingsthema: Ein Mensch verliert seine ‚Identität‘ und wird für jemand gehalten, der er nicht ist.“ – Reclams Filmführer … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Frenzy (13. April 2019)

“ … Je phan­tas­ti­scher das Ereignis, desto plau­si­bler erscheint die Möglich­keit, es abzu­streiten. … Hein­rich von Kleist hat dieses Phänomen „unwahr­schein­liche Wahr­haf­tig­keit“ genannt, also ein Phänomen, dass zwar in der Wirk­lich­keit passiert, aber gleich­zeitig so unwahr­schein­lich klingt, dass man glauben muss, es sei erfunden. … Wenn man Geheim­dienst­akten liest, dann kann man die Erzeu­gung dieser Unge­wiss­heit als eine der Zerset­ungs­stra­te­gien des Selbst vorfinden, mit denen die Geheim­po­lizei in Osteu­ropa insbe­son­dere Dissi­denten und oppo­si­tio­nelle Künstler verfolgt hat. Im Archiv der BStU (Behörde zur Aufar­bei­tung der Stasi­un­ter­lagen) gibt es unter anderem Akten über den Fall der Kinder­ärztin Karin Ritter. Neben der perma­nenten Streuung von Gerüchten wurde mehr­fach in Ritters Wohnung einge­bro­chen, Bilder wurden umplat­ziert, Blumen­töpfe verschoben, Tee in den Dosen wurde vertauscht. Es handelt sich dabei um eine Verkeh­rung im Bereich von Fiktio­na­lität und Realität. … Nach dem lang­jäh­rigen Studium der Doku­mente von Geheim­diensten muss ich [ ] fest­stellen, dass man die Fikti­ons­leis­tung nicht­li­te­ra­ri­scher Akteure nicht unter­schätzen sollte. Wenn man aus Geheim­dienst­akten etwas heraus­lesen kann, dann ist das sicher­lich nicht die Realität der Ereig­nisse, das wäre eine völlige Fehl­ein­schät­zung des Mate­rials, sondern – ganz im Gegen­teil – ihre Fikti­ons­leis­tung. … Eine Gegen­über­stel­lung von Fiktion in der Lite­ratur auf der einen Seite und der „Wahr­heit der Doku­mente“ auf der anderen hält gerade der Realität von Geheim­dienst­akten nicht stand. Denn selbst wenn der „fiktive Histo­riker“ nach der Wahr­heit in den Akten suchen würde, fände er dort genau jene Fiktionen vor, die ihm verdeut­li­chen, dass sich das vorge­fun­dene Mate­rial von einem guten oder schlechten Roman oft kaum unter­scheidet. Die Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lerin Chris­tina Vatu­lescu hat bereits vorge­schlagen, eine Geheim­po­li­zei­akte als „collec­tive literary work“ zu lesen, als eine Art perversen Roman, der auf der Phan­tasie von Beamten und Auto­kraten basiert. …“ | Aus: „Mord mit Regen­schirm. Über die Phan­tastik der Realität“ Sylvia Sasse (12. Mai 2019) [Rubrik Geschichten der Gegenwart, Sylvia Sasse lehrt Slavis­­ti­sche Litera­tur­­wis­sen­­schaft an der Univer­sität Zürich und ist Mitbe­gründerin und Mitglied des Zentrums Künste und Kultur­theorie (ZKK)] | Quelle: https://geschichtedergegenwart.ch/mord-mit-regenschirm-ueber-die-phantastik-der-realitaet/

lemon / 13 Mai 2019 / Fraktal.Text, Global.Politix:Micro, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

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