[Zur Begegnung mit Phantomen #6… ]

Bild: ‚Der Himmel über Berlin‘ (1987)

“ … In einem Interview berichtete Wim Wenders im Jahr 2009, dass er eine seiner ungewöhnlichsten Erfahrungen mit seinem Film in Tokio gehabt habe. Dort sahen sich in einem stets vollbesetzten Kino ausschließlich Frauen den Film an. Niemand habe sich das dort erklären können. Eine Vermutung dafür sei, dass in dem Film die Männer, also die Engel, zuhören. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Himmel_%C3%BCber_Berlin (29. Mai 2018)

Christian Schröder (02.01.2017): “ … Engel müssen gefallsüchtig sein. Wenn Besitz von Engelslocken, endloses Absingen von Chören und Tragen von golddurchwirkten Gewändern eine Nebenwirkung haben, dann doch wohl diese: verschärfte Eitelkeit. Allerdings gibt es Ausnahmefälle. Man nennt sie gefallene Engel, weil sie sich für das Hässliche statt für das Schöne entschieden haben, für den Aufstand statt für die Unterwerfung, für die Nacht statt für den Tag. … „Die Welt ist alles, was gefallen ist“, befand Ludwig Wittgenstein. Oder war es Fallada? …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/engelszungen-5-der-gefallene-engel-und-das-gefallene-maedchen/19194232.html

Patrick Wildermann (15.01.2017): “ … Jedenfalls gehören ihm [Yousef Sweid als dem Banditen ‚Liberty Valance‘] die mit Abstand schönsten Sätze: „Ich gehe lieber als aufrechter Teufel unter – lieber an einem Galgen enden, als jeden Abend in einer Nichtraucherbar unsere Depression wegtrinken.“ …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/premiere-im-gorki-theater-wenn-die-luege-zur-wahrheit-wird/19255438.html

“ … Der heruntergekommen wirkende Privatdetektiv Harry Angel lebt Mitte der 1950er Jahre in New York. Ein undurchsichtiger Klient – Louis Cyphre – beauftragt ihn, einen Schuldner aufzuspüren. … Roger Ebert schrieb in der Chicago Sun-Times vom 6. März 1987, dass die Handlung des Films der eigentümlichen Logik eines Albtraums entspreche. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Angel_Heart (2018)

Theresia Heimerl (6.6.2018): “ … Den Pakt mit dem Teufel, [] in Goehtes „Faust“ zu literarischen Ehren gekommen, haben sicher viele Menschen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit zu schließen versucht, genauso wie sie mit Gott und dessen Vermittlern, den Heiligen, zu verhandeln probierten. Vielfachen Nachhall finden diese volksreligiösen Vorstellungen vom Teufel als Vertragspartner in Sagen und Märchen. Freilich ist hier aus dem Verbrechen des Teufelspaktes, das am Scheiterhaufen endete, schon ein Abenteuer geworden, und aus dem fast allmächtigen Teufel ein halbseidener Seelenkäufer, der sich mitunter auch hinters Licht führen lässt. Doch bevor aus dem metaphysischen, allgegenwärtigen Bösen ein literarisches werden kann, bleibt unterm Strich mit dem frühen 18. Jahrhundert eine erschreckende Bilanz an Opfern des Teufels, selbst wenn man jene, die sich vor ihm und seinem höllischen Reich „nur“ zu Tode ängstigten, außer Acht lässt. …“ | https://derstandard.at/2000080981634-5441/Der-Teufel-im-Mittelalter-Verfuehrer-Ketzer-Geschaeftspartner

Ich bringe euch Liebe: “ … Nackt sein ist Sünde. Dieses ganze FKK ist auch ein Werk des Teufels. …“

TanteYOU: “ … Selbstverständlich – deshalb kommen wir auch alle vollständig bekleidet zur Welt…“

Die Gezeichneten: “ … Musikalischer Tipp zum Thema: „Die Sieben Todsünden“ von Kurt Weill (Libretto Bert Brecht) …“

2112Galore: “ … oder It’s a sin von den Pet Shop Boys …“

electric_sheep: “ … Im Fall der römisch-katholischen Kirche steckt der Teufel im Geld. …“

UnrealPlay: “ … Es war halt früher alles einfacher – Damals gab man dem Teufel, dem armen Deifl, für alles die Schuld – das war schnell erledigt, sehr einfach und wenn man eine Person von der Erde tilgen wollte, war er mit dem Teufel im Bude oder besessen oder sont was …“

alles ist relativ: “ … Was man nicht erklären konnte, das bekam den Titel Gott. Was man nicht erklären wollte, nannte man Teufel. …“

lemonhorse / 7 Juni 2018 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #12… ]

Alexander Fröhlich (06.06.2018): “ … AfD-Chef Alexander Gauland ist beim Baden die Kleidung gestohlen worden. … Der Staatsschutz ermittelt. …“ | https://www.tagesspiegel.de/berlin/afd-chef-lebt-in-potsdam-alexander-gauland-beim-baden-die-kleidung-gestohlen/22646104.html

skyhawk 11:41 Uhr: “ … OK, Klamotten geklaut – das ist schon fies. …“

friede45gi 05.06.2018, 17:03 Uhr: “ … Was für eine armselige und feige Aktion. …“

13ryce 05.06.2018, 17:09 Uhr: “ … Weltgeschichtlich betrachtet sind die gestohlenen Kleidungsstücke nicht mehr als ein „Fliegenschiss“. …“ [[Einschub & Kontext (I): Matern Boeselager (Juni 5 2018, 3:09pm): “ … [Die] „Vogelschiss“ Äußerung des AfD-Chefs … In den letzten Jahren war es zunehmend schwieriger geworden, die Grenze zwischen der Mischung aus National-Konservativen, Neuen Rechten und echten Rechtsextremen überhaupt noch zu erkennen. Gauland hat es jetzt geschafft: Die Linie verläuft im Moment noch da, wo die Verbrechen des Nationalsozialismus offen verharmlost werden. … Die Äußerung des AfD-Chefs ging selbst der „Jungen Freiheit“ zu weit. Und Roland Tichy. …“. … “ —> https://www.vice.com/de/article/bj3yzw/afd-alexander-gauland-vogelschiss-auf-der-hundekrawatte | Einschub Ende]]

minimal 16:10 Uhr: “ … Schaut man sich das Echo auf diesen eher unspektakulären Vorfall [AfD-Chef Alexander Gauland ist beim Baden die Kleidung gestohlen worden] an (Im Jahr 2016 gab es insgesamt 2.373.774 Diebstahlsdelikte in Deutschland) … eine Nachricht, die bundesweit Schlagzeilen macht … Nahezu sämtliche Online-Medien, regionale wie überregionale, berichten darüber von der taz bis zum „Schwarzwälder Boten“ (je nach Ausrichtung von sachlich bis süffisant und mehr oder weniger schadenfroh). Wem der Name Gauland bisher nichts sagte, der kennt ihn spätestens jetzt und zwar mit Badeshorts. … C’est la vie! …“

Anarc 11:17 Uhr: “ … Das ist ganz klar Terrorismus in Reinkultur. Bestimmt Linksradikale. Was jetzt folgen muß sind mindestens 5 Hausdurchsuchungen in behördlich bekannten Objekten und eine mehrjährige Gefängnisstrafe für irgendeinen Täter. Ansonsten kann man in Deutschland nicht mehr von einem Rechtsstaat sprechen. …“

Strange 12:18 Uhr: “ … Es gab vor knapp 100 Jahren schon mal den Badehosenskandal, der sich auf die SPD-Politiker Friedrich Ebert und Gustav Noske bezog [‚Im Sommer 1919 besucht Friedrich Ebert an der Ostsee ein Kindererholungsheim der Hamburger Produktionsgenossenschaft. Der SPD-Politiker war Anfang des Jahres von der Nationalversammlung zum vorläufigen, ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt worden. An diesem 16. Juli entsteht ein Foto, das für Ebert ungeahnte Auswirkungen hat: Er lässt sich mit Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) und Mitgliedern der Produktionsgenossenschaft in Badehosen am Strand ablichten. … Eberts politische Gegner setzen eine Postkarte in Umlauf, die tausendfach verkauft wird. In dieser Version des Fotos werden Ebert und Noske zusammen mit Wilhelm II. und Paul von Hindenburg abgebildet. Der abgetretene Kaiser und der frühere Chef der Obersten Heeresleitung tragen Paradeuniformen. Zwischen ihnen und den Demokraten in Badehosen steht die Zeile: „Einst und jetzt!“ Historiker Mühlhausen: „Damit wurden die einfachen Gemüter angesprochen, um zu zeigen, was eigentlich aus diesem herrlichen Kaiserreich geworden ist: eine Republik, die sich selbst entblößt.“‚ (Q)]. Der wurde damals vom politischen Gegner weidlich ausgeschlachtet. …“

Rompertaube 11:12 Uhr: “ … An sich hat mir gestern schon die Lektüre der zwischen Haß und Häme pendelnden Twitter-Kommentare viele linker Journalisten gereicht, die sich gar nicht mehr einkriegen konnten. Heute kommt dann verschwörungstheoretisches Geraune dazu. Überrascht, das muß ich sagen, bin ich aber nicht. Aber auch links fallen die letzten Hemmungen …“

13ryce 12:10 Uhr: “ … Antwort auf den Beitrag von DaW 11:33 Uhr – Antwort auf den Beitrag von Rompertaube 11:12 Uhr: Glauben Sie im Ernst, Gysi oder Merkel müssten in der gleichen Situation keine hämischen Kommentare über sich ergehen lassen? — Es gibt sie, die selbstverordnete Humorlosigkeit aus politischen Gründen. Zu dieser Fraktion gehören diejenigen, die sich über einen Kleiderklau im Falle von Merkel oder Claudia Roth gar nicht wieder einkriegen würden, aber gleichzeitig fürchten, es würde der Ernsthaftigkeit ihrer Agenda schaden, wenn sie es sich erlaubten, auch einmal über Gauland (mit)zuschmunzeln. …“

mena 10:00 Uhr: “ … Immerhin kann Boateng nicht der Täter gewesen sein. Der bereitet sich gerade in Österreich auf die Verteidigung der deutschen Ehre vor …“

aussenring 10:43 Uhr: “ … Es ist sehr interessant zu sehen wie manch Forist hier die Maske fallen läßt! Dem Gauland wünsche ich das er seine Klamotten zurück bekommt und dem Täter einen Prozeß vor Gericht. …“

zeichen3 11:16 Uhr: “ … und dem Täter einen Prozeß vor Gericht – Unbedingt. Kann ja wohl nicht sein, dass so schwere Straftaten ungesühnt bleiben. Meine Volksseele kocht, dass kann ich Ihnen aber sagen. …“

waschi 10:41 Uhr: “ … Noch kein Bekennerschreiben? Solche Aktionen werden doch sonst mit verschwurbelten Mitteilungen gefeiert. …“

Demokratick 08:51 Uhr: “ … Diese ungezogenen Hosendiebe! Die sollten sich in Acht nehmen …“

aussenring 11:07 Uhr: “ … Antwort auf den Beitrag von altautonomer 07:59 Uhr: Es handelt sich wohl um eine illegale Badestelle. — Der See hat eine ganz offizielle Badestelle. Sollten sie wissen, daß Gauland woanders ins Wasser stieg, bedeutet das, daß SIE in die Strafttat involviert sind und hoffentlich vom Staatsanwalt Besuch bekommen. …“

mena 12:40 Uhr: “ … Antwort auf den Beitrag von Rastapopoulos 10:17 Uhr: Eben weil der See „uns allen“ gehört, darf keiner von uns die Ufer zerstören, Sie nicht, ich nicht und auch kein Gauland. Als Kompromiss zwischen dem Bedürfnis der Menschen baden zu gehen und dem Erhalt der Ufer wurden offizielle Badestellen eingerichtet. Wer anderswo ins Wasser geht, zerstört die Natur und in diesem Fall sogar ein Kulturgut. …“

13ryce 09:36 Uhr: “ … Der Kleiderklau zeigt zumindest eine gravierende Lücke in Gaulands persönlichem Security-Konzept auf. …“

RalfM. 07:37 Uhr: “ … Ob es hier wohl genauso viel Verständnis für die Täter geben würde, wenn das Gregor Gysi passiert wäre und die Täter gegen Linke agitiert hätten? … Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden. …“

DaW 08:43 Uhr – Antwort auf den Beitrag von RalfM. 07:37 Uhr: “ … Dann wäre es genauso albern. …“

B.Browny 05.06.2018, 22:49 Uhr: “ … Tja, wenn Politiker baden gehen. Ist ein echtes déjà-vu. [‚Hans-Christian Ströbele soll falsch gebadet haben. Ein 13-jähriger Angler soll Ströbeles Frau dabei beschossen haben – mit Fischfutter. Als wäre das noch nicht kurios genug, soll ein Blog auch noch falsch darüber berichtet haben. Der Grünen-Politiker findet das alles nicht lustig.‚ (25.11.2011), (Q)] …“

Till_dg 05.06.2018, 22:05 Uhr: “ … Ein Diebstahl bleibt ein Diebstahl. Politik ist das Eine. Die Freizeit eines älteren Herren etwas anderes. Die Schadenfreunde etlicher Foristen auf dieser Seite macht einen betroffen und zeigt ein schlechtes Bild (Charakter) dieser Menschen. …“

XV71 05.06.2018, 19:38 Uhr: “ … Interessant, wie die „Meute geifert“, der „Online- Mob Hass und Hetze“ verbreitet. … HateSpeech …“

lemonhorse / 6 Juni 2018 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

lemonhorse / 6 Juni 2018 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #11… ]

“ … [zu: „Grand Budapest Hotel“ (2014):] Patrick Seyboth von epd Film … hob hervor, dass „unter der Verspieltheit […] diesmal eine tiefe Trauer angesichts der Katastrophen der Geschichte“ lauere. Darunter leide der Schwung des Films allerdings nicht, „eher noch scheint er eine trotzige Energie daraus zu ziehen.“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Grand_Budapest_Hotel

Rüdiger Suchsland (Grand Budapest Hotel (USA/D/GB 2013) – KRITIK, artechock): “ … Wes Andersons Filme können einem ganz schön auf den Geist gehen. Sie können einen aber auch verzau­bern, und zu Kino­er­leb­nissen verhelfen, wie man sie selten sieht, gerade im Kino der Gegenwart. … Immer noch wirken Andersons Filme in manchen Augen­bli­cken wie Puppen­stuben, narziss­tisch-kitschige Spiel­plätze für Erwach­sene, und der Regisseur wie einer, der auch als großer Junge noch am liebsten Barbie­puppen ankleidet, oder ordent­liche Playmobil-Welten aufbaut. In ihren besten Momenten sind sie aber hoch­poe­ti­sche, tief­grün­dige Panoramen voller Einfälle, die tatsäch­lich neue fremde Welten schaffen, die mehr Phan­tastik sind, als Fantasy – eben für Erwach­sene: Sie kommen ohne Gnomen, Drachen und Zauberer aus – denn die Monster stammen aus unserer eigenen Welt. …“ | https://www.artechock.de/film/text/kritik/g/grbuho.htm

Patrick Seyboth (18.02.2014): “ … Ohne jede Frivolität kontaminiert Anderson die idealisierte, exzentrisch-freizügige Welt des Grand Hotels mit Anspielungen an reales historisches Grauen. Die Werte, die der distinguierte Concierge verkörpert und verteidigt – nämlich Stil, Anstand und Sinnenfreude – sind dem Untergang geweiht. Die Zeit der Barbaren bricht an, schillernd verkörpert von Adrien Brody als skrupellosem Schreibtischtäter Dmitri und Willem Dafoe als seinem Henker Jopling. Im schwarzen Ledermantel scheint er den düstersten Winkeln der frühen Filmgeschichte entstiegen und wirft schon mal beiläufig ein Kätzchen aus dem Fenster. …“ | https://www.epd-film.de/filmkritiken/grand-budapest-hotel

lemonhorse / 6 Juni 2018 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Seelische Vorgänge #2… ]

“ … Philosophische Anthropologie (Anthropologie = Menschenkunde, von ánthropos „der Mensch“ und -logie) ist die Disziplin der Philosophie, die sich mit dem Wesen des Menschen befasst. … Wo Menschen sich zu einem Rätsel oder Problem werden, sich selbst befragen oder in Frage stellen und die eigene Existenz betreffende Annahmen oder Antworten entwickeln, berühren sie das Feld der philosophischen Anthropologie. … Nach den Entwicklungen in der Psychologie, der Biologie und der Evolutionstheorie bedurfte es für Cassirer zur Beantwortung der Frage, was der Mensch sei, eines neuen Schlüssels. Diesen sah Cassirer in der Bedeutungstheorie der symbolischen Formen. Erkenntnis findet nicht nur begrifflich in der Sprache statt, sondern auch durch Mythen, in der Religion und in der Kunst. Auch Geschichte, Wissenschaft, Technik und Politik haben ihre eigenen symbolischen Formen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische_Anthropologie (15. Februar 2018)

John William Waterhouse „Sleep and his Half-brother Death“ (1874)

“ … John William Waterhouse (1849 – 1917) war ein britischer Maler, der sowohl dem Akademischen Realismus als auch der Gruppe der Präraffaeliten zugerechnet wird. […] „Über die Ausgeburten von Waterhouse urteilten die Kritiker mal euphorisch, mal vernichtend. Ein Kritiker maulte, das Personal seiner Bilder entstamme weder „Träumen noch dem Tageslicht“; ein anderer schwärmte, die Kunst von Waterhouse lebe „in einer selbsterschaffenen Welt“. In einem Punkt waren sich also alle einig: Der 1847 in Rom geborene Maler hatte eine Welt geschaffen, die sich weder dem Phantastischen noch der Wirklichkeit zuordnen ließ. In seiner Malerei erhielten Hexen, Mischwesen und Märchenfiguren ein neues Zuhause. Er war ein Meister darin, dem Außerordentlichen eine beiläufige, selbstverständliche Gestalt zu geben.“ – Julia Voss in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 23. Juli 2009 …“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/John_William_Waterhouse (17. April 2018)

“ … Mit dem Todestrieb führte Sigmund Freud einen seiner umstrittensten Begriffe in die Theorie der Psychoanalyse ein. Der Todestrieb – oft auch im Plural die Todestriebe – bildet den Gegenpol zu den Lebenstrieben (Eros). … Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Konzeption des Todestriebs spielte für Freud dabei die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der ein bis dahin noch nie erlebtes Ausmaß an menschlicher Zerstörungslust offenbarte. Erich Fromm analysierte in seiner Schrift Anatomie der menschlichen Destruktivität (1973) unter anderem Adolf Hitler und Heinrich Himmler als „destruktive“, auf pathologische Weise vom Todestrieb beherrschte Charaktere. … Lacan weicht jedoch von Freuds Konzeption entscheidend ab, wenn er den Todestrieb nicht als einzelnen Trieb versteht, sondern als Aspekt, der jedem Trieb innewohnt. Auch identifiziert er den Todestrieb nicht mit der Rückkehr zum Anorganischen, also einen vorkulturellen Zustand der Natur, sondern als Bestandteil von Kultur selbst: Der Todestrieb ist für ihn kein biologischer Begriff, sondern gehört der „symbolischen Ordnung“ an. (vgl. Evans: Wörterbuch der Lacanschen Psychoanalyse, S. 307 f.) Im Anschluss an Lacan deutet auch Slavoj Žižek den Todestrieb: „Der Freudsche Todestrieb hat nicht das geringste mit dem Verlangen nach Selbstvernichtung, nach einer Rückkehr zur anorganischen Abwesenheit jeglicher Lebensspannung zu tun; er ist vielmehr genau das Gegenteil des Sterbens – ein Name für das ‘untote’, ewige Leben selbst, für das schreckliche Schicksal, im endlosen Wiederholungskreislauf des Umherwandelns in Schuld und Schmerz gefangen zu sein. Das Paradox des Freudschen ‘Todestrieb’ ist folglich, daß Freud damit dessen genaues Gegenteil bezeichnet, nämlich die Art, wie die Unsterblichkeit innerhalb der Psychoanalyse erscheint, einen unheimlichen Exzeß des Lebens, einen ‘untoten’ Drang, der über den (biologischen) Kreislauf von Leben und Tod, von Entstehen und Vergehen hinaus persistiert. Die eigentliche Lehre der Psychoanalyse ist, daß das menschliche Leben nie einfach ‘nur Leben’ ist: Menschen sind nicht einfach lebendig, sie sind besessen von dem seltsamen Trieb, das Leben exzessiv zu genießen, und hängen leidenschaftlich an einem Überschuß, der hervorsticht und den normalen Gang der Dinge zum Scheitern bringt.“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Todestrieb (25. April 2018)

[KLAUS-DIETMAR HENKE, Professor am Institut für Geschichte der TU Dresden. Der Zeithistoriker war vier Jahre lang Forschungschef der Gauck-Behörde, seit 1997 ist er Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Henke, 54, veröffentlichte unter anderem das Standardwerk „Die amerikanische Besetzung Deutschlands“] „DAS BÖSE – NUR BANAL?“ (03.09.2001): “ … Hannah Arendt begann sich dem Phänomen des Staatsmordes und seinen Exekutoren zunächst in ihren berühmten Reflexionen über den Totalitarismus zu nähern, die sie noch im Krieg aufnahm und Anfang der fünfziger Jahre der Öffentlichkeit vorlegte. Sie begriff totalitäre Herrschaft als Angriff auf das Wesen des Menschen. Da für Hitler und Stalin alle Höherentwicklung an den eisernen Gesetzen des Rassen- beziehungsweise des Klassenkampfes hing, folgte daraus die gezielte Zurückdrängung der menschlichen Pluralität und Individualität als logische und politische Konsequenz. Eigenwillig, wie er ist, steht der Mensch einer beschleunigten Durchsetzung der historischen oder biologischen Gesetzmäßigkeiten nur im Wege. Deswegen macht der Totalitarismus nichts weniger als den Versuch, die universale Idee der menschlichen Würde und der unveräußerlichen Menschenrechte selbst zu beseitigen, um damit die Entfaltung der angeblichen Gesetze von Natur oder Geschichte zu erleichtern.
Brennpunkt dieses Versuchs, die Autonomie des Einzelnen zu zerstören, die menschliche Natur umzuformen, ja den Störfaktor Mensch „überflüssig zu machen“, ist für Hannah Arendt das System der Lager. Der Terror dort, der die Ideologie eines binären Freund-Feind-Denkens abstützt, dient dem Regime weniger zu praktischen Zwecken als vielmehr zur Demonstration, dass es keine Begrenzung mehr dafür anerkennt, was Menschen einander antun dürfen.
Weil die Philosophin in den Lagern Laboratorien des stalinistischen und nationalsozialistischen Totalitarismus zur Beseitigung einer kommunikativen Welt sah, ohne die kein Individuum existieren kann, bediente sie sich zur vorläufigen Bezeichnung des Ungeheuerlichen des Kantschen Begriffes vom „radikal Bösen“. Was in den Lagern geschah, konnte nicht mehr auf die üblichen niedrigen menschlichen Motive zurückgeführt werden. Es lag außerhalb jeder moralischen Dimension und war damit menschlichem Begreifen letztlich entzogen – vorstellbar allenfalls als Ausdruck des altvertrauten metaphysischen Kampfes zwischen Gut und Böse.
Dieses apokalyptische Bild gab einerseits eine atemberaubende Ahnung von dem unbegrenzten Verfügungsanspruch totalitärer Herrschaft, von ihrer Dynamik, ihrer ungebremsten Produktion immer neuer „Feinde“ und damit zugleich ein eindringliches Gegenbild des demokratischen Verfassungsstaates. Andererseits nahm die Perspektive einer Bedrohung des Menschseins und der Suche nach universellen Gegenmitteln eine so hohe Ebene der Abstraktion ein, dass Hannah Arendt, die die Essenz und die Tendenz totalitärer Herrschaft idealtypisch und „nur“ in äußerster gedanklicher Zuspitzung freilegen wollte, gleichsam den historischen Boden unter den Füßen zu verlieren drohte.
Nationalsozialismus und Stalinismus (von dem sie wenig wusste) mit ihrem Lagerkosmos waren nicht nur in manchem ähnliche, sondern eben auch höchst verschiedenartige Regime. Auschwitz war gewiss aus dem Totalitarismus, aber vor allem aus dem Antisemitismus geboren, aus moderner instrumenteller Rationalität und aus deutschen Wurzeln, aus anonymer Bürokratie und nationalsozialistischer Ideologie. … Gerade weil die strukturelle Gewalt totalitärer Herrschaft in der Analyse der Philosophin weithin täterlos geblieben war, ließ sie es sich nicht entgehen, einen der vermeintlichen Haupttäter des Nationalsozialismus persönlich in Augenschein zu nehmen. Als Israel den aus Argentinien entführten Adolf Eichmann 1961 vor Gericht stellte, fuhr sie als Berichterstatterin nach Jerusalem. Die Theoretikerin des Totalitarismus wollte sich mit seiner Praxis vertraut machen und die unverhoffte Gelegenheit nutzen, einen von „diesen Leuten“ aus der Nähe zu beobachten. Ihre Artikelserie für den „New Yorker“ veröffentlichte sie 1963 als Buch. Im Jahr darauf erschien die Studie in Deutschland: „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“.
In Jerusalem wurde der Prozessbeobachterin augenblicklich bewusst, dass es ein Irrweg war, den Judenmord als letztlich metaphysisches Geschehen zu deuten und Täter wie Eichmann zu bösen Dämonen zu machen. … Ihr Einblick in die Organisation des Judenmords und die Motivlage des Angeklagten ließen Hannah Arendt nun auf der rationalen Erklärbarkeit des „größten Unheils unseres Jahrhunderts“ bestehen. Damit befreite sie sich nach 20 Jahren auch von dem Alpdruck, die Menschheit könne von ähnlichem Unheil heimgesucht werden, ohne es begreifen und wieder kaum bekämpfen zu können. Hannah Arendts „Bericht von der Banalität des Bösen“ war der freimütige Versuch, dem Teuflischen mit kühlem Kopf zu begegnen. … Nach einigen Anfechtungen begann Eichmanns Gewissen systemkonform zu arbeiten, „weil die Stimme des Gewissens in ihm genauso sprach wie die Stimme der Gesellschaft, die ihn umgab“, schrieb Hannah Arendt. Sein privater kategorischer Imperativ (wie er sagte), allein nach dem „Gesetz“ des Führers zu handeln, verschmolz mit dem Gebot der geltenden Offizialmoral, angesichts schwerer mörderischer Pflicht nicht „weich“ zu werden. … Neue Erlösungsprogramme werden sich kaum in der Requisite des 20. Jahrhunderts bedienen. Aber genügend Komplizen kann das extrem Böse auch heute finden, wenn es sich nur in den Mantel des sittlich Gebotenen hüllt. …“ | http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-20017823.html

“ … Arendt betont, dass die Sprache der Nazis darauf aus war, Zusammenhänge auch vor den Tätern selbst (vor anderen ohnehin) zu verschleiern, um Gewissensreste, die manche Täter anfangs noch haben mochten, zu beruhigen. Das gilt hier für das Wort „Sache“ oder allgemein für die typische Tarnsprache der Zeit, z. B. „Endlösung“ für den Massenmord an Juden. Nach Arendt hatte Eichmann diese verdinglichte Sprache noch im Prozess, zwanzig Jahre nach seiner Tätigkeit, vollkommen verinnerlicht und wendete sie in den Verhören vor Avner Less und vor Gericht ständig an. … Ihre Zusammenfassung des Prozesses lautet: „In diesen letzten Minuten war es, als zöge Eichmann selbst das Fazit der langen Lektion in Sachen menschlicher Verruchtheit, der wir beigewohnt hatten – das Fazit von der furchtbaren Banalität des Bösen, vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert.“ … Schulze Wessel kommt zu dem Ergebnis, dass die „Banalität des Bösen“ keine Verharmlosung der Nazitaten ist, sondern im Gegenteil eine Radikalisierung der antisemitischen Ideologie; Eichmann inszenierte sich selbst in Jerusalem nur als willenloses Werkzeug eines „Führerwillens“, als Mann ohne Eigenschaften. Nach Avner Werner Less, der Eichmann 275 Stunden lang verhörte, hat Hannah Arendt verkannt, dass Eichmanns Aussagen ein Lügengewebe gewesen sei. Eichmanns Verteidigungsstrategie habe darin bestanden, die Richter von der Unwichtigkeit und Geringfügigkeit seiner eigenen Person zu überzeugen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Eichmann_in_Jerusalem (Stand: 20. Mai 2018)

“ … Was wir als gut oder böse erleben, hat einen Bezug zu unserer Lebensgeschichte. … “ („Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, was man läßt!“ (Wilhelm Busch) – Familienwerte und -normen im Blick der Generationenweitergabe, Margit Wegener ) — “ … Im Märchen sind Böse und Gut immer klar voneinander zu unterscheiden – möchte man meinen. Aber ist das wirklich immer so? …“ (Märchenseminar: Böse und Gut aus der Sicht eines Märchens, Gideon Horowitz) — “ … Erlöse (oder befreie) uns von dem Bösen. Aber Leben ohne Böses ist kaum vorstellbar – zu schön, um wahr zu sein. Wir wären wie die Träumenden. …“ (Erlösen, Eindämmen, Abgeben – Das Gute als Verzicht, Wolfgang Teicher) — „Good people go to heaven, bad people everywhere“ (Psychodramaseminar), Dorothea Ensel und Prof. Dr. Peter Wertz-Schönhagen … [Textfraktale aus: „Zwischen Böse und Gut – vom Umgang mit Urkräften“, Arbeitstagung 2017 in Lindau (Bodensee) vom 29.10. bis 2.11.2017 – Internationale Gesellschaft für Tiefenpsychologie e.V., http://junggesellmuc.de/wp-content/uploads/2017/07/Tagungsprogramm-igt-2017.pdf]

(2. Januar 2017): “ … Was genau verstehen Sie unter dem Bösen? – Haller: Für mich gehören dazu immer fehlende Empathie, Sadismus und das Herstellen und Ausnutzen eines einseitigen Machtverhältnisses, wie es im Krieg sehr ausgeprägt ist oder bei Terroranschlägen, die sich gegen Unschuldige richten. Aber das Böse an sich ist natürlich keine Kategorie für die Psychiatrie. …“ | Andreas Lebert und Katrin Zeug „“Jeder Mensch hat in sich seine Abgründe““ (2. Januar 2017) | https://www.zeit.de/zeit-wissen/2017/01/psychologie-psychiater-gericht-gutachten-verbrecher-interview

Fritz Riffer (Ärztlicher Leiter am Psychosomatischen Zentrum Eggenburg-Gars. Dort findet am Freitag der Jahreskongress zum Thema „Mensch Beziehung Störung“ statt) [5. Juni 2018]: “ … Die Gegenüberstellung von Liebe und Aggression lässt sich anhand von Märchen gut erläutern … Im Märchen ist die Spaltung besonders gut dargestellt, weil die guten und die bösen Eigenschaften meist auf zwei Personen verteilt sind. Es gibt eine böse Hexe und eine gute Fee. Deshalb lieben Kinder Märchen auch so. Obwohl sie wissen, dass ihre Mutter beide Eigenschaften in einer Person vereint, ist es einfacher, diese getrennt zu denken. … Auch wir haben den Wunsch in uns, eine Einteilung in Gut und Böse zu finden, das beruhigt. Man denke nur an die Politik. Die meisten von uns haben eine für sich gute und eine böse Partei. Was als gut oder böse bewertet wird, hängt vom persönlichen Standpunkt ab. Diese Aufteilung machen wir alle täglich, sie gibt uns Orientierung. Die Kunst ist, nach dem Auseinanderhalten auch wieder zusammenführen zu können. Bei Diskussionen heißt das: Ich habe diesen Standpunkt, aber kann die Argumente der Gegenseite wahrnehmen und zulassen. Es geht um das Ausmaß der Spaltung und die Fähigkeit, sie zu überwinden. Menschen mit Borderlinestörung tun sich damit schwer. … Ohne für das Gegenüber nachvollziehbar zu sein, schwanken die Betroffenen zwischen Idealisierungen und Entwertungen, loben in den Himmel, oder werden – scheinbar ohne Anlass – aggressiv. Der amerikanische Präsident ist ein gutes Beispiel dafür. … Er hat aus meiner Sicht eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, die mit der Borderlinestörung ganz eng verwandt ist. Bei kleinen Anlässen gibt es ein großes Gewitter, er idealisiert und entwertet, sodass die Öffentlichkeit aus dem Staunen gar nicht herauskommt. Auf der anderen Seite hat er Angst, die sich in einer enormen Kränkbarkeit zeigt. Trump sagt über sich, er sei ein stabiles Genie. Das ist der Narzisst. Er entschuldigt sich nicht, leidet auch nicht an seinem Verhalten. Das ist der Unterschied zur Borderlinestörung. …“ | Aus: „Borderline: Nur Gut oder nur Böse sehen“ – Interview: Bernadette Redl | https://derstandard.at/2000080923523/Borderline-Nur-Gut-oder-nur-Boese-sehen

Gerichtspsychiater Reinhard Haller (02.04.2012): “ … Jemandem ins Gesicht zu schauen, heißt, ihn nicht töten zu können, lautet ein berühmtes Philosophenwort. Wenn man den anderen entmenschlicht, das ist immer passiert, wenn es um lebensunwertes Leben, um geborene Verbrecher, um unnütze Esser und so weiter gegangen ist. Wenn sehr viel Macht eingesetzt wird, also wenn die Machtverhältnisse ganz einseitig sind, und wenn man den Moralinstinkt, der in jedem Menschen irgendwo vorhanden ist, in allen Kulturen weiß man, Töten ist nicht in Ordnung. Das ist ein Verbrechen. Wenn der übersprungen wird, dann, glaube ich, dann können wir sagen, ist das Böse ganz besonders nahe. Und es kommt noch ein Faktor hinzu, das ist die Autorisierung des Bösen. Also dass vollkommen normale Menschen zu schrecklichen KZ-Wärtern oder zu Mitgliedern eines Erschießungskommandos bei Massenerschießungen geworden sind, die daneben liebevolle Familienväter und fürsorgliche Söhne und so weiter sind, unter dieser Autorisierung des Bösen kommt aus ihnen etwas heraus, was sie wahrscheinlich selbst nie vermutet hätten. …“ | http://www.deutschlandfunkkultur.de/das-boese-beginnt-dann-wenn-der-mensch-sich-nicht-in-andere.954.de.html?dram:article_id=147128

“ … Mit Der Luzifer-Effekt … schlägt [Philip Zimbardo] den Bogen von den Details des weltberühmten Stanford Prison Experiment bis zu den grausamen Geschehnissen im Gefängnis von Abu Ghraib im Irak, und es offenbart verstörende Wahrheiten: über physische und psychische Gewalt, über Misshandlungen und Folter, über Kriegsverbrechen und Massenmorde – und über die Menschen, die sie ausführen, anordnen, ermöglichen oder zulassen. … Zimbardos These: Nicht die Veranlagung bringt gute Menschen dazu, Böses zu tun, sondern die Situation, in der sie sich befinden oder in die man sie versetzt. Die Macht der Umstände schafft Täter und Opfer, und in oft diffusen Verantwortungsgeflechten verlieren moralische Maßstäbe allzu leicht ihr Fundament … Der „Banalität des Bösen“ setzt Zimbardo die „Banalität des Heldentums“ entgegen. …“ | https://www.j-k-fischer-verlag.de/Gesundheit/Psychologie/Der-Luzifer-Effekt–3770.html (2016)

“ … Häufig ist der Schicksalsglaube religiös eingebettet oder ausgeformt. Die Annahme, das Schicksal des Menschen liege in der Hand Gottes oder eines übermächtigen göttlichen Wesens und werde von ihm bestimmt oder zumindest geführt, findet man im Glauben an die göttliche Vorsehung, der etwa im Islam und im Christentum eine wichtige Rolle spielt. Je nachdem wie viel Entscheidungsspielraum dabei dem freien Willen des Menschen gegenüber dem vorbestimmten oder vorgesehenen Schicksal zugestanden wird, gehen diese Vorstellungen recht weit auseinander … Philosophisch ist die Stellung und Bewertung des Zufalls von Bedeutung, der im Schicksals- und Vorsehungsglauben häufig als göttliche oder schicksalhafte Fügung verstanden oder gedeutet und teils – wie im konsequenten Determinismus – als nicht existent abgelehnt wird („es gibt keine Zufälle“). Im Unterschied zu deterministischen Vorstellungen betont der Schicksalsglaube jedoch die Unausweichlichkeit nur des Ergebnisses (der „Bestimmung“) eines Vorgangs oder einer Biografie, billigt dem Individuum jedoch mitunter durchaus die Möglichkeit freier Willensentscheidungen zu, mit denen es den Eintritt des vorbestimmten Ergebnisses freilich nicht beeinflussen, jedenfalls nicht verhindern kann. Klassische Beispiele für dieses paradoxe Moment in der schicksalgläubigen Weltauffassung finden sich in der antiken Sagenwelt, etwa in den Geschichten des Ödipus oder des Odysseus, deren Protagonisten in ihren Handlungen frei sind und alles unternehmen, um ihrer (durch Orakel prophezeiten) schicksalhaften Bestimmung zu entgehen, letztlich aber gerade dadurch ihr vorherbestimmtes Schicksal selbst realisieren. … Einig sind sich das schicksalgläubige und das deterministische Weltbild indes in der Betonung der Unausweichlichkeit und Alternativlosigkeit der Realität. Das kann zu einer eher passiven, schicksalergebenen (fatalistischen), bisweilen gleichgültigen oder − auch ethisch – indifferenten Lebenseinstellung führen und das Streben nach Selbstbestimmung und Weltveränderung als Illusion begreifen lassen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Schicksal (16. Dezember 2017)

lemonhorse / 5 Juni 2018 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Kiel #51… ]

Photograph: Hans Hartz, Photographie Datum (19??)
Postkartenfund, Flohmarkt, Kiel [2018]

“ … Der 1902 in Kiel geborene Hans Hartz fotografierte bereits als junger Mann auf Kostümbällen, um sein Taschengeld aufzubessern, wobei er das heimische Badezimmer kurzerhand zur Dunkelkammer erkor. … 1928 zog er nach Hamburg und gründete dort mit dem Verleger Hans Andres einen Kalender-, Glückwunsch- und Ansichtskarten-Vertrieb. Mehrere Jahre verbrachte er als Bordfotograf auf Passagierdampfern, wobei er neben den angesteuerten Reisezielen auch das Schiffsleben dokumentierte. Hans Hartz, der während seiner über 40-jährigen Berufstätigkeit nie einen Belichtungsmesser verwendete, sondern stets seiner Erfahrung vertraute, hatte sich auf Stadtansichten und Landschaftspanoramen spezialisiert, die er als Ansichtskarten verkaufte; der von ihm anvisierte Kundenstamm waren Touristen. Die Aufnahmen entstanden vornehmlich mit einer Reise-Holzkamera im Plattenformat 13 x 18 cm, gedruckt wurde im Bromsilberdruckverfahren. …“ | Quelle: https://www.dhm.de/archiv/magazine/fotografen/hartz.html

// https://de.wikipedia.org/wiki/Bromsilberdruck

lemonhorse / 4 Juni 2018 / Found.Stuff, Kiel.Refugium, Visual.Notes / 0 Comments

[Zur Begegnung mit Phantomen #5… ]

“ … In den fürstlichen Wunderkammern, die ab dem 16. Jahrhundert entstanden, nahmen Raritäten und Fabelwesen einen besonderen Platz ein. So zeichnete zum Beispiel Conrad Gessner Drachen und Einhörner, die wahrhaftig in den Alpen vorkämen. Damit sollte der Reichtum von Gottes Natur dargestellt werden. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Fabelwesen (7. April 2018)

“ … Es ist schwierig, einen genauen Ursprung des Glaubens an den Hausgeist zu ermitteln. Der Hausgeist wurde erstmals von Johann Leonhard Frisch in seinem Wörterbuch 1741 beschrieben. Er wurde hier als spiritus familiaris bezeichnet und bezeichnet eher einen gutmütigen Geist. Hausgeist als Sammelbezeichnung mehrerer Geisterarten war hier wohl unüblich und hat sich erst in der späteren Zeit entwickelt. Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Begriff in den deutschen Dialekten nicht mehr vorhanden, was die Vermutung aufkommen ließ, dass er sich zu einem pseudowissenschaftlichen Sammelbegriff entwickelt hat. Es können verschiedene Typen von Hausgeistern unterschieden werden, wobei einzelne Hausgeister nicht immer klar zugeordnet werden können: spezielle Raumgeister bewohnen nur einen Teil des Hauses oder Hofes, etwa die Küche, den Keller oder den Stall, der dadurch zu einem Ort mit bestimmten Tabuvorschriften wird. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Hausgeist (9. März 2018)

Judith Lembke (29.05.2018): “ … Wer versucht, mit Hilfe des Internets der schlechten Atmosphäre im Haus auf die Spur zu kommen, wird schnell fündig: Eine ganze Armada von Schamanen und „Heilern“ verspricht Abhilfe bei nervigen Hausgeistern, Schreikindern und unruhigen Haustieren. Abgerechnet wird der Energieputz meist je Quadratmeter plus Anfahrtspauschale. Studenten und Bedürftige bekommen oft Rabatt.
Ob das alles nur Hokuspokus ist, Ersatzreligion in einer säkularisierten Welt oder aber mehr zwischen vier Wänden steckt als nur Luft – die Branche boomt. Nicht nur esoterisch veranlagte Privatleute vertrauen mittlerweile auf die Hilfe von Feng-Shui-Beratern, Schamanen und Raumenergetikern. Auch manches Unternehmen lässt wie Aigner Immobilien seine Büroräume gegen atmosphärische Störungen behandeln, um das Betriebsklima zu verbessern. „Die Menschen sind in den vergangenen Jahren viel offener gegenüber diesen Dingen geworden“, sagt Ivo Siebenförcher. Der Österreicher arbeitet seit dreißig Jahren als Raumenergetiker und Feng-Shui-Berater, vor allem für Unternehmen. Unter seinen Kunden finden sich neben Bauträgern auch Raiffeisenbanken, ein Dentallabor und die Zentrale des Tourismuskonzerns TUI in Innsbruck. „Im Prinzip ist das alles ganz einfach“, sagt Siebenförcher: Neben grobstofflichem Schmutz wie Staub gebe es in Häusern auch feinstoffliche Verunreinigungen wie Ängste, Sorgen und Spannungen. „Diese Informationen speichern sich im Haus. Man sagt doch nicht umsonst, dass irgendwo dicke Luft herrscht.“ – Das beste Mittel, um Räume von negativen Energien zu reinigen, sei Räuchern. „Das ist wie Putzen. Man klärt den Raum von alten Energien und schafft Platz für Neues“, sagt Siebenförcher, der sich dabei auf eine jahrtausendalte Tradition beruft. Im babylonischen Reich, der römischen Antike und natürlich auch in der katholischen und den orthodoxen Kirchen war und ist Räuchern Teil des Ritus, es steht für einen Neuanfang. „Grundsätzlich kann man mit allem räuchern, mit Harzen, Kräutern und Früchten. Allerdings hat alles eine unterschiedliche Wirkung“, sagt der Berater. Räuchern könne jeder, etwas falsch machen könne man eigentlich nicht. …“ | Aus: „Wir wohnen nicht allein: Wenn es Zuhause spukt“, Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wohnen/haus/wir-wohnen-nicht-allein-wenn-es-zuhause-spukt-15609109.html?printPagedArticle=true

Eduard Felson (29.05.2018): „Verliert die FAZ den Geist der Aufklärung aus den Augen? …“

lemonhorse / 31 Mai 2018 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Irrationalismus und das Romantische Erbe #2 … ]


I Hired a Contract Killer (Aki Kaurismäki, 1990)

“ … (E)in anständiger Schluck Whisky, eine Schachtel filterloser Zigaretten und die Bekanntschaft mit der Rosenverkäuferin Margaret wecken plötzlich die Lebensgeister des Todgeweihten. …“ | Quelle: https://www.viennale.at/de/film/i-hired-contract-killer

“ … Dem Killer gelingt es mehrfach, Boulanger aufzuspüren. Schließlich kann er ihn in die Enge treiben. Als sie sich Auge in Auge gegenüberstehen, erschießt sich der schwer kranke Auftragsmörder (Lungenkrebs), der laut seinem Arzt noch etwa zwei Monate zu leben gehabt hätte, schließlich selbst. Margaret hat unterdessen Bahnfahrkarten nach Frankreich besorgt. Sie ginge mit ihm aber auch bis ans Ende der Welt, denn: „Die Arbeiterklasse hat kein Vaterland“. … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_mit_meinem_Killer (23. April 2018)

“ … Kein Film Noir ohne eine Wurzel im Urgrund der Romantik, wie auch Kaurismäki sicher weiß, so dass manche Wendung nicht allein grotesk erscheint sondern auch eine Herzensangelegenheit darstellt. …“ | Quelle: https://der-film-noir.de/v1/node/611

“ … Der Verfremdungseffekt besteht im Kern darin, dem Betrachter vertraute Dinge in einem neuen Licht erscheinen zu lassen … Das Gewohnte soll im Verfremdeten erkannt werden; dazu ist eine aktive, aber distanzierte (rationale statt emotionale) Mitwirkung des Zuschauers erforderlich. … Brecht verstand sein Konzept weniger als Lehrmethode … , sondern wollte in erster Linie das Vergnügen und den karnevalesken, ambivalenten Spaß der Zustände in der realen Welt zugänglich machen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Verfremdungseffekt (9. April 2018)

lemonhorse / 29 Mai 2018 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Stanton Moore (1998)… ]

Stanton Moore – All Kooked Out! (1998) | Fog City Records Recorded completely live (no overdubs, no headphones) at Magazine Sound Recording, New Orleans, February 25 – March 1, 1998

Kenneth Bellew vor 4 Monaten This album smokes!

lemonhorse / 27 Mai 2018 / Akustische.Wellen, Found.Stuff, Kunst.Encoder / 0 Comments

lemonhorse / 27 Mai 2018 / Akustische.Wellen, Found.Stuff, Kunst.Encoder / 0 Comments