[Are you the brain specialist?]

gumby.jpg

T. F. Gumby: Doctor! Doctor! DOCTOR! (he goes up to the antique desk and bangs the bell violently; he smashes the intercom and generally breaks the desk up) Doctor! Doctor! DOCTOR! DOCTOR! Doctor! Doctor! Where is the Doctor? (A pause. Then another door opens and another Gumby appears.)
Specialist: Hello!
T. F. Gumby: Are you the brain specialist?
Specialist: Hello!
T. F. Gumby: Are you the brain specialist?
Specialist: No, no, I am not the brain specialist. No, no, I am not… Yes. Yes I am.
T. F. Gumby: My brain hurts!
-.-
Stuff from Monty Python’s Flying Circus – Just the words:
http://www.ibras.dk/montypython/justthewords.htm

lemonhorse / 1 September 2005 / Found.Stuff / 0 Comments

[Homo Ludens und die Totalität der Ware… ]

„[…] Bekannt sind Aktionen wie der falsche Weihnachtsmann von King Mob der zur Weihnachtszeit in Kaufhäuser ging und dort das Spielzeug aus den Regalen direkt an Kinder verschenkte. Die herbeigerufene Polizei musste den Kindern die Waren wieder abnehmen, die dann ungläubig dabei zusahen, wie der Weihnachtsmann verhaftet wurde.
[…] [Debord] kritisiert das Leben in einem Kapitalismus, der alle Aspekte des Lebens in Waren verwandelt (Totalität der Ware, Kommodifizierung) und menschliche Erfahrungen oder Beziehungen nur noch durch er vermittelt, simuliert (wie z.B. in der Verkaufspsychologie), Sehnsüchte verdinglicht (Entfremdung, z.B. die Service-Kultur als kommerzialisierte Menschlichkeit). […] Statt seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen, orientiere sich der Mensch im Spektakel an vorgefertigten, massenmedial verbreiteten Bildern (klischeehafte Lebensstile, Rollenangebote, erwünschte Verhaltensweisen), versuche diese zu imitieren und ihnen zu gleichen. Wahlfreiheit beschränke sich auf die Wahl zwischen Produkten. Dieses Leben erzeuge aber durch seine mangelnde Intensität Langeweile und Überdruss beim Einzelnen, die durch vermehrten Konsum von immer ausgefalleneren Produkten, Stars, Ideologien oder Moden übertüncht werden müssten. Debords Denken ist dabei geprägt von der Überfluss-Gesellschaft der 60er, die noch nicht von den späteren Wirtschaftskrisen und der Massenarbeitslosigkeit erschüttert war. Die Konsumwelt sollte sich aber dennoch bis heute immer weiter ausdifferenzieren, Rebellion zunehmend zu oberflächlichen Modeartikeln werden. Die Kritik an diesen Entwicklungen, an einer Gesellschaft, die nur noch aus Oberflächen zu bestehen scheint, ist ein Grund für ein weiterhin bestehendes Interesse an Debords Thesen, bald 40 Jahre nach ihrer Publikation, auch wenn Debords philosophisches, dem Laien sprachlich schwer zugängliches Werk schon manchen Leser abgeschreckt hat.
[…] Dem Menschenbild Homo oeconomicus stellten die Situationisten das des Homo ludens gegenüber. Sie wandten sich somit gegen jede Verfestigung, Erstarrung, Absolutierung.
Dabei betonten sie immer wieder, dass es keinen Situationismus als -ismus, als starre Ideologie gebe. Sie behaupteten, der Begriff Situationismus sei eine Erfindung ihrer Gegner. Sie wendeten sich auch gegen ihre eigenen Fans und Bewunderer, denen sie vorwarfen, ihre Bewunderung stelle nur eine Form von Konsum und Mystifikation dar, keine aktive Teilnahme an ihrem Projekt. …“

Aus: „Situationistische Internationale“
Quelle (2005-05-30): http://de.wikipedia.org/wiki/Situationistische_Internationale

lemonhorse / 19 Juli 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Metaphorische Übertragungen… ]

“ … Unser konzeptuelles System, in dem wir sowohl denken als auch handeln, ist grundsätzlich metaphorisch […] Metaphern sind als Träger kognitiver und emotionaler Strukturen seit dem Buch „Metaphors we live by“ von George Lakoff und Mark Johnson 1980 in den Blick geraten, und es gibt auch im deutschsprachigen Raum kaum noch eine Arbeit zu dem Thema, die sich nicht mit diesen Autoren auseinandersetzt. Beide haben ihr Anliegen in Folgepublikationen vertieft und z.T. verändert (Lakoff 1987, Johnson 1987). Sie gehen davon aus, daß metaphorische Übertragungen aus einfachen und sinnlich wahrnehmbaren Erfahrungseinheiten („experiential gestalts“) auf komplexe und abstraktere Begriffe ein Grundzug unseres Denken und Handelns ist. Sie postulieren, daß Metaphern zusammenhängende Konzepte bilden, nach denen wir unser Denken strukturieren. Sie sehen Metaphern also nicht als Frage der Sprache, sondern des Denkens an und nehmen eine Homologie zwischen Denken und Sprechen an. Drei unterschiedliche Typen von Metaphern bilden den Ausgangspunkt ihrer Theorie: konzeptuelle (strukturierende), orientierende und ontologisierende (vergegenständlichende) Metaphern.
Lakoff und Johnson gehen davon aus, daß die sprachlichen Bilder aus einem Bereich von Erfahrung stammen, der eine prägnante Gestalt hat und leicht benennbar ist, während der zu strukturierende Bereich unscharf ist. Das trifft auf abstraktere Bereiche wie Gefühle, Handlungen, Wertungen zu. Brünner 1987 nennt wesentliche Metaphern für den komplexen Begriff der Kommunikation: Sie ist Kampf („Positionen beziehen“), ist ein Bauwerk („Argumentation aufbauen“), Zeichnen („seine Ansicht illustrieren“), Spinnen oder Weben („Gesprächsfaden“, sich „verheddern“), Fortbewegung („auf anderes Thema kommen“), ein Lebewesen („tote Sprachen“), ein ökonomisch-bürokratisches Geschäft („verhandeln“), eine Maschine bzw. ein Computer („ich kann nichts mehr speichern“), oder Kommunikation ist das Versenden von Ideen- Objekten in Sprachhüllen (Conduit-Metapher, eine „lange Leitung“ haben, „hohle Phrasen“, „schlecht verpackte Idee“).
Die Metaphorik der Liebe (Kövecses 1988) umfaßt viele Bilder der Einheit („eins werden“, „ein Herz und eine Seele“) mit den Variationen der Einverleibung („ich könnte dich fressen“), der aufgehobenen Trennung („meine bessere Hälfte“), der verschiedenen Formen von „Nähe“, in denen die physikalische Qualität der Strecke für die Beziehung steht („waren uns ganz nah“).
Je stärker eine bestimmte Metaphorik einen abstrakten Bereich dominiert, desto deutlicher sind ihre Folgen für Handlungen. Nieraad (1977/26) führt als Beispiel die der Biologie entlehnte Metaphorik des Faschismus an (Blut, Boden, Rasse etc.), um den Zusammenhang von Metaphorik und Handlung zu zeigen: Was an sozialer Wirklichkeit nicht in das ideologische Prokrustesbett paßte, d.h. nicht rassisch „gesund“ war, wurde einer „biologischen Therapie“ unterzogen, d.h. „ausgemerzt, ausgerottet, vertilgt“. Lakoff und Johnson gehen in ihrer Behauptung eines solchen Zusammenhangs von Kognition und Handlung via Metaphorik soweit, daß sie behaupten:
„Unser konzeptuelles System, in dem wir sowohl denken als auch handeln, ist grundsätzlich metaphorisch. Die Konzepte, die unser Denken leiten, sind nicht bloß Gegenstände des Intellekts. Sie leiten unser tägliches Funktionieren bis hinab zu den kleinsten Details. Unsere Konzepte strukturieren, was wir wahrnehmen, wie wir uns in unserer Welt bewegen, und wie wir Beziehung zu anderen Menschen aufnehmen.“ (dies. 1980/ 3)
Um diese weitreichende Behauptung zu stützen, reicht der dargestellte Begriff von Metaphorik nicht; die Betrachtung der orientierenden und der vergegenständlichenden Metaphern erlaubt es, die Reichweite dieser Behauptung einzuschätzen.

Bruchstücke aus: „Metaphernanalyse und die Repräsentation biographischer Konstrukte“
von Rudolf Schmitt, Journal für Psychologie, Asanger-Verlag, Heidelberg, Doppelheft 1/1995 -1/1996, S.47-62, Quelle: http://www.hs-zigr.de/~schmitt/aufsatz/biograph.htm

lemonhorse / 25 Juni 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Dazu verdammt, frei zu sein… ]

[David Cronenberg:] “ … Es gibt keine Regeln, außer die, die wir selbst erfinden. Das entspricht meiner Weltsicht. Wir sind, wie Sartre gesagt hat: „Dazu verdammt, frei zu sein.“ Das ist erschreckend und aufregend zugleich. Die meisten Leute wollen diese Verantwortung nicht akzeptieren. Die meisten Religionen versuchen uns eine Struktur zu verpassen, mit deren Hilfe wir das nicht anerkennen müssen.
Sie geben uns eine Moral und normalerweise auch eine Ausflucht gegenüber dem Tod. Aber als ein wahrer Existentialist akzeptiert man diese unangenehmen Wahrheiten und trifft seine Wahl auf der Basis, das es nur auf einen selber ankommt. Das ist das Menschenbild der Existenzphilosophie. Dies zu sagen ist zur Zeit zwar nicht sehr in, aber ich glaube, dass es sich bei den Diagnosen der Existentialisten um eine philosophische Position handelt, das bis heute nicht übertroffen wurde. Die Existenzphilosophie ist zwar vielleicht nicht mehr so in Mode, wie sie es wohl in den 50ern war, aber sicher heute wieder wichtiger, als in den 80ern, wichtiger auch als Dekonstruktivismus und Postmoderne…“

Bruchstück aus: „Im eigenen inneren Gefängnis“ Der kanadische Regisseur David Cronenberg über „Spider“ im Interview mit Rüdiger Suchsland (09.06.2004), Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/kino/17611/1.html

lemonhorse / 25 Juni 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Bruce Lee der Wörter… ]

[…] Sartre war besessen von der Idee, dass man sich seine Lage bewusst machen muss, um frei entscheiden zu können. Er war durchdrungen von der Gewissheit, dass alles mit allem zusammen hängt, dass der Einzelne millionenfach definiert ist, dass man also, beschränkt man sich auf sein Fach, notwendig ein Idiot bleibt. Er wollte kein Idiot bleiben. Vielleicht war er nicht neugierig, aber er nahm das „Erkenne Dich selbst!“ so genau, dass es fast nichts gab, das er nicht wissen musste, um wenigstens das Gefühl zu haben, sich und seine Lage erkannt zu haben. Dass diese Lage sich ständig änderte, dass auch er selbst nicht der Gleiche blieb, war ihm bewusst wie wenigen. Seine Aufsätze veröffentlichte er unter dem Titel „Situationen“. Er liebte es, sich als jemanden zu sehen, der es verstand, in jeder dieser Situationen exakt das Richtige zu tun. Es kam ihm darauf an, die ganze Wucht der Lage auszunutzen für die Eroberung einer kleinen Freiheit. Er war der Bruce Lee der Wörter, die er abzuschmecken und auszunutzen liebte, deren trügerischen Reizen er oft erlag, die er aber niemals mit der Wirklichkeit verwechselte.

Aus: „Besessen vom Ich“ von Arno Widmann (Dienstag, 21. Juni 2005)
Quelle: www.berlinonline.de/berliner-zeitung/feuilleton/459432.html

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[…] Der Direktor des Pariser „Figaro“ machte den Vorschlag, man solle Sartre exkommunizieren und anschließend auf dem Vorplatz von Notre-Dame verbrennen. Den Existentialismus verglichen Kritiker mit einer Kloake, durch die man nur auf Stelzen waten könne. Sartre, dessen „Durst nach Martyrium“ den Zeitgenossen auffiel, mag ein morbides Vergnügen an diesen Beschimpfungen gefunden haben. Skandalös wirken die meisten gegen Sartre gerichteten Haßtiraden heute nicht mehr – eher wie versteinerte Exkremente.
[…] Zu seinen Lebzeiten triumphierte die Philosophie Sartres nicht nur in den Hörsälen, sondern auch in den Jazzkellern und Cafés von Saint-Germain-des-Prés. Ihrer Trivialisierung zur Lebensform einer kettenrauchenden Bohème leistete ihr Autor dabei selbst Vorschub – unterstützt von Simone de Beauvoir und einer großen „Familie“ von Freunden und Anhängern. Man hat Sartre falsch in Erinnerung, wenn man in ihm vorwiegend einen humorlosen und verkniffenen Doktrinär sieht. Sartre lebte ein Leben voller Schabernack; er wollte lieber für einen Hanswurst gehalten werden als für einen Unterpräfekten.
[…] Am 19. April 1980 wurde er auf dem Pariser Friedhof Montparnasse begraben. Zehntausende folgten seinem Sarg. Was Sartre den Trauernden bedeutete, brachte in seiner Antwort ein kleiner Junge zum Ausdruck, den ein Passant fragte, warum so viele Menschen auf der Straße seien: „Wir demonstrieren gegen Sartres Tod.“
Quelle:www.welt.de
Aus: „Er kam als Autor auf die Welt“ von Wolf Lepenies (21. Juni 2005)

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[…] In Frankreich gilt das Diktum: Lieber mit Sartre irren als mit Aron Recht behalten. Lieber mit Jean-Paul Sartre an eine bessere Gesellschaft glauben, auch wenn sie nur zu einem hohen Preis und am Ende vielleicht gar nicht zu verwirklichen ist. Lieber Unrecht haben, aber daran glauben als mit Raymond Aron Recht behalten, mit diesem lange Zeit als konservativ verschmähten Philosophen und Soziologen, der weit vor dem Schwarzbuch des Kommunismus die ideologische Verblendung der Linken geißelte und den Kommunismus als „Opium der Intellektuellen“ bezeichnete.

[…] Sartre und Arons Streit ist ein politischer, aber auch ein persönlicher. Er ist Beispiel dafür, wie aus engen Freunden unerbittliche Feinde werden können. Beide waren Jahrgang 1905. Sartre war am 21. Juni geboren worden, Aron am 14. März. Beide besuchten die renommierte Ecole Normale Supérieure, wo sie sich gegenseitig schworen, beim Ableben des anderen dessen Nachruf zu schreiben. Gemeinsam gründeten sie eine Zeitschrift, Les Temps Modernes.

[…] In diesem Jahr, zum 100. Geburtstag der beiden Denker, wird das „Match Sartre-Aron“, wie ein Nachrichtenmagazin titelte, in den französischen Medien noch einmal neu aufgelegt. Mit Abstand betrachtet ist die Sache klar. Stellt man die politischen Analysen gegenüber, sieht Sartre blass aus. Denn mit Sartre irren heißt, die Diktatoren des 20. Jahrhunderts verteidigen. Stalin, Mao, Chruschtschow, Tito, Pol Pot. Es heißt Fidel Castro verehren. Und bedeutet auch: Gewalt philosophisch legitimieren. Kurz, die Bilanz seiner Fehleinschätzungen, seiner ideologisch verblendeten Legitimationen ist beträchtlich. So beträchtlich, dass der linke Nouvel Observateur unlängst provokativ fragte: „Muss man Sartre verbrennen?“ Und doch ist es Sartre, der eindeutig als Gewinner aus diesem Match hervorgeht […] Vermutlich schon deshalb, weil man sich an ihm und seinem Werk noch immer und immer wieder reiben kann.
Quelle:www.fr-aktuell.de/
Aus: „Sartre brennt“ von MARTINA MEISTER (21.06.2005)

lemonhorse / 21 Juni 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Third Mind… ]

„… William Burroughs first suggested the possibility of a Third Mind. Essentially, when two people collaborate on any given project, a Third Mind is formed out of the merged focus of the two minds. Essentially, when two people collaborate on any given project, a Third Mind is formed out of the merged focus of the two minds. …“

Source: http://thirdmind.org/

lemonhorse / 31 Mai 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[…die wir nicht sehen können]

[…] elektrolytische Spannung an und in Froschenkeln, um physikalisch genau zu sein – war der Schlüsseleffekt zur chemischen Erzeugung von Elektrizität, die Volta 1800 gelang…
[…] 1895 fand Röntgen die unerklärlichen Strahlenwirkung auf einer zufällig herumliegenden belichtbaren Platte…

[…] Ohne jede Kenntnis von den physikalischen Eigenschaften der Strahlen, nur mit dem vergleichsweise simplen crookesschen Handwerkszeug wurde nun geröntgt. […] Ob die Röntgenstrahlung, physikalisch gesehen, überhaupt ins elektromagnetische Spektrum, das Hertz 1888 mit seiner Entdeckung der Radiowellen sozusagen zugänglich gemacht hatte, überhaupt hinein gehören, war lange höchst umstritten und konnte erst 1912 durch die Interferenzexperimente Max von Laues bewiesen werden. Röntgenstrahlung ist also von 1895 an fast zwanzig Jahre lang das Schauspiel der Naturdimension, die wir nicht sehen können…

Bruchstück aus: „Der Okkultismus der Avantgarde um 1900“
Von Wolfgang Hagen Dr. phil. habil.
Vortrag auf dem „Konfigurationen“-Kongress, Kassel, 04.09.1997
Vgl. auch die veränderte Aufsatz-Fassung in Schade, Sigrid u.a. (Hg): Konfigurationen : zwischen Kunst und Medien, München : Fink Verl., 1999 sowie die erweiterte englische Fassung, the extended english version: Occultism and Avantgard around 1900 (Berlin, MPI-WG, 17.1.)
Quelle:whagen.de/vortraege/OccultismAvantgarde/Okkavang.htm

lemonhorse / 17 Mai 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Im Wahn… ]

Suchmaschienen Textfraktal CutUp (Teil4)…

„Im Wahn wurde eine hochentwickelte Verhaltensform erkannt, und alle Aktionen basierten auf dem Wunsch, sich einem Wahnsinn zu unterwerfen…“

„ich fuehle mich wie im wahn. aber nicht in einem schlechtem…“

„Die Dinge, die uns in der Wirklichkeit ein vertrautes Bezugssystem sind verlieren im Wahn jegliche Kontinuität…“

„Mann erschlägt Vater im Wahn. “

„Für immer im Wahn (Instrumental)“

„Sie erscheint völlig umnachtet und spricht im Wahn mit dem abwesenden Edgardo“

„Dabei hat das alles gar keine Bedeutung, ausser im Wahn dieser Menschen.“

„Im Wahn, der Wahrheit selber nachzufliegen, Jagt oft der Geist nach einer Wolke bloß“

„Rupert, im Wahn, Agnes zu morden, ersticht seinen Sohn; Sylvester…“

„Die Figur zeigt Denethor im Wahn, wie er gerade eine lodernde Fackel in der Hand hält…“

„Das ist saugefährlich, einer hat sich mal den Penis im Wahn abgeschnitten!“

„Ich habe das im Wahn garnicht so mitbekommen. Wenn das so ist, dann entschuldige ich mich für meinen damaligen jugendlichen Leichtsinn.“

„Sophie handelt wieder im Wahn… Bolengo wird plötzlich blau im Gesicht…“

„das heißt, dass erklärt werden soll, warum Menschen sich im Wahn umbringen.“

„Im Wahn ist der Geist gefesselt…“

„Was passiert aber stattdessen im Wahn der aktuellen, kurzsichtigen Mitnahme-Strategie?“

„Während Freud die Religion dem Wahn parallelisierte, sah Jung im Wahn Analogien zu Phänomenen religiöser Besessenheit und Prophetie“

„wo der unglückselige Karl im Wahn seines Gottesgnadentums jung verstarb“

„Ist der Erkrankte schon im Wahn und für Argumente nicht mehr zugänglich, ist die zwangsweise Einlieferung…“

„Steckt Sinn im Wahn oder Wahn im Sinn“

lemonhorse / 5 April 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments

[Religions-Setzbaukasten… ]

Wie sieht [ein] Religions – Setzbaukasten aus?…

  • das junge Mädchen, das nachdem es liebevoll seinen verstorbenen Wellensittich im Garten beerdigt hat, andächtig vor dem Grab steht
  • die Mutter, die ihr einziges Kind bei einem Verkehrsunfall verloren hat, und in der Kirche eine Kerze für sie anzündet, obwohl sie selbst viele Jahre keine Kirche mehr von innen gesehen hatte
  • der Spieler in der Spielbank, der ein Glücksamulett tragend, am Roulett – Tisch seine Chips flüchtig mit den Lippen berührt bevor er sie einsetzt
  • der Direktor, der sein Büro mit den aus dem Afrika- Urlaub mitgebrachten Medizinmann – Utensilien schmückt
  • der Abiturient, der bei der schriftlichen Prüfung gelegentlich in die Hosentasche greift, um seinen Glückstein zu umfassen
  • der US – Präsident, der beim Amtseid die Hand auf die Bibel legt
  • der südamerikanische Fussball- Profi, der sich bekreuzigt und sein Amulett küsst, nachdem er das entscheidende Tor erzielt hat, und in der nachfolgenden Pressekonferenz erklärt, er widme dieses Tor der Madonna, die er um Hilfe angefleht habe, als seine Karriere wegen einer Knie- Verletzung vorzeitig beendet schien
  • der Fabrikarbeiter muslimischen Glaubens, der unter den Blicken seiner verständnislosen Kollegen sein Mittagsgebet auf einem mitgebrachten Gebetsteppich verrichtet
  • die Jugendlichen, die zur Sonnwendfeier sich um ein großes Holzfeuer versammeln um zu Musik und Tanz das mitgebrachte Bier trinken
  • der Fernfahrer, der ein Hufeisen an der Kühlerhaube und ein Bild des heiligen Christophorus am Seitenfenster angebracht hat
  • der Frührentner, der am liebsten Mystery- Serien ansieht, Däniken –Bücher liest, und sich heimlich ein Pendel nebst Gebrauchsanleitung schicken lies
  • der Bürgermeister, der am Wahlsonntag zum Gottesdienst in der Kirche seine Glückskrawatte trägt, die er schon bei seinem ersten Wahlsieg getragen hatte
  • der Akademiker, den in seinem Ägypten- Urlaub beim Anblick der Pyramiden ein unheimliches Gefühl befällt, das ihn nicht mehr loszulassen scheint
  • oder der Manager, der vor wichtigen Entscheidungen das Grab seines Vaters aufsucht um sich dort seelischen Beistand zu holen
  • japanische Shintoisten feiern begeistert Weihnachten
  • Halloween schwappt über den grossen Teich, die europäische Jugend ist begeistert
  • Sonnwendfeiern erfreuen sich besonderer Popularität
  • in den neuen deutschen Bundesländern hält sich hartnäckig die atheistische Initiationsfeier „Jugendweihe“ als Alternative zur kirchlichen Konfirmation und Kommunion
  • das allgemeine Interesse an fernöstlichen Religionen nimmt zu
  • steigende Nachfrage nach Talismanen und Amulette weltweit
  • Voodoo – Praktiken halten in der westlichen Gesellschaft Einzug
  • esoterische Seminare aller Art sind ausgebucht
  • Wallfahrten zu Externsteinen und anderen „magischen Orten“ erfreuen sich grosser Beliebtheit
    und was geschieht im Umfeld der staatlich geförderten „Kultbetriebe“?
  • am 6. Mai 2001 geht die Nachricht um die Welt, als erster Papst der Geschichte betet Papst Johannes Paul II in einer Moschee. Dafür wäre er vor 600 Jahren exkommuniziert worden.
  • seit den 80er Jahren zahlt die katholische Kirche der USA klaglos 800 Millionen Dollar an Entschädigungen und Schmerzensgeld an die Familien sexuell missbrauchter Messdiener (Süddt. Zt., 13.7.98)
  • die „Encyclopedia of American Religions“ listet 1.584 verschiedene religiöse Organisationen allein in den USA auf
  • Am 27. Januar 2000 wurde in Berlin die Bautafel für das Holocaust- Denkmal enthüllt. Es gilt ausschliesslich den ermordeten Juden in der Zeit zwischen 1938 – 1945, nicht aber der Juden, die im Namen der christlichen Religion ermordet wurden, geschweige denn anderer Verfolgter.
  • eine politische Diskussion um den Begriff „Leitkultur“ wird geführt, womit wohl die „christlich- abendländische“ gemeint ist. Auf nichtchristliche und humanistische Ideale wird keine Rücksicht genommen.
  • eine Umfrage im Jahr 1997 hat ergeben, dass 87% der Amerikaner glauben, dass sie in den Himmel kommen werden, auch wenn dieselbe Umfrage feststellte, dass nur 67% der Bevölkerung daran glauben, dass es einen Himmel gibt.“

Bruchstücke aus: „Ansichten über Gott – Annotationen eines Heiden“ von Conny Meier (27. März 2005 ?) Quelle: http://www.gratis-webserver.de/Prometheus/2.html

lemonhorse / 31 März 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Absorbierende Macht… ]

„… […] Die hohlbackige, aber wohlgenährt-dralle Tyrannei der Massenmedien und ihrer Sendeformate scheint ihm geradezu aufzudiktieren, mit welchen Mitteln (ja sogar mit welchen Themen) [ein Poet] das potentielle Publikum zu erreichen habe.
Machen wir’s kurz: Das heutzutage schwergewichtigste Kriterium bezüglich Kunst und ihrer Qualität ist die Verkaufbarkeit.
[…] Wie ist es also für den Dichter möglich, die Hegemonie der Massenmedien zu durchbrechen, wenn er nicht den Konsalik-Weg (und den vieler anderer) gehen will; wenn er demnach die bewußte Entscheidung trifft, nicht das zu reproduzieren und zu plagiieren, was der Apparat der öffentlichen Massenmeinungsbildung verlangt, und doch den Anspruch hegt, nicht zum Freizeit- bzw. Feierabendpoeten zu werden? Wenn er also auch seinen Unterhalt und somit sein Leben finanzieren muß durch das, was er schreibt?

Dies ist eine Streitfrage zwischen Gewissen und Zwang. Nämlich zwischen dem Zwang zum ‚Geldverdienen‘ und der Haltung des Nicht-Mitmachen-Wollens in einem affirmativen System, in dem bedenkenlos die bestehende Hierarchie aufrecht erhalten wird, ohne eine aktive Kritik, ja, in vielen Fällen gar ohne ein seichtes Hinterfragen derselben. Der Literaturschaffende (hier: stellvertretend für den Kunstschaffenden im allgemeinen) sieht sich zwischen zwei Polen eingeklemmt (und zerrissen…), die ganz offenkundig miteinander konkurrieren.

Das Essen muß auf dem Tisch stehen (oder, wenn kein Tisch vorhanden ist, dann halt irgendwo anders), ansonsten verwahrlosen die einstmals schreibfähigen Finger zu ziellos umhertatternden Schattenjägern; und der schöpferische Geist versackt allmählich in den Wirren, die der pure Kampf ums Überleben ihm auferlegt. Die Kunst als „rationale Kraft der Erkenntnis“, die für sich selbst und gegen die Gesellschaft existiert, scheint heute nicht mehr überleben zu können, denn „die absorbierende Macht der Gesellschaft höhlt die künstlerische Dimension aus, indem sie sich ihre antagonistischen Inhalte angleicht. Im Bereich der Kultur manifestiert sich der neue Totalitarismus gerade in einem harmonisierenden Pluralismus, worin die einander widersprechendsten Werke und Wahrheiten friedlich nebeneinander koexistieren.“
[…] Der Mensch, der […] nur noch unkritisch absorbiert, der die Fabeln und Realitäten ohne Unterschied wie ein Schwamm in sich einsaugt, nimmt nicht nur die unschöne und aufgeblähte Form eines panischen Kugelfisches an, er befindet sich auch in einem fortwährenden Dämmerschlaf, im Zustand der Bewußtlosigkeit zwischen unterdrückten Handlungsambitionen und akzeptierter Passivität. Nie zuvor in der Geschichte (selbst an dieser Stelle wird mit Superlativen nicht gespart!!) vernebelten Prachtbauten und Glitzerschaufenster, gefüllt mit den lautlachendsten Unnötigkeiten den Blick auf Gründe und Motive so wie heute. Nie zuvor klaffte die Schere zwischen Möglichkeit und Ist-Zustand so weit auseinander. Der Satz „Jeder darf sagen, was er will“, (der zu einem Schlachtruf innerhalb dieser Demokratie avanciert ist, mit dem jeder Kritiker mundtot gemacht werden kann), gehört umgedreht und in eine zeit-adäquate Stringenz gebracht: „Jeder will sagen, was er darf.“

Die heutige Form der Kultur ist ein großflächiges Manipulativum, das sich in den dreistesten Fällen hinter der Fassade jedweder Kunst versteckt, die sich für diese Zwecke vereinnahmen läßt. Ob der in guter Absicht handelnde Dichter komplizierte Worte benutzt oder ob er sich so klar und eindringlich wie möglich auszudrücken versucht: Immer stößt er auf das Phänomen der Gleichgültigkeit bei einem Großteil seiner potentiellen Adressaten, die nurmehr gegenüber dem schnellebigen Trend, der Modeerscheinung, der Ware sensibilisiert sind. Die Aufnahmefähigkeit beschränkt sich auf geistige Kurzstreckenetappen, und auch das von Grund auf Negierende, das Ablehnende, das offensichtlich Kritische wird nur in buntbestückte Regale eingeordnet — dem Konsum, und damit dem Vergessen anheim gegeben. Es wird verbraucht; und was verbraucht wird, wird letzlich ausgeschieden und ad acta gelegt; die Darminhaltsreste fliegen auf einen indifferenten Haufen, der sich verwesend auflöst.

Dilemma oder Normalität? Hysterie seitens des Autors oder ein tatsächlich beobachteter Zustand? Die Entscheidung sei jedem selbst überlassen (ein Zeichen dafür, daß ich die geistige Autonomie der Menschen noch nicht vollends abgeschrieben habe)! …“

Aus: „Les misérables“ Lars Reyer (parapluie no. 8: zeitenwenden)
Quelle: http://parapluie.de/archiv/zeitenwenden/elend/

lemonhorse / 24 März 2005 / Found.Stuff, Fraktal.Text / 0 Comments